Parasiten

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Das Jahr 2016: der häßliche Deutsche ist zurück! Über Faschismustradition in Deutschland

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Montag, 22.8.2016, Eifel. Zurück nach einem familiär bedingten Notfallurlaub (der mit viel Arbeit verbunden war) komme ich heute mit einer ziemlich schlechten Botschaft: der häßliche Deutsche ist zurück. Nun – – diese Erkenntnis ist ja nicht neu. Erst im Juni informierte die Tagesschau (siehe Tagesschau) darüber, dass er wieder im Lande ist – und zwar überall, nicht nur im Osten. Hier wähnt man ihn jedoch als rassistischen, hasserfüllten Untermenschen, der vor allem seltsame Meinungen über Sinti und Roma hat (58,5 %: die klauen), der nicht noch mehr Islam im Lande will (41,4%) oder sich nicht über Küsse von Homosexuellen freut (40,1 Prozent finden das ekelhaft). Der interviewte Soziologe will nicht von einer neuen Welle der Fremdenfeindlichkeit sprechen, hat aber klare Vorstellungen davon, was zu geschehen hat:

„Mit Prognosen bin ich vorsichtig. Allerdings müssen wir Mittel finden, der Polarisierung und Radikalisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken – sonst könnten solche Einstellungen weiter Auftrieb erhalten. Dazu sollten wir auf politische Bildungsarbeit setzen, um den Menschen klarzumachen: Was sind demokratische Werte, und warum lohnt es sich, diese auch durchzusetzen?

Und bei möglichen Gewalttätern müssen wir auch die Empathie fördern und ihnen klarmachen, was es bedeutet, anderen Menschen bestimmte Rechte abzusprechen.Was weniger erwähnt wird: die Sozialwissenschaften sind schon längst viel weiter, arbeiten sich an den Kern der Hasstiraden immer näher heran – nur findet das in den Medien keine sonderliche Verbreitung. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dies schon 2012 formuliert, ohne dass sich daraus eine neue Kampagne der Demokratieverteidigung ergeben hätte (siehe BpB):

Menschenfeindlichkeit markiert und legitimiert die Ungleichwertigkeit von Individuen und Gruppen, sodass deren Diskriminierung wahrscheinlicher wird. Der Begriff Menschenfeindlichkeit bezieht sich auf das Verhältnis zwischen Gruppen und meint kein interindividuelles Feindschaftsverhältnis. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit umfasst Stereotype, Vorurteile und Diskriminierungen gegen Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu schwachen Gruppen in unserer Gesellschaft, kurz: die Abwertung von Gruppen.

Es ist schön zu hören, dass man bei möglichen Gewalttätern Empathie fördern will und ihnen klar machen möchte, was es bedeutet, anderen Menschen bestimmte Rechte abzusprechen, weniger schön ist, dass man das Augenmerkt gezielt auf schützenswerte Minderheiten lenkt, die zahlenmäßig eher gering sind, während man über riesige ausgestoßene Gruppen gar nicht mehr redet, obwohl ihnen de facto Grundrechte abgesprochen, Versicherungsleistungen vorenthalten und Versorgungsleistungen nur widerwillig gewährt werden: ich rede da von Arbeitslosen, die durch „rot-grüne“ Reformen in einen vogelfreien Status versetzt wurden, ein Reiseverbot erhalten, Hausdurchsuchungen erdulden müssen, als „Parasiten“ und „Sozialschmarotzer“ beschimpft werden, denen man das Essen streichen sollte (wer da an Gaskammern denkt, denkt in die richtige Richtung – da wird es wieder enden, wenn man den Kurs nicht ändert).

Mit einem Schlag wurde 2005 „der Untermensch“ geschaffen, beheimatet in einer mit staatlicher Gewalt (und viel Begleitmusik durch Wissenschaft und Medien) geschaffenen neuen Kaste namens „Prekariat“, in die man – ebenfalls mit staatlicher Gewalt – auch Millionen Kinder steckte, die ebenfalls zu wenig taten, um ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die diesen Menschen zustehenden Versicherungsleistungen („Arbeitslosengeld“ – für das viele jahrzehntelang eingezahlt hatten) wurden schlichtweg gestrichen bzw. enteignet, ebenso wurde das mühsam vom Munde abgesparte Vermögen inklusive Ausbildungssparverträge für die Kinder enteignet. Millionen Deutsche leben seitdem unter einer fürchterlichen Angst – der Angst um die willkürliche Vernichtung der eigenen Existenz, die jederzeit aufgrund von Formfehlern oder schlecht gelaunten Sachbearbeitern durchgeführt werden kann – in dem das Amt zum Beispiel einfach mal nicht die Miete überweist. Oder das Geld für´s Essen.

Vielleicht sollte man hierzu einmal auf die Besitzverhältnisse in Deutschland eingehen, um zu verdeutlichen, welchen Stellenwert dieses staatliche Geld für Menschen hat. Wohnen, Essen und Trinken gibt es von der Natur umsonst, seit Millionen von Jahren, in Hülle und Fülle. Was man dazu braucht, um diese Fülle leben zu können ist: freier Zugang zum Land, damit man als Jäger und Sammler außerhalb staatlicher Fürsorge für seinen Unterhalt sorgen kann. Doch wie sieht es aus in Deutschland (siehe Stern):

Hiernach sind zwei Drittel der Fläche der alten Bundesländer in privater Hand: Land- und Forstwirte besitzen 34 Prozent, Privatpersonen 22 Prozent, Gemeinschaftseigentümer 5,5 Prozent, Kleinunternehmer wie Handwerksmeister und Kaufleute 3 Prozent. Ein weiteres knappes Drittel gehört Bund, Ländern und Gemeinden, 4 Prozent besitzen die Kirchen, den Rest teilen sich Wohnungsgesellschaften, Banken und andere Unternehmen.

Ja – unsere Demokratie hat keinerlei materielle Grundlage mehr. 66 Prozent des Landes sind privatisiert, der Rest wird zubetoniert – im Auftrag und mit Hilfe des Staates. Der Fakt, dass man den Bürgern das Land genommen hat, ist die Wurzel vieler Übel, die nicht nur Arbeitslose betreffen: jeder „Minderleister“ im Land ist gezwungen, sich – ohne Rücksicht auf seine im Prinzip unantastbare Würde – unter erbärmlichsten Umständen zu vermarkten (bzw. für den Arbeitsmarkt zu optimieren), Körpergeruch, Länge der Fingernägel, Länge des Haarschnittes, Kleidung – all´ dies wird reglementiert und sanktioniert, als wären wir auf einem orientalischen Sklavenmarkt. Hier müßte auch linke Politik ansetzen – und per Gesetz die Maximalgröße an privatem Grundbesitz auf 5 Prozent der Gesamtfläche reduzieren – oder auf Null Prozent. Wer mehr für sich in Anspruch nimmt, muss kräftig zahlen: aber nicht an den Staat (der als solcher nicht der eigentliche Eigentümer ist) sondern an den Bürger (der somit erste Schritte zu einem bedingungslosem Grundeinkommen macht – in Form von Entschädigungszahlungen für Landraub). Doch solche Ansätze linker Politik sucht man in diesem Land vergebens – ebenso wie die Empathie für die von der Wirtschaft ausgestoßenen „Minderleister“.

Ach ja – die „Minderleister“: unsere Parasiten. Letztendlich führt der aktuelle Umgang mit Ihnen zu einer ganz besonders speziellen Fragestellung – nämlich der Frage, wie lange wir die noch durchfüttern wollen. Immerhin handelt es sich um „tote Kosten“ – und wir in Deutschland haben da eine gewisse Erfahrung, wie man mit diesen Kosten umgeht (siehe Götz Aly, Vordenker der Vernichtung, 5. Auflage 2004, Fischer Verlag, Seite 56 – 57):

„Die andere Möglichkeit, den Bedarf der Zivilbevölkerung einzuschränken, führte Donner nicht weiter aus – auch wenn er sie implizit nahelegt: Also die Möglichkeit, Dienstleistungen und Güter so zu verteilen, daß einerseits die Leistungsfähigkeit der arbeitenden Bevölkerung erhalten bleibt, andererseits aber die „nutzlosen Esser“ einen besonders hohen – für sie bald tödlichen – Beitrag zu den Kriegskosten zu leisten hatten.

Entsprechende Argumente spielten auch bei der Vernichtung der Geisteskranken und sogenannten Asozialen eine Rolle. Der zigtausendfache Mord wurde umgerechnet in eingesparte Nahrungsmittel, freigewordene Krankenhausbetten und Anstaltsplätze. Die Ermordung von 70000 Geisteskranken bis zum August 1941 ergab für einen eigens mit dieser Rechnung beschäftigten Statistiker eine ausschließlich positive Bilanz. Hochgerechnet auf zehn Jahre hatte der Staat fast eine Milliarde Mark sogenannter „toter Kosten“ eingespart und für andere Zwecke, nämlich die des Krieges, freigemacht.“

Ja- die Massenvernichtung von „unwertem Leben“ hatte einen klaren, wirtschaftlichen Hintergrund. Kaum erstaunlich, dass die rot-grüne Regierung, die diese Sichtweise wieder in die Politik einbrachte, auch für den ersten Kriegseinsatz deutscher Bomber (mal wieder Jugoslawien, wie schon 1941) verantwortlich ist: der Geist des Faschismus bricht sich wieder Bahn, mit tödlicher Gewalt für Mindervölker – wie z.B. die Slawen, deren stärkste Nation – die „Russen“ – aktuell wieder im Düsterfokus der Medien stehen, mit dem designierten Antichristen Putin an der Spitze.

Bleiben wir bei dem Herrn Otto Donner, Mitarbeiter in Hermann Görings „Vierjahresplan“ – dem kleinen Gremium von Experten, welches Deutschland innerhalb von vier Jahren kriegsfähig machen sollte (und gemacht hat) und einen Großteil der Verantwortung für die NS-Vernichtungspolitik zum Beispiel gegen slawischer Kriegsgefangene und slawische Völker trug – oder für den Holocaust an den bis dahin komplett ausgeplünderten Mitmenschen jüdischer Religionszugehörigkeit. Otto Donner erhielt 1947 die US-Staatsbürgerschaft und eine Professur in Washington, 1968 erhielt er das Große Verdienstkreuz mit Stern, wirkte mit beim IWF und der Weltbank. Dort konnte er seine wissenschaftliche Erkenntnis weiterverbreiten, eine Gleichung, die besondere Aufmerksamkeit verdient (siehe Aly, a.a.O., Seite 55):

„Das Maximum dessen, was der Staat aus dem Arbeitsertrag des Volkes für sich in Anspruch nehmen kann, ist offenbar gleich der Differenz zwischen dem Gesamtbetrag der volkswirtschaftlichen Arbeit und dem Existenzbedarf der Zivilbevölkerung“.

Es ging natürlich um den Krieg und die Frage der „Notwendigkeit einer rigorosen Einschränkung des Bedarfes der Zivilbevölkerung“ (Aly, a.a.O., Seite 56), also um die Frage, wie man mehr und mehr Geld und billige Arbeitsleistung aus der Zivilbevölkerung herauspressen kann, um es dem Staat als Beute zur Verfügung zu stellen. Dass „Staat“ in diesem Moment „Raubstaat“ wurde und der Grundkonzeption des Staatsgedankens komplett widersprach, ging unter. Immerhin war Krieg. Doch die Lehre – und Donner – überdauerte den Krieg, wurde weiter verbreitet, denn viele Staatsdiener sahen da für sich schon einen ganz besonderen Vorteil: je mehr man aus dem Volk herauspresst, umso mehr war für einen selbst übrig.

Ungeheuerlich, oder? Der Staat als organisierte Räuberei – mit sieben Millionen Knechten, denen es ziemlich gut geht, vergleicht man ihre Versorgung mit der des „Niedriglohnsektors“, auf dessen Schaffung Kanzler Schröder so stolz war. Ich habe mir deshalb mal erlaubt, die Entwicklung der Diäten seit 2005 zu beobachten – also jener Bezüge, die sich der deutsche Bundestag ohne Kontrolle selbst zubilligt, während er die Regelsätze für Kinder von Ausgestoßenen (ja, denken Sie etwa, die haben ihre Arbeitsplätze selbst wegrationalisiert? Dafür gibt es eine ganze Branche von Experten, die das erledigt hatten, der Staat selbst war ganz vorne mit dabei) so gering hält, dass sie sich als Tagesmahlzeit gerade mal zwei Kugeln Eis erlauben dürfen. 2005 lagen die Diäten bei 7009 Euro – was in meinen Augen für eine leichte, sitzende Tätigkeit im Büro schon ziemlich viel ist. Heute liegen sie bei 9372 Euro (mit Aufwandspauschale: 10598 Euro auf 13 677 Euro – Quelle: Flegel-g). Das macht eine Steigerung von 33 Prozent. Die Staatsverschuldung stieg im gleichen Zeitraum 1,4 Billionen Euro auf 2 Billionen Euro – trotz massivem Sozialabbau. Für Misswirtschaft und Demokratieabbau gab es also richtig fette Prämien – und damit stoßen wir zum Kern des häßlichen Deutschen vor, der weniger daran liegt, dass er nicht durchgehend homosexuell geprägt ist, sondern eine Kultur der Asozialität lebt, die wieder zurückkehrt.

Wissen Sie, wie der polnische Bürger („Kaum gestohlen, schon in Polen“ – hört man auch schon mal in ZDF-Sendungen, ein Rassismus, den wir immer noch gerne haben, weil er … Slawen betrifft) mit Not umging? Bevor der kalte deutscher Herrenmensch ihm „Effizienz“ beibrachte (zu der immer der Massenmord an Minderleistern und die Enteignung von Schwachen gehört)? Ein amerikanischer Regierungsberater klärt darüber auf (siehe Aly, a.a.O., Seite 76):

„Ein entscheidendes Hindernis für die Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft lag nach Ansicht Buells und anderer Wirtschaftsstrategen darin, dass die Bauern ihre Überschüsse, soweit sie überhaupt welche erwirtschafteten, nicht produktiv in den Betrieb investierten. Stattdessen konsumierten sie, wie Buell beklagte, in „guten Zeiten“ mehr, sie bewirteten Gäste oder verschenkten, was sie erübrigen konnten, an arme Leute“

Sie verschenkten Überschüsse an arme Leute – wie grauenvoll. Interessant, dass sich die US-Regierung schon so früh Gedanken über die Wirtschaft anderer Länder gemacht hat. Ob man sich im Anschluss daran gefreut hat, dass der deutsche Geist diese Misswirtschaft beiseite gefegt hat und durchsetzte, dass jeder nur noch an sich selber zu denken hatte und „tote Kosten“ durch Massenmord beseitigt werden konnten?

Ja – der deutsche Geist. Er ersinnt aktuell ja wieder Maßnahmen gegen „unwertes Leben“, sucht – mal wieder – jeden Cent aus den Ausgestoßenen zu pressen, um die Luxusversorgung von Staatsdienern und Blockwarten gewährleisten zu können – und natürlich die fortlaufende Steigerung der Diäten des Deutschen Bundestages. Was wollte noch Andrea Nahles? Kürzungen bei der bestehenden Unterversorgung der Alleinerziehenden, wenn die Kleinen mal beim anderen Elternteil sind – wer solche Ideen verfolgt, wäre in Görings Gruppe „Vierjahresplan“ gut aufgehoben gewesen. Oder aktuell, wo man bei den Enteigneten und Entrechteten wieder nach Centbeträgen sucht und schaut, ob man die Versorgung von Arbeitslosen nicht irgendwie verwandten Rentnern aufdrücken kann (siehe FAZ). Die „nutzlosen Esser“ sollen wieder den größten Beitrag leisten – für die Fettsucht einer „Elite“, deren größte Leistung einfach nur Raub ist … das entnehme ich jedenfalls dem Handelsblatt, das sich schon 2009 zur immer weiter auseinanderklaffenden Einkommensschere äußerte (siehe Handelsblatt):

„Die meisten Soziologen erklären die Öffnung der Schere lieber mit der „Schließungstheorie“: Demnach gelingt es den finanziellen Eliten durch institutionelle Veränderungen, Klassenkonflikte und Diskriminierungsmechanismen sich selbst deutlich steigende Einkommen zu sichern und andere von den volkswirtschaftlichen Wohlstandsgewinnen auszuschließen.“

Eine Entwicklung, die sogar die zentrale Ursache für wachsenden Terrorismus sein soll (das darf man nur in den USA diskutieren, siehe Washington Post), während Deutschland lieber auf die Bekämpfung des „nutzlosen Essers“ setzt (und dem dabei nicht unwichtigen Einsatz der Bundeswehr im Inneren) und dabei wichtige Erkenntnisse der NS-Planer berücksichtigt, die Götz Aly unter anderem am Beispiel des Schauspielers Wolf Goette aufzeigt (Götz Aly, Hitlers Volksstaat, Fischer Verlag, 2. Auflage 2011, Seite 356):„Doch wie immer der Schauspieler Goette zu einzelnen politischen Aktionen stand, in jedem Fall schätzte er die beruflichen und konsumtiven Möglichkeiten, die ihm die deutsche Gewaltherrschaft in der „Schlaraffenstadt“ Prag verschaffte. Er war mit dem kleinen individuellen Vorteil beschäftigt und damit politisch neutralisiert“.

Eine Einstellung, die sich 2016 nahtlos auf den deutschen Durchschnittsbürger übertragen läßt.

„Die Tatsache, dass die Konsumenten hier Dinge zu einem sehr niedrigen Preis kaufen können, liegt daran, dass woanders Menschen auf Plantagen oder in Fabriken zu Hungerlöhnen arbeiten“ (siehe Deutsche Welle).

Die Tatsache, dass man wertvolle Dinge zu einem sehr niedrigen Preis kaufen konnte (zum Beispiel aktuell die Immobilien der Arbeislosen), hielt auch die Entrüstung beim Verkauf enteigneter jüdischer Wertgegenstände in Grenzen, ungeachtet der Tatsache, dass gerade jene Enteignung aus jüdischen Mitbürgern „nutzlose Esser“ machte – ein häßliches Verhalten, das man auch in der DDR beobachten konnte (siehe Uwe Johnson, bei Aly, Volksstaat, a.a.O., Seite 379):

„Nun musste ich noch mit ansehen, wie in Gneez die Möbel von Elise Bocks Schlafzimmer versteigert wurden. Sie waren Volkseigentum, seit Elise umgezogen war nach Westberlin. Da drängten Leute einander in einem schmalen, schmutzigen Hof vor den offenen Flügeln von Elises Fenstern. Darin trat auf ein Mann in abgewetztem Anzug, am Revers das Abzeichen der Einheitspartei, und hielt der Versammlung Bilder hin, einen Sessel, Lampen. Die Bieter, Alfred Fretwurst voran, johlten ihre humoristischen Anmerkungen, als seien sie jugendlich, oder angetrunken.“

Der häßliche Deutsche. Läßt auch gerne Flüchtlinge für 80 Cent die Stunde arbeiten (siehe swr) und nimmt es gelassen hin, dass die Lebenserwartung von Geringverdiendern des Prekariats beständig sinkt (siehe Süddeutsche). Doch darüber regt sich keiner auf. Aber wagen Sie mal, darauf hinzuweisen, wie diese „Politik“ positiv sanktioniert wird (durch ein Spitzenrating jener privaten US-Ratingagenturen, die die Versorgung der Staaten kontrollieren): sofort sind moderne Gesinnungswächter auf dem Plan, die – ganz in alter DDR-Tradition – Ihnen einen Platz am äußersten rechten Rand zuweisen. 1968 – als Uwe Johnson die Beobachtungen in der DDR machte, wären Sie noch „Kommunist“ gewesen (in der DDR schon damals „Nazi“), 1938, als die Grundlagen jenes deformierten Verständnisses von Staatswesen erarbeitet wurden, „Judenfreund“.

Die Aufkleber, die der häßliche Deutsche verteilt, ändern sich. Seine Gesinnung jedoch – bedarf wohl einer gründlichen politischen Bildung zum Thema: „Was sind demokratische Werte und warum lohnt es sich, diese auch durchzusetzen“ – womit der Soziologe … ohne dass es groß bemerkt wird … vor der Realität kapituliert, in dem er von „Lohn“ spricht, also vom individuellen Vorteil, den der häßliche Deutsche braucht – während der Pole einfach Überschüsse verschenkt.

Wie wir im superreichen Bundestag jedoch Empathie für Arme und Schwache erzeugen wollen – da habe ich keine Idee zu.

Welcher Geist im Bundestag herrscht, wurde aktuell anhand eines kleinen Beispiels wieder deutlich – ein noch nicht völlig konformer Abgeordneter tanzte aus der Reihe (siehe Spiegel):

Wenn es ums Auto geht, kann es auch unter Volksvertretern ruppig zugehen. Das musste der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek im Juli lernen. Gemäß den grünen Grundsätzen hatte er zuvor gefordert, man solle den Chauffeurdienst des Bundestags abschaffen, die Politiker könnten doch auch mit dem Fahrrad oder bei schlechtem Wetter mit dem Taxi zum Reichstag oder anderen Terminen fahren.

Seine Kollegen aus der Grünen-Fraktion fanden den Vorstoß gar nicht lustig. „Der Junge wurde erst mal in die Mangel genommen“, erzählt ein Abgeordneter, „beim Fahrdienst hört der Spaß einfach auf“.

Umweltschonende und sparsame Politik gleich: „Spaß“. So denkt der deutsche Bundestag. Da werden wir mit der politischen Bildung anfangen müssen – zum Beispiel mit der Erläuterung, warum Abgeordnete niemals „in die Mangel genommen“ werden dürfen – und warum man jeden, der dies tut, sofort verhaften sollte, weil er die Grundkonstanten demokratischer Willensbildung noch nicht mal im Ansatz begriffen hat.

Aber wir denken, die Gefahr droht von jenen, die keine gute Meinunge von Roma und Sinti haben (schlechte Meinung über Polen jedoch: das geht).

 

Die Wahrheit über den Holocaust. Den alten – und den neuen.

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Donnerstag, 30.6.2016. Eifel. Wahrscheinlich werden Sie sich jetzt angewidert abwenden. Schon wieder Holocaust – man kann es doch nicht mehr hören. Wir wissen ja auch genug darüber: Adolf Hitler kam aus Österreich nach Deutschland, hat das Land erobert, die Juden gehasst und deshalb alle umgebracht, die er kriegen konnte. So hört man das in jedem Schulunterricht, das ich das, was von der historischen Wahrheit übrig geblieben ist. Vielen reicht das – und daran erinnert zu werden, ist ihnen schon zuviel. Irgendwann muss man ja auch vergessen können – hört man dann und vergisst dabei, dass jene, die die Geschichte vergessen, gezwungen sind, sie zu wiederholen. Wichtiger scheint einem da – gerade in diesen Tagen, wo wieder dem Götzen Fußball gehuldigt wird, wo viel Zeit, Energie und Aufmerksamkeit in Ballspiele investiert wird, die wir im Prinzip für viele wichtigere Dinge bräuchten – dass man wieder stolzer Deutscher sein darf, stolz sein Auto mit Deutschlandlappen verzieren kann, ebenso seinen Balkon und seinen Körper. Ein Unhold, wer daran drehen will – und hier schon wieder einen Nationalismus aufkeimen sieht, der andere Nationen vertilgen will.

Ja, es ist nur ein Spiel, dieses „Fußball“ – ein beliebiges Spiel. Ich würde ja nachfragen, warum man nicht auch Schach mit ebensolchen immensen Finanzmitteln ausstattet – oder Golf. Halma – das wäre doch auch mal nett. Oder „Mensch-ärgere-Dich-nicht“. Ich weiß auch nicht, warum die Industrie gerade Fussball ausgesucht hat, um dort immense Millionen zu investieren, ich weiß nur eins – als Mensch und deutscher Bürger: man kommt auch ganz ohne aus. Es gibt keine Notwendigkeit, sich für irgendeine Mannschaft zu entscheiden, mit aller produzierbaren Leidenschaft für ihren Sieg zu agieren – es gibt aber eine ganze Reihe von Gründen, die dagegen sprechen: sinnvoller Umgang mit begrenzter Lebenszeit ist nur einer davon. Nichts gegen „Spiel“ – um Gottes Willen – kaum etwas ist wichtiger für die Freude der Menschen (Freude – nicht Spaß. Wir werden darüber noch mal reden müssen) – aber anderen Menschen beim Spiel zuzuschauen und so zu tun, als gewänne man selbst, wenn andere gewinnen, deutet eher auf Mangelerscheinungen im Selbst hin denn auf gesunde Freude an eigener spielerischer Leichtigkeit – oder dem Bewusstsein der eigenen, unabänderlichen Wichtigkeit, die völlig unabhängig davon ist, wer wo welches Spiel gerade wie gewonnen hat.

Fort vom Sport – hin zum Holocaust. Der fand in Deutschland statt. Doch was war es eigentlich, das ihn so unverblümt als Maximum des Horrors erscheinen läßt? Eine Frage, die keiner beantworten will, weil man im „Vergessen“ Zuflucht sucht. Massenmorde – gab es öfter. Gibt es immer noch. Kümmert kaum einen. Niemand sieht sich an der Spitze eines Heeres, das – einem Kreuzzug gleich – Massenmorde verhindern will, im Gegenteil: Ruanda hat gezeigt, dass auch die UN lieber dem Wahnsinn weicht. als in die aufgebrachte Mördermenge zu schießen. Ruanda – war sehr grausam. Die Todesarten, das Schlachten – schlichtweg bestialisch. Solche Verstümmelungen von „anderen“ hat es im öffentlichen Raum des Dritten Reiches nicht gegeben – soweit ich weiß. Muss schlimm sein, wenn Horden von wütenden Menschen mit Feuer und Macheten durch die Gassen ziehen, jedermann aus seinen Häusern zerren, ihm Arme und Beine abhacken und den Rest lebendig für die Hunde liegen lassen. Dies ist dem Bruder einer Frau passiert, die heute für die UN arbeitet. Gibt es deshalb ein großes Drama um Ruanda? Nein, hat keinen groß interessiert. Waren ja auch „Neger“. In Westafrika werden gerade jetzt, wo Sie diese Zielen lesen, wieder „Hexen“ bei lebendigem Leibe verbrannt – die schmerzhafteste Art zu sterben. Man macht da trotzdem gerne Urlaub, das kommt nicht groß in die Tagesschau (das Video dazu – mit allen Liveaufnahmen – möchte ich nicht verlinken).

Außerhalb der kurzen Parole „Hitlers Hass macht Juden tot“ empfängt man … Schweigen.

Ja, dieser Hitler. Fährt im offenen Wagen durch die Menschenmengen, ein leichtes Ziel für jeden Attentäter. So bewegt sich ein Diktator. Unsere Bundeskanzler jedoch – ofiziell keine Diktatoren – ziehen schwer gepanzerte Sonderanfertigungen  vor – auch von Mercedes. Stimmt da was nicht an dem Bild? Bloß nicht drüber nachdenken. Wir wollen ja … vergessen. Vergessen, wie sehr die Menschen ihm zugejubelt haben. Erst die Beatles haben wieder so eine Begeisterung ausgelöst – man könnte fast den Verdacht haben, da kam der erste Popstar. Für eine entsprechende „Show“ hat er ja gezielt gesorgt. Aber war das alles?

Nun – es gab noch den religiösen Aspekt. Den halte ich für ziemlich unterbewertet – aber was weiß ich schon. Da schickt das „Schicksal“ einen „Führer“ um das „auserwählte Volk“ vor „den Bösen“ zu retten – das erinnert schon an Moses. Oder Jesus (dessen Volk allerdings keine Nationalität mehr hatte – auch Erlöser lernen dazu). Und hoch gebildete Leute glauben diesen Mythos heute noch – ich denke da an den RAF-Anwalt Horst Mahler – nun überzeugte Neonazi mit dem Glauben an den ewigen Krieg der edlen Gutmenschen (äh – Arier) gegen das Prekariat (… früher: Juden. Reiche Juden. Hinterhältige, verschlagene, verseuchte Juden. Links-grün versiffte Juden, um es genau zu sagen).

Hach – schon sind wie in der Gegenwart.

Da wollte ich aber gar nicht hin.

Noch nicht.

Es gibt nun ein neues Buch darüber, das die Fachwelt erschüttert hat – und nahelegt, die primitiven Holocaust-Parolen neu zu schreiben. Götz Aly hat es geschrieben, „Hitlers Volksstaat“ heißt es (Fischer Verlag, 2. Auflage 2011). Es verblüfft selbst Menschen, die sich schon länger durch die Materie gearbeitet haben. Mich persönlich hat zum Beispiel überrascht, wie klein der Sicherheitsapparat war: 7000 Leute hatte die Gestapo (1937, im Krieg wurden es mehr). Mehr brauchten sie nicht – sie mussten ja nur abholen. Die Ermittlungen – übernahmen ja die Nachbarn.

Lange hat es die Geisteswissenschaftler gewurmt – weshalb sie wenigstens einmal die Woche „Holocaust“ sagen, damit sie es selbst nicht auch noch vergessen – wie konnte es sein, dass das deutsche Volk, die deutsche Bildungsnation, so ein Ungeheuer aus sich gebar, ohne dass die Wände wackelten? Das Volk, das mit Luther, Kant und Marx (um nur einige zu nennen) mutige, rebellische Geistesgrößen hervorgebracht hatte (und gelegentlich zu Bauernaufständen neigte), deren Ideen die ganze Welt umwarfen, pervertiert die von ihm geschaffene Größe ins Gegenteil, in dem sie Massenvernichtungsanlagen für Nachbarn Gestalt annehmen lies. Ja – nicht nur für Juden. All´ jenen, die sagen, das jüdische Leid darf nicht heruntergeredet werden, kann ich nur zustimmen und ergänzend hinzufügen: das der Opfer der T 4 Aktion auch nicht – und die waren größtenteils nicht jüdisch. T 4? Ja – da wurden „unnütze Esser“ entsorgt. Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Würtemberg hat dazu noch einen Meldebogen im Internet stehen (siehe lpb-bw), dort finden Sie das wichtigste Kriterium für der Vergasung: Beschäftigung. Wer nicht mehr arbeiten konnte (oder nur noch einfache, mechanische Arbeiten wie „zupfen“ schaffte), sollte auch nicht mehr essen. Und damit der beim Sterben nicht so einen Krach machte und der ganze Dreck nicht so lange dauerte (und sich niemand selbst die Hände dreckig machen wollte), wurde er eben vergast. Betriebswirtschaft macht Staatspolitik.

Zurück zu Götz Aly … der uns eine bemerkenswerte Geschichte erzählt, eine Geschichte von einem Führer, der Angst hatte, Angst vor dem Volk und Angst vor den Frauen. Es überrascht, das zu lesen, ist aber sehr gut dokumentiert: die Führungsriege achtete genau auf „des Volkes Stimme“ – vor allem auf die Gemütslage der Frauen. Drohte sie zu kippen, griff „der Führer“ hart durch – und verteilte wieder Sonderrationen, die er sich gar nicht leisten konnte.

Und er konnte sich vieles nicht leisten – er hatte einfach kein Geld. Der Staat war arm. Aber – Privatbesitz war da. Nun konnte er nicht gegen jeden einzelnen Reichen vorgehen – aber man konnte ja ein paar absondern, ein paar, die ein unverwechselbares Nebenmerkmal hatten, anhand dessen man sie von anderen Reichen selektieren konnten: mal wieder – wie so oft in den letzten Jahrhunderten in Europa – traf es die Juden (und bis heute kann keiner genau sagen, warum eigentlich immer die – und die Zigeuner natürlich, wie man sie früher nannte). Was für ein Diktator – überlebte nur dank „Gefälligkeitsdiktatur“ (so Aly) – denn nicht nur er raubte das jüdische Vermögen: er lies auch das Volk daran teilhaben. Immobilien, Schmuck, Pelze, Teppiche – alles zu Schleuderpreisen.  Wer fragt da noch nach Ausschwitz. Ja – schauen Sie mal genau in die Erbmasse Ihrer Großeltern hinein … ich vermute, Sie werden dort ehedem jüdisches Eigentum finden können. Es waren ja Millionen – in ganz Europa, die bei diesem „Deal“ Begeistertung gegen Bares mitmachten. Oder denken Sie nur an die Autobahnen: erbaut mit geraubtem jüdischem Geld, erbaut mit dem Blut und dem Leben von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen? Schon mal daran gedacht, sie abreißen zu lassen? Weil sie Nazidreck sind? Nein – ich denke, Sie fahren mit Genuss über das Leiden der Naziopfer – und haben diese ja auch schon vergessen. Aber keine Lederschuhe von Opa tragen, weil da das Tierleid drin steckt … doch das wollen wir hier lieber nicht vertiefen. Außerdem wurden die Autobahnen ja vorher ersonnen, es gab nur kein Geld dafür.

Götz Aly beschreibt detailfreudig den Raubzug der edlen Deutschen durch Europa – auch Heinrich Böll war dabei. Skeptisch, kritisch, aber immer wieder Beute nach Hause schickend. Früher waren „Reichskreditkassenscheine“ die Grundlage für den „Handel“ – manche würden die heute „den Euro“ nennen. Wertloses Papier, ungebremst nachdruckbar, per Gesetz als Zahlungsmittel eingeführt, nur leider … nichts wert, weil man sie nicht in ordentliche Währung umtauschen konnte. Darum sind die Deutschen im europäischen Ausland so unbeliebt: die Urgroßeltern wurden regelrecht ausgeplündert – aber zivilisiert, mit echten Geldersatzstoffen, nicht durch wilde Plünderung, die man bewusst vermeiden wollte, um die Disziplin der Truppe nicht zu gefährden.

Dank der Juden konnte man endlich „Schnäppchen“ machen – und da waren fast alle dabei.

„Die einfachen Hausfrauen auf der Veddel trugen plötzlich Pelzmäntel, handelten mit Kaffee und Schmuck, hatten alte Teppiche und Möbel aus dem Hafen, aus Holland, aus Frankreich. Einige meiner Leser forderten auch mich auf, mich im Hafen mit Teppichen, Schmuck, Möbeln und Pelzen einzudecken. Es war das geraubte Eigentum holländischer Juden, die – wie ich nach dem Krieg erfahren sollte – schon in die Gaskammer abtransportiert waren“ (Aly zitiert hier die Biblithekarin Seydelmann, a.a.O., Seite 154). 

So leicht wäre antifaschistische Arbeit gewesen: einfach die Waren am Hafen verrotten lassen. Doch der Führer war klug und weise (oder gerissen und hinterhältig, was dasselbe mit anderen Absichten ist) – das konfiszierte jüdische Vermögen verschaffte den Staat soviel Geld, dass die Steuern niedrig bleiben konnten – man erkaufte sich sogar Freunde dadurch, dass man die Gerichtsvollzieher zu großer Milde anhielt – unser Sozialstaat wurde schon da begonnen. Außerdem … waren die Juden ja böse. „Wir – gut; die anderen – böse“. Ein ganz wichtiger Schachzug, der die Moral aushebelt (und weshalb einem mit entsprechender historischer Bildung ein „Gutmensch“ leicht unheimlich ist).

Und während ich diese Zeilen so las, kam mir eine Broschüre unseres neuen, flotten, frischen Sozialstaates in den Sinn. Sie wurde vor drei Jahren im Kreis Pinneberg erstellt …  und empfahl unseren selektierten ganz besondere Maßnahmen … und ganz besondere Perspektiven. Hartz IV als Chance …. (siehe N-TV):

Die Fischers nehmen die Hürde jedenfalls mit viel Fassung: Als die Familie beschließt, eine Woche auf Fleisch zu verzichten, jubelt die Tochter: „Ich wollte sowieso Vegetarierin werden.“ Um etwas Geld zu verdienen, verkauft die Familie im Internet zwei elf Jahre alte Möbelstücke für 350 Euro. Denn: „Der Erlös aus dem Verkauf von Möbeln“ wird Hartz-IV-Empfängern nicht angerechnet. Doch damit nicht genug: Ebenso rät die Broschüre dazu, Leitungswasser zu trinken statt Getränke zu kaufen, zu duschen statt ein Vollbad zu nehmen und Steine in die WC-Spülkästen zu legen, um Wasser zu sparen. „Vielleicht müsst ihr euch nur daran gewöhnen“, sagt eine Freundin.

Infolge des Hartz-IV-Bescheids ziehen die Fischers um. Denn die alte Wohnung ist größer, als das Amt erlaubt. Doch auch diese Zumutung meistert die Familie mit bewundernswerter Heiterkeit. Dass sie selbst renovieren müssen – kein Problem. Denn Mama Sylvia „streicht für ihr Leben gern“. Ebenso unbeeindruckt lässt die Familie, dass das neue Zuhause viel kleiner ist als das alte. Fazit: Alle sind froh. Die Wohnung ist perfekt. Beide Kinder haben ein eigenes Zimmer. Und endlich hat Papa Knut einen eigenen Garten. Er wollte schon „so lange eigenes Gemüse anbauen“. So schön ist wohl nur Hartz IV.

Es müssen teure Möbel gewesen sein, die sich nach elf Jahren noch für so viel Geld verkaufen lassen. Möbel, an denen man hing. Die miterlebten, wie die Kinder groß wurden. Vielleicht – der Stolz der ganzen Familie, ganz besondere Stücke, für die man ehedem viel Geld bezahlt hatte – und deren ideeller Wert unbezahlbar war. Was mich nun interessiert … wer kauft diese Möbel? Wer ersteigert die Eigenheime? Wer kauft sich den Schmuck der Selektierten? Machen wir uns doch nichts vor: die Maßnahmen, die der Gesetzgeber eingerichtet hat, gehen nicht von einer vorübergehenden Notsituation aus – hier wird umgehend auf Dauer eine Existenz vernichtet (auch wenn man das für die Betroffenen als Abenteuerurlaub hinstellt – so wie die Gaskammeropfer ja auch „umgesiedelt“ wurden), also auf Dauer geplant. Die Möbel (mit den kleinen Kunstwerken der frühen Tochter) kann man nie wieder kaufen, die Heime sind auf immer weg – zu Spottpreisen verkauft. Wo sind eigentlich die Studien, die aufzeigen, wer sich alles an dem so per Gesetz freigesetzen Vermögen bereichert hat? Bei den vorzeitig gekündigten Versicherungen, Sparverträgen (pervers: sogar die für die Ausbildung der Kinder, die – ähnlich der Sippenhaft – ewig in Hartz IV verbleiben sollen) und anderen Geldanlagen kann man es sich denken: die Konzerne, große Freunde der Berliner Politik.

Aber wer noch?

Nun – einfach mal in den Spiegel schauen. Was den so gescholtenen „Hartzern“ fehlt, wird zum „mehr“ für die anderen. Das Selektionsmerkmal hat sich geändert. „Jude“ – war alle, gab keine mehr. „Hartzer“ heißt das jetzt – denn das sind Millionen, da gab es noch was zu holen.

Ja, ich weiß: die werden noch nicht vergast. Sie werden noch „beschäftigt“. Aber so weit waren wir schon mal. Als die Butter dann knapp wurde, beschleunigte dies den Mord an europäischen Juden (Aly verweist hier auf die Arbeiten von Christian Gerlach, siehe Seite 200).

Was geschieht, wenn hier die Butter knapp wird? Nicht wegen horrenden Kriegskosten, sondern wegen überhöhter Betriebskosten für Zinsen, Diäten und Pensionen sowie öffentlicher Aufträge wie den Ausbau der Autobahnen für 235 Milliarden Euro – oder die Aufrüstung der Bundesehr? Wobei zu erwähnen ist, dass wir schon jetzt so hoch verschuldet sind wie das Dritte Reich in Kriegszeiten – wir sind von dem Zeitpunkt also gar nicht so weit entfernt. Was macht das zunehmend verrohte Bürgertum dann  – mit Fähnchen in der Hand?

Wir wissen, was sie damals gemacht haben.

„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Franz Müntefering.

„“Biologen verwenden für ‚Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben‘, übereinstimmend die Bezeichnung ‚Parasiten'“ – so eine Broschüre des Arbeitsministeriums (siehe Stern).

Welche gesellschaftlichen Sicherheitssysteme haben wir aufgebaut, um Wiederholung zu verhindern?

Nun – wir bauen ständig weiter welche ab. Dieses Jahr – so wurde gemunkelt – sollen weitere verschärfte Sanktionen beschlossen werden, die noch mehr Ressourcen freisetzen. Da freut sich die Hausfrau auf der Veddel (… was immer das auch sein mag).

Und dafür braucht man keinen Hass – nur Gier.

Und die ist weit verbreitet.

 

 

 

Hartz IV und Medien: die Hassfratze des deutschen Journalismus

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Donnerstag, 25.2.2016. Eifel. Wissen Sie eigentlich, was ein Nazi ist? Nein – antworten Sie nicht. Machen Sie sich keine Mühe, diesen modernen Kampfbegriff des Sozialdarwinismus zu hinterfragen – Sie werden schnell selbst zu einem. Ich selbst habe einiges (wenn nicht: viel zu Vieles) über den Nazi gelesen, gesehen und gehört – und möchte Ihnen mal meinen Eindruck vom Nazi schildern. Der Nazi – übrigens hoch verehrt von der damaligen deutschen Ärzteschaft, die den höchsten Organisationsgrad einer Berufsgruppe in SA und SS hatten – ist ein Verbrecher in Uniform. Um ein guter Nazi zu sein, braucht man vor allem eins: eine enorme Lust an Gewaltausübung, eine zutiefst empfundene Verachtung gegen alles Menschliche und einen Riesenspaß am Schmerz anderer Menschen – sonst geht das nicht gut mit dem Nazi sein.

Ein Nazi hasst Bücher, deshalb verbrennt er sie gerne (außer jene natürlich, die zurecht nur zum Heizen taugen würden: wie Hitlers „Mein Kampf“). Er hasst auch Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Freimaurer, „Zigeuner“, Kriegsdienstverweigerer, Zeugen Jehovas – er hasst eigentlich jeden, der nur irgendwie schwach ist … oder anders. Behinderte und Geisteskranke sind ihm ein Gräuel. Ihre Haare und Goldzähne mag er hingegen sehr, die schlachtet er aus, bevor er die Leichen verbrennt oder verscharrt, weil die Pläne, aus Menschen Seife zu machen sich nicht mehr umsetzen ließen. Aber Lampenschirme aus ihrer Haut: das geht.

Der Nazi ist ein naturwissenschaftlich sehr interessierter Mensch: Macht über die Natur bedeutet neue Waffen, mit denen sich Menschen töten lassen, weshalb man in diesem Kreuzzug Menschen allen nur denkbaren medizinischen Experimenten aussetzen kann: Männer, Frauen, Kinder – es gibt nichts, wovor sein kalter Intellekt halt macht … oder sein Skalpell. Am besten schneidet man am lebenden Fleisch. Er liebt die Nützlichkeit – vor allem die von Menschen und den Materialien, aus denen sie gemacht sind. Er hat nichts gegen Ausländer – solange sie billigst in deutschen Fabriken arbeiten, bis zur Erschöpfung und zum Tode. 10 Millionen waren unter Hitler in deutschen Fabriken tätig: das gefiel dem Nazi. Gerne entscheidet er über Leben, vor allem über Menschenleben (der Hund ist ihm heilig – aber das ist eine andere Geschichte): gerne teilt er es auf in lebenswürdiges Leben (den deutschen Leistungsträger, sportlich, bartlos, gut aussehend, brillenlos, durchtrainiert, mit stolzem Schritt und aufrechtem Gang) und lebensunwürdiges Leben (der Rest), er schafft immer, rund um die Uhr, Schlaf ist für ihn Schwäche, er raucht nicht, trinkt nicht, isst nur biologisch angebautes Brot und verzichtet auf Fleischgenuss, weil das Tier ihm nahesteht.

Der andere – der unwertige, nach Vernichtung schreiende, abscheuliche Untermensch … sieht genau anders aus:

„Eine Wohnung die schlampig aufgeräumt ist, man möchte sich fast ekeln. Die zwei Kinder (8 und 10) beschimpfen sich mit Ausdrücken, für die man sich schämen möchte. Die Mutter schreit und ist am Ende ihrer Nerven. Vor ihnen steht ein Aschenbecher auf dem Tisch, der voll mit Zigarettenstummeln ist. Kein Wunder,denn die Eltern sind Kettenraucher. Der Vater trinkt Bier aus der Dose, vor laufender Kamera! Plötzlich kommt die älteste Tochter nach Hause, sie ist 16 und hat ein Kind. Der Vater unbekannt! Schon jetzt steht fest sie wird Hartz 4 empfangen wie ihre Eltern auch!“ (siehe Mustafa Çelebi im Freitag).

Huch – wo sind wir denn da gelandet? Mitten in der Gegenwart. In einer medialen Hartz-IV-Standardfamilie … deren Lebenszustände nach Auslöschung geradezu schreien. Man stelle sich vor, dieses Gleichheitsgerede der linken Bazillen würde wahr werden … und man hätte dieses Gesochse im eigenen Golfclub, deren Kinder auf dem Gymnasium, wo die Elite hart trainiert wird oder würden ihnen überhaupt nur auf der Straße begegnen: welches Bild soll denn das Ausland nur vom edlen Deutschland haben?

Man darf auch nicht vergessen, was die kosten! Gut, dass da mal jemand drüber aufklärt – wie dieser mutige Mensch im Handelsblatt:

„Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom Dienstag unter Berufung auf Daten des Bundesarbeitsministeriums und des Deutschen Landkreistags berichtet, gab der Bund zwischen 2005 und 2013 insgesamt 313 Milliarden Euro für die neugeschaffenen Leistungen aus, die Kommunen kamen auf 92 Milliarden Euro. Hinzu kommen demnach die Ausgaben des laufenden Jahres, die auf dem Niveau des Vorjahres liegen dürften.“

Hier muss gehandelt werden – schnell und emotionslos. Das ist schnell jedem klar: wir drohen zu ersaufen in Säufern und ihrer Brut, das gesunde, deutsche Leistungsvolk wird überschwemmt von den Ratten (siehe Zeit):

Was die Arbeitslosen angeht, so sagen die auf sie angewendeten, aus der Biologie übernommenen Worte und Wortbilder eine Menge aus: In der modernen Literatur werden die Arbeitslosen als „Schädlinge“ bezeichnet, die den „Volkskörper“ „vergiften“ und „zersetzen“. Es ist von „Bazillen“, von „Trichinen“, auch von „Ratten“ und „Schmeißfliegen“ die Rede. Besonders beliebt ist das Bild des „Parasiten“, das suggeriert, der Arbeitslose lebe auf Kosten anderer, erschleiche sich durch Schmeichelei und Unterwürfigkeit Vorteile, ohne wirkliche Arbeit zu leisten.

Und da wird es höchste Zeit, sich zu wehren! Das macht für uns der starke Staat – mit einer Broschüre: „Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ‚Abzocke‘ und Selbstbedienung im Sozialstaat“

„Biologen verwenden für ‚Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben‘, übereinstimmend die Bezeichnung ‚Parasiten‘. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen.“ (Zitat: siehe Stern)

Ja – fort mit ihnen! Seien wir nicht mehr so zimperlich, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen: immerhin geht es hier um den Schutz des Volkskörpers vor Parasiten und Schmarotzern! In 1000 Jahren würden die 20000 Milliarden Euro kosten: wer soll das bezahlen? Soviel Geld hat die ganze Welt nicht! Da muss eine Endlösung her!

Und wer wäre besser für die Organisation einer Endlösung geeignet als der leistungsorientierte, disziplinierte antialkoholische deutsche Herrenmensch! Besondere Verantwortung kommt hierbei den sportlichen Edelfedern zu: jenen Menschen, die dem Volk sagen, wie gerade richtig gedacht wird im Sinne von Staat, Volkskörper und Vaterland, jenen auserlesenen Helden der Gegenwart, die dem Volkskörper eine Stimme geben. Fein auserwählt sind sie, einer harten, unerbittlichen Selektion unterworfen, die nur die Besten von ihnen überleben läßt (siehe Dirk C. Fleck, der Harald Schuhmann bei Ken.FM zitiert):

„Um der wirklichen Gefahrenlage, in der wir uns befinden, als Journalist gerecht zu werden, bräuchte es eine Form von innerer Unabhängigkeit, die die meisten Kollegen nicht haben. Auf den Nachwuchs braucht man nicht zu setzen. Der Zugang zum Journalistenberuf ist inzwischen so schwer geworden, dass die jungen Leute, die in den Beruf kommen, eine Orgie der Anpassung hinter sich haben, bevor sie das erste Mal einen festen Vertrag unterzeichnen dürfen“.

Eine Orgie der Anpassung! Die übersteht nur der stärkste deutsche Geist, hier beweist sich seine wahre, stolze Größe, hier lebt der Geist der Uniformiertheit, der jeden Nazi stramm stehen läßt! Das ist sein Paradies – alle haben eine Uniform, einen Haarschnitt, einen Gang, alles wird EINS: ein Volk, ein Reich, ein Führer! DEUTSCHLAND GEHT ES GUT!

Einer erhebt dort jetzt stolz sein Haupt – zum Schutze des Volkskörpers, er schreibt für das Sturmgeschütz der Demokratie, den „Spiegel“, das von wackeren Kameraden der Waffen-SS groß gemacht wurde: wir gedenken hier der heldenhaften Waffenbrüder wie SS-Hauptsturmführer Bernhard Wehner, dem Pressechef des NS-Außenministeriums und SS Obersturmbannführer Paul Karl Schmidt, den SS-Hauptsturmführern Horst Mahnke und Georg Wolff oder den tapfern SS-Untersturmführer Kurt Blauhorn, die den Geist des Reiches in die noch junge Bundesrepublik hineintrugen und als heldenhafte Journalisten des „Spiegel“ dafür sorgten, dass wieder richtig geacht wird! Wieder gilt es, den Volkskörper nachhaltig zu schützen, wieder sind hinterhältige Bazillen im Einsatz, die den Geist des Volkes verwirren, wieder muss ein klares Wort gesprochen werden, das wie ein Donnerschlag die Republik erschüttert (siehe Spiegel):

„Es ist fahrlässig, den Eindruck zu erwecken, dass es vielen Menschen in Deutschland immer schlechter geht. Wer wider besseres Wissen so tut, als könnten immer mehr Männer und Frauen trotz harter Arbeit oder gestiegener Hartz IV-Bezüge kein würdiges Leben führen und zum Beispiel ihren Nachwuchs nicht mehr angemessen ernähren, der handelt verantwortungslos. Er trägt weitere Unruhe in jene Teile der Bevölkerung, die wegen der Flüchtlingskrise ohnehin schon verunsichert sind, und treibt denjenigen Wähler und Unterstützer zu, die einfache Antworten liefern.

Es kann also sein, dass Blues-Sänger Schneider einige neue Fans bekommt, die er sich nicht gewünscht hat. Zum Beispiel AfD-Politiker, NPD-Wirrköpfe und Pegida-Gröhler.“

Schneider – ein unangenehmer Gesell … „der in seiner Freizeit Frontmann einer Rockband namens „Dude“ ist„. Wir wissen, was solche „Negermusik“ im deutschen Volkskörper anrichten kann.

Es geht deutschen Menschen nicht schlecht! Deutschland geht es gut – so die Parole der Frontfrau des Volkskörpers Bundesrepublik. Messerscharf wird hier argumentiert, der Volksgenosse auf Kurs gebracht:

„Abgesehen davon, ist der alljährliche Blues-Song sowieso ein schiefes Lied. Für Schneider und seine Fans sind nämlich alle Menschen „arm“, die von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens leben müssten. Das ist zumindest heikel, denn selbst wenn in unserem Land nur millionen- und milliardenschwere Ferrari-Fahrer gemeldet wären, gäbe es hier Armut. Irgendwer fällt immer unter die Grenze.“

Ja – da ist er wieder, der deutsche Geist, das deutsche Wesen, an dem die Welt genesen soll! Gäbe es ein Land, in dem alle millionen- und milliardenschwere Ferrarifahrer sind, dann gäbe es hier auch Armut! Mit diesem Spruch kann man die Welt aus den Angeln heben … und jedem hungernden Kind im Sudan vorhalten: „Dir geht es gut – Du stehst ja noch!“ … und man denke nur an jene, denen es noch schlechter geht: viele sind schon tot! Welch´ Reichtum doch hier nicht gesehen wird!

Tot – ach ja: tot wie … Uli S. (siehe moabitonline)

„Zuerst einmal eine lange Krankschreibung, dann folgte die betriebsbedingte Kündigung. Ulli war nun chronisch krank und berufsunfähig. Er musste Medikamente dauerhaft einnehmen. Die Zuzahlung strapazierte sein knappes Budget. Sein Antrag auf Mehrbedarf wegen seiner Diabetes II wurde vom Jobcenter abgelehnt. Begründung: Die Diabetes II sei durch Fehlernährung selbst verschuldet. Ulli ging vor Gericht. Das Jobcenter in die Berufung.

Die Entscheidungen des Jobcenters wurden vom Amt für Grundsicherung (Sozialamt) fortgesetzt. So hatte er nie genug zum Leben. Er hatte 38 kg an Gewicht verloren. Ulli starb Ende des Monats und am Ende des Geldes im Sommer 2012 in seiner Wohnung. Die Medikamente gingen zu Ende. Im Kühlschrank gab es noch eine Scheibe Brot und einen Rest Marmelade.“

Nun – der ist jetzt noch ärmer als das Kind im Sudan, das wenigstens noch lebendig ist … für ein paar Stunden. Er lebte mitten in Deutschland … einem Land, bei dem man mal auf die Vermögensuhr schauen sollte (siehe Vermögenssteuer jetzt):

Pro Sekunde wächst das Nettoprivatvermögen um 9073 Euro, das Vermögen der oberen zehn Prozent um 6714 Euro … und die Staatschulden um 541 Euro

Und Uli verhungert in seiner Wohnung.

Spiegelredakteure sind die Bestverdiener unter den Journalisten (siehe journalist.de), sie stehen an vorderster Front wenn es um die Verteidigung der durch Spenden der deutschen Wirtschaft enstandenen Pfründe geht … deren Einfluss 60 Prozent der Deutschen dazu brachte, die Existenz realer Demokratie in Deutschland in Frage zu stellen (siehe Handelsblatt).

Doch seien wir nicht ungnädig: der Spiegel selbst hat uns verraten, was wir bei unserer Betrachtung falsch machen. Schauen wir nochmal genauer hin:

„Wer wider besseres Wissen so tut, als könnten immer mehr Männer und Frauen trotz harter Arbeit oder gestiegener Hartz IV-Bezüge kein würdiges Leben führen und zum Beispiel ihren Nachwuchs nicht mehr angemessen ernähren, der handelt verantwortungslos.“

Merken Sie, was die Menschen leben sollen? Ein „würdiges“ Leben. Doch wo liegt die Würde von Parasiten? Richtig – bei Uli S. Und wer diese Wahrheit nicht erkennt, handelt „verantwortungslos“ … jedenfalls verantwortungslos gegenüber jenen Kräften, die den Volkskörper nach Kräften vom Parasiten befreien wollen. Wer in Deutschland hart arbeitet – wie ein Spiegel-Redakteur – der kann auch ein würdiges Leben führen, ein Leben im Geiste einer Orgie der Anpassung.

Und es ist nötig, dass sich die hart arbeitenden Herrenmenschen jetzt um Deutschland scharen, weil das Land von Parasiten bedroht wird, denen man nicht Herr wird.

Und wer sich dem entgegenstellt … der möge vorsichtig sein: es könnte als „Nazi“ bezeichnet werden, als massenmordende Bestie, die Volksschädlinge verhungern läßt. Und „Nazis“ – das weiß ein jedes Kind – kann man nur durch Kopfschuss aufhalten, sie sind das menschgewordene Böse schlechthin … wie Zombies, nur uniformiert. Besser also … man begibt sich nicht in Gefahr, als „Nazi“ deklariert zu werden – so wie jemand, der behauptet, in Deutschland gäbe es Armut.

……………………..

PS: Oh – was habe ich nur angerichtet? Da habe ich doch versehentlich die Worte Jude und antisemitisch durch die Worte Arbeitsloser und modern ersetzt. Ja, da weiter oben, in dem Zitat aus der „Zeit“, wo es auch um Trichinen und Bazillen geht. Wie ärgerlich aber auch: denken Sie sich das bitte weg! Nochmal: Oh – auch sprachlich habe ich versehentlich den Ton der Zeit angenommen! Ja – dieser Zeitgeist: er reißt einen einfach so mit! Da kann man nicht gegen an.

PS 2: also – ich möchte wirklich nicht den Eindruck erwecken, als würden gut situierte journalistische Besserverdiener jetzt wieder Millionen Fremdarbeiter ins Land holen, um mit den Parasiten aufzuräumen. Die deutsche Wirtschaft zahlt den traumatisierten Kriegsopfern ordentliche Löhne, von denen man ein würdiges Leben leben kann … zum Beispiel 1.05 Euro die Stunde von der Deutschen Bahn (siehe Focus). Das ist nicht fies, das ist Gesetz. Warum aber weite Teile der deutschen Wirtschaft und der CDU für traumatisierte Opfer der Natokriege ständig weniger als den Mindestlohn fordern (siehe z.B. Welt), verstehe ich auch nicht. Käme dadurch nicht Armut ins Land? Ach ja – kapiere: wer behauptet, die Begriffe „Deutschland“ und „Armut“ haben irgendeinen Bezug zueinander, der riskiert ja, zum „Nazi“ ernannt zu werden – riskiert sozusagen sein Leben, weil Nazis Menschen vergasen lassen wollen. Oder verhungern. Na gut – reden wir lieber nicht drüber. Wäre auch übel, wenn das Sturmgeschütz der Demokratie nachher noch ausforscht, in welcher Band wir spielen.  Helfen wir lieber beim Kampf gegen die Armut und zeigen Tipps, wie man mit Flüchtlingen reich werden kann (siehe News.de): kein Problem für Deutsche mit Hotel. Am meisten nehmen übrigens die in Sachsen (siehe Deutschlandfunk).

PS 3: um meinen Beitrag zur Schädlingsbekämpfung zu leisten, gebe ich hier mal Parasitenalarm: in zwanzig Jahren werden die Hälfte der momentanen Jobs nicht mehr existieren – eine Parasitenplage droht (siehe NZZ).

 

 

 

 

 

Der Eifelphilosoph – das Interview zum Buch

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Nachrichtenspiegel: Sehr geehrter Herr Eifelphilosoph – erstmal vielen Dank für die Zeit, die Sie für uns erübrigen. Zeit … so hatten Sie mal erwähnt … ist für Sie ein äußerst knappes Gut?

Eifelphilosoph: Ja. Gelegentlich erwähne ich das mal. Im Prinzip empfinde ich mich als sehr reicher Mensch, allerdings ist Zeit bei mir momentan etwas knapp. Ich habe ja einen Hauptberuf: „Hausmann“. Wenig geschätzt in unseren Tagen, weil sich Hausarbeit nach dem Denken von Wirtschaft und Politik von selbst erledigt. In Wirklichkeit ist das ein Vollzeitjob – wenn man eine Familie zu versorgen hat. Frühstück, Mittagessen, Abendbrot – alles muss vorbereitet, gekocht, gedeckt werden, anschließend folgt spülen und wegräumen. Dann wartet auch schon die Wäsche auf einen, Räume müssen gelüftet werden, Kinderzimmer verlangen  nach Aufmerksamkeit, der Boden will gefegt, gewischt und gesaugt werden – viel zu tun für einen Menschen, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so gut körperlich arbeiten kann. Ich brauche halt viele Ruhezeiten … und die fressen jedes Zeitkontingent schnell weg.

Nachrichtenspiegel: Ja – auch das erwähnen Sie manchmal: Sie sind gesundheitlich eingeschränkt?

Eifelphilosoph: Nach einer Million Kilometer auf deutschen Autobahnen haben sich meine unteren Bandscheiben verabschiedet, was sich auf die Stabilität der ganzen Wirbelsäule auswirkt. Für die Millionenumsätze, die ich für Konzerne erwirtschaftet habe – und die enormen Steuersummen, die so in die Säckel von Bund, Ländern und Gemeinden geflossen sind – erhalte ich eine kleine Rente. Sie reicht, um mich persönlich vor Hartz IV zu bewahren, reicht aber nicht, um meine Familie zu ernähren. Leider fördert diese Minirente nicht die Gesundheit – und eine Arbeit, in der ich abwechselnd stehen, sitzen, gehen und auch liegen kann ist schwer zu finden. Es gibt genug gesunde Menschen ohne Arbeit, gegen die ich mit meinem Restleistungsvermögen nicht in Konkurrenz treten kann.

Nachrichtenspiegel: Und trotzdem sind sie noch berufstätig?

Eifelphilosoph: Ja. Genau genommen habe ich fünf Nebenjobs, allerdings bringen nicht alle Geld ein. Ein stabiles Nebeneinkommen habe ich als Lerntherapeut – sofern keine Ferien sind. Ich arbeite freiberuflich, bekomme also nur dann was bezahlt, wenn die Therapiestunden auch wirklich durchgeführt werden. Die Einkünfte sind gering und dienen in erster Linie dazu, die Beträge, die meine Kinder vom Jobcenter bekommen, zu minimieren. Nun – und einmal jährlich erhalte ich eine recht hohe, vierstellige Summe von VG-Wort, einem Verein zur Förderung deutscher Schriftsteller. Aber auch das fließt alles zurück in die Kassen der Jobcenter. Gelegentlich gibt es ein paar Euro von Neopresse – auch schon mal 50 Euro für einen Artikel – aber das ist auch stark schwankend. Und dann habe ich noch Arbeit im Rahmen einer Genossenschaft, in deren Aufsichtsrat ich sitze, aber keine Bezüge bekomme – und natürlich als Autor.

Nachrichtenspiegel: Darum geht es ja bei unserem heutigen Gespräch: Ihr drittes Buch ist veröffentlicht worden.

Eifelphilosoph: Genau. Um beim Verdienst zu bleiben: die Bücher kosten nur, Zeit und Geld. Sowohl mich, als auch der bezaubernden Gudrun Anders von Motibooks. Sie sind bislang ein rein idealistisches Projekt, gefördert unter anderem auch von unserem Mitautor Zigorio, der jetzt den Vertrieb in der Schweiz in die Hand genommen hat: mit großem, eigenen finanziellen Einsatz.

Nachrichtenspiegel: Wenn die Bücher nur Kosten verursachen – warum verfolgen Sie und der Verlag dann das Projekt?

Eifelphilosoph: Nun – die Zuwendungen von VG Wort zeigen, dass der Eifelphilosoph im Vergleich zu anderen Online-Autoren überraschend erfolgreich ist – sie liegen um ein Vielfaches über dem Durchschnitt. Das zeigt mehr als alle „Klick“-Auswertungen, die ebenfalls sehr beeindruckende – und manchmal beängstigende – Zahlen auswerfen, dass hier wirtschaftliches Potential liegen könnte. Ich bin auch aus eigenem Interesse angehalten, an meiner Lage etwas zu ändern, denn … mittelfristig werde ich etwas Geld brauchen, um in meiner Heimat wohnen bleiben zu können. Nur von meiner Rente könnte ich nicht existieren, geschweige denn beim aktuellen Mietspiegel mithalten. Außerdem … gehört es zum guten Ton eines Autors, auch jenen etwas anzubieten, die kein Internet haben … und den vielen Fans etwas fürs Regal zu liefern.

Nachrichtenspiegel: Wie wir hörten, läuft der Verkauf schleppend?

Eifelphilosoph: Nein, er läuft nicht schleppend, er läuft gar nicht. Spannenderweise sind wir mit dem Buchprojekt in eine brisante politische Konstellation geraten: wir werden als Kleinverlag vollkommen boykotiert. Machen Sie mal den Selbstversuch, gehen Sie in eine Buchhandlung und versuchen Sie, das Buch zu kaufen: wetten, Sie werden die Antwort bekommen, dass es nicht mehr lieferbar ist? Da predige ich über Jahre hinweg, wie die Großen die Kleinen kaputt machen – und werde nun selber Zeuge einer solchen Boykottaktion.

Nachrichtenspiegel: Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich an einen großen Verlag zu wenden?

Eifelphilosoph: Nein, niemals. Es wäre völlig absurd, so vorzugehen – da könnte ich das Schreiben gleich ganz aufgeben. Ich kenne ein wenig die Arbeitsweise großer Verlage, sie bieten Newcomern nur selten eine Chance – und wenn, dann mit Verträgen, die eine Beleidigung darstellen. Zudem war nie vorgesehen, dass ich mal Schriftsteller werde. Fühle mich auch nicht wie einer.

Nachrichtenspiegel: Nach 2600 oft recht langen Artikeln im Internet sollten Sie uns das mal erklären – das ist eine Menge Holz für jemanden, der nicht sägen möchte.

Eifelphilosoph: Nun – der Kult der deutschen Schriftstellerei ist mir zuwieder. Einerseits wird dort etwas Riesiges aufgeblasen, eine Kaste „besonderer“ Menschen etabliert sich – Menschen, die für Marx zum „Lumpenproletariat“ gehörten – und beweihräuchert sich in erster Linie selbst. Andererseits kokettieren Sie damit, dass sie ein „Handwerk“ betreiben – eine Farce der Extraklasse.

Nachrichtenspiegel: Schreiben ist für Sie kein Handwerk?

Eifelphilosoph: Nein. Wenn ich Sprache verschrifte, bleibe ich eigentlich immer noch im Raum des „Redens“. Ich schreibe hier im Internet auch nicht, ich rede – genau so, wie in der realen Welt. Handwerk – ist etwas anderes. Mein Vater war Handwerker, ich empfinde es als Beleidigung des Handwerks, wenn Menschen, die warm und trocken sitzen und einen Griffel schwingen, sich mit diesem Begriff schmücken. Handwerk heißt: enorme, körperliche Verletzungsgefahr, gesteigerte Abnutzung des Körpers, frühe Invalidität. Elektriker sterben schnell am Stromschlag, Schreiner verlieren schon mal Finger, Dachdecker schnell das ganze Leben, wenn sie bei Wind und Wetter ihre Arbeit machen. Nicht umsonst wünschen sich Handwerker, dass es ihre Kinder mal besser haben. Nicht das wir uns falsch verstehen: mit Handwerk – vor allem als selbständiger Handwerkermeister – kann man viel Geld verdienen, vor allem, wenn man für reiche Menschen Häuser baut. Aber im Alter ist dieser Job nur schwer zu ertragen – das merkt jeder. Decken Sie mal ein Dach, wenn Sie achtzig sind. Bücher schreiben – das beweisen viele – geht da noch recht flott von der Hand.

Nachrichtenspiegel: Warum schreiben Sie dann eigentlich?

Eifelphilosoph: Nun, das war nie Absicht. Ich habe schon früh Gedanken zu Papier gebracht, vor allem, wenn sie zu wirr wahren, um leicht wiederholt werden zu können. Längere Texte schrieb ich dann für meine Kinder. So oft es ging, habe ich ihnen Abends Geschichten zum Einschlafen vorgelesen. Irgendwann ging mir das Material aus – und ich schrieb eigene Kindergeschichten, mit ihnen als Helden. Also: jedenfalls trugen die Helden ihre Namen. Die Geschichten waren ein voller Erfolg und erfüllten ihren Zweck: Die Kinder schliefen danach tief und fest ein. Ich erhielt auch Lob von ihnen: „besser als Harry Potter, aber nicht so gut wie der Herr der Ringe“. Beides zusammen motivierte mich, weiter zu schreiben. Leider verlief mein Leben einige Zeit lang ziemlich turbulent, weshalb mir die Ruhe und Muße fehlte, die Kinderbücher weiter zu schreiben.

Nachrichtenspiegel: Sie haben einen – sagen wir mal – recht ungewöhnlichen beruflichen Werdegang?

Eifelphilosoph: Ich denke, dass kann man so sagen. Ich habe etwas für Arbeiterkinder sehr ungewöhnliches getan: ich studierte. Nicht die großen, wichtigen Fächer – da trauen sich Arbeiterkinder nach Aussagen der Wissenschaft nur selten ran – sondern das exotische Fach „Philosophie“, dazu Theologie (evangelisch und katholisch – auch nicht üblich), Pädagogik und Zen-Buddhismus. Am Ende der Ausbildung war ich Vater – und der festen Überzeugung, dass mein Platz nicht in meiner geliebten Universität ist. Ja – ich war selten so glücklich wie in den Bibliotheken der Universität, wo man größte Abenteuer ohne Gefahr für Leib und Leben erleben kann, aber ich fühlte, dass meine philosophische Ausbildung unvollständig ist, wenn ich sie nicht in praktischem Leben teste, ausforme und weitertreibe.

Nachrichtenspiegel: Wie kamen Sie denn dann gerade auf die Pharmaindustrie?

Eifelphilosoph: Durch Zufall. Während eines Essen erwähnte eine Kollegin der Philosophie dass ihr Mann – ebenfalls Philosoph – als „Pharmarefernt“ arbeitete. Sie erzählte von seinem Alltag – und das gefiel mir. Ärzte mochte ich gern, sie waren meine liebsten Kunden während meiner Studienzeit. Ich hatte da eine Kneipe in einem Studentenwohnheim betrieben – was mir viel Überblick über die einzelnen „Typen“ verschaffte. Ärzte waren bodenständig, überarbeitet – aber völlig in Ordnung. Ich habe also dem Schicksal eine Chance und schickte eine Bewerbung zu einer einzigen Firma – und die stellten mich während des Vorstellungsgespräches ein. Leider … war das nicht so eine gemütliche Kräuterfirma wie die meines Kollegen, sondern die erfolgreichste Firma auf deutschem Boden. Das war … recht hart. Der Rest der Geschichte ist leicht erzählt: ich vervierfachte mein üppiges Gehalt in zehn Jahren und endete nach 17 Jahren als arbeitsunfähiger Verkaufsleiter.

Nachrichtenspiegel: Wie beurteilen Sie ihre Zeit in der Industrie im Nachhinein?

Eifelphilosoph: Als äußerst kostbare Ergänzung zum Studium. Ohne diese Jahre wäre das Studium nutzlos und sinnlos gewesen. Vor allem haben Sie mir eins gezeigt: die Welt ist voller Verschwörungen.

Nachrichtenspiegel: Also – das müssen Sie uns jetzt erklären.

Eifelphilosoph: Nun – sie erleben in der Industrie – gerade bei den großen, mächtigen Firmen – einen festen Gestaltungswillen gepaart mit großer Durchsetzungskraft. Die kriegen alles hin, was sie wollen – wenn sie bei der Durchführung ihrer Pläne keine Fehler machen. Da wird geschickt bestochen, großflächig manipuliert, Konkurrenz geschickt ausmanövriert – und alles bis ins kleinste Detail vorausgeplant. Jeder Pharmareferent bekam einen bis ins Kleinste ausgetüfftelten und in der Praxis vorerprobten Text, den er auswendig lernen musste. Der Erfolg war … phänomenal. Das Unternehmen hatte in Deutschland die uneingeschränkte Meinungsführerschaft in ihren Indikationsgebieten. Vor diesem Hintergrund kam ich ja zu der frechen Behauptung, dass man mit den Methoden auch den Regelsatz von Hartz IV problemlos um 100 Euro erhöhen könnte. Mit den gleichen Methoden manipulieren Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zur Sicherung ihrer Pfründe das Volk – und sind dabei ebenso erfolgreich. Alle glauben, uns geht es super – aber gehen Sie mal hinein in die Firmen und reden mit den Mitarbeitern, wenn kein Chef zuhört, reden Sie mal mit selbständigen Handwerkmeistern, mit kleinen Autohäusern, mit Mitarbeitern von Behörden: großflächiger Lebensfrust überall. Worauf bezieht sich das „uns geht´s gut“? Darauf, dass wir uns gegen den Riesenfrust kleine Trösterlis jeder Art kaufen können. Die ändern aber nichts am Frust, den wir jeden Sonntag Abend aufs Neue erleben, wenn uns klar wird, dass wieder der Montag droht.

Nachrichtenspiegel: Wir fürchten, da wird jetzt wieder ein Aufsatz draus. Bleiben wir bei Ihnen: warum schreiben Sie.

Eifelphilosoph: Die Antwort darauf ist einfach. Mein Rücken verlangt morgens Ruhe. Er muss sich nach der Nacht an die aufrechte Lage gewöhnen, achte ich diesen Wunsch nicht, wird der Tag übel und schmerzhaft. Also sitze ich seit zehn Jahren morgens steif und reglos auf dem Stuhl, um Ruhe in den Rücken zu bringen, damit ich mein Tagwerk verrichten kann. am 19.2.2009 habe ich dann bei Blog.de den Eifelphilosoph.blog gegründet – und fand es im Laufe der Zeit recht sinnvoll, meinen bescheidenen Beitrag zur Meinungsbildung in Deutschland zu leisten, ein kleiner Ersatz dafür, dass ich nicht mehr so viel Steuern zahlen konnte, wie ich als als Vater von sieben Kindern zur Sicherung ihrer Zukunft hätte tun sollen.

Nachrichtenspiegel: Glauben Sie wirklich, dass Steuern zahlen die Welt verbessern könnte?

Eifelphilosoph: So formuliert, nein. Im Prinzip aber: ja. Gemeinschaft ist das, was uns Menschen stark macht, im Team besiegen wir Säbelzahntiger und Mammut. Das gälte auch heute, wenn nicht eine ganze übermächtige Industrie uns in eine andere – egomane – Richtung erziehen würde. Der Staat ist so eine Gemeinschaft – jedenfalls war er mal als eine solche gedacht. Eine Schutzgemeinschaft gegen innere und äußere Feinde – gegen Krankheit, Altersschwäche, Armut, Räuber, Diebe, Betrüger, Ausbeuter, Naturkatastrophen, Missernten und anderes Ungemach, den wir in unsere Geschichte erdulden mussten. Heute jedoch ist dieser Staat pervertiert, wird selbst zum Schmarotzer und Parasiten am eigenen Volk. Oh weh – jetzt habe ich auch diese bösen Naziworte gebraucht. Mir fallen gerade keine anderen ein – wie üblich bin ich auf dieses Interview gar nicht vorbereitet, möchte aber hierzu noch eine Erläuterung abgeben: wissen Sie, woran Sie echte Parasiten der Staatsgemeinschaft erkennen? Genauso wie in der Natur hängen Sie am Wirtskörper und leben von ihm im absoluten Überfluss: luxuriöses Privatheim, Nobellimousine, Swimming-Pool mit Wellenfunktion, Privatsauna, arbeitsloses Einkommen durch Bankengunst, geringe Verletzungsgefahr im Alltag – daran erkennt man einen Parasiten, nicht an der Art, wie er von Sozialhilfe sein Leben gestaltet. Parasiten hängen prall und fett am Wirtskörper – nicht aus Gründen der Fehlernährung, sondern aus absolutem Überfluss, den sie ohne große Mühe für sich abzweigen. Da geht es nicht um das Stichwort „Hartz IV“, sondern um die Stichworte „Börse“, „Banken“ und „Kanzleramt“.

Nachrichtenspiegel: Unsere Zeit läuft ab. Eine Frage noch zum Abschluss: warum sollten ihre Leser eigentlich Ihre Bücher kaufen – und wo kann man sie überhaupt kaufen?

Eifelphilosoph: Oh man … jetzt wird es peinlich. Solche Gespräche fallen mir sehr schwer – ich bettele nicht gerne, erst recht nicht um Geld. Nun – ich selbst werde lange Zeit nichts von Umsätzen haben, dass ist, denke ich, klar geworden. Aber der Verlag wird irgendwann etwas davon haben. Und wir brauchen so einen Verlag, der langfrisitig auch anderen kritischen Autoren eine Plattform bieten wird, Autoren, die nicht nur im „Empört Euch“ steckenbleiben wollen sondern gezielt überlebensfähige gesellschaftliche, wirtschaftliche, soziale und politische Alternativen aufbauen wollen, um den Nutzen des kleinen Mannes zu mehren und ihn vor Schaden zu bewahren. Die, die dafür gut bezahlt werden, scheinen ihren Job nicht ganz so gut ausfüllen zu können, da muss also die Bürgerwehr den Karren mal wieder aus dem Dreck ziehen. Feudal versagt halt immer und überall – auch finanzfeudal. Wir brauchen eine komplette, auch wirtschaftlich lebensfähige Gegenkultur, die sich zum Ziel setzt, die irrsinnig hohen Steuereinnahmen wieder dorthin zu lenken, wo sie hingehören, dorthin, wo sie Not lindern und Zukunft schaffen – und nicht dorthin, wo sie den Lumpen nur noch feister machen. Dafür müssen wir Geld in die Hand nehmen – die Musketen sind erst viel später dran – und hoffentlich nie. Hier kriegt man fürs Geld eine Gegenleistung – eine Sammlung von unterhaltsam umschriebenen Fakten, die im Kampf um die Meinungshoheit in Deutschland entscheident sein werden. Und darum geht es gerade: um den Kampf um die Meinungshoheit. Das sollte jedem bewusst sein – das ist keine Kleinigkeit, sondern der erste, ernste Schritt zur Evolution der Zustände.

Nachrichtenspiegel: Evolution? Sie meinen Revolution?

Eifelphilosoph: Nein, ich meine Evolution. Der nächste Schritt, den die demokratische Bürgergesellschaft zu gehen hat, ist der Schritt aus der Abhängigkeit vom Kapitalismus. Diese Form des aggressiven, kurzfristigen Wirtschaftens hat ausgedient, liegt im Sterben und wird viele in den Abgrund reißen: wir sind als Gesellschaft gehalten, darauf angemessen zu reagieren – und unsere natürliche Entwicklung zu einer demokratischen, glücklichen und sinnerfüllten Gemeinschaft. Wir haben nun gelernt, dass der Feudalimus nicht erledigt ist, wenn wir ihm die Wirtschaftsmacht überlassen: das darf ein Staat nicht tun, da wird er nur noch Instrument und Büttel von Finanzbaronen: die Mehrheit der Deutschen weiß das schon.

Nachrichtenspiegel: Vielen Dank für dieses Gespräch – aber nochmal: wie kommen wir zu Ihrem nun neu erschienen dritten Buch?

Eifelphilosoph: Ach ja – die Frage war noch offen. Nun – es gibt die moderne Art der „Herunterladens“. Da halte ich nicht viel von, aber sie erfüllt ihren Zweck. Das geht hier:

https://www.xinxii.com/der-eifelphilosoph-band-gott-und-die-welt-p-362728.html

Wer nun ein echtes Buch für sein echtes Geld möchte, wird Probleme haben: das System mag keine Konkurrenz. Ich mache Ihnen einen persönlichen Vorschlag: bestellen Sie es bei mir persönlich. Solange es nicht hunderte werden, schaffe ich das. Wird etwas dauern – und viel teurer als „herunterladen“, weil ich den Versand mitberechnen muss – aber dafür kann  ich eine persönliche Widmung hinterlassen – wenn es gewünscht ist. Mich finden Sie unter

Eifelphilosoph@Nachrichtenspiegel-online.de

Der Weg ist etwas umständlich, weil ich die Bücher erst der Druckerei abkaufen muss (ja ja, die Leiden des freien Schreibers in Deutschland sind vielfältig), warten muss, bis die hier ankommen – und dann kann ich sie erst weiterversenden, wenn ich mal wieder zur Post komme. Ist unprofessionell … aber unser Ziel ist ja nicht, größter Verlag in einem sterbenden Land zu werden, primär sind wir an lebensrettenden Maßnahmen für unser Gemeinwesen interessiert.

Nachrichtenspiegel: Herr Eifelphilosoph – wir danken für dieses Gespräch. Eine persönliche Frage noch: wieso „Eifelphilosoph“?

Eifelphilosoph: Zufall. War neu in der elektronischen Welt, hier hatten fast alle Künstlernamen. Philosoph war ich schon, doch der Titel war mir zu pompös – wie fast allen Menschen aus meiner Zunft. Also schaute ich aus dem Fenster, sah die schöne Eifel und dachte: „Eifelphilosoph“. Das geht für eine Weile. Hätte ich gewusst, dass ich damit länger leben muss, hätte ich mir was anderes ausgedacht. Doch jetzt – das sagen die Leute – muss ich damit leben.

Ein PS: Bin gerade nochmal darauf hingewiesen worden, dass man das Buch in jeder Buchhandlung bestellen kann. Es hat eine ISBN. Viele sind zu faul oder zu doof oder beides, das bei kleinen Verlagen zu machen. Die ISBN lautet: ISBN  978-3-945104-08-8.

Sicherer ist der direkte Weg zum Verlag:

Motibooks – Inh. Gudrun Anders

Ferberberg 11 | 52070 Aachen
0241 – 70 14 721
| Fax: 0241 – 446 566 8

www.spirit-and-marketing.de

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Update, frech eingefügt vom Regenbogenbieger, damit nicht noch mehr Menschen die Menschenschinder von Amazon reicher machen:

Bücher bestellt man sozialverträglich bei Buch7:

https://www.buch7.de/images/dynamic/Logo_rechts_oben.png

Warum? Hier klicken für die Gründe

Noch´n Update: die sind sozialverträglich, aber können nicht liefern. Wie sozial ist das? Fragt sich: der Eifelphilosoph.

Leander Sukov – und die Erbärmlichkeit deutscher Kaffeehauslinker

Digital StillCamera

Dienstag, 17.3.2015. Eifel. Tja – nun ist es geschehen. Ich muss mich mit Rufmord auseinandersetzen. Ein „Leander Sukow“ – bekannt durch seine Gedichte über Regenwürmer und ungelesene Liebesromane … jedenfalls bei den sechs Menschen, denen so etwas gefällt – hat mich entlarvt. Das war zu erwarten: es ist der Hauptberuf der „Kaffeehauslinken“, andere zu entlarven. Immerhin sind sie die Besserlinken, die Bessermenschen – ach, einfach nur supergut. Was hat man als ein solcher Bessermensch auch anderes zu tun, als den ganzen Tag jene zu entlarven, die nicht ganz so supertoll gut sind. Lebenstraum? Kritiker mit Festanstellung – das wäre es. Den ganzen Tag den Leuten sagen können, wo es lang geht – bei prall gefülltem Kaffeetischchen – ein Traum. Fernab der Welt, wo Arbeit lauert, Schmutz, Blut, Leid und Elend, am heilen Tischchen der Kaffeekranzkultur, wo man bedient wird … wie man es sich nach eigener Überzeugung verdient hat … oder jedenfalls meint, es verdient zu haben. Ohne Hirn läßt sich so gut leben und als Bessermensch über die Mindermenschen trefflich urteilen. Immerhin bleiben die ja draußen – weit außerhalb der heiligen Hallen des Kuchentempels.

Was habe ich nun Schreckliches getan?

Ach – lassen wir den Herrn Sukov doch selber zu Wort kommen – hier sein Facebookeintrag vom 16.3.2015:

Es wohnt ein Relativierer in der Eifel:
“Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz”

Ein Reiner A. Damann, Eifelphilosoph (was immer das sein mag), findet, Auschwitz sei auch nur wie ein JobCenter gewesen und das Leben der Juden, Polen, Roma und Sinti und der anderen Opfer der faschistischen NS-Herrschaft hätten gelebt wie Hartz-IV-Empfänger. Jedenfalls fast. Denn anders lässt sich die Schlagzeile “Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz” nicht verstehen, mit der er einen Artikel auf seinem Blog überschrieben hat, den ich selbstverständlich nicht verlinke, weil ich der Relativierung des Grauens des Holocaust nicht Vorschub leisten will.
Es ist aber so, dass einige meiner Freunde mit Rainer A. Damman verbändelt sind. Ich empfehle sehr, die Bänder zu lösen.

Nun – erstmal ist der Name falsch wiedergegeben – mal fehlt ein m, mal ein n, auch die Schreibweise des Vornamens variiert: aber Sorgfalt in der Arbeit ist nicht jedermanns Stärke. Hat er den Artikel gelesen, der Herr Sukov?

Mit Sicherheit nicht. Wozu auch: er ist selbst ernannter Literaturkritiker, jederzeit zu vollmundigem Eigenlob bereit (ja – ich habe da einige Peinlichkeiten gelesen, die ich mit Rücksicht auf Herrn Sukov nicht verlinke: der typische Besserlinke eben).

Doch bleiben wir erstmal bei der Kritik. Also: Kaffeetasse beiseite, Kuchengabel fortlegen – es wird um Ruhe gebeten.

„Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Ausschwitz“ – so die Aussage. Was folgt daraus? Das Auschwitz (besonders Birkenau) eine Vernichtungsaktion war. Und das wir wieder eine haben, belegt die in dem Artikel zitierte Studie. Mir zu unterstellen, dass ich auch den von Herrn Sukow gezogenen Umkehrschluss für richtig halte … dass also Auschwitz lediglich ein harmloses deutsches Jobcenter sei … ist schon ein kleiner Gipfel von Bösartikeit, Gemeinheit und selbstgefälliger Ignoranz, wie man sie bei Kaffeehauslinken oft antrifft: nur so können sie ihre umfassende Überlegenheit gegenüber dem Rest der Welt beweisen.

Wirkt doof, aber zweifellos fühlt man sich gut dabei.

Hier wird nicht altes Grauen relativiert. Nicht mit einem einzigen, kleinen Satz. Was mich von Kaffeehauslinken unterscheidet, ist wohl die Erkenntnis, dass Auschwitz nicht nur ein Objekt im literarischen Universum ist, ein Synonym für das absolut Böse, mit dem man Romane vortrefflich auskleiden kann – sondern auch ein Objekt der realen Weltgeschichte. Im literarischen Universum mag es einmalig sein – im realen Universum ist es das nicht. Auschwitz ist wiederholbar. Jederzeit. Überall – so mein Standpunkt, meine Lehre aus der vierzigjährigen Beschäftigung mit dem Grauen. Ja – man wird etwas sensibilisiert, wenn man jahrelang am Tisch der Großfamilie nichts anderes hört als Geschichten über jene Zeit. Auch übrigens über die Kaffeehauslinken … jene kruden Gestalten, die die Vorhänge zuziehen, wenn die SA wieder Geschäfte niederbrennt, um sich den Genuß der Buttercremetorte nicht vermiesen zu lassen. Aber dann nächsten Tag andere Linke diffarmieren, um sich selbst zu beweisen, wie toll links man ist, während die ja gar nicht so richtig toll links sind.

Relativiert man Auschwitz, wenn man seine Einmaligkeit in Frage stellt? Im ersten Moment denkt man: kann schon sein. Wer kennt nicht den typischen Stammtischtroll, der sofort aufbrüllt, wenn er „Birkenau“ hört und mit „Dresden“, „Indianer“ und „Neger“ antwortet. Doch wir dürfen hier nicht stehen bleiben, denn die Verabsolutierung von Auschwitz als absoluten Gipfel menschlichen Leidens hat eine kleine – für Kaffeehauslinke durchaus angenehme – Nebenwirkung: es wertet alles andere Leiden ab. Alles, was nicht direkt Auschwitz ist, braucht man nicht ernst nehmen … denn so schlimm kann es ja gar nicht sein.

Eine schöne, sehr bequeme Einstellung, die vortrefflich beim Genuss des Buttercremekuchens hilft: immerhin hat man dem absolut Bösen nicht persönlich aber literarisch tief ins Auge geblickt – und sich klammheimlich darüber gefreut, dass es schon so lange tot ist. Man braucht gar nichts mehr tun: wie köstlich.

Menschenverachtung, Menschenvernichtung in der Gegenwart? Kein Problem, solange nicht „Auschwitz“ über dem Lagereingang steht und die Vorhänge im Kaffeehaus dicht sind. Und die Vorhänge müssen äußerst blickdicht sein – sonst schmeckt das Weinchen nicht mehr. Darf ich mal zwei Kommentare zu dem Artikel zitieren?

Ich habe vor einiger Zeit hier schon einmal versucht darauf hinzuweisen, daß es IMHO von Münteferings “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!” nicht mehr weit ist bis zu “Arbeit macht frei!” … leider ist das damals irgendwie wegmoderiert worden. Deshalb freut es mich zu sehen, daß die Erkenntnis inzwischen auch bei Dir gereift ist.

Ein anderes Negativbeispiel für das, was das vorherrschende Paradigma Neoliberalismus/Neofaschismus in der Politik angerichtet hat, sind die vom ehemaligen Superminister Wolfgang Clement bekannten Sprüche. Anarchopedia schreibt dazu:

»Clement benutzte ausdrücklich “Parasiten” bzw. “Parasitentum” für ALG-II Empfänger, die gleiche Wortwahl, die in den 30ern im Auftakt zur Judenverfolgung gewählt wurde, entsprechend positiv wurde die Beschimpfung der Menschenwürde durch das NPD-Blatt “Deutsche Stimme” aufgenommen.
Die Klage wurde von den Gerichten mit der der Begründung abgewiesen, daß “das offensichtliche Interesse” darin liege “ungerechtfertigte Staatsausgaben zu vermeiden”.
Eine interessante Lesart des “bürgerlichen Rechts”: Künftig werden also “Verbrecher” nicht mehr auf Grund ihrer Tat, sondern auf Grund ihres offensichtlichen Interesses verurteilt, frei nach dem Motto: Mord ist legitim, wenn sich mein Interesse mit der offiziellen politischen Richtung deckt. (Warum kommt mir diese Praxis nur so bekannt vor? …)
Ach ja … das Gewaltmonopol das Staates beinhaltet ja auch das Recht auf politischen Mord, wie wir nicht erst seit Benno Ohnesorg und Wolfgang Grams wissen. Ähnlichkeiten und Parallelen mit dem “Dritten Reich” sind rein zufällig und unterliegen der GEZ-subventionierten Pressezensur.«

Eine Bekannte aus England machte mich letzte Woche auf den traurigen Fall einer Freundin von ihr aufmerksam, der uns drastisch vor Augen führt, wie das System mit Minderleistern umspringt. Die inzwischen mit 37 Jahren verstorbene Lotte Ryan — eine engagierte Friedens- und Sozialaktivistin — war an einem Glioblastom erkrankt, einem äußerst aggressiven Hirntumor, für den es so gut wie keine Therapiemöglichkeiten gibt und der die Betroffenen zuerst zu Schwerstbehinderten macht (Motorik und Sensorik werden progredient schlechter) und sie dann tötet. Lotte Ryan war schon schwerstbehindert und auf Pflege angewiesen als sie vom lokalen Jobcenter (dem das alles bekannt war) unter Sanktionsandrohung (Einstellung der Zahlungen) zu einem Jobinterview beordert wurde. Wenige Wochen später ist sie dann verstorben …

Ich weiß – das ist etwas lang, aber qualifizierte Gedanken brauchen mehr Raum als das Kaffeehausgeblöke. Anders als Herr Sukov hat der Autor dieses Kommentars es geschafft, sein Studium auch abzuschließen. Läßt es wirklich jeden kalt, wenn die NPD einem sozialdemokratischen Wirtschaftsminister ob seiner Wortwahl zujubelt? Völlig vergessen, dass der Schoß noch fruchtbar sein soll, aus dem das kroch? Einfach mal den „aufhaltbaren Aufstieg des Arturo Ui“ von Berthold Brecht lesen … es lohnt sich.

Das deutsche Staatsschiff schmückt sich wieder mit braunen Wimpeln – doch solange die Kanne noch voll ist, wollen wir den Kuchen genießen. Leid vor der eigenen Tür? Ist doch kein Auschwitz, also: was soll´s! Hauptsache, wir haben drollige Katzenfotos auf Facebook.

Noch ein Zitat? Bitte schön:

Ich erlaube mir noch einen Nachtrag – denn davon ausgehend, dass hier noch mehr die von diesem System profitieren – in einer gnadenlosen Arroganz versuchen werden, den Artikel in Schutt und Asche zu kommentieren. Aus dem Grund hier noch ein kleiner Beitrag – vielleicht nimmt ihn der eine oder andere Systembückling zur Kenntnis.
„Die Fixierung des Faschismusbegriffs auf Auschwitz würde alles aussperren aus unserem Denken und Analysieren, was gestern zu Auschwitz geführt hat und morgen eventuell wieder zu Auschwitz führen könnte. Auch wenn es aberwitzig klingen mag: Wer Auschwitz verhindern will, muss selbst das Scheinbar-noch-ganz-Harmlose auf seine kausal-konditionale Qualitäten hin untersuchen, die in einem neuen Auschwitz enden könnten. Die Überprüfung und Einschätzung von “Bagatellen” gehören also ganz ausdrücklich mit zu diesem Forschungs- und Verhinderungsprogramm. Und wir werden auszuhalten haben, dass damit Auschwitz auch zurückgeholt wird aus dem Dämonisierungsabstand und uns als niemals ganz auszuschließende Möglichkeit der Geschichte wieder ganz naherückt. Es gibt keinen legitimen Sicherheitsabstand zu “Auschwitz”. Folglich dürfen wir auch den Begriff “Faschismus” nicht scheuen, da wir ansonsten in der Gefahr stehen, den Blick auf die Wirklichkeit zu scheuen. Pauschalabwehr besitzt keinen Rechtfertigungsgrund. Und geben wir bitte nicht als Stilkritik aus, was in Wahrheit nur Realitätsflucht wäre! Dabei hat natürlich als Selbstverständlichkeit zu gelten, dass der Begriff „Faschismus“ niemals als bloße Totschlags- und Etikettierungsvokabel missbraucht werden darf, sondern stets nur als Resultat sorgfältig-differenzierender Analyse Geltung für sich beanspruchen kann.

„Das Böse“, sagte der ehemalige Generalsekretär der UNO, Kofi Annan, einmal, „braucht das Schweigen der Mehrheit.“ Auch das verbale Wegbeschönigen von heutigen Faschismusvorzeichen käme einem bösartigen Verschweigen gleich.“

Das stammt im Original von Konstantin Wecker, einem Linken, für den das Links sein nicht nur keckes, freches Sahnehäubchen auf dem Biedermeierkuchen ist, sondern Lebensinhalt. Darum ist er bei Kaffeehauslinken auch nicht gut angesehen … er tut richtig was, denkt konsequent nach, geht auf die Straße, wenn es anfängt zu stinken: ein Sakrileg gegen jedwede Biedermeierexistenz.

Hartz IV – das sei deutlich gesagt – ist nicht gleich Auschwitz, wie Auschwitz oder schlimmer als Auschwitz … und es gehört schon eine dicke Portion boshafter Ignoranz dazu, so etwas zu unterstellen. Zu solch einer Aussage stehe ich ich auch nicht. Ich stehe aber zu der Aussage – jederzeit und überall – dass wir da locker wieder enden können, wenn wir den unverantwortlichen, menschenverachtenden Kurs der Gegenwart so konsequent fortleben. Mal eine kurze Darstellung, was aktuell schon vernichtet wird? Ebenfalls ein Zitat aus den Kommentaren zum Artikel:

Um die Brisanz der Drohkulisse, die von den Jobcentern gefahren wird, noch einmal vor Augen zu führen, zeige ich Ihnen die Auswirkungen von Sanktionen und Sanktionsandrohungen auf die physische Lage der Betroffenen in signifikanten und zahllosen Fallbeispielen nach.(Vgl. z .B. u.a. Ames 2009, S.43; S.1611; Berliner Kampagne 2008, S.47; S.57; S.63; Griesmeier 2009, S.19ff; Daseking 2009, S.57).
Die Folgen reichen von Schlafstörungen, Depressionen bis hin zu massiven Schuldgefühlen, die bei vielen Betroffenen schlimmer empfunden werden als “Hunger” (Ames 2009, S.43 f.). Sanktionen im Zusammenwirken mit weiteren ungünstigen Situationskonstellationen führen meist zu schwerwiegenden psychosomatischen Erkrankungen.
Die Berliner Kampagne stellt in ihrer Analyse fest: “Die Auswirkungen des Fehlens von gesellschaftlicher Erwerbsarbeit auf die Befindlichkeit des Einzelnen sind gravierend. Diese Belastungen werden noch verstärkt, wenn die Menschen ständiger Sanktionsgefahr ausgesetzt sind:
Minderwertigkeitsgefühle, Depressionen, Zwänge, Suchtverhalten, soziale Ängste, psychosomatische Erkrankungen” (vgl. Daseking 2008, S. 57). Alle Studien, die sich mit Sanktionen auseinandersetzen, weisen zumeist auf die hohe psychische Belastung hin. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da wie schon beschrieben, bereits die Möglichkeit dass Sanktionen ausgesprochen werden können eine disziplinierende Drohkulisse darstellt.
Es sei an dieser Stelle auch auf die internationale Definition von Gesundheit der
Weltgesundheitsorganisation (Word Healt Organisation, WHO5) hingewiesen. Gesundheit wird definiert als “ein Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens, der sich nichtlediglich durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet”.Beim Vergleich der Studien über den Sanktionsmechanismus sind häufig die Begriffe wie “Angst” verwendet worden (Existenzangst, Angst vor Verlust der Wohnung, Angst nicht zu wissen, wie man an Nahrungsmittel kommt, Gefühl der Überforderung und Hilflosigkeit sowie Ohnmachtsgefühle). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die negativen Auswirkungen von Sanktionen auf die psychische Gesundheit von Betroffenen in den unterschiedlichen Studien klar belegt sind. Im Extremfall führen sie zu Suizidversuchen.

Man muss schon ein überzeugter und engagierter Aktivist der „Generation Doof“ sein, um solche Vernichtungsaktionen vollständig zu ignorieren …. und angesichts der besonderen deutschen Geschichte scheint mir jede Art von Verharmlosung aktuellen Grauens ein Akt absoluter Verantwortungslosigkeit zu sein. Was der Kaffeehauslinke nur all zu gern vergisst: Deutschland, die deutsche Kultur, der Geist des deutschen Biedermeier war die Kultur, die Auschwitz real werden lies. Haben wir uns eigentlich jemals darum gekümmert, welche urdeutschen Eigenarten wir besser ablegen sollten, um eine Wiederholung der Geschichte ausschließen zu können? Wäre mir nicht bekannt, dass dies mal vor einer breiteren Öffentlichkeit geschehen wäre, dabei sollte jeder Hauptschüler nützlicherweise gleich zehn Unarten im Verhalten aufzählen können, die letztlich Menschen ins Gas bringen.

Ja – hier kommen wir zum eigentlichen Grund meines Schreibens. Ein Herr Leander Sukov und seine irreale Schmähkritik kann mir egal sein, ich denke, ich kann Kaffeehauslinke schon ganz realistisch einschätzen. Was mir nicht egal ist, ist der schleichende Faschismus, der wieder Alltag wird – auch bei jenen, die sich als große Verteidiger der Einzigartigkeit deutscher Vernichtungslager in der Öffentlichkeit sonnen. Der neue Faschismus kommt ganz elegant daher – und ist wie üblich im Herzen völlig unpolitisch. Nicht die boshafte (oder – seien wir wohlmeinend – dümmliche) Unterstellung erregt das Gemüt, sondern der kleine Schlußsatz:

Es ist aber so, dass einige meiner Freunde mit Rainer A. Damman verbändelt sind. Ich empfehle sehr, die Bänder zu lösen.

Nein, keine Sorge: diesem Aufruf ist keiner gefolgt. Besser noch: einer seiner FB-Freunde ist seit gestern auch meiner. Zeigt, dass unsere gemeinsamen Freunde Demokraten sind – und des Lesens und Denkens fähig. Aber was ist das für eine politische Kultur, die sich – weit ab jeglicher öffentlichen Diskussion – einfach in blinder Aburteilung eines vermeintlichen „Revisionisten“ (ohne jede Möglichkeit der Gegenrede, des demokratischen Diskurses – sowas ist bei Volksgerichtshofsurteilen ebenfalls unerwünscht) erschöpft und dann … zur völligen sozialen Isolation aufruft?

Merken Sie, welcher Geist sich da wieder erhebt? Bessermensch gegen Untermensch. Arier gegen Jude. Das alte deutsche Lied, immer wieder gern gesungen. Finden sich auch wieder unkritische Mitläufer (und Mithasser)- wie üblich.

Wissen Sie – ein Herr Sukov ist mir egal. Schlimmer als eine „Anti-Eifelphilosoph-Seite“ kann es nicht werden (gibt´s die eigentlich noch?). Von dieser Sorte gibt es reichlich, „Literaturkritiker“ leben halt von nichts anderem, als dass sie Ausschau nach kreativen, schaffenden Menschen halten, die sie irgendwie runterziehen können, um sich selbst zu erhöhen. Ich finde so etwas erbärmlich (weshalb mir Reich-Ranitzki immer suspekt war … was machen solche Charaktere, wenn sie mal reale Macht in die Hände bekommen?), aber wir leben in einem freien Land, in dem auch solche Existenzformen möglich sind.

Was einem aber nicht egal sein kann, ist der öffentliche Aufruf zur Menschenhatz … im Gewande einer vermeintlich antifaschistischen Gesinnung. Das hat nun mit der Person des Herrn Sukov nichts zu tun – die kann einem egal sein. Mir geht es eher darum, auf jene aufmerksam zu machen, die Auschwitz wieder möglich machen … und es auch früher erst realisierbar gemacht haben: der Typus des deutschen Kaffeehauslinken, einer pseudolinken Existenz, der wir aktuell ja schon viel zu verdanken haben: aus diesem Geist entsprang der von (vermeintlichen) Linken getragene Einsatz deutscher Bomber in Jugoslawien, der Einsatz deutscher Bodentruppen in Afghanistan und … der Abbau des deutschen Sozialstaates unter Verwendung originalen NS-Gedankengutes.

Wem es nur darum geht, für seine Regenwurmgedichte eine gediegene Leseatmosphäre zu haben, der mag damit leben können.

Wer seine Lehren aus dem Grauen des Dritten Reiches gezogen hat, kann damit nicht leben.

PS: ein persönliches Wort an Herrn Sukov. Gerne stehe ich Ihnen zu einer öffentlichen Diskussion über meine Ansichten, Meinungen und Erkenntnisse zur Verfügung – wie jedermann. Hier wird nur selten zensiert, sind sie gut begründet, lassen wir auch persönliche Beleidigungen durch – eher jedenfalls als doofe Einwortsätze, die der Diskussionskultur dieses Ortes nicht gerecht werden. Schreibe ich über „Kaffeehauslinke“, so ist nicht unbedingt ihre Person gemeint – eher eine Gruppe von Menschen, die mir schon seit längerem in der öffentlichen Debatte durch destruktives Verhalten aufgefallen sind … und durch ein hohes Lob über den anschließenden Weingenuss im Kaffeehaus. Meine Freunde dürfen auch weiterhin ihre Freunde sein – ich habe kein Problem damit. Zudem habe ich keine Probleme mit Freunden von Regenwurmgedichten – wieso auch. Mobbing jedoch – auch Cybermobbing – gefällt mir nicht so. Ich erlaube mir, dazu dann auch mal öffentlich Stellung zu beziehen, bevor ein aufgeputschter Mob mich als „Revisionisten“ an den nächsten Laternenpfahl hängt. Vielleicht richten Sie vor der nächsten Verurteilung vermeintlich Andersdenkender erstmal ein persönliches Wort an sie? Oder schaffen einen Raum für Dialog? Sonst ähneln Sie wirklich eher einem Roland Freisler. Wollen Sie das wirklich?

PS 2: ein persönliches Wort an die engagierten Leser, die mich auf diesen Mobbingakt aufmerksam gemacht haben: danke für euer Engagement. Ich weiß die Absicht sehr zu schätzen. Diesmal habe ich Euch zuliebe darauf reagiert, jedoch möchte ich anmerken: Schmähkritik und verlogene Diffarmierungen dieser Art interessieren mich nicht. Hier war es nützlich, um auf eine besonders gefährliche Abart von Pseudolinken hinuweisen, doch normalerweise ist das absolut verschwendete Lebenszeit. Begegnet Euch so etwas nochmal: einfach ignorieren. Auch wenn die Mobbingabsicht im Prinzip brandgefährlich ist, handelt es sich dabei doch oft nur um Gestalten, die selbst mehr Aufmerksamkeit wollen, um ihren Lebensfrust abarbeiten zu können – es gibt wichtigere Themen zur Zeit, als ihnen eine Bühne für ihre erbärmlichen Aufführungen zu bieten.

PS 3: nicht, das jemand denkt, diese Art von „Linken“ wäre neu in Deutschland. Reichstagswahl 1928 – drei SPD-Minister stimmen dem Bau eines Panzerkreuzers (im Rahmen einer großen Koalition) zu … wider aller Wahlversprechen. Was weniger bekannt ist: dieses Schiff war kein normaler Kreuzer, er war als unbesiegbare Kriegswaffe geplant – stärker als alle schnelleren Schiffe, schneller als alle stärkeren sollte er alliierte Seewege blockieren. Ersonnen fünf Jahre vor der Machtergreifung Adolf Hitlers (siehe Zeit). Schon damals ein bewusster, absichtlicher Verstoß gegen den Versailler Vertrag – und eine Vorbereitung auf einen neuen Krieg.

 

 

Die Vernichtung der Menschheit – und das Schweigen der Mehrheit: Reformgedanken

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Montag, 23.2.2015. Eifel. Es ist nicht gerade leicht, hier zu sitzen und zu schreiben. Das Haus ist leer, ein kaltes Echo erfüllt die Räume. Vieles – also: die Dinge die mir wert und teuer sind – befinden sich an einem anderen Ort. War mühsam: Schmerzen beherrschen den Körper und versöhnen einen mit der eigenen Sterblichkeit, die vor allem eins verspricht: ein endgültiges Ende jeder Form von Leid. Ja: Krankheit ist ein strenger Lehrmeister – und vielleicht ist gerade das der Grund, weshalb die Natur sie ersonnen hat … wir sollen es uns hier nicht zu bequem machen. Wir haben als Gesellschaft auch keinen Platz mehr für Kranke – vor allem: keinen Arbeitsplatz. Die Rendite diktiert uns Perfektion in allen Lebensbereichen, die totale Mobilisierung aller Menschen – Männer, Frauen und auch Kinder – für den „Arbeitsmarkt“ läßt keinen Platz für „Minderleister“, die aufgrund von Krankheit oder Alter das geforderte Mindestpensum nicht mehr erbringen können.

Das Haus in dem ich wohne ist gekündigt, das Haus in das ich ziehen muss schon bezugsfertig, doch trotzdem hängt alles in der Schwebe: weil ich dank einer Minirente für meine Kinder auf Leistungen vom „Jobcenter“ abhängig bin, um die Kosten des Alltags zu bestreiten  – Kosten, an deren Festsetzung man mich nicht im Mindesten beteiligt hat, die wurden andernorts diktiert …. soviel sei zur real existierenden Demokratie mal gesagt. Auf eine Genehmigung für das neue Haus warte ich seit Ende Dezember vergebens, es ist zwar preisgünstiger als das alte Domizil, aber das stört ja nicht bei der Ausübung von Herrschaft durch Bürokratie. Ich ziehe also in ein unbekanntes, unsicheres Land, eine unbekannte, unsichere Zukunft … und beschreite so einen Weg, den viele noch vor sich haben, viele jung und kerngesund, aber trotzdem überflüssig wie Hundekot an den Schuhen.

Dabei kann ich noch von Glück reden, dass ich nicht zu den Ärmsten der Armen gehöre: ich habe das große Glück, neben einer kleinen Leibrente einen verständigen Vermieter zu haben, der Geduld hat. Auf freier Wildbahn, auf dem freien Markt wäre ich als Mieter dank eines komplizierten Prozederes der Ämter völlig chancenlos – wer wartet schon gern monatelang auf den Abschluss eines Mietvertrages, der letztlich vielleicht doch von der Behörde nicht bewilligt wird? Es ist ein religiöses Fundament, das mir Halt und Stabilität gibt, notwendige Entscheidungen selber zu treffen – kein künstlich übergestülptes Glaubenskonzept von Weltkirchen, sondern der schlichte Blick auf das unausweichliche Ende allen Lebens, das jede Form von Qual, Entrechtung, Erniedrigung und Sklaverei beendet – vielleicht sogar endgültig. Bevor man nun gezwungenermaßen abtritt, kann man aber noch ruhigen Gewissens etwas Staub aufwirbeln.

Haben Sie sich schon mal gefragt, wieso wir das eigentlich mit uns machen lassen? Wieso wir uns so behandeln lassen? Sozialleistungen sind kein Geschenk, keine gnädige Gönnerei, sondern ein Recht, für das Generationen von Menschen die Hälfte ihres Einkommens stiften, um selbst ein sichereres Lebensgefühl zu haben. Sie sind noch mehr als ein Recht: sie sind eine Pflicht, die sich aus der Sozialstaatsklausel unseres Gesellschaftsvertrages ergibt – und genau für diesen Vertrag bezahlt auch der Ärmste der Armen seine Steuer in Form von Mehrwertsteuer, beteiligt sich so an der Finanzierung des Gemeinwohls.

Viele der Armen sind noch gar nicht mal krank – sie sind einfach aus anderen Gründen überflüssig. Manche sind einfach noch zu viel Individuum, tragen Tatoos, erlauben sich wüste Haarschnitte, zu lange oder ungepflegte Fingernägel, fremdartige Hobbys oder exotische Kleidung, weil sie den Werbern unserer „Kultur der individuellen Freiheit“ auf den Leim gegangen sind. Ja: damit wird gelockt. „Kommt zu uns, hier darf das Individuum frei sein, hier gibt es keine Diktatur, hier darf jeder leben, wie es ihm gefällt!“.

Wenn er die Kosten tragen kann, die andere definieren – das steht jedenfalls im Kleingedruckten … und das ist eine bittere Pille, die gerade vielen Bürgern der ehemaligen DDR sauer aufstößt: sie sind die aktuellste Kultur, die aufgesogen und verarbeitet worden ist.

Es sind aber nicht nur die Kosten – auch Kleidung, Haarschnitt, Schmuck: alles ist im Detail geregelt. Da geht es jedem Indianer besser als uns. Schauen Sie sich doch einfach mal die „besten Bewerbungsfotos“ 2014 an, die Zeitschrift „Wiwo“ wählt sie jedes Jahr aus und läßt sie von einer „Bewerbungsexpertin“ beurteilen (siehe Wiwo): Szenen aus einer Sklavenauktion … Szenen einer Sklavenkultur. Interessant nur der Leserhinweis, dass Australien Bewerbungsfotos grundsätzlich verboten hat. Ja – das kann eine Gesellschaft machen, wenn die Sklavenmarktmentalität überhand nimmt.

Schweifen wir ab?

Nein.

Arbeitslosigkeit ist ein Zustand, der in Zukunft auf SIE zukommen wird. Darum sollten SIE sich JETZT kümmern, wenn Sie wie ich erstmal zu den Ausgesteuerten gehören, zu denen, die noch nicht einmal Angebote für Jobs bekommen, weil sie als „nicht mehr verwertbar“ klassifiziert worden sind, dann werden sich schnell merken, dass niemand mehr mit ihnen redet, auch nicht die zuständigen Stellen. Sie existieren auf einmal außerhalb des Kosmos staatlicher Wahrnehmung – und ich kann noch von Glück reden, dann in anderen, vergleichbaren Fällen hat das Amt nach bekannt werden der Umzugsabsicht erstmal alle Zahlungen vollständig gestrichen. Ist nicht sonderlich logisch, aber es arbeitet ja auch nicht gerade die intellektuelle Elite der Menschheit dort.

Lesen Sie sich mal den aktuellen Artikel in der „Zeit“ genau durch (siehe Zeit):

Eine Studie der Universität Oxford kommt zu dem Schluss, dass bis 2030 rund 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den USA der Automatisierung zum Opfer fallen könnten.

Glauben Sie jetzt nicht, dass Deutschland davon verschont bleiben wird: im Rahmen der Globalisierung werden die US-Maschinen auch unsere Arbeitsplätze vernichten.

Während etwa Sozialarbeiter oder Handwerker weniger gefährdet sind, ist das Risiko, ersetzt zu werden, besonders für Banker, Logistiker und Verwaltungsangestellte hoch.

Sogar Rechtsanwälte können durch Maschinen ersetzt werden.

Unglaublich, oder?

Zum ersten Mal habe ich von der Massenarbeitslosigkeit mittels Automatisierung durch eine Sparkassenreklame erfahren. Es war in den siebziger Jahren, wo wir noch davon träumen durften, „mehr Demokratie zu wagen“. Ja – das konnte man damals erleben. In der Romanreihe „Illuminatus“ von Robert Shea und Anton Wilson (die eine Grundlage für 99% aller heute gültigen Verschwörungstheorien über Freimaurer, „Illuminaten“ und SS-Zombiearmeen in bayrischen Alpenseen legte) inserierte die Sparkasse eine lustige Werbung, die aufzeigte, dass es Zeit wird, sein Geld für sich arbeiten zu lassen, weil die Maschinen den Menschen überflüssig machten. Ja – damals konnte man noch an ein Miteinander von Geld und Mensch glauben, damals waren „Bank“ und „Gesellschaft“ noch keine unversöhnlichen Feinde – die Bank war Diener der Gesellschaft, die die Geschäftsfähigkeit der Gemeinschaft fördern sollte .. anstatt nur für Anleger zu kassieren.

Das sie Letzteres tun würde, konnte man ebenfalls aus dieser Werbeanzeige schließen: läßt man sein Geld für sich arbeiten, weil man selber nicht mehr gebraucht wird, kommt es irgendwann zu einem Kampf zwischen den faulen Parasiten (wir nennen sie hilflos „Anleger“) und den produktiven Kräften der Gesellschaft, denen das Geld ausgeht, weil es für Zinszahlungen gebraucht wird: das merken wir ja gerade. Deutschland hat immer mehr virtuelle Millionäre, aber seine Brücken stürzen ein.

Mir kam damals der Gedanke, das wir wohl oder übel ein bedingungsloses Grundeinkommen zum Überleben brauchen würden, wenn die Automatisierung so fortschreitet – Jahrzehnte später kamen auch jene, die nicht durch die Sparkasse aufgeklärt wurden, auf diese Gedanken. Ja – die „Entscheider“ wussten schon damals von „Massenarbeitslosigkeit“ … und wählten einen sehr zweifelhaften Weg, ihr zu begegnen, als das Volk noch von Reichtum durch Arbeit träumte – ein Traum, der hunderttausend Jahre lang der sichere Weg zu Freiheit und Unabhängigkeit war.

Doch doch, bleiben wir mal auf dem Boden. Hätte ich zum Beispiel die Arbeitskraft meiner Jugend in die Rodung von Ackerland gesteckt, so könnte ich heute auf riesige Felder blicken, die meine sechs Söhne bestellen könnten: anstatt auf Almosen angewiesen zu sein, könnte ich das Leben eines weisen Alten führen, der dem Nachwuchs bei der Ausweitung und Verbesserung der Ertragskraft der Böden helfen könnte – die körperlichen Zipperlein würden keine Rolle dabei spielen, sie mindern Wissen und Lebenserfahrung in keiner Art und Weise. Statt dessen steckt diese Arbeitskraft jetzt in Konzernen, die schon vor Jahren erloschen und in andere Konstrukte aufgegangen sind – und in dem Staat, der sich seit der Agenda 2010 zum Diener der Entmenschlichung der Gesellschaft gemacht hat: die Folgen der Automatisierung der Gesellschaft hat – von heute auf morgen per Gesetz beschlosen – auf einmal der Einzelne selbst zu tragen, fernab jedes vernünftigen, menschlichen, plausiblen Verursacherprinzips.

Das Prinzip, dass nun wirkt, ist schlimmer als alles, was sich Shea und Wilson hätten ausdenken können: nicht mehr und nicht weniger als die Vernichtung der ganzen Menschheit durch Maschinen steht bevor – und wir agieren hilflos wie eine Bande verängstigter Kinder auf diese Herausforderung. Fallen 2030 47 Prozent aller Jobs weg – die aktuell noch sehr gut bezahlt werden – dann ist der Staat endgültig am Ende. Vernichtungslager für Minderleister sind die logische Konsequenz des Renditewahns – ob es einem gefällt oder nicht: Arme sind schlichtweg zu teuer, das nutzlose Durchfüttern von Minderleistern läßt sich in den Budgetplänen der Entscheider nicht mehr abbilden … jener Entscheider, die in den siebziger Jahren noch die kritische, rebellische Intelligenz als natürlichen Ansprechpartner für ihre Werbung akzeptiert haben: damals schon wurde die Entwicklung der „Grünen“ – an die noch keiner dachte – vorweggenommen: „Verschwörungstheoretiker“ waren die einzige Zielgruppe, die intelligent genug war, weit genug in die Zukunft zu schauen … was sie heute noch in den Augen der „Mächtigen“ verdächtig, ja, blasphemisch erscheinen läßt … und die notwendigen Schlußfolgerungen zu ziehen: baut die Gesellschaft so um, dass ihr zu den Sozialarbeitern (oder den wahrhaften Parasiten) gehört, dann werdet ihr 2030 überleben. Allerdings kann man schon jetzt sagen, dass „Sozialarbeiter“ – gerne in Jobcentern angestellt – ohne Menschheit wenig Arbeit haben, was auch für Handwerker gilt, die dann kaum noch einer bezahlen kann.

Ist es zu weit gedacht, von einer „Vernichtung der Menschheit“ zu reden?

Von weniger zu reden wäre angesichts der sozialen Großwetterlage verantwortungslos, der Werkzeugkasten der Geschichte enthält genug Instrumente und Erfahrungen über ihren Einsatz, die gründlich und zweifelsfrei aufzeigen, wozu die mechanisierte Gesellschaft in der Lage ist, wenn sie sozialen Ballast zum Vorteil einer kleinen Minderheit los werden möchte: systematisierter Massenmord ist gelebte Historie. Er kann übrigens auch durchgeführt werden, ohne das auch nur ein einziger Schuss fällt: „aushungern“ war schon immer eine beliebte und kosteneffiziente Methode, unnütze Esser los zu werden – „vergasen“ ist da  noch ziemlich teuer im Vergleich. Ist das Netz der Überwachung nur dicht genug, die Kontrolle durch „Sozialarbeiter“ (in den siebziger Jahren als „Ingenieure der Gesellschaft“ bezeichnet) hinreichend engmaschig, wird sich nirgendwo mehr unbemerkt eine kritische Masse bilden können, die sich den herrschenden Zuständen verweigert.

Merken Sie, dass das „Schweigen der Mehrheit“ möglicherweise gar kein Zufall ist? Vier Stunden am Tag sitzen Sie im Durchschnitt vor dem Fernsehgerät und lassen Ihren Geist von anderen prägen, die Ihnen ein alternativlose Verhalten diktieren: welche Kleidung angemessen ist, welche Frisur genehm ist, welche Möbel man diesen Sommer hinstellt und welcher Dresscode von Dienstag bis Donnerstag gilt: man braucht dafür noch nicht mal Werbung, ein einfacher „Tatort“ reicht dafür schon aus, um die Botschaft „wie man zu sein hat“ herüber zu bringen. Steht dann noch die Bundeskanzlerin auf und spricht: „Deutschland geht es gut“ – wagt dieser inhaltslosen Parole keiner mehr zu widersprechen.

Die Menschheit steht vor der entscheidensten Zeit ihrer Geschichte, die kritische Intelligenz liest nicht mehr „Illuminatus“ sondern die Börsennachrichten. Der Rest schweigt, ist verwirrt und – dank der Verunglimpfung jeglichen konstruktiven Denkens als „Verschwörungstheorie“ – völlig ratlos, wie es eigentlich weiter gehen soll. Kein Wunder, dass der Krieg wieder als Vater aller Dinge ins Spiel kommt, das war schon immer so: weiß die Politik nicht weiter, wird einfach mal etwas geschossen – das hält die Leute zahm und läßt sie sich glücklich schätzen, dass sie gerade nicht in der Ukraine wohnen – oder in Griechenland, wo die „Geldgeber“ gerade mal demonstrieren, wie einfach es heute geworden ist, einen ganzen Staat auszuhungern oder durch „Sanktionen“ in die Knie zu zwingen.

Nun – ellenlange Beschreibungen von real erlebbarem Elend gibt es genug.

Was fehlt, sind Lösungen.

Bevor mich nun die Telekom zum ewigen Schweigen verdammt (nein, das ist keine Strafaktion – ich hatte nur das Pech, Kunde bei ihr zu sein und umziehen zu wollen: das hat einen Weltkonzern so sehr überfordert, dass er nur eine Lösung kannte: ab dem 26.2. erstmal alle Leistungen einzustellen, obwohl ich dafür bezahle … nur: ohne Kommunkationsmittel kann man sich kaum dagegen wehren; soviel mal nebenbei zu unserer „Freiheit“), möchte ich eine kleine Lösung vorschlagen, die nun nicht von mir kommt … sondern aus Videospielen von Facebook stammt.

Das Prinzip ist einfach – und funktioniert.

Sie können am Spiel grundsätzlich umsonst teilnehmen, alle Ressourcen (in meinem Fall ist es das Dorf von Asterix dem Gallier, welches meinen jüngsten Sohn außerordentlich erfreut) weden kostenlos ins Haus geliefert. Wer mehr will … muss außerordentliche Leistungen erbringen. Ja – allen Unkenrufen zum Trotz funktioniert dieses kleine Gesellschaftssystem: kein Wunder, dank Automatisierung ist ja nur wenig Arbeit zu tun. Natürlich ist das Spiel nicht an der Börse … und braucht deshalb nur auf das realwirtschaftliche Prinzip des Überlebens zu achten anstatt auf das finanzwirtschaftliche Prinzip der Maximierung von Eigenkapitalrendite … was jedem gesunden Unternehmen die Kraft zu Innovation und Expansion raubt.

Wäre es nun zu vermessen, dieses Prinzip auf ganz Europa auszuweiten? Es funktioniert – das beweisen hunderte von gleichartigen Spielen Tag für Tag.

Alle Menschen bekommen eine Grundausstattung an Waren (davon sind genug da, mehr als verfügbares Geld): Wohnraum, Heizenergie, ein Stromkontingent, Nahrung, Kommunikationselektronik, auf dem Land ein Auto – nicht mehr, als man jedem Strafgefangenem auch zukommen läßt – das dürfte doch wohl noch nicht ein Zuviel an „Sozialromantik“ sein.

Was kostet das?

Ohne Baukosten knapp hundert Euro … AM TAG! Das kosten jedenfalls Strafgefangene (siehe Beispielklagen). Ein Arbeitsloser hätte sein jetziges Budget nach vier Tagen aufgebraucht … und es ist doch wohl eine ganz üble Botschaft, dass man erstmal einen Menschen umbringen muss, um eine angemessene Versorgung erhalten zu können. Wir brauchen das auch gar nicht als Geld ausbezahlen  – davon haben wir nämlich dank Konzentration der Gesamtwirtschaft auf Millionärszüchtungen im virtuellen Bereich nur noch sehr wenig – wir können das in Waren bereit stellen: wer braucht dann überhaupt noch Geld, wenn er all das hat, was ein Strafgefangener auch hat?

Organisiert man das nicht als Behörde, sondern als Unternehmen, kann man für 100 Euro am Tag schon ein hinreichend funktionsfähiges Leben führen … und Ausschau halten noch Verbesserungsmöglichkeiten für die Gegenwart. Zu tun wäre da viel … doch wo fängt man an?

Auch hier ist die Antwort erschreckend einfach. Habe ich selbst erlebt in den siebziger Jahren, als die kulturell Kreativen sich aufmachten, die Welt zu verändern … um sie vor dem unausweichlich erscheinenden Ende zu schützen. Überall sah man ein Symbol: eine lachende Sonne mit der Aufschrift „Atomkraft NEIN DANKE. Wo immer man hin kam, gab es Menschen, die durch einen einfachen Blechbutton als Reformer kenntlich waren: selbst in der Fremde hatte man so Ansprechpartner fern aller kleinlichen Parteipolitik … manche waren sogar extrem konservativ.

Also produiert man einfach kleine Blechbuttons und Aufkleber (kostet echt nicht viel, kann sich jeder leisten), schreibt eine Parole drauf („Wirtschaftskollaps? Nein Danke!“ – zum Beispiel, oder einfach „Reformator“ – ist im Prinzip egal, was drauf steht), nimmt ein freundliches Symbol (zum Beispiel eine freundlich lachende Erdkugel): schon hat man eine reale Basis, die täglich wächst, kann bilden, was man zur Reformation braucht – ein Erkennungsmerkmal der Gleichgesinnten, eine „kritische Masse“. Billig, einfach – und seit der Antike erprobt. Menschen, die die „Schnauze voll haben“ gibt es genug, sie dürften mitlerweile die absolute Mehrheit bilden … Wirtschaft und Politik werden sich automatisch ändern, wenn nur genügend Symbole die wahrnehmbare Welt bevölkern.

Zu aufwändig? Also: zur Not organisiere ich die Produktion der Werbematerialen selber … müßte aber schnell gehen, Ende der Woche bin ich offline – bis mindestens zum 24. 3 (und an dem Tag hat einer meiner Söhne Geburtstag, da bin ich also auch beschäftigt). Die zwei Euro pro Button oder Aufkleber dürften jetzt wirklich keine finanzielle Hürde darstellen … und ich bin mir sicher, dass es findige Menschen gibt, die dafür eine Sparkasse als Investor finden … die waren ja schon in den siebziger Jahren sehr zukunftsorientiert. Das wir uns einem endgültigem Ende nähern, wissen auch einige der sehr Vermögenden .. wie zum Beispiel der Multimilliardär Nick Hanauer, der schon jetzt zurecht „Mistgabeln“ sieht (siehe z.B. Indipendent 24).

Eine neue Welt ist machbar – mit wenig Aufwand. Und die drohende Abschaffung der Menschheit als Kostenfaktor (um nichts anderes geht es verrückterweise hier) – klar gesagt: ihre Vernichtung und Ausrottung aus betriebswirtschaftlichen Gründen – sollte Motivation genug sein, mal vier Euro für Jacke und Auto zu investieren.

Und nur keine Bange: andere Menschen sind früher mal mit desaströsen Segelschiffen über den stürmischen Atlantik gefahren, um wieder Zukunft zu haben. Wir Menschen können da einiges leisten – das haben wir hinreichend bewiesen.

Wer eine schöne, freundliche lachende Erdkugel visualisieren kann, der darf gerne seine Entwürfe zum Nachrichtenspiegel schicken … hier arbeiten ja noch andere, die das gerne entgegen nehmen.

Wer einen schönen Spruch für die Buttons hat, darf sich ebenfalls gerne melden.

Und dann … legen wir einfach los. Einfach so.

Oder?

 

 

 

Dokumente deutscher Dämlichkeit: der Fall des Sozialschmarotzers Hoeneß

Dokumente deutscher Dämlichkeit: der Fall des Sozialschmarotzers Hoeneß

Mittwoch, 12.3.2014. Eifel. Kennen Sie Uli Honeß? Ja? Ich nicht. Er soll ja irgendetwas mit Fußball zu tun haben. Und mit Wurst – soweit ich das verstanden habe. Ich habe nun mit Fußball nur noch wenig zu tun. Kein Wunder – ich bin ein erwachsener Mann, die Zeiten, wo ich mit Hans-Georg auf dem Hinterhof gespielt habe, sind vorbei, es gibt andere Dinge zu tun. Zum Beispiel Kinder erziehen, mit ihnen Leben, sie auf das Leben vorbereiten, ihnen täglich neues Futter für ihr Hirn zu präsentieren: das fordert einen ganzen Mann. Geld verdienen – auch nicht unwichtig. Die Zuteilungen des Tauschmittels von Vater Staat – auch jene, die über die Privatwirtschaft organisiert werden – fallen auch für mich beständig geringer aus. Zudem habe ich noch ein besonderes Hobby: das Maul aufmachen und die Demokratie retten – dass die in Gefahr ist, merkt man daran, dass sich kaum noch jemand daran erinnert, dass das zirkulierende Geld uns allen gehört – und nicht nur jenen, die zufällig durch Betrug, Korruption, Marktmanipulation oder Glücksspiel zu Unsummen nutzlosen Reichtums gelangt sind … der anderswo wieder anderen Menschen fehlt.

Ja – auch das ist eine Erkenntnis, die einem langsam mal kommen sollte. Wenn ein Mensch wie Herr Hoeneß reich geworden ist – wodurch auch immer – dann müssen irgendwo anders Menschen bitterarm geworden sein. „Reichtum“ ist der Ursprung aller Armut. In der Physik nennt man das kommunizierende Röhren: nehme ich der einen etwas Wasser weg, erhöht sich automatisch die andere Wassersäule – das ist in allen geschlossenen Kreisläufen so, es sein denn, man fügt immer mehr Wasser hinzu, d.h. man druckt Geld ohne Ende, so dass es seinen Wert verliert.

So einfach geht Geldwirtschaft, und wenn man das verstanden hat, dann hat Armut einen sehr angenehmen Beigeschmack: man gehört nicht zur Täterdivision, die es sich fürstlich gut gehen lässt, weil sie anderen beständig mehr wegnimmt.

Einfach Menschen auf der Straße wissen das – und sie wissen, wie schädlich und asozial der Tanz ums Goldene Kalb wirklich ist.

Solche Erfahrungen tradieren sich unter anderem in Form von „Religion“ – oder kennen sie eine Religion, die materiellen Reichtum als höchstes Gut preist? Noch nicht mal der Nationalsozialismus war so degeneriert.

Wenn wir uns fragen, wieso wir 2014 wieder am Abgrund eines Weltkrieges stehen – trotz Demokratie (siehe Neopresse) – so hat die Antwort viel mit dieser Erkenntnis der moralischen Degeneration zu tun – sprich: der um sich greifenden Dämlichkeit.

Nehmen wir einfach mal den Fall des Herrn Hoeneß, der durch Fußball reich geworden ist. Wer jetzt verwundert dreinschaut, soll aufgeklärt werden: ja, das geht heute. Man kann durch Fußball Multimillionär werden. Wieviel Geld der Hoeneß jetzt durch Fußball gewonnen hat, wieviel durch Wurst in einer Firma ohne Betriebsrat (ja – hat der nicht, siehe Wikipedia), wieviel durch Glücksspiel – woher soll ich das wissen. Offenbar weiß der das selber nicht so genau. Was ich aber weiß ist: heute kann man durch Fußball Millionär werden. Die, die besonders heftig ums Goldene Kalb tanzen, glauben, dass ein Unternehmen nicht dazu da ist, dass Volk mit möglichst hochwertigen Waren zu versorgen sondern dafür, um möglichst teuere Firmenwagen von der Steuer absetzen und sich selbst möglichst hohe Gehälter zahlen zu können. Sie spenden gerne von dem geklauten (privat kommt von privare = „rauben“) Geld (siehe: kommunizierende Röhren) für „gute Zwecke“, und die so zu Megakonzernen angefütterten Vereine bezahlen ihren Spielern Unsummen – mehr, als jeder produktiv tätige Mensch in dieser Gesellschaft je durch seine eigene Arbeitskraft erwirtschaften kann.

Über den Signalcharakter dieser Tat macht sich niemand mehr Gedanken. Wozu auch: Popstars und menschliche Kleiderpuppen werden ähnlich prächtig durchgefüttert, um normale Arbeit maximal zu entwerten, als Trostpreis für den abgehängten Durchschnittsbürger gibt es eine Million von Günther Jauch … aber nur, wenn man genug unnützes Wissen angesammelt hat. So zeigen die Spitzen der Gesellschaft gern: wer arbeitet, ist dämlich  – und darf ausgenommen werden, um Fußballer und ihre Vereine fett werden zu lassen. Gleiches gilt auch für Unternehmen, die dann wirtschaftlich besonders „sinnvoll“ arbeiten, wenn sie ihr Umfeld maximal berauben, sprich: möglichst billige Ware zu möglichst überhöhten Preisen anbieten.

500 Millionen schweizer Franken soll der Unternehmer ohne Betriebsrat Hoeneß so angehäuft haben – in der Schweiz. Wie das gehen soll mit einem 300- Mann Betrieb, der gerade mal 55 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht (siehe Spiegel), erschließt sich uns nicht ganz – und wieso ein Fußballverein 400 Mitarbeiter haben muss und einen Umsatz von 400 Millionen „erwirtschaftet“, erst recht nicht. (Nun – das Geld kommt von Audi, Addidas und Telekom … das wird also nicht „erwirtschaftet“, sondern verschenkt, siehe Augsburger Allgemeine. Kann man Spenden an Vereine steuerlich absetzen? Dann zahlen wir das alle. Aber das tun wir ja sowieso – Telekom, Addidas und Audi schlagen die Bayernmillionen einfach auf die Preise auf – das merkt keiner so direkt).

Hier wird es besonders asozial – aber das läuft auch mit Politikern, Fernsehmoderatoren, Journalisten und anderen Bessermenschen so. Behalte ich das Geld im Land, so kann es dort noch einen gewissen Nutzen haben – und sei es nur, dass es einer Bank erlaubt, günstige Kredite an innovative Unternehmer zu vergeben. Bringe ich es aber ins Ausland, so ist das echter Raub. Die Folgen?

Nun – die Rechnung für unsere hochindustrielle Gesellschaft muss dann jemand anders zahlen. Krankenhäuser, Feuerwehren, Schulen, Straßen, Polizei, Gemeindeverwaltung, Kindergärten, Bundeswehr, Bundestag, Förster und Flugsicherheit müssen halt bezahlt werden, dafür zahlt man halt Steuern. Infrastruktur gibt es halt nicht gratis. Das macht sogar jeder Hartz IV-Empfänger, der mit 19 % Mehrwertsteuer seinen Beitrag vom Lebensminimum leistet … und damit oft mehr zahlt als international tätige Konzerne auf deutschem Boden, die die Infrastruktur gerne maximal auslasten, die dort erwirtschafteten Gewinne aber lieber auf Raubkonten in der Karibik lagert – einer Region, die stets für ihre erfolgreichen Piraten und ihrem angenehmen Lebensklima bekannt war.

Sich an den Kosten nicht zu beteiligen, aber trotzdem den größtmöglichen Nutzen aus der Situation zu ziehen, nennen wir … „betriebswirtschaftliches Denken“ – oder Sozialschmarotzerei, je nach dem, ob wir zu den Räubern oder den Opfern gehören. Bei dem Horrorbild des dekadenten, saufenden, schlecht gekleideten und übel riechendem Arbeitslosen, das uns die Räuber eine Zeit lang intensiv vorspielten, um indirekt zu einer bundesweiten „Aktion Sozialhygiene“ aufzurufen, wurde diese Einstellung ja auch von gerade jenen gefördert, die mit ihren 30000-Euro-Anzügen in Deutschland Politiker spielen dürfen … alles auf Kosten der Steuerzahler, versteht sich.

Nun – als Krankenschwester, Feuerwehrmann, Polizist, Soldat, Altenhelfer oder normal unterbezahlter Arbeitnehmer muss man ja auch 100 Jahre sparen, um sich so einen Anzug leisten zu können: das geht nur, wenn viele viel Geld zusammenlegen.

Um von diesen Realitäten abzulenken (die derzeit ohne Weiteres in einen Weltkrieg hätten münden können – selbst heute meldet das Handelsblatt, dass „Merkel und Obama die Krim noch nicht aufgeben“ … so als hätte sie ihnen irgendwann wirklich einmal gehört) wurde ja auch Fußball mit viel Geld zum Volkssport gemacht. Es ist ein Spiel für kurzsichtige Taktiker, ein Spiel, in dem die Jagd auf Wild simuliert und das Zusammenspiel der Jäger geübt wird – ganz anders als Schach, das Spiel für Strategen und Herrscher. Man stelle sich mal ein Volk von Schachspielern vor – so wie die Russen. Denen macht man so schnell nichts vor, die merken ganz genau, wenn Staat und Gesellschaft nur noch dazu da sind, dass sich Aparatschiks die Taschen füllen.

Der Schachspieler jagt kein einzelnes Reh … er jagt die ganze Herde. Das schult des Denken in Zusammenhängen ganz ungemein.

Und in diesen Zusammenhängen müssen wir halt denken, wenn wir die augenblickliche Medienhysterie um einen ganz banalen Steuerhinterzieher mit einer Firma ohne Betriebsrat verstehen wollen.

So hat die Tagesschau aktuell vier Beiträge zum Thema Hoeneß im Programm, das Handelsblatt hat einen eigenen „Schwerpunkt“ mit mehreren Artikeln gebildet und Spiegel-online berichtet MINÜTLICH aus dem Gerichtssaal – so als ob es um das Schicksal der ganzen Nation geht.

Das Tolle ist: geht es auch.

Steuerhinterziehung ist Volkssport, siehe zum Beispiel Der Westen, FAZ, oder Deutsche Welle.

Man soll glauben: das machen alle – was nicht stimmt.

Es machen alle kriminellen Sozialschmarotzer, die sich gerne auch zu einer spontanen Allianz zusammenschließen, der wir jetzt gerade den Hype um Hoeneß zu verdanken haben. Und natürlich verstecken sich die kriminellen Sozialschmarotzer gerne hinter „allen“, um nicht aufzufallen … oder lenken alle Aufmerksamkeit gezielt auf Uli Hoeneß, als sei er der Gott der Steuerhinterzieher … und womöglich der einzige dieser Art, der je gelebt hat.

Dabei ist er nur ein kleiner Sozialschmarotzer, einer von ganz vielen, die dem Staat jährlich 30 Milliarden Euro stehlen, dabei selbst unermeßlich reich werden und ihre Umgebung unermeßlich arm machen.

Das nennt man üblicherweise asozial … und in der Tierwelt einen Parasiten oder Schmarotzer. Diese Bezeichnung trifft hier auch besser als bei den Arbeitslosen – die nämlich nehmen nur soviel, wie sie gerade zum Überleben brauchen.

Echte Parasiten nehmen soviel, wie sie nur irgendwie kriegen können – auch wenn der Wirt stirbt: egal!

Insofern ist „Sozialschmarotzer“ noch ein harmloses Wort – selbst dann, wenn es dem Herrn Hoeneß selbst schon zu weit geht (siehe z.B. Berliner Zeitung).

Gemeinschaftskiller wäre treffender.

Ist ihre Anzahl nur groß genug, können sie wie ein Rudel Hyänen einen ganzen, wirtschaftlich kerngesunden Staat zu Fall bringen … was das Volk dank „Opium Fußball“ erst sehr spät etwas mitbekommt.

Schon ziemlich dämlich, oder?

 

 

 

 

Supergau in Japan, Supergau in Deutschland – Ultragau weltweit 2012?

Jetzt ist es ja passiert: das Undenkbare, das Unmögliche, das, womit niemand hätte rechnen können: der Supergau. Wie wurden wir dereinst belächelt, als wir in den siebziger und achtziger Jahren gegen diesen Unfug demonstriert haben. „Träumer“, „Spinner“, „Romantiker“ hatte man uns genannt … aber wenigstens waren WIR keine IDIOTEN. Allen voran war da die publizisitische Waffen-SS der Konzernwirtschaft, die sich auch heute noch mit Supersprüchen hervortut, siehe Spiegel:

Drei-Punkte-Plan soll Unglücks-AKW retten

Was soll es da bitte schön noch zu retten geben? Eine Formulierung, die darauf hindeutet, das es sich hier um ein kleines Missgeschick handelt, so als sei ein Kind in einen Teich gefallen und man holt es schnell wieder heraus – und dann ist alles wieder gut.

Nicht ist gut.

Ich warte jetzt nur noch auf die Sprüche: „so ein bischen Radioaktivität hat noch keinem geschadet“, an Spottereien über „Gesundheitsromantiker“ oder den Hinweis darauf, das wir alle sowieso sterben müssen: „Aber wenn, dann bitte mit 100000 Kilowatt auf der Rechnung!“

Es geht doch hier auch gar nicht mehr um EIN Akw. Darf ich mal die Neue Züricher Zeitung zitieren? Die hat mitgezählt:
Die japanischen Behörden haben für drei Kernkraftwerke mit Siedewasserreaktoren nordöstlich von Tokio den atomaren Notstand ausgerufen. Beschädigt oder möglicherweise gefährdet sind zwölf Reaktorblöcke: sechs im AKW Fukushima Eins (Daiichi), drei in Fukushima Zwei (Daini) und drei in Onagawa.

Vielleicht gibt es einen Drei-Punkte-Plan, aber ich denke, er enthält vor allem drei altbekannte Argumente zur Rettung der Börse: TARNEN, TÄUSCHEN UND VERTUSCHEN.

Die Wahrheit ist: 2000 Grad heiße Brennstäbe lassen sich mit Wasser nicht kühlen. Die Lage ist völlig außer Kontrolle, die Reaktoren sind quasi sich selbst überlassen – was aber die Börse nicht toleriert hat. Darum ist jetzt Aktionismus angesagt, während eine gigantische humanitäre Katastrophe am Rande abläuft, die aber für die Herren der Wirtschaft nicht interessant ist – nur am Rande erfährt man von der Hoffnung auf ein Riesenkonjunkturprogramm, an dem man sich wieder eine neue goldene Nase verdienen kann.

Die ersten Unkereien der Atomwirtschaft kommen ja auch jetzt schon … womit wir zu dem nächsten GAU kommen – dem in Deutschland, hier mal in der SZ:

Während in Deutschland, 8900 Kilometer entfernt, eine in Anbetracht der vielen Tausend Opfer merkwürdig selbstbezogene Aufgeregtheit um die Atompolitik herrscht, erduldet die drittmächtigste Wirtschaftsnation der Erde ihr Schicksal – und versucht es zu wenden. Japan hat viele Naturkatastrophen erlitten und ist mit seinem Technik-Glauben auch immer wieder an ihnen gewachsen.

Der Technikglauben – der gute, alte Technikglauben – der rettet Japan und die ganze Welt. Wieder stehen auf der einen Seite die schlauen, cleveren Bastler, Tüftler und Schrauber, während auf der anderen Seite ihre verstrahlten Opfer als „Konjunkturprogramm“ herhalten dürfen.  Ohne die Technikgläubigkeit und die Skrupellosigkeit eines unmenschlichen Wirtschaftssystems hätten wir keinen Gau. Jede Dumpfnuss weiss, dass man einen heissen Topf nicht auf eine kaputte Herdplatte stellt, ebensowenig stellt man ein heisses AKW auf eine kaputte Erdplatte – woraus wir lernen, das Techniker und Wirtschaftsbosse noch dümmer als unsere dörflichen Dumpfnüsse sind … oder einfach boshafter.

Manche nicht, und deshalb bekommen wir NACH jeder Katastrophe auch immer solche Berichte zu lesen, Berichte, die zuvor niemand hören wollte, hier in der ftd:

Masashi Goto kennt den Unglücksreaktor, er kennt ihn von innen, kennt all seine Schwachstellen. Viele Jahre hat der Ingenieur, der im weißen Hemd und grauen Anzug dort oben auf dem Podium sitzt, für den Kraftwerksbauer Toshiba gearbeitet. Sein Spezialgebiet waren jene Sicherheitsbehälter, die auch das Herz des Reaktors in Fukushima umschließen, er war damals an ihrem Design beteiligt. Nun kann er nicht mehr an sich halten.
„Ich war damals davon ausgegangen, dass ich an der ultimativen Verteidigungslinie arbeite, am entscheidenden Werkstück, dass die Bevölkerung vor der Strahlung schützt“, sagt Goto. „Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass das nicht so ist, dass diese Behälter einer Katastrophe wie einem Erdbeben nicht standhalten.“

Und was machen wir jetzt hier in Deutschland aus der Katastrophe, von der man uns in den letzten Jahrzehnten so oft gepredigt hat, das sie unmöglich sei?  Wir schalten hier Reaktoren ab, die gestern noch als völlig unbedenklich galten. Nicht das ich denen nachtrauere, aber … Atomkatastrophen sind doch wohl nicht ansteckend, oder? Welchen rationalen Grund gibt es denn, ohne neuerliche Risikobewertung für Deutschland die Dinger von heute auf morgen abzustellen? Welchen ausser … blanker Panik? Und wenn „da oben“ auf einmal blanke Panik herrscht, weil man plötzlich und unerwartet über ein paar Atomkraftwerke im eigenen Land gestolpert ist … VON WELCHER QUALITÄT SIND DENN DANN EIGENTLICH UNSERE REGIERUNGSFUNKTIONÄRE?
Das ist der Supergau für Deutschland. In Japan platzte ein Reaktorkern, darin war Radioaktivität. In Deutschland platzte der Regierungskern, darin war geballte Inkompetenz … oder gähnende Leere, was den gleichen Effekt hat. Natürlich ist auch Wahljahr und man muß auf den Anti-Atom-Zug aufspringen, weil sonst die Grünen gewinnen und dann in Folge dieses Sieges Deutsche Soldaten in Lybien einmarschieren – wer will das schon.
Nun ist Kernenergie in Deutschland aber auch ein hochsubventioniertes Geschäftsfeld – und ein hochprofitables, wie man bei Eurosolar nachlesen kann:
Je älter ein Atomkraftwerk, desto störungsanfälliger, aber auch umso profitabler ist sein Weiterbetrieb. Die Bau- und Kapitalkosten sind gewöhnlich abgeschrieben, während die laufenden Betriebskosten verhältnismäßig gering bleiben. Voraussetzung ist, dass Nachrüstungen unterbleiben und ein Bestandsschutz gewährt wird, wie in Deutschland seit 2001 mit der Vereinbarung von Bundesregierung und Stromkonzernen über die Laufzeiten von
Atomkraftwerken, dem so genannten „Atomkonsens“. Die Erzeugungskosten einer Kilowattstunde Atomstrom können unter diesen Bedingungen auf bis zu 1 ct gesenkt werden und durch Verkauf zum Strombörsenpreis Gewinnmargen von bis zu 500% erzielt werden.

Für 500 % Gewinn gehen wir in Deutschland aber aufs Ganze. Wer alles bereit war, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Bevölkerung ganz tief in dessen Tasche zu greifen ist auch öffentlich, siehe Hintergrund:

Während noch diskutiert wurde, erhöhte RWE-Chef Jürgen Großmann den Druck mit einer bundesweiten Anzeigenkampagne – dem „Energiepolitischen Appell“. Vierzig Manager, unter ihnen die Chefs der vier großen Energiekonzerne, protestieren darin gegen die Brennelementesteuer, sprechen sich für Laufzeitverlängerungen und den Ausbau von Kohle aus. Andernfalls stellen die Unterzeichner eine preisgünstige Energieversorgung infrage. Unterschrieben haben neben dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann einige Vertreter stromintensiver Industrien wie Ekkehard Schulz (Thyssen- Krupp), Werner Wenning (Bayer) oder Jürgen Hambrecht (BASF), der Manager der Fußballnationalmannschaft und Sohn eines früheren RWE-Vorstandes, Oliver Bierhoff, sowie Wolfgang Clement, Aufsichtsratsmitglied bei der RWE Power AG.

Da haben wir unter anderem auch führende Köpfe der Agenda 2010, die schon mit diesem Machwerk bewiesen haben, wie man aus Mitbürgern ganz schnell „Parasiten“ machen kann. Kein Wunder, das man auch keine Hemmungen hat, diese Parasiten im Dienste des Wachstums einer erhöhten Strahlendosis auszusetzen … Radioaktivität soll ja auch wachstumsfördernd sein.

Das große finanzielle Engagement der Deutschen Bank als Atomfinanzierer passt gut zu ihrem sonstigen Auftreten: Ihre Vertreter sprechen sich offen für eine „Renaissance der Atomkraft“ aus und passend dazu bietet die Deutsche Bank ihren Privatkunden gezielt radioaktive Investitionen an: Das „S-Box Nuclear Power Index Zertifikat“ bündelt die Erträge von 20 führenden Atomfirmen. An welchen verheerenden Umweltbelastungen und Gesundheitsgefährdungen von Menschen sich der Anleger hierbei beteiligt, verschweigt der Anlageprospekt.

Damit sich das Investment auch lohnt, muß man im Atombereich selbstverständlich die gleichen Maßnahmen ergreifen wie auf allen anderen Geschäftsfeldern auch:

Je länger ein Atommeiler am Netz ist, umso größer wird das Risiko von Unfällen durch Materialermüdung. Um Kosten zu sparen und Gewinne zu steigern, reduzieren die Energieversorger Reparatur- und Wartungsarbeiten. Mängel werden verspätet oder gar nicht erkannt. Wachsende Arbeitsbelastung führt zu verminderter Wachsamkeit während des Betriebes. All dies erhöht das Risiko für schwere Störfälle. „Somit ist klar, dass das Risiko eines nuklearen Unfalls mit jedem Jahr, das ein Atomkraftwerk über zwei Jahrzehnte hinaus in Betrieb ist, signifikant steigt.“

Womit man sagen kann: die Konzernwirtschaft in Deutschland arbeitet Hand in Hand mit den Banken am deutschen nuklearen Supergau, den wir dann nicht mehr so gemütlich auf der Talkshowcouch aussitzen könnten.

Und wenn in Deutschland was passiert … wer bezahlt dann eigentlich die Schäden?

Nun, die Gemeinschaft der Banken- Euroretter wird wieder mal einspringen, jene schwerreichen Menschen, die den Ackermann Tag für Tag neidisch werden lassen: der Ottonormalbürger. Atomgewinne werden privatisiert, die Risiken jedoch – wie im Bankwesen – sozialisiert. So macht man Riesenprofite von 500 % und kann den Privatflieger auf die Bahamas jederzeit abheben lassen, wenn mal was schiefgeht. Wir jedoch … dürfen dann zahlen, siehe Tagesspiegel

Atomkraftwerke sind bisweilen kaum versicherbar. Im Falle eines bewaffneten Konflikts oder einer schweren Naturkatastrophe kommen die Versicherer nicht für Schäden auf, bei Terroranschlägen hingegen schon.

Trotz der Atomunfälle in Japan wollen die Versicherer ihre Sicherheitsanforderungen an die deutschen Kernkraftwerke nicht verschärfen. „Die deutschen Auflagen sind sehr streng“, sagte Dirk Harbrocker, Geschäftsführer der Deutschen Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft (DKVG), dem Tagesspiegel. Zudem gebe es in Deutschland keine schweren Erdbeben. „Ein Störfall wie in Japan kann sich in Deutschland nicht ereignen“, betonte Harbrocker.

Asozialer geht´s kaum noch, die Japaner merken das laut Hintergrund gerade selbst:

Den größten Teil des Schadens dürfte dem Bericht zufolge auf die Betroffenen und die japanische Regierung entfallen. Die Folgen von Atomunfällen gelten in der Branche als nicht versicherbar. Die Schäden sind kaum zu kalkulieren, die Prämien für eine solche Versicherung würden unermessliche Höhen erreichen.

Der nukleare Supergau in Deutschland ist also vorprogrammiert, nur der Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest. Die Kraftwerke in Deutschland sind so „unzerstörbar und sicher“ wie die in Japan … einfach mal die Sprüche der Betreiberfirma VOR der Katastrophe abrufen. Da gibt es wahrscheinlich auch Broschüren mit Argumentationshilfen vom Weltverband der Atomeierleger.

Neben dem aktuellen nuklearen Supergau in Japan, dem baldigen nuklearen Supergau in Deutschland droht uns aber möglicherweise nächstes Jahr der Ultragau, der selbstverständlich genauso unmöglich ist wie der jetzige Supergau in Japan (warum man aber dann UNMÖGLICHE Riskien nicht trotzdem einfach mal versichert, verstehe ich dann nicht ganz. UNMÖGLICHE Risiken sollten doch in den Prämien sehr günstig liegen, sie treten doch einfach NIE ein. Offensichtlich ist der Supergau nicht mehr UNMÖGLICH, wenn es ums Geld geht).

Zum ULTRAGAU 2012 muß ich weiter ausholen. Das Datum 2012 ist natürlich „gefährlich“, weil … es esoterisch verseucht ist. Weltuntergänge werden erwartet. Ganz unesoterisch kommt die NASA daher, siehe shortnews vom Oktober letzten Jahres:

Die NASA warnte kürzlich in einer Studie vor einem gefährlichen Sonnensturm auf der Sonnenoberfläche, der die Erde treffen könnte. Nach neuesten Erkenntnissen wird er aber vermutlich so gewaltig sein, dass er eine Zerstörung der Stromnetze auf der gesamten Erde auslösen kann.

Die NASA erklärte, dass bereits in den Jahren 1859 und 1921 geomagnetische Stürme Telegrafenleitungen völlig außer Kraft setzten. Ein Sonnensturm mit größerem Kraftfeld könnte heute noch weitaus schlimmere Folgen haben. Menschen wären ohne Transportmöglichkeiten, Kommunikation und Strom.

Das wiederum hätte schwerwiegende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, denn dieser Zustand würde uns als Geiseln in einem elektrischen Kollaps festhalten. Der gegenwärtige Sonnenzyklus wird als einer der intensivsten bezeichnet, der je in den letzten 400 Jahren registriert wurde.

Wenn denn dann … alle Menschen keinen Strom mehr haben, ja sogar gar kein Strom mehr fließen kann, weil einfach die Leitungen kaputt sind … verwandeln sich dann nicht weltweit alle Nuklearrektoren in großer Verbrüderung in kleine Dreckschleudern, weil ALLE SICHERHEITSSYSTEME AUSFALLEN – wie jetzt in Japan?

Ich weiß, das kann nicht passieren. Der Drei-Punkte-Plan zur Rettung des Reaktors (tarnen, täuschen und vertuschen) wird verhindern, das wir überhaupt etwas darüber erfahren.

Und angesichts des moralischen und ethischen Supergaus, den wir momentan neben dem nuklearen Supergau hinsichtlich von Verantwortung und Kompetenz in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft erleben, können wir zumindest sicher sein, das wir erst drei Jahre später über das Ende der Welt informiert werden – wenn überhaupt. Und möglicherweise spielen die Verantwortlichen gerade deshalb so enorm auf Zeit, legen ihre atombombensicheren Saatguttresore an und … kriegen dann doch Panik, wenn es jetzt schon losgeht.

Wahrscheinlich sind sie aber einfach nur dumm und gierig, denn laut Manager-Magazin planen sie ja in den USA schon ganz viele neue Reaktoren:

Der Bau neuer Kernkraftwerke ist eines der wenigen großen Vorhaben, auf die sich Demokraten und Republikaner derzeit in Washington ohne viel Gefeilsche verständigen können. Barack Obama hat in die Budgetvorlage für den Haushalt 2012 rund 36 Milliarden Dollar Kreditgarantien für den Bau neuer Atomkraftwerke eingeplant, mit Unterstützung der Republikanischen Opposition. Nach dem Unfall im Kraftwerk von Three Mile Island in Pennsylvania 1979 wurden 30 Jahre lang keine neuen Genehmigungen für den Bau solcher Kraftwerke erteilt.

Doch bis 2020 sollen vier neue Reaktoren in Georgia, Tennessee und South Carolina ans Netz gehen.

Wir kriegen schon noch unseren Weltuntergang (oder unser „Parasitenausrottungsprogramm“). Die „Heilige Allianz der Unfehlbaren“ aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik wird schon dafür sorgen – aber kurz bevor sie merken was läuft, kriegen sie dann doch wieder Panik.

Und schon weiß man, warum in Deutschland gestern noch „hochsichere“ Kernkraftwerke in Massen abgeschaltet werden.

Die waren nie sicher, die sind nicht sicher und die werden niemals sicher sein.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

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