Muttertag

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Muttertag in Naziland 2011

Heute ist ja wieder Muttertag, der Tag der Blumengeschenke. Ein weiterer Tag, der von der Wirtschaft eingeführt wurde, um den Absatz ihrer Waren zu erhöhen. Die Nazis machten dann aus ihm einen Feiertag, wie Autobahnen und Arbeitslosenjagd haben wir diesen Tag beibehalten "weil eben nicht alles schlecht war in dieser Zeit". War es ja auch wirklich nicht, und daran, das wir das glauben, haben viele NSDAP-Mitglieder in der deutschen Politik gearbeitet

Heute ist ja wieder Muttertag, der Tag der Blumengeschenke. Ein weiterer Tag, der von der Wirtschaft eingeführt wurde, um den Absatz ihrer Waren zu erhöhen. Die Nazis machten dann aus ihm einen Feiertag, wie Autobahnen und Arbeitslosenjagd haben wir diesen Tag beibehalten „weil eben nicht alles schlecht war in dieser Zeit“. War es ja auch wirklich nicht, und daran, das wir das glauben, haben viele NSDAP-Mitglieder in der deutschen Politik gearbeitet, siehe hna.

Eine Studie der LINKEN in Hessen zeigt, das anstatt der offiziellen DREI NSDAP-Mitglieder in Wirklichkeit FÜNFUNDSIEBZIG Altnazis die Politik in Hessen mitbestimmt haben.

Nun sind Nazis für uns bundesdeutsche Muttertagsfreunde ja Feindbilder. Sie haben keine Haare, zu große Schuhe und keinen Schulabschluss. Außerdem sind sie schwul, haben Migrationshintergrund und beziehen Hartz IV – sind also irgendwie pfui. Da solche Gestalten mit diesem Aussehen nicht im Landtag sitzen, machen wir uns keine weiteren Sorgen. Ordentlich wie wir Deutschen nun mal sind gehen wir davon aus, das jeder Psychopath in Deutschland eine entsprechende Uniform tragen würde, wenn er eine diesbezügliche Gesinnung hegt.

Das viele Nazis ihr Hakenkreuz im Inneren tragen, bleibt ein Geheimnis … ebenso die die Mitgliedschaften in der NSDAP.

Im Neuen Deutschland berichtet gerade eine Mutter über ihre Sorgen bezüglich dieser düsteren Zeit:

Immer öfter klopft mir das Herz aus Angst, dass die Lehren dieses Krieges und des besiegten Faschismus in Vergessenheit geraten oder verfälscht werden könnten. Die Orte Brandenburg an der Havel, wo mein Vater im Zuchthaus ermordet wurde, und Ravensbrück, wo meine Mutter auf dem Todesmarsch gemeinsam mit Hunderten anderen von der Roten Armee befreit wurde, spielen in dieser Erinnerung für mich persönlich eine besondere Rolle.

Diese Lehren hatte Deutschland teuer bezahlt. Und es wären wichtige Lehren gewesen, wenn man sie nicht nur bei der Formulierung des Grundgesetzes berücktsichtigt hätte. Wie die Wirtschaft die Demokratie der Weimarer Republik (auch schon mal die „demokratischste Verfassung der Welt“ genannt) untergraben und abgesägt hat, wie aus einer Armee von chancenlosen Arbeitslosen ein uniformierter (und im Herzen ziemlich unpolitischer) Mob wurde, wie man Mechanismen zur Selektion und Auslöschung ganzer Volksgruppen ausprobieren konnte, wie die Gleichschaltung einer Massengesellschaft funktionieren kann – das alles wurde hier in Deutschland ausprobiert.

Besonders Mediziner haben davon profitiert. Endlich konnte man mal hemmungslos an Menschen herumexperimentieren, siehe Thieme.de

„Viele deutsche Ärzte haben sich im Ersten Weltkrieg bereits an energisches ,Durchgreifen‘ und Missachtung der Patientenrechte gewöhnt, schon lange vor 1933 den späteren nationalsozialistischen Herrschern bereitwillig, ja begeistert angedient“, schreibt der Arzt und Medizinhistoriker Till Bastian in seinem Buch „Furchtbare Ärzte“.

Ein Medizinfunktionär der damaligen Zeit beschrieb den Nationalsozialismus als die Gesellschaftsform, die Ärzten endlich jene Stellung gibt, die ihnen zusteht.

Neben dem Muttertag haben wir auch diese Stellung des Arztes in der Gesellschaft übernommen und bezahlen viel Geld dafür, das er sie ausfüllt. Keine andere Berufsgruppe war so sehr im NS-Staat involviert wie die Ärzte, mangels Alternativen haben viele nach dem Krieg Lehrstühle erhalten … trotz der unrühmlichen Rolle, die Mediziner (fernab ihres hypokratischen Eides) im NS-Staat gespielt haben:

Ein Grundpfeiler der nationalsozialistischen Ideologie – die Rassenhygiene – wurde von deutschen Ärzten aus den Ideen des Sozialdarwinismus (survival of the fittest) und der Eugenik mit- und weiterentwickelt.

Sozialdarwinismus ist ja heute groß in Mode. Einfach mal die Schlangen vor dem JOBCENTER anschauen – die jungen, hübschen, kerngesunden Menschen findet man dort nur sehr selten. Übergewichtige, alte, behinderte, krumm gewachsene Gestalten tummeln sich dort, aussortiert vom Arbeitgeber, der inzwischen die Selektion im Auftrag der Ideologie vornimmt …. oder eben einfach nur Mütter, siehe Tagesspiegel:

Besonders bestürzend ist aber die Zahl von 370.000 Alleinerziehenden, also überwiegend Müttern, die seit 2005 in Hartz IV feststecken. Insgesamt leben 1 Million der 2 Millionen Kinder, die hierzulande von Hartz IV leben, bei 600.000 allein erziehenden Müttern. Mehr als die Hälfte davon lebt also dauerhaft von Sozialtransfer, wahrscheinlich wächst der Rest in diesen Zustand gerade hinein. Ihre Kinder wachsen über mehrere Jahre mit knappsten Mittel, ohne Väter und ohne Erfahrung mit Erwerbsarbeit in der Familie auf.

Und da wundert man sich, das aus den durch staatlichen Willen minderversorgten Kindern nichts wird. Anders als im NS-Staat hat bei uns der Mutterkult keinen großen Ruhm. Mutter sein gilt eher als Krankheit, Kinder als Gefahr für den Wohlstand. Wenn wir Menschen brauchen, machen wir es wie Hitler: wir holen billige Fremdarbeiter ins Land. Musik und Farben unseres Landes sind anders, die Prinzipien jedoch fangen an sich zu ähneln, der Marschtritt erst recht.

Ärzte sind in diesem System wieder mittendrin, siehe TAZ:

Ein Freiflug nach Chicago. Ein kostenloser BMW. Ein Konto in der Schweiz. So sieht sie in der Praxis aus, die missbrauchte ärztliche Therapiefreiheit: Ärzte wählen die Medikamente für ihre krebskranken Patienten nicht mehr nach deren Bedürftigkeit aus, sondern nach den persönlichen Vergünstigungen, die Pharmafirmen, Apotheker oder Gerätehersteller ihnen für entsprechende Verordnungen versprechen.

Damit keine Fragen aufkommen: all diese Luxusgüter werden von den Geldern der Versicherten bezahlt – und vom Steuerzahler.

Unter anderem werden währenddessen die Risiken der Korruptionsindustrie mit „Eiseskälte“ unter den Tisch fallen gelassen, siehe NRhZ

Der Vorstandsvorsitzende zeigte sich von all dem unbeeindruckt. Jedwede Kritik prallte an ihm ab: BAYER hätte für nichts Verantwortung, alles sei bestens, die Vorwürfe seien durchweg haltlos. Und insbesondere den Opfern schrieb er mit Eiseskälte ins Stammbuch, dass YASMIN „sicher“ und irgendein Zusammenhang mit den Missbildungen durch PRIMODOS/DUOGYNON nicht bewiesen sei.

Experten sind sich sicher, das die moderne Medizin so sicher ist wie Atomkraftwerke, der Derivatenmarkt oder die Eurozone. Und man kann sich besonders sicher sein, das man gegenteilige Informationen nicht erhält. Im Sinne der Gleichschaltung der Gesellschaft wird gerade der Journalismus auf Hartz-IV-Niveau herabgestuft: 1550 Euro Brutto soll ein Volontär noch erhalten. Das sind knapp 1100 Euro monatlich. Wenn der Volontär jetzt Mutter wäre … na, dann hätte man ihn eben gar nicht erst eingestellt.

Zieht man die Kosten für ein „modernes Leben“ von diesem Gehalt ab – also Warmmiete mit DSL-Anschluss, Handy, Auto, die Pflicht zu einem „ordentlichen Äußeren“: repräsentative Frisur, Duftwasser, modische Kleidung … dann geht es dem Volontär der modernen Hochleistungsmedien wie einem Hartz-IV-Empfänger: abstrampeln für nichts und wieder nichts.

Da sollte es nicht weiter wundern, wenn man … freundlich gestimmt wird, wenn der Industrievertreter mit der dicken Brieftasche kommt. Immerhin dürfen die Industrievertreter ganz oben mitbestimmen, wie der Hase in Deutschland läuft, siehe TAZ:

Bundesministerien beschäftigen weiter dutzende externe Mitarbeiter an wichtigen Positionen: Allein 56 Externe – zum Beispiel Angestellte von Lobbyorganisationen – haben im zweiten Halbjahr 2010 in der Bundesverwaltung gearbeitet. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Innenministeriums zu externen Mitarbeitern an das Parlament hervor, der der taz vorliegt. Zum Vergleich: Zwischen Februar und Ende Juni 2009 listete das Innenministerium nur 49 externe Mitarbeiter auf.

Vielleicht sollten wir überlegen, Minister nur noch kostengünstig von Leiharbeitsfirmen zu mieten?  Einen der tiefsten und für mich erschütternsten Einblicke in Naziland findet man in einer Kolumne von Sybille Berg im Spiegel:

Früher nannte man das Klassenkampf. Die da oben die da unten. Heute nennt man es einfach Angestelltenverhältnis, und keiner wundert sich. Den ganzen Tag verkaufen, eine Stunde Mittagspause, aber nur nicht überziehen, nicht aus der Masse ragen, nicht auffallen, sich ducken. Nach Dienstschluss in eine Bar. Den Stress wegsaufen. Auf die Idee, zu demonstrieren, kommt keiner. Wir haben ja Freizeit. Am Wochenende. Da sind wir zu müde. Oder machen Sport, um unsere Arbeitskraft zu erhalten. Oder grillen Würste. Und sind danach müde. Und einmal im Jahr gibt es Urlaub. Hurra.

Selten beobachten Menschen die Gleichschaltung am Arbeitsplatz, die Diktatur der Führungspsychopathen und die Kultur der Angst so offen. Wir haben schon längst alle wieder Uniformen … sie sind nur etwas bunter und ändern jedes Jahr ihre Form. Das nennt man dann „Mode“. Nur nicht auffallen … das war auch das Motto des Normalbürgers im NS-Staat. Ducken ebenso.

Mutters Leben am Muttertag 2011. Nicht auffallen, ducken, immer lächeln – und bloß keine Kinder kriegen. Die sind Armutsrisiko Nr. 1, siehe DIW:

Rund 11,5 Millionen Menschen lagen mit ihrem verfügbaren Einkommen unter der nach EUVorgaben definierten Armutsrisikoschwelle – dies entspricht rund 14 Prozent der Gesamtbevölkerung. Darunter finden sich vor allem Haushalte mit Kindern und jungen Erwachsenen. So unterliegen Alleinerziehende mit Kindern im Alter bis zu drei Jahren einem weit überdurchschnittlichen Armutsrisiko von mehr als 50 Prozent.

Na dann,  liebe Mütter: herzlichen Glückwunsch zum Muttertag. Das Glück könnt ihr wirklich brauchen. Die neuen Nazis kommen ohne euch aus.


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