Mathias Döpfner

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Aufforderung zur Entscheidung zwischen Kopf und Bauch – Wo bleibt das Herz? (Die Mitte, Europa)

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Foto (links Döpfner): US Botschaft Berlin / Public domain

Der Knall des Hornochsen-Hirschabschusses („Shutdown“) und die nachfolgende Stille bzw. Schockstarre hat zwar das Fußvolk außer Gefecht gesetzt. Die Herren der Erde und der Lüfte laufen hingegen gerade zu ihrer Hochform auf. Alle wollen sie nun ihren Schnitt machen. Während die Aasgeier noch kreisen, stoßen die Falken bereits nieder, um sich flügellahm gewordene Tauben zu greifen. Füchse kriechen aus ihren Löchern und lechzen nach Hühnern, die zerzaust und durchnässt im Gebüsch zittern. Auch die Vipern können sich jetzt frei auf den virtuellen Straßen schlängeln und beißen jeden, der ihnen in die Quere kommt.

Diese Stunde der Krönung („Coronation“) der Schöpfung lässt auch der Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Konzerns, Mathias Döpfner, nicht ungenutzt, um uns auf Linie zu bringen. In einem gestern veröffentlichten flammenden Plädoyer in seiner transatlantischen Liliput-WELT fordert er:

„Wir müssen uns zwischen Amerika und China entscheiden!“

Mit Begriffen von Demokratie, Menschenwürde, Freiheit der Märkte etc. versucht uns Döpfner in gekonnter Manier aufs Glatteis zu führen. Frank Schirrmacher hat uns bereits erklärt, wie all diese hochtrabenden Begriffe bereits „mit Null multipliziert und damit der Menschheit geraubt“ wurden. Sie dienten seit ihrer aggressiven Okkupation durch George W. Bush nur noch der Rechtfertigung der imperialen US-Dominanz. Es ist also müßig, auf solches Getöne noch groß einzugehen. Auch, dass der Axel Springer Verlag es sogar gedruckt in seinen Satzungen stehen hat, dass er den geopolitischen Ambitionen der USA verpflichtet ist. Ebenso wie es müßig ist, darauf hinzuweisen, dass Döpfner das Young-Leaders-Programm der Atlantik-Brücke durchlaufen hat, bevor man ihn an die Schalthebel medialer Macht gesetzt hat. Dass er auch im erlauchten Bilderberger-Zirkel verkehrt, berührt vermutlich noch weniger Zeitgenossen. Weiß man doch, was für ein ehrenwerter Verein die Bilderberger sind. Gäbe es nicht diese kruden Verschwörungstheoretiker, die dauernd hysterisch Krach machen, dann könnten die feinen Herren dort in ihren noblen Salons einfach ihr Ding machen und Rezepte für Kuchen austauschen, den sie dem gemeinen Volk in Marie-Antonette’scher Art füttern werden, wenn demnächst das Brot ausgeht. Das neoliberale Grundeleinkommen winkt! – zwar nur mit ID-Tracking-Impf-Chip und Social Scoring System nach chinesischem Vorbild, aber man stelle sich das vor: Man kann dann den ganzen Tag daheim vorm Flachbildschirm sitzen, Chips futtern und Big Bang Theory, Dschungelcamp & Co. bis zum Abwinken gucken. Bis der Arzt oder die Drohne kommt.

Kein Wunder, dass derzeit jeder, der etwas auf sich hält und den man vor Kurzem noch selbst als Verschwörungstheoretiker bezeichnen konnte, nun auf „Verschwörungstheoretiker“ einprügelt und sie zum Schweigen bringen möchte. Sie hindern uns womöglich am Guten, Gernen & Alterntivlosen, das nun kommen möchte – am Fortschritt, wie er in den Hinterzimmern der konzernwirtschaftlichen Philantropen bereits für uns ausgedacht wurde. Dass der ehemalige UN-Kommissar Jean Ziegler diesen Hinterzimmer-Fortschritt als „tödlich“ und „mörderisch“ bezeichnet, braucht uns nicht zu bekümmern. Er ist nur einer. Tausende andere Intellektuelle finden das, was jetzt kommt, gut. Ziegler: >>Zusammenkünfte wie „Bilderberg“ sind gefährliche, ja für die Demokratie tödliche und für die ärmsten Menschen der Welt mörderische Einrichtungen.<< (Quelle: Nachdenkseiten)

Der inzwischen vom Young Leader-Azubi zum Spanferkelgrillmeister aufgestiegene Bilderberger fordert uns nun also auf, uns zwischen Amerika und China zu entscheiden.Folgt man dieser tückischen Fragestellung, ist man der dahinterliegenden Ambition bereits auf den Leim gegangen. Eine Frage reicht eventuell schon, um die transatlantische Seifenblase zum Zerplatzen zu bringen:

Eine Entscheidung zwischen Amerika und China (West und Ost) sollen wir fällen? Wo bleibt die Mitte (Europa?)

Ist das nicht genauso, wie wenn man eine Entscheidung zwischen Kopf und Bauch forderte – und das Herz / die Mitte aufgäbe?

Was aber im Übrigen auch nichts anderes ist als das mittlerweile unverhohlen erklärte Ziel transatlantischer Geostrategen (siehe Chicago Council on Global Affairs / Kurzfassung via Youtube) – eine Agenda, die unter der Ägide Merkel in bisher ungeahntem Maße voranschreiten konnte.


(Welt-Artikel vom 03.05.2020 /FB)

Ich möchte den Welt-Artikel gar nicht erst verlinken. Auch wenn man gelesene Zeilen einer Presse, auf die man keinen Cent mehr gibt, für noch so platt und durchschaubar hält – ihre Wirkung wird dennoch unterschätzt. Insbesondere, was zwischen den Zeilen webt, wird meist übersehen. Und der Stoff, der da gewoben wird, kommt keineswegs von Amateuren, sondern aus den Werkstätten von ausgebufften Profis, die ihr Handwerk verstehen. Etwas von dem raffinierten Fliegenfänger-Klebstoff bleibt nach dem Lesen solcher Presseformate dann doch an unseren Händen kleben. Der Stoff bzw. die Designerdroge diffundiert langsam durch die Epidermis hindurch bis in den Blutkreislauf und erreicht schließlich unsere inneren Organe. An diesem Ort verrichtet er dann exakt dasjenige Werk, zu dem er designt wurde. Die Zutaten dieser Designerdroge sind im Grunde ganz einfach, die raffinierte Kombination und Dosierung dieser Ingredienzien ist es allerdings, was die Laborchefs auszeichnet: Angst, Zucker, Sicherheit. Und natürlich als unverzichtbares Additiv: die Eitelkeit. Und für diejenige Klientel, bei der das alles nicht mehr zieht, gibt es im Schnapsregal  des Größenwahns Wässerchen in allen möglichen Farben, die den Kreislauf in Wallung bringen.

Wie man derzeit beobachten kann, sind diesem täglich versprühten und in die informellen Adern der Gesellschaft injizierten Stoff mittlerweile selbst scharfsinnige Intellektuelle erlegen bzw. „high“ geworden. Einstmals energische Systemkritiker lehnen sich nun relaxt in ihren Sofastuhl zurück, schlagen die Füße auf den Tisch und winken ihren Followern mit einem smarten Lächeln zu, doch auch auf der guten, gernen & alternativlosen Couch Platz zu nehmen und Fünfe grad sein zu lassen. Bedingung für die Aufnahme am Stammtisch des Guten, Gernen & Erbärmlichen ist jedoch: Jeder muss mindestens einen Skalp eines Verschwörungstheoretikers mitbringen, den er am virtuellen Schlachtfeld eigenhändig erschlagen hat.

Womit man dann unter Beweis gestellt hat, dass man bereit ist, „die ganze Drecksarbeit nicht nur der Polizei und ihren Wasserwerfern zu überlassen“, so wie das die Axel Springer-Presse schon seinerzeit in Hinblick auf den Studentenführer Rudi Dutschke forderte  – und damit den Hilfsarbeiter Josef Bachmann motivierte, Rudi Dutschke umgehend eine Kugel zu verpassen.

„Verantwortungslose Störer, bösartige Krawallmacher, Rowdies, Kriminelle und Schädlinge der Gesellschaft“ wären es, die laut Springer-Presse bei besagtem Lynchjustiz-Aufruf im Februar 1968 dem Fortschritt von Kommerz und Technik im Wege stünden. Josef Bachmann hat verstanden: Nein, das darf nicht sein. Der Weg muss freigeräumt werden.

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