Mediengläubigkeit

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Triumph der Irrationalität

Die Reaktionen auf den Schriftzug „Impfen = Freiheit“ am Düsseldorfer Rheinturm offenbaren eine beunruhigende Mediengläubigkeit.

Von Nicolas Riedl.

„Impfen = Freiheit“ — dieser Satz zierte Anfang März 2021 die Zylinderfassade des Rheinturms in Düsseldorf.

Wem hierbei unmittelbar George Orwells „1984“ in den Sinn kommt, dürfte noch zu den aufgeklärteren Teilen der Bevölkerung gehören. So finden sich in dem heute wieder brandaktuellen dystopischen Roman ebenfalls diabolische Verdrehungen der Wahrheit: „Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“, „Unwissenheit ist Stärke“. Sprachlich liegt die Düsseldorfer Lichtinstallation sehr nah an jenem orwellschen „Neusprech“. Umso erschreckender, dass dies kaum zur Kenntnis genommen wird. Ein RTL-Beitrag liefert überdies ein besorgniserregendes Beispiel dafür, auf welcher Schleuderstufe die Gehirnwäsche mittlerweile läuft. Es wird deutlich, welche geistig-intellektuellen Verwüstungen hierdurch in allen Bildungsschichten der Bevölkerung angerichtet werden.

„Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“, „Unwissenheit ist Stärke“ lesen wir in George Orwells Roman „1984“. Sprachlich sehr benachbart liegt da der Schriftzug „Impfen = Freiheit“, der Anfang März auf den Rheinturm projiziert wurde.

Der Künstler hinter dieser Kunstinstallation, Leon Löwentraut, bediente sich zwar nicht derselben Formulierung wie in Orwells Roman, sondern setzte beide Begriffe mit einem „=“ in Beziehung zueinander. Die Ähnlichkeit ist dennoch unverkennbar. Statt „X ist X“ spricht sich der Schriftzug ausgesprochen „X ist gleich X“. Durch das kleine Wort „gleich“ wird eine hauchdünne Abgrenzung zur orwellschen Sprache vorgenommen. Ob bewusst oder unbewusst – darüber kann hier nur spekuliert werden.

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