Phillip Rösler

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Das Wort zum Alltag Nr. 6: neues „Tu-Wort“ entdeckt – „niebeln“.

Es wird Zeit, wahr zu nehmen, dass die deutsche Sprache ein neues Tu-Wort hat. Das sollte nicht weiter verwundern: neue Zustände erfordern neue Worte, Sprache ist so lebendig wie das Leben selbst – sehr zum Ärger der Sprachwissenschaftler, die gerne mal fertig werden möchten mit der Analyse der ohnehin schon schweren Sprache. Das Wort ist auch einfach, kommt nicht aus dem Ausland sondern klingt urdeutsch: niebel. Ich niebele, du niebelst, er niebelt, wir niebeln, ihr niebelt, sie niebeln.
Definition niebeln: „Spontaner Übertritt eines politischen Würdenträgers in den Olymp der Wirtschaft“.

Sicher: geniebelt wurde schon früher. Bekanntestes Beispiel: Ex-Kanzler Schröder. Der hatte sich nach Gazprom abgeniebelt. Oder Roland Koch, der zum Baukonzern weggeniebelt wurde, sich dort aber verniebelte. Hatte halt keine Ahnung vom Baugeschäft.

Seitdem häufen sich aber die Niebeleien: siehe Hildegard Müller, Eckard von Klaeden, Joachim Lang, Otto Schily, Ronald Pofalla – um nur ein paar zu nennen. Deshalb: Zeit, die Tat durch ein Wort zu beschreiben, ein Wort, dass natürlich vom Meister der Niebeleien stammt: Dirk Niebel, der es schaffte, vom Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (ein Amt, das laut Wikipedia überraschenderweise auch verdeckte BND-Operationen umfasst? Seltsame Art von Entwicklungshilfe, die heutzutage Alltag ist) zum „Panzerlobbyisten“ zu werden – eine „maßgeschneiderte Aufgabe“ (siehe Handelsblatt), die ihm die Ehre einbringt, Namensvater eines neuen Tu-Wortes zu sein.

Ja – die FDP ist ja auch die klassische Heimstätte der Niebeler, allerdings ist an dem Gerücht, sie würden sich selbst nun in „Nibelungen“ umbenennen, nichts dran – auch wenn die Partei gerade dem gleichen düsteren Ende entgegensteuert wie diese klassischen Sagengestalten.

Schauen wir uns doch die Chefnibelungen an!

Phillip Rösler (Spitzname: Fipsi) wurde komplett weggeniebelt und ist jetzt Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Weltwirtschaftsforums – jenem Ort mit ausgeprägter Niebelitis, wo Niebeleien allen Kalibers eingefädelt werden können. Hingegen ist der Ex-Gesundheitsminister Bahr in den Vorstand der Allinanz aufgeniebelt.

Nebenwirkungen des Niebelns sind allerdings auch nicht wegzudiskutieren: hochbrisante, durch immensen Einsatz von Steuergeldern generierte Erfahrungen, Informationen und Erkenntnisse gelangen so durch den Herrn (oder die Frau) Minister in die Hände skrupelloser Wirtschaftsmagnaten und gefährden so die Souveränität des Bürgers. Im Niebelzeitalter hat die führende Elite für diese Gefahren jedoch kein Gespür mehr.

Geniebelt wird ja auch nicht für die Moral, sondern für die vollen Taschen.

Dirk Niebel und der Verlust jeglichen Realitätssinnes…

…wobei: Niebel ist FDP-Spitzenpolitiker, demnach ist das eigentlich nicht verwunderlich.

Niebel, wir erinnern uns, ist der FDP-Fuzzi, der u.a. das Entwicklungshilfeministerium abschaffen wollte, um Steuergelder einzusparen.

Niebel, wir erinnern uns, ist aktuell Entwicklungshilfeminister.

Nun machten die WikiLeaks-Veröffentlichungen ja recht hohe Wellen, erst verspätet, weil eine der Quellen ein junger, aufstrebender FDP-Politiker gewesen war, der geradezu live, in Farbe & 3-D aus den Koalitionsverhandlungen an den US-Botschafter berichtete.

Als Öffentlichkeit und Medien dies dann doch noch bemerkten, fiel der Verdacht naheliegenderweise auf Phillip Rösler und Christian Lindner.

Und noch während der verdacht fiel, ließ uns Niebel wissen:

„Ich halte den Vorwurf für geradezu lächerlich. Ich bestreite, dass es einen Informanten gibt.“

Heute, nachdem sich Helmut Metzner, ehemaliger Büroleiter von Westerwelle als Bauernopfer zur Verfügung gestellt hat, klingt Niebel ganz anders:

Niebel verteidigte das Vorgehen von Helmut Metzner, der die US-Botschaft im Herbst 2009 mit Informationen aus den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen versorgt hatte, als „ganz normales tägliches Geschäft“ in der Politik. „Das war kein Maulwurf“, sagte der frühere FDP-Generalsekretär der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Freitag). (…) Metzner habe nur seine Arbeit getan

Und als ob das nicht schon…nennen wir es dämlich genug wäre, legt Niebel nach, denn er erklärt uns gleich auch noch, warum ein Unschuldiger, der nur seinen Job macht, dafür gefeuert wird:

„Vielleicht wollte man so die Pressekampagne beenden und einen verdienten Mitarbeiter schützen und aus dem Fokus der öffentlichen Berichterstattung herausnehmen“, sagte er. „Schließlich ist er mit solchen Dingen nicht so vertraut wie wir Politiker.“

(Zitatquelle)

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