Menschenversuche

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Menschenversuche in Deutschland und der EU

Unseren Politikern fällt ja wahrlich nichts mehr ein. Außer natürlich: Lügen verbreiten.
Über Griechenland regt man sich auf, weil sie die Eu beschwindeln, aber den Ruhm für die stabile Marktwirtschaft nimmt man dann doch aufrecht entgegen … obwohl er auf einer Lüge basiert.

http://www.welt.de/wirtschaft/article6665643/Briten-staunen-ueber-deutsches-Wirtschaftswunder.html

Wer hätte das gedacht: Jahrelang musste sich das deutsche Wirtschaftsmodell Spott und Häme gefallen lassen, vor allem aus dem angelsächsischen Raum. Doch plötzlich ist man dort verblüfft, wie gut die Bundesrepublik durch die Krise kommt. Das renommierte Magazin „The Economist“ zieht interessante Schlussfolgerungen.

Die Schlußfolgerungen brauchen uns nicht interessieren, da sie auf einer Lüge beruhen. Schröder hat durch Hartz IV keine Arbeitslosen abgebaut, er hat sie statistisch für sehr viel Geld „in den Skat gedrückt“, wie man so sagt. Und natürlich enteignet und die Bürgerrechte eingeschränkt … ich glaube nicht, das andere Völker das so mit sich machen lassen würden. Das Prinzip „staatliche Bestrafung für Arbeitslosigkeit“ kann man normalen Menschen nicht so leicht verkaufen, die merken das schnell.

Schauen wir uns doch mal an, wie gut es dem deutschen Arbeitsmarkt wirklich geht. Aber Vorsicht: das kann Angst machen:

http://www.bpb.de/wissen/4JL61U,0,0,Zugang_und_Abgang_an_Arbeitslosen.html

Die sich nur langsam verändernden Arbeitslosenzahlen erwecken leicht den Eindruck, dass es sich bei den Arbeitslosen um eine gleichbleibende Gruppe handelt. Dieser Eindruck ist falsch. Vielmehr kommt es jeden Monat zu massenhaften Abgängen und Zugängen. Allein im Jahr 2007 wurden mehr als 8,2 Millionen Personen arbeitslos (Zugänge); gleichzeitig gab es 8,8 Millionen Abgänge aus der Arbeitslosigkeit.

Das heißt, wir haben eine verarmende Masse von 17 Millionen arbeitsfähigen Bürgern, die keine normale Festanstellung mehr bekommen und tagtäglich von Arbeitslosigkeit bedroht sind. 17 Millionen torkeln täglich hin und her. Gerne auch ganz billig in Zeitarbeitsfirmen. Und ihre Arbeitslosenzeiträume finanzieren die auch alle erstmal aus ihrem Ersparten … dank Hartz IV. Darum lohnt sich für diese Bevölkerungsgruppe sparen überhaupt nicht mehr. Saufen, fressen, Reisen, Sex, Fernsehen … das geht gerade noch. Alles was längerfristig Sinn machen würde … wäre für sie Unsinn, dann das kassiert die ARGE. Und da wundert man sich, das die dann letztlich mit 55 völlig kaputt so enden, wie man sie jahrelang beschrieben hat: mit Bier in der Hand vor dem Fernseher. Ich kenne übrigens auch Beamte, die so leben…nur nebenbei bemerkt. Wenn das Leben keine Herausforderung mehr hat, muß man sein Elend halt betäuben.

An diesem Modell verdienen die Unternehmen sehr gut, aber das war schon vor der Krise kein Modell das irgendeine Bevölkerung gut gefunden hätte. Und wenn sie sehen würden, das diese ganzen Jobs auch noch staatlich subventioniert wären, dann würde man sehen, das die BRD immer noch krank ist … aber Schröder hat sie gut geschminkt. Und die Krankheit erkennt man an der Staatsverschuldung, den Pisa-Ergebnissen, den Auswanderungen, den Steuerhinterziehungen. Dieses Land wird zur Leiche, die zum plündern freigegeben wurde … nur werden diese Ergebnisse durch Lügen gut verdeckt.

Die nächste Lüge: Menschen, die „es geschafft haben“ rutschen nicht in Hartz IV. Wer einmal gute Leistung gebracht hat, der bleibt auch da. Kam ja vor ein paar Tagen in allen Medien und der Datenschutz hilft dabei, diese Lüge zu entlarven.

Dabei ist der Weg ganz einfach: Krankheit, Arbeitslosigkeit, Hartz IV. Früher hätten die Menschen eine Berufsunfähigkeitsrente bekommen, doch die bekommen nur noch diejenigen, die heute über 49 sind. Die anderen … bekommen Hartz IV, obwohl sie nicht mehr arbeiten können. Ich kenne da akut einen Fleischer mit einer ansteckenden Hautkrankheit, ein fleißiger Mann, mitte Vierzig … und damit knapp dran vorbei.
Anstatt den armen Rentner muß er jetzt per Gesetz dazu verdonnert den asozialen Faulpelz machen. Er leidet sehr darunter … und überlegt, wie er wieder als Fleischer arbeiten kann – zur Not in einer anderen Stadt ganz neu anfangen … aber dann nicht mehr zum Arzt gehen. Ich habe ich gesagt: es gibt heute EDV, die kriegen Dich überall.

„Leistung muß sich wieder lohnen“ ist ein Hohn. Die Agenda 2010 hat die Lebensleistung von Millionen von Menschen zerstört und zerstört die Zukunft von Millionen von Kindern … dabei ist alleine das Erziehen von Kindern in dieser kaputten Gesellschaft eine Riesenleistung.

Doch weiter zu den Lügen, die man uns so auftischt, damit sich das Rad noch ein paar Tage weiterdreht.
Da gibt es ja diese Frau, die in alter schröderscher Tradition die SPD noch weiter in den Keller rammen will:

http://www.welt.de/politik/article6670590/Scharfe-Kritik-an-Krafts-Hartz-IV-Vorschlag.html

Hannelore Kraft würde gerne, dass Hartz-IV-Empfänger gemeinnützige Arbeit leisten. Doch CDU und Linke widersprechen der SPD-Spitzenkandidatin für die NRW-Landtagswahl heftig. Krafts Vorschlag sei eine „Kapitulationserklärung“, „würdelos“ und außerdem bloß eine Kopie der Ideen Westerwelles.

Ja, zu diesem Vorschlag ist in der Tat schon genug gesagt worden. Nichts gegen Arbeitsanreize … aber die besteht in einer demokratischen Gesellschaft ganz einfach in gerechtem Lohn, der ein würdiges Leben erlaubt. Schon wären die Arbeitslosen fort. Wenn es dann auch noch Arbeitsplätze wären, die auch chronisch Kranken eine würdige, sinnvolle Arbeit geben, dann könnte man die ARGE gleich dichtmachen…
was aber nicht geht, weil da ganz viele SPD-Leute drinsitzen, die vorher im Friedhofsamt waren.

Doch der kraftlose Vorschlag ist nicht das, was mir ins Auge fiel. Wie wir anhand der „linken“ Regierungen in Griechenland und Island sehen, gilt überall das Gleiche: man darf nur noch den wählen, der die asozialen Quälereien durchsetzen muß, weil er sonst Ärger mit den „Märkten“ bekommt. Aber dafür … gehe ich nicht mehr in die Kabine. Das kostet immerhin Muskelkraft. Die bezahlt mir keiner.

Viel spannender ist ein kleiner Text am Rande:

Nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ droht mehr als 30.000 privat Krankenversicherten in diesem Jahr eine Schuldenfalle, weil sie Hartz IV beantragen müssen. Im vergangenen Jahr seien 11.000 Menschen betroffen gewesen. Diese Zahlen habe das Arbeitsministerium auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Brigitte Pothmer genannt. Hintergrund des Problems: Seit 2009 dürfen Privatversicherte dem Bericht zufolge nicht mehr in die gesetzliche Krankenkasse zurück, wenn sie in Hartz IV rutschen. Sie müssen in den Basistarif der Privaten wechseln. Dort zahlen sie den halbierten Beitrag, derzeit 291 Euro im Monat.

Allerdings gewähren die Jobcenter nur einen Zuschuss von 126 Euro. Können die Arbeitslosen die Differenz von 165 Euro nicht zahlen, muss die Kasse zwar die Kosten für Behandlungen übernehmen, fordert die Schulden aber

Um sich privat versichern zu können, muß man vorher schon ein gewisses Einkommen gehabt haben. Sicher, schon vor zwanzig Jahren war klar, das diese Privatversicherungswahn eine tödliche Falle ist, aber Generation Doof fiel so gerne auf die bunten Broschüren und die hübschen Makler herein. Wer so schöne Augen hat, dem konnte man einfach nicht wiederstehen.

Jetzt zahlt man die Zeche dafür. 43000 gut verdienende Menschen in zwei Jahren … Tendenz: explodierend.
War mal wieder eine Lüge, das man ab einem bestimmten Einkommen ja gar nichts mit Arbeitslosigkeit zu tun hat … oder das es nur einen von Tausend trifft (es sei denn, wir haben 43 Millionen Arbeitslose, was hinkommen kann, gehen doch nur noch 27 Millionen regulär arbeiten). Genauso wie die Aussage, das man in Zeiten der Krise auf gar keinen Fall sparen darf … ich hoffe, man kann sich an Merkels Sprüche noch erinnern?

Nun, in Griechenland beginnt jetzt ein groß angelegter Menschenversuch, was denn geschieht, wenn man es doch macht:

http://www.ftd.de/politik/europa/:kolumne-thomas-fricke-experiment-am-lebenden-griechen/50084218.html

Bei Ökonomen ist derzeit in Mode, wirtschaftliche Phänomene am lebenden Objekt zu testen statt in abstrakten Modellen. Das ist prima. Und die Griechen haben gerade beste Chancen, zu Kollektivprobanden eines großen wirtschaftspolitischen Experiments zu werden. Immerhin hat in der Weltgeschichte noch keine Regierung versprechen müssen, so schnell und rabiat ein Staatsdefizit abzubauen – um ein Zehntel der Gesamtwirtschaftsleistung in drei Jahren. Und zwar mitten in der Rezession, was bekanntlich alle anderen Regierungen der Welt als wirtschaftlich kontraproduktiv bis zwecklos ablehnen.

So wie man bei uns die schleichende Enteignung und Vernichtung des Mittelstandes betreibt (der ja nicht durch Zufall oder als Folge einer Naturkatastrophe schrumpft, sondern durch den Billiglohnmarkt Deutschland gar keine Chance mehr hat zu überleben) um zu sehen, was denn da passiert, möchte man bei den Griechen einfach mal gucken, was geschieht, wenn man ein Volk komplett entmündigt. Die Ziele sind sehr ehrgeizig … aber wohl kaum einem Normalbürger bekannt:

Nun könnte man ja sagen, dass die Ausgangslage schlimmer war. Nur ist selbst das nicht so klar, da britische wie amerikanische Staatsfinanzen als ähnlich anfällig gelten. Der Anteil der Staatsgehälter am BIP ist bei den Griechen gerade zwei Prozentpunkte höher als im Euro-Zonen-Schnitt. Wenn die Griechen ihr Programm durchziehen, soll das Staatsdefizit 2011 nur noch halb so hoch sein wie das in Großbritannien oder den USA. Halb so hoch!

Aha. Und wenn das griechische Model funktioniert … was glaubt ihr wohl, das dann Deutschland blüht?
Dabei … wenn es Mode macht, schauen wir ehemaligen Exportweltmeister, die früher auch an den Griechen ganz gut verdient haben, ganz blöd in die Röhre, denn:

Da haben die weder Lust noch Geld, deutsche Exporte zu kaufen.

Aber wenigstens könnte man sich doch jetzt endlich mal das Geld für „Experten“ sparen, oder? Die hatten wir ja ursprünglich mal eingeführt, um keine realen Menschenversuche mehr machen zumüssen.

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