offener Brief

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Causa Guttenberg

Ein offener Brief von Doktoranden an die Bundeskanzlerin

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

als Doktorandinnen und Doktoranden verfolgen wir die gegenwärtige Diskussion um die Plagiatsvorwürfe gegen den Bundesminister der Verteidigung, Herrn Karl-Theodor zu Guttenberg, mit großer Erschütterung und noch größerem Unverständnis. Wir haben den Eindruck, dass Sie mit aller Macht versuchen, einen Minister zu halten, der trotz massiver Gegenbeweise immer noch die Behauptung aufrecht erhält, er habe in seiner Doktorarbeit nicht bewusst getäuscht.

Mit dieser Vorgehensweise beschädigen die Bundesregierung und die Abgeordneten der Koalition nicht nur sich selbst, sondern viel mehr. […]

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Diese Initiative begann mit der gemeinschaftlichen Erstellungen eines Offenen Briefes durch einige Doktorandinnen und Doktoranden, der am 24. Februar 2011 veröffentlicht wurde.
Der immense Rücklauf hat uns überwältigt. Dass wir uns hier zunächst nur an Wissenschaftler gewendet haben, war kein elitärer Dünkel. Wir haben bloß ehrlich gesagt nicht mit so einer Reaktion gerechnet. Danke!

Obwohl ich persönlich der Meinung bin, daß gerade solche Skandale mithelfen, auch den nicht sonderlich politisch interessierten Menschen mit gesundem Menschenverstand (gibts die eigentlich?) zu zeigen, wes geistes Kind die Damen und Herren an der Regierung (bzw. an der Macht – um mal einen abgedroscheneren Terminus zu verwenden) sind. Also lasst den Herrn der Pomade noch ein wenig dilettieren, die von ihm verursachte Zerstörung des Vertrauens in die Politik (und in den Status ders Doktortitelträger) kann auf Dauer nur nützen.
Und nein, die Angst mancher Pofilneurotiker, daß ihr Doktor nun weniger wert wäre, interessiert mich eigentlich überhaupt nicht. Wenn ich einen haben wollte, hätt ich schon längst einen schönen  „Dr. Metaphysik“ gegen ein paar Blätter unverständliches Zeug und 300 $ bei einer obskuren Uni in Amerikanien getauscht.

Wer aber den offenen Brief trotzdem unterschreiben mag, wendet sich vertrauensvoll an die:

Causa Guttenberg

Offener Brief an die Mitglieder des Deutschen Bundestag…

…denn es ist mindestens 5 vor 12 und Zeit zu handeln:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Es ist an der Zeit, sich kritisch zu dem Thema „Sparpaket“ zu äußern.

Wolfgang Schäuble hat das Sparpaket der Bundesregierung als „ausgewogen“ und „unvermeidbar“ bezeichnet und behauptet, dass die Auswirkungen sorgfältig geprüft worden seien.
Was veranlasst Herrn Schäuble zu dieser völlig realitätsfernen Annahme?

Ausgewogen würde bedeuten, daß in erster Linie und in besonderem Maße die Verursacher und gleichzeitigen Nutznießer der Krise zur Kasse gebeten würden. Dem ist aber nicht so.

Wer sagt, etwas sei alternativlos, der hat möglicherweise nur nicht nach Alternativen gesucht oder nur unbequeme gefunden, die den eigentlichen Regenten, nämlich den Banken und Wirtschaftsbossen, nicht passen.

Die Streichung der Rentenbeiträge für H4-Empfänger ist eine extrem kurzsichtige Entscheidung, die sich in einigen Jahren als Bumerang erweisen wird.
Denn das, was den Rentenkassen jetzt nicht zufließt, kann auch nicht ausgezahlt werden!
Jetzt nicht und auch später nicht.

Das heißt, der Staat wird später die jetzt verursachte Altersarmut finanzieren müssen. Doch dann ist Herr Schäuble längst nicht mehr im Amt, d. h. diese Sorgen kann er getrost seinen Nachfahren überlassen. Dieses unsolidarische Verhalten ist nicht neu und absolut typisch für ihn und die anderen Politiker.

Ebenso durchsichtig wie verwerflich sind die angedachten Steuern für Energiekonzerne, die diese Lasten zu 100 % wieder auf die Schultern der Verbraucher laden werden.
Hier soll dem Bürger vorgegaukelt werden, dass auch die Nutznießer der Politik ihren Beitrag leisten sollen. Und es ist doch nichts anderes, als eine weitere freche Lüge ins Gesicht des Volkes .

Tatsache ist: Es gibt in diesem Land mehr Menschen, die erwerbsslos sind oder trotz Arbeit hart am Existenzminimum leben, als Menschen, die finanziell unabhängig sind.

Diesen Menschen können Sie nicht länger etwas vormachen. Sie haben erkannt, dass ihre Politik ausschließlich eine Klientelpolitik für die Wirtschaftslobbyisten ist.

Die riesigen Summen, die jetzt eingespart werden sollen, wollen Sie fast ausschließlich auf den Rücken der Menschen einsparen, die heute schon am Existenzminimum leben und an dieser Krise keine Schuld haben.

Dass überhaupt erst so ein „Sparpaket“ notwendig geworden ist, ist Ihrer verfehlten Politik zuzuschreiben und der Gier von einigen Wenigen.

Frau Merkel behauptet, wir alle hätten über unsere Verhältnisse gelebt . Das ist so nicht richtig.

Korrekt und wahr ist: Politiker, Wirtschafts- und Finanzwelt haben skrupellos über die Verhältnisse des Volkes gelebt!

Wir fordern Sie daher auf, umgehend Ihr sogenanntes Sparpaket neu zu überdenken. Wenn Ihnen der soziale Frieden in unserem Land so wichtig ist, wie Sie immer wieder versichern, dann ist jetzt der Moment gekommen, die Lasten denen aufzuerlegen, die sie auch verursacht haben.

Im übrigen, halten wir es für unverantwortlich, angesichts der Sparzwänge, die Sie dem Volk auferlegen, über eine Diätenerhöhung auch nur nachzudenken. Das ist durch nichts zu rechtfertigen.

Demokratie, sehr geehrte Damen und Herren, heißt NICHT den Willen und das Wohl des Volkes zu missachten.

Kontakt

Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Telefon: +49 (0)30 227 0
E-Mail: mail@bundestag.de

Nachrichtenspiegel-Online unterstützt diese Initiative der Bloggerin Ormuz.

Mittlerweile macht auch Ver.Di gegen das drohende Sparpaket mobil.

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