Neoliberalismus

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Best Subversive Artist Award 2022 – Laudatio

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And the winner is … Torston e. Höhle.

Jedes einzelne seiner Adbusting-Sujets führt zu einem Déjà vu. Man fühlt sich in die Rolle des John Nada in „Sie leben“ versetzt, der nach dem Aufsetzen einer speziellen Brille plötzlich die Wahrheit hinter der glänzenden Fassade des Kommerz sehen kann. So schrecklich dieser Anblick zunächst auch sein mag, er hat auch etwas Heilsames. Letztlich konnte sich die Menschheit in John Carpenters Film nur durch das Aufsetzen dieser Brille von der unheimlichen Macht befreien, die sie unterjochte. Doch das Aufwachen aus dem gleichgeschaltet-belanglosen Leben, das Nietzsche eher als Tod bezeichnet hat, geht selten sanft vonstatten. Zu süß ist der Traum, den uns eine hochprofessionelle Armada an polit- und konzernwirtschaftlichen PR-Experten träumen lässt. Und zu wirksam das Narkotikum der Infusionsflasche, an der wir fast den ganzen Tag über hängen.

Es braucht also disruptive Ereignisse, um die Kruste zu knacken und wieder Licht in den Kokon zu bringen, der um uns gewoben wurde. Da das, was uns gefangen hält, in Wirklichkeit gar kein Dinosaurier, sondern eher ein aufgeblasenes Gummikrokodil ist, reicht oft ein kleiner Stich, um ihm die Luft auszulassen und das Monster wieder auf handhabbare Größe zusammenschrumpfen zu lassen. Und genau mit diesen Nadelstichen versorgt uns Torston mit seinen Logohacks. Jeder südtäusche Spiegelbildbürger, der sie zu Gesicht bekommt, spürt unweigerlich, wie etwas in ihm, auf das er bislang große Stücke gehalten hat, zusammenbricht. Natürlich ist es starker Tobak und zunächst wie unzumutbar, wenn man z.B. Söders Weißwurst dann als madendurchsetzten Balg mit Gammelfleisch erkennen muss, der selbst für ausgewiesene Aasfresser im städtischen Zoo eine Zumutung darstellt. Doch nachdem der Ärger über diese Desillusionierung verflogen ist, wird man letztlich doch dankbar dafür sein, dass man davon abgehalten wurde, weiter von dieser Wurst abzubeißen bzw. sich den nächsten Booster zu holen.

„Einmal in Generationen wird der perfekte Killer geboren, ein König auf seinem Gebiet …“, erklärt uns eine Stimme aus dem Off im Intro zum B-Movie Actionspektakel „Crying Freeman – Der Sohn des Drachen“. Der Film handelt von einem edlen Attentäter, der sich unter anderem als schlichter Töpfer getarnt an Paten krimineller Syndikate heranschleicht, um ihnen dann eine Kugel zu verpassen oder aus devotionaler Pose heraus plötzlich den mit Kerosin gefüllten Mund zu öffnen und ihnen einen Feuerschwall entgegenzuspucken. Torston wird es mir hoffentlich nicht übelnehmen, wenn ich ihn in diesem Sinne als einen perfekten Killer und Meister auf seinem Gebiet bezeichne. Ich meine den Killer gewiss nicht so, wie ihn Biden Putin an den Latz geknallt hat, sondern in seiner edelsten Bedeutung im Sinne des Tyrannenmords, der ja auch von den großen Geistern unserer Philosophie als gerechtfertigt angesehen wurde. Schließlich schafft Tyrannei ein Milieu, das demjenigen diametral entgegengesetzt ist, was das eigentliche Wesen und die Bestimmung des Menschen ausmacht: Freiheit und empathische Liebe. Wobei die Tyrannei des “megatechnischen Pharao“ (J. Kichhoff), die uns heute droht und die seine Wegbereiter bereits ganz unverblümt an die Wand malen, alles übersteigen würde, was bisherige Tyrannen der Menschheitsgeschichte an Schaden anzurichten vermochten.

Beim Ausüben seiner Doppelnull-Lizenz braucht sich Torston also wahrlich nicht vor einem schlechten Gewissen zu sorgen. Im Gegenteil: Er folgt zu 100% seinem Gewissen, indem er eben nicht mitmacht beim Ausrollen des roten Teppichs für den KI-Pharao, sondern ihm Sand ins Getriebe streut. Dieser Pharao würde seine kreativen Fähigkeiten zweifellos willkommen heißen und gut honorieren so wie das auch beim Gros der heutigen Kreativköpfe und Influencer gut funktioniert. Sie wähnen sich überlegen lächelnd in einer win-win-Situationen und realisieren nicht, dass sie und ihre Kinder schon demnächst selbst ins Katzenfutter faschiert werden, nachdem sie ihre Funktion als charmante Wegbereiter des Wahnsinns erfüllt haben.

Doch in dunklen Nächten leuchten einzelne Sterne bekanntlich umso heller. Wem es beim Lesen der Leitmedien immer schwärzer vor Augen wurde und schließlich sogar geistige Atemnot einsetzte, der hatte in Torstons Bauchladen zumindest diese Möglichkeit der Frischluftinhalation. Zumindest visuelle Gourmets wussten um diese kleine Oase der sprühenden Kreativität und des Galgenhumors, an der sie nicht nur aufatmen, sondern bei aller Abgründigkeit der visualisierten Themen mitunter auch herzhaft lachen konnten. In einer Zeit, in der Worte weitgehend versagen bzw. kaum noch Ohren finden, die sie hören wollen, greifen solche Visulisierungen wohl viel tiefer, um das Unsagbare zu greifen und damit wieder handhabbar zu machen.

An sich wäre die Situation der letzten beiden Jahre also eine Sternstunde für alle Künstler gewesen. Nahezu jeden Tag wurde ihnen ein neu aufgelegter Elfmeterball vor die Füße gelegt, den sie lediglich verwandeln hätten müssen. Ein Künstler hätte in dieser Zeit so viele Punkte für die Ewigkeit sammeln können wie in einem gesamten langen Leben nicht. Doch zum Erstaunen des Publikums … drehten sich die meisten um und nahmen Reißaus. Die wenigen, die den Ball annahmen, schossen phänomenal daneben – sofern sie den Ball nicht sogar dazu benutzten, um mit besonders hartem Kick und Bananendrall auf das Publikum zu schießen, um „das Pack“ endlich zum Schweigen zu bringen. Nicht nur die herrschende Klasse, auch ihre Statthalter und Hofnarren wollten schließlich so schnell wie möglich wieder weitermachen mit ihrem dekadenten Luxusleben. Der Entzug an Austernschlürfen und Gangbangparties im Berliner Berghain war ihnen bereits unerträglich. Nicht so der Mastermind der E-Gruppe Berlin, Torston e. Höhle. Die Bälle, die in seine Reichweite kamen, hat er ausnahmslos verwandelt. Zielsicher und kompromisslos. Gerüstet nicht nur mit professionellem Handwerkszeug des Grafikers, sondern auch mit Witz, Empathie und meta-philosophischem Auge, geschult unter anderem an den Werken des Giordano Bruno-Exegeten Jochen Kirchhoff, nahm er den Ball an. Nicht, dass er bei diesem Elfmeter-Marathon nicht auch ins Schwitzen und zeitweise ins Strauchlen geraten wäre – wie sollte das auch anders sein, wenn die Schiedsrichter des derzeitigen Finalspiels der Champions-League quer durch die Bank gekauft sind und jedem, der sich dem gerechten Elfmeter annähern möchte, die rote Karte zeigen? Wo die Kameras der millionenschweren Rundfunkkonzerne in geschlossener Front wegschwenken, wenn ein barfüßiger Spieler des Plebs im Match gegen die perfekt trainierten und fürstlich alimentierten Legionäre der Neuen Normalität dann doch ein Tor erzielt. Und wo sich auf den Tribünen jede Menge neoliberale Hooligans tummeln, die jeden wütend ausbuhen, der ihnen den feuchten Traum von Orwells selbstfütterndem Panoptikum austreiben möchte.

Wer sich inmitten eines solchen massenmedialen Infernos ganz ungerührt gibt, wäre wohl nicht ganz ehrlich mit sich selbst. Sogar Herkules würde angesichts eines solchen Augias-Stalles zunächst schlucken. Worauf es ankommt ist allerdings, in Bewegung zu bleiben, nicht in Schockstarre vor dem vermeintlich übermächtigen Gegner einzufrieren, immer wieder aufzustehen, sich nicht zuviel zuzumuten, denn es ist hochtoxisch, aber das an sich Unverdauliche zumindest in kleinen Dosen kreativ zu verarbeiten und aus der Erkenntnis des Destruktiven vielleicht sogar einen Baustein für die Zukunft zu formen. Torston E. Höhle hat diesen Sportsgeist unter Beweis gestellt. Entgegen allem Gegenwind und zeitweise ganz allein auf weitem Flur in Berliner Metropole, in der er bei Verlassen seines Ateliers jederzeit damit rechnen musste, dass Sascha Lobo oder andere Widergänger mit ihren Wadenbeißern um die Ecke biegen, um zu „äußerln“. Nicht nur Bäumen, Sträuchern und Hosenbeinen wurde auf diese Weise der Garaus gemacht. Auch unzählige Gehirne, die sich in den Strahl stellten, wurden verätzt und dysfunktional gemacht. Doch Torston schaffte es immer rechtzeitig, einen Haken zu schlagen und auch nicht in die semiintellektuellen Hundewürste hineinzutappen, die wie Tretminen den Gehweg übersäen.

In dieser hostilen und mittlerweile auch für überzeugte Maskenträger zum Himmel stinkenden Atmosphäre hat sich Torston ein kleines Labor der Kreativität aufgebaut, aus dem er regelmäßig seine Pfeile abfeuert. Nicht nur virtuell. Es gab auch eine Zeit, in der seine Logo-Hacks in Stickerform die Straßenlaternen und U-Bahnfenster zierten. Freunde seiner Kunst konnten sie erwerben und beim Vorbeigehen dezent platzieren. Diese Form des analogen Protests bleibt eine reale Möglichkeit des Widerstands. In einer Zeit, in der der digitale Raum zunehmend der Zensur unterworfen wird, müssen wir vielleicht wieder mehr auf analoge Mittel der Ausdrucksgebung zurückgreifen. Bevor sich also jemand der Depression hingibt, da er in den sozialen Medien wieder gesperrt, shadowgebannt oder gelöscht wird: Vielleicht einfach bei Torston anklingeln und einen Bogen Sticker ordern. Eine kleine Spende für seine vom Mainstream verschmähte Arbeit ist dabei wohl nicht am falschen Platz investiert und hilft beim Nachdrucken.

Oder man kauft sich einen Packen A4-Klebepapier und bedruckt dieses im Heimdrucker in Eigenregie mit den Bonmots von Torstons Website (raum-e.tumblr.com). Macht aus eigener Erfahrung gewaltig Spaß, derartige Sticker im öffentlichen Raum anzubringen und dann eine Weile zuzugucken, wie fernsehende Spiegelbildbürger daran kurzzeitig aufschrecken und kognitive Dissonanz spürbar wird. Wer in den sozialen Medien wenig Likes erhält, hat mit solchen Stickern im Übrigen wesentlich mehr Erfolgserlebnisse und darf sich manchmal sogar den Bauch halten, wenn er sich ausmalt, was im Kopf von Bürgern vorgeht, die immer noch krampfhaft versuchen, den Traum des „besten Deutschland, das wir je hatten“ zu träumen, wenn sie verstört einen von Torstons Adbustern zur Kenntnis nehmen und damit einen Nadelstich in das aufgeblasene Gummikrokodil davontragen, das sie am Rücken tragen.

Selbstausgedruckte Bildchen sind zwar nur begrenzt haltbar und halten keinen Regen aus. Bis sie verblassen oder entfernt werden, haben sie aber bereits viele hunderte oder tausende Menschen gesehen. Viel mehr Reichweite also, als man als User mit einem durchschnittlichen Blogpost erzielt – wobei wir ja inzwischen von den Softwareingenieuren von Twitter, Facebook & Co. wissen, dass mitunter auch all die ausgeteilten Kommentare, Views und Likes nur Algorithmus-Fakes sind und man sich mit unerwünschter Meinung in Wirklichkeit wie in einer virtuellen Gummizelle befindet, wo man sich austoben darf, aber wo einen in Wirklichkeit kaum jemand hört.

Wohl kaum einem Künstler ist es gelungen, die derzeitige Realsatire dermaßen treff- und stilsicher ins Bild zu bringen. Während wir Zeugen sein mussten, wie nahezu alle Helden unserer Jugend wie Dominosteine nacheinander umpurzelten und wir sie schweren Herzens abtakeln und in den Keller packen mussten, lief Torston im Angesicht des massenmedialen Molochs zu seiner Hochform auf. Nur noch wenige Ikonen des Kommerz gibt es, die er mit seiner Crossover-Adbusting-Lanze nicht sauber aufgespießt und gehäutet hätte. Die meisten dieser Edelwildschweine leben zwar noch, galoppieren munter durch den Wald und richten weiterhin beträchtlichen Schaden an. Sie haben nur noch nicht zur Kenntnis genommen, dass die Lanze bereits in ihnen steckt und sie demnächst auf der Strecke bleiben werden. Auch noch so viele mRNA-Impfungen werden sie nicht vor ihrem Schicksal bewahren. Auch nicht all ihr Geld, Macht und das bezahlte Lachen ihrer Influencer-Clowns.

Obwohl (vielleicht gerade weil) selbst passionierter Techno-Freak, hat Torston messerscharf erkannt, was uns mit der schönen neuen Technowelt blüht: Nichts weniger als Dantes Eishölle und Orwells Alptraum in einem Aufguss, die Abschaffung von Individualität, Selbstbestimmung, Kreativität und Kultur, d.h. die Ausmerzung  des Homo sapiens wie wir ihn kennen. Und dass es falsch verstandene Coolness wäre, diesem versuchten Kehlenschnitt tatenlos zuzusehen. Dass Kirchhoffs „megatechnischer Pharao“ kommen wird, lässt sich womöglich kaum noch verhindern. Die Vorbereitungen für seine Inthronisation laufen auf Hochtouren und seine Followerscharen sind bereits unübersehbar. Doch all das wäre noch nicht schlimm. Es hat so kommen müssen und wir könnten die Konfrontation mit dem Abgrund auch als Reifeschritt nutzen. Schlimm wäre es nur, wenn wir dem schlafend gegenüberstehen. Jeder kleine Stups, der uns aus unserem massenmedialen Schlummer reißt, ist daher Gold wert. Und es sind mittlerweile zahllose Stupse, die uns Torston geliefert hat. Wer seine Timeline durchscrollt, gelangt bis ins Jahr 2012, wo für die meisten von uns der Fußball noch rund, der Rasen grün und die Weißwurst schmackhaft war. In diesen scheinbar idyllischen Verhältnissen hat er bereits den Wurm ins Bild gebracht, der sich geduldig Richtung Kern unseres Apfels fraß und dessen Fäulnis erst 10 Jahre später mit voller Wucht zutage getreten ist.

Nach einstimmigem Beschluss des Kulturressorts des Nachrichtenspiegel geht daher der diesjährige „Best Subversive Artist Award“ an den Mastermind der E-Gruppe Berlin, Torston E. Höhle. Das Preisgeld von EUR 500.- wurde aus einem Fonds mittelständischer Unternehmer bereitgestellt, die sich für den Erhalt von Diskurs- und Meinungsfreiheit einsetzen. Der Betrag wird ausgezahlt in Krugerrand-Silbermünzen. Wir wünschen Torsten weiterhin alles Gute und frohen Mut. Wie jeder Marathonläufer weiß, muss man sich seine Kräfte gut einteilen. Denn was wir die letzten beiden Jahre erleben durften, war womöglich nur die Ouvertüre zu dem, was jetzt noch kommt. Auch eine Atempause sei daher gestattet.

Überhaupt sollte man „Erfolg“ in solch präapokalyptischen Zeiten keinesfalls in Google-Maßstäben messen. Wer sich in Quantität und Masse misst, müsste heute unweigerlich verzweifeln. Weiterkämpfen kann man wohl nur, wenn man die unangenehme Realität schlicht zur Kenntnis nimmt: Die Zerstörung ist bereits passiert, im Großen und Ganzen wurden wir vernichtend geschlagen. Wir wurden auf so vielschichtige und unablässige Weise vergiftet, dass dies kaum noch rückgängig zu machen ist. Doch gerade davon darf man sich keinesfalls entmutigen lassen. Für die breite Mehrheit ist das Spiel gelaufen. So tragisch dieser Verlust bzw. ihr Schicksal sein wird, aber um diese Mehrheit geht es nicht. Es wäre wiederum eine erzkapitalistisch-materialistische Haltung, wenn man seinen Erfolg nur im Retten der großen Masse sieht. Wenn es gelingt, dass sich zumindest eine Minderheit vom nicht mehr zu reformierenden System der Ausbeutung und Heuchelei lossagt und den beschwerlicheren Weg der Wahrheit (ich weiß: was für ein ekelerregendes Wort, das jeder posthumanistische Hariri-Harakirist nur mit einem zynischen Verziehen seines Mundwinkels quittieren wird) wählt, dann wird es eine Zukunft geben. Auch wenn es nur eine Handvoll Menschen wäre. – In Wirklichkeit sind es nicht Tausende, sondern bereits Millionen. Und das darf Hoffnung geben.

Und wer weiß, bei wie vielen Menschen der Anblick eines der oben gezeigten Kunstwerke den entscheidenden Tropfen abgegeben hat, um das Fass zum Überlaufen zu bringen, um zu realisieren: Dieses „kannibalische System“ (Jean Ziegler) hat fertig. Es braucht jetzt eine vollkommene Kehrtwende. Und wenn ich diese auch ganz alleine gehe und es mich alles kostet. Aber in das bodenlose Schwarz dieses Abgrunds werde ich nicht weitermarschieren.

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P.S.: Einige von Torstons Sujets gibt’s übrigens als T-Shirts im harlekinshop (Kollektion “ADBUSTING & GUERILLA”):

Gewinne aus dem Kauf dieser Produkte kommen nicht nur Bürgerrechtsvereinen und investigativem Journalismus zugute, sondern werden allgemein an Menschen, Initiativen und Projekte vergeben, die dringender Unterstützung bedürfen. Z.B. wurden schon vor offiziellem Ausbruch des Ukraine-Krieges, als die Zivilbevölkerung des Donbass unter täglichem Beschuss nationalistischer Verbände und Söldner stand: Küken geliefert. Nicht Waffen wie von den „Grünen“:

(Bilder: E-Gruppe Berlin, harlekinshop.com)

 

 

 

 

 

 

The Great Reset – die Zukunft der Menschheit

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Dienstag, 14.6.2022. Eifel. Es ist ja klar, was uns jetzt droht, oder? The Great Reset. Und alle wissen, was das heißt: das Ende ist nah. The Great Reset hat nahezu nahtlos einen anderen urbanen Mythos ersetzt: die NWO, die neue Weltordnung, New World Order. Schon die war der Teufel in Person, jeder konnte in sie hineinprojezieren was er wollte, ohne sonderlich auf Fakten, soziologische Forschung oder Historie Rücksicht zu nehmen. Der Vordenker des Great Reset ist ein Herr Namens Klaus Schwab, der wiederum nahtlos Bill Gates als Oberbösen ersetzte. Offenbar haben einfach zu viele Menschen klassische James-Bond-Muster zur Welterklärung übernommen: es muss immer einen bösen „Dr. No“ geben, der die Weltherrschaft anstrebt. Ohne geht nicht. Oder eine böse Hexe, die dringend verbrannt werden muss, damit alles wieder heil wird: da wird das Mittelalter die Tage wieder sehr lebendig. Die Rolle des James Bond wird dann gerne anderen mächtigen Milliardären übergeben: Wladimir Putin zum Beispiel – oder Donald Trump. Wer da Erlösung sucht, handelt völlig im Sinne des Systems und überläßt den politischen Raum kritiklos der Superreichenkaste. Dabei gab es mal eine Alternative zu den Superreichen: die kommunistische Weltrevolution, die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durchsetzen wollte. Hat sie auch – aber nur für Parteimitglieder. Ging also völlig schief – aber das ist kein Grund, ihre Erfolge zu vergessen, die vor allem in der effektiven Organisation der Fleißigen gegen die Ausbeuter bestand.

Nun ist Klaus Schwab kein Engel, sondern ein effektives Mitglied der von Reichtumsforscher Krysmanski beschriebenen ergebenen Funktionselite der Metamenschen, der hat mehrere Netzwerke etabliert, in dem die Reichen und Mächtigen völlig unter sich sind und sich einfach mal so zwanglos austauschen können.  Das Forum ist auch eine Gelddruckmaschine mit jährlichen Gewinnsteigerungen von 7 Prozent – unabhängig von allen Krisen (siehe Süddeutsche) – alles fest in einer Hand. Und das läßt sich der Herr Schwab – der sonst gerne zu hohe Managergehälter kritisiert – auch fürstlich entlohnen … sehr zum Ärger staatlicher Stellen, die das WEF mit Geld unterstützen (siehe srf). Für einige jedoch ist er der große Weltverschwörer, der finsterste, ja, allerfinsterste Pläne mit uns hat, Pläne, die er selbstverständlich ganz offen in Buchform der Allgemeinheit präsentiert … als wüssten wir nicht, dass Verschwörer gerne mal Köder auslegen, die uns alle beschäftigen, während hinten herum das große Rad in eine ganz andere Richtung gedreht wird. Insofern sollte es nicht wundern, dass der Mythos vom „Great Reset“ von Naomi Klein auch wirklich als solcher beschrieben wird: ein Zuckerle für die Massen, denen der Tod des Neoliberalismus vorhergesagt wird (siehe the intercept): im Krieg Reich gegen Arm setzen sich Reiche an die Spitze des Widerstandes im Kampf gegen sich selbst … was ihnen dann die Guillotine ersparen hilft. Das einflussreiche Magazin Forbes hält den ganzen Spuk um den great Reset sogar als eine Gewissensberuhigungsaktion der Reichen (siehe Forbes).

Die Versprechen sind ja auch vollmundig (siehe br):

„Es geht darum, die Welt weniger gespalten, weniger verschmutzend, weniger zerstörerisch, integrativer, gerechter und fairer zu machen, als wir sie in der Zeit vor der Pandemie hinter uns gelassen haben.“

Schwab selber warnt vor dem absoluten Überwachungssstaat, der in Folge der Pandemie entstehen kann (Schwab, The great reset, Seite 230) und trägt so selbst die Befürchtungen vor, die seine Gegner auch umtreiben: man könnte meinen, man sei in einem Irrenhaus. Er spricht auch von der kommenden Umverteilung von reich nach fleißig: wer könnte da schon was dagegen haben? Eine Welt, die gerechter wäre, sauberer, friedlicher, fairer – der Traum aller normalen Menschen. Was geschieht, wenn die Welt ungerecht, unfriedlich und unfair ist, erleben wir zwei Jahre nach der Veröffentlichung des „Great Reset“: die Weltwirschaft kollabiert dank eines kleinen Krieges (oder – wie man ja seit einiger Zeit so schön sagt: einer „militärischen Sonderoperation“) – und natürlich dank ukrainischer Seeminen, die die Ukraine „großflächig“ im Nordosten des Schwarzen Meeres ausgebracht hatte (siehe dw) und die jetzt – wegen gerissenem Ankertau – die ganze Region gefährden. Wir standen schon vor dem Konflikt am Rande des Weltuntergangs – und sind jetzt in der Tat einen großen Schritt weiter. Zwei Jahre nach den tollen Plänen des Great müssen wir festestellen, dass die Vermögen der Superreichen rasant wachsen (siehe Tagesschau) – und damit auch ihr politischer Einfluss via Medien, Stiftungen und Politik. Während alle noch darauf warten, dass Klaus Schwab den Kommunismus einführt (in der Tat wird er in den USA als Sozialist angesehen: die übelste Sorte von Schurken, die sich Superreiche überhaupt vorstellen können – schlimmer noch als Dr. No und die Brockenhexe zusammen) – oder den chinesischen Superstaat weltweit etabliert – kassieren die Superreichen ab: aktuell wird vor einem Tsunami der Krankenkassenbeiträge gewarnt (siehe Tagesschau) – aktuell nicht nur wegen Corona, sondern vor allem wegen dem Krieg in der Ukraine. Wieso wir den mit unseren Krankenkassenbeiträgen bezahlen müssen, erfahren wir nicht.

Das wird aber noch doller kommen: während wir in Europa (und auch in den USA) eine Rekordinflation bekommen, Benzin, Heizung, Nahrung und Mieten immer unbezahlbarer werden und schon jetzt für viele Mitbürger (knapp die Hälfte) unbezahlbar sind, sagen Experten voraus, dass das Schlimmste noch kommen wird: der Zusammenbruch der gesamten globalen Wirtschaft (siehe Stern). Schlimm für Länder, die von den Importen maximal abhängig sind – wie wir. Aber das merken wir ja jetzt schon an den zunehmend leeren Regalen. Steigen die Spritpreise weiter, wird kein Transportunternehmen mehr unsere Städte mit Nahrungsmitteln versorgen können, drehen die Ölstaaten die Hähne ganz zu, werden wir noch nicht mal mehr Geschäfte haben-  sondern nur das, was wir auf dem Balkon selber züchten können.

Fakt ist: der für 2020 angekündigte Great Reset ist – allen aufgeregten You-Tube-Videos zum Trotz – schon jetzt vorbei. In Wirklichkeit gibt es keinen Reset, auch keine NWO, sondern weiterhin das alte Problem: den Kapitalismus – auch wenn das Wort schon ziemlich altbacken ist. 2009 hat Sarah Wagenknecht uns mal darüber aufgeklärt, was dieser Kapitalismus alles so anrichtet (siehe Sarah Wagenknecht):

„Kapitalismus und Krieg sind zwei Seiten einer Medaille. Das kapitalistische Wirtschaftssystem beruht auf dem Prinzip der Konkurrenz, es geht um die bestmögliche Ausgangsposition zur Erzielung des größtmöglichen Profits. Ausbeutung und Expansion sind dem Kapitalismus deshalb inhärent. Das Nutzen militärischer Mittel, um die eigene wirtschaftliche Position zu verbessern, den Zugang zu Ressourcen zu sichern und ihre Ausbeutung zu ermöglichen, ist eine Konsequenz der kapitalistischen Logik. Der französische Sozialist Jean Jaurès hat es treffend formuliert: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“

Krieg ist nichts anderes als die Fortsetzung der Profitmaximierung mit militärischen Mitteln.“

Wie diese militärischen Mittel praktisch aussehen, kann man bei John Perkins „Bekenntnisse eines Economic hit man“ nachlesen, er erläutert detalliert jeden Schritt der Machtentfaltung durch Korruption, Mord oder Bombenteppiche, wenn die ersten beiden nicht funktionieren.

Der Kapitalismus – oder seine moderne, smartere Form: der Neoliberalismus – braucht Wachstum: und was gibt es schöneres als Krieg und Seuchen, um endlich mal wieder alles neu aufbauen zu können, neu verdienen zu können, neue Märkte zu schaffen – wenn auch mit Millionen Toten. Die sieht man aber auf dem Konto nicht – und auch nicht auf seinem Anwesen in Virginia. Man verdient an den Impfungen (die schlimmer scheinen als gedacht – siehe Focus) und anschließend an der Behandlung der Impfschäden, man verdient am der Verteidigung der Ukraine (oder ihrer Eroberung) und anschließend am Wiederaufbau – man kann sich so vor Geld gar nicht mehr retten, man muss dafür nur günstig am Geldfluss positioniert sein.

Was passiert eigentlich wirklich in der Ukraine? Kurz gesagt: russische Oligarchen kämpfen gegen ukrainische Oligarchen, die von Nato-Oligarchen unterstützt werden. Der Kampf wird um ein Land geführt, dass eigentlich seit 2014 schon chronisch pleite ist (siehe Telepolis) und nun – nachdem es lange Zeit von Russland subventioniert wurde – neue Sugardaddys im Westen sucht: mit einem gigantischen „wir-kämpfen-gegen-den-Untergang-des-Abendlandes“- Mythos, perfekter Positionierung in westlichen Millionärsmedien und professionellen Schauspielern in den entsprechenden Rollen. Es gibt übrigens einen regen Busverkehr von Deutschland in die Ukraine – womöglich schätzen die Ukrainer selbst die Kriegsgefahr nicht ganz so groß ein als die Oligarchen des Westens es gerne hätten (siehe Tagesschau). Laut UN-Angaben hat der Krieg seit Ende Februar 4000 Zivilisten das Leben gekostet (siehe Statista). Darf in dem Zusammenhang an das Kriegsverbrechen der USA in Al-Amiriya erinnert werden – wo eine einzige Bombe auf eine zivilen Luftschutzbunker 408 Menschen das Leben gekostet hat – darunter 142 Kinder (siehe jg-nachgetragen). Ja – in den Irak will heute noch keiner zurück. Und wer die Zivilisten wirklich auf dem Gewissen hat – russische, kannibalische Monster oder gewiefte Scharfschützen der ukrainischen Oligarchen (die ja auch schon beim Maidan gerne auf eigene Leute geschossen haben – siehe wdr): wir wissen es nicht. Und werden es wohl auch erst wieder Jahrzehnte später erfahren – falls dann noch jemand übrig ist, der sich für diese Themen interessiert.

Und währenddessen … arbeiten die Lakaien der Superreichen an einer ganz anderen Zukunft, einer Zukunft ganz ohne uns „Ballastexistenzen“, „Minderleister“ und bildungsferne Lebenskrücken. Das geschieht nicht so offen wie der „Great Reset“ – der nur eine Ablenkungsblase für das schlaffe Volk war – aber offen genug, dass jeder es wissen kann.

Die Superreichen planen in der Tat, sich eigene Welten zu erschaffen, eigene Paradiese, fernab von den Kriegen, Katastrophen, Sorgen und Nöten der „Kosten auf zwei Beinen“, wie man Menschen in diesen Kreisen gerne nennt. Ganz vorne dabei ist: Peter Thiel, einer jener Gestalten, die quasi aus dem Nichts zu viel Geld gekommen ist (nur 4,7 Milliarden, ist also ein kleiner Superreicher – aber ein Netzwerker wie Klaus Schwab … halt: 2022 hat er ja schon 7 Milliarden, Corona sei dank  – siehe androidkosmos). Es sollen Inseln werden, traumhafte Südseeoasen (siehe Tagblatt) wohin sich die neuen Metamenschen zurückziehen wollen: eigenen Staaten, die die übrigen Länder der Welt komplett ausgesaugt haben. Ach – aussaugen: Der Herr Thiel war auch einer der ersten, die die lebensverjüngende Wirkung von jungem Menschenblut schätzte (siehe Zeit): die Inseln werden also Blutfarmen brauchen. Wer übrigens meint, diese Inselpläne seien nur Utopie, der irrt: 2022 wurde Ex-Kanzler Kurz für das Projekt verpflichtet (siehe Stern). Ein ähnliches System wie das, dass sich Herr Thiel für unsere Zukunft so vorstellt, hatte auch Adolf Hitler für Russland geplant: große, saubere Zentren für die Herrenmenschen – und die Untermenschen sollten im verwüsteten Umland verrecken (siehe The Times, Altas des 2. Weltkrieges, Bechtermünz 1999, Seite 91: die Nachkriegsordnung der Nazis).

Ergo: es wird keinen Great Reset geben. Der war auch nie geplant. Alles nur Ablenkung für den großen Plan: der Schaffung einer superreichen Herrenrasse von Metamenschen: besonders schön, besonders reich, besonders langlebig. Und damit die gut leben können, muss die Welt leerer werden. Viel leerer. Dazu muss man nicht viel tun: ein paar kleine Kriege vom Zaun brechen (sie aktuell den drohenden Krieg zwischen Türkei und Griechenland – bin gespannt, wem wir da Waffen liefern – siehe Tagesschau), andauernde Seuchen- und Klimapanik (erst langsam kommt man ja jetzt auch mal auf die Idee, dass es Menschen gibt, die völlig immun gegen das Virus sind – siehe Spiegel), der Zusammenbruch der globalisierten Welt, der Kollaps der Nationalstaaten (die sich auch gut eignen, um ewige Kriege zu inszenzieren) – so kann unbemerkt die Geburt der neuen  Zeit geschehen: die Gottwerdung des transhumanen Menschen auf seinen gelobten Inseln voller Supertechnik und Ultraluxus – während der Rest von uns in den Ruinen verhungert und immer noch vor Klaus Schwab, dem Great Reset oder dem Soziaismus warnt. Peter Thiel ist übrigens ein großer Fan von Donald Trump (siehe ntv) – nur um mal die einfacher strukturierten Mythen über US-Politik auf den Boden der Tatsachen zurückzuführen.

Ja – und was ist jetzt zu tun?

Nun – die Frage ist berechtigt. Wenn wir keine Lust haben, in Ruinen zu leben, sollten wir Nicht-Superreichen uns zusammenschließen, die Machtzentren übernehmen und einen richtigen Neustart machen. Aber das geht ja nicht, weil wir für oder gegen Corona sind, für oder gegen die Impfung, für oder gegen Flüchtlinge, für oder gegen den Islam oder für oder gegen die Ukraine bzw. Russland – oder eben für oder gegen Trump oder Putin. Und solange wir in diesem – bösen – schwarz-weiß-Denken verhaftet sind, uns von Geheimdienstlegenden blenden lassen und nur noch böse Einzelpersonen suchen, die man zum Heil der Welt verbrennen kann, werden wir in eine Zukunft geführt werden, die den Tod von Milliarden billigend in Kauf nimmt: und das Sterben nimmt jetzt gerade richtig Fahrt auf.

Oder?

Landtagswahl NRW: die Basis – schon am Ende. Tagesgedanken.

Ja, die Basis. Ist mir immer wieder ein Rätsel, wie eine Partei, die das Corona-Problem als Mittelpunkt hat, die inzwischen mehr Mitglieder hat als die AfD am Wähler so vorbeimarschieren kann. Unglaublich aber wahr: die haben in NRW gerade mal 0,8 Prozent der Stimmen geholt. Wie kann das sein, wo doch Millionen in Berlin demonstriert hatten? 59000 Stimmen haben die in NRW bekommen – mehr nicht. Mag es sein, dass die Regierung im Marketing viel erfolgreicher war als diese neue Partei – dass man das Corona-Narrativ viel eher glaubt als die Kritik? Nun – auch selbst wenn in der Szene viel Eigenlob war, viel Selbstbehudelei – manchmal sogar bis ins Unerträgliche – so sollte doch bei 20 Prozent Impfverweigerern genug Potential zusammenkommen, um politisch handlungsfähig zu werden. Es sei denn … nun ja: man hat da die Fraktion oberschlau dabei, die gar nicht mehr wählen geht und denkt: das wäre jetzt ein megapolitischer Akt. Nein – das ist gar nichts – außer indirekte Unterstützung der neoliberalen Blockparteien. Und wer überhaupt was ändern möchte, muss Menschen in großer Zahl zusammenbringen – in sehr großer Zahl. Da kann man dann nebenbei auch eine Partei in die Öffentlichkeit bringen. Aber was weiß ich schon. Der Kampf um die Macht im Lande wird allerdings nicht bei Spaziergängen entschieden, noch auf dem Sofa oder bei Telegramm. Aber das scheinen viele lieber zu ignorieren. Ich selbst habe diese Partei nach Kräften unterstützt, obwohl sie mir im Bereich „Soziales“ sehr unklar aufgestellt ist – und obwohl die Hälfte ihrer Mitglieder dem bedingungslosen Grundeinkommen nicht positiv gegenüber eingestellt ist. Frage mich, wie die wohl zum Niedriglohnsektor stehen. Wenn da viele Unternehmer sind – nun ja: dann positiv. Aber womöglich ist es gerade das, was die Wähler abschreckt: noch eine neoliberale Partei braucht ja wirklich keiner – oder? Und so werden die wohl enden wie die Piraten, die auch jenseits aller Wirkmöglichkeiten angekommen sind. Oder wie die Linke, die Sex mit abhängigen Minderjährigen klasse findet, aber aufs Gendern großen Wert legt: der Gipfel der politischen Heuchelei. Und wo bleibt eigentlich die politische Alternative zum Neoliberalismus? Darf sowas überhaupt noch gedacht werden? Frage für einen Freund…

Hayek und die Planwirtschaft – WOHLSTAND FÜR ALLE Ep. 86

Friedrich August von Hayek ist einer der wichtigsten neoliberalen Theoretiker. In den letzten Jahren seines Lebens war er besonders einflussreich, neokonservative Politiker wie Margaret Thatcher, Ronald Reagan und George Bush senior schätzten seine Ideen zu einer Wirtschaftspolitik, die vor allem darauf hinauslaufen, dass der Staat sich aus der Sphäre der Ökonomie heraushalten soll.
Der Markt, so Hayeks These, sei viel zu komplex, zu undurchschaubar und unvorhersehbar, als dass ihn ein einzelner Akteur oder ein Staat sinnvoll lenken könne. Als Hayek 1974 mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften geehrt wurde, war diese Lehre keineswegs schon überall vertreten. Noch war die Politik der westlichen Welt stark durch #Keynes​ geprägt, wenngleich die Wirtschaft in die Krise geraten war.

Ein günstiger Moment für Hayek, um in seiner #Nobelpreisrede​ „Die Anmaßung von Wissen“ gegen den Keynesianismus Stellung zu beziehen, doch auch Milton Friedman dürfte das Ziel dieser Angriffe gewesen sein.

In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über Hayeks Ausführungen zur Begrenztheit des Wissens sowie der Wissenschaft und über seine Ablehnung einer geplanten Wirtschaft.

Literatur:

Theodor W. Adorno: Einleitung in die Soziologie, Suhrkamp.

Hans Jörg Hennecke: Friedrich August von Hayek zur Einführung, Junius.

Friedrich August von Hayek: „Die Anmaßung von Wissen“, in: Die Anmaßung von Wissen. Neue Freiburger Studien, Mohr Siebeck.

Quinn Slobodian: Globalisten. Das Ende der Imperien und die Geburt des Neoliberalismus, Suhrkamp.

HIStory: Lippmann, Hayek, Friedman und Co. – Vom Neoliberalismus zum Marktradikalismus

Das Thema heute: Lippmann, Hayek, Friedman und Co: Vom Neoliberalismus zum Marktradikalismus

Wir wollen heute die Geschichte erzählen, wie der Neoliberalismus entstand, und wie sich aus ihm der Marktradikalismus herausdestillierte.

Unsere Geschichte beginnt im Jahre 1936. Franklin Delano Roosevelt, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hatte seit 1933 sein Land behutsam aus einer wirtschaftlichen Katastrophe herausgeholt. Dazu nahm Roosevelt die Finanzmärkte energisch an die Leine, verteilte Geld von oben nach unten und stärkte die Rechte der gewöhnlichen Amerikaner. (…)

https://tube.kenfm.de/videos/watch/ba373e4e-1be4-456c-8772-5e34567956feErnst Wol

Thalia und der Tarifvertrag – WOHLSTAND FÜR ALLE Ep. 75

Die Buchhandelskette Thalia steigt aus dem Tarifvertrag aus. Angeblich wegen der Pandemie und der Digitalisierung, dabei berichtete das Handelsblatt noch im Oktober 2020, dass Thalia trotz der Krise ein Umsatzwachstum verzeichnen könne.

Dieser Fall ist beispielhaft: Immer weniger Arbeitnehmer können heute von Tarifverträgen profitieren, so werden zum Beispiel viele Redakteure in Zeitungen unter Tarif beschäftigt (eigentlich verwunderlich, dass es trotzdem noch immer so viele Journalisten gibt, die den Neoliberalismus preisen).

Doch welche Bedeutung haben Tarifverträge und wann sind sie entstanden? Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der Kampf für Tarifverträge oft die Vorhut für Reformen bildete, die allen Arbeitnehmern später zugute kamen. Bereits im 19. Jahrhundert entstanden die ersten Abkommen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, die den Lohn, die Arbeitsbedingungen oder die Arbeitszeit regelten. Die #Gewerkschaften waren es, und sind es noch heute, die mit Arbeitgebern oder #Arbeitgeberverbänden die Verträge aushandeln. Stellt sich die Arbeitgeberseite uneinsichtig und stur, können die Gewerkschaften zum #Streik aufrufen und so den Druck erhöhen.

 

Literatur:

Berliner Morgenpost: Interview mit DGB-Chef Reiner Hoffmann, online verfügbar unter: https://www.morgenpost.de/politik/art…

Institut der deutschen Wirtschaft: Gewerkschaftliche Mitgliederstrukturen im europäischen Vergleich. Ergebnisse des European Social Survey, online verfügbar unter: https://www.iwkoeln.de/studien/iw-tre…

Hagen Lesch/Dennis Byrski: Flächentarifvertrag und Tarifpartnerschaft in Deutschland. Ein historischer Rückblick, online verfügbar unter: https://www.iwkoeln.de/studien/iw-ana…

Walther Müller-Jentsch: Tarifautonomie. Über die Ordnung des Arbeitsmarktes durch Tarifverträge, Springer VS. Michael Schneider: Kleine Geschichte der Gewerkschaften. Ihre Entwicklung in Deutschland von den Anfängen bis heute, Verlag J. H. W. Dietz Nachf.

Corona, Freiheit und die neoliberale Marktwirtschaft

Freiheitliche Demokratie oder Neoliberalismus? Beides zusammen geht nicht.

Ein Standpunkt von Christian Kreiß.

Milton Friedman sagte 1991 in einer Rede: „Politische Freiheit (…) hat die Tendenz, die wirtschaftliche Freiheit zu zerstören“1. Milton Friedman ist nicht irgendwer. Er ist einer der Hauptarchitekten und Vordenker des heute fast weltweit verbreiteten Neoliberalismus und dürfte damit der einflussreichste Ökonom der letzten 50 Jahre sein. Er stellt in dieser Rede eine wichtige Frage: Ob wirtschaftliche und politische Freiheit miteinander vereinbar sind oder nicht. Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden, aber unter umgekehrtem Vorzeichen: Hat eine neoliberale, wenig regulierte, wenig soziale Marktwirtschaft die Tendenz, die politische Freiheit und die Demokratie zu zerstören?

Angesichts der Aushebelung vieler Grundrechte und der zahlreichen Freiheitseinschränkungen im Zuge der Corona-Maßnahmen stellt sich diese Frage heute sehr viel intensiver als früher: Ist freiheitliche Demokratie mit neoliberaler Marktwirtschaft vereinbar? Meine Antwort: Nein. Die freiheitseinschränkenden Corona-Maßnahmen zeigen wie im Vergrößerungsglas lediglich eine Entwicklung auf, die im Hintergrund schon lange im Gange war, sie beschleunigen nur diesen Trend und spitzen ihn zu. Es dürfte daher kein Zurück zum status quo ante geben, kein Zurück zu den Jahren vor 2020.

„Den Planeten zu retten, heißt die herrschenden Eliten zu stürzen“

Ullrich Mies ist Sozial- und Politikwissenschaftler und studierte in Duisburg und Kingston, Jamaika. Mies schreibt für verschiedene Publikationen wie Rubikon, die Neue Rheinische Zeitung oder scharf-links. Als Mitautor verfasste er mit Jens Wernicke 2017 das Buch „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“. In dem aktuellen Sammelwerk „Die Ökokatastrophe“ kritisiert Mies die Klimadebatte, die sich vornehmlich auf die Frage konzentriere, in welchem Maße der Mensch dafür verantwortlich gemacht werden könne. „Der Natur ist es völlig egal, wer sie zerstört“, so Mies. Der überzeugte Kapitalismuskritiker sieht vor allem die herrschenden Eliten in der Pflicht, da sie diejenigen seien, die von der Ausbeutung des Planeten am meisten profitieren. Im Gespräch macht Mies deutlich, dass aus seiner Sicht nicht mehr viel Zeit bleibt, um den Planeten vor der Ökokatastrophe zu bewahren.

Der Joker kommt (mal wieder): Ich reiß‘ euch jetzt gut und gerne den Arsch auf!

Der ORF-Regisseur David Schalko hat schon einmal ausgedrückt, womit wir es heute zu tun haben: „Perversion als letztem Ausdruck der inneren Verzweiflung“. Doch mit welcher Perversion will man heute noch jemanden hinterm Ofen hervorholen? Angesichts der derzeitigen Beschallungsstärke und inmitten des Tarantino’schen und Merkel’schen Egoshootergemetzels muss man die Dosis schon gewaltig steigern, damit der tagesschauguckende Mäusefriedhofsbürger noch einen Nervenkitzel verspürt.

Pünktlich zur Adventszeit wird dem Mäusefriedhofsbürger nun wieder ein Happen hingeworfen, der den Adrenalinspiegel ankurbeln und das Mäuseherz höher schlagen lassen soll: Der neue „Joker“-Blockbuster ist vom Stapel gelaufen und alle wollen ihn sehen. Harry Potter und Herr der Ringe waren gestern, wir sind Joker. Der Film ist ab 16 Jahren freigegeben. Wer jünger ist, muss sich eben mit einem sneak-stream im Internet begnügen. Es ist der gefühlt drölfte Aufritt des irren mordenden Clowns, und angesichts des überwältigenden Kassenerfolges wird es bestimmt nicht der letzte sein. Wir können derzeit gar nicht genug kriegen von dem Clown, der sich von einer Randfigur des Batman-Comic zunehmend zu einer eigenständigen Hauptrolle gemausert hat, die das Publikum mittlerweile mehr fasziniert als der eigentliche Held selbst.

Wir wollen heute zu neuen Horizonten. Das, was einen klassischen Helden bislang ausgemacht hat: Charakterschulung, Entbehrung, Schmerz, Tugend … – ja ey lol, mann, wozu soll man sich das denn antun, wo man doch gleich die Bühne rocken kann, mit dem Spielzeug, das bereits in der Gegend rumliegt?

Der Joker macht prototypisch vor, wie easy das geht, und wie man den frenetischen Jubel der Massen nebst Millionen Follower ernten kann, indem man einfach nur abhängt, den im Unterbauch schlummernden Instinkten folgt und dabei einen auf smart macht. Nun ist er also wieder da, der Joker, frisch aufgebrüht – diesmal nicht nur noch böser als der letzte, sondern einfach nur noch böse. Wobei es etwas Böses laut herrschender Diktion ja gar nicht gibt. Sagen wir also nicht böse, sondern: einfach nur noch fit for fun. No borders, no brain, just fun. Mit dieser ultimativ neoliberalen Attitüde zieht auch der neue Joker als blutrünstiger und mordender Psychopath durch die City. Der Joker mordet jedoch nicht ganz wahllos. In einem Interview erklärt uns Regisseur Todd Phillips, dass er auch Regeln habe:

„Obwohl er ein Bösewicht ist, lebt er nach bestimmten Regeln: Er bestraft nur diejenigen, die ihn verletzt haben.“

Bei der Befolgung dieser Regel ist er sogar gegenüber seiner eigenen Mutter konsequent: Er erstickt sie mit einem Kissen in ihrem Krankenbett, weil sie in seiner Kindheit schlecht zu ihm war. Das Novum am neuen Joker, der mit 852 Millionen Dollar Umsatz bereits als der weltweit erfolgreichste und profitabelste Erwachsenen-Kinofilm aller Zeiten gilt, ist: Die Massen verabscheuen ihn nicht, sondern finden ihn großartig. Durch eine schauspielerische und dramaturgische  Meisterleistung wird zu Beginn des Filmes das empathische und fast tränenrührige Bild eines von der Gesellschaft gedemütigten Verlierers gezeichnet, der irgendwann seinen blutigen Rachefeldzug antritt, im Zuge dessen er von den Menschenmassen auf der Straße Gotham Citys frenetisch gefeiert wird. Die Massen machen ihn zu ihrem Helden, setzen sich selbst Joker-Clownmasken auf und stellen ihn auf die Motorhaube eines Autos wie auf ein Podest, zu dem sie aufjubeln. Sie haben jetzt ihren Helden und wollen ihn auch zu ihrem Regenten machen. Denn sie realisieren, dass der Joker etwas verkörpert, was auch in ihren eigenen Untiefen nach Ausdruck lechzt: Sich von allen einengenden Maßstäben befreien und endlich als Freestyle Fripster ins Tomorrowland abfeiern. No borders,no gender, no nation, no brain, just fun – so wie uns das auch im aktuellen Werbespot eines fusionierten Bankkonzerns erklärt wird (siehe unten). Die in diesem Banken-Imagevideo transportierten Sujets findet man derzeit übrigens branchenübergreifend in fast allen Werbespots der Konzerne wieder, egal ob diese Konzerne Autos, Smartphones oder Softdrinks produzieren.

Der Joker-Film stellt mit der Begeisterung der Massen etwas dar, was heute durchaus nicht ohne Brisanz ist und bereits als Verheißung progressiven Fortschritts in der Luft liegt: Nicht wenige sind ja mittlerweile der Meinung, dass die Zeit für dumme Politiker, die von noch dümmeren Wählern gewählt werden und nach demokratisch-rechtsstaatlichen Maßstäben handeln sollen, vorbei sei und man stattdessen „Experten“ ranlassen solle, die alles regeln (siehe „Endlich: Jetzt schlägt die Stunde der „Experten“! – Über Evidence Based Bullshit“). Der Joker macht uns vor, wie einfach das geht: Der Kandidat der konservativen Partei wird auf offener Straße samt seiner Frau kurzerhand abgeschlachtet. Auch wer sonst noch aller zur falschen Zeit am falschen Ort war oder sich dem neoliberalen Fortschritt aktiv entgegenstellen will, hat eben einfach Pech gehabt und darf seine Versicherungspolizze vom Jenseits aus einlösen … sofern es dann überhaupt noch eine Versicherung gibt, denn angesichts der bombastischen Kollateralschäden des Joker-Flashmobs wird wohl bald jede Versicherung Insolvenz anmelden müssen. Aber die Bank, die Bank gewinnt bekanntlich immer. Und wie uns bereits der Templeton-Fondsmanager in der Doku „Let’s make money“ erklärt hat: Am profitabelsten kauft man als Investor immer dann ein, „wenn das Blut auf den Straßen klebt … selbst wenn es Dein eigenes ist“.

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Der nachfolgende Banken-Werbespot, zeitgleich mit dem Kinostart des Joker Anfang Oktober in die Massenmedien gestellt, hat wohl ebenso wie der Joker den Puls der Zeit getroffen und innerhalb kürzester Zeit alleine auf Youtube die für einen Banken-Werbespot unglaubliche Anzahl von über 2 Millionen Klicks erreicht. Auch wer auf der offiziellen Facebook-Seite der Bank die Kommentare zum Video querliest, in denen die Zuseher aus dem Schwärmen über diese tolle Zukunfts-/Gesellschaftsvision („Dafür, warum es uns gibt“) gar nicht mehr herauskommen und die Kommentarspalte vor lauter Herzen, Küssen und Wombat-Smileys nur so überquillt, der weiß, was es geschlagen hat und dass der Fortschritt und das Gute und Gerne Leben nun wirklich nicht mehr aufzuhalten sind.

Nachdem die Banken und Konzerne nach Offenbarwerden der systemischen Krise 2008 kurz ins Taumeln geraten sind, haben sie jetzt erkannt, mit welchen Tönen und Bildern sie das Vertrauen der Massen wieder zurückgewinnen können: Mit einer unwiderstehlichen, zuckersüßen Mousse aus cognacflambiertem und mit Red Bull gelöschtem Astroturf-Hipster-Emotional-Splash-Freakshow-Gender Madstream-Cockrider-Spacepig Feeling, mit dem jedermann/-frau/-diverser, der bei untergehender Sonne auf dem Dach seines smarten Wohnklosilos sehnsüchtig dem Hereinbrechen der urbanen Nacht harrt, in der er/sie/es grenzenlos Spaß haben kann und in der frei nach Thomas Hobbes jeder Mensch des anderen Menschen Wolf sein darf.

„Unite Behind The Science“ lautet die Losung, der sich kein Bürger, der etwas auf das Gute und Gerne, „wissenschaftlich“-aufgeklärte Leben hält, entziehen wird können. Man könnte in Zeiten, in denen es der Bürger akzeptiert hat, in einer marktkonformen Demokratie zu leben, mittlerweile ruhig auch „Unite Behind The Economy“ oder „Unite Behind The Power“ sagen. Wir leben ja in einer Zeit des kompromisslosen Fortschritts, den spätestens seit der Erfindung des iPhones wohl kaum noch jemand infrage stellen kann. In keinem bisherigen Zeitalter der Menschheit war es so leicht, zu den Guten zu gehören und quasi im Vorbeigehen das Dunkle zu bekämpfen. In solcher Zeit braucht man sich den Konzern-, Polit-, Militär- und Medienmächten und ihren Plänen zur evidenzbasierten Verwertung der Umwelt- und Humanressourcen nicht mehr entgegenzustellen und sich von Wasserwerfern nassspritzen oder sich so wie in Frankreich die Augen ausschießen lassen. Nachdem die rationale, evidenzbasierte Vernunft ihren globalen Siegeszug angetreten hat, kann man mit diesen Mächten nun gemeinsam an einem Strang ziehen. Denn wie uns die Bank im Video erklärt: „The future is yours.“

 

Zur Sache:

So, bin mal wieder vollkommen abgedriftet. Wollte eigentlich nur zwei Zeilen zur Einleitung einer vom Osteuropa-Korrespondenten Thomas Röper (Quelle: anti-spiegel.ru) übersetzten Rezension des russischen Fernsehens zum neuen Joker-Film schreiben und bin jetzt bei einem Hipster Banken-Video gelandet. Vollkommen abwegig und „krude“ würde das der zeitgenössische Qualitätsjournalist wohl bezeichnen. Bevor mich also Relotius entfriendet und ich nicht mehr zu Springers transatlantischen Dinnerparties eingeladen werde, zurück zum Joker-Film, der derzeit die Massen bewegt.  

Da der Film dasjenige thematisiert und endlich in anschauliche Bilder kleidet, was es laut herrschender Lehre heute gar nicht gibt, obwohl es jeder spüren kann: das abgründig Böse, das im und um den Menschen schlummert und nur auf die Gelegenheit lauert, sich seiner vollständig zu bemächtigen, besitzt der Film natürlich einen unwiderstehlichen Sog und zieht die Massen ins Kino. Das Nervenkostüm manch hartgesottener Seher kommt dabei jedoch mitunter an den Rand seiner Belastungsgrenze. „Bin aus dem Film gegangen, ich konnte es nicht durchhalten“, liest man auf Twitter, „Ich bin sprachlos und zittere“, gesteht ein weiterer Kinogeher. „Ich bin vor 12 Stunden aus dem Kino raus und mein Kopf und Körper haben sich immer noch nicht erholt“, schildert ein anderer.

In US-Kinos wurden mit dem Anlaufen des „Joker“ Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Man befürchtet wieder Amokläufe so wie in der Stadt Aurora, als  ein Kinogeher bei der Premiere des letzten Joker-Films „The Dark Knight Rises“ wahllos ins Kinopublikum gefeuert hat. Einfach nur so, ohne irgendetwas auf Geschlechter, Alter, Nationen, Rassen oder sonstige diskriminierende Merkmale zu geben. Dabei starben 12 Menschen. Der Mörder erschien später vor Gericht als „Joker“ geschminkt. Die Hinterbliebenen der Opfer schrieben in der Folge einen offenen Brief an die „Joker“-Produktionsfirma Warner Bros.: Man möge die diabolische Comic-Figur nicht als Helden darstellen. Ihre Bitte blieb unerhört.

Nicht nur der Aurora-Attentäter ließ sich von der Figur des „Joker“ inspirieren. In einer skandinavischen Stadt, ich finde den Link nicht mehr, schminkte sich ein junger Mann als Joker und drang in die Geburtenstation eines Krankenhauses ein, wo er mit einem Messer wahllos auf Babies einstach. Doch nicht nur Unbeteiligte fallen der Figur des Joker zum Opfer. Sogar den bislang berühmtesten Hauptdarsteller selbst hat es erwischt. Der 28jährige Heath Ledger, der für seine geniale Verkörperung des massenmordenden Clowns posthum den Oscar verliehen bekam,  konnte nicht mehr einschlafen und ist gestorben. Er hat ein Tagebuch geführt. Den damaligen Bericht, in dem er schildert, wie er vom von den Bildern des irren Clowns verfolgt und nicht mehr losgelassen wird, sucht man heute im Netz vergeblich. Stattdessen wird bei allen diesbezüglichen Berichten der evidenzbasierten Qualitätsmedien Wert darauf gelegt zu betonen, dass ein Zusammenhang seines Todes mit der Rolle des Jokers „letztlich nicht bewiesen ist“. Wie es scheint, sind es also nicht nur Politiker, NATO-Funktionäre und konzernwirtschaftliche Leistungsträger, deren Image auf Wikipedia aufgehübscht wird, man ist auch darauf bedacht, auf den Joker kein schlechtes Licht fallen zu lassen.

Um den Joker glaubwürdig verkörpern zu können, hat sich der Schauspieler intensiv in diese Figur vertieft:

“Ich saß für ungefähr einen Monat in einem Hotelzimmer in London rum, habe mich von der Außenwelt abgeschottet, ein Tagebuch geführt und mit Stimmen und Lachen experimentiert. Es war für mich sehr wichtig eine eingängige Stimme und ein Lachen zu finden. Ich bin am Ende mehr im Reich eines Psychopathen gelandet – jemand mit sehr wenig bis gar keinem Gewissen.  Jemanden zu verkörpern, der einfach nur ein kompletter Soziopath ist, ein kaltblütiger, massenmordender Clown“. (Quelle: Interview mit dem Empire Magazine)

So, nun aber zu der versprochenen Rezension des russischen Fernsehens. Ebenso wie ich meinen Artikel hat sie der Antispiegel-Redakteur in seinem Politmagazin zunächst für eine Themenverfehlung gehalten, sie aber dann aufgrund ihrer tiefgründigen Gesellschaftskritik doch veröffentlicht.

Am Ende der russischen Rezension wird der fit for fun hipster vermutlich nur empört die Augen verdrehen ob solcher altbackener Ideale. Denn da spricht die russische Redakteurin doch tatsächlich  irgendetwas über Ideale und dass Russland einen anderen Weg kultivieren möchte als es in der Figur des „Joker“ bildhaft dargelebt wird: Nicht einen Weg der „Spaltung und Kultivierung des Hasses“, woran einige wenige gut verdienten, sondern einen Weg der Gemeinsamkeit, um Mensch, Natur etc. zu fördern.

Vermutlich ist über diese Redakteurin schon längst ein Shitstorm der westlichen Wertegemeinschaft hereingebrochen. Will die uns denn tatsächlich unseren grenzenlosen Spaß vergraulen? Was die Russin da vorschlägt, ist doch eindeutig reaktionär, fortschrittsfeindlich, querfront, transphob, clownophob, amokphob und sonstnochwas … – „rechtsesoterisch“ hab‘ ich vergessen.

 

 


 

(Artikel/Übersetzung aus dem Russischen übernommen mit freundlicher Genehmigung von Thomas Röper / anti-spiegel.ru):

„Joker“: Das russische Fernsehen mit einer sehr gesellschaftskritischen Rezension des Kinoerfolges

Im Kino macht der Film „Joker“ Furore. Das russische Fernsehen hat darüber eine nachdenklich machende und gesellschaftskritische Rezension gebracht.

Ich wollte diese Rezension aus der Sendung „Nachrichten der Woche“ eigentlich nicht übersetzen, weil sie nicht wirklich zu den Themen des Anti-Spiegel passt. Aber wer diese Rezension liest, findet eine sehr tiefgründige Gesellschaftskritik, die in meinen Augen doch lesenswert ist. Also habe ich den Beitrag des russischen Fernsehens über den Film „Joker“ doch übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Der neue Welterfolg im Kino mit einem neuen Rekordeinspielergebnis, ein amerikanischer Film, ist schwere Kost. Es geht um „Joker“ vom Regisseur und Drehbuchautor Todd Phillips, Gewinner des Goldenen Löwen in Venedig. „Joker“ hat bereits 16 Oscar-Nominierungen. Ein Rekord.

Die Handlung spielt in der fiktiven Stadt Gotham, die aussieht wie New York. Der Held des Filmes ist ein psychisch kranker Schauspieler und Komiker namens Arthur Fleck. Nach dem Drehbuch ist er vielleicht nicht ohne Talent, aber sicherlich ein Künstler mit unterdurchschnittlichen Fähigkeiten. Schlecht für seinen Lebensweg sind außerdem der deutliche Mangel an Bildung, kombiniert mit einer psychischen Erkrankung.

Er ist ein Verlierer, das können wir vorwegnehmen. Er trägt Zirkus-Make-up auf und verdient sein Geld als Clown, der versucht, die Leute in New Yorker Clubs zum Lachen zu bringen, aber jedes Mal dabei scheitert.

Beim Zuschauer entsteht die gegenteilige Wirkung. Der „Joker“ ruft Empathie und Mitleid hervor. Mitleid ist der erste Schritt zur Sympathie. Und in Russland umso mehr, denn das Thema „kleiner Mann“ ist dank Gogol und Dostojewski immer ein wichtiger Teil unserer Seele. Wenn er talentiert gespielt wird, dann noch mehr.

Joaquin Phoenix spielt den sehr schwierigen Charakter sehr talentiert. Um sich an die Rolle zu gewöhnen, musste er nicht nur 24 Kilogramm abnehmen, sondern auch Dutzende Stunden Videos über das Verhalten von Menschen mit ähnlichen psychischen Behinderungen ansehen. Er spielt mitreißend. So sehr, dass wir, das Publikum, uns mit der Hauptfigur identifizieren und anfangen, sein Leben und seinen Schmerz zu leben. Das ist eine ungewöhnliche Erfahrung für uns. Zwar gab es früher schon in Literatur und Kino Charaktere mit Behinderungen, aber im „Joker“ gehen wir dank meisterhaftem Drehbuch, geschickter Regie und herausragender schauspielerischer Leistung selbst in einem psychisch kranken Menschen auf.

Zum Teil ist das heute in Mode und gilt für alle Arten von Minderheiten. Als sie von LGBT-Personen und Queer die Nase voll hatten, beschlossen sie, Menschen mit psychischen Störungen in neue Höhen zu heben. Jetzt gehen wir in ihr Innerstes und hören ihnen zu. Wie in der Musik jetzt auf der Suche nach neuen Klängen Begleitinstrumente zu Soloinstrumenten werden, ist es jetzt auch modern, die Meinungen von Menschen mit diagnostizierten psychischen Krankheiten in öffentlichen Diskussionen zu verwenden. Das berühmteste Beispiel ist die schwedische Öko-Aktivistin Greta Thunberg.

Im Film „Joker“ wird ein Mensch zur bedeutenden Persönlichkeit erhoben, der eine Klatsche hat und eines der Symptome dieses Patienten ist plötzliches und äußst unvernünftiges Lachen bis hin zu Krämpfen. Es kommt aus heiterem Himmel und klingt gruselig.

Der Held hatte nie eine Familie. Aber er kümmert sich rührend um seine Mutter. Sie ist auch Patientin einer psychiatrischen Klinik. Anfangs sind wir von all dem so durchdrungen, dass wir die Hauptfigur unwillkürlich vor all den kommenden Schwierigkeiten beschützen wollen. Als er von einer Gruppe schwarzer Hooligans verprügelt und in einen Müllcontainer geworfen wird. Als er gefeuert wird, weil ihm eine von einem Kollegen zur Selbstverteidigung geschenkte eine Waffe bei einem Auftritt vor Kindern im Krankenhaus auf den Boden fällt. Und dann der Kampf in der U-Bahn, deren Ursache nur ein Lachfall von ihm war. Da erschießt Arthur im Clown Make-up das Trio der Täter mit genau dieser Waffe.

Wir sind hier unweigerlich solidarisch mit unserem Helden. Er ist doch krank, er ist ein Verlierer, er tut uns leid und er rächt sich. Zwei tötet er an Ort und Stelle, dem dritten folgt er auf den Bahnsteig und erledigt ihn dort. Die Opfer sind Angestellte, weiße und erfolgreiche junge Menschen. Die Nachricht rast durch die Stadt, aber die Menschen, wie auch das Publikum, sympathisieren plötzlich mit dem Mörder. Und Clownsmasken werden zum Symbol spontaner Proteste, Proteste gegen die Reichen.

Unterdessen tötet der Held weiterhin diejenigen, die ihm Schmerzen zugefügt haben: Seine eigene Mutter erstickt der mit einem Kissen in ihrem Krankenbett, weil sie in seiner Kindheit schlecht zu ihm war. Und wir sollen irgendwie den armen Kerl verstehen. Und später geht er brutal gegen seinen Freund vor, weil der ihm die Waffe gegeben hat, die unglückliche Waffe, die aus seiner Tasche gefallen ist und der Grund für seine Kündigung war. Der Regisseur des Films sagt uns hier, dass der Mord gerechtfertigt ist, auch durch die Regeln: „Obwohl Arthur ein Bösewicht ist, lebt er nach bestimmten Regeln: Er bestraft nur diejenigen, die ihn verletzt haben“, sagte Todd Phillips.

Bestrafung bedeutet Ermordung. So wird bei der mitfühlenden Öffentlichkeit eine Regel geformt: Wer dich verletzt, darf getötet werden. Und es ist einfach. So ist zumindest die Ideologie des Filmes „Joker“.

Am Ende des Films ist Arthur als Gast live in der TV-Comedy-Show seines Lieblings-Moderators, brillant gespielt von Robert De Niro. Im letzten Moment, bevor sie vor die Kamera treten, bittet er De Niro, als Joker präsentiert zu werden. Robert De Niro tut es.

Zunächst plante der Joker aus Verzweiflung, im Studio Selbstmord zu begehen. Dazu nimmt die Pistole mit ins Studio. Doch dann geht es plötzlich mit ihm durch, er gesteht den Mord an drei Menschen in der U-Bahn, dann gefallen ihm die Nachfragen des Moderators nicht und tödliche Kugeln treffen ihn.

Die Anarchie auf den Straßen erreicht ihren Höhepunkt. Demonstranten in Clownsmasken und der Joker ist ihr Held. Die Menge befreit ihn aus den Händen der Polizei stellt ihn jubelnd auf die Motorhaube eines Autos, wie auf einen Sockel. Sein Triumph. Für den Joker ist dies ein Moment von höchster Bedeutung. Polizisten prügeln, Rauch und das Geräusch berstender Scheiben und alle tragen die gleichen Clownsmasken. Der Kandidat der „Reichen“ für das Bürgermeisteramt wird direkt auf der Straße getötet. Und seine Frau auch. Die Romantik des Aufruhrs und wir sind alle zusammen mitten drin. Ein schönes Gefühl. Zumindest im Film ist das eine Entschuldigung für die Rebellion.

Und es ist nicht verwunderlich, dass die Sicherheitsmaßnahmen in amerikanischen Kinos während der „Joker“-Aufführungen verstärkt wurden. Schließlich erinnert sich jeder daran, wie ein Zuschauer, inspiriert von der destruktiven Ideologie des Jokers, 2012 bei der Vorführung des Films „The Dark Knight“ 12 Personen direkt im Kino erschossen hat. Jetzt ist die Situation noch schlimmer. So sagt es der Regisseur von „Joker“.

„Wenn irgendwo in meinem Land Gewalt ausgebrochen ist, fokussiert sich alles auf den Initiator. Aber niemand sagt die andere Wahrheit: Wir sitzen auf einem Pulverfass. Wir müssen darüber reden und unser Film spricht darüber: über die Kräfte, die Arthur Fleck zum Joker machen. Alles beginnt mit einem Kindheitstrauma und setzt sich in der Gefangenschaft des sozioökonomischen Klassensystems fort, das in den Vereinigten Staaten tatsächlich existiert und die ganze Welt überzieht. Jeder, der diese Erfahrungen in ihrer ganzen Schwere durchmachen muss, kann zum Joker werden“, sagt Todd Phillips.

In diesen Worten schwingt sowohl die Anerkennung der Ungerechtigkeit des Systems mit, als auch die Furcht vor der Rebellion. Aber im Film wird der Aufruhr verherrlicht. In einem Leben, in dem das liberale Modell nicht in der Lage ist, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern und ein Gleichgewicht in der Gesellschaft zu schaffen, liegen die Dinge anders. Der Aufstand wird rücksichtslos mit Gummigeschossen, Wasserwerfern und Tränengas unterdrückt. Und weil der Druck wie in einem Schnellkochtopf anwächst, ist der „Joker“ so faszinierend.

Und das wirklich nicht ohne Grund. Schließlich ist die moderne Welt auf der einen Seite ungeheuer unfair. Alleine in den letzten 20 Jahren haben sich die Vermögen der reichsten Multimilliardäre des Planeten vervielfacht und astronomische Summen erreicht. Hier zum Beispiel die drei Reichsten. Alles Amerikaner: Jeff Besos, Bill Gates und Warren Buffett. Ihr Gesamtvermögen übersteigt unvorstellbare 300 Milliarden Dollar. Und sie werden auf Kosten der Mittelschicht immer reicher, während die Armen arm geblieben sind. Auf der anderen Seite rufen wir zu einer Revolution auf, aber noch nie hat eine Revolution ein Land reicher gemacht.

Revolutionen regen jedoch weiterhin die Gemüter der Intellektuellen an. Und „Joker“ ist nur ein Manifest der Revolution, eine Poetisierung der Rebellion und des Versagens der Intellektuellen, die bei Revolutionen immer die ersten Opfer sind. Das war in Russland der Fall, als unsere gesamte liberale Klasse, Beamte, Kaufleute, Industrielle, bis hin zu den besten Schriftstellern und Dichtern, zuerst am kaiserlichen Thron wackelte und dann an Ort und Stelle umgebracht wurde oder ins Exil fliehen musste. Aber das Reich der Gerechtigkeit, das sie riefen, ist nicht gekommen. So war es auch in Deutschland, wo die Intelligenz zunächst die Frische in Hitler spürte, die die Menschen zu ihm hinzog, aber dann alles in Barbarei und Blut endete. Das ist die Regel: Intellektuelle, die die Zukunft durch Zerstörung der Ordnung modellieren wollen, sind selbst die ersten Opfer.

Und jetzt, wo sie den Film „Joker“ lobt, schießt sich die intellektuelle Klasse ins eigene Knie, weil der Film nur die Welle von Protesten aufpeitscht, die um die Welt gehen: von Frankreich über Chile und den Libanon bis nach Hongkong und sogar in den Irak. Und überall diese mit Schals oder Masken – und auch Clownsmasken – maskierten Gesichter. Und der für 16 Oscars nominierte Film heroisiert und rechtfertigt Anarchie, als wäre es eine Entscheidung. Beängstigend.

Vielleicht ist das der Grund, warum das Journal für Reiche, der „New Yorker“, den Film mit allen Mitteln versucht abzuwerten. „Die Zusammenhanglosigkeit des „Joker“ ist untrennbar mit ihrer ästhetischen Leere verbunden. Phoenix gibt eine düstere Reflexionen, freut sich mal, tanzt dann prätentiös in Unterwäsche oder im Anzug, kocht dann vor Wut und überspielt das mit einem lächerlichen Akzent. Auf jeden Fall scheint er nicht verrückt geworden zu sein, sondern einfach die Orientierung verloren zu haben. Er spielt nicht die Rolle, sondern zeigt nur ein Arsenal an schauspielerischen Tricks, aber bei aller Unterhaltung schmücken sie nur den Charakter aus, der sonst eher wie ein leerer Rahmen aussieht. Der „Joker“ gibt den Zuschauern eine seltene, eifernde Leere.“, schreibt die Zeitung.

Aber das Problem der Ungerechtigkeit ist da und verschwindet nicht. Ja, Anarchie ist keine Lösung, aber was tun? Das, was Russland vorschlägt: Nicht mit Spaltung und Kultivierung des Hasses einiger Länder gegen andere Länder arbeiten, woran einige wenige gut verdienen, sondern mit gemeinsamen Anstrengungen an die Lösung globaler Probleme gehen, sei es Armut, Naturschutz, Entwicklung neuer Medikamente oder der Kampf gegen den Terrorismus. Das ist der Weg. Und „Joker“ ist ein entlarvender Film. Und ein mächtiger. In dem Sinne, dass seine Folgen nicht bedacht wurden. Auch nicht von seinen Autoren.

Ende der Übersetzung

Endzeit-Poesie 4.0: Über die Evakuierung des eigenen Ich auf der sinkenden Titanic

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Als Überlebensmaßnahme Nr. 1 in einer Zeit, in der wir nonstop mit Bullshit-Entertainment bzw. Infotainment bombardiert werden und sich die politische Vernunft im Bemühen erschöpft, „Arbeitsplätze auf der Titanic zu erhalten“ (Peter Sloterdijk), empfiehlt Sloterdijk die „Evakuierung des Innenraums durch Ausräumung des Nichteigenen“:

„Von nun an soll in der Welt sein heißen suum tantum curare: Sich gegen alle Zerstreuung ins Nicht-Eigene um das Eigene kümmern und nur um dieses.“

Also sich nicht mehr passiv mit medialer Gülle abfüllen lassen, sondern selbst einen Gedanken wählen, der dann für eine Zeitlang der persönliche Leitstern sein darf und den man aktiv von mehreren Seiten betrachtet. „Einen guten Satz für die Nacht und einen für den Tagesbeginn auswählen“, lautet Sloterdijks Antidot gegen die drohende Vermassung (P. Sloterdijk in „Du musst dein Leben ändern, Frankfurt 2009).

Was sich bei der Betrachtung dieses gewählten Gedankens herausbildet, verhilft uns zu einer profunden Ich-Bildung, gibt uns ein Zentrum, um das sich in der Folge alles Weitere drehen kann, was uns im Leben begegnet. Hat man ein solches individuelles Zentrum bzw. ein echtes Ich ausgebildet, dann brauche man nicht mehr „Fahnenflucht aus der gescheiterten Ich-Bildung betreiben“, die lt. Sloterdijk „geradewegs in die Besessenheit durch den Großen Anderen führt“. Dieser Große Andere, in dessen allwissende, allmächtige, nur leider nicht allgütige Arme sich derzeit viele an der Ich-Bildung gescheiterte Zeitgenossen flüchten möchten – mitunter auch unsere scheinbar intellektuellsten Köpfe – bietet sich uns heute insbesondere als „Künstliche Intelligenz“ bzw. als „Digitale Transformation“ an.

Dazu aber ein andernmal mehr. Lassen wir die Maschinenintelligenz vorerst beiseite, bleiben wir bei der Menschenintelligenz bzw. beim inneren Zentrum des Menschen. Hat man dieses Zentrum bzw. diesen selbst gewählten Gedanken nicht (der irgendwann zur Empfindung und damit dann erst zum authentischen Teil der eigenen Persönlichkeit werden soll), dann bleibt man an der Peripherie. Und in dieser Peripherie ist man wie in einer Drehtrommel im Rummelpark: Die Fliehkraft setzt dort am stärksten an. Ist man nicht angeschnallt, schmeißt es einen hoffnungslos hin und her. Steht man hingegen im Mittelpunkt einer solchen Trommel, direkt an der Drehachse, greifen fast keine Fliehkräfte an, man kann ruhig stehen.

Da man solch einen Gedanken auch leicht falsch verstehen lann, ein kurzer Disclaimer: Eigentlich kann man einen Gedanken bzw. ein Zentrum nie „haben“. Ein wirkliches persönliches Zentrum entsteht paradoxerweise nicht dann, wenn man sich auf die persönlichen Belange und die eigene Befindlichkeit fixiert, sondern immer nur dann, wenn man zu einem Gedanken, der noch außerhalb von einem selbst liegt bzw. einem neu ist, in Beziehung tritt.

Die Wahl eines solchen Gedankens „für die Nacht und für den Tag“ ist scheinbar nichts Spektakuläres. Deswegen praktiziert es in einer Gesellschaft, die im Essen Glutamate braucht, um überhaupt noch etwas zu schmecken (wie mir eine Restaurantbesitzerin vor Kurzem erzählt hat, gibt es praktisch kein Restaurant, in dem Geschmacksverstärker nicht verwendet würden), auch kaum jemand. Man hat kein unmittelbares Erfolgserlebnis dabei, wenn man einen Gedanken aufbaut, keinen „Kick“, so wie man ihn beim Kippen eines Espresso, eines Energydrinks oder beim Gucken einer Sitcom-Soap spürt. Der Erfolg der Betrachtung eines Gedankens – oder eines Objekts – ist also, dass man zunächst keinen Erfolg hat.

Aber wie wir aus den Neurowissenschaften wissen, findet die Bildung neuer Strukturen bzw. Verknüpfung von Synapsen, also der eigentliche Erkenntniszuwachs erst in der Nacht statt, d.h. tagsüber kapieren wir eigentlich noch recht wenig von dem, womit wir uns beschäftigen. Tagsüber berühren wir den Gegenstand unserer Betrachtung nur an seiner alleräußersten Oberfläche. Obwohl es für das Geschehen in der Nacht bzw. für den Zustand, in dem wir wieder aufwachen, entscheidend ist, womit wir uns tagsüber beschäftigt haben. Dass wir zumeist im Trüben fischen und nur an der Oberfläche bleiben, ist  auch ein wesentlicher Grund, warum wir so unzufrieden sind und uns „unrund“ fühlen. Denn wir gehen bei dem, was wir im Job als „Multi-Tasker“ und ebenso in der Freizeit zur Unterhaltung tun, weitgehend leer aus. Die unendliche Fülle und Tiefe, die sich hinter jedem Ding, jeder Pflanze, jedem Tier, jedem Menschen … auch hinter jedem Farb- oder Klangeindruck verbirgt, bleibt uns verborgen.

Wir fühlen uns daher getrieben, diese Leere zu kompensieren, indem wir ständig zu neuen Eindrücken hasten, die Dinge und Partner um uns in immer kürzeren Zeitabständen auswechseln, unbedingt das neue Woop-Babalooba-Ajax konsumieren müssen, das uns diese weißgezahnten Strahlemänner und Strahlefrauen im Werbeblock vor der Tagesschau präsentieren. Das ist gut für das Kommerzleben des Neoliberalismus, aber schlecht für uns als Menschen. In Wirklichkeit höhlen wir uns dabei nur noch mehr aus, denn wir sind Beziehungswesen, deren Beziehungen auf diese Weise immer oberflächlicher, dürftiger und wurzelloser werden. Ein solcher oberflächlicher, dürftiger und wurzelloser Zustand spielt natürlich dem Neoliberalismus in die Hände und ist sogar geradewegs die Grundbedingung für seine Existenzfähigkeit, genauso wie Schwarzschimmel zu seiner Ausbreitung ein feuchtes, warmes und dunkles Milieu braucht. In der Sonne hätte er keine Chance, zu wachsen und Sporen auszubilden.

Die politisch-mediale-konzernwirtschaftliche Megamaschine des Neoliberalismus tut daher alles, um uns zu oberflächlichen, dürftigen und wurzellosen Menschen zu machen. Wie Mathias Burchardt schon festgestellt hat, „geht es dem Neoliberalismus und seiner Ideologie um die Atomisierung sozialer Zusammenhänge und des Kampfes Jeder gegen Jeden. Alles soll „Markt“ werden, nichts mehr so bleiben, wie es einst war“, um uns „zu Insassen einer apolitischen, technokratisch-ökonomistischen Untertanenfabrik“ zu machen (Quelle: Burchardt,  “Terror und Technokratie”).

Gleichzeitig liegt darin aber auch der Lösungsweg aus dem derzeitigen Dilemma: Je mehr ein Mensch es verhindert, zu einem oberflächlichen, dürftigen und wurzellosen Menschen gemacht zu werden und stattdessen tiefgründiger, substanzieller und wurzelreicher wird, umsomehr trocknet er auch den Neoliberalismus aus.

Die größte Ketzerei, die man dem Moloch des Neoliberalismus in heutiger Zeit entgegensetzen kann – und die daher von diesem Moloch bzw. seinen Schergen der Inquisition auf allen Ebenen des Bildungswesens wütend bekämpft wird – ist es also, an die reale Existenz des Gedankens zu glauben. Und zwar nicht des Gedankens als Produkt des Gehirns, sondern so wie ihn Plato, Heraklit und alle echten Philosophen verstanden haben: Als frei verfügbare Entität, die sich im Gehirn des Menschen bloß widerspiegelt so wie die Sonne am Mond, aber nicht Produkt des Gehirns selbst ist.

Behalten Sie diesen Gedanken über die Natur des Gedankens ruhig eine Zeit für sich im Geheimen. Sprechen Sie nicht darüber. Die Inquisition schläft nicht und würde Sie umgehend auf die Streckbank spannen, wenn sie Menschen mit solch einem ketzerischen Gedankenverständnis in die Finger bekäme. Denn die „digitale Transformation“ und die Smart City Gesellschaft 4.0 wären dann abgesagt – kein gesunder Mensch, der ganz bei Trost ist, würde sich und seine Lebensumwelt einer solchen Transformation unterziehen. Würde er doch erkennen, dass dem Menschen damit das Wertvollste geraubt wird, was er besitzt. Die neoliberale Inquisition setzt daher alles daran, den Menschen so früh wie möglich in die Zweidimensionalität plattzuhämmern und ihm das Credo des Nihilismus einzupläuen („Mensch und Welt sind nur geistlose Kohlenstoffzusammenballungen. Ergo ist alles wurst. Ergo können die verbliebenen Umwelt- und Humanressourcen nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien ausgeschlachtet werden.“)

Ein Ketzer, der den Gedanken als etwas Freies, Lebendiges, sich ständig metamorphosierendes im Sinne einer platonischen Urbildekraft ansieht, wird die tatsächliche Ketzerei bzw. das kapitale Verbrechen unserer Zeit ganz anderswo verorten. So wie Sloterdijk, für den „die abscheulichste Ketzerei“ nichts anderes ist als „die Trivialität des rein äußerlichen Lebens“ (a.a.O.). Um aus dieser Abscheulichkeit zu entkommen, brauche es eine Abkehr von der Massenkultur und „anspruchsvolle Rückzugsformen“, die allerdings nichts mit Flucht vor der Realität zu tun haben, sondern die den Menschen geradewegs die Kraft geben, sich sozial wirksam mit ebendieser ansonsten fast schon unerträglichen Realität auseinanderzusetzen.

Zu seiner inneren Kernung bzw. Ich-Werdung führt allerdings nur der enge Weg und nicht der breite. Und diesen finde der Mensch nur  „durch die Abkehr von der Massenkultur, weil die alles infiltrierende Massenkultur aufgrund ihrer siegreichen Mischung aus Simplifikation, Respektlosigkeit und Unduldsamkeit jeder normalen Vorstellung von Höhe abgeneigt ist, erst recht von Höhen, an denen sie sich messen sollte“. Voraussetzung dieser Abkehr von der Massenkultur sei „der zeitweise kürzere oder längere Rückzug in eine selbst gewählte Einsamkeit. Dieser Rückzug allein bewirkt schon Wunder … Es gilt, einen guten Satz für die Nacht und einen für den Tagesbeginn auszuwählen, Gedanken und Ereignisse, die es wert sind, mögen notiert werden, das Nachsinnen über ein Gedicht oder die ruhige Betrachtung eines schönen Gegenstandes, eines Edelsteines, einer Blüte, einer Figur, schließen die innere Welt auf. Aber auch die Arbeit in Haus und Garten, wenn sie nicht als lästig empfunden, sondern als sinnvolle Ausformung der Lebenszeit angesehen wird, erzeugt einen spirituellen Mehrwert.“ (Sloterdijk, P., „Du musst dein Leben ändern“, Frankfurt a.M. 2009).

Foto:pw/nachrichtenspiegel.de


Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Das Geteilte vereinen

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Bild:https://cdn.pixabay.com CCO

DAS GETEILTE VEREINEN

Die Mutter von Christentum und Islam ist,
das wird jetzt so oft und stark vermisst
das Judentum, das vorher war
das ist doch allen klar

Das Judentum, das hat hervorgebracht
das Kind, das jetzt zu Weihnachten lacht
und später kam der weise Prophet
Mohammed, der 600 Jahre später lebt

Nun ist eben die Mohammed Religion
eben viel jünger schon,als Mutter und Christus-Sohn
Und wenn wir denken, wo wir vor 600 Jahren waren
da wurden verbrannt Hexen in Scharen

Es kämpften im 30 jährigen Krieg vor 400 Jahren
die Lutheraner gegen des Kaisers Kriegerscharen
Das war genau von 1618 bis 1648 unter Wallenstein
Gustav Adolf kämpfte mit den Schweden nicht allein

Sie kämpften für Freiheit ziemlich hart
Europa blieb damals nichts erspart
100 Jahre davor wütete die Pest
Der 30 jährige Krieg holte sich den Rest

Nun Pest und Cholera zugleich
die wüten jetzt im Araberreich
denn sie haben von außen gemachte Revolutionen
die bewegen dort viele Millionen

Der Islam hat durchaus sehr erfreuliche Reformen
die entsprachen aber nicht den religiösen Normen
So wurde auch der Gründer der Bahai ermordet
der sehr wichtige Erneuerung fordert

Ganze Völkerwanderungen hat der Deep State bewegt
Die Häuser der Flüchtlinge sind zu Staub zerlegt
auch in Südamerika dieser Sturm fegt
und sich noch immer kein Ende regt

Auf der Mauer, auf der Mexiko Mauer
sitzt Onkel Donald auf der Lauer
Er möchte eine Immigrantenrevolution gegen sich verhindern
will er Verhältnisse wie Arabien oder Ukraine lindern?☺

Wenn es im mittleren Osten ordentlich kracht
dann die Machtelite herzhaft lacht
ist da ein Krieg angedacht?
wird der gut entfacht?

Trotzdem ist es nicht verkehrt,
wenn man Onkel Donald manchmal doch verehrt
Denn durch den Abzug seiner Syrientruppen
scheinen sich die Medien als Kriegspropaganda zu entpuppen

Auch in Korea der Frieden ist in Sicht
Onkel Donald hat dort gebracht viel Licht
Die beiden Erzfeinde nähern sich an
und jetzt ist eben Syrien dran?

Es gibt nach Ansicht der höchsten Obrigkeit
zu viele Menschen auf der Welt,
die oben sind nicht immer gescheit
da geht es vielen nur ums eigne Geld

Wenn jeder sinnvoll leben würde
wäre das für uns ja keine Bürde
Als sinnvoller Nebeneffekt
man viel gesünder lebt☺

Auch zwischen dem Westen und dem Osten
die Atom-Abrüstungsverträge rosten
das könnte uns wieder einen Weltkrieg kosten?
Rüstungsausgaben sind aber auch große Wirtschaftsposten

China soll den Patentschutz einhalten
doch in Europa die Geheimdienste walten
denn Uncle Sam möchte auch unsere Wirtschaftsgeheimnisse wissen
da wirst Du keinen Patentschutz vermissen

Denn die Dienste sind gerissen
auf unsere Politiker können wir….
Die versorgen die Lobbies wie es denen gefällt
der Bürger wird um seine Leistung geprellt

Selbst die Glühbirne kann Daten senden
daran wird sich auch nichts ändern
vielleicht war das für die EU der Grund
warum man das Ende der alten Glühbirne tat kund?

Es klafft die Lücke zwischen Arm und Reich
nicht nur bei uns sondern auch drüben über dem großen Teich
Wie schön wäre das Teilen für alle beiden Seiten
die einen zerplatzen, die anderen das Leben kaum bestreiten

Da wirkt ein Teil von jener Kraft
die stets das Spalten will und damit Ohnmacht schafft
Sie spaltet Menschen und Atom
weltweit haben wir das Spalten schon

Es soll keinen Geist geben
wir sollen ohne Geist leben
Geistlos sollen wir sterben
die Skeptiker wollen die Scherben

Man reißt den Kosmos weg vom Stoff
Doch Prof.Dürr sagt uns ganz schroff
dass es die Materie ja so gar nicht gibt
und dass uns der Geist dahinter liebt

Ost und West könnte man leicht befrieden
Weg mit der Nato aus unnötigen Kriegen
für Russland braucht es auch Sicherheit
der Raketenschild der ist nicht gescheit

Die Abwehrwaffen in Rumänien und Polen
die soll doch gleich der Teufel holen
denn diese Raketen die die Welt entzweit
sie sind rasch als Angriffswaffen bereit

Diese Info ist in Militärkreisen bekannt
in den Medien wird sie nicht genannt
Die Militärs wissen eben mehr
doch hüten sie ihre Infos sehr

Wenn Ukraine seine Blockfreiheit behält
dann kommt sehr rasch dieser Krieg aus der Welt
und Wenn Europa und Uncle Sam die Grenzen garantieren
dann kann für die Ukraine nichts mehr passieren

In Nordafrika weg mit den strategischen- und Ölinteressen
da hilft Vermittlung, Kulturverständnis und genug zu essen
Ein Marshallplan, für die geplagten Regionen
sonst flüchten dort die Millionen

Weg mit Raketen und Waffen
dann könnte man das schaffen
Warum sollen wir das nicht denken
auch wenn verrückt sind, manche die die Welt lenken?

Wer menschlich mit Menschen umgeht
dann der Frieden viel leichter steht
Doch wenn die Menschen begreifen, dass alle werden benutzt
dann schaut die Machtelite wohl ganz verdutzt

Wenn wir die Zusammenhänge kapieren
dann brauchen wir nicht so viel parieren
Es bräuchten dann nicht so viele krepieren
und man müsste darnach nicht so viel reparieren

Man kann uns dann nicht gegeneinander hetzen
bei Unverständnis fliegen sonst die Fetzen
Wenn jeder geduldig die Sorgen des Nachbarn anhört
dann ihn vielleicht auch eine etwas andere Gesinnung nicht stört?

Mit Wärme und Licht den Menschen begegnen
das brächte für alle großen Segen
seine eigene guten Ideale pflegen
zur Wahrheit und zum Licht kommt man auf vielen Wegen

Quellen:

https://de.rbth.com/politik/2016/10/13/us-raketenschild-in-europa-ist-russland-das-eigentliche-ziel_638467
https://de.sputniknews.com/politik/20171214318688917-us-raketenabwehr-osteuropa-schwaeche/
https://www.heise.de/tp/features/Neue-multinationale-Nato-Brigade-in-Rumaenien-gegen-Russland-3853739.html?seite=all
https://www.nachdenkseiten.de/?p=45924
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19864
http://schnittpunkt2012.blogspot.com/2011/05/otpor-geplante-revolutionen.html
https://www.sueddeutsche.de/politik/proteste-in-der-arabischen-welt-die-umsturz-gmbh-1.1061251
https://science.orf.at/stories/2878107
https://linkezeitung.de/2018/10/25/von-soros-inspiriert-us-milliardaere-planen-bunte-revolution-gegen-trump/ 

https://orf.at/stories/3105812/

https://www.nachrichtenspiegel.de/2015/09/13/revolutionen-mit-dramatischem-ergebnis-schaupatz-fluechtlingsdrama-in-europa-und-nordafrika/

https://www.nachrichtenspiegel.de/2018/12/26/die-unteilbare-welt-von-prof-hans-peter-duerr-quantenphysiker-mitarbeiter-von-nobelpreistraeger-werner-heisenberg/

https://www.bahai.ch/de/

https://www.deutschlandfunk.de/mahatma-gandhi-der-gewaltfreie-dschihadist.886.de.html?dram:article_id=376109

Die unglaubliche Ohnmacht der Armen … und ihre sukzessive Vernichtung. Und ein paar Gedanken zu ihrer Rettung.

Donnerstag, 22.6.2017. Eifel. „Die Wissenschaft der politischen Ökonomie habe, so hieß es, mit der Gewißheit der Gesetze eines Newton bewiesen, dass wir den Armen nur schaden, wenn wir ihnen zu helfen suchen. Vielmehr müssen wir die leidenden Massen von der irrtümlichen Annahme befreien, dass sie ein Recht darauf hätten, zu leben“. Diesen Satz finden wir im Buch „Profit over People, War aganist People von Noam Chomsyk (Piper, 2. Auflage 2006, Seite 75). Er beschreibt die Erkenntnisse der Geburt des Neoliberalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts, jener Philosophie des Grauens, die sich nun weltweit anschickt, die Herrschaft zu übernehmen – mit allen unangenehmen Folgen, die Sie in Ihrem eigenen Alltag bemerken – es sei denn, Sie haben das Glück, in Staat oder Wirtschaft Funktionen auszuüben, die es Ihnen erlauben, sich aus der Verwertungsdynamik von Menschenfleisch herauszuziehen – auf Kosten der Steuerzahler, Beitragsleister oder Verbraucher.

Schon letztere Begriff – „Verbraucher“ – zeigt, wie tief das Denken jener Neoliberalisten in unseren Alltag eingedrungen ist, wie umfassend wir im Alltag die Sprache der nationalsozialistischen Mordbrenner verinnerlicht haben – und wie schief dieses Weltbild in Wirklichkeit ist, das Tag für Tag unser Denken, unsere Entscheidungen, unsere Lebensphilosophie bestimmt. Wir haben akzeptiert, dass wir unnütz sind, Subjekte in einer Gesellschaft, deren Zweck nur eins ist: verbrauchen. Luft, Land, Wasser – wir sind nur einen Schritt davon entfernt, bis jemand ausrechnet, wie unsere Blähungen (analog zu den „Kuhpfürzen“) das Weltklima in Gefahr bringen. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen liegen auf der Hand – es gibt auch schon entsprechende Studien zu den Herdfeuern in Indien, Arbeiten, die nahe legen, dass der indische Bauer von der Bildfläche verschwinden muss, wenn wir den Planeten retten wollen.

Planet retten – das hört sich gut an. So edel. So rein. Ein Wert, der über allen anderen Werten zu stehen hat. Muss sich unglaublich gut anfühlen, wenn man meint, zu jener edlen Ritterschaft zu gehören, die sich das höchste Ziel auf die Fahnen geschrieben hat: die Rettung der ganzen Welt. Und das Erstreben jenes Gefühls – selber unglaublich gut zu sein – hat ja auch zu dem Begriff „Gutmensch“ geführt, jener finanziell meist überversorgten Schicht, die ihre materielle Überlegenheit noch gerne mal mit etwas „Gutem“ zieren möchte. Still und leise gehorchen sie aber alle – bis in die tiefsten Schichten des Landes hinein – jenen dunklen Gedanken, die der Neoliberalismus ihnen predigt, jenen Gedanken, die seit Reagan, Schröder, Blair, Thatcher, Kohl und wie sie alle heißen unablässig die Gesetzgebung bestimmt: dass der Arme schlecht sei, ein Schädling, eine Gefahr für die ganze Welt. Nehmen Sie mal die Predigten der Kurfürsten des Neoliberalismus, ersetzen das Wort „Armer“ durch „Jude“ – und erfreuen sie sich über die Paralellen, die Sie erkennen können … die aber weitläufig gemieden werden. Mitten im weltweiten Genozid der Armen redet man nicht mehr über die laufenden Aktionen, die „geistlose Funktionselite“ (siehe den Artikel „Das Gastmahl der Geistlosen“, NZZ) redet lieber über ihre neue Pfeffermühle, den letzten Urlaub in Peru, die Vorteile des neuen SUV oder die Solaranlage auf dem Dach – das Politische wird ausgeklammert, man schaut nicht mehr gerne auf die Straße, wo die Rentner im Müll wühlen, um durch Flaschenpfand ihr Überleben zu sichern.

Die Vernichtung der Armen … die die früheren Ziele der Vernichtung der Armut weitgehend ersetzt hat … ist ein Milliardengeschäft, wie wir aktuell lesen können: 2 Milliarden Euro Profit wurden in den letzten zehn Jahren in Deutschland gemacht – durch „Sanktionen“ gegen die Ärmsten, denen man kurzerhand die komplette Verantwortung für die Folgen der ungebremsten Globalisierung (massenhafter Verlust von Arbeitsplätzen) übertragen hat (siehe Spiegel). Da sind dann schon mal satte Prämien für jene drin, die die Vernichtung organisieren. Man beginnt sogar, einen Volkssturm gegen die Armen zu organisieren, in Hamburg sollen in Zukunft Fahrgäste der S-Bahn als Hilfspolizisten eingesetzt werden, um Bettler und andere unerwünschte Personen zu melden (siehe Hamburger Abendblatt) … die Ältesten unter uns erinnern sich mit Grausen daran, welch´ Bestie nun wieder ihr grässliches Haupt erhebt.

Welche Sorgen jene Bürger umtreiben, die im Taumel der Vernichtung der Armen ein gutes Geschäft gemacht haben? Wie sie im Urlaub ihr Aktiendepot sichern (siehe FAZ). Es ist zwar kein Urlaub, wenn man sich zwischendurch immer noch um sein „Depot“ kümmern muss – aber wen kümmert das schon in den Kreisen jener Menschen, die durch Staat und Konzern vollversorgt sind? Die Sparmaßnahmen an den Armen sorgen für Massen von Toten auf den Straßen – wie jüngst in England (siehe Frankfurter Rundschau) – während unsere Gedanken darum kreisen, Studien zu veralbern, die vor Gefahren warnen, die durch Handys verursacht werden können (siehe Zeit). Wir – amüsieren uns zu Tode, wie Neil Postman 1985 warnte (siehe zeitgeistlos) … und er meinte nur das Fernsehen:

„Unser Fernsehapparat sichert uns eine ständige Verbindung zur Welt, er tut dies allerdings mit einem durch nichts zu erschütternden Lächeln auf dem Gesicht. Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.“

„Fernsehen wurde nicht für Idioten erschaffen – es erzeugt sie.“

„Unsere Abwehrmechanismen gegen die Informationsschwemme sind zusammengebrochen; unser Immunsystem gegen Informationen funktioniert nicht mehr. Wir leiden unter einer Art von kulturellem Aids.“ (Zitate aus Wikipedia)

Postman starb 2003. Die heutige Kultur würde ihn wohl vollends in den Wahnsinn getrieben haben.

Wissen Sie, wer damals die Neoliberalisten aufgehalten hatte?

Die Arbeiterbewegung. „Wenn Dein starker Arm es will, stehen alle Räder still!“ – den Spruch kannte damals wohl jeder. Die Armen hatten gelernt, sich zu organisieren und waren sich ihrer Stärke sehr bewusst. Wollen Sie mal hören, wie einfache Arbeiterinnen damals sprachen? Habe da ein schönes Beispiel (siehe Freitag):

„Wenn du dein Produkt verkaufst, bleibst du trotzdem du selbst. Aber wenn du deine Arbeitskraft verkaufst, verkaufst du dich selbst. Du verlierst die Rechte von freien Menschen und wirst zu einem Vasallen eines gigantischen Apparats der Geldaristokratie, die jedem mit der Auslöschung droht, der ihr Recht zur Versklavung und Unterdrückung in Frage stellt. Diejenigen, die in den Fabriken arbeiten, sollten diese auch besitzen.“

Das forderten 1840 die Lowell Mill Girls, geknechtete Arbeiterinnen in den Textilfabriken der USA“

Eines gewaltigen Apparates der Geldaristokratie , der … die wahre Ursache für die Vernichtung von Welt ist, gerne aber auf „den Verbraucher“ zeigt, der – vorausgesetzt, er hätte jemals die freie Wahl, vorausgesetzt, in den Schulen würden mal effektive Alternativen zu unsere Wirtschafts- und Gesellschaftssystemen besprochen, jenem „Kapitalismus“, der heute als so alternativlos gilt wie die Sonne am Himmel und vorausgesetzt, man würde ihn jemals fragen … vielleicht ganz andere, humanistischere, menschenfreundlichere Strukturen vorziehen würde. Er hatte sich ja auch schon mal geregt, dieser „Verbraucher“ … der der eigentliche Produzent von allem ist:

„Aber dann tauchte ein unvorhergesehenes Problem auf. Wenn wir nicht das Recht haben zu leben, schlossen die stupiden Massen, haben die Herrschenden nicht das Recht zu regieren. Die britische Armee musste gegen Aufständische vorgehen, und als die Arbeiter sich organisierten, nahm die Bedrohung konkrete Gestalt an. Die Arbeiterbewegung verlangte Arbeits- und Sozialgesetze, die die Proletarier vor dem neoliberalen Experiment schüzten sollten, und stellte noch weitergehende Forderungen. Die Wissenschaft, die glücklicherweise flexibel ist, veränderte sich mit den gewandelten Anschauungen der Elite, die in Reaktion auf die unkontrollierbare Bevölkerung nunmehr entdeckte, daß das Recht auf Leben durch eine Art Sozialvertrag gesichert werden müsse“. (Chomsky, a.a.O., Seite 75/76).

Ja – der Einsatz der Bundeswehr im Inneren ist den Herrschenden nicht umsonst so wichtig, ebenso wie die Umformierung der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee, da hier schon automatisch eine gewisse Selektion stattfindet, die dafür sorgen kann, dass unsere „Demokratie“ auf auch jeden Fall „marktkonform“ bleibt.

Jener Frieden zwischen Volk und Geld, der vor 140 Jahren geschlossen wurde – auch in Deutschland – löst sich nun auf. Die Bevölkerung ist nicht mehr unkontrollierbar, mit gewaltigen finanziellen Mitteln wurde dafür gesorgt, dass die Massen in ihre mediale Handytrance versinken können, wo sie Zuflucht finden vor einer immer dekadenter werdenden Wirklichkeit, in der sich – mit Bildern, die denen der alten Sklavenmärkte bis aufs Haar gleichen – Menschen nur mit ihren Geschlechtsteilen präsentieren (siehe FAZ) und so der Geldaristokratie brav zeigen, dass sie ihre Lektionen gelernt haben: sie sind das Nutz-, Wahl- und Zahlvieh der Moderne, das selbst begriffen hat, dass es überhaupt keine Würde, keinen Wert, keinen Stolz mehr hat, Vieh, das dankbar für die Gnade ist, am Leben gelassen zu werden, dankbar für die Gnade, dass nicht alle arbeitslosen Physikerinnen umgehend vom Jobcenter in die Pornoindustrie gesteckt werden (…was erstmal nur einer geschah, siehe Berliner Zeitung), dankbar für die große Gunst, als „Verbraucher der Welt“ auf diesem Planeten überhaupt noch geduldet zu werden.

Die Widerstandsfrage ergibt sich nicht mehr, seit vierzig Jahren werden gezielt Idioten gezüchtet, man ist stolz auf sein „kulturelles Aids“, präsentiert sich damit brav auf Facebook und Instagram: die Umwertung aller Werte gelangt in ihr letztes Stadium … und das große neoliberale Experiment kann umgehend fortgeführt werden, das „I-Phone“ der Firma Apple hat dafür gesorgt, dass sich der Irrsinn milliardenfach multipliziert und jedes Individuum seine eigene kleine Wirklichkeitsblase erzeugen kann, in der es fantasierend dahinvegetiert bis es an die Grenzen seiner Nützlichkeit gestoßen ist – seiner Nützlichkeit für die Geldaristokratie.

Und dann?

Wird das Recht der Armen auf Leben Schritt für Schritt abgeschafft. Hier wie in Afrika, Asien und Südamerika.

Es fängt klein an – beim Geld. Vor 140 Jahren noch nicht so wichtig, denn: auch Arbeiterhaushalte hatten Zugriff auf eigene kleine Gärten, eine gewisse Grundversorgung war immer gewährleistet. Geld war Zusatz, Luxus, Überfluss. Heute jedoch … ist Geld ALLES. Essen, trinken, Obdach. Und wird für den kleinen Mann in großen Zügen vernichtet: 436 Milliarden Euro kostete die aktuelle EZB-Politik bisher den „kleinen Sparer“ (siehe FAZ) und vernichtete so seine Möglichkeit, eigene Sicherheitsreserven aufzubauen, Überschuss zu erwirtschaften und politische Bewegungen zu unterstützen, die sich gegen die Ausplünderung der Gemeinschaftskassen wenden – jene Ausplünderungen, die in den „Cum-Ex“-Geschäften aktuell wieder im Gespräch sind und Milliardenschäden verursachen – völlig zu Lasten jener, die bequemerweise kein Recht auf Leben haben … weshalb man sie logischerweise auch problemlos ausplündern darf. Kriminalität ist für die „Herren des Geldes“, die unser ganzes Leben bis ins kleinste Detail regieren, die bestimmen, welche Informationen gefördert werden, welche Frisuren „in“ zu sein haben, welche Kleidung wir tragen, was wir essen, wie wir uns einrichten, welches Wissen unsere Kinder erhalten, ja, selbst wie wir zu riechen haben, schon längst Alltag geworden: die Firma „Toll Collect“ liefert da aktuell wieder ein Beispiel für (siehe Süddeutsche Zeitung). Ja, sicher: der Staat nimmt dadurch Milliarden ein … aber wer zahlt die letztlich? Diese Milliarden, die Milliarden, die durch die Maut auf Bundesstraßen fließen werden oder jene Milliarden, die die Autobahnmaut einbringen soll? Nun – Sie. Und zwar Sie allein.

Die anderen organisieren sich inzwischen wieder ganz offen, bauen ihre „geheimen Machtzentralen“ (siehe FAZ), weben ihre geheimen Machtzirkel, um ja nichts dem Zufall zu überlassen: die Regentschaft der „unsichtbaren Hand des Marktes“ soll selbstverständlich an ihnen spurlos vorbeigehen, geht was schief – springen Sie ja wieder ein, mit Ihrem Geld, während Sie nackig in einer Kabine stehen und sich anpreisen mit allem, was sie haben. Wissen Sie noch, wie viel Geld Sie in die Bankenrettung gesteckt haben? Wo das gelandet ist? Was es bewirkt? Wollen wir mal Experten dazu hören? Den ehemaligen UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler? Bitte schön (siehe Junge Welt)

„Wir leben in einer kannibalischen Weltordnung, diktiert von Finanzoligarchen. Die 85 reichsten Milliardäre besitzen so viel wie die 4,5 Milliarden ärmsten Menschen, das müssen Sie sich einmal vorstellen. Die 500 größten Konzerne der Welt beherrschen fast 53 Prozent des jährlichen Weltsozialprodukts. Diese Oligarchen haben eine Macht, wie kein König, kein Kaiser und kein Papst sie je hatte.“

Noch nie sah sich die Menschheit einer solchen Gewalt, einer solchen Macht gegenüber. Und noch nie war sie so schwach, weil die kannibalistische Elite uns im Innersten getroffen hat, damit nie wieder eine Gegenbewegung entstehen kann, hat vernichtet, was im Inneren unseres Selbst die Quelle aller Würde ist (die der Gesetzgeber 1949 nicht umsonst als besonders schützenswert dargestellt hatte):

„Die Entfremdung unseres Identitätsbewusstseins. Die neoliberale Wahnidee will uns eintrichtern, dass sich der Markt selbst reguliert, dass er Naturkräften folgt und der Mensch nichts anders tun kann, als sich diesen Marktkräften zu unterwerfen. Dadurch wird der Mensch seiner historischen Subjektivität und Singularität beraubt. Er verhält sich nur noch so, wie ihm die Warengesellschaft das diktiert.“

Und wenn etwas diktiert wird, nennt man das politisch … Diktatur. So einfach ist das.

Alles also hoffnungslose Ohnmacht? Keine Alternative zur Vernichtung der „Verbraucher“, jenem Begriff, der dem alten Begriff des „unnützen Essers“ so nahe kommt?

Nun – schauen Sie sich mal dieses Dorf an: ein US-Unternehmer hat es entwickelt – ein völlig autarkes, von allen Konzernen unabhängiges Dorf, dass sein Essen und seine Energie selbst produziert (siehe Utopia). 25 Wohnhäuser auf 15000 m2, 300 m2 pro Mensch – eventuell sogar weniger. Selbst wenn wir 1000 m2 pro Mensch annehmen würden: die Menschheit könnte selbstversorgend auf der Fläche von Australien Platz haben – Asien, Afrika, Amerika und Europa könnten komplette Biotope werden. Technisch kein Problem. Die meisten Menschen dieser Erde hätten einen Luxus, von dem sie nie hätten träumen können – alles wäre möglich- auch die Reduktion der Arbeitszeit auf 4 Stunden pro Tag (inkl. Einkauf und Hausarbeit). Gigantische politische Bewegungen wären zur Realisierung dieser Utopie nötig – und obwohl wir so alle Umweltprobleme lösen könnten, greifen politische Parteien lieber Randthemen wie die Homoehe auf (siehe Zeit).

Und die Linke? Mehr ein neoliberales Feigenblatt (siehe scharf-links):

„Lediglich diejenigen, die seit 2005 MandatsträgerInnen und hauptamtlich Beschäftigte geworden sind, haben durch die Partei DIE LINKE eine positive Veränderung ihrer Lebensumstände erfahren. Sie erleben einen Bedeutungszuwachs und soziale Sicherheit. Ihre Wählerinnen und Wähler warten darauf noch.“

Was uns unterscheidet von den Arbeiterinnen und Arbeitern des 19. Jahrhunderts?

Überlegen Sie mal selbst.

Ich helfe Ihnen durch ein kleines Experiment. Ganz kostenfrei.

Wir haben 7 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Rufen wir sie zum Sparen auf – auch die Kinder, denn die Ökodörfer beschreiben ihre Zukunft, nicht unsere. Ein Jahr sollen sie sparen, jeden Monat 8,33 Euro. Das geht, ich habe es selbst schon mal versucht, bin auch nicht verhungert. Dann … legen wir alle die hundert Euro in einen großen Topf – und haben auf einmal eine Kriegskasse mit 700 Millionen Euro. Und damit … machen wir Meinungsbildung. Wahlkampf – nicht für eine Partei (der droht schnell das Schicksal der Linken), sondern für eine Zukunft ohne kannibalistische Wirtschaftsordnung.

Wissen Sie, wie hoch das Wahlkampfbudget der SPD  2013 war? 23 Millionen Euro, alle anderen hatten weniger, die Grünen nur 5,5 Millionen (siehe Welt).

Können Sie langsam erahnen, wieviel Macht die Armen immer noch haben? Welche professionelle Werbeleistungen sie sich kaufen könnten – in den teuersten Medien dieses Landes?

Gäbe es Botschaften, die man versenden könnte – außer Bilder von einem schönen Dorf?

Ich hätte da eine für Sie. Lernen Sie sie bitte auswendig. Kommt von einem Nobelpreisträger für Wirtschaft, es geht um wirksame Staatsausgaben:

„Wirksamkeit bedeutet, dass jeder ausgegebene Dollar die Beschäftigung und die volkswirtschaftliche Produktion stark erhöhen sollte. Der Betrag, um den sich das Nationaleinkommen für jeden Dollar erhöht, heißt Multiplikator: Der gängigen keynesianischen Berechnung  zufolge erhöht ein Dollar an Staatsausgaben die volkswirtschaftliche Gesamtproduktion um mehr als einen Dollar. Wenn die Regierung Mittel in ein Bauprojekt investiert, geben die Arbeiter ihren Lohn aus, um Waren zu kaufen, und wieder andere geben deren Geld aus. Jede Stufe in der Kette steigert das Volkseinkommen weit mehr als der ursprüngliche Betrag, den die Regierung ausgegeben hat. Im Durchschnitt beträgt der durchschnittliche Multiplikator der US-Wirtschaft etwa 1,5. Wenn die Regierung heute eine Milliarde ausgibt, wird sich das BIP in diesem Jahr um 1,5 Milliarden Dollar erhöhen. …

Ausgaben haben nicht alle denselben Multiplikator: die Ausgaben für ausländische Auftragnehmer, die im Irak arbeiten, haben einen niedrigen Multiplikator, weil ein Großteil ihres Konsums außerhalb der Vereinigten Staaten stattfindet; das gilt auch für Steuersenkungen für Vermögende – die einen Großteil dessen, was sie mehr bekommen, sparen. Ein erhöhtes Arbeitslosengeld hingegen hat einen hohen Multiplikator, weil diejenigen, die plötzlich Einkommenseinbußen erleiden, fast jeden Dollar ausgeben, den sie erhalten“ (aus: Joseph Stieglitz, Im freien Fall, Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft, Pantheonverlag 2011, Seite 95)

Kurzum: die sinnvollsten Ausgaben eines Staates wären die massive Erhöhung der Arbeitslosengelder – sprich: Hartz IV. Danach sprudelt die Wirtschaft wieder wie verrückt – und das Ökodorf kann umgehend Realität werden.

Verstanden?

Oder wollen sie lieber nackt im Fernsehen in einer Glaskabine landen?

Oder zukünftig in einem Lager für nichtsnutzige Verbraucher?

Denken Sie mal in Ruhe drüber nach … dann können wir über die Organisationsformen sprechen – und die Lösung der anstehenden Personalprobleme. Die werden kommen, denn: wir brauchen Organisatoren, die weitgehend ehrenamtlich arbeiten und nicht reich werden durchs Geld- und Pöstchensammeln.

Und stellen Sie sich mal vor, wir könnten jeden Abend Werbespots über unser Dorf, unsere Wirtschaft, unser neues Leben senden … wir hätten schnell noch die Niedriglöhner, Zeitarbeiter, Halbtagskräfte und Leihsklaven auf unsere Seite – und alle Menschen, die noch menschlich geblieben sind.

Noch ein Wort zum Schluss?

Sich selbst regieren macht unglaublich viel mehr Spaß als regiert zu werden.

Wäre das nicht mal eine Überlegung wert?

Xi bei Trump oder Mach Dich frei, Madame Butterfly!

(Autor: Till Eulenspiegel, Foto: freiebilder.org

Vor kurzem war der chinesische Präsident in Florida. Nur die Financial Times veröffentlichte danach, dass vereinbart wurde, das Außenhandelsdefizit zwischen beiden Ländern zugunsten der USA zu entspannen. Man wolle in Zukunft gut zusammenarbeiten. Nun, was hat der Schmetterling mit dieser Frage zu tun? Da gab es immer wieder vor allem Buben, die fingen Schmetterlinge und spießten sie dann auf Nadeln auf. Wenn diese Buben später Burschen wurden, dann machten sie vielleicht Listen, wie viele Mädchen sie rumgekriegt haben. Und wenn diese Burschen dann Länder regieren, dann prahlen sie damit, wie viele Staaten ihnen folgen müssen?

Was haben diese Fragen denn mit uns zu tun? Wenn heute die Beziehungen zwischen Russland und USA auf einem Tiefpunkt sind, so besteht die Gefahr Nato gegen China-Russland. Deshalb ist die Spannungslinie zwischen dem Gläubiger China und Schuldner USA, dem Produzenten China und dem Konsumenten, dem Westen, den Inhabern des „Geistigen Eigentums“ nämlich uns, und denen, die das Kopieren von „Geistigem Eigentum“ als Ehrung für den Meister (nämlich uns als die Meister) sehen, durchaus etwas, was uns interessieren sollte. Puccini hat diese koloniale Spannung zwischen Sklaven und Herren in weiser Voraussicht schon im 19 Jahrhundert in eine Oper eingebaut (siehe Wikipedia siehe auch die Oper auf Youtube). Es geht dabei um eine Tragödie, die sich zwischen  einem Gringo und einer Japanerin, die für die Ehe mit dem Gringo Familie, Tradition und letztlich sich selbst aufgibt. Der Gringo heiratete sie, geht wieder auf Reisen. Madame Butterfly hat ein kleines Kind von ihm. Sie liebt ihn treu und abgöttisch. Der Gringo kümmert sich überhaupt nicht um die Gefühle Madame Butterflys. Er kommt wieder neu verheiratet nach wenigen Jahren zurück, möchte dem Kind eine gute Erziehung in Amerika geben. Madame Butterfly, die dabei erkennt, dass er sie sitzen gelassen hat, ersticht sich.

Ja die Italiener, die haben ein hoch entwickeltes Gefühl für vieles. Bei den Auffanglagern der ins KZ zu deportierenden Menschen , da wurden die zu deportierenden Menschen in Italien von Italienern  in Schlössern sehr gut untergebracht. Erst als die Nazis dort das Kommando übernahmen, da wurde alles viel brutaler und schlechter. Wohin wanderten die Heuschreckenfonds, wohin wanderte die Globalisierung? Zur Sklavenarbeit nach Fernost. Und warum leistete die chinesische Führung am Platz des himmlischen Friedens militärischen Widerstand? (siehe Spiegel: Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens) – Weil China in Osteuropa das Inferno der Schocktherapie Gaidars unter der Beratung des Harvardökonomen Jeffrey Sachs schon absehen konnte? (siehe Berliner Zeitung:

Nach dem Vorbild der „Schocktherapie“, die der Harvard-Ökonom Jeffrey Sachs Polen verschrieben hatte, wurden zu Neujahr 1992 fast alle Preise freigegeben. Anders als in Polen führte der Schritt bald zur Hyperinflation. Liberale Niederlagen serienweise. Auch die rasante Privatisierung verlief schmerzhaft. Die Anteilscheine, die an die Bevölkerung vergeben wurden, landeten schnell in den Händen weniger. Viele Russen erinnern sich an die frühen Neunziger als eine Zeit des Hungers und der völligen Verarmung, die Sterblichkeit stieg drastisch .Insgesamt war Gaidar nur ein Jahr in der Regierung. Präsident Jelzin tauschte den amtierenden Premier im Dezember 1992 auf Druck des Parlaments durch Viktor Tschernomyrdin aus, einen ehemaligen Kombinatsdirektor. Gaidar blieb eine Hassfigur der Opposition. Der Streit zwischen Präsident und Parlament, der im Herbst 1993 mit dem Beschuss des Parlamentsgebäudes durch Panzer kulminierte, entzündete sich unter anderem an Jelzins Versuch, Gaidar erneut zum Vizepremier zu ernennen.)

Wer die überwältigende Staatsgewalt der alten Sowjetunion erlebt hat, der versteht, warum man ein so freiheitsraubendes System durch eine wirtschaftliche Radikalkur eben austilgen wollte. Doch wäre es auch möglich gewesen, zunächst einen klaren rechtlichen und menschlichen Rahmen für das Wirtschaften aufzubauen und dann mit dem Wirtschaften in kleinem Rahmen zu beginnen. Vor allem war das Sowjetsystem auf den Aufbau von Befehlsempfängern aufgebaut und nicht auf  Menschen, die mit Phantasie und Kreativität selbstständig im Wirtschaftsbereich handeln konnten. Denn eine Aktivität, die anders als sowjetisch war, wurde nicht geduldet. Nämlich von denen nicht, deren Familien dann die besten Kapitalisten wurden, wobei eben jahrzehntelang von diesen Familien ein System der Passivität bewahrt wurde und die einzigen, die aktiv werden durften, eben die oberen Mitglieder dieses Systems waren? Sehr wahrscheinlich galt das genauso für China.

Das chinesische Verteidigungsministerium hat seine Gebäude-Spitze gegen Washington gerichtet, was nach Feng Shui genau die Richtung des Feindes anzeigt  Peking setzt inzwischen Kopfgeld auf Spione aus (siehe homepage Österr.Staatsfernsehen:

„Gefährliche Liebe, Superman und ein paar Fischer: Während des ersten „National Security Education Day“ im April vergangenen Jahres veröffentlichten die Pekinger Behörden Plakate mit einem Comic, das vor „gefährlichen Liebschaften“ bzw. „schönen Ausländern“ warnte. Dargestellt ist die Geschichte einer Regierungsangestellten namens Xiao Li, die dem rothaarigen ausländischen Akademiker David verfällt und infolgedessen Geheimdokumente ihrer Arbeitsstelle übergibt. Der „schöne Ausländer“ erweist sich prompt als Spion.“

Bei uns ist das ganz anders? (siehe heise.de: BND spähte Journalisten aus)

Ist Madame Butterfly da besser beraten als die EU? Ist die EU nicht wie ein kleines Mädchen, das auf Schritt und Tritt von Papa Trump mit dem Babyphone überwacht wird? Also, Madame Butterfly (in diesem Falle China) hat schon gelernt. Sie hat aufgerüstet, sie hat aber während der Wirtschaftskrise 2007 massenhaft Dollars zur Stützung der Weltwährung gekauft. Trump handelt mit Seifenblasen und Kartenhäusern? China musste und muss hart arbeiten. Durch die Globalisierung ist die Umweltverschmutzung in den chinesischen Großstädten katastrophal. Jahrzehntelange Sklavenarbeit an Stelle von ausreichenden Menschenrechten. Gegenseitige Provokationen während des Inselstreites und immer wieder gewaltige Spannungen zwischen Nordkorea und der USA (siehe homepage Österr.Staatsfernsehen). China möchte den Nordkorea Konflikt friedlich beilegen. China versicherte Trump, bei der Ein-Kind Politik zu bleiben. Doch bleiben die Menschenrechte noch immer auf der Strecke (siehe homepage Österr.Staatsfernsehen: „Erfolg für Sicherheit – Chinas Justiz hat die jüngsten harten Urteile gegen Verteidiger der Menschenrechte im vergangenen Jahr als großen Erfolg des Rechtssystems interpretiert. In seinem Jahresbericht lobte der Leiter der chinesischen Justizbehörden, Zhou Qiang, die „schwere Bestrafung des Verbrechens der Gefährdung der Staatssicherheit“, was eine wichtige Maßnahme für die Wahrung der Menschenrechte sei“.)

Auch wenn die atomare Rüstung und auch sonstige Rüstung von Russland und China der Rüstung der NATO gewachsen wäre, hoffentlich haben sich die Pläne diesbezüglich geändert, denn einen Atomweltkrieg kann die Menschheit nicht überleben. Wie können wir gemeinsam mit Fernost eine gute Zukunft entwickeln? Durch die Idee von Menschenrechtszöllen und Ökozöllen. Warum? – Weil hier die Betriebe einem Lohngefälle und dem Unterschied bei den Gesetzen zum Schutz der Umwelt nicht standhalten können und hier Industriefriedhöfe mit vielen Arbeitslosen entstehen.

Doch streben unsere Verantwortlichen noch immer zu weiteren Freihandelszonen, z.B.  mit China, aber jetzt vor allem mit Japan. Gerade die Idee von Menschenrechtszöllen und Ökozöllen, die dem Ausmaß der Nichtbeachtung der Menschenrechte und dem ökologischen Schaden proportional sind,  dadurch hätte Madame Butterfly in der Baumwollfabrik in Pakistan, China oder Indien vollkommen andere Bedingungen. Denn wenn EU und vielleicht auch Nordamerika solche Zölle auf Waren mit Kinderarbeit, ungeregelten Arbeitszeiten, abscheulichen Arbeitsbedingungen und u.a. die Verschmutzung von Luft und Natur einhebt, dann müssten die Betriebe dort entweder gute Arbeitsbedingungen und Ökologie schaffen, oder sie müssen hohe Zölle zahlen, ja sie können die Produkte gar nicht mehr in ein „zivilisiertes Land“ einführen. Sklavenarbeit soll sich nicht rechnen! Vor allem nicht in Regionen, die den Mund sehr voll mit Menschenrechten nehmen, aber leider immer mehr darauf vergessen, wie Europa oder Nordamerika.

Auch wir könnten Madame Butterfly befreien! Damit würde die Umverteilung von den Armen und dem Mittelstand zu den Reichen auch bei uns sehr viel schwerer werden. Dadurch hätte bei uns wieder heimische Produktion eine Chance, den Arbeitnehmern und vor allem den Rentnern würde es besser gehen und  auch dem Klima würde eine erhebliche Bremsung der Globalisierung sehr gut tun (siehe homepage des österr.Fernsehens). Die Globalisierung ist für fast ein Viertel der Treibhausgase verantwortlich. Also was ist besser, Globalisierung und als Folge Weltkrieg, weil die Sklaven nicht immer Sklaven bleiben wollen, oder Menschenrechte und Rechte für die Natur überall?

Die Schlümpfe von „Meck Pom“ haben gewählt – über Grüne Arroganz, bürgerliche Verzweiflung und die ungeschminkten Worte eines Ossis (+Video der Woche: „IRRTUM – Ihr wisst gar nichts von uns“)

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Bild: Public Domain/Wikimedia/Hans Buch

Die Empörung über das Wahlergebnis ist groß, Grünen-Politiker David Mack bezeichnete Mecklenburg-Vorpommern postwendend sogar als „das am dümmsten besiedelte Bundesland“ (siehe Huffingtonpost).

Natürlich hat man bei den Grünen gerade allen Grund, sich in die Nase zu beißen: Laut Landeszentrale für politische Bildung MV handelte es sich nur um wenige hundert Stimmen, die darüber entschieden, dass die Grünen aus dem Landtag flogen. Dabei ist es schon ein atemberaubendes Kunststück, wie es die Grünen heute zustande bringen, immer mehr in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, obwohl doch der im derzeitigen Weltgeschehen offenkundig gewordene systemische Wahnsinn quasi ein aufgelegter Elfmeter wäre, um mit klassischen Grünen Anliegen voll zu punkten und die Wählergunst praktisch jedes vernünftigen Bürgers, dem sein Leben und die Zukunft seiner Kinder lieb sind, zu gewinnen.

Aber wundert das Abwählen der Grünen wirklich? Immer mehr Menschen haben den Eindruck, dass die ehemaligen Kämpfer für Bürgerrechte, Ökologie und mehr Menschlichkeit heute zu einem grotesken Zerrbild ihrer ursprünglichen Anliegen mutiert sind. Nicht nur, dass sich grüne Spitzenpolitiker längst mit der Denkweise und dem Lobbynetzwerk der Konzerne arrangiert haben (siehe den ARD Klassiker „Rot Grün macht Kasse“), so verengt sich deren ideologisches Engagement trotz brennender ökologischer, ökonomischer, politischer und sozialer Aufgabenstellungen immer mehr auf mediale Treibjagden und Hexenverbrennungen, die an eine autoimmune Krankheit erinnern, bei welcher der Organismus seine eigenen gesunden Zellen auffrisst.

Wie der Eifelphilosoph bereits treffend geschildert hat (siehe „Brief an Deutschlands Linke: geht doch einfach nach Hause“), ist es natürlich bequemer, unter Wohlgefallen und finanziellem Geldsegen transatlantischer Netzwerke wie der Amadeu Antonio Stiftung die letzten profunden Gründenkerzellen aus dem smart gewordenen Bioladen via Facebook zu entfrienden (siehe Meedia) und zur neuen Hexenjagd gegen Globalisierungsgegner, alternative Denker, homöopathische Ärzte und Impfkritiker zu blasen (siehe z.B. Denunziationsaufruf auf Fefes Blog) als sich mit den wirklichen Mächten des politökonomischen Weltgeschehens anzulegen. Welchen Bärendienst die selbsternannten „Linken“ damit dem gesellschaftlichen Diskurs erweisen, indem sie in inflationärer Weise mit Vakuumattributen wie „Nazi“ und „Verschwörungstheoretiker“ um sich werfen, sieht man nicht zuletzt an den Wahlergebnissen: Allerortens treten stramm nationalistische Parteien und bizarre Rappelköpfe ihre Siegeszüge an. Das wäre ohne dem Versagen der klassischen linken Bürgerparteien de facto ausgeschlossen, denn an sich war ja der Großteil der Deutschen und auch der mitteleuropäischen Nachbarländer eher links-libertär-humanistisch gesonnen.

Die Bürger sind also offensichtlich eher geneigt, sich mit radikal-nationalistischen Parteien auf dünnes rechtsstaatliches Eis zu begeben als dem Weg der radikal-nihilistischen neuen Linken/Grünen zu folgen.

Ersteren zu folgen ist riskant und könnte vielleicht übel ausgehen, aber immerhin versprechen die Nationalen, zumindest die unerträglich gewordenen Machtstrukturen, die transatlantische Globalisierung und den damit einhergehenden Alltagswahnsinn wieder hinwegzufegen.

Zweiteren zu folgen, würde nach Ansicht der meisten Wähler jedoch ganz bestimmt übel ausgehen, denn die nihilistischen Ditfurthianer sind im Taumel ihrer autoaggressiven Immunerkrankung fest entschlossen, gerade diejenigen Zellen unseres Gesellschaftsorganismus zu vernichten, die eine Änderungen der derzeitigen Denk- und Wirtschaftsweise anstreben. Und besonders wenn man Kinder hat, möchte man nicht, dass diese womöglich von der aktuell um sich greifenden Borderline-Hexenhysterie der Nihilisten angesteckt werden.

Den Grünen/Linken ist es paradoxerweise sogar zu verdanken, dass das Wort „Nazi“ heute jeden Schrecken verloren hat. Indem es in vollkommen inflationärer Weise jedem an den Latz geknallt wird, der herrschende wirtschaftliche oder gesellschaftliche Verhältnisse bzw. die Regierungslinie kritisiert, denken sich immer mehr Menschen: „Hmm, also wenn das ‚Nazi‘ ist, dann ist ein Nazi ja gar nicht so schlecht, wie man uns das früher immer beigebracht hat. Dann bin ich auch lieber Nazi als so ein Ditfurthianer.“

Auch die derzeitige Polarisierung des  Flüchtlingssthemas  ist zum Haareraufen. Dabei hätte jeder Soziologiestudent im ersten Studiensemester vorhersagen hätte können, was herauskommt, wenn man in einem Land, in dem der Wohnungsmarkt knapp und der Arbeitsmarkt ebenfalls am Krachen ist, eine Millionenschaft an Migranten mit einer Millionenschaft an Inländern, die ebenfalls kaum noch ihre Existenz bestreiten können und ums soziale Überleben kämpfen (laut Jahresbilanz des Bundesverbandes Deutsche Tafel sind bereits über 1 Million deutsche Bürger auf Gratis-Essen angewiesen, Tendenz stark steigend)  einfach auf der existenziellen Ebene aufeinanderprallen lässt – in einem Land, in dem lt. Bundesagentur für Arbeit/BA jedes sechste Kind in einer Hartz-IV-Familie lebt, also akut armuts- und abstiegsgefährdet ist.

Es steht nun zu befürchten, dass wir als Menschen gespalten werden, obwohl wir in einer Zeit des eskalierenden Neoliberalismus zusammenhalten und mit aller Kraft solidarisch sein müssten.  Denn nur gemeinsam können wir die Schienen, auf denen unser Zug gerade Richtung Grand Canyon fährt, umlegen. Indem man uns allerdings in völlig konzeptloser Weise existenziell aufeinanderprallen lässt, verpufft diese Kraft bzw. wird sogar ins Destruktive pervertiert: Die Bürger streiten miteinander und reiben sich gegenseitig auf. Indes kann die neoliberale Agenda weiter ungestört durchgezogen werden.

Zurück aber zu Mecklenburg-Vorpommern und den Ossis. Was mussten die „Ossis“ nicht schon an Schmähungen über sich ergehen lassen: Die fortschritts- und frackinggläubigen Wessipolitiker und ihre Hofmedien  ließen kaum ein gutes Haar an ihnen, stellten sie bei jeder Gelegenheit als hinterwäldlerische Fortschrittsverweigerer dar, die sich nun als „Pack“ im „Dunkeldeutschland“ zusammengerottet haben und für Ruhestörung der im luxuriösen Apartment des Industrie 4.0-Zuges sitzenden Leistungsträger sorgen. Dass einige Ossis darauf hinweisen, dass der Zug, in dem wir alle sitzen, geradewegs auf den Grand Canyon zufährt, wer will solche Zwischenrufe hören? Wenn man diese Stimmen ernstnähme, dann müsste man ja die Geschwindigkeit drosseln, Halt machen und die Gleise umlegen. Aber das verschreckt laut Merkel-Doktrin womöglich die Weltmärkte und die US Ratingagenturen. Also  lautet die alternativlose Losung: weiter voll einheizen den Zug, volle Kraft voraus und über die Atlantikbrücke ab in den Grand Canyon.

Auch in den Pressemeldungen im Ausland wurde über die jüngste Wahl oft in ironisierender bis spöttischer Weise berichtet. Der österreichische Rundfunk ORF bezeichnete sie in seinen Leitartikeln mit Gänsefüßchen als „Meck Pom-Wahl“ und „Merkels Meck Pom“. Das erweckt unweigerlich Assoziationen mit dem pausbäckigen Pom-Bär aus der Kekswerbung oder mit den fortschrittsscheuen Hobbits aus dem Auenland – schlumpfartige Gesellen jedenfalls, die mit dem von Merkel gepredigten Bekenntnis zu Industrie 4.0 und der totalen Digitalisierung aller Lebensbereiche nicht viel am Hut haben, sondern denen dieser Fortschritt sogar Angst macht. Auch wurde in der Wahlberichterstattung stets betont, dass die negative Stimmungslage der Wähler ja „nur“ ein vergleichsweise dünn besiedeltes ehemaliges DDR-Gebiet betreffe, während in den wirklichen Kulturmetropolen der Merkelkurs weiterhin breite Unterstützung finde.

Meines Erachtens ist das Verächtlichmachen der Meckpombürger und „Ossis“ ein schwerer Fehler. Wir täten gut daran,  ihre Stimmen ernst zu nehmen, denn immerhin haben sich diese Mitbürger aufgrund ihrer leidgeprüften Erfahrung von Diktatur und Willkür sensibilisiert für gewisse Tendenzen, die bei weiterem Fortschreiten das gesamte Fundament von Demokratie und Rechtsstaat aushöhlen könnten.

Mitbürger, die deshalb rechtzeitig „Au !“ schreien, wenn sogar das, was im freien Westen früher am Ostblock als so abgrundtief schlecht und aller Grundrechte des modernen Menschen spottend kritisiert wurde, nun von der Bundeskanzlerin achselzuckend  als Normalität hingestellt wird: z.B. die schrankenlose Bürgerüberwachung und Durchleuchtung des Privatlebens durch ungreifbare geheimdienstliche Behörden – zu dessen Rechtfertigung die höchsten Staatspolitiker wieder die Worte von Joseph Goebbels in den Mund nehmen: „Wer nichts zu verbergen hat, hat von uns nichts zu befürchten“ (siehe Nachrichtenspiegel).

Das Lachen über die hinterwäldlerischen „Meckpom“-Schlümpfe könnte uns schon demnächst im Hals stecken bleiben. Denn immerhin wussten die Schlümpfe noch um die Existenz des dunklen Gargamel, der ihnen den Garaus machen wollte und vor dem sie daher auf der Hut sein mussten. „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“ – wer in seinem Leben noch nie erfahren hat, was es bedeutet, täglich in einer Diktatur aufzuwachen, der kann über diesen Ausspruch leicht lachen. Dabei warnen sogar bereits die Chefkonstrukteure des CIA-/NSA-Überwachungsapparats in einem offenen Brief: „Wir errichten gerade schlüsselfertige Tyranneien!“

So wie der ostdeutsche Bauunternehmer Owe Schattauer in seinem u.a. Video haben daher auch viele andere „Ossis“ erkannt, dass bereits Feuer am Dach ist – während wir wohlstandsverwöhnten Wessis noch unbeirrt an dem aus den drei Strängen technischer Fortschritt, betriebswirtschaftliche Effizienz und bodenlose Unterhaltung geflochtenen Merkel’schen Sauerzopf (dem eigentlichen „Meckpom“-Scherzkeks) festhalten.

Obwohl die Wahl der AfD in MV die drohende – und in ökonomisch-sozialer Hinsicht bereits bedrückend manifeste – Tyrannei vermutlich in keiner Weise verhindern bzw. beseitigen wird (siehe „Was wir heute brauchen wie ein Loch im Knie: „Bodenständige“ Politiker im Maulwurfspelz und AFX-Parteien“), da die AfD ein knallhartes neoliberales Programm im Talon hat und im übrigen eine noch stärkere Sanktionierung von Hartz IV-Beziehern und Minderleistern befürwortet,  so kann das Wahlverhalten in MV zumindest als Versuch der Bürger gesehen werden, die Notbremse zu ziehen.

So, jetzt aber genug der Vorrede. Ich habe ihn schon erwähnt: Owe Schattauer. Auch er kam nach der Grenzöffnung mit der Sehnsucht nach Freiheit und einem besseren Leben in den Westen. Als Rapper „C-Rebel-um“ kondensiert er seine Erfahrung der vermeintlichen Freiheit im wiedervereinigten Deutschland mit dem Fazit: „Frei ist hier nur, wer Geld hat.“

Ähnliche Worte der Ernüchterung, wie sie Owe Schattauer in seinem Song „IRRTUM – Ihr wisst gar nichts von uns“ spricht, wird es vermutlich in den nächsten Jahren en masse von Flüchtlingen zu hören geben, die aktuell noch voller Hoffnung ins gelobte Schlamerkelland strömen.

Ein weiteres bemerkenswertes Lied von Owe Schattauer ist „Brot und Spiele“, in welchem er auf ganz prosaische Weise schildert, wie er das vermeintliche Konsumparadies im Westen mittlerweile erlebt. Auch wenn die grobklötzig-spartanische Visualisierung der Videos in keiner Weise mit dem westlichen Industrial-Light-And-Magic-Niveau mithalten kann, so stellen die schlichten, aber ergreifenden Texte des kleinen Mannes von der Ossi-Straße besagte Industrial-Light-And-Magic Produktionen dennoch in den Schatten.

„IRRTUM – Ihr wisst gar nichts von uns“:

 

„Brot und Spiele“:

Nachtrag – zur Kritik, warum ich Videos von so jemand „Unmöglichem“ wie C-Rebell-um verlinkt habe (@Alethia u.a.) :

Nun, ich habe nicht das gesamte Oevre von C-Rebell-um studiert und zweifellos ist er kein Ghandi oder Hermann Hesse, den man bedenkenlos politisch korrekt zitieren kann. Sucht man das Haar in der Suppe, dann könnte man im Übrigen überhaupt niemanden zitieren, nicht einmal Hermann Hesse. Denn obwohl ich persönlich mindestens 99,9% der Aussagen von Hermann Hesse als einen meiner Lieblingsautoren bedenkenlos unterschreiben könnte, so hat er etwa mit seinen Ansichten über das Recht des Menschen zum Suizid m.E. einen argen Hacker in die Welt gesetzt, aufgrund dessen unsere Gesellschaft womöglich schon viele Menschen unnötigerweise verloren hat. Wollte man die reale Konsequenz von Hesses diesbezüglicher Äußerung ebenso wie jener von Goethes „Leiden des jungen Werther“ statistisch evaluieren, man wäre wohl erschüttert. Wie wir wissen, war sogar Friedrich Nietzsche, wohl einer der brillantesten Denker seiner Zeit, in seinem Spätwerk vor geistiger Umnachtung nicht gefeit. Wenn also selbst die führenden Geister der deutschen Kulturgeschichte durchaus auch einige blinde Flecken haben, wie soll man dann von einem Rauhbeinrapper aus dem Baugewerbe erwarten, dass er ohne Makel ist?

Der Grat der Wahrheit ist in der Tat ein schmaler und man muss wohl täglich neu das Gleichgewicht herstellen, wenn man nicht nach links oder rechts abstürzen will (wobei das jetzt rein metaphorisch gemeint ist, denn in politischer Hinsicht sind die Veortungen ‚Links‘ und ‚Rechts‘ m.E. sowieso schon komplett verhunzt und daher ein Fall für die Tonne) – insbesondere dann, wenn man es wagt, dem schwarzen Loch ins Auge zu schauen, das heute alle Grundlagen unserer Zivilisation abzusaugen droht.

Dass ich Owe Schattauers / C-Rebell-ums Videos dennoch verlinkt habe, hat aber zwei handfeste Gründe:

1.) sind die zwei Songs m.E. astreine Zeitzeugendokumente über die Zeit nach dem Mauerfall bzw. Paradebeispiele für die Desillusionierung über das vormals strahlende westliche Konsumparadies aus der Sicht eines Ossis, der in diesem Konsumparadies sein Glück gesucht hat.

2.) Da ich selbst eher denkerisch veranlagt bin, habe ich früher immer abschätzig auf eher willensgeprägte Typen wie C-Rebell-um herabgesehen, die einfach so aus dem Bauch heraus manchmal recht grobschlächtig klingende Dinge heraussprudeln lassen, noch bevor der Kopf den bewegenden Gedanken ganz zu Ende gedacht hat. Diese arrogante Haltung habe ich inzwischen gründlich revidiert. Denn was ich momentan wahrnehme ist: Es herrscht allerortens eine massive Willenslähmung, und das, obwohl wir heute fähig sind, alle politisch-ökonomischen Abgründe messerscharf zu analysieren und auf höchstem akademischen Niveau aufzubereiten. Effekt: Null, Nada. Gleichermaßen üben wir uns darin, ironisch herumzuwitzeln und den Wahnsinn, der uns schon demnächst Kopf und Kragen kosten könnte, zu überspielen und als bloßes Kasperletheater darzustellen, über das man sich schenkelklopfend abhauen könnte.

Man nehme z.B. nur die wegen ihres Scharfsinns und hohen Niveaus so vielgepriesenen „Anstalt“-Sendungen: Ehrlich gesagt, kann ich das dauernde Satirisieren und neunmalschlaue Persiflieren nicht mehr ertragen. Der Anblick des Publikums, das die abgründigsten Themen des Weltgeschehens in demaskierter Form serviert bekommt und diese Tatsachen mit leuchtenden Augen, brüllend vor Lachen entgegennimmt, zwischen den Pointen aufgrund von delektiertem Dauerschmunzeln chronifizierte Gesichtskrämpfe erzeugend, erinnert mich an die Szenerie mittelalterlicher Königshöfe, wo es ein paar Hofnarren erlaubt war, sich über die Despotenherrscher und die dekadenten Zustände im Reich lustig zu machen, solange sie sich selbst zum ulkigen Narren machen. In dem Moment, wo jemand das, was der Hofnarr persifliert, mit aufrechtem Ernst vorgebracht hätte, wäre augenblicklich sein Kopf gerollt und man hätte ihn von der Bühne entfernt. Schon alleine die Bezeichnung „Die Anstalt“ zeigt ja bereits, dass man mit seinem Vorbringen in Wirklichkeit eine gewisse Grenze nicht überschreiten wird sondern sich vorauseilend im Klamauk-Genre verortet. Und in diesem nicht für voll zu nehmenden Genre lässt man den Akteueren gerne jede Narrenfreiheit: Sie dürfen dort trompeten, sich am Kopf stellen und die Könige verulken – die dann, wenn der Konfetti des lustigen Plunderabends wieder zusammengekehrt ist, aber weiterhin ihr gewonhtes Geschäft betreiben, d.h. ihre Untertanen ausbeuten und foltern, grausame Plünderungen von Nachbarländern planen und obszöne Feste mit schokoladeglasierten Schweinen feiern während die Armen vor den Toren der Paläste verrecken.

Und genau aus diesem Grund des Verreckens habe ich mir vorgenommen, in Zukunft einen feuchten Kehricht auf politische Correctness zu geben und mich hinsichtlich zitierfähiger Quellen nicht durch die Maulkörbe und Brandmarken limitieren zu lassen, die irgendwelche selbstgerechten Pseudo-„Linken/Intellektuellen“ verteilen, die sowieso alles, was nicht aalglatt, kubisch oder mechatronisch ist, mit den „Nazis“ in einen Topf werfen und damit einem echten gesellschaftlichen Dialog und Fortschritt den größtmöglichen Schaden zufügen. Ich habe genau aus diesem Grund ganz bewusst nicht nachrecherchiert, aber angesichts seiner grundsätzlichen Systemkritik und seiner unverhohlenen Worte hat C-Rebell-um wohl bestimmt schon den gesamten Rattenschwanz an Ditfurthianern und Psiram-Inquisitoren am Hals, die ihm das Etikett „Verschwörungstheoretiker“ auf den Rücken kleben wollen.

Zweifellos wird man in seinen Statements auch viel Unausgegorenes und Zweifelhaftes finden, das kritikwürdig ist und das als Argumentationsmaterial für gefährliche politische Ambitionen zur weiteren Sanktionierung von Hartz IV-Beziehern etc. verwendet werden könnte – wenn er als „Stimme des Zorns“ seine morgendlichen Wutausbrüche, mit denen er im Auto die Radionachrichten kommentiert, sofort unredigiert online stellt, dann ist ja auch nichts anderes zu erwarten, als dass in seinem Redeschwall auch einige Knorkse dabei sind. Und natürlich hat solche Cholerik ihre eigenen Gefahren und Fallstricke. Trotzdem könnten wir akademisch verbildeten Schöngeister uns gerade von dieser Impulsivität Schattauers eine Scheibe abschneiden: Er witzelt sich nicht bloß über den nackten Wahnsinn hinweg und duckst herum, sondern er ist aus tiefstem Grund heraus empört und schreit diese Empörung auch nach Leibeskräften aus sich heraus – weil er es nicht fassen kann, wie sich der Wahnsinn heute bereits demaskiert hat und vom Großteil der Menschen auch als solcher erkannt wird, aber die Leute trotzdem lieber weiterdösen und sich mit Illusionen betäuben wollen, also den Zug weiter Richtung Grand Canyon fahren lassen – auf hohem Niveau witzelnd und sich damit nonchalant darüber hinwegerhebend, bereit noch ein Selfie zu machen, sobald der Zug über die Klippe fährt – die Zeit bis zum Aufprall dann noch nutzend, um die „Likes“ zu zählen, die man von der Online-Community für seinen letzten Schuss erhält…

Und während wir im Kopf stecken bleiben und sich die sogenannten „Linken“ ihre Zeit damit vertreiben, um via Smartphone Friedensaktivisten als Verschwörungstheoretiker zu diffamieren, kommt Owe Schattauer ins ganz konkrete Handeln, organisert z.B. gemeinsam mit Dr. Rainer Rothfuß eine Friedensfahrt von Berlin nach Russland, um im Namen der Bürger zu demonstrieren, dass wir den mittlerweile höchst gefährlichen und von den Leitmedien geflissentlich eingetrommelten Konfrontationskurs der NATO in keiner Weise mittragen wollen (Wir machen da nicht mit. Wir machen den Frieden jetzt selbst … unsere Damen und Herren Volksvertreter finden anscheinend keinen Weg, mit dem russischen Volk zu kommunizieren. Im Gegenteil, man baut in dieser äußerst brisanten geopolitischen Lage völlig verantwortungslos auf Sanktionen und Konfrontation statt auf Kommunikation. Das müssen wir ändern. Es geht darum, nicht nur zu reden, sondern einfach zu tun.“  siehe http://www.free21.org/friedensfahrt-berlin-moskau-august-2016/)

Obwohl man also endlos Pros und Contras zu seiner Person finden könnte, so muss ich angesichts des bereits halshohen Wasserspiegels sagen: Gäbe es heute mehr Menschen wie Owe Schattauer, die mit einer gesunden Allergiebereitschaft auf den zur Normalität erklärten politisch-ökonomischen-ökologischen Wahnsinn reagieren (aus einem Gespräch mit Medizinern habe ich erfahren, dass HYPOTONIE, d.i. die mangelnde Reaktionsfähigkeit auf herandringende Allergene und Toxine eine viel bedenklichere – und heute weit verbreitete – Konstitution ist als HYPERTONIE, d.i. das sofortige Reagieren auf einen Reiz durch Hautrötung etc.), dann müssten wir nicht so wie heute dem Abgrund entgegensehen, sondern könnten einer konstruktiven, menschengerechten Zukunft entgegengehen. Denn besagter Wahnsinn kann nur dann blühen, wen wir herumducksen und den Kopf in den Sand stecken. In dem Moment, wo wir uns aufrichten, muss er dahinschmelzen wie ein Schneemann im Frühling.

Deutschland im Amok- und Terrorfieber – Über die Turbo-Radikalisierung von fernsehenden Reihenhausbürgern in Zeiten des Turbo-Kapitalismus

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„So eine Woche habe ich noch nicht erlebt“, stammelt Bayerns Innenminister Herrmann auf einer Pressekonferenz in Hinblick auf die Anschlagserie der letzten Woche. Dass zusätzlich noch der Stolz Herrmanns gekränkt wurde, indem das Landgericht Karlsruhe einem deutsch-ghanaischen Anwalt zugebilligt hat, dass er den Bayerischen Innenminister ungestraft als „ganz wunderbares Inzuchtsprodukt“ bezeichnen darf (siehe taz), ist da inmitten der aktuellen Blutbadserie nur eine Randmeldung wert.

Wir wollen das Wort „Inzucht“ trotzdem als Ariadnefaden behalten, um uns durch das blutige Labyrinth des Minotaurus zu manövrieren. Denn wenn wir nicht an der Oberfläche bleiben wollen, müssen wir einige grundlegende Fragen stellen:

Welchen Elementen bietet das derzeitige marktradikale („neoliberale“) Treibhausklima optimale Wachstumsbedingungen? Welche Charaktere züchten wir in unserer Arbeits- und Ausbildungswelt heran? Warum werden die Gewächse bzw. die Absolventen unserer scheinbar so hochqualifizierten und hocheffizienten Schulen und Universitäten plötzlich von Schwarzschimmel befallen und überziehen ihre Umgebung mit einem tödlichen Pelz?

Wer sich mit Umweltmedizin beschäftigt, der weiß, dass Schwarzschimmel nur unter ganz bestimmten Luftfeuchtigkeits-, Temperatur- und Nährstoffbedingungen wächst. Sind diese Bedingungen gegeben, dann benötigt Schimmel weniger als eine Woche, bis er anfängt zu wachsen und das Haus unbewohnbar zu machen – Blitzradikalisierung par excellance also. Obwohl, und das wissen die wenigsten, Schimmel in den meisten Fällen für das Auge unsichtbar bleibt und oft erst nach Jahren oder gar nicht aufgedeckt wird. Viele Menschen werden daher in einer scheinbar blitzsauberen, aber unsichtbar verschimmelten Wohnung krank, ohne zu wissen warum. Nur wenn die Schimmelkultur bis in ihre Blüte bzw. Sporenbildung kommt, wird der Befall für das Auge sichtbar. Experten wissen daher, dass sichtbarer Schwarzschimmel nicht mehr ist als die Spitze des Eisbergs und ein viel tiefgehender Schaden an der Bausubstanz vorliegt, in den meisten Fällen ein unerkannter Wasserrohrbruch oder eine Wärme-/Kältebrücke.

Bevor wir uns den tieferen Ursachen des aktuellen Fiaskos widmen, zunächst noch einmal kurz zurück an die Oberfläche des Schwarzschimmelpelzes: Aktuell schlägt den Migranten eine Welle der pauschalen Empörung entgegen: Wie war es möglich, dass Flüchtlinge, die allen Grund zum Dank hätten, dass Deutschland ihnen Aufnahme, Ausbildung und Unterkunft gewährt hat, sich auf solch desaströse Art revanchieren?

Auch die Schäubles, Merkels und sonstigen Herrmänner sind ratlos. Sogar Konstantin Wecker, der stets eine Lanze für die Willkommenskultur gebrochen hat, schreibt, dass er bei den Nachrichten über Amok laufende Flüchtlinge für Momente das Gefühl gehabt habe, die Flüchtlinge fielen ihm nun in den Rücken bei seinen Versuchen, öffentlich für ihre Rechte einzutreten.

Wieso dieser Hass und Vernichtungswille? In einem Wohlstandsland, in dem allen Bürgern – zumindest solange sie gerade nicht malochen – das Frei- bzw. Billigbier fließt und es Unterhaltung nonstop bis zum Abwinken gibt?

Mangels anderer Erklärungsansätze verengt sich die aktuelle Diskussion derzeit meist auf zwei Erklärungsansätze bzw. Etiketten, die man den Amoktätern umhängt: geistesgestörter Einzeltäter oder islamistischer Terrorist. Wie der Gefängnispsychologe Götz Eisenberg ausführt, kann sich in beiden Fällen die Gesellschaft von Verantwortung freisprechen und sagen: Der Mann ist wahnsinnig oder er handelt im Auftrag des IS. Wenn alle Erklärungen versagen, da der Täter bisher ein biederes Musterleben in einer Musterfamilie in einem Musterreihenhaus geführt hat, dann ist das eben ein typischer Fall von Selbstradikalisierung, vorzugsweise Selbstradikalisierung im Blitztempo, so wie beim Attentäter von Nizza, der sich innerhalb von 14 Tagen selbstradikalisiert und zum Dschihadisten gewandelt haben soll.

In seinem jüngsten Essay (siehe Nachdenkseiten) nähert sich Götz Eisenberg in gleichermaßen ruhiger wie treffsicherer Weise an den Kern der derzeitigen Misere an. Man erspart sich durch das Lesen dieses bereits sehr tiefschürfenden Artikels das Lesen unzähliger anderer sogenannter Expertenmeinungen. Eisenberg führt darin aus, wie Attentäter oft nicht morden, weil sie sich dem Dschihad zugewandt haben, sondern dass sie sich dem Dschihad zugewandt haben, weil sie morden wollten. Wie eine neoliberal-nihilistisch-technokratisch konditionierte Gesellschaft immer mehr „radikale Verlierer“ produziert, die sich abgehängt und in permanenter Frustration fühlen. „Menschen, die vom heiligen Markt als überzählig ausgespuckt werden und wie Fische auf dem Trockenen liegen.“ Und schließlich, wie Amoktäter, die teilweise in imitiertem, gebrochenem Arabisch „Allahu akhbar“ rufen, sich der IS-Chiffre nur bedienen, um gewissermaßen als Teil einer „weltumspannenden Hass-Föderation“ erweiterten Suizid zu verüben. Es lohnt sich, diesen etwas längeren Artikel zu studieren, man sieht danach klarer.

Auch der französische Politologe Olivier Roy kommt zum Schluss, dass nicht die Radikalisierung des Islam heute das größte Problem sei, sondern dass sich Radikalität an sich immer öfter islamistisch kostümiere. Die Ideologie des IS, laut Roy zurzeit das „radikalste Produkt auf dem Markt“, komme diesen Menschen gerade recht, um ihre Wahnsinnstat zu etikettieren und in einer vermeintlich weltumspannenden Guerillagemeinschaft wider die westliche Welt in einen größeren Kontext zu stellen. In Wirklichkeit seien die Attentäter Produkte einer zutiefst gespaltenen und ausbeuterischen Gesellschaft, die an ihren Rand gedrängt, der Kriminalität und Destruktivität verfallen.

Indes kündigen unsere Politiker bereits Jugendschutz- und Entradikalisierungsmaßnahmen an. Was die Folge davon sein wird, ist jetzt schon klar: Ethnische und religiöse Minderheiten wie die Roma, Zeugen Jehovas etc. werden noch mehr an den Rand gedrängt und mit Projektionen und Repressionen behäuft als bisher. Die Wut und der Hass der Bevölkerung über die eigentlich ungreifbare Bedrohung wird sich an einigen Minderheiten entladen – während die eigentliche gesamtgesellschaftliche Radikalisierung bzw. der vorgenannte Schwarzschimmelbewuchs weiterhin ungehemmt voranschreiten kann. Die Strategie, Sündenböcke bereitzustellen, auf die der gemeine Bürger unter Duldung der Justiz weitgehend ungestraft einschlagen kann, hat sich schon seit jeher bewährt, wenn es darum ging, kollektive Wut – die schließlich zu einer Änderung der etablierten Machtverhältnisse hätte führen können – zu kanalisieren. Auch im Dritten Reich konnte auf diese Weise von dem eigentlich unhaltbaren wirtschaftlichen, sozialen und weltanschaulichen Bankrott eines Systems abgelenkt werden, indem man die Schuld für die gesamtgesellschaftliche Krise den Juden, den Roma und ein paar weiteren Randgruppen gab.

Aber wenn wir schon über Entradikaliserungsprogramme reden: Wer kümmert sich eigentlich um die Entradikalisierung unserer Politiker? Ist die weltanschauliche Gesinnung mancher Politiker heute nicht bereits ebensoweit ins Radikale abgeglitten, dass Verelendung und sogar Vernichtung von Menschenmengen größeren Ausmaßes zu befürchten ist?

Ist es nicht ebenso eine radikale Weltsicht, wenn z.B. Wolfgang Schäuble, also eine an der Spitze der Machtpyramide unserer Gesellschaft stehende Person, in einem ARD-Interview sich selbst beschreibt als jemanden, der „abgehärtet ist in einem langen bösen Leben“? (Quelle: ARD-Mediathek – dort nur noch bis 24.8.2016 verfügbar). Muss man angesichts der Verbitterung und womöglich sogar leisen Todessehnsucht, die man aus solchen Worte ahnen könnte, nicht Gänsehaut am Rücken bekommen?

Würde ein Flugzeugpilot solche Worte sprechen, man würde ihn wegen Verdachts auf akute Lebensmüdigkeit und implizite suizidale Tendenzen wohl umgehend aus dem Verkehr ziehen. Dass man von Schäuble trotzdem kein psychologisches Attest eingefordert hat, wird sich womöglich aus zukünftiger Perspektive bitter rächen. Nicht, dass so jemand bewusst eine Katastrophe herbeiführen würde wie z.B. der Germanwings-Pilot Andreas L., aber wie Sigmund Freud schon festgestellt hat, „ist das Unterbewusste immer schlauer“ – womit er meinte, dass sich immer die untergründige Motivlage eines Menschen als Resultat durchsetzt und nicht das, was er in seinem intellektuellen Oberstübchen bekundet. Wenn z.B. jemand bei einer Heirat vor dem Altar oder zu einem Vertrag „Ja“ sagt, aber untergründig ein „Nein“ in sich trägt, dann wird sich dieses Nein irgendwann durchsetzen und Früchte tragen.

Wie werden wohl die Früchte der Politik eines Menschen sein, der das Leben als „lang und böse“ ansieht? Die Griechen haben dies jedenfalls bereits am eigenen Leib zu spüren bekommen: Nach eiserner Durchsetzung der Troika-Weisungen ist dort die Säuglingssterblichkeit um 43% gestiegen, die Suizidrate um 27%, Krankenhäuser kollabieren, vier von zehn Kindern leben in Armut. Dessen unbekümmert wurde lt. ORF-Bericht unter Schäubles Ägide dafür gesorgt, dass von 100 Euro Griechenlandhilfe nur 1,80 Euro im echten Leben, also in Krankenhäusern, Infrastruktur und Schulen ankommen, während die übrigen 98,2 Euro mit Zinsen direkt zurück an die Großbanken gingen. – Eigentlich war das In-die-Mangel-Nehmen von Griechenland ein sinnloser und gemeinschädigender Akt, was laut dem ehem. Finanzminister Varoufakis für seine Verhandlungspartner auch vollkommen einsichtig war. „Und dann schauen dir sehr mächtige Personen in die Augen und sagen: »Sie haben recht mit dem, was Sie sagen, aber wir werden Sie trotzdem zerquetschen.“ (seltsamerweise wurde dieses geschichtsträchtige Zitat in keinem einzigen unserer Leitmedien abgedruckt, sondern findet sich nur in alternativen Medien oder kleinen sozialistischen Blättern).

Seitdem findet in Griechenland täglich ein stilles Gemetzel statt, zwar weniger blutig und spektakulär als die Attentate in München oder Nizza, aber mit noch ungleich mehr Todesopfern und Elend im Gefolge. Noch viel desaströser wirkt sich die transatlantisch verbrückte Politik der angeblichen Verteidiger der europäischen Demokratie – denen Varoufakis das „völlige Fehlen demokratischer Skrupel zugunsten kalter Machtpolitik“ bescheinigt – im Nahen Osten und Nordafrika aus, von wo aus letztes Jahr eine Millionenschaft an Flüchtlingen zu uns geströmt ist, um ein neues Leben anzufangen.

In euphorischer Erwartung „einer Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder“ (Daimler-Chef Dieter Zetsche) ließ die deutsche Bundeskanzlerin, akkordiert mit einer Kampagne der BILD-Zeitung und sämtlichen anderen relevanten Leitmedien, eine Willkommenskultur und das Ende der Schengen-Grenzen ausrufen. Unter den neu einströmenden Humanressourcen sollte sich eine große Anzahl gut ausgebildeter Ärzte und Ingenieure befinden. Wie die Länder, die gerade um ihre qualifiziertesten Fachkräfte ausgeblutet werden, ohne Ärzte und Ingenieure ihre zerstörten Krankenhäuser, Wasserleitungen und Straßen wieder aufbauen sollen, fragte angesichts des in Aussicht sehenden neuen Wirtschaftswunders im Oktoberfestland kaum jemand. Unter einem Kraftakt von Bevölkerung und Administration wurden dann quasi über Nacht über 1,5 Millionen Flüchtlinge bei freier Kost, kassenärztlicher Versorgung und Schulbildung einquartiert. Die Chefs von Siemens, Porsche und Post überboten sich des Lobes für die neu ankommenden Humanressourcen und drängten die Politik, ihnen nach einer kurzen Einführung in „westliche Werte“ möglichst rasch Jobs geben zu dürfen. Und jetzt quasi als Dank ein von blutigem Terror erschüttertes Europa? – Am Stammtisch versteht man die Welt nicht mehr.

Viele der Amokläufer sind durchwegs jung, manche fast noch Kinder. So wie der 17jährige Axt-Attentäter von Würzburg Riaz A., der bis zu seiner Tat als Musterflüchtling galt, bei einer deutschen Pflegefamilie scheinbar beste Start- und Ausbildungsbedingungen genoss und dennoch in seinem Bekennervideo diese verstörenden Sätze voller Hass sprach (Auszug aus Video/SPIEGEL TV: „Ihr könnt sehen, dass ich in eurem Land gelebt habe und in eurem Haus … und in eurem eigenen Haus werde ich euch abschlachten.“) Im vorgenannten Spiegel-Video zeigt sich auch der Bürgermeister, der den Täter kurz vor der Tat noch auf dem Pfarrfest begrüßt hatte, vollkommen verdutzt, wie mit Riaz K. eine solche Wandlung geschehen konnte.

Auch der 18jährige David S., der vor dem Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen hat, ging eine rätselhafte Metamorphose durch. In einem weiteren SPIEGEL TV-Bericht kann man seine Wandlung von Superhelden zum Amokläufer bildhaft mitverfolgen. In der Online-Community figurierte er zunächst unter dem Namen „Neo“, gepaart mit einem Bild von Kenau Reeves. Er hatte also ursprünglich jenen Menscheitshelden vor Augen, der im Film „Die Matrix“, eine von Maschinen geknechtete Menschheit wieder aus dem Abgrund befreit. Zuletzt hatte er jedoch die Identität des Neo verworfen und figurierte im Netz nur noch unter dem Pseudonym „Hass“. Auch das Profilbild hatte er verändert: Statt dem Heroengesicht des „Neo“ gab er der Community nun eine schwarze, in sich zusammengekauerte Gestalt ohne Gesichtszüge zu sehen.

Eine Vielzahl von ähnlichen Fällen an Radikalisierung, in denen unscheinbare, äußerlich bestangepasste Schüler plötzlich ein Massaker an Lehrern und Mitschülern anrichten, finden sich in Götz Eisenbergs Buch mit dem bezeichnenden Namen „Gewalt, die aus der Kälte kommt“ – dort auch vollkommen ohne Migrationshintergrund. Denn bei unserer Betrachtung sollten wir nicht den Fehler begehen, unsere Wut nun in die falsche Richtung bzw. auf die Migranten zu lenken. Das würde uns von der berechtigten Wut auf die wirklichen Krankheitswurzeln unseres politisch-ökonomischen Systems ablenken und uns menschlich spalten. Denn in Wirklichkeit sind die Migranten genauso Spielbälle ökonomisch-politischer Interessen wie wir Inländer. Insofern hätten wir also allen Grund, um zusammenzuhalten. Während jedoch durch das Anzünden von Asylheimen und das Bilden von Bürgerwehren geradewegs verhindert wird, dass die Menschen dieser Welt in einer entscheidenden historischen Zeit gemeinsam an einem Strang ziehen und gegen den Marktradikalismus („Neoliberalismus“) protestieren.

Man stelle sich vor, jemand flüchtet aus einer elenden, zerbombten und vergifteten Heimat auf einen neuen Kontinent, der ihm bisher in Büchern bzw. Flachbildschirmen als reines Paradies erschienen ist. Er hat dann alles auf eine Karte gesetzt, sein Haus verkauft und die erhaltenen Jetons in eine Schlepperbande investiert, sein Leben auf einer gefährlichen Fahrt über das Mittelmeer oder die Balkanroute riskiert (hier ein lesenswerter Erlebnisbericht eines auf hoher See gekenterten Überlebenden), und während dieser Überfahrt womöglich auch einige Familienmitglieder oder Freunde verloren. Der letzte Strohhalm seiner Hoffnung war das gelobte Deutschland, von dem Merkel suggerierte, dass man es dort bloß über die Grenze schaffen müsse, dann wäre alles gut.

Nun hat er es über ebendiese Grenze geschafft, aber siehe da: Gar nichts ist gut, der Glanz der über das Smartphone vermittelten Werbewelt des westlichen Mekkas ist dahin – das einzige, was in diesem Kommerzmekka glänzt, sind die SUVs und die omnipräsente Unterhaltungselektronik. Eine Zeitlang legt er sich voll ins Zeug und versucht, auch unsere Sprache zu lernen, auf LED-Flachbildschirmen herumzuwischen und Anschluss zu finden, aber irgendwie wird es nichts so richtig, er bleibt ein Underdog, muss eine missachtete Randexistenz führen, wird sogar gemobbt, so wie es der Amokläufer David S. kurz vor seinem Gestelltwerden durch die Polizei mit seinen letzten Worten lauthals beklagt hat (siehe SPIEGEL TV).

Der Neuankömmling im gelobten Land muss erleben, dass in einer Gesellschaft, unter deren Jugend laut soziologischer Studien „Du Opfer!“ neben „Du Wichser!“ das gängigste Schimpfwort geworden ist, es für Opfer wie ihn leidlich wenig Pardon gibt. Dass die von Medien wie BILD & Co. im Chor mit den Konzernen – in Erwartung eines nächsten, dank billiger Arbeitskräfte katalysierten Wirtschaftswunders – ausgerufene „Willkommenskultur“ nur gefakt war. Dass hier im Vergleich zu seiner Heimat im Großteil des Jahres nicht nur das Wetter arschkalt ist, sondern auch die soziale Atmosphäre unter den Gefrierpunkt gesunken ist und er sich durch eine eisige Gletscherlandschaft bewegen muss. Dass im einstigen Land der Dichter und Denker heute fast jeder Aspekt des Lebens dem Kommerz zum Fraß vorgeworfen wurde und wahre Humanität aus politisch-ökonomischer Sicht nur lästiger Sand im Getriebe einer gnadenlos auf höchste Effizienz getrimmten Technokratie darstellt. Eine Gesellschaft, in der man für Gutmenschen im besten Falle ein mitleidiges Lächeln, meist jedoch schiere Aggression übrig hat (dass neben „Du Opfer!“ und „Du Wichser!“ heute laut laut Bericht im Focus auch „Du Goethe!“ zu einem der übelsten Schimpfwörter unter Jugendlichen avanciert ist, habe ich zuvor vergessen zu erwähnen. Man weiß dann, auf welchem Niveau das Kulturgut, das Deutschland einstmals von den USA und vom Kongo unterschieden hat, heute rangiert).

Der Migrant merkt mehr oder weniger schnell, dass seine Zukunftsaussichten in solch vergletscherter marktradikaler („neoliberaler“) Landschaft in Wirklichkeit die gleichen sind wie daheim: Dass er sich als unterbezahlter Tagelöhner verdingen wird müssen, der trotz rückhaltlosen Verschleißes seiner Gesundheit zuwenig zum Leben und zuviel zum Sterben besitzt, während sich einzelne Warlords (hierzulande nicht mit Patronengürteln und Granaten gewappnet, sondern fein herausgemausert in Nadelstreif und bestückt mit bloßer Hugo Boss-Titankugelschreibermine und Smartphone) dick und dämlich verdienen.

Dass hier im vermeintlich gelobten Land Bullshitjobs warten, an denen sogar die gut situierten und von ihrer Kindheit an an das marktradikale („neoliberale“) Klima getrimmten Eingeborenen mittlerweile zermürben und ins Burnout abzudriften drohen – wobei Burnout nichts Flammendes oder Heldenhaftes ist (von einem Betriebsarzt weiß ich, dass es in vielen Firmen immer noch als „Verwundetenabzeichen der Leistungsgesellschaft“ angesehen wird und man zumindest ein „kleines Burnout“ vorweisen sollte, um zu beweisen, dass man im Job alles gegeben hat), sondern man es, wie mir eine Psychotherapeutin erklärt hat, lieber ganz unpathetisch als „Erschöpfungsdepression“ bezeichnen sollte.

An gleichermaßen naiven wie brandgefährlichen Maßnahmenforderungen aus dem pragmatischen Eck der Herrmänner mangelt es natürlich nicht. Reflexartig wird z.B. der Einsatz der Bundeswehr im Inneren gefordert (als ob man mit der Feuerkraft von Panzern und Kampfjets einen Rucksackbomber daran hindern könnte, auf einen Knopf zu drücken) oder der weitere Abbau der Grundrechte und Ausbau der Totalüberwachung (wir kommen gleich noch darauf zurück). Aber lassen wir das, wir werden schon wieder oberflächlich und haben Tiefgang versprochen.

Halten wir uns also nicht mit Oberflächlichkeiten auf, diese bekommen wir über die Leitmedien gerade im Überfluss serviert. Eisenberg schreibt dazu in seinem Buch „Gewalt, die aus der Kälte kommt“:

„Die unter die „Diktatur der Einschaltquote“ geratenen Medien leben von Sensationen wie dem Massaker von Erfurt. Es scheinen die giftigen Sekrete der Medien zu sein, die den „Amok-Virus“ auf Empfänger übertragen, deren Immunsystem geschwächt ist und die infolgedessen für Ansteckung anfällig sind.“

Lassen wir die Boulevardmedien, die Herrmänner und eitle „Inzucht“-Kontroversen also einmal hinter uns und gehen wir in medias res.

Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse, hat neben der Erforschung seines Hauptthemas, dem als „Libido“ bezeichneten Lebenstrieb, in seinem Alter zunehmend auch das Gegenteil dieses Lebenstriebs thematisiert: „Thanatos“, den Todestrieb. Laut Freud schlummert „Thanatos“ als destruktives Gegenprinzip in jedem Menschen, kommt jedoch erst dann zum Ausbruch, wenn der natürliche Lebenstrieb frustriert wird.

So ähnlich also wie ein Herpes-Virus, der im Nervensystem fast aller Menschen schlummert, jedoch vom gesunden Immunsystem normalerweise in Schach gehalten wird. Erst wenn das Immunsystem durch Stress geschwächt ist, nützt der in den Nervenkanälen verschanzte Herpes-Virus seine Chance und kommt in Form unappetitlicher Eitergeschwüre an die Oberfläche.

Dass auch ein aktuell geforderter Ausbau der Bürgerüberwachung keineswegs zur Lösung des Terror- bzw. Amokproblems führen wird, sondern ganz im Gegenteil, das gesunde Immunsystem des Menschen bzw. seine psychische Kondition noch mehr schwächen und damit die Affinität für den Ausbruch entzündlicher Symptome erhöhen würde, wird im aktuellen politischen Diskurs leider wenig bedacht. Denn Überwachung ist eigentlich etwas dem gesunden Menschsein diametral Entgegengesetztes: Jeder Mensch, der in Beruf oder im Privatleben überwacht wird, weiß, dass er sich unter diesem Misstrauensvorschuss nicht wirklich entfalten kann. Er hasst dies bzw. seinen Vorgesetzten dafür und wünscht sich sogar unbewusst den Untergang derjenigen Institution, die ihn überwacht. Ist der Staat diejenige Institution, die den Menschen in Stasi-Manier überwacht, dann steht es um den Zusammenhalt und die Zukunft dieses Staates nicht gut.

Da der Mensch auf Freiheit und Verantwortung hin ausgelegt ist, bewirkt der Aufbau einer diese spezifisch-humanen Eigenschaften immer mehr bedrückenden Überwachungsmaschinerie selbst eine höchst ungesunde Atmosphäre, in welcher Ängste und Depressionen induziert werden und in welcher sich schwache Charaktere leichter zu irrationalen Handlungen hinreißen lassen.

Doch zurück zu Freuds Todestrieb „Thanatos“. Halten wir nochmals die These fest: Wenn der natürliche Lebenstrieb des Menschen frustriert wird, dann ergreift „Thanatos“, der Todestrieb, die Regie mit dem unheimlichen Drang, sich und möglichst die gesamte – als unwert, da sinnlos erlebte – Existenz um sich herum in den Abgrund zu reißen.

Und genau diese Dramatik ist aktuell bei vielen jungen Menschen zu beobachten. Sie bringen von ihrer inneren Anlage eigentlich eine geballte Ladung an Kraft und neuem Potential mit, mit dem sie die Welt in individueller Weise ein Stück weit verändern und in positiver Hinsicht bereichern wollen – Viktor Frankl nennt diesen zentralen menschlichen Impuls den „Willen zum Sinn“. Nun wird aber unter den gegenwärtigen, ganz auf Technokratie und Kommerz ausgerichteten gesellschaftlichen Bedingungen dieser Wille zum Sinn laut Frankl permanent frustriert.

„Aber der ‚Mensch auf der Suche nach Sinn‘ wird unter den gesellschaftlichen Bedingungen von heute eigentlich nur frustriert! Und das rührt daher, dass die Wohlstandsgesellschaft bzw. der Wohlfahrtsstaat praktisch alle Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen imstande ist, ja, einzelne Bedürfnisse werden von der Konsumgesellschaft überhaupt erst erzeugt. Nur ein Bedürfnis geht leer aus, und das ist das Sinnbedürfnis des Menschen – das ist sein „Wille zum Sinn“, wie ich ihn nenne, das heißt, das dem Menschen zutiefst innewohnende Bedürfnis, in seinem Leben oder vielleicht besser gesagt in jeder einzelnen Lebenssituation einen Sinn zu finden – und hinzugehen und ihn zu erfüllen.

(…)

„Jede Zeit hat ihre Neurose und jede Zeit braucht ihre Therapie. Tatsächlich sind wir heute nicht mehr wie zur Zeit von Freud mit einer sexuellen, sondern mit einer existenziellen Frustration konfrontiert. Und der typische Patient von heute leidet nicht mehr so sehr wie zur Zeit von Adler an einem Minderwertigkeitsgefühl, sondern an einem abgründigen Sinnlosigkeitsgefühl, das mit einem Leeregefühl vergesellschaftet ist – weshalb ich von einem existenziellen Vakuum spreche.“ (V.E. Frankl)

Wird allerdings der Sinn des Lebens und des Menschseins frustriert oder von vornherein geleugnet, so wie dies derzeit in unseren Schulen und Universitäten de facto gelehrt wird (lt. unbestrittener herrschender Lehrmeinung sind Mensch und Welt nur geistlose, somit der reinen Effizienz und ökonomischen Verwertbarkeit unterworfene Kohlenstoffagglomerate – eine heute achselzuckend hingenommene Weltanschauung, die ihrem Wesen und auch ihren ganz realen Folgewirkungen nach in Wirklichkeit nicht minder radikal und zerstörerisch ist als diejenige der islamistischen Fundamentalisten ), dann gerät der Mensch in innere Verzweiflung. Mittlerweile konstatiert Regisseur David Schalko „Perversion als letzten Ausdruck der inneren Verzweiflung“ – eine optimale Kondition also, in der der Schimmelpilz des „Thanatos“ gedeihen und zur Blüte gelangen kann.

Dass eine Kondition geschaffen wurde, in der „Thanatos“ mit seinen Amok-/Terrorgeschwüren wie in einem Treibhaus gedeihen kann (so wie plakativ anhand der vorgenannten Mutation des Profilbildes des Attentäters David S. vom Helden „Neo“ zur Schattenfigur „Hass“ ersichtlich), sollte bei uns eigentlich alle Alarmglocken läuten lassen. Es ist insbesondere deshalb eine Schande, da wir in unserem europäischen Kulturgut alle notwendigen Requisiten hätten, um ein wirksames Gegengift gegen den technokratisch-nihilistischen Wahnsinn, der alle Grundlagen unserer Zukunft zu verschlingen droht, zu brauen.

Wir tun es jedoch nicht, sondern huldigen weiterhin bedingungslos dem neoliberalen Mammon, obwohl wir mittlerweile schon erkannt haben, dass er uns wie einen Lemmingzug in den Grand Canyon führt. Im Gegenteil, den herrschenden Polit- und Wirtschaftsmächten kommt die Terrorangst in Wirklichkeit sehr gelegen, denn so lässt sich jede Diskussion über eine Neuordnung der gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse verdrängen. Denn nach der 2008er-Krise waren wir kurz davor, einige grundsätzliche Fragen zu diskutieren. Das geht nun im allgemeinen Chaos und Rauch unter. Man hat jetzt wieder ein Feindbild, das ein in Wirklichkeit zerrissenes und jeder Nachhaltigkeit spottendes System vordergründig wieder eint: Den Terror bzw. den IS.

Derzeit werden wir alle mobilisiert und eingeschworen auf den „Krieg gegen den Terror“. Der Eifelphilosoph hat bereits darauf hingewiesen, was die Ausrufung dieses Krieges für unsere nähere Zukunft bedeutet (siehe Nachrichtenspiegel). Auch Götz Eisenberg resümiert in seinem vorgenannten Artikel, dass der Kollateralschaden dieses Krieges darin bestehen wird, dass ihm Rechtsstaat und Demokratie zum Opfer fallen. Roland Rottenfußer, Redakteur des Webmagazins „Hinter den Schlagzeilen“, warnt ebenfalls: „Bestimmte Kräfte warten doch nur darauf, den Umbau zuvor freier Gesellschaften in Polizei-, Überwachungs- und Angstgesellschaften bei jedem gegebenen Anlass voranzutreiben. Wir dürfen ihnen das nicht durchgehen lassen.“

Nachsatz:

Innerhalb der vorgenannten Sinnkrise und der Flut an täglichen Schreckensnachrichten, von Marcuse als „Normalisierung des Grauens“ bezeichnet, stellt sich natürlich die Frage, was der einzelne Mensch im derzeitigen Teufelskreis tun kann.

Zunächst ist eine bewusste Dosierung im Nachrichtenkonsum anzuraten. Wie auch Götz Eisenberg anmahnt, „verschlingen wir unentwegt eine derart hohe Dosis an Dramatik, dass wir jede Fähigkeit zur Verarbeitung und Wahrnehmung einzubüßen drohen. (…) Die Fülle der Nachrichten wird zum Widersacher der Wahrheit, unsere Aufnahmefähigkeit und Verarbeitungskapazität kollabiert unter dem Ansturm schrecklicher Bilder.“

Auf der anderen Seite gilt es heute umso mehr, dasjenige aufzubauen, was Viktor Frankl als das „Spezifisch-Humane“ bezeichnet hat. Das ist derjenige menschliche Faktor, der zwar unwägbar ist, aber uns schlichtweg ausmacht. Jeder kann in seinem privaten oder beruflichen Umfeld zigtausenden Menschen etwas von dieser Qualität vermitteln, auch wenn er äußerlich keinen augenscheinlichen Handlungsradius oder Entscheidungskompetenz hat. Bereits durch die Art und Weise, wie er im Supermarkt in der Schlange steht (ungeduldig oder humorvoll, ruhig) und wie er andere Menschen auf der Straße anblickt, übt er eine soziale Wirkung auf den Gesamtorganismus der Gesellschaft aus. Joseph Beuys hat dies als „soziale Plastik“ (von ‚plastisch‘ = formbar) bezeichnet. Es gibt zahlreiche Berichte, dass Menschen, die einen Suizid vorhatten, diesen destruktiven Gedanken wieder verworfen haben, nachdem ihnen am Gehsteig nur für Sekundenbruchteile ein Mensch in die Augen geblickt hat, der etwas Ehrliches, Mitfühlendes oder Hoffnungsvolles ausgestrahlt hat.

Vielleicht ist es also auch nicht vermessen, sich vorzustellen, dass ein frustrierter junger Mensch, der innerlich mit einer Gewalttat liebäugelt, diesen Gedanken des Thanatos wieder verwirft, nachdem er einem Menschen begegnet, der von seiner Wesensart her etwas Spezifisch-Humanes ausstrahlt oder ein freundliches Wort zu ihm spricht.

Auch wenn uns das nicht beigebracht wurde, aber die Möglichkeiten jedes Einzelnen sind hierbei groß und man darf auch auf diese dem Menschen eigenen Fähigkeiten vertrauen. Sie sind in Wirklichkeit das einzige, was uns in den auf uns zukommenden Zeiten einen Anker geben kann.

Ebenso, wie die Entfaltung der spezifisch-humanen Qualität in seinem individuellen Leben – diese Qualität ist bei jedem Menschen anders gefärbt und daher niemals ersetzbar und auch niemals langweilig– in Wirklichkeit die größte Revolution und der tiefste Dolchstoß ist, den man dem morschen Baum des retardierenden Wahnsinns, den man uns heute zur Normalität erklären möchte, verpassen kann.

Am Bösen also nicht bitter werden, sondern reif. Obwohl die Zukunftsaussichten wenig rosig sind, kann uns die eskalierende Krise die Augen öffnen, um dem Wahnsinn die Stirn zu bieten und ihm wieder eine Wendung zu geben. Dazu braucht es natürlich auch Galgenhumor. Ganz im Sinne von Yamaoka Tesshu, einem japanischen Samurai:

„Wenn sich zwei Schwerter treffen, gibt es kein Entrinnen.

Schreite gelassen voran,

wie eine Blüte im tosenden Flammenmeer erblüht

und durchstoße energisch die Himmel!“

 

München, Ansbach, Reutlingen – die Wahrheit hinter den Anschlägen

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Montag, 25. Juli 2016. Eifel. Ich hoffe, Sie sind noch auf dem Laufenden? So – anschlagstechnisch? 19.7., Würzburg: ein siebzehnjähriger Afghane greift Mitmenschen mit einer Axt an. München, 22.7.: ein 18-jähriger, deutsch-iranischer AfD-Fan erschießt wahllos Passanten, die meisten davon ohne arischer Bioherkunft. Zehn Menschen sterben, die bundesdeutsche Bevölkerung lernt zum wiederholten Male, dass die Sicherheit im öffentlichen Raum nicht mehr gegeben ist. Reutlingen, 24.7. – ein 21-jähriger Syrer tötet eine schwangere Frau (momentan kann eine Beziehungstat nicht ausgeschlossen werden, siehe Zeit, der Täter war zuvor schon als gewalttätig bekannt – siehe Spiegel), ebenfalls 24.7.: ein siebenundzwanzigjähriger Syrer sprengt sich in einer Menschenmenge in die Luft. Bislang keine Toten.  Nur eine einzige Woche hat die Parole der Bundeskanzlerin („Deutschland geht es gut“) als Lüge entlarvt – falls einem das nicht schon zuvor klar war. Die Reaktionen auf diese Taten? Der Hass nimmt zu, überall, bei jedem.

Der Täter in Reutlingen wurde von einem BMW-Fahrer zur Strecke gebracht – er hat ihn einfach mit seinem Auto gerammt. So geht Lynchjustiz – aber diesen Aspekt nehmen wir kaum noch wahr, so selbstgefällig beurteilen wir unsere Taten. Flüchtlingshelfer bekommen ausufernde Hassmails, wer anstatt Flüchtlinge AfD hasst, hat ebenfalls genug Material, um „zurück zu schießen“.

Die Täter sind natürlich immer dieselben, das ist schon lange klar: das „Internet“ (für führende deutsche Spitzenpolitiker völlig unbekanntes Neuland und deshalb „schlecht“ – was mich daran erinnert, dass es einen Spruch gibt, der besagt, dass der Bauer nicht frißt, was er nicht kennt … woraus ich dann schließe, dass wir von dummen Bauern regiert werden…) und die „Ballerspiele“.

„Das Internet“ ist auch Schuld an Kinderpornografie, die nur so auf die Rechner von Bundestagsabgeordneten und Bischöfen kommen kann und diese ehrenwerten Herren so vom rechten Weg abbringt, „das Internet“ liefert außerdem Mordwaffen an Mörder (wie in München) und fördert zudem den Hass – vielleicht sollte man dieses Internet auch mal mit einem BMW rammen.

Außerdem gibt es da noch Ballerspiele – von Ballertypen immer gerne ins Gespräch gebracht. Ballerspiele? Nun – da schießen virtualisierte Menschen auf virtuelle Roboter (ich nenne die computergenerierten Feinde mal so, weil sie dem Urbild des Roboters entsprechen) – oder werden von diesen erschossen. Für manche der Horror schlechthin – jedenfalls für die gutbürgerliche Heuchlerkultur, die immer gerne eine Sau durchs Dorf treibt, gerne auch Juden (wenn deren Besitz interessant ist). Diese Ballerspiele erzeugen Amokläufer, da sind sich die bildungsfernen Schichten in Regierung und Parlament einig – und auch Wissenschaftler, die neue Fördertöpfe riechen. Wenn das Schießen mit virtuellen Waffen auf künstliche unkörperliche menschenähnliche Gestalten zum Amokläufer macht – was richtet dann nur die Bundeswehr an, die tausende junger Männer und Frauen an echten Waffen ausbildet, um damit auf echte Menschen zu schießen? Richtig, das fragen wir uns nie.

Nach jedem Anschlag wird das Netz überflutet von moralischen Sprüchen, die noch nicht mal bis zum Abend jenes Tages überleben, an dem sie ausgesprochen werden. Ich möchte Ihnen deshalb kurz ein wenig über die Gesellschaft erzählen, die von diesen Anschlägen getroffen wird – Sie werden sehen, der kleine Ausflug in unsere Realität lohnt sich.

Nehmen wir unsere Wirtschaft, unser Geld, unsere Arbeit – das, worauf wir im Prinzip zu Recht stolz sind. Ja – man darf auf Arbeit stolz sein, auch auf die Ergebnisse: wenn Sie auf einer einsamen Insel stranden und nach zwei Tagen einen regendichten Unterschlupf gebaut, ein Feuer entfacht, eine Wasserquelle gefunden und Nahrungsmittel gesammelt haben, werden Sie verstehen, was ich meine. Doch diese Art von Arbeit (man nennt sie: „selbstbestimmt“ – ein unbekanntes Fremdwort heutzutage) meine ich nicht. Unsere Art von Arbeit, unsere Art von Wirtschaft ist eine kannibalistische: fressen und gefressen werden. Wir sind stolz darauf: wie viele „Politiker“ haben sich öffentlich über „Sozialromantiker“ echauffiert, die in der Tat behaupteten, dass schwache Menschen so viel Wert sind wie „Leistungsträger“, deren größte Leistung darin besteht, immer höhere Preise für immer schlechtere Waren durchzusetzen – also zum Schaden des Wirtschaftsraumes zu arbeiten.

Am 11.9.1989 schrieb der Spiegel über den Stolz der deutschen Wirtschaft, unseren größten Umsatzfaktor – das Auto (siehe Spiegel):

„Allmählich erst erschließt sich Politikern und Umweltschützern, daß jedes Auto, genaugenommen, ein Stück Sondermüll auf Rädern ist. Zu gut einem Drittel bestehen Kraftfahrzeuge aus Umweltgiften oder anderen schwer zu entsorgenden Materialien.“

Hauptsächlich also verbringt der Deutsche seine Zeit damit, weltweit die Umwelt zu vernichten. Interessiert keinen Grünen, weil man ja im Porsche Cayenne zum Bioladen fährt und sich dort gutes Gewissen kauft, mit dem man dann guten Gewissens Bomben auf Zivilisten werfen kann – man hat ja heiliges Biofleisch im Bauch, wirft also gute Bomben.

Wir kriegen von den Folgen wenig mit – einmal abgesehen vom dramatischen Insektensterben – 70-80 Prozent beträgt der Schwund in den letzten Jahrzehnten (siehe Nabu) aber dafür interessieren sich noch nicht mal „Tierschützer“, die eine willkürliche Grenze im Tierreich ziehen zwischen jenen Tieren, die leicht vermenschlicht werden können (wie Kuh und Dackel, wenn man nur genug Disneyfilme gesehen hat) und jenen, die keine Sau interessieren (Hummel, Biene, Schmetterlinge), weil man mit deren Schutz nicht auf sich aufmerksam machen kann („ich esse keine Insekten“ hört man selten, auch von Veganern – obwohl man damit die Welternährungsorganisation ärgern könnte, die den Verzehr von Insekten empfiehlt (siehe SWR).

Mit Menschenschutz jedoch hat diese schizoide Kultur wenig am Hut, man will einen „Veggie-Day“ anordnen – ohne zu merken, dass man damit massiv in die Freiheitsrechte der Menschen eingreift – ignoriert aber gleichzeitig, wie vergiftet das soziale Gemeinwesen ist (siehe Zeit):

„Mehr Stress, mehr Arbeitsverdichtung: In Deutschland werden immer mehr Überstunden geleistet. Mehr als die Hälfte der 1,8 Milliarden Stunden Mehrarbeit sind unbezahlt.“

Das wären auch eine Menge Arbeitsplätze. Wir arbeiten umsonst an der Vermüllung unsere einzigen Ökosphäre – das ist der Deutsche. Als Dank dafür bekommen wir eine völlig sexualisierte Gesellschaft („sex sells“ – was sein einziger Sinn ist), während Arbeiten im Bereich der Sexualökonomie unterdrückt wenn nicht sogar verboten werden – es könnten ja glückliche, ausgegelichene Menschen entstehen. Die kaufen aber nichts, während dunklere, sinnentfremdetere Formen der Sexualausübung Aggression und Wahn (und eine faschistische Gesellschaft) zur Folge haben – aber trotzdem seit Jahrzehnten gepredigt werden.

Selbstverständlich – das haben inzwischen schon die Dümmsten begriffen – darf man niemals mehr „die Gesellschaft“ anklagen (was heute leichter ginge als je zuvor), „Schuld“ hat immer nur der Verbraucher. Er erfährt zwar immer erst Jahre später von den häßlichen Entartungen im Produktionsbetrieb, darf aber die volle Verantwortung für den gesamten Entscheidungsprozess übernehmen: mit dem Kauf einer billigen Bratwurst bei Aldi trifft in die volle Wucht der Verachtung jener, die diese Wurst produziert und an ihrer Produktion sehr gut verdient haben. Es gibt einen ganzen, schlichtweg völlig irrsinnigen und wahnhaften Kult des „positiven Denkens“, der die Verantwortung für die Terrorakte den Opfern zuschiebt: sie werden schon wissen, warum sie zu jenem Zeitpunkt an jenem Ort waren und warum sie diese Erfahrung machen wollten – dem Täter selbst sollte man dankbar sein (was konsequent ist, aber nur selten ausformuliert wird). Dieser irrationale Kult wird von führenden Unternehmensberatern gelehrt – weil er dem Chef einen großen Nutzen bringt: wer wenig verdient, ist selber Schuld.

„Gerechtigkeit“ ist ein Fremdwort, als verehrungswürdiges Gemeinziel vollkommen dem „Profit“ gewichen, der nur wenigen gegönnt ist, die aber gezielt mit „Statussymbolen“ ausgestattet werden (vor allem Automobile – wir sind ein Autoland) – die Zeiten, in denen jeder Schüler wusste, dass Statussymbole nur von armen Seelchen gebraucht werden und eine unverantwortliche Verschwendung von Ressourcen zur Überdeckung charakerlichen Mangels sind, sind lange vorbei (das hat der Autor selbst auf einer Schule gelernt, die Wirtschaftselite herausbilden wollte).

Eine beispiellose Enteignungswelle durchrollt mal wieder das Land – über sie wird kaum gesprochen, außer in Extremfällen, wo „Jobcenter“ einen erstmalig im Alter von 63 Jahren vorstellig gewordenen Trockenbauer dazu anhalten, seine eigene Mutter auf Herausgabe des Erbpflichtteils zu verklagen – was Zwangsversteigerung und enorme Verluste für die Mutter bedeuten würde – von der Zerrüttung der Familie mal ganz abgesehen (siehe Berlinjournal), Beispiel für eine ausufernde staatliche Asozialität im Dienste der „Besserverdiener“ und zum Schutz von Riesenvermögen, die rational gar nicht mehr begründet werden kann. Im gleichen Journal erfährt man auch, dass – wie selbstverständlich – die Motoren der asozialen Entwicklung mal wieder vom Sozialstaat gerettet werden wollen, weil das ganze Bankensystem mal wieder vor dem Zusammenbruch steht (siehe Berlinjournal): letztlich soll der alte, schwer kranke Trockenbauer deshalb dem Staat bei der Enteignung seiner eigenen Mutter helfen und wird deshalb vom Staat mit dem  Hungertod bedroht. Andere werden vom Jobcenter in die Insolvenz getrieben, was sie für ewig aus den Kreisen der Normalbürger stößt (siehe Süddeutsche).

Häßlich, wenn man das so darstellt, oder? Sind wir guten Menschen doch so stolz auf unser gutes Land, dem es so gut geht – und verachten jeden, dem es nicht gut geht, weil er einfach nicht in dieses Land passt.

Wir aktzeptieren selbst wahnsinnigste Erscheinungen in unseren „westliche Werten“ als völlig normal (siehe der Westen):

„Sie ermittelten jahrelang erfolgreich gegen Steuerhinterzieher und durchsuchten am Finanzplatz Frankfurt Banken, die das Geld ihrer Kunden in großem Stil im Ausland versteckt hatten. Ihre Arbeit brachte dem Staat Millionen an Rückzahlungen und den Finanzinstituten zahlreiche Strafverfahren ein. Doch dann wurden die vier Steuerfahnder Rudolf Schmenger, Marco Wehner sowie das Fahnderehepaar Heiko und Tina Feser mit falschen Gutachten im Auftrag der Finanzverwaltung für geisteskrank erklärt und zwangspensioniert.“

Ich hoffe, Ihnen ist bewusst, was Sie da gerade gelesen haben: die Finanzverwaltung hat per falschem Gutachten vier erfolgreiche Steuerfahnder für geisteskrank erklären lassen – und so hunderte weitere Fahnder „diszipliniert“. Die Finanzverwaltung müsste sofort aufgelöst, alle Verwantwortlichen verhaftet und eingesperrt werden (inklusive der ärztlichen Gutachter), weil sie gemeingefährlich und staatsschädlich sind … doch ich denke, das wird nicht geschehen.

Nun – ich versprach Ihnen die Wahrheit hinter den Anschlägen zu beschreiben – Sie haben jetzt einen Ausblick auf das Umfeld, in dem die Täter leben mussten.

Blicken wir nun mal auf die Täter – und zwar erstmal auf den angeblichen Urvater des Münchener Anschlags, Anders Behren Breivig (siehe N-TV):

„Er ist in eine normale norwegische Familie hineingeboren, er ging in einen gewöhnlichen Kindergarten, eine normale Schule, er wurde Mitglied einer zugelassenen, für alle zugänglichen Partei. Er hatte die Möglichkeit, so zu werden wie alle anderen. Er ist nicht in einem Vakuum aufgewachsen, sondern unter uns. Die Frage könnte also auch lauten: Sind wir schuld an ihm? Haben wir etwas getan, das ihn zum Monster werden ließ?“

So erzählt es eine norwegische Journalistin. Kein Suchen nach Hassobjekten wie „Internet“ und „Ballerspiele“, „Flüchtlinge“ und „Nazis“, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme einer gesunden Kultur mit vorbildlichem Sozialstaat. Die hat aber nicht nur Fragen – die hat auch Antworten:

„Der Schlüssel zu seinen Taten ist Erniedrigung. Was auch immer er in seinem Leben versucht hat – er wurde zurückgewiesen, zurückgewiesen, zurückgewiesen. Überall. Und zu guter Letzt wurde er auch noch von den Rechtsextremen im Internet zurückgewiesen. Sie lasen nicht sein Manifest, sie beantworteten nicht seine E-Mails, sie fanden ihn langweilig. Als er diese Ablehnung erfuhr, begann er, Waffen zu kaufen.“

Damit es nicht zur Erniedrigung kommt, haben wir einen Artikel in unserem Grundgesetz – gleich den ersten: die Würde des Menschen ist unantastbar. Es sei denn, es müssen mal wieder größenwahnsinnige Banken mit Steuergeldern gerettet werden, um die Profite der riskanten Geschäfte zu schützen: dann ist die Würde des „kleinen Mannes“ der Allianz der „großen Statussymbolmänner“ egal, es gilt, die übergroße eigene Haut zu retten.

Schön zu sehen, dass es noch Länder gibt, die Weisheit dem Pauschalurteil vorziehen. Deutschland gehört leider nicht mehr dazu. Wir erklären solche Taten lieber nach Schema F anstatt nach den Ursachen zu fragen (siehe Spiegel):

„Ein sonderbarer Einzelgänger, psychisch auffällig, bestimmt von Wut und Hass – und von Rachegedanken. Und ohne brauchbare soziale Kontakte. „Diese Menschen steuern auf einen schwarzen Tunnel zu“, sagt Bannenberg.“

Dann noch „Ballerspiele“ und „Internet“ als Codeworte: der deutsche Wissenschaftler ist zufrieden – so zufrieden wir nach der Verurteilung kerngesunder Finanzfahnder. Dabei enthält der gleiche Artikel auch eine Antwort – die man jedoch nicht hören will:

„David besucht zunächst die Mittelschule in der Toni-Pfülf-Straße. Schon dort wird er gemobbt, heißt es. Er ist ein Einzelgänger, hat offenbar kaum Freunde. Laut Staatsanwalt kommt es 2012 zu einem Jugendverfahren, weil David auf dem Nachhauseweg von der Schule von drei Jugendlichen angegangen und gehänselt wird.“

Kein Wort über die verrohte Gesellschaft und ihre Opfer, dafür aber ein anklagendes Moment:

„David flüchtet sich mehr und mehr in die Welt der Computerspiele.“ 

„Zu diesem Zeitpunkt ist David längst in psychiatrischer Behandlung. Im Sommer 2015 verbringt er laut Staatsanwaltschaft zwei Monate in einer stationären Einrichtung. Auch danach wird er ambulant weiterbehandelt, bekommt Psychopharmaka verordnet. David leidet offenbar nicht nur unter Depressionen, sondern auch unter einer sozialen Phobie, Begegnungen mit Fremden versetzen ihn in Angstzustände.“

Man könnte auch formulieren: David reagiert ganz natürlich (und somit kerngesund) auf eine feindliche Umgebung (die wir – trotz Artensterben, Ausbeutung, asozialer Sozialpolitik und maximierter Umweltvernichtung „gut“ nennen), er entscheidet sich angesichts einer feindlichen Umwelt für Flucht … und dann für Angriff. Wir beschreiben das aber anders: David ist unwert, ist schwach – dass er erst Opfer war, bevor er Täter wurde, ist egal – wir haben in Deutschland ein ausgeprägtes Täterschutzprogramm laufen, während man die Fluchtwelten massiv angreift (heute: Internet und virtuelle Realitäten, früher: „eskapistische Literatur“).

Und „hart durchgreifen müssen“ ist das Credo der Mehrheit der Deutschen (jedenfalls der Mehrheit jener, die Möglichkeiten haben, sich mit Breitenwirkung artikulieren zu dürfen – weil sie eigene Zeitungen haben), Hartz IV ist das strategische Vorbild jedes Amokläufers … der in seinem eigenen Leben hart gegen „Parasiten und Schmarotzer vorgeht“ … also, was er dafür hält, ganz nach dem Motto: „gleiches Recht für alle“.

Wir sind jetzt nur bei David und München hängengeblieben, dabei gilt es noch andere Dimensionen zu berücksichtigen: sich der Wahrheit zu nähern, ist halt komplizierter als „Ballerspiele“, „Internet“ oder „Scheißausländer“ zu brüllen.

Es gibt nun ein Buch eines Philosophen, der schon angegriffen wird, weil er sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt hat. Seine Schlussfolgerungen sind recht einfacht (siehe Süddeutsche):

„In unserer Welt regiert der Neo-Liberalismus, jeder steht mit jedem in Konkurrenz. Sie mit Ihren Kollegen, wir im Westen mit den Menschen im Osten. Dieser ständige Druck kann psychische Krankheiten auslösen. Man muss den Tätern kein Verständnis entgegenbringen, aber man muss einsehen: Das sind Monster, die wir mitgeschaffen haben.“

So weit reicht die Degeneration schon: die Täter zu verstehen wäre der erste Weg, zukünftige Anschläge zu verhindern – das ist der Sinn von „Verständnis“, doch selbst Philosophen, deren Kunst das Verstehen sein sollte, scheuen sich hier, sich zum „Verständnis“ zu bekennen. Wir müssten den Kurs einer zutiefst kranken Gesellschaft ändern, die beständig Monster gebiert (wie jene Aktienschummler, die sich superreich geschwindelt haben und als Krone der Menschheit gelten) – doch gerade an diesem kranken Kurs verdienen die Entscheidungsträger, die den Kurs ändern könnten. Und die gehen über Leichen, denn die Leichen sind seht nützlich, wie uns ein Psychologe erzählt (siehe Deutschlandradio):

„Denn durch Angst lässt das Denken sich fernsteuern. Angst beherrscht die Wahrnehmung und überlagert jede andere Emotion. Sie sucht sich Bestätigung und widersetzt sich besserem Wissen. Sie ignoriert Entwicklung und schleichende Prozesse, die zunehmende Neigung zur Gewalt, den Klimawandel und das Auseinanderbrechen der Gesellschaft. Dafür löst sie Panik aus, wo weitaus geringere Gefahr droht.“

Ja – unser Staatswesen löst sich gerade auf. Das merken wir alle. Staat wird Feind, wo er Diener sein sollte. Unsere Umwelt verabschiedet sich: man braucht keine Insektenentferungsmittel für Autoscheiben mehr, weil die Insekten fort sind – ihnen werden Blumen und Vögel folgen – und der Mensch, aber das interessiert nicht, weil wir wegen all dieser Gefahren ja SUV fahren und uns so für viel Geld die schäbige Illusion von Sicherheit kaufen – so wir wie auch die Illusion von „gut sein“ im Bioladen erwerben. Oder auf der Veganerparty.

Wer es übrigens merkt, sind die Entscheider. Sie denken weiter als man es dem Volk gestattet, sie predigen die Mär vom psychisch kranken Einzeltäter (der real nichts anderes macht als die kerngesunden angesehenen, wehrhaften Bundeswehrsoldaten, nur die Deutungsrahmen sind verschieden), ziehen aber selbst ganz andere Konsequenzen (siehe Zeit vom 9.7.2016):

„Ab sofort will die Bundeswehr für Einsätze in Deutschland üben. Soldaten müssten Polizisten im Falle von Terrorangriffen unterstützen können, betont die Koalition.“

Die Polizei hütet Recht und Ordnung im Inneren des Landes, die Armee schützt das Land vor seinen Feinden. Wird sie im Inneren des Landes eingesetzt, ist das eigene Volk zum Feind geworden. So einfach ist das. Das wird dann der größte Terrorakt und der nachhaltigste Amoklauf. Insofern ist es bezeichnend dass der oben genannte Philosoph trotz scheinbar kritischer Position genau diese Entwicklung stützt, in dem er – zu Recht, wie ich finde – Amoklauf und Terrorakt gleich setzt. „Religion“ kommt erst ganz ganz spät dazu, als Feigenblatt fürs eigene Gewissen.

Wir könnten dem nun eine menschliche, liebenswerte, glücksfördernde Gesellschaft entgegenhalten, in der es keine großen Verlierer mehr gibt und jeder einen Platz zum Leben hat, dass dies komplett kostenlos geschehen kann, ist lange bekannt. Das eine solche Gesellschaft schlecht auszubeuten ist und gar nicht in Kriege ziehen mag, auch.

Darum pflegen wir die Kultur der Angst, die uns unser Leben, unsere Demokratie, unser Glück, unsere Freiheit und unsere Würde raubt und uns auferlegt, dass alles auch noch als „gut“ zu empfinden, weil die Bundeskanzlerin es so angeordnet hat.

Und die Opfer dieser Kultur werden – weltweit – so reagieren wie die Regierungen des Westens: mit rücksichtsloser Härte gegen alles, was anders oder im Weg ist.

„Wie der Herr, so´s Gescherr“.

 

 

 

 

 

 

 

Brexit – eine Chance?

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(Gastbeitrag von Anonym)

Die Briten haben gewählt: Eine  kleine Mehrheit war für den Brexit. Viele deutschsprachige Zeitungen hatten immer wieder heftig die Alleingänge und Extrawürste Großbritanniens kritisiert. Offensichtlich war das auch auf der anderen Seite des Kanals so. Und jetzt ist es endlich so weit. Vor allem hatten sich kurz zuvor die Finanzmärkte der Welt in Dresden getroffen (siehe Bilderberger treffen sich in Dresden). Eigentlich merkwürdig, dass dann die Medien so gebannt auf die Finanzmärkte achten, was die nach dem Brexit nun tun. Denn wem gehören die Medien, die so stark polarisiert haben? Doch nicht etwa den Teilnehmern der Bilderberg-Konferenzen? Eine kleine Nebenbemerkung: Nach dem letzten  Bilderberger-Treffen in Österreich 2015 in Telfs, da wurde aus der Festung Europa, die die Flüchtlinge einfach ersaufen ließ, dann plötzlich ein Flüchtlings–Europa.

Zusätzlich wollte man das Bargeld abschaffen. Diesbezüglich war der Standort sehr gut gewählt: Denn 89 km von Telfs, dem Konferenzort der Bilderberger hat man tatsächlich 1932 das Geld in Wörgl in Tirol abgeschafft (siehe Wunder von Wörgl). Es wurde mit Arbeitswertbestätigungen, eigentlich Tauschscheinen, die Wirtschaft in Wörgl und Umgebung in Gang gebracht, obwohl rundherum eine katastrophale Wirtschaftskrise war. Mit diesen Tauschscheinen konnte man nicht spekulieren, wetten etc. so wie man heute mit Brot oder anderen Nahrungsmitteln spekuliert. Diese Idee von Wörgl hätte die Wirtschaftskrise und damit vielleicht den Wahnsinn des 3.Reiches verhindern können. Die österreichische Nationalbank hat dieses Experiment dann untersagt – also eine Welt ohne Bargeld, ohne vorher klare Grenzen der Finanzindustrie abgesteckt zu haben. Eingeführt von den Finanzmärkten? Und warum wird jetzt spekuliert? Weil manche Menschen immer weniger Hemmungen haben. Und warum haben sie immer weniger Hemmungen? Weil die Gewässer der reichen Staaten weiß durch Kokain – Schnee sind! (siehe New York ist Kokain Welthaupstadt )

Doch auch Dresden wurde als Tagungsort der Bilderberger gut gewählt. Dresden ist das Beispiel, wie gut man auch die am meisten zerstörte Stadt des 2 Weltkriegs wieder aufbauen kann (siehe Zerstörung Dresdens Februar 1945 vor etwas über 71 Jahren). Auch der Kommunismus hat in Osteuropa in etwa so lange gehalten? Sieht man jetzt noch etwas vom Krieg? Der Inhalt der Gespräche bei der Konferenz in Dresden :

Beim diesjährigen Treffen soll neben dem Beschluss der weiteren Forcierung der Flüchtlingsströme nach Europa höchstwahrscheinlich auch die Aggression gegen Russland weiter vorangetrieben werden. In diesem Zusammenhang sind die Verlegung von 4200 Soldaten, 250 Panzern, außerdem Haubitzen, Kampffahrzeugen und weiteren 1700 Fahrzeugen an die Ostflanke der Nato zu sehen. (Bericht Süddeutsche Zeitung vom 31.03.2016; siehe auch link oben „Bilderberger treffen sich in Dresden“).

Man kann die Hochfinanz keinesfalls verteufeln, denn die Eigendynamik des Wirtschaftens ist sehr eigenwillig: Die Rüstungsindustrie schafft neue Kriege und schafft sich auch die diesbezüglichen Absatzmärkte. Die Gesundheitsindustrie lebt vom chronisch Kranken und schafft sich ebenso die Absatzmärkte. Die Fahrzeug-, Bau-, Frächter-Lobby hat auch ihre Eigendynamik. Es braucht schon eine ganze Menge innerer Werte und auch weißer Schafe in den Reihen der Eliten, dass trotzdem vieles in der Welt ganz brauchbar ist und vorläufig auch bleibt. Doch warum hat man nicht Nagasaki oder Hiroshima als Tagungsort gewählt, wenn man die Aggression gegen Russland weiter vorantreiben möchte? Dort könnt man einen kleinen Vorgeschmack eines möglichen  Atomkrieges erleben, da beide Städte von kleinen Atombomben getroffen worden sind und die Erinnerungen daran nicht entfernt worden sind. Ja, die Gegend ist sehr erdbebengefährdet, und auch Fukushima hat daran glauben müssen. Doch gerade das könnte ein Lehrstück sein, wie sich ein Krieg heute abspielen würde. Neben einem atomaren Weltkrieg, den weder China-Russland, noch die NATO gewinnen, beziehungsweise die Menschheit überleben könnte, wird ja inzwischen eifrig an einer Erweiterung des Waffenarsenals gebastelt:

Wie man Mikrowellen auf effektive Weise demnächst gegen protestierendes Fußvolk einsetzen wird, das hat uns ja bereits Georg Schramm eindrücklich erklärt (siehe YouTube).

Doch von HiTech-Mikrowellenwaffen erhofft man sich nicht nur das schnelle Niederschlagen von Bürgerprotesten, sondern sehr viel umfassendere Wirkungen mit militärischem und geostrategischem Nutzwert. Über militärische und machtpolitische Absichten hinter solchen milliardenschweren „Forschungsprojekten“ wie HAARP (siehe Haarp Projekt) brauchen wir  hier erst gar keine Theorien aufstellen, man würde sich nur des Vorwurfs der Verschwörungstheorie aussetzen. Lassen wir stattdessen einfach die Tatsachen sprechen und lesen wir uns eine Auswahl der Patent-Titel durch, die von den Betreibern derartiger Mikrowellen-Forschungsstätten bereits in den USA angemeldet wurden:

US-Patent Nr.4.686.605 – „Methode und Apparat zur Veränderung einer Region der Erdatmosphäre, Ionosphäre und/oder Magnetosphäre.“

US-Patent Nr. 4.873.928 –  „Strahlungsfreie Explosionen von nuklearen Ausmaßen“

US-Patent Nr. 5.041.834 – „Künstlicher, lenkbarer aus Plasma geformter ionosphärischer Spiegel.“

US-Patent Nr. 5.038.664 – „Methode zur Produktion einer Hülle relativistischer Partikel in einer bestimmten Höhe über der Erde“.

US-Patent Nr. 4.712.155 – „Methode und Apparat zur Schaffung einer künstlichen, durch Elektronen-Zyklotronenresonanz erhitzten Region aus Plasma“

US-Patent Nr. 5.068.669 – „Energiestrahlen-System“

US-Patent Nr. 4.999.637 – „Schaffung künstlicher Ionenwolken über der Erde.“

Wer weiß, wenn man z.B. die Bediensteten von HAARP, einem riesigen Mikrowellen-Sender in Alaska nicht gut bezahlt, so lösen diese als Streikmaßnahme vielleicht kurzerhand ein paar Naturkatastrophen aus. Der Erdschollenbruch beim Pazifischen Ozean ist z.B. sehr erdbebengefährdet. Wenn man da ein wenig zu viel mit den Mikrowellen spielt, – wer weiß, vielleicht könnte etwas Ähnliches entstehen als wenn z.B. Soldaten im Gleichschritt über eine Brücke gehen und diese dann durch Erreichen einer als „Eigenfrequenz“ bezeichneten Schwingung plötzlich einstürzt. Was da erst alles passieren kann, wenn man die Mitarbeiter dieser Anlage in Alaska nicht gut genug bezahlt? Oder wenn denen langweilig wird? Ein kleiner Tsunami, ein Erdbeben gefällig, das Ausradieren eines unliebsamen Landstrichs? – kann womöglich demnächst schon promt geliefert werden. Aber keine Sorge, die milliardenschwere HAARP-Anlage ist ja nur eine „Forschungsanlage“.

Und wir müssen das alles ja nicht negativ sehen: Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr altes Haus gerne neu bauen. Ein Anruf bei HAARP oder den chinesischen oder russischen ähnlichen Anlagen, es gibt in vielen Staaten ja auch kleine Anlagen die man versuchen kann anzurufen und für eine Dienstleistung zu beauftragen – und schon ist das Problem aus der Welt. Falls es durch ein technisches Missgeschick passieren sollte, dass dann neben dem zu entfernenden Haus auch die ganze Stadt in Trümmer fällt – ja, wie würde sich die Bauindustrie darüber freuen? Vielleicht könnte man vorher so etwas wie eine Erdbebenversicherung abschließen?

Oder Sie kommen im Urlaub drauf, dass Sie vergessen haben, Ihren Garten zu gießen? Ein Anruf beim Militär, und schon wird nicht nur Ihr Garten durch Wettermacher vom Geoengineering (siehe z.B. Spiegel oder ORF: „Das ist sehr weit, sehr konkret geplant. Dort wird an der Machbarkeit gearbeitet, an der technischen Umsetzung. Wir in Deutschland wollen erst einmal die reine Bewertung.“) bewässert. Aber genug der Theorie bzw. Praxis, wir ziehen uns sonst womöglich den Ärger der „Skeptiker“ und der GWUP-Pastafaris zu, zurück also zum Brexit.

Somit wäre z.B. Hiroshima  vielleicht doch ein besserer Ort gewesen, um eine Tagung der Finanzmärkte abzuhalten. Einige Tage, nach dem Treffen, da purzelten schon die Finanzmärkte  nach dem Brexit? Ja, hat denn die Bundesregierung nicht besser auf die Herren aufpassen können, dass die dann nicht einige Tage später so herum purzeln? Großbritannien, ein Land, eigentlich am Beginn einer Freiheit, wohl auch im Schulsystem, hat sich dafür entschieden, wieder mehr die eigenen Fragen in London entscheiden zu lassen. Vielleicht nicht uninteressant: London hat einen mohammedanischen Bürgermeister. Schon vor Jahrzehnten war es für die Briten selbstverständlich, dass sie für Bildung einen bestimmten Steuersatz bezahlen, den sie aber sehr wohl auch für eine Privatschule ausgeben konnten. Das heißt, die Freiheit des Schulsystems war nicht schlecht.

Prof.Dr.Gerald Hüther, ein berühmter Hirnforscher  spricht davon, wie wichtig es ist, dass das Kind aus seiner derzeitigen Rolle als Objekt  wieder zum Subjekt wird. Also letztlich kein Befehlsempfänger mehr sein sollte sondern ein Du, mit dem man einen Dialog führen kann. Denn, wenn die Phase des Spielens in die Phase des Lernens übergeht, so waren ja selbst die Spielsachen beseelt und sind vom Kind als Du wahrgenommen worden. Wenn aber der Lehrer, aber auch die Eltern, das Kind als Sache, ja als Leistungsobjekt sehen, dann werden die Kinder, die Eltern und Lehrer am besten um den Finger wickeln können, letztlich die, die später auch ihre Mitschüler am besten manipulieren können. Und später werden diese Kinder Studenten und Entscheidungsträger, die den fehlenden Dialog am besten in Macht umformen konnten. Letztlich ist der Schritt zum Hauptmann von Köpenick, zum willigen Befehlsempfänger und Befehlsausteiler, einer Ironie des preußischen Drills, der eine der Wurzeln des NS Regimes war, nicht allzu weit.

Eigentlich gab es in Wien (siehe Das rote Wien), als direkte Folge der jüdischen Kindererziehung, die die Kinder eben nicht als Befehlsempfänger, sondern eben als Du im Dialog aufzog, und damit viel bessere Ergebnisse und gesunde Kinder und Erwachsene bilden konnte, einen sehr fortschrittlichen Ansatz, die Kinder der Bevölkerung Wiens zu Kreativität und Freiheit zu erziehen. Julius Tandler und Otto Glöckel versuchten diesen kreativen Ansatz eben in Wien, zwischen den Weltkriegen. Das Ende dieser Bemühung ist wohl allgemein bekannt, so wie auch die Tatsache, dass unsere Intelligenz zwischen KZ und Emigration aufgeteilt wurde, wodurch ein unbeschreiblicher spiritueller Aderlass entstand und wodurch die Einzigartigkeit der Menschen Europas letztlich zum Objekt des Rassenwahns wurde. Ich denke sowohl Waldorfschulen als auch Montessorischulen, Freinetschulen aber auch viele andere, versuchen wieder diesen kreativen Ansatz, der  die Kinder wieder ein Du mit Phantasie und Kreativität werden lässt.

Obwohl gerade durch die krasse Ungleichheit vor dem Krieg, mit so viel Hass und Neid, so schreckliche Dinge entstanden sind, wird gerade die Freiheit des Wirtschaftens, in  Form von Wirtschaftsliberalismus als neue Religion über die Welt verteilt. Und wieder entstehen als Folge der Wirtschaftsglobalisierung Massen von Arbeitslosen und nationalen Strömungen. Also eine Masse aus „willigen Befehlsempfängern“ soll jetzt die Befehlsverweigerung üben? In Form von Nationalismus und Fremdenhass und beginnendem Antisemitismus? Bei AfD, Front National, den Freiheitlichen etc. in Österreich, in Griechenland, in den Niederlanden und in Großbritannien, das vergessen hat, dass es auch dort nationale Strömungen z.B. in Schottland gibt. Ein britischer Politiker hat vor kurzem gesagt, man müsse den Menschen wieder zuhören. Also die Entscheidungsträger sollten wieder den Menschen zuhören? Wie wäre es, wenn der Westen dem Osten wieder zuhört?  Der Norden dem Süden? Die Menschen wieder beginnen würden sich gegenseitig nicht als Objekte sondern als Du wahrzunehmen? Nicht als Wirtschaftsobjekte, also als Hass- und Neidobjekte, sondern einfach als Du im Dialog? Nicht als Befehlsausteiler oder Befehlsempfänger?

Wie wäre es, wenn gute Ideen, wie z.B. die Menschenrechte oder die Ökologie eine Globalisierung erreichen und nicht nur die Wirtschaftsglobalisierung den Erdball wie eine Hydra umfangen hält? – Wo die Konzerne wie die Heuschrecken andere Länder ausplündern und dann wieder weiterziehen? Wenn Steueroasen für die Superreichen in Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz oder Panama entstehen und die Politiker, für den Steuerentgang die normale Bevölkerung zur Kasse bitten? Wenn die Banken das Geld der Menschen verspielt haben und zuletzt der kleine Mann dafür zahlen muss? Dann erzeugen die, die die anderen am besten manipulieren können, Neid Hass? Und die, die nicht gelernt haben, Kreativität und Phantasie zu entwickeln, besinnen sich auf Nationalismen und Fremdenhass? Für diese sind aber die anderen Menschen die „Gutmenschen“, und sie selbst sind am rechten Weg.

Also ein Brüssel, dem die Wünsche der Konzerne wichtiger sind, als die Bedürfnisse der Bürger wird als Hort der Korruption und Geldverschwendung gesehen. So dass eine Ursache der Brexit Entscheidung, eigentlich im Fehlen einer Du zu Du Beziehung, schon im Kindesalter gesehen werden kann. Ein Brüssel der Finanzinstitutionen, die Volkswirtschaften wie z.B. Griechenland, Italien, Spanien und Portugal nur als Wirtschaftszahlen sehen und das Verhältnis Du zu Du verloren haben, das kann tatsächlich um seine Zukunft fürchten. Jean Ziegler, ein Schweizer Sozialkritiker, hat meines Wissens die nationalen Kräfte nun nicht per se verurteilt.

Vielleicht ein kleiner Seitensprung in die IT Welt: Wir fühlen uns bei den von allen Seiten überwachten Computersystemen sicher? Eigentlich kennt man normalerweise zwei Computersysteme: Windows und Mac. Dass es aber auch Linux gibt, das ist immer noch vielen unbekannt. Nun, Linux ist in manchem das Gegenteil von den vorgenannten Computersystemen: Es ist nicht kommerziell. Eine große User-Community hilft sich gegenseitig, ein unbeschreiblich sicheres Computersystem, wo man zumindest am Arbeitsplatz vor Ausseneinwirkungen relativ sicher sein kann. Wenn man also diese Subjekt- Objekt Beziehung weiter durchdenken will, so überwachen bei den normalen Computersystemen die Subjekte die Objekte. Und wenn man einen etwas unbequemeren Schritt in die Freiheit tun möchte, so kann man den auch relativ einfach tun. Auch in der Linux Community gibt es natürlich dankenswerter Weise auch alle Religionen und sehr viele freie Programme.

Ein England, das vor über 100 Jahren schon die Folgen eines ungebremsten Kapitalismus, als marodierende Arbeiter, in Form von Maschinenstürmen erlebt hat, versucht diese Idee des Kapitalismus nochmals auszuprobieren?  Auch hat England in der 90er Jahren bereits erlebt, was eine Spekulation gegen das Pfund bewirken kann.

Man könnte versucht sein, diesen Problemen mit ebenso freiheitsberaubenden alten Konzepten zu begegnen, z.B. mit dem Sozialismus. Ich denke, die Experimente des Sozialismus haben wohl diese Pseudoreligion als überholt gezeigt. Wie wäre es, die ungebremste Wirtschaftsglobalisierung, die der heimischen Produktion wenige Chancen gibt, mit Zöllen auf Waren mit Menschenrechtsverletzungen und ökologischen Schäden, zu regeln? Zum einen würden die Waren mit besseren Arbeits- und Menschenrechtsbedingungen sowie ökologischerer Produktion Wettbewerbsvorteile haben, zum anderen würden heimische Betriebe, die diese Auflagen ohnehin erfüllen müssen, gestärkt. Man könnte ja die Zölle der Menschenrechtsschädigung und dem ökologischen Schaden auch prozentuell anpassen. Somit könnte die EU an Stelle einer Korruptionsförderungsstelle ein Zentrum der Verteilung und Verbreitung von Menschenrechten und Umweltstandards werden.

Also auch der chinesische oder der indische Arbeitnehmer und Betrieb, der indische Fluss könnten einen direkten Profit aus der Politik Brüssels haben, sowie auch die heimische Industrie! Weiters könnte man die Verfassungen aller Staaten, die von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sprechen, ernst nehmen.

Doch wo können wir frei sein, ohne andere zu schädigen? In unseren Gedanken! – In Religion, Wissenschaft, Medien, Kunst und Kultur.

Wo wäre es gut, wenn wir gleich wären? – Vor dem Gesetz. Aber vor einem Gesetz, das basisdemokratisch durch Menschen, die im Sinne Julius Tandlers und Otto Gockels und oder Montessori und oder Freinet oder Waldorf gelernt haben, ein Ich, und damit ein Du, zu entwickeln.

Und die Wirtschaft täte gut daran, brüderlich zu werden, damit nicht Hass und Neid wieder Vieles zerstören.

Denn wenn die Wirtschaft die Kurse weiter purzeln lässt, so könnte es einmal sein, dass die Bevölkerungen, deren Währungen und Nahrungsmittelpreise purzeln, die Wirtschaftsherren ebenfalls kräftig purzeln lassen. Das könnte allerdingsein sehr schmerzhafter Purzelbaum, so ähnlich einer französischen Revolution 1789 sein… Die Clubs, die damals die Träger der Revolution waren, die sich für Freiheit, Gleichheit  und Brüderlichkeit eingesetzt haben, deren Ideen sehr viel Gutes in der Welt bewirkt haben, die könnten dann, wenn sie die anderen nur als Objekte ansehen, jetzt herunter purzeln. Ist die Weltgeschichte nicht  voll mit solchen Beispielen? Vor allem, wenn die Herrschenden ihre eigenen Prinzipien oft nicht mehr ernst nehmen. Das galt in der Aristokratie, die sich auch auf christliche Werte berief, die in dieser Form aber nirgendwo in der Bibel standen. Das gilt auch jetzt für manche Mitglieder von großen Clubs, wo man immer wieder froh und dankbar  ist, wenn es  Menschen gibt, die diese großartigen Prinzipien der „Selbsterkenntnis, Menschenerkenntnis und Gotteskenntnis“, wie sie in den Satzungen vorgenannter Clubs stehen, ernst nehmen. Also ein Brüssel, das eine Freihandelszone nach der anderen beginnt, und damit Öko- und Sozialstandards gefährdet, wird wenig Überzeugung für die Bürger vieler Staaten entwickeln können. Ein Brüssel, das eher auf die Zurufe der Wirtschaftlobbies, als auf die Not der Bürger in Griechenland hört, das auf Geheiß Washingtons den Frieden in Europa zunehmend untergräbt, ein Brüssel, das 5 Jahre tatenlos der Not Nordafrikas zugesehen hat, das Europa in eine Zentralmacht mit 80 % der Gesetzgebung in Brüssel umwandelt, wo wir in den einzelnen Staaten bestenfalls eine 5-Möglichkeiten Demokratie in Form der bekannten Mehr-Parteien-Demokratie haben, wird zunehmend Probleme haben.

Interessanterweise war gerade Großbritannien eher der wichtigste Scharfmacher in der Ost-West Spannung. Es war der stärkste Gegner einer militärischen Europäischen Union unter europäischer Führung. Manche haben England als das trojanische Pferd des großen westlichen Bruders in Europa gesehen. Zusätzlich wäre es von Nöten, dass Deutschland ein freies Land wird, mit einem Friedensvertrag (siehe dazu auch den seinerzeitigen Vorschlag Willy Brandts zu einer innereuropäischen Friedensordnung, ohne sich in die Machtpolitik der NATO verstricken zu lassen). So könnte es für das Überleben des europäischen Kontinentes durchaus von Vorteil sein, wenn europäischer Selbsterhaltungstrieb Europa aus der Objekt-Beziehung zum großen Bruder im Westen herausführt. Eigentlich gehört aber England genauso zu Europa wie Petersburg. Ein Brüssel aber der kulturellen Verbindung, das die Menschen in ihren Nöten hört, das könnte auch den Brexit als Chance sehen und nicht nur den Fehler drüben über dem Kanal sehen, sondern sehr vieles konstruktiv, im Sinne der Entwicklung einer Völkerverständigung, im Sinne des Erlebens eines Dus überall in der Welt tun! Dann wäre das Friedensprojekt EU tatsächlich eines.

„In eurer Hölle kann ich nicht atmen…“ – Juri Galanskow und das Manifest des Menschen

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David und Goliath v. Michelangelo [PD]

Der Umbau unserer Gesellschaft nach der Doktrin des Neoliberalismus, von Angela Merkel verblümt als „marktkonforme Demokratie“, vom ehem. UN-Kommissar Jean Ziegler weniger verblümt als „kannibalistische Weltordnung“ bezeichnet, nimmt eine immer abgründigere Dynamik an.

In einem bemerkenswerten Interview schildert auch der Friedens- und Konfliktforscher Prof. Werner Ruf die heute beobachtbare Tendenz, dass Menschen, denen ihr Leben nichts mehr wert ist, diesem in Selbstmorden ein Ende setzen, es – zum weit größeren Teil – auf der Flucht, etwa über das Mittelmeer, aufs Spiel setzen oder Risiken bei Massendemonstrationen gegen die elenden Verhältnisse, denen sie ausgesetzt sind, eingehen, ganz einfach, weil ihnen ihr Leben ohne Perspektive ohnehin als sinnlos erscheint.

>>Wir beobachten derzeit, dass „die Verdammten dieser Erde“, wie Frantz Fanon sie vor sechzig Jahren nannte, aufstehen, protestieren und nicht mehr bereit sind, sich mit ihren elenden Lebensbedingungen abzufinden.<<

Doch nicht nur in Afrika und im Nahen Osten gibt es inzwischen hunderte Millionen Menschen, die verzweifelt und zu allem entschlossen sind, auch im vermeintlich gelobten Zufluchtshafen Europa kracht es bereits im Gebälk. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland bei ca. 50 %, in Italien nur geringfügig darunter, in Frankreich war 2015 ein Viertel der Bürger unter 25 arbeitslos oder ohne Ausbildung. In Summe sind über ein Viertel der unter 18-Jährigen in Europa von Armut bedroht, verrotten ohne Perspektive in Wartestellung im Prekariat. Ganz gewöhnliche und für die letzte Generation noch selbstverständliche menschliche Bedürfnisse wie die Gründung einer Familie oder der Erwerb eines Eigenheimes sind für sie in utopische Ferne gerückt.

In einer von der US Firma Acxiom bereits als Datendienstleistung angebotenen Screening aller über uns verfügbaren Datenbestände (ganz im Stile der NSA), werden Menschen nach rein ökonomischen Gesichtspunkten bewertet. Zahlungskräftige Konzerne können die Daten kaufen, z.B. um zu sehen, wer sich bei ihnen bewirbt. Wenn jemand aus der Prekariats-Generation in Zukunft eine Absage erhält, dann hat das womöglich den Grund, dass er in der Acxiom-Datei in der untersten Kategorie geführt wird – diese Kategorie heißt lt. Acxiom „waste“, also Abfall oder Müll (siehe Süddeutsche).

Aber falls die Human Ressource Manager der Konzerne einem jungen Menschen wider Erwarten doch zugestehen, dass er eine geldwerte Kreatur ist, da es Arbeiten gibt, die man noch nicht robotisieren und digitalisieren konnte, dann wartet in vielen Fällen ein Bullshitjob – Jobs, über die in einer Guerilla-Plakataktion in der Londoner U-Bahn treffend geschrieben stand:

«Wie kann man auch nur ansatzweise von Würde in der Arbeit sprechen, wenn man insgeheim das Gefühl hat, dass der eigene Job gar nicht existieren sollte»

und: «Der moralische und geistige Schaden, der aus dieser Situation resultiert, ist tiefgreifend. Es ist eine Narbe quer über unsere kollektive Seele. Doch fast niemand spricht darüber»

Entgegen den Erwartungen der Regierung haben sich daher auch die Proteste in Frankreich nicht im allgemeinen Fußball-EM-Taumel totgelaufen, sondern steigern sich von Tag zu Tag; in der konservativen Zeitung Figaro wurde diese Woche der Chef des Inlandgeheimdienstes DGSI zitiert, dass „Frankreich am Rande eines Bürgerkriegs stehe“ – wenn man sich einige aktuelle Demonstrationsimpressionen in bewegten Bildern aus Paris ansieht (siehe YouTube), dann weiß man, wovon der gute Mann redet. Wer meint, dass sich solche Szenen nicht auch demnächst bei uns am Brandenburger Tor abspielen können, ist leider sehr naiv. Die Bundeswehr probt jedenfalls bereits das Niederringen von Bürgeraufständen.

Aber da sich das Aufzählen von Fakten und das Appellieren an die Vernunft bisher als relativ fruchtlos erwiesen hat, um gegen den herrschenden Marktradikalismus („Neoliberalismus“) anzukommen, will ich diesmal aus gegebenem Anlass lieber einen Schwenk in die Poesie machen – Poesie geht nämlich wesentlich tiefer als alle intellektuellen Phrasen und wäre insofern auch eine unserer letzten Hoffnungen, nachdem alle noch so klugen politischen und „wissenschaftlichen“ Effizienzdirektiven – die in Wirklichkeit nur Öl im Feuer des ökonomischen Wahn-Sinns sind – versagt haben.

Diese Woche jährt sich der Geburtstag des russischen Dichters und Dissidenten Juri Galanskow. Der Mann wurde nicht älter als 33 Jahre. Nachdem er das unten angeführte Gedicht veröffentlicht hatte, wurde er von den staatlichen Behörden zu  sieben Jahren verschärfter Lagerhaft in Mordwinien verurteilt, wo er schließlich nach einer Magendurchbruchs-Operation an einer Blutvergiftung starb.

Das Gedicht heißt „Manifest des Menschen“ und ist heute wohl aktueller denn je. Einer unserer Professoren hat es seinerzeit als Abziehkopien an uns verteilt, obwohl es mit dem Lehrstoff an sich nichts zu tun hatte. Es war damals noch möglich, derartige Texte unter die Studenten zu bringen, in der Hoffnung, dass vielleicht da und dort in der Zukunft einmal einsprechende Keime aufgehen. Würde heute ein Universitätsdozent einen solchen Text als digitales Handout öffentlich ins Netz stellen, dann würde er wohl umgehend als Ketzer wider die herrschende Doktrin des Mammonismus identifiziert und seine Stelle nächstes Jahr einfach nicht verlängert werden (eine Kollegin hat mir von einem Universitätsdozenten erzählt, der nach bloßer Erwähnung des Wortes „Prekariat“ in einer seiner akademischen Abhandlungen in ernsthafte Bedrängnis kam und seiner vermeintlich systemsubversiven Motivlage unter Androhung beruflicher Konsequenzen abschwören musste – Prekariat, so etwas gibt es doch in einem Land, dem es lt. herrschender Meinung gut gehen muss, nicht).

Zurück aber zu Juri Galanskows Gedicht. Ich habe es diese Woche beim Durchblättern alter Studentenunterlagen auf einem bereits vergilbten Loseblatt gefunden. Als ich es im Internet suchte, war ich zunächst verblüfft – obwohl im Netz ansonsten jede Verdauungsstörung von Paris Hilton, Dieter Bohlen & Co. protokolliert ist, findet sich zu einem solch wesentlichen Gedicht eines der mutigsten neuzeitlichen Köpfe keine offizielle Übersetzung.

Schließlich fand ich es zumindest als laienhaften User-Eintrag im Animexx-Forum. Dort jedoch fälschlicherweise als “Gedicht zum 2. Weltkrieg“ angeführt. – Dabei war das Gedicht  bereits einer ganz anderen Epoche bzw. einer ganz neuen Art des Krieges gewidmet: Dem auf Hochtouren anlaufenden Konsumismus und technokratisch-nihilistischen Fortschrittsglauben der  späten 1960/70er Jahre. Wer meint, dass ein solches Gedicht nur den dunklen Verhältnissen der seinerzeitigen Sowjetgesellschaft entspringen kann, der irrt – zur gleichen Zeit hat auch Pier Paolo Pasolini in Italien,  also im Land des zuckersüßen dolce vita, den „Konsumismus als größten Faschismus“ proklamiert – aber dazu mehr ein andernmal, heute wollen wir für einige Momente Juri Galanskows gedenken (hier ein – leider nicht lizenzfreies – Foto des Mannes aus einem russischen Archiv).

Wir sollten Galanskow heute eigentlich vor jedem europäischen Parlament ein Denkmal errichten. Denn wir hätten dort seinen Geist, den er im Kampf gegen den zur Normalität erklärten Wahnsinn frühzeitig ausgehaucht hat, bitter nötig.

MANIFEST DES MENSCHEN

(von J. Galanskow)

1
Wieder und wieder
packt mich in nächtlicher Stille ein Weinen.
Denn nicht einmal den Saum der Seele
kann man verschenken.
Niemand braucht
einen Tag lang
nach einem Irren zu suchen.
Aber die Leute gehn nach der Arbeit
dorthin, wo Geld rollt und Huren sind.
Sollen sie´s tun.
Ich aber werde durch die Lawine der Leute
hindurchgehn,
anders als sie, und allein –
wie der Splitter eines Rubins,
der im Eise glüht.
Himmel!
Lasse mich leuchten.
Lasse mich nachts
auf das schwarze Samtkleid
ausschütten die Diamanten der Seele.

2
Glaubt nicht den Führern und Ministern,
Glaubt nicht den Zeitungen!
Erhebt euch, die ihr mit eurem Antlitz die Erde deckt!
Seht ihr die große Bombe
und den Blick des Todes aus den offenen Gräbern?
Steht auf!
Steht auf!
Steht auf!
O Purpurblut des Aufstands!
Steht auf und reißt die morschen Zuchthausmauern
dieses Staates ein!

3
Wo sind sie –
die den Kanonen an die Gurgel fahren,
die mit dem heiligen Messer der Rebellion
die Geschwüre des Krieges herausreißen ?
Wo sind sie?
Wo sind sie?
Wo sind sie?
Oder gibt es sie nicht mehr? –
Dort an den Werkbänken stehen ihre Schatten
angekettet mit einer Handvoll klingender Münzen.

4
Der Mensch ist verlorengegangen.
Unwichtig wie eine Fliege
rührt er sich kaum in den Zeilen der Bücher.
Ich gehe hinaus auf den Platz
und presse ins Ohr der Stadt
den Schrei der Verzweiflung.
Menschen! Tröstet mich nicht!
In eurer Hölle kann ich nicht atmen!

5
O Himmel!
Ein strafendes Messer will ich besitzen!
Sieh nur, wie man die schwarze Lüge
auf das weiße Linnen speit.
Sieh nur,
wie abends die Dunkelheit
am blutbesprengten Banner nagt …
Furchtbares Leben –
wie ein Gefängnis, auf Knochen getürmt.
Ich falle!
Ich falle! …
und fühle wie in meinem Innern tief
der Mensch erblüht.

6
Wir haben uns daran gewöhnt,
in freien Stunden
auf den Straßen Gesichter zu sehen,
die vom Leben besudelt sind –
Gesichter wie eure.
Aber plötzlich –
wie das Grollen eines Gewitters
und wie das Antlitz Christi am Tag der Wiederkunft
aufersteht
die getretene und gekreuzigte
Schönheit des Menschen.
Ich bin es – ich,
der zur Wahrheit ruft und zum Aufstand,
der nicht mehr Diener sein will,
und eure schwarzen
aus Lügen geflochtenen Fesseln zerbricht.
Ich bin es – ich,
der vom Gesetz in Fesseln Geschlagene,
der das Manifest des Menschen verkündet!
Mag mir der Rabe
in den Marmor des Leibes eingraben
das Kreuz.

 

Anpfiff zum Endspiel – Scripted reality at its best

34_Warren Buffet flickr

Warren Buffet – Foto v. Jamais Cascio / Flickr CC BY SA 3.0

Der jüngste Artikel des Eifelphilosophen über die plutokratischen Strategien zur Aushebelung von Demokratie und Rechsstaat (siehe Nachrichtenspiegel) hat viele erschüttert. Dabei hat es Warren Buffet bereits ganz offen ausgesprochen – und zwar mehrfach (siehe Aristoblog) :

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“

(”There’s class warfare, all right, […] but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.” – Interview in der New York Times vom 26. November 2006)

Während es also einige der gewichtigsten Plutokraten ganz unverblümt aussprechen, was derzeit an menschenverachtenden Machenschaften, Manipulation und Destruktion des Gemeinwohls läuft, so ist es dem fernsehenden Kleinbürger streng verboten, darüber laut nachzudenken – das wäre doch „Verschwörungstheorie“ (siehe Vorsicht, Verschwörungstheorie!), und Verschwörungen gibt’s ja bekanntlich nur in schlechten Filmen. Menschen im echten Leben machen sowas nicht.

Aufgrund egoistischen Macht-, Reichtums- und Kontrollwahns andere Menschen, unsere  Umwelt und ganze Völkerschaften in Elend, Ausbeutung und Tod zu drängen – nein, das verstieße ja gegen die UEFA-Fußballregeln, und diese gehören doch heute zum verinnerlichten Ehrenkodex eines jedes zivilisierten Menschen. Weiß doch jedes kleine Kind: Wer an einem Mitbewerber am grünen Rasen ein fieses Foul begeht, der bekommt vom Schiedsrichter sofort die gelbe oder rote Karte gezeigt. Dass man sich auf die Gültigkeit dieser althergebrachten Regeln verlassen kann, bekommt man täglich  im Fernsehen gezeigt.

Vermutlich hat Warren Buffet in seinem o.a. New York Times-Interview also bloß über ein Drehbuch zu einem geplanten neuen Hollywood-Schinken geplaudert – „DIE HARD – Teil VI“ oder so ähnlich wird dieser Film wohl heißen, wenn er demnächst anläuft …

An wen die Hauptrollen für dieses Drehbuch verteilt werden, steht noch nicht fest – ist aber in Wirklichkeit auch vollkommen nebensächlich …

Nachdem der Krakenarm der Paramount Studios bis über den Atlantik ins Schwäbische Hinterland reicht und es sogar in Wohlstandszeiten ohne Not gelungen ist, die gesamte Creme der deutschen Spitzenpolitik von Merkel bis Gauck und Gabriel, De Maiziere und Cem Özdemir unter Vertrag zu bekommen, wird es in Zeiten des akademischen Prekariats wohl kein Problem sein, passende Nachwuchsdarsteller  zu rekrutieren (siehe kurze Casting-Revue für Nachwuchstalente auf Youtube).

Die auf Lobbypedia veröffentlichte Liste der Mitglieder des Atlantikbrücke-Vereins stammt aus Januar 2013 – ab Februar 2016 waren die Mitglieder auf der offiziellen Webseite nicht mehr abrufbar. Um trotzdem einen ersten Einblick in das Spinnennetz der Macht zu erhalten, in das wir eingesponnen werden, während wir treuherzig EM gucken, hier ein unterhaltsamer 8-Minuten Klassiker von Erwin Pelzig:

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