Privatisierung

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Die Würde des Menschen ist antastbar. Die Zukunft von Hartz IV – schon jetzt hier. Ein Fallbeispiel….und Livebericht.

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Donnerstag, 10.3.2016. Eifel. Wir müssen uns heute mal über Ihr Schicksal unterhalten. Ihres? Ja, genau, Ihres. Ich weiß, Sie haben Arbeit, fühlen sich gesund, sind noch relativ jung: was soll Ihnen schon passieren? Läuft doch alles super. Sogar der Chef hat sie lieb – Klasse! Vielleicht grillen Sie sogar gelegentlich miteinander … und ziehen dabei über die faulen Hartzer her. Ist ja immer ein tolles Gefühl: „wir“ hier oben gegen „die“ da unten. Wussten Sie schon, dass die gar nicht als Hartzer geboren werden? Das waren mal normale Menschen wie Sie und ich. Und wussten Sie, dass man noch tiefer sinken kann – als klar denkender, durchsetzungsfähiger, leistungsorientierter und arbeitswilliger Mensch in Deutschland? Tiefer als Hartz IV? Nun – lassen Sie mich eine Geschichte erzählen. Die Geschichte einer Frau. Nennen wir sie „Ellen“ – das hört sich cool und schreibt sich leichter als Katharina oder Isidora.

Ellen – ging es gut. Sie war leitende Pflegekraft in einem Krankenhaus – Abteilung Forensik. Da hatte sie wohl ihre Durchsetzungskraft her, immerhin musste sie die kranken Knackis – die Mörder, Zuhälter, Vergewaltiger, Pädophilen – auf Kurs halten. Ein bombensicherer Job, denn: Kriminelle produzieren wir in Serie (sogar in der Regierung sind einige) … und Kranke auch. Doch eines Tages geschah etwas Besonders: es kam ein Mann aus den fernen USA mit einer besonderen Idee: er wollte viele Krankenhäuser aufkaufen, damit sie „wirtschaftlich“ werden. Das war ein toller Mann – ohne Zweifel, denn: er war ein armer Bauerssohn und hatte gar kein Geld.

Dieses Geld bekam er aus den USA. Umsonst (siehe: Nachdenkseiten). Ja – das passiert schon einmal in unserer Welt: so werden Milliardäre gemacht. Es ist mir sehr wichtig, dass Sie das verstehen: wer zum Milliardär wird, wird in Bankzentralen entschieden – dort, wo unser aller Geld liegt. Vom Tellerwäscher zum Milliardär geht nur, wenn die Bank freundlich winkt. Wer zum auserlesenen Kreis passt, bekommt genug Geld geliehen, um ganze Klinikketten aufzubauen, wichtig ist neu eins: dass er die Geschäfte so organisiert, dass das geliehene Geld mit dickem Gewinn zurückkehrt – und genau das scheint die Idee unsere tollen  Mannes gewesen zu sein. Sein Name spielt übrigens keine Rolle, denn: Menschen wie ihn gibt es zu hunderten, zu tausenden, zu zehntausenden. Er ist jetzt Milliardär, kaufte sich das Atlantik-Hotel in Hamburg (wirklich: eine ganz ganz feine Adresse), hatte an seinem Wohnsitz auch noch ein teures Hotel (wo auch Sie für 14000 Euro die Nacht einkehren dürften – oder 21000 Euro, wenn Ihnen der Platz nicht reicht – alles von der Frau des Meisters mit Hilfe von Feng-Shui-Meistern optimiert, siehe Taunus-Zeitung). Sie sehen: das Klinikgeschäft lohnt sich.

Es ist auch wirklich ein toller Mann, die Sylter Rundschau hat mal ein Interview mit ihm geführt (siehe Sylter Rundschau):

„Und zwar einer der tief verwurzelt im katholischen Glauben ist und sich mit Gewerkschaften prinzipiell nicht an einen Tisch setzt. Angeblich, weil ihm aus deren Kreisen in den Asklepios-Anfängen unterstellt worden sei, Scientology nahe zu stehen. Eine Kränkung, die bis heute extrem tief zu sitzen scheint. Genauso wie Vorwürfe, er würde sich auf Kosten der schlecht bezahlten Mitarbeiter persönlich bereichern. „Ich habe noch nie auch nur einen Pfennig aus dem Unternehmen entnommen oder ein Gehalt bezogen“, stellt Broermann glaubhaft klar. Was streng genommen natürlich nichts daran ändert, dass der Gewinn des Konzerns seinen Reichtum mehrt. Allerdings nur, solange seine Kliniken auch wirtschaftlich arbeiten. Sei das nicht der Fall, stünden auch die Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wie gesagt: Klar und überzeugend.“

Klar und überzeugend, dass man ohne Eigenkapital Milliardär wird und die teuersten Hotels Hamburgs kaufen kann, wenn man nichts aus dem Unternehmen nimmt und kein Gehalt bezieht. Überzeugt mich völlig. Zudem läuft das Klinikgeschäft gut – es gibt ja reichlich Fördergelder (also: Steuern, dass zahlen Sie): zum Beispiel 4,7 Millionen für eine Klinik in Falkenstein (siehe Taunuszeitung) oder – für die ganze Branche – 500 Millionen für ein Pflegeförderprogramm, das für mehr Mitarbeiter in den Kliniken sorgen soll (siehe Das Parlament), eine Maßnahme, die nötig wurde, weil die privaten Kliniken natürlich nur rentabel sind, wenn man die Personalkosten niedrig hält (siehe nochmal: Nachdenkseiten):

Seit dem Beginn der großen Privatisierungswelle im Jahre 1995 wurden alleine in der Krankenpflege rund 50 000 Vollzeitstellen abgebaut. Heute versorgt eine Pflegekraft rund 25 Prozent mehr Fälle
als vor 15 Jahren. Alleine die jeden Monat geleisteten Überstunden entsprechen 15 000 Vollzeitstellen. Gespart wird vor allem bei den Gehältern im Pflegebereich: 20 Prozent aller vollzeitbeschäftigten Krankenpfleger beziehen ein Bruttoeinkommen von unter 1 500 Euro und weitere 20 Prozent zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Nur 13 Prozent beziehen mehr als 3.000 Euro brutto pro Monat. Sogar die Unternehmensberatung McKinsey, die ansonsten unverdächtig ist, Arbeitnehmerinteressen zu vertreten, brandmarkt diese offensichtliche Diskrepanz »Wenngleich die Beschäftigten in deutschen Krankenhäusern sehr viel leisten, verdienen sie keinesfalls mehr als ihre Kollegen im Ausland. Im Gegenteil: Die höchste Produktivität geht einher mit dem niedrigsten Gehaltsniveau.«

Wer sich für die „Verdichtung der Arbeit“ (nicht: Vernichtung durch Arbeit, das ist ähnlich, aber anders gemeint) interessiert, sei auf das Laubournet verwiesen (siehe: Labournet) wo der betriebliche Kampf gegen die Arbeitsbedingungen in Privatkliniken dokumentiert wurde. Natürlich hinterlassen solche betriebswirtschaftlichen Durchmärsche auch Opfer wie den 29-jährigen Thomas Schmidt – man hat ja im Rahmen der verdichteten Arbeit nicht wirklich für jeden Patienten Zeit (siehe NDR). Auch die Sylter Geburtsklinik hatte da Todesfälle wegen Qualitätsmängeln zu verzeichen (siehe Spiegel) – es lag natürlich nicht am Betreiber.

Jetzt haben wir viel über die Gesundheitsreform gesprochen und darüber, wie man dort Milliarden verdienen kann – es wird Zeit, zu Ellen zu kommen: nun kennen Sie ja das Umfeld, in dem sie sich bewegt hat.

Ellens Pech war, dass sie in einem der privatisierten Krankenhäuser arbeitete – und zudem Mitglied einer Gewerkschaft war … jenen „Gewerkschaften“, mit denen „man sich nicht an einen Tisch setzt“ – jedenfalls nicht dann, wenn man Milliardär mit Luxushotels ist und an Gehältern sparen möchte. Nach der Privatisierung wurde sie zur „unerwünschten Person“ – hatte sie doch einen jener Arbeitsverträge, die betriebswirtschaftlich außerordentlich unerwünscht war – auch wenn sie dafür (wie momentan alle Pflegekräfte) an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeitete. Um rentabel zu werden, musste ein Drittel des Personals gehen, also wurde „Druck“ ausgeübt. Wir kennen das: so arbeitet auch die Regierung mit den Opfern solcher tollen Männer: auch die werden gedrückt (hier wäre das Wort „genötigt“ eher angebracht) jene Jobs aus eigener Kraft zu finden, die bundesweit von Milliardären und ihren Millionärsbütteln abgebaut wurden.

Der Druck war so groß, dass sich ein Arbeitskollege während der Arbeit das Leben nahm. Gearbeitet wurde mit allen Mitteln: Rufmord, Ausschluß aus Teambesprechungen, schikanöse, gesundheitsgefährdende Dienstzeiten … und das alles im sensiblen Bereich der Forensik. Unexaminierte Billigkräfte wurden für die Herausgedrückten eingestellt (da gab es wohl auch schon eine eigene Leiharbeitsfirma des Konzerns, die die Billigkräfte rekrutierte – wir kennen das aus allen anderen Branchen), die wenigen Qualifizierten, die übrig blieben, mussten die dreifache Arbeit machen: alles zum Wohle der Rendite. „Leistung muss sich wieder lohnen“ gilt halt nicht dort, wo echte Leistung erbracht wird, sondern nur dort, wo Kapitalmengen für Parteispenden gesammelt werden.

Kurz gefasst: in dieser Entsorgungsorgie verlor auch Ellen ihren Arbeitsplatz – sie war im Laufe vieler Arbeitsjahre einfach zu teuer geworden. Leistung soll sich ja nicht für die lohnen, die sie erbringen, sondern lieber für jene, die sie verwalten: da stehen Unternehmer und Politiker dicht nebeneinander. Leistungsorientiert und Egoman wie unsere Idealmenschen nun mal sind, verließ sie auch ihr Lebenspartner (betriebswirtschaftlich vorbildlich wie der tolle Mann mit den Kliniken) … samt allem Geld, dass sie angespart hatte. Nicht schön – aber trotzdem real in unserem guten, neuen Deutschland. Da stand Ellen auf einmal vor einem Problem, dass viele haben: ohne Wohnung (die sie allein nicht halten konnte) gab es keine neue Arbeit, ohne Arbeit keine neue Wohnung. Man kennt das ja. Eine Zeit lang kam sie bei Freunden unter – die jedoch immer weniger wurden. Auch das kennt man ja: wer den Judenstern – äh, nein – den Armutstern trägt, ist draußen und lernt, dass er kaum wirklich echte Freunde hatte.

Doch da: kam Hilfe am Horizont. „Man“ hatte gemerkt, dass es da einen Markt gab: Menschen, denen keiner mehr eine Wohnung vermietet, weil die staatlichen Regelsätze in Großstädten gerade mal die Übernachtung in ungeheizten Wohnwagen reichen … von denen es nur wenig gibt. Da das Problem vor allem Frauen betraf, die von Männern bedroht wurden und plötzlich ohne Heim darstanden, hatte man auch eine Lösung gefunden: man mietet ganze Häuser an und bringt die Frauen dort unter.

Ich habe nun mehrfach mit Ellen telefoniert, habe Fotos ihrer alten Wohnung gesehen: da steckte schon Geld in der Einrichtung, das war schon gehobener Wohnkomfort, wie man ihn sich leisten kann, wenn man Arbeit hat. Nun wartete auf Ellen – innerhalb kurzer Zeit – ein Zimmer in einer WG.

Im Prinzip: eine gute Sache, auch wenn man selber den Sturz „nach ganz unten“ erstmal verdauen muss, so hat  man es doch geschafft, nicht auf der Straße zu landen – wie 350 000 (bald 500 000) andere, für die es nur ein klein wenig schlechter lief. Und eine WG ist auch eine schöne, kostengünstige Angelegenheit … es mussten nur ein paar Verträge unterzeichnet werden, schon war man nicht mehr in Gefahr, die nächste Nacht auf der Straße verbringen zu müssen. Ja: so ist unser Sozialstaat – er zahlt im Notfall für 6 Monate die normale Miete weiter, dann droht die Räumung, immer häufiger auch nach dem „Berliner Modell“ … wo man von seinem Besitz noch eine Tasche füllen darf, der Rest kommt weg. Da werden Existenzen komplett vernichtet, um die sich keiner kümmert, weil sie ja – plötzlich und unerwartet – parasitäre Sozialschmarotzer geworden sind … ganz anders als die tollen Milliardäre, die das Land zum Ruhm führen.

Ja … die Verträge. Wer hat schon Zeit, die alle in Ruhe durchzulesen – wenn Obdachlosigkeit droht. Was nebenbei zu den Verträgen gehört: die Hartz IV-Gelder gehen an den Träger des Hauses – nicht mehr an die vollmündigen Bürger. Man hat auf einmal einen Verwalter, der sich zwischen die Bewohner und das Amt schaltet – und sich das auch bezahlen läßt. Von dem persönlichen Regelsatz von 404 Euro werden erstmal 108 Euro abgezogen – von jedem Bewohner. Das Amt zahlt 354, 20 Euro pro Person an Miete – für ein Haus, in dem häufiger schon mal die Heizung ausfällt. Dafür aber bekamen diese 5 Frauen: eine Betreuerin (nein, keinen Vormund, sondern jemand, der täglich kontrolliert, ob sie auch das Haus gründlich putzen), eine Einkaufshilfe (wo man Frauen, die ihr ganzes Leben im Beruf standen, vermittelt, wie man einkaufen geht) und einen Erzieher (der sie gelegentlich mal ins Spaßbad einlädt oder einen Kochkurs anbietet – dafür zahlen sie ja auch 108 Euro im Monat).

Sie dachten immer: Hartz IV ist ganz unten? Lassen Sie sich überraschen, es geht noch viel weiter runter. So musste man zum Beispiel – um überhaupt aufgenommen zu werden – alle behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbinden, verpflichtete sich, keinen Alkohol im Haus zu trinken und den Zugang zu den Privatzimmern jederzeit zu gewähren. Überraschenderweise möchte die Verwaltung auch die Eingliederungsvereinbarungen mit dem Jobcenter selbst verhandeln … und Blankounterschriften unter Vereinbarungen, die unter Umständen dazu führen, dass die Bewohner des Hauses … eine gerichtlich bestellten Vormund bekommen, ohne davon Kenntnis zu haben. Für „Unterhaltung“ sorgen auch größere Mengen an „therapeutischen Helfern“, die gelegentlich in Gruppen von bis zu vier Mann (ja: dafür ist Geld da) ins Haus einfallen um … zum Beispiel eine Glühbirne auszuwechseln. Selbstverständlich … gelten die Zimmer als Privatsphäre, die geachtet wird – allerdings ist schon auffällig, dass nach Abwesenheit der Bewohner schon mal die Fenster (scheinbar von Geisterhand) frisch geputzt sind … ein Service, den man natürlich auch positiv sehen kann.

Ja, Ellen meint selbst, sie habe vor zwei Wochen zuviel unterschrieben. Natürlich bekam sie keine Kopien der Verträge – auch nicht auf Nachfrage. Aber Drohungen – die gab es. Die sind ja auch leicht und unaufdringlich formulierbar – immerhin kann man sie ja jederzeit auf die Straße werfen. Ellen ist Ende fünfzig – und will wieder in ihrem alten Beruf arbeiten. Ellen ist eine sehr dynamische, wortgewandte und durchsetzungsfähige Person – trotzdem sieht sie die Möglichkeit, dass sie mal als Kunde in der Psychiatrie enden wird – vielleicht schon bald. Der Weg dorthin ist einfach: je mehr sie sich gegen die entwürdigende Entmündigung wehrt, um so renitenter wird sie wahr genommen, als Querulantin beschrieben, die sich selbst in Gefahr bringt … und schon wäre sie weg. Natürlich bringt sich jeder selbst in Gefahr, der die Anweisungen seines Herrn nicht befolgt … weshalb man vernünftigerweise diesen Anweisungen zu folgen hat, jenen Anweisungen, die bei einer Mitbewohnerin mit Arbeitsplatz jetzt dazu führen, dass man sie anleitet, in ein Altenheim mit Betreuung zu ziehen – mit 60.

Es ist schon … denkwürdig, wenn man sie anruft und keiner geht ans Telefon, weil … „gerade Kontrolle ist“. Es ist unheimlich, mitzubekommen, wie sie „das blanke Entsetzen packt“, wenn die „Betreuer“ mit neuen Ideen auflaufen – wie sie erst heute morgen geschrieben hat. Es ist … beunruhigend, zu wissen, dass es jederzeit ganz ganz still um Ellen werden kann. Für immer. Vielleicht … sitzt sie heute Abend schon auf der Straße? Immerhin … weigert sie sich, weitere Entmündigungen hin zu nehmen. Oder sie äußert weiter konsequent ihren Unmut über Putzkontrollen, Entmündigung und Einkaufshilfen – und landet dann als „Querulant“ dort, wo sie ihr Leben lang gearbeitet hat? Nur halt als Patient, als Opfer einer „Armutsindustrie“, die allein 2011 schon mehr als 25 Milliarden Euro umsetzte (siehe Spiegel), also deutlich mehr, als den Arbeitslosen selbst für die Selbstorganisation ihres Überlebens zugestanden wird.

Auf der anderen Seite sitzen natürlich nur die Guten, die helfen wollen. Wie immer. Die Milliardäre mit Herz.

Warum ich diese Geschichte erzählen wollte? Weil Ellen schon jetzt in einer Zukunft lebt, die allen „Überflüssigen“ droht. Die Wirtschaft braucht keine Vollzeitarbeitsplätze mehr, sie braucht immer weniger Menschen, die teuren Alten sind ihr sowieso zuwider. Fünf Jahre Praktikum, dann zehn Jahre Leiharbeit, dann staatlich organisierte Endlagerung: das ist die Perspektive der Zukunft, der feuchte Wunschtraum jedes Leistungsverwalters: Gratisarbeit dank Staatsgewalt – so ist der Mensch profitabel für die Firma. Wer Glück hat, darf in der Endlagerverwaltung als Erzieher arbeiten – als einer jener, die „ihren Namen tanzen können“ … wie Ellen ihren Erzieher beschrieb. Ja – sie hat mit 57 Jahren wieder einen Erzieher. Und einen Einkaufshelfer. Und eine Putzkontrolle. Und eine indirekte Entmündigung. Sie selbst – will einfach nur wieder arbeiten gehen. Dort, wo sie gute Arbeit geleistet hat. Doch: ohne Wohnung – keine Arbeit.

Und mit Hartz IV: keine Wohnung.

Die in jenen Häusern gemachten (lukrativen) Erfahrungen werden sicher bei der Endlösung der Arbeitslosenfrage helfen. Diese … wird schon langsam ins Auge gefasst (siehe 3Sat):

„Ein disqualifizierter Konsument hat einen ganz anderen sozialen Status als die industrielle Reservearmee. Ein disqualifizierter Konsument ist völlig nutzlos“, so Baumann weiter. „Ein hoffnungsloser Fall für die Gesellschaft. Wenn man absolut zynisch ist, würde man sagen, unserer Gesellschaft ginge es viel besser, wenn diese armen Menschen, die keine richtigen Konsumenten sein können, einfach verschwinden würden.““

„So erklärt es sich, warum der Staat sich immer weniger um seine Arbeitslosen kümmert. Er weiß, dass diese Menschen nicht mehr gebraucht werden. Sie liegen dem Steuerzahler nur auf der Tasche.“

Abfallmenschen – so nennt der hier ziterite Soziologe die neue Kategorie von Mitbürgern, deren Entsorgung gerade ausprobiert wird. Immerhin … will auch der Finanzminister seine schwarze Null, damit der die Qualitätsmängel der Milliardärsfirmen sorgenfrei ausgleichen kann.

PS 1: ach ja, Sie interessieren sich jetzt noch für den Erfolg der Gesundheitsreform? Sie Witzbold. 2005 waren es knapp 240 Milliarden, 2014 – dank effektivem Einsatz fleißiger Milliardäre – 328 Milliarden (siehe Statista) die wir in diesen Moloch ohne Grund und Boden investiert haben (siehe Statista). Nun ja – nun müssen wir ja von unseren Beitragsgeldern auch noch Konzerne durchfüttern und Investoren glücklich machen, das kostet halt.

PS 2: Ja – und wirklich: Sie können sich sicher sein, dass genau heute hoch bezahlte jugendliche Unternehmensberater an Ihrer Abschaffung arbeiten. Viel Spaß beim Grillen mit dem Chef.

PS 3: Ellens letzte Worte heute Morgen waren in der Tat: „Was passiert hier bloss? Mich packt das blanke Entsetzen“. Ich weiß nicht, ob ich je wieder von ihr hören werde. Jetzt auf jeden Fall nicht: während der täglichen Kontrolle wird nicht telefoniert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wasser

Aguas del Tunari, eine Tochterfirma von International Water Ltd., einem Firmenkonsortium mit Beteiligung der US-Baufirma Bechtel und des Energieunternehmens Edison aus Italien, handelte ohne öffentliche Beteiligung und hinter verschlossenen Türen mit der bolivianischen Regierung einen 40-jährige Monopolvertrag der Wasserver- und -entsorgung aus. Die Konzession beinhaltete die Konfiszierung und damit Enteignung gemeinschaftlich errichteter und genutzter Brunnen. Kurz darauf erfolgten Preiserhöhungen für die Konsumenten, deren Wasserrechnungen zwischen 50 und 250 Prozent anstiegen. Auf Proteste wurde mit äusserte Gewalt geantwortet.

Video, bitte Beitrag anklicken]

 

Widerstand ist zwecklos, oder? Über tote Freunde, die Berechenbarkeit der Zukunft und böse Uhren

Donnerstag, 11.10.2012. Eifel. Ich habe einen recht heterogenen Lebensweg, einen Lebensweg, der kaum Freunde zulässt. Ich war in verschiedensten Rollen und sozialen Schichten unterwegs, Schichten, die sich gegenseitig ausschlossen.  Ich wollte das so, das gehörte zu den Zielen, die ich mir mit 14 gesetzt hatte. Der Zeuge für diese Ziele ist jetzt tot, er begleitete meinen Weg seit 38 Jahren. Wir hatten uns gemeinsam auf den Weg der Philosophie gemacht - unsere Wege trennten sich, als er nach dem Studium in die Altenpflege ging, um den Menschen nahe zu sein und ich in die Wirtschaft, um zu verstehen, wie Alltagswelt geformt wird.  Durch ihn habe ich Jahr für Jahr vom Niedergang der Altenpflege erfahren - von der Tatsache, das heute 2 Leute die Arbeit von  10 machen ... und das der Beruf wg. unvermeidbarer Rückenschäden direkt in den Abgrund Hartz IV führt. Unsere Wege trennten sich - aber nicht der Austausch unserer Erfahrungen ... jedenfalls bis vorgestern. Sein Tod macht gestaltet den Austausch etwas schwieriger. Ein weiterer Freund (Ingenieur) hat mir dann während des Studiums beigebracht, Machtstrukturen in Konzernen zu verstehen und Fallen der "Kollegen" aus dem Weg zu gehen. Er starb mit 51 Jahren, nachdem er zehn Jahre lang von der Arbeit anderer gelebt hatte. Er starb allein, weil seine Freundin geistig seltsam wurde (wähnte sich durch Wasserhähne beobachtet und stahl anderer Leute Babys, um sie selber groß zu ziehen - ich war dabei, so was gibt es wirklich) - davon hat sich sein rationaler Geist nie erholt. Sein Weg war nicht Hartz IV, sondern der Konzernweg: zehn Jahre arbeiten, Geld gut anlegen ... und dann ins Privatleben zurückziehen. Ohne Arbeit - das heißt, er ging täglich angeln. Aber das gilt ja nicht als Arbeit.  "Privatisieren" nennt man das in der Konzernwelt, ich habe dutzende erlebt, die diesen Weg gingen - eigentlich lebten alle so, die keine Kinder hatten. Mein Freund wusste, das er der wahre Schmarotzer war und sah (als Mensch, der während des Studiums überzeugter und engagierter "Linker" war), das die Politik auf Leute wie ihn bald mit schärferen Gesetzen im Sozialbereich reagieren würde: Hartz IV war vorhersehbar ... schon 1990. Es hat nur die Falschen erwischt - Menschen wie er sind (wenn auch in ganz anderen Dimensionen) die eigentlichen Parasiten und Schmarotzer, aber da die politische Kaste nahezu komplett zum Club der "Privatisierer" gehört, wurden die Alten, die Kranken, die Behinderten, die Desillusionierten ins Ziel genommen - von dort her war wenig Widerstand zu erwarten.

Donnerstag, 11.10.2012. Eifel. Ich habe einen recht heterogenen Lebensweg, einen Lebensweg, der kaum Freunde zulässt. Ich war in verschiedensten Rollen und sozialen Schichten unterwegs, Schichten, die sich gegenseitig ausschlossen.  Ich wollte das so, das gehörte zu den Zielen, die ich mir mit 14 gesetzt hatte. Der Zeuge für diese Ziele ist jetzt tot, er begleitete meinen Weg seit 38 Jahren. Wir hatten uns gemeinsam auf den Weg der Philosophie gemacht – unsere Wege trennten sich, als er nach dem Studium in die Altenpflege ging, um den Menschen nahe zu sein und ich in die Wirtschaft, um zu verstehen, wie Alltagswelt geformt wird.  Durch ihn habe ich Jahr für Jahr vom Niedergang der Altenpflege erfahren – von der Tatsache, das heute 2 Leute die Arbeit von  10 machen … und das der Beruf wg. unvermeidbarer Rückenschäden direkt in den Abgrund Hartz IV führt. Unsere Wege trennten sich – aber nicht der Austausch unserer Erfahrungen … jedenfalls bis vorgestern. Sein Tod macht gestaltet den Austausch etwas schwieriger. Ein weiterer Freund (Ingenieur) hat mir dann während des Studiums beigebracht, Machtstrukturen in Konzernen zu verstehen und Fallen der „Kollegen“ aus dem Weg zu gehen. Er starb mit 51 Jahren, nachdem er zehn Jahre lang von der Arbeit anderer gelebt hatte. Er starb allein, weil seine Freundin geistig seltsam wurde (wähnte sich durch Wasserhähne beobachtet und stahl anderer Leute Babys, um sie selber groß zu ziehen – ich war dabei, so was gibt es wirklich) – davon hat sich sein rationaler Geist nie erholt. Sein Weg war nicht Hartz IV, sondern der Konzernweg: zehn Jahre arbeiten, Geld gut anlegen … und dann ins Privatleben zurückziehen. Ohne Arbeit – das heißt, er ging täglich angeln. Aber das gilt ja nicht als Arbeit.  „Privatisieren“ nennt man das in der Konzernwelt, ich habe dutzende erlebt, die diesen Weg gingen – eigentlich lebten alle so, die keine Kinder hatten. Mein Freund wusste, das er der wahre Schmarotzer war und sah (als Mensch, der während des Studiums überzeugter und engagierter „Linker“ war), das die Politik auf Leute wie ihn bald mit schärferen Gesetzen im Sozialbereich reagieren würde: Hartz IV war vorhersehbar … schon 1990. Es hat nur die Falschen erwischt – Menschen wie er sind (wenn auch in ganz anderen Dimensionen) die eigentlichen Parasiten und Schmarotzer, aber da die politische Kaste nahezu komplett zum Club der „Privatisierer“ gehört, wurden die Alten, die Kranken, die Behinderten, die Desillusionierten ins Ziel genommen – von dort her war wenig Widerstand zu erwarten.

Vorhersehbar war auch der Wirtschaftscrash. Ein weiterer Freund (Arzt) redete Mitte der neunziger Jahre auf mich ein, das Land zu verlassen. Er warnte vor einer deutlichen Verschärfung der sozialen Lage und einer gigantischen Wirtschaftskrise, die von den USA ausgehend die ganze Welt erfassen würde. Seltsam, das er das wusste, die deutschen Medien und Politiker aber ruhig blieben. Dieser Freund ist seit Jahren im Ausland verschollen, niemand hat je wieder von ihm gehört.

In der Zeit, als ich mich daranmachte, die Wirtschaftswelt zu verlassen (es wurde immer krimineller – und dazu war ich nicht bereit, auch nicht mit Haus und Familie) und Vorträge für Psychiater zu organisieren, in denen Menschen mit alternativen Weltbildern dem „Mainstream“ der Psychiater ihre Welt vorstellen sollten, lernte ich André kennen, Betriebsrat in einem großen Konzern, Radiomoderator, Ladenbesitzer, Boxer und … Druide. Echtes Mitglied des alten britischen Ordens der Barden und Druiden, jener Religion, dessen Veranstaltungen Ex-Kanzler Schmidt so oft besuchte, das der die im Bohemian Grove stattfindenden Aufführungen als „die besten druidischen Rituale“ bewerten konnte. André wollte die machtbesessene Gegenwelt der „anderen Druiden“ durch Zauber und Gesang angehen – und lernte schnell die Gegenmacht kenne.  In kürzester Zeit wurde er entlassen (ja, als Betriebsrat mit über zwanzig Jahren Betriebszugehörigkeit. Die Realität da draußen liegt halt manchmal jenseits dessen, was in Gewerkschaftsschulen gelehrt wird), erhielt einen Schlaganfall, bekam Krebs und war tot. Ich habe den Prozess detaliert verfolgen dürfen. Das hinterließ bei mir einen gewissen Respekt vor den Mächten, an deren Strippen die Konzernbosse und Parteibonzen hängen. Möglicherweise erklärt man uns in der Schule nicht alle Wege der Machtausübung, manches ist und bleibt halt „Herrschaftswissen“.  In Druidenkreisen sprach man damals schon von der gigantischen Wirtschaftskrise, die angedacht war – leider kenne ich keine anderen Druiden.

Alle drei wären jetzt in Hartz IV – wenn sie nicht zuvor gestorben wären. Ein Idealist, der in seinem Leben nur Gutes tun wollte, ein Ingenieur, die niemals darüber hinweg kam, das seine zukünftige Frau geisteskrank geworden ist (und der durch die Lehmannpleite viel verloren hätte), ein Radiomoderator, Unternehmer und Betriebsrat.

Eigentlich nicht das „Klientel“, das man uns so im Fernsehen vorstellt.

Was geschieht eigentlich mit einem selbständigem Unternehmer, mit einer Person also, die zur Spitze der Gesellschaft zählt, zu den vielgelobten Leistungsträgern, die sich jetzt auf unser aller Kosten neue Solarplatten aufs Dach nageln dürfen (siehe Welt)?

Nun … er wandert direkt von heute auf morgen in Hartz IV.  Ist man dann über fünfzig, hat zudem keinen Führerschein und kein Auto (was ja der Umwelt sehr nützt), sind die Vermittlungschancen auch für Ärzte gering (das durfte ich in einem anderen Fall erleben) – allerdings redet man darüber nicht gern, ebenso wenig redet man gern darüber, das Hartz IV immer mehr zuvor wohlhabende Menschen erreicht, die nur einen Makel haben: über fünfzig zu sein. Wir bräuchten heute ein Renteneintrittsalter von fünfzig Jahren – besser noch fünfundvierzig – um jener von der Wirtschaft gesteuerten Entwicklung entgegentreten zu können.

Stattdessen bekommen wir eine Erhöhung des Renteneintrittsalters, weil das Geld für die Altenpflege in „Privatisierungen“ geflossen ist, „Privatisierungen“, die zum Ziel aller geworden sind, die es sich leisten können, weil nur genug Kapital vor der Hartz-Hölle schützen kann.

Jene, die nun mit fünfzig schon aus dem Karussell fallen, werden brutal aussortiert – unabhängig davon, wieviel Steuern sie zuvor gezahlt haben.  Man kommt in die gleiche Schlange wie jene Leute, die ihre Rücken in der Altenpflege ruiniert haben, sich durch politische Arbeit unmöglich gemacht haben oder einfach schon immer Alkoholiker waren … und dann sitzt man Menschen mit zum Teil äußerst geringer Bildung und Lebenserfahrung gegenüber, die aber die Macht haben, einen verhungern zu lassen, zu schikanieren, zu entwürdigen oder bloß zu stellen. Wie man hört, machen manche das auch – allein aus dem Grund heraus, das sie selber Angst vor dem künstlichen Abgrund haben oder einfach nur aus purer Lust heraus, andere zu quälen.

So etwas soll es auch geben.

Und ich? Ich bemerke seit gestern, seit der letzte Mensch, mit dem ich mich vorbehaltlos seit Jahrzehnten über alle Facetten meines Lebens unterhalten konnte, gestorben ist, eine gewissen Einsamkeit. Solche Freunde kann man nicht nachzüchten – es fehlen Jahrzehnte gemeinsamer Erfahrungen. Und solche toleranten Menschen sind enorm selten geworden – der Konformismus des Geistigen breitet sich ebenso aus wie der Konformismus der Kleidung … außer bei der Superklasse natürlich. Sie wähnt sich jenseits der Werte … vor allem der Werte der Gleichheit, der Freiheit und Brüderlichkeit, jenseits der Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit. Wer will denn wirklich schon dort Freunde haben?

Und ich frage mich wohl, wie die vielen Hinterbliebenen, Angehörigen, Freunde, Vereinskameraden, Arbeitskollegen von Hartz-Opfern sich jetzt fühlen. Über sie wird selten berichtet, lediglich in der Tageszeitung las ich mal einen Artikel von einer mutigen Frau, die berichtete, was Hartz IV wirklich bedeutet:

das das Fernsehen der einzige soziale Kontakt ist, den man sich in unserer Hochpreiswelt finanziell noch leisten kann – und das man dafür auch noch alle zwei Minuten abgestraft wird, weil man zu den Hartzi´s gehört, die „nur vor der Glotze hocken“. Das Geld reicht nicht für gesunde Ernährung, für bildungsträchtige Bücher, für perspektiverweiternde Reisen oder qualifizierungssteigernde Forbildungen – noch nicht mal Weihnachtsgeschenke für den Neffen sind drin oder ein Besuch im Café mit der besten Freundin: soziale Isolation ist Hartz-IV-Hauptprogramm: auch darüber wird ungern geredet.

Man kann nur zu Hause sitzen, den Verblödungsfunk über sich ergehen lassen oder hirnlos die Tapete anstarren – jedenfalls wenn man in der Stadt wohnt. Geld für Vereine, Ausgehen, Leute kennenlernen (das von führenden Unternehmensberatern so oft gelobte „Networking“)… ist nicht vorhanden. Immerhin muss was für die neue Rekorderhöhung der Strompreise zurückgelegt werden, die uns im nächsten Jahr erwartet und mit der wir die Solarplatten der „Privatisierten“ bezahlen, die dadurch Geld für noch mehr Kapitalbildung erhalten.

Wahnsinn, oder?

Unmenschlicher, ungerechter, irrationaler Wahnsinn jenseits jeglicher menschlicher Vernunft, jeglichen Anstandes oder jeglichen Mitleids.

Ein persönlicher Blick zurück zeigt: die Entwicklung konnte man schon früh erkennen. Wie Politik und Wirtschaft „überrascht“ davon sein können? Völlig unerklärlich – es sei denn, sie wussten es, haben es aber wegen „Privatisierungsgewinnmitnahme“ unterlassen, den Prozess zu bremsen. Viele sind davon reich geworden (siehe z.B. den US-Kongress, Artikel im Spiegel).  Auch in Deutschland gibt es sicher ein paar Mitläufer … ein paar Millionen.

Wir wissen auch, das der Prozess gesteuert wird (siehe z.B. Artikel über die Steuerungsmacht von McKinsey im Spiegel)- der einzige Grund, warum „Verschwörungstheorien“ bei uns verpönt sind, ist die Tatsache, das die Verschwörungsgewinnler gerne weiter unentdeckt bleiben wollen: nur so läßt sich seelenruhig weiter abkassieren.

Verständlich.

Und deshalb ist es klar, das das Spiel weiterläuft, Tag für Tag.

An einem solchen Punkt angekommen, werde ich immer öfter gefragt: ja, wo sind denn die Alternativen? Wie sollen wir das denn noch aufhalten?

Impulse zu Aktivitäten habe ich gelegentlich aufgezeigt: einen virtuellen Menschenschutzbund gegründet, zum nationalen Kaufnixtag aufgerufen, mit OP 100 ein Konzept vorgestellt, mit dem ich persönlich (und zwar ziemlich sicher) per Lobbyismus für Regelsatzerhöhungen gesorgt hätte, zu Island ´rübergeschaut, die ein Bürgerparlament ausserhalb des korruptionsverseuchten politischen Parlamentes aufgestellt haben: es gäbe viele Möglichkeiten, den Prozess aufzuhalten.

Wir könnten einfach – anstelle eines in Deutschland angeblich verbotenen Generalstreiks – alle Autobahnen besetzen: Stahlwerker waren damit noch sehr erfolgreich.

Ich selbst wundere mich sogar, das das noch nicht passiert ist – bei dem Gejammer rundherum.

Allein jedoch – werde ich da nicht viel tun können, erst recht nicht, wo mir die Freunde wegsterben. Ich glaube, auch hundert oder tausend Freunde werden da nicht helfen können. Auch nicht hunderttausend oder eine Million.

Viel zu wenig betrachtet man die Gegenmacht: 150 Konzerne beherrschen heute die Welt, lenken Staaten, Politik und Konsum, die Politiker bemühen sich (aktuell der Herr Oettinger aus Brüssel, siehe Spiegel) ihnen das Leben so angenehm wie möglich zu machen, der Betrug am Verbraucher (siehe Welt) wird mit Milliardeneinsatz an Werbegeldern durchgeführt, während die Politik gleichzeitig dafür sorgt, das alle möglichst gut „beschäftigt“ sind: hier wurde einer möglichen gesellschaftlichen Gegenmacht ganz gezielt und strategisch gut durchgeplant der Boden unter den Füssen weggezogen – mal ganz davon abgesehen, das wir als Bürger ohne Aldi, Lidl, Norma, Netto, Aral und VW gar nicht mehr existenzfähig wären. Die Konzerne haben uns voll in der Hand – einfach mal im eigenen Haushalt umschauen, was denn da nicht von einem jener 150 Megariesen (oder seinen Töchtern) produziert wurde.

Man sieht: regelmäßige zweiwöchige Treffen im Bohemian Grove zahlen sich aus, selbst wenn der druidische Mumpitz nur Dekoration ist.

Wir Menschen vor Ort – sind im Eimer. Das wissen immer mehr – wenn sie allein nur darauf schauen, was sie im Alter erwartet (siehe Welt), einsam und pflegebedürftig werden wir dahinvegetieren, das Kapitel „Altensterben von 2030-2040“ können wir schon jetzt in unsere Geschichtsbücher aufnehmen. Und weil das so viele wissen, nehmen sie den Weg, den diese Gesellschaft für sie als Ausweg vorsieht: den Suff (wieder: Welt).

Angesichts solcher Ausformungen der Gegenwart können wir uns den Luxus von Atheismus gar nicht mehr leisten: vielleicht hilft ja beten oder lautes Rufen in den Himmel, um UFO´s anzulocken. Oder alle fangen an, Investmentbanker zu entführen (siehe Welt): fordert nicht gerade die Hartz IV-Gesetzgebung uns auf, alles zu unternehmen, um unsere Hilfebedürftigkeit zu beenden?

Früher wäre Widerstand noch leichter gewesen, hätten wir in den achtziger Jahren (als Konzerne mit Erfolg anfingen, uns unseren Musikgeschmack zu diktieren) die Zeichen der Zeit erkannt, hätten wir noch eine Chance auf politische Alternativen gehabt. Hätten wir dem Lobbyismus nicht Tür und Tor geöffnet, könnten sogar Wahlen noch was anderes ändern als nur die Kontodaten, auf denen das „Bakschisch“ fließt.

Vielleicht müssen wir uns einfach mal damit abfinden, das es das jetzt war. Knapp 223 Jahre nach der französischen Revolution haben wir es gründlich vergeigt, ein neuer Adel bricht sich Bahn, versklavt uns schlimmer als alle Strukturen zuvor, weil wir ein kleines Detail vergessen hatten: die Revolutionäre von Paris haben nicht nur den Adel verjagt, sie haben auch die Uhren zerschlagen, weil die Diktatur der Uhren schlimmer werden sollte als die des Adels.

Hatten nicht so unrecht, diese Leute, oder?

Vielleicht wäre das dann aber auch mal ein  zündender neuer Vorschlag: wir schaffen einfach mal alle Uhren ab. Wetten, dass sich keine Handvoll Menschen finden läßt, die überhaupt nur bereit wären, die Konsequenzen zu durchdenken?

Wäre ja auch schrecklich: die gesamte Menschheit wäre nicht mehr steuerbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie wäre es mal mit offenem anstatt verdecktem Bürgerkrieg?

Mit Arbeitslosigkeit haben wir ja kein Problem mehr, oder? Die BA baut 10000 Stellen ab, weil uns die Arbeitslosen abhanden gekommen sind. Die schmelzen hinweg wie Butter in der Sonne, diese Arbeitlosen. Weil wir sowenig davon haben, öffnen wir ja jetzt die Grenzen für neue Arbeitslose. Nur - was machen wir mit denen, wenn unsere BA keine Mitarbeiter mehr hat? Da hat Frau von der Leyen eine Idee, man privatisiert auch die BA

Mit Arbeitslosigkeit haben wir ja kein Problem mehr, oder? Die BA baut 10000 Stellen ab, weil uns die Arbeitslosen abhanden gekommen sind. Die schmelzen hinweg wie Butter in der Sonne, diese Arbeitlosen. Weil wir sowenig davon haben, öffnen wir ja jetzt die Grenzen für neue Arbeitslose. Nur – was machen wir mit denen, wenn unsere BA keine Mitarbeiter mehr hat? Da hat Frau von der Leyen eine Idee, man privatisiert auch die BA, siehe Neues Deutschland:

Ursprünglich waren die Ein-Euro-Jobs auch dazu gedacht, Langzeiterwerbslose wieder an Arbeit zu gewöhnen. Das sollen vermehrt private Vermittler übernehmen, deren Status aufgewertet wird: »Die privaten Arbeitsvermittler werden durch die Einbindung ihrer Leistungen in die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung zu Partnern der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter.« Künftig soll der sogenannte Vermittlungsgutschein unbefristet gelten, um der Branche mehr »Planungssicherheit« zu geben.

Damit ist ein erster Schritt in die Privatisierung weiterer Elemente des Staats gemacht worden.  Die Bundesanstalt für Arbeit wird geschlossen, die Arbeit machen in Zukunft private Unternehmer – mit möglicherweise unangenehmen Folgen für die Betroffenen:

Als »Privatisierung der Arbeitsvermittlung« kritisiert dies die ehemalige DGB-Vizevorsitzende Ursula Engelen-Kefer. Die Privatagenturen könnten zukünftig auch für die Disziplinierung von Arbeitslosen zuständig sein, etwa mit Maßnahmen, »bei denen zunächst allein die Aktivierung im Vordergrund steht. Solche Maßnahmen können zum Beispiel einen Anteil an Elementen enthalten, die auf die Strukturierung des Tagesablaufs und die Orientierung auf eine Erwerbstätigkeit an sich abstellen. Die Betreuung in diesen Maßnahmen sollte zudem intensiver sein und kann auch aufsuchenden Charakter haben.« Der »aufsuchende Charakter« in Verbindung mit erfolgsabhängigen Prämien für die privaten Arbeitsvermittler lässt für die Betroffenen Unbill erwarten.

Das die Gewerkschaft kritisiert, ist löblich, man weiß aber aus Erfahrung, das sie sich im Ernstfall lieber hinter den schrumpfenden Rest von Vollzeitarbeitsplatzbesitzern versteckt, um nicht weiter aufzufallen. Für den Bürger sieht das dann so aus: morgens um sechs steht der (zuvor ebenfalls arbeitslose) private Vermittler vor der Tür, begleitet einen zur Dusche, zum Klo, zum Kühlschrank um ja die größtmöglichste Effektivität beim Zielobjekt zu erreichen. Gleichzeitig kann man auch ein paar Notizen zum Kühlschrankinhalt, zur Wohnungseinrichtung oder zum Bücherschrank machen – nachher liest das Zielobjekt was Falsche und schwächt seine Leistungsbereitschaft durch antineoliberale Phrasen. Das so etwas nicht geht, versteht sich von selbst.

In diese Bewegung passt die neue Medienkampagne zur Kriminalisierung der Langzeitarbeitslosen, siehe gegen-Hartz:

Ein besonders schlimmer und hetzerischer Vorschlag in Sachen Bildungspaket kommt mal wieder von Seiten der FDP. Der Berliner FDP Vorsitzende Christoph Meyer fordert angesichts der geringen Resonanz bei der Beantragung der Teilhabe Leistungen für Kinder aus Hartz IV Familien scharfe Sanktionen gegen Eltern, die keine Bildungsgutscheine für ihre Kinder beantragen.

Klar – wer den Bildungsgutschein nicht will, weil er kein Geld für die Fahrkosten zum Sportverein aufbringen und sich die teure Ausrüstung nicht leisten sowie Häme, Spott und Verachtung der anderen, frisch durch die Medien aufgestachelten Vereinsmitglieder nicht mehr ertragen kann, dem muss man erstmal das Essen streichen – was letztlich auch wieder den Kindern schadet.

Warum fordert man nicht einfach, Arbeitslosen die Kinder gleich ganz wegzunehmen? Viele Pädophilenringe haben zahlungskräftige Kunden -auch im Bundestag – da wäre für private Vermittler doch ein Riesengeschäft zu machen? Immerhin: gut geht es den Kindern in Armut nicht, siehe Süddeutsche:

Die Statistik ist eindeutig: Kinder aus benachteiligten Familien rauchen häufiger, ernähren sich schlechter und sind öfter gewalttätig. Es bleibt die heikle Frage, wen man für die Ungleichheit verantwortlich macht: die Betroffenen oder die Gesellschaft?

Da kann man doch als Pädophiler auch noch sehr sozial tun, wenn man sich um die in Folge staatlicher Willkür gestrandeten Kinder kümmert, oder? Natürlich könnte man auch den Empfehlungen der Experten folgen, ebenfalls Süddeutsche:

Wir brauchen eine Strategie, die auf den Abbau vonArmut setzt. Denn wir wissen: Kinder aus armen Familien sind deutlich häufiger krank als ihre wohlhabenden Altersgenossen. Sie leben seltener in einem Netzwerk sicherer Beziehungen und haben weniger Erfolgserlebnisse. Sie erhalten weniger Anregungen, entwickeln weniger eigene Ziele, sind dann schlechter in der Schule. Sie landen später bestenfalls in eher ungesunden Jobs und entwickeln schon ab Kindheit eine Lebensweise, von der wir wissen, dass sie zu mehr Krankheit und zu kürzerem Leben führt.

Abbau von Armut ginge einfach: wir könnten die Arbeitslosenversicherung wieder reaktivieren. Bevor die 2005 verstaatlicht wurde (mit Riesengewinnen für Staat und Wirtschaft) hatten wir keine Armut – nur ein paar Sozialfälle. Dann haben wir die Armut per Gesetz verordnet – und stöhnen jetzt über die sozialen Folgen, darüber, das Arbeitslose nicht mithilfe von Gebet und positivem Denken die Fehlbeträge bei den Regelsätzen (den „Beihilfen zum Lebensunterhalt“, mehr ist es ja nicht, den Rest gibt Oma) ausgleichen können. Selbst wenn die die geliebten Minijobs finden, wird denen von den paar Mickereuro noch etwas abgezogen, sie müssen dann erstmal ihre wohlgenährten Abgeordneten finanzieren, bevor sie was für ihre Kinder erübrigen dürfen.

Zustände wie im alten Rom kann man nur sagen. „Spätrömische Dekadenz“ – aber diesmal live im Bundestag.

Arbeitslosigkeit an sich macht krank. Das ist seit Jahrzehnten bekannt. Stress macht ebenfalls krank. Weiß man auch. Kombiniert man Arbeitslosigkeit mit Stress (das nennt man modern „Hartz IV“) und fügt noch etwas Angst durch soziale Verachtung hinzu, dann ist es ein Wunder, das die Arbeitslosen noch nicht alle tot in der Ecke liegen. Ebenfalls ist es ein Wunder, das so viele diese Zustände ohne Alkohol und Nikotin aushalten (für Kokain, das Wirtschaft und Politik leistungsfähig hält, ist halt kein Geld da).

Wir können natürlich auch den Prozess der Auslese, den wir gerade starten, etwas forcieren. Warum nicht? Es wird sowieso gerade existentiell, wir bekommen ganz neue Entwicklungen in diesem Land, siehe wieder Süddeutsche:

Diesen Krisenfall zu vermeiden, hat sich die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit (FOL) des Diakonischen Werks zur Aufgabe gemacht. Dass im Landkreis Beratungsbedarf besteht, dokumentieren steigende Fallzahlen: Waren es 2009 noch 170 Wohnungsnotfälle, zählte die Fachstelle ein Jahr später bereits 205.

Nur ein paar kleine Änderungen im Grundgesetz – und wir bekommen wieder ganz natürliche Verhältnisse. Man könnte zum Beispiel das Verbot von Mord und Diebstahl offiziell aufheben – nicht nur für Staaten untereinander, wie wir es gerade weltweit erleben, sondern auch für Bürger. Dann dürften die deutschen Arbeitlosen mit der Kalaschnikow einkaufen gehen und so für sich selbst sorgen. Polizei? Sollten wir abschaffen. Haben wir sowieso zu wenig von – und zuwenig Geld für. Das Geld brauchen wir für andere, wichtigere Dinge wie Duschköpfe, siehe Welt:

Auf Grundeigentümer und Mieter könnten in den nächsten Jahren weitere milliardenschwere Belastungen zukommen. Die EU-Kommission will mit einer neuen Richtlinie zur Gebäudeeffizienz den Wasserverbrauch in den Mitgliedstaaten um bis zu 30 Prozent senken.

Überlegt wird dabei, Hausbesitzer und Vermieter zu verpflichten, bisherige Duschköpfe, Toilettenkästen und Wasserhähne durch solche zu ersetzen, die einen deutlich geringeren Wasserdurchfluss haben.

Oder für die Vernichtung von Kleinbauern, siehe TAZ:

Ein Kaffeeunternehmen betreibt eine Plantage dort, wo Bauern vertrieben wurden – unvereinbar mit Leitsätzen der OECD. Und das Wirtschaftsministerium deckt das sogar.

Oder für die Finanzierung der griechischen Staatspleite, siehe Spiegel:

Schon wieder kommt eine Hiobsbotschaft aus Griechenland: Das Haushaltsdefizit der Regierung hat im vergangenen Jahr 10,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht. Die Neuverschuldung ist weit höher als erwartet – und dreieinhalb mal größer als es die EU erlaubt.

Da sieht man doch: für „Staat“ generell ist bald kein Geld mehr da, warum also noch großartig den Prozess hinauszögern? Man sollte den Vorschlag überdenken. Bewaffnen wir das Volk wie Gaddafi – und reißen auch noch die letzten Schranken von Menschlichkeit, Anstand und Gerechtigkeit nieder. Das wäre kurzzeitig schlecht … aber man bedenke, welche Weisheit die Väter des Grundgesetzes bewiesen hatten, nachdem sie die Hölle erlebt hatten. Da war sogar die CDU für Enteignungen.

Die jungen Wohlstandsschnösel in den Parlementen haben doch keine Ahnung was sie mit ihrer gedankenlosen Politik anrichten. Die plaudern beim Champagner doch noch stolz darüber, das sie jetzt mal knallhart die Regelsätze zusammengestrichen, die Renten gekürzt und Bomben aufs Ausland geschmissen haben, so als handele es sich dabei um persönliche Heldentaten, die nach Arien verlangen.

Gewisse Formen der systematischen Asozialität gedeihen halt nur in geschützten Bereichen, so wie Schimmelpilze sich nur dort bilden wo zu wenig geputzt wird.

Die FTD berichtet gerade über neuen Pilzbefall:

43 500 Zertifikate kamen allein in den letzten vier Wochen neu an den Markt, das sind 1450 pro Tag, 60 pro Stunde, eines in jeder Minute. Dabei liegt die Lehman-Pleite, als viele Anleger ihr Geld mit Zertifikaten verloren, gerade zweieinhalb Jahre zurück.

Da droht der neue Kollaps, der Armut, Hunger und Tod nach sich ziehen wird – doch alles das geht nur im Schutz der Zivilgesellschaft, deren Gesetze man gnadenlos zu seinem Vorteil ausnutzt. Vielleicht brauchen wir einfach mal eine gewisse Zeit, in der wir eine Welt jenseits der „Sozialromantik“ erleben können, eine Welt, in der Einkaufshäuser und Banken geplündert werden, Rathäuser und Parlamente brennen, Anlageberater und Steuereintreiber von den Laternen hängen und jeder Gang vor die Haustür den letzten Schritt des Lebens bedeuten kann.

Immer mehr Menschen leben schon heute so.  Für die wahren Parasiten der Gesellschaft wäre das schlecht. Im Kongo verkauft man keine Derivate, dort herrschen Banden, die ums Überleben kämpfen.

Für uns als Menschheit, als Bürger verspricht diese Zeit etwas Positives: die Rückkehr der Weisheit bei den Überlebenden. Und dann hätten wir wieder eine neue Chance, einen friedliche, freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat aufzubauen, diesmal mit noch mehr Sicherungen gegen die menschenfeindlichen Elemente in Wirtschaft und Politik.

Ein wenig jedoch habe ich Zweifel, das das funktionieren würde – einfach aus dem Grund, weil die Armen in der Gesellschaft nicht so asozial und degeneriert sind wie die Wohlstandsschnösel. Am unteren Ende der Gesellschaft findet sich zwar nicht der Adel der Familie, aber der Adel der Seele … der schlichtweg viele Chancen ausgelassen hat, sich auf Kosten der anderen zu bereichern – und dafür bitter büßen muss.



Privatpatienten wider Willen

Der Gesundheitspolitiker Lindemann (FDP) hat sich zu Wort gemeldet und zwar in Sachen Gesundheitspolitik.
Er fordert, dass in Mangelregionen die Patienten ihre Rechnung für den Arztbesuch erst aus eigener Tasche zahlen, sich die Leistungen dann von der Krankenkasse wieder erstatten lassen. Das Ziel des Vorstoßes ist, es sollen sich wieder mehr Ärzte in ländlichen Regionen ansiedeln. Dieses Modell soll es für Ärzte attraktiver machen.

Und sein Modell soll sich natürlich auch lohnen.

Die Dresdner Morgenpost vom 08.01.2011 führt hierzu aus:

„Die Ärzte in solchen Regionen könnten dann mehr verdienen, weil bestehende OBERGRENZEN für Behandlungen und BEZAHLUNGEN durch die Kassen entfielen, sei der Bundestagsabgeordnete Lindemann überzeugt.“

Bundestagsabgeordnete Lars Lindemann, ein Mitglied des Gesundheitsausschusses im Bundestag, ist der Meinung:

„Für die Versicherten halte ich das für zumutbar.“

Wie immer geht es ums liebe Geld und nicht um Patienten. Man könnte auch von einen weiteren Beweis von KLIENTELPOLITIK sprechen. Es ist wohl Ziel der FDP, dass Gesundheitssystem zu 100 % zu privatisieren.

In der eigenen Fraktion distanzierte man sich von dem Vorstoß Lindemanns. Als „Einzelmeinung“ wertete die stellvertretende Fraktionschefin und gesundheitspolitische Sprecherin Ulrike Flach den Vorstoß.

Das kennt man ja von der FDP. Wie schnell aus einer „Einzelmeinung „grausame Realität“ wird, hat die FDP bereits eindrucksvoll nachgewiesen.

Frank Ullrich
Dresdner Sozialwacht

Karl Theodor etc. zu Guttenberg, die Korporatokratie und die Privatisierung der Bundesrepublik Deutschland

„Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um“ ist ein altbekannter deutscher Weisheitsspruch, der viel zu selten zitiert wird, denn sonst würden wir uns nicht wundern, das in Afghanistan dauernd deutsche Soldaten sterben. Wer Afghanistan sagt, der muß sofort an unseren schneidigen Verteidigungsminister und seine bezaubernde Frau denken, jenen Mann, der „im Alleingang die Bundeswehr umbaut“.

Der Umbau von einer Wehrpflichtarmee zu einer Freiwilligenarmee ist schon lange gefordert. Es gibt auch gute Gründe dafür.  Seltsamerweise kommen seit vierzig Jahren die Gegner der Freiwilligenarmee aus demokratischen Kreisen, die sich darum sorgen, wie politisch eine Freiwilligenarmee eigentlich werden könnte. Schon jetzt sind Aufnäher wie „I fight for Merkel“ an Uniformen in Afghanistan zu sehen, während eigentlich „I fight for German Bundestag“ die halbwegs  korrekte Form sein sollte.

Neben Guttenberg ist da auch Guido Westerwelle sehr aktiv … ebenfalls Mitglied der Atlantik-Brücke.

Bei Zeitgeist-online findet sich das Guttenbergdossier in zwei Teilen, ein dritter soll bald folgen. Die Autorin befaßt sich schwerpunktmäßig mit us-amerikanischen Förder- Sympathie- und Lobbyvereinen, in deren Dunstkreis auch Karl Theodor etc. zu Guttenberg zu finden ist. Aus der Sicht der US-Amerikaner wäre eine deutsche Freiwilligenarmee sicher zu begrüßen, sie wäre als Hilfs- und Söldnertruppe bei internationalen Einsätzen wesentlich unkomplizierter zu dirigieren als eine Wehrpflichtarmee.  Angesichts des modernen Konzeptes der zivil-militärischen Zusammenarbeit wird die Freiwilligenarmee allerdings zu einem Politikum ganz anderer Art:

„Zivil-militärische Zusammenarbeit” ist – ganz im Sinne ihrer Erfinder – ein „ganzheitliches” – sprich totalitäres – Konzept. Es sieht die Verzahnung aller gesellschaftlichen Bereiche mit dem Militär vor, was mit weiteren Euphemismen bemäntelt wird, etwa mit der Rede vom „erweiterten Sicherheitsbegriff” oder von der „vernetzten Sicherheit”. Ziel ist stets die Steigerung der Fähigkeit zur Kriegführung:

Im Inland wird die Bevölkerung mittels Bürgerkriegsmanövern wie LÜKEX für den Kampf gegen den „inneren Feind” mobilisiert; neben den Reservisten der Bundeswehr stehen mittlerweile auch zahlreiche zivile Experten und Organisationen im Dienst des „Heimatschutzes”, der sich ebenso gegen „Terroristen” wie gegen Protestierende oder Streikende wendet.

Quelle: Bochumer Friedensplenum, Rede von Peer Heinelt

Bislang konnte man die Hoffnung haben, das die Durchsetzung der Bundeswehr mit Demokraten so hoch ist, das keine Gefahr von diesen neuen Konzepten des Einsatzes der Bundeswehr auszugehen brauchte. Das mag bald anders aussehen. Schauen wir uns deshalb mal einen der Förderer des Konzeptes genauer an: Karl Theodor zu Guttenberg, den schwarzen Baron … und den Mann mit seinen merkwürdigen Lebenslauflücken.

Guttenberg entstammt dem gleichnamigen fränkischen Adelsgeschlecht. Seine Eltern sind der Dirigent Enoch zu Guttenberg[2] und dessen 1977 von ihm geschiedene Frau Christiane Henkell-von Ribbentrop, eine Tochter Jakobs Graf von und zu Eltz. Christiane Henkell-von Ribbentrop ist seit 1985 Ehefrau Adolf Henkell-von Ribbentrops, eines Sohns des Reichsministers des Auswärtigen a.D. Joachim von Ribbentrop undAnneliese Henkell. Nach der Scheidung seiner Eltern lebten zu Guttenberg und sein Bruder, der Forstwirt und Ökologe Philipp Freiherr von und zu Guttenberg (*1973), der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände ist, bei ihrem Vater Enoch zu Guttenberg und wurden von ihm erzogen.[3] Guttenbergs Großvater Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg war von 1967 bis 1969 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Sein Urgroßonkel Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg war ein deutscher Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg.[4] Mit einem geschätzten Familienvermögen von 600 Millionen Euro gehören die zu Guttenbergs zu den 300 reichsten Familien Deutschlands.[5]

Quelle: Wikipedia

Geheiratet haben seine Eltern im Jahre seine Geburt 1971 … nicht ausgeschlossen, das es da auch ein gesellschaftliche bedingtes „Muss“ gab. Die „Erziehung“ durch seinen Vater Enoch (der als weltbekannter Dirigent wohl öfter mal auswärts essen mußte) war wohl sehr kompakt, denn sein Abitur macht unser Baron in Rosenheim … weit weit weg von Zuhaus, wo man von viel Personal umsorgt wurde – so jedenfalls der evangelische Pfarrer, dessen Einsetzung noch von dem Wohlwollen seiner Herrschaft abhängig ist:

Das Pfarrhaus von Günter Weigel liegt im Schatten des Schlosses. Sein Bewerbungsgespräch vor 19 Jahren hatte der evangelische Pfarrer bei Enoch zu Guttenberg. Der Grund: Der Reichsfreiherr ist Patronatsherr der evangelischen Pfarrei  seit Jahrhunderten. Der Adlige unterstützt die Kirche finanziell und darf im Gegenzug den Pfarrer bestimmen. Das Patronat wird eines Tages auf Karl-Theodor übergehen, sagt Pfarrer Weigel. Obwohl die Guttenbergs katholisch sind.

Auch Weigel ist ein wenig stolz, wenn er von den Herrschaften redet. Einmal im Jahr darf er zum Kaffee vorbeikommen. Und er hat Guttenberg und seine Frau Stephanie Gräfin von Bismarck-Schönhausen getraut ökumenisch. Ansonsten bleibt Schloss Guttenberg aber höheren Kreisen vorbehalten. Weigel erzählt von adligen Gästen, von Gesellschaften, von Jagden. Er zählt die Schloss-Bediensteten auf: ein Diener, ein Stallmeister, eine Hausdame, zwei Köchinnen, zwei Haushälterinnen. Es ist des Pfarrers Welt. Die gewaltige Familiengeschichte merkt man ihnen schon an, sagt Weigel. Über Guttenberg sagt er: Das Kumpelhafte ist nicht seine Art. Gegenüber Fremden ist er eher der vornehme, höfliche Typ. Es gebe schon einige im Dorf, die kritisch gegenüber dem ganzen Adels-Gehabe gestimmt seien. Aber laut sagt das keiner.

Quelle: Abendzeitung

Ein recht seltsames Privileg in einer demokratischen Gesellschaft. Und ein ausführlich gepflegtes Herrenmenschentum – unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Kommt man der Familie näher, gehen die Türen zu. Man merkt: „Gehobene Gesellschaft“ bleibt gerne unter sich.

Nach dem Abitur im fernen Rosenheim riefen die Gebirgsjäger … und dann wird es auf einmal sehr schwammig.

Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald, Stabsunteroffizier der Reserve
Studium der Rechts- und Politikwissenschaften, Prädikatsexamen, Promotion im Jahr 2007 zum Dr. jur. (summa cum laude)
Leitung des Familienbetriebes in München und Berlin, berufliche Stationen in Frankfurt und New York
Geschäftsführender Gesellschafter der Guttenberg GmbH, München (bis 2002)
Mitglied im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG (bis 2002)
Freier Journalist bei der Tageszeitung DIE WELT (bis 2002)

Quelle: Homepage Guttenberg

Von 1992 bis 2007 macht er irgendetwas. Er studiert zum Beispiel. Der „Familienbetrieb“ wirft kaum viel ab:

Guttenberg war ab 1994 in die Leitung der familieneigenen Beteiligungsgesellschaft Guttenberg GmbH in München eingebunden, die bis 2004 Anlageberatung für den Besitz seiner Familie betrieb.[9] Später war er deren geschäftsführender Gesellschafter.[10][2] Nach Angaben der Creditreform hatte die Guttenberg GmbH ca. drei Beschäftigte und machte im Jahr 2000 einen Umsatz von 25.000 Euro geschätzt.[11]

Quelle: Wapedia

Das hat ihn also nicht so reich gemacht. Da gab es für den 23-jährigen Studenten ja auch nicht so viel Arbeit. Und zu dem gleichnahmigen Baustoffkonzern hat er keine Verbindung, obwohl es die Medien berichteten:

MÜNCHEN/BERLIN Die Fachkompetenz des neuen Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg ist immer noch ein großes Thema. Jetzt stellte sich heraus: Der 37-Jährige führte nie ein mittelständisches Unternehmen, sondern war lediglich in einem Drei-Mann-Unternehmen tätig. Aufgabe der „Guttenberg GmbH München“: Verwaltung des eigenen Familienvermögens.

Wie kam es zu der Verwirrung? Guttenberg selbst hatte in Interviews stets von seinen „Erfahrungen im Familienunternehmen“ gesprochen. Die Deutsche Presse-Agentur verbreitete daraufhin eine Meldung, dass Guttenberg „geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Guttenberg GmbH“ sei, einem „Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe“. Viele andere Medien, darunter Spiegel-Online, Bild und Tagesspiegel griffen diese Meldung auf  auch die Abendzeitung.

Quelle: Abendzeitung

Und obwohl dieses Familienunternehmen noch nicht mal Geld genug für ein Ticket nach New York abwarf, reichten die gemachten Erfahrungen für das Wirtschaftsministerium.

Guttenberg selbst beteuerte, er sei kein Neuling in Wirtschaftsthemen. „Mitverantwortung in einer Beteiligungsgesellschaft, die im Besitz der Familie ist“, habe ihn früh mit wirtschaftlichen Zusammenhängen vertraut gemacht. Von 1994 an war er in die Leitung des Familienbetriebes Guttenberg GmbH in München und Berlin eingebunden, einem Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe. „Ich saß außerdem viele Jahre im Aufsichtsrat der Rhön-Kliniken“, führte er an. Zudem habe ihm seine Tätigkeit in der Außenpolitik viele Einblicke in globale Wirtschaftszusammenhänge gewährt, was sich insbesondere in der aktuellen Situation als nützlich erweisen werde.

Quelle FAZ-Net

In den Aufsichtsrat der Rhön-Kliniken kam er mit 25. Ob er da schon sein Studium abgeschlossen hatte, werden wir wohl erstmal nicht erfahren. Auf jeden Fall war er höchstens einfacher Jurist. Die Rhön-Kliniken selbst haben eine Vorreiterrolle bei der Privatisierung des Gesundheitswesens:

Vorläufer des Unternehmens war die 1970 gegründete Kurbetriebs- und Verwaltungsgesellschaft m.b.H, aus der 1973 die Rhön-Klinikum GmbH hervorging. Das Unternehmen bestand aus dem in Bad Neustadt an der Saale neu errichteten Kur- und Therapiezentrum, dessen vier 14-stöckige Häuser ausschließlich mit Einzelapartments ausgestattet waren. Auf Grund mangelnder Nachfrage war das Haus aber stark überdimensioniert, so dass dem Unternehmen nach Investitionen in Höhe von 130 Millionen DM der Konkurs drohte. Der als Sanierer geholte Betriebswirtschaftler Eugen Münch übernahm 1974 die alleinige Geschäftsführung und erwarb eine Beteiligung von 25 % an der GmbH.

Zur Auslastung der Apartments eröffnete er 1975 eine psychosomatische Klinik und initiierte zwei Jahre später ein gemeinnütziges Schulungsprojekt zur Fortbildung von Aussiedlern. 1984 reagierte Münch auf Engpässe im Bereich der Herzchirurgie und etablierte eine Herz- und Gefäßklinik. Danach folgten eine neurologische Klinik (1991) und eine Klinik für Handchirurgie (1992). Bei der Planung der Kliniken wurde das Kerngeschäft – Operationssäle und Intensivstationen – in Neubauten etabliert und die Betontürme als Bettenhäuser genutzt. Die Einzelapartments wurden dabei in Zweibettzimmer umgewandelt.

Die GmbH wurde 1988 in eine Aktiengesellschaft mit einem damaligen Stammkapital von 10 Millionen DM umgewandelt und als erstes Unternehmen der Branche an der Frankfurter Börse notiert. Der Börsengang erfolgte am 27. November 1989, die Aktien des Unternehmens werden seit 1996 im MDAX gehandelt. Damit war die Rhön-Klinikum AG der erste börsennotierte Klinikkonzern in Deutschland. Die Familie des Firmengründers hält heute weiterhin eine bedeutenden Minderheitsanteil (ca. 16%)[3]

Quelle: Wikipedia

Wer sich mit ärztlicher Kritik am Rhön-Konzern beschäftigt, wird sehen, das es im Prinzip um die Amerikanisierung des Gesundheitssystems geht. Es gibt Schützenhilfe vom Bertelsmannkonzern, Vermischungen von Politik und Geschäft. So ist es nicht verwunderlich, das die Pleitefirma Rhön auf einmal über genügend Kapital verfügt, eine Offensive zur Privatisierung des deutschen Gesundheitssystems zu starten. Damals konnte man mit wenig Geld einsteigen – ein sicherer Weg zum Reichtum, weil es um Verteilung des Sozialbudget ging. Zehn Millionen Stammkapital, da kam mit mit 2,65 Millionen D-Mark gut aus. Wer wußte, wohin die Reise gehen sollte, der hatte eine gute Anlage getätigt:

Finanziell unabhängig ist der Baron ohnehin. Nach seinem Jurastudium stieg er mit gerade mal 22 Jahren in die Leitung der Guttenberg GmbH ein, deren Geschäftsführender Gesellschafter er später wurde. Die familieneigene Beteiligungsgesellschaft hielt auch ein beträchtliches Aktienpaket an der Rhön-Klinikum AG. Mehrere Jahre saß zu Guttenberg dort im Aufsichtsrat, bis die Familie 2002 ihre Anteile an die HypoVereinsbank verkaufte. Der Börsenwert für das Paket lag bei stolzen 260 Millionen Euro. Damit hält Karl-Theodor zu Guttenberg gleich zwei Rekorde: Er ist der jüngste Bundeswirtschaftsminister ? und wohl der reichste Mann, der je am Kabinettstisch saß.

Quelle: Focus

So kann man reich und Leistungsträger werden. Man muß nur wissen, wer dahintersteht und wohin die Reise geht. Und die Reise ging – dank Schröder, Fischer, Clement und anderen Freunden der Atlantikbrücke – Richtung Neoliberalisierung der Bundesrepublik, was Privatisierungen staatlicher Einrichtungen Vorschub leistete.

Es ist wenig darüber bekannt, wie reich die Familie wirklich ist.  Was sicher ist: Vater Enoch hatte kein Interesse an Geldvermehrung:

In den sechziger Jahren hat Enoch zu Guttenberg den Bund Naturschutz gegründet, und noch heute neigt er dazu, bei Konzerten mit flammenden Reden wider die Umweltzerstörung das Publikum zu verblüffen. Und nicht genug der Anomalien: Nach der Trennung von seiner ersten Frau hat er die Söhne als alleinerziehender Vater auf Tourneen rund um die Welt geschleppt.

Quelle: Zeit

Es blieb ein teures Schloß und Wald. Das Schloß gehört jetzt allerdings schon irgendwie nach Österreich, die Familie wollte es nicht mehr:

Das Schloss der Familie von Wirtschaftsminister Guttenberg gehört einer Familienstiftung mit Sitz in Österreich. Das ist steuerlich höchst attraktiv.

Im Übrigen sei eine solche Schlossburg angesichts des aufwendigen Bauunterhalts nichts, mit dem sich Geld verdienen lasse.

Quelle: Süddeutsche

Da blieb dann noch der Wald … und um den war es nicht gut bestellt:

Der Tag, als im März 1990 der Orkan „Wiebke“ über Süddeutschland fegte und den Guttenberg’schen Hauswald mit sich nahm, hat sich tief eingeprägt.

„Es war ein apokalyptisches Erlebnis für unsere Familie. Wir haben alle geweint, als wir sahen, was da angerichtet wurde. Es ging nicht nur um unseren früheren Spielplatz, sondern um existenzielle Grundlagen.“

So jedenfalls Ka te´s Bruder in der Bildzeitung.

Während sich der eigene Vater, ein berühmter Dirigent, dem Rohstoff Holz hauptsächlich in Form eines Taktstockes widmet, der Bruder aufs politische Parkett strebte, hat Philipp zu Guttenberg den Familienwald übernommen und in der Steiermark und am Chiemsee Land dazugekauft.

Pappa Musiker, Erbe in Gefahr, Bruder ein Waldläufer … Karl Theodors Zukunft sah 1991 nicht gerade rosig aus. Der Orkan hatte die Großgrundbesitzer schwer getroffen….“existentielle Grundlagen“ waren bedroht.

2010 gehört man dank der Beteiligung an den Rhönkliniken wieder zu jenen Familien, die den Lebensstil auch finanzieren können, den sie sich leisten. Während der jüngere Bruder (im Adel unüblicherweise) das Vermögen betreut (den Wald) verschwindet er Ältere nach New York, kommt wieder und ein Wunder geschieht:

Selten hat die Berufung eines Bundeswirtschaftsministers für so viel Aufsehen gesorgt wie die des Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg. Er ist der Shooting-Star der CSU. Das hätten viele diesem Mann nicht zugetraut: innerhalb weniger Monate vom einfachen Bundestagsabgeordneten zum Generalsekretär und dann zum Berliner Kabinettsmitglied – und das mit 37!

Kritiker fragen nach seiner wirtschaftspolitischen Kompetenz. Er war Anwalt in New York, hat sich ein bisschen um die Vermögensverwaltung der Familie gekümmert und sich außenpolitisch profiliert.

Quelle: Süddeutsche

Was er in New York gemacht hat, weiß kein Mensch. Bei welcher Kanzlei er war, auch nicht. Aber wir finden einen der ganz großen Spieler im Konzernbereich, der die Rhön-Kliniken groß gemacht hat und auch sonst gerne aktiv am Umbau der Bundesrepublik mitwirkt:

Ein Aufsichtsratsmitglied der RKA, Brigitte Mohn, ist Mitglied der Geschäftsführung der Bertelsmann Stiftung, die einen ziemlich großen Einfluss nicht nur auf die Entwicklung des Gesundheitssystems zu haben scheint.

Die Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht regelmäßig Umfragen, die nicht immer unumstritten sind. So erhielten Projekte der Stiftung schon einmal von nachdenkseiten.de den Preis der „Manipulation des Monats“.

Die Bertelsmann Stiftung hat u.a. mit dem Europäischen Praxisassessment (EPA) ein wissen schaftlich belastbares Instrument zur anonymen Selbstbewertung von Arztpraxen für ein zielgerichtetes Qualitätsmanagement zur Verfügung gestellt und ist außerdem dabei, ein Portal zu entwickeln, in dem sich Bürger über Angebot und Qualität von Krankenhausleistungen informieren können.

In einer neuen Pressemeldung vom 02.07.2006 fordert die Bertelsmann-Stiftung die Schaffung eines „Generalunternehmers Gesundheit“, der sowohl die medizinische als auch die finanzielle Gesamtverantwortung für den Genesungsprozeß des Patienten übernehmen soll. [1].

Quelle: Arztwiki

Auf einmal wurde ein von Verarmung bedrohter Landadeliger zu einem der reichsten Menschen Deutschlands … weil er zur richtigen Zeit auf das richtige Pferd gesetzt hatte. Woher das Geld für die Beteiligung kam, weiß ich natürlich nicht …. aber es hat sich wunderbar vermehrt und die Grundlage für ein großes Imperium gelegt, das bislang nur aus Bäumen bestand.

Bei der Privatisierung der Bundesrepublik hat er nicht nur gut verdient und fördert weitere Schritte in diese Richtung durch die „Privatisierung“ der Bundeswehr, er hat auch bei der Gesetzgebung schon mal ganz neue Privatisierungsmethoden ausprobiert:

Gereizt hat die Union auf den Vorhalt der SPD reagiert, Wirtschaftsminister Guttenberg (CSU) verschwende Steuergelder, indem er Anwälte mit dem Abfassen von Gesetzen beauftrage. Die Opposition spricht von einem „Bankrottbekenntnis“ und einem „Fall für den Rechnungshof“.

Quelle: FAZ

Ob nun beim Einsatz in Afghanistan, bei der Opel-Farce oder der Verquickung von Privatwirtschaft und Politik … überall folgt Guttenberg den Richtlinien der US-Politik.

Es beschleicht einen das Gefühl … das da jemand sehr dankbar ein ist.

2002, gleichzeitig mit seiner Wahl in den deutschen Bundestag für die CSU, wurde Guttenberg in den Auswärtigen Ausschuss des Bundestages berufen – äußerst ungewöhnlich für einen 31jährigen. Denn: Der Auswärtige Ausschuss ist ein hochsensibles und wichtiges Gremium: Er tagt ausschließlich hinter verschlossenen Türen und entscheidet über sicherheitspolitische (= den Einsatz des Militärs betreffende) Fragen. Die Zustimmung des Bundestages ist faktisch nur noch eine Formalität, da er bisher, wie offen zugegeben wird, in keinem einzigen (!) Fall von den Vorgaben dieses Ausschusses abgewichen ist.

Geholfen hat Guttenberg wohl seine Mitgliedschaft in der Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), ein Ableger des US-amerikanischen Einflussgremiums Council on Foreign Relations (CFR). Die von finanziell hochpotenten Kreisen gesponserte „Denkfabrik“ vertritt eine neoliberale, neokonservative Politik, die darauf abzielt US-amerikanische geostrategische Interessen durchzusetzen. Wichtige Themen sind der sog. „Kampf gegen den Internationalen Terrorismus“ oder die „Liberalisierung der Weltmärkte“. Nicht von ungefähr war George Bushs ehemaliger Vizepräsident Dick Cheney einige Jahre Präsident des CFR.

Quelle: bleib passiv

Die Kanzlei, die für ihn deutsches Recht gestalten sollte, ist kein unbeschriebenes Blatt … sondern ein ausführendes Organ der Korporatokratie:

Linklaters LLP ist die weltweit zweitgrößte[1] Wirtschaftskanzlei mit 30 Büros in 23 Ländern. Mit rund 540 Partnern und 2400 Anwälten berät die Kanzlei Unternehmen, Finanzinstitute und Regierungen bei Fragen im Wirtschafts- und Steuerrecht (Berufsträger 2800 (weltweit) 330 (Deutschland)). Sie wird in Londonzum Kreis der Magic Circle-Kanzleien gerechnet.

In Deutschland ist Linklaters an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main und München vertreten.

Quelle: Wikipedia

Es sind – so der Economic Hitman John Perkins – die einsamen, heimatlosen jungen Männer, die gerne von den Kosmokraten angeworben werden. Jene, die von ihren Eltern in abgelegenen Schulen „entsorgt“ werden und einen geheimen Groll in sich tragen, gleichzeitig aber wenig Kontakt zum Normalbürger wünschen.

Wenn ich mir das alles so anschaue … dann … hätte ich einen Anfangsverdacht. Schade das Theorien darüber verboten worden sind und nun  sogar beim Nachrichtenspiegel-online von angeblich linken „demokratischen“ Kommentatoren abgestraft werden – sonst könnte ich mir vorstellen, das wir eine jener Geschichten, von denen Perkins aus Asien, Afrika und Südamerika berichtet gerade vor Ort erleben: die gezielte Implementierung eines Politiker zwecks Wahrung und Förderung der Interessen der Kosmokraten und der Korporatokratie.

Aber da solche Theorien ja verboten sind, gegen die guten Sitten verstoßen und man alles Übrige bei Marx und Darwin nachlesen kann, wollen wir uns mal nicht weiter mit dem schwarzen Baron beschäftigen. Vielleicht beten wir stattdessen ein paar Verse aus der Mao-Bibel?

Wie die Kontaktanbahnung zur Korporatokratie aussieht (und wie man zu Geld kommt) hat Jutta Ditfurth nebenbei mal erwähnt:

Etwa 1986 überbrachte man mir das Ansinnen des US-Außenministeriums, mich „näher kennenlernen“ zu
wollen. Meine klare Abfuhr gefiel nicht, so nutzte man meinen Aufenthalt in Washington, wo ich auf
Einladung einer Universität einen Vortrag über die deutsche Innen- und Außenpolitik hielt, für ungebetene
Annäherungen. Es kam – unter Beobachtung der deutschen Abteilung der CIA – zu heftigen
Auseinandersetzungen mit Vertretern des US-Militärs, des Außenministeriums und des Reaganschen
Think-tanks: Ich griff z.B. die US-Außenpolitik in Nicaragua an und die Nato. Dennoch wurde ich
aufgefordert, eine Studie über meine Partei zu erstellen. Ich lehnte ab, und mir wurde vorgehalten, daß
zwei Grüne, einer davon Lukas Beckmann, ihre Arbeit bereits angeboten hatten.

Quelle: ulrich-wegener
Schade das nicht alle so standhaft sind wie Frau Ditfurth. Na ja, haben ja auch nicht alle ein altes Schloß an den Hacken, das unterhalten werden will.


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