Nahrung

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Du bist was Du isst

Sind wir wirklich alle krank? Die Pharmaindustrie hat für all unsere Leiden eine Lösung parat. Egal ob Migräne, Allergien, Depressionen oder das Burnout-Syndrom: Täglich impft uns die Werbung ein, dass wir ohne die Wunder-Pillen vom Fließband nicht gesund bleiben können. Unsere Gesundheit wurde zu einem Geschäft und die Pharmaindustrie könnte ohne unsere Krankheiten nicht existieren. Die Dokumentation “Du bist, was Du isst“ prangert nicht nur diese Form der Versklavung durch Medikamente an, sie präsentiert auch ein natürliches Mittel, um sich daraus zu befreien: Unser Essen! Denn durch die richtige Ernährung können selbst schwere Krankheiten nicht nur verhindert, sondern auch geheilt werden. Liegt in“unserem täglich Brot“ tatsächlich die Zukunft der Medizin?

 

E10 im Tank und mit Getreide heizen

Brot-für-den-Tank


Boom Town: Selbstverständlich sind wir hierzulande umweltbewusst, ökologisch un(d)sozial. So etwas lassen wir uns eine Menge kosten, denn wir wissen schon seit Jahrhunderten von der Kirche, dass ein reines Gewissen nicht zum Nulltarif zu haben ist sondern nur über schmerzliche Zäsuren im Portemonnaie zu realisieren ist, da sonst keine Erlösung vom Übel und auch keine Vergebung zu erlangen ist.

Jetzt ist die Kirche schon eine Weile abgesagt, aber die Mechanismen sind dem Grunde nach noch dieselben. Wenn wir schon nicht an Gott glauben, dann eben an den Mammon und die Prinzipien des Marktes die es schon richten werden. Und siehe da, es funktioniert. Nachdem heutzutage eine Menge biogener Stoffe wie beispielsweise Mais und Zuckerrohr zu Ethanol verarbeitet werden damit unsere liebsten Blech-Gefährten auch anständig was zu saufen haben, müssen wir diesen Faden unbedingt weiterspinnen. Warum soll der Bauer im Winter sein Anwesen mit Heizöl erwärmen – welches auf 1.000 Liter (zirka 10.000 kWh Brennwert) locker schon mal 900 Euro kosten kann – wenn er sich den Brennstoff doch von seinem Acker holen kann. Für eine Tonne Getreide bekommt er am Markt rund 200 Euro. Eine Tonne Getreide enthält rund 4.000 kWh an Energie. Wenn er jetzt statt der 1.000 Liter Heizöl 2,5 Tonnen Getreide verheizt, dann kostet dem Bauern das rund 500 Euro. Er spart also noch rund 400 Euro wenn er sein Getreide nicht am Markt verkauft sondern es stattdessen gleich zuhause wohlig wärmend verbrennt.

Wenn jetzt genügend Leute anfangen Getreide zu verheizen dann ist dies erstens ökologisch, ziemlich nachhaltig und insofern absolut umweltbewusst. Randerscheinungen, wie beispielsweise Verknappung von Lebensmitteln und damit einhergehender Preissteigerungen für die tägliche Ernährung sind in diesem Fall der Preis für unser ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Die Lebensmittel folgen damit im allgemeinen Kontext den Rohölpreisen und sorgen so für eine weitere gerechte Balance der Marktwerte. Ferner können wir ganz nebenher wieder die Form an Gerechtigkeit auf diesem Planeten herstellen die wir aus unserem Kulturkreis gewohnt sind. Wir verarbeiten dann weltweit erheblich mehr Biomasse zu nutzbarer Energie und helfen damit auch den Leuten vor Ort (Regionalitätsprinzip). Mit diesem kleinen geschickten Schachzug ist sichergestellt, das Abermillionen Menschen in relativ kurzer Zeit verhungern können (vorzugsweise in den Entwicklungsländern) und wir auf diese galante Art und Weise von der prognostizierten Überbevölkerung auf diesem Planeten geheilt werden. Damit drängen dann auch nicht mehr so viele Billigarbeitskräfte in die Industrienationen. Hatte bislang doch kaum jemand vermutet, dass auch dieses bedrohliche Problem durch den Markt geregelt werden kann, so werden wir seit E10 eines besseren belehrt. Wir können mit dieser Wirtschaftsweise sogar die Problemlösung bezüglich der Überbevölkerung noch beschleunigen, weil für den Anbau entsprechender Nutz- und Energiepflanzen noch Unmengen von Urwäldern abgeholzt werden können. Dieses edle Holz ließe sich übrigens auch hervorragend verheizen, wäre der Transport aus den Urwäldern hierher nicht so unverschämt teuer und unwirtschaftlich … ergo wird es gleich vor Ort verbrannt und erwärmt einmalig die tropische Landschaft nebst der Herzen seiner Abholzer.

Wir müssen stolz auf unsere soziale – vielmehr freie – Marktwirtschaft sein, denn wie der vorstehende Kontext beweist, können wir damit viele Arbeitsplätze im Urwald schaffen und sogar unser ökologisches Gewissen damit noch befrieden. Alle so produzierten Brenn- und Treibstoffe sind hierzulande als umweltverträglich und ökologisch mit reinstem Gewissen an unsere Blechkamele und Heizungen zu verfüttern. Nicht selten können wir für soviel Liebe zur Ökologie auch noch Fördermittel in Anspruch nehmen. Solange wir es also bezahlen können werden die ärmsten der Armen ökologisch einwandfrei verhungern. Letztlich ist mit dieser Energiepolitik allen geholfen. Unsere Geldbeutel können weiterhin im Sinne der notwendigen Umverteilung von unten nach oben geschröpft werden. Dafür bekommen wir ein gutes Gewissen weil wir jetzt ökologisch echt sauber sind und wir helfen gut „gemainstreamt“ mit diesen Planeten ökologisch korrekt zu ramponieren.

Also liebe Leser, tankt unbedingt E10, heizt mit Getreide, gebt das Brot den Schweinen damit die schön fett und knusprig werden, setzt euch für umfassende Abholzungen ein damit wir mehr Energiepflanzen anbauen können und Arbeitsplätze in der „Dritten Welt“ geschaffen werden. Ach ja, dann lasst bitte noch das Pupsen sein, wegen dem Klimakiller Methan und stellt bitte auch die Atmung ein damit die Erde nicht an eurem CO2 erstickt. Denn nach neuesten Erkenntnissen ist CO2 nicht mehr der Grundbaustein des Lebens sondern das Übel dieser Welt. Kann auch sein, dass diese bahnbrechende Erkenntnis modebedingt irgendwann mal wieder revidiert wird, aber derzeit sehen eben die Klimaberechnungen schlecht aus und der Mensch ist daran Schuld, natürlich! Als es den Menschen noch nicht gab, da war an solchen Ereignissen übrigens immer die Sonne schuld wegen ihrer Wechselhaftigkeit, unnatürlich – nicht wahr? Der Sonne kann man aber kein schlechtes Gewissen einreden und die kauft auch keine CO2 Zertifikate, deshalb muss unter Marktgesichtspunkten unbedingt der Mensch an diesem Debakel schuld sein. Und damit sind wir auch schon wieder beim schlechten Gewissen und dem Geldbeutel und beim profitablen Verheizen von Getreide. Dann sollten wir noch ein Danktelegramm an unsere perfekte Regierung schicken, die uns eindrucksvoll mit einer solchen Energiepolitik beweist wie sehr der Markt und das Geld doch alles so ökonomisch, ökologisch und nachhaltig von alleine regelt, wobei der Mensch hierzulande nur noch die Funktion eines Faktors inne hat, was vermutlich den sozialen Fortschritt unseres Systems kennzeichnen soll.

Mit Dank an:

WiKa von der Nachrichtenagentur QPress

Käfer, Aldi, Desira und die Pinkelwurst

Heute präsentierte mir meine Lebensgefährtin ein ganz besonders Fundstück. In dem Produkt:

Desira Buttermilch Dessert Himbeer-Vanille mit der Registierungsnummer SN 016 072107 3808 fand sie einen Käfer. Die Beine hatte sie wohl vorher schon gegessen.

Nun, sie ist immer besonder pingelig, was diese Dinge angeht. Viele Völker essen Käfer und es ist doch nicht verwunderlich, wenn wir uns im Rahmen der Globalisierung Essgewohnheiten anderer Völker zu Eigen machen. Immerhin haben wir uns an Pizza und Gyros auch schon gewöhnt.

Also schaute ich einfach mal auf das Inhaltsverzeichnis des Produktes, mußte aber zu meiner Enttäuschung feststellen, das das Produkt offiziell gar keine Käfer enthielt. Das war jetzt verwunderlich.

Auch eine Analyse des Nährwertes ergab, das Käferinnereien nicht Bestandteil des Produktes sein konnten, ebensowenig Panzer und Beine.

Eigentlich nur eine kleine Episode des alltäglichen Lebens. Mir selbst sind schon häufiger fremdartige Bestandteile in Fertigprodukten aufgefallen … Haare, Fingernägel, Dreck … aber ich hatte auch mal die Gelegenheit, eine Gruppe von schlecht bezahlten Wurstverpackern in den siebziger Jahren kennen zu lernen.

Die waren nicht glücklich mit ihren Arbeitsumständen … und erst recht nicht mit der Bezahlung. Also sannen sie auf Rache. Sie bewarfen sie mit Wurstscheiben, die sie anschließend fein säuberlich in die
Verpackungsmaschine zurücklegten, sie pinkelten und spuckten auf die Scheiben ohne Bewußtsein, das der Beruf eines Wurstverpackers eine hohe gesellschaftliche Verantwortung mit sich bringt – erst recht bei einer Firma, die deutsche Qualitätsware produziert.

Ich hatte anschließend eine lange wurstfreie Zeit.

Der Käfer heute hatte mich wieder dran erinnert. Man spart ja wo man kann, vor allem an Personal.
Und man denkt: das kostet nichts.

Klar kostet das was, je mehr man spart, umso geringer die Qualtität. Wenn man einen Billigjoghurt kaufen möchte, dann darf man nicht all zu hohe Erwartungen an die Inhalte stellen. Da darf man sich über einen Käfer nicht sonderlich wundern … aber die Lohnnebenkosten waren wahrscheinlich außerordentlich gering.

Man macht sich viele Gedanken über Unruhen in diesem Land … dabei geht Frustabbau auch viel leichter, leiser … und dafür aber viel unangenehmer.

Einfach mal zwischendurch einen Käfer in den Joghurt schmeißen, in die Wurst pinkeln, ins Bier spucken … schon ist der Tag dein Freund. Man hat des „denen“ mal wieder richtig gezeigt.

Dabei sind es nicht „die“, die das essen, sondern „wir“.

Aber „wir“ lassen ja sowieso gern alles mit uns machen. Masochismus ist mitlerweile modern und gesellschaftsfähig geworden – einfach mal die nächstgelegene Domina fragen.

Laßt uns also über diesen Käfer nicht allzu lange aufregen. Er ist das natürliche Ergebnisse konsequenter und gezielter Einsparmaßnahmen im Produktionsbereich. Und die Rendite läßt sich nicht halten, wenn man bei ständig steigenden Preisen auch noch gleichbleibende Qualität möchte.

Und wer weiß … vielleicht ist es ganz gut, wenn wir uns an frische Käfer als Nahrung gewöhnen. Hört sich besser an als Gammelfleisch … welches auch ein Segen für die Rendite ist.

Und für das wirtschaftliche Wachstum müssen halt alle mal Opfer bringen, da sollte keiner feige zurückstehen!

Danke also an ALDI, das uns jetzt schon neue Nahrungsquellen erschließt. Manch einer wird in Zeiten der Krise dankbar dafür sein, schon mal an leicht zugängliche Nahrungsalternativen gewöhnt worden zu sein.

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