Mittelstand

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Deutschlands Weg in den Krieg: eine Zwischenbilanz

Deutschlands Weg in den Krieg: eine Zwischenbilanz

Donnerstag, 22.11.2018. Eifel. Die Kriegsvorbereitungen laufen. Der Krieg selbst auch. Wie immer, wenn der Kapitalismus an sein Ende gekommen ist, braucht er im Land Faschismus und außen Krieg, nach dessen Ende alles neu anfangen kann. Jedenfalls für die, die überlebt haben – was den Reichen recht leicht gelingt. In China wird offen darüber geredet: das südliche Kommando soll sich auf Krieg einstellen (siehe Heise). Hört sich harmlos an weil: ist ja weit weg. Was interessieren uns Kriege im Pazifik. Allerdings: mit Sicherheit wird es wieder so dargestellt werden dass wir die angegriffenen Opfer sind (waren wir immer) und deshalb der Bündnisfall eintritt: Deutsche Soldaten können dann im Pazifik Paderborn verteidigen. Nun schauen Sie nicht so, wir sind genau deshalb in Afghanistan – und darüber berichten die Medien ja nur sehr verhalten. Man würde sie auch bei kriegsähnlichen Zuständen im Pazifik vor der Brutalität des Krieges verschonen, so wie man Sie generell vor der Realität verschont.

Nehmen wir Syrien. Da ist schon Krieg – wir nennen es nur nicht so. Da geht es irgendwie gegen Assad und der ist böse, was man ganz genau weiß. Was man auch wissen kann: erst kürzlich haben amerikanische Flugzeuge 43 Zivilisten getötet, darunter 17 Kinder (siehe Spiegel). Da sind wir auch dabei. Deutschland führt Krieg gegen Syrien (Codename: Counter Daesh – falls Sie noch nicht davon gehört haben) – wir nennen es nur nicht so. Wir können es ja auch so nicht nennen, weil in einem Krieg normalerweise Staaten gegeneinander kämpfen, also auch mal syrische Bomber amerikanische Schiffe im Mittelmeer angreifen müssten – was die nicht tun. Die Hochrüstung der Nato – vor allem der USA – erlaubt mitlerweile wieder Zustände wie zu Zeiten des Kolonialismus: wir schlagen zu – aber die anderen können sich nicht wehren. Und das ist ja dann auch kein richtiger Krieg, das ist … was anderes, worüber man am besten auch gar nicht spricht. Es ist halt normal, dass US-Bomber immer und überall zuschlagen können wo sie wollen, immerhin waren das ja Megaopfer. Doch  – denken Sie an „nine-eleven“. Aber bitte nur kurz, die über diesen Anschlag kursierenden amtlichen Verschwörungstheorien halten einer längeren Betrachtung nicht stand: da versagt einem dann doch der Verstand und man betritt schnell das Reich der nicht von der Regierung abgesegneten Wahrheitstheorien, der zum „verbotenen Denken“ gehört.

Der Krieg im Außen kann sich jederzeit schnell und umfassend ausweiten lassen: noch ein „nine-eleven“ – „eindeutig“ von Russland oder China oder beiden zusammen veranlasst: schon sind wir dabei, als Hilfstruppen für ein US-Imperium, das sich gegen jeden Gedanken des Völkerrechts ständig weiter ausbreitet – eine Tatsache, die wir schon als Naturgesetz hingenommen haben und gar nicht weiter hinterfragen. Wo früher das CIA noch hinter den Kulissen finstere Taten stricken musste, wird heute ganz offiziell gebombt, Tausende sind schon gestorben, weitere Tausende werden noch sterben – und wir schweigen.

Die Anzeichen für ein Ende des Casino-Kapitalismus mehren sich – mal wieder (siehe z.B. Handelsblatt). Die „Märkte“ sind am Ende ihrer Existenz angekommen, übrig ist ein System, dass zehn Prozent der Bevölkerung ohne großartige Arbeit immer reicher macht und neunzig Prozent immer ärmer – wobei viele Wissenschaftler sich bemühen, allen vorzurechnen, das wir gar nicht ärmer werden sondern eigentlich superreich sind – verglichen mit den Ärmsten der Welt, von denen gerade schon eine Million auf dem Weg zu uns in der Sahara verreckt sind (siehe Handelsblatt). Also: seien Sie froh, dass die Mächte und Gewalten dieser Welt Sie noch nicht in die Sahara gejagt haben! Wir haben auch gerade einen schönen Einblick darin, wie die Mächte und Gewalten sich selbst sehen: Millionär Friedrich Merz zum Beispiel, der Mann der mächtigsten Vermögensverwaltung der Welt auf dem Weg ins Kanzleramt, sieht sich selbst nur als Mitglied einer gehobenen Mittelschicht (siehe Manager-Magazin). Diese Menschen haben jeglichen Kontakt zur Realität schon lange verloren. Sie fühlen sich nicht reich, sind es aber. Wir sind arm, sollen uns aber nicht so fühlen. Verrückte Welt, oder?

Natürlich brauchen wir die harte Hand nicht nur im Außen, sondern auch im Inneren. Hier gewöhnen wir uns langsam daran, dass die Nachrichten von erfrorenen Obdachlosen den Winter ankündigen – so wie die von Biggi, 64, Tote Nr. 3 seit Oktober (siehe Hinz und Kunzt). Hinz und Kunzt ist ein Obdachlosenmagazin, dass es schon seit Jahrzehnten in Hamburg gibt – Obdachlose mit eigener Schreibkultur … aber ohne Wohnraum. Berlin möchte nun die Sterberate von Obdachlosen drastisch erhöhen – sie schließen die Bahnhöfe im Winter, die vielen verlorenen Menschen noch Obdach und Schutz boten (siehe Taz): Menschen mit maximaler innerer Kälte jagen Menschen in die äußere Kälte, damit die es auch nicht warm haben. Dortmund beteiligt sich an der Hetzjagd auf die ärmsten der Armen, von denen manche nur gemacht haben, was Volker Pispers in seinen Programmen in Bezug auf zukünftige Rentner mal scherzhaft angekündigt hatte: sich bei der Wahl zwischen Essen und Wohnen halt eher fürs Essen entschieden und aufs Wohnen völlig verzichtet … weil man es sich finanziell nicht leisten kann. Dortmund verteilt jetzt an hunderte Obdachlose Knöllchen, wer nicht zahlen kann (oder will) kommt in den Knast (siehe Welt). „Der Markt“ hat natürlich noch eine andere Verwendung für Obdachlose: sie können für einen bekannten Paketdienst arbeiten. Das Geld reicht zwar nicht für eine Wohnung, aber die können ja im Auto zwischen den Paketen schlafen (siehe WDR). Ekelhaft, ja: aber bringt Traumrenditen. Und: schafft Arbeitsplätze.

Spannend eben auch, dass sich viele brave, ordentliche Bürger an den Anzeigen gegen Obdachlose beteiligen – anstatt mit Suppen, Decken und einem Wurstbrot bewaffnet gegen das Elend zu kämpfen, kämpft man gegen die Armen – und freut sich wohl klammheimlich über die Minusgrade, die uns – ganz ohne Lager und Öfen – von den Ballastexistenzen befreit?

Wieder mal zu böse formuliert? Übernachten Sie mal bei Minusgraden im Freien – nur eine Nacht. Dann reden wir mal darüber, wie böse sich das anfühlt. Und wissen Sie, wie ich das gerne nennen möchte? Einfach, um mal klare Worte in die Welt zu setzen? Ganz einfach: Bürgerkrieg. Den brauchen die Speichellecker des Kapitals dringend, um die Beute in Sicherheit zu bringen. Und ich spreche deshalb auch von Krieg, weil die Sache System hat. Aktuell gibt es in Berlin gerade ein Gerichtsurteil, dass erlaubt, dass tausende von Kranken sofort gekündigt werden können (siehe Deutschlandfunk): die landen dann auf der Straße, weil die Mieten in Berlin sowieso schon kein normal Sterblicher bezahlen kann. Immer mehr Haushalte in Deutschland sind überschuldet (siehe Spiegel), niemand erwartet da eine Trendwende, wenn jetzt Strom – und Heizkosten wieder steigen, werden noch mehr auf der Straße landen. Zudem beteiligen sich ja auch „die Märkte“ begeistert am Krieg gegen die Armen: Vonovia, Dax-Konzern und größter Vermieter Deutschlands plündert laut Presseberichten seine Mieter nach Strich und Faden aus (siehe Spiegel). Was bekommt man eigentlich so als „Gehalt“ als Chef von Vonovia? 5,67 Millionen Euro – 2017 (siehe haufe.de). Ein Jahr arbeiten – schon ist man durch, kann von den Zinsen leben und ewig am Strand in der Sonne liegen, während die Mieter in feuchten, kalten Wohnungen hausen und sich täglich vor neuen Rechnungen fürchten. Muss schön sein, von der Elite erwählter Leistungträger zu ein.

Organisiertes Verbrechen – fällt mir dazu ein. Und das ist ja das, was Gewalttaten in Krieg und Frieden unterscheidet: im Krieg ist die Gewalt perfekt organisiert. Vonovia hält sich Mietsklaven, die noch dankbar sein müssen, dass sie keine Obdachlosen sind: so läuft das System. Jeder, der nicht zum Merz´schen „Mittelstand“ gehört, muss fürchten, bald unter die Räder zu kommen – Möglichkeiten dazu gibt es reichlich: Krankheit zum umpassenden Zeitpunkt reicht schon aus. Schon mal daran gedacht, dass „Sozialstaat“ eigentlich hieß, dass es gar keine Räder mehr gibt, unter die man kommen kann, dass die Gemeinschaft aller alle vor solchen Rädern schützen sollte? Und wie soll man das nennen, wenn manche die Gemeinschaft zu eigenem Vorteil beenden, den Zusammenhalt aufkündigen und gegen die anderen, zeitweise schwächeren vorgehen? Ich würde sagen: wir nennen das Bürgerkrieg. Ende der Beschönigungen.

Auch betroffen vom Krieg gegen die Armen: die Jugend. 3,4 Millionen der unter 25-jährigen leidet inzwischen unter Armut – und werden dafür vom Staat drangsaliert (siehe junge Welt). Wir führen Krieg gegen die Armen. „Low Level“-Krieg, könnte man sagen, um die moderne Sprachverwirrung mal günstig einzusetzen. Natürlich könnte man was gegen die Armut tun – man könnte allein schon was gegen die Obdachlosigkeit tun. Berlin, die gleiche Stadt, die Obdachlose in den Kältetod jagt, hat Massen an leer stehenden Flüchtlingsunterkünften … doch da dürfen die Armen, die das Pech hatten, hier geboren worden zu sein, nicht ´rein (siehe Morgenpost). Die sind vorbehalten für Arme, die aus dem Ausland kommen. Edelarme, sozusagen. Eingeladen von der Elite, die Fahrer für ihre Paketdienste braucht. Wer so handelt, will Radikalität und Ausländerfeindlichkeit schüren – und das klappt ja ganz hervorragend – das klappt so gut, dass Mittelstand-Merz nun sogar das Asylrecht in Frage stellen kann (siehe Spiegel): die strikt logische Folge einer völlig undurchdachten, willkürlichen und teilweise realitätsfremden Willkommenkultur ist, dass jene, die wirklich verfolgt werden, bald einen ihrer letzten Häfen in der Welt verlieren – so wie wir im Taumel des Gefühls der absoluten Überlegenheit unseres „gut seins“ den letzten Rest an Anstand verlieren.

Und wie funktioniert das alles? Wieso kann das alles so weiterlaufen wie es läuft? Haben wir nicht gesellschaftliche Regelmechanismen entwickelt, die uns vor solchen Entwicklungen schützen sollten?

Ja – haben wir. Über diese Mechanismen wachen … die Beamten. Treue Wähler der Groko. Viele von ihnen sind auch Abgeordnete des Bundestages. Und für ihre staatlich angeordnete Treue bekommen die auch Geld. Viel Geld. „Für fünf Jahre Arbeit 1573 Euro Pension“ – so titeln gerade die Medien (siehe Zeit). Treue – ist käuflich – und wer jetzt als erster „Korruption“ brüllt, ist links- oder rechsradikal (entscheidend ist – heutzutage – hier die Frisur: lange Haare: linksradikal, Glatz: rechtsradikal). Die Summe der bisher anstehenden Beamtenpensionen beläuft sich auf 690 Milliarden Euro (siehe Handelsblatt). Schon seit meinen Studienzeiten ist bekannt, dass das niemand mehr wird bezahlen können – und das war in den achtziger Jahren. 35 Jahre lang ist nichts weiter passiert, außer dass man die Kaste der Beamten weiter mit Geld überschüttet hat- und hier natürlich eine gewissen politische Einstellung einkauft. 690 Milliarden Euro … ist ihnen klar, was geschehen wird, wenn wir das auszahlen müssen? Hartz IV kostet den Bund 22 Milliarden Euro. Lesen Sie ruhig mal im Detail, was da an Kosten anfällt – und wie schnell die von Jahr zu Jahr steigen: Ihnen wird übel werden. Wer ein bedingungsloses Grundeinkommen für unmöglich hält, sollte sich einfach mal diese Zahlen zu Gemüte führen … und dabei handelt es sich nur um 600 000 Menschen, die versorgt werden.

Aber man braucht diese Beamten: sie tragen die Politik der „Mittelstandsmerzer“ – und sollen ihren Anteil am Kuchen bekommen. Sie sollen immerhin weiter Sanktionen gegen Arbeitslose aussprechen – oder dafür sorgen, dass die Mitarbeiter mit Zeitverträgen beim Jobcenter Sanktionen aussprechen … und diese bei Weigerung notfalls auf die Straße setzen. In Kriegszeiten brauchen wir Menschen, die hart zupacken können, die bar jeder Sozialromantik wissen, was zu tun ist. Die Pöstchenkultur wird gerade auch aufgeblasen – nicht nur in den Ministerien. Da wird mobilisiert – für eine Zukunft, die nicht mehr zu bezahlen ist. Jedenfalls – von den meisten nicht. Die Unterschicht – seit der Selbsteinschätzung von Friedrich Merz können wir erahnen, wie groß die in Wirklichkeit nach „deren“ Maßstäben ist: für „Mittelstand“ braucht man schon eine Million, darunter herrscht nackte Armut – und über eine Million Deutsche haben es ja geschafft, über zehn Millionen leben ganz gut von den Aufträgen der Millionäre … nur die anderen 69 Millionen faulen, trägen, ständig besoffenen Minderleister machen noch Probleme.

Deutschland ist auf dem Weg in den Krieg. Im Inland und im Ausland. Noch: Low Level. Aber trotzdem – langsam aber unaufhaltsam – für immer mehr Bürger tödlich.

Reden wir doch mal darüber.

Ohne schöne Worte.

 

 

Große Pleitewelle im Mittelstand und Massenarbeitslosigkeit voraus: so wird 2015

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Samstag, 11.10. 2014. Eifel. Vorgestern gab es eine Nachricht im Handelsblatt, die mich aufhorchen ließ. Um wurde 13.18 Uhr unter der Rubrik „Unser Thema in 99 Sekunden“ mit der Überschrift „Vorsicht bei Mittelstandsanleihen“ darauf hingewiesen, dass Anleger bereits eine halbe Milliarde Euro bei Mittelstandsanleihen verloren haben, insgesamt 27 Anleihen von 23 bankrotten Unternehmen seien bereits ausgefallen. Nun – wenige Menschen investieren viel Zeit in ausführliche Lektüre des Wirtschaftsteils der Zeitung, noch weniger begreifen wirtschaftliche Zusammenhänge, noch weniger merken, dass sie selbst davon bald direkt oder indirekt betroffen sein werden.

Am 10.10 legte das Handelsblatt noch einmal nach und verkündete eine heranrollende Pleitewelle bei mittelständischen Unternehmen (siehe Handelsblatt). Welche Botschaft bleibt hängen? Nun – natürlich die fett gedruckte: „Vorsicht bei Mittelstandsanleihen“ – und „Pleitewelle“. Warum gab es die überhaupt? Nun – wie das Handelsblatt erläutert, sind diese Anleiheformen 2010 eingeführt worden, zu einer Zeit, wo die mit Staatsgeldern übersättigten Banken anfingen, dem Mittelstand die Kredite zu kürzen. Das tat dem Mittelstand nicht gut, viele Geschäfte werden über Kredite abgewickelt, auch, um die Zeit zwischen Leistungserstellung und Zahlungseingang zu überbrücken: die Angestellten, die die Leistung bringen, müssen schon vorher finanziert werden – dazu kommt noch die wachsende schlechte Zahlungsmoral, die vor allem bei großen Unternehmen aufgrund einer arroganten Ausnutzung der Markmacht sehr schlecht ist (siehe haufe.de).

Zahlt der Kunde später (oder gar nicht) können ganze Unternehmen schnell an den Rande des Bankrotts kommen – wenn die Banken nicht helfen. Auf die mögliche Hilfe der Banken durch den jetzt bevorstehenden Ausfall des Anleihemarktes für den Mittelstand (Sie glauben doch nicht wirklich, dass nach DEN Überschriften noch jemand dort investiert?) wird ja direkt in dem Artikel des Handelsblattes verwiesen – wieso also die Warnung vor der Pleitewelle?

Nun – die haben den Artikel in der Welt vom 5.10.2013 gelesen (siehe Welt). „Es kann eng werden im Mittelstand“ heißt es da: während gleichzeitig der Markt für Mittelstandsanleihen weg bricht, führen die Banken mit Basel III neue, schärfere Richtlinien für die Mittelstandsfinanzierung ein – was vielen Mittelständlern das Genick brechen wird:

Schon jetzt führen bei 55 Prozent der Mittelständler fehlende oder nicht ausreichende Sicherheiten zu einer Verschlechterung der Finanzierungsmöglichkeiten. Vor zwei Jahren gaben nur 43 Prozent der Firmen Probleme in dem Bereich an. Hinzu kommt, dass die Banken ihre Kreditvergabe auch von einem höheren finanziellen Eigenanteil der Unternehmen abhängig machen. Fast jeder dritte Mittelständler klagt darüber.

Horrorzahlen, oder?

Der Mittelstand – das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Wer es noch nicht weiß: ein Blick nach Wikipedia kann helfen (siehe Wikipedia, Originalquellen sind allerdings nicht mehr erreichbar).

Der Mittelstand in der Bundesrepublik Deutschland umfasst nach quantitativer Definition

  • rund 99,7 % aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, in denen knapp
  • 65,9 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten angestellt sind,
  • rund 38,3 % aller Umsätze erwirtschaftet werden sowie
  • rund 83,0 % aller Auszubildenden ausgebildet werden.

Bricht der Mittelstand mangels Unterstützung der Banken weg, sind knapp 66 Prozent der Arbeitsplätze in Gefahr, zusätzlich 83 Prozent der Ausbildungsplätze. Gut – es werden nur 38 % der Umsätze erwirtschaftet … was zeigt, wie sehr sich unsere Wirtschaft vom Volk entfernt hat. Deute ich die Zahlen richtig, erwirtschaften nämlich 0,3 % der Unternehmen 61,7 % des Umsatzes … und das sind gerade die mit der schlechten Zahlungsmoral.

Wären die Auftragsbücher voll, die Zahlungsmoral erstklassig, die Zukunftsaussichten glänzend: man könnte gelassen bleiben.

Doch dem ist nicht so.

Das Herbstgutachten der deutschen Wirtschaft zeigt, dass die deutschen Exporte wegbrechen und die Wirtschaft deshalb deutlich an Fahrt verliert (siehe Wiwo). Schon am 4.10. warnte das Handelsblatt deutsche Anleger davor, dass jetzt stürmische Zeiten bevorstehen (siehe Handelsblatt), nur sechs Tage später ist der Börsengewinn eines ganzen Jahres weg – Tendenz: weiter sinkend (siehe Manager-Magazin).

Und die Zukunftsaussichten der Weltwirtschaft? Erschreckend düster, denn die Welt blickt auf den Konjunkturmotor Deutschland (siehe Manager-Magazin):

Die Weltwirtschaft steht angeblich am Abgrund. Nur Deutschland könne den Sturz verhindern, weigert sich aber. Dieser Tenor herrscht auf der Herbsttagung von IWF und Weltbank vor.

Nun – einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es für die großen, globalen Konzerne: gemäß einer Studie der Deutschen Bank droht dem Euro ein massiver Kursverfall (siehe Welt). Interessant: bei der Lektüre erfährt man auch, dass die Wall Street den Euro nicht mag und deshalb Goldman-Sachs „zum Angriff auf die Gemeinschaftswährung blies“.

Gut, ein billiger Euro macht deutsche Autos im Ausland noch billiger … allerdings macht ein schwacher Euro alle Importe in den Euroraum teurer – wie es aussieht, kann der deutsche Mittelstand hier mit Kostensteigerungen um 25 % rechnen, Kostensteigerungen, die vor allem bei der Beschaffung von Rohstoffen anfallen.

Angesichts dieser Aussichten ist es klar, dass weder Banken noch Anleger gerne Geld in den Mittelstand stecken.

Goldman-Sachs schießt sich auch weiter auf die Eurozone ein – lange wird man seine Augen nicht mehr davor verschließen können, dass hier ein brutaler Wirtschaftskrieg tobt. Die „weltweit führende Investmentbank“ warnt vor „jahrelanger Stagnation“ im Euroraum (siehe Welt). Ratingagenturen pflichten dem bei, die US-amerikanische Ratingagentur Standard & Poors hat den Ausblick für Frankreich von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt (siehe Handelsblatt), damit wird Deutschlands größter Partner im Euroraum zu Ramsch.

Blöd – denn Frankreich ist unser wichtigster Handelspartner weltweit (siehe agitano), allein 2012 haben wir Waren im Wert von über einhundert Milliarden Euro dorthin verkauft (siehe statista). Kein Wunder, dass in der wohl informierten deutschen Wirtschaft die Stimmung ständig sinkt – entgegen der Prognosen der „Wirtschaftsexperten“ (siehe Spiegel).

Gibt es noch Hoffnung? Wo sollte die herkommen. Hören Sie doch mal den Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelbs in einem Interview, das am 25.8.2014 in der Welt veröffentlicht wurde (siehe Welt):

Europa hat seinen ökonomischen Schneid verloren. Der Kontinent scheint nicht länger in der Lage oder willens zu sein, neue Sachen zu entdecken, unbekannte Territorien zu erobern, innovative Dinge zu kreieren und nach dem eigenen Glück zu streben. Was ich hier sehe, ist alarmierend und macht mich traurig.

„Intellektuell bankrott“ seien die Europäer … meint Herr Phelbs und kriegt von anderer Seite her unvorhergesehene Unterstützung – und zwar von dem Professor für Unternehmensführung Fredmund Malik (siehe Handelsblatt):

Von den etwa drei Millionen Führungskräften in Deutschland – Männer wie Frauen – hat aber nur eine kleine Minderheit eine ernsthafte Ausbildung in richtigem Management.

Eine gigantische Krise kommt auf die deutsche Wirtschaft zu – und wir haben nur ein Heer von Luschen, sie zu bewältigen. Was sie machen werden? Was sie immer machen, wenn es Probleme gibt: die Kosten kurzfristig durch Massenentlassungen senken, um selbst möglichst lange sicher im Boot sein zu können.

Kaum jemand wird in der Lage sein, adäquat auf die drohende Megakrise zu reagieren – eine Krise, die in den Augen des Nobelpreisträgers für Wirtschaft Joseph Stieglitz das Komplettversagen des gesamten kapitalistischen Modells darstellt, siehe Manager-Magazin:

„Wenn es weiterhin so schlecht läuft, werden große Teile der Bevölkerung irgendwann vom wirtschaftlichen und sozialen Leben ausgeschlossen sein. Die Anfänge lassen sich bereits beobachten.“ „Wir sind schon lange kein Land der unbegrenzten Möglichkeiten mehr.“ Der „Kapitalismus nach amerikanischem Modell“ habe „versagt“.

Wie es aussieht, hatte Hans-Ulrich Jörges Recht mit seiner Behauptung, dass die spannendsten Informationen im Wirtschaftsteil der Zeitung stehen.

Was uns erwartet?

Wie es aussieht, nichts anderes als schon Ende der zwanziger Jahre: ein bankrotter Staat, Massenarbeitslosigkeit, galoppierende Inflation, Hunger, steigende politische Radikalisierung … den Rest kennt man.

Meine persönliche Hoffnung? Das die Initatoren von TREEEC WORLD PROJEKT ihre neue Form des Wirtschaftens schnell genug umsetzen können.

Hierzu später mehr.

 

 

 

Krieg gegen Russland und Krieg gegen den Mittelstand: die logischen Folgen der Globalisierung der Armut – seit 2002 bekannt.

Krieg gegen Russland und Krieg gegen den Mittelstand: die logischen Folgen der Globalisierung der Armut - seit 2002 bekannt.

Dienstag, 29.4.2014. Eifel. Eine Nachricht fällt aktuell besonders ins Auge. Der deutsche Außenminister hat einen ganz entscheidenden Satz gesagt, der ein wenig untergeht in der Debatte. Jakob Augstein hat ihn in seiner Warnung vor einem „Krieg aus Versehen“ aufgegriffen, siehe Spiegel:

„Niemand hat vorhersehen können, wie schnell wir in die schwerste Krise seit dem Ende des Kalten Krieges geschlittert sind.“

Das ist eine krasse Lüge. Vor zwei Jahren veröffentlichte der Kopp-Verlag „Das Szenario eines Dritten Weltrkrieges – Die geheimen Pläne des Pentagon zur Errichtung einer Neuen Weltordnung“ von Michael Chossudovsky. Ich kenne den kanadischen Professor für Wirtschaftswissenschaften durch sein Werk „Global Brutal“, das 2002 bei „2001“ erschien. Er beschreibt hier nicht mehr und nicht weniger als die Globalisierung der Armut durch Kredite. Die Reichen gewähren Staaten Kredite, im Gegenzug dafür verarmen diese ihre Bevölkerung – ein Programm, dass jetzt gerade aktuell in der Ukraine durchgezogen wird.

Wer Global Brutal gelesen hatte, der wußte auch, was auf Deutschland zukommt. Je größer der Hunger der Regierung nach Krediten, umso mehr wurde die Souveränität an die Geldgeber verkauft, deren Interessen durch Weltbank und IWF formutliert wurden. Bekannt waren deren Wünsche schon seit Mitte der neunziger Jahre:

“Die Bereitwilligkeit der Arbeiter, eine schlecht bezahlte Beschäftigung anzunehmen, hängt zum Teil von der relativen Großzügigkeit der Arbeitslosenunterstützung ab … Es besteht in allen Ländern Anlass, die Dauer des Anrechts auf Unterstützung zu verkürzen, wenn sie zu lang ist, oder die Bedingungen für ihre Gewährung zu verschärfen”.

(Weltbank, World Development report, workers in an integreting world, Oxford Universitiy Press, 1995, gefunden bei Viviane Forrester, Der Terror der Ökonomie, Paul Zsolnay Verlag, Wien 1997, Seite 132).

Somit war 1997 schon klar, dass Hartz IV kommen wird. Es war klar, wer es angeordnet hat, wer es finanziert und wer es durchzuführen hat.

“Die von den Auswirkungen der Politik auf die Verteilung der Einkommen hervorgerufenen Befürchtungen dürfen die europäischen Regierungen nicht davon abhalten, mutig eine grundlegende Reform des Arbeitsmarktes zu betreiben. Die Lockerung des Arbeitsmarktes erfolgt über die Umgestaltung der Arbeitslosenversicherung, des gesetzlichen Mindestlohnes und der Vorkehrungen zum Schutz der Arbeit”.

(Bulletin des Weltwährungsfonds, 23.5.1994, zitiert bei Forrester, a.a.O., Seite 133).

Mitte ´95 hatte die Weltbank und der Weltwährungsfond Hartz IV für Deutschland gefordert – bis 2005 hatte man dann genug Politiker für sich gewonnen, die das durchsetzen konnten – gegen das Volk und gegen die Partei. Chossudovsky skzizziert in seinem Werk, wie Weltbank und IWF den ganzen Planeten mit ihren wirtschaftlichen Terrorprogrammen überziehen, die Millionen von Menschenleben kosten – übrigens auch in Russland:

Im Herbst 1992 erläuterte mir ein russischer Wirtschaftswissenschaftler „Wir leben in Russland in einer Nachkriegssituation, aber es gibt keinen Wiederaufbau. Der Kommunismus und das Reich des Bösen sind besiegt, aber der kalte Krieg, obwohl offiziell beendet, hat seinen Höhepunkt immer noch nicht erreicht. Den G-7-Staaten geht es darum, das Herz der russischen Wirtschaft, den militärisch-industriellen Komplex und unsere High-Tech-Industrien zu zerschlagen … Das Ziel des IWF-Wirtschaftsprogrammes ist es, uns zu schwächen und die Entwicklung einer rivalisierenden kapitalistischen Macht zu verhindern. (Chossudovsky, a.a.O., Seite 261).

Spätestens 2002 konnten informierte Kreise (also: die Leser von globalisierungskritischen Büchern) die kommende militärische Auseinandersetzung mit Russland voraussehen – es sei denn, Russland beugt sich der Globalisierung der Armut, lebt wie der Westen.

Wie lebt eigentlich der Westen?

Am 17.3.2014 meldete die Süddeutsche, wie die Zukunft des Westens aussehen wird – am Beispiel eines klassischen westlichen Landes, Großbritannien.

Wie unfair ist der Wohlstand in Großbritannien verteilt? Die Aktivisten der Organisation Oxfam rechnen nun vor: Die fünf reichsten Familien im Vereinigten Königreich besitzen zusammen mehr Vermögen als die 20 ärmsten Prozent der Bevölkerung.

Ein britisches Sonderphänomen?

Nein.

Ein Spiegelartikel zu dem aktuellen Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ zeigt, dass dies ein weltweiter Trend ist, den auch der IWF erkannt hat:

„Einkommensungleichheit ist in den letzten Jahrzehnten sowohl in der entwickelten Welt wie in den Entwicklungsländern angestiegen“

Sprachlich kann man das auch anders ausdrücken: die Globalisierung der Armut schreitet unaufhaltsam voran – wie der Artikel erwähnt. Es ist ein ganz einfacher Mechanismus, der Superreichtum automatisch – ohne jedwede „Arbeit“ oder „Leistung“ produziert:

Durchschnittlich lag das Wirtschaftswachstum Pikettys Daten zufolge nämlich in den vergangenen 300 Jahren inflationsbereinigt bei einem bis eineinhalb Prozent jährlich. Vermögen stiegen dagegen um vier bis fünf Prozent vor Steuern. Wer schon wohlhabend ist, kann sein Vermögen offenbar breit anlegen und so überdurchschnittlich steigern. Weil Vermögen zudem meist an die eigenen Kinder vererbt werden, pflanzt sich die Ungleichheit über Generationen fort.

Wir können heute schon ausrechnen, dass Deutschland – um nur EIN Beispiel zu nennen – in NAHER Zukunft aus wenigen Superreichen und einer Armee von Hartz IV-Empfängern besteht – falls uns der IWF überhaupt noch solche luxuriösen Sozialleistungen gestattet. Angesichts unserer grassierenden Staatsverschuldung sind Regierung und Bundestag schon längst nicht mehr frei in ihren Entscheidungen.

Nun – 2014 geht es den meisten Deutschen noch gut. Viele Auslandsberichte deutscher Medien zeigen tagtäglich dem deutschen Mittelstand auf, wie glücklich er sich schätzen darf, dass noch keine bewaffneten Banden mit Pickups durch die Straßen jagen – obwohl sich der Krieg Reich gegen Arm auch und gerade auf deutschen Straßen abspielt: der „Krieg auf der Straße“ (siehe Blätter.de von 2010) geht ungebrochen weiter, ein Autotyp ist zum brachialen Symbol des Vernichtungswillens geworden und teilt die bundesdeutsche Gesellschaft in vernünftige, verantwortungsbewusste Mitglieder eines demokratischen Gemeinwesens und … ihr Gegenteil, siehe Spiegel:

Sie sind spritdurstig, platzvernichtend und in der Regel teuer. Es gibt wirklich keinen guten Grund, einen SUV zu fahren.

Wer seiner Umwelt beweisen will, dass er bekennender Turbokapitalist ist, fährt mit einem dicken SUV goldrichtig. Offenbar gibt es viele Menschen, die ihren Kontostand gerne auf der Straße ausrollen.

Das Auto ist ein rollendes politische Bekenntnis – und eine Absichtserklärung: man kann mit ihm auch „in eine Schlacht ziehen“ – so zitiert das Magazin einen Verkehrssoziologen. So gesehen, haben auch wir unsere bewaffneten Banden schon auf der Straße.

Zu schlimm gedacht?

Hören Sie sich mal an, was SUV´s so anrichten – nicht bei Greenpeace, sondern bei der Seite der SUV-Fans in Deutschland, SUV-Cars:

Die Unfallstatistik ist bei SUV-Fahrzeugen deutlich höher als bei anderen Autos. Während die Insassen des SUV zumeist sehr glimpflich davonkommen, so ergeht es den Unfallgegner, aufgrund des höheren Gewichts eines SUV, wesentlich schlechter. Häufig endet ein Unfall für Fahrer von Kleinwagen, für Radfahrer und Fußgänger tödlich oder mit schweren Verletzungen, wenn ein SUV beteiligt ist. Schenkt man den Unfallstatistiken Glauben, so sind die Risiken für benachteiligte Verkehrsteilnehmer um ein Mehrfaches höher, wenn ein SUV im Spiel ist.

Ein Mordinstrument auf deutschen Straßen – unsere Version von Pickups mit Taliban, ein Auto mit der deutlichen Botschaft des Turbokapitalismus: euer Leben ist mir egal, eure Umwelt ist mir egal, eure Ressourcen sind mir egal, eure Kinder sind mir egal.

In diesen Autos sitzen zumeist „Nieten“ mit „Artenschutz“ (siehe Spiegel-Artikel zu dem Thema, warum Nieten so oft Topjobs bekommen): das ideale Personal zur Liqudierung der Bevölkerung … bzw. zur Globalisierung der Armut.

In den USA – dem Mutterland des Turbokapitalismus – können wir mitlerweile die Erfolge des laufenden Bürgerkrieges reich gegen arm studieren, siehe Spiegel:

Noch immer weisen die USA mit das höchste Wirtschaftswachstum der Industrienationen auf – doch bis auf eine schmale Oberschicht rutscht die amerikanische Gesellschaft im globalen Wohlstandsvergleich immer weiter ab. Die US-Mittelschicht, für viele Jahrzehnte die reichste der Welt, hat diesen Status nun verloren, berichtet die „New York Times“. 

Nebenbei erfährt man, dass auch die deutsche Mittelschicht zunehmend den Anschluss verliert – kein Wunder, erfüllen wir doch die Wünsche von IWF und Weltbank bis ins Detail.

Noch kann der kleine Handwerksmeister durch Subventionen des Steuerzahlers selbst mit dem SUV als Firmenwagen einen Status demonstrieren, den er nie erreichen wird und den wir alle mit einer höheren Staatsverschuldung mittragen, doch – wie wir alle wissen: die Leistungsfähigkeit des Staates hat ihre Grenzen erreicht.

Der Grund ist klar:

Seit den frühen 80er Jahren haben Konzerne und Geschäftsbanken eine bequemen Weg gefunden, große Schuldensummen zu tilgen und in öffentliche Schulden umzuwandeln. Sie können so ihre Verluste systematisch auf den Staat abwälzen. Während der Fusionswelle in den späten 80er Jahren ist die Last der Unternehmensdefizite durch den Kauf bankrotter Firmen auf den Staat verlagert worden in dem man diese Firmen zumachte und die Verluste steuerlich abschrieb. Die Geschäftsbanken konnten ihre faulen Kredite ebenfalls regelmäßig abschreiben und in Vorsteuerverluste umwandeln. Die Rettungspakete für angeschlagene Unternehmen und Geschäftsbanken basieren also auf dem Prinzip der Abwälzung von Unternehmensschulden auf die Staatskasse. (Chossudovsky, a.a.O., Seite 305).

Das schrieb Chossudovsky 2002 – da lag der Rettungsschirm für den Euro noch in weiter Ferne – obwohl man ihn schon damals hätte sehen können. Die globale Finanzkrise – die wir erst Jahre später deutlich bemerkten – sah er schon damals (siehe Kapitel „Die globale Finanzkrise“, a.a.O., Seite 311 – 323).

Jedermann hätte also sehen können, wie wir in die schwerste Krise seit dem Kalten Krieg gelangen konnten. Jedermann hätte erkennen können, dass der Sozialstaat auch in Deutschland zerschlagen wird, jedermann kann erkennen, dass diese Art der Konzernwirtschaft die Volkswirtschaften vernichtet. Die Arbeitslosen, die Alten und die Kranken merken das jetzt schon – ebenso jene, die nicht die Möglichkeit haben, dem Staat groß in die leeren Taschen zu greifen, in dem sie ganze Firmen aufkaufen.

Lenken wir wieder den Blick auf das Auto, „des Deutschen liebstes Kind“ – aber mal fort vom Terrorinstrument SUV hin zu jenen Menschen, die unter anderem den „Mittelstand“ tragen, siehe Manager Magazin:

In Deutschland hat laut McKinsey 2013 mehr als jeder vierte Händler (27 Prozent) einen Verlust eingefahren. 2012 waren es noch 9 Prozent.

Läuft die Entwicklung so weiter, haben wir 2016 keine Autohändler mehr – im Autoland Deutschland. Und auch die, die noch richtig dicke Gewinne einfahren, liegen dem Steuerzahler auf der Tasche:

Mehr als 70 Prozent aller neu zugelassenen Porsche sind Dienstwagen. Diese werden vom deuschen Staat jährlich mit mehreren Milliarden Euro finanziert.  (Jan Kluge, Unliebsame Wahrheiten. Redline 2013, Seite 92, dort erfährt man auch, dass der private Sektor nur noch für 40 Prozent aller Neuzulassungen verantwortlich ist – 60 Prozent zahlt der Steuerzahler).

Das heißt: der Eindruck eines reichen Landes voller wohlhabender Menschen, den unsere Straßen dem Ausland vermitteln, wird durch den Staat auf Pump finanziert.

Die Daten für 2022 können Sie jetzt also selbst schon hochrechnen. Ebenso können Sie jetzt schon hochrechnen, wann der Dritte Weltkrieg beginnt – und gegen wen. Putins größte Sünde war, den Vernichtungsfeldzug des Reichtums in Russland gestoppt zu haben und die Staatsschulden auf unter 10 % zu drücken – ein Traum für jeden westlichen Politiker.  Die jedoch werden bei uns mit Rekorddiäten ruhig gestellt, während kriminelle Konzerne die Staatskassen plündern und dazu beständig mächtigere Konglomerate bilden – wie akutell die Entwicklung um Alstom (siehe Spiegel) wieder mal deutlich demonstriert.

Wissen Sie, wie man den Zustand Europas letztens auf einer EU-Simulation in Großbritannien beschrieben hat (siehe Spiegel)?

Die britische Vertreterin Leadsom, die im wirklichen Leben die einflussreiche „Fresh Start“-Gruppe in der Tory-Fraktion leitet, begann mit einer kritischen Bestandsaufnahme. Die EU sei „wie das Römische Reich in seinen letzten Tagen“, sagte sie.

Sie wissen es. Europa ist am Ende. Der Kapitalismus ist am Ende. Krieg regt sich auf unseren Straßen und zwischen den Staaten: alternativlos und bei klarem Bewusstsein taumeln wir dem Ende entgegen, welches uns – mit Zahlen gut belegbar – dicht bevorsteht.

Und was machen wir , der „Mittelstand“, die letzte handlungsfähige Gesellschaftsschicht angesichts der letzten Tage?

Wer rührt sich, außer um die Zeitung beiseite zu legen, den Fernseher abzuschalten – gefügig dem Befehl gehorchend, vertrauensvoll, heiter, verspielt und einfältig zu bleiben (wenn man nicht bereits zu den Versteckten, Besiegten und Verschämten gehört), während der ökonomische Terror im Zuge einer allgemeinen Umwandlung zugleich immer größer wird, unterbrochen nur von dem Geplapper, das zu heilen verspricht, was bereits tot ist?  (Forrester, a.a.O., Seite 204).

Wir spielen Spaß. Stecken den Kopf in den Sand (oder in den Fernseher, um noch mehr absorbieren zu können) und hoffen, dass der Schwarze Mann an uns vorüberzieht.

Damit er sieht, dass wir dazu gehören, steht auch ein SUV vor der Tür, wir zeigen die Bereitschaft, jederzeit unsere Mitmenschen in Lebensgefahr zu bringen, um nur der Armut zu entfliehen.

Die jedoch kommt so sicher wie der Weltkrieg, auch der geleaste Firmenwagen wird da keine Rettung bringen.

 

 

 

 

Wie die große transatlantische Freihandelszone den europäischen Mittelstand vernichtet

Freitag, 15.2.2013. Eifel. Wahnsinn, oder? Freuen Sie sich auch so, das sie dabei sein dürfen? Wobei? Nun - bei diesen historischen Zeiten. Wirklich Wahnsinn. Und man ist live dabei - live und in Farbe. Erstmal der Papstrücktritt am Rosenmontag: das war schon der  Hammer. Der letzte Papstrücktritt geschah, weil der Papst kein Latein konnte - ein verständlicher Grund. Der jetzige geschah, weil die Papst wie all die vielen anderen vor ihm schlichtweg zu alt war. Weil es galt, zu beweisen, das Gott nicht existiert, nichts Heiliges in dieser Welt existieren darf und menschliches Denken vor Nichts mehr halt macht, musste ein Papst es wagen mit der Tradition der heiligen Männer zu brechen und zu beweisen, das Papst sein ein ganz normaler Verwaltungsjob ist. Kein Wunder, das der nachher alle Gläubigen dazu aufrief, für ihn zu beten - so als ob er in schlimmster Not und ärgster Bedrohung wäre. Ist er vielleicht auch: immerhin hat er das kräftigste (und ehedem bewußt als solches geschafffenes) transzendentale Element einer Weltreligion vernichtet - und der Religion an sich damit den Todesstoß versetzt. Nun - ich bin kein Katholik, was soll mich das groß stören, wenn alle Welt jubelt. Ich nehme es zur Kenntnis wie die Tatsache, das nur zwei/drei Tage später eine weitere historische Sensation verkündet wurde, wegen der auch alle in Riesenjubel ausbrechen: die EU/US-Freihandelszone steht vor der Tür. Das bedeutet nichts weiter als die Vernichtung des europäischen Mittelstandes - aber auch das stört die Presse nicht, wenn sie ihre Triumphfanfaren auspackt, mit der sie alles bejubelt, was "Entscheider" hinter den Kulissen so alles aushecken.

Freitag, 15.2.2013. Eifel. Wahnsinn, oder? Freuen Sie sich auch so, das sie dabei sein dürfen? Wobei? Nun – bei diesen historischen Zeiten. Wirklich Wahnsinn. Und man ist live dabei – live und in Farbe. Erstmal der Papstrücktritt am Rosenmontag: das war schon der  Hammer. Der letzte Papstrücktritt geschah, weil der Papst kein Latein konnte – ein verständlicher Grund. Der jetzige geschah, weil die Papst wie all die vielen anderen vor ihm schlichtweg zu alt war. Weil es galt, zu beweisen, das Gott nicht existiert, nichts Heiliges in dieser Welt existieren darf und menschliches Denken vor Nichts mehr halt macht, musste ein Papst es wagen mit der Tradition der heiligen Männer zu brechen und zu beweisen, das Papst sein ein ganz normaler Verwaltungsjob ist. Kein Wunder, das der nachher alle Gläubigen dazu aufrief, für ihn zu beten – so als ob er in schlimmster Not und ärgster Bedrohung wäre. Ist er vielleicht auch: immerhin hat er das kräftigste (und ehedem bewußt als solches geschafffenes) transzendentale Element einer Weltreligion vernichtet – und der Religion an sich damit den Todesstoß versetzt. Nun – ich bin kein Katholik, was soll mich das groß stören, wenn alle Welt jubelt. Ich nehme es zur Kenntnis wie die Tatsache, das nur zwei/drei Tage später eine weitere historische Sensation verkündet wurde, wegen der auch alle in Riesenjubel ausbrechen: die EU/US-Freihandelszone steht vor der Tür. Das bedeutet nichts weiter als die Vernichtung des europäischen Mittelstandes – aber auch das stört die Presse nicht, wenn sie ihre Triumphfanfaren auspackt, mit der sie alles bejubelt, was „Entscheider“ hinter den Kulissen so alles aushecken.

Doch kommen wir erstmal zu den Freihandelszonen. Was die bringen, erfahren wir durch den Bundesanzeiger, der sich der Frage stellt, wie Freihandelsabkommen das US-Wachstum ankurbeln:

Denn FTA werden die folgenden Wirkungen zugeschrieben:

  • Erstens erhalten Unternehmen Zugang zu fremden Märkten und Konsumenten erhalten Zugang zu einer größeren Auswahl von Waren zu tendenziell niedrigeren Preisen, während ausländische Direktinvestitionen zunehmen (growing market access and investment).
  • Zweitens führen Billigimporte aus dem Ausland in den Importsektoren zu kurzfristig niedrigeren Löhnen im Inland aber auch zu einer Straffung und Modernisierung der Inlandsproduktion und zu Innovationen, die langfristig Inlandsjobs sichern.

Das hört sich ja gut an: alles wird billiger, moderner, straffer. Der österreichische Kurier bejubelt schon jetzt 50000 neue Arbeitsplätze, die Österreich mit Sicherheit durch die neue Freihandelszone erhalten wird, die deutsche Kanzlerin Merkel bedankt sich bei Obama, das er „von sich aus“ dieses Thema angebracht hatte (so als ob wir alle einfach schon lange sehnsüchtig darauf gewartet hätten, uns aber nie trauen würden, das mal zur Sprache zu bringen), Vertreter der deutschen Industrie jubeln schon über neue Milliardenumsätze (siehe Spiegel): es scheint, als würden Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen – dabei können wir eher damit rechnen, das diese christlichen Feiertage nach dem endgültigen Zusammenbruch der Weltreligionen ebenfalls dem neuen Gott „Markt“ geopfert werden.

Die Zeitschrift „Capital“ sieht geradezu schon eine „Wirtschaftsnato“ am Horizont aufziehen – mit deutlichen Vorteilen für den Verbraucher:

Sie können Produkte billiger einkaufen, verspricht beispielsweise der Verband der Automobilindustrie (VDA) – beispielsweise Autos. Auch andere Branchen können mit einer Kostensenkung rechnen. Ob sie den Vorteil an ihre Kunden weitergeben oder den eigenen Gewinn damit steigern, bleibt ihnen überlassen.

Oha – ein kleiner Nachteil. Ein winzigkleiner Haken, den kaum jemand bemerkt: es könnte ja sein, das die hauptsächlich caritativ orientierten Konzerne den finanziellen Vorteil einfach für sich selbst behalten, anstatt  ihn weiter zu geben. Zumindest die Staaten bekommen schon mal weniger:

Die Zölle zwischen den USA und den EU sind bereits niedrig. Sie liegen im Schnitt zwischen fünf und sieben Prozent, gibt der deutsche Außenhandelsverband BGA an. Da jedoch jährlich Waren im Wert von mehr als 500 Mrd. Euro über den Atlantik hin- und herbewegt werden, kann die Wirtschaft Milliarden sparen. Ein Beispiel: Europäische Chemieunternehmen haben 2010 für Exporte in die Vereinigten Staaten fast 700 Mio. Euro in die US-Staatskasse gezahlt. Umgekehrt führten die USA gut 1 Mrd. Euro nach Brüssel ab.

Die Wirtschaft kann Milliarden sparen – und der Verbraucher? Nun – auf den Verbraucher kommen möglicherweise ganz neue Risiken zu, siehe Süddeutsche:

Das Problem sind dabei nicht die restlichen Zölle von drei Prozent des Handelsvolumens, sondern die „Handelsschranken hinter der Grenze“, wie dies Experten formulieren. Dabei geht es um Industriestandards, Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften, Umweltnormen und das Verhältnis von Staat und Unternehmen: Haben deutsche Bauunternehmen die gleichen Chancen, einen Auftrag der Stadt Chicago zu bekommen, wie die amerikanische Konkurrenz? Wird das Urheberrecht in den USA genauso geschützt wie in der EU? Dürfen amerikanische Farmer ihre Produkte ungehindert in Europa verkaufen? Jede Liberalisierung greift tief in die nationale oder europäische Souveränität ein. Das löst Angst aus.

Haben deutsche Bauunternehmen die gleiche Chance auf Aufträge?

Natürlich nicht.

Ein Wunder, das diese Frage überhaupt gestellt, wird, denn die Antwort kennen wir schon seit einigen Monaten, siehe Handelsblatt:

Auch die Wirtschaft der USA profitiert von der Entwicklung. Denn die gesteigerte Produktion drückt die Energiepreise. Nach einer Studie des Beratungsunternehmens NUS Consulting zahlen industrielle Großverbraucher in den USA zwei Drittel weniger für Gas als in Deutschland, beim Strom liegt die Ersparnis bei 40 Prozent.

Die europäischen Wirtschaften sind absolut nicht konkurrenzfähig zur amerikanischen Wirtschaft, die den europäischen Markt dank „Fracking“ mit Billigprodukten jeder Art überschwemmen kann. Wäre ich Obama (oder die US-Konzernwirtschaft), dann käme ich auch genau jetzt auf die Idee, nach einer großen europäischen Freihandelszone zu rufen, die es mir erlaubt, meinen Wettbewerbsvorteil ungehindert auszuspielen und die lästige europäische Konkurrenz an die Wand zu drücken.

Wir brauchen über die Folgen einer Freihandelszone auch nicht spekulieren – Erfahrungen aus diesem Bereich liegen doch schon längst vor, siehe Öko-Fair:

Die mittelamerikanischen Regierungen schlossen zahlreiche Freihandelsabkommen, mit denen sie die Wirtschaft ankurbeln wollten. Solche Abkommen beinhalten ein Ungleichgewicht: Wenn zwei sehr verschieden starke Partner den schrankenlosen Handel miteinander vereinbaren, hat der stärkere und konkurrenzfähigere Partner gewöhnlich mehr davon als der schwächere. In einem ärmeren Land zerstört die „freie Fahrt“ für Güter jene Teile der einheimischen Wirtschaft, deren Produkte mehr kosten als die ausländischen Importe. So werden Kleinbauern Opfer des Freihandels, weil sie mit extrem subventionierten Farmbetrieben in zum Beispiel den USA nicht mithalten können. 

Das wäre dann das Ende der europäischen Agrarproduktion. Wahrscheinlich auch das Ende der deutschen Autoindustrie.

Natürlich haben wir einen unschlagbaren Vorteil: wir sind Niedriglohnland. Dank geballtem Einsatz von Gewerkschaften, SPD und Grünen ist es gelungen, aus Deutschland ein Dritte-Welt-Land zu machen: die Reallöhne in Deutschland sind seit dem Jahre 2000 nicht mehr gestiegen (siehe u.a. Süddeutsche). Ein großer Anreiz also für ausländische Investoren, ihre Hemden in Deutschland nähen zu lassen … und nebenbei ihre Vorstellungen von Sozialstaat zu exportieren: Hartz IV für  sechs Monate, danach gibt es nur noch Lebensmittelgutscheine, mit denen man genmanipulierte Produkte kaufen kann.

Ebenso bekommen die USA einen Zugriff auf die von den europäischen Staaten gut ausgebildeten Fachkräfte, die in den USA deutlich mehr verdienen können – man schaue sich einfach mal die Durschnittseinkommen nach Kaufkraftparität an, 2009 lag zum Beispiel (siehe Weltbank) Deutschland mit einem Durchschnittseinkommen von 38700 internationalen Dollar deutlich unter den 47020 Dollar, die für die USA angegeben werden.

Doch schauen wir uns einfach mal ein anderes Beispiel an: die Freihandelszone EU und Mexiko. Ja, die gibt es – seit 2000. Und hat das arme Mexiko davon profitiert?

Hören wir dazu mal den mexikanischen Soziologen Alberto Arroyo Picard, hier bei den Lateinamerikanachrichten:

Was ich bislang sagen kann ist, dass die Exporte von Mexiko nach Europa nicht zugenommen haben, umgekehrt aber die Importe von europäischen Gütern nach Mexiko sehr wohl gestiegen sind. Das Handelsbilanzdefizit von Mexiko hat sich vergrößert, es gibt also bislang nichts Positives zu berichten. 

Wegen der Rezession in den USA hätte man erwarten können, dass die Exporte von Mexiko nach Europa ansteigen. Das war aber nicht der Fall.

Auch bezüglich der nordamerikanischen Freihandelszone  NAFTA gibt es für Mexiko nichts Positives zu berichten:

Ziel des NAFTA sollte das Wachstum der mexikanische Wirtschaft sein und zwar vor allem durch den Export von Manufakturgütern und über die Zunahme von ausländischen Investitionen. Tatsächlich exportiert Mexiko auch mehr, vor allem in die USA. Es hat auch viele ausländische Investitionen gegeben. Aber das erwartete Wirtschaftswachstum ist nicht eingetreten. Es sind auch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen worden, eher im Gegenteil.

Warum eher das Gegenteil? Eigentlich logisch – aus der Sicht der Finanzindustrie:

Es geht in diesen Verträgen weniger um Handel als um Investitionen. Im Abkommen mit Europa spielt vor allem der Finanzsektor eine große Rolle. Insbesondere spanisches Kapital hat sich in die nationalen Banken eingekauft, mit der Konsequenz, dass es überhaupt keinen mexikanischen Finanzsektor mehr gibt. Alle Banken haben eine mehrheitlich ausländische Beteiligung, außer einer einzigen ganz kleinen und unbedeutenden Bank. Ähnliche Effekte gibt es auch in anderen Sektoren, wie dem Kommunikationssektor. Das Problem ist, dass die Investoren keine neuen Betriebe schaffen, sondern dass sie bereits bestehende aufkaufen und entnationalisieren.

Letztendlich produziert man nicht billiger und mehr, um die Versorgung der Bevölkerung sicher zu stellen, sondern man zieht lieber risikolose Gewinne aus der Vernichtung der entsprechenden Volkswirtschaft: freie Bahn den Heuschrecken.

Der gesamte europäische Wirtschaftsraum wird zur Ausschlachtung freigegeben, Firmen, die schon heute dank Niedriglohnsektor profitabel arbeiten, um die Transportkosten der Waren in die USA auszugleichen, arbeiten dann in Zukunft auch noch für ausschließlich us-amerikanische Eigentümer, damit die Profite auch dort landen, wo sie hingehören. Damit dies auch sicher gelingt, brauchen wir natürlich einen weiteren Abbau an sozialen Rechten, für den man dank des großen transatlantischen Traums genügend Argumente hat.

Die EU-Abgeordnete Erika Mann hat 2006 etwas über die Freihandelszone der EU mit Mexiko geschrieben, das man wohl auf die neue transatlantische Freihandelszone übertragen kann:

Doch die Direktinvestitionen europäischer und deutscher Unternehmen wurden erheblich gesteigert. So haben sich deutsche Exporte nach Mexiko von 3,1 Mrd. (1994) auf 6,2 Mrd. US$ (2003) verdoppelt.

Zudem kommt Mexiko seit dem Freihandelsabkommen geopolitisch eine doppelte Brückenfunktion zu – zwischen der Europäischen Union und den USA auf der einen sowie Lateinamerika auf der anderen Seite. Mexiko erhält durch eine größere Diversifizierung seiner politisch-wirtschaftlichen Beziehungen weitere Spielräume gegenüber dem großen Nachbarn USA und wird wirtschaftlich unabhängiger gegenüber Rezessionen in den USA. Die Europäische Union kann andererseits das Abkommen nutzen, dem US-Einfluss etwas entgegenzusetzen und für einen breiteren Eingang europäischer Produkte in die Länder Latein- und Nordamerikas zu sorgen.

Nicht das mit 15000 Euro Durchschnittseinkommen „billige“ Mexiko hatte mehr exportiert, sondern die mächtigen europäischen Konzerne haben sich einen neuen Markt erobert – mit entsprechenden Verlusten mexikanischer Produzenten. Und was macht dann dementsprechend die neue Freihandelszone zwischen den USA und der EU?

Sie wird für einen „breiteren Eingang amerikanischer Produkte in den Ländern Europas sorgen“.

Hören wir zu den Folgen dieser Abkommen nochmal den mexikanischen Soziologen:

Die Kritik bezieht sich auf das Modell des Freihandels selbst. Es ist keine punktuelle Kritik, sondern sie richtet sich gegen die gesamte Stoßrichtung dieser Verträge. Der Protest wächst in Lateinamerika weil die Verträge eine Politik in Gesetzesform gießen, die es in unseren Ländern schon sehr viel länger gibt. In Mexiko konkret seit zwanzig, in Chile zum Beispiel schon seit dreißig Jahren. 
Der Kern dieser Kritik ist, dass den großen Konzernen sehr weit gehende, so genannte Suprarechte eingeräumt und sie zudem noch mit den Instrumenten versehen werden, um diese Rechte effizient durchzusetzen. Währenddessen werden die Menschenrechte, insbesondere die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte, den Wirkungskräften des Marktes unterworfen und es gibt keine Möglichkeiten diese einzufordern.

Freihandelsbakommen als Freibriefe für Konzernstrategen?

Noch schlimmer – sie sind auch ein Todesstoß für die Demokratie:

Im Diskurs werden Freihandel und Demokratie sehr stark vermischt. Aber tatsächlich ist es so, dass in vielen Ländern die wichtigsten Entscheidungen für die Bürger trotz repräsentativer Demokratie überhaupt nicht mehr von den Repräsentationsinstanzen getroffen werden. Stattdessen sind die Entscheidungen auf die internationale Ebene ausgelagert, wo die Bürger unserer Länder eben überhaupt nicht mitbestimmen können. Daher würde ich eher davon sprechen, dass der Freihandel stark antidemokratische Tendenzen birgt, also zu weniger Demokratie führt.

In einem 2012 erschienen Buch von Danielle Holzinger wird die EU (nach einem Zitat von Hubert Zimmermann) noch als imperialistische Macht im Wettlauf mit konkurrierenden Wirtschaftszentren wie den USA angesehen.

Diese Konkurrenz wird nun an die Wand gespielt und somit ausgeschaltet.

Das gibt Obama ja auch offen zu. In seiner Rede an an amerikanischen Mittelstand beschreibt er die Ziele der transatlantischen Freihandelszone ganz offen, siehe Frankfurter Rundschau:

Helfen solle der Wirtschaft auch eine umfassende „Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft“ mit der Europäischen Union. „Denn Handel, der frei und fair über den Atlantik verläuft, unterstützt Millionen gut bezahlter amerikanischer Arbeitsplätze“, sagte der US-Präsident.

Die US-Mittelschicht soll ganz offen auf Kosten der europäischen (und deutschen) Mittelschicht gerettet werden – und dafür bedankt sich Kanzlerin Merkel ebenso offen.

Wachstumchancen für die deutsche Wirtschaft? Nun – nach Angaben der Frankfurter Rundschau äußerst gering:

Sogar der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, beziffert die Wachstumspotenziale als äußerst gering. Die deutschen Exporte, so der Experte, könnten durch ein solches Abkommen um ein Viertel-Prozentpunkt wachsen. Ein Viertel-Prozent Exportwachstum? Das geht im statistischen Rauschen unter und entspricht nach einer Faustformel einem Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 0,05 Prozent.

Trotzdem jubelt die deutsche politische Kaste samt Medien in höchsten Tönen.

Man fragt sich – für wen arbeiten die eigentlich?

Auch die Frage lässt sich leicht beantworten, immerhin sitzt gleich neben der Privatwohnung von Angela Merkel in Berlin ein Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, US-Interessen in Deutschland durchzusetzen, siehe Wikipedia:

Die Atlantik-Brücke e. V. wurde 1952 als private, überparteiliche und gemeinnützige Organisation mit dem Ziel gegründet, eine wirtschafts-, finanz-, bildungs- und militärpolitische Brücke zwischen der Siegermacht USA und der westdeutschen Bundesrepublik zu schlagen. Zu ihren Mitgliedern zählen heute über 500 führende Persönlichkeiten aus dem Bank- und Finanzwesen, der Wirtschaft, Politik, den Medien und der Wissenschaft.

Die Mitglieder haben auch ein klares Ziel:

„Die USA werden von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben.“ Arend Oetker, damaliger Vorstandsvorsitzender der Atlantik-Brücke in der Berliner Zeitung vom 17. April 2002. 

Einer der bekannten Atlantiker hat auch gleich praktisch demonstriert, wem seine Loyalität gehört:

Guttenberg geriet stark in die Kritik, weil er mit der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs zur Zwangsverwaltung maroder Banken die britische Wirtschaftsgroßkanzlei Linklaters beauftragt hatte, welche enge Geschäftsbeziehungen zu internationalen Großbanken, insbesondere Goldman Sachs, unterhält.

Zudem wurde der eigene Entwurf aus dem Bundeswirtschafts- bzw. Justizministerium ignoriert. Die weitgehende Übernahme des Linklaters-Entwurfs in das Gesetzgebungsverfahren wurde von heftiger Kritik begleitet.

Nun – der Fall Guttenberg wurde zu den Akten gelegt, der Transatlantiker selber kehrte Heim ins Reich – in die USA. Das schmälert aber nicht die Marktmacht der Transatlantiker, die gerade den größten Coup ihrer Geschichte durchführen und mit einem Schlag die lästige europäische Konkurrenz vernichten. Ein paar Namen von Transatlantikern? HIer, alles bei Wikipedia nachzulesen.

Angela Merkel (CDU), Helmut Schmidt (SPD), Sigmar Gabriel (SPD), Thomas de  Maziére (CDU), Alexander Dibelius (Goldman-Sachs Deutschland), Cem Özdemir (Grüne), die Freidemokraten Westerwelle, Lindner, Döring und Koch-Mehrin, Josef Ackermann (Vorstand Bundesverband der deutschen Banken), Josef Joffe (Hrsg. DIE ZEIT), Jürgen Großmann (RWE, Aufsichtsrat Deutsche Bahn, MTU, Volkswagen AG), Kai Dickmann (BILD), Roland Berger (HARTZ IV), Matthias Döpfner (SPRINGER AG), Jens Weidmann (BUNDESBANK), Arend Oettker (Dr. Arend Oetker Holding GmbH & Co. KG, , Mitglied Trilaterale Kommission, Präsident DGAP, INSM, Präsidium Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Vizepräsident BDI, American Jewish Committee) – um nur ein paar zu nennen.

Aber es reicht, um zu merken, woher die Jubelchöre ihre Stimmen beziehen.

Das wir hier den historischen Schritt zur Preisgabe der letzten Reste der sozialen Errungenschaften der europäischen Sozialgemeinschaften machen, bleibt deshalb erstmal unerwähnt. Aber, mal Hand aufs Herz: soviel ist ja auch wirklich nicht mehr abzubauen, oder? Und das die Bezugsdauer von Hartz IV wie in den USA auf 26 Wochen beschränkt gehört, wird sicher auch in Deutschland eine Mehrheit finden – jedenfalls bei den Atlantikern, der geheimen Filiale der US-Superklasse in Deutschland.

Wahrlich historische Zeiten. Wie dankbar müssen wir eigentlich sein, die Geburt des Neuen amerikanischen Jahrhunderts so hautnah miterleben zu dürfen und sie sogar durch unsere Ersparnisse unterstützen zu können? In breiter Front erleben wir, wie die Widersacher dieses Jahrhunderts einer nach dem anderen fallen – Irak, Afghanistan, Lybien, das Papsttum (das mit seinem Widerstand gegen Bevölkerungskontrolle in Entwicklungsländern amerikanische Geostrategen nahezu in den Wahnsinn getrieben hatte) und jetzt auch noch der deutsche Mittelstand, der seit dreizehn Jahren auf Wohlstand verzichtet, um sich der neuen Weltordnung als würdig zu erweisen.

Eintausend Milliarden Dollar will die FED in diesem Jahr neu drucken (siehe Wiwo, das in diesem Zusammenhang von einem Währungskrieg der Industrienationen spicht) – und diese an sich wertlosen Dollar werden sich durch die Freihandelszone problemlos in echte Werte verwandeln lassen.

Aber das ist ja der Vorteil einer FTA: ausländische Direktinvestitionen werden zu nehmen.

Und Deutschland bekommt mexikanische Verhältnisse – nur wesentlich schneller, als man bisher hätte annehmen können.

 

 

 

 

Wie Wirtschaftskiller den Mittelstand vernichten … und was wir dagegen tun können

Dienstag, 6.11.2012. Eifel. Heute wird in den USA gewählt, habe ich gehört. Der Sieger steht von vornherein fest: das ganz große Geld. Wir wissen das schon längst. Wir haben nämlich alle John Perkins gelesen - Bekenntnisse eines Economic hit man. Sicherlich eins der wichtigsten Bücher, das Bürger eines demokratischen Rechtsstaates schon in der Schule lesen sollten, damit sie wissen, auf welche Welt sie treffen (zitiert nach let´s make money, einem Film, der jährlich zu Weihnachten in allen Klassen der Oberstufe aufgeführt werden sollte):

Dienstag, 6.11.2012. Eifel. Heute wird in den USA gewählt, habe ich gehört. Der Sieger steht von vornherein fest: das ganz große Geld. Wir wissen das schon längst. Wir haben nämlich alle John Perkins gelesen – Bekenntnisse eines Economic hit man. Sicherlich eins der wichtigsten Bücher, das Bürger eines demokratischen Rechtsstaates schon in der Schule lesen sollten, damit sie wissen, auf welche Welt sie treffen (zitiert nach let´s make money, einem Film, der jährlich zu Weihnachten in allen Klassen der Oberstufe aufgeführt werden sollte):

Die Spezies der Economic Hit Men (Wirtschaftskiller) ist ein Produkt unserer Zeit, in der Kriege gegen andere Länder mehr oder weniger ersetzt wurden durch den Wirtschaftsimperialismus von Großkonzernen. Sie sind hoch intelligente, hoch bezahlte Profis, die weltweit Länder um Zigmilliarden betrügen. Sie schleusen Weltbank-, Regierungsgelder und ‚Entwicklungskredite’ in die Taschen einiger Großkonzerne und reicher Familien, die über die natürlichen Ressourcen verfügen. Zu ihrem Instrumentarium gehören gezinkte Wirtschafts- und Finanzprognosen, Wahlmanipulationen, Schmiergelder, Erpressung, Sex und Morde. Sie treiben ein Spiel, das so alt ist wie Macht und Herrschaft; doch im Zeitalter der Globalisierung hat es eine neue und bedrohliche Dimension angenommen.

Sie treiben jenes Spiel, von dem wir nichts wissen dürfen, obwohl es uns doch betrifft. Sie sind das Öl im Getriebe der globalisierten Welt, sie sind die Terroristen, Selbstmordattentäter und Bombenleger der Sieger, sie dirigieren Politik, wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Prozesse. Solange sie unterwegs sind, sind unsere Wahlen nur eine Farce. Sie sind auch der Grund, weshalb die Welt der Mächtigen vor „Verschwörungstheorien“ so eine panische Angst hat – würde man sie nicht zum TABU erklären, so würden emsige Forscher in allen Wirtschaftsangelegenheiten sowie jeglichen politischen Strömungen ihre Spuren erkennen … und man würde feststellen, das hinter den Fassaden von „Demokratie“ Entscheidungen getroffen werden, die alternativlos sind.

Ein Beispiel dazu?

Gern.

Aktuell lauert die Finanzwelt wieder auf einen ganz großen Coup, siehe Handelsblatt. Warren Buffet hat 47,8 Milliarden Dollar eingesammelt: Geld, das die Reichen zuviel haben. Sie haben es deshalb zuviel, weil der Staat die Banken mit billigstem Geld überschüttet hat, das diese wieder zu außerordentlich günstigen Konditionen an ihre besten Freunde ausgeliehen haben. Warrens Aufgabe ist es jetzt, diese billige Geld jemand anderem aufzudrücken – und zwar zu Spitzenpreisen. Dafür kauft er Aktien (was nicht ganz so der Bringer ist) oder … ein ganzes Unternehmen. Diesmal ein ganz Großes.

Hat er das Unternehmen dann gekauft, muss dieses ganz schnell Gewinn abwerfen. Das macht man am Besten durch Massenentlassungen, in den USA geht das seit den 90´er Jahren so. Nichts kann die Bilanzen schneller glänzen lassen als ein kräftiger Schlag mit der Entlassungsaxt. Das würde natürlich den Staat stören … wenn nicht die Economic Hit Man dafür gesorgt hätten, das der Widerstand im Keim erstickt wird. Das geht gut mit Geld. Die politische Kaste ist inzwischen darauf gedrillt, das sie beständig von viel Geld umflossen wird. Wer sich zum Beispiel gefragt hat, wie denn der Gauck seinen Lebensunterhalt finanziert, der erfährt aktuell, das der auch – wie der Kanzlerkandidat der SPD – 25000 Euro von den Bochumer Stadtwerken bekommen hat (siehe Spiegel). Wenn die Wirtschaftskiller das Geld nicht selber mitbringen, so bringen sie eben Ideen, wie man es von der Masse wiederbekommen kann: Preiserhöhungen bei Strom (siehe Welt) oder KFZ-Versicherungen (ebenfalls Welt) sichern den stetigen Strom des Bakschisch, um die politische Kaste regelmäßig mit kleinen Zuckerchen versorgen zu können.

Die braucht man nämlich, diese Kaste, denn das System der Geldmultiplizierung hat einen Haken: man hat zwar auf der einen Seite enorme Gewinne … aber in den Betrieben fehlen die Leute, die die Arbeit machen. Gut, oft kann man den ganzen Laden dicht machen und die Produktion ins Ausland verlagern, aber wenn man den Stempel „Wertarbeit“ haben möchte, dann belässt man die Kirche lieber im Dorf – und übergibt den Job den Wirtschaftskillern, denn die haben Mittel und Möglichkeiten, entsprechende Lösungen durchzudrücken.

Die Lösung des Problems war einfach: damit die deregulierten Kapitalmärkte sich wie ein Orkan durch die Realwirtschaft fräsen konnten, brauchte man einfach nur Menschen, die möglichst umsonst die Arbeit der Entlassenen machen: die Idee der Leiharbeit war geboren, die von ihren Schöpfern noch heute gefeiert wird, weil die Hälfte der Leiharbeiter nach zwei Jahren einen festen Job gefunden hat – oft allerdings bei einer kleinen Firma (siehe Handelsblatt). Der Haken: zwei Jahre lang arbeiten die deutlich billiger – was kein Politiker gut finden dürfte, denn: die zahlen dann auch viel weniger in die Versicherungen ein. Aber dafür gibt es ja diese obszön hohen Honorare für Vorträge.

So macht Warren Buffet mit Geld des amerikanischen Steuerzahlers Geld auf Kosten des deutschen Steuerzahlers, der letztlich für all die Zahlungsausfälle durch Leiharbeit aufkommen muss.

Toller Trick, oder? Hätte wir Bürger auch solche Wirtschaftskiller – wir hätten Ruckzuck unseren Sozialstaat wieder und könnten unsere Demokratie retten, jene Demokratie, die – wie Carl Amery in einem Brief an Horst Köhler schrieb – inzwischen nur noch die Musik bestimmt, die beim Untergang der Titanic gespielt wird.

Schauen wir doch zurück nach Amerika, dem Mutterland der Demokratie und der Lokomotive der Weltwirtschaft, jenem Land, das sich gerade mit 5,8 Milliarden Dollar den teuersten Wahlkampf aller Zeiten geleistet hat (siehe Welt). Hier fallen immer mehr Leute immer schneller aus der Mittelschicht in die Unterschicht (siehe Spiegel), nach Selbsteinschätzung der Bürger waren es 2008 noch 25 %, die sich zur Unterschicht zählten, während es 2012 schon 33 % sind – mit Spitzenwerten von 39 % bei den Jugendlichen.

Die Welt sieht heute „schockierende Zahlen“, nach denen Amerika auf „Dritte Welt -Niveau“ sinkt. Sie zitiert dazu den Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, der 99 % der Amerikaner in der Sklaverei sieht:

Die Zahlen, die Stiglitz anführt, sind schockierend. Einem Prozent der Amerikaner gehört mehr als ein Drittel des nationalen Gesamtvermögens. Das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe betrug 2007 nach Steuern 1,3 Millionen, das der unteren 20 Prozent 17.800 Dollar. Die obersten 0,1 Prozent der Amerikaner streichen alle anderthalb Tage soviel ein, wie die unteren 90 Prozent in einem Jahr verdienen.

Allein die sechs Erben des Wal-Mart-Supermarkt-Imperiums verfügen über ein Vermögen von 69,7 Milliarden Dollar; das entspricht dem Gesamtvermögen der unteren 30 Prozent. Bei dem reichsten Hundertstel kamen in den Boom-Jahren vor der Krise 65 Prozent des Zuwachses beim Volkseinkommen an; seit der Krise 93 Prozent. Während diejenigen, die sich für die Mittelschicht hielten, in der Großen Rezession ihre Häuser und ihre Ersparnisse verloren, geht es den Leuten, die für die Misswirtschaft verantwortlich waren, blendend.

Liest man den Artikel weiter,  erfährt man, das Stiglitz die gezielte und absichtliche Vernichtung aller Marktgesetze anprangert. Wenn man sich nun fragt, wie das nur bewerkstelligt wurde, so braucht man nur John Perkins lesen: die Antwort steht dort in großen Lettern.

Wer nun glaubt, wir in Europa sind da ja noch sicher, der vergisst, wie groß der Einfluss der Wirtschaftskiller auch hier ist: die Agenda 2010 ist letztlich ihr Werk, das nötig war, um auch auf deutsche Steuergelder in steigendem Ausmaß zugreifen zu können – die Hauptakteure sind ja auch entsprechend belohnt worden.  Aktuell dreht sich das Sozialabbaukarussel weiter, diesmal mit Frankreich als Kampfziel – auch dort sollen Lohnnebenkosten drastisch gesenkt werden (siehe Spiegel). Wir kennen dieses Lied schon, es wurde auch hier gesungen, das Ergebnis war Leiharbeit und Einnahmeeinbußen für die Krankenversicherung, die Rentenversicherung, die Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Welche Folgen das für die Menschen vor Ort hat, erwähnt heute die Welt:

Die Fakten sind erschreckend: Fast eine Viertelmillion Demenzkranker wird in Deutschland mit Psychopharmaka ruhiggestellt, um den überlasteten Pflegern weniger Arbeit zu verursachen; gut zahlende Heimbewohner werden zu Zehntausenden an die Betten gefesselt oder leiden Hunger und Durst; das Wundliegen wird zur Volkskrankheit.

Darüber kann auch nur ein Günther Jauch lächeln, weniger gut Betuchten fällt auf, dass das das Schicksal der „gut zahlenden“ Patienten ist: gefesselt und mit Drogen vollgepumpt hungrig und durstig in der eigenen Scheiße zu liegen – Hauptsache, die Rendite stimmt. Kann sich jemand vorstellen, was geschieht, wenn sich die Pflegefälle in Zukunft vervielfachen? Und was geschieht mit jenen, die weniger zahlen können?

Wir steuern hier auf Zustände zu, die uns den Tod durch wilde Tiere im Alter als äußerst begrüßenswert erscheinen lassen – und klugen Ratschluss göttlicher Weisheit. Ich denke, die Mehrheit der so gefolterten Alten wäre dankbar, wenn ein Rudel Wölfe ihrer erbärmlichen Qual ein schnelles Ende bereiten würde – oder wenn man sie einfach nach alter Indianerart im Schnee aussetzen würde – das alles ist weniger schmerzhaft als bei lebendigem Leibe von den eigenen Ausscheidungen verdaut  und langsam wegen Hunger und Durst wahnsinnig zu werden.

Bedenkt man, das 99 % der bundesdeutschen Bevölkerung dieses Schicksal droht, weil irgendwann JEDER zum Pflegefall wird, dann sieht man, das wir auf eine Zukunft zusteuern, die dem Holocaust das Wasser reichen kann – aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen. Sogar der deutsche Bundestag und die Regierung arbeiten aktiv an dieser Entwicklung mit, in dem sogar sie die Rentenkasse durch Einsatz von Scheinselbständigen um die sowieso schon viel zu geringen Einnahmen betrügen (siehe Spiegel) oder durch Schönrechnerei von Privatisierungen den Staat entreichern (ebenfalls Spiegel).

Wir machen hier in Deutschland inzwischen die gleichen Erfahrungen wie andere Dritte-Welt-Länder: wo die Wirtschaftskiller aktiv sind, zerfällt die soziale Ordnung im großen Stil, Ethik, Moral und normaler menschlicher Anstand verschwinden aufgrund neuer „Anreizsysteme“ in der Bedeutungslosigkeit. Andererseits erreichen diese Killer richtige Wunder: so entsteht gerade im politisch geächteten Nordkorea das höchste Hotel der Welt, bezahlt von einer ägyptischen Telefonfirma, geleitet von der deutschen Kempinskigruppe, gedacht für chinesische Gäste (siehe Handelsblatt). Deutlicher kann man wohl nicht klar machen, wie bedeutungslos politische Mächte in unserer Zeit geworden sind – und das sie wirklich nur noch die Begleitmusik zum Untergang der Titanic stellen.

Welche Konsequenzen hat nun John Perkins selbst aus den Erkenntnissen seiner jahrelangen Tätigkeit gezogen? Er gründete die Organisation Dream Change, die nichts anderes im Sinne hat als die Erde zu retten, in dem sie die Menschen zu einem neuen globalen und individuellen Bewußtsein anleitet – inspiriert durch schamanische und indianische Kulturen. Seine Liste der „wakeful Organisiations“ zeigt eine große Bandbreite von „alternativen“ gesellschaftlichen Projekten und eine große Sympathie für schamanische Weltbilder.

Wer nun denkt, das dieser Wirtschaftskiller nun vollständig den Verstand verloren hat, hat nicht weit genug gedacht. Wer eine Bewußtseinsänderung will, braucht eine stabile Basis, die noch nicht von den perfekten in sich geschlossenen Weltbildern der Korporatokratie erreicht wurde und die bewiesen hat, das sie nachhaltig und harmonisch mit ihre Umwelt leben kann, um auch zukünftigen Generationen das Überleben zu sichern … und der eigenen qualvollen Vernichtung durch hochpreisige Altenheime zu entgehen.

Der Freiheitskampf, der John Perkins vorschwebt, der neue Unabhängigkeitskrieg, wie er ihn in seinem Werk „Weltmacht ohne Skrupel“ nennt, muss sich sehr radikal mit den Werten dieser Gesellschaft auseinandersetzen – und hier hat sich schon immer die Religion als gedanklicher Gegenpol zu den Mächten der Welt angeboten. Leider haben die westlichen Kirchen hier versagt, in dem sie den Neoliberalismus in ihren Reihen dankbar empfangen haben (mit enormen Gehaltszuwächsen bei den Kirchenoberen) – dabei wäre „liebe Deinen Nächsten“ schon eine hinreichenden Botschaft, um das Leben der menschlichen Gemeinschaft kooperativer, sozialer und umweltverträglicher zu gestalten. In Zeiten, in denen dem heiligstem Ort der Christenheit – der Grabeskirche in Jerusalem – die Schließung wegen unbezahlter Wasserrechnungen droht (siehe Spiegel), darf man wohl zurecht davon ausgehen, das die christlichen Kirchen andere Werte vertreten als die, die in ihren Lehren verbreitet werden.

Konsequent setzt Perkins nicht nur auf politische Hoffnungen, was bei seinen Erfahrungen kein Wunder ist: immerhin ist JEDER Politiker durch Wirtschaftskiller erreichbar – und wie oft haben wir uns schon über die Tatsache gewundert, wie bewußtseinsverändernd die Mitgliedschaft im Parlament sein kann.

Wenn Sie versucht sind, einkaufen zu gehen, um den Stress abzubauen, sollten Sie lieber laufen gehen, meditieren, lesen oder eine andere Beschäftigung finden“ – so einer von vielen Ratschlägen des John Perkins (aus: Weltmacht ohne Skrupel, Seite 302). „Fahren Sie ein kleineres Auto, ziehen Sie in ein kleineres Haus, reduzieren Sie ihre Garderobe und allen materiellen Besitz„, empfiehlt er weiter als Ergebnis eines Bewußtseinswandels, der sowieso zwanghaft auf die meisten von uns zukommen wird, wenn in Deutschland die „Sparmaßnahmen“ so um sich greifen wie im übrigen Europa … jenem Europa, das inzwischen im Fokus der Wirtschaftskiller angekommen ist und leibhaftig erfährt, wie einem plötzlich die Souveränität über das eigene Leben aus der Hand genommen wird.

Andererseits – ist die Hinwendung zum Schamanismus vielleicht auch einfach der Erkenntnis geschuldet, das angesichts der Macht, Skrupellosigkeit, der kriminellen Energie und der organisatorischen Perfektion der Wirtschaftskiller nur noch beten hilft.

Wer die Erfahrungen von John Perkins visuell erleben möchte: die gibt es jetzt auch als Film (siehe 3sat).

Wer nun allerdings glaubt, das alles sei ein bedauerlicher Einzelfall, der mit der bundesdeutschen Wirklichkeit überhaupt nichts zu tun hat, der ist gut beraten, sich einmal gründlich mit der Arbeitsweise und den Auswirkungen von „Unternehmensberatungen“ zu beschäftigen, die unsere Leben in  Deutschland gründlicher umgebaut haben als jede Wirtschaftskrise … und auch in Altenheimen den Pflegetakt mit der Stoppuhr vorgaben.

Und was wir von Indianern lernen können?

Nun – die sind so organisiert, das drei Stunden Erwerbsarbeit pro Tag ihre Ernährung sicher stellen – ganz ohne Maschinen. Wäre das nicht ein Ziel, für das man streiten kann – auch dann, wenn man vor den Konsequenzen für unser Alter die Augen erfolgreich verschließt?

 

 

 

 

 

 

 

Eilmeldung – frisch erkannt: wie das System – schon wieder – den deutschen Mittelstand vernichtet!

10.11.2011. Eifel. Wieder einmal etwas dazugelernt:  ich sollte keine Dokumentationen über die NS-Zeit schauen. So allgemein Nazis verdammen, das geht ja ganz gut, das haben wir gelernt, ist ja schon ein sprachlicher Reflex: versenkt man sich aber gedanklich in den Alltag jener Zeit, dann wird einem Angst und Bange, weil man merkt: der NS-Staat gilt zwar als "böse", weil er Juden statt Moslems in Massen vernichtete (während wir als "Nato" als "gut" gelten, weil wir Moslems statt Juden in Massen vernichten), aber seine Methoden, seine Werte, seine Ordnung, seine Prinzipien sind durchaus gesellschaftsfähig. Dort, wo der NS-Staat das Überleben der "reinen arischen Rasse" als höchsten Wert ansiedelte, haben wir uns die ständig steigende materielle Überversorgung unserer "Leistungsträger" als Ziel gesetzt - mit ähnlichen Folgen für jene, die andere Werte leben. Zwangsarbeit durch Arbeitssklaven - für uns schon längst Alltag, Stichworte sind hier "Hartz IV" und "Leiharbeit". Neue Juden? Als Moslems, Arbeitslose, "Parasiten" schon längst auf dem Schirm - aktuell ist es der Rentner, der ins Visier kommt, weil für die Leistungsträger beim Arbeitslosen kaum noch etwas abzukassieren ist, es sei denn, man setzt die bürgerliche Maske mal wieder für einen Moment ab und lässt ihn auf der Straße verhungern: er wird "Staatsfeind Nummer 1", weil er der größte Klimakiller der Welt ist - mit Abstand. Konkrete Maßnahmen werden in dem Artikel noch nicht gefordert, aber man merkt sich die Täter schon mal.

10.11.2011. Eifel. Wieder einmal etwas dazugelernt:  ich sollte keine Dokumentationen über die NS-Zeit schauen. So allgemein Nazis verdammen, das geht ja ganz gut, das haben wir gelernt, ist ja schon ein sprachlicher Reflex: versenkt man sich aber gedanklich in den Alltag jener Zeit, dann wird einem Angst und Bange, weil man merkt: der NS-Staat gilt zwar als „böse“, weil er Juden statt Moslems in Massen vernichtete (während wir als „Nato“ als „gut“ gelten, weil wir Moslems statt Juden in Massen vernichten), aber seine Methoden, seine Werte, seine Ordnung, seine Prinzipien sind durchaus gesellschaftsfähig. Dort, wo der NS-Staat das Überleben der „reinen arischen Rasse“ als höchsten Wert ansiedelte, haben wir uns die ständig steigende materielle Überversorgung unserer „Leistungsträger“ als Ziel gesetzt – mit ähnlichen Folgen für jene, die andere Werte leben. Zwangsarbeit durch Arbeitssklaven – für uns schon längst Alltag, Stichworte sind hier „Hartz IV“ und „Leiharbeit“. Neue Juden? Als Moslems, Arbeitslose, „Parasiten“ schon längst auf dem Schirm – aktuell ist es der Rentner, der ins Visier kommt, weil für die Leistungsträger beim Arbeitslosen kaum noch etwas abzukassieren ist, es sei denn, man setzt die bürgerliche Maske mal wieder für einen Moment ab und lässt ihn auf der Straße verhungern: der Rentner wird „Staatsfeind Nummer 1“, weil er der größte Klimakiller der Welt ist – mit Abstand. Konkrete Maßnahmen werden in dem Artikel noch nicht gefordert, aber man merkt sich die Täter schon mal.

Auch dem Ausland geht es wieder wie früher: ein übermächtiges Deutschland voller Elitedeutscher fällt über den Kontinent her, besetzt europaweit Immobilien und Strände. Wir machen uns gerade wieder sehr beliebt in Europa … und können uns dagegen nicht wehren.  Wie auch? Dank amerikanischer Konzerngelder und der fleissigen Wühlarbeit deutscher Konzerne gegen die Weimarer Republik konnte ein Österreicher sich hier ganz im Sinne der Selbstverwirklichung mal voll ausleben – die Folgen sind bekannt: es gab Lampenschirme aus Menschenhaut in der einst führenden Zivilisation der westlichen Welt. Ja – das waren wir einmal: Musik, Philosophie, Psychologie, Technik, Filmkunst – und nebenbei waren wir noch die „Apotheke der Welt“. Würde man sich heute aber zu Deutschland als Wert bekennen wollen, merkte man schnell: das geht nicht mehr: der „Führer“ hat dieses Land ins völlige Abseits geführt – und der Rest der Welt sorgt dafür, das Restdeutschland da nie mehr wieder herauskommt.

Das ist ja vielleicht auch gut so, solange man sich nicht ganz sicher ist, das „Faschismus“ nicht wirklich ein rein deutsche Eigenart ist. Folgt man dem Investmentbanker Hörhan, so ist – laut Welt – hier jedoch nichts mehr zu befürchten:

Nein, die heutige Jugend ist der ziemlich dekadente historische Sonderfall einer jungen Generation, die den Alten lieber hinten reinkriecht, als zu revoltieren. Für das System ist diese Lethargie natürlich sehr kommod.

Das „System“ reagiert ja auch schon entsprechend:

Es gibt natürlich ein paar fleißige junge Leute, übrigens vor allem unter den Migranten. Von denen haben viele noch richtig Hunger und Biss. Mehrere meiner Bekannten mit eigenem Unternehmen sortieren Bewerber ohne Migrationshintergrund gleich aus.

Würden seine Bekannten Juden oder Moslems aussortieren – der Aufschrei wäre riesig. Mit deutschen Bewerbern geht das. Dabei hätte man gerne andere Deutsche:

Mit harter Arbeit, Disziplin, Sparsamkeit und einem eigenen Unternehmen lassen sich verkrustete Strukturen überwinden.

Zäh wie Leder, Flink wie ein Windhund – das hatten wir schon mal.

 „[…] der deutsche Junge der Zukunft muß schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Wir müssen einen neuen Menschen erziehen, auf daß unser Volk nicht an den Degenerationserscheinungen der Zeit zugrunde geht.

Da wollte auch jemand eine Jugend mit „Hunger“ und „Biss“. Adolf Hitler hieß er – der Rest ist Geschichte, die sich jetzt wohl wiederholen soll. Ist das dann eigentlich der wirkliche Grund für die Mär vom Fachkräftemangel, der nur durch Einwanderung bewältigt werden kann: die Züchtung einer neuen Hunger- und Beiß-Elite?

Politisch gesehen werden die Forderungen nach einem „starken Mann“ wieder aktuell, nochmal Hörhan:

Die EU müsste dort einen Restrukturierungskommissar hineinschicken, so jemanden wie den US-Großinvestor Warren Buffett. Er könnte die heiligen Kühe schlachten und alles wieder auf Vordermann bringen.

Hörhan ist Österreicher. Wieso eigentlich immer Österreicher meinen, sie müssten erst der deutschen Jugend und dann dem Rest der Welt zeigen, wo es langgeht, erschließt sich mir nicht – dafür bin ich zu wenig Völkerkundler. Als Deutscher fände ich es aber gut, wenn die sich mal bei Briten, Franzosen oder Russen um Führungspositionen bewerben, wir finden immer noch Bomben vom letzten „Führer“ im Land.

Sicher ist es auch nur ein Zufall, das dieser Mensch Investmentbanker ist – aber man kann seine klare Sprache schätzen: „Ihr strampelt, wir werden reich!“

Gerald Hörhan ist Investmentbanker und geht auf Heavy-Metal-Festivals. Er ist reich. Und er tut Dinge, „von denen ihr nur träumt“, sagt er. Mit „ihr“ meint er die Mittelschicht. Jene, die schuften, während die Reichen immer reicher werden, sagt Hörhan. „Es wird wenige geben, die viel haben. Und es wird immer mehr Menschen geben, die nichts haben.“

Das globale ökonomische System war nie für eine Mittelschicht ausgelegt. Die Mittelschicht der vergangenen Jahrzehnte ist nur durch den Krieg zustande gekommen. Aber jetzt bricht sie auf, und mit jeder Wirtschaftskrise bleibt der Mittelschicht weniger übrig. Besonders nach dieser Finanzkrise. Die Reichen mehren ihr Vermögen schon lange wieder. Banker kassieren schon wieder üppige Boni. Und die Mittelschicht wird währenddessen mehrfach abgezockt.

Das System besteht aus den Staaten, den globalen Konzernen und den Medien. Es gaukelt vor, dass Schulden normal sind: „Lebe jetzt, spare irgendwann.“ 

Das geht auch noch deutlicher:

Weil sich das System nicht kontrollieren lässt. Es ist eine komplexe, globale und unübersichtliche Krake, die mit den kleinen Rädchen macht, was sie will. Das wird mit jeder Krise deutlicher werden. Der Staat hat keine Chance: Erhöht er die Steuern, verlagern die Reichen ihr Vermögen einfach in ein anderes Land. Das System ist seit Menschengedenken dasselbe – ob die Akteure nun Herren und Sklaven, Adelige und Bauern oder eben Kapitaleigner und Arbeitnehmer sind.

Wie gut, das wir aus der Geschichte gelernt haben. Jedenfalls wir Deutschen. Wir haben deshalb eine Verfassung – und wir waren die Ursache für die Einrichtung der Allgemeinen Menschenrechte. Man hatte gelernt, das man der politischen/wirtschaftlichen Entwicklung Grenzen setzen muss – und setzen kann, das sich die Zivilgesellschaft gegen bissige Hunde verteidigen muss – zur Not mit Waffengewalt.

Haben wir aber verstanden, das der „Nationalsozialismus“ auch das Ergebnis des „Systems“ war – und das „das System“ ihn jederzeit wieder aufleben lassen kann? Das der Herr Hörhan Recht hat mit seiner Einschätzung der Zukunft der bürgerlichen Gesellschaft?

Andere sehen es doch genauso, siehe Handelsblatt:

Eine Treibjagd auf unsere Wirtschaftsordnung ist in Gang gekommen. Als Anführer der Jagdgesellschaft tritt der Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher, auf. Die moralischen Übereinkünfte der Nachkriegszeit seien im Namen einer höheren, einer finanzökonomischen Vernunft zerstört worden, schreibt er. Die Reaktion der Finanzmärkte und der politischen Eliten auf das angekündigte Referendum des griechischen Ministerpräsidenten seien „das Schauspiel einer Degeneration“, weil die Demokratie sich Ratingagenturen und Finanzmarktinvestoren untergeordnet habe. „Demokratie ist Ramsch“, so sein Diktum.

Wenn Demokratie Ramsch ist, nimmt man dem Mittelstand die Waffen aus der Hand und legt ihm Handschellen an. Es kommt aber noch besser – im gleichen Artikel werden ganz öffentlich die Verschwörungen gegen den Mittelstand aufgedeckt:

Der Gebe-Politiker und die „giergesteuerten Netzwerke“ (Peter Sloterdijk) der Banken bilden eine Art Geheimloge, deren Raffinesse darin besteht, dass man Hand in Hand arbeitet, ohne dass die Hände sich jemals berühren. Öffentlich bespottet, verachtet und bekämpft man einander, so dass niemand und schon gar nicht die Beteiligten selbst auf die Idee kämen, sie würden gemeinsame Sache machen.

„Das System“ ist also vielen bekannt. Seine Auswirkungen sind im Detail tagtäglich zu bemerken – schon längst ist der Tanz um den „Arbeitsplatz“ zu einem Kult verkommen, der durch staatlichen Befehl gepflegt wird – es erinnert an den Cargo-Kult:

Die Kultausübenden nahmen an, die Ausländer verfügten über einen besonderen Kontakt zu den Ahnen, die ihnen als die einzigen Wesen mit der Macht erschienen, solche Reichtümer auszuschütten. Indem sie die Ausländer nachahmten, hofften sie, auch ihnen möge ein solcher Brückenschlag gelingen. In einer Art der sympathetischen Magie bauten sie zum Beispiel lebensgroße Flugzeugmodelle aus Stroh oder schufen Anlagen, die den militärischen Landebahnen nachempfunden waren, in der Hoffnung, neue Flugzeuge anzuziehen.

Auch wir glauben noch – ganz im magischen Denken versunken – das wir durch tägliches Aufsuchen des Arbeitsplatzes trotz aller gegenteiliger Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zu Wohlstand und Reichtum kommen, während die „Geheimloge“ des „Systems“ sich vor Lachen über uns kaum noch halten kann.

Schon längst sind wir zu zombiehaften Marionetten verkommen, die teilnahmslos durchs Leben wandern, während das Leben selbst sinnlos aus uns herausrinnt und wir immer weiter in Armut versinken. Nur dieser Blödheit ist es zu verdanken, das das „System“ weiter läuft – und dabei die Grundlage jeglichen sinnvollen produktiven Wirtschaftens zerstört, nochmal Handelsblatt:

Jene bildungsfernen Schichten in den Handelssälen der Investmentbanken, die außer Hörweite des Sozialen ihren Geschäften nachgehen, werden gleichgesetzt mit dem Unternehmer, der forscht, herstellt und verkauft, der sich um seine Mitarbeiter kümmert, als seien sie Teil der eigenen Familie. 

Wohlstand, Demokratie, Bildung, Sicherheit, Glück werden beständig demontiert zugunsten eines Systems bissiger Hunde, die mit List und Tücke die Schwächen das Systems für sich ausnutzen:

Der alte Zusammenhang, dass sich Geld in einer Art chemischen Reaktion durch den Zusatz von „Arbeit“ und „Rohstoff“ in eine Ware verwandelt, bevor diese ihren Mehrwert in einem Grande Finale wieder in Geld ausdrückt, sollte verkürzt werden. Die Geldindustrie versuchte, Geld aus Geld zu schöpfen, und hat damit der Marktwirtschaft den bisher empfindlichsten Schlag versetzt.

Es ist eine Zeit, in der Linke, Rechte und die Mitte, Bürgerliche und Revolutionäre, Progressive und Konservative zusammenarbeiten müssten zur Rettung des Marktplatzes vor den Räubern …. stattdessen bekämpfen sie sich gegeneinander – ausser bei der Papstkritik.  Währenddessen wird Deutschland zum Mittelpunkt krimineller Aktivitäten, die deshalb „geil“ sind, weil sie Geld bringen, siehe Handelsblatt:

Nach Schätzungen einer Spezialagentur der Dachorganisation der wichtigsten Industrieländer OECD boomt deshalb die Schattenwirtschaft gerade in Deutschland. Sie wird von der OECD auf ein Volumen von 500 Milliarden Euro taxiert, der kriminell erwirtschaftete Gewinn auf jährlich 43 bis 57 Milliarden Euro. Weltweit geht es laut einem Bericht des Büros für Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen (UN) um mehr als eine Billion gewaschenes Geld.

Weiß man, wie das enden wird?

Natürlich. Gehört man nicht zu den „bildungsfernen Schichten“ der Mathematiker und Naturwissenschaftler in den Börsensälen, so kann man sich leicht ausrechnen, das erst wieder die Uniformen kommen werden – und dann die Lager … zum Beispiel für Rentner, die – je nach Sichtweise – die neuen Klimajuden oder Klimanazis werden.

Dagegen wehren können wir uns nicht – Politik und Medien sind unter vollständiger Kontrolle des „Systems“, die Konzerne sorgen dafür, das sie ausreichend mit Geld versorgt werden – oder glaubt jemand, es wurde per Los oder Ziehung von Lottozahlen entschieden, das Schauspieler, Musiker und Fussballspieler die bestbezahltesten Menschen auf der Welt sind?

Schon mal überlegt, wo das Geld dafür herkommt?

Alles Beute aus der aktuellen Ausplünderung des Mittelstandes.

Schon mal überlegt, welche Zivilisation auf einer einsamen Insel entstehen würde, wenn man dort nur Schauspieler, Musiker, Fussballspieler und Investmentbanker aussetzen würde … und wie lange die mit ihren Fähigkeiten dort überleben würden?

Deutschland hat zu wenig nationale Identität, um sich gegen die Entwicklung wehren zu können. Vielleicht war die Vernichtung dieser nationalen Identität der stärksten Nation Europas auch schon im Plan des Systems zur Vernichtung des europäischen Mittelstandes enthalten, einer Nation, die nun schon wieder Werkzeug zu ihrer eigenen Vernichtung (und zu der ihrer Nachbarn) wird.

Also – wiederholt sich gerade die Geschichte.

Man kann es aber auch positiv sehen: wir kriegen nochmal eine Chance, die Ära der Bücher- und Menschenverbrennung aufzuhalten.

Wäre doch unglaublich toll, wenn wir das mal hinkriegen würden, oder?

Geht auch diesmal ganz leicht: einfach konsequent und alternativlos auf die Einhaltung der sozialen Menschenrechte im Euroraum pochen, das ist Verfassungskonform, erlaubt und entspricht – weitgehend – geltendem Recht. Ausserdem … dürfen wir dann vielleicht auch unser Erspartes behalten, solange wir noch welches haben.

Solange wir uns aber gefallen lassen, das die Früchte des deutschen Idealismus als „Sozialromantik“ verbrämt werden, werden wir keine Chance haben, genügend Menschen zu versammeln, um den Prozess aufhalten zu können – und solange wir uns gegen ein bedingungslose Grundeinkommen wehren, werden wir keine Chance haben, der geplanten Verarmung zu entkommen … jedenfalls: die meisten von uns. Jene, die am System verdienen, werden das anders sehen.

Aber das ist verständlich.

 

 

 

 

 

 

 

Eilmeldung! Deutscher Mittelstand bis 2020 abgebaut – Widerstand zwecklos!

Montag, 17.10.2011. Eifel. Der Tag nach den weltweiten Protesten gegen die Bankster. Was hat sich alles geändert - nach den Protesten. Wie wichtig war es einfach mal auf die Straße zu gehen und zu zeigen, das man sowas von total dagegen ist, das das ganze Establishment vor Angst erzittert. Wahrscheinlich loben deshalb alle Politiker schon jetzt die Protestbewegung - jedenfalls bis heute, denn heute hat der Spiegel erstmal Fakten genannt: 99% der 99% blieben weltweit zu Hause. Nach dreissig Jahren Privatfernsehen und Neoliberalismus hätte man eigentlich auch nichts anderes erwarten können. Die wenigsten Bürger verstehen doch noch die Zusammenhänge internationaler Wirtschaft und Politik - und in Zeiten, wo jeder, der den Pressesprechern von Politik und Wirtschaft nicht vollstes Vertrauen entgegenbringt, als stinkender, geistig kranker, asozialer terrorverdächtiger Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt wird ist es sowieso nicht ratsam, öffentlich eine eigene Meinung zu haben.  Wieso denn auch? Die Eliten werden schon wissen, was sie tun. Das wissen sie auch: abräumen im großen Stil. Das Handelsblatt liefert nun Details dazu:

Montag, 17.10.2011. Eifel. Der Tag nach den weltweiten Protesten gegen die Bankster. Was hat sich alles geändert – nach den Protesten. Wie wichtig war es einfach mal auf die Straße zu gehen und zu zeigen, das man sowas von total dagegen ist, das das ganze Establishment vor Angst erzittert. Wahrscheinlich loben deshalb alle Politiker schon jetzt die Protestbewegung – jedenfalls bis heute, denn heute hat der Spiegel erstmal Fakten genannt: 99% der 99% blieben weltweit zu Hause. Nach dreissig Jahren Privatfernsehen und Neoliberalismus hätte man eigentlich auch nichts anderes erwarten können. Die wenigsten Bürger verstehen doch noch die Zusammenhänge internationaler Wirtschaft und Politik – und in Zeiten, wo jeder, der den Pressesprechern von Politik und Wirtschaft nicht vollstes Vertrauen entgegenbringt, als stinkender, geistig kranker, asozialer terrorverdächtiger Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt wird ist es sowieso nicht ratsam, öffentlich eine eigene Meinung zu haben.  Wieso denn auch? Die Eliten werden schon wissen, was sie tun. Das wissen sie auch: abräumen im großen Stil. Das Handelsblatt liefert nun Details dazu:

Die Reichen werden reicher und es wird mehr von ihnen geben: Laut einer Studie über Dollar-Millionäre von Deloitte LLP wird deren Zahl allein in den Industriestaaten bis 2020 um zwei Drittel auf 55,5 Millionen steigen. In den Schwellenländern wie China, Brasilien oder Indien werde sie sich auf zehn Millionen verdoppeln. Handelsblatt Online zeigt die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung zeigt die für 25 Staaten, darunter auch Deutschland. 

Ein Anstieg der Reichen um zwei Drittel – was meint ihr wohl, was das für euren Geldbeutel bedeuten wird? Autobahnmaut, Gardinensteuer, Spritpreis bei fünf Euro den Liter (für grüne Politiker mit Dienstwagen das Paradies), Butter bei drei Euro, Kilo Äpfel bei zehn. Mal die Zahlen für Deutschland anschauen? Hier, bitte schön, wir stehen auf Platz drei des internationalen Millionärsrankings:

2011: 3.485.000 Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 5,14 Billionen US-Dollar

2020: 5.789.000 Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 10,94 Billionen US-Dollar

Das heist: die Nichtmillionäre dieses Landes müssen innerhalb von neun Jahren 5,8 BILLIONEN DOLLAR aufbringen, um die Vergrößerung der Luxusarbeitslosenkaste finanzieren zu können. Das ist die logische Folge eines Geldkreislaufes als geschlossenes System: will ich eine Überversorgung in einem Bereich, bekomme ich Unterversorgung in anderen Gebieten.

Wenn wir fünftausendachthundert Millarden Dollar in neun Jahren aufbringen müssen, um die deutsche Millionärszüchtung voranzubringen, heist das für jeden von uns: in neun Jahren ist ein Beitrag von 72500 Euro zu entrichten, macht 8055 Euro pro Jahr und 22 Euro pro Tag. Auf den Tag umgerechnet … geht es ja sogar. An manchen Tagen könnte sogar ich meinen Beitrag bezahlen, Hartz-IV-Kinder mit 2,67 Euro pro Tag für Essen wären da schlechter dran: die müssten Schulden machen.

Machen sie ja auch – einfach mal die aktuelle Staatsverschuldung anschauen … die korrespondiert weltweit ganz gut mit dem Millionärsanteil der Bevölkerung. Da Millionäre ja nicht mehr arbeiten brauchen, sind diese Kinder schon jetzt zu lebenslanger Finanzknechtschaft verurteilt.

Man stelle sich mal vor, wir würden die Geldverteilung anders organisieren. Immerhin: ein Bürgergeld von 671 Euro ZUSÄTZLICH ZU ALLEN GERADE BEZOGENEN LEISTUNGEN – ob nun Rente, Arbeitslosengeld, Kindergeld, Gehalt oder Alimente wäre locker finanzierbar. „Grundeinkommen ist unfinanzierbar“ ist eine zynische Lüge, die wir uns ab heute niemals mehr anhören müssen.

Oder man stelle sich vor, alle Millionäre würden einmalig 50 % ihres Vermögens zur Tilgung der Staatsschulden beitragen. Wäre ja auch nur vernünftig, denn ohne dieses Systems könnten sie diese großen Haufen nicht auftürmen. Wir wären sofort schuldenfrei und hätten sogar noch 500 Milliarden übrig. Kein Kind in Deutschland bräuchte mehr hungern.

Sorgen wir dafür, das der Anstieg in den nächsten Jahren nicht auf Privatkonten landet, könnten wir einer Familie mit zwei Kindern ein Grundgehalt von 2684 Euro bezahlen – zusätzlich zu allen anderen Leistungen. Arbeitslosigkeit, Armut und Prekariat wären Themen von vorgestern.

Warum das nicht geschehen wird? Nun … 40000 Menschen haben gestern bundesweit demonstriert. Denen stehen knapp 3,5 Beutemillionäre gegenüber, die das System ganz Klasse finden, weitere 2,2 Millionen sehen sich bald in Millionärskreisen angekommen. Schätzungsweise weitere zehn Millionen Menschen hängen indirekt an diesen Vermögen – als Journalisten, Friseure, Autohändler, Inneneinrichter, Architekten.

Kein Wunder, das in der Welt ein Journalist und Architekt ein „Ende der Trillerpfeifendemokratie“ fordert oder ein Joachim Gauck die Antikapitalismusdebatte unsäglich albern findet: beide verdienen sehr gut an dem System. Wovon ein Joachim Gauck eigentlich seit dem Jahre 2000 seine Anzüge bezahlt, bleibt fraglich. Wir wollen mal nicht davon ausgehen, das er schon mit 60 in Rente gegangen ist, während man vom Standardbürger verlangt, das er bis 67 knechtet.  Immerhin – man kann ihn … wenn man Geld hat … als Redner mieten, bei der gleichen Agentur wie Lothar De Maiziere, Heiner Geissler, Norbert Blüm, Lothar Späth:

Ob Kunden- oder Mitarbeiterevent, Festveranstaltung, Kongress, Messe, Workshop, die intime Runde eines Kamingesprächs oder unterhaltsame Vorträge als Dinner speech – mit der langjährigen Erfahrung unser Referenten-Agentur unterstützen wir Sie bei der Wahl des richtigen Redners.

So sind Intimkontakte der reichen und mächtigen Menschen dieses Landes untereinander beständig möglich – vorausgesetzt, die Kasse stimmt. Deshalb – überzeugt mich die Kritik des Herrn Gauck nicht so richtig, aber ich gehe davon aus, das 15 Millionen Menschen in diesem Land das System ganz Klasse finden. Die werden jetzt den Gauck öfter mieten – und auch alle anderen, die in das gleiche Horn stoßen. Bedenkt man, das dieser monetäre Mob auch die Macht über Einstellungen, Gutachten, Gehaltserhöhungen, Arbeitsplatzabbau, Wochenarbeitszeit, Programmgestaltung, redaktionelle Arbeit in Zeitungen sowie über die Gestaltung von Steuern und Gesetze hat, wird klar, wie armselig das Häuflein von 40 000 ist, die am Samstag ihre Stimme gegen das System erhoben haben.

Das ist mal wieder: David gegen Goliath.

Auf jeden einzelnen Demonstranten in Deutschland kommen über 80 Millionäre – plus 240 Lakaien.

Wird jetzt klar, warum wir anderen bis 70 arbeiten müssen … und eine breite Front von Millionen von Millionären dies ganz Klasse findet und es mit viel medialer Wucht im Lande verbreiten kann?

Blicken wir nach Amerika, wird die Misere noch deutlicher, nochmal Handelsblatt:

2011: 10.541.000 Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 38,6 Billionen US-Dollar

2020: 20.551.000 Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 87,11 Billionen US-Dollar

Hier verdoppelt sich die Anzahl der Millionäre, während ihr Vermögen noch schneller wächst.

Bereits jetzt gehören den US-Reichen 42 Prozent des weltweit von Millionären besessenen Vermögens – der mit Abstand höchste Wert.

Jetzt sieht man vielleicht, warum die „deutsch-amerikanische Freundschaft“ so bedeutsam ist. Wir liegen auf Platz drei im Millionärsranking, Japan auf Platz 2, die USA auf Platz 1.

Und weil all das Geld für Millionäre irgendwo herkommen muss, hat diese Entwicklung schreckliche Folgen für viele viele Millionen Menschen, siehe Spiegel:

Der Wohlstand der Amerikaner sinkt dramatisch. Laut einer Gallup-Umfrage haben 19 Prozent kein Geld für ausreichend Nahrung. Brisant ist der Vergleich mit China – hier beklagen dies nur 6 Prozent. Auch andere Armutsindikatoren zeigen: Den US-Bürgern geht es immer schlechter, den Chinesen immer besser.

72500 Euro muss jeder deutsche Bürger zwecks Millionärszüchtung bis 2020 aufbringen. Man kann sich also selbst leicht ausrechnen, wo man 2020 finanziell steht. Was man nicht vergessen darf: die Hartz-Abhängigen haben ihr Vermögen schon jetzt aufgebraucht, sie und ihre Kinder (knapp 6 Millionen Menschen) werden sich am Millionärslotto nicht mehr beteiligen können, weshalb auf die anderen noch mehr Kosten zukommen.

Das dürfte dann das Ende für den deutschen Mittelstand bedeuten. Laut Spiegel merkt der das schon jetzt:

Deutsche Arbeitnehmer gehen immer häufiger wegen seelischer Krankheiten in Frührente  – nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung sind Depressionen und Angststörungen der Hauptgrund für ein unfreiwilliges frühes Ausscheiden aus dem Beruf. Viele trifft das Leiden bereits vor dem 50. Lebensjahr. 

Solche Erscheinungen sind kein Wunder. Wir rasen mit großer Geschwindigkeit auf einen Riesenabgrund zu, weil das System der Geldverteilung zugunsten einiger weniger auf Kosten vieler zu einer 20/80 Gesellschaft führt, von 20% unheimlich viel haben, 80 % dafür gar nichts.

Der Motor dieser Entwicklung – der Bankenclan – kann deshalb auch ganz öffentlich die Politik vor einer Kriegserklärung warnen, eine Warnung, die sich z.B. der Spiegel ganz offen anschliesst:

Geldhäuser zerschlagen, Zocker hart bestrafen: In seltener Eintracht knöpft sich die Politik die Finanzindustrie vor, selbst die FDP scheint sich mit der weltweiten Anti-Banken-Bewegung zu solidarisieren. Der Staat will so Stärke signalisieren, doch der neue Kurs ist populistisch – und riskant.

Natürlich ist das riskant. Unter den zwanzig deutschen Topverdienern 2009 beziehen allein acht ihr Geld direkt von der Deutschen Bank, siehe Statista.

Die bestbezahlten Berufe in Deutschland?

2007 waren es laut Wiwo Anwalt in einer Wirtschaftskanzlei, Unternehmensberater, Fondmanager und Investmentbanker.  Alles „Täterjobs“. Die Weltwirtschaft in den Abgrund zu führen, wird sehr gut bezahlt.

Dafür ist Geld da.

Das die ständig steigenden Ansprüche der Finanzjongleure bezüglich Luxusversorgung im Halbgottbereich sich mit normalem Wirtschaften auf Dauer nicht mehr vereinbaren lassen, merken noch viel zu wenig Menschen – und mit welcher kriminellen Energie die Spitzen der Bewegung vorgehen, merkt man jetzt gerade wieder an den Umtrieben des Barons August von Finck junior – der Mövenpickfink, der diese unsägliche Steuersenkung für Hotels durch Parteispenden vorfinanziert hatte und an der Vernichtung von Karstadt beteiligt war, siehe Wikipedia

August von Finck junior hielt auch Anteile an einem Fonds-Konsortium, dessen überhöhte Mietforderungen der Warenhauskonzern Arcandor AG nicht mehr bedienen konnte und daher am 9. Juni 2009 Insolvenz anmelden musste.

Das „die Anleger“ bei diesem System allen Grund zum Juben haben, dürfte verständlich sein. Das Geld vermehrt sich wie von selbst … durch die vollständige Auslöschung des deutschen Mittelstandes.

 

 

 

 

 

Die alternativlose Vernichtung des deutschen Mittelstandes zur Rettung der Bankerboni

Vielleicht geht es ja nur mir so: manchmal spaziere ich morgens durch die Welt der Nachrichten - und bleibe völlig fassungslos vor gewissen Formulierungen stehen. Mir fehlen die Worte. Heute war mal wieder so ein Tag - ich zitiere das Ereignis mal aus dem Spiegel:

Die neuen Kompetenzen des Euro-Rettungsschirms sind noch nicht von allen nationalen Parlamenten abgesegnet, doch schon gibt es Forderungen, das Aufgabengebiet des EFSF weiter auszudehnen. Die europäische Bankenaufsicht EBA spricht sich laut "Financial Times Deutschland" dafür aus, dass der Rettungsschirm fortan direkt Geld an Banken geben darf, um sie vor dem Zusammenbruch zu retten. Das schreibt EBA-Chef Andrea Enria in einem Brandbrief an die europäischen Finanz- und Wirtschaftsminister, aus dem die Zeitung zitiert.

Vielleicht geht es ja nur mir so: manchmal spaziere ich morgens durch die Welt der Nachrichten – und bleibe völlig fassungslos vor gewissen Formulierungen stehen. Mir fehlen die Worte. Heute war mal wieder so ein Tag – ich zitiere das Ereignis mal aus dem Spiegel:

Die neuen Kompetenzen des Euro-Rettungsschirms sind noch nicht von allen nationalen Parlamenten abgesegnet, doch schon gibt es Forderungen, das Aufgabengebiet des EFSF weiter auszudehnen. Die europäische Bankenaufsicht EBA spricht sich laut „Financial Times Deutschland“ dafür aus, dass der Rettungsschirm fortan direkt Geld an Banken geben darf, um sie vor dem Zusammenbruch zu retten. Das schreibt EBA-Chef Andrea Enria in einem Brandbrief an die europäischen Finanz- und Wirtschaftsminister, aus dem die Zeitung zitiert.

Man glaubt auf den ersten Blick nicht, das die Meldung wahr ist. Soviel unverfrorene Gier, soviel Verantwortungslosigkeit, soviel Rücksichtslosigkeit – das erinnert an Erscheinungen, die zu Beginn der Krise der westlichen Finanzwirtschaft zu beobachten waren – hier bei N 24 zitiert:

Wie die flämische Zeitung «De Morgen» am Samstag berichtete, lud die franko-belgische Dexia-Bank mehr als 200 Gäste zu einem festlichen Bankett in die teuerste Herberge von Monte Carlo, das «Hotel de Paris», ein. Am Tag darauf habe die Fortis-Bank, die ebenfalls in großen Schwierigkeiten ist, ihrerseits eine Reihe von Gästen im Drei-Sterne-Lokal des Hotels, dem Gourmet-Tempel «Louis XV», bewirten lassen.

Ich habe mich mal umgeschaut in diesem Hotel. Die preiswertesten Zimmer kosten 440 Euro pro Nacht – Frühstück kostet extra, versteht sich – der arbeitslose Steuerzahler muss mit dem Geld anderthalb Monate auskommen, das Kind eines Arbeitslosen muss davon 167 Tage lang sein Essen bezahlen. Verhältnisse wie kurz vor dem Sturz der Monarchie in Frankreich.

Ich war dann auch mal – virtuell – in dem besagten Restaurant. Abendmahl – Wein nicht inbegriffen – kostet 210 Euro. Man versteht auf einmal, warum Banken solchen Geldhunger haben, bei den Preisen wird einem schnell schwindelig. Es ist die völlige ethische Verwahrlosung, die einem angesichts dieses drastisch demonstrierten Mangels an Mitgefühl, an Verantwortungsbereitschaft für die westliche Wertegemeinschaft sowie an Ignoranz der möglichen negativen Auswirkungen der Lustbarkeiten Angst machen sollte: hier demonstrieren der neuen Herren der Welt ihre absolute Macht, ein neuer Lustbarkeitsadel demonstriert seine Unangreifbarkeit. Nur aus dieser Geisteshaltung ist es zu verstehen, das man nun den Rettungsschirm der europäischen Volkswirtschaften zur Absicherung eigener Hochrisikogeschäfte absichern will – so kann jede Dumpfbacke erfolgreich sein: entweder man macht Gewinne aus dem Geschäft selbst, oder man zieht die Gewinne eben aus dem Rettungsfond. Das ist Straßenräubermentalität: entweder Du gibst mir Dein Geld, oder ich erschiesse Dich und nehme es mir selber – Du hast die freie Wahl.

Ethisch gesehen befinden sich Banken im Vergleich zu Volkswirtschaften mitlerweile auf dem Niveau von Kannibalen:

Ein 21 Jahre alter Koch soll in Russland einen Mann getötet, dessen Fleisch zu Bouletten und Wurst verarbeitet und gegessen haben. Der mutmaßliche Kannibale sei in Murmansk im Norden Russlands festgenommen worden, teilte die örtliche Ermittlungsbehörde im Internet mit.

Das haben die Banken mit uns allen vor – nichts anderes geschieht im Prinzip in den Nobelhotels: damit dort geprasst werden kann, müssen in Europa Kinder in Armut groß werden … ein System, das via Deutschland jetzt den Rest des Kontinents beglücken soll.

Dieses System hat genug Sprengkraft, die gesamte europäische Wirtschaft in den Abgrund zu stürzen. Hören wir dazu Konrad Hummler im Handelsblatt:

Wir erleben die Demaskierung eines Geldsystems, das den Pfad der Tugend längst verlassen hat. Geld sollte Spiegelbild des realen Lebens sein, es soll den Austausch von Waren oder die Wertaufbewahrung erleichtern. Ich fürchte, wir sind in eine Situation hineingeraten, in der Geld nur noch eine verselbständigte Entität ist, losgelöst von den realen Gegebenheiten.

Herr Hummler ist Chef der ältesten Schweizer Privatbank – somit wahrscheinlich kein „linker Spinner“.

Damit haben sie ihr wichtigstes Gut verspielt: Glaubwürdigkeit. Unser Geld basiert allein darauf. Wenn nicht mehr geglaubt werden kann, dass für einen Geldschein oder für ein Kontoguthaben oder für den Gegenwert einer Staatsobligation morgen, übermorgen oder in einem Jahr ein Kilo Brot, eine Arztrechnung oder ein Haus bezahlt werden können, dann ist das Geld wertlos. 

Das hört sich nun nicht so an, als dürfte man als Bürger die Entwicklung einfach so tatenlos hinnehmen. Das hört sich so an, als würde uns eine gallopierende Inflation drohen, weil die Geldwirtschaft ein dubioses, die gesamten europäischen Volkswirtschaften in die Vernichtung treibendes Eigenleben führen, um mit ihrem Personal teure Luxusevents durchführen zu können.

Wer nun aber glaubt, die Politik würde ihren Job gut machen und uns vor dieser Vernichtung bewahren, der irrt. Hören wir nochmal Herrn Hummler:

Ausgerechnet von denjenigen, die das Geldsystem unterhöhlen, den Politikern und Notenbankern, erwartet man die Stärkung oder Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit. Das ist aberwitzig. Die Politik schiebt die Probleme auf, verschleiert sie und überwälzt sie auf ein Publikum, das sich kaum wehren kann.

Man merkt langsam, das Merkels Geburtstagsessen für Ackermann schreckliche Dimensionen annimmt – hier mal aus dem Fokus:

Ackermann hatte in einem Fernsehinterview von einem Angebot von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berichtet, etwa 30 Freunde ins Bundeskanzleramt einzuladen. Am Mittwoch muss die Bundesregierung den Haushaltsausschuss über die Kosten des Abendessens informieren. Die Deutsche Bank verweigerte laut „Report Mainz“ eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Das Bundeskanzleramt habe nicht reagiert.

Das sind schon „ganz besondere“ Lebensstile, die dort gepflegt werden. Dürfen auch mal Krankenschwestern, Bauern, Altenpfleger, Industriemonteure oder Erzieherinnen ihren Geburtstag mit der Kanzlerin feiern?

Kaum vorstellbar. Allein die Fahrtkosten würden viele von ihnen finanziell überfordern – zumal man aktuell ja auch den neuesten Fehlgriff der Bundesregierung laut Spiegel mitfinanzieren darf:

Die Politik wollte E10 mit Macht durchdrücken, doch die Bürger traten in den Kaufstreik. Nun wird die vorgeschriebene Quote wohl verfehlt, die Ölkonzerne müssen Strafe zahlen – und holen sich das Geld bei den Autofahrern wieder. Die müssen mit Preisaufschlägen von zwei bis drei Cent pro Liter rechnen.

So einfach wird man reich: man muss nur Schlüsselpositionen in Versorgungsunternehmen besetzen – schon wird man reich … und vorbildlicher Leistungsträger.

Den Preis für das Versagen von Wirtschaft und Politik zahlen ja andere.

Nun wenden sich ja auch Stimmen aus den Wirtschaftsredaktionen gegen die Pläne, aus der EU einen Selbstbedienungsladen für Großversagerbanken zu machen und postulieren wie das Handelsblatt, das Bankenrettung keine EU-Aufgabe werden sollte, sondern eine nationale Aufgabe. Das wäre auch genau meine Meinung – und aus gegebenem Anlass möchte ich auch darauf hinweisen, das es für Pleitebanken schon ein Rettungsprogramm gibt:

Hartz IV. 

Man müsste auch den Lebensstandard nicht ganz so weit herunterschrauben, immerhin stellt der Staat jenen, die er nicht zum Geburtstagsessen ins Kanzleramt einlädt, 7,16 Euro für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen zur Verfügung. Spart der Pleitebanker diesen Betrag über siebeneinhalb Jahre an, so kann er sich eine Übernachtung (ohne Frühstück)  samt Abendessen (ohne Wein) im oben genannten Luxustempel leisten und sich nochmal einen Abend lang wir Gott persönlich fühlen.

Ich habe aber Grund zur Annahme, das dieser Vorschlag nicht angenommen werden wird, stattdessen wird es Lösungen geben, die kostenintensiv für den Bürger aber risikofrei für den Leistungsträger sind: Adel verpflichtet, das kennt man ja – der neue Finanzadel macht da keine Ausnahmen.

Was auf uns Bürger wartet, erläutert uns das Managermagazin in zwei Artikeln.

Steigt Deutschland aus dem Euro aus (oder zerbricht die ganze Union am Boni-Durst der Bankmanager), kriegen wir Zustände, die beängstigend sind:

Der Berliner Ökonom Michael Burda erklärte in der „Welt am Sonntag“ sogar, das würde „den deutschen Mittelstand mit einem Schlag auslöschen“.

Also brauchen wir die Fiskalunion, sonst droht dem Mittelstand die Auslöschung. Kriegen wir jedoch die Fiskalunion, sieht es nicht besser aus:

Kritiker dagegen befürchten, Deutschland könne bei einem solchen Vorhaben nur verlieren. Beispielsweise würde die bundesdeutsche Spitzenbonität am internationalen Finanzmarkt verwässert, das Rating gerate in Gefahr, die Zinslast im Bundesetat drohe zu steigen. „Wenn die Politiker an ihrem Plan A festhalten, steht am Ende dieses Wegs eine Transferunion, in der jedes Land für die Schulden aller Länder verantwortlich ist“, sagte etwa Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel dem manager magazin. „Wohin ein solches System führt, wissen wir aus dem deutschen Länderfinanzausgleich: zu organisierter Verantwortungslosigkeit.“ Die Wettbewerbsfähigkeit der ganzen Euro-Zone würde leiden, glaubt Henkel. „Der Wohlstand würde abnehmen, dafür wäre er dann innerhalb der Euro-Zone umverteilt.“

Das heißt … wir haben die Wahl zwischen einer schnellen Vernichtung des deutschen Mittelstands oder seinem langsamen Ausbluten.

Wird es nun verständlich, warum ich an dem Kannibalenartikel hängen geblieben bin?

Wird es verständlich, warum ich zur Sprachlosigkeit neige?

 

 

 

 

Armut in Deutschland, die willkürliche Vernichtung des Mittelstandes und seine neuen Götter

Gestern musste ich etwas Zeit im Wartezimmer verbringen - und habe dabei einige Ausgaben des "Stern" gelesen. Geht ja schnell, steht ja eigentlich nichts drin - ausser den Kolumnen von Hans Ulrich Joerges. In einer - es war, glaube ich, jene mit dem Titel "Glaubt nichts! Zweifelt!" schreibt er über jenes Gefühl, das uns alle beschleicht: das Gefühl des drohenden Endes. Ich dachte nur: "Hoppla! Der Mann könnte Blogger sein!".  Jene neue Form des Journalismus, der sich als Bürgernotwehr gegen etablierte Medien gebildet hat, die mit Gewalt ihre rosarote Tittenbrille jedem Menschen zum Zwecke der Leistungssteigerung aufsetzen wollen, bis ... ja bis letztlich die Rechnung kommt. Wir hier draußen merken das recht deutlich ... an den Gemeindefinanzen, die einfach nur noch "katastrophal" zu nennen sind. Bei der Verteilung der Ressourcen fallen wir auch ständig hinten ´runter ... und bekommen jetzt nochmal ein paar Millionen Euro weniger.

Gestern musste ich etwas Zeit im Wartezimmer verbringen – und habe dabei einige Ausgaben des „Stern“ gelesen. Geht ja schnell, steht ja eigentlich nichts drin – ausser den Kolumnen von Hans Ulrich Joerges. In einer – es war, glaube ich, jene mit dem Titel „Glaubt nichts! Zweifelt!“ schreibt er über jenes Gefühl, das uns alle beschleicht: das Gefühl des drohenden Endes. Ich dachte nur: „Hoppla! Der Mann könnte Blogger sein!“.  Jene neue Form des Journalismus, der sich als Bürgernotwehr gegen etablierte Medien gebildet hat, die mit Gewalt ihre rosarote Tittenbrille jedem Menschen zum Zwecke der Leistungssteigerung aufsetzen wollen, bis … ja bis letztlich die Rechnung kommt. Wir hier draußen merken das recht deutlich … an den Gemeindefinanzen, die einfach nur noch „katastrophal“ zu nennen sind. Bei der Verteilung der Ressourcen fallen wir auch ständig hinten ´runter … und bekommen jetzt nochmal ein paar Millionen Euro weniger.

Wer zahlt das? Nun, die, die noch was haben. Hier kommen wir jetzt in Situationen, wo sich die Arbeitslosen entspannt zurücklehnen können: die drastische Erhöhung der Wassergebühren wird bei ihnen vom Amt übernommen (sofern sie angemessen ist, nehme ich mal an).  Die anderen jedoch … trifft es hart, ganz vorne die Witwen mit der kleinen Rente, die im selbstgenutzten Wohnraum wohnen und jeden Tag mit Angst zum Briefkasten gehen: wer in Deutschland Eigentum geschaffen hat, wird bestraft – nicht nur im Falle der Arbeitslosigkeit. Wohneigentum entwickelt sich zu einer Falle im Alter, die finanzpolitisch ausgeschlachtet wird: bei jeder Straßensanierung wird der Anlieger finanziell mit herangezogen: für Witwen mit kleiner Rente das Aus. Sie wollen dann nur noch sterben. Fünfzig Jahre am Haus gewerkelt, und dann vom Gesetzgeber finanziell an die Wand gepresst … da bleibt kein großer Lebenswille übrig.

Momentan noch redet sich die Regierung die UN-Kritik schön, die eigentlich für jeden tagesaktuell gebildeten deutschen Politiker nicht neu sein sollte. Schon im Februar 2010 meldete der Spiegel: die Zahl der Armen in Deutschland wachse rasant, die Bundeszentrale für politische Bildung bestätigt den Trend schon zuvor:

Im Jahr 2008 waren in Deutschland 15,5 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet (2005: 12,7 Prozent).Zehn Jahre zuvor waren es noch 9,1 %.

Armutsfaktoren sind Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung oder … Kinder, „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ führte nur bei 8,5 % der überschuldeten Haushalte in die finanzielle Katastrophe, d.h. die handelsübliche Beschimpfung der Armen als „selber schuld“ trifft hier nur eine kleine Minderheit, bei 91,5 % griff die Regel: „Arm durch das System“ – also Armut per Gesetz oder politischem Willen. Wie das praktisch aussieht, berichtet der Stern aktuell in einem Extra über Armut: spendet eine gute Seele für ein hartz-abhängiges Kind, wird umgehend der Regelsatz gekürzt und der Staat steckt sich die Spende in die eigenen Tasche. Ähnlich verfahren auch Diktatoren in Entwicklungsländern mit Entwicklungshilfe – und aus der Perspektive heraus versteht man vielleicht auch die Kritik der UN besser: hier geht es um ein menschenfeindliches Prinzip, das die – oft selbst auf Entwicklungsländern stammenden – hochkarätigen Fachleute auch dann erkennen, wenn es im Armani-Anzug daherkommt.

Sozialstaat heißt Sozialstaat, weil er ein Bündnis von Menschen gegen die Unbillen des Lebens darstellt. Alter, Krankheit, Tod von Angehörigen, Kinderversorgung: alles Lebensrisiken, die in frühen dörflichen Gemeinschaften den Einzelnen bedrohten und mit noch soviel Fleiß nicht aufgehalten werden konnten. So entstanden die ersten Sozialkassen. Mit der Vernichtung der dörflichen Lebensstruktur und ihrer Verengung auf den „Arbeitsplatz“ kam „Arbeitslosigkeit“ als Ersatz der „Missernte“ und der „Krankheit“ hinzu: auf einmal konnte man nämlich mitten im Reichtum trotz eigener Gesundheit und Rekordernten vom Hunger bedroht werden: die Not war nicht getilgt worden, sie hatte ihre Gestalt geändert. Es sah aber so aus, als würden wir sie in den Griff bekommen, bis … ja bis das Großkapital den europäischen Sozialstaat sah. Erste Berichte über diesen gierigen Blick auf die europäischen Sozialstaaten tauchten Anfang der achtziger Jahre auf – kaum jemand hatte sie groß ernst genommen. Man wollte diesen dicken Kuchen für sich haben, entwickelte Strategien, förderte gewisse Politiker, Moden, Strömungen bis letztlich die Saat aufging: die Sozialkassen standen zur Plünderung bereit. Hauptsächliches Mittel war: die künstlich produzierte Arbeitslosigkeit, hauptsächliches Instrument: der angestellte Manager.

Sofort folgten Kündigungswellen nach Kündigungswellen, auch Bund, Länder und Gemeinden folgten dem Beispiel. Jeder Manager, der Superboni wollte, schmiss erstmal Leute ´raus, was sich kurzfristig immer gut in den Bilanzen macht – dafür durften die Überlebenben dann mehr schuften. Der Sozialstaat wurde dadurch unbezahlbar, die Macht der Gewerkschaften gebrochen, Mangel und Furcht machten sich in den Industrieländern breit während die Tätergehälter perverse Entwicklungen durchmachten.  Man wurde halt gut bezahlt für die Vernichtung von Volkswirtschaften. Den Täter war klar, was ihnen blühen würde, wenn die Völker merken würden, wohin die Reise ging.

Die Medien unterstützten diese Entwicklung durch die Etablierung neuer Menschenbilder: junge, nie alt oder krank werdende kinderlose hübsche Karrieremonster bevölkerten die Zeitungen und Fernsehsendungen nach Vorbildern der alten griechischen Göttersagen – so konnte man werden, „wenn man es geschafft hatte“.  Und die Menschen glaubten diese Märchen, sie glaubten, es seien Naturgesetze im Spiel, wenn „Models“ oder „Tennisprofis“ auf einmal mehr Geld bekamen als jene Menschen, die fünfzig Jahre lang deutsche Autobahnen reparierten.

Es waren aber keine Naturgesetze, sondern menschliche Entscheidungen, die auf höchster Ebene getroffen wurden – wie alle Entscheidungen, bei denen viel Geld verteilt wird. Schritt für Schritt hat man uns dazu erzogen, gegenüber den medialen Göttern bescheiden zu sein, unser eigenes Leben gering zu schätzen und glücklich darüber zu sein, das wir via Bildschirm über die aktuellen Entwicklungen im Olymp informiert werden. Das die Götter dadurch Götter wurden, das jemand bewußt entschieden hat, für das Hobby  Fussballspielen jetzt einfach mal zwanzig Millionen an den Spieler zu bezahlen, dreissig Millionen für ein Model oder fünfzig Millionen für einen Schauspieler, das wurde uns nicht gesagt. Für uns … war das auf einmal einfach so.

Was wir aber merkten, war, das für die Maurer, die Altenpfleger, die Kindergärtner, die Bauern, Bäcker, Lehrer und Bergarbeiter kein Geld mehr da war. Klar, die Geschichte beweist eindeutig: Nationen werden durch ihre Fussballer, Models und Komödianten groß. Babylon, Rom oder das britische Weltreich wären undenkbar ohne die Leistungen ihrer Sänger, Turner und Gaukler – oder? So erobert man Imperien: durch Comedy und Modeschauen.

So haben wir uns wertlose Werte verkaufen lassen, denen wir heute noch folgen ohne es groß zu merken. Wir bemerken aber die Folgen des Wertesystems, das – schätze ich mal – gezielt von Werbepsychologen analog zum griechischen Götter- und Halbgötterhimmel entworfen wurde. Wir waren so etwas halt gewohnt, das Bilderverbot des Christentums kam uns schon immer etwas langweilig vor.

Der Mittelstand, die Bastion von Demokratie, Zivilisation, Wohlstand und Fortschritt wurde fortlaufend zerstört … der Stern berichtet gerade aktuell über die neuen Sargnägel.

Mehr und mehr Volksgruppen werden selektiert und zum Abschuss freigegeben – und mit jedem Abschuss werden neue Milliarden frei, die direkt auf die Konten der neuen Götter fließen. Die Bankvorstände ersetzen Zeus persönlich, der mit seinen Zinsblitzen über das Theater wacht. Nach den Arbeitslosen sind jetzt die Hausbesitzer dran, die Rentner und die Kranken werden die Nächsten sein … denn die neuen Götter haben nicht nur die Sozialkassen im Visier.

Da gibt es auch noch viel Erspartes im Mittelstand – sehr viel. Darum ist schon jetzt abzusehen, das der Mittelstand zur aussterbenden Art wird … während er aufmerksam, brav und folgsam den Abenteuern von Paris Hilton, den Modeschauen des Tennisprofisohnes oder den Pufforgien der Fussballgötter folgt. Nach seinen eigenen Werten befragt, offenbart der Mittelstand seine Nützlichkeit: Rechnungen pünktlich bezahlen, bescheiden und sparsam wirtschaften, das Glück im Kleinen suchen und an die Zukunft seiner Kinder denken … Werte, die direkt in die Armut führen.

Jedenfalls in dem System der neuen abscheulichen Mediengötter.

Merkt niemand, wie sehr unsere modernen Society-Geschichten jenen Geschichten ähneln, die sich die Heiden über ihre Götter (und ihre Affären mit Menschenfrauen) erzählt haben … und wie sehr wir uns dadurch wieder von dem Idealbild des aufgeklärten Bürgers entfernt haben? Früher waren die griechischen Götter die einzigen „Promis“, über deren Abenteuer man in jeder Stadt sprechen konnte. Schaue ich mit die „Promikultur“ und ihre gezielte Förderung durch Medien und Wirtschaft an, so denke ich mir: so würde ich es auch machen, wenn ich dem Mittelstand erstmal das moralische Rückgrat brechen möchte: ich demonstriere ihm, das schön aussehen ausreicht, um mehr Geld zu verdienen als er es jemals mit der Reparatur von Autobahnen, der Reparatur von Autos oder der Pflege von Menschen verdienen kann. Hat er das erstmal als normal anerkannt, ist er sich seiner Minderwertigkeit bewusst, die ich ihm via Privatfernsehen nochmal täglich vorführe … zur Not mit der Supernanny im eigenen Haus … dann hole ich mir sein Geld, indem ich ihn dort packe, wo er nicht nein sagen kann: ich erhöhe die Unterhaltskosten für sein Eigenheim, die Kosten für Benzin … und fürs Essen.

Preise sind geduldig. Bis er merkt, das nicht sein Gehalt zu niedrig sondern die Preise zu hoch sind, ist er pleite … und kann sich keine Gedanken mehr darüber machen, das es konkrete Menschen waren, die sich zusammenrotteten um sein Geld in ihre Geldspeicher zu pumpen.

Und Kraft zum Widerstand wird er nicht mehr haben, denn er hat vor allem eins gelernt: er ist minderwertig und kann dankbar sein, wenn die neuen Götter seine Opfergaben annehmen … und vielleicht gibt es ja sogar mal via E-Bay ein Autogramm als Gunst- und Gnadenbeweis.

Dagegen zu predigen ist so sinnlos wie der Versuch der griechischen Philosophen, ihre Mitmenschen die nutzlose und teure Anbetung ihrer Götter auszureden – und doch bleibt es die moralische Pflicht der Philosophie, ab und zu mal ein Licht auf das Desaster zu werfen. Es mag dem einen oder anderen helfen, sich von dem System zu emanzipieren und nicht mehr nur  Zahl- und Wahlvieh zu sein.

Und vielleicht … inspiriert es ja auch manch einen, mal zu hinterfragen, warum Schauspieler, Musiker und Profisportler die Spitzenverdiener unserer Kultur sind, während Koch, Altenpfleger und Kellner mit Zahnarzthelferinnen und Friseuren ums Überleben kämpfen.

Ein Tipp: das ist kein Zufall – noch hat es irgendetwas mit „Markt“ zu tun … aber viel mit „Marketing“.

 

 

 

 

 

 

Grundeinkommen, Bürgergeld und Entlastung des Mittelstandes

B)

Selbst ein Erzkapitalist kann sich der Erkenntnis nicht entziehen, das in diesem Land etwas schief läuft.
So schief, das es nicht mehr lange gut gehen kann.

Den asozialeren unter den Erzkapitalisten, den wahren Zecken der Volkswirtschaft, kann das egal sein – sie haben reichlich Besitz im Ausland, schöne eigene Inseln, die sie mit ihrem Hubschrauber leicht erreichen können, wenn der Kollaps der Systeme kommt.

Die Agenda 2010, gestaltet von Menschen, die von dem System selbst noch gut leben können und es so ausgerichtet haben, das sie noch ein bischen besser davon profitieren, war volkswirtschaftlich gesehen ein Schuß in den Ofen, denn sie vernichtet reale Arbeitsplätze. Das ist sogar der Bundesanstalt für Arbeit bekannt.

http://www.derwesten.de/nachrichten/wr/2009/6/5/news-121802472/detail.html

Laut einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Arbeit (BA) vernichten Ein-Euro-Jobs reguläre Arbeitsplätze. Über 1000 Betroffene hat die BA im Rahmen der Untersuchung befragt. Fast jeder Zweite sagt, er würde die gleiche Arbeit wie ein festangestellter Kollege verrichten.

Es sind aber gerade diese Arbeitsplätze, die unser ganzes Sozialsystem finanzieren. Rente, Gesundheit, Pflege, Arbeit, Kinder … alles lebt von den Beiträgen, die dieses System erwirtschaftet.

Baut man diese Arbeitsplätze ab, dann trocknet man das ganze System aus. Das merken sogar die Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaften:

Es ist kontraproduktiv, wenn durch öffentliche Beschäftigung Arbeitsplätze am ersten Arbeitsmarkt verdrängt werden?, sagt auch der Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Viktor Otto, zur WR. Auch der DGB fordert, den flächendeckenden Einsatz von Ein-Euro-Jobs zu beenden.

Einmal ganz abgesehen von dem Tatbestand, das wir uns durch die gelebte Praxis der verfassungswidrigen und menschenrechtswidrigen Praxis der Zwangsarbeit sehr stark nähern, finanziert der Steuerzahler durch die Agenda 2010 auch noch den Abbau des Sozialstaates selbst.

Infolge eines irrationalen Beschäftigungswahns werden Arbeitslose eingesetzt wie Matrosen auf einem Segler, die man anweist – damit sie nicht gelangweilt auf Deck herumlungern – Löcher in den Schiffsrumpf zu schlagen und die Segel zu Taschentüchern zu verarbeiten. Hauptsache, sie tun was für ihr Geld.

Und der Wahn geht weiter.

§16d SGB II Arbeitsangelegenheiten in Kraft seit 1.01.2009 Lautet:

Für erwerbfähige Hilfebedürftige, die keine Arbeit finden können, sollen Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden. Werden Gelegenheiten für im öffentlichen Interesse liegende, zusätzliche Arbeiten gefördert, ist den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen zuzüglich zum Arbeitslosengeld II eine angemessene Entschädigung für Mehraufwendungen zu zahlen; diese Arbeiten begründen kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts; die Vorschriften über den Arbeitsschutz und das Bundesurlaubsgesetz mit Ausnahme der Regelungen über das Urlaubsentgelt sind entsprechend anzuwenden; für Schäden bei der Ausübung ihrer Tätigkeit haften erwerbsfähige Hilfebedürftige nur wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Der Kreis Düren ist so freundlich, ein Bestellformular für Arbeitgeber öffentlich zu stellen, wo man solche Arbeitslosen dann zu Hauf anfordern kann:

http://www.kreis-dueren.de/formulare/56/Antrag-Brueckenjob.pdf

Sinnvoller wäre vielleicht, bei der jeweiligen Firma mal selbst vorbeizuschauen, ob da nicht ein bis zwei reguläre volkswirtschaftlich überlebensnotwendige sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze einzurichten wären anstatt auf Kosten des Steuerzahlers weiterhin Betriebe zu subventionieren und Arbeitskraft auf Staatskosten zu Billigstpreisen zu verschleudern.

Und der Arbeitgeber bekommt ja auch noch einen Zuschuß dafür:

Hiermit beantrage ich auf der Basis des § 16 Abs. 1 Sozialgesetzbuch (SGB) II
pauschale Förderleistungen für die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten im Sinne des
§ 16 d SGB II. Es handelt sich dabei um nicht sozialversicherungspflichtige
Beschäftigungen in Sozialrechtsverhältnissen, für die den Arbeitnehmern zuzüglich
zum Arbeitslosengeld II eine angemessene Mehraufwandsentschädigung gezahlt wird:

Er darf sogar erklären, warum er die Stammbelegschaft nicht weiter in diesem Sinn beschäftigen kann:

Der Antragsteller erklärt
die o.a. Tätigkeiten gehören nicht zu den originären Aufgaben
die o.a. Tätigkeiten gehören zwar zu den originären Tätigkeiten, aber
sie wurden bisher ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern
durchgeführt
sie können nicht mehr wie bisher vom Stammpersonal erledigt
werden weil:
(Begründung erforderlich)
sie wurden bisher nicht erledigt
Ich versichere die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben. Die angebotenen
Arbeitsplätze entsprechen den Kriterien des § 16 d SGB II. Sie liegen im
öffentlichen Interesse, sind gemeinnützig und zusätzlich. Bestehende oder zukünftig
einzurichtende Arbeitsverhältnisse sind nicht gefährdet.
(Ort, Datum) (Name, Unterschrift)

Mithilfe solcher Formulare kann man Mitarbeiter anfordern, die zum Beispiel qualitativ hochwertige
Trampoline in Deutschland anfertigen, die sogar die asiatische Billigware vom Markt verdrängen, wie unlängst berichtet wurde.

Also, hätte ich Lust auf Ausbeutung, die Agenda 2010 würde mich reich machen – sehr reich. Mir kommen da gleich eine ganze Reihe von Ideen. Es sprudelt nur so. Und dann, spätestens in zwei Jahren, ab auf die Bahamas, wo mein Geld schon auf mich wartet.

Leider habe ich weder Lust noch Zeit dazu, bin mir aber sicher, das viele diese großartige Chance nutzen werden.

Arbeit ist leise still und heimlich zum Selbstzweck geworden. Wir arbeiten nicht mehr, um Werte gleich welcher Art zu schaffen, sondern um beschäftigt zu werden. Völlig absurd.

Dann lieber den Arbeitslosen leerstehende Höfe zur Bewirtschaftung anbieten. Da haben dann alle was davon.
Dann lieber die Akademikerquote in Deutschland erhöhen, Fachkräfte ausbilden, die ja angeblich so dringend gebraucht werden.

Braindrain, die Flucht der Akademiker aus Deutschland, ist ein großes Problem. Die machen ihre vermarktbaren Erfindungen mitlerweile lieber im Ausland, vorzugsweise USA, Österreich, Schweiz.

Also … da wären doch Qualifierzierungsmaßnahmen sinnvoller, die auch Qualitäten schaffen und nicht nur
Beschäftigungstherapie darstellen.

Neben den Kosten für den Arbeitslosen, neben den Subventionen an die Wirtschaft, kostet der Einsatz der Arbeitslosen ja auch selbst noch mal zusätzlich – und vernichtet um ungünstigsten Fall noch mehr Arbeitspätze, was die Kostenschraube für den Steuerzahler weiter noch oben dreht.

Geht´s eigentlich noch blöder?

Und mal weiter gedacht … wo soll das enden?

In einen Staat nach DDR-Vorbild, wo alle beschäftigt sind, alle irgendetwas tun aber meistens nichts
Verwertbares dabei herauskommt?

Man hat doch gesehen, wo das hinführt. Wenn ich Politik und Wirtschaft glauben soll, dann war dieses Modell doch „schlecht“ und unser „gut“. Haben die jedenfalls immer behauptet.

Zur Rettung des Mittelstandes muß man sich ganz klar darüber sein, das wir entweder ein ganz anderes System brauchen (das sich gerade schon klammheimlich entwickelt … in Richtung DDR), in dem wir notfalls
Arbeitlose kostengünstig ins Massengrab bringen, oder aber uns der unabwendbaren Tatsache stellen, das bezahlbare Arbeit nicht mehr in dem Maße vorhanden ist, wie es nötig wäre.

Die Massengrablösung erlaubt unser System nicht, da haben wir gerade nochmal Glück gehabt.

Und mangels bezahlbarer Arbeit bzw. dank der Tatsache, das sich Kapital inzwischen von allein viel besser vermehrt als durch Arbeit, brauchen wir eine Lösung des Problems, wie wir jene, für die keine sinnvolle
Wirtschaftsfunktion mehr vorhanden ist, versorgen.

Der erste Schritt dazu ist die Abschaffung der Agenda 2010, sozialdemokratischer Murks der Extraklasse, der bürgerrechtsfeindliche Bürokratie fördert, Geld vom Mittelstand in auf die Off-Shore-Konten der Kapitaleigner fließen läßt und letztlich unser ganzes System aushöhlt. Und dann geht kein Weg mehr um ein wie immer geartetes Bürgergeld oder Grundeinkommen vorbei. Zumindest für jene, die nicht in der Lage sind,
das Preisniveau unserer Wirtschaft aus eigener Kraft zu bewältigen. Sonst kommt die DDR durch die Hintertür wieder herein.

Und nur, damit niemand denkt, ich würde gegen die „Reichen“ wettern. Mit den alten Kampfbegriffen des
19. Jhd. läßt sich das Problem nicht lösen.

Einer der ganz großen „Player“ auf dem Kapitalmarkt sind die US-amerikanischen Pensionsfonds. Die geben die 25 % – Rendite vor. Wird die nicht erreicht, sieht es schlecht aus mit der Rente vieler Bürger in den USA. Das sind alles kleine Leute … wie die, die hier für einen Euro arbeiten.

Politisch gesehen ist die erste Forderung sehr deutlich zu erkennen, die man stellen muß: Aufnahmen aller sozialen Menschenrechte in den Grundwertekatalog des Grundgesetzes. Dann müssen sich die Pensionsfonds eine andere Beute suchen … und wir können ganz entspannt und locker weiterleben und uns der vielen anderen Herausforderungen stellen, denen wir uns in Zukunft gegenübersehen werden. Und die … sind auch nicht ohne.


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