Neurologie

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Der Tod

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Ostersonntag, 5.4.2015. Eifel. Wir haben heute Ostersonntag. Für viele ein Grund zu Freude – weil man sich in Deutschland so langsam auch zu Ostern mit Geschenken überschüttet. Das wichtigste Fest der Christenheit wird – wie Halloween, Karneval und Weihnachten – dem „konsumieren-bis-der-Arzt-kommt“-Kult geopfert. Es war lange Zeit die letzte Bastion für Besinnung und Besinnlichkeit, der letzte Ort, an dem wir uns dem realen Leben stellen durften, ohne ausgelacht zu werden – ein Ort, an dem uns klar werden durfte, dass wir alle ein Problem haben: wir werden sterben, und zwar mit tödlicher Sicherheit.

In der Philosophie beschäftigen wir uns viel mit Weisheit und Wahrheit und haben dabei erstaunliche Ergebnisse zu Tage gefördert: wir – als Menschen – sind zu blöde, um die Wahrheit erkennen zu können. Sie hängt viel zu sehr ab von der Beschränktheit unseres Denkens und der Beschränktheit unserer Wahrnehmung – und der Weg der „Wissenschaft“, die sich dieser Erkenntnis zum Trotz aufgemacht hat, Wahrheiten zu produzieren, hat uns erstmal an den Rand der Vernichtung geführt: ökologisch, ökonomisch, atomar und genetisch sind wir nach 200 Jahren ziemlich am Ende, kranke, sieche Völker vegetieren in künstlichen, von Maschinen gestalteten Welten dahin, kaum noch einer fähig, auch nur eine Woche allein im Wald zu überleben. Ja: „Wissenschaft“ macht in Wirklichkeit nicht mehr, als eine Hypothese nach der anderen zu produzieren, eine Theorie nach der anderen zu erstellen, die immer unwahrscheinlicher werden, je mehr davon aufeinander gestülpt werden. Darum sind Dogmen für diese Wissenschaft so wichtig: ohne diese künstlichen Skelette würde das ganze Gebilde schnell in sich zusammenfallen. Das größte Dogma scheint jenes zu sein, welches die Philosophie als einzige Wahrheit akzeptiert: der Tod.

Ja: wir können  hin- und herdenken wie wir wollen: wir sterben alle. Jeder – außer vielleicht der Graf von St. Germain, doch diese Geschichte möchte ich ein andermal erzählen, diese Gestalt, die man noch 142 Jahre nach seiner Geburt quietschfidel und jugendlich wirkend auf Beerdigungen des hessischen Adels gesehen hat, mag hier nur nebenbei als absonderlicher Außenseiter erwähnt werden, der durch seine Existenz versuchte, heilige Lehrsätze der Philosophie zu widerlegen. Was für ein Schuft.

Für uns andere jedoch gilt sicher: wir werden sterben. Alle. So wie wir auch alle geboren worden sind. Ja – das berichtet man sogar von Jesus Christus, dessen Auferstehung von den Toten wir am heutigen Tage feiern sollten, anstatt uns mit teurem Tand zu beschenken. Ja – noch so eine Gestalt aus der Geschichte, die dem Tode getrotzt hat: sie soll sogar andere wieder zum Leben erweckt haben. Doch auch diese Legende wollen wir heute nicht weiter verfolgen, obwohl wir damit rechnen müssen, dass sie uns verfolgt.

Gelegentlich bricht der Tod in unser Leben ein: wir finden das ganz fürchterlich. Erst kürzlich nahm er dutzende von Deutschen mit, die mit einem Flugzeug unterwegs waren: wir haben reagiert wie bei einem Terroranschlag, der ganze Staat verfiel in Trauer, Fernsehprogramme wurden geändert, hochwohlgeborene Kanzlerinnen und Präsidenten mimten eine äußerst entschlossene Betroffenheit … dabei war etwas ganz normales geschehen: Menschen waren gestorben.

Nun gut: es war ein Tod außer der Reihe, öffentlich, nicht wie der übliche, der versteckt und verborgen in Altenheimen und Krankenhäusern stattfindet. Es war ein Tod, der mitten im Leben zuschlug … als gäbe es ein geheimes Versprechen, dass dies niemals geschehen wird. Zudem wagte dieser Tod, einem der modernen Dogmen zu widersprechen: „Fliegen ist sicher“ – ein absurdes Dogma, denn wäre Fliegen wirklich sicher, würde niemand dabei sterben. Aber andererseits … war es nur der Tod, der jeden von uns erwartet. Manchmal – wie beim „plötzlichen Kindestod“ – kommt er sogar sehr früh, manchmal erst wenige Wochen nach Führerscheinerwerb, wenn man stinkbesoffen vor einen Betonpfeiler knallt. 74000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen riskanten Alkoholkonsums (siehe: Kenn Dein Limit) – ohne Staatstrauer, ohne Änderung des Fernsehprogramms, ohne, dass die Zahl groß bekannt ist.

Sie werden verdrängt wie der Tod selbst.

Sie persönlich … werden sterben. Vielleicht sogar noch, bevor Sie diesen Text zuende gelesen haben.

Ist Ihnen das bewusst? Oder glauben Sie auch den Versprechen der modernen Medizin, dass Sie nur jeden Monat zum Arzt gehen, viel Gemüse essen, viel Sport treiben, alle Pillen essen und ständig gut drauf sein müssen um den Tod so weit aus Ihrem Leben drängen zu können, dass er eigentlich gar nicht mehr wahr ist?

Nun – Sie sterben ständig, das erzählt Ihnen nur keiner. Ihre einzelnen Körperzellen leben nicht ewig – jedenfalls die meisten. 60-90 Billionen haben Sie davon, 50 Millionen sterben in jeder Sekunde (siehe Apotheken-Umschau) So gesehen sind Sie eine wandelnde Leiche, die jedem Tag mit dem Tode ringt. Meist erfolgreich, aber halt nicht immer – und erst recht nicht ewig.

Es sind auch gerade diese Zellen, die den Tod fürcherlich machen, grausam, schmerzhaft – wenn er durch Alter und Krankheit kommt. Sie wollen auf keinen Fall gehen, senden Botenstoffe aus, die Angst, Panik, Wahnsinnn produzieren. Da sind wir nicht anders als Schweine, die geschlachtet werden … aber das sind nur unsere Zellen.

„Wir“ … sind was anderes.

Ich zumindest – und ich  gehe davon aus, dass ich nichts besonderes bin. Ich bin nun 55 Jahre alt, die Zellen meines Körpers … die sich nicht mehr so schnell erneuern wie früher … sind zehn Jahre alt und damit schon ganz schöner Müll, aber mein Geist ist immer noch der Gleiche … und viel älter als meine Zellen. Gut, er hat mehr Informationen, mehr Ballungen von Schlussfolgerungen, die sich um Laufe der Jahre nach vielen Erprobungen zu Gewissheiten verfestigt haben, verfügt über ein gewaltiges, fast unerschöpfliches Potential an Erinnerungen … aber seine Farbe, sein Geruch, sein Klang ist immer noch derselbe wie im Alter von fünf, seine Art zu Denken, zu Empfinden, zu Sein ebenfalls … weshalb ich den deutlichen Eindruck habe, dass er mit dem Zellenchaos nur sehr wenig zu tun hat. Klar: das ist nur meine persönliche Wahrheit – aber die hilft mir, den Tod von nahen Menschen ohne große Panik zu überstehen.

Ich stehe mit dieser Wahrheit allerdings nicht alleine da: Millionen von Deutschen haben erfahren, dass ihr Geist auch nach dem körperlichen Tode noch äußerst aktiv ist. Es gibt sogar einen Begriff für diese Erlebnisse: „Nahtodeserfahrungen“.

Die Begriffsbildung ist völlig daneben – das kommt eben, wenn Laien in den Bereichen der Geisteswissenschaften ihr Unwesen treiben. Erfahrungen, die Menschen in diesen Zuständen machen, sind Erfahrungen des Todes – doch niemand ist mehr so mutig, sich modernen Dogmen auf diese Art und Weise in den Weg zu stellen. Noch absurder treiben es die Priester der modernen Dogmatik, in dem sie – wie dieser Anästhesist (der wohl seine Pflicht-Philosophieseminare verschlafen hat) – die Erfahrung des Todes als etwas „Paranormales“ klassifizieren, um nachher mit einer großen Menge an Hypothesen eigene Wahrheiten zu erfinden (siehe Heise). Der Mann versucht hier – fast schon verzweifelt – das Nahtoderlebnis von Pam Reynolds in anderen Kategorien zu deuten … was immer möglich ist. Mit seiner Methodik – die voller Annahmen, Hypothesen und Unterstellungen ist – kann man beweisen, dass die Erde eine Scheibe ist. Oder der Mond aus grünem Käse (was im Rahmen der Geschichte der Wissenschaft schon mal geschehen ist).

Das Beste, was man damit erreichen kann, ist: ein Unentschieden in der Wirklichkeitsdeutung zwischen ihm und Pam Reynolds persönlich, es besteht keinerlei Grund anzunehmen, dass seine Interpretation von Erlebnissen einer anderen Person „wahrer“ sind als die Deutung, die die Person selbst vornimmt, nach den Gesetzen der Empirie (die hier willkürlich außer Kraft gesetzt werden) kann ausschließlich der Erlebende den Wahrheitsgehalt seiner Erlebnisse verbürgen.

Nun – dieses Anästhesistenmärchen machte 2005 seine Runde bei den unseriösesten Kreisen der deutschen Gesellschaft, den „Skeptikern“ bzw. der GWUP, die Bildung gerne durch Einbildung ersetzen und in unqualifizierter, fachfremder Art und Weise Dinge beurteilen, die sich ihrem beschränkten Erkenntnisvermögen entziehen … und sich wünschen. alle Menschen hätten solche Grenzen.

2015 sieht die Datenlage anders aus, mit seinem Werk „Blick in die Ewigkeit“ veröffentlichte der Neurochirug Eben Alexander eigene Erfahrungen zum Tod – und widerlegte nebenbei alle „Neuromythen“, die zu diesem Thema je gebildet wurden (siehe Blick in die Ewigkeit, Ansataverlag 2013, Seite 251 ff). Wie nicht anders zu erwarten, kam von entsprechender Seite Gegenwind, das Magazin „Esquire“ (so eine Art „Playboy mit Schwerpunkt Männermoden“, in Deutschland nicht erhältlich) stellt seine medizinische Reputation in Frage – was nicht anders zu erwarten war, denn immerhin ist er als Arzt ein Kronzeuge gegen das herrschende Dogma, das besagt. dass mit dem Tode alles endet – ein im Übrigen auch politisch sehr nützliches Dogma, hält es die Menschen doch von Abenteuern wir Revolution, Demonstration oder selbstbestimmtem Leben fern. Hätten unsere Vorfahren dieses Dogma auch geteilt … wir hätten nie angefangen, unsere Umwelt zu erforschen und wären im Baum sitzen geblieben, ängstlich dem Rauschen der Blätter im Winde lauschend, wie wir heute dem Rauschen des TV dahindämmernd verfallen.

Nun – der Gegenwind gegen Dr. med. Alexander fällt ziemlich mau aus, der Rückenwind jedoch nimmt zu (siehe Grenzwissenschaften):

„Mit der AWARE-Studie haben Mediziner, Psychologen und Neurowissenschaftler seit 2008 nach belastbaren Beweisen für eine Weiterexistenz des menschlichen Bewusstseins nach dem Tode gesucht und erforscht, was mit dem menschlichen Geist und Bewusstsein während des klinisches Todes und bei Herzstillstand passiert. Schließlich berichten 10 bis 20 Prozent jener Patienten, die wiederbelebt werden konnten, von Erlebnissen während dieser Zeit – sogenannte Nahtoderfahrungen. In einigen Fällen berichten diese Menschen davon, in der Lage gewesen zu sein, ihren Körper zu verlassen und die Vorgänge um sich herum gesehen und gehört zu haben. Jetzt liegen die Ergebnisse der AWARE-Studie vor und legen tatsächlich ein zumindest den medizinischen Tod minutenlang überdauerndes Bewusstsein nahe.“

Raymond Moody, Elisabeth Kübler-Ross, Pim van Lommel – Wissenschaftler, die das Dogma praktisch ad absurdum geführt haben und deren Kritiker … sehr seltsame Wege gehen:

„Neurowissenschaftler sehen indes eine Vielzahl anderer Erklärungen dafür, wenn Menschen ungewöhnliche Erlebnisse berichten, nachdem sie fast gestorben wären.“ – so formuliert die Süddeutsche (siehe Süddeutsche) die Kritik an der „Aware“-Studie und versucht, alle Studien zu diesem Thema gezielt durch semantische Tricks zu entkräften:

„Nicht zu unterschätzen in der Beschwörung von Nahtoderlebnissen ist wohl auch das verständliche Bedürfnis vieler Menschen, der Angst und Ungewissheit angesichts des Todes die Hoffnung entgegenzusetzen, dass es so schlimm schon nicht werden wird. Unabhängig von der Stärke ihrer religiösen Überzeugung ist die Aussicht auf ein finales Licht-Wärme-Bad im goldenen Strahlenkranz ja tröstlich. Ob es tatsächlich und endgültig so kommt, wird die Wissenschaft allerdings nie herausfinden können. Studien zum Thema leiden an der unüberwindbaren methodischen Schwäche, dass sie sich nur mit Probanden durchführen lassen, die zwar fast, aber eben noch nicht ganz tot waren.“

Dem möchte ich entgegnen:

„Nicht zu unterschätzen in der Verdammung von Nahtoderlebnissen ist wohl auch das verständliche Bedürfniss von Wirtschaft und Politik, die Angst und Ungewissheit angesichts des Todes bis in alle Ewigkeiten aufrecht zu erhalten“ …

Studien zu dem Thema leiden nicht an einer methodischen Schwäche, lediglich die Definitionserlebnisse von „Tod“ führen in der Folge zu Zweifeln an der Methodik. Hier hilft aber wiederum die Philosophie – die man auch gerne im Sinne der Renditemaximierung von Kapitaleignern abschaffen würde.

Hat man zwei Glaubenssätze (Tod ist endgültig versus Tod ist ein Übergang), die niemals zu endgültigen Wahrheit kommen können, so darf man sich – im Sinne der Philosphie der „Nützlichkeit“ (im weiteren Sinne des Utilitarismus) – frei für eine Wahrheit entscheiden, die einem den meisten Nutzen bringt … das ist dann zwar nicht „wahr“ … aber „weise“.

Wollen wir uns dieser Wahl nicht stellen, bleibt uns noch ein zweiter Weg: den der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wie wahrscheinlich ist es, dass Menschen, die kein Erlebnis hatten (zum Beispiel Fallschirmspringen, Sex, Tauchen, auf dem Mond landen) dieses Erlebnis besser deuten können als Menschen, die dieses Erlebnis hatten? Sollen wir da eher Menschen glauben, die dem Tod begegnet sind … oder jenen, die ihn nur vom Hörensagen her kennen?

Wer hier seinen Weg noch nicht findet, der mag sich auf seine Zellen besinnen – was im Alter immer leichter fällt: unsere Zellen sterben jeden Tag, ohne dass unser Geist davon berührt wird. Einfach mal drauf achten … wenn zwischen der ganzen „Unterhaltung“ und „Beschäftigung“ für einen selbst und die eigenen Dinge überhaupt noch Zeit ist. Lediglich wenn der Körper (unser Gefährt, unser „Auto“) zu massiv beschädigt ist, können wir uns im Verkehr des Lebens nicht mehr mitbewegen – was aber nicht heißt, dass das Auto das gleiche ist wie sein Fahrer.

Und was machen wir mit jenen, die die Erzählungen vom Tod als „Mythos“ abtun, als „Halluzination“? Nun – ihr Anspruch auf Wahrheit ist in etwas so hoch wie der jener, die behaupten, unser ganzes Leben sei nur ein Traum – mehr nicht. Kann man so sehen, wenn man will (es gibt in der Philosophie einige, die sich einer solchen Realität gestellt haben) … muss man aber nicht.

Und was machen wir jetzt mit dem Tod? Mit unserem Tod?

Vielleicht befragen Sie mal Ihre längst verschütteten aber immer noch vorhanden Instinkte anstatt die ahnungslose „Wissenschaft“. Diese „Wissenschaft“ ist nur Naturwissenschaft, Natur ist aber nur jener Raum, in den wir mit unserer Geburt eintreten und den wir mit unserem Tode verlassen, Ihre Instinkte jedoch wurden ihnen mitgegeben, damit sie nach der Geburt überhaupt lebensfähig sind – und ihre Rolle spielgen können. Wenn danach wirklich unsere völlige Auslöschung droht … glauben Sie wirklich, auch nur ein einziger Wikinger hätte sich auf den Weg über unbekannte, dämonische Meere gemacht, um neues Land zu finden … von dem gar nicht sicher war, dass es das gibt? Glauben Sie, auch nur ein Mensch hätte jemals sein Leben für seine Überzeugungen riskiert, wenn er nicht im Grund seines Herzens überzeugt davon wäre, dass die Art, wie wir leben, viel wichtiger ist, als die Dauer dieses Einzellebens?

99% der Menschen, die bislang gelebt haben, waren andere Werte wichtiger als das bloße Überleben. Sollte das nicht als Anhaltspunkt dafür ausreichen, dass der Tod weit weniger zu fürchten ist als zum Beispiel die Degeneration der eigenen Seele, des eigenen Geistes?

In diesem Sinne wünsche ich: Frohes Ostern!

PS: das „Denken“ die einzige Art für uns wahrhaft erlebbarer Realität ist, ist im Übrigen die Grundlage sämtlicher Naturwissenschaft. Seltsam, welche Blüten die trotzdem treibt, seltsam, wie sie uns verkaufen will, dass das Studium der Bühnenbildnerei wichtiger ist als die Aufführung des Stückes selbst.

 

 

 

 

 

 

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