Obdachlosigkeit

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Ein fröhliches Weihnachten … dem bitterarmen Deutschland

Montag, 18.12.2017. Eifel. Es weihnachtet schön, oder? Alle freuen sich, Glitzer und Lichter überall. Bald ist heilig Abend, da wird die Beute des Jahres unter den Verwandten aufgeteilt, jeder schenkt sich gegenseitig irgendwas, was man sich selber nie gekauft hätte und auch eigentlich gar nicht braucht. Nun – na ja, nicht jeder. Die Armen schenken sich gar nichts – oder haben mal das Jahr über gespart, um dem eigenen Kind ein Handy zu kaufen, damit es in der Schule nicht mehr so gemobbt wird. Dafür werden sie dann umgehend von der stets aktiven Bürgerwacht gescholten: schau mal, so arm, nichts zu essen aber das Kind kriegt ein Handy! Nun – manchmal soll das Handy zu Weihnachten auch etwas anderes sein: eine Entschuldigung der Eltern dafür, dass sie arm sind – also: alt. Chancenlos in einer Welt, in der Jugend zählt, Leistung, Engagement. Wer es sich in der Welt erlaubt, über 50 zu werden und in einer Firma zu arbeiten, die gerade pleite macht, der landet ganz schnell auf der Sozialmüllkippe, wird per Gesetzt und Staatsgewalt arm gehalten um wenigstens noch als mahnendes Beispiel herhalten zu können: sehet – so ergehet es euch, so ihr den Arbeitgeber nicht eure ganze Kraft, eure Leidenschaft, eure Liebe gebt! Und zwar: für wenig Geld.

Ach – was schreibe ich schon wieder. Es ist doch Weihnachten: da wollen wir doch schöne Botschaften hören! Da soll doch das Fest der Liebe gefeiert werden, als Trotz mitten in finstersten, eisig kalten Nächten wollen wir den Mächten der Dunkelheit doch zeigen, dass das Leben stärker ist die unheimlichen Mächte und Gewalten, die das Leben des Einzelnen so schwer machen! Eine schöne Botschaft habe ich in der Frankfurter Rundschau gefunden: dort finden wir ein Paradebeispiel dafür, wie die moderne, zivilisierte, demokratische Gesellschaft im Namen der alten Werte von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für die gute Stimmung zum Fest sorgt (siehe FR):

„Stadtpolizisten erteilen einzelnen Obdachlosen, die im Freien schlafen, sogenannte Bar-Verwarnungen. Dabei müssen die Betroffenen vor Ort einen bestimmten Betrag bezahlen.“

Das Schlafen auf Bänken oder in Fußgängerzonen fällt unter den Tatbestand des Lagerns im öffentlichen Raum, das nach der städtischen Gefahrenabwehrverordnung eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) bestätigte, dass die Stadtpolizei von den Obdachlosen bisweilen ein Verwarngeld kassiere.“

Keiner kann Auskunft darüber geben, wie viel Geld da eingenommen wurde, wie hoch die Verwarnungsgelder sind – wen interessiert das auch schon zu Weihnachten? Hauptsache, die Armut verschwindet aus den Augen der brav funktionierenden Konsumdrohnen.

Ach ja – Obdachlose. Wussten Sie schon, dass die Zahl der Obdachlosen im nächsten Jahr dramatisch, exorbitant und rasant steigen soll? Von ehedem 390000 im Jahre 2016 auf 1,2 Millionen im Jahr 2018 (siehe Zeit). Gut: die haben den Vorteil, dass sie keine eigenen Weihnachtsbäume kaufen müssen – sie können sich Heilig Abend unter den prächtig geschmückten Bäumen in den dann leer gefegten Innenstädten versammeln … jedenfalls so lange, bis die Polizei kommt. Viele von ihnen sollen „Flüchtlinge“ sein – ein häßliches Wort eigentlich – die dann am eigenen Leibe in bitterer Kälte erleben dürfen, wie Deutschland Herz zeigt. Na ja – nicht alle Obdachlosen leben auf der Straße, momentan ist es nur ein Bruchteil, vielleicht 60000. Jedenfalls: noch. Da bezahlbarer Wohnraum immer seltener wird, weil „wohnen“ von großen Kapitalgesellschaften als neue Ausbeutungsquelle entdeckt wird, dürften da bald mehr Menschen auf Parkbänken oder bei Freunden und Verwandten nächtigen – alles im Dienste des Aufschwungs und des Endsiegs gegen die grausamen Mächte der Globalisierung.

Nein – das war jetzt wieder zu negativ. Das passt nicht unter den Weihnachtsbaum. Passt ja vieles nicht darunter, viele Dinge, die wir nicht hören wollen – aber wissen sollten (siehe Stern):

„Innerhalb der alten EU-Länder ist Deutschland der arme Mann des Kontinents. Nur die Bevölkerung in den Ländern, die jenseits des Eisernen Vorhangs lagen, ist noch ärmer. Deutlich wird das, wenn man die Medianwerte des Vermögens und nicht den statistischen Durchschnitt betrachtet.“

Lassen Sie uns doch die Zahlen einfach mal anschauen:

„Der Medianwert des geldwerten Vermögens für die Erwachsenen liegt in Deutschland bei 47.000 Dollar. Schon im krisengebeutelten Griechenland sind es mit 55.000 Euro 8000 Euro pro Nase mehr. Dass die unmittelbaren Nachbarn – Holländer (94.000), Dänen (87.000 Dollar), Belgier (168.000 Dollar) – reicher als die Deutschen sind, kann kaum verwundern. Man sieht es bei jedem Besuch. Erstaunlich allerdings, dass Franzosen (120.000) und Italiener (125.000) mehr als doppelt so reich wie die Deutschen sind. Lichtenstein (168.000) und Schweiz (229.000) bilden erwartungsgemäß die Spitze. In den alten Ländern der EU liegt nur Portugal (38.000) hinter Deutschland.“

Sicher – wir verdienen mehr als die. Wir haben nur nichts davon – weil in Deutschland noch der Geist von Bauer, Bürger, Edelmann herrscht. Das sieht man ja am Schulsystem, in dem es seit hundert Jahren keine gravierenden Änderungen mehr gegeben hat: der Bauer geht in die Hauptschule, der Bürger in die Realschule, der Zögling des Edelmannes macht Abitur, damit er den Abteilungsleiterposten von Papa übernehmen kann, wenn der mal in Rente geht. „Vermögensbildende Maßnahmen“ für Bauern und Bürger sind in Deutschland nicht gewünscht, wir möchten gerne die klassische, mittelalterliche Ständegesellschaft beibehalten, die sich über die Jahrhunderte gut bewährt hat. So ergeht es halt einem Volk, das nie die Kraft  zur Revolution hatte und seine Stärke eher in anbiedernder Biedermeierei sieht

Biedermeier? In Zeiten, wo 41 Prozent der deutschen Schüler nicht mehr wissen, wofür der Begriff Auschwitz steht (siehe Spiegel), sollte man nicht erwarten, dass noch jemand die grausigen Auswirkungen der verlogenen Biedermeierzeit kennt … in der wir aktuell wieder leben. Nun – in Wirklichkeit wissen auch die anderen nicht, wofür Auschwitz steht – und deshalb erkennt man auch nicht, wie sehr das deutsche feudal orientierte Staatsschiff wieder Kurs nimmt auf die gleichen Prinzipien: Auschwitz steht für die möglichst preiswerte massenhafte Auslöschung menschlicher Existenzen, deren Arbeitskraft noch nicht mal mehr ein Minimum an Rendite erwirtschaftet – mal brutal gesagt: die Endlösung der Massenarbeitslosigkeit. Man hatte Millionen Menschen die Möglichkeit genommen, für ihr Leben aufzukommen, ihre Betriebe, Geschäfte und Höfe wurden billigst an Parteigenossen und Meistbietende versteigert (wo der Bürger gerne zugriff, um sich endlich mal für einen kurzen Moment als Edelmann zu fühlen) – und irgendwann wurden die Ressourcen knapp, es mussten Lösungen her. Das übliche Erschießen war zu teuer – da hatte man fein nachgerechnet – also wurde der deutsche Ingenieur und Wissenschaftler zu Rate gezogen, wie man das denn möglichst gründlich und billig anders erledigen konnte.

Das „Narrativ“ (= die erzählte Geschichte, bzw. das sinnstiftende Erzählmotiv) ändert sich so deutlich: nicht der staatlich verordnete Judenhass steht im Mittelpunkt, sondern das Zentralproblem des Kapitalismus, dass derjenige, dessen Existenz keinen Profit für den Edelmann liefert, keine Lebensberechtigung mehr hat. Uns wird lieber die Geschichte mit den Juden erzählt (die auch wahr ist, keine Frage – aber in der Vernichtungslogik sind halt Elemente enthalten, die eher … betriebswirtschaftlich sind), weil sich so Auschwitz als Singularität, als Unfall der Geschichte verkaufen läßt – anstelle der anderen Geschichte, die uns Bauer, Bürger und Edelmann lieber nicht erzählen wollten.

Modern formulieren wir das natürlich anders – wir sagen nicht mehr Bauer, Bürger, Edelmann, wir haben da viel schönere Wörter, die inzwischen jeder kennt: Hartzer, Konsument und Promi sind unsere Kasten.

Schon wieder: negativ. Wir wollten doch zu Weihnachten was schönes, was erbauliches, was … biedermeierhaftes. Nun – erstmal zum Biedermeier. Aus einer Quelle für Kinder – damit es wirklich jeder verstehen kann (siehe Kinderzeitmaschine):

„Politische Mitsprache oder gar Kritik waren in dieser Zeit unerwünscht und wurden unter Umständen auch hart bestraft. Das fanden all die kritischen Köpfe, die für mehr Freiheit und Demokratie kämpften, gar nicht gut. Doch für viele Menschen bedeutete dieser Rückzug in das Private mehr Sicherheit. Dieser Rückzug war auch eine Reaktion auf die Karlsbader Beschlüsse von 1819, durch die die Freiheiten der Menschen stark eingeschränkt worden waren.“

„Die Familie wurde sehr wichtig und das Leben und Wirken im persönlichen Zuhause kennzeichnete die Zeit des Biedermeier. Sehr gut sieht man das auf Gemälden dieser Zeit, in der die „heile Familie“ immer stärker in den Mittelpunkt rückte.“

Endlich mal was Positives: die Famile. Wussten Sie, dass heutzutage fast 50 Prozent aller Ehen geschieden werden? Oh – sorry: wieder was negatives.

Auch Positiv: auch wir leben in einer Zeit, in der politische Mitsprache oder gar Kritik unerwünscht sind – und unter Umständen auch hart bestraft wird: mit öffentlicher Ächtung, medialer Schmähung und breit angelegter Verachtung. Noch nicht gemerkt? Ich merke: Sie sind schon ganz schön gebiedermeiert – feine Mietwohnung in gutem Viertel (als könne ein Stadtviertel moralische Qualitäten erhalten – aber der moderne, verwässerte, pervertierte Begriff des „Guten“ hat ja nicht umsonst dazu geführt, dass „Gutmensch“ ein Schimpfwort geworden ist, worüber sich viele aufregen. Das „Gutmenschen“ Nächstenliebe für „Sozialromantik“ halten, wurde jedoch kritiklos akzeptiert).

Ich könnte Ihnen da ein paar Themen nennen … möchte aber nicht zu sehr ins Detail gehen, weil auch ich ja Angst vor der Verfolgung habe. Einmal geoutet, werden Sie in diesem Land Schwierigkeiten haben, noch einen Job zu bekommen – und Job ist das, was Ihnen die Lebensberechtigungsscheine verpasst. Vorbei die Zeiten, in denen die Natur alles umsonst liefert – der Fortschritt hat halt alles anders gemacht, besser, schöner … jedenfalls für die Kaste der Edelmänner (und Edelfrauen – wir leben ja nicht mehr im Mittelalter). Die Themen kennen Sie im Übrigen alle: selbst Theorienbildung – Grundlage jeder Wissenschaftlichkeit – ist verpönt, sie können dafür schnell unter hämischem Gelächter der sadistischen Folterknechte und Spießbürger Aluhüte verliehen bekommen, die nichts anderes aussagen sollen als dass Sie ein vogelfreier, geistig kranker, abartiger, nutzloser Schädling sind.

Gut: sprachlich haben wir uns vom Mittelalter etwas entfernt – inhaltlich jedoch überhaupt nicht. Biedermeierzeit halt: des Deutschen Allzweckwaffe gegen Unbequemes. Seit Jahrhunderten bewährt. Nicht mehr lange, da werden sich die Zeiten ändern, denn die Natur kann ohne Insekten keine Früchte produzieren – und ohne Früchte werden wir sehen, dass selbst unsere gewaltigen, neu erworbenen Bitcoinschätze uns nicht ernähren können. 75 Prozent der Insekten in Mitteleuropa sind schon fort – und die Folgen werden der pure Horror sein (siehe WDR):

„“Die Ergebnisse der Untersuchung sind schockierend. Die Arbeit ist methodisch sauber und zeigt flächendeckend für eine große geografische Region Mitteleuropas einen massiven Biomasserückgang für Insekten. Wir befinden uns mitten in einem Albtraum, da Insekten eine zentrale Rolle für das Funktionieren unserer Ökosysteme spielen„, warnt Prof. Dr. Johannes Steidle der Universität Hohenheim.“

Andere werden noch deutlicher – wie Dirk C. Fleck (siehe Rubikon):

„Denn der Tsunami der Zerstörung, den das Dauerbeben eines ungezügelten Kapitalismus ausgelöst hat, reißt weiterhin ungebremst alles aus dem Gleichgewicht: das filigrane ökologische Netzwerk ebenso wie die sozialen Strukturen unserer globalen Zivilgesellschaft.

Bemerkenswert daran ist nur, dass die meisten Menschen angesichts des bis zum Anschlag betriebenen Raubbaus an der Natur kein Gefühl des Verlustes verspüren. Selbst wenn der Südpol über Nacht auf 20 Quadratmeter schrumpfen und das letzte Dutzend Pinguine sich auf den Köpfen stehend mit den Fächerfüßen gegen die stechende Sonne zur Wehr setzen würde – das Gros der Menschen bliebe davon gänzlich unbeeindruckt.“

Unbeeindruckt weil – im Biedermeiermodus. Eingelullt von täglich rund um die Uhr laufendem Beruhigungsfunk, dessen Kernbotschaft lautet: „bleiben Sie sitzen, bleiben Sie in ihren Häusern, bleiben Sie auf dem Sofa, lassen Sie das Fernsehgerät eingeschaltet – wir informieren Sie über aktuelle Entwicklungen rund um die Uhr! ALLES WIRD GUT!“ entwickelt sich halt schnell das Gefühl von wohliger Geborgenheit, das böse Draußen ist halt nur Draußen – innen ist alles heil und heilig (von der Zunahme der häuslichen Gewalt – siehe Frankfurter Rundschau – mal abgesehen).

Ja – das ist die eindeutig gute Nachricht in dieser Zeit: das alles wird ein baldiges Ende haben – nicht nur wegen den Insekten, die ja eigentlich keiner wirklich vermisst, solange die Autoscheibe auch bei Langstreckenfahren im ländlichen Raum sauber bleibt, sondern auch wegen unserer desaströsen Art des wirtschaftens (siehe Manager Magazin):

„Es ist Zeit, dass wir unsere Wirtschaftspolitik grundlegend hinterfragen. Seit Mitte der 1980er-Jahre setzen wir darauf, mit immer mehr Schulden kurzfristiges Wachstum zu erzielen. Dabei nimmt die Produktivität der neuen Schulden immer mehr ab. Nachdem jahrzehntelang die Wirtschaft im Einklang mit der Verschuldung wuchs, werden heute weltweit immer mehr Schulden gebaucht, um überhaupt noch Wachstum zu erzielen. Die Ursache liegt in der überwiegend unproduktiven Verwendung der Schulden. Wir kaufen uns damit gegenseitig vorhandene Vermögenswerte zu immer höheren Preisen ab. Im Unterschied zu Investitionen in neue Produkte und Dienstleistungen wächst dadurch die Wirtschaft jedoch kaum, wenn man von dem Zusatzkonsum durch den Reichtumseffekt steigender Vermögenspreise absieht.“

Ein Konsum, der nur noch durch völlige Vernichtung unsere Ökosphäre zustande kommt. Super. Selbst Goldman Sachs – die globale Bank, die so raffiniert aufgestellt ist, dass sie sogar in Megakrisen noch Megagewinne errechnet (nur errechnet, nicht erwirtschaftet – dieser Unterschied wird leider viel zu selten erlebt) warnt vor einem neuen Megacrash (siehe Zeit).

Alle … wissen Bescheid. Warum tut eigentlich keiner was dagegen?

Nun – kommen wir endlich mal zu den positiven Dingen unserer Gegenwart: wenn wir wollen können wir wissen, wie die denken, die an den Hebeln der Macht sitzen, welcher Philosophie sie folgen – rein aus Gründen der Nützlichkeit für die persönlichen, egoistischen Ziele. Der von mir sehr geschätzte Herr Preparata (noch nicht Aluhut-würdig, weil die bildungsfernen Schichten der deutschen Pseudointellektuellen ihn nie gelesen haben, noch er durch Einladung in eine Talkshow geadelt wurde) hat den kleinsten gemeinsamen Nenner unserer „Elite“, unserer Edelmänner, kurz zusammengefasst:

„Schließlich bildet dieses polyphone Ensemble einen eigenen (postmodernen) geregelten Orden, dessen verbindliche Grundsätze man stenographisch wie folgt zusammenfassen könnte: Verherrlichung der Gewalt und des Krieges, Machtgier, Glaube an ein Nichts nach dem Tod, Einwilligung in die oligarchische und tyrannische Herrschaft, Glaube, dass Überbevölkerung eine Plage ist, Glaube an die Notwendigkeit des Kampfes zwischen den Völkern und die Faszination des korrumpierten „Wortes““. (siehe: Preparata, Die Ideologie der Tyrannei, Dunker & Humblot, Berlin 2015, Seite 193).

Da verläuft die eigentliche Front unserer Gegenwart – und wer nun wissen will, was zu tun ist, braucht einfach nur die Gegensätze zu den Lehrsätzen der Edelmänner bilden: schon haben wir eine Philosophie, die uns eine unerschöpliche Quelle humaner Werte vermittelt … dazu gehört – als zentraler politischer Wert – auch die feste Gewissheit über die Unsterblichkeit des menschlichen Bewusstseins … die auch die Physik inzwischen als möglich erachtet (siehe livenet.ch).

Doch das ist keine Philosophie für Edelmänner – ihre Macht endet nach dem Tod, was sie sehr ärgert: alle Früchte ihrere Arbeit verschwinden im Nichts – selbst die der Pharaonen, Kaiser und Mulitmilliardäre. Und man begegnet womöglich – diesmal machtlos – all´ jenen geschundenen Seelen, die von der Herrlichkeit der Erde wenig hatten, weil sie in Fabriken, Büros und Bergwerken sinnlos entfremdeter Arbeit nachgehen mussten, Seelen … die darüber mal ein Gespräch führen möchten.

Und das … wäre eigentlich die schöne Botschaft zu Weihnachten: das man endlich weiß, was man dagegen tun kann. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ – lautet die einfache Botschaft für jedermann. Und die erweiterte Botschaft würde lauten: schaffe einen Orden integrer Menschen, die Gewalt und Krieg als die wirklichen Feinde der Menschheit erkennen, die wissen, dass jede Form von Macht Menschen wahnsinnig macht und man sie davor schützen muss, die Wissen, dass der Tod nur die Befreiung der feinen Seele aus dem groben Matsch der Materie darstellt, die die Herrschaft von Menschen über Menschen generell und überall ablehnen, die den Mythos der Überbevölkerung zurückweisen, weil jede menschliche Seele wertvoll ist, die den unpersönlichen Kampf zwischen „Völkern“ als groben Unfug ansehen und die das Wort zur Verständigung und zum Verstehen benutzen – vielleicht auch oder einfach gerade deshalb, weil „Sprache“ an und für sich schon auf die Existenz von Göttlichem hindeutet (siehe livenet.ch).

So einfach ist dann auch die Evolution (nicht: Revolution) des Menschen vom Feudalstaat, der in Deutschland ungebrochen seit tausend Jahren das Denken bestimmt.

Es ist einfach – aber nicht „bequem“ … was für Biedermeierzombies einfach eine Zumutung ist – doch genug der finsteren Aussichten, konzentrieren wir uns einfach auf das Helle: in dieser Hinsicht wünsche ich mal allen … fröhliche Weihnachten!

PS: und wem das an praktischen Maßnahmen gegen die finsteren Mächte und Gewalten immer noch nicht reicht, der darf sich gern an dem kleinen britischen Dorf orientieren, dass sich absolut erfolgreich gegen den Zerfall gewehrt hat (siehe: Schlaglichter.at): Tankstellen, Buslinien, Käsefabrik … alles in der Hand der normalen Bürger.

Das Paradies … liegt direkt vor der Haustür.

Immer noch.

 

 

 

Die dunklen Philosophien der US-Elite und ihr langer Arm in Deutschland: über den Sinn des Lebens, den Tod und das Böse

Samstag, 18.11.2017. Eifel. Wir kommen in diesen stürmischen Zeiten kaum noch dazu, uns um wesentliche Fragen des menschlichen Lebens zu kümmern; zu sehr nimmt uns die Politik in Anspruch. Wirklich: wann haben Sie das letzte Mal über den Sinn des Lebens nachgedacht? Können Sie sich auch gar nicht leisten, muss ich gestehen, Staat und die ihn dominierende Wirtschaft haben für Sie ja schon längst einen Sinn vorgefertigt, den Sie täglich verpasst bekommen: Sie sind Konsumenten. Also … Konsum-Enten. Ein schnatternder Haufen hirnlosen Geflügels, das bei jedem Geräusch in Panik verfällt. Scherz beiseite: mit Enten, jenen edlen, freien Geschöpfen, die sich im Reich des Wassers, am Land und in den Gefilden der Luft bewegen können, kann man Sie wirklich nicht vergleichen. Enten – sind frei. Sie jedoch: machen den ganzen Tag, was man Ihnen vorschreibt. Sie stehen morgens um sechs auf, frühstücken, was der Ernährungsberater empfohlen hat, führen die angeordnete Zahnpflege durch, bringen ihr Haar in eine akzeptable, angepasste Form und eilen flugs los um pünktlich an dem Ort zu sein, den man Ihnen zugeteilt hat – wo sie dann bleiben, bis man Sie gehen läßt. Das – ließe keine Ente mit sich machen.

Letztens erst erfuhr ich, dass Philosophie eine fortschreitende Geisteskrankheit ist – ich lauschte einer Diskussion von „Experten“ auf Facebook, jener Internetplattform, die für mich inzwischen Stammkneipe und Marktbesuch ersetzt, jenen Ort, wo Menschen einfach so vor sich hin plappern. Ich wollte mit den Akteuren in eine Diskussion treten, doch: vergeblich. Ihr Gesprächspotential war mit der Äußerung dieses Satzes erschöpft. Generation Doof ist einfach nur älter geworden, sitzt hirnlos in irgendeinem Job herum, wo man nach Lust und Laune Arbeitslosen die Bezüge sanktionieren kann, Versicherungsnehmer um ihre Leistungen prellen darf oder alten Omas totschicke Schrottanleihen als Superinvestment verkauft. Kennen Sie die Generation Doof? Das Buch dazu ist bald 10 Jahre alt (siehe Lübbe)

„Niklas glaubt, der Dreisatz wäre eine olympische Disziplin. Latoya kennt drei skandinavische Länder: Schweden, Holland und Nordpol
Und Tamara-Michelle hält den Bundestag für einen Feiertag. Einzelfälle? Mitnichten. Eine ganze Generation scheint zu verblöden. Der Staatsanwalt von nebenan erzieht seine Kinder mit der Spielkonsole. Germanistikstudenten sind der deutschen Sprache nicht mehr mächtig. Eine Karriere als Popstar erscheint dem Bäckerlehrling verlockender als eine solide Ausbildung.“

Der Satz mit dem Staatsanwalt ist natürlich schon politisch gewesen, zielt auf Vertuschung der eigentlichen Ursachen hin: notfalls sind eben immer die Eltern Schuld, die sind das letzte Glied in der Nahrungskette und ja auch wirklich verantwortlich dafür, dass der heroische Lehrer und der edle Chef so minderwertiges Menschenmaterial zur Formung ausgeliefert bekommen. Sie kennen das ja aus anderen Zusammenhängen: geschickt ist es den Werbestrategen der Politik gelungen, Ihnen als Konsum-Enten die Hauptverantwortung für die Vernichtung der Erde zuzuschieben – als hätten Sie mit absoluter Mehrheit unter Androhung von Gewalt die Einführung von Pestiziden, den Bau von Atomkraftwerken und den Krieg mit Russland befohlen, wären verantwortlich für die irrsinnigen Voten der US-Rating-Agenturen, den politischen Schachzügen der billionenschweren Plutonomie oder den Einfluss von kriminellen Lobbyisten auf den Bundestag. Nie trägt der Ingenieur die Verantwortung, der den Dreck konstruierte, nie der Fabrikant, der ihn in Massen produzierte, nie das politische Establishment, dass gerade dafür gewählt wurde, solche Entwicklungen in weise Bahnen zu lenken noch die Marketingfirmen, die immer raffiniertere Bedürfnisse nach dem Dreck hervorrufen, immer gerissener manipulieren, während Sie noch denken, Sie könnten jetzt einfach mal entspannt fern sehen. Immer sind es Sie, der Verbraucher, der verantwortlich dafür gemacht wird – deshalb heißen Sie ja auch so: der Verbraucher. Zwar haben Sie noch andere Rollen im Leben, sind mit ihrem Arbeitsleben in vielfältiger Weise am Produktions- und Vertriebsprozess beteiligt, aber wenn es zum Schwur kommt, sind sie nur noch eins: nutzloser Ballast, der nur verbraucht und nichts bringt … so als säßen Sie den ganzen Tag nur auf dem Sofa und würden darauf warten, gefüttert zu werden.

Wirklich verantwortlich für die zunehmende Blödheit im Lande ist eher die Wissenschaft, die den Fabrikanten raffinierte Gifte untergejubelt hat (siehe Arte):

Der durchschnittliche Rückgang des Intelligenzquotienten, die Zunahme von Autismus und Verhaltensstörungen – seit rund zwei Jahrzehnten werden besorgniserregende Trends in Bezug auf die menschliche Intelligenz und geistige Gesundheit beobachtet. Nachdem genetische Faktoren ausgeschlossen wurden, nehmen Wissenschaftler insbesondere die chemischen Moleküle unter die Lupe, denen der moderne Mensch permanent ausgesetzt ist. Dabei spielen vor allem die sogenannten endokrinen Disruptoren eine bedeutende Rolle: Im Laufe wissenschaftlicher Untersuchungen konnte bewiesen werden, dass sie eine verheerende toxische Wirkung auf das menschliche Gehirn ausüben und insbesondere für ungeborene Kinder während der Schwangerschaft gefährlich sind. Die sogenannten polychlorierten Biphenyle (PCB), die in Flammschutzmitteln und Pestiziden enthalten sind, ähneln den Hormonen der Schilddrüse und werden vom Körper mit diesen verwechselt. Dadurch wird die Entwicklung von Schilddrüse und Schilddrüsenhormonen beeinträchtigt, was wiederum die Entwicklung des Gehirns stören kann.

Schauen Sie sich ruhig den ganzen Film an: Sie werden verblüfft sein, welches Ausmaß die Vergiftung inzwischen hat, die Sie als Verbraucher inzwischen zu verantworten haben.

Zurück zur Philosophie … die wir eigentlich nicht verlassen haben, ist es doch unter anderem ihre Aufgabe, große Weltbilder zu entwerfen, an denen sich der Einzelne orientieren kann. War Ihnen eigentlich schon klar, dass jeder Mensch eine Philosopie hat? Ja – nun schauen Sie nicht so verdutzt: auch Sie! Sie können zu den primitivsten Stämmen Indonesiens oder Westafrikas fahren, historisch – gedanklich – zu den ältesten Kulturen reisen, den großen Hochkulturen, den kleinen Stammeskulturen oder den ältesten Dorfgemeinschaften: überall hatten Menschen ihre eigene Philosophie, ihre … Lebensphilosophie, geboren direkt aus den Umständen, in denen sie hineingeboren wurden – und jeder Mensch hatte auch Zeit genug, seine eigene Philosophie zu entwerfen. Ich denke da an die freien Stämme Nordamerikas, deren Kinder ein paar Tage allein in die Natur geschickt wurden, damit sie ihre persönliche Bestimmung, ihren ureigenen Lebenssinn finden (das können wir auch noch, die Aachener Turya-Akademie bietet entsprechende Events an). Wir als moderne Menschen haben dies nicht nötig, unser Sinn des Lebens wird uns von den Herren der Welt schon im Kindergarten beigebracht: konsumieren, was das Zeug hält. Das Leben wird als eine Art Gesellschaftsspiel verstanden (ganz im Sinne des beliebten Gesellschaftsspiels „Spiel des Lebens“, siehe Hasbro), Sinn des Lebens ist die Maximierung der Anhäufung von Gegenständen und Geld. Wer am Ende das meiste davon hat, ist der Sieger.

Der Sieger?

Nun – am Ende des Lebens sind alle tot … das zeigt uns die Erfahrung. Nur … der Tod wirkt auf uns anders, jeweils entsprechend der Lebensumstände. Wird der Arme im Tode von seiner Armut befreit, von Krankheit, Demütigung, Sklaverei, Erniedrigung und Ausbeutung, so bedeutet für den Reichen der Tod nur elendigen Verlust – seine ganzen Milliarden kann er nicht mitnehmen. Wie fühlt man sich wohl als Reicher, wenn man sich dieser Wahrheit stellen muss? Wir brauchen da nicht nur an die Superreichen zu denken, das Problem hat auch schon der untere Mittelstand mit seinem bezahlten Reihenhaus, seinem SUV vor der Tür, seinem kurvigen Luxusfernseher, seiner edlen Ledergarnitur und den drei Fernreisen im Jahr … all das fällt weg, es gibt keine göttliche Belohnung fürs gierige Raffen, sondern nur … endgültigen Verlust von allen Annehmlichkeiten, für die man das wertvolle Geschenk des Lebens verpulvert hat.

Nun – wie man sich als Reicher fühlen kann, das hat  uns der Marquis de Sade vorgeführt, jener Mann, dessen Taten und Denken den Begriff Sadismus entstehen ließen … die Freude an der Qual anderer Menschen, vor allem Frauen. Wir wollen hier keinen großen Bogen spannen und alle geisteswissenschaftlichen Hintergründe eines Menschen durchleuchten, denn wie alle Menschen ist de Sade von sehr vielfältiger Art (nun – möglicherweise macht die moderne Konsum-Ente da eine Ausnahme und wird durch Erziehung und Umwelt wirklich immer einfältiger … ich mag da die Hoffnung noch nicht aufgeben, noch ein abschließendes Urteil abgeben). Er … war voller Hass gegen Gott, die Kirche, das Universum und den Rest, ein Hass, der mutmaßlich aus dem großen Frust des Reichen entstand, dass seine Lebensphilosophie des Raffens und Verschwendens letztlich im Nichts mündet …wenn man Glück hat (ja – hat man Pech, übersteht das Bewusstsein den Tod … ein paar Indizien gibt es dafür schon … und wird mit anderen Realitäten konfrontiert, die dem reichen Schänder des Lebens nicht so aufgeschlossen gegenüber stehen, wie es das Marketing der Konzerne gerne sehe würde). Lauschen wir doch mal de Sades Philosophie:

„Alle Menschen“, sagt er „werden vereinzelt, neidisch, grausam und despotisch geboren, sie wollen alles haben und nichts anderen überlassen“.

Immer wieder spannend, welche Philosophien entstehen, wenn Menschen von sich auf andere schließen – wären Menschen so (und in ihrer Substanz nicht ganz anders), sie wären schon längst ausgestorben, weil die Mütter ihre Kinder einfach als lästigen Ballast im Wald entsorgt hätten … oder schlimmeres.

„Die Natur, unterstreicht de Sade, will uns als Interessierte, vor allem als Egoisten, die Macht ausüben, sei es die körperliche Kraft von gestern oder die finanzielle Stärke von heute: die Starken werden die Reichen, die Schwachen die Armen. Selbstsucht, erklärt er, ist das erste Gesetz der Natur. Der Wolf frisst das Lamm, ohne dass die Natur protestiert, warum also sollten wir es tun? „Gewöhnen wir uns also an das Böse“, rät er uns“ (siehe; Preparata, Die Ideologie der Tyrannei, Dunker & Humblodt, Berlin 2015, Seite 55)

De Sade starb 1814 … und trotzdem wirken seine Phantastereien wie die Blaupause des modernen Neoliberalismus. In der Tat gibt es eine geisteswissenschaftliche Tradition, die die Philosophie de Sades bis ins 21. Jahrhundert transportiert und sie zur führenden Philosophie der US-Intellektuellen gemacht hat: der Pornograph de Sade wurde begeistert von dem Pornographen Georges Battaile aufgenommen (gestorben 1962), die wiederum das Gesamtwerk Foucaults (gestorben 1984) beeinflusste, der – so die Ansicht Preparatas – in weiten Teilen die Philosophie der US-Elite beeinflusste. Hören wir mal, welcher Sinn hinter der Annahme jener dunklen Philosophien steckte:

„Focault verdankte seinen Erfolg in Amerika dem Umstand, dass er ein Produkt entwickelt hat, das eine entscheidende Schwierigkeit der US-Elite bei der Handhabung des Landes und in ihrer Propaganda beheben konnte. Es konnte verhindern, dass sich eine geschlossene Bewegung des politischen Widerstandes bildet, die durch den umfassenden Glauben an Gerechtigkeit geeint wird.“ (Preparata, a.a.O., Seite 26).

Das kam gerade richtig zu einer Zeit, in der Hippies, Peaceniks, Ökofreaks und Bürgerrechtler andere Lebensphilosophien mit großem Erfolg verbreiteten, Philosophien, die eher für das Wohlbefinden des Individuums nützlich waren denn für die reiche Elite, die mehr Lebensfreude propagierten als Nützlichkeit im Produktionsprozess.

Preparata steht mit seinen Ansichten auch nicht alleine da, auch in Deutschland finden wir jemanden, der den Prozess der Umerziehung der Menschen beschreibt – und früh verstorben ist (siehe Zeit)

„Schirrmachers Antwort ist, moderat formuliert, eindrucksvoll. Für ihn sind wir Zeugen davon, wie gerade ein neuer Mensch programmiert wird, eine neue Gesellschaft oder, um für Soziologen verständlich zu bleiben: eine neue Kodierung des Sozialen. Alles, in dem ein Funke menschlichen Lebens steckt, wird auf Marktförmigkeit umgestellt – die Herrschaft des „Informationskapitalismus“ legt ein Raster über die Welt, dem niemand entkommt. In diesem Raster gibt es nur eine Vernunft, nämlich den Eigennutz, und es existiert nur ein Sozialcharakter, der rationale Egoist. In der neuen Welt des Informationskapitalismus ist alles ein Investment, und alles, von den Träumereien eines einsamen Spaziergängers bis zum Kinderkriegen, muss sich rechnen, alles Tun und Trachten folgt der Ökonomie des selbstsüchtigen Herzens. Und wer bei der Totalbewirtschaftung des Lebens nicht mitspielt, landet in der Gosse.“

Sie sehen: Hartz IV und die perversen, asozialen Sprüche „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ oder die Definition von Arbeitslosen als „Parasiten“ sind nicht plötzlich auftretende Irritationen einzelner Soziopathen, sondern nur der Ausguss einer perversen Philosophie der US-Elite, die letztlich ihren Urgrund in de Sades Gedankengängen hatte. Sadismus als Lebensphilosophie der Reichen und Mächtigen – auf einmal bekommen die seltsamen Rituale des Bohemian Grove einen tief sitzenden Sinn (siehe: der Eifelphilosoph höchst selbst bei Neopresse), die beständigen, irritierenden Geschichten über Kindesmissbrauch durch die Eliten der Welt werden auf einmal verständlich: für die Anhänger de Sades sind solche Spielchen wichtig für die Gemeinschaftsbildung. Trotz und Frust als Ursache einer Handlung, die alles Leben hasst, weil zum Leben der Tod gehört und der Tod der ganz große Räuber allen zusammengefassten Vermögens ist – entscheiden Sie selbst, ob das als Handlungsimpuls für die sadistischen Quälereien an den Trägern einer neuen Generation Leben – den Kindern – ausreicht. Mir jedenfalls scheint es da eine gewisse Plausibillität zu geben.

Ach ja – nicht dass Sie denken, wir sind jetzt hier dabei, eine Verschwörungstheorie zu entwickeln. Mit Verschwörungen hat das im Prinzip nichts zu tun, wir zeigen hier nur philosophische Strömungen auf, die Fakt sind. Es gibt auch andere philosophische Strömungen – die Orientierung an der Vernunft (Kant) oder die Orientierung am Mitleid (Schopenhauer). Schauen Sie sich die Welt an, wie Sie in den Mainstreammedien vermittelt wird: sehen Sie da Vernunft wirken, wenn wir unsere E-Autos (unseren „Sondermüll auf Rädern“, siehe Spiegel) durch Kinderarbeit in Afrika (siehe Welt) möglich machen? Sehen Sie bei bald 1,2 Millionen Obdachlosen (siehe Zeit) eine Kultur des Mitleids? Ja, darunter sind auch viele Neubürger/Migranten/Flüchtlinge, die in der Kälte hungern: besser kann man nicht illustrieren, wie Deutschland Herz zeigt. Oder ist das doch eher die Philosophie des dunklen Marquis de Sade, in der der Starke mit dem Armen machen kann was er will – jede Form von Folter inklusive?

So weit zur Philosophie.

Diese Gedanken habe ich mir nicht ohne Anlass gemacht – und jener Anlass war die Beobachtung der Aktivitäten gewisser junger Menschen in Deutschland. Da ich nicht zur Menschenjagd aufrufen möchte, werde ich ihre Namen – vorläufig – nicht nennen, sie erzählen momentan auch ganz offen von ihren Aktivitäten – ich möchte das noch eine Weile beobachten. Es sind engagierte Menschen, die man an der Front der politischen Jugend findet: führende Ideengeber der Veganerbewegung, aktiv bei Montagsdemos und – Überraschung – Antifa (wobei einer der Personen offen kundtat, dass es gar keine Antifa gäbe … uns jedoch ohne Erklärung zurücklies … wir sollten das mal später vertiefen), man findet sie bei der Piratenpartei oder als Journalisten für russische Sender, auf der Hanfparade und beim Christopher Street Day. Überall dabei … und ausgestattet mit viel Geld für Übernachtungen im Hilton, Pferdehaltung und einer Villa. Ich war etwas verstört über die illustre Kombination von Aktivitäten … und dem kleinsten gemeinsamen Nenner dieser Menschen im privaten Bereich: da herrschten satanische Symbole vor, eine große Liebe zur dunklen Lederszene, eine Philosophie des „Fuck the World“ … die ich nicht recht mit der veganischen Lebensart in Einklang bringen konnte. Ich telefonierte ein wenig mit recht alten Kontakten … und stieß auf Angst … begründet durch Todesdrohungen gegen mögliche Informanten, die ebenfalls seltsame Beobachtungen gemacht haben, die ähnlich irritierend waren wie die meinige. Hätte ich nicht gleichzeitig Preparata gelesen … ich hätte das wieder vergessen. So jedoch … war ich ein wenig verwundert … und fragte mich, ob es wohl denkbar sei, dass finanziell im Übermaß ausgestattete Kreise ihre Jünger mit Absicht in die verschiedenen Bewegungen schicken, um … zu verhindern, dass sich je wieder eine globale Bewegung für Gerechtigkeit entwickelt?

Vielleicht kann der eine oder andere Leser da ja mal Beobachtungen hinzufügen, die etwas Licht ins Dunkle bringen und meine Irritationen aufklären?

Und es wird Zeit für dieses Licht, denn … die Elite hat in ihrem Kult – wie seit Jahrtausenden schon – eine besondere Verpflichtung zur Darbringung von „Brandopfern“.

„Denn: bedenkenlos zu verschwenden und Macht auszuüben, – das heißt: in Straffreiheit – ist das souveräne Recht des ungenierten Ritters: Er – und nur er allein, führt Krieg. Folglich ist es jeden anderen Pflicht, Nahrungsmittel und Rüstung für diese Herren bereit zu stellen, die sie für die Durchführung des Brandopfers benötigen. Kurz gesagt: die unterpriviligierten, besitzlosen Massen arbeiten, während ihre ausschweifenden Beschützer verschwenden. Heutzutage ist in der Tat eine institutionelle Maschine von gewaltiger Komplexität erforderlich um genauso den Wahnsinn der Technokriege in Gang zu halten: nämlich unsere eigene liberale Wirtschaft“. (siehe Preparata, a.a.O., Seite 91)

Und somit erklärt sich hinreichend, warum unsere Demokratien immer noch – und immer mehr – Kriege führen, warum Mitleid allgemein anerkannt „Sozialromantik“ ist und wir immer mehr Menschen im reichsten Land der Welt in den Abgrund absoluter Armut stürzen.

Noch Fragen?

 

 

 

 

Deutschland geht es gut wie nie! Elli ist erfroren…

Freitag, 27.Januar 2017. Eifel. Es ist kalt in der Eifel. Und in Deutschland. Minus 19 Grad beträgt die Temperatur auf den Höhen der Eifel, wo eine uns nahestehende Bauersfamilie ums Überleben kämpft. Minus 25 Grad beträgt die Temperatur in den Herzen der Bevölkerung – Minus 40 Grad die in den Seelen der „Entscheider“. Es geht um Geld – für die eigene Tasche.

Was machen Sie eigentlich bei den Temperaturen? Klar, warm anziehen. Wintersport vielleicht? Sicher Schlitten fahren mit den Kindern – das macht Spaß und erfreut die Seele. Vielleicht auch mal auf Skiern unterwegs? Gut, ist etwas teurer – aber man gönnt sich ja sonst nichts. Sie und ich wissen, dass das gelogen ist: wir gönnen uns eine ganze Menge, zum Beispiel gigantische Kühltheken für Veggieschnitzel im Winter, die gegen die Heizungen der Supermärkte ankämpfen. Irre oder? Wir haben große Kühlschränke, die irrsinnig viel Strom verbrauchen, aber auf unseren Straßen erfrieren Menschen.

Am 28. Dezember erfror Elli – ganz in der Nähe des Düsseldorfer Komödchens. Kennen Sie das Komödchen? Ein feiner Ort für den Widerstand. Dort darf über Witze gelacht werden – heimlich und unerkannt – für die man, wenn man sie öffentlich machen würde, bestraft werden würde. Beleidigung des Staatsoberhauptes – oder so. Ja – Verunglimpfung des Bundespräsidenten ist strafbar – wobei ich nicht genau weiß, wann der sich jetzt verunglimpft fühlt. Wissen Sie, wer das ist, dieser „Bundespräsident“? Nun – unser Angestellter. So einer, der nur von Steuergeldern lebt. Oh – hoffentlich habe ich jetzt nicht schon was verunglimpft. Weiß auch gar nicht, wie glimpfen geht. Aber es ist strafbar. Man muss also außerordentlich vorsichtig sein. Nachher glimpft man versehentlich jemanden an – und schon ist man im Gefängnis. Oder ist glimpfen gut und nur unglimpfen schlecht. Was weiß ich.

Kennen Sie Elli? Meine Ex-Frau hieß so. Jedenfalls – nannte ihre Mutter sie so. Sie – hat das gehasst. Ich mag meine Ex-Frau immer noch – trotz aller Katastrophen, die ihre Trennung verursacht hat. Die Nachricht, dass sie neben dem Komödchen – in dem ich oft Gäste für die Industrie empfing – erfroren wäre, würde mich schwer treffen. Da wären ja auch noch unsere Kinder. Ja – das ist was anderes, wenn die Familienangehörigen wegsterben, oder? Seien Sie ehrlich: für jeden Kaputten in der Familie gibt es doch ein Riesendrama, zig-tausend Euro werden ausgegeben, um alle zu beköstigen, tausende Euro für das Grab (vor allem für den Grabstein), tausende für die Grabpflege. Auch ehrlich: wenn meine alte Mutter stirbt, weiß ich nicht, wie ich das bezahlen soll. Vielleicht verkaufe ich alles, was ich habe, damit sie ein würdiges Begräbnis hat? Und lebe dann auf der Straße?

Unsere Elli – also: nicht meine Frau – ist erfroren. Am 28.12.2016. Weihnachtszeit. Die Christbaumkugeln glitzerten noch, die Fenster umher waren weihnachtlich geschmückt. So was geht jetzt in Deutschland.

Was an Elli besonders war? Nun – sie hat ein Tagebuch geführt (siehe DerWesten). Das hat alle fasziniert. Das Ende wurde dokumentiert! Schau mal: die konnte lesen und schreiben! Wie erstaunlich! Da war wohl in ihrer Jugend jemand gütig zur Unterschicht. Ihr Tagebuch berichtet von ihrer inneren Kälte, die schlimmer war als die Äußere. Sie machte sie kraftlos und schwach. Schauen Sie sich mal die Fotos an: eine hübsche Frau von 48 Jahren – die ihren Leidensgenossen immer was aus ihrem Tagebuch vorgelesen hatte.

Ein Horrorleben, oder? Scheint einem düsteren Zukunftsthriller zu entstammen: unheimliche Aliens haben den Planeten erobert, die letzten empfindsamen Menschen leben wie Ratten auf der Straße, teilen sich den Rest innerer Wärme, der einem Tagebuch entspringt. Die Zeitungen sind natürlich voll Beteuerungen, dass allen Obdachlosen überall geholfen wird, auch Elli hat man immer wieder versucht, von der Straße weg zu holen. Wissen Sie, wie lange die obdachlos war? Nur drei Monate. So schnell geht sterben – in Deutschland.

Ihre Geschichte? Nun – sie hat den Tod ihrer Mutter nicht überwunden, heißt es. Hat Alkohol getrunken. Nur – ist das eigentlich wichtig? Seltsam wie wir uns daran gewöhnt haben, nach dem Lebensberechtigungsschein zu fragen, bevor wir Mitleid zulassen. Unglaublich, oder? Erstmal sucht der moderne Mensch – der Alien – eine Ausrede, bevor er hilft. Sind sicherlich viele moderne Menschen an ihr vorbeigegangen. Viele vielleicht auch ins Kommödchen? Ich habe mal versucht, welche Komiker da Programm machte – aber das war nicht mehr auffindbar. Knapp 30 Euro kostet so ein Abend. Wäre doch cool gewesen, für den Abend Elli aus der Kälte zu holen. Elli? Denken Sie einfach mal daran, es wäre ihre Tochter gewesen. Oder ihre Mutter. Wann haben Sie sie das letzte mal gesehen? Scherz – ich wollte sie nur erschrecken.

Könnte auch ihr Sohn sein. Viele Söhne (und Töchter) werden gerade auf die Straße gesetzt, jetzt, in diesem Moment, bei dieser Kälte. Viele überleben das nicht. Vor Elli sind ja auch schon 18 in Düsseldorf gestorben – aber die hatten keinen Nachrichtenwert – also: kein Tagebuch. Erzählen Sie das doch mal das nächste Mal dem nächsten Obdachlosen: für einen coolen Nachruf sollte er Tagebuch führen, dann kommen auch die Reporter. Ansonsten ist leise sterben angesagt. Das glauben Sie nicht, dass Kinder auf deutschen Straßen sterben? Deutsche Kinder?

Ja. Das ist so. Das hat auch … System. Lesen Sie doch mal die „Junge Welt„:

„Sie gehen nicht zur Schule, halten sich mit Bettelei, Kleinkriminalität oder gar Prostitution über Wasser: Auf deutschen Straßen leben Zehntausende obdachlose Jugendliche. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) schätzte 2015 die Zahl der Minderjährigen unter ihnen auf 21.000 – Tendenz steigend. Der Staat habe sie abgeschrieben, beklagen Vereine und Streetworker seit langem. »Starre Hilfesysteme« setzten auf absolutes Wohlverhalten und würden damit individuellen Problemen nicht gerecht, kritisierte damals Jörg Richert vom Verein KARUNA im Gespräch mit jW. Er geht sogar von einer weit höheren Dunkelziffer aus. Die Stiftung »Off Road Kids« warnte kürzlich zum wiederholten Mal vor dem Anstieg des Elends.“

Wahnsinn, oder? Eine Kleinstadt von Kindern – bei minus 19 Grad auf den unfruchtbaren Betonböden unserer Städte. Ein interessantes Sozialexperiment, oder? Nein – der Grund ist ein anderer:

„Das Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) lebt in einer anderen Realität. Auf seiner Internetseite geht es auf obdachlose Jugendliche nicht ein. Statt dessen lobt es Jugendschutz und Kinderrechte.“

Ja – Eigenlob kommt immer gut. Die haben ja jetzt sogar einen eigenen Bundespräsidenten, diesen Steinmeier. Ja – die wählen sich jetzt gegenseitig selbst in die Ämter. Leistung muss sich wieder lohnen. Steinmeier war ein starker Fürsprecher für Hartz IV – und die Hartz-Maschine setzt auf „absolutes Wohlverhalten“, sonst fliegt man auf die Straße. Gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Zu wenig Bewerbungen geschrieben, Job abgelehnt, frech geworden: schon wird geschossen (siehe Junge Welt). Bald eine halbe Million werden so entsorgt. Ab auf die Straße – Väterchen Frost erledigt den Rest. Ja – Gas nimmt man nicht mehr. Wir sind heute weiter, fortschrittlicher, die Fehler von früher würden wir nie wiederholen: Gas war einfach zu teuer.

Wer wird da sanktioniert? Können doch nur „bildungsferne Schichten“ sein. Asoziale. so jedenfalls … stellen unsere Medien es gerne da. Muss ja auch so sein, denn die Regierung, der Staat: das sind ja wir alle, und wir alle sind ganz toll gut und gerecht. Böse ist, wer daran zweifelt. So wie die Taz: zunehmend werden Akademiker, Selbstständige, ganz normale Angehörige der Mittelschicht obdachlos. Die Hartz-Maschine frisst täglich mehr. Bald auch Sie, glauben Sie mir.

Da geht auch kein Weg mehr daran vorbei: die Zinsansprüche der Supervermögen müssen irgendwie gewonnen werden – das geht nur, wenn man überall „unten“ was wegnimmt. 8 Milliardäre haben inzwischen mehr Geld wie die  3,6 Milliarden Ärmsten dieses Planeten: Sie sehen, das Problem ist global.

Bleiben wir in Deutschland. Versuchen ehrliche Steuerbeamte das Geld von Steuerlumpen einzutreiben, werden sie in die Psychiatrie geschickt – wie unter Stalin. Gut, das kostet uns jetzt viel Entschädigung, aber Sie haben es ja. Ja … das zahlen alles Sie (siehe Spiegel). Dafür wird keiner sanktioniert, noch kommt man auf die Idee, alle Arbeitslosen zu Steuerfahndern umzuschulen. Bei den Summen, die hinterzogen werden, könnten die sich leicht selbst finanzieren. Allerdings: schummeln ist systemrelevant. Hören Sie dazu mal einen ehrlichen Schüler (siehe Spiegel):

„In der Schule habe ich es verachtet, wenn Klassenkameraden gespickt haben und nicht durch eigene Leistung eine Arbeit absolvierten. Bis zum Abschluss meines Abiturs habe ich kein Mal geschummelt. Das Resultat war ein deutlich schlechteres Abi als das meiner Klassenkameraden. Es war meine Eigenleistung. Darauf konnte ich mir etwas einbilden, aber kaufen konnte ich mir davon nichts. Auch an die guten Universitäten in den beliebten Städten kam ich nicht. Ich musste mich mit dem zufriedengeben, was meiner Abiturnote entsprach, während meine Kumpels freie Wahl hatten.“

Jetzt schummelt der wie verrückt – und wird mal zu unserer Elite gehören. Wie auch die anderen, die vorher schummelten. Wer nicht schummelt, wird nichts.

„Deutschland geht es gut – und das ist ein Grund zur Freude“. Hat Angela Merkel mal gesagt (siehe z.B. Stern).

Die lebt scheinbar auch in einer anderen Realität- wie ihre Ministerien. In einer Realität, in der Geld in Unmengen da ist, Geld, dass man den Stromkonzernen schenkt, damit die nicht für ihre verstrahlten Altmeiler zahlen müssen. Die – dürfen wir jetzt selbst abbrechen und die Konzerntöchter werden noch reicher (siehe WDR).

„Deutschland geht es gut wie nie – und das ist ein Grund zur Freude“. Kriegen Sie jetzt das Gefühl, dass Sie irgendwie nicht mehr zu diesem „Deutschland“ gehören?

Keine Sorge – die Regierung ergreift Maßnahmen, die Realität ihren Vorstellungen anzupassen. Nein – nicht Ihren Vorstellungen. Die haben ganz andere, in denen Sie nicht vorkommen, wenn Sie obdachlos werden. In der Schweiz sperrte Wikipedia unlängst Regierungscomputer, weil von denen aus 5500 Wikipediaartikel geändert wurden (siehe Tagensanzeiger). In Deutschland hilft die Journalistenband von „Correktiv“ bei der Disziplinierung der Wahrheit bei Facebook (siehe Zeit). Warum ich die Bande nenne? Nun – die leben auch in einer anderen Realität: Correctiv meldete bei den US-Wahlen den Sieg von Clinton, während der Rest der Welt schon Trump gratulierte (siehe Meedia). Die Realität ist in guten Händen. Darf ich noch mal?

„Deutschland geht es gut wie nie – und das ist ein Grund zur Freude“. Hoffentlich glimpfe ich damit nicht wieder.

Oxfam hält die extreme Ungleichheit für Sprengstoff des sozialen Zusammenhaltes – haben die jetzt in Davos gesagt (siehe Oxfam). Wissen Sie, was das heißt? Der nächste LKW, der in eine Menschenmenge rast, wird möglicherweise von Deutschen gefahren. Jenen, die in einer anderen Realität leben. Die falschen Artikel lesen. Die mit den „Fakenews“, die jetzt gekennzeichnet werden. So wie den über Elli, den Sie oben gelesen haben – aus in der Regel gut informierten Kreisen ist zu vernehmen, dass ihre Todesursache unklar ist (siehe hinzundkunzt) … sagt ein Sprecher der Polizei. Aber toll, jetzt brauchen wir uns nicht mehr damit beschäftigen, denn:

„Deutschland geht es gut wie nie und das ist ein Grund zur Freude“.

Wissen Sie, was sozialer Sprengstoff ist? Nun – wir haben gerade einen entschärft. Sozialer Sprengstoff ist das Gefühl, nicht mehr dazu zu gehören, zu dem guten Deutschland der Freude. Das hat Folgen (siehe Spiegel):

„Die Opfer sind nicht nur sehr verzweifelt, hilflos und verspüren ein Gefühl von Ohnmacht. Sie entwickeln auch Rachegedanken und Hass. Wer Mobbing nicht selbst hat erfahren müssen, kann kaum nachvollziehen, was das mit einem Menschen macht. Das wird von außen, auch von den Lehrern, kleingeredet als harmlose Auseinandersetzungen zwischen Kindern. Es wird oft nicht erkannt, wie intensiv dieser Psychoterror tatsächlich ist.“

Mobbing? Kann ich Ihnen erklären. „Kleine Gemeinheiten, große Schikanen, gezielte Demütigungen“ (siehe Spiegel). Wie die erneute … und verschleierte … Senkung der Hartz IV-Sätze (siehe lokalkompass). Die Arbeitspflicht in Minijobs. Leiharbeit. Im Niedriglohnsektor. Daraus entwickeln sich … Rachegedanken und Hass. Ja: daher stammt jener Hass auf Facebook, gegen den man jetzt mit Staats- und Löschgewalt vorgehen will. Er gefährdet als solcher die Realität der Ministerien. Man fragt sich nicht, wo er herkommt … man ignoriert ihn einfach, bis seine Protagonisten schweigen … oder erfrieren. Aus der Physik wissen wir, was mit einem Gefäß geschieht, wenn es zu großem Druck ausgesetzt wird … man also die Hassventile der Gesellschaft schließt. Denke da an … Amokläufe. LKW´s.

Wissen Sie, was die Fürstin Gloria von Turn und Taxis dazu sagt? Superreiche Societydame, von adeligem Geblüt – ganz anders als Elli. Ob die auch Tagebuch führt, weiß ich nicht, aber sie gibt Interviews … und sieht eine neue Diktatur in Deutschland entstehen (siehe Epochtimes), eine Wohlstandsdiktatur, die unter anderem auch „Religion, Kunst, Liebe, Familie, freies Denken und Emotionen überflüssig“ werden lassen.

Emotionen? Ja … die sind „postfaktisch“ – und „postfaktisch“ ist in der Regierungsrealität das neue Böse. Wie Fakenews. Also: lesen Sie das schnell alles, bevor Correctiv das alles korrigiert. Erwarten Sie Überraschungen – wie die Nachricht, dass Donald Trump gar nicht der Präsident der USA ist, weil dies den Realitätsvorstellungen der Kanzlerin widerspricht. Die Nachricht, dass es in Deutschland keine Armut mehr gibt, niemand mehr denken möchte, Familie und Liebe sozialromantischer Schwachsinn sind, Religion Opium fürs Volk ist und Kunst grundsätzlich entartet. Es sei denn, sie wird von Experten ausgeführt, die handverlesen sind. So wie bei der Eröffnung der Elbphilharmonie. Da waren sie alle, unsere „Mächtigen“, die gerade in Davos die „neue Weltordnung“ der Globalisierung entwerfen, im festen Marschtritt mit China (siehe WEF).

Die Realität? Spielball der Mächtigen. Wie die Elbphilharmonie, die einst hauptsächlich durch private Spenden gebaut werden sollte, dann aber zum Kostenmoloch wurde. Für Sie. Aber Sie waren glaube ich zur Eröffnung nicht eingeladen. Elli auch nicht, die war da schon tot.

Wissen Sie, was das bedeutet – die neue Weltordnung der Reichen und Mächtigen? Noch mehr Reichtum für „oben“, noch mehr Elli für unten. Machen Sie sich mal flott Gedanken darüber, wie sie mit jenen Menschen konkurrieren wollen, die im Jahr das kriegen, was Sie im Monat verbraten. Einfach mal nachschauen, was in China so gezahlt wird. 2040 Euro … im Jahr. Weniger als die Hälfte von Hartz IV. Das ist der Standard der globalisierten Zukunft.

Wissen Sie, was die Fürstin dazu sagt:

„Diese Angst und Verunsicherung sei auch politisch gewollt. „Menschen, die Angst haben, sind leichter zu manipulieren – das scheint auch politisches Ziel zu sein“, so die Fürstin.

Ob die auch Fürstinnen löschen? Nun – diese Ansicht steht auch im Focus und der Welt.

Dürfen wir uns jetzt fragen, warum man uns manipulieren will?

Nein.

Denn die Regierung hat eine Wahrheit gesetzt, gegen die nur finsterste, hässliche und hasserfüllt stinkende Rechtsnazifratzen protestieren würden – und wer will freiwillig schon so ein Etikett? Und wie lautet die Wahrheit?

„Deutschland geht es gut wie nie … und das ist ein Grund zur Freude“.

Also freuen Sie sich. Ist eine Anordnung der herrschenden Klasse. Elli ist tot. Und vielleicht gar nicht erfroren.

Willkommen … in der Regierungsrealität.

 

 

 

Steve Geshwister – ein Nachruf. Für Millionen. Und Künstler in Deutschland

SteveGeshwister Hinschmeissfliege

SteveGeshwister Hinschmeissfliege

Montag, 6.6.2016. Eifel. Es gilt wieder, einen Nachruf zu verfassen. Ob jemand gestorben ist? Das weiß ich nicht. Kann es auch nicht ausschließen. In meinen Augen jedoch: ja. Bleiben wir doch mal beim Thema: Tod. Eins der Tabuthemen unserer Gesellschaft, eins, zu dem ich keine Lust mehr habe, etwas zu schreiben: zu dicht sind im Jahre 2016 die Informationen über „Nahtodeserlebnisse“, zu übereinstimmend und mit hochkarätigen Zeugen besetzt, als dass ich noch Laune hätte, mir dieses „danach kommt ganz sicher nichts“ noch länger anzuhören – es wäre so, als würde man mir verkaufen wollen, dass die Erde eine Scheibe ist. Natürlich ist dies ein politisches Tabu: wer die Überzeugung hat, dass seine Seele ewig währt (und Verantwortung für ihre Taten übernehmen muss – wenn auch nur vor sich selbst, aber nach Maßstäben, die man selbst nicht setzt), kann schnell dazu führen, dass man seinen Leib auch mal für „Widerstand“ einsetzt anstatt dem üblichen „friss Steaks und Hummer, solange du noch kannst“ zu folgen.

Diese Überzeugungen sind so alt wie die Menschheit selbst (so gut wie wir das heute eben nur sagen können) und oft missbraucht für totale Herrschaftsausübung (wie so viele andere Anschauungen auch: wie viele Verbrechen werden allein gerade im Namen der „Freiheit“ durchgeführt – wodurch jedoch die Freiheit als solche nicht schlecht wird und Zwang nicht gut), es ist nur eine winzige Minderheit im Kosmos des Menschseins, die der aktuell modernen Religion des Nichts folgt – die gleiche Minderheit behauptet auch, dass wir – auf einem sehr, sehr jungen Planeten weit ab vom lichtvollen Zentrum der Galaxis lebend – die einzige mit Intelligenz begabte Art des Universums seien, ohne zu realisieren, dass eine Art, die ihren eigenen Planeten vergiftet, genug Atombomben hat, um ihn 200 Mal zu verwüsten und den ganzen Tag damit beschäftigt ist, sich selbst das Leben schwer zu machen, auf der Skala galaktischer Intelligenz weit unter dem Komodowaran steht – und deshalb nicht mit intergalaktischem Botschafteraustausch rechnen darf.

Obwohl die Fortexistenz von „Bewusstsein“ (aber nicht im Sinne des kleinlichen „Ich“ verstanden, das sich so gut auf Börsenoperationen, Steuervermeidung, Sanktionen und andere Angriffskriege versteht) in nahezu allen Kulturen vorhanden war – auch in den allerältesten, die noch mehr dem Instinkt als der Verführung folgten – mochten alle den Tod nicht sehr. Einerseits ist der Prozess des „Sterbens“ nicht angenehm: Millionen von Zellen schütten Botenstoffe aus, die den Geist betrüben – ihr Ende ist gewiss und sie erfüllen ihr Programm, den Geist zu warnen, dass Gefahr droht. Ihnen fehlt das Bewusstsein der Sterblichkeit, sie machen ihren normalen Job bis zum Ende und senden häßliche Impulse, wenn das Überleben in Gefahr ist. Es gibt aber noch mehr, was die Altvorderen stört – obwohl sie in dem Bewusstsein lebten, ewig zu sein – und in dem Bewusstsein, dass dort die „Ewigen Jagdgründe“ auf einen warten – erstmal, als Kur, zur Erhohlung.

Was sie noch störte: die Abwesenheit eines geliebten Menschen, mit dem man nicht mehr interagieren kann – es sei denn, gewitzte Schamanen durchbrechen die Mauer zwischen den Welten, um ein paar Worte auszutauschen (wovor oft gewarnt wurde … wegen „Nebenwirkungen“) … was aber für das Erleben einfach nicht dassselbe ist. Es ist der kleine Tod – den ich selbst jedesmal empfand, wenn ich zu meinen Geschäftsreisen aufbrach und die Kinderschar im Rückspiegel kleiner werden sah: das Jahrtausende alte Recht eines Vaters, seine Kinder groß werden zu sehen, wurde mir genommen, für ein paar Tage waren wieder eiskalte Gesellen meine Gefährten, anstatt meine eigenen Kinder. Da war Trauer – auch wenn ich wusste, dass sie noch lebten … aber es fand kein Austausch mehr statt, kein Miteinander.

Das gleiche gilt für Steve Geshwister, der jetzt von uns gegangen ist. Er hat – sozusagen – die „Hinschmeißfliege“ (siehe oben) gemacht. Ob er tot ist? Nun – Steve hies nicht wirklich Steve, er hieß Jürgen (da verrate ich nichts Neues, nur ein bischen lesen und schon hat man seinen echten Namen). Und für einen solchen Jürgen, geboren 1966, fand ich eine aktuelle Todesanzeige. Der ist aber zu alt für Steve. Hoffe ich. Jürgen lebt also vielleicht noch – auch wenn er selbst genau weiß, dass „leben“ nicht die Bezeichnung ist, die man dieser Existenzform geben würde. Genau das machte ihn ja aus: den klaren Blick hinter den Lügenphrasen, einem Blick, den er in Bilder fassen konnte, Bildern wie diesem hier:

Sternbild der Hoffnung

Ja: immer noch aktuell. Die deutsche „Willkommenskultur“ läßt immer noch Menschen im Mittelmeer ertrinken – unter dem Zeichen der Flüchtlingsrettung. Gelebter Wahnsinn, unter dem ein gesunder Geist zerbrechen muss, weil großer Beifall für den Status Quo gefordert wird. „Wir helfen denen, die nicht ersaufen – und Geld genug für die Überfahrt hatten“. „Hungergames live“ – und niemanden störts – außer Steve.

Ja – Steve ist nun tot. Was Jürgen macht, weiß ich nicht. Vielleicht wieder in der Halbzeugfabrik arbeiten (siehe Nachrichtenspiegel). Er hat sich auf jeden Fall offiziell verabschiedet, wie immer in ganz feiner, liebevoller, vornehm zurückhaltender Sprache, die den feinen Geist auszeichnet, der sich selbst in aller Bescheidenheit nicht all zu sehr in den Vordergrund spielen möchte (siehe Nachrichtenspiegel):

„Oben schreibe ich von einem Auszug, doch das stimmt nicht ganz. Ich gehe einfach weg.
Eigentlich hatte ich geplant mein Konto bis zur Dispogrenze abzuräumen, bevor ich mich aus dem Staub mache. Da ist aber nichts mehr, weil mir der Kontostand immer egal war. Er ist mir egal und er wird mir egal sein. Probleme haben komischerweise immer die anderen damit. Der Vermieter zum Beispiel. Es ist die Sozialwohnungsbaugesellschaft der Stadt. Von mir aus könnte es auch irgendein Privatkapitalist sein. Es ist mir egal. Ich wende keine Lebenszeit mehr für das Verfassen einer ordentlichen Kündigung auf, es erscheint mir schlicht nicht sinnvoll. Ich verlasse einfach diesen Ort. Im Rucksack befinden sich eineinhalb Schachteln Kippen und zwölf Dosen Bier, mehr war finanziell nicht drin. Ich trage das gefälschte „England“-T-Shirt vom Vietnamesenmarkt, das vorgibt von Motörhead zu sein und dunkelbraune Cargo-Shorts, deren rechte Tasche ungewohnterweise keine Schlüssel ausbeulen, werde sie nicht brauchen. Der Sommer beginnt gerade, ich werde so schnell nicht erfrieren. Ich weiß nicht, wohin mich mein Weg führt, was mir widerfahren wird und trotzdem habe ich keine Angst. Alles was ich verlieren könnte, lasse ich zurück.
Ich überlege kurz, ob ich das Skizzenbuch und das Bündel Bleistifte, die ich bereitgelegt hatte, in den Rucksack packen soll, entscheide mich dagegen. Mir ist, wenn man es so ausdrücken möchte, die Sinnhaftigkeit bestimmter Arten menschlichen Tuns nicht mehr sehr geläufig. In einigen Augenblicken werde ich den Rechner herunterfahren, den Rucksack schultern, die knarzende Treppe heruntergehen und das Backsteinhaus, die Straße, das Viertel, die Stadt, verlassen.“

Ich selbst – hatte das viel zu spät gelesen. Bevor es darüber Gemecker gibt: ich lese ALLES. IMMER. Aber nicht alles immer sofort. Um eine Bekannte zu zitieren: „bei dem, was Du leisten musst, ist es ein Wunder, dass Du noch nicht in der Anstalt gelandet bist“. Ja: ich habe noch viele andere Baustellen als diese hier. Rechnungen, zum Beispiel. Kinder. Nachbarn. Krankheit, Ämter, Schulen. Bücher würde ich auch gerne weiterschreiben – das hat Spaß gemacht – aber ich kann nicht immer alles auf einmal machen. Und brauche viel mehr Ruhephasen als gesunde Menschen, habe trotz allem einen Textmengenausstoß, den man nur noch selten findet. Was soll ich auch machen – ich kann nichts anderes … mehr.  So kam es, dass in all´ dem Trubel (zu dem auch die Obdachlosigkeit eines mir sehr nahe stehenden Menschen gehörte) Steves Abschied erst Tage später bemerkt werden konnte … und wie er es so erzäht – brilliant geschildert wie immer – wirkt es ja auch sehr unterhaltsam, man ist geneigt, die Botschaft dahinter zu überhören … wie ernst dieser Abschied war, merkt man erst viel später, wenn man feststellt, dass alle Kommunikationskanäle gelöscht worden sind. Kein „linophil“ mehr, kein Facebook – und Mails kommen als „Error“ zurück.

Steve Geshwister ist … erloschen, samt vieler unvergleichlicher Kunstwerke.

Mich persönlich hat das sehr überrascht – trotz der mahnenden Worte, die schon lange in seinen Schriften zu finden sind. Eine seiner letzten Arbeiten war: ein Logo für den Menschenschutzbund. Ja – eine ganz alte Baustelle von mir, ein Verein, der endlich Menschenrechte mit Tierrechten gleichstellt, dem Tierschutzverein einen Menschenschutzverein an die Seite stellt. Ich weiß nicht, ob ich es verwenden darf, tue es aber einfach mal ganz frech und schiebe die Gründung des Menschenschutzbundes gedanklich wieder etwas höher auf meine „to do“-Liste – notwendig wäre er schon, sinnvoll auch – in Zeiten, wo Arbeitslose von reichen Bundestagsabgeordneten als „fauler Krüppel“ bezeichnet werden (siehe Theeuropean), wo offen über die Deportation von Arbeitslosen gesprochen wird (siehe gegenHartz), wo die „Alternative für Deutschland“ nach ersten Wahlerfolgen zeigt, dass sie gar keine Alternative ist – außer, dass sie asoziale Politik der neoliberalen Altparteien (hier – brutal viel länger arbeiten für brutal noch weniger Rente – siehe N24) mit neuem Personal durchführen möchte … um nur ein paar „Schmankerl“ zu nennen:

msbev_logo.jpg

Meine Antwort an Steve – der hier, wie so oft, sehr engagiert war – war leider nicht so schön: ich kann gerade nicht. Mir fehlt aktuell Zeit für alles. Ungern erinnere ich mich auch an meinen Vorschlag, seine Bilder mit meinen Texten zu versehen … steht auch auf der viel zu langen to do Liste, die ich jetzt wohl um ein paar Positionen streichen kann – wie die, zu überlegen, wie man den Verkauf seiner Bilder forcieren kann, denn: jetzt ist er – allen Pläne zum Trotz – völlig verschwunden. Tot – jedenfalls als Kommunikationspartner für Menschen. Vielleicht – ist er ja auch arbeiten. Ein paar Überlegungen dazu hatte er mal angestellt, hier in einem Kommentar (siehe Nachrichtenspiegel):

Bis noch vor wenigen Jahren konnte ich mit dem Begriff „innere Emigration“ nicht besonders viel anfangen. In der Auseinandersetzung mit Künstlerpersönlichkeiten, die jeweils in den Kriegsvorbereitungsjahren des ersten und zweiten Weltkriegs tätig waren, stieß ich auf diesen Ausdruck und konnte ihn für mich nicht so recht fassen. Mittlerweile weiß ich zumindest, wie sich das Bedürfnis nach eben jener inneren Emigration anfühlt.
Auch wenn von ihr besonders im Zusammenhang mit Künstlern gesprochen wird, ist sie möglicherweise ein Abwehrmechanismus größerer Bevölkerungsteile und wieder hochaktuell. Ich denke ernsthaft daran, mich auf mich selbst und meine kleine Miniwelt zurückziehen, acht bis zehn Stunden täglich zur besten Lebenszeit einem Markt anzubiedern, dessen Produkte mich einen Scheiß interessieren (und den ich sogar insgeheim verachte) und der Dinge harre, die da noch kommen mögen.
Ich fühle mich schlicht überfordert. Die Lüge hat das Ruder übernommen, machen wir uns nicht vor. Warum sollte ich dann nicht auch mitlügen? Ich hätte kein Problem damit, die einfältigen Arschgeigen anzulügen, die mithilfe der verlogenen Werbegrafik, die ich ihnen verkaufe, hoffen, auf noch dickere Hose machen zu können. Aber noch schaffe ich es nicht, mich selbst anzulügen. Große Teile der Medien- und Politiklandschaft schaffen das aber schon ganz hervorragend.

„Sich nicht selbst anzulügen“ – ist eine wichtige Voraussetzung dafür, in den „ewigen Jagdgründen“ keine großen Probleme mit sich selbst zu bekommen – ein Wissen, dass uralt ist … und als Gebot unserer ältesten Instinkte (die kann man auch „Gewissen“ nennen) jederzeit abrufbar. Untolerierbar für eine kapitalistische Leistungsgesellschaft, in der der Mensch diese innere Stimme zuerst töten muss, um eine Zeit lang erfolgreich das Geld andere Leute vermehren zu dürfen (was ziemlich idiotisch wirkt, wenn man es so formuliert).

Viele werden sich dies genau einreden: der Jürgen ist vernünftig geworden, er hat den Steve vom Markt genommen und macht wieder den Job des freien Werbezeichners, der sich gut anhört und die Seele auffrisst, so, wie wir unser aller Seele auffressen lassen im Dienste der Rendite unserer neuen Herren.

Ich sehe das nicht ganz so – denn ich sehe seine Entschlossenheit, sich nicht auffressen zu lassen, schon länger, kann sie gut nachempfinden, denn bevor mich der Segen der Krankheit ereilte (ja – ist das nicht eine kranke Welt, in der man für chronische Schmerzen dankbar sein muss, weil sie die Seele davor schützen, von „Bullshitjobs“ zerfressen zu werden, die ein sechsstelliges Jahresgehalt mit sich bringen – und den Tod der Seele vor Eintritt des Rentenalters garantieren), fühlte ich genauso. Lesen Sie es mal bitte in aller Ruhe durch: zum Beispiel den „Autostrich“ (siehe Nachrichtenspiegel), das Smaland-Syndrom (siehe Nachrichtenspiegel), das Gedicht über den Gaukler (siehe Nachrichtenspiegel) – hier findet man einen großen Geist, der sich nicht nur durch Bilder auszudrücken vermag, sondern auch die Kunst der Worte beherrscht, was man besonders in seinem Gedicht über „heilige Abende“ erfahren kann (siehe Nachrichtenspiegel), ein Gedicht, das von Christoph Holzhöfer vertont wurde.

Was ist – wenn „Steve“ nun wirklich mit zwölf Dosen Bier und anderthalb Schachteln Kippen in die weite Welt hinausgezogen ist? Er hat es so schön erzählt, so fein gesponnen, dass man die grausame Wahrheit dahinter einfach überhört: er ist obdachlos. Manche mögen das mutig finden – für mich hört sich das gefährlich an. Da draußen gibt es „Kälte“, der man nicht entkommen kann. Eine Weile vielleicht – dann droht – wenn man Glück hat – das Obdachlosenasyl. Was ist mit seiner Frau, seinem Traum von Familie? Schwer, so etwas unter der nächsten Brücke der A 8 zu leben. Wie weit kommt man eigentlich mit zwölf Dosen Bier? Einen Tag, denke ich. Vielleicht zwei. Dann sind auch die Kippen alle. Und dann … kommt auch langsam der Hunger. Schnell kann sich dann jede Abenteuerromantik in Luft auflösen.

Und doch kann es den Preis Wert sein.

Was fehlt noch an dem Nachruf? Die Wertschätzung seiner Arbeit. Ich mochte sie – so einfach ist das. Die Farben haben mich immer begeistert. Mehr braucht es nicht, um ein Künstler zu sein – Menschen, denen die Kunst gefällt. Einer reicht völlig – er hatte aber tausende. Das „Kritiker“ in erster Linie ein Abwehrreflex des Establishment sind, deren Aufgabe darin besteht, „Fremde“ von den für sie reservierten Schweinefleischtöpfen der Gesellschaft fern zu halten, dürfte Künstlern aller Fachrichtungen bekannt sein. Neu war für mich, dass „Künstler“ aktuell auf „Arbeitgeber“ abstoßend wirkt – das erfuhr ich von einem Berufsbegleiter des Arbeitsamtes, der meinen Kindern bei Bewerbungen hilft und dringend davon abriet, die aktuellen Tätigkeiten des Vaters in der Bewerbung zu erwähnen. „Lehrer“ – wurde da als besser kategorisiert, signalisiert auch einen festen Arbeitsvertrag – den ich gar nicht habe. Hätte nicht gedacht, dass ich als harmloser Blogger schon in die böse Kategorie falle.

An was erinnern wir uns als „Menschheit“ eigentlich wirklich, wenn wir an frühere Zeiten denken? Nun: Kriege. Das wird uns aber nur in der Schule beigebracht. Was überdauert aber ohne Hilfe der Staatsbeamten und Konzernbüttel?

Kunst.

Bildhauerei, Architektur, Gemälde, Lieder, Geschichten, Zeichnungen: noch heute lesen Menschen die Weisheiten der germanischen „Edda“ – während man die preisgekrönten Künstler des letzten Jahres schon nicht mehr kennt – es sei denn, ein Geldmächtiger hält ihre Botschaft auch dieses Jahr für nützlich.

Hier zermalmt der moderne Kapitalfaschismus die edelste Leistungskategorie der Menschheit, treibt sie unter die Brücke.

So wie Millionen andere auch – die einfach nur Lebenskünstler sind – oder sein müssen.

Wieso sich tausende seine Bilder angeschaut haben, aber zu wenig welche kauften, dass er in seiner bescheidenen Sozialwohnung hätte weiter existieren können, weiß ich nicht. Ich kann nur für mich sprechen – Investitionen in Kunst sind gerade in meinem Budget nicht abbildbar, hier nagen Essen, Kleidung und Strom an der Substanz … wie bei Millionen anderer auch.

Und wenn wir uns fragen, warum unsere gewaltigen Geschichtenerzähler aus Hollywood größtenteils auf uralte Geschichten zurückgreifen und schon ihre eigenen Filme von vorgestern wieder neu drehen, so haben wir hier eine Antwort: unser Goethe, unser Shakespeare, unser Beethoven, unser van Gogh, unser Schopenhauer und unser Dali – lebt von Hartz IV oder … wie Steve … auf der Straße. Dort kann man nur schwer Werke leisten, die von Dauer sind, der „soziale Tod“ ist nicht förderlich für die Kreativität.

Das gleiche gilt auch … für „Brotjobs“, die gerade jenen Geist fressen, zu dessen Entfaltung wir auf die Welt gekommen sind.

PS: eine aktuelle Übersetzung des Wortes „Grippel“ kann auch ich nicht liefern, habe mich deshalb – wie andere auch – für das naheligende lautähnliche Wort „Krüppel“ entschieden, weil es der Intention der Rede entspricht. Nur, falls es dazu Fragen gibt.

Frau Merkel? Post vom Souverän!

Digital StillCamera

Donnerstag, 14.1.2015, Eifel.

Liebe Frau Merkel, entschuldigen Sie die Störung, aber ich wollte mich angesichts der Zuspitzung der Lage im Land einfach mal bei Ihnen melden. Ich denke, es ist mal wieder Zeit. Wer ich bin? Ach – das wissen Sie gar nicht? Also: ich bin der Souverän dieses Landes. Das Staatsvolk. Also – der Boss. Nein, Frau Merkel – dass sind nicht Sie, dass bin ICH. Sie sind eine Verwaltungsangestellte mit Führungsrang, Sie vertreten mich, weil ich aus 80 Millionen Individuen bestehe, die schlecht alle immer zu allem ihre Meinung sagen können. Ja, ich weiß: dank Internet ändert sich das. Nicht mehr lange, und wir bekommen eine flüssige Form der Demokratie, die ihren Job den den ihrer Minister überflüssig macht, dann kann und darf das Volk wieder selbst über sich bestimmen.

Warum ich mich mal wieder melde? Nun, Frau Merkel: ich war beschäftigt. Es gab wichtige Dinge zu tun: Nahrung musste angebaut werden, Häuser errichtet, Trinkwasserversorgung eingerichtet, wir brauchten Stoffe für Kleidung und Holz für Möbel, Heizung musste organisiert werden, es wurden Kinder gezeugt und erzogen, der Sinn des Lebens gesucht, die Frage nach letzten Wahrheiten erforscht und sich mit der Sterblichkeit auseinandergesetzt: so etwas kostet Zeit, und damit wir dafür Zeit haben, haben wir Sie ja angestellt. Sonst – Frau Merkel, dass können Sie mir glauben – bräuchten wir Sie nicht. Sie sind nur ein Auswuchs der arbeitsteiligen Gesellschaft, beliebig austauschbar, jederzeit ersetzbar und nur für den reibungslosen Ablauf der Alltagsgeschäfte zuständig, damit wir Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens haben: Zukunftsgestaltung, um nur ein Beispiel zu nennen. Nein, dass meine ich jetzt nicht so drastisch wie es sich vielleicht anhört – ich wollte nur mit Nachdruck bestätigen, dass SIE nicht der CHEF sind – jedenfalls nicht MEINER.

Ich melde mich ja nur selten zu Wort, deshalb kann ich es Ihnen verzeihen, dass Sie mich vergessen haben. Nun ja – Sie haben ja auch eine andere Sozialisation als ich: bei Ihnen hat die Partei bestimmt, wer Volk war und wer nicht. Deshalb sind ja gerade die Leute in Ihrer alten Heimat so nervös: sie haben Angst, dass die Regierung sich jetzt einfach ein neues Volk ins Land holt, weil das alte falsch wählt und denkt. Vielleicht sogar aus Rache für den Mindestlohn, der vielen Ihrer Parteikollegen den Gewinn schmälert: holen wir uns einfach mal Leute aus der Welt, die glücklich für 1 Euro arbeiten und schmeißen die ganzen deutschen Nörgler einfach ´raus. Schaue ich mir die Entwicklung in der deutschen Wirtschaft (denke da gerade an so was wie VW und Deutsche Bank, um nur zwei zu nennen) an, dann muss ich sagen: kriminelle Energie ist inzwischen genug bei denen vorhanden, da kann man nicht mit Sicherheit sagen, ob die überhaupt noch eine Grenze akzeptieren. Na ja, das wird die Zukunft zeigen.

Zuerst muss ich sagen: ich gehöre nicht zu denen, die jetzt große „Merkel muss weg“ skandieren. Bin ja nicht blöd, sondern der Boss. Wie gesagt: Sie sind beliebig austauschbar, deshalb ist es völlige Energieverschwendung, sich jetzt auf Sie als Person zu konzentrieren. Sie sind ja keine Königin, sondern nur eine kleine Angestellte in einer großen, immer unüberschaubarer werdenden Welt – einer Welt, die sich in nächster Zeit gravierend ändern wird. Doch doch, fragen Sie mal ihre Philosophen – ja, ein paar davon haben den Umbau der philosophischen Fakultät zur Dienstmagd der Betriebswirtschaft überlebt. Sie kriegen dort eine passende Antwort – dafür sind die Leute doch da, dafür haben wir sie ausgebildet (siehe Spiegel):

„Wir sind am Ende der zentralen Lebenslüge einer ganzen Generation von Europäern angelangt. Ich bin jetzt 43 Jahre alt. Wie viele andere habe ich mir vorgemacht, das konkrete Leid, das in den Ländern des Nahen Ostens, Asiens und Afrikas den Alltag von Milliarden Menschen prägt, ließe sich für die kommenden Jahrzehnte lebensweltlich auf Distanz halten. Wir hegten die Illusion eines Kerneuropas als mauerloser Paradiesgarten in einer Welt des Elends. Damit ist es vorbei.“

Sehen Sie Frau Merkel: der ist noch lieb mit Ihnen, hat noch nicht darauf hingewiesen, dass wir (und damit vor allem: SIE und IHR AMT) für das konkrete Leid in den Ländern ursächlich mitverantwortlich sind: seit Jahrhunderten schon. Wir stehlen ihre Rohstoffe, wir beuten ihre Kinder und Frauen aus, wir versauen ihre schönsten Strände mit unseren Clubmauern, wie schicken ihnen unseren ganzen Müll, geben ihren Diktatoren dicke Kredite, damit die sich deutsche Luxusautos kaufen können – oder goldene Wasserhähne – und lassen dann die Völker für die Abzahlung knechten. Ja – unverschämt überfallen wir Jahr für Jahr ihre Länder und halten Ihnen unseren überbordenden Wohlstand vor die Nase, den wir nur dank ihrer Sklavenarbeit haben: unser Fleiß wäre nichts wert ohne Abnehmer in aller Welt.

Nein – ich will jetzt keine Moralpredigt halten, zudem schaue ich in die Zukunft: was vorbei ist, ist vorbei – darum melde ich mich ja jetzt mal persönlich. Ich weiß: Bürger, die sich Sorgen machen, sieht man nicht gerne in diesem Land. Hier herrscht die Parole: „Deutschland geht es gut“ – und wer sich Sorgen macht, ist ein Staatsfeind des mauerlosen Paradiesgartens. Ja, diese Philosophen immer: ständig schauen sie über den Tellerrand, doch bleiben in ihrem Elfenbeinturm der staatlichen Subventionierung, den man sicherlich als Paradiesgarten bezeichnen kann. Außerhalb sieht der Garten nicht so schön aus (siehe junge Welt):

„Jugendliche ohne Obdach, ohne Ausbildung, ohne Hilfe, die in Parks und an Großstadtbahnhöfen betteln: Dass mindestens 50.000 unter 27jährige, darunter etwa 21.000 Minderjährige, in Deutschland davon betroffen sind, schätzte im Juni das Deutsche Jugendinstitut in einer Studie.“

Ja, das ist eine linke Zeitung. Aber: eben deshalb dürfen die ja solche Geschichten veröffentlichen. Auch die des Julian K., der vom Jobcenter verurteilt wurde, bei seiner Mutter wohnen zu bleiben, um mit seinem Lehrlingslohn die Reduzierung staatlicher Leistungen für Mutter und Tochter möglich zu machen. Ja – das gibt es in Deutschland. Können Sie aber auch in der Millionärspresse lesen (siehe Spiegel):

„Innerhalb nur eines Jahres ist die Armut insgesamt von 15 auf 15,5 Prozent gestiegen, heißt es in dem Bericht, der sich auf das Jahr 2013 bezieht. Insgesamt gelten 12,5 Millionen Menschen in Deutschland als arm – und das Land zerfällt in wohlhabende und mittellose Regionen.“

Ja, Frau Merkel: so geht es dem Souverän. Deshalb wendet er sich von der Politik ab – die ohne ihn nur noch eine Hülle ohne Sinn und Verstand ist, in der man aber immer noch supergut viel Geld abgreifen kann. Schauen Sie sich die Zahlen mal an: die Wahlbeteiligung sinkt, die Parteien leiden unter massiven Mitgliederschwund und massiver Überalterung (siehe Spiegel) … kurzum: die Parteiendemokratie stirbt gerade aus. Auch hier: das Ende einer Lebenslüge.

Mit dieser Parteiendemokratie sterben auch ihre Netzwerke: d.h., viele Journalisten, die ihre Luxuseinkünfte wegen „guter Kontakte“ haben, stehen vor dem Nichts – und kriegen Panik. Nun – Panik haben die sowieso, weil die Jobs immer knapper werden – auch beim „Spiegel“. Vielleicht dreschen die deshalb wie die Irren auf den Souverän ein, der ihnen irgendwie minderwertig vorkommt – wie alles, was die Preise im Cafe Einstein nicht bezahlen kann. Ja, wir sprechen derzeit so oft von dem bösen Rassismus, der … lange Zeit als sehr schick galt. Nun, das war noch vor Ihrer Zeit, aber ich möchte kurz daran erinnern: aus Bürgern wurden „Parasiten“ und „Schmarotzer“, die „Druck“ brauchten, weil es kein „Recht auf Faulheit“ gab – aber einen Zwang zur abhängigen Lohnarbeit zu jedem Preis. Für „die da unten“ ist das gut genug.

Auch in Ihrer Amtszeit setzte sich dieser Rassismus der Reichen und im Reichtum als schreibendes Dienstpersonal etablierten Mobs fort: die „bildungsfernen Schichten“ wurden erfunden und mit Adjektiven unterlegt: schmutzig, dreckig, verschwitzt, ständig rauchend und saufend, in Lumpen gekleidet (wenn überhaupt), reich an dicken doofen Kindern, völlig hingerissen von niedersten TV-Formaten (die allerdings selbst nicht von bildungsfernen Schichten produziert wurden – seltsamerweise), dementgegen stand das „wir“, der Herrenmensch mit Staatsexamen und staatlicher Festanstellung, der angepasste dienstbare Streber im System, der – dank Finanzkraft – sehr zur Förderung von Drogenhandel und Zwangsprostitution im Lande beitrug.

Ja, Frau Merkel, Sie vermuten richtig: ich vertrete die Meinung, dass der Fisch immer vom Kopf her stinkt – und das unsere gesellschaftliche Elite (genauer gesagt: die Lumpenelite der skrupellosen Absahner) den Rassismus in Deutschland erst eingeführt hat. Wenn Sie noch mehr Belege dazu wollen: nur zu, Material für viele Bücher ist vorhanden. Es ist sehr wichtig, dass Sie verstehen, auf welcher Grundlage die neuen Entwicklungen in Deutschland beruhen – und warum bei so vielen Menschen der Flüchtlingshype als purer Rassismus ´rüberkommt. Ja: die Menschen, die bislang unverblümt als „Minderleister“ in den Untermenschensektor verbannt wurden, weil ja kein Geld da war, schauen sehr verblüfft drein, dass es nun eine große Zahl von Fremden gibt, die mit offenen Armen aufgenommen werden. Sie dürfen sich über ihre Beobachtungen aber noch nicht mal beschweren, weil Sie sonst einfach nur „Nazis“ sind – und Nazis gehören erschossen, hingerichtet, lebenslänglich eingesperrt; sie sind das moderne Pseudonym für den Teufel höchstpersönlich und ersetzen in der Moderne den Begriff „Hexe“ oder „Jude“. Ja, Frau Merkel: das geschieht, wenn eine Kaste zur Sekte wird. Darf ich nochmal den Philosophen zitieren? Der erklärt uns, was eine Sekte ist (siehe Zeit):

„Und zwar mit allen klassischen Attributen: Artikulationsverbote, totale Gemeinschaftssuggestion, unbedingter Erlöserglaube“

Totale Gemeinschaftssuggestion? „Wir schaffen das“. Artikulationsverbote? Wagen Sie es mal, öffentlich Kritik an der Flüchtlingspolitik zu äußern, ihre Hinrichtung wird sofort gefordert („NAZI!!!“). Unbedinger Erlöserglaube? Das ist doch die Grundlage der Flüchtlingslegende: die werden unsere Wirtschaft erlösen, unsere Gesellschaft von Grund auf verändern, uns von unserer eigenen erbärmlichen Mittelmäßigkeit erlösen … Annahmen, die oft formuliert wurden, für die es aber rational gar keine belastbaren Argumente gibt, wie unsere „Experten“ gerade mal wieder zugegeben haben (siehe Spiegel).

Ich möchte Ihnen aber hier gar keine weiteren Vorwürfe machen, sondern mal ein paar Empfehlungen mit auf den Weg geben, die Sie aber durchaus auch als Befehle verstehen dürfen. Kommen wir erstmal zum Kern der Frage: die aktuelle Flüchtlingsdebatte.

Es ist menschlich, human und lobenswert, in einem reichen Land jene aufzunehmen, die von Tod und Folter bedroht werden. Es ist auch menschlich, human und lobenswert, Reichtum vollkommen zum Zwecke der Elendsbekämpfung einzusetzen, dass will ich gar nicht kritisieren. Die Kosten dafür – sollten aber die tragen, die viel zu viel haben, und nicht die, die nicht wissen, wie sie ihre ständig steigenden Rechnungen bezahlen sollen – Rechnungen, die von Reichen geschrieben werden, Rechnungen, deren Beträge im Sinne von Wachstum ja täglich größer werden sollen. Ebenfalls müssen jene zur Begleichung der Kosten herangezogen werden, die für die Ursachen der Völkerwanderung verantwortlich sind: das wird für Sie besonders ungemütlich werden, weil das Ihre großen Freunde im Westen sind.

Dann, Frau Merkel, brauchen Sie aber vor allem einen Plan! Der kann nicht allein darin bestehen, dass Sie die Grenzen weit offen machen, ohne zu wissen, wer da reinkommt. Nein: ich will jetzt nicht das Bild des bösen Moslem an die Wand malen – das  hat die Millionärspresse die letzten Jahre schon genug gemacht – sondern Ihnen klar machen, dass das nicht IHR Land ist, über das Sie gerade bestimmen, sondern MEIN Land. Wenn Sie also aus einem der dicht bevölkertsten Länder der Welt mit einem großen Armutsproblem ein Zuwanderungsland machen wollen, dann müssen Sie zuerst den Souverän fragen. Ist eine ganz einfach Volksabstimmung: soll Deutschland Zuwanderungsland werden: ja/nein. Und ich möchte hier Wert auf eine Zweidrittelmehrheit legen, weil es den Charakter des Landes grundlegend verändern wird. Ob das gut ist, sollten die Bürger selbst entscheiden.

Sie werden sehen: es kann eine große Chance in dieser Herausforderung liegen. Eine Chance, nach all den mittelmäßigen Murkselkanzlern zur Jahrhundertkanzlerin zu werden, die gesehen hat, dass Nationalismus nicht die Lösung sein kann – auch nicht der Nationalismus des „Wir schaffen das“. Es ist die Chance, Lösungen zu erarbeiten, die globalen Charakter haben – und nicht versuchen, das Problem der laufenden Völkerwanderungen national zu lösen – weil am deutschen Wesen wieder mal die Welt genesen soll.

Und ich glaube fest: Sie schaffen das!

 

 

Und immer wieder hetzt die Bild-Zeitung

Das ist eine ganz perfide Politik, die da betrieben wird. Selbstverständlich gibt es Hartz-IV-Empfänger, die sich diesem Arbeitsmarkt entziehen. Die Frage ist nur – wie viel? Und rechtfertigt das ein Rundumschlag, diesen Menschen, 52 Grundsatzartikel vorzuenthalten – und sie gar mit Hunger, Obdachlosigkeit und Kälte zu bedrohen?
1970 zum Beispiel hatten wir knapp 350.000 Arbeitslose – waren das etwa alle Drückeberger. Heute sind wir – offiziell gerechnet bei 4,5 Millionen. Unterstellt man, dass die Arbeitslosenquote aus dem Jahr 1970 nur aus Totalverweigerer besteht, so kann sich die Zahl heute kaum erhöht haben – es sei denn, es hat sich ein von der „Bundesagentur für Arbeit“ gezüchtetes Arbeitsverweigerungsvirus epidemieartig ausgebreitet – um damit ihre Daseinsberechtigung auszubauen.
Mit 350.000 Totalverweigerer kann eine Gesellschaft sehr gut leben, mit einem Staat hingegen der mittels der Sanktionspeitsche Bürgerrechte aushebelt, eine Armutsindustrie sowie Unternehmen im 2-stelligen Milliardenbereich subventioniert – eben nicht. Da möchte ich noch nicht einmal auf das mörderische Treiben der BIS, Zentralbank, Weltbank, IWF, multinationale Konzerne usw. hinweisen. Solche Schlagzeilen gehören unter einen Straftatbestand gestellt – denn hier werden aus Opfer Täter gemacht, die geschützt gehören – und nicht auf eine widerwärtige Art und Weise durch den Dreck gezogen.

BILD hetzt erneut gegen Hartz IV EmpfängerAufruf zum Boykott Otto-Brenner-Stiftung und Günther Wallraff zeigen die perfiden Bild-Methoden auf!

Eine Weihnachtsgeschichte: wie ich der Bote Gottes wurde …

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Sonntag, 28.12.2014. Eifel. Es geschah zur Weihnacht 2014, dass der Herr Philosoph sonderbare und denkwürdige Begegnungen hatte, die ihrerseits wieder sehr zum Nachdenken anregten. Damit meine ich nicht das Telefonat mit Krimreisenden, die Bedenkliches von der Halbinsel berichten – angeblich hat man wieder Angst, seine Meinung offen zu sagen. Aber was solls? In Deutschland haben auch immer mehr Menschen Angst, ihre Meinung zu sagen … jedenfalls: öffentlich. Die „politische Polizei“ geht um – so las ich gerade – und befragt den deutschen Blogger, warum er eigentlich eine solche seltsame Meinung hat (siehe Duckhome). Vielmehr – waren es Beobachtungen im Alltag , direkt vor Ort, nicht geschützt durch die Distanz eines Bildschirms.

Aber: immer der Reihe nach.

Wir jedes Jahr nach Heiligabend fuhr der Herr Philosoph mit seinen Kindern vererinbarungsgemäß zur mütterlichen Wohnung, wo weiter gefeiert werden sollte. Dieses Jahr jedoch sah ich, dass es wieder eine Gelegenheit gab, recht stimmungsvolle Aufnahmen zu machen, im Sturm treibende Wolken, der Stimmung der Rauhnächte sehr angemessen. Also eilte ich los auf die Höhen, um noch schnell das letzte Licht des Tages für ein paar Aufnahmen zu nutzen.

Dann noch kurz hinab ins Tal, wo es sich zeigte, dass ich zu langsam war – oder meine Kamera zu billig. Was für das menschliche Auge noch hell wirkte, war für sie zu dunkel. Viel zu dunkel. Nun – wo sich die Gelegenheit bot, verweilte ich noch kurz am Fluss bei einem meiner Lieblingsbäume, einer großen, kräftig gewachsenen Buche, die sicherlich noch Napoleon persönlich kennen gelernt hatte – wenn nicht sogar noch Zeitgenossen Luthers.

Der Fluss schäumte kräftig, als ich eine Joggerin hinter mir bemerkte. Joggen – war das nicht verboten am ersten Weihnachtsfeiertag? Das der Unfug generell verboten werden sollte, weil er die Gelenke ruiniert und generell krank macht (siehe z.B. Mens Health), wollte ich hier gar nicht zur Debatte stellen – ist ja Weihnachten, wer will da schon wissen, dass Sport jeder Art das Leben verkürzt?

Wie – das glauben Sie nicht? Sie brauchen das auch nicht glauben, wir sind hier in der Realität, nicht in der Kirche. Ich erkläre es Ihnen aber gerne mal kurz, wie es mir Ärzte aus der Uniklinik Eppendorf erklärt haben: Ihr Herz hat einen elektronischen Impulsgeber, eine Ansammlung spezialisierter Zellen. Die brauchen wir zur Initialzündung des Herzschlages. Wunderbar, oder? Wir sind im Prinzip eine laufende Batterie … mit begrenzter Ladung. In der Tat ist bei jedem Menschen die Anzahl der Herzschläge von Geburt an vorprogrammiert – und je mehr sie durch Sport davon abrufen, umso schneller ist die Batterie leer.

Ja – die Menschen denken, sie können so dem Tod davonlaufen, dabei rennen sie direkt auf ihn zu – wie der Erfinder der Kunst des Joggens James Fixx, der mit seiner „lebensverlängernden“ Sportart gerade mal 52 Jahre alt wurde. Wenn die Menschen dann „einfach so“ „am Herzen“ sterben, nennt man das „plötzlicher Herztod“ – oder auch „Sudden Death“. Man liest nicht viel darüber: Herzschrittmacher für jedermann würden die Krankenkassen überfordern.

Nun – das hätte ich der Joggerin sagen sollen, doch der Mensch ist seines eigenen Schicksals Herr, also hielt ich respektvoll Abstand – auch, weil ich gelernt habe, dass Frauen Männer in freier Wildbahn als tödliche Gefahr begreifen. Gilt zwar nicht für die Eifel – aber wer sagt denn, dass die Dame nicht aus Köln oder Düsseldorf stammte?

Ich genoß noch eine Weile die Dämmerung, dann machte ich mich auf den Weg.

Zu meiner Überraschung stand sie noch am Parkplatz … und redete mit einem kleinen Wetterhäuschen, dass zum Unterschlupf für Wanderer gebaut worden war – war haben einige davon in der Eifel, weil es hier schon recht oft regnet. 177 Regentage haben wir im Jahr – den Rest schneit´s, sage ich immer, und da ist es schon mal ein Segen, wenn man sich kurz in einer solchen Hütte vor den herabströmenden Fluten verbergen kann.

Das Menschen sich sonderbar verhalten, ist mir bekannt. Von mir aus können Sie gerne mit Häuschen reden, mit Göttern und Geistern, mit Bäumen, Gräsern und Tieren: mir ist´s egal, dies ist ein freies Land – und allemal besser, sie beschäftigen sich so, als dass sie neue Rentenreformen ersinnen, die die Leute noch ärmer machen, neue Anlagekonstrukte basteln, die im Entwurf schon Betrug sind oder sich mit Lust an der Verbreitung von Hass, Streit, Abscheu, Verachtung und Zorn beteiligen – wie es weite Teile der unfriedlichen Bevölkerung pflegen.

Ich ging also zu meinen Auto, löschte die Aufnahmen, die wirklich nichts geworden waren, bemerkte, wie die Joggerin mit ihrem Wagen den Parkplatz verließ und wollte mich um meinen weiteren Abend kümmern, als mir ein Gedanke kam: im Sommer hatte ich gelegentlich einen Obdachlosen in der Hütte bemerkt, einen sehr menschenscheuen Gesellen, der dort gelegentlich ruhte. War das vielleicht der Grund, weshalb die Dame mit der Hütte redete? Gab es einen Bewohner?

Nun – als normaler Bürger des neudeutschen Gemeinwesens war ich gewohnt, dass man sich darum nicht kümmert. Ja – so halten wie es ja heute in Deutschland. Außerdem hatte ich gelernt, dass wir in Deutschland keine Obdachlosen haben. Ja, das wundert Sie, aber eine breite Allianz von Wohlstandsblasen arbeitet gezielt an der Leugnung des Problems, wie ein Autor der Zeit am eigenen Leib erfahren durfte, als er sich mal unbedacht über Unbedachte in Deutschland äußerte:

„Schnell wurde ich eines Besseren belehrt: Wer in Deutschland nachts auf der Straße schlafe, schrieben meine Freunde bei Facebook , tue das, weil er es tun will, nicht weil er es tun müsse. Diese Menschen seien dann auch nicht „obdachlos“, sondern „nichtsesshaft“. Schließlich fange das deutsche Sozialsystem jeden auf. In Amerika sei das anders: Dort schläft keiner freiwillig, quasi als Statement, auf der Straße, sondern, weil er dazu gezwungen wird“

Ja – in Deutschland gibt es keine Obdachlosen – so der Konsens der Mehrheit. Wer dem widerspricht, bekommt einen Schuss vor den Bug: einen „Mini-shit-Storm“ als Warnung. Behauptet man weiter solche Absonderlichkeiten, wird man als rechtsradikaler Verschwörungstheoretiker abgestempelt und darf seine Geburtstage in Zukunft wie auch Karneval und Sylvester allein verbringen.

Natürlich ist es eine Lüge, dass wir keine Obdachlosen haben: wir haben hunderttausende davon, Tendenz steigend (siehe T-Online, erwartet wird eine Zunahme um 100 000 bis 2016), aber es ist ein Tabu der Spaßgesellschaft, diese wahr zu nehmen – man müßte ja selbst was tun, wenn es solchen Misstand gäbe.

Da saß ich nun in meinem Auto, hinter mir die dunkle Hütte. Es war dunkel und kalt da draußen. Vielleicht … saß da ja niemand drin? Und überhaupt: ging´ es mir selber nicht auch schlecht? Zudem hatte ich ja Kinder? Und überhaupt: was sollte ich mit einem Obdachlosen mitten im Wald machen? Vielleicht will er das ja auch?

Wer kennt das nicht, diese seltsamen inneren Stimmen, die dem Ruf des Herzens widersprechen, Hilfe anzubieten, wo Hilfe nötig ist?

Manchmal ist auch keine gewünscht, man wird aufdringlich, nur um sich selbst ganz toll vorzukommen. Immerhin lebte im Aachener Stadtwald jahrelang ein Professor als „Wilder“, weil er nichts mehr mit der Zivilisation zu tun haben wollte? Und überhaupt: welches Recht habe ich, mich in das Leben anderer Menschen einzumischen?

Ja – es wäre so einfach gewesen, mit dem Wagen den Parkplatz zu verlassen und den Vorfall zu vergessen … aber auch noch am ersten Weihnachtsfeiertag?

Was las ich erst am Tag zuvor von Anselm Grün über Heilig Abend?

„Unser Leben hat sich für immer verwandelt. Gottes Licht leuchtet in der Finsternis. Gott ist als Kind geboren, um unsere versteinerten Herzen aufzubrechen – für die Freude und für die Liebe“ (aus: 365 Tagesimpulse, Herder 2012, Seite 156)

Und  – ja: versteinerte Herzen gibt es schon genug um uns herum. Also … machte ich mich auf zu dieser Hütte, wohl wissend, dass es in Deutschland keine Obdachlosen gibt, gegen die man Wasserwerfer, Stinkbomben, Metallspitzen oder Steine einsetzt und sogar speziell Bänke so konstruiert, dass niemand sich lange auf ihnen aufhalten kann (siehe Spiegel). Wir haben sie nicht nur erfolgreich aus unserem Denken verbannt – wenn sie das überlebt haben, haben wir noch ganz andere Möglichkeiten, sie aus dem Leben zu verbannen.

Innen drin … saß ein älterer Herr. Offensichtlich schon länger – die Hütte war voll mit Plastiktüten … vielleicht 30? 40? Es war klar, dass ich nicht bequemerweise die Polizei holen konnte. Der Herr würde eine Menge Ärger bekommen.

Ich wünschte ein frohes Weihnachtsfest … und fragte, ob ich helfen könnte. Immerhin … es war ein wenig kühl und sollte bald noch viel kühler werden. Ich bot ihm an, ihn dorthin zu fahren, wo er es wärmer hätte …. doch er wollte nicht. Seine größte Sorge war, dass ich mich die Nacht bei ihm einquartieren könnte … in seiner Wanderhütte. Wenigstens diese Sorge konnte ich ihm nehmen.

Er war Rentner, 68 Jahre alt, arbeitete noch nebenbei in den Gärten anderer Leute – und wohnte draußen. Trank keinen Alkohol, rauchte nicht … und war sichtlich etwas menschenscheu. Eine Geschichte ähnlich der meinen, eine Geschichte, wie ich sie schon häufig gehört hatte: Männer, die über die Trennung von ihrer Frau – und ihrer Familie – nie hinweggekommen waren, Männer, die fortan die Einsamkeit suchen um das Leid ertragen und der Verachtung der Umwelt entgehen zu können – und sich manchmal so weit zurückziehen, dass sie allein in einer Eifelhütte landen, Jäger die ihr Stamm verstoßen hat: seit Jahrtausenden die gleiche Geschichte. Ich kenne sogar Rechtsanwälte, die aus diesem Grund in Hamburg auf der Straße leben … was heißt „kenne“ – ich kannte sie mal.

Er wollte nirgend wo hin, wollte auch keine Gesellschaft – sondern sichtbar seine Ruhe.

Wie bequem für mich.

Trotzdem war mir nicht wohl dabei, ihn so allein zu lassen. Die Temperaturen näherten sich dem Gefrierpunkt – gesund ist anders.

Da sah ich ein Licht im Wald – und entsann mich, dass dort Mönche ein Kloster gekauft hatten. Anhänger des exkommunizierten Erbischofs Lefaivre (schreibt man den so? Ich finde über ihn nichts im Netz … was schon seltsam ist. Auch tabu? Oder obdachlos?). Mönche – Christentum – Nächstenliebe … so schloß ich messerscharf. Und außerdem – so war mir in Erinnerung – war der Orden nicht mehr exkommuniziert.

Schon war der Entschluss gefasst – und ich machte mich den Weg hinauf zum Kloster. Dort waren viele Menschen, Wärme – und eine Küche. Hier war Not – dort war Hilfe. Gut – er wollte nicht dort weg: aber am Weihnachtsabend eine warme Suppe – das könnte man doch hinkriegen.

Das Kloster war dunkel – und es gab keine Klingel. Eine Glockenseil hing neben der Tür, doch so oft ich auch dran zog: es gab keinen Ton.

Durfte man die Stille der Meditation und Kontemplation an einem solchen Abend überhaupt stören? Fast schon – wäre ich gegangen, doch dann gab es Geräusche und Licht am Nebenfenster. Menschen – und eine Küche. Es waren nicht die Mönche, die man aus der Zeitung kannte – aber egal. Eigentum verpflichtet, dachte ich mir. Christentum auch.

Zwei Männer waren in der Küche – und nach einer Weile (einer längeren Weile) hörten sie mein einsames Klopfen am Fenster.

Schnell trug ich mein Anliegen vor, was leicht ging: sie waren der deutschen Sprache mächtig – sehr gut sogar, wie mir schien. Ein alter Mann sei dort in der Kälte, so erklärte ich ihnen. Er wolle dort ausharren – aber vielleicht könne man ihm etwas Warmes zu Essen besorgen? Der ältere von beiden strahlte mich an … doch der jüngere schüttelte verschwörerisch den Kopf, wobei ich nicht verstand, was er sagte.

Sollte ich nun noch Vorträge halten – als konfessionsloser Sünder?

Ja.

Also sprach ich von Weihnachten, von Kälte und Menschlichkeit – und überließ Ihnen die Entscheidung. Ich verließ sie mit einem weihnachtlichen Gruß, was den älteren der beiden zu einem sehr offenherzigen Lächeln brachte, während der andere sein Gesicht zu verbergen suchte.

Ich selbst – ging dann meine eigenen Wege. Obdach – ja gut, dass habe ich, auch wenn es sehr in Gefahr ist. Wird Zeit, sich ein wenig darum zu kümmern, dass es anders wird. Außerdem meldete sich der Rücken und forderte stabile Seitenlage, was umso dringender war, da ich anderntags eine weite Strecke zu bewältigen hatte.

Was ist nun draus geworden aus dem alten Mann?

Ich weiß es nicht, werde mich aber freuen, wenn ich ihm im Sommer wieder begegne. Ich konnte sein Gesicht in der Dunkelheit nicht erkennen – aber ich kenne ja seine „Ferienwohnung“.

Ich weiß nicht, ob ich alles richtig gemacht habe. Vielleicht hätte ich die Polizei rufen sollen? Wie geht man um mit Obdachlosen, die es offiziell gar nicht gibt? Wie gehen „die“ um mit Menschen, die eine Wanderhütte zugemüllt haben? Strafanzeige, Gefängnis? Das zu Weihnachten?

Muss doch nicht sein.

Am nächsten Tag – während einer langen Fahrt – kam mir dann ein anderer Gedanke: wie das wohl auf die Klosterbewohner gewirkt haben muss. Waren das überhaupt Mönche?

Wenn ja … dann haben sie am Weihnachtsabend ein denkwürdiges Erlebnis gehabt. Ein Fremder – in schwarz gekleidet, zu Fuss aus der Nacht gekommen – war an dem Fenster erschienen und bat um Hilfe für eine arme Seele. Suppe .. wäre schon genug gewesen. Ein Aufruf zur Nächstenliebe – und eine Gelegenheit, diese zu praktizieren.

„Und siehe, es erschien ein Bote des Herrn in der Nacht und brachte Kunde vom Sohne Gottes, der allein in der Kälte harrte, wo Heulen und Zähneknirschen herrschen; und er bat die Diener des Herrn um ein Almosen für den Heiland“.

So einfach … können Wundergeschichten entstehen.

Almosen für den Heiland?

Und heißt es nicht: Was ihr getan habt den geringsten meiner Brüder, das habt ihr mir getan?

Mathäus 25 – vom Weltgericht.

Die Herren aus dem Kloster haben jetzt eine Chance, wo ich versagte. Ja – mir war so, als hätte mich der Herr in seiner Hütte nicht haben wollen, als fürchte er Konkurrenz um seinen Schlafplatz. Mir kam der Gedanke zu spät, dass ich vielleicht doch Gesellschaft hätte leisten sollen – auch dort, wo sie nicht gewollt wird. Aber ich mag halt ungern aufdringlich werden …

Die Religion der Asozialen: tödliches Zombieland Deutschland

Die Religion der Asozialen: tödliches Zombieland Deutschland

Mittwoch, 7.5.2014. Eifel. Kennen Sie André Heinz M.? Geboren am 8.10.1964? Wahrscheinlich nicht. Sie werden ihn auch nicht kennenlernen. Er war gelernter Schiffsmechaniker, starb am 20.2.2014. Eine Facebookintiiative hat dafür gesorgt, dass er ein Grabkreuz bekommt, die Stadt hätte ihn sonst – nach der Einäscherung – im Reihengrab verscharrt. Es gibt unter der oben verlinkten Adresse auch ein Videointerview, wer will, kann sich André näher anschauen. Er war Zeuge eines Brandanschlages auf Obdachlose, der die Öffentlichkeit in Deutschland nicht groß interessiert hat (obwohl sogar die „Bild“ in „feige“ nennt), wir interessieren uns eher dafür, dass die „Geißens“ beliebter sind als die „Simpsons“ – das ist unsere Welt. Eine tote Welt bunter Lügenbilder, die wir täglich bewusst konsumieren … und die uns täglich ein bischen mehr „untot“ werden läßt.

Untot – heißt: nicht mehr ganz lebendig, nicht mehr menschlich … aber noch nicht ganz tot.

Wissen Sie, was André´s größter Wunsch war?

Eine Toilette. Ja – er war obdachlos. Seine Lebensgeschichte werden wir nie erfahren – was ich sehr schade finde. Solche Menschen haben in der Regel eine viel spannendere Geschichte zu erzählen als die Käfigmenschen, die in vorgefertigten Jobs ihr Leben verbrennen. Ja – am Ende des Lebens wird man das merken: was einen interessant gemacht hat, was einem einen unverwechselbaren Charakter gegeben hat, waren nicht die Zeiten, wo man der vorgegebenen Norm von Arbeitgebern und Werbeindustrie entsprochen hat, sondern Zeiten, wo man dem Wind trotzt und erfolgreich gegen den Strom schwamm.

Bäume sind da ähnlich. Schön finden wir jene, die allein, gut gewachsen auf freiem Feld stehen. Jene, die kerzengerade in Reih´ und Glied zum Zwecke des Holzerwerbs düster die Wälder verunstalten, gelangen seltener auf Hochglanzposter.

Die Käfigmenschen haben Toiletten. Sie haben alles, was eine Legehenne auch braucht, jede Sekunde ihres Tages ist strukturiert und durchgeplant – und je mehr man sich dem unterwirft, umso höher steigt man in der Hierarchie. Ich habe da mal ein Beispiel herausgesucht, gefunden bei der Initiative Wirtschaftsdemokratie:

Meine Arbeitswoche begann montags um vier Uhr in der Früh. Da klingelte der Wecker, und die Reise zum Kunden begann. Jeden Tag um 18 Uhr war es Zeit für den sogenannten Battle Call: eine mehr oder weniger kurze Sitzung, in der das Projektteam besprach, welche Aufgaben noch am selben Tag zu bewältigen seien. Feierabend selten vor 23 Uhr. Leistung ist in diesem System die einzige Religion. Wer das Risiko scheut, überlebt am besten. Die Leute sind ängstlich und brutal ehrgeizig, Statussymbole sind ihnen wichtig. Und man muss technokratisch veranlagt sein, sonst langweilen einen die Analysen und scheinrationalen Prognosen…“

Ich kenne solche Arbeitstage aus eigener Anschauung. Ich weiß auch, was man damit verdienen kann … und welchen Preis man dafür bezahlt: das Denken stirbt. Das Leben reduziert sich schnell auf bloße Reaktion auf Außenreize. Man wird wieder zu einem Tier im Dschungel – aus reiner Müdigkeit. Jahre wertvollen, unwiederbringlichen Lebens verstreichen so völlig nutzlos.

Völlig nutzlos?

Denken Sie mal drüber nach: wer hat schon jemals auf seinem Sterbebett geäußert, dass es sein größter Fehler war, damals nicht länger im Büro geblieben zu sein, noch einen Kunden zusätzlich besucht oder noch schnell nach Feierabend ein paar Paletten umsortiert zu haben – Gedanken, die in einem Film zur Senkung der Arbeitsmoral zur Sprache kommen.

Ein Film von Marc Bauer aus dem Jahre 2013 über die Masters of the Universe zeigt die Gegenwelt, die Spitze unserer menschlichen Existenz (siehe Spielboden.at):

Er war einer der führenden Investmentbanker in Deutschland. Er machte Gewinne in Millionenhöhe. Jetzt sitzt er in einer verlassenen Bank mitten in Frankfurt und redet zum ersten Mal. Eine beängstigende Innenperspektive aus einer größenwahnsinnigen, quasi-religiösen Parallelwelt hinter verspiegelten Fassaden.

Als Investmentbanker verschob er Milliardenbeträge per Mausklick und verdiente weit über eine Million Euro im Jahr.

Wer in die Turm-Welt aufgenommen wird, zahlt einen hohen Preis. Das Anforderungsprofil, das Voss beschreibt, klingt, als gebe man seine Persönlichkeit in der Lobby ab: „Angenommen, Sie wollen da rein. Wie muss ich sein? Was erwartet mich da? Auf jeden Fall ohne Murren Schulterklappen sammeln. Die Schulterklappen sammelt man durch One-Nighter oder Two-Nighter. One-Nighter ist, wenn Sie eine Nacht im Büro schlafen, Two-Nighter sind zwei Nächte, das heißt: Durcharbeiten.“

Voss steht in einem ausrangierten Bankenturm und erzählt, wie das Belohnungssystem funktioniert. Wer genug Nächte durchgearbeitet habe, werde mit größeren Aufgaben belohnt, „aber nur, wenn Sie nicht den kleinsten Anschein des Zweifels erwecken, dass es vielleicht Sachen gibt, die man anders machen könnte“. Politische Äußerungen? „Bloß nicht! Sie müssen bereit sein, Ihr Leben aufzugeben.“

Sollte man sich zweimal durchlesen, damit es verstanden wird und sitzt: am anderen Ende des Beschäftigunsspektrums (welches vom Arbeitslosen bis zum Millionär reicht) wartet … die Aufgabe des Lebens für ein quasireligiöses System.

Quasireligiös?

In Form des Amerikanismus ist es eine Religion, eine zutiefst Asoziale sogar, die mehr und mehr unser ganzes Leben bestimmt – und die zu negieren umgehend als „Antiamerikanismus“ gebrandmarkt wird. „Amerikanismus“ durchdringt unsere Kultur durch und durch, überschreibt alte Werte in unglaublicher Geschwindigkeit, hunderte von „Ratgebern“ und „Psychogurus“ predigen sie, Unternehmensberater tragen sie in Firmen, Behörden und Universitäten hinein, sie wird – je nach Kundenkreis – als Mangementphilosophie, Motivationstraining oder Esoterik verkauft, ihr Sinn, ihre Funktion ist aber immer dieselbe:

Nach der Kollision mit dem Eisberg geht der Kapitän der Titanic zur dritten Klasse und sagt ihr: „Ab sofort seit ihr jetzt mal für euch selbst verantwortlich. Hört auf über euren Zustand zu klagen, es war eure Art zu denken, zu fühlen, zu leben, die euch in diese Situation gebracht hat. Hört auf zu jammern und zu klagen und dauernd andere für euer Schicksal verantwortlich zu machen! Seid nett zu euren Mitmenschen, packt eure Probleme selber an dann wird der Erfolg nicht auf sich warten lassen!“ – sprachs, schloß die eisernen Türen ab und begab sich auf das Rettungsboot. Nein – der Kapitän der echten Titanic ging natürlich mit seinem Schiff unter – Türen zur dritten Klasse wurden aber trotzdem verschlossen: Asozialität ist Urgrund des Amerikanismus.

Aus „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ ist „Kümmere Dich um Deinen eigenen Scheiß!“ geworden.

Ich denke auch nicht, dass der Vergleich mit der Titanic hinkt. „Selbstverantwortung“ ist erst dann ein Wert geworden, als das Schiff zu sinken begann und die Ressourcen zu schwinden begannen, zuvor war noch klar, dass der Mensch ein soziales Wesen ist – was auch seine Stärke gegenüber einer feindlichen Umwelt ausmachte. Wir fänden es auch ziemlich blöde, wenn sich jeder der Passagiere der Titanic mit einem selbstgefertigtem Schilfboot auf die Reise in die USA machen würde … obwohl die Religion des Amerikanismus genau das von uns verlangen würde. Allerdings … ist diese Religion ja auch  nicht wirklich ernst gemeint, sie wurde wirklich nur gezielt für die dritte Klasse entworfen, um sich in Notzeiten lästigen sozialen Verpflichtungen entledigen zu können.

Es ist eine Religion der Asozialen, die praktisch das genaue Gegenteil der christlichen Religion darstellt. Sie macht aus Arbeit einen Fetisch, einen Selbstzweck, der keinerlei eigenen Sinn mehr macht. Und was nennt man nicht alles Arbeit!

Jeder zweite Deutsche arbeitet heute an Bildschirmarbeitsplätzen im Büro (siehe Büro-Forum) – eine Form von „Arbeit“, die man früher als Urlaub angesehen hätte: man hat es warm und trocken, ist von Wind und Wetter geschützt und kann während der Arbeit sogar Nahrung zu sich nehmen, Radio hören, Kaffee trinken. Im rauheren Handwerk arbeiten nur noch 5 Millionen Menschen (siehe AOK), ebenso in der verarbeitenden Industrie (siehe Destasis). Weitere fünf Millionen (mit Steigerungsraten von bis zu 20 %  in den letzten Jahren – siehe bpd und ständig neuen Rekorden an Beschäftigten -siehe destasis) arbeiten in Gesundheitswesen. Handwerk und Industrie stellen unverzichtbare Arbeiten dar – aber brauchen wirklich ein Handwerker und ein Industriearbeiter einen eigenen Gesundheitsarbeiter – und drei Leute, die sie verwalten?

Seien Sie ehrlich: wann haben Sie persönlich im Alltag schon mal dringend eine Bürokraft gebraucht? Produkte aus der Industrie sind inzwischen unverzichtbar, Handwerker bracht jeder mal … aber wann haben Sie schon mal händeringend die Gelben Seiten nach einem Büroservice durchsucht?

Gedanken wie diese – die zu einem 3-Stunden-Arbeitstag bei vollem Lohnausgleich führen könnten, der jede Form von Hartz IV überflüssig machen würde und uns echtes Leben … wie es 10000 Jahre lang üblich war – zurückgeben könnte, werden nicht gemacht. Stattdessen macht man sich andere Gedanken, siehe Manager Magazin:

Die Deutschen sind reich wie lange nicht, ergibt ein aktueller Bericht der Bundesbank. Nur – davon haben sie nichts. Denn es fehlt ihnen an Vertrauen.

Welches Vertrauen?

Das in die Finanzmärkte.

Das ist die Lebensrealität der „Two-Nighter“, die sich in einem virtuellen Paralelluniversum befinden und so „beschäftigt“ werden, dass sie kaum jemals merken, was sie da eigentlich tun. Dafür werden sie – nicht per „Leistung“ sondern per Entscheidung der Geschäftsleitung (und der Politik) – mit Tauschmitteln so überversorgt, dass der Konsum jeden kreativen Gedanken im Keim erstickt: auch das Geld will – einmal verdient – beschäftigt werden.

Ich denke zu solchen Gelegenheiten immer mal wieder gerne an André Heinz M., für den die täglichen Toilettengänge schon eine enorme Herausforderung darstellen: „André – was Du brauchst, ist einfach mehr Vertrauen in die Finanzmärkte … mehr nicht!„.

In solchen Situationen merkt man die Absurdität der Situation, merkt, wie irrational das religiöse Glaubenssystem der Moderne geworden ist. Jeder – wirklich jeder – kann wissen, dass das Schiff sinkt. Sogar die konservative „Welt“ bringt derzeit einen Artikel, der aufzeigt, dass unsere Wirtschaftssysem ein „Sozialismus für Reiche“ ist, der automatisch zu hohen Gewinnen für hohe Vermögen führt … bezahlt durch Menschen wie André Heinz M, der am Ende gar nichts mehr hat und unter einer Brücke lebt, während die „Sieger“ des Systems „ihr Leben aufgeben“.

Wer gewinnt wirklich?

Keiner. Wenigstens kein Mensch.

Ein solches System, in dem alle verlieren, wäre eigentlich unvorstellbar …. würden nicht alle der Irrationalität einiger weniger „Entscheider“ und ihrer Agenten in Werbung und Beratung folgen. So etwas kann sich nur als Religion durchsetzen … und letztlich nur dann „erfolgreich“ sein, wenn sich der Großteil der Bevölkerung in Untote verwandelt …. in Leute, die zwar noch irgendwie leben, aber eben … wie der oben zitierte Manager … „ihr Leben abgeben“.

Den Armen hingegen wird das Leben dann ganz automatisch genommen – was auch eine Logik des Systems ist, denn „falsch sein“ muss bestraft werden. Wir nehmen es deshalb hin, dass Arme 11 Jahre früher steben (siehe Zeit), mit solchen Eckdaten treiben wir die Zombies zu noch mehr Leistung … die oft nur darin besteht, Papier von links nach rechts zu räumen, möglichst 20 Stunden täglich.

„Arbeit“ ist unser Gottesdienst geworden  – und deshalb voller Beschäftigungsmüll. Wer viel betet (also viel Leben abgibt), bekommt soviel Ressourcen, dass er dreimal im Jahr in einem großen Ritual („Urlaub“ genannt) dem Rest der Welt seine eigene Überlegenheit demonstrieren und dabei die Lebensgrundlage der Menschheit durch sinnlose Vernichtung natürlicher Ressourcen mehr zerstören kann als es André  je möglich gewesen wäre. Er bekommt – wie jeder dienstbare Priester – Schmuck, feine Stöffchen und eine noble Kutsche, um der Umwelt zu zeigen, wie großzügig der neue Gott ist, wenn man ihm nur eifrig dient.

Und was macht derzeit die dritte Klasse? Weicht von den verschlossenen Gittern zurück und beschäftigt sich mit sich selbst, folgt den Geboten, dass sie ihr Denken, ihr Fühlen, ihr Sein ändern müssen, sie arbeiten innigst „an sich selbst“, um den Göttern des Schicksals gefällig zu sein, streng dem geheimen Versprechen folgend, dass die ganze Welt sich ändern wird, wenn nur sie sich ändern. Das die erste Klasse – Verbreiter jenes Kultes des „richtigen Denken“ – statt gezieler Arbeit an sich selbst lieber Rettungsboote mit Vorräten füllt, nimmt man nicht mehr war – so sehr ist man in sich selbst versunken.

Die schreckliche Wahrheit ist nämlich: die Religion der Asozialen funktioniert nur perfekt in einem Land voller Untoter, voller Zombies, die hirnlos nach Fleisch blöken. Nach Menschenfleisch.

Und wenn der Hunger zu groß wird … verbrennt man einfach ein paar Obdachlose. Zombies … empfinden nichts mehr dabei – ebensowenig wie jene, die Opfer der Armut einäschern und anonym in Reihengräbern verscharren.

 

 

 

Eidbrechende Kriegskanzler, Haftbefehle und glückliche Slumkinder

Eidbrechende Kriegskanzler, Haftbefehle und glückliche Slumkinder

Donnerstag, 20.3.2014. Eifel. Manchmal gehen wichtige Meldungen einfach in der Masse der Informationen unter. So steuert man Volk: einfach mal laut schreien: „Hier ist der Dieb“ … während man sich selber viel Geld in die Tasche steckt. Ein Beispiel: die Ukraine und der Hoeneß, zwei Aufreger der letzten Wochen.

Die Ukraine hätte lebensgefährlich werden können, weil ausgewiesene Dilettanten auf einmal auf internationalem Parkett agieren mussten. Das muss man sich mal vorstellen: wir erlauben uns, Menschen mit der Bewältigung internationaler Krisen zu beauftragen, die in ihrem Leben vor allem eine Qualität bewiesen haben – sie können sich innerhalb eines korrupten autoritären Parteiapparates erfolgreich nach oben buckeln. Da kann es schon mal passieren, dass ein deutscher Kanzler das Völkerrecht bricht und einen Angriffskrieg gegen ein europäisches Nachbarland beginnt, ohne strafrechtlich dafür belangt zu werden oder das eine deutsche Kanzlerin einer ukrainischen Putschregierung die Treue lobt und erst später merkt, dass das leicht in einem heißen Krieg gegen Russland hätte enden können.

Schröder hatte seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg mit einer großen Jagd auf Arbeitslose im eigenen Land überdeckt, da waren alle auf einmal emsig beschäftigt, sich beruflich und finanziell so weit abzusichern, dass niemand Gefahr lief, in die Hölle der Arbeitslosenlager der militärisch straf durchorganisierten „Agentur für Arbeit“ zu geraten. Der Staat hat diese Absicherung übrigens mit 25 Milliarden Euro subventioniert, Steuergeschenke, die jedes Jahr für gut verdienende Menschen anfallen, damit die sich unter anderem private Arbeitslosenversicherungen leisten können.

Angela Merkel hatte ihren Uli Hoeneß, zuvor gern gesehener Gast im Kanzleramt, vom Focus zum „Fußballgott“ ernannt, der nun einen tiefen Fall erlebt. Was waren die Schlagzeilen auf eimal voll, es gab Liveticker aus dem Gerichtssaal, keine Sekunde sollten wir Bürger von diesem Ereignis versäumen … die ganze Presse tat so, als ob Jesus Christus (bzw. sein Vater Uli Hoeneß) persönlich hingerichtet werden soll.

Dabei war der nur ein kleiner Manager eines durch Gelder der Industrie aufgeblasenen Freizeitvereins, der auf bis heute unbekannten Wegen mit hunderten Millionen Euro jonglierte.

Es wirkte ehrenhaft, wie er seine Strafe annahm (und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass dies wirklich ehrenhaft gemeint war), und doch lenkte dieser Akt von den eigentlich wichtigen Fragen ab, für die wir jetzt nie mehr eine Antwort erhalten werden: wie kommt ein kleiner Fußballspieler an 800 Millionen Franken? Das ist auch für Börsenzocker viel Geld. Oder sind da noch andere Geschäfte getätigt worden, auf die wir auf keinen Fall aufmerksam werden wollen … und für die man sogar in den Knast geht?

Wer schon länger in diesem Land lebt, dem kommt das bekannt vor. Bis heute wissen wir nicht, woher Helmut Kohl seine Geldgeschenke bekam. Bis heute müssen wir damit leben, dass einem Bundeskanzler sein Wort mehr wert ist als sein Amtseid. Wir müssen damit leben, dass sich Bundeskanzler stolz damit brüsten, absichtlich das Völkerrecht geborchen zu haben, absichtlich (und wirtschaftlich nutzlos) Millionen Deutsche zu ewiger Armut verdammt zu haben, oder das eine Bundeskanzlerin den weitgehend verachteten Genmüll bewusst gegen den Willen des Volkes durchwinkt und so demonstrativ Konzerninteressen vor ihren Amtseid stellt.

Während ganz Deutschland an dem Schicksal seines neuen Gottes Anteil nimmt und Stellung gegen den neuen Teufel Putin bezieht, geschehen an anderen Orten der Welt wunderbare Dinge, die nur kurz aufblitzen, um dann schnell wieder vom Tanz um den goldenen Hoeneß verdrängt zu werden – siehe Spiegel vom 17.3.2014:

Soldaten der US-Marine haben einen Öltanker gestürmt, der in einem von libyschen Rebellen kontrollierten Hafen beladen worden war. Spezialkräfte der Navy Seals übernahmen die Kontrolle über das Schiff auf hoher See vor Zypern.

Ein kleines Schauspiel, das einen Ausblick auf eine völlig aus dem Ruder gelaufene „Demokratisierung“ Lybiens bietet. Hach, wie waren wir doch eingenommen von den Geschichten über die heldenhaften Rebellen, so edel und gut, die gegen die schreckliche Tyrannei der Feinde der Demokratie angingen.

Was blieb übrig?

Ein zerstörtes Staatswesen, das von brutalen Räuberbanden kontrolliert wird – ja, in einem solchen Umfeld fühlen sich die USA wohl. Erinnert an zuhause, wo man sich von den Indianern auch nahm, was man wollte. Jetzt ist es ein Tanker auf hoher See – voller Öl. Ein Akt der Piraterie, besonders pikant, weil es ihn ohne Natobomben nicht gegen hätte. Jetzt zerbricht das Land, Räuberbanden kapern Öltanker, der Staatsbankrott steht vor der Tür: erinnert an ein Endzeitszenario nach dem Ende der Zivilisation.

Danke, Nato – möchte man sagen. Leider berichten die Medien nur noch selten aus den Ländern, nachdem der Westen ihnen seine „Hilfe“ hat angedeihen lassen, eine „Hilfe“, die im Falle der Ukraine nicht ganz das gewünschte Ergebnis hat.

Ich bin aber heute morgen freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht worden, dass ich diesbezüglich vorsichtig zu sein habe: kommt die Ukraine in die EU, könnte die Regierung mich verklagen:

Ach ja, noch was für deine Artikel: Wenn die Ukraine jetzt ganz schnell in die EU kommt, dann können die europäische Haftbefehle beantragen. Und dann sind diejenigen, die die Nazis dort Nazis nennen, hier nicht mehr sicher…

Sicher sind aber Kanzler, die ihren Amtseid brechen. Das sollte die Presse eigentlich jeden Tag anprangern – sie leistet aber lieber den Dilettanten Schützenhilfe: das verspricht mehr Werbegelder oder gut dotierte Posten als Pressesprecher. Man könnte sich dann endlich etwas mehr von dem materiellen Sondermüll leisten, welche die Industrie jeden Tag neu auf den Markt wirft, damit wir unsere innere Leere, unser permanentes Unglücklichsein und die umfassende Sinnlosigkeit unseres Daseins wie auch den wachsenen Wahn in der politischen Welt für eine weitere Weile verdrängen können …. wie  zum Beispiel den über 300 km/h schnellen Porsche Panamera Turbo S, den es seit Februar ab 180 000 Euro zu kaufen gibt.

Dabei … liegt das Glück vielleicht bei deutlich geringerer Geschwindigkeit. Eine der Geschichten, die wir schnell überlesen, weil sie offensichtlich  nicht wichtig erscheint, stammt aus den ärmsten Gegenden Afrikas. Der Spiegel hat sie erzählt: die Reise einer Studentin durch Afrika – eine Reise, die ihr Leben verändert hat, ihm eine neue Richtung gab und für uns eine ganz besondere Botschaft enthält, siehe Spiegel:

Wir wollten nur einen Tag bleiben, am Ende wurden es vier Wochen. Im „Ukweli“ unterrichten Ordensschwestern mehr als 30 Kinder. Die Jungs lernen kochen und wie man Lebensmittel anbaut. Sie lebten wie eine große Familie, die zusammenhält. Die Menschen lachten mehr als bei uns. Immer hieß es „karibu, karibu“ – „Willkommen“ auf Suaheli. Die mit Abstand wichtigste Weisheit, die wir hier lernten: „Haraka haraka, haina baraka“ – „Eile hat keinen Segen.“

Wenn Eile keinen Segen hat … wie gering wird der Segen bei 300 km/h?

Und warum lachen die eigentlich viel mehr, diese armen Slumkinder?

Die Antwort auf die Frage sollte uns vielleicht interessieren. In Kenia verpfuscht eine kleine, korrupte Oberschicht (mit Summen, die zehn Prozent des Bruttosozialproduktes betragen, siehe Goldenberg-Skandal) die Zukunft des Landes, während die Kinder in bitterer Armut auf den Straßen leben und reiche deutsche Touristen die Schönheiten des Nationalparkes bewundern.

In Deutschland verpfuscht eine kleine, von Parteien geformte Dilettantenkaste die Zukunft des Landes, verpfändet Summen, die mehr als als zehn Prozent des Bruttosozialproduktes betragen, zur Banken – und Eurorettung und schüttet die Gewinne an eine kleine Oberschicht aus … allein 25 Milliarden (mehr als die Kosten für die Ernährung von Arbeitslosen) an Besserverdienende (siehe Dokumentation „Wer hat, dem wird gegeben„, WDR vom 18.3.3014), damit das Klima in den Medien den Kriegskanzlern gewogen bleibt.

Dafür ist Geld da – so schmiert man die Umwelt, damit die Geschäfte gut laufen.

Und bevor jemand merkt, dass wir gar nicht mehr so weit von den Prinzipien einer afrikanischen Bananenrepublik entfernt sind, die auch schon mal gerne den Nachbarn völkerrechtswidrig Bomben aufs Haupt schmeißt,  zeigen wir lieber wieder ganz schnell auf jemand anders: den Saddam Hussein, den Osama bin Laden, den Assad, Gaddafi oder – jetzt neu: den Putin.

Oder wir zelebrieren öffentlich die Feier eines sterbenden Fußballgottes – mit großer Anteilnahme … um wirklich auch auf allen gesellschaftlichen Bereichen das Niveau einer primitiven Stammesreligion mit recht weltlichen Götzen zu erreichen, während wir für die merkwürdigen Reichtümer dieses Gottes keine Erklärung erhalten.

Dabei könnten wir das Geld gut brauchen – 2013 lebten 32 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland auf der Straße, gleich neben dem Porsche. Grund dafür?

Die Gesetze der eid- und völkerrechtsbrechenden Kriegskanzler, siehe Neue Osnabrücker Zeitung:

Die Zahl der Menschen, die keine feste Wohnung haben, steigt. Grund sind nach Darstellung der Wohnungslosenhilfe steigende Mieten. Harte Hartz-IV-Sanktionen drängen nach ihrer Einschätzung zudem vor allem unter 25-Jährige auf die Straße.

Die Armut Afrikas ist der liebste Importschlager im Land der Fußballgötter.

Das passt auch irgendwie.

Nur … hier hat man als Armer noch nicht mal was zu lachen, weil allen klar ist: im beständigen Gegeneinander gibt es kein Glück – und wo Menschen zu Göttern werden, gibt es keine Zukunft.

 

 

 

 

Genozid an den Armen in Deutschland: die Treibjagd wird eröffnet.

Genozid an den Armen in Deutschland: die Treibjagd wird eröffnet.

Donnerstag, 10. Oktober 2013. Eifel. Gestern habe ich noch einmal den „Großen Diktator“ gesehen – mit Charlie Chaplin in der Hauptrolle. Die Uraufführung war 1940, die USA waren noch nicht im Krieg. Es können einem viele Gedanken durch den Kopf gehen, wenn man den Film sieht. Zum einen denke ich an das damals kriegsmüde US-Volk (wann haben sie diese einfachen, hilfsbereiten, freiheitsliebenden Menschen eigentlich so geändert?), das hier gegen Deutschland in Stellung gebracht wird (zurecht, das wissen wir – aber hat das damals einer angeordnet, solche Filme zu drehen?), zum anderen denke ich daran, das meines Wissens nach das Wissen über Konzentrationslager bei den Alliierten gar nicht vorhanden war – aber vielleicht erinnere ich mich da falsch oder wir haben schon wieder eine neue politische Wahrheit, die meine Schulbildung übersteigt. Ich würde dieser Zeit in Deutschland gerne mehr Aufmerksamkeit widmen, sie hat historische Dimensionen höchsten Ausmaßes: wie gerade das Volk der Dichter und Denker nach dem Zeitalter der Aufklärung in eine solche Barbarei verfallen konnte, bleibt ein Rätsel.

Lösen wir dieses Rätsel nicht, werden wir die Zeit wiederholen müssen. Leider tun wir das schon.

Ich bin kein großer Fan von Star Trek, kann mich aber an eine verbotene Folge erinnern, die ich dann doch irgendwann mal gesehen habe: Mr. Spock preist dort die Leistungen des Führers, der innerhalb kurzer Zeit die Wirtschaftsleistung des Volkes auf Höchstniveau gebracht hat. Wie gesagt: in Deutschland war dieser Film verboten … was nicht heißt, dass die deutsche Wirtschaftselite, die ihre Beute aus der Plünderung jüdischen Eigentums und ihre gesellschaftliche Position erfolgreich in die Bundesrepublik überführen konnten und dort die Weichen für die politische Entwicklung der nächsten Jahrzehnte stellte nicht aus den Tatsachen, die dieser Film beschreibt, gelernt hat.

Seit 2005 jedenfalls gibt es in Deutschland wieder Gesetze, die zum Arbeitsdienst verpflichten: wer aus Gründen der Ehre oder der Vernunft nicht bereit ist, zu erbärmlichsten Bedingungen seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen (oft auch ganz umsonst) wird von den Sozialbehörden sanktioniert und kann zusehen, wie er in einem Land, in dem jeder Apfelbaum irgendjemandem gehört, noch überleben kann.

So drastisch hatte sich nur Hitler in den Arbeitsmarkt eingemischt, so hat er „die Arbeitslosen von den Straßen geholt“ – er brauchte sie für den Krieg. Mich erreichen Berichte, dass auch heute wieder Menschen nach diesem Hitler rufen – kleine Bürger, die um ihre Rente fürchten, weil die „Faulen“ nicht arbeiten gehen. Man nimmt gerne billigend in Kauf, dass dann wieder – wie Charlie Chaplin als Hitler in seinem Film forderte – alle Arbeitslosen erschossen werden, weil der Führer keine Arbeitslosen mag. Welchen Krieg nun die deutsche Industrie im Auge hat, weiß ich noch nicht.

Die „erfolgreiche“ Arbeitsmarktpolitik des Führers brachte auch eine gigantische Staatsverschuldung mit sich – darüber wird weniger geredet, obwohl sich auch unsere Staatsverschuldung jener der Kriegszeit angleicht: bald sind wir auf dem Niveau von 1942 – und haben kein jüdisches Eigentum, mit dem wir das bezahlen könnten.  Darum werden bei uns halt die Arbeitslosen ausgeplündert: allein fünf Millionen Erwachsene, die nach teilweise jahrzehntelanger Beitragszahlung noch ein Jahr Zeit haben, ihre Arbeit in einem gesättigten Markt zu verkaufen – dann greift der Staat ihr Eigentum an. Dort geht das – bei den Krisengewinnlern in der upper class scheint das unmöglich zu sein. Nun – die haben das System ja hinter unserem Rücken so gestaltet, dass der Geldfluß in großem Maße von unten nach oben geht: nur so bekommen wir unseren Feudalstaat wieder, der ach so bequem ist für die Elite der Lumpen in diesem Land.

Alles noch nicht so schlimm in Deutschland?

Das denken viele. Viele fallen auf die Jubelparolen der Regierung herein, die sich kaum noch von den Lügen unterscheiden, die ein Herr Goebbels unter das Volk gebracht hat. Ein Teamführer der von einem Oberst geleiteten Bundesagentur für Arbeit hat sich kürzlich beim Bundesrechnungshof gemeldet, siehe Spiegel:

Aber die Prüfer zitieren eine E-Mail von ihm. Eine Mail, die seine ganze Not offenbart. Und noch mehr: einen Skandal. Eine Betrugsmentalität, die sich anscheinend durch die ganze Bundesagentur für Arbeit zieht. Und noch viel mehr: Die Mail entlarvt ein System, das der Rechnungshof in diesem Bericht nun als krank beschreibt, geradezu irre, mindestens aber irregeleitet.

Ein krankes und irres System. Wetten, dass sich keiner Gedanken darüber macht, wie man es stoppen kann? Der Oberst hat sein System sogar gut durchorganisiert, wie eine Drückerkolonne funktioniert es mit Druck für die Frontleute und Prämien für den Chef, siehe BZ:

Pikant: Während bei Hartz-IV-Empfängern der Regelsatz (382 Euro) auch bei kleinsten Verstößen knallhart gestrichen wird, kassieren die Jobcenter-Bosse bis zu 4000 Euro Prämie. Herz oder Bonus?

Herz oder Bonus? Keine Frage: das System der Arbeitslosenvernichtung zieht bundesweit den Bonus vor. Am Ende dieses Systems stehen die Totalsanktionierten, die Eigentum, Geld und Wohnung verloren haben. Manche von ihnen nehmen sich das Leben, andere verhungern, wieder andere drehen durch und ermorden das Fußvolk der Arbeitslosenvernichtungsmaschine. Ein zu hartes Wort: Arbeitslosenvernichtungsmaschine?

Ja – wir leben in einer Diktatur der weichen Worte: das haben die Machthaber aus dem Dritten Reich gelernt. Man meidet die Öffentlichkeit und spricht sanft – aber schwingt immer noch den gleichen Knüppel. Es geht darum, die Arbeitslosen aus dem Bewusstsein der Bevölkerung zu entfernen, sie – eigentlich unschuldige Opfer der Globalisierung – werden zu Tätern stigmatisiert, an deren Eigentum man sich allerdings eine goldene Nase verdienen kann, wenn man bei der Zwangsversteigerung des gepflegten Häuschens nur früh genug auf der Matte steht. So hatte sich die Wirtschaft schon in den dreißiger Jahren saniert, als noch die Rasse über Leben und Tod entschied – und nicht Alter, Krankheit, Intelligenz oder Bildungsgrad.

Ja – für die Alten, die Kranken und die Dummen haben wir keinen Platz mehr im Land. Dabei gibt es sie immer noch: jene Kinder, die schon mit der Hauptschule überfordert sind. Über sie wird nicht gesprochen, weil sie unerwünscht sind, sie stören die saubere Statistik, für deren Bereinigung die Teamleiter der Jobcenter dicke Prämien kassieren, während ihre Opfer in den Gassen erfrieren.

Harte Worte, oder? Ungewohnt in diesem Land. Hier spricht man sanft – das ist eindeutig anders als früher …. aber jeder weiß auch so, was gemeint ist.

Das war früher auch so: jeder wusste, was mit den Juden (und den vielen anderen Mitmenschen) geschah – aber keiner sprach darüber. Man hatte zuviel Angst, selbst ins Visier zu geraten – genau wie heute.

Die Angst hat man auch zurecht: der Krieg der Reichen gegen die Armen läuft bundesweit weiter. Bis zu 25000 Jobs werden demnächst in der Autozulieferindustrie wegfallen bzw. ins Ausland verlagert werden, weil die großen Automobilkonzerne beständig den Druck erhöhen (siehe Manager Magazin).  Wieder einmal 25 000 Leute, die von heute auf morgen zu „faulen, asozialen Parasiten“ werden, denen man am Liebsten nichts mehr zu essen geben würde, weil sie nicht arbeiten (sinngemäß: Müntefering, SPD). Die zahlen dann auch nichts mehr in die Steuerkasse ein (was Politiker am meisten stört, denn immerhin möchte man sich aus dieser Kasse großzügig bedienen), was dazu führt, dass die Verschuldung der öffentlichen Hand immer weiter zunimmt – manche Bundesländer geben schon 33% ihrer Einnahmen für die Zinslast aus (während einer Minizinsphase! – siehe Manager Magazin), mit deutlichen Folgen für die Beschäftigen im öffentlichen Dienst: dort sind mitlerweile 2,2 Million Arbeitsplätzen seit 1991 weggefallen (siehe destasis).

Will aber mal der normale Verbraucher Vorteile aus den aktuellen Verhältnissen ziehen, merkt er schnell: für ihn ist das nicht gedacht. Die massenhafte Kündigung von gut verzinsten Bausparverträgen in Deutschland ist rechtens, Leben ohne Arbeit durch Zinseinkünfte ist dem neuen Adel vorbehalten (siehe Manager Magazin).

Dafür setzt man neue Hunde auf die Armen an: das Grundrechteforum meldet eine still vorgenommene Privatisierung des Gerichtsvollzieherwesens: aus den Beamten sind Kopfgeldjäger geworden, die sich ihren Lebensunterhalt durch Beute verdienen müssen – jenseits der Vorgaben des Grundgesetzes, an dessen diesbezüglicher Änderung gearbeitet wird.

Die Treibjagd auf Arme wird eröffnet.

Der Erfolg dieser Politik läßt auch nicht lange auch sich warten: sie ist tödlich – im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur Selbstmord, Hunger- und Kältetod fordern ihren Preis, die Armut selbst ist tödlich. Die Schere zwischen arm und reich öffnet sich immer weiter, Arme sterben inzwischen fünf Jahre früher als Reiche,  siehe Spiegel.

Spiegel (und auch die Welt … die zitiere ich aber nicht mehr, weil sie Geld für ihre Nachrichten nehmen wollen: dafür besorge ich ihnen doch keine Leser!) bemühen sich auch, die Schuld bei den Armen zu suchen: ihr Bildungsgrad ist es, der ihnen das Leben kostet.

Weniger dem System verpflichtete Intellektuelle kennen da andere Ursachen, siehe Handelsblatt:

Heizkosten steigen 2013 um bis zu 18 Prozent

Da kann man sonst noch so schlau sein: irgendwann kann man die Rechnungen nicht mehr bezahlen, man muss am Essen oder an der Wärme sparen – beides schadet der Gesundheit, für die wir 300 Milliarden Euro im Jahr ausgeben – unter anderem, um die Folge von Mangelernährung und angegriffener Gesundheit wegen Kälte und Schimmel in der Wohnung zu beheben. Absurd, oder?

Aber der Genozid an den Armen (da diese Zustände in einem der reichsten Länder der Erde herrschen, nehme ich an, dass sie mit Absicht so gestaltet werden und nenne sie deshalb beim Namen: Genozid) ist wichtig für die Disziplinierung der Massen – das wussten schon Hitler und Chaplin.

Hitlers alter Verbündeter Ungarn (Natomitglied seit 1999, EU-Mitglied seit 2004, zählt laut Human Development Index zu den hoch entwickelten Staaten) gibt hier auch schon mal den Takt für die Zukunft vor: unlängst beschloss das Parlament Gesetze gegen Odachlose – Obdachlosigkeit wird Straftat (siehe Handelsblatt).

Bin gespannt, ob wir das im Rahmen der Angleichung der EU-Gesetzgebung einfach auch mal heimlich übernehmen. Immerhin steigen auch hier die Zahlen der Obdachlosen ständig an (siehe Tagesspiegel), neue Gesetze erleichtern Räumungsklagen, damit es noch mehr davon gibt (siehe DasErste):

Räumungsklagen, die sich früher bisweilen über Jahre hingezogen haben, sollen in Zukunft schneller über die Bühne gehen. Zumindest wenn es nach dem Gesetzgeber geht. Die Gerichte sind aufgerufen, zukünftig Räumungsklagen vorrangig zu bearbeiten und zu terminieren. Um derartige Verfahren zu beschleunigen können dabei die Fristen für Stellungnahmen und Ladungen entsprechend abgekürzt werden.

Wenn das Jobcenter dann Sanktionen verhängt, kann man die früheren Arbeitnehmer schneller auf die Straße jagen, wo Hunger und Kältetod auf sie warten.

Schade, dass Chaplin Tod ist. Wäre interessant zu sehen, wie sein heutiger Film über die Berliner Republik lauten würde.

 

 

 

 

 

 

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