Medienlügen

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Home Office #54

Beweise für die zweite Welle? Im Gegenteil: Jetzt wird zurückgerudert. Ob Spahn, CDC oder WHO: Alle sind am Relativieren und üben sich bereits in Schadensbegrenzung.

Mit unserem heutigen Gast Petra Zeitz besprechen wir die katastrophale Lage der Kreuzschifffahrt-Industrie sowie der Situation auf Malta seit dem Lockdown.

DAS seht ihr nicht auf ARD, ZDF & Co

So viele Leute waren auf der Corona-Demo in Berlin! (29.08.)

RUBIKON: Im Gespräch: „Die Berlin-Lüge“

Kilez More und Flavio von Witzleben

Die Berlin-Lüge

Im Rubikon-Exklusivinterview berichtet Rapper und Friedensaktivist Kilez More von
seinen Erlebnissen am „Tag der Freiheit“ in Berlin und konstatiert, dass die
Medien Lügen über die Demonstration verbreiten.

Über Deutschlands Rolle im kommenden europäischen Krieg, die Auftraggeber der Aufführung und die Reaktionen der Höhlenbewohner

Freitag, 3.8.2012. Eifel. Absolut spannende Zeiten, in denen wir da leben. Absolut superspannend. Ist sich eigentlich irgendjemand dieser Tatsache bewußt? Wir erleben historisch unglaublich interessante Prozesse, Prozesse, die einmalig sind. Nehmen wir zum Beispiel unseren Alltag. Wir verwandeln uns zurück zu Höhlenbewohnern – ist das nicht unglaublich? Wer hätte das gedacht? Das ist noch wesentlich schlimmer als in der Steinzeit – wenn man mal genauer hinschaut. Morgens verlassen wir unsere Wohnhöhle, fahren mit unserer Mobilhöhle in die Arbeitshöhle, verbringen dort den Tag, um anschließend noch in die Verkaufshöhle zu fahren, bis wir abends – erschöpft und bleich wie Ziegenkäse – die Wohnhöhle wieder erreichen. Dort legen wir uns dann unter die Sonnenbank um am nächsten Tag dank intensiven Einsatzes von Bräunungscreme und Technik der Welt vorlügen zu können, das wir keine Höhlenbewohner sind. Das Wortspiel funktioniert übrigens auch mit „Hölle“ anstatt „Höhle“ – und das ist dann die Erklärung, warum wir so dringend Urlaub brauchen. Von der Wohnhölle mit der Mobilhölle in die Arbeitshölle und die Verkaufshölle, um anschließend im Bräunungsfeuer gebraten zu werden. So schnell kann Religion Realität werden – und schlägt man die Zeitungen auf, sieht man, das diese Realität einfach nur die Wirklichkeit beschreibt.

Ich habe mir nun auch ein klein wenig Urlaub erlaubt, weshalb ich etwas weniger schreiben konnte. Nein, nichts großes – nur einige Ausflüge nach Aachen (neben Weimar und Hamburg für mich die schönste Stadt Deutschlands), ins Ruhrgebiet und nach Gummersbach – der Menschen wegen. Nebenbei hörte ich eine kabarettistische Sendung auf WDR 5, die mich sehr erschauern ließ – zum ersten Mal in den deutschen Medien wurde dort ernsthaft über die Möglichkeit der Erschiessung von Herrn Ackermann gesprochen, was – auch wenn es Satire ist – ein hartes Stück ist. Auf solche bestialischen Ideen kommen natürlich nur Höhlenbewohner, die der Sonnenmangel in die absolute Depression getrieben hat – oder Menschen, die in der Hölle leben, die nur deshalb nicht erkannt wird, weil sie durch Lügen überdeckt wird.

Lügen?

Ja, schauen wir uns doch mal die aktuellen Arbeitslosenzahlen in Deutschland an. Dazu müssen wir uns allerdings in die Welt jenseits der künstlich gebräunten Nachrichten begeben, in jener Welt, in der das Geld noch keinen Einfluss auf die Meinung hat, in der Journalisten noch arbeiten dürfen anstatt Bräunungen ausführen müssen und Nachrichten keine Rücksicht auf die Befindlichkeit von Wirtschaft oder Parteien nehmen brauchen – also in die Randzone der Blogwelt:

An dieser Stelle gleich mal der gewohnte Blick auf die aussagekräftigere, aber ebenso offizielle Zahl der Leistungsempfänger, die weiterhin bei sieben Millionen verharrt.
820.942 Menschen erhielten im Juli Arbeitslo­sen­geld I, 4.447.520 mußten mit Hartz IV (ALG II) überleben, und 1.698.457 Menschen erhielten Sozi­al­geld. Das sind zusammen 6.966.919 Leistungsempfänger. Auch diese Zahl zeigt noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzu kommen noch die Empfänger von Wohn­geld, von Kinderzuschlag, von Grund­si­che­rung im Alter oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII. Und liest man auch noch die Fußnoten im BA-Bericht, die von Hochrechnungen und “Untererfassung” schwätzen, so sind wohl selbst diese hochoffiziellen Zahlen noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Dazu kommen noch fünf Millionen Teilzeitbeschäftigte, die sich ebenfalls niemals eine Sonnenbank daheim leisten können. Zwölf Millionen Menschen – komplett aussortiert, ohne sicheren geschützten Platz in der menschlichen Gemeinschaft. Eine erstaunliche Leistung für einen „Exportweltmeister“. Und der leistet sich noch mehr – in historischen Dimensionen, siehe Heise:

Zumeist wendet sich dieses in der Mitte der Gesellschaft ausgebrütete und kommerziell äußerst erfolgreiche „Denken“ gegen Minderheiten und Menschengruppen, die insbesondere in Krisenzeiten als Belastungen und unnütze Kostenfaktoren für den „Wirtschaftsstandort Deutschland“ stigmatisiert werden – seien es nun Türken, Arbeitslose oder Südeuropäer.

Der Tabubruch gleicht einem Zivilisationsbruch, bei dem erneut eine Ungleichwertigkeit von Menschen öffentlich propagiert wird. Diese postulierte Minderwertigkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen wird aber mit explizit ökonomischen Argumentationsmustern legitimiert. Die ökonomische Leistungsfähigkeit eines Menschen bestimmt in dieser Ideologie dessen Wert. Sobald Menschen aus der kapitalistischen Arbeitsgesellschaft herausfallen, wird ihnen die Anerkennung verweigert, wie es ja Sarrazin in 2010 explizit formulierte:

Ich muß niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.

Ja, es sind nicht nur die Arbeitslosen (also: 12 Millionen), sondern auch noch die „Migranten“ – für die der Schmähungsschutz durch totale Unterwerfung vor der neoliberalen Ideologie nicht gilt: auch als Unternehmer und Besitzer eines jener raren Vollzeitarbeitsplätze haben sie in Deutschland keine sichere Heimat mehr – noch ein paar Millionen, die zur Jagd freigegeben sind.

Damit aber nicht genug. Jener höllische Höhlengeist, der uns von den Straßen jagt, hat schon längst mehr im Sinn – ihn stören nicht nur Türken und Arbeitslose in Deutschland, sondern auch Griechen, Spanier, Italiener, Portugiesen und akut Slowenen in ganz Europa: so eine Säuberung hätte sich selbst Hitler nicht zugetraut, siehe amerika21:

Sadismus? Ja, Sadismus. Wie soll man dieses Vergnügen daran, Menschen Schmerzen und Erniedrigung zuzufügen sonst nennen? In diesen Jahren der Krise haben wir gesehen wie – in Griechenland, in Irland, in Portugal, in Spanien und in anderen Ländern der Europäischen Union (EU) – die unbarmherzige Anwendung des von Deutschland geforderten Bestrafungszeremoniells (das Einfrieren der Renten; die Heraufsetzung des Rentenalters; die Reduzierung der öffentlichen Ausgaben; Kürzungen bei den staatlichen Sozialdiensten; ein Rückgang bei den Mitteln der Vorsorge gegen Armut und sozialen Ausschluss; eine Arbeitsreform, etc.) eine schwindelerregende Zunahme der Arbeitslosigkeit und der Zwangsräumungen hervorgerufen hat. Das Bettlertum ist, wie auch die Zahl der Selbstmorde, in die Höhe geschossen.

Sogar der Europarat bemerkt, das der Sparkurs Rassismus fördert (siehe deutsche Wirtschaftsnachrichten) und zieht seine Konsequenzen:

„Politiker müssen unter allen Umständen widerstehen, Vorurteile und grundlose Ängste vor dem Verlust der europäischen Werte, Terrorismus und Kriminalität zu schüren“.

Trotzdem wird Thilo Sarrazin von einer Talkshow zur nächsten gereicht, sind die Medien voll von Diffamierungen gegen Arbeitlose, Türken und Südeuropäer – selbst wenn die alle in ihrem eigenen Land wohnen.

Der neue deutsche Höllengeist macht vor nichts mehr halt, möchte man meinen – und es kommt kaum jemand auf die Idee, das genau dies die Absicht der amerikanischen Aussenpolitik ist.  Nur noch ein wenig mehr – und Deutschland steht zum dritten Mal im Zentrum des großen Kampfes der „freien Welt“ gegen den deutschen Militarismus, Sadismus und Faschismus. So steuert man Weltpolitik – und Höhlenbewohner, die selten nur das Licht des Tages erblicken. Professor Richard D. Wolff gehört zu den wenigen, die dies sehen, siehe scharf-links:

Ja, und dies ist ein sehr gefährliches Fundament, auf dem Deutschland seinen Erfolg errichtet. Für ein Land mit solch einer schrecklichen Geschichte von Versuchen, auf dem Rücken der übrigen Europäer zu Wohlstand zu gelangen, ist dies nicht nur wirtschaftlich gefährlich, sondern auch in politischer und ideologischer Hinsicht. Und ich bin, ehrlich gesagt, verblüfft, dass nicht viel mehr Deutsche sich dieser historischen Parallelen bewusst sind – und dass es nicht viel mehr diesbezügliche Befürchtungen gibt in Deutschland.

Der Weg ist klar zu erkennen – und ich denke, für viele Politiker ist deshalb das „vereinigte Europa“ ein Fluchtpunkt vor der Zukunft, die gerade ganz gezielt vorbereitet wird: wieder bekommt Deutschland eine zentrale Position in Europa als Gegenpol zu den USA, wieder wird eine asoziale Stimmung im Land verbreitet (die Hetze gegen Arbeitslose hat ja nicht umsonst einen Klang, den man seit dem „Stürmer“ in Deutschland nicht mehr vernommen hat), wieder werden die Deutschen als Bürger gegen Ausländer in Stellung gebracht (wobei der Türke – neben dem „Asozialen“ – den Juden ersetzt) und der Tag scheint nicht mehr fern, wo jene von den USA und Großbritannien ausgebildete Rebellen, die in Syrien und Lybien „für Ordnung sorgen“ in Deutschland auftauchen, um den türkischen Gemüsehändler vor den Schergen Sarrazins zu schützen.

Zu phantastisch? Vielleicht – aber auch nur wegen der „Bräunungscreme“ in den Medien und weil wir uns noch immer an die guten GI´s erinnern, die uns Kaffee und Schokolade gebracht und uns vom Bund Deutschter Mädels befreit haben, wo meine Mutter noch ihre eigene Kotze essen musste – aus Erziehungsgründen. Deutscher Sadismus macht nämlich vor Ariern nicht halt.

Was wir nicht verstanden haben, ist, das es den „guten Amerikaner“ nicht mehr gibt. Der GI verteilt keine Schokolade mehr an Kinder – er erschießt sie ohne Grund. Das ist die praktische Auswirkung einer Bewegung, die Professor Richard Wolff bei Scharf-links beschrieben hat:

Lassen Sie mich nun die wichtigsten Dimensionen dieser systemischen Krise darlegen. Zuallererst muss darauf hingewiesen werden, dass in den Vereinigten Staaten in den letzten 30 Jahren die sozialen Programme und Errungenschaften demontiert wurden, die eingeführt wurden, als der Kapitalismus das letzte Mal in einer fundamentalen Systemkrise steckte – nämlich während der „Großen Depression“ der 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Damals führten die Vereinigten Staaten umfassende Sozialprogramme für die Masse der Bevölkerung ein.

Dieser Bewegung haben sich auch die deutschen Regierungen der letzten zehn Jahre verpflichtet: Sozialabbau in breiter Front. Der Einfluss der US-Finanzaristokratie auf gesellschaftspolitische Entwicklungen in Deutschland ist groß – die „Entscheider“ in Wirtschaft und Politik treffen sich nicht umsonst  bei der Atlantikbrücke, den Bilderbergern oder der deutsch-amerikanischen Handelskammer, die nützliche und gleichzeitig bedenkliche  Dienstleistungen anbietet:

750 Mitgliedsfirmen bilden die Basis für das erfolgreiche transatlantische Netzwerk der AHK USA – New York. Die Mitgliedschaft beinhaltet exklusive Einladungen zu Vorträgen, Seminaren und Roundtable-Gesprächen mit führenden Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.

So werden die Segnungen, die Roosevelts GI´s noch nach Deutschland gebracht haben, auch hier wieder von einer breiten Front von gezielt gezüchteten Sympathisanten abgebaut.

Der Grund für diese Bewegung ist einfach – und ziemlich albern: Steuerhinterziehung. Ein Delikt, für das Entscheider in Deutschland viel Verständnis haben, während sie das gleichwertige „Schwarzfahren“ in öffentlichen Verkehrsmitteln mit Haftstrafen belegen. Es geht hier um gigantische Summen, siehe „humane-Wirtschaft“:

Der Pullitzer-Preisträger von 1990 für investigativen Journalismus Joe Kilzer hat für “TribLive” untersucht, wie es um die Steuergerechtigkeit im Hinblick auf große Geldvermögen steht.

Seine Erkenntnisse konnten erwartet werden, sind aber angesichts der sich weltweit zuspitzenden “Schuldenkrisen” dennoch aufschlussreich. Demnach wird geschätzt, dass sich weltweit rund 25 Billionen US-Dollar auf Bankkonten in Ländern befinden, die sich durch niedrige Steuern und/oder gut gehütete Bankgeheimnisse auszeichnen.

Dort liegt das Geld, das wir als „Minus“ in den Bilanzen unserer Staaten haben – wir Deutsche, wir Griechen, wir Amerikaner.

Das sind 25 ooo ooo Millionen – mit denen man jederzeit überall auf der Welt Einfluss ausüben, Regierungen stürzen, Zeitungen kaufen oder Märkte manipulieren kann. Und die Menschen wissen das – wie auch jeder weiß, das „nine-eleven“ eher von diesem Kapital denn von Osama bin Laden ursächlich veranstaltet wurde – aber dank des „Bräunungseffektes“ dürfen wir nicht darüber reden.

Uns gehts gut, wir verbringen den ganzen Tag an der frischen Luft im Sonnenschein – jedenfalls sehen wir so aus, obwohl wir nur Höhlenbewohner sind.

Aber deshalb fühlen wir uns in unseren Höhlen wohl – und genießen die Zeit des Friedens wie die angepassten deutschen Durchschnittsarier  im Juli 1939 – solange, bis auch wir unsere eigene Kotze fressen müssen, weil „die Märkte“ nicht beunruhigt werden dürfen. Wir wissen, das draußen, vor der Höhle, wieder schreckliche Ungeheuer lauern, die wir lange überwunden dachten – und eine einfache „Kündigung“ kann uns ihnen ausliefern.

Wem das alles jetzt immer noch zu unglaublich klingt, dem kann ich die Wirkung des Einflusses der USA in Deutschland am Beispiel eines einzigen Arztes aufzeigen – veröffentlicht bei „Scharf-links„.

Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, ein Arzt bekommt Kontrollbesuch von der Gesundheitsbehörde, weil er die Ärzte in Deutschland zum Widerstand gegen den Krieg an sich auffordert – man erfährt nicht, woher das Gesundheitsamt über den E-Mail-Verkehr des Arztes mit der Ärztekammer informiert wurde, aber die „Zurechtweisung“ zeigt deutlich, woher der Wind weht:

Sie verlangen kategorisch mich zu sprechen. Ich war mitten bei einer Blutentnahme. Da sie diese Situation wohl selber unangebracht fanden, warteten sie, bis ich mit dem Patienten fertig war. Das Wartezimmer war voll.

Im Arztzimmer wurde mir eröffnet, ich hätte doch E-Mails an die Kammer geschickt, so als ob gleich der dritte Weltkrieg ausbrechen würde, warum ich dies getan hätte und es wäre doch sinnvoller gewesen diese E-Mails an das Außenministerium zu schicken.

Grund für den Besuch? Engagement gegen den Krieg in Syrien – und gegen die „Bräunungslügen“, die selbst einen den CDU-Experten Todenhöfer entsetzen:

„Die radikalisierten Gruppen der Rebellen kritisiere ich, weil sie gezielt Zivilisten töten und diese anschließend als Opfer der Regierung ausgeben. Diese ´Massaker-Marketing-Strategie´ gehört zum Widerlichsten, was ich in kriegerischen Auseinandersetzungen jemals erlebt habe. 

Aber – solange man vom Geldfluss der Supermilliardäre und ihrer Geldsammelkonzerne (die kaum noch Teil der deutschen Volkswirtschaft sind, auch wenn sie hier dereinst gegründet wurden) abhängig ist, die per Rating kontrollieren können, wieviel Geld eine Volkswirtschaft zum Wirtschaften behalten darf, muss man damit leben, das „die Märkte“ reagieren, wenn einer aus der Reihe tanzt – auch wenn er Arzt ist.

Denn gerade für Ärzte tut man ja sehr viel, damit die ihren hypokratischen Eid schnell vergessen, siehe TAZ:

Die Bundesregierung überprüft ihre Förderung von Marketingseminaren, in denen Ärzte für den Verkauf der umstrittenen individuellen Gesundheitsleistungen (Igel) geschult werden. Diese müssen von Patienten selbst bezahlt werden, viele gelten als überflüssig.

Da verstehe ich langsam, warum manche daran denken, den Ackermann zu erschiessen. Andere werden dann Arbeitslose erschiessen, die wiederum Jobcentermitarbeiter auf offener Straße verbrennen. Zur Not schickt man einfach ein paar Söldner, die die Startzündung für die Unruhen besorgen – der Rest erledigt sich dann wie in Jugoslawien von selbst. Oder man organisiert die Unruhen wie in Lybien und Syrien gleich ganz von außen.

Und dann wird die zivile Gesellschaft anderes zu tun haben, als zu schauen, wie sie ihre 25 Billionen Euro wiederbekommt.

Aber uns geht´s gut, wir sind alle braun, weil wir den ganzen Tag an der frischen Luft in der strahlenden Sonne verbringen.

Schönen Urlaub noch!

 

Christoph Hörstel berichtet aus Syrien

Furchtbare Tonqualität, aber interessant:

[Video, bitte Beitrag anklicken]

Nachrichten am Mittwoch

Viel zu kurz aber mit einem Ufo:

Transformationsteams. Wow, was die sich alles ausdenken. Hab ich erstmal für Satire gehalten.

Mit der Entsendung sogenannter Transformationsteams nach Ägypten und Tunesien sucht Berlin seinen ökonomischen Einfluss in Nordafrika auszubauen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat unlängst angekündigt, pensionierte deutsche Beamte würden die beiden im Umbruch befindlichen Staaten künftig beim „Aufbau einer Wirtschaftsverwaltung“ unterstützen. Angesichts anhaltender sozialer Proteste und Streiks treibt in Nordafrika operierende deutsche Firmen die Sorge um, die Region könne sich zu einem unsicheren Ort für ihre Niedriglohn-Investitionen entwickeln. Der jüngste Vorstoß der Bundesregierung soll diese Befürchtungen zerstreuen. Er fügt sich nahtlos ein in außenpolitische Initiativen Berlins zur Stärkung der deutschen Position in Nordafrika, die bereits unmittelbar nach dem Beginn des „Arabischen Frühlings“ 2011 ihren Anfang nahmen.

Nicht nur Gier nach Öl und Volksvermögen, auch die Unlust, einen Kredit zurückzuzahlen:

Bei dem um seine Wiederwahl ins französische Präsidentenamt besorgten petit Napoléon in Paris, klopft die Vergangenheit an die Pforten des Élysée-Palastes. Draußen vor der Tür steht nicht Saif al-Islam, Sohn des vom Nato-Mob ermordeten libyschen Präsidenten Muammar Gaddafi, denn der sitzt, für was auch immer, im Kerker. Aber das was Saif al-Islam schon vor einem Jahr in einem Interview mit Euronews forderte. Im Interview verlangte er von „diesem Clown, dass er dem libyschen Volk das Geld zurückgibt, das er zur Finanzierung seiner Wahlkampagne bekommen hat.“

Ein Kommentar zur Rentenerhöhung:

Deshalb müssen sich die Rentner jetzt von früh bis abends auch anhören, wie dankbar sie denn sein müssen, weil sie eine Wahnsinnsrentenerhöhung ab Juli bekämen – unterhalb der Inflationsrate. Wahnsinn. Wie dankbar kann man denn dafür sein? Hab ich nicht kürzlich gesagt, dass erzwungene Dankbarkeit Hass gebiert?

Oh, der ist noch besser:

Frau Merkel,
stellen Sie sich einmal vor, nur mal für einen einzigen Moment, Sie hätten Kinder. Nur mal so angenommen. Ich weiß jetzt nicht, ob Sie sich das überhaupt vorstellen können. Aber sei’s drum.

Ein Versuch, die Bin Laden Klamotte doch noch echt aussehen zu lassen:

Ein Ex-General hat in Pakistan die Umstände von Osama bin Ladens Tod auf eigene Faust näher untersucht. Er kommt zum Schluss, dass die älteste seiner drei Frauen in Abbottabad den Anführer al-Qaidas verraten hat – aus Eifersucht.

Das wird Bayer ärgern:

Die Indische Regierung hat erstmals von ihrem Sonderrecht Gebrauch gemacht, lebensrettende Medikamente ohne Rücksicht auf Patentschutz nachbauen zu lassen. Es geht um ein Krebs-Medikament von Bayer namens Nexavar.

Und wem soll man jetzt glauben?

Am Sonntag um 11:07 Ostküstenzeit war auf Reuters ein Artikel zu lesen, der extrem von dem abweicht, was wir später vom Mainstream zu hören bekamen. In dem Artikel war nicht nur von einem Täter die Rede, sondern von mehreren Soldaten die sturzbetrunken auf Frauen und Kinder schossen und anschließend die Leichen verbrannten. Der Artikel stammt vom Reuters-Journalisten Ahmed Nahdem direkt aus Afghanistan und beruhte auf mehreren Zeugenaussagen, welche die afghanischen Behörden aufgenommen hatten.

Ohne Finanz/Eurokrise gehts nicht:

Die Europäische Zentralbank unter Mario Draghi überschwemmt die Märkte mit Geld, um die Euro-Zone vor dem Zerfall zu bewahren. Der Erfolg der Operation ist ungewiss, aber ihr Hauptprofiteur steht bereits fest: Europas maroder Bankensektor.
Mario Draghi bekommt dieser Tage viel Lob, besonders von Vertretern der Finanzindustrie. An der Wall Street feiern sie den Zentralbankchef als “Retter Europas”. Großinvestor George Soros preist ihn als den Mann, der “die Kreditklemme beseitigt hat”. Und der Bundesverband deutscher Banken sieht den Geldpolitiker auf gutem Weg, “die Staatsschuldenkrise einzudämmen”.

Bewegte Bilder:

Und schon wieder 40 Milliarden? Zur Erinnerung:

Und zum Abschluss ein Ufo in der Sonne:

FNORD

Wirtschaftscrash und die Kultur des Kannibalismus

Manche Menschen glauben, die Welt um sie herum ist gerade völlig in Ordnung. Sie haben Geld in der Tasche, nebenan ist Aldi, im Fernsehen laufen Seifenopern und die Medien bestätigen das Lebensgefühl: es ist alles in Ordnung, es ist alles gut, die Regierung kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft liebevoll um alles, was Sorgen bereiten müsste, damit wir am Abend während unsere Lieblingsserie (die auch gerne unsere Heile-Welt-Sicht bestätigt) ein Gläschen Wein schlürfen und an ein paar Träubchen knabbern können.

Manche Menschen glauben, die Welt um sie herum ist gerade völlig in Ordnung. Sie haben Geld in der Tasche, nebenan ist Aldi, im Fernsehen laufen Seifenopern und die Medien bestätigen das Lebensgefühl: es ist alles in Ordnung, es ist alles gut, die Regierung kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft liebevoll um alles, was Sorgen bereiten müsste, damit wir am Abend während unsere Lieblingsserie (die auch gerne unsere Heile-Welt-Sicht bestätigt) ein Gläschen Wein schlürfen und an ein paar Träubchen knabbern können.

Die Reduktion des eigenen Lebens auf den Alltag und die Lösung seiner Probleme ist nun nicht grundverkehrt. Sie ist ein Schlüssel zum Glück. Glück ist etwas Feines, das merke ich jeden Tag. Mir reicht ein Blick aus dem Fenster, ein Gang durch den Garten, eine Wanderung durchs Tal, eine kleine Pause am rauschenden Bach und ich erfreue mich eines Lebens, das wunderbarer nicht sein könnte – obwohl ich objektiv betrachtet an privaten Problemen nahezu ersticke.

In solchen Momenten des Glücks – die nahezu beliebig reproduzierbar sind – kommt mir der Gedanke, wie schön und friedlich die Welt doch sein könnte, wenn alle so ein Glück empfinden könnten, vor allem, weil es ein äußerst preiswertes Glück ist, das erstmal prinzipiell nichts kostet. Seitdem jedoch der Nahversorger in Folge der Wirtschaftskrise pleite gemacht hat und der Nahverkehr im Zuge der Krise der Staatsfinanzen abgeschafft wurde, merkt man schon, das man ohne Auto schnell an seine Grenzen stößt. Es fällt angesichts der zunehmenden Einschränkungen im Alltag schwer zu glauben, das alles wunderbar in Ordnung ist, vielmehr mehren sich die Anzeichen, das alles immer schlimmer wird, manche warnen sogar schon davor,

den Städten zu bleiben. Dort wird es schlimm werden angesichts der Krise.

Hunger kann Glück sehr stören und die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Nahrungsmitteln steht seit der „Just-in-Time“-Hysterie auf tönernen Füssen. Rollen die LKW´s nicht mehr sind die Regale nach ein paar Tagen leer – die Wirtschaft trifft halt weniger Vorsorge und spart dadurch Lagerkosten, was die Rendite erhöht.

Natürlich vertrauen wir auch der Wirtschaft. Alles grundsolide Kaufleute dort, die nichts anderes im Sinn haben als das Wohl der Bevölkerung, als unsere Versorgung mit Seifenopern, Wein und Träubchen – außer natürlich in Griechenland, wo sogar die Privatisierung des Staatsvermögens ins Stocken gerät, weil sich keine Käufer finden. Das wird schlimm für die Griechen. Wein und Träubchen werden die nicht mehr bekommen, dafür werden sie selbst zur Seifenoper. Schlimm wäre es auch für uns, wenn wir erfahren würden, wie die Gemeinden die Steuergelder durch Swap-Geschäfte in den Sand gesetzt haben, doch hier sorgt eine aktuell aufgedeckte Verschwörung zwischen Gemeinden und West-LB für Ruhe: wir erfahren einfach nichts mehr darüber, die Vertuschung sollte diesmal perfekt sein. Nichts soll unser TV-Erlebnis stören, weshalb sich auch keiner groß für die Auseinandersetzungen mit der Finanzindustrie stark macht, die an der Quelle der Misere – in den USA – mit viel Geld dafür sorgt, das sie ihre Gaunereien weiter betreiben kann, während Japan schon mal vormacht, wie man Obdachslose in AKW´s verheizen kann.

Für uns jedoch gilt die Losung: alles in Ordnung, der Normalbürger ist völlig in Sicherheit, nichts bringt den Genuss von Wein, Träubchen und Seifenoper in Gefahr, der Aufenthalt in der Traumwelt des Konsumparadieses ist völlig sicher und ohne jede Nebenwirkungen, es sei denn … man wird arbeitslos.

Gut, wir wissen ja: Arbeitslosigkeit trifft nur die Bösen. Das sagt man uns jedenfalls. In Wirklichkeit trifft Arbeitslosigkeit die Fleissigen, für die dann eine ganze Welt zusammenbricht – und selbst die vielgesuchten Fachkräfte kommen trotz aller Anstrengungen aus dieser Tretmühle nicht mehr heraus.

So langsam merken wir: alles Lüge. Na ja, vielleicht nicht alles, aber … einiges. Wir wissen nur nicht genau, was.

Das unser Geld nichts mehr wert ist, keinen Eigenwert mehr hat, sollten wir jedoch wissen. Selbst als Reiche sitzen wir nur auf einem Haufen von Papier, mehr nicht. Reiche wissen das, weshalb sie auch nach realen Werten ausschau halten, nur unsere Alltagsträumer glauben, das Banknoten Zauberkraft besitzen und sich jederzeit an allen Orten der Welt in lebensnotwendige Waren verwandeln können. Eigentlich sind solche Leute zu beneiden, eigentlich sollte man ihnen ihre Träume lassen, wenn sie nicht … auch Täter wären. Das bringt eine vernetzte arbeitsteilige Gesellschaft so mit sich: man mordet nicht mehr selber, man hat Leute dafür.

So sterben in Afghanistan Kinder für das System, das uns die Seifenopern, die Träubchen und den Wein liefert (wobei es hier um Öl für die Just-in-Time-Kette geht), Tripolis wird in die Steinzeit zurückgebombt – letztlich auch für billige Träubchen. Nur sind die Zusammenhänge inzwischen so verzwickt wie die Swap-Geschäfte der Gemeinden und leicht zu verschleiern, wenn alle Täter nur zusammenhalten.

Und so verwundert es nicht, das wir langsam zu einer kannibalistischen Kultur verkommen, ja eigentlich schon längst dort angekommen sind, was die Kunst zuerst bemerkt.

Blut, Schweiß und Tränen sind der Treibstoff für unsere abendlichen Genussorgien – echtes Blut, echter Schweiß, echte Tränen. Ob wir wirklich noch genug Rückgrat haben, NEIN zu sagen, wenn man uns weiß macht, das die Verwurstung von Arbeitslosen alternativlos ist? Was für Menschen werden wir sein, wenn wir aus den Alltagsträumen erwachen, wenn Wein und Träubchen verzehrt sind, die Steckdose tot ist und wir merken, in welcher Welt wir wirklich leben?

In den Vorstadtchroniken des Comiczeichners Caza werden wir zu menschenfressenden Zombies, wenn der Strom ausfällt.

So unvorstellbar?

Zwischen uns und dem Wilden, dem Kannibalen ist eine viel zu große Kluft, wir sind viel zu zivilisiert dazu?

Also … für den Philosophen aus der Eifel ist die Kluft nicht zu erkennen. Zwischen dem Verspeisen der Ahnen und der Organspende sehe ich keinen prinzipiellen Unterschied. Und ob unsere lebensuntauglichen Wohlstandsparasiten den Mut haben, in Zeiten des Hungers auf das Verspeisen des Nachbarn (oder des fremden Durchreisenden) zu verzichten, wage ich angesichts des Verfalls der Ethik und Moral zu bezweifeln.

Die Hartz IV-Gesetzgebung lebt das Prinzip doch schon vor: wenn ein Mensch nicht mehr zur wirtschaftlichen Verwertbarkeit taugt, darf er wirtschaftlich ausgeschlachtet werden.

Wen stört das denn wirklich …  außerhalb des Kreises der Opfer des Sozialkannibalismus?

 

 

 

Deutschland bankrott, USA in Auflösung, China schmutzig

Der Aufschwung fetzt uns ja gerade nur so um die Ohren, das es kracht. Besonders kracht es bei den Schuldnerberatungen, den Insolvenzgerichten und den Inkassounternehmen.  Wir wissen ja alle, das das nicht sein kann, es muß sich also bei dieser Beobachtung um eine kollektive aufschwunggefährdende Massenpsychose handeln. Ein Wunder, das dafür noch nicht harte Strafen verhängt worden sind:

Damit könnte es dieses Jahr noch mehr Verbraucher treffen als im bisherigen Rekordjahr 2007. Damals mussten 137.000 Personen ihre Zahlungsunfähigkeit erklären. In den ersten sechs Monaten habe es fast 69.500 Fälle gegeben, teilte der Finanzdienstleister mit – ein Zuwachs von knapp 13 Prozent. Hauptursache sei unter anderem Arbeitslosigkeit, die krisenbedingt noch immer hoch sei, sagte ein Bürgel-Sprecher.

Quelle: Spiegel-online

Das es sich bei dieser Studie des Finanzdienstleisters Bürgel um eine krasse Fälschung und unverschämte Lüge handelt, ist jedem aufrechten Bürger gleich offensichtlich: wir haben Jobwunder und die sprechen von unverschämt von Arbeitslosigkeit und sogar – das schlägt dem Faß den Boden aus – von KRISE.  Die haben wohl die Aufschwungberichte der Medien nicht gelesen.

Leider machen auch andere Unternehmen die unangenehme Erfahrung, das arbeitslose Verbraucher, die in die Privatinsolvenz rutschen, nicht mehr bezahlen:

Deutsche Unternehmen müssen laut einer Studie in diesem Jahr durchschnittlich 2,8 Prozent ihrer Forderungen abschreiben. 2009 waren es danach 2,1 Prozent nicht bezahlter Rechnungen. Der Anteil der Zahlungsausfälle in 2010 liege bei Geschäftskunden (2,8 Prozent) und Privatkunden (2,6 Prozent) fast auf gleichem Niveau. Für die Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“ hat die internationale EOS Gruppe gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos nach eigenen Angaben 2200 Unternehmen in zehn europäischen Ländern zu den Zahlungsgewohnheiten befragt.

Damit liegen die Zahlungsausfälle höher als der Aufschwung, was praktisch heißt: wir haben zwar volle Auftragsbücher und die Leute kaufen unsere Waren, sie bezahlen aber nicht mehr. Besonders schlimm sind die Firmen, denen es ja angeblich noch besser geht:

Besonders stark von Forderungsausfällen betroffen sind laut Studie süddeutsche Unternehmen mit Geschäftskunden. Hier fielen 4,2 Prozent der Forderungen aus.

Quelle: Welt

Da wir ja Aufschwung und Jobwunder haben, können wir aber auch diese sehr beunruhigenden Berichte in das Reich der Phantasie verweisen.  Es bleibt ein Rätsel, wie diese aufschwunghemmenden Nachrichten überhaupt die Schreibtische verantwortungsbewußter Redakteure passieren konnten.

Da lieben wir doch die Nachrichten vom Handelsblatt:

Nach Ansicht des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) sind die Verbraucher die Verlierer des Kompromisses. Die Atomlobby habe sich „mit ihren dreisten Forderungen auf ganzer Linie durchgesetzt“. Der Bundesverband WindEnergie sprach von einer „Rolle rückwärts zur Energietechnologie von gestern“. Kernkraftwerke würden noch Jahrzehnte „die Stromnetze verstopfen“ und so den möglichen Ausbau der Windenergie blockieren.

Geht es den Konzernen gut, geht es auch der Wirtschaft gut und wir kriegen schöne Statistiken.  Was interessiert uns da der „Verbraucher“. Überhaupt … was ist das eigentlich für ein moralisch minderwertiges Wesen: „der Verbraucher“? Wie der sich schon anhört: ein Schmarotzer in Person. Während die edle Elite produziert, nimmt er sich die Frechheit heraus, einfach zu verbrauchen, was diese erschaffen haben. Man muß sich da wirklich mal überleben, wieviele Verbraucher sich so ein Land noch leisten kann. Amerika macht das jetzt ja mal konsequent vor, die entsorgen ihre Verbraucher frühzeitig. Das Handelsblatt berichtet von einem:

Paul Berardino ist kein typischer Arbeitsloser. Der 46-Jährige New Yorker ist studierter Politikwissenschaftler, Vertriebsmanager, Medienexperte, Buchautor. Als am 11. September 2001 in Downtown Manhattan zwei Flugzeuge ins World Trade Center krachen, arbeitet er im Gebäude schräg gegenüber für Thomson Financial – und kommt mit dem Schrecken davon.

Der eigentliche Anschlag auf Berardinos Leben folgt sechs Jahre später. Investcorp., eine Private-Equity-Firma mit Sitz in Bahrein, übernimmt die Sparte Thomson Media und setzt den Vertriebsmann aus Manhattan vor die Tür: „Ohne Vorwarnung, ohne einen Cent Abfindung, eiskalt“, schimpft Berardino. Fortan schickt er pausenlos Bewerbungen, doch nachdem im September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbricht, kommt von all den Arbeitgebern, die er anschreibt, kaum mehr eine Notiz: „Die meisten“, sagt er mit rauer Stimme, „schicken nicht mal eine Absage.“ Aus Berardino, dem Multitalent, wird einer von vielen Millionen Langzeitarbeitslosen in den USA.

Solche Geschichten hört man nicht gerne, wenn man in Deutschland wohl situierte Grünenwähler ist. Doch haben die gleichen Strukturen, die uns den „Energiekompromis“ aufgezwungen haben, den amerikanischen Verhältnissen mit der Agenda 2010 schon mal die Tür geöffnet, auch wenn bei uns die Folgen nicht so drastisch sind:

„99ers“ werden sie im Volksmund genannt, weil sie die maximale Dauer der Arbeitslosenunterstützung von 99 Wochen überschritten haben. Unter ihnen sind Millionen Menschen, die erst ihren Job verloren haben, dann ihr Haus. Die in ihren schlimmsten Träumen nicht daran dachten, dass sie einmal so abstürzen könnten. Die nun ihr letztes Hab und Gut auf Flohmärkten verscherbeln und bei Verwandten oder Freunden Übernachtungsmöglichkeiten anfragen. Wenn nicht, schlafen sie im Auto. Ein Teil der amerikanischen Mittelklasse, einst Grundstein des reichsten Landes der Erde, verabschiedet sich in die Obdachlosigkeit.

Nun, wenn die neue Reform der Hartz-IV-Gesetze steht und die Kommunen über den Wohnraum entscheiden, dann werden wohl … auch bei uns sich zunehmen Arbeitslose in die Obdachlosigkeit verabschieden.  Aber was interessiert das schon die Politik – die geht ganz andere Wege, zunehmend fern vom Bürger und seinen Interessen.

Eine Kleinstadt im US-Staat Michigan hat aus Kostengründen ihre kommunale Polizei abgeschafft. Clarkstown hatte bislang einen Polizeichef, einen Vollzeit- und acht Teilzeitbeamte, die in dem Ort nach dem Rechten sahen. Es ist nicht der erste Fall in den USA.

Quelle: Handelsblatt

Das Gewaltmonopol ist eine der Grundlagen staatlicher Souveränität.  Die Bürger verzichten auf Schußwaffengebrauch und vertrauen darauf, das der Staat notfalls schießt.  Polizei und Militär bilden die ausführenden Organe des staatlichen Gewaltmonopols – wo sie abgeschafft oder privatisiert werden, ist der demokratische Rechtsstaat am Ende:

Blackwater hat nach Informationen der «New York Times» 31 Firmen gegründet. Mehrere davon waren in Steueroasen angesiedelt. Unter neuen Namen hatte die US-Söldnerfirma Grosses vor.

Alleine die CIA hat Blackwater und seinen Töchtern seit 2001 Aufträge für 600 Millionen Dollar erteilt. Darunter ist ein neuer Auftrag über 100 Millionen Dollar für Einsätze in Afghanistan.

Quelle: Basler Zeitung

Wen wunderts?  Niemanden. Die USA werden für die wirklichen Machthaber dieser Welt immer uninteressanter. Sie haben Bürgerrechte, eine häßliche Justiz, die viel Schadensersatz fordert und einen ständig steigenden Widerstand gegen die Macht der Konzerne – auf kommunaler Basis. Entzieht man der kommunalen Basis aber die wirtschaftliche Basis, kann man (theoretisch) mit Blackwater ganze Staaten beherrschen, ohne sich um die lästigen Verbraucher kümmern zu müssen.

Für die Konzernwolken, die unseren Planeten belagern, gibt es ein anderes Land, dessen politische Kultur derjenigen entspricht, die sie auch in ihren Unternehmen pflegen:

Nicht weit entfernt von Peking fliesst ein schwarzer Fluss ins Gelbe Meer. Das Meer heisst nur so; der Fluss aber ist wirklich schwarz. «Er ist total verdreckt, weil die Fabriken dort ihre Abwässer völlig ungeklärt in den Fluss leiten», sagt der chinesische Umweltfotograf Lu Guang. Die Rede ist vom Ziya-Fluss, der sich rund 130 Kilometer Luftlinie von Peking entfernt wie eine Kloake ins Meer entleert.

Nun gibt es in China ein Umweltministerium, es gibt Umweltgesetze, die mit Geldstrafen drohen, und es gibt eine Parteiführung, die immer häufiger die Worte «Umweltschutz» und «Nachhaltigkeit» im Munde führt. Wie kann dann gleichzeitig ein natürlicher Wasserlauf so zugerichtet werden? Fotograf Lu machte kürzlich eine Entdeckung. «Mehr als 100 Firmen hatten zusammengelegt und ein 15 Kilometer langes Rohr verlegt.» Ihr Dreck fliesst noch immer ungeklärt in den Fluss. Aber man sieht es nicht mehr, und es lässt sich auch nicht mehr fotografieren.

Quelle: Basler Zeitung

Die verstehen, wie man Politik macht, diese Chinesen. Einfach mal eine Röhre bauen, um die Umwelt weiter zu vernichten: da findet man gleich hundert Firmen, die sich daran beteiligen. So werden Konzerne geboren.  Das imponiert auch in den USA. Ein neues Land der unbegrenzten Möglichkeiten zieht die Räuberhorden an, die einst aus Europa nach Amerika auswanderten um dort ihr neues Imperium zu errichten, während die Regierung Merkel noch in den Traumlanden von Aufschwung und Wohlstand dümpelt.

Nur sieht die Realität anders aus:

Auch nach den jetzt von Eurostat veröffentlichten Juli-Werten rangiert Deutschland weit unten bei der Einzelhandelsentwicklung seit dem Jahr 2005. Zwar hat es die letzten Positionen an drei andere Länder abtreten müssen, zwei davon unter den angeschlagenen Euro-Süd-Ländern, doch bleibt der Abstand zu den normal konsumierenden Ländern, wie Großbritannien, Frankreich, Schweden und Österreich sehr groß (Abb. 15169). Während letztere zwischen 12 % und 14 % zugelegt haben, ist der deutsche Einzelhandelsumsatz seit 2005 um 2 % gefallen.

Quelle: Jahnke.net

Die zahlen nicht nur nicht mehr, die Deutschen, die kaufen auch nichts. Aber Aufschwung gibt es trotzdem. China zieht uns mit.

Heil China.

Alles wird gut.

Und wenn man jetzt noch die Bundeswehr zur Freiwilligenarmee macht und nur noch „seine“ Leute aufnimmt, ist man für die Zukunft auch gut gerüstet, wenn auch die Verbraucher in Deutschland merken, das sie so heißen, weil sie nur noch verbraucht werden und völlig überflüssig sind, wenn sie verbraucht wurden.

Aber vielleicht hilft uns dann ja eine Blackwatertochter mit chinesischen Todesbussen.

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