Ministerpräsident

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Die wirre AKaKa – Das Thüringer Schmierentheater

Uli Gellermann

Einen echten Höhepunkt in den Thüringer Chaos-Tagen lieferte die wirre Annegret Kramp-Karrenbauer: Die Thüringer CDU hatte in Kumpanei mit der FDP und der AfD einen neuen Ministerpräsidenten aus dem Hut gezaubert. Ein Vorgang, der natürlich nichts mit Demokratie zu tun hatte – denn stärkste Partei im Landtag war nach wir vor die LINKE, sie hätte den neuen Ministerpräsidenten stellen müssen – da kam die sonderbare Annegret auf eine neue Idee: Grüne und SPD sollten ihr aus der Verlegenheit helfen und einen CDU-genehmen Kandidaten stellen. Das war selbst der kaltschnäuzigen Merkel zu viel: Noch auf einer Auslandsreise feuerte sie den Ostbeauftragten der CDU. Der heißt nicht nur so, der kommt auch aus dem Osten: So macht man Schuldige.

Die Technik des „queren Arguments“

Seit einiger Zeit untersuche ich mehr odere weniger ernsthaft, ob es sich bei der rhetorischen Technik des „queren Arguments“ tatsächlich um ein programmiert eingesetztes Stilmittel handelt.

Was ist ein „queres Argument“?

Der ehemalige Verteidigungsminister hatte vor vielen Jahren auf die Anfrage, was deutsche Soldaten in Afghanistan zu suchen hätten geantwortet:

„Die Sicherheit Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt.“

Wow. Das hat mich echt umgehauen und nebenbei die halbe Republik mitgerissen. Vermutlich wurde Struck damit bis jetzt mehr zitiert als Goethe, Kant oder Sokrates.

Natürlich ist das politischer, militärischer und auch geostrategischer Schwachsinn; das kleinste Schulkind nimmt den Schnuller aus dem Mund und sagt: „Aber wo sind denn am Hindukusch deutsche Grenzen?“

Dieses „Argument“ geht mit einer höchst perfiden Technik und Taktik vor: es impliziert, dass hinter der Offensichtlichkeit des vorliegenden Schwachsinnes irgendein höherer, uns (noch) verborgener Sinn liegen muss. Einfach muss, denn einer wie Struck wird doch wohl über verborgene Klar- und Einsichten verfügen, um sich offensichtlichen Unsinns entheben zu können. Heute wissen wir, dass es keine dieser geheimen Ansichten und vermuteten Wahrheiten jemals existiert hatte und der Schwachsinn Schwachsinn geblieben war.

Und gestern startete der frischgebackene Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Stefan Mappus, auch ein „queres Argument“:

„Wir sollten die Einnahmen aus den verlängerten AKW-Laufzeiten in die weitere Entwicklung erneuerbarer Energien investieren.“

Vorsicht! Nicht zuviel darüber nachdenken! Denn auch Mappus hat der Offensichtlichkeit des vermuteten Schwachsinnes nichts entgegenzusetzen! Auch hier ist nichts als rhetorisch abgeblasene, heiße Luft dahinter! Dieser Satz ist dahergeplappert und entbehrt natürlich jeder Grundlage. Denn jeder weiß ja schließlich, dass die Energiehersteller bereits ihre Schatullen für den neuen Geldstrom positionieren und auch der Bund reibt sich die Hände, das eine oder andere Haushaltslöchlein mit der Kohle zu stopfen – da geht selbstverständlich kein einziger Cent in die Entwicklung neuer Energien. Wie Vattenfall beobachten ließ, haben die überreichlichen Gewinne aus der Vergangenheit ja auch nicht dazu verführen können, die AKW-interne und marode Sicherheitstechnik sanieren zu lassen. Da wurde viel lieber kassiert als investiert und die Geldströme wanderten in zahlreiche Privatschatullen, während die Rauchwolken des brennenden AKW’s die politische und wirtschaftliche Landschaft verdüsterten.

Gebt nichts auf den Mappus-Blödsinn. Er genügt der Maßgabe eines hervorragenden Satzes, den Spät-68’er geprägt hatten:

Fighting for peace is like fucking for virginity.

Damit enttarnt man „quere Argumente“.

© 2010 Echsenwut.

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