Migranten

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Die Schnauze voll von Europa – ein afrikanischer Migrant lieber wieder barfuß am Nil

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© Parkwaechter 2015

Dem Versprechen der Schlepper und dem Lockruf der Physikerin Angela Merkel folgend, hat sich vor Kurzem eine Millionenschaft an Migranten auf den Weg gemacht, um das gelobte Land Europa zu erreichen. Die Gründe für die Ausreise sind vielfältig: Krieg, Armut, Hunger (derzeit hungern weltweit fast 800 Millionen Menschen, hätten also einen guten Grund, um auszuwandern – siehe wfp) oder eben einfach die Aussicht auf ein besseres Leben in Glück und Wohlstand, das ihnen in ihrem Heimatland unerreichbar erscheint. Laut Asylrichter Peter Vonnahme (siehe Essay in Telepolis) war die Migrationswelle, die wir diesen Herbst erlebt haben, nur die Vorhut, viele Millionen Menschen stünden bereit, um dieser Vorhut zu folgen.

Nach dem ungebrochenen Andrang an syrischen, afghanischen und irakischen Flüchtlingen wird nun ein Ansturm afrikanischer Migranten erwartet. So wie ein afrikanischer Bürgermeister im Doku-Klassiker „Let’s make money“ sagt: „Wenn ihr weiter fortfährt, uns auszubeuten, dann könnt ihr ruhig 10 Meter hohe Zäune bauen, wir werden trotzdem nach Europa kommen.“ Der renommierte Historiker Hugo Portisch appelliert daher: „Wer Europa retten will, muss Afrika retten“ (siehe DerStandard).

Grund genug für den Parkwaechter, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen. Entgegen den Reisewarnungen des Außenministeriums bin ich also letzte Woche nach Afrika gereist. Neben vielen Menschen, die es beim besten Willen nicht glauben konnten, als ich ihnen von den Problemen erzählte, mit denen ein Europäer heute zu tun hat (bei meinen Gesprächspartnern herrschte dank Medienberieslung und Werbung die felsenfeste Überzeugung, dass Europa und insbesondere Deutschland ein reines Schlaraffenland sei), so traf ich auch einen Migranten, der das Alltagsleben in diesem Schlaraffenland bereits am eigenen Leibe erfahren hat und den daher nach eigener Bekundung keine vier Stiere wieder zurück nach Europa bringen.

Seine Lebensgeschichte ist alles andere als gewöhnlich: Als barfüßiger Fährmann auf dem Nil gelang es ihm, sich eine französische Touristin anzulachen. Ohne lange nachzudenken, packte er diese einmalige Gelegenheit beim Schopf und ritt mit der Französin auf einem geflügelten Blechschwan in ein neues Leben direkt im Herzen Europas.

Dass die Französin beim Anblick des äußerlich armen Fährmanns schwach wurde, wundert mich überhaupt nicht. Hadid ist ein unglaublich herzlicher, charmanter und charakterstarker Mann. Während er seine Lebensgeschichte erzählt, blitzt auf seinem sonnengegerbten Gesicht immer wieder ein ehrliches, strahlendes Lächeln auf, wie man es unter der männlichen Spezies in unseren europäischen Wohlschandsmetropolen, in denen laut WHO-Prognose Depression/Burnout in den nächsten 15 Jahren zur Volkskrankheit Nr.1 aufsteigen wird (siehe Ärztezeitung), selten sieht. Dass eine europäische Frau einen solch unverdorbenen, echten Mann attraktiver findet als die gewohnten nerdigen Smartphone-Workaholics, die sich über ihr Aftershave, ihren SUV und ihr Bankkonto definieren, war für mich durchaus nachvollziehbar.

Als ich Hadids Erzählung lauschte, war ich jedoch zwischendurch verwirrt. Denn immer wieder erzählte er in seinem gebrochenen Englisch, wie unglaublich „strong“ das Leben in Frankreich gewesen sei. Mit langgezogenem „o“ erklärte er, dass er sich niemals hätte vorstellen können „that life in Europe is sooo strong“. – Zunächst übersetzte ich dieses „sooo strong“ mit „affengeil“ oder „voll super“. Da Hadid jedoch jedes Mal, wenn er diese Phrase gebrauchte, die Hand zur Faust ballte und das zuvor noch heitere Gesicht grimmig verzerrte, fragte ich dann doch nach, was er denn mit „so strong“ meinte.

So stellte es sich heraus, dass er eigentlich „so hard“ meinte. Und er schilderte kopfschüttelnd, wie stressig, unsozial, sinnentleert und daher menschenunwürdig er das Alltagsleben in Europa erlebt hat. Da er ein hochintelligenter Mensch ist (weniger intelligente Menschen kommen da oft erst nach Jahrzehnten oder am Sterbebett drauf) , durchschaute er das Wohlschandsleben, nach dem er sich bisher so gesehnt hatte, sehr schnell als ein Leben des äußeren Scheins, das außer zu geistigem Tod letztlich zu gar nichts führt.

Unseren durchspaßten, aber eigentlich vollkommen unlustigen Lifestyle, der in Wirklichkeit kaum noch ein europäischer, sondern weitgehend ein amerikanischer ist, wollte er jedenfalls nicht bis zum bitteren Ende zelebrieren, obwohl er als Hahn im Korb alle Möglichkeiten des Luxus gehabt hätte. Während ihn also seine daheimgebliebenen Freunde um sein neues Leben in Europa beneideten, wurde er selbst von Tag zu Tag unglücklicher, seine sonnenhafte Heiterkeit verblasste. Dass er es trotzdem ganze fünf Jahre lang in Europa ausgehalten hat, war nur dem Umstand geschuldet, dass er mit seiner französischen Frau zwei Kinder zur Welt brachte, die er sehr liebte.

Nachdem der vormals vollsonnige Hadid schließlich kurz vor dem inneren Erfrierungstod stand, zog er die Notbremse. Er zog sich das Sakko und die glänzenden Lackschuhe wieder aus und kehrte zurück zu seinen Brüdern an den Nil, wo er nun wieder barfuß und im braunen Kaftankittel eine Holzlanze in den Schlamm drückt, um mit seinem Faluka-Segelboot Touristen ans andere Ufer zu bringen.

Wenn man ihn so betrachtet, merkt man ihm durchaus an, dass er nicht ganz ungeschoren vom gelobten Land Europa zurückgekommen ist. Sein an sich heiterer Blick kann ernst werden, auch sein zuvor schwarzes Haar ist seit seinem Europa-Aufenthalt angegraut. Und trotzdem fühlt er sich wieder pudelwohl, seit er die Last von Kommerz, Technokratie und Wohlschand abgelegt hat und wieder barfuß am Nil arbeitet. Er liebe sein Heimatland, den Nil, erzählt er -die ihm vertrauten Brüder und Schwestern, die Ibis-Vögel und Kühe, die am Ufer nach Futter stöbern, die Sonne, die ihm Kraft gebe (im Nildelta gibt es maximal einen Regentag pro Jahr), vor allem aber die menschliche Wärme bzw. das herzliche soziale Miteinander bei Tee und Fladenbrot und die Muße, mit der diese Alltagskultur hier zelebriert wird.

Er wolle nicht mehr tauschen, obwohl das Fährmannsgeschäft derzeit schlecht ist. In den letzten sieben Monaten hatte er an dem Hotelkai, an dem er ankert, ganze zwei Aufträge – er erzählt, dass zwar eine Menge europäischer Touristen vorbeikämen, aber diese neuerdings Angst hätten, mit einem dunkelhäutigen Moslem in ein Boot zu steigen. Er nähme das allerdings nicht persönlich und auch nicht tragisch, denn er und seine Brüder hielten zusammen und helfen sich gegenseitig. Wenn bei einem das Geschäft schlechter geht, wird er trotzdem von den anderen Mitgliedern der Familie miterhalten, sodass niemand Hunger leiden muss oder obdachlos ist. Hadid hatte Glück, er wurde nach seiner Rückkehr aus Europa von einem intakten Familiennetzwerk aufgefangen und reintegriert.

Millionen andere Migranten, die nach Europa gezogen sind oder sich gerade auf den Weg machen, haben diese Möglichkeit nicht, obwohl sie demnächst vermutlich ähnliche Erfahrungen mit unserer Kultur machen werden wie Hadid – wie ich aus meinem eigenen Bekanntenkreis von Migranten erzählt bekomme, haben die meisten von ihnen alles Hab und Gut verkauft, um die für die Schleppung nach Europa notwendigen ca. 10.000 Dollar zu lukrieren. Eine Rückkehr in ihr Heimatland kommt für sie nicht in Frage, da sie dort buchstäblich vor dem Nichts stünden.

Nach meiner Afrika-Reise bin ich jedenfalls zur Überzeugung gekommen, dass die neuen Menschen, die derzeit zu uns strömen, auch eine große Chance für uns sind. Wir brauchen Menschen vom Format eines Hadid, denn wie es scheint, schaffen wir selbst es nicht mehr, uns aus eigener Kraft aus der tödlichen Umklammerung des Kommerz-/Technik-/Unterhaltungswahns zu befreien, der uns in den Grand Canyon zu ziehen droht. So wie ein Frosch es nicht mehr aus dem heiß gewordenen Wasser eines Kochtopfes herausschafft, nachdem die Temperatur des Wassers, in dem er sitzt, stufenweise, also unmerkbar angehoben wurde und nun kurz vorm Siedepunkt steht. Ein neuer Frosch, den man in diesen heißen Topf hineinwirft, wird sofort „Au!“ schreien und wieder hochspringen. Wenn viele Frösche gemeinsam gegen den Deckel springen, können sie diesen Deckel wegreißen und eventuell auch die anderen, fast schon matsch gekochten Frösche befreien.

In den nächsten Jahren werden also viele Migranten das Hadid-Erlebnis haben und unseren PolitikerInnnen und Denkpanzer-Generälen entgegenschreien: „Seid ihr komplett wahnsinnig?! Wenn ihr so weitermacht, bringt ihr uns alle und die Umwelt um!“

Damit das stattfindet, wäre es wichtig, dass wir den Migranten nicht nur eine AusBildung, sondern vor allem echte Bildung geben. Also ihnen nicht bloß Excel und Powerpoint füttern, sondern sie auf profunde Weise mit der europäischen Kultur und Philosophie, die wir in Politik und Pädagogik bei Nacht über Bord geworfen haben, vertraut machen.

Nachdem heute auf deutschen Schulhöfen das Wort „Goethe“ laut Bericht im Focus zu einem der übelsten Schimpfwörter unter Jugendlichen geworden ist, diese aber im Gegenzug die Texte von Bushido und den Pornorappern im Schlaf aufsagen können, braucht es eben eine neue Generation, die uns aus unserem Dussel reißt und den Goethe neu aus der Taufe hebt. Gibt man herzhaften und natürlichen Menschen vom Format eines Hadid auch nur eine Prise Goethe mit auf den Weg, dann werden diese den hierzulande bereits unerträglichen Neoliberalismus/Technokratismus/Mammonismus aus den Angeln heben und uns damit vor einer drohenden Katastrophe bewahren.

Allerdings ist das Ganze ein Wettlauf mit der Zeit. Wir haben nämlich nur die erste Generation der Migranten zur Verfügung, um das zu schaffen. Diese sind menschlich noch weitgehend intakt, da sie zumeist einfachen, archaischen Verhältnissen entstammen, wo ihnen nicht sogleich nach der Geburt ein Tablet-PC vor den Kopf geschnallt und ein Smartphone zwischen die Beine geschoben wurde. Das gnadenlose Stakatto der UNTERhaltungselektronik hatte also nicht die Möglichkeit, sie menschlich kahlzuscheren. Zwar sind ihre Häuser vielfach durch US Bombenhagel zerstört worden, aber der mediale Bombenhagel auf ihr Inneres ist ihnen zumindest in ihrer frühen Kindheit erspart geblieben. Sie besitzen also noch kein dissoziiertes, sondern ein weitgehend intaktes vegetatives und Zentral-Nervensystem. Wenn es jedoch nicht gelingt, dieser ersten Generation die entsprechende Bildung bzw. die notwendige Prise an „Goethe“ beizubringen, sondern man sie nur zu technokratiegläubigen Tretmühleneseln des Kommerz erzieht, dann wäre der Zug abgefahren. Denn das erste, was die zum Wohlstand gekommenen Migranten tun würden (müssen), wäre es, ihren Kindern im Gitterbett ein Tablet-PC vor den Kopf zu schnallen und ein Smartphone zwischen die Beine zu schieben. Mit dieser zweiten Generation stünden wir dann vor der gleichen Situation wie jetzt, allerdings mit zusätzlichem Sprengpotential.

Denn aus der Migrationsforschung weiß man, dass von der ersten Generation an Einwanderern noch praktisch keine extremistischen Taten zu befürchten sind, selbst wenn diese große Vorbehalte zur Kultur des Gastgeberlandes verspüren. Die mitgebrachte kulturelle Substanz reicht scheinbar noch aus, um Enttäuschung und Wut zu kompensieren. Gelingt es allerdings nicht, deren Kindern zu vermitteln, dass das Leben in der Gesellschaft, in der sie aufwachsen, sinnvoll sei, dann würden sie lt. empirischer Studien zerstörerische Tendenzen entwickeln und sich radikalisieren.

Aber lassen wir dieses Negativ-Szenario (und auch die Gangsta-Rapper, die im Migrantenstrom natürlich ebenfalls mit von der Partie sind) wieder beiseite und konzentrieren wir uns auf die große Chance, die wir nun haben. Denn wie viele schon gemerkt haben, können wir uns gegen die gegenwärtige Europapolitik unserer Murkselpolitiker sowieso nicht wehren, egal wie wahnwitzig diese ist. Man kann für oder gegen Migration sein, aber in Wirklichkeit ist es vollkommen egal, Merkel und ihre transatlantischen Berater von Boston-Consulting & Co. ziehen sowieso ihr Ding durch. Der Zuzug von Millionen Migranten (laut ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn 32 Millionen – siehe Zeit), die Deutschland aufgrund streng-wissenschaftlicher und daher unwiderlegbarer demografischer Berechnungen benötige, ist beschlossene Sache. Ebenso wie die Absenkung bzw. Abschaffung des Mindestlohns beschlossene Sache ist (siehe WirtschaftsWoche) sowie eine weitere Anhebung bzw. Abschaffung des Rentenantrittsalters (H.W. Sinn: „Wir müssen länger arbeiten und nicht weniger lange. Die Rente mit 67 ist ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Ich würde aber noch weitergehen und das gesetzliche Rentenalter ganz abschaffen“ – siehe FAZ).

Diese Machenschaften sind auf Schiene und rollen. Indem wir aber jetzt den neu ankommenden Migranten und ihren Kindern die richtige (Charakter-)Bildung bzw. besagte Prise „Goethe“ geben, können wir die mit ökonomischen und machtpolitischen Hintergedanken akkordierte Migration zu einem Bumerang für Merkel & Co. machen. Die neue Generation würde dann den Murkselpolitikern so richtig einheizen. Sie würde den neoliberalen/mammonistischen Wahnsinn, der uns zur Normalität erklärt wurde, nicht mehr tolerieren sondern wieder zum Teufel zurückschicken.

In diesem Sinne möchte ich an alle appellieren, die durchaus verständliche Wut über die derzeitigen Verhältnisse nicht an den Migranten auszulassen (leider hat ja die Anzahl an Übergriffen auf Asylheime wieder zugenommen), sondern den Migranten in philosophisch-humanistischer Weise unter die Arme zu greifen, sie mit guten Büchern und Internet-Links zu versorgen, die in Schule und Uni nicht am Lehrplan stehen usw. Denn diese Menschen brauchen nicht nur Essen und Teddybären, sie brauchen auch geistige Nahrung, philosophische Gespräche und Schulungen, persönlichen Zuspruch etc. Dann werden sie uns Hand in Hand einen großen Dienst erweisen.

(P.S.: Ich hätte gerne ein Foto von Hadid mit seinem milden, strahlenden Lächeln in der Abendsonne am Nil veröffentlicht, aber er möchte nicht, dass womöglich seine Kinder in Frankreich Probleme bekommen, indem er etwas Kritisches über Europa sagt. So kann ich es nur mit freien Worten beschreiben: Würden bei uns mehr solche wachen, sonnigen Gesichter aufrechter Menschen ins Land strahlen, dann müssten die dicken Schneemänner und Schneefrauen, die derzeit an den Schalthebeln der Macht sind, bald schmelzen.)

 

 

Galgen für die Bundeskanzlerin, dunkeldeutsches Wutbürgertum und seine Befriedung durch pansexuelle Nacktkonzerte

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“Road to Hell” © Parkwaechter 2015

Während Angela Merkel für ihren freimütigen Lockruf an migrationswillige Menschen jedweder Couleur aus aller Welt ins gelobte Land Deutschland noch vor Kurzem für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen und als neue Mutter Theresa gehandelt wurde, so weht ihr nun ein umso schärferer Wind um die Ohren.

Das Oktoberfest ist vorbei, die mit Migranten vollgefüllten Züge, die man in den Wochen des Volksfestes wohlweislich einfach durch München nach Norden durchgewunken hatte, machen nun auch in der Hauptstadt des Bockbiers und der Weißwürste Halt und ergießen die mitgeführte Ladung an neuen Humanressourcen auf den vormals gepflegten Vorstadtrasen. Die Galgenfrist, die den Politikern nach Beendigung des Oktoberfestes gewährt war, indem die hiesige Bevölkerung sich erst einmal wieder aus dem Dussel und der Gehirneintrübung der vergangenen Wochen emporringen musste, ist nun auch vorbei. Ernüchterung kehrt ein, viele Menschen sehen nicht mehr doppelt und verschwommen, sondern klar.

Viele ahnen bereits, dass nicht nur reine Nächstenliebe im Spiel sein kann, wenn eine im Volksmund als „Frau ohne Eigenschaften“ gehandelte Bundeskanzlerin plötzlich Barmherzigkeit beweist – eine Frau, die bisher kein Problem damit hatte, der hemmungslosen Bombardierung und Bedrohnung jener Länder in Irak, Afghanistan, Libyen, Somalia, Syrien, Kosovo etc. zuzustimmen, aus welchen nun die Menschenmassen zu uns strömen. Eine Frau, die auch kein Problem damit hatte, sogar unsere Vertragspartner und europäischen Brüder, die Griechen, eiskalt an die Wand fahren zu lassen, nur weil diese die Zinsforderungen der internationalen Bankkonzerne nicht mehr bedienen konnten.

Während feststand, dass man Griechenland auf keinen Fall erlauben durfte, dass es die paarhundert Millionen Euro, die es für sein weiteres Überleben dringend brauchte, in Infrastruktur, Krankenhäuser und zur Linderung von sozialer Not zu investieren (die Säuglingssterblichkeit in Griechenland ist bereits um 43% gestiegen, die Suizidrate um 27%, vier von zehn Kindern leben in Armut), sondern eisern darauf beharrte, dass dieses Geld von den verzweifelten Griechen fast vollständig zur Zinstilgung an die Banken, also zurück an Deutsche Bank & Co. fließt (Anm.: von 100 Euro Griechenlandhilfe kamen nur 1,80 Euro im echten Leben an, die übrigen 98,2 Euro gingen mit Zinsen an die Großbanken und an andere Kreditinstitute) – nun, im Gegenzug stellt man jetzt allein in Deutschland ein jährliches Budget von zehn Milliarden Euro zur Verfügung, um hier frisch angekommene und großteils wohlgelaunte Migranten zu versorgen. Wie passt das zusammen?

Nicht etwa, dass ich es unangebracht finde, Geld für notleidende Menschen lockerzumachen, diese Forderung liegt mir fern. Ganz im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass Deutschland der Welt noch sehr viel mehr schuldet als es jemals in Geld wieder gutmachen kann, da es bisher jede völkerrechtswidrige Militärintervention seiner US Bündnispartner im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika willfährig unterstützt sowie alle Ressourcenausbeutungen, Machtpolitik, Folterungen, Drohnenmassaker und geheimdienstlichen Regierungssabotagen in den Entwicklungsländern samt Verseuchung weiter Landstriche durch Uranmunition achselzuckend mitgetragen und dadurch unendliches Leid, Krankheit und Tod verursacht hat. Das menschliches Elend, die ökologische Zerstörung und die sozioökonomischen Teufelskreise, die wir damit in Gang gesetzt haben, könnten wir selbst dann nicht mit Geld wiedergutmachen, wenn wir das gesamte in den nächsten 100 Jahren erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt an die Caritas spendeten. Allerdings wäre es angebracht, die Wiedergutmachungszahlungen schon früher zu leisten, und nicht erst, wenn Flüchtlingsströme direkt vor unseren Haustüren angelangt sind. Denn die, die es bis hierher vor unsere Haustür schaffen, sind meistens nicht diejenigen Kranken, Invaliden und Gefolterten, die das größte Elend zu tragen haben – letztere haben meist weder die Kraft noch das Geld, um sich eine ca. 10.000 Euro teure Schleppung ins gelobte Land zu leisten, sondern müssen daheim bei kaputter Gesundheitsversorgung und kaputten Wasserleitungen dahinsiechen – nun sogar ohne die Hilfe der jungen, gutausgebildeten Ärzte und Ingenieure, die sich hier in Europa ein lukrativeres Berufsfeld erhoffen und deren Ankunft die deutschen Medien so feiern.

Scheinbar sind die zehn Milliarden Euro pro Jahr in frisch motivierte Migranten eine lohnende ökonomische Investition. Sonst würden die Industrieverbände den Zustrom nicht so bejubeln. Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht in der Zuwanderung sogar „eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder“ und kündigte sogleich an, in den Flüchtlingslagern nach Mitarbeitern suchen zu wollen. Auch die Chefs von Porsche, Post und Siemens sehen das ähnlich.

Und mit der neuen Migrantenbevölkerung wird sich in der Tat leicht Wirtschaftswunder machen lassen. Die Migranten kamen mit Konterfeis von Merkel im A3-Format über die Grenzen. Das Bild von Deutschlands „Frau ohne Eigenschaften“ wurde von ihnen wie bei einer katholischen Fronleichnamsprozession beidhändig hochgehaltenen wie die Ikone einer hochverehrten Heiligen.

Kein Wunder, dass sich die Human Resource Manager der Wirtschaft schon die Hände reiben und ihre ökonomischen Messer wetzen. Denn wenn die Menschen der neu eintrudelnden Humanressourcen-Herde so naiv sind, dass sie selbst eine „Frau ohne Eigenschaften“ hochhalten, die bisher nichts anderes getan hat, als eiskalt ökonomische Direktiven zu exekutieren und die damit direkt für das globale Ungleichgewicht und die Zerstörung ihrer Heimatländer verantwortlich ist, nun dann werden sich diese Menschen gewiss auch für alles andere einspannen lassen, was man mit ihnen vorhat und ihnen demnächst als „alternativlos“ erklären wird.

So weit, so gut. Wo ein Wirtschaftswunder in Aussicht steht, da machen wir mit, dachte auch der fernsehende deutsche Bürger. Das wurde ihm ja von klein auf in Schule und Uni als Ideal eingepläut. Das Zustandebringen eines Wirtschaftswunders sei schließlich das Größte, was fernsehende Bürger in ihrem kurzen Leben erreichen können – im löblichsten Falle durch eigene unternehmerische Start-Up Initiative, und wer dazu nicht klug genug ist, eben zumindest als Esel in der neoliberalen Tretmühle einer gut etikettierten Wirtschaftskratzlei. Die fernsehenden deutschen Bürger waren daher über den Migrantenstrom zwar etwas verdutzt, aber anfangs noch guter Dinge und sogar euphorisch.

Im Überschwang der Vorfreude über die neuen Renditemöglichkeiten haben die Wirtschaftslobbyisten bzw. deren hochbezahlte Interessensvertreter leider den Fehler gemacht, dass sie auch sogleich ein paar weitere „alternativlose“ Dinge vom Stapel gelassen haben, die nun auch dem gemeinen deutschen Fernsehbürger blühen. Die ökonomischen Meinungsmacher hatten nämlich den gemeinen deutschen Fernsehbürger immer noch als geduldigen Ochsen in Erinnerung, dem man jedes Joch auferlegen kann und der alles frisst, was man ihm hinhält. Dabei reagiert der gemeine deutsche Fernsehbürger inzwischen höchst allergisch auf „alternativlose“ Tatsachen, die man ihm vorsetzt, da die Nerven dieses Ochsen bereits in vielerlei Hinsicht blank liegen und sich viele Ochsen schon mit drei ihrer vier Füße in latentem Burnout befinden, wie z.B. diese Ärztin hier beschreibt (siehe Standard).

Und während die gemeinen Fernsehbürger normalerweise vor allem, was von streng wissenschaftlicher Autorität verkündet wird, die Hände falten und willfährig befolgen, so scheint momentan der Deckel überzugehen. Denn was den Fernsehbürgern jüngst von einem der Hohepriester unserer Kommerzreligion, dem ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn als „alternativlos“ verkündet wurde, das stieß sogar sehr geduldigen Ochsen sauer auf: Von Absenkung bzw. Abschaffung des bundesweiten Mindestlohns war da die Rede (siehe WirtschaftsWoche) sowie von einer weiteren Anhebung des Rentenantrittsalters. – Sinn: „Wir müssen länger arbeiten und nicht weniger lange. Die Rente mit 67 ist ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Ich würde aber noch weitergehen und das gesetzliche Rentenalter ganz abschaffen“ (siehe FAZ). Den Vogel schoss der scharf rechnende Mann mit dem scharfen Knebelbart aber mit seiner streng wissenschaftlichen und daher unwiderlegbaren Rechnung ab, in welcher er die Anzahl der Migranten, die Deutschland benötige, mit 32 (in Worten: zweiunddreißig) Millionen beziffert (siehe Zeit).

Es begann also in der letzten Woche in der Bevölkerung zu gären. Nicht nur am Stammtisch wurde gemurrt, auch einzelne Landesfürsten wie Horst Seehofer meldeten sich ketzerisch zu Wort und stellten bei weiterer undifferenzierter Zuwanderung ein Zerbrechen der europäischen Sozialsysteme in Aussicht (siehe Spiegel). Das wurde von den mit der Wirtschaft verzahnten Leitmedien natürlich nicht goutiert und Seehofer musste genauso wie Innenminister De Maiziere (siehe Tagesspiegel) kräftig zurückrudern, um nicht von einem veritablen Shitstorm ins dunkeldeutsche Eck der Fortschrittsverweigerer geblasen zu werden. Aber während seine Kollegen im Elfenbeinturm in Berlin sich weiterhin den Luxus erlauben können, den bloßen Direktiven der Wirtschaftsmächte und Leitmedien zu folgen, so kann einem gestandenen bayerischen Landesfürsten ein zu großes Chaos, das er mit seiner Beamtenbelegschaft kaum noch stemmen kann, schnell seine Popularität kosten.

Zu allem Übel kommt es nun innerhalb der Flüchtlingsunterkünfte selbst fast täglich zu Gewaltausschreitungen. Viele der jungen Migranten haben sich erhofft, dass sie, wenn sie es hierhergeschafft haben, gleich ein neues Leben im Sinne von Daimler-Chef Zetsche beginnen können, der sie sofort in seine Werkhallen stellen will. Nun sind da aber diese mühsame Bürokratie und die Gesetze, von denen uns die Wirtschaft immer noch nicht ganz befreit hat, die die arbeitswilligen Migranten davor abhalten, sofort loszulegen und sich die ersehnte eigene Wohnung samt Waschmaschine und Flachbildschirm zu erarbeiten. Außerdem sind da diese mühsamen anderen Migranten anderer Völker, die man überhaupt nicht riechen kann und die einem in der ohnehin schon engen Flüchtlingsunterkunft Platz wegnehmen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft berichtet daher von einer Eskalation der Gewalt in Flüchtlingsheimen, die teilweise kaum noch beherrschbar sei. Es komme an vielen Orten „sehr gezielt und gut vorbereitet nahezu täglich zu ethnischen gewaltsamen Auseinandersetzungen“ (siehe Tagesspiegel). Dabei gingen Asylbewerber auch mit selbst gebastelten Waffen aufeinander los (siehe z.B. YouTube).

In vielen großen Städten formieren sich Demonstrationen gegen die Zuwanderungspolitik Merkels. Bei einem Demonstrationszug in Dresden letzten Montag mit offiziell gezählten 9000 Wutbürgern wurde ein für Merkel errichteter Galgen gesichtet (siehe Zeit), der Staatsanwalt ermittelt. Da sieht man eben wieder, in was für einer Zeit der Extreme wir leben. Wie es scheint, kann da jemand, der gerade noch als Mutti der Nation fest im Ledersessel gesessen und als Kandidatin für den Friedensnobelpreis gehandelt wurde, schnell einmal als Delinquentin unterm Schafott enden. Die Mistgabeln, vor denen der US Milliardär Nick Hanauer seine neoliberalen Clubkollegen unlängst gewarnt hatte, sollten sie weiterhin nur ökonomisch/profitorientiert agieren, tauchen also schon am Horizont auf.

Nachdem die Lage nun sowohl in den Flüchtlingslagern als auch auf der „gutbürgerlichen“ Seite  eskaliert und kollektives Wutbürgertum droht, braucht es jetzt wirkungsvolle Maßnahmen zur Befriedung. Da ist guter Rat teuer.

Zwar hat die staatliche Exekutive bereits die entsprechenden technischen Gerätschaften angeschafft, mit der man wütenden Mob notfalls in Sekundenschnelle zum Schweigen bringen kann (hier kommentiert von Georg Schramm), allerdings wäre der Einsatz dieser Waffe sehr schmerzhaft. Da sich Schmerz bekanntlich tief ins Gedächtnis einprägt, wäre daher bei den nächsten Wahlen zu befürchten, dass selbst bisher unbeirrbares Stimmvieh seine Stimme nicht mehr der Räuber-Hotzenplotz-Partei gibt wie gewohnt. Solange noch Demkoratie herrscht, braucht es also eine schmerzärmere Lösung.

Zum Glück schreitet unsere streng wissenschaftliche Forschung voran und liefert uns am laufenden Band technische Neuerungen und Erkenntnisse, die dem Fortschritt die Bahn durch die Wildnis ebnen und irgendwann für allgemeinen Wohlschand und Tod-Sicherheit sorgen werden. In einer Radioreportage eines staatlichen Rundfunksenders wurde etwa vor Kurzem eine umwälzende wissenschaftliche Erkenntnis verlautbart, deren Folgen noch gar nicht absehbar sind:

Man hat Schimpansen und Pavianhorden intensiv studiert und ist draufgekommen, dass diese ihre Gewaltkonflikte – auch dort gibt es Kämpfe zwischen einzelnen Affenvölkern – viel intelligenter lösen als wir Menschen. Sie lassen die Kämpfe einfach in Massensex münden, wo die verfeindeten Paviane einander ihre Weibchen zur Verfügung stellen, um diese in Serie begatten zu lassen. Schon nach kurzer Zeit des orgiastischen Gemetzels ist die Kraft zum Kämpfen verpufft und die Paviane haben keine Lust mehr, sich gegenseitig zu erschlagen.

In dieser Radiosendung wurde auch Hörern die Gelegenheit gegeben, ihre Meinung zu diesem Thema zu sagen und diese Meinung war unisono – helle Begeisterung: „Ja, die Paviane und die Schimpansen sind uns da wirklich voraus, da könnten sogar wir Menschen etwas davon lernen.“

Und während Merkel und Hollande im EU Parlament noch wie versteinert vor den Vorwürfen der Opposition sitzen, Europa mit ihrer Migrationspolitik in den Untergang zu reiten (siehe YouTube), so kommt die Rettung wiedereinmal aus der Unterhaltungsindustrie. US-Popstar Miley Cyrus wird diese bahnbrechende Erkenntnis aus der Pavianforschung nun demnächst in die Praxis umsetzen (siehe ORF-Pressemitteilung). Gemeinsam mit der Rock-Band The Flaming Lips plant Cyrus ein Nacktkonzert, bei dem sowohl die Künstler als auch das Publikum die Kleidung ablegen, bevor sie sich zu Zigtausenden vor der Bühne drängen und aneinander reiben. Außerdem werde bei dem Konzert eine Milch-ähnliche Flüssigkeit „überall hingespritzt“.

Ende August bezeichnete Miley Cyrus sich als „pansexuell“ – womit sie aussagen will, dass sie sich mit allem und jedem sexuell vereinigen will, egal welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe und welchen Charakters.

Wer von den Migranten und den Wutbürgern würde ein Gratis-Konzertticket in eine solche Nacktkonzerthalle ausschlagen? Ist doch besser, als Galgen für Merkel zu basteln oder sich in den Asylheimen zu prügeln. Auch den Moslemfrauen würde es aus pansexueller Sicht gewiss gut tun, sich einmal aus ihren schwarzen Burkas auszuwickeln und ihre Haut ein bisschen dem Neonlicht, Rockklängen und „milchähnlicher“ Flüssigkeit auszusetzen.

Es werden sich also wohl schon demnächst alle Probleme, die uns derzeit noch abgründig und bedrohlich vorkommen, in Wonne auflösen. Wir brauchen bloß das Nacktkonzert als Kulturinstitution zu etablieren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Security-Leute, die den Konzertbesuchern an der Eingangstür die Unterhosen abnehmen, nicht den gleichen Fehler machen wie der Papst und den sch(p)aßsuchenden Menschen auch die Kondome verbieten. Sonst könnte im Nachhinein der administrative Aufwand für Vaterschaftsermittlungen und DNA-Analysen ins Unermessliche steigen.

Andererseits, so wäre wenigstens das demografische Problem gelöst, dass die zukunftsskeptischen Deutschen nicht mehr gewillt sind, ausreichend Nachwuchs in die Welt setzen – denn die derzeitigen 1,4 Kinder pro Paar sind nach Ansicht unserer wissenschaftlichen Experten eindeutig zu wenig, um den wirtschaftlichen Wohlschand und die Renten zu sichern.

Nachssatz (Ironie off):

Auch wenn das Nacktkonzert nun nicht sogleich das Oktoberfest ablösen wird. Aber die von US Popsternchen Miley Cyrus propagierte „Pansexualität“ zieht bereits weiteste Kreise und ist durchaus ernst zu nehmen.

Denn ein Großteil der Menschen schafft es noch nicht, das umzusetzen, was als Forderung der Zeit heute eigentlich vor uns stünde:

Etwas Empathie und Brüderlichkeit zu entwickeln. – Mit den Millionen und Milliarden Menschen, die auf der anderen Seite des Globus (oft genug auch Menschen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft) in unsäglichem Elend und Verzweiflung leben.

Unsere Schulbildung, Medien, Arbeits- und Unterhaltungswelt appellieren geradewegs an das Gegenteil: Die Ausbildung des krassesten Egoismus und Narzissmus wird als erstrebenswertes Lebensideal und als Normalität angepriesen.

Das innere Motiv, das scheinbarem Wahnsinn wie der Pansexualität (die sich mittlerweile, wie wir berichteten, auch auf den Missbrauch von Tieren erstreckt), Nacktkonzerten oder den bereits ganz real zur urbanen Normalität gewordenen Swingerclubs zugrunde liegt, ist eines, das durchaus gute Urgründe hat – nur versuchen es die Menschen auf einer vollkommen verkehrten und daher pervertierten Ebene zu leben.

Sie wollen sich endlich mit ihren Mitmenschen und der gesamten Umwelt vereint fühlen. Dort wo das möglich wäre – auf der seelischen Ebene -, schaffen sie es aber nicht, da ihnen in Schule, Erziehung und Medien vielfach nicht die Grundlagen dazu vermittelt wurden und stattdessen ihr individuelles menschliches Potenzial zugeschottert und zugeteert wurde. Sie versuchen daher das ersehnte Einswerden mit einem möglichst großen Umkreis ihrer Umwelt auf der körperlichen bzw. sexuellen Ebene zu vollbringen – was zunächst sehr freiheitlich klingt, aber per se zum Scheitern verurteilt ist und nach kurzem Strohfeuer letztlich nur Frustration, Scherbenhaufen (und jede Menge Scherbenkinder) zurücklässt.

Sören Kierkegaard hat hierzu die Parabel der frierenden Stachelschweine gegeben, die sich ständig zusammendrängen, um sich etwas zu wärmen, aber sofort wieder auseinanderstieben müssen, sobald sie sich mit ihren stacheligen Körpern aneinanderquetschen.

Und mit an sich guten Motiven die falsche Ebene zu erwischen kann im Leben etwas durchaus Fatales sein. Wenn ich z.B. das gute Motiv habe, meiner Familie ein Brathähnchen zu backen (Vegetarier mögen schon dieses Motiv weniger gut finden, ich weiß), – wenn ich nun ebendieses Brathähnchen anstatt in die Ebene des Backrohrs eine Etage tiefer direkt in den Feuerraum mit den Kohlen stecke, dann wird das dort verschmorte Brathähnchen nicht einmal mehr unsere Katze fressen. Genauso sind Misserfolg und Frustration die Folge, wenn man im Leben die Ebenen verwechselt. Macht man es hingegen wie die alten griechischen Philosophen und unterscheidet klar zwischen den Ebenen 1. des Körperlichen, 2. des Seelischen (Persönliches, Subjektives, Beziehungen) und 3. des Geistigen (Überpersönliches, Objektives, philosophische Gedanken), dann kommt man ganz gut durchs Leben und erspart sich fatalen Schiffbruch.

Auch die heutige Sucht nach Konsum und „Events“ führt zu solcher Frustration. Man will sich auf die Dinge und Wesen der Umwelt ausdehnen und damit innerlich reicher werden – und das ist auch ein guter, gesunder innerer Drang jedes Menschen. Nur, indem man seinem Körper möglichst viele Dinge einzuverleiben versucht, hat man die falsche Ebene für diesen Drang gewählt. Außer Arteriosklerose und Adipositas wird nicht viel dabei herauskommen, denn über die körperliche Ebene kann man sich nicht auf die Umwelt ausdehnen, das geht nur seelisch und geistig. Genauso wie beim Versuch, sich pansexuell mit allen Mitmenschen zu vereinigen, letzlich außer HIV, Syphilis und kaputter Familie nichts herauskommen wird.

In Wirklichkeit beruht die heute schon zur Volkskrankheit gewordene Schlaflosigkeit genau darauf: Man kann nicht mehr ruhigen Gewissens einschlafen, weil die Ebenen des Lebens großteils durcheinandergeraten sind und man einem sinnentleerten, eigentlich fremdbestimmten Lebensstil huldigt, der dem gesunden Menschsein und dem eigenen inneren Anliegen diametral widerspricht. Viele schlaflose Menschen machen die Erfahrung, dass sie augenblicklich wieder einschlafen können, sobald sie ihr Leben neu ausrichten und wieder etwas Sinnvolles tun. – Und mit Sinnvollem Tun muss jetzt nicht gleich der Wechsel des scheinbar sinnlosen Arbeitsplatzes gemeint sein. Nein, alleine schon in der Art, wie man seinen Kollegen und Mitmenschen begegnet, kann man etwas Erfreuliches, Hoffnungsvolles und somit Sinnvolles transportieren. Sogar in der respektvollen Art, wie man einen Gegenstand, ein Haustier, ein Lebensmittel etc. angreift, kann man eine sinnvolle Empfindung und damit Zufriedenheit und wirkliches, nachhaltiges Glücksgefühl schaffen.

Was viele nicht wissen: Das von der Unterhaltungsindustrie propagierte emotionale Hochpeitschen ist das Gegenteil von einer wirklichen, sinnvollen inneren EMPFINDUNG. Empfindung ist natürlich sehr viel leiser und unaufdringlicher als EMOTION. Auch muss man, wenn man eine wirkliche Empfindung entwickeln will, zunächst einen konkreten, z.B. einem guten Philosophen entlehnten Gedanken voranstellen. Das ist vielen zu mühsam, ich weiß, denn im Unterschied dazu gibt es Emotion sofort, wenn man auf einen bestimmten Knopf drückt. Emotion ist schon im Körper als Programm abgespeichert, man muss nur auf altbekannte Knöpfe drücken, dann spult sich ganz von selbst ein bestimmtes Rauchfeuerwerk ab, man fühlt sich für einen kurzen Moment scheinbar nicht mehr vom grauen Alltag umhüllt, sondern aus dem Trott gerissen und ekstatisch. Das ist leider trügerisch, denn nach dem Ausleben exzessiver, blinder Emotion fällt man auf eine depressivere Stufe zurück als man vorher war. Und als Mensch Kraft verliert. Was zur Folge hat, dass man beim nächsten Mal die „Dosis“ steigern muss. Obwohl die Emotionen also scheinbar sensationell sind, fühlt sich der Mensch, der ihnen blind frönt, mit der Zeit immer hohler, oberflächlicher und kränker. Der russische Autor Sergej Minaev hat dies in seinem Kultroman „Duchless-Seelenkalt“ anhand der US-russischen Partylöwen-Szene sehr trefflich beschrieben.

Hingegen wird man durch das bewusste Herankultivieren von (gedankengeführten) Empfindungen innerlich immer reicher, man kommt mit sich und der Umwelt auf einer viel tieferen Ebene in Einklang und wird ein zufriedener Mensch – was eines der bestgehütetsten Geheimnisse unserer Zeit ist, wäre diese Erkenntnis doch das Ende unseres neoliberalen Konsumsystems.

Das heißt nun nicht, dass man sich sogleich jeder Emotion entledigen müsse. Nein, gewisse Emotionen hat der Einzelne heute vielleicht sogar nötig, um eine menschlich weitgehend entfremdete, technokratische Umwelt überhaupt ertragen zu können. Sich ab und zu eine kultivierte – und die Betonung liegt auf kultiviert – Emotion einzuräumen, ist also durchaus etwas Normales. Aber wer in seinem Leben wirklich zufrieden sein will, der kann daran arbeiten, seine persönliche Waage immer mehr in Richtung Empfindung ausschlagen zu lassen und immer weniger in Richtung Emotion. Der Weg dazu lautet: Philo-Sophie (wörtlich: Liebe-zur-Weisheit). – Wenn ihn viele Menschen gehen, wird sich der derzeit herrschende Neoliberalismus/Mammonismus auflösen wie eine giftige Abgaswolke eines softwaremanipulierten VW-Motors im Wind.

In diesem Sinne der unverbindliche Rat des Parkwaechters: Wenn Sie demnächst per Postwurfsendung ein Gratisticket der CDU für ein Nacktkonzert bekommen – werfen Sie es in den Müll. Und machen Sie stattdessen einen Waldspaziergang.

 

Über Bevölkerungspyramiden und Demografen – warum die Politik unsere Städte und Werkhallen mit Migranten auffüllen will

18_Demografie

Fotolink (PD)

Wer derzeit nur kopfschüttelnd die Immigrationspolitik von Merkel & Co. verfolgt und auch aus den zahllosen Polit-Kolumnen rund um das Thema „Flüchtlinge“ nicht schlau wird, der hat vermutlich noch nie mit einem Demografen geredet.

Womit sich solche Grafen beschäftigen? Nun, wie der Name schon sagt, eben mit dem Volk (von gr. „demos“) bzw. der Prognose (von gr. gráphein – „schreiben“) zukünftiger Bevölkerungsentwicklungen.

So verstaubt das Wort Demografie klingt, so brandaktuell und evident sind jedoch die Forschungsergebnisse dieser Zunft. Ich durfte vor Jahren einmal auf einem Universitätskongress einem solchen Grafen dabei lauschen, was er so über unsere nächste Zukunft zu sagen hat. Schon kurz nachdem er seinen Vortrag begonnen hatte, war alle soeben noch bestehende Müdigkeit verflogen und alle Anwesenden waren hellwach. Denn was der Graf da vom Stapel ließ, war ausnahmslos starker Tobak. Dazu muss man vorausschicken, dass Demografen ihre Kunst nicht bloß zum Zeitvertreib betreiben so wie Briefmarkensammler, sondern dass ihre Berechnungen und Prognosen als „hard facts“ der Politik zugefüttert werden, damit die Regierenden rechtzeitig entsprechende infrastrukturelle, soziale und arbeitsmarkttechnische Maßnahmen ergreifen können.

Denn auch wenn der fernsehende Bürger vielfach den Eindruck hat, dass Politiker heute einfach nur„Management by Chaos“ betreiben – der Schein trügt, hinter den Kulissen arbeitet eine Heerschaar akademischer Berater und Analysten, die über messerscharfen Intellekt und alle denkbaren nachrichtendienstlichen und technischen Ressourcen verfügen. US-Präsident Franklin D. Roosevelt hat es einmal ganz offen ausgesprochen: „In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war!“

So kratzt sich auch der ehemalige Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer in einem jüngsten Artikel („Die Merkel-Regierung gehört auf den Blocksberg“) auf seinem Kopf und stellt die Frage:

„Wir werden seit Jahren als Bürger dieses Landes in einer Weise unter Mitwirkung der eigenen Sicherheitsorgane nachweislich in einer Weise ausgespäht, wie es bei Gestapo und Stasi nicht besser hätte sein können. Man will von uns alles wissen und Regierung und private Konzerne erfahren es auch. Alles richtet sich in diesem Land gegen die eigenen Bürger und diese Regierung will von der Million Migranten erst aus der Zeitung erfahren haben?

Er stellt bei dieser Gelegenheit noch eine weitere wichtige Frage, die uns aber hier zum Abschweifen führen würde und die wir daher ein andernmal behandeln wollen:

„Warum legte der wichtigste „Bündnispartner“ die Welt in Schutt und Asche und wir halten ihn nicht an, mit diesem verbrecherischen Tun aufzuhören und gefälligst die Folgen alleine zu tragen?“

Zurück also zu unserem Demografen und der Frage, warum Mutti nun eine Einladung an Migranten aller Welt in unser Land der Dichter und Denker ausgesprochen hat – zumindest an alle, die kräftig genug sind oder die genug Geld haben, es hierherzuschaffen.

Besagter Graf, der vor uns seine Powerpointfolien ausbreitete, hat sich seinen akademischen Titel auch keines keineswegs in Guttenberg’scher Manier erworben, sondern war ein richtiges Original. Seine Analysen waren so bestechend, dass ihn sogar die Regierung als Festangestellten zu sich geholt hat, um sich bei ihm exklusiven Rat für die Zukunftsplanung zu holen.

Und was er uns vortrug, war erschütternd. Er zeigte uns auf seinen Folien mehrere mögliche Zukunftsszenarien. Sie waren noch nicht gewiss und unterschieden sich durchaus, hatten aber eines gemeinsam: ausnahmslos alle zeigten eine fatale demografische Entwicklung. Die nach Alter, Leistungsfähigkeit, Berufen und sozialen Schichten gegliederten und über eine Zeitachse in die Zukunft extrapolierten Pixelmassen wirkten selbst für einen Menschen mit nur laienhafter Kenntnis der Statik wie Konstrukte, die demnächst wohl oder übel zusammenbrechen müssen: Auf dem Kopf stehende Pyramiden, Wasserkopfformen mit abgeschnürtem Hals … oder ganz einfach vollkommen fragmentierte Konstrukte.

Die Gründe für diese Fragmentierung und Ungewichtung der Bevölkerung sind vielschichtig, als einer der wichtigsten Parameter wird nach herrschender demografischer Lehre jedoch das Verhältnis Alt/Jung angesehen. Im Klartext: Wieviele leistungskräftige, das heißt steuerzahlende, das Bruttoinlandsprodukt und die Marktfähigkeit steigernde Zweibeiner hat das Land und wieviele versorgungsbedürftige/verrentete/minderleistende Zweibeiner befinden sich auf der anderen Seite der Waage?

Wenn man diese darwinistische Rechnung aktuell betrachtet, dann sieht man, dass sie immer mehr zur Ungleichung wird. Gab es zwischen 1947 und 1971 in Deutschland mehr Geburten als Sterbefälle, so hat sich das Verhältnis nun umgedreht. Und während es in unterentwickelten Ländern ein akutes Überbevölkerungproblem gibt, so gehen hierzulande lt. statistischem Zentralamt aus einer Frau bzw. aus einem zeugungsfähigen Paar nur 1,4 Kinder hervor. Das heißt, die deutsche/mitteleuropäische Bevölkerung schrumpft drastisch, und dies bei gleichzeitiger Überalterung und steigendem Verbrauch an Hochglanzressourcen und individuell beanspruchter Wohnfläche pro Kopf.

Dies alleine wäre noch nicht das Schlimmste, mit etwas Kreativität und menschlicher Gestaltungskraft der nachwachsenden Generation wäre das durchaus zu kompensieren. Nur leider wird der Verfassung dieser nachwachsenden Generation ein sehr ernüchterndes Zeugnis ausgestellt: Viele Schul- und Universitätsabsolventen leiden bereits bei Arbeitsantritt an kulturell/sozial/unterhaltungselektronisch bedingten Degenerationserscheinungen, aufgrund derer sie für den Arbeitsmarkt als unbrauchbar angesehen werden bzw. selbst therapiebedürftig sind. Und das betrifft nicht nur die psychische Verfassung (lt. WHO Statisik werden im Jahr 2030 in unseren fortschrittlichen Industrienationen Depressionen die Volkskrankheit Nr.1 sein), sondern sogar die physische (lt. einer Studie der Allianz-Versicherung aus 2012 weisen 39 % der 14- bis 24-Jährigen eine oder mehrere chronische Erkrankungen auf, die das Leben und somit die Arbeitsfähigkeit „wesentlich beeinträchtigen“).

Um bei dieser düsteren demografischen und sozio-kulturellen Entwicklung den gewohnten Lebensstil des Wohlschands und die etablierten Machtstrukturen aufrechterhalten zu können, muss man also etwas tun. Mit einem Wort: das gesamte System – genauer gesagt: diese Art von Lebensstil – ist unfinanzierbar geworden und würde bei weiterer Fortsetzung in einem Kollaps enden.

Die Syrer, Afghanen, Iraker und Somalier kommen also gerade recht. In einer Zeit, wo man mit Humanressourcen ohnehin nur noch betriebs- und volkswirtschaftlich umgeht, wird man ihnen diejenigen Plätze in der Tretmühle zuweisen, die wir selbst nicht mehr bewältigen können. Und während die meisten von uns bereits jobmüde und frustriert sind (siehe bullshitjobs), so ist die neue Armee an Arbeitswilligen hochmotiviert, Tag und Nacht alles zu geben, um sich die ersehnte Wohnung samt Waschmaschine und Flachbildschirm zu erarbeiten.

Im besten Fall kann das eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder werden“, schwärmte Daimler-Chef Dieter Zetsche diese Woche über die Zuwanderung.

Bundespräsident Gauck ist schon im April auf der Mittelmeerinsel Malta beim Besuch der dortigen Flüchtlingslager vor laufenden Fernsehkameras zur Erkenntnis gekommen, dass die jungen Migranten über eine bei uns schon fast unbekannte Arbeitswilligkeit verfügen: „Das stellt uns dann die Frage: Wollen wir die alle zurückschicken? Oder brauchen wir nicht einen Teil dieser, äh, Menschen, die eine ganz große Energie haben? Sonst hätten sie es nicht bis hierher geschafft.“

Nachdem sich dieser „Teil“ mit der „ganz großen Energie“ also im darwinistischen Kampf ums Dasein bewiesen habe, ist seine ökonomische Brauchbarkeit evident. Und diejenigen, die eigentlich wirklich unsere – und zwar bedingungslose – Hilfe bräuchten: die Kranken, Alten, Gefolterten, durch Bürgerkriege und deutsche Waffen Invalide, die schaffen es meist ohnehin nicht bis hierher und werden unser Budget nicht belasten.

Auch andere schlaue Köpfe fangen zu rechnen an. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sinniert bereits über eine bundesweite Senkung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro, da dieser die Einbindung der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt erschwere. „Um die neuen Arbeitskräfte in den regulären Arbeitsmarkt zu integrieren, wird man den gesetzlichen Mindestlohn senken müssen, denn mehr Beschäftigung für gering Qualifizierte gibt es unter sonst gleichen Bedingungen nur zu niedrigerem Lohn“, schreibt Sinn in einem Beitrag für die WirtschaftsWoche.

Indes kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche an, in Flüchtlingslagern nach Mitarbeitern suchen zu wollen. Auch die Chefs von Porsche und der Post hofften öffentlich auf frisch motivierte Kräfte und überboten sich im Chor mit den global denkenden Vertretern anderer Industriesparten im Lob auf die Vorteile der Migration für den Wettbewerbsstandort Deutschland.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert in einem Positionspapier (siehe DGB) alle Landesregierungen auf, Konzepte und Rahmenbedingungen für Zugänge der jungen Migranten zu Bildung, Ausbildung, Studium und Qualifizierung zu schaffen. Die deutsche Bundesregierung rechnet allein in diesem Jahr mit 800 000 neu einreisenden Asylsuchenden. Insbesondere eine Investition in syrische Humanressourcen erscheint lohnend. Syriens Jugend zwischen 15 und 24 Jahren weist laut UN-Statistik eine Alphabetisierungsrate von 96,4 Prozent auf, praktisch westliches Niveau – und somit beste Voraussetzung für Spracherwerb und Lernerfolg.

Auch die Bauindustrie darf sich freuen. Bundesweit fehlten inzwischen mindestens 770.000 Wohnungen, heißt es in einer Studie des auf Stadtentwicklung spezialisierten Pestel-Instituts. Unter dem Titel „Deutschland muss bauen, bauen, bauen“ berichtet die Berliner Zeitung, dass bis 2020 pro Jahr rund 400.000 Wohnungen neu gebaut werden müssten, um bundesweit den Bedarf zu decken.

Nun kommen sie also, die Zuwanderer. Muttis Ruf in die marktkonforme Demokratie hat sich in Windeseile auf allen Smartphones des Nahen/Mittleren Ostens verbreitet – und Smartphones besitzen lt. neuester Erhebung de facto alle der jungen Migranten. Die Regierung will ihnen so schnell wie möglich Sprach-Apps zum Deutschlernen auf ihre Geräte laden, damit sie die Zeit in den Wartezimmern der Erstaufnahmezentren schon mal gut nutzen können.

Sogar die Soldaten der irakischen Staatsarmee und der Polizei finden den Ruf Merkels nach Deutschland verlockender als die Aussicht, im Grabenkampf mit der IS ihr Leben zu riskieren und desertieren daher scharenweise nach Europa (http://www.haaretz.com/news/middle-east/1.676816 ). Kann man es ihnen verübeln, dass sie lieber vorm Fernseher einer Wohlschandsgesellschaft mit Bier und Weisswurst in der Hand bei der kommenden Fußball-EM mitfiebern wollen, als dagegen zu fiebern, dass die IS ihren bereits infrastrukturell in die Steinzeit gebombten Heimatboden einnimmt?

Wir haben Ihnen täglich über Fernsehen und Internet die Bilder in den Kopf gesetzt, wie luxuriös und mühelos das Leben hier in Europa ist. Ein französischer Schriftsteller hat einmal die Vermutung angestellt, dass in Wirklichkeit Katzenfutter-Werbung der Grund für die magnetische Anziehungskraft Europas auf Migranten sei. Jeder kennt wohl den Sheba-Werbespot: Eine schöne Frau in geschlitztem Abendkleid kuschelt auf einem luxuriösen Sofa mit ihrer grauen Katze, serviert ihr auf einem Teller eine feine Pastete, die sie zuvor noch liebevoll mit einer Gabel in der Mitte teilt und Stück Dille dazwischen legt. Da käme unweigerlich die Vorstellung auf: Wenn in Europa sogar die Katzen ein so schönes Leben haben, wie gut muss es dort erst den Menschen gehen?

Aber was werden wir mit dem Katzenjammer machen, wenn die jetzt nach ihrer Überfahrt ins gelobte Land noch euphorisch strahlenden Migranten feststellen, dass die Realität eine ganz andere ist? Dass selbst die deutschen Staatsbürger einem eiskalten Existenzkampf unterworfen wurden, in dem immer mehr Menschen auf Gratis-Essen bei der Tafel angewiesen sind (laut Jahresbilanz des Bundesverbandes Deutsche Tafel essen dort bereits über 1 Million deutsche Bürger, Tendenz stark steigend). Ein gelobtes Land, in dem lt. Bundesagentur für Arbeit/BA jedes sechste Kind in einer Hartz-IV-Familie lebt, in der Bundeshauptstadt ist es bereits jedes dritte Kind (Quelle: Focus Online). Ein gelobtes Land, in dem man als Mensch nicht mehr einfach alt werden kann so wie früher, sondern in dem man gefragt wird : „Kannst du es dir überhaupt leisten, alt zu werden?“ (so gesehen wörtlich auf einem Plakat einer deutschen Bank)

Was also, wenn sich unter den Migranten demnächst die große Ernüchterung breit macht? Wenn sie erkennen müssen, dass ihnen die Konsumgüter und Statussymbole, die sie haben wollen, doch nicht zugänglich sind? In Röszke/Ungarn zeigte sich bereits, wie schnell die Aggressivität junger, entwurzelter Männer hochkochen kann, wenn man ihnen verwehrt, was sie haben wollen (siehe Spiegel Online Video).

Bevor sie nach Europa gekommen sind, haben sie bereits via YouTube internalisiert, was man sich hier so an Statussymbolen zulegen muss, damit man sich vor der Sippschaft dann als richtiger Kerl anschauen lassen kann: 5 Sterne am SUV, denen Bushido hier eine Hommage singt, sollten es mindestens sein.

(Warnung: Der Sinn des Textes dieses Songs bleibt selbst einem philosophisch geschulten Kopf weitgehend verborgen und wird sich wohl erst im Jenseits erschließen. Der Rhythmus des Songs ist allerdings ein Ohrwurm, der sich bereits beim einmaligen Hören für längere Zeit festbeißen und sich bei nochmaligem Hören tief ins Holz bohren kann. Wer also SUVs bisher verachtet hat, der sei gewarnt: Wenn er den Song mehr als 1x hört ist es möglich, dass er ab nun selbst vom SUVismus besessen wird.)

 

 

(Ironie am Rande: das soeben gesichtete jüngste Posting nach ca. 14,5 Millionen Hörern dieses Songs auf YouTube stammt von User Fabian Bedoya und lautet: „Weis irgendwer woher shindy das shirt hat?“ … User Zillox IV antwortet: „Vielleicht von Criminal Damage…“)

Leider wird sich mit dem gesetzlichen Mindestlohn in Dtld. und dem Hartz IV Satz ein SUV bis ans Lebensende nicht ausgehen, oft nicht einmal ein hippes Marken T-Shirt von „Criminal Damage“, mit dem man dann zumindest am Facebook-Selfie demonstrieren könnte, dass man es zu etwas gebracht hat und in der gleichen Liga wie Bushido mitspielt.

Hingegen reicht der sauer erarbeitete Lohn heute meist gerade mal für Wohnen, Essen, Matschphone und ein paar Energy-Drinks aus dem Budget Regal des Supermarkts. Auch den sonstigen Lifestyle, wie er auf dem Album „FuckBitchesGetMoney“ breitenwirksam gepredigt wird – dem auch der Gassenhauer „5 Sterne am SUV“ entnommen ist -, wird sich der wohlstandshungrige Migrant mit einer Stelle als Kühlregalschlichter bei Lidl in der Regel wohl abschminken müssen.

Bevor er jedoch vor seinen Freunden und seiner Familie als Loser dasteht, wird er also andere Wege finden müssen, um sich die begehrten Dinge zu beschaffen. Wozu hat er denn sonst die Überfahrt über das Meer und seinen Kopf und Kragen riskiert? Etwa, um dann hier als Underdog auf einer Tafel sein Dasein zu fristen? In einer Zeit, in der man seinen Freunden täglich über Facebook ein Update gibt, was man gerade Tolles treibt und isst und wo sich jeder als superschlauer Selfmademan, Partylöwe und gut geölter Geschäftsmann gibt? – Nein, das geht gar nicht.

Der Gefängnispsychologe Götz Eisenberg hat daher in einem jüngsten Essay (siehe Nachdenkseiten) auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass für die Neuangekommenen in unserem Land Bindung entstehe – mir gefällt das Wort „Beziehung“ besser, andernfalls die hier entwurzelten jungen Menschen außer Rand und Band geraten könnten und wir später umso mehr Geld für Gefängnisbau und Polizei ausgeben müssten:

„Die Masse der jungen Männer, die nun zu uns kommen, könnten sich unter diesen Bedingungen zu einer zeitgenössischen Form dessen entwickeln, was man früher „gefährliche Klassen“ genannt hat. Viele von ihnen sind entwurzelte, oft sogar traumatisierte junge Männer zwischen Pubertät und Eheschließungsalter, für die keine verbindlichen oder wirksamen Regeln und Schranken des Verhaltens bestehen, die sich nichts und niemandem verpflichtet fühlen. Weder Arbeit – sie haben meist keine – noch stabile Liebesbeziehungen, die dem schweifenden Trieb Dauer und Form verleihen, indem sie ihn an ein Objekt fest binden, verorten sie in der Gesellschaft und halten sie von Regelverletzungen zurück.

Man hat ihre Köpfe via Fernsehen und Internet mit Bildern einer Welt des Luxus und der Mühelosigkeit versorgt, zu der man ihnen gleichzeitig den Zutritt verwehrt. Man hat in ihnen Wünsche geweckt, deren Erfüllung sie zu Mitgliedern dieser Gesellschaft machen könnte, gleichzeitig fehlen ihnen aber die Mittel dazu, diese sich auf gesellschaftlich lizenzierte Weise erfüllen zu können. So leben sie in einem Zustand permanenter Frustration und fürchten, mangels vorzeigbarer Statussymbole und demonstrativen Konsums aus der Gemeinschaft der Gleichaltrigen und der durch sie repräsentierten Gesellschaft herauszufallen oder gar nicht erst in sie hineinzukommen. Die Versuchung ist groß, sich die begehrten Dinge auf anderen, das heißt kriminellen Wegen zu besorgen. Wenn jetzt an den notwendigen emotionalen und finanziellen Mitteln gespart wird, werden wir später viel Geld für Polizei und Gefängnisse ausgeben müssen.“

Derzeit gehen Fotos unserer „Willkommenskultur“ um die Welt. Deutsche WohlstandsbürgerInnen in glänzenden Shopping Mall-Tempeln bilden mit vollgefüllten Einkaufswägen ein Spalier, durch das neuangekommene Migranten hindurchgehen und links und rechts nach geschenkten Waren greifen können. Migrantenkinder bekommen Teddybären und Plüschgiraffen in die Hand gedrückt und vergießen Tränen, sind erleichtert. Wenn man diese Bilder sieht, dann drücken solche Szenen unweigerlich auch bei einem selbst auf die Tränendrüse und gehen einem ans Herz, das ist auch mir nicht anders gegangen. In einer weitgehend technokratisierten Welt sieht man solch herzenswarme Bilder, wo Menschen einmal nicht für sich raffen, sondern etwas miteinander teilen, selten. Aber haben wir das Ganze auch zu Ende gedacht? Haben wir bedacht, was diese Bilder, die über Fernsehen und Smartphone nun rund um die Welt und auch in die mit Millionen Menschen gefüllten Flüchtlingslager in Jordanien, Libanon und in die Türkei gehen, bei den Menschen dort an Hoffnungen wecken, die wir niemals erfüllen werden können? Wieviele hunderttausende Menschen werden sich aufgrund dieser Bilder nun ebenfalls auf den Weg zu uns machen, und wieviele Zigtausende werden dabei umkommen?

Ich meine nun nicht, dass man das Helfen lassen solle, das liegt mir fern. Das Chaos und die Not, vor der wir bisher weggeschaut haben, steht nun vor unserer Tür und natürlich geht es darum, jetzt das Beste daraus zu machen und nicht unmenschlich zu reagieren. Und es ist ganz natürlich, dass Menschen begeistert sind, zu helfen, da sie oft das erste Mal in ihrem Leben die Erfahrung machen, wie es ist, eine Arbeit/Handlung auszuführen, die nicht sinnlos ist, so wie man das in seinem Job gewohnt ist (siehe bullshitjobs). Aber man kann auch diskret helfen, ohne dass es gefilmt und auf Facebook/Twitter verbreitet wird. Noch wirkungsvoller wäre es, dorthin zu spenden, wo diese Menschen herkommen, anstatt ihnen hier gönnerhaft Konsumprodukte in die Hand zu drücken.

Aber vor allem täten wir gut daran, uns Gedanken darüber zu machen, was wir den Migranten kulturell entgegenbringen, denn wenn wir sie nur nach ökonomischer Verwertungslogik integrieren wollen, dann ist ein Fiasko vorprogrammiert. Dazu müssten wir uns einmal fragen, was wir denn überhaupt selbst unter Kultur, Menschsein und Sinn des Lebens verstehen, welche Werte wir vertreten und wie wir nach außen in die Welt wirken wollen. Denn falls die neu ankommenden Menschen merken sollten, dass wir solche Werte überhaupt nicht mehr haben, und sich hinter dem glänzenden Schein unserer technisierten Wohlstandswelt nur gähnende Leere verbirgt, dann … könnte es uns vielleicht so ergehen wie den alten Römern gegenüber Odoaker und seinem Söldnerheer.

Das derzeitige Chaos mit seinen demografischen Umwälzungen wäre also eine gute Gelegenheit, uns selbst zu reflektieren.

Apropos Demografie. Lassen wir unsere Sorgen um die Zukunft zum Abschluss einmal kurz beiseite. Aus der Demografie gibt es auch etwas zu berichten, was Anlass zur Hoffnung gibt. Der eingangs erwähnte Demograf hat nämlich auch von einer empirischen Studie erzählt, über deren Ergebnis er und seine Kollegen selbst vollkommen überrascht gewesen seien:

Eine Analyse der gemeinhin als Karrieristen oder „Yuppies“ geltenden jungen und wohlhabenden Generation hat nämlich ergeben, dass es dieser Generation nicht nur wie erwartet um Profitsuche, Entertainment und egoistische Selbstoptimierung gehe (dieses Motiv nach „5 Sternen am SUV“ fand sich jedoch ausgeprägt bei der sogenannten „Unterschicht“) , sondern überraschend stellte sich heraus, dass ein beträchtlicher Anteil der jungen Menschen aus gebildeteten Schichten des materialistischen Lebensstils und der damit einhergehenden Zerstörung der Zukunft bereits überdrüssig ist und sich zunehmend mit dem Sinn des Lebens, mit Nachhaltigkeit, Spiritualität und mit altruistischen Tätigkeiten im Bereich Ökologie, Umweltschutz, Tierschutz, Slow Food Bewegung und dgl. beschäftigt. Obwohl sie äußerlich oft noch vom Mammon geknebelt sind, haben sie ihm innerlich bereits abgeschworen.

In der jährlichen Jugendstudie des Ölmultis Shell, in der Werbung und in den Zeitungen erfährt man von diesem stillen Generationenwandel freilich nichts. Das wäre ja auch eminent konsumschädigend und stellte das gesamte System, dem Shell, die Werbung und die Zeitungen dienen, in Frage. Aber der Demograf wusste, wovon er redet. Es besteht also noch Grund zur Hoffnung…

 

Nachsatz: Nach dem Hinweis, dass das Bushido-Video die schöne Schlussperspektive des letzten Absatzes wieder zunichte macht, hier also ein passenderer Schlusspunkt bzw. Ausblick, in welchem Thomas D der vom Demografen angesprochenen neuen Generation seine Worte und seinen Sound leiht (Anm: in DE eventuell nur mit Proxy erreichbar, z.B. Firefox Addon https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/hidemyass-free-web-proxy/    oder  https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/proxtube/)

 

Nachsatz II:

@Bushido: In einer Analyse der Songstexte auf http://www.annotazioni.de/post/1658 wird nachgewiesen, wie Bushido & Co. perfekte Werbeträger für die neoliberale Ideologie sind und wie sie in ihren Songtexten sozial Schwache, Hartz IV Empfänger u.a. zynisch ausgrenzen:

>> Die Künstler zeigen mehr unbewusst als bewusst, wie die neoliberale Ideologie sich in den „gesunden Menschenverstand“ eingeprägt hat. Sie inszenieren sich als neoliberale Subjekte, die „marktkonform, wettbewerbsfähig, selbstdiszipliniert, anpassungsbereit, flexibel, egoistisch, aktiv und unternehmerisch“ (ebd.) sind und entsprechend handeln. In ihren Texten zeigen sie sich als Menschen, die sich gerne selbst thematisieren, sich selbst optimieren sowie selbst darstellen. So können die Texte der Künstler als herrschaftsstabilisierend angesehen werden. Sie propagieren eine neoliberale Moral,  gesellschaftskritische Momente hingegen sind so gut wie nie vorzufinden.<<

Es ist also kein Wunder, warum Bushido, Sido & Co. täglich in den Zeitungen prangen und ihre Songs gehypt werden. Hingegen werden Rapper, die die Gangstarap-Texte doof finden und sinnvolle / der wirklichen gesellschaftlichen Not entsprechende Inhalte transportieren wollen (ja, solche gibt es auch, man hört nur nichts von ihnen), von der Musikvertriebsindustrie eisern boykottiert und von den Medien totgeschwiegen. Gegenüber diesem jungen Rapper im u.a. Video wurde sogar erreicht, dass ein Eintrag seiner Person auf Wikipedia „mangels Irrelevenz“ wieder gelöscht wurde. Dabei hat der junge Mann sowohl lyrisch als auch musikalisch wirklich etwas auf dem Kasten (er engagiert sich bei der Friedensbewegung, ist einer der bekanntesten Musiker der Montagsdemos und Friedensmahnwachen und erreicht über seinen Youtube Kanal eine Zigtausendschaft an Fans):

oder auch: „Die Welt von Morgen“  https://www.youtube.com/watch?v=ddvDp8XovsA

 

 

MigrantenPOWER !!

Dieser Blog ist eine Internetsahneschnitte, auf die das Netz schon viel zu lange hat warten müssen.

http://www.aggromigrant.com/

Hier kommen Migranten zu Wort und sie drehen den Spieß einfach mal um. Mal harscher, mal poetischer, mal erzählerischer, mal philosophischer erfahren wir ihre Sicht auf die Dinge, ihre Stellungnahme zu unserer Gesellschaft und zu ihrer Realität. Sie sind nicht (mehr) die, über die man spricht, sie sind die, die über uns sprechen.

Starke Muslime mit Kopf, Herz, Bildung und Schnauze, die ihrer Empörung mit gutgesetzten Worten Luft machen und uns die unsere damit aus den Segeln nehmen. Sie zwingen uns, hinzuhören, denn sie begegnen uns erfrischend auf Augenhöhe.

Ein gutes, ein starkes Stück Deutschland. Daran können wir wachsen.

© 2010 Echsenwut.

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