Menschen

This tag is associated with 13 posts

Flug in den Tod mit ausgeschalteter Gehirnhälfte …

175 pixaby_wild-geese-1149699_1280

Eine riesige Population an weißen Gänsen ist vor Kurzem verendet. Bei ihrem alljährlichen Zug in ihr Winterquartier sind die Tiere in einem See zwischengelandet. Der See war vergiftet, ein dort ansässiger Konzern hatte gewinnschonend darauf verzichtet, seine Altlasten zu bereinigen. Äußerlich war der See idyllisch anzusehen, doch sein Wasser hatte sich mit hochtoxischen Substanzen aus einem stillgelegten Bergwerk angereichert.

Augenzeugen berichten von einem erschütternden Anblick. „Der ganze See war bedeckt mit toten weißen Vögeln wie mit herabgefallenen Blüten“. Ich finde den Zeitungsbericht nicht mehr, will ihn auch gar nicht suchen, ebenso wie ich darauf verzichte, weitere Links und Statistiken über das alljährliche Gemetzel an unseren Zugvögeln anzuführen, sie wären zu deprimierend.

Jedes Jahr verlassen alleine in Deutschland  ca. 50 Millionen Zugvögel ihre Brutgebiete und machen sich auf einen Weg, der laut Schätzungen von Ornithologen für mehr als die Hälfte der Tiere den Tod bedeuten wird. Es ist meist kein natürlicher Tod, es sind industrielle und vom Menschen geschaffene Einrichtungen, die den gefiederten Freunden zum Verhängnis werden. In deutschen Windrädern en masse verhäckselt, in kilometerlangen Fangnetzen in Ägypten oder in Klebefallen an Zweigen in Zypern gefangen, finden sie ihr schnelles oder qualvolles Ende.

Sie fliegen schon seit undenklichen Zeiten, die Vögel. Warum sie jedes Jahr unter Aufbietung aller Kräfte und unter großen Verlusten Kontinente und Meere überqueren, wir wissen es in Wirklichkeit immer noch nicht. Vielleicht sind sie interkontinentale Botschafter, die etwas Wichtigeres vermitteln als unsere Leitmedien. Auch welche grandiose Aufgabe sie im Haushalt unseres Ökosystems erfüllen, ist den wenigsten von uns bewusst. Ihr Orientierungs- und Durchhaltevermögen sind uns kaum begreiflich. Flüge von tausenden Kilometern, mitunter über hohe Gebirge, durch Regen, Schnee und Eis, bewältigen manche Enten- und Gänsearten, indem ihre beiden Gehirnhälften während des Marathonfluges abwechselnd schlafen und wachen. Ohne Nahrungsaufnahme und unter Verlust eines großen Teils ihres Körpergewichts landen die Tiere dann schließlich ohne Kompass an der Destination, zu der ihnen die große Vogelseele den Weg gewiesen hat. Von der Evolution über Millionen von Jahren mit faszinierenden Fähigkeiten ausgestattet, um den herben Bedingungen der Elemente zu trotzen und ganze Meere überqueren zu können, stehen sie allerdings den technischen Errungenschaften, auf die wir heute so stolz sind, vollkommen hilflos gegenüber. Ihr Manko: Sie haben schlichtweg kein Sensorium für diese evolutionär gänzlich neuartigen Gefahren.

Da ja laut Novalis für uns Menschen „alles äußerlich Sichtbare nur ein Gleichnis“ ist, frage ich mich gerade, wieviele von uns den Zug, den wir gerade unternehmen, wohl schaffen werden. Und wie viele von uns und unseren Kindern in einem der unzähligen Netze und Klebefallen enden werden, die für uns ausgelegt wurden. Oder in einem scheinbar idyllischen See, in dem man Spaß haben kann, der aber hochtoxisch ist und den niemand, der von seinem Wasser getrunken hat, wieder verlassen kann. Er mag zwar physisch weiterleben, aber trotzdem an „Mentalvergiftung“ (Prof. Mausfeld) und innerer Vermorschung zugrunde gehen.

Doch nicht nur der geistige Tod droht, sondern auch ganz schnöde gesundheitliche Fatalismen. Dabei sind es nicht nur fremde Hände, die uns zum Verhängnis werden können, sondern vor allem auch unsere eigenen. Denn gleich den Gänsen haben in Wirklichkeit auch wir für viele der technischen Errungenschaften, als deren Herren wir uns dünken, noch kein rechtes Sensorium ausgebildet. Was deren Gefährlichkeit bzw. deren langfristige Folgen für unsere Gesundheit und unsere Psyche anbelangt, stellen wir derzeit eine grenzenlose Naivität unter Beweis. Als jemand, der als Produktentwickler selbst im Hurrikanauge des R&D steht, könnte ich jetzt Bände erzählen, was hinter vielen Produkten und Technologien, die uns von einer Hochleistungs-Marketingindustrie täglich schmackhaft gemacht werden, so alles an desaströsen Nebenwirkungen steckt, über die man in den oberen Etagen Bescheid weiß, aber nicht darüber spricht. Alleine die zum Teil unveröffentlichten Studien über die gesundheitlichen Nebenwirkungen der heute unseren Alltag prägenden Drahtlostechnologien und LED-Beleuchtung, in die ich bisher Einblick hatte, würden jedem Gutbürger der glaubt, mit diesen Techniken Spaß zu haben, die Haare zu Berge stehen lassen.

Zurück aber zu den Gänsen und Vögeln. Diesmal also keine schlimmen Bilder und keine verstörenden Links, stattdessen ein poetisch-berührendes Video von Mike Oldfield, eine Hommage an das Luftelement und unsere zarten gefiederten Freunde, die jetzt gerade auf Messers Schneide ihren Weg durch Sturm und Schnee suchen. Jahr für Jahr kehren weniger von ihnen zurück und in manchen Landstrichen ist es im Frühjahr bereits bedrückend still. Fröhliches Gezwitscher und Gesänge, die unser Herz  beschwingen, sind selten geworden.  Jeder, der sich schon einmal näher mit einem Vogel angefreundet bzw. ihn aufgezogen hat, kann nur staunen über das Faszinosum seines Wesens, das langsam heranwachsende Wunderwerk jeder einzelnen Feder, die sich zusammenfügt zu einem farbenprächtigen und mit unglaublicher Liebe zum Detail gezeichneten Kleid, mit dem die Lufttiere – sogar ihre Knochen sind mit Luft gefüllt -, von der Natur in ihrem Großmut eingekleidet werden. Wie ein kostbarer, filigraner Juwel kann einem solch ein gefiederter Geselle erscheinen, der sich da seinen gefahrvollen Weg durch Schnee und Sturm bahnen muss. Und wie leicht kann dieser Juwel zerschellen.

Obwohl die Bilder und die Musik Oldfields im untigen Video keinerlei Grausamkeiten andeuten, sondern nur eine feine Poesie verströmen, mögen bei einem empfindsamen Gemüt dabei womöglich mehr Tränen zutage treten als bei einer noch so erschreckenden Zeitungsreportage über den alljährlichen Todesflug. Er braucht sich dabei keine falsche Scham antun. Das, was uns ein zynisches System heute mit aller Gewalt abzutrainieren versucht: unsere Empathie und Mitfühlensfähigkeit, darf sich ruhig auch einmal regen. Wer diese nicht bewusst kultiviert, den wird sie womöglich unbewusst einholen und ihren Tribut fordern … denn in Wirklichkeit geht die gewaltige Zerstörung an menschlicher und zivilisatorischer Substanz, die gleich der Vernichtung der Vogelmassen bei ihrem jahreszeitlichen Zug für uns Menschen jeden einzelnen Tag stattfindet, nicht spurlos an uns vorüber. Auch wenn wir alles tun, um diese Zerstörung nicht wahrhaben zu müssen.

 

(Foto: pixabay/CCo)

Der Tod und das gelungene Leben in Geschichte und Gegenwart – und die wahre Sünde

Mittwoch, 12.6.2013. Eifel. Der Tod eines für mich wichtigen Menschen führte mich in den letzten Tagen wieder einmal zu den Ursprüngen philosophischer Arbeit zurück, zu den elementaren Fragen des Lebens. Drei lebensgefährdende Autopannen hintereinander haben mir auch wieder einmal vor Augen geführt, dass auch ich nicht ewig leben werde, obwohl ich - wie die meisten meiner Mitmenschen - das deutliche Gefühl habe, dass dies so ist. Diese Erfahrungen kommen gerade zur rechten Zeit, denn gerade jetzt habe ich gemerkt, wie falsch ich doch gelegen habe mit meiner Annahme, es gäbe in der politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Dimension des Lebens etwas zu tun, weil einiges aus dem Ruder läuft. Eine im Spiegel veröffentlichte Studie hat mich aber von dem Irrglauben befreit:

Mittwoch, 12.6.2013. Eifel. Der Tod eines für mich wichtigen Menschen führte mich in den letzten Tagen wieder einmal zu den Ursprüngen philosophischer Arbeit zurück, zu den elementaren Fragen des Lebens. Drei lebensgefährdende Autopannen hintereinander haben mir auch wieder einmal vor Augen geführt, dass auch ich nicht ewig leben werde, obwohl ich – wie die meisten meiner Mitmenschen – das deutliche Gefühl habe, dass dies so ist. Diese Erfahrungen kommen gerade zur rechten Zeit, denn gerade jetzt habe ich gemerkt, wie falsch ich doch gelegen habe mit meiner Annahme, es gäbe in der politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Dimension des Lebens etwas zu tun, weil einiges aus dem Ruder läuft. Eine im Spiegel veröffentlichte Studie hat mich aber von dem Irrglauben befreit:

In Deutschland wächst die Zustimmung zum politischen System. Gleichzeitig schwindet die Bereitschaft abzustimmen. Eine Studie sagt deshalb eine sinkende Beteiligung an der nächsten Bundestagswahl voraus.

Es ist natürlich nicht der deutsche Leistungsträger, der sich von der Demokratie verabschiedet – es sind die Parasiten und Schmarotzer, die sogar zu faul sind, zur Wahl zu gehen:

Vor allem einkommensschwache und bildungsferne Menschen verabschieden sich demnach aus der aktiven Teilhabe an Demokratie. „Je geringer der Sozialstatus und je größer das politische Desinteresse im Freundeskreis, desto weniger wahrscheinlich wird der Gang zur Wahlurne“

Immerhin wurden für diese Studie über 1500 Menschen befragt, zehn mal soviel wie in unserem Dorf leben. Jetzt weiß man auch, warum jeglicher Widerstand gegen die Hartz-Gesetze im Sande verläuft: die, die es angeht, sind wohl wirklich so, wie die Regierung es schon vor zehn Jahren erkannt hat.

Zudem erkennen die Bundesbürger zunehmend große Unterschiede zwischen den im Bundestag vertretenen Parteien und sind begeistert von unserer Art, Demokratie zu versuchen: man sieht, es besteht wirklich überhaupt kein Handlungsbedarf – außer bei den faulen Hartzern, denen man nach dieser Studie zurecht das Wahlrecht wird absprechen können.

Zeit genug also, sich wieder den wirklich wichtigen Themen zuzuwenden, jenen Themen, die früher oder später jeden von uns berühren werden: beispielsweise dem Tod.

Was hat der Tod nun mit Hartz IV und der Politik zu tun? Nun – in der Tat: sehr viel, doch dazu muss man – wie so oft – weiter ausholen., vor allem muss man sich klar sein, was denn das überhaupt sein soll: der Tod. Christentum und Materialismus predigen uns seit Jahrhunderten ganz genau, was wir uns darunter vorzustellen haben: den Übergang in ein absolutes, finsteres, lebloses Nichts, einen Zustand, den Buddhisten aus unserer Sicht geradezu anzustreben scheinen: im vollen Bewusstsein unserer kulturellen und intellektuellen Überlegenheit bereitet uns dieser Umstand jedoch keine weiteren Probleme.

Ebensowenig bereitet uns Probleme, das unsere Angst vor dem Tod direkt aus alten biblischen Überzeugungen resultiert, die wir doch als moderne, aufgeklärte Menschen weit hinter und unter uns wähnen: der Tod ist jener Zustand, der den Menschen weit von „Gott“ entfernt (siehe Psalm 88). Mit nüchternen Sprüchen wie: „wo ich bin, da ist der Tod nicht und wo der Tod ist, da bin ich nicht“ (Epikur) lassen sich solche existenziellen Ängste nicht bewältigen.

Bleiben wir kurz bei diesen Ängsten. Sowie das Alte Testament nie einen systematischen Gottesbegriff entworfen hat (was Antitheisten nicht davon abhält, davon auszugehen, dass es so etwa gäbe und dieses dann zu verwerfen), hat es sich nie um den Tod und die Hölle gekümmert (was Priester nie davon abgehalten hat, zwecks Steigerung der Kollektenrendite genaue Kenntnis von der Hölle zu vermitteln, in die all´ jene kommen, die ihnen nicht zu Willen sind). Man fürchtet nicht den Tod – erst recht nicht den friedlichen Tod im Alter – sondern die Ferne von Gott … ein für uns völlig fremdes Denken, das freilich noch weitere Konsequenzen nach sich zieht: „fern von Gott“ kann man auch mitten im Leben sein.

Was heißt nun „fern von Gott sein“ in einer Religion, die gar keinen Begriff von „Gott“ hat … außer dass er der „lebendige“ Gott ist, die „schöpferische Lebensmacht schlechthin, die Mensch, Erde und Kosmos erfasst“ (siehe Praktisches Bibellexikon, Herder 1985, Seite 441)?

Erstmal: fern vom Leben sein, fern jeglicher Lebendigkeit und jeglicher Erfahrung von Lebendigkeit existieren.

Und auf einmal ist der Tod mitten in unserem Leben. Jener Tod, den wir so schrecklich fürchten – oder blind ignorieren – kann uns bei lebendigem Leibe ereilen. Faszinierend ist: das wissen wir schon lange. Jeder weiß das, das ist der Grund, warum Urlaub für uns so unverzichtbar ist.

„Ach ja, wenigstens für einige Zeit wollen diese Leute die freie Natur erleben, ihre Sorgen und Nöte vergessen und vor allen Dingen ihre eintönige Stadt einmal hinter sich lassen;  diese steinerne und graue Zementwüste hatte sie lange genug verschlungen und wird sei sowieso später wieder verschlingen“ – so Albino Luciani, bekannt als 33-Tage-Papst Johannes Paul I., in seinen fiktiven Schriften „Briefe an Persönlichkeiten“ (Verlag neue Stadt 1979, Seite 87).

In der Wüste finden wir erschreckend wenig Leben – so jedenfalls ist das Sinnbild der Wüste.

Für immer mehr Menschen findet das Leben genau in jenen Städten statt – und so wird für immer mehr Menschen der „Tod im Leben“ erfahrbar in Form eines Lebens, das nur ein absolutes Minimum an Erfahrungen von „Lebendigkeit“ erlaubt. Während das Leben auf dem Lande einem Bad in allen Ausdrucksformen des Lebens gleicht, führt das Leben in der hektischen „Leistungsgesellschaft“ zu einem Tode im Leben, der seinen Gipfel dort erreicht, wo Menschen durch finanzielle Armut dazu verdammt werden, auch den städtischen Ausdrucksformen menschlicher Lebendigkeit wie Theater, Musik, Malerei, Dichtkunst und sogar der Liebe fern zu bleiben. Sie werden zum Ausschuss einer unmenschlichen Gesellschaft, die systematisch den Tod im Leben produziert … und zwar massenhaft.

Von diesem System hin zu einem System der Massenvernichtung unwerten Lebens ist es – kulturell gesehen – nur noch ein ganz kleiner Schritt, weshalb wir modernen Experimenten mit dem Problem der Arbeitslosigkeit zurecht sehr kritisch und ängstlich gegenüberstehen, bringen sie doch den Tod  – als Einschränkung der Erfahrung der Lebendigkeit – tagtäglich in das Leben von Millionen von Menschen.

Wie weit sind diese Experimente mit nicht mehr industriell verwertbaren Menschen von der Achtung vor dem Leben und all seinen Ausdrucksformen entfernt, wie wir sie zum Beispiel im Sonnengedicht des Franz von Assisi finden (siehe Franziskaner) … welches sein Pendant vielleicht in einem einfachen Zitat von Samuel Butler findet (siehe Zitate.de):

„Alle Lebewesen außer dem Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen“

Wieviel Genuss bleibt eigentlich für Arbeitslose in Zementwüsten? Oder für Niedriglöhner in Großraumbüros? Für Berufskraftfahrer in Blechsärgen? Wie fern von Gott werden sie von Regierung und Wirtschaft gehalten – wenn wir nur für eine Augenblick die Perspektive des heiligen Franz von Assisi einnehmen, jenes Menschen, für den Sonne und Mond, Feuer und Tod Brüder und Schwestern waren?

Seltsame Wege, auf die uns die Reflexion ein paar alltäglicher Begriffe gebracht haben, Reflexionen die wir nun ein wenig wissenschaftlicher angehen wollen, in dem wir ein paar Fakten über den Tod nennen, die nicht materialistischen oder kirchlichen Vorstellungen (eigentlich nur zwei Seiten derselben dogmatischen Medaille) entsprechen. 

„Der Meinungsforscher George Gallup fand heraus, dass in den USA acht Millionen Erwachsene ein Todesnäheerlebnis, kurz TNE, gehabt haben, kurz: jeder Zwanzigste“

(Siehe Moody, Das Licht von drüben, Rowohl 2004, Seite 19).

Die moderne Medizin schafft es immer häufiger, Menschen wiederzubeleben, die früher nie zurückgekommen wären. Ihre Berichte ähneln sich verblüffend:

Gefühl von Frieden und Schmerzfreiheit: 32 %

Lebensrückblick: 32 %

Eintritt in eine andere Welt: 32 %

Verlassen des Körpers: 26%

Genaue visuelle Wahrnehmung: 23 %

Begegnung mit anderen Wesenheiten: 23 %

(siehe Moody, a.a.O.)

Der oft zitierte „Tunnel“ wird nur von 9 % berichtet.

Für die Kirche sind diese Berichte „oft ein Reiz- und Tabuthema„, obwohl gerade junge Menschen sehr positiv auf die Thematik reagieren:

Es ist beeindruckend, wenn Jugendliche mir berichten, Angst vor bevorstehenden schweren Operationen, Todesfurcht und Lebensangst überhaupt hätten sich nach der Unterrichtseinheit deutlich verringert oder seien sogar ganz vergangen.  (siehe Deutsches Pfarrerblatt, Heft 5, 2012).

Nun – die Dogmatik der Kirche erlaubt es nicht, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, ebenso wenig wie der Materialismus diese Perspektive zulassen darf. Wo  Dogmatik das Leben bis ins kleinste Detail jenseits jeglicher Ideale von Freiheit regeln möchte, ist kein Platz für die Erfahrungen und Erlebnisse von Menschen und erst recht kein Platz für eine Lebendigkeit, die über das Leben hinausreicht.

Wo wir gerade dabei waren, uns das Sonnengedicht des heiligen Franz von Assisi anzuhören, jenes Menschen, der – allen Werten der modernen Leistungsgesellschaft zum Trotz – sein Glück in der Ablehnung des Reichtums und dem Genuss der Lebendigkeit der Welt fand: hier finden wir einen Passus, der uns aufhören lassen sollte:

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

„Sünde“ – das böse Wort. Jenseits von Kirche: das Gegenteil von Leben (siehe Praktisches Bibellexikona.a.O. Seite 670). Nicht der Tod ist der Feind des Lebens, sondern die Sünde. Und wie sieht diese Sünde nun aus, die ein unbekannter „Gott“ ausmerzen will? Sind es die Mörder, die Diebe, die Ehebrecher, die Homosexuellen oder die Atheisten, die ausgemerzt werden?

Weit gefehlt.

Schauen wir bei Wikipedia nach, wem der „Zweite Tod“ droht, jener Tod, der auch nach dem Verständnis der Tibetaner, Ägypter und Tolteken das denkende, empfindende Ich auslöschen wird:

  • die „Feigen“ – Menschen, die aus Angst Götzen oder das Tier angebetet haben;
  • Ungläubige – alle, die nach außen hin einen Glauben vertreten, ihn aber insgeheim ablehnen;
  • Frevler – Menschen, die das Idol der Unterdrücker anbeten;
  • Mörder – alle, die durch Unterdrückung das Leben Anderer vernichten;
  • Unzüchtige – Menschen, die andere durch Geld zum Objekt ihrer Begierde machen;
  • Zauberer (oder: Giftmischer) – alle, die magische Praktiken als Herrschaftsmittel benutzen;
  • Götzendiener – im biblischen Sinne jeder, der an die Stelle Gottes andere Mächte (Geld, Macht, Markt) setzt;

Seltsame Definitionen, oder? Aber Definitionen, die erstaunlich Präzise den Begriff des Lebens alttestamentarischer Menschen beschreiben und uns ganz erstaunliche Aussichten auf jene „schweren Sünden“ geben, die Franz von Assisi erwähnt.

Wer endgültig vernichtet wird, sind die, die lebensfremde, lebensbedrängende und lebensvernichtende Werte leben und anbeten. Schlimme Botschaft für den Vatikan – und die deutsche Bundesregierung, die beispielsweise durch Unterdrückung mittels Hartz IV das Leben Anderer vernichtet. Schlimme Nachrichten für alle Machtmenschen, ob sie nun Bankiers, Generäle, Bundeskanzler, Kardinäle, CEO´s, Parteivorsitzende oder esoterische Budenzauberer sind.

Alles, was dem Leben Feind und in dem Sinne lebensuntüchtig ist, wird selektiert. Gnadenlos. Kennen wir ja aus der Natur – warum sollte es im größeren Rahmen anders sein?

Und das heißt, dass man den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit, die Distanz zu einem lebensvernichtenden (und die Lebendigkeit der natürlichen Umwelt beständig weiter minimierenden) System aus reinem Eigennutz weiter aufrecht erhalten sollte – auch wenn der „Spiegel“ jetzt meint, alles sei wunderbar in Ordnung und sich überraschend viele Menschen dieser Meinung anschließen.

Es stellt jetzt wahrscheinlich für viele die Frage: gibt es jetzt doch wirklich einen Gott?

Diese Frage werde ich leider erst dann beantworten können, wenn auch ich erfolgreich unter Überwindung aller Hindernisse in jenseitigen Gefilden weile – was schon bald der Fall sein kann. Aller Erfahrung nach werde ich dann allerdings ganz schnell das Interesse verlieren, meine Erfahrungen mitzuteilen.

Was ich aber jetzt schon sagen kann, ist, dass die Frage nach der Existenz eines Gottes völlig bedeutungslos ist.

Was zweifellos existiert, ist der Tod und das Leben. Was existiert, sind die Feigen, die Ungläubigen, die Frevler, die Mörder, die Unzüchtigen, die Zauberer und Götzendiener, die das Leben schon vor dem Tode auf vielfältige Art vergewaltigen. Was existiert – mit ständig wachsender Wahrscheinlichkeit – ist ein Leben nach dem Tod … und Ausrucksformen des Todes  mitten im Leben.

Was existiert, ist die Frage, ob es uns gelingt, ein gelungenes Leben zu leben – ein Leben mitten zwischen Bruder Feuer, Mutter Erde, Schwester Wasser und Bruder Wind … Dimensionen der Erfahrung von Lebendigkeit, weswegen wir im Urlaub lieber die Malediven aufsuchen als Gelsenkirchen.

Und was wäre das für eine Politik, die nicht Politik der Sünde sondern Politik des Lebens wäre?

Und was wird das für ein Himmel werden, in dem wir Atheisten wiederfinden aber keine Bischöfe, Kommunisten aber keine Anlageberater, Revolutionäre aber keine Mitläufer, Söldner aber keine Sachbearbeiter von Jobcentern, Prostituierte aber keine Verleiher von Arbeitskräften, christliche Mönche aber keine Tarotkarten legenden Astrologen und Leiharbeiter anstelle von Leistungsträgern…

Ein Himmel erstmal ohne Gott – und ganz anders, als kirchliche Leistungsträger uns verkaufen wollen.

Ist ja auch nicht weiter erstaunlich: das Wissen um die Priorität des Lebens vor der Religion ist Jahrtausende älter als alle Kirchen zusammen – und wenn wir dem Herrn Butler folgen wollen, sind wir Menschen die einzigen Geschöpfe, die dies zeitweise vergessen.

Sonderlich schwer wird ein gelungenes Leben nicht sein, denn wenn man genau hinschaut, so bedarf es schon einiger Mühe, bis man im Kreise der Feigen, Ungläubigen, Frevler, Mörder, Unzüchtigen, Zauberer und Götzendiener angekommen ist.

Wahrscheinlich haben schon viele Milliarden Menschen dieses gelungene Leben im Laufe der Jahrtausende erfolgreich bewältigt – nur momentan bekommen wir damit einige Schwierigkeiten.

Das muss aber nicht so bleiben. Den Genuss von Wind, Sonne, Mond und Sternen sowie der (schrumpfenden) Vielfalt der Natur braucht man sich durch Politik und Wirtschaft nicht verbieten zu lassen – Spatzen und Eichhörnchen sollen dies mit Leichtigkeit bewältigen können.

Und dann … wird wahrscheinlich auch wundersamerweise die Demokratie wieder viel lebendiger.

Oder besser: logischerweise.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Mittelstand direkt nach Hartz IV … auch dann, wenn man wirklich alles richtig macht und beim Jobcenter selbst arbeitet

Samstag, 29.12.2012. Eifel. Bei der Hitliste der größten Lügen der deutschen Bundesregierung in den letzten zwanzig Jahren ist sicherlich die Lüge über die wahren Arbeitslosenzahlen auf Platz 1 zu setzen. Nirgendwo wird mehr gelogen als in diesem Bereich - unter Mitwirkung der gesamten schreibenden Nachrichtenzunft in Deutschland. Das hat auch seinen guten Grund: würden wir wirklich realisieren, das nur noch 17 Millionen Menschen in der echten Wirtschaft Unterschlupf finden (und schon ab einer Arbeitszeit von nur 21 Stunden als "Vollzeitkräfte" gelten - was die Zahl der wirklich noch "echt" arbeitenden Menschen nochmal deutlich reduziert), dann hätten wir Unruhe an den Märkten. Das können wir aber gerade gar nicht gebrauchen - das können wir eigentlich nie gebrauchen. Wenn sich ein Georg Diez im Spiegel über die Tagesschau aufregt und sie zum "Volkserziehungs-TV" erklärt, dann ist das sicher richtig, verkennt aber den eigentlichen therapeutischen Wert der Sendung: sie ist dazu da, die Märkte zu beruhigen. Unsere wahren Herrscher, unser wirklicher Souverän, unsere Hoheiten sind nämlich leicht zu beunruhigen - und wenn die unruhig werden, wird es schlimm für alle: Arbeitsplätze werden in Massen abgebaut, damit das richtig weh tut, wird der Sozialstaat (gerade dann, wenn man ihn mal braucht) abgeschafft und der Druck auf Arbeitslose nimmt zu ... so lange, bis sie alle zusammenbrechen. Da das keiner will, müssen die wahren Daten über die wirtschaftliche Situation Deutschlands verschleiert werden ... ebenso wie die wahren Geschichten über Menschen, die in die Hartz IV-Falle geraten.

Samstag, 29.12.2012. Eifel. Bei der Hitliste der größten Lügen der deutschen Bundesregierung in den letzten zwanzig Jahren ist sicherlich die Lüge über die wahren Arbeitslosenzahlen auf Platz 1 zu setzen. Nirgendwo wird mehr gelogen als in diesem Bereich – unter Mitwirkung der gesamten schreibenden Nachrichtenzunft in Deutschland. Das hat auch seinen guten Grund: würden wir wirklich realisieren, das nur noch 17 Millionen Menschen in der echten Wirtschaft Unterschlupf finden (und schon ab einer Arbeitszeit von nur 21 Stunden als „Vollzeitkräfte“ gelten – was die Zahl der wirklich noch „echt“ arbeitenden Menschen nochmal deutlich reduziert), dann hätten wir Unruhe an den Märkten. Das können wir aber gerade gar nicht gebrauchen – das können wir eigentlich nie gebrauchen. Wenn sich ein Georg Diez im Spiegel über die Tagesschau aufregt und sie zum „Volkserziehungs-TV“ erklärt, dann ist das sicher richtig, verkennt aber den eigentlichen therapeutischen Wert der Sendung: sie ist dazu da, die Märkte zu beruhigen. Unsere wahren Herrscher, unser wirklicher Souverän, unsere Hoheiten sind nämlich leicht zu beunruhigen – und wenn die unruhig werden, wird es schlimm für alle: Arbeitsplätze werden in Massen abgebaut, damit das richtig weh tut, wird der Sozialstaat (gerade dann, wenn man ihn mal braucht) abgeschafft und der Druck auf Arbeitslose nimmt zu … so lange, bis sie alle zusammenbrechen. Da das keiner will, müssen die wahren Daten über die wirtschaftliche Situation Deutschlands verschleiert werden … ebenso wie die wahren Geschichten über Menschen, die in die Hartz IV-Falle geraten.

Wir haben nun schon einige dieser Fälle veröffentlicht … und ich habe mir die Kritik an diesen Fällen sehr genau angeschaut. Manchmal ist mir geradezu schlecht dabei geworden. Ist schon irgendwann mal jemand aufgefallen, wie Hartz-IV-Abhängige in diesem Land öffentlich dargestellt werden? Sie sind die Aussätzigen der Neuzeit. Als mein Onkel Rentner wurde (ziemlich früh allerdings, mit 54 Jahren und einem Berg von Geld als Abfindung), hat er sich in der vornehmen Gesellschaft der Familie seines Schwiegersohns als „Arbeitsloser“ vorgestellt – er neigt zu solchen derben Scherzen … wofür ich ihn sehr mag.

Der Effekt war durchschlagend, er hätte auch sagen können: „Guten Tag, mein Name ist Klaus-Dieter Schwurbel, ich habe Aids, Lepra, Hepatitis B und einige durch die Luft übertragbare Geschlechtskrankheiten, die der Medizin noch nicht bekannt sind, außerdem sitze ich normalerweise wegen unkontrollierbarer  Gewalttätigkeit infolge wahnhafter, psychotischer Schübe in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie in Bonn ein und bin wegen meiner notorischen Kleptomanie bekannt, die nur durch meinen Alkoholismus gebremst wird“.

Wer so in der Gesellschaft wahrgenommen wird, der hat bald keine andere Chance mehr, als sich Gesellschaft in Form von Tieren zu verschaffen. Aktuell greift Siybille Berg diese Menschen im Spiegel auf … in einer wohlgemeinten Phantasie, die erkennen lässt, das sie viel Verständnis für jene Menschen hat, die finanziell so weit unter ihr stehen:

Da sind andere wie ich, von keinem gemocht, von der Welt nicht benötigt, vom Kapitalismus aussortiert. Alleine in einer Wohnung hockend, aus dem Fenster starrend. Ich bin nicht alleine, die Welt hat sich nicht gegen mich verschworen. Ich bin ihr nur einfach egal.

Man wird vielen egal, wenn man ganz unten ist. Tiere sind da besser als Menschen – sie achten nicht auf die Kontostände, wenn sie Zuwendungen verteilen – das kann manchmal Leben retten. Psychologen und Psychiater empfehlen deshalb einsamen Menschen, sich ein Tier anzuschaffen, für das man da sein kann. Es ist also wahrlich nichts Besonderes, wenn Arbeitslose sich Tiere halten: über drei Millionen der 42 Millionen Jobcenterkunden haben schon überhaupt keine Chance mehr, wie der Spiegel aktuell berichtet.

Eine dieser Arbeitslosen möchte ich heute mal vorstellen. Sie hat keine vier Kinder, kämpft nicht gegen das System, will einfach nur eins: Arbeit. Diesen Text hat sie  zwischen ein paar Bewerbungen verfasst, ich habe ihn nicht verändert (es gab allerdings ganz wenige Flüchtigkeitsfehler … die sind jetzt fort).  Es ist die Geschichte eines ganz normalen Menschen, wie es sie in diesem Land zu Millionen gibt … und wie man sie nie in den Medien zu lesen bekommt. Es ist die Geschichte eines Menschen, der sogar beim Jobcenter selbst gearbeitet hat … und so nebenbei ein paar Einblicke vom Innenleben des Jobcenters vermitteln kann.

Dieser Mensch bleibt absolut anonym. Auch wenn jetzt tausend Leute helfen wollen – ich gebe die Adresse nicht heraus. Sucht andere Wege. Und jetzt: eine ganz normale Geschichte, wie der deutsche Mittelstand sich mit Fleiß, Tüchtigkeit, überdurchschnittlichem Einsatz und Arbeitswillen direkt nach Hartz IV vorarbeitet:

 

Am Anfang muss ich erst mal ein wenig ausholen, denn wie mir irgendwann klar geworden ist, fing da Ganze ja schon vor ein paar Jahren an:

Damals arbeitete ich für eine bekannte Autoverleihfirma in der Buchhaltung. Es hätte mich vielleicht misstrauisch machen sollen, dass es dort keine Angestellten gab, die in irgendeiner Gewerkschaft waren und nur zwei Angestellte (von ca. 40 allein in dieser Filiale) die Kinder hatten.

Wie auch immer, ich machte meine Arbeit gut und brachte mich voll ein, im Glauben an einen sicheren Arbeitsplatz und daran, dass sich Fleiß und Einsatz lohnen würden. Eine Zeitlang übersah ich einfach was wirklich los war: immer wieder mittags durcharbeiten, Überstunden ohne Ende, Bossing, das Betriebsklima unter aller Kanone.

Eine Kollegin und ich hielten zusammen und solange sie noch in der Firma war, war es auszuhalten. Doch dann wanderte sie aus und ich blieb zurück und hielt weiter durch (nebenbei suchte ich einen neuen Job, das war sehr schwer). Mir blieb auch nichts anderes übrig, als weiter durchzuhalten, denn der Verdienst war nicht gerade üppig und ich wollte nicht arbeitslos werden um mit noch weniger Geld da zustehen. Irgendwann sagten mir Bekannte wie schlecht ich doch aussehen würde, ob ich etwa krank wäre. War ich, doch das war mir damals nicht bewusst. Meine Seele litt, ich rutschte mit Riesenschritten in eine Depression, aber selbst wenn ich das bemerkt hätte, hätte ich es nicht zugegeben. In der heutigen Zeit muss man funktionieren oder man geht unter.

Meine Arbeitsleistung selbst ließ seltsamerweise nicht nach, aber zu Hause hatte ich kaum noch Kraft für den Haushalt, geschweige denn für solche Dinge wie Ausgehen, oder Freunde…. Auch hatte ich auf Arbeit nicht erkannt, dass eine neue Kollegin gegen mich integrierte. Im Nachhinein war es vielleicht besser so, denn sie schaffte es, dass ich gehen musste. (Ein halbes Jahr später wurde sie selbst gefeuert, wie ich erfuhr.)

 

Die Arbeitslosigkeit dauerte nicht lange und ich fand über eine Zeitarbeitsfirma wieder eine neue Stelle, vom Regen allerdings in die Traufe. Als Zeitarbeiter war man in dieser Firma ein Mitarbeiter zweiter Klasse, das bekam man deutlich zu spüren. Gleichzeitig wurde aber erwartet, dass man höhere Leistung brachte als die Festangestellten, obwohl man nur die Hälfte an Gehalt bekam. Mobbing? Natürlich, obwohl seit über vier Jahren kein Zeitarbeitnehmer mehr in eine feste Stellung übernommen worden war. Außerdem lauerte bereits ein anderer Konzern diesen Teil der Firma zu übernehmen und es wurde mit Windeseile daran gearbeitet den „Laden“ aufzuräumen. Jeder wusste es, in spätestens einem halben Jahr würde jeder Leiharbeiter gehen müssen. Wir waren nur Lückenbüßer. Also wieder einen neuen Job suchen.

 

Ich fand diesen auch, allerdings nur halbtags mit dem Versprechen, dass diese Stelle zu Vollzeit ausgebaut werden würde. Dann kam die Krise…. Schneller als ich dachte, wurde aus dem Stellenausbau ein Stellenabbau.

 

Nach wenigen Jahren wieder arbeitslos. Na gut, egal, ich würde schon wieder etwas finden. Ich wollte ja schließlich arbeiten und Geld verdienen. Und ja, nach kurzer Zeit fand ich eine Stelle in der Kindergeldkasse, allerdings befristet auf ein halbes Jahr. Ein paar Jahre früher, hätte ich eine befristete Stelle nicht mal in Betracht gezogen. (Und wie ich heute weiß, werden im öffentlichen Dienst die Stellen so gut wie immer nur befristet besetzt.) Zumindest die meisten Kollegen waren klasse. Die waren sogar selbst gefrustet, dass die Leute nur befristet wurden, denn das machte ihre eigene Arbeit auch nicht gerade leichter. Es kostet Zeit immer wieder neue Leute anzulernen. Übernahmen in eine feste Stellung erfolgten äußerst selten. Für mich bedeutete das: die Stelle antreten und nebenbei gleich wieder auf Arbeitssuche gehen.

 

Und ich war natürlich so naiv nicht zu erkennen, in welcher Spirale ich mich befand: Zeitarbeit, befristete Stellen…prekäre Jobsituation.

 

Danach, und ich schäme mich es zuzugeben, landete ich für ein weiteres halbes Jahr in einer anderen Behörde, die Arge. Nicht als Vermittlerin (obwohl auch hier die Neuen nur befristet eingestellt werden, so die Personalpolitik), ich hatte ja kein Studium vorzuweisen. Nein, in der Verwaltung fand ich sozusagen Verwendung. Ich fühlte mich auch nicht wohl, war ich doch seit Anfang an gegen Hartz IV gewesen, und jetzt arbeitete ich auch noch für diese Behörde. Aber ich behandelte die „Kunden“ wie ich auch selbst behandelt werden wollte, freundlich. Viel Kontakt hatte ich zwar nicht mit diesen Menschen zu denen ich später auch zählen sollte, aber für mich ist zumindest selbstverständlich freundlich zu grüßen und weiterzuhelfen, wenn jemand eine Frage hat. Uns als „Kunden“ zu bezeichnen, finde ich übrigens falsch, man wird ja nicht so behandelt. Alles geschieht unter Zwang. Gerne verwendet wird das Wort „Freiwillig“, zwei Sätze später wird dann mit Sanktionen gedroht. Was denn nun? Entweder etwas ist freiwillig, dann kann man ohne Konsequenzen ablehnen, oder es ist ein „Muss“, dann muss man mit Konsequenzen bei Nichteinhalten rechnen.

Wie auch immer, es gab hier durchaus Kollegen die auch die andere Schreibtischseite kannten und die Hilfesuchenden freundlich behandelten. Aber es gab leider mehr als genug Kollegen, die auf diese Menschen hinabblickten und sie entsprechend behandelten. Wenn ich dann bemerkte, dass man ja gar nicht wüsste, was diese Menschen mitgemacht hätten und weshalb sie in dieser Situation steckten, ja dass die meisten mit Sicherheit lieber einen guten Job hätten, wurde ich verständnislos angeschaut. Heute weiß ich, dass die Mitarbeiter der Jobcenter von oben indoktriniert werden, dass jeder Hartz-IV- Empfänger ein Schamrotzer sei, der sich Leistungen erschwindeln möchte, auf gut Deutsch: Jeder Hartz-IV-Empfänger will nur „bescheißen“! Auch dass die Hilfesuchenden bereits beim Eintreten in das Gebäude vom Sicherheitsdienst unfreundlich und abweisend behandelt werden, ist so gewollt!

 

Nun es kam, wie es kommen musste: Mitte 2010 trat ich meinen Gang zur Agentur für Arbeit an. Auf meine Bitte wurde mir zumindest ein 2-monatiger Weiterbildungskurs in SAP bewilligt, den ich auch sehr erfolgreich abschloss. Half nur leider nicht. Bewerbung um Bewerbung: erfolglos. Dass es nicht einfach werden würde, hatte ich ja geahnt, ich war ja bereits über vierzig, da gilt man in der Arbeitswelt inzwischen als zu alt. Das ist natürlich völlig lächerlich, vor allem im Büro. Ehrlich gesagt, inzwischen frage ich mich, ob ich mir nicht einfach mal einen Rollator leihen sollte und mit diesem zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen…

 

Je mehr Zeit verstrich, desto depressiver wurde ich. Es konnte doch nicht angehen, dass ich keinen Arbeitsplatz fand. Schließlich wollte ich doch arbeiten, und jeder der arbeiten will, bekommt doch auch Arbeit. Lag es wirklich an meinem Alter, war ich zu dick oder zu dumm? Meine Zeugnisse waren schließlich gut, daran konnte es nicht liegen, oder doch? Meine Selbstzweifel wuchsen mit den Monaten, und die Angst vor Hartz IV.

 

Allein die Vorstellung Hartz IV beantragen zu müssen, war der pure Horror.

 

Dazu muss man vielleicht auch wissen, dass ich bereits als Jugendliche für ca. 3 Jahre in die Fänge der Sozialbehörden geraten war. Als ich 12 Jahre alt war, hatten sich meine Eltern getrennt und ließen sich scheiden. Mein Vater hatte daraufhin den Job geschmissen um nicht für Frau und Kinder zahlen zu müssen und so standen wir vor dem Nichts.

 

Obwohl es damals noch nicht so schlimm wie heute mit Hartz IV war, hatte ich mir geschworen, dass mir so etwas nie passieren würde (na ja, in dem Alter hat man noch viele Illusionen). Aus diesem Grund habe ich dann meine Ausbildung zur Bürokauffrau sehr ernst genommen und später auch Gelegenheiten zur Weiterbildung genutzt, war fleißig und mir auch nicht für Überstunden zu schade. Tja, das half dann am Ende auch nicht und es ärgert mich wahnsinnig, wenn sich Politiker hinstellen und es so darstellen, als wenn nur Menschen ohne Ausbildung in diesem menschenverachtenden System feststecken würden.

 

Dazu kam natürlich die Tatsache, dass ich, wenn auch nur kurz, für diese Behörde gearbeitet hatte. Man wurde vom Ex-Kollegen zum „Kunden“. Wie schon erwähnt, gibt es auch in den Jobcentern Mitarbeiter, die nicht jeden Hilfesuchenden für „Schmarotzer“ halten. Sie wissen dann auch, dass die wahren Schmarotzer jene Arbeitgeber sind, die so wenig Lohn zahlen, dass die Menschen „aufstocken“ müssen. Nicht zu vergessen jene, die sich Eingliederungshilfen zahlen lassen, um Menschen Arbeit zu geben. Wenn diese Hilfen dann wegfallen, die werden ja nur für einen gewissen Zeitraum bezahlt (meistens für ein halbes Jahr), werden diese Menschen vielleicht noch einen Monat weiterbeschäftigt (reines Alibi) und dann entlassen. Schwupps, sofort wird ein neuer Arbeitnehmer gesucht, der natürlich wieder nur „mit Eingliederungshilfe eingestellt werden kann“. Das wirklich Skandalöse dabei ist, dass die Jobcenter-Mitarbeiter wissen, dass diese Eingliederungshilfen skrupellos ausgenutzt werden. Eigentlich müssen diese Gelder nämlich zurückgezahlt werden, wenn die Menschen nicht mindestens um denselben Zeitraum weiterbeschäftigt werden, für den diese Eingliederungshilfen gezahlt wurden. Die meist fadenscheinigen Gründe für die Entlassung werden erst gar nicht angezweifelt oder untersucht. Da geht man einfach drüber hinweg. Die meisten Arbeitgeber kommen damit durch.

 

Aber auch nicht alle Mitarbeiter der Jobcenter kommen ungeschoren davon. Diejenigen, die noch sozial engagiert sind und sich auch für die Hilfesuchenden einsetzen möchten, werden entweder psychisch krank (wie meine Freundin, die über ein Jahr brauchte um wieder auf die Beine zu kommen und sich dann versetzen ließ), oder bewerben sich nach kurzer Zeit wieder auf andere Stellen. Jetzt sollte sich auch niemand mehr über die Mitarbeiter der Jobcenter wundern, es bleibt ja meist nur der „Bodensatz“ zurück. (Okay, das ist jetzt vielleicht gemein).

 

Jetzt sind ein wenig die Pferde mit mir durchgegangen. Entschuldigung dafür, aber ich habe mich entschieden, dies jetzt so zu belassen.

 

Also, vier Wochen vor offizieller Beantragung von Hartz IV (an dem ich beantragen müsste) und ich falle in ein tiefes Loch. Muss mich anstrengen und zusammenreißen. Schließlich brauchen mich meine Katzen und meine Mutter. Vielleicht findet sich ja doch noch rechtzeitig ein neuer Job. Meine (einzig verbliebene) Freundin drängt mich, zur Behörde zu gehen, sonst bekäme ich nicht rechtzeitig Geld.

Ich kann nicht.

 

Ein Tag vor dem offiziellen Termin. Ich schaffe es immer noch nicht zum Jobcenter zu gehen. Meine Mutter und meine Freundin bedrängen mich weiter. Es geht trotzdem nicht. Seit einer Woche denke ich unentwegt über Selbstmord nach.

 

Drei Wochen nach dem offiziellen Termin. Meine Mutter und meine Freundin nehmen mir das Versprechen ab, am nächsten Tag zum Jobcenter zu gehen. Mir ist kotz übel. Ich denke an meine Katzen und weiß, ich habe keine Wahl mehr. Sie müssten hungern.

 

Nächster Tag. Ich konnte kaum schlafen und habe Kopfschmerzen. Meine Hände zittern und mir ist schlecht, aber ich fahre. Ich habe es versprochen und ich halte meine Versprechen.

Der Sicherheitsdienst, ein Kahlkopf mit stechendem Blick, ist ausgesprochen unfreundlich. Dies löst sofort eine Abwehrhaltung in mir aus. Das ist ein Neuer wie ich erfahre, der ist so. Irgendwie schaffe ich es durch diesen Behördengang. Als ich nach Hause komme bin ich völlig erschöpft.

 

Seitdem muss ich mit Hartz IV leben. Ich habe seitdem diverse Mitgliedschaften bei Tierhilfsorganisationen kündigen müssen, das ging ja nicht mehr. Zeitungen und Zeitschriften kann man sich auch nicht mehr leisten, da muss dann das Internet herhalten. Man kann auch nicht das essen, worauf man Lust hat (wobei das auch schon vorher keine Luxus-Lebensmittel waren), man achtet eigentlich nur noch auf den Preis. Klamotten? Das ist gar nicht mehr drin. Handy? Vertrag gekündigt, ist nicht lebensnotwendig und kostet zu viel. Meinen alten Corsa habe ich versucht solange wie möglich zu halten. Schließlich verlangen die meisten Arbeitgeber heutzutage, dass man ein Auto hat, selbst wenn man nur im Büro arbeitet. Doch dann war der TÜV fällig und mit ihm notwendige Reparaturen. Das war nicht bezahlbar, also Auto ade.

 

Das sind nur einige Dinge die einem mit Hartz IV blühen. Ich lebe in ständiger Angst, dass ein wichtiges Gerät seinen Geist aufgeben könnte. Eine Reparatur des Kühlschranks oder Computers etwa oder gar eine Neuanschaffung. Das könnte ich niemals stemmen. Oder noch schlimmer, wenn eine meiner Katzen krank würde.

 

Das einzig Gute in meiner Situation ist meine Freundin. Wenn sie mich nicht mal auf einen Kaffee oder auch zum Essen einladen würde, hätte ich gar keine Teilhabe am öffentlichen Leben mehr.

 

Und so geht es Millionen von Menschen in diesem unserem Lande. Vielen geht es sogar noch schlechter als mir. Ich meine zum Beispiel die chronisch Kranken, die von den Jobcentern fertig gemacht werden.

 

Zumindest konnte ich den beiden wichtigsten Menschen in meinem Leben und meinen Katzen eine Kleinigkeit zu Weihnachten gönnen, in dem ich eine kleine technische Spielerei (gekauft in besseren Zeiten) verkauft habe. Ein Baum war nicht mehr drin, aber ein Adventsgesteck bietet auch ein wenig Lichterglanz.

 

Du siehst, lieber Eifelphilosph, meine Geschichte ist wirklich nicht besonders drastisch oder dramatisch. Es gibt weit schlimmere Schicksale. Das Tragische ist, meiner Meinung nach, dass es Millionen Menschen so oder ähnlich ergeht, und dass es zur Normalität verkommt. Noch schlimmer ist, dass Menschen wie wir gebrandmarkt sind als Taugenichtse, Nichtskönner, Faulenzer und Schmarotzer. Das ist menschenunwürdig. Und deshalb bin ich froh, dass es doch noch Menschen wie Dich gibt, die sehen, dass Hartz-IV-Empfänger auch Menschen sind.

 

Wäre ich allein, würde ich stärker dagegen angehen, aber ich habe eine große Verantwortung meiner Mutter (mit kleiner Rente) und meinen Katzen gegenüber. Wie schon in einer e-mail beschrieben, wird es mir oftmals zu viel, aber dann mache ich doch wieder weiter. Mein Seelenleben hat jedenfalls sehr gelitten und mir wurde nahe gelegt, mir doch Hilfe von einem „Seelenklempner“ zu suchen. Doch das ist mir nicht sehr geheuer…

Vielen Dank für diese Zeilen – und wieder mal ein persönlicher Dank an jenen Leser, der bis hierher durchgehalten hat. Mich hat dieses Schicksal sehr fasziniert, weil es so normal ist. Die Geschichte ist nicht drastisch oder dramatisch … sie ist völlig normal. Die Mehrheit der Deutschen kennt dieses gewerkschaftslose Arbeitsleben, in dem man alles gibt, weil man den Leitsatz der Zeit verstanden hat:

In der heutigen Zeit muss man funktionieren oder man geht unter.

Die Mehrheit der Deutschen merkt auch, das Depressionen zur Volkskrankheit werden, weil alle die gleichen Arbeitsbedingungen haben. Ich halte diese Lebensgeschichte für eine sehr wichtige Geschichte, darum ein Aufruf an die Leser hier – vor allem an diejenigen, die für den „Spiegel“ und die „Welt“ arbeiten (ja, ich weiß das ihr hier lest. Seit doch heute mal mutig, und veröffentlicht diese Geschichte. Doch doch … „Analysetools“ haben Euch zweifelsfrei ausgemacht, jetzt versteckt euch mal nicht, hat keinen Sinn mehr): verbreitet sie weiter.

Das ist kein bedauerlicher Einzelfall, sondern das TYPISCHE DEUTSCHE ARBEITNEHMERSCHICKSAL im Jahre 2012. Ein Mensch, der alles richtig gemacht hat, ein Mensch, der genau die richtige Einstellung hat, keine Kinder, keine Freunde, keine teuren Hobbys – jemand, der NUR FÜR DIE ARBEIT LEBT … und dafür – wie alle anderen auch – einen sehr hohen Preis bezahlt hat. Gut, dieser Mensch pflegt noch seine Mutter … aber ein paar Fehler darf man ja wohl noch haben: schließlich ist er bzw. sie auch nur ein Mensch.

Das ist der Weg, der inzwischen allen droht: Vollzeitjob-Leiharbeit-Arbeitslos – drei Schritte zur völligen sozialen Vernichtung.

Und ich will jetzt kein Gemecker hören, weil da noch Katzen leben: Menschen haben in diesem Leben schon längst keinen Platz mehr – ist halt das normale Hartz IV-Schicksal – das Schicksal eines ganz normalen Menschen, der einfach nur arbeiten will, alles richtig macht und trotzdem aussortiert wird.

Ja … „über 40“ zu sein war schon vor zehn Jahren ein Makel.

Heute ist dies kein Makel mehr … sondern ein existenzgefährdender Zustand, ebenso wie die Mitgliedschaft bei einer Gewerkschaft oder die Tatsache, das man Kinder zu versorgen hat.

 

 

Die Bestie Mann als Feind der Menschheit … Erfahrungen aus dem deutschen Alltag

Freitag, 19.10.2012. "Nordkorea droht mit Angriff ohne Vorwarnung" - schreibt heute der Spiegel. Als ob wir nicht schon genug Weltkriegsgefahren durch den Konflikt zwischen China und Japan oder Syrien und der Türkei hätten. In der Türkei sieht man ja schon den gottlosen Westen als globalen Verlierer des 21. Jahrhunderts an, das weitgehend ohne ihn gestaltet werden wird (siehe Welt) - das hört sich nicht gerade danach an, als würde man die laufenden Konflikte deeskalieren wollen. Die ganze Welt marschiert zunehmen in einen Wahn hinein, den im Prinzip superreichen Deutschen drohen zunehmend Altersarmut - auch aufgrund drastisch reduzierter Renten wegen Erwerbsminderung (siehe Welt), Obdachlosigkeit wegen Wohnungsmangel kombiniert mit Mietpreisexplosionen - das Wort Wucher scheint man hier nicht verwenden zu wollen (siehe Handelsblatt) oder auch einfach, weil sie heute schon arm sind - wie aktuell 15,8  Millionen Menschen (siehe Welt).  Manche Deutsche sterben auch einfach an leicht zu behebenden Krankheiten wie das zwanzigjährige Modell Jennifer Schermann (siehe Welt). Sie teilt das Schicksal mit einem Arbeitskollegen von mir, der ach so stolz darauf war, das er sich niemals krank schreiben lies. Leider war ihm (und all den anderen so "mutigen" und "fleißigen" Idioten, die jedes Jahr daran krepieren), nicht bekannt, das die harmlosen Viren gerne den Herzmuskel angreifen, wenn man dem Körper nicht Zeit und Ruhe gibt, die Viren zu entsorgen.  Und während all diese Nachrichten unseren desaströsen Alltag begleiten, habe ich nur ein einziges Problem: den deutschen Mann.

Freitag, 19.10.2012. „Nordkorea droht mit Angriff ohne Vorwarnung“ – schreibt heute der Spiegel. Als ob wir nicht schon genug Weltkriegsgefahren durch den Konflikt zwischen China und Japan oder Syrien und der Türkei hätten. In der Türkei sieht man ja schon den gottlosen Westen als globalen Verlierer des 21. Jahrhunderts an, das weitgehend ohne ihn gestaltet werden wird (siehe Welt) – das hört sich nicht gerade danach an, als würde man die laufenden Konflikte deeskalieren wollen. Die ganze Welt marschiert zunehmen in einen Wahn hinein, den im Prinzip superreichen Deutschen drohen zunehmend Altersarmut – auch aufgrund drastisch reduzierter Renten wegen Erwerbsminderung (siehe Welt), Obdachlosigkeit wegen Wohnungsmangel kombiniert mit Mietpreisexplosionen – das Wort Wucher scheint man hier nicht verwenden zu wollen (siehe Handelsblatt) oder auch einfach, weil sie heute schon arm sind – wie aktuell 15,8  Millionen Menschen (siehe Welt).  Manche Deutsche sterben auch einfach an leicht zu behebenden Krankheiten wie das zwanzigjährige Modell Jennifer Schermann (siehe Welt). Sie teilt das Schicksal mit einem Arbeitskollegen von mir, der ach so stolz darauf war, das er sich niemals krank schreiben lies. Leider war ihm (und all den anderen so „mutigen“ und „fleißigen“ Idioten, die jedes Jahr daran krepieren), nicht bekannt, das die harmlosen Viren gerne den Herzmuskel angreifen, wenn man dem Körper nicht Zeit und Ruhe gibt, die Viren zu entsorgen.  Und während all diese Nachrichten unseren desaströsen Alltag begleiten, habe ich nur ein einziges Problem: den deutschen Mann.

Zugegeben: ich bin selber einer. So rein biologisch gesehen. Betrachtet habe ich mich nie als solcher, gehe auch in keine Männergruppen, alldieweil ich glaube, das es sehr viel wichtigere Probleme in dieser Welt gibt.

Das … war ein Irrtum.

Um den zu beschreiben, muss ich aber ein wenig ausholen. Wie andernorts mal nebenbei erwähnt, experimentiere ich ja in meinem Privatleben gerne mit alternativen sozialen Organisationsformen – auch um selbst sich ändernden politischen und gesellschaftlichen Realitäten gewachsen zu sein. Nebenbei bin ich auch alleinerziehend (ein bedauernswerter Umstand, der sich nicht vermeiden ließ) – und da kam mir doch gleich die Idee, das es doch etwas ganz Sinnvolles sei, was für die Alleinerziehenden aufzubauen: ein Netzwerk für gegenseitige Unterstützung und  Hilfeleistung.  Im Kleinen machen wir das ja schon seit sieben Jahren in unserer Hausgemeinschaft mit wechselnder Besetzung – und es waren nur Frauen, die hier mit mir wohnten.  Das tat meinen Jungs auch ganz gut.

Voller Freude ging ich also erstmal in die nächstgelegene Stadt, um mich dort beim Verein der Alleinerziehenden umzuhören.  Mittelfristig hatte ich auch ein Wohnungsangebot dabei – sechs Zimmer, zwei Duschen, ein Bad, zwei weitere Toiletten, Kaminanschluss, Garage, Nebengebäude, zwei Dachbodenräume, mitten im Naturschutzgebiet weitab von störenden nörgelnden Nachbarn in unberührter Natur für 325 Euro kalt – normal immer ein Knaller … denn das ist nur das halbe Haus.  Nicht jedoch … bei den alleinerziehenden Frauen im Verein. Mein Wohnangebot hat nämlich einen gewaltigen Nachteil:

In diesem Haus wohnt ein Mann (und zwei weitere wachsen nach).

Ich hätte gerne mein Gesicht gesehen, als man mir dies mitteilte. Ich habe jahrelange Erfahrung in der Personalführung – und sehr engem Personaltraining – da gehört es zur berufsbedingten Professionalität, mit Frauen (auch wenn es bildhübsche, willige Photomodelle sind) ebenso professionell und distanziert umzugehen wie z.B. mit Männern die man überhaupt nicht leiden kann. Nie hätte ich gedacht, das mich mein Geschlecht diskreditieren kann. Es kam aber noch schlimmer … man bot mir an, mein Angebot an die (wenigen) Männer im Verein weiterzuleiten – vielleicht wäre es für die ja interessant. Wie bitte schön kann man von mir erwarten, das ich – gerade frisch konfrontiert mit der prinzipiellen Bedrohlichkeit der Bestie Mann – ein solches Scheusal in meinem Haus aufnehme? Hier wohnen doch auch Kinder…

Nun kehrte ich zurück aus der großen Stadt mit meinen frisch gewonnenen Erfahrungen. Na ja, dachte ich mir, schon Woody Allen hatte seinerzeit deutlich demonstriert, wie neurotisch der Stadtbewohner ist.  Die haben dort ja auch am Tag mehr Vergewaltigungen als wir hier in den letzten zehn Jahren, das sollte man berücksichtigen.

Wohlgemut fuhr ich also mit diesen und anderen Erfahrungen fort, meine Idee im Lande zu verbreiten. Schön, das es da auch einen Verein gab, der Nachbarschaftshilfe auf größerem Niveau professionalisieren wollte. Ein Netzwerk Eifeler Familien, die sich gegenseitig unterstützen. Alleinerziehende waren da weniger im Fokus, alldieweil die nicht abends zur Vereinssitzung anreisen können – immerhin sind ja die Bambini zu Hause.  Ich hätte auch Räume zur Verfügung stellen können, in denen sich die betroffenen Eltern samt Kinder hätten kennenlernen können, aber … wieder hatte ich nicht daran gedacht, das ich eine Bestie bin. Anlaufstelle für Alleinerziehende: ja – aber nur für Männer.

Da ich nun weit und breit der einzige Mann bin, der alleinerziehend ist (Kinder bleiben hier grundsätzlich traditionsgemäß im Trennungsfall bei der Mutter, mein Fall wird oft genug als „unerklärliches Wunder“ bestaunt, für das ich täglich dreißig Dankgebete sprechen soll), war diese Arbeitsgruppe schnell gegründet, vollständig und abgeschlossen: seitdem betreue ich mich selber ganz gut in dieser Hinsicht, obwohl mir etwas mulmig dabei ist, so eng mit der Bestie Mann arbeiten zu müssen. Die automobillosen Mütter jedoch, die morgens auf der Arbeit von der Schule angerufen werden, das sie „SOFORT“ ihre krank erscheinenden Kinder abholen müssen, warten immer noch vergeblich auf Hilfe. Schade auch – aber hier kann vielleicht das Jobcenter der Gegend helfen. Die fanden die Idee klasse, dringend notwendig und haben auch kein Problem damit, sich vorstellen zu können, das Männer und Frauen auf rein geschäftlicher Basis miteinander kooperieren können.

Nun bin ich ja noch umtriebiger und fand recht bald Menschen, die ganz tolle Ideen hatten: einen Kindergarten zu gründen, der mehr die Bedürfnisse der Eltern denn die Bedürfnisse der Angestellten und der Behörden erfüllt. Zudem wollte man auch mehr alte und junge Menschen zusammenbringen und so die bislang sorgfältig gezüchteten Generationenschranken durchlässiger machen. Ein Kindergarten, 24 Stunden am Tag geöffnet, sieben Tag im Jahr – auch Feiertags, Weihnachten und Sylvester. Es gab nach einer kleinen Umfrage 80 Eltern (mehr, als wir zu dem Zeitpunkt hätten stemmen können), die Bedarf dafür hätten, die nötigen Erzieherinnen hatten wir auch schon und die Geldmittel waren ebenfalls in Reichweite (nur die Kostenträger samt Bürgermeister wanden sich bei dem Gedanken – und klagten darüber, das es keinerlei Bedarf gäbe. Die Umfrageergebnisse mit den achtzig Interessierten wollten sie trotzdem gern kostenlos haben).

Da kam mir ein verwegener Gedanke. Ich bin Vater von sieben Kindern, habe schon mit fünfzehn Jahren Jugendarbeit gemacht (auch mit Mädchen!), arbeite aktuell als Lerntherapeut und bin von Kindern sehr begeistert. Schaut man sie sich genauer an, so sind es wunderbare Wesen, die an ganz kleinen Dingen Riesenfreude haben können und ganz tolle Charaktereigenschaften mit sich bringen … bis die Erwachsenen anfangen, sie zu deformieren. „Junge, Dein Papa hat zwar keine Zeit für Dich, aber dafür hast Du das teuerste Handy in der ganzen Klasse“ – das hat dann Konsequenzen. Wenn Mama den Sohnemann als Partnerersatz aufbaut (oder Papa die Tochter), dann ist das ebenfalls alles andere als lustig – und den letzten Rest kindlicher Lebensfreude baut das staatliche Bildungssystem mit tödlicher Sicherheit ab.

Da mir nun noch die Klagen von Politikern in den Ohren lagen, das es doch so wenig Männer in der Erziehung gab, kam mir ein verwegener Gedanke. Man kann schon ahnen, welcher: ich könnte doch selbst auch als Kindergärtner mitarbeiten. Mittelfristig wäre mir eine berufliche Alternative ganz lieb – man merkt schon, das in Deutschland Kinder Mangelware werden. Außerdem hat mir die Lektüre einiger zentraler Werke moderner Pädagogik mühsam klar gemacht, das Männer in der Tat wichtige Rollen für heranwachsende kleine Menschen haben. Männer sind auch Menschen, sie haben eigene Qualitäten, die zum Beispiel Kinder dazu ermutigen, sich selbst wesentlich mehr zuzutrauen, wenn sie mit Papa unterwegs sind als wenn die nur der gluckenden Mutter ausgeliefert sind. Dazu gibt es sogar Studien – wenn das jetzt mal  nicht ein überzeugendes Argument ist.

Das Echo unseres Vereins war jedoch tödlich.

Wie kann ich nur daran denken: ich bin ein Mann!

Gut, es gab Beifall für den Gedanken von den ausgebildeten Erzieherinnen. In der Tat wäre es auch sehr sinnvoll, Männer als Erzieher zu haben, hieß es da – aber praktisch besteht da keine Chance. Mir wurden Geschichten aus dem Arbeitsalltag erzählt, wo hochgebildete Eltern ihre Kinder aus dem Kindergarten genommen haben, weil (Iiiiiiiiiiiiiihhhhhhh) ein Mann mit dem kleinen Kind auf dem Teppich herumbalgte. Keine Einrichtung möchte sich einer solchen Kritik aussetzen – oder solchem Gerede: „Man stelle sich doch wirklich einmal vor, die lassen dort Männer arbeiten. Mit KINDERN.

Gut, die eine oder andere Erfahrung hätte ich ja locker wegstecken können …. aber so insgesamt in kurzer Zeit erlebt, stimmt das schon nachdenklich.

Was ist eigentlich dort draußen los?

Wenn hat das Wesen „Mann“ seinen Status als Mensch verloren?

Haben wir jahrelang gegen die Unterdrückung der Frau protestiert (und gearbeitet: ich war der erste, der es gewagt hat, gegen die Firmenpolitik zu verstoßen und Frauen einzustellen … Anfang der neunziger Jahre. Obwohl die Kinder kriegen können, was im Extremfall das Geschäftsergebnis der Abteilung deutlich nach unten verlagern und den Krankenstand in der Statistik drastisch hochtreiben kann), nur um letztlich einen Zustand zu haben, der die Verhältnisse einfach nur umkehrt?

Oder bin ich einfach mittlerweile  zu weit außerhalb der normalbürgerlichen Gesellschaft angesiedelt, das ich nicht mehr mitbekommen habe, das der Mann tatsächlich die Bestie ist, als die man ihn ansieht?

Immerhin – sehe ich die in der Einleitung geschilderten gesellschaftlichen Entwicklungen, so muss ich sagen: da sind überall Männer auf Photos zu erkennen. Goldman-Sachs, McKinsey, Taliban: alles Männer. Wer guckt Kinderpornos? Männer. Wer schießt in Uniform auf fremde Menschen? Männer. Wer leiht sich viel Geld, um damit Firmen aufzukaufen, Mitarbeiter ´rauszuschmeißen, Namen und Materialien zu verkaufen und den Gewinn davon für sich zu behalten? Männer.

Vielleicht haben „die da draussen“ ja recht – und auf der Welt herrscht der ewige Friede, wenn erstmal alle Männer weggesperrt sind. Auf die Idee wäre ich so leicht nicht gekommen.

Oder sind wir vielleicht in den Augen der Türkei deshalb die Verliererkultur, weil wir insgeheim und nahezu unbemerkt einen Kult betreiben, der aus der Hälfte unserer menschlichen Gemeinschaft Ungeheuer macht?

Die möglichen und notwendigen Spekulationen dazu überlasse ich aber gern den zuständigen Verschwörungssanalytikern.

 

 

Cotton Dancing

CottonDancing_thumb.jpg

Cotton Dancing© Jotha

Leben im Spiegel

LebenimSpiegel_thumb.jpg

Leben im Spiegel

© Jotha

Sehnsucht nach Einklang

SehnsuchtnachEinklang_thumb.jpg

Sehnsucht nach Einklang

© Jotha

Macht Arbeit tatsächlich frei …?

Dieser Artikel wurde in den Kommentaren zum Artikel „Töten ist geil! Über Hartz IV und andere Mordversuche …“ gefunden.

Macht Arbeit tatsächlich frei …?

oder

Unser Zivisilatorischer Pyrrhussieg…

Keine Frage, Arbeit erfüllt einen, in keinem Fall zu leugnenden, nützlichen Zweck. Das schöne an der Arbeit ist; erst entsteht eine Idee für deren Verwirklichung gearbeitet wird, dann wird solange an dieser Idee gewirkt bis sie Realität ist und dann ist die Arbeit getan und ein jeder ist froh und glücklich alles gut bewerkstelligt zu haben. Es kommt ja auch immer wieder neue Arbeit dazu, denn dank des Entropiegesetzes lässt die Zeit die Dinge altern und zerstört damit des Menschen Werk ständig aufs neue. So muss eben stets wieder und wieder für Nachschub gesorgt werden. Brötchen werden aufgegessen, Schuhe verlieren die Sohlen, Maschinen gehen kaputt und verrotten, Kleidung verschmutzt und verschleißt usw…

In unserer noch recht kurzen Menschheitsgeschichte war die Arbeit die meiste Zeit dazu da, das Leben an sich zu erhalten und immer auch ein Kampf die Arbeit an sich zu erleichtern. Heute verrichten diese Arbeit zum grossen Teil Wesen die wir geschaffen haben; gigantische “Golem´s” aus Stahl verrichten die schwere Knochenarbeit, dienstbare Geister aus Silizium übernehmen mit Hilfe von Bits und Bytes die langweilige und nervtötende Zählarbeit und immer mehr auch schon die Denkarbeit in Schwindel erregenderer Geschwindigkeit. In unserer “neuen” Zeit haben wir den Kampf der Arbeit endlich gewonnen – diese Revolution ist endlich geschafft… eine Befreiung vom Joch der Arbeit wie sie schon biblische Autoren seit der Vertreibung aus dem Paradies herbeigesehnt hatten.

Wir könnten heute die Ernte, der von unzähligen Generationen gesäten Früchte einbringen, diese Früchte fallen uns praktisch massenhaft in den Schoss. Das Paradies öffnet seine Pforten erneut und wir könnten eintreten…

Aber, wenn wir hineinsehen, erschaudern wir, denn da drinnen lauert ein Gespenst, – es heißt; ARBEITSLOSIGKEIT…

Die Zeitenwende vom Arbeitsfrohn zum Mangel an Arbeit ist somit eine Rückwende. Aber dieser Arbeitszwang ist ja höchstens 10.000 Jahre alt, Eine Folge übrigens von ziemlich unkluger Vermehrung. Doch die Entwicklung zum Homo Sapiens hat ja schon vor etwa 400.000 Jahren begonnen. Die Verklärung der Arbeit durch Apostel wie Paulus, der sich rühmte seinen Lebensunterhalt als Zeltmacher zu verdienen, ist in der Geschichte der Christenheit ein Irrtum erster Güte, leicht zu wiederlegen, und übrigens auch gerade erst mal 2000 Jahre alt.

Der Sinn des Menschen liegt nicht in der Arbeit, nicht in acht und mehr Stunden Malurche am Fliessband einer Fabrik ist des Menschen Zweck zu finden, sondern in der Nicht-Arbeit.
Dies übrigens ist schon ein sehr alter Grundgedanke aus der Antike.

Der große Philosoph Heraklit von Ephesos, auch “Der Dunkle” genannt, soll sich seines Vermögens, das er mit selbst erfundenen Ölmühlen erwarb, geschämt haben. Allerdings nicht weil er Sklaven für sich arbeiten ließ, sondern weil er hohe mathematische Ideen auf diese Art profanisiert sah. Ein freier Mensch strebt immer nach Weisheit, forscht und erfindet, – ein Sklave arbeitet…

Die Ordensregel der Benediktiner besagt; “Beten und Arbeiten”. In den Evangelienübersetzungen des Augustinermönchs Luther sind die Tagelöhner, die Arbeiter am Weinberg, die anschaulichsten Menschen des Neuen Testaments. Für Luther, geprägt wohl auch durch die Schriften des britischen Mönchs Pelagius, war der Arbeitserfolg auf Erden das Vorzeichen einer künftigen Berufung ins Gottesreich. Doch obwohl die christlichen Traditionen heute zum großen Teil eingeebnet sind, thront die Hochschätzung der Arbeit nach wie vor wie ein Fels in der Ebene und trotzt scheinbar jeder Erosion.

Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen,- Hervorragende Vertreter dieses Paulus Wortes sind nicht zuletzt Hitler, Stalin, Mao, usw….
Dieses Wort eignet sich vorzüglich für jede Art von Diktatur, die “Per se” immer zu einer Fehlkonstruktion wird und am Menschen vorbei gedacht ist. Damit wird der “Bürger” aber auf Linie gebracht und zur Arbeit angetrieben. Dem “Faulpelz”, der sich der heiligen Pflicht zur Arbeit entzieht, wird so der Vorwurf des “Schmarotzers” gemacht und dann nicht selten auch der Garaus. Das er in Zeiten der knappen Arbeit auf einen der seltenen Arbeitsplätze und auf ein sicheres Einkommen verzichtet, und oder auch gerade auf jenen von dem, der solcherlei Faulheit verurteilt, ihm damit aber den Job und das Einkommen erst ermöglicht, wurde und wird dann gern mal vergessen.

Und heute, dank einer alles umwälzenden industriellen Revolution, dem Technischen Fortschritt, mit ungeheuer gesteigerter Produktivität, die ja gerade erst vor etwa 200 Jahren richtig in Gang gekommen ist, verwandelt sich Mutter Erde schneller in eine unbewohnbare Mülldeponie als wir es wahrhaben wollen. Immer schneller werden wertvolle Rohstoffe zu Abfall und teure Energieträger zu Gift – und Treibhausgasen. Und das nicht zuletzt auch aufgrund jenes (christlichen) Arbeitsethos, aber auch aufgrund einer kleinbürgerlichen Abscheu vor einer verwerflichen Faulheit.

So sind wir heute, mehr als jemals vorher, auf dem besten Weg unseren Blauen Planeten in eine leblose Wüste zu verwandeln. Das ganze nennen wir dann auch noch Wachstum…
Aber dann doch wohl allenfalls in bösartiger (malignitärer) Hinsicht; ähnlich dem eines Krebsgeschwürs…
Jenem Technischen Fortschritt, wie er vom Marxismus einst verherrlicht und vom Kapitalismus dann schlussendlich verwirklicht wurde…

Dank dieses Technischen Fortschritts ersticken wir heute in unseren “Wohlstandsländern” unter der Riesenlast der Dinge, die wir von cleveren Marketingexperten zu brauchen geglaubt werden.

Aber da sind ja auch noch die Heere der Abermillionen und Milliarden von potenziellen Konsumenten in den “Entwicklungsländern” wie China, Indien u.ä., die danach lechzen auch in denselben Konsumgüterfluten zu schwimmen und letztlich abzusaufen wie wir.

Einzig die Arbeit fehlt – Aber anstatt diese Wende zu erkennen und sich der Befreiung vom uralten Arbeitszwang zu erfreuen, wird die Arbeit umso mehr vergöttert und mit Anwendung der primitivsten aller psychologischen Marktgesetze um so höher geschätzt je knapper sie wird.

Das Fatale an der Unlust der dadurch neu gewonnenen Freiheit ist, daß die Verteilung der gewonnenen Mittel ungerecht erfolgt ist und das Politik nur von Doktrinen und leider sehr wenig vom Denken geleitet wird. Den einmal eingeschlagenen Weg darf man(n) auf keinen Fall verlassen.

Das nationalökonomische Dogma von der Unendlichkeit der menschlichen Wünsche ist offensichtlich ein großer Unsinn, wie die Existens der Werbung zwingend beweist. Bedarf kann sehr wohl gesättigt werden und muss deshalb immer wieder neu geweckt werden.

Zum Glück machen immer mehr Leute die Erfahrung, dass die Dinge nur dann einen echten Wert bekommen, wenn man sie mit dem Faktor Zeit multiplizieren kann. Zeit ist der einzige unvermehrbare Rohstoff des Lebens, sie ist die einzige harte Währung. Allerdings geht das direkt in ein anderes Dilemma über;

Die Verdienenden haben mehr Dinge als sie nutzen können, ihnen fehlt es schlicht an der Zeit. Den Arbeitslosen, deren einziger echter Reichtum die Zeit ist, fehlen oft die einfachsten Dinge. Aber in einer “Geiz ist Geil “- Gesellschaft ist dies auch nur das fatale Ende einer Fehlentwicklung.

Als Folge sinken dann die Gewinnerwartungen der Unternehmen massiv, Investitionen in die Zukunft unterbleiben ganz oder werden einzig zum Zweck einer weiteren Rationalisierung verwendet. Ergebnis sind dann Scharen von “McKinsey” und “Boston Legal Group” – Prozess-Optimierern, die wie die Heuschrecken von Unternehmen zu Unternehmen flattern und witzigerweise inzwischen auch schon von den Kirchenoberen angeheuert werden um “Blut aus Steinen” zu pressen…

Wenn ein neuer Arbeitsplatz fünf alte überflüssig macht und fünf neue fünfundzwanzig alte überflüssig machen, nach welcher Logik bitte, soll da das Wirtschaftswachstum noch mit dem Einkommen gekoppelt sein. Es ist eine (amerikanische) Logik gegen alle Logik, die sich da breitgemacht hat. Der Sinn des Fortschritts sollte sein, den Menschen zu entlasten und das nicht nur in physischer Hinsicht.

Sollte dieses hektische und teilweise hysterische Gerede über Arbeit nicht endlich eingestellt und über Menschliche Arbeit neu nachgedacht werden.

Verteilungsversuche über Verkürzungen der Arbeitszeiten sind notwendig aber leider nicht die Lösung.

In einer Welt der immer spezialisierteren Berufe sind solche Versuche unvollständig gedacht und können keine echten Lösungen bieten.

Die Verteilung von gerechtem Einkommen wird in solch einer Welt kaum vollständig gelingen und soziale Spannungen sind somit vorprogrammiert.

Eine Absicherung aller Menschen durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen wäre die optimale Lösung, stösst aber in einer Gesellschaft, wie der unseren auf harsche Kritik aus allen Lagern. Was den meisten Gegnern dabei nicht klar ist, ist, dass ein BGE zuerst einmal jedem Menschen erlaubt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, auch bei Nichtarbeit. Das ist ein sehr entscheidender Punkt für den sozialen Frieden.
Dann ermöglicht es den Menschen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Wer sich gern mit seinen, z. Zt. aus Mangel an Gelegenheit, verborgenen Begabungen und Interessen auseinandersetzen möchte, kann dies dann ohne Existensängste tun, was ein Quantensprung für unsere Gesellschaft bedeuten würde und helfen kann, uns zu dem zu entwickeln der/die wir wirklich sind.
Die Finanzierung eines BGE würde uns auch nicht vor unüberwindbare Schwierigkeiten stellen, da es genügend Reichtum in diesem Land gibt, der allerdings sehr schlecht und ungerecht verteilt ist und riesige global operierende Unternehmen keine grossen, bzw. gar keine, Steuerabgaben leisten.
Es bedeutete auch nicht, daß dann niemand mehr arbeiten möchte, da es sich doch so schön vom BGE leben liesse. Die Menschen wollen arbeiten, aber es sollte keine unterbezahlte Fronarbeit sein. Im Moment arbeiten viele Menschen weit unter ihrer Einkommensschmerzgrenze, weil es auf dem Arbeitsmarkt einen enormen Druck gibt. Erzeugt wird er aus der Angst vor dem „Stigmata“ Arbeitslosigkeit und dem daraus resultierenden sozialen Abstieg der Betroffenen. Dies erschafft Konkurrenz unter der Arbeiterschaft, die aus Angst vor Arbeitsplatzverlust stillschweigend fast alles akzeptiert, was die Unternehmerschaft ihnen diktiert. Bei einem BGE würden all diese Pressionen verschwinden und die Arbeit würde gerechter bezahlt und die Arbeitsbedingungen würden sich ebenfalls verbessern, da der Unternehmerseite sonst die Arbeiter davonlaufen würden.
Nur wenn bei Verlust oder Aufgabe des Arbeitsplatzes das Soziale Aus bevorsteht, sind Menschen bereit sich erpresserischen Bedingungen zu unterwerfen. Haben sie erst einmal eine Sicherheit für sich und ihre Familien, würde sich auch auf dieser Seite die Wagschale wieder in einem Gleichgewicht befinden. Und für denjenigen, der arbeitet würde ja das daraus erzielte Einkommen zu seinem BGE dazukommen. Also wenn das kein Anreiz zur Arbeit ist…

Es gibt sowiso nicht den „einen“ Typ Mensch ;

Eigentlich reden wir von drei Gruppen von Menschen;

– Zum ersten die Gruppe der Leute die gern arbeiten, da die Arbeit vielgestaltiger, kreativer und geistig anspruchsvoller und weniger monoton und nervtötend ist als noch vor Jahren.

– Dann die zweite Gruppe, die sich vom wachsenden Tempo und den steigenden Anforderungen bedrückt und teils überfordert fühlen. Sie fühlen sich in den gleichen Tretmühlen wie schon viele Generationen vor ihnen.

– Und schliesslich gibt es auch noch die Menschen, die ihre Zeit lieber mit angenehmeren Tätigkeiten als mit Arbeit verbringen.

Es ist ein ausgemachter Unsinn und erzeugt große Konflikte, wenn in einer Zeit, in der Arbeit endlich knapp wird, die alten Vorstellungen von Arbeitspflicht und der Verwerflichkeit des Nichtstuns weiter am leben gehalten werden. So als gäbe es jede Menge zu schaffen und der “Faule” würde von der Plackerei des Fleißigen leben.

Diese sogenannte Faulheit wird wahrscheinlich mehr und mehr zu einem bedeutender Beitrag zum sozialen Frieden werden. Denn wo Arbeit knapp wird, darf der nicht verachtet werden, der keine Arbeit hat. Jeder Frieden hat seine Preis, auch und insbesondere der soziale !

Wer sich aufgrund von Nichtarbeit mit einem bescheideneren Lebensstandard zufrieden gibt, die Umwelt dadurch entlastet, der keinem, der gern arbeitet, den Arbeitsplatz wegnimmt, darf dafür nicht auch noch bestraft und womöglich kriminalisiert werden.

Ein menschenwürdiges Auskommen sollte Anreiz des Nichtarbeitens bei Verzicht auf Wohlstand sein. Hat nicht jeder Mensch einen Grundanspruch auf das eingangs erwähnte Erbe jener unzähligen Generationen vor uns bereits längst erworben ? Ist Eigenleistung in einer von Maschinen getriebenen Überflußgesellschaft überhaupt noch nötig ? Ist der alte pädagogische Gedanke der Forderung nach Eigenleistung heute überhaupt noch zeitgemäß ?

“Es gehört sich zu Arbeiten, andernfalls darfst Du nicht leben !”

Das ist doch wohl ein recht übles Totschlagargument aus hoffentlich bald vergangenen Tagen.

Ist nicht die ehemals angeprangerte Verschwendungssucht heute längst zu einer erwünschten Tugend namens Konsumorientierung geworden…

Da sollte die gesellschaftliche Verklärung der Tatsache, daß Arbeit der Lebenssinn des Menschen ist endlich einmal aufgebrochen werden.

Diese Verklärung macht die erzwungene Arbeitslosigkeit für den Betroffenen – über den Verlust des Einkommens hinaus – zu einer unerträglichen und erdrückenden Seelenlast.

Um sie zu erleichtern, sollten wir uns alle daran erinnern, daß die Menschenwürde nicht am Arbeitsplatz wohnt… !

Mit Dank an
Michael Hoather

Sozialhilfe 24.de und sein Menschenbild

Ich wollte schon immer gern mal Mäuschen spielen um zu erfahren wie so Arge-Mitarbeiter über ihre Kunden denken. Lange brauchte ich nicht suchen und wurde in dem Sozialhilfe 24.de mehr als fündig.

Der Administrator Turtle1972 der schon über 14.189 Beiträge in diesem besagten Forum verfasst hat, outet sich als Mitarbeiter der Widerspruchstelle einer ARGE.

Diese freundlichen Helfer haben sich zur Aufgabe gemacht Hilfebedürftigen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, eigentlich eine lobenswerte Arbeit, sollte man meinen. Hier mal ein kleiner Auszug was der Administrator für ein Menschenbild inne hat.

Zitat Turtle1972:
Ich weiß im Übrigen wenigstens, wie man „Widerspruch“ in korrektem Deutsch schreibt. Wenn du einer bildungsfernen Schicht angehörst und deshalb im Leben nichts erreicht hast und nichts erreichen wirst: dafür kann ich nichts. Ein gewisses Maß an Intelligenz sollte eben angeboren sein.

Quelle

So ticken und denken also die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen und verbreiten ihre denke noch unter dem Deckmantel der Hilfestellung. Während Ihren Arbeitszeiten finden Sie ein Ventil um ihre gestauten Aggressionen an den Hilfebedürftigen abzulassen.

Waldspaziergang

Waldspaziergang_thumb.jpg

Waldspaziergang

© Jotha

DigitalGraffito

DigitalGraffito_thumb.jpg

DigitalGraffito

© Jotha

Kastenbau

Kastenbau_thumb.jpg

Kastenbau

© Jotha

Lange Schatten

LangeSchatten_thumb.jpg

LangeSchatten

© Jotha

Die letzten 100 Artikel