Manipulation

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Antifa-Terror … oder was? Faschismus auf dem Vormarsch

Dienstag, 20.2.2018. Eifel. Ja, ich bin ja froh, dass es die Antifa gibt. Ja – ich kann mich halt noch an die alten Zeiten im Ruhrgebiet erinnern, Ende der siebziger Jahre, wo braune Schlägerkommandos durch die Gassen schlichen und jeden zusammenschlugen, der nicht so aussah, als hätte er in der Hitlerjugend eine Chance auf ein Ehrenabzeichen. Damals kam dann – unterstützt von den damals noch lebenden Kommunisten – tatkräftige Menschen auf die Straße, die dem braunen Terror ein Ende setzen wollten … und letztlich gesetzt haben. Es war auf einmal nicht mehr so risikolos, Behinderte zusammenzuschlagen – das mag der stolze deutsche Nazi nicht. Er mit hundert Mann hinter sich, schwer bewaffnet, ihm gegenüber ein Rollstuhlfahrer jüdischen Glaubens: ja, das ist seine wahre Welt. Aber echter Widerstand? Nein, das hat der Führer nicht gerne – ein Grund, weshalb man ja damals ganz schnell alle umgebracht hat, die Widerstand im Sinn hatten.

Ja – damals. Damals – so lernte ich noch im Geschichtsunterricht – hatten die Kommunisten und Sozialdemokraten 300 000 Mann unter Waffen – mehr als die Reichswehr. Man hätte dem braunen Spuk einiges entgegenzusetzen gehabt … doch man fürchtete den Bürgerkrieg. Der kam dann auch, aber leise – gegen unbewaffnete Zivilisten, Frauen, Kinder, Behinderte. Ich mag auch gar nicht mehr Juden sagen, weil … die Reduktion auf die Mordopfer jüdischen Glaubens minimiert den Schrecken eines Systems, das wesentlich mehr Slawen ermordete als jüdische Mitbürger … und wir sollten uns nicht in Sicherheit wiegen, weil der Antisemitismus aus Deutschland gebannt worden sein soll. Sicher: immer noch kann man als CDU-Mann deutliche Worte sprechen (siehe Zeit):

„Im Januar sagte der Bürgermeister von Korschenbroich, Graf von Spee, während der Etatberatungen in seiner Gemeinde, daß „für den Ausgleich des Haushaltes einige reiche Juden erschlagen werden“ müßten.“

Das Tabu zerbricht – so lautete der Titel jenes Artikels aus dem Jahre 1986 – und in der Tat sah es so aus, als würde sich der braune Geist wieder über Deutschland erheben, hätte nun genug geruht, würde wieder nach Macht und Geltung streben, wieder Lager bauen wollen, in denen „die anderen“ leise beseitigt wurden.

Damals war ich froh darüber, dass es die Antifa gab. Man erinnert sich nicht gerne an die Zeiten, als Helmut Kohl die „geistig-moralische Wende“ beschwor, von der niemand jemals etwas bemerkt hatte – anders als von der Dominanz des „Share-Holder-Value“, die mit einem Schlag alle Firmen im Lande zu tributpflichtigen Vasallen erklärte, die keine sicheren, sauberen, sinnvollen Produkte mehr herstellen wollten, sondern nur noch eins im Sinn hatten: auf Kosten von Arbeitnehmern, Verbrauchern, der Umwelt und der Zukunft unserer Kinder Gewinne machen, koste es, was es wolle. Ja – schauen Sie ruhig skeptisch, aber: dass wir nun Keime in allen Gewässern haben, die gegen alle bekannten Antibiotika resistent sind (siehe Tagesschau), haben wir einer besonderen Art zu denken zu verdanken: einem Denken, dass im Prinzip (aber noch nicht im Detail) faschistoid ist – alles für mich, nichts für die anderen. Diese Keime könnten die Bevölkerung Europas Schaden zufügen wie die schwarze Pest – aber dafür wurde enorm viel Geld eingespart, das die Herren des großen Geldes einkassierten. Ist so ähnlich wie: reiche Juden für den Haushalt erschlagen.

Ebenso ist es mit dem Mikroplastik: früher nur in Flüssen, ist es nun überall auf der Welt (siehe Spektrum):

„Mikroplastik an Land stellt offenbar ein erheblich unterschätztes Problem dar: Die kleinen Kügelchen und Fasern aus Kunststoff sind in Böden und Binnengewässern inzwischen allgegenwärtig. Je nach Umgebung finde sich an Land das 4- bis 23-Fache der in Ozeanen üblichen Menge, schreiben Forscher um Anderson Abel de Souza Machado vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB).“

Ja – ich weiß: Umweltthemen sind langweilig wie die Debatte über Frauenrechte, aber sie trifft den Kern der Aussagen, die früher Antifaschisten vereinte – und höchst wachsam werden ließ: dort herrschte in der Tat die Überzeugung, dass Faschismus der politische Zustand einer kapitalistischen Gesellschaft ist, die in ihren Endzügen liegt … somit wäre es hochaktuell, gerade jetzt besonders wachsam zu sein. Inzwischen bedrohen die Spätfolgen des sterbenden Kapitalismus nicht nur Arme, Schwache und Hilflose, sondern zerstören die Lebensgrundlage der ganzen Menschheit – für Profit, der in Steueroasen nutzlos herumliegt. Was für ein Wahn! Und sozial: sieht es auch nicht besser aus. Die Armut nimmt beständig weiter zu – auf der anderen Seite wachsen irrsinnige Geldhaufen, die sich mit den Tricks der Banken noch ins Unendliche vermehren: wo soll das alles enden? Man wagt nicht drüber nachzudenken, denn: das hat schon der Historiker Götz Aly mit seinen Werken getan und nachgezeichnet, dass die Organisation der Massenvernichtung unter anderem auch ganz einfache, betriebswirtschaftliche Gründe hatte und die Idee der Massenaussiedlung jüdischer Bürger nach Madagaskar verdrängte. Es war einfach nicht mehr genug zu essen für „die da unten“ da (nein: die da oben litten nie), also … zerschredderte man ein paar Millionen von den Armen für die Wohllebe der Reichen (und natürlich für die Rationen der Soldatenfrauen, die man unbedingt bei Laune halten wollte).

Und auch im politischen Bereich macht sich die braune Sprache des Untermenschen langsam breit – eine Vorbereitung für die Entsorgung jener, die viel zu viel sind, mein Freund und Kollege Marigny de Grilleau hat dazu mal einige Aussagen gesammelt – über Ratten jagen, Sterilisierung und Hungertod ist ja schon alles im Gespräch (siehe Marigny de Grilleau).

Man sollte froh sein, dass es die Antifa gibt – bei solchen Zuständen. Tobt der Kapitalismus weiter durch die Gassen, bleibt bald nur noch der Faschismus als politisches System (und da haben schon einige Chief Execution Officers neidisch nach China geschaut, weil man da so schön durchregieren kann. Ist nur leider kommunistisch – aber die Methoden fänd´ der Führer auch toll – jeder Führer).

Die haben ja auch Gutes geleistet – es hatte schon seinen Grund, warum Boris Becker Fan dieser Gruppierungen war (siehe Focus). Sie haben herausgefunden, dass der Attentäter von Henriette Riek Ende der 90´er auf Rudolf Hess Gedenkmärschen war (siehe Spiegel) und wurden wegen ihrer Aufdeckungsarbeit sogar 2016 sogar vom Verfassungsschutz gelobt – die Bewegung, die ihre Ursprünge im Jahre 1923 hat, hat ihren Platz in der Gesellschaft gefunden.

Doch was höre ich heute?

Ich bekam einen Anruf von einem Freund von mir, der mich auf Vorfälle in Hamburg aufmerksam machte. Es gab eine Demonstration: „Merkel muss weg“. Unpolitische Menschen – sich mit einem seltsamen politischem Anliegen, denn: über den „Merkel-muss-weg-Blödsinn“ habe ich mich ja schon mal ausführlich geäußert. Wirkt wie: „Wenn der Jude erstmal draußen ist, ist alles heileheile“, das übliche Sündenbockprinzip, das schon seit Jahrtausenden Menschen das Leben kostet. Aber: das darf man in diesem Land noch sagen – und erst wenn man das nicht mehr darf, wird es kritisch. 50 Leute kamen auf diese Demo (manche meinen, es waren sogar hundert) und forderten: Merkel muss weg.

Was geschah dann?

Die Antifa marschierte auf. Und ich dachte: die gäbe es so gar nicht mehr. Sicher: wenn G 20 Gipfel sind, dann sind sie alle wieder da. Ist ja auch nach alter antifaschistischer Sitte die passende Gelegenheit: die Globalisierung – die als solche in unseren Landen gar nicht mehr hinterfragt werden darf, so als könnte man sie nicht per Gesetz einfach in allen Formen unterbinden – ist der Motor der aktuell laufenden Neofeudalisierungswelle, die Weltheit für Armut, Hunger und Ausbeutung sorgt. Doch auch da – sind sie seltsam, diese Gestalten: durchtrainiert, geübt darin, Autoscheiben einzuschmeißen – was nicht einfach ist, wie mir eine Freundin jüngst mitteilte, die ihre eigenen Autoscheibe mit einem Hammer zerschlagen wollte … dauerte ewig. Anders als bei diesen dunklen Gestalten, die ohne Rucksäcke in militärisch anmutenden Formationen durch die Straßen laufen. Doch wollen wir nicht weiter darüber spekulieren, wer da wirklich durch die Straßen tobte: in Hamburg bei der Demo gegen Merkel stellte sich die Antifa auf die Seite der Globalisierungsfürstin Angela Merkel.

Ich war verdutzt. Es war keine AfD-Demo – es waren eine Hand voll Bürger, die mit der Politik und Person der deutschen Bundeskanzlerin nicht einverstanden waren. Zu einer AfD-Demo wären sicher auch deutlich mehr Menschen gekommen: immerhin liegt die Partei aktuell in den Umfragen bei 16 Prozent, Tendenz – steigend. Ich habe die Menschen gesehen: gibt ja Internet und Videos – nicht gerade der übliche rechtsradikale Mob. Ohne hunderte Polizisten und noch mehr „Antifa“ hätte sich wahrscheinlich niemand drum gekümmert – die wären kaum wahrnehmbar gewesen. Darf man daran erinnern, dass unter Merkel „linksunten-indymedia“ verboten worden war – ein letzter Rest linker Plattformen in Deutschland?

Wer ist denn eigentlich diese Antifa? War die nicht schon lange tot? Jedenfalls … war es das, was ich im Laufe der Zeit so aus den Autonomen Zentren vernahm, in denen ich gelegentlich zu Gast war: die Musik gefällt mir (deutlich besser als die Karnevalsmärsche der Gegenwart), die Leute sind locker und freundlich, kleiden sich öfter mal in schwarz, aber wirken friedlich – und überhaupt nicht sportlich genug, um solche Bilder wie beim G 20 Gipfel zu erzeugen. 2016 habe ich mal eine Frau von der Antifa in Aachen reden hören dürfen, sie meinte aber, sie wäre gar nicht von der Antifa und irgendwie gäbe es so was ja auch gar nicht: womit sie Recht hat: antifaschistische Arbeit speist sich aus unterschiedlichen Quellen: SPD, KPD, MLPD, Gewerkschaften und freie Geister, Kirchenleute und CDU-Aktivisten findet man dort seltener. Was stört also so bei der Merkel-muss-weg-Demo (bei der es nach anderen Aussagen 230 Teilnehmer gab – im Laufe des Marsches schlossen sich noch andere an)?

Und vor allem: was stört so sehr daran, dass man die Initiatorin der Minidemo persönlich angreifen muss, ja, sogar ihr Haus und ihre Kinder angreift? Doch: Reifen wurden zerstochen, Wände beschmiert, das Kinderzimmerfenster eingeschlagen (siehe Mopo). Kennt man, solche Szenen aus dem dritten Reich, wenn es um Juden ging. War es die Antifa? Heißt nicht in gewissen Kreisen heute nicht alles schon Antifa, was nicht irgendwann mal an einer „Rettet-Hess-Demo“ teilgenommen hat? In den USA gilt die „Antifa“ (die – wenn sie überhaupt existiert – gar keine geschlossene Partei ist sondern ein lockeres Bündnis von Menschen, die den Führer nun mal eben nicht lieb haben … was man in diesem Land noch darf) inzwischen schon als eher terroristische Vereinigung (siehe njhomelandsecurity), wobei die unter Antifa eher Anarchisten verstehen – über die nochmal gesondert zu schreiben ist, weil sie ein ganz feines, hochgeistiges und friedliches Völkchen sind, die der urdemokratischen Meinung sind, dass Menschen niemals über Menschen herrschen dürfen … nicht in der Politik, nicht in der Religion, nicht in der Firma – aber das können Sie dann mit ihrem Chef selbst besprechen.

Genau genommen … weiß man gar nichts. Irgendwer erkärt irgendwen zu „Rechten“ … und deren Gegner dann zu „Antifa“. Cooles Spiel. Natürlich: wer eine CDU-Kanzlerin nicht mag, der kann nur „rechts“ sein. Wer Merkel verteidigt, kann nur ausgesprochener Antifaschist sein – womit die G-20-Antifa wohl so eine Anti-Antifa ist, weil sie die von der Antifa geschützte Merkel nicht mögen.

Wird langsam irre, oder?

Ist aber leicht zu erklären – brauche ich nur selbst nicht machen, dass hat schon Markus Günter getan (siehe FAZ: Kampf gegen Rechts: ein Volk von Antifaschisten)

„Wenn es stimmt, was Franz Werfel einst schrieb, dass nämlich neben dem Geschlechtstrieb kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr bestimmt wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit, dann ist leicht zu verstehen, warum der Kampf gegen Rechts solche Energien freisetzt: Er belohnt den Kämpfer mit einem maßlosen, ja mit dem denkbar größten moralischen Sieg überhaupt. Man stellt sich schließlich – irgendwie, im weitesten Sinne oder so – gegen Hitler und den Holocaust.“

Und das obwohl … es ja Hitler auch nur darum ging: sich (und bis zu einem gewissen Grad die Deutschen) über andere zu stellen. Und die anderen waren irgendwann nur noch Kosten auf zwei Beinen und mussten weg, damit die Bilanz stimmte. Gibt es diesen Trieb der moralischen Überlegenheit, dann ist er der größte Feind der Menschheit, denn: es braucht immer den anderen, der Unterlegen sein muss – da können sie ganz beliebige Namen einsetzen.

„Hinzu kommt, dass Antifaschismus noch nie so billig zu haben war wie heute. Früher konnte er das Leben kosten, heute kostet er nicht mehr als ein Lippenbekenntnis unter Gleichgesinnten – und schon gehört man dazu, zum erlesenen Kreis der Aufrichtigen, Anständigen, Tapferen. Die Kämpfer gegen Rechts bilden den Adelsstand der aufgeklärten Gesellschaft. Oder noch einen Schuss polemischer: Hier findet ein Ablasshandel statt; die moralische Überlegenheit kann man einfach erwerben, indem man dem Kampf gegen Rechts beitritt.“

In meiner Jugend bedeutete Antifaschismus noch handfeste Streitigkeiten mit Menschen, die offen NS-Symbole trugen – doch davon gibt es nicht genug.

„Der Kampf gegen Rechts braucht immer neue Nahrung. Er muss immer neue Objekte finden, die sich für Ableitung und Übertragung eignen – oder eben passend gemacht werden. Da es aber echte Nazis, Rechtsextremisten, Antisemiten und Rassisten nicht in ausreichender Zahl gibt, geraten auch Akteure und Strömungen ins antifaschistische Visier, die sich nur schwer unter den Begriff Rechts bringen lassen. Da verwischen dann schnell mal die Unterschiede zwischen NPD und AfD, da steht der konservative Flügel der CSU unter Faschismusverdacht, und Thilo Sarrazin liegt auf der Linie von Jean-Marie Le Pen. Auf Details kommt es nicht an. Wo antifaschistisch gehobelt wird, fallen sehr grobe Späne.“

Die schwarzen Listen derer, von denen das Land dringend gesäubert werden muss, müssen gefüllt werden. Sie kommen leicht drauf: Merkel zu kritisieren – selbst mit vernünftigen Gründen – reicht aus: sie sind rechtsradikal. So wahnhaft ist diese Zeit schon, in der selbstverliebte Herrenmenschen gerne Untermenschen jagen, der Arier braucht wieder seinen Slawen. Und es wird wirklich wieder völlig absurd in diesem Land, lauschen wir weiter Markus Günter:

„Mitunter nimmt der Wunsch, sich in die Pose des Kämpfers gegen Rechts zu werfen, geradezu pathologische Züge an wie im Fall des im Januar ermordeten Asylbewerbers Khaled Idris Bahray. Der zwanzig Jahre alte Mann aus Eritrea war in Dresden erstochen worden, und weil Dresden die Hauptstadt von Pegida ist, gingen 3000 Menschen ohne jede Kenntnis über Tat und Täter auf die Straße, um „Pegidas erstes Todesopfer“ zu beklagen. Volker Beck von den Grünen erstattete sogar unverzüglich Strafanzeige gegen die Kripo, die er mit den rassistischen Mördern irgendwie im geheimen Bunde wähnte. Auch hielt Beck es für denkbar, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass die Polizisten die Spuren der rassistischen Tat verwischt hätten. Als dann ein Landsmann des Mannes den Mord gestand, ließen sich die Demonstranten davon kaum aus dem Tritt bringen und behaupteten trotzig: „Rassismus tötet!““

Und die echte Antifa? Kümmert sich eigentlich um echte Nazis – wie schon immer. Einfach mal bei denen ´reinschauen – hier haben sie gegen die Weiße Wölfe Terrorcrew ermittelt (siehe afnpnds), da kann man sich einfach mal eine Ahnung davon abholen, was wirklich rechts ist – und was wirklich antifa wäre.

Und ich jetzt? Immer noch verwirrt, denn: die Antifa-Frau aus Aachen, die keine Antifa sein wollte aber mit denen mitdemonstrierte, war auch noch bei den Montagsdemos als Redner (die ja auch von „Antifa“ angegriffen wurden), war bei den Linken, den Veganern, der Piratenpartei und wo weiß ich noch alles. Privat ist sie Mitglied eines satanischen Ordens, der immer mehr Anhänger hat – und wohnt in einem feudalen Schloss nahe Berlin, das ihr Freund (auch arm aber superaktiv) gekauft hat. Mit welchem Geld? Will gar nicht weiter nachfragen.

Und weiter – bin ich jetzt „rechts“ oder „antifa“? Also: ganz ehrlich: ich bin überzeugter Antifaschist. Es entsetzt mich zutiefst, dass die deutsche Gesellschaft mit ihren Dichtern und Denkern so schwach war, dass sie gegen die Invasion der Wahnhaften nichts entgegen zu setzen hatte, und mehr denn je bin ich überzeugt, dass sich das wiederholen kann -und wiederholen wird. Ohne NS-Symbolik – auf die sich die echte Antifa so gerne stürzt. Und mehr als alles andere entsetzt es mich, dass wir Menschen verlernen, miteinander zu reden – und überall nur noch „Rechte“ oder „Antifa“ sehen. Und dass die Rechten nach 12 Jahren CDU-Regierung unter Merkel die größte Gefahr in den „links-grün-versifften Gutmenschen“ sehen, läßt die Idiotie nur noch größer erscheinen.

Währenddessen werden Microplastik und Monsterkeime weiter produziert – und türkisch-kurdische Fussballspieler auf der A4 bei Düren beschossen (siehe dw). Da fahre ich auch gerne mal lang.

Und wenn ich jetzt frage: wem nützt eigentlich die epische Aufteilung der Bürger in „Rechte“ und „Antifa“, bin ich mit Sicherheit wieder selbst der Nazi. Oder der links-grün-versiffte Gutmensch. Auf jeden Fall jemand, mit dem man nicht reden braucht.

Und genau das ist das Ende unserer Gesellschaft.

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Das Ende Europas und des Westens: wie Politische Korrektheit den Widerstand zerstört

Dienstag, 14.11.2017. Eifel. Machen Sie sich eigentlich mal Gedanken über die Zukunft? Was so in 22 Jahren ist? Nun – das ist nicht mehr lang – 22 Jahre sind schnell vorbei. Die meisten, die diese Zeilen lesen, werden dann noch leben – bedauerlicherweise. Ja – irgendwann wird die Parole von dem „Land, in dem wir gut und gerne leben“ von einer grausamen Wirklichkeit eingeholt werden – der Wirklichkeit, dass dieses „wir“ nur für ganz bestimmte Netzwerke gilt, nicht jedoch für die Mehrheit der Bevölkerung. Nur gut, dass wir die Bundeswehr haben. Die ist zwar zur militärischen Landesverteidigung nicht mehr in der Lage, kann aber weltweit dem Imperium Hilfstruppen zur Verfügung stellen, damit die mit der Schmutzarbeit nicht mehr so alleine sind. Und – sie kann sich Gedanken über die Zukunft machen.

Schlimme Szenen sollen es sein, die uns bevorstehen – der Zusammenbruch des Westens inklusive …. also: der Zusammenbruch Europas. Natürlich ist die Studie, die 6 Worst-Case-Szenarien darstellt, geheim. Wieder einmal wird deutlich, dass Sie als Bürger nur noch Zahl- und Wahlvieh sind, zahlen dürfen Sie das ganze Jahr über, wählen ein paar mal in vier Jahren, aber erfahren, wenn Ihr Land massiv in Gefahr ist: nein, dafür sind Sie noch zu klein. Oder: zu unbedeutend. Natürlich bezahlen Sie die Studie und Sie bezahlen auch die Leute, die sie erstellt haben ebenso wie jene Leute, die sie jetzt unter Verschluss halten – nur: Sie kriegen nichts mehr für Ihr Geld. Zwar können Sie für 39 Cent ein paar Vermutungen von Spiegelredakteuren lesen – aber das hilft Ihnen ja auch nicht weiter.

Ich kann Ihnen mal ein paar Fakten nennen, die in einem neuen Webmagazin (siehe Rubikon) aufgelistet werden. Schauen Sie sich mal unsere Schulden an:

„Staaten und Wirtschaft sind heute noch stärker verschuldet als vor und nach dem Fast-Kollaps von 2007/2008. Die weltweiten globalen Schulden, private und öffentliche zusammen, erreichen etwa 220 Billionen Dollar. Diese Summe ist das Zweieinhalbfache des weltweiten Bruttoinlandprodukts von 88 Billionen Dollar.“

Oder die Wetteinsätze der Superbanken:

„Der weltweite Nennwert außerbörslicher Finanzderivate wie Optionen oder CDS („Kreditausfallversicherungen“, in den meisten Fällen ohne einen zu versichernden Kredit) hat gigantisch zugenommen, so Finanzprofessor Marc Chesney von der Universität Zürich. Der Nennwert aller Derivate, inklusive der an den Börsen gehandelten, übersteigt heute das Welt-Bruttoinlandprodukt um rund das Zehnfache.“

Wirschaftlich gesehen tanzt die gesamte Welt schon längst auf einem Vulkan – kein Wunder, dass man Ihnen das nicht deutlich vor Augen halten will: Sie sollen ja zahlen bis zum großen Schluss. Sie können in dem oben zitierten Artikel noch weitere Katastrophen studieren, die die Grundfesten der Welt erschüttern und sich so selbst ein Bild machen, das dem der Bundeswehr recht nahe kommen dürfte – mal abgesehen von der täglich wachsenden Kriegsgefahr.

Allein diese Informationen – neben den Daten für Deutschland, wo die private Verschuldung auch täglich steigt (siehe Berliner Zeitung) und die Regierung mit kostensteigernden Maßnahmen wie Energiewende, Dieselverbot und Autobahnmaut ständig weiter an der Kostenspirale (und somit der Verschuldung) dreht – sollten täglich in der Tagesschau kommen um Sie für Politik zu sensibilisieren, doch man nutzt die Zeit lieber, um Sie darüber zu informieren, welche Ergebnisse Millionäre bei Leibesübungen mit Bällen erzielen (gemeint ist: Fußball) und Sie begeistern sich so sehr für diese Daten und Ereignisse, als würde das Überleben Ihrer Familie davon abhängen.

Haben Sie sich eigentlich schon mal gefragt, warum das so ist?

Nun – es ist einfach das Ergebnis von Manipulation: Ihnen wird auf breiter Front suggeriert, dass Fussball wichtig ist, dem Fussball wird in der Berichterstattung auch ehedem seriöser Nachrichtenmagazine viel Raum zur Verfügung gestellt, auch die Zeitungen sind voll davon – wie sollten Sie auf die Idee kommen, dass Fussball nicht wichtig ist? Immerhin ist das Nachrichtenvolumen über Fussball um ein tausend- bis zehntausendfaches größer als das Nachrichtenvolumen über die Folgen der Flüchtlingswerbeaktionen der Bundesregierung in Afrika, wo – für uns nur in Randnotizen erfahrbar – eine Million Flüchtlinge einfach in der Wüste verreckt sind. Ja – eine Million. Angefeuert auch durch eine Flüchtlingsindustrie (siehe Handelsblatt), die inzwischen Milliardenumsätze erwirtschaftet. Neger sagen in Deutschland: ein grausames, nicht zu verzeihendes Verbrechen. Neger verrecken lassen – egal. Ja – so brutal möchte ich das formulieren … weil es einfach so ist.

Trauen Sie sich nochmal Neger zu sagen? Was war das mal für ein harmloses Wort, wer hielt schon je den kleinen Negerjungen in Kindergeschichten für die Speerspitze des Rassismus? Hat sich schon einmal ein stärker pigmentierter Mensch in Deutschland über dieses Wort beschwert? Wie müssen jetzt schon Erich Kästner aus den Bibliotheken entfernen, aus Astrid Lindgren und Oswald Preussler, weil sie … verbotene Wörter benutzen. Erich Kästner wurde schon von den Nationalsozialisten verbrannt – aber diese Paralellen sehen wir nicht mehr … bzw. sie machen uns nichts mehr aus. Säuberungen sind cool geworden. Mal wieder.

Sie fragen sich jetzt sicher, wo ich hin will? Wie kommen wir vom Untergang des Westens zu den zehn kleinen Negerlein?

Nun – Sie werden sich wundern, dass ein Großteil der entsetzlichen, ekelerregenden, abstoßenden Entwicklungen der Gegenwart ihren Ursprung wirklich da haben – bei dem Kampf um das Wort Neger (und um einige andere Wörter). Es geht um das politisch korrekte Sprechen – eine Fomulierung, die kaum noch in Frage gestellt wird. Jeder politische Philosoph müsste angesichts solcher Formulierungen gleich auf die Barrikaden gehen: dort, wo Sprache diktiert wird, herrscht Diktatur im innersten Kreise der Menschheit, dort wird der Wille zum Widerstand, die Freiheit des Denkens selbst angegriffen. Wir … akzeptieren das aber, wundern uns selbst dann nicht, wenn wieder Bücher vernichtet werden, weil sie falsche Inhalte haben.

Sicher – die Argumente für politisch korrektes Sprechen sind immer „gut“. Natürlich. Noch kein Diktator in der ganzen Geschichte der Menschheit hat böse Werte auf seine Fahnen geschrieben, alle waren für das „Gute“ … nur wurde dieses Gute jeweils anders definiert – aber soweit denkt die Generation Doof – die Helfershelfer der Bösen der Gegenwart – ja gar nicht mehr.

Ich möchte Ihnen nun ein paar Abschnitte vorstellen, Teile eines Werkes, das uns die nächsten Monate noch begleiten wird: Die Ideologie der Tyrannei  von Guido Giacomo Preparata (Dunker und Humblot 2015).  Ich halte dieses Werk für die wichtigste Arbeit der Gegenwart – auch wenn man für ihr Verständnis ein profundes Wissen über Religionsgeschichte braucht und ebenso umfassende Informationen über politische Entwicklungen der Gegenwart, deren Verwerfungen man auf einmal ganz gut erklären kann – nicht nur hinreichend, sondern erschöpfend.

Welche Tyrannei ist gemeint? Nun – jene Tyrannei, die Sie in Ihrem Alltag erleben, Syrer, Afghanen, Jemeniten und Iraker auf ihren Schlachtfeldern und unsere Kinder in einer Welt ohne Insekten, ohne Vögel, ohne Wasser und ohne Ernten in einem Ozean voller Plastikmüll (siehe hierzu die neuen Plastikseen in der Karibik bei Utopia), einer Welt, in der jeder Tropfen sauberes Wasser, jeder Apfel, jeder Brotkrümel in Privatbesitz ist; einer Welt, in der jeder gegen jeden kämpfen wird – im gnadenlosen Wettbewerb um Essen, das früher einfach mal umsonst überall herumwuchs. Ja – wir reden über die Vernichtung der ganzen westlichen Welt (die arabische wird gerade vernichtet, die afrikanische ist schon lange dran) – und ich vermute mal frech: genau das ist es, was die Bundeswehr vor uns geheim halten möchte.

Und diese Tyrannei fängt bei der Sprache an … bei der Hetzjagd auf das Wort „Neger“, das in Deutschland wohl kaum ein Bleichgesicht in diskriminierender Absicht ausgesprochen hat – völlig entgangen ist der Wörter-SS, dass man im Ruhrgebiet – eng am Sinn bleibend – von den „Schwatten“ spricht, auch ohne das in irgendeiner Weise übel zu meinen. Dort weiß man aber auch noch, dass Neger ausbeuten übel ist, das es übel ist, ihre Ernten als Viehfutter zu verkaufen, ihr Wasser zu privatisieren, ihren Gangstern modernste Waffen zu verkaufen und sie millionenfach in den Tod zu führen einfach ein neuer Holocaust ist, selbst wenn die wenigen Sieger dieser realen „Hungerspiele“ einen Niedriglohnjob in Berlin erhalten, wo sie dann Schaumküsse produzieren dürfen.

Lauschen wir mal Preparata:

„Zunächst hielt man „Politische Korrektheit“ nur für eine absurde und hoffentlich bald vorübergehende Travestie: eine Ansammlung kitschiger Beschönigungen, die wie Feigenblätter die Obszönitäten des heutigen Amerikas, seine Barbarei und seinen Rassismus bedecken sollten.“

Ja – es war unsere Leitkultur, die mit dem Umbau der Sprache anfing, aus „black“ den „afro-amerikaner“ machte, aus „dürr“ „schlank“ und aus „fett“ „übergewichtig“. Schlanke Afroamerikaner hören sich einfach viel netter bei Kaffee und Kuchen an als hungernde Neger. Man hat ihnen sprachlichen Respekt erwiesen – warum noch was gegen den Hunger tun?

Zu Beginn – in den frühen achtziger Jahren – klang das alles lächerlich„, konnte man zuvor noch vermuten, dass man in der Tat durch Veränderung der Sprache damit beginnen wollte, Verhältnisse zu verändern (und einfach erstmal den leichtesten Weg über die Entbrutalisierung der Sprache nahm), wurde bald klar: mehr war gar nicht geplant, mehr wurde gar nicht beabsichtig.

„PC erwies sich als bloßer Jargon, durch den die Mittelschicht ihr Versagen verschleiert hat: Nämlich die Unfähigkeit, das Land zu demokratisieren“ … „kurz gesagt: die Unfähigkeit der Mittelschicht, „den sozialen Sonnenschein“ zu verbreiten. aus Verzweiflung über dieses Versagen hielten es die Intelligenz und das Volk für besser, sich selbst zu belügen und weiter durchzumogeln. Wie Hacker drangen Sie in das Netzwerk des täglichen Sprachgebrauches ein, veränderten die Daten und frisierten die Wörter, und zwar solche Wörter, deren ausgesprochene Brutalität bereits nahelegte, wo die eigentlichen Probleme anzugehen wären.

Doch zeigten sich zunächst noch keine Hintergedanken. Die Dinge entwickelten sich mit der Zeit. Die Alltagssprache wurde dabei nicht nur verfälscht. Also Folge davon wurden die intellektuellen Möglichkeiten zum Widerspruch geschwächt“. (Preparata, a.a.O., Seite 21).

Sicher – Preparata beschreibt die Zustände in den USA der achtziger Jahre … aber wer erkennt nicht die Paralellen zum Zeitgeist der Gegenwart in Deutschland? Allein die Geschichte der Partei „Die Grünen“ zeigt, wie wirkmächtig jene geistigen Gewalten sind, die aus den USA herüberschwappen: wir sagen nicht mehr Neger – aber werfen Bomben auf Kinder in Jugoslawien und verstoßen Millionen deutscher Kinder ins Hartz IV-Gettho, ohne mit der Wimper zu zucken.

Und sicher – wir fangen nur bei kleinen Worten an … aber nehmen wir mal für unser Land aktuellere Debatten, z.B. um „Flüchtlinge“. Darf man die noch so nennen? Denken Sie an den Aufstand, als die Polizei das Wort „Nafri“ einführte: man konnte meinen, die hätten scharf geschossen – auf Menschen, bei denen ich aktuell gar nicht mehr weiß, wie man die korrekt nennen darf – weshalb eine Diskussion über das „Einwanderungsland Deutschland“ schon im Ansatz scheitert, weil wir nicht wissen, wie wir die Einwanderer nennen dürfen – und ich glaube: „Einwanderer“ dürfen wir sie auch nicht nennen.

Dass es gute Gründe dafür gibt, warum die Menschen (aktuell 60 Millionen) ihre Heimat verlassen, dass dazu vor allem das Wirken des Westens als räuberischem Imperium und Macht der absoluten Unterdrückung gehört, die aus purer Gier die Lebensgrundlage der Afrikaner vernichten (auch durch Kleidersammlungen, die den afrikanischen Textilmarkt zerstören – oder durch den Export von Fleischabfällen unserer Fleischindustrie … oder den Export unserers Giftmülls) – wen stört das schon. Hauptsache, wir sagen nicht Neger – und weil wir nicht Neger sagen gehören wir zu den Guten, haben genug getan zur Rettung der Afrikaner und der ganzen Welt. Was interessieren uns die Plastikmeere, wo wir doch fein Müll trennen – und sogar vorher die Joghurtbecher spülen?

Doch dieses Imperium – wird nicht mehr kritisiert. Dafür Sorgen die „Linken“ – von denen es … auch Preparata zufolge … gar keine mehr gibt. „Linke“ erweisen sich als willfährige Wachhunde des Räuberimperiums, das gerade in Deutschland dabei ist, zehn Millionen Lebensversicherungen zu verschachern – mit noch unklaren Folgen für die Eigentümer dieser Versicherungen (siehe Manager-Magazin). „Linke“ achten darauf, dass die Sprache nicht mehr zu brutal ist, sie sind die Wörter-SS des Räuberimperiums – und ihre Feinde sind natürlich: Rechte. Nicht, dass diese „Rechten“ wirklich politisch korrekt als Rechts von der Mitte stehnende Bürger bezeichnet werden (wie es bei CDU, CSU, Grünen, FDP und SPD anzutreffen ist), sie werden nur so bezeichnet und mit einer Vehemenz verfolgt, als hätten sie alle persönlich in Auschwitz gearbeitet.

„In den Reihen der Gebildeten sehen wir kaum noch eine „Linke“, es gibt keine kohärente Bewegung des Widerstandes. Eine solche ist buchstäblich am Ende. Stattdessen führen wohlhabende bürgerliche Intellektuelle – fast alle sind weiß, männlich und europäischer Abstammung – ein Schauspiel mit im Grunde  zwei Fraktionen auf.“ (Preparata, Seite 22).

Niemand fragt sich, wieso die Stiftung des größten Korrumpteurs der bundesdeutschen Politik, der die ganze Republik „kaufte“ (siehe Spiegel), großes Engagement beim Kampf gegen „Rechts“  zeigt … jedenfalls in der Ostzone des neuen Deutschland (siehe Stiftung Toleranz) – woher stammt die überraschende Wendung zum Besseren?

Preparata klärt uns auf:

„Somit ist unser Gegenstand eigentlich die Geschichte eines Systems der Machtausübung, das sich immer fester im Griff kriegstreibender Finanzoligarchen befindet, welche die berauschende Propaganda in immer neue Höhen an Virtuosität gesteigert haben“ (Preparata, a.a.O., Seite 30).

Ziel ist eine Aufspaltung der Gesellschaft in Mikrogruppen, „Danach sollen sich die Farbigen angeblich von den Weißen abheben, die Frauen von den Männern, bis jede Partei sich auf ihre eigene Insel des genuin eigenen Wissens zurückzieht und sich verpflichtet, an ihren „Rändern“ Widerstand zu leisten und die gegenseitige Feindschaft ohne Chance auf Versöhnung gären zu lassen“ (Preparata, a.a.O., Seite 30).

Von diesen Mikrogruppen kann es gar nicht genug geben – kein Wunder, dass beständig neue „Geschlechter“ zum Zwecke der Abgrenzung eingeführt werden (Facebook bietet gerade 60 verschiedene Geschlechter an, siehe FAZ), eine ähnliche Entwicklung gibt es auch unter den linken Gruppen der Republik, in beständigem Kampf darum, wer denn nun wirklich richtig links ist. Hierzu werden „alle Einstellungen, die traditionell als „heilig“ gelten, wie Frieden, Mitgefühl, Harmonie, Geschenke zu machen und anzunehmen, untergraben“ (Preparata, a.a.O., Seite 29).

Der Sinn der Zersplitterung der Gesellschaft? Die Verhinderung einer Schaffung einer neuen Einheitsfront gegen die wirklichen Machthaber, die Verhinderung einer weltweiten Bewegung für Gerechtigkeit. Darum haben wir jetzt ein drittes Geschlecht in der Geburtsurkunde … und kaum noch Widerstand gegen steigende Obdachlosigkeit und grassierende Armut in einem der reichsten Länder der Welt, dass sich ehedem mal demokratischen Grundprinzipien verpflichtet fühlte, noch das Wissen darüber, dass die Armut Afrikas Europa viel eher erreichte, als es die Bewohner Afrikas taten.

Es wird das Fehlen dieser heiligen Wesenszüge des Menschen sein, das den Untergang des Westens bewirkt – auf welche Art und Weise sich das im Alltag auf das Leben von uns Menschen ausleben wird, kann man unter Umständen auch in der geheimen Bundeswehrstudie nachlesen. Es wird sogar ein neuer Menschentypus erschaffen, ein „Amerikanischer Bürger neuen Typs“, ein fanatisiertes Hybrid, das als Geschöpf des Liberalismus das Leben in Kosten und Nutzen zerlegt, Mitgefühl für eine (teure und unnötige) Option hält und das von seiner geistigen und kulturellen Überlegenheit gegenüber all jenen Leuten überzeugt ist, die mit neuen Technologien oder den raffinierten Möglichkeiten des Handels nicht so recht vertraut sind“ (Preparata, a.a.O., Seite 24).

Dieser Hybrid wird nicht mehr in der Lage sein, weltweit führende Bewegungen für Gerechtigkeit ins Leben zu rufen, während der Einzelne in „apathische Entscheidungslosigkeit“ (Preparata, a.a.O., Seite 24),  versinkt … Folge einer Philosophie der „rationalisierten Verzweiflung, deren Bestreben es ist, sich jedem Mitgefühl zu widersetzen, und keine Mühe darauf zu verwenden, die weltweite Ungerechtigkeit um des Friedens willen zu reformieren“ (Preparata, a.a.O, Seite 27).

Der neue mitleidlose Menschentypus bekommt gerade auch auf dem Gelände der ehemaligen Flick-Villa neue Unterkünfte (siehe tz)

„Ab Juli 2014 wird mit dem Neubau auf dem Grundstück der ehemaligen Flick-Villa begonnen. „Hier entstehen zehn neue Luxuseigentumswohnungen mit modernster Technik und Ausstattung“, sagt Mayr. Sie sollen jeweils zwischen 160 und 400 Quadratmetern groß werden – je nach Wunsch der neuen Eigentümer. Ende 2015 wird der Neubau voraussichtlich bezugsfertig sein.

Eins ist jetzt schon sicher: Die Luxuswohnungen liegen in einer 3400 Quadratmeter großen grünen Oase mit unverbaubarem Blick und direktem Zugang zum Isarufer.“

Jeder Quadratmeter dieser Wohnungen kostet mehr, als ein Hartz IV-Abhängiger im Jahr zum Überleben erhält. Ob der Erlös aus dem Verkauf wohl auch zum „Kampf gegen Rechts“ verwendet wurde? Ziehen wir eine neue Broschüre der spendenfinanzierten Amadeu-Antonio-Stiftung zu Rate, so reicht allein die Beschreibung einer manipuliernden Finanzoligarchie (die übrigens mit absoluter Mehrheit nichtjüdisch ist, auch wenn diese Stiftung immer das Gegenteil behauptet, um aus Kapitalismuskritik und Kritik am Finanzfeudalismus Antisemitismus zu stricken) dazu aus, Staatsfeind zu werden (also Neusprech: rechts … als wäre dieses Land ein linkes Paradies, das pauschal vom rechten Untermenschen bedroht wird).

Nun gut, dann reden wir eben nicht mehr über Manipulation, halten Fussball für das wichtigste Ereignis der Menschheitsgeschichte, sagen nicht mehr Neger … und denken nicht an die Zukunft.

Und ignorieren voller stolzem und mitleidlosem „Gut-Sein“ den afrikanischen Holocaust … der nur der Vorbote des Untergangs des Westens ist.

PS: wenn Sie mal einen Blick auf das kulturelle Niveau des „neuen Menschen“ werfen wollen, empfehle ich gerne nochmal das „Gastmahl der Geistlosen“ (siehe NZZ).

 

 

 

Vom Wissen der Menschen und dem satanischen Glauben der Übermenschen

Montag, 9.10.2017. Eifel. Es ist Zeit zu reden. Über Sie. Ganz persönlich. Keine Sorge, wir sind ganz unter uns, hier hört niemand zu. Es ist aber sehr wichtig, dass wir mal über Sie reden anstatt immer nur über die anderen, denn: wir brauchen eine Revolution. Dazu muss ich mich mal selbst zitieren:

„Ich denke nicht, dass wir ohne Radikalität die Gesellschaft noch ändern können. Damit meine ich keine Gewaltakte, sondern eine radikale Kritik an den bestehenden Verhältnissen, die für die Menschheit keine Zukunft mehr bieten. Radikale Kritik an einer hochkomplexen Struktur ist kaum möglich – und erst recht nicht bei der Generation Doof, für die alles über 144 Zeichen „Geschwurbel“ ist, weil es ihren Verständnishorizont weit – unendlich weit – übersteigt.“

Muss ich noch beweisen, dass für die Menschheit keine Zukunft besteht? Denke, ich habe es oft genug aufgezeigt und Experten zitiert. Sehen Sie hin, wo sie wollen: Wirtschaft, Staat, internationale Politik, Familie, Freundschaften, innere Werte – alles im freien Fall. Nun – vielleicht gehören Sie zu denen, die glauben: Deutschland geht es gut und das ist ein Grund zur Freude. Das dürfen Sie auch glauben, dem Glauben sind keine Grenzen gesetzt. Sie dürfen sich aber auch fragen, warum Sie gerade das glauben. Ja: glauben dürfen Sie noch recht willkürlich, je nach Geschmack, was immer sie gerade wollen. Nun – jedenfalls im Prinzip. Im politischen Bereich wird Ihnen das, was sie glauben dürfen, gerade vorgesetzt. Putin ist böse. Trump ist doof. Nine-eleven wurde von Osama bin Laden organisiert. Saddam Hussein hatte Massenvernichtungswaffen. Der Markt regelt alles zum Besten. Impfen schützt vor Krankheiten. Merkel ist alternativlos für Deutschland. Verschwörungstheorien sind alles böse Lügen. Die irakischen Truppen sind so bestialisch, dass sie sogar Babys aus Brutkästen schmeißen. Marc Detroux war ein Einzeltäter, die 27 toten Zeugen (von einem fand man nur einen Fuß) in diesem Fall haben so wenig zu bedeuten wie die sechs toten Zeugen im NSU-Prozess.

Merke gerade: wir werden zu politisch. Wir wollen uns ja heute nicht aufregen. Wenden wir uns erstmal den vier kardinalen Fragen der alten griechischen Philosophie zu, die auch für Sie von existentieller Bedeutung sind. Fragen Sie sich mal, warum Sie von denen eigentlich noch nie gehört haben. Ich zitiere sie aus einem Artikel über Lebenssinn und Humanismus (siehe Humanistische Aktion):

Was können wir wissen?
Was dürfen wir glauben?
Was können wir hoffen?
Wie sollen wir leben?    

Die Frage, was wir wissen können, ist für den politischen Bereich von zentraler Bedeutung – Wissen lenkt unsere Taten, Wissen … ist Macht!

Was können wir nun wirklich wissen?

Sie werden erstaunt sein: gar nichts. Wieso?

Nun – schauen Sie sich doch mal an, wie „Wissen“ zustande kommen soll – wie Ihr „Wissen“ zustande kommt … welchen Zugang zur Ihrer Lebensumwelt Sie überhaupt haben: Sie besitzen fünf Sinne. Manche sogar einen sechsten (den wir Intuition nennen wollen), einige wenige noch einen siebten – doch wenn Sie diese Sinne nicht selbst erfahren und im Einsatz erlebt haben, können Sie darüber nicht urteilen … und wenn Sie sie kennen würden, würden wir dieses Gespräch gar nicht führen. Sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen – das sind die fünf Kanäle, die Sie mit Eindrücken von der Umwelt versehen – und sie sind alle trügerisch. Allein das Auge: Sie sollten froh sein, dass sie nicht so sehen, wie ihr Auge sieht: das Auge ist eine camera obskura – und zwar eine schlechte (siehe das Erste):

Ein Bild, so wie es unsere Netzhaut wahrnimmt, stünde nicht nur auf dem Kopf, es sähe auch viel schlechter aus als jedes Foto: schwarz-weiß und unscharf am Rand, zur Mitte hin zwar immer schärfer und farbintensiver, aber dafür mit einem blinden Fleck nahe dem Zentrum.

Wäre scheußlich, wenn wir wirklich nur unseren Sehsinn hätten. Es bedarf eines fiesen Tricks, der die von außen kommenden Lichtwellen erstmal manipuliert, bevor sie in das Gehirn weitergeleitet werden:

„Unsere Augen sehen also gar nicht so gut, wie wir denken. Die Bilder die wir sehen, entstehen vielmehr in unserem Gehirn als auf unserer Netzhaut. Das Gehirn interpretiert die „Daten“ die der Sehnerv liefert auf Grund von Erfahrungen. Das ist übrigens auch der Grund, warum wir für optische Täuschungen so anfällig sind. Gleichzeitig steuert es die Bewegung der Augen ganz im Wortsinne „augenblicklich“ so, dass wir immer genau das scharf sehen, was gerade wichtig ist.“

All´ unsere Wahrnehmung: nur blasse Theorie. Schrecklich, oder? All´ das, was wir zu wissen glaubten – ein Zaubertrick des Gehirns, das Ihnen vorgaukelt, sie könnten wirklich Licht pur begegnen. Gleiches gilt übrigens auch für die anderen Sinne, der Theorie, dass unser Geruchssinn noch der Ehrlichste ist, muss ich später nochmal weiter nachgehen.

Nein- ich will Sie nicht hinters Licht führen, keine Sorge. Nehme ja auch kein Geld dafür. Mir ist an Radikalität gelegen, weshalb wir eine Quelle von „Wahrheitsfindung“ – das Auge – mal kurz unter die Lupe genommen haben und feststellen konnten: da gibt es ein miserables Ergebnis. Gott sei Dank haben wir ja noch ein anderes Erkenntnisinstrument: den Verstand. Er sammelt die ganzen schlechten Daten und fügt sie zu einem Bild zusammen, wohl wissend, dass Objekte, die außerhalb der eingeschränkten Wahrnehmung unserer Sensoren existieren, neben uns stehen könnten, ohne das wir je eine Chance hätten, sie wahr zu nehmen. Soviel zu Geistergeschichten. Doch der Verstand … funktioniert selbst nur sehr eingeschränkt. Er hat eine Reihe von Kategorien, außerhalb derer er überhaupt nicht funktioniert – selektiert also neben dem Auge nochmal die Wirklichkeit. Vier Kategorien mit jeweils drei Unterkategorien beschreiben seine Grenzen (siehe: Schlüsseltexte Geist und Gehirn)

Quantität (Einheit, Vielheit, Allheit)

Qualität (Realität, Negation, Limitation)

Relation (Inhärenz und Subsistenz, Kausalität und Dependenz, Gemeinschaft als Wechselwirkung zwischen Handelndem und Leidendem)

Modalität (Möglichkeit – Unmöglichkeit, Dasein – Nichtsein, Notwendigkeit – Zufälligkeit).

Wird jetzt kompliziert, oder? Niemand hat gesagt, dass Philosophie einfach ist. Es reicht aber, zu verstehen, dass Sie wie Sie da so jetzt sitzen eher dem Kapitän eines U-Bootes ohne Sonar gleichen, der tief unter Wasser von allen Sinnen abgeschnitten ist und die Welt um sich herum nicht direkt wahrnehmen kann, sondern auf Schlussfolgerungen eines begrenzten Verstandes angewiesen ist … eines Verstandes, der sich das Funktionieren der Welt ohne Gott nicht vorstellen kann. Ja – das ist die Grundlage der rationalen Gottesbeweise … und stellt Sie jetzt natürlich vor großen Herausforderungen. Auf einmal ist Gott in ihrem Leben – wo doch die ganze „Moderne“ ihn doch so sehr für tot erklärt hat. Unheimlich, oder? Schauen Sie sich die Gottesbeweise ruhig mal in Ruhe an (siehe Wikipedia) – die haben schon was für sich. Und gleichzeitig gilt für sie: Theorien schaffen keine Wahrheiten, sondern nur Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten. Selbst wenn sie von der amerikanischen Regierung kommen.

Damit kommen wir vom Wissen zum Glauben. Ein harter Schnitt, aber ein notwendiger, denn wie jedes Tier müssen wir uns mit unseren mangelhaften Möglichkeiten in dieser Welt das Überleben sichern und können uns nicht jederzeit leisten, den Tag mit philosophischer Reflexion zu verbringen.

Was können wir nun wirklich glauben?

Im Prinzip alles, wenn es Ihrem Überleben nützt. Wir wir gesehen haben, lassen uns unsere Sinne bei der Wahrheitsfindung ziemlich im Stich, wir haben nur einen äußerst begrenzten Zugang zu unserer Umwelt und deuten die Daten mit einem beschränkten Verstand – der zwar gigantische Hypothesenkomplexe schaffen kann (wie die katholische Lehre oder das naturwissenschaftliche Weltbild – zwei Seiten derselben Medaille), die aber an sich keine Wahrheit begründen. Glauben jedoch – ist nicht nur die Fähigkeit, sich aufgrund von Annahmen und Wahrscheinlichkeiten Wirklichkeiten auszudenken, sondern … die Kraft des Geistes, Wahrheiten zu setzen – mit so einer Wucht, dass der Verstand sie nicht mehr hinterfragen darf. Nehmen wir mal ein Beispiel – um zu sehen, wie Wissenschaft und Religion funktionieren. Sie entschließen sich ab morgen, die Farbe Rot als Nichtexistent zu definieren. Sie glauben einfach nicht mehr an die Farbe Rot. Konsequenz? Alle Menschen, die die Existenz der Farbe Rot beschreiben und ihre Erfahrungen davon berichten, unterliegen (für Sie) entweder Täuschungen ihrer Sinne – oder einem kulturell unangemessenem Wahn.

Albern?

Ersetzen Sie „Farbe Rot“ durch „Gott“ – und es wird sehr politisch. Sogar blutig. Ebenso gilt das Gegenteil: der Atheismus oder Antitheismus arbeitet ebenfalls mit so einer willkürlichen Setzung. Wer über einen sechsten oder siebten Sinn verfügt, hat es hier leichter: er hat die Möglichkeit, außerhalb der begrenzten Sinne ebenso begrenzte Indizien zu sammeln, die seine Anfangsthese (die umgangssprachlich fälschlicherweise schon als „glauben“ bezeichnet wird) stützen können.

Unwichtiges philosophisches Geschwurbel?

Ok – anderes Beispiel, das Ihnen sehr an die Nieren gehen wird: wenn Sie glauben, den Partner fürs Leben gefunden zu haben, setzen Sie so eine Wahrheit – und besiegeln die Entscheidung mit der Hochzeit. Sie vertrauen bei diesem Akt kaum verstandesmäßiger oder sinnlicher Erkenntnis, sondern … einem Gefühl, Liebe genannt. Wäre schön … wenn diese Liebe ewig erhalten bliebe, oder? Könnte sie auch – wenn beide wüßten, was der Glaube an den jeweils anderen wirklich bedeutet. Die Scheidungsraten belegen, dass … da vieles ins Wanken gerät, was unsere innersten Lebenskreise ausmacht, für große Qual sorgt und für die Zerstörung von Kindern. Der Grund ist immer derselbe: man beginnt an seinem Glauben zu zweifeln, die Entscheidung hatte zu wenig Wucht. Übel, weil … die ganze Zukunft der Menschheit entspringt aus den Kindern dieser zerstörten Beziehungen … ebenso wie viele Leichen davon zeugen, wie tödlich Glaube werden kann.

Was können wir hoffen?

Alles, was Sie wollen – oder gar nichts, wenn Sie es wollen. Es darf Ihnen aber bewusst sein, dass es von Ihren Entscheidungen abhängt. Lesen Sie mal den Reisebericht von Ariane Kovac zu den Schmanen Perus – und wie sie lernte, an Geister zu glauben (siehe Reisedepeschen) – schon irre, oder? Wie eine Großstadtbevölkerung Geister in ihr Leben integriert, die dem von den Experten unserer Obrigkeit angeordneten Weltbild völlig widersprechen. Ja – wir haben ein angeordnetes Weltbild, das sich kaum von dem Prinzipien des römisch-katholischen Lehrgebäudes unterscheidet. Der dogmatische Materialismus erweist sich in vielen Bereichen als komplexes Spiegelbild des Katholizismus, bis hin zu der Einführung von Inquisitoren, die über die „wahre Lehre“ wachen (darunter sind auch solche selbsternannten Glaubenswächter wie Gwup oder Psiram zu verstehen, wobei letztere auch gerne mal von Panama aus außerhalb der Legalität arbeiten, allerdings noch von körperlichen Folterungen Abstand nehmen müssen – obwohl es ihnen wohl augenscheinlich sehr danach gelüstet … wenn sie nur könnten).

Es gibt für Kant drei Dinge, auf die wir hoffen dürfen: eine unsterbliche Seele (wobei die Nahtodesforschung im 21. Jahrhundert inzwischen so weit ist, dass wir in diesem Punkt bald von Wissen ausgehen werden können), die Existenz Gottes (wobei wir berücksichtigen dürfen, dass 99 Prozent der jemals lebenden Menschen wie selbstverständlich Elemente wie diese in ihr eigenes Weltbild integriert haben … wir also schon ein paar Indizien haben, dass jenseits unserer beschränkten Erkenntnismöglichkeiten noch Realitäten lauern; überraschenderweise werden Menschen, die mit Gott selbst sprechen, vom dogmatischen Materialismus wie von der katholischen Kirche gleichermaßen verfolgt) und … das wir einen freien Willen haben (den uns Werbung und Politik gerade abschwatzen wollen). Und – mal ehrlich: haben Sie wirklich was zu verlieren, wenn Sie die Existenz einer unsterblichen Seele als normal und gegeben voraussetzen? Sie werden nicht eine Millisekunde Zeit haben, sich zu ärgern, wenn Sie sich geirrt haben – aber wesentlich entspannter leben können.

Wie sollen wir leben?

Nun – das können Sie sich jetzt doch wohl selber denken? Wie lebt man mit anderen Menschen in einer Welt, in der sich jeder frei für Wahrheiten entscheiden muss – ohne je absolute Sicherheit über ihre Richtigkeit zu haben? Die Antwort scheint mit einfach: äußerst respektvoll vor der anderen Meinung – auch wenn sie einem noch so gegen den Strich geht, demütig und bescheiden, was den Umgang mit einer Welt angeht, in die man uns einfach hineingesetzt hat, liebevoll und verständnisvoll gegenüber jenen, die sich anders eingerichtet haben in der Welt … und ganz entschieden gegen jene stemmend, die diese Freiheit vernichten wollen, jene Un- und Übermenschen, die voll tönend die Wahrheit für sich beanspruchen, aber schon an einfachen Wirtschaftsprognosen scheitern, weil sie noch nicht einmal im Ansatz die Dynamik von Leben verstanden haben – aber so Millionenvölker dirigieren wollen. Jene … die vor 250 Jahren anfingen, im Kampf gegen die Kirche die Welt umzubauen und einen Moloch erschufen, der Artenvielfalt in nie dagewesener Größe vernichtete, den nuklearen Holocaust jederzeit möglich sein läßt, der das planetare Klima bis ins Mark erschütterte, die Welt mit neuen Giften, Seuchenwaffen und Unmengen an Müll überschüttete und aus menschlichen Wesen Maschinen machte, deren Leben von Uhren und Vorschriften diktiert wird und uns Arbeitszeiten verordneten, die weit über das natürlich notwendige hinausgehen und uns in die Nähe babylonischer Arbeitssklaven verorten – ausgestattet mir viel technischem Schnickschnack, für dessen Produktion die lebendige Vielfalt des Planeten ruiniert wird.

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ – wäre schon mal ein guter Anfang – weil die Würde des Menschen unantastbar ist.

Wozu nun dieser Exkurs?

Wir wollten radikal werden – und nur wenn wir im Denken radikal werden, können wir uns dem Trommelfeuer der Manipulation entziehen. Verlassen wir diesen radikalen Kurs, werden wir zum Spielball der Willkür von Experten, die uns hierhin und dorthin schubsen wollen. Wie Schopenhauer schon sagte: Philosophie bringt nichts – aber erspart einem vieles.

Auf dem Spiel steht … die Existenz der Menschheit selbst – und vielleicht des ganzen Planeten. Weshalb wir entschieden das Leben der Menschen gegen den Glauben der Übermenschen verteidigen müssen: einen Glauben, den wir – im westlichen Sprachkodex – mit gutem Recht satanisch nennen können, wenn er gegen das vorgeht, was wir wissen können, glauben und hoffen dürfen oder gegen jene Art, wie wir vernünftigerweise Leben sollten (siehe Zeit):

Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.

Was dieser kategorische Imperativ nun praktisch bedeutet, können Sie sich selbst leicht ausrechnen: wenn 7,5 Milliarden Menschen eine eigene Yacht, einen Buggati, einen Privatflieger und eine Riesenvilla wollen … wird es eng.

Und äußerst unmoralisch.

 

 

Die unerträgliche Trägheit der Deutschen: G 20 in Hamburg

Freitag, 7.7.2017. Eifel. Es ist mal wieder Zeit, kurz etwas in eigener Sache zu schreiben. Rufen Sie mal den „Nachrichtenspiegel“ auf, das nichtkommerzielle Nachdenkmagazin, das am 4.7.2010 startete. Ja – wir sind jetzt sieben Jahre alt geworden, haben die Kleinkindphase hinter uns. Vor 2015 waren es zehn Millionen Leser, heute sind es: 18.536.882 Zuschauer seit dem 09.12.2011 12:00. Gut – die kommen nicht alle täglich vorbei, es verteilt sich auf eine lange Zeit: aber es scheint mir schon erstaunlich zu sein, wie viele Menschen man als Privatmann erreichen kann, auch mit langen, komplizierten Texten, die ihre Quellen hauptsächlich aus dem Mainstream beziehen. Ja – ist ja oft kritisiert worden: ich lese Mainstream. Ich bin ja auch kein Verfechter des Wortes „Lügenpresse“, ja manchmal scheint mir halt „Lückenpresse“ zu hart, ich würde eher von „Willkürpresse“ reden, die reale Informationen mit massiver sprachlicher Gewalt in irreale Schemata presst – mein Job ist es da nur, sie in anderen Schemata abzubilden, kleine Geschichten darüber zu schreiben, aus welcher Sicht man das noch sehen könnte, um sich umfassend eine Meinung bilden zu können. „Even the worst case“ war die Devise, als ich damals anfing zu schreiben – für jemanden aus dem Management ganz normal, für die Politik in Berlin: eine fremdartige Perspektive, dort herrschte eher Pippi Langstrumpf – man machte sich die Welt, wie es einem gefällt.

Kurz nach unserem fünften Geburtstag erhielt ich einen offenen Brief von dem Herrn Parkwächter – ich hatte wohl den Eindruck erweckt, als wäre ich hoffnungslos und würde bald das Schreiben einstellen; er wollte mir ins Gewissen reden, warum das gar nicht geht. Ich gestehe, er hatte Recht – und immer wenn mich der Gedanke beschleicht, dass ich vielleicht doch lieber Fernsehen schauen oder Bier trinkend am Strand liegen sollte, dann weiß ich, dass ich dort in seinen Worten die Gründe finde, nochmal ein paar Worte zu machen – und zwar heute auf Wunsch eines Menschen, der die Welt nicht mehr versteht.

Gehen wir dazu erstmal in die jüngere Vergangenheit. Können Sie sich noch an das Jahr 1987 erinnern? Ich zitiere da mal was aus dieser Zeit (siehe Spiegel):

„Die Belagerung begann mitten in der Nacht. Lange vor Beginn der Frühschicht rückten Trupps mit Hunderten von Stahlarbeitern in die Stadt aus. Sie riegelten Bundesstraßen ab und sperrten eine Autobahnauffahrt. Knapp 16 Stunden lang blockierten die Männer eine dreispurige Rheinbrücke.“

Faszinierend, oder? Obwohl ich auch zu den Menschen gehörte, denen die Staus an jenem Tage zu schaffen machten, war meine Laune gut: solange sowas noch auf deutschen Straßen geschah, war die Demokratie sicher. Wenn wirklich was schief lief in der Bürokratie, konnte man sicher sein: die Jungs vom Stahlwerk machen die Autobahnen dicht:

„Der Duisburger Stadtteil Rheinhausen war vorigen Mittwoch fast abgeriegelt. Hinter Straßensperren und heißen Kokskörben hatten sich Tausende von Stahlarbeitern in Stellung gebracht. Arbeiter drohten, dicke Stahlbrammen auf die Autobahn zu werfen oder die A 2 zu besetzen. Selbst NRW-Ministerpräsident Johannes Rau konnte nur auf Schleichwegen in die Stahlfestung gelangen.“

Ja. Es kam keine Polizei, sondern der Ministerpräsident. Persönlich – um mit den Jungs zu reden. Die Jungs zeigten auch deutlich, dass der Spaß vorbei war, sie wurden sehr persönlich und zeigten Konsequenzen auf:

„In Rheinhausen verbrannten Arbeiter eine Stoffpuppe. Sie trug den Namen des für den geplanten Abbau verantwortlichen Chefmanagers Gerhard Cromme. Ein Demonstrant trug ein Pappschild vor dem Bauch: „Wenn Krupp-Rheinhausen stirbt, dann stirbt auch Cromme“.“

Und das Volk? War auf ihrer Seite:

„Der ganze Stadtteil, geprägt von Krupp und verschweißt mit Stahl, macht mobil. Rund 12000 Duisburger Schüler bauten sich vorigen Donnerstag neben einem Galgen auf und forderten „Zukunft für die Kinder von Rheinhausen“.“

Sie hatten verstanden, welche taktischen Schritte sie zu unternehmen hatten, um ihre strategischen Ziele zu erreichen: ist die Autobahn dicht, geht nichts mehr in den Städten. 18 Jahre später verriet die SPD zusammen mit den Grünen mal wieder ihre ganze Wählerschaft, zersägte den Sozialstaat, brach der Arbeitnehmerschaft das Rückgrat, führte stolz den besten Niedriglohnsektor Europas ein – also: Sklavenarbeit für Millionen – und nichts rührte sich. Man konnte sich wundern: wenn schon ein paar hundert Stahlarbeiter erfolgreich Straßen blockieren konnten, wenn ein paar tausend Stahlarbeiter einen ganzen Stadteil erobern konnte – was konnten da Millionen ausrichten? Nun: eine ganz neue Republik schaffen, eine Republik, die aktiv auf die Herausforderungen der Gegenwart zum Schutze der Eigentümer des Landes (der Bürger – also: uns alle) reagiert und nicht nur Arbeitslose als Sündenböcke an die Wand stellt, die auf einmal ganz allein für die Folgen der irren und willkürlichen Globalisierungsorgien verantwortlich gemacht wurden – als Faulpelze, Parasiten und Schmarotzer, nicht in der Lage, sich durch positiv Denken einen echten Arbeitsplatz herbeizuphantasieren.

Was war geschehen in den Jahren?

Nun – manche sagen, es seien die Arbeiter, denen  durch Hartz IV der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Ich habe dazu mal in privatem Kreise eine Umfrage gestartet, bekam dazu unter anderem diese Antwort:

„Lieber Reiner, wie du weißt, habe ich 6,5 Jahre als Gründer und Vorsitzender einer Unternehmerbewegung viele Vorträge gehalten. Darüber was sich in diesem unserem Lande ändern muss. Ganz ohne linke Gesinnung. Während und danach sagten die meisten, genau so isses. Kaum war eine Nacht vergangen, stiegen sie in ihr Hamsterrad und machten weiter wie zuvor. Dabei könnten wir sovieles tun. Wir müssten nicht nach den Parteien und Verbänden rufen. Wir müssten nur lernen ungehorsam zu sein. Ungehorsam gegen den Konsum, gegen die Behörden, gegen die Parteien, gegen Zwangsgebühren, gegen Banken und, und , und…..“

Das – sagt ein Unternehmer. Sogar der Chef einer Unternehmerbewegung. Der Chef von Unternehmern, die wissen, das wir wirtschaftlich mit Vollgas an die Wand fahren – um hier Panik zu kriegen, braucht man auch gar keine „linke Gesinnung“, volkswirtschaftlich geschulter Sachverstand reicht völlig aus – oder die Erkenntnis, dass Deutschland wieder von einer kleinen Elite regiert wird (siehe Welt), die uns erlaubt, alle vier Jahre einen von zwei Kanditaten ihrer Wahl zu wählen. Hören wir nochmal eine andere Stimme dazu – eine weitere Perspektive aus dem Freundeskreis:

„Für die Passivität gibt es zahlreiche Gründe:
die allgemeine Verblödung und Angst, aufzufallen und bestraft zu werden, sind wohl die wichtigsten. Sie sind ein Ergebnis der autoritären bis totalitären Prägungen unserer Geschichte, in der mindestens seit dem Mittelalter die schamlose Ausbeutung und Versklavung der Bevölkerungsmehrheit mit äusserster Brutalität durchgesetzt wurde. Wer sich dagegen auflehnte, hing schnell am nächsten Galgen, wurde bei den Bauernaufständen niedergemetzelt oder im KZ vergast. Die braven Vollstrecker hingegen wurden befördert und grosszügig beschenkt. Ihre Nachfahren leben oft heute noch von diesen geerbten Reichtümern.
Nur wenige Jahrzehnte lang, nach dem letzten verloren Krieg, musste der deutsche Michel auf Druck der Siegermächte und wohl auch infolge der Kriegsmüdigkeit nach den Elensdsjahren mal kleinere und demokratische Brötchen backen: die allgemeinen Menschenrechte sollten plötzlich in Deutschland Staats- und Erziehungsziel sein. Sie wurden in den 60er und 70er Jahren propagiert, aber nach dem Zusammenbruch des Kommunismus schnell wieder in die Mottenkiste verstaut, weil sie „die da oben“ beim „Durchregieren“ zu sehr stören. Daher breiten sich wieder die Urinstinkte des Obrigkeitsstaates aus, spätesten seit dem mit H4 wieder ein wirksames Folterinstrument bereitgestellt wurde. Unterwürfigkeit und Anpassung sind also in Deutschland fast kontinuierlich durchgesetzte Erziehungsziele und wurden, besonders von den weniger gebildeten Schichten, internalisiert. Sie müssten in einem aufwendigen Lernprozess erstmal wieder abgebaut werden, bevor eine wirksame Emanzipation einsetzen könnte.“

Ja – vielleicht ist das was spezifisch deutsches? Duckmäusertum, Biedermeierphantasien, Anpassungsfanatismus? Ich habe kürzlich Unterlagen sichten dürfen, die Schüler beschrieben, die vor echten Unternehmern Bewerbungsgespräche simulierten, hier konnte man ankreuzen: „Kleidung: angepasst – nicht angepasst“. Zu meinen Schulzeiten hätte das einen Aufstand gegeben – heute wird dieser Übergriff in die intimsten Bereiche des Menschen klaglos hingenommen, ja, noch nicht mal verstanden, was das für ein Übergriff ist.

Gut – wir haben ja noch Demonstrationen wie beim G-20-Gipfel in Hamburg, wo jetzt schon hunderte Menschen verletzt sind (siehe Spiegel) und die Staatsgewalt auch bewusst auf Journalisten einprügelt (siehe Neues Deutschland) – aber es sind ja auch sehr wenig Demonstranten, die dort aufmarschiert sind – und eine bemerkenswerte Unterstützung durch die Bevölkerung erhalten. Ist es wieder da, das neue, vierte Reich, das ganz Europa unter seine Macht zwingt? Ist es vielleicht genau das, was Arbeitnehmer und Unternehmer in ihrer Apathie eint: die gnadenlose Furcht vor dem unbarmherzigen Staat, der jederzeit hemmungslos zuschlagen kann?

Es waren nur 6000 Arbeitsplätze, die damals in Duisburg auf dem Spiel standen und eine Revolte auslöste, die schnell hätte blutig werden können. Sind nämlich harte Jungs, diese Stahlarbeiter. Hart wie Kruppstahl, sozusagen. Sie wollten auch nicht „demonstrieren“ (was nur Sinn macht, wenn die Obrigkeit dieses Ritual als Zeichen akzeptiert), sondern … richtig dicken Stunk machen. Gnadenlos, umbarmherzig, hemmungslos – die symbolische Verbrennung eines Menschen ist keine Kleinigkeit … und wenn man ihren Worten traut, war das nicht nur ein Zeichen, sondern ein Versprechen. Es war keine Demonstration – es war eine Barrikade, die eine deutliche Linie in den Sand zieht und sagt: bis hierher und nicht weiter. Es ging auch um viel: das Überleben einer Stadt … die heute enorme soziale Probleme hat. Und es gab erstaunlich viel Solidarität (siehe sozialismus.info).

Heute geht es um viel mehr: aber die Meldung, dass US-Investoren den Abbau von 20000 Arbeitsplätzen bei der Deutschen Post fordern (ein erstaunlicher Eingriff in die „inneren Angelegenheiten eines Landes“) findet man nur noch am Rande (siehe junge Welt), niemand käme auf die Idee, den Frankfurter Flughafen dafür zu blockieren. Ja – stellen Sie sich doch einfach mal vor, es wären eine Million Demonstranten (so viele wie früher mal auf den Ostermärschen), die in Hamburg gegen den irrsinnigen G-20 Gipfel (im Grunde eine reine Privatveranstaltung auf Kosten der Steuerzahler, die nur die Interessen der „Investoren“ vertritt) angehen – und sie hätten den Flughafen blockiert, damit die ganze Invasion der Funktionselite überhaupt nicht ins Land gelangen kann? Mit 19000 Polizisten kann man sehr gut auf ein paar hundert Demonstranten einprügeln (siehe Zeit), da ist noch kein großes persönliches Risiko zu erwarten – muss man jedoch Barrikaden stürmen, die von einer Übermacht gehalten werden … fällt einem vielleicht ein, das hinter den Barrikaden die Steuerzahler stehen, denen man sein eigenes Gehalt zu verdanken hat … und dass man in erster Linie zum Schutze dieser Steuerzahler im Dienst ist und nicht zum Schutze ausländischer Potentaten. Selbst im Flaggschiff der deutschen Nachrichtenfront wird offen diskutiert, dass die Polizei nur Prügelknabe für die Politik ist (siehe Tagesschau) … einer Politik, die sich ganz offen das Verhandeln mit dem Bürger abgewöhnt hat und lieber offen den Knüppel regieren läßt.

Aber: wo bleiben die Millionen … deren Arbeitsplätze durch die „Industrie 4.0“ in unglaublicher Menge (man spricht für Deutschland von 18 Millionen) abgebaut werden? Die Millionen, die erwarten dürfen, dass das aktuelle Pilotprojekt – Gratisarbeit durch Arbeitslose für Behörden und Unternehmen (siehe taz) … also: konsequente Rückkehr zur Sklavenhaltergesellschaft … bald für sie alle Standard werden wird?

Was ist der Grund dafür, dass ein ganzes Land in ohnmächtige Apathie verfällt?

Ich habe da an ungewöhnlichem Orte eine Erklärung gefunden, mitten im ehemaligen „Sturmgeschütz der Demokratie“ (heute eher: die Haubitze des Konformismus) – von einem ehemaligen Manager und Karrierecoach (siehe Spiegel):

„Wir lesen dieselben Bestseller, pfeifen dieselben Hits, nutzen dieselbe Suchmaschine, tummeln uns im selben sozialen Netzwerk und schmieden die gleichen Karrierepläne. Und natürlich sehen wir im Fernsehen dieselbe Werbung, die Millionen Menschen individuelles Glück verspricht, sofern diese – aufgepasst! – alle das gleiche Duschgel, die gleiche Versicherung oder die gleiche Schlaftablette kaufen. Da weiß man, was man hat: ein Reihenleben im Reihenhaus.

Und doch weigert sich das Glück, bei uns einzuziehen. Denn tief innen fragen sich viele: „Was hat dieses Leben eigentlich mit mir zu tun?“ Immer mehr Menschen fühlen sich im falschen Film. Vier von zehn Deutschen geben an, die Qualität ihres Lebens nehme ab. Hinter hektischer Aktivität, hinter lächelnden Gesichtern, hinter makellosen Fassaden gähnt ein Abgrund aus Sinnlosigkeit. Die Depression ist zur Volkskrankheit geworden, Menschen verlieren ihr Leben durch Anpassung.“

Ja – deshalb hatte ich 2015 den Begriff „Zombiefizierung der Gesellschaft“ gewählt, auf den mein Kollege Parkwächter dann geantwortet hatte. „Menschen verlieren ihr Leben durch Anpassung“ … und wandeln nur noch als lebende Tote durch ihr sinnloses Leben. Ja – schauen Sie mal in den Spiegel: dann sehen Sie einen. Und Sie können heute schon sicher sein, dass Sie das, was Sie ihr „Leben“ nennen, zum Zeitpunkt ihres Todes (der Sie mit absoluter Sicherheit ereilen wird … selbst, wenn Sie derzeit ganz feste nicht daran glauben) am meisten bereuen werden (siehe Tagesanzeiger).

Und die Quelle dieser Pest?

Nun – was der Karrierecoach erkannt hat, findet man –  mit anderen Worten – auch bei Jean Ziegler (siehe Junge Welt):

„Die neoliberale Wahnidee will uns eintrichtern, dass sich der Markt selbst reguliert, dass er Naturkräften folgt und der Mensch nichts anders tun kann, als sich diesen Marktkräften zu unterwerfen. Dadurch wird der Mensch seiner historischen Subjektivität und Singularität beraubt. Er verhält sich nur noch so, wie ihm die Warengesellschaft das diktiert.“

Schwieriger formuliert, gleiche Botschaft: die absolute Vernichtung des „Ich“ durch … Werbung, jenem Motor der Informationsindustrie, ohne den sie keinen Tag überleben könnte, einem Motor, der von den „raffiniertesten Manipulatoren“ (siehe Zeit) betrieben wird, einer Manipulation, die den Reichen so wichtig ist, dass sie per EU-Richtlinie in Zukunft noch viel mehr Raum einnehmen darf  (siehe Handelsblatt).

Vier Stunden am Tag schauen sie fern – davon sind 1,3 Stunden raffinierteste Werbung, der Sie sich auch in Printmedien wie Stern, Spiegel, Focus nicht entziehen können – die sind ja inzwischen reine Werbeblätter mit kleinem Raum für das – meiner Meinung nach sinn- und zweckfreie – „aneinanderfügen scheinbar relevanter Fakten“ (so ein ARD-Mann über die Tagesschau, dem Leitmedium der Deutschen – siehe Spiegel). Die Kernbotschaft? „Deutschland geht es gut – und das ist ein Grund zur Freude“ … und Sie können daran teilnehmen, wenn Sie sich für ein Reihenleben im Reihenhaus entscheiden und alles so ausführen, wie es Ihnen die Warenwirtschaft und ihre Unterhaltungsclowns diktieren. Die sind sogar so gut, dass sie den Deutschen einreden, dass man – trotz perfektestem Straßensystem der Welt – einen geländetauglichen radikal umweltschädlichen Protzwagen (SUV) braucht, um sich sicher im Straßenverkehr bewegen zu können … wer das schafft, kann auch Eskimos Kühlschränke verkaufen.

Was manipuliert wird? Alles. Gezielt ausgerichtet auf Ihr Unterbewusstsein. Ich persönlich schaue schon allein deshalb keine Werbung mehr, weil die in wenigen Sekunden so massive Angriffe auf meine Lebensziele, mein Selbstwertgefühl und die Sinnhaftigkeit meiner Existenz ausführen (mit Bildern geht das deutlich schneller, hierzu später mal mehr) und ich – wirklich – Stunden brauche, um die so implementierten „Werte“ aufzufinden und zu eliminieren, dass ich schlichtweg kapitulieren musste: die sind mir einfach über – und ich denke, das gilt für jedermann.

Und so … fehlt einfach die Kraft, das Selbstbewusstsein, das Solidaritätsgefühl (das ja immens abgenommen hat in den letzten Jahren – siehe Heitmeyerstudie bei Boell.de) weil die Werbewirtschaft elementarste Bereiche unseres Selbstseins zertrümmert – Tag für Tag. Und weil wir es auch – weitgehend umbewusst – zertrümmern lassen.

Daneben … fiel mir aber letztens noch ein ganz andere Aspekt auf, den ich so kaum in der Literatur fand: die, die vor dem Fernseher sitzen, werden behandelt, als seien sie die Könige der Welt. Boten bringen ihnen Nachrichten aus aller Welt, bekannte Stars singen nur für Sie und erniedrigen sich zur Unterhaltung des Königs im Dschungelcamp, wichtige Menschen diskutieren im TV nur für sie, Kanzlerin und Präsident berichten direkt an sie – so wurden früher nur Könige behandelt. Vielleicht – wenn man es nicht hinterfragt – fühlt man sich dann sogar auch so, wenn man auf dem Sofa sitzt: wie der kleine Herr der Welt. Eine tödliche Illusion, die zerbricht, sobald der Ausbeutungsplatz abgeschafft wurde (ja – von Arbeitsplatz rede ich da gar nicht mehr, ich habe verstanden und erlebt, welchen Zweck „Führen mit Zielen“ im Arbeitsleben hat).

Warum sollte der Herr der virtuellen Welt – der jederzeit zwischen hunderten Programmen wählen kann – überhaupt Autobahnen blockieren?

„Deutschland geht es gut – und das ist ein Grund zur Freude“: wir haben direkt die Kanzlerin, die dieses Gefühl wohl am besten aufgegriffen hat.

Sie zweifeln?

Gut, ich mache Ihnen einen Vorschlag. Vielleicht nur … ein Gedankenexperiment. Setzen Sie sich in Zug und Auto und fahren Sie nach Hamburg, bevor die Potentaten ankommen. Ein paar Millionen von Ihnen reichen völlig – die Stadt wird aus allen Nähten platzen, es ist noch nicht mal eine Demonstration … aber an G 20 wäre nicht mehr zu denken. Ist das plausibel für Sie? Machen Sie es jetzt … oder schauen Sie genau in sich hinein, welche Widerstände in Ihnen auftauchen, beobachten Sie genau, was die Stimmen der Werbewirtschaft in Ihnen sagt. Wäre der erste Schritt, sie zu identifizieren – und abzuschalten, damit Sie ihr eigenes Leben wiederbekommen.

Warum Sie nach Hamburg fahren sollten?

Schauen Sie mal an, was dort ausgeheckt wird (siehe Spiegel):

„In Wahrheit verfolgten die G20 jedoch eine „neoliberale“ Agenda, die aus Deregulierung, Privatisierung, rigider Haushaltsführung und Öffnung für ausländische Investoren bestehe. Es fehle der Bezug zur massiven Arbeitslosigkeit, schlechter Infrastruktur und Strategien, wie man gezielt afrikanische Unternehmen stützen kann. Das wichtige Thema Bildung blende der Plan ganz aus.“

Da geht es um Afrika – aber diese „neoliberale Agenda“ ist halt der kleinste gemeinsame Nenner der G 7 … die damit die G 20 infizieren und dominieren wollen. Für die Ärmsten der Armen haben die gar keinen Platz mehr – weder hier noch in Afrika.

Kommen Sie ins Handeln, bevor … auch Sie zu den Ärmsten der Armen gehören.

Und glauben Sie mir: Sie werden mir am Ende Ihres Lebens dankbar sein, weil Sie … dann letzen Endes doch noch mal ein eigenes Leben hatten.

Oder irre ich da?

 

 

 

Deutschland – das Land der lebenden Toten. Gedanken um Rosenmontag.

Rosenmontag, 27.2.2017. Eifel. Was für eine Sensation! Millionen von Menschen sind heute auf der Straße, um politische Willensbildung zu betreiben, um anzuzeigen, dass sie mit der herrschenden Politik, mit dem Kriegskurs der Allianz der Volksparteien, mit der Vernichtung des Sozialstaates, der Vernichtung des natürlichen Lebensraumes und der fortschreitenden Ausbeutung der Arbeitskraft nicht einverstanden sind! Endlich zeigt der Souverän mal seine Macht, erstürmt die Rathäuser und Parlamente, um der Erniedrigung, der Unterdrückung, der Entwürdigung ein Ende zu setzen, um Millionen Kinder aus bitterer Armut zu befreien und der Solidargemeinschaft eine Wirtschaftsreform zu schenken, die wieder den Menschen im Mittelpunkt hat statt des toten Kapitals.

Haha – Scherz. Klar geht heute niemand mehr auf die Straße um seinen politischen Willen kund zu tun. Früher – da war das anders. Da wurden Fabriken besetzt, Universitäten oder Baustellen von Flughäfen und Endlagern, da wurde eine Republik Freies Wendland mitten in Deutschland geschaffen, um für 33 Tage einen Gegenentwurf zum sich selbst vernichtenden Atomstaat zu schaffen. Heute aber – sind Alkohol und Sex die einzigen Motive, sich in Massen auf der Straße zu versammeln, „Bützchen“ hier, „Bützchen“ da, zwischendurch vier Doppelkorn und der Tag der Pappnasen war ein Erfolg.

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum das so ist?

Nun – diese Frage geht natürlich auch sofort an mich. Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten, könnte man sagen. Ich – habe es leicht. Besitze einen Rentenausweis der Bundesagentur für Arbeit, bin im Erwerbsleben einem Schwerbehinderten gleichgestellt … und kann schlichtweg nicht mehr schmerzfrei lange stehen. Acht Stunden Demo würden für mich im Krankenhaus enden. Haben Sie auch so eine schöne Ausrede? Ich kann es mir auch noch leichter machen: seit dem 19.2.2009 stehe ich auf der Straße, auf dem Marktplatz, im Hydepark und predige über den Niedergang der Kultur – es ist allerdings eine virtuelle Straße, ein virtueller Platz: hier störe ich niemanden. Mehr Medienpräsenz gäbe es, wenn ich eine Autobahnbrücke blockieren würde. Man sieht: es ist wieder nur eine Ausrede. Ich bin auch alleinerziehender Vater, angeschlagen durch gehässige Scheidungs- und Beziehungsdramen: wirklich – will man so einem noch zumuten, für die Zukunft der Welt oder der Kinder in den Krieg zu ziehen?

Natürlich stellt sich auch die Frage: gibt es überhaupt einen Grund, in den Krieg zu ziehen? Ist es überhaupt Krieg, von dem man dort reden kann? Sicherlich. Bei der Vernichtung der Republik Freies Wendland kamen 6000 Polizisten zum Einsatz, 15 schwere Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes flogen dicht über ihre Köpfe, der Lärm war unerträglich, der aufgewirbelte Staub raubte einem alle Sicht – der Traum von einem ganz anderen Leben war schnell vorbei. Je gründlicher der Widerstand gegen die Macht ist, umso härter schlägt sie zurück … und man weiß heute nicht mehr, wann die eigentlich aufhören würden, ihre Kriegsmaschinen auf die eigenen Bürger zu hetzen. Und doch … gibt es Gründe, sich über Widerstand Gedanken zu machen. Dies fand ich gestern bei Susan Bonath auf Facebook – ein Eintrag vom 25.2.2017, der mich sehr berührt hat:

„Ich höre oft zu, worüber sich Menschen an Straßenecken, in Einkaufstempeln und Cafés unterhalten. Wenn es sich ergibt, suche ich auch das persönliche Gespräch, mit Verkäuferinnen, Inhabern kleiner Läden, Passanten. Gerade eben las ich Kommentare unter meinem Artikel bei RT. Dort fand ich viele Meinungen, die ich ähnlich auch sehr häufig auf der Straße höre. Es sind keine Meinungen armer Schlucker, die haben meist noch eine Restportion Empathie in sich. Erfahrung halt. Es sind die Meinungen der Mittelschicht. Entsetzliche Meinungen. Von einem bin ich überzeugt: Vernichtungslager werden wiederkommen, getragen von einer großen Mehrheit – schweigend oder aktiv. Ich sehe fanatische, hasserfüllte Diener aus der Mittelschicht Müttern und Vätern, Alten und Jungen, Kindern und Babys die Köpfe einschlagen – geduldet von einem mörderischen Staatsapparat und dessen Knüppelgarde. Die Opfer werden die Armen sein. Arme Deutsche, arme Franzosen, arme Italiener, arme Bulgaren, arme Afrikaner, arme Araber, arme Juden. Ganz unabhängig von der Hautfarbe. Gequält und abgeschlachtet von Leuten, die heute brav in ihre Firmen rennen, acht Stunden frustriert an ihren Schreibtischen sitzen, kleine Geschäfte betreiben oder mittelständische Betriebe. Ich bin überzeugt, dass dies in nicht allzu ferner Zeit passieren wird.“

36 Jahre nach dem Sturz der Republik Freies Wendland zeigt Deutschland ein anderes Gesicht: unser Truppen stehen wieder stolz an der russischen Grenze, marschieren durch Afrika und Asien, unsere Schiffe kreuzen durch die Weltmeere, zusehends müssen wir mit Sprech- und Denkverboten leben, die Regierung gibt Tagesbefehle heraus, die sogar unsere Emotionen bestimmen wollen: „Deutschland geht es gut und das ist ein Grund zur Freude“. Und wehe dem, der dagegen aufmüpfig wird: der Arbeitgeber als Büttel einer Machtelite wird ihm schon zeigen, wo der Hammer hängt. Und wenn nicht – streichen ihm die Banken die Kredite. Was war das noch für ein Paradies damals, als wir nur gegen Atomraketen, Weltkrieg und Naturzerstörung zu kämpfen hatten – heute sehen manche schon am Horizont Vernichtungslager.

Ich nicht. Ich weiß, dass die Machtelite dazu lernt: diese Lager sind kostenmäßig ineffektiv. Verhungern lassen kann man die Leute besser in ihren eigenen vier Wänden – und genau das geschieht heute. Besser gesagt: es wird versucht. Wer sich der Billigverwertung seiner Arbeitskraft entzieht, wird vogelfrei und von einer mit gigantischen Mitteln arbeitenden Behörde sanktioniert – notfalls so weit, bis dass der Tod eintritt. Ja – die Regierung verpackt dieses „Geschenk“ in andere Worte … das ändert aber nichts an den Fakten, dass – quasi als unterlassene Hilfeleistung – tausende von Menschen in diesem Land per Staatsgewalt in Todesgefahr gebracht werden. Als Akademiker, geschult in der strengen Sichtweise der politischen Philosophie, behaupte ich, dass jeder Staat seine Rechtfertigung verliert, wenn auch nur ein einziger unbescholtener Bürger durch ihn absichtlich zu Tode gebracht wird: wo finden Sie heute noch eine Talk-Show, in der solche Basisdiskussionen geführt werden?

Was ist also los mit den Menschen? Warum erdulden sie auf einmal die Vernichtung ihres Planeten so klaglos. Diese Frage habe ich gestern meinen Freunden auf Facebook gestellt – und eine Riesendiskussion losgestoßen. Eine Meinung bzw. Beobachtung möchte ich hier dazu zitieren:

Letztens sah ich eine Doku, auf ZDF NEO. Es heißt ja immer, die öffentlich Rechtlichen produzieren nur Scheiße. Das muss ich negieren.
In der Doku ging es um junge Menschen. Träume, Ziele, ect.
Da wurde auch viel Misstand angeprangert.
Auf die Frage des Interviewers, warum sie sich nicht zusammen tun- hier Uni- kam so eine beschissene Antwort.
Wir wollen lieber nicht auffallen, sonst müssen wir bestimmt mit Repressalien rechen.
Zu Deutsch: Wir ziehen den Schwanz ein und Kratzbuckeln.

Repressalien. In welchem Land leben diese Jugendlichen an der Universität eigentlich? Nordkorea? Was bestimmt ihren Erfahrungshorizont, was ist anders als früher?

Nun – das Ende jeweder Sinnhaftigkeit politischer Aktivität kam mit „rot-grün“ – und dem größten Verrat von politischen Führungskräften an ihren Wählern seit Gründung der Republik: als wären Sie die persönlichen Agenten der Internationelen Finanzelite zerschlugen sie in kurzer Zeit die sozialen Sicherungssysteme und etablierten im Gleichschritt mit einer geschlossenen Front privater und staatlicher Medien den neuen „Juden“, den Staatsfeind Nr. 1, der uns all´ unser Geld wegnimmt: den Arbeitslosen. Der Arbeitslose wurde Straftäter, Volksverräter und Ausbeuter in einem – ihm musste der Krieg erklärt werden, sonst drohte dem Reich der Untergang. War natürlich Unfug, aber man merkte auch schnell: die Medien waren schon so gleichgeschaltet, dass Widerstand zwecklos schien. Gleichzeitig wurden Finanzjongleure und Funktonsträger der Elite durch Steuerentlastungen begünstigt – also: bestochen – um hier ja keinen Widerstand aufgrund eines noch vorhandenen Restgewissens aufkommen zu lassen. Gleichzeitig schickte die Friedensbewegung – unsere „Grünen“ – die ersten Bomber seit 1941 ins Ausland: der Wahnsinn kam schnell und traf auf ein völlig unvorbereitetes Volk, dass sich unversehends in einer neuen Realität wiederfand, die einen großen Schritt in die Richtung gemacht hatte, aus dem Wohlstandsland Deutschland ein Arbeitslager zum Wohle der Machtelite zu formen.

Wäre das nicht Grund genug, auf die Straße zu gehen?

Nun – wozu? Um von noch einer Partei verraten zu werden? Die nächsten stehen ja schon am Start, predigen Alternativen, die sie nie umsetzen werden, wenn sie erstmal ihre Bestechungsdiäten monatlich in Hülle und Fülle inklusive fortlaufender Steigerungen erhalten.

Nun – wir haben hier kürzlich die ausführliche Stellungnahme von Prof. Rainer Mausfeld über das Demokratie-Management durch Softpowertechniken veröffentlicht: eine der bemerkenswerten modernen Arbeiten über die Techniken der Manipulation der Bürger dieses Landes, die sie in Gestalten verwandeln, die schon im Ansatz völlig unfähig zur politischen Willens- und Entscheidungsfindung sind und durch tägliche Berieselung mit Massen von unwichtigen Nachrichten – also keine Fakenews, sondern eher Bullshitnews über das Leben der Promis, über Meisterschaften in Leibesübungen oder tolle Urlaube an den letzten unberührten Flecken der Erde – in einen eher halbbewussten Zustand versetzt werden. Mausfeld zitiert in seinem Vortrag die Bundeszentrale für politische Bildung – von der ich hier lieber einen längeren Passus übernehmen möchte:

„Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen. Hier zeigt sich der große Unterschied etwa zur journalistischen Information: Journalisten betreiben Aufklärung, indem sie alle verfügbaren Fakten und Hintergründe darlegen und die Menschen selbst entscheiden lassen, was richtig und was falsch ist.“

Darf ich Ihnen mal ein paar Themenfelder nennen, in denen Sie schon lange nicht mehr selbst entscheiden dürfen, was richtig und falsch ist? Putin. Ukraine. Syrien. Irak. Afghanistan. NSA-Skandal. Trump. Hartz IV. Nine-Eleven. Griechenland. Kapitalismus…. um nur ein paar Felder zu nennen. Hier wird Ihnen Regierungsmeinung als Glaubenspflicht auferlegt, alles andere als Regierungmeinung ist „Verschwörungstheorie“. Reine Propaganda. Wie nennt man doch gleich nochmal die Staatsform, wenn die Regierung und ihre Helfershelfer in den Medien Meinung diktiert? Ich lasse Sie hier mal kurz selber denken. Ein Tip: der gesuchte Begriff fängt mit „Dik“ (abgeleitet von „diktieren“) an und hört mit – tur auf.

Dieser Begriff – ich hoffe, Sie haben ihn schon herausgefunden – bezeichnet den faktischen Hintergrund unserer politischen Situation – und die Macht der Diktatoren ist gewaltig: nur zehn von Ihnen (also: 10 CEO´s von zehn Konzernen) halten die gesamte Nahrungsmittelproduktion des Westens (und der restlichen Welt) in ihren Händen (siehe Focus). Da können Sie sich ausrechnen, wie lange man eine Rebellion durchhalten kann. Schließen die fünf Hauptverteiler für Nahrungsmittel in Deutschland die Pforten … für ein paar Wochen, um sich vor Plünderungen zu schützen … steht jede Rebellion, jede Demo, jeder Widerstand sofort still.

Es geht aber noch weiter. Viel weiter. Wissen Sie, was die Leute im Freien Wendland alles gelesen haben? Die wissenschaftlichen Arbeiten von Carlos Castaneda über mexikanische Zauberer, die einen in wundersamen Welten führten. Arbeiten über ökologische Landwirtschaft und Homöpathie, einer sanften Form des Heilens. Arbeiten über die Funktion des Orgasmus. Später auch Arbeiten von Hans Peter Duerr über den „Wissenschaftler und das Irrationale“ oder über die „Traumzeit“ … deren verkümmerte Reste wir heute am Rosenmontag erleben dürfen:

„Am zweiten Tag der Ancesterien, dem Choés, dem Tag an dem der „Blütengott“ Dionysus, der große „Löser“ auf einem von zwei Satyrn gezogenen Schiffskarren durch die Straßen und Gassen Athens rollte, kamen mit ihm die Totenseelen aus den Sümpfen von Lerna, dem Tor zur Unterwelt, zu den Sterblichen.

Wenn das Schiff auf dem Land rollt, stülpt sich das Wesen der Dinge um. Am Chóes endete die Herrschaft der Herren, die Sklaven wurden frei und durften tun, was ihnen beliebte. Noch im Jahr 1133 fuhr ein hölzernes Schiff von Cornelimünster über Aachen und Maastricht – wo es Segel und Mast erhielt nach Tongeren und Looz. In den Orten, in denen es anhielt, erfasste die Frauen eine ekstatische Wildheit: halbnackt, mit aufgelösten Haaren die einen, nur mit einem Hemdchen bekleidet die anderen umtanzten sie das Schiff und trieben hernach etwas, von dem der berichterstattende Mönch nur weinen oder schweigen zu können erklärte.“ (Aus: H.P.Duerr, Traumzeit, Über die Grenzen zwischen Wildnis und Zivilisation, Syndikat 1983, Seite 36)

Reste von wilder Zauberei, die eine andere Dimension menschlichen Seins beleuchtet, die heute völlig verschüttet ist … die aber, sofern man Reich folgen möchte (siehe: Funktion des Orgasmus), effektive Mittel gegen die soziale Pest des Nationalsozialismus darstellen könnten: eine befriedigende Sexualität führt zu friedlichen Menschen. Gut – die Sexualität hat man uns gelassen … in einer sehr unbefriedigenden Form, weshalb die Gesellschaft mehr auf jene Zustände zusteuert, die Susan Bonath befürchtet. Die Liebe jedoch – die für das „Fallen lassen“ unverzichtbar ist – die hat man uns genommen. Hier treffen wir auf eine weitere „fünfte“ Kollonne der Machtelite, die im ersten Moment harmlos daherkommt, im weiteren aber gezielt an der Zersetzung revolutionärer Kraft arbeitet: wir haben sie im hier kürzlich veröffentlichen Interview von Ken Jebsen mit Markus Fiedler über die systematischen Manipulationen bei Wikipedia kennen gelernt: GWUP und Psiram. Ihre Hauptaufgabe? Zersetzung des Widerstandes gegen des diktierte Weltbild der Machtelite im Gewande einer nur vorgetäuschten Wissenschaftlichkeit mit einer Methodik, die alle oben genannten Bedingungen der „Propaganda“ erfüllt und damit weit jenseits jeglicher Wissenschaftlichkeit ist.

Ja – Liebe und Todesmut sind zwei wichtige Voraussetzungen für Rebellion. Wo Liebe zur bloßen, wertlosen chemischen Reaktion wird und der Tod zur absoluten Vernichtung, entsteht wenig Antrieb, sich den Mächten der Welt in den Weg zu stellen: ein so finsteres und düsteres Weltbild verleitet eher dazu, sich möglichst bequem zu verstecken und zu warten, bis der Horror vorübergeht. Wissen Sie eigentlich, wer sich zu Herren unserer Weltbilder aufspielen möchte? Schauen Sie mal die Führungsgestalten bei GWUP an: ein Telekomingenieur, eine Germanistin, ein Kaufmann mit psychologischer Zusatzausbildung – nicht gerade Menschen, deren Ausbildung sie befähigt, komplexe Weltbilder zu entwerfen … oder zu verstehen, warum Todesforscher wie Elisabeth Kübler-Ross, Physiker wie Roger Penrose, Ärzte wie Pim von Lommel oder Eben Alexander den Tod als Transformation verstehen und von „endlosem Bewusstsein“ reden: ein Wissen, dass zeigen könnte, dass es noch viel wichtigeres gibt im Leben als das skrupellose Anhäufen virtueller Geldwerte. Da toben sich selbsternannte Gedankenpolizisten und hocheitle Inqusitoren des wahren Glaubens für die Schafsherde selbstherrlich über alle Abweichler aus, während die große Frage der modernen Menschheit völlig unbeantwortet bleibt: wieso kam nach „Aufklärung“ „Auschwitz“?

Sie werden heute kaum noch Menschen finden, die den Sinn von „Geisteswissenschaften“ verstehen, die Ihnen erklären können, was da im 19. Jahrhundert geschah: wir wollten eine Wissenschaft, die unsere Feinde verstehen hilft, damit wir den Krieg von der Erde verbannen können. Dementgegen standen jedoch … die Naturwissenschaften, die ganz neue Arten von Macht versprachen und lieferten: Macht, die immer effektiver menschliches Leben vernichtete, was immer weniger als schlimm empfunden wurde, war der Mensch anstatt Krone der Schöpfung doch nur ein zufälliger, schädlicher Irrtum aus dem Matsch des Urknalls. Das Bild, das wir von der Welt haben, bestimmt direkt unsere Entscheidungen und unser Handeln. Es gibt motivierende Weltbilder – und demotivierende Weltbilder … die Unternehmensberater seit dreißig Jahren flächendeckend (und Hand in Hand mit einer modernen „Esoterik“, die gar keine ist) verbreiten: das jeder selbst für sein Schicksal verantwortlich ist – und alle Verantwortung für den Zustand der Welt bei jedem Einzelnen liegt. Glaubt man nur „richtig“, dann kommen die Millionen. Die Allermeisten haben jedoch keine Millionen – und sind deshalb allein schon minderwertige Ungläubige, von denen es in Zukunft noch viele Millionen mehr geben wird, wenn die Maschinen weitere Jobs überflüssig machen.

Neben den verschiedenen Demotivationsmythen, die gezielt unter das Volk geschleust werden, hat die deutsche Bevölkerung 2017 aber noch ganz andere Informationen zu verarbeiten, die sie zutiefst lähmen: die Hauptbotschaft der Mächtigen hat wohl inzwischen jeder verstanden: „wir brauchen euch nicht mehr“. Kapital vermehrt sich inzwischen von allein. Der Mensch und seine Arbeitskraft wird auf diesem Planeten nicht mehr gebraucht: er kann gehen.

Da schließt sich der Kreis, das Gefängnis für die Hammelherde ist perfekt. Vorbei die Zeiten, wo man von einer „gefallenen Welt“ sprach, einem verlorenen Paradies, das man durch Heilung der Welt wiedererrichten könnte. Gekommen sind die Zeiten, wo man „alternativlos“ den Direktiven der Experten von der Wiege bis ins Grab folgen darf und dabei möglichst wenig Staub aufwirbeln sollte.

Und so wurde aus dem Land der Dichter und Denker … das Land der lebenden Toten, die nur noch hirnlos glotzen können, wenn die Satyrn den Dionysus durch die Gassen ziehen.

Wie man aber lebende Tote so kennt – aus Buch, Film und TV – sollte man aufpassen, wenn die anfangen, ihre letzten lebendigen Nachbarn aufzufressen.

Woran wir uns aber erinnern sollten – und es für die Nachwelt erhalten: unsere Brüder und Schwestern haben sich nicht selbst in den Zustand des lebendigen Todes versetzt, noch war es je ihre Absicht, so zu enden.

Und was wir daraus lernen dürfen: die Zeichen für Widerstand und Rebellion stehen momentan außerordentlich schlecht. Es geht – mitten in der Illusion von Reichtum und Wohlstand – schon längst wieder ums nackte Überleben … wenn man nicht im Sinne der Diktierenden funktioniert.

Und darum rennen ja gerade alle mit Volldampf in den Burnout.

 

 

 

 

 

Postfaktisch

Montag, 12.12.2016. Eifel. Ja, die Sprache. Und ihre Wörter. Wissen Sie eigentlich, was Wörter sind? Schallwellen, rein naturwissenschaftlich betrachtet. Mehr nicht. Also: Krach. Vielleicht nur aus ursprünglich lautem Bellen entstanden. Zwei Neandertaler treffen sich mit Keule im Wald, vor ihnen liegt ein totes Mammut: und bevor sie sich die Köpfe einschlagen, bellen sie sich ein wenig an, beide in der Hoffnung aus der Situation mit Gewinn ohne Beule herauszukommen. Im Laufe der Jahrtausende wurde das Gebelle rhytmischer, differenzierter und zeugte irgendwann einen Goethe. Es ist eine alte philosophische Frage, was zuerst da war: die Sprache oder der Gedanke. Nein – mir stellt sich die Frage nicht, hat sich nie gestellt: um das Bellen (zu dem wir schnell wieder zurückkehre, wenn wir aufgeregt und sauer sind) als Kommunikationsmittel zu benutzen, brauche ich einen Entschluss – also einen Gedanken; und viele weitere Gedanken müssen den Prozess aufbauend begleiten, wobei auch andere Körperteile in den Tanz der Harmonie eingeflochten werden; erst dann wächst langsam eine Sprache, die dann jedoch das Denken wieder beeinflussen kann – so jedenfalls meine Meinung dazu.

Diese Geschichte mit der Keule begleitet uns bis heute. Der einzige Sinn von Sprache und Geisteswissenschaften generell, ist: Krieg vermeiden. Sonst bräuchten wir sie kaum. Krieg vermeiden – durch Verhandlungen, damit beide Seiten aus der Situation als Gewinner herausgehen können – wir können sagen: hier zeigen sich Grundprinzipien jedweder Zivilisation, die begriffen hat, dass man zusammen mehr erreichen kann – erst recht beim Kampf gegen das Mammut. Wohlstand, Wachstum, Zivilisation entstammen der Sprache, ebenso die Demokratie. Ohne sie würden wir immer noch als Horden durch den Wald ziehen … und ohne jene Träumer und Phantasten unter den Menschen, die mit ihren Gedanken weit über die beobachtbare Realität hinausgreifen, würden wir immer noch auf den Bäumen hocken, weil unsere Naturwissenschaftler zweifelsfrei bewiesen hätten, dass ein Leben auf dem Boden für uns undenkbar wäre, wir biologisch dafür gar nicht geeignet sind und dort unten sowieso nur lebloser Matsch auf uns wartet.

Schon verrückt, oder? Hätten „Skeptikerbewegungen“ in der Menschheit je dominante Positionen inne gehabt: wir würden wirklich noch auf den Bäumen leben. Nun ja: als die Kirchen noch mächtig waren, da waren die Skeptiker ja in einer dominanten Position, die Wahrheit wurde per Beschluss gesetzt (was korrekt ist – wenn es jeder einzelne Mensch für sich allein tut) und die Inquisitoren zogen aus, um sie mit Feuer und Folter zu verbreiten. Und um Wahrheit … geht es mir heute.

Wir haben ja ein neues Wort: postfaktisch. Schon mal gehört? In Deutschland hat es zuerst Angela Merkel gebraucht: die Großmeisterin der Sprachneuschöpfung. Quatsch, war ein Scherz: das Wort kam ursprünglich aus den USA, sie hat es nur einfach mal gedankenlos nachgeplappert.

Was machen Sie eigentlich, wenn Ihnen so ein Fremdwort das erste Mal begegnet? Wenn es neu ist, dann hilft es nicht, im Duden nachzuschlagen – da steht dann noch nichts. Und Sprache ist lebendig, frei, sich selbst ständig anpassend und neu erfindend, gerade in einer immer komplexer werdenden Welt – oft finden wir in anderen Sprachen Wörter, die Zustände viel besser beschreiben als unsere eigenen. Manchmal … sind diese Wörter tiefgreifend verstörend, wie das amerikanische „fuck“, dass so oft Verwendung findet und etwas bezeichnet, das absolut Scheiße ist. Völliges Unsinnwort, oder? Stellen Sie sich mal vor, sie liefen durchs Büro oder den Betrieb und würden bei jedem Missgeschick „Geschlechtsverkehr“ rufen. Und bleiben Sie ruhig bei dem Wort: was meinen Sie wohl, halten die Menschen, die es gebrauchen, von dem intimsten, vertraulichsten Akt zwischen zwei geschlechtlichen Wesen? Also: mir wird sehr unheimlich dabei, je länger ich darüber nachdenke – doch jener oft gebrauchte Alltagsbegriff hat es leider nie soweit gebracht, dass er „Wort des Jahres“ wurde wie dieser Begriff „postfaktisch“.

Wenn mir so ein Kunstprodukt um die Ohren gehauen wird, werde ich immer stutzig: manchmal werden Begriffe ja benutzt, um politisch Wahrheiten zu verschleiern, die Geschichte des Dritten Reiches ist voll davon. Ich schaue mir das Produkt also an – und zerlege es in seine Teile. „Post“ – kennt jeder, heißt soviel wie hinter, danach, zuletzt, hinten, später … meint der Lateiner. Faktisch: kennt auch jeder, ein Wort, dass für die Definition von Wahrheit steht, in den Theoriekomplexen der Naturwissenschaft steht es für aktuell anerkannte Vereinbarungswahrheiten im Sprachgebrauch bezüglich natürlicher Phänomene (komplizierter Satz, ich weiß: aber „Naturwissenschaft“ ist halt genau das – ein Glaubenssystem), in den Geisteswissenschaften für die Anschauungen einer gewissen Subgruppe, die mit der Lebendigkeit frei fließender Wahrheiten nicht zurecht kommt. Gelegentlich können wir uns noch an das „Fakten schaffen“ erinnern: wenn mit Gewalt meist unangenehme Ereignisse in Gang gesetzt werden, ohne auf die jeweiligen Gegenseiten Rücksicht zu nehmen.

Sagt mir das Wort erstmal nichts – weil es durch „falsch“ oder „unwahr“ jederzeit ersetzt werden könnte, ohne dass man sich die Zunge dabei verbiegen muss – spiele ich mit ihm herum, suche zum Beispiel das Gegenteil: „präfaktisch“ kommt mir da in den Sinn. Wäre auch logisch: „postfaktisch“ wäre jener Zustand, nachdem etwas wahr war (gilt für viele naturwissenschatliche und historische Theorien), „faktisch“ beschriebe jenen Moment, wo es mal kurz „wahr“ ist – und „präfaktisch“ sozusagen jenen Zustand, bevor die Theorie formuliert wurde.

Das wäre jedenfalls logisch.

Ein Beispiel. Der Satz „Deutschland geht es gut“ wäre 1944 präfaktisch gewesen, 1968 faktisch, 2016 postfaktisch. Oder Sie selbst: ein Jahr vor Ihrer Geburt wären Sie präfaktisch, jetzt sind Sie Fakt, bald sind sie postfaktisch. Einfach zu verstehen, oder? Nur: das Wort präfaktisch kennt der Duden nicht, postfaktisch schon. Warum eigentlich?

Es geht nicht um Logik, es geht hier um Macht. Es geht um eine Verschmutzung der Sprache, um ihre Vergewaltigung: sie wird nicht mehr als Mittel der Kommunikation gebraucht, sondern durch Begriffsverwirrung zu einem Instrument des Betruges. Niemand kam auf die Idee, die Anleihephantasien deutscher Börsenmakler seit 2008 postfaktisch zu nennen – was im Sinne des Wortes korrekt gewesen wäre – aber für andere Zustände wurde es auf einmal eingeführt, von Dr. Angela Merkel -und zwar erst im Herbst diesen Jahres, im Bundestag (1).

Wissen Sie, wann Sie vorsichtig werden sollten? Wenn Gruppen von Menschen innerhalb ihrer Gesellschaft eine eigene Sprache entwickeln. Es hat immer nur einen Sinn, wenn so etwas geschieht: Abgrenzung gegenüber „die da draußen“. Mediziner sind da sehr gut drin, ihre primitiv lateinsisierten Diagnosen sichern ihnen Herrschaft und Macht und kosten uns 300 Milliarden Euro im Jahr. Das gleiche gilt für die moderne Kaste der Naturwissenschaftler, die mit der Mathematik eine neue Sprache eingeführt haben, wohl wissend, dass diese Sprache nur Quantitäten ausdrücken kann – nie Qualitäten. Dieser sprachlichen Perversion haben wir die Atombombe zu verdanken, Ausschwitz und Hartz IV, Giftgas und alle Umweltzerstörung: alles mathematisch klar erfassbar – nur in seiner Qualität für die Menschheit nicht begreifbar. Das gilt auch für die Philosophie – in der Universität meistens nur noch als Philosophiegeschichte anzutreffen, weil „Liebe“ zur „Weisheit“ eben die Beschäftigung mit Qualitäten voraussetzt, man aber viel sicherer ist, wenn man nur beschreibt, wer wann was gedacht hat: auch hier wird sich gern hinter immer komplexeren Satzungetümen verschanzt, die nur noch für Eingeweihte der „esoterischen“ Kunst verständlich sind – obwohl ein Sokrates alles noch mit einfachen Worten beschrieb und wir seitdem im Gebiet der Erkenntnis (von Kant mal abgesehen) nicht wirklich weiter gekommen sind.

Der IT-Bereich mit seiner Flut von Anglizismen ist ein weiteres Beispiel für künstlich konstruiertes „Herrschaftswissen“ – der deshalb auch sehr teuer wird, weil nur noch die Hohepriester der Macht die Sprache verstehen, die dort zur Anwendung kommt. Würde man Deutsch sprechen: alles wäre billiger und schneller selbst zu lösen.

Bleiben wir bei „postfaktisch“, jenem Wort, dass sich durch seine bloße Übersetzung nicht als sinnhaft erschließt – wie vieles, was unsere Bundeskanzlerin so von sich gibt. Fragen wir doch mal jene Gesellschaft, die dieses Wort jetzt – ohne die wahren Herren der Sprache … die Sprachgemeinschaft der deutsch sprechenden Menschen, die diese Sprache durch die Jahrtausende formten und weiter reichten … nach Rat und Erlaubnis zu fragen. Nach ihrer Definition (2) bezeichnet der Begriff unter Bezugnahme auf die Sprachdirektive der Bundeskanzlerin einen historischen Zeitpunkt, in dem „gefühlte Wahrheiten“ über die Wahrheit triumphieren: als jenen Moment, wo das Volk gegen den Satz „Deutschland geht es gut“ rebelliert … um mal ein Beispiel zu formulieren.

Man nimmt Bezug auf den Brexit, die Trumpwahl und unterstellt den Wählern, sie würden nur noch nach gefühlten Wahrheiten agieren, bzw. sogar absurde Lügen der Wahrheit vorziehen. Die „Wahrheit“ – in der Philosophie als nie zu ergründendes Mysterium verstanden, weil unser Erkenntnisinstrumente zu ihrer vollständigen Erfassung einfach nicht ausreichen – bekommt einen neuen Zusatzbegriff: Fakt. Und wer bestimmt, was „Fakt“ ist? Nun – über das Wort des Jahres wurde ja zurecht nicht mit den Schöpfern der deutschen Sprache gesprochen … den Bundesbürgern … sondern nur hinter verschlossenen Türen von einer selbsternannten Kaste von Hohepriestern verhandelt. Man hätte ja auch per Internet abstimmen können – das geht heute ja preiswert und schnell – doch das Demokratieverständnis der Sprachfürsten war noch nie sehr ausgeprägt, wie selbstverständlich betrachten sie Sprache als ihren eigenen Besitz, über den sie nach Belieben verfügen können. Der Bürger hätte  ja schnell – ausgestattet mit wenigstens rudimentären Lateinkenntnissen – erkennen können, dass es sich hierbei um ein Unsinnswort handelt – ein Unwort im eigentlichen Sinne. Das hätte die Macht der Höflinge des Kapitals über die Sprache aber schnell ins Wanken gebracht – und jene Macht ist und bleibt halt unerzichtbar für die hohe Kunst der Manipulation.

Gut – bleiben wir bei der Definition, die sie verwendet haben. War es denn der Brexit oder Donald Trump, der das „Postfaktische“ in unser Leben gebracht hat? Waren sie die ersten – ich übersetze das jetzt mal – die mit Lügen Politik gemacht haben?

Ich kann jetzt schon fühlen, wie es in Ihnen rebelliert. „Lüge“ ist in der Politik schon quasi Alltag geworden – weshalb die Menschen ja inzwischen lieber hilflos ihrem Gefühl (oder: realistischer gesagt: ihrem Instinkt) vertrauen als der Manipulationswut der Chefstrategen in Medien und Politik. Erkannte ja auch Merkel selbst (3):

„Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das, was vor den Wahlen gesagt wird, nach den Wahlen auch gilt“

Damit bezog sie sich zwar auf die SPD, aber ihr eigener politischer Kurs (Themen: Hauptschule, Bundeswehr, Atomkraft – den Eiertanz bitte selber recherchieren) zeigt, dass dies auch für andere Parteien gilt (zum Beispiel: FDP, Grüne, Linke, AfD – um nur einige zu nennen) zeigt doch deutlich, dass sie selbst nicht außerhalb dieser Aussage steht.

Lügen in der Politik? „Massenvernichtungswaffen im Irak“ – kostete vor Trump und Brexit eine Million Menschen das Leben. Schlagen Sie einfach heute die Tageszeitungen auf: sie finden genug Fakten, die morgen postfaktisch – also: gelogen – sind. Ein Beispiel? Gut – schlage auf, finde Putins Einmischung in die US-Wahl, forsche nach, finde nur … Spekulationen ohne Quellenangaben bei großen seriösen Zeitungen. Postfaktizismus im Sinne der Kanzlerin in höchstem Grade … aber in der deutschen Presse als Fakt gehandelt. Dabei … ist es nur eine Verschwörungstheorie, zudem nicht belegt, ergo: keine Wahrheit. Aber brandgefährlich, sowas kann schnell zu Bürgerkriegen führen – wenn man Trump mit Lügen aufhalten will, könnten seine Wähler Gefühle bekommen, die nicht angenehm sind.

Und was ist eigentlich so schlecht daran, „Gefühl“ bei der Bewertung politischer „Fakten“ einfließen zu lassen? Mitleid, Empathie, Gerechtigkeitsempfinden, Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit – all´ das sind in erster Linie Gefühle, die sich jedweder mathematischen Beschreibung entziehen … und deshalb von vielen „Wissenschaftlern“ schon gar nicht mehr als „wahr“ oder überhaupt nur als irgendwie bedeutsam anerkannt werden können. Gefühle … unterscheiden uns von Robotern (sprachlich schon interessant: das Wort robaten beschreibt ursprünglich Frondienstleistungen in Form gröbster körperlicher Arbeit – davon wollen wir uns doch gerne durch Gefühl abgrenzen, oder?) … und auch von nicht belebter Materie. „Fühlen“ … ist eine Qualität von Lebewesen, die mathematisch nicht erfassbar ist – und deshalb an sich in unserem Zeitalter „postfaktisch“.

Da wird der Gedanke an Ausschwitz wieder wach: das galt mal als alternativlos und strikt vernünftig, „Gefühl“ war damals nicht gerne gesehen.

Wenn wir den Bereich der Naturwissenschaft verlassen – wo enge aber umfassende Theorienbildung die Illusion von „Fakt“ erlaubt … wenn man nicht zuviel nachdenkt – und in den Bereich des Politischen gehen: wo finden wir denn dort „gesicherte Fakten“? Nirgends. Ist der Kapitalismus wirklich alternativlos? Ist der Krieg mit Putin wirklich unausweichlich? Können wir den Islam wirklich nur durch seine Auslöschung bewältigen? Sind Arbeitslose wirklich sofort alle faule Schmarotzer, sobald VW sie entlassen hat und sie beim Jobcenter aufschlagen? Ist die Vernichtung der Menschheit durch atomare Kriege, chemische Verseuchung, therapieresistente Bakterien, biologische Vergiftung, Massensterben bei Pflanzen und Tieren oder völligem Verbrauch einzelner Ressourcen wirklich nicht mehr aufzuhalten?

Sie merken –  „postfaktisch“ hat einen Partner: „alternativlos“.

Wie nennt man eigentlich politische Systeme, die ihren Bürgern diktieren, was Fakt ist – und was nicht? Systeme, in denen ein König bestimmt, was „Fakt“ ist, ein Papst über die Wahrheit gebietet oder ein Führer das Weltbild befiehlt? Ein Tip: die Lösung des Rätsels steckt im Verb „diktieren“. In der Zeit fand ich dazu einen interessanten Satz (4):

Nun geht es in der Politik nicht erst seit gestern um die Kunst der Überzeugung, das gab es schon bei Ciceros Reden gegen Catilina. Dass es keine absolute gesellschaftliche Wahrheit gibt, sondern dass sie erstritten und ausgehandelt werden muss, ist gerade das Kennzeichen freier Gesellschaften, in denen weder die Kirche noch der Herrscher die Richtung vorgibt, sondern mündige Bürger darüber entscheiden, wie sie gern zusammenleben möchten. 

Gut – der Autor dieses Zitates marschiert danach in eine ganz andere Richtung, baut dann an einer neuen absoluten gesellschaftlichen Wahrheit (der Vernunft – wobei übersehen wird, dass Hitler entlang seines Weltbildes sehr vernünftig gehandelt hat), aber dieses Zitat trifft sehr schön den Kern von Demokratie und freien Gesellschaften: uns diktiert keiner irgendetwas (jetzt schauen Sie bitte nicht so genau in Ihren von Vorschriften zerdrückten Alltag – es geht hier ums Prinzip einer Demokratie, die selbst postfaktisch geworden ist – doch so wird dieses Wort leider nicht gebraucht, obwohl die Menschen es in der absoluten Mehrheit verstehen würden).

„Postfaktisch“ – so ein kleines Wort. Kaum da, schon Wort das Jahres geworden – wie „Lichtgrenze“ kaum bekannt. Aber es kommt ja bei der Wahl des Wortes nicht darauf an, dass es gebraucht wird, noch, dass es viele kennen.

Warum wurde es eigentlich genommen? Schauen wir uns mal die Erklärung an(1):

Nach einer Erklärung der GfdS ist für die Auswahl des Wortes, die in diesem Jahr zum 41. Mal vorgenommen wurde, nicht die Häufigkeit entscheidend, sondern seine Signifikanz, Popularität und sprachliche Qualität.

Merken Sie, was ich gerade mit der Subgruppensprache meinte? Man setzt einem deutschen Wort drei Fremdwörter entgegen und tut so, als sei damit alles erklärt. Postfaktisches Verhalten also – dabei kann ein Wort nur populär sein, wenn es häufig gebraucht wird, die sprachliche Qualität des Wortes liegt völlig daneben (ist sogar eindeutig falsch, also: bewusst irreführend gewählt) und signifikant (also: bedeutsam) kann es  mangels Gebrauch doch wohl auch nicht sein.

Aber in totalitär verstandenen Systemen reicht es, wenn der Herr oder die Herrin ein Wort in die Welt setzt: dann ist es sofort signifikant.

Drücken wir es doch mal anders aus, dieses „postfaktisch“, so, dass es jeder versteht – genauso, wie es gemeint (also, nicht sprachlich korrekt, sondern der Bedeutung angemessen) ist:

„Alles Lügner außer ICH!“.

Und das wird Wort des Jahres? Nun: „Bundeskanzlerin“ war es 2005.

Man merke: der Merkelkult trägt immer unheimlichere Früchte.

Und ja: unheimlich ist ein Gefühl; es warnt einen vor Bedrohungen. Meist zurecht. Deshalb …. sind Gefühle ja auch Fakten. Springen Sie mal in einen Käfig voller hungriger Löwen: Sie werden schnell verstehen, was ich meine.

 

 

1: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/postfaktisch-ist-das-wort-des-jahres-2016-14566525.html

2. http://gfds.de/wort-des-jahres-2016/

3. http://www.focus.de/politik/deutschland/linksrutsch_aid_262773.html

4. http://www.zeit.de/kultur/2016-12/postfaktisch-wort-des-jahres-post-truth-demokratie-jill-lepore

 

Liebe, Tod und Gwup

Freitag, 9. Dezember. Eifel. Heute, lieber Leser, muss ich Ihnen viel zumuten. Nein – es geht nicht anders: manchmal müssen wir uns einen Moment Zeit nehmen, eine kleine Auszeit aus dem Hamsterrad, um von den kleinen Themen dieser Welt (Krieg, Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Ökozid, atomarer Holocaust, Hungersnöte – um nur einige zu nennen) auf die großen Themen dieser Welt zu blicken, Themen, die das ganze politische Leben steuern und Ihnen persönlich im eigenen Leben enge Grenzen setzen, Sie deprimieren, hoffnungslos und kraftlos machen und manchmal sogar – ob eines Anflugs massiver Sinnlosigkeit – in den Suizid treiben, Themen, die letztlich dafür verantwortlich sind, dass Sie sich gegen massives Unrecht gar nicht mehr angemessen zur Wehr setzen können – ja sogar noch nicht mal gegen ihre schlechte Bezahlung, ihre unbezahlten Überstunden oder gegen die Arroganz ihres Chefs vorgehen können und sich weit zurückziehen in ihre kleine Privathöhle, in der sie allein oder in nerviger Zweisamkeit vor sich hinvegetieren, bis das endgültige Ende kommt.

Ich muss heute einmal einen weiten Bogen spannen und sie einführen in die höchsten Künste der Wissenschaft – auch wenn sie gerade mal einen Hauptschulabschluss geschafft haben: Sie können ohne diesen Bogen kein mündiger, demokratischer Bürger werden – oder auch nur ein glückliches, liebevolles, lebendiges Wesen, das jedem Unbill von Außen gelassen trotzen kann … wie es Eigenschaft und Vorrecht allen Lebendigen ist.

Fangen wir an mit einer ganz zentralen Frage: was ist Wahrheit? Nein, die müssen Sie jetzt nicht selbst beantworten, dafür gibt es ja die Philosophie, die Königin der Wissenschaften – die hat das schon lange für Sie erledigt, damit Sie weiter vernünftigen, sinnvollen Arbeiten nachgehen können: Häuser bauen, Brot backen, Wasser schöpfen, Obst sammeln. Die Antworten sind auch seit knapp 2500 Jahren dieselben, einen Fortschritt hat es seitdem nicht gegeben.

Wir haben nur zwei Möglichkeiten, Wahrheiten zu gestalten (ja, wichtige Nebenerkenntnis: wir erschaffen die selbst, die liegen nicht draußen irgendwo herum und warten nur darauf, gefunden zu werden); die eine Möglichkeit ist: wir nehmen nur das als wahr an, was unsere Sinne uns mitteilen. Das ist soweit ganz ok – wenn man im Hinterkopf behält, dass unsere Sinne beschränkt sind und nicht zur Wahrheitsfindung gedacht: sie sollen uns nur dazu befähigen, unseren Körper ungeschadet durch die Natur zu führen, dafür wurden sie entwickelt. Biologische Wesen haben wohl mehr davon, als uns klar ist: manche können Wärmesignaturen ausmachen, andere feinste Geruchsspuren nachfolgen, andere orientieren sich an Magnetfeldern, haben einen „Magnetsinn“, der ein völlig anderes Weltbild hervorrufen würde, als jenes, das wir uns als Menschen basteln.

Die andere Möglichkeit ist ebenso einfach wie bestechend: wir erkennen nur das als „wahr“ an, was unserer Vernunft als wahr erscheint, ganz einfach deshalb, weil wir wissen, wie beschränkt unsere Sinne sind, wie trügerisch und leicht anfällig für Fieberphantasien.

Die erste Methode zur Wahrheitsfindung nennt man Empirismus, die zweite Rationalismus. Merken Sie sich diese Begriffe bitte – sie ersparen Ihnen ein ganzes Philosophiestudium.

Und jetzt kommt das Problem: der Empirismus in reinster Form akzeptiert alle ungewöhnlichen Beobachtungen als wahr. Geister, Ufos, Marienerscheinungen: wenn es  genug Menschen gibt (also: zwei bis drei), die diese Wahrheiten beobachtet haben, gelten sie uneingeschränkt als wahr. Ja, uneingeschränkt, denn: wenn wir erstmal anfangen, unsere sinnlichen Wahrnehmungen zu hinterfragen, landen wir ganz schnell in seltsamen Gefilden der Beliebigkeit, die Wahrheitssuche und Wissenschaft unmöglich machen. Für den Empirismus sind Geister (um mal nur ein Beispiel zu nennen) normaler Bestandteil der wissenschaftlichen Welt; Sie müssen sich also nicht als „verrückt“ beschimpfen lassen, wenn Sie – wie der berühmte Psychologe Carl Gustav Jung – mal Erfahrungen hatten, die mit dem gerade offiziell gewünschten Weltbild nicht mehr vereinbar sind: sie hatten nur das Pech, mit Wahrheiten konfrontiert zu werden, die selten sind – aber trotzdem „wirklich“ (allein schon deshalb, weil sie auf Sie „gewirkt“ haben).

Der Rationalismus – als Skeptizismus verstanden – kann mit diesen Wahrheiten nichts anfangen. Zu sehr leidet er unter den Scharlatanen, hat gesehen, was „fromme“ Geisterseher anrichten konnten, wie sie nach Macht über Menschen gierten und hat deshalb den Verstand als oberste Autorität an Stelle der Sinne gesetzt, um allen Unfug auszumerzen. Die Sinne liefern nur groben Unfug, der mühsam sortiert werden muss und durch das Gehirn zusätzlich verfälscht wird, zudem leiden wir darunter, dass unser Verstand nur eine begrenzte Anzahl von Kategorien überhaupt erfassen kann (Farbe, Form, Zahl – und nur einige zu nennen), so dass Welt hinter der sinnlichen Wahrnehmung für uns  immer ein unerklärliches Geheimnis bleibt, das wir nie ergründen können. Auch das ist ein – sehr bescheidener, aber funktionierender – Ansatz zur Wahrheitsfindung – und doch führt er uns zu einer Wahrheit, mit der wir uns schwer tun: der Verstand lebt nicht ohne Gott, er kann sich das Universum ohne Gott nicht vorstellen, darauf laufen alle „Gottesbeweise“ hin. Gottesbeweise? Ich stelle Ihnen mal einen vor. Alle Bewegung im bekannten Universum wird von einer anderen Bewegung angestoßen (ja, einfach mal selber ausprobieren – das stimmt schon), ganz am Anfang müssen wir uns deshalb ein Wunder vorstellen: ein Etwas, dass sich rein aus eigenem Willen heraus von selbst bewegen kann, also über dem natürlichen Kreislauf abhängiger Bewegungen steht: so was nennen wir dann „Gott“.

Wir haben also die Wahl zwischen einer Welt voller Geister – und einer Welt voller Götter. Beide sind wahr – soweit wir das beurteilen können. Beides sind wissenschaftlich korrekte Wahrheiten, die allen relevanten Bedingungen von Wissenschaft entsprechen. Und Sie wundern sich jetzt, warum wir trotzdem Menschen in die Klappsmühle stecken, die Geister und Götter in ihr Weltbild integrieren.

Das hat – immer und überall – rein politische Gründe. Hier geht es um Macht und Herrschaft und um das Instrument „Inquisition“, um „angeordnete Wahrheiten“, die die Wahrheiten der Sinne oder des Verstandes dominieren sollen, um Ihren Geist in ein Gefängnis zu sperren: dem besten Gefängnis das es gibt, weil Sie es selbst bewachen. Ja – Inquisition: hier im düstersten Wortsinne – es geht um Folter, Hexenverbrennungen, Waterboarding und alle anderen Instrumente des Grauens, die psychopathische Menschen sich ausdenken können, um andere zu quälen – und man kann sie mit gutem Recht als „krank“ bezeichnen, weil gesunde Menschen an solchen Abscheulichkeiten gar keinen Spaß entwickeln – dafür aber eine zauberhafte Fähigkeit besitzen, die ebenfalls der Wahrheitsfindung dient: die Liebe.

Ja, jetzt denken Sie: jetzt redet der wieder über Sex. Nein, das tue ich nicht, das überlasse ich gerne Wilhelm Reich, dessen Bücher von der Inquisition verbrannt wurden. Ich rede über Arthur Schopenhauer, jenen Denker, der – in meinen Augen – bis heute viel zu wenig geschätzt wird, obwohl er Wunder verbrachte … bei der Betrachtung seines Hundes. Pudel, glaube ich.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sehen, wie ein Hund (nicht Ihr Hund – der ist schon längst ein verlängerter Teil von Ihnen, das gilt nicht!) vor Ihren Augen mit kochendem Wasser überschüttet wird (über die Menschen, die so etwas tun, reden wir später noch). Stellen Sie sich das bitte bildlich vor (oder suchen bei Facebook ein entsprechendes Video, braucht auch kein kochendes Wasser zu sein, da gibt es alle Arten von Abscheulichkeiten) und achten Sie genau darauf, was diese Beobachtung mit Ihnen anstellt, achten Sie auf die Gefühle, die dort hochkommen. Verharren Sie ruhig einen Moment und schauen Sie sie sich an, bitte ruhig und unaufgeregt, denn Sie haben gerade ein Wunder erlebt: in dem Moment, wo Sie das Leid des Tieres wahr nehmen, haben Sie in sich eine Empfindung, die genau dem entspricht, was das Tier empfindet: sie teilen eine Wahrheit, werden in dem Moment „gleichgeschaltet“ mit der inneren Welt des Tieres. Hier tritt die Welt des Empirismus und des Rationalismus in eine größere Welt: in die Welt der Liebe, die eine höhere Kategorie der Wahrheit darstellt und eine wunderbare Botschaft in sich trägt: das Liebe die Schranke zwischen uns und der Welt überwinden kann … und zu „Mitleid“ führt.

Denken Sie ruhig nach: das Leid des Tieres ist nur „in ihm“, unsere Sinne nehmen nur nüchterne Fakten wahr, unser Verstand nur ein „Reiz-Reaktions-Schema“, unsere liebende Seele jedoch: Schmerz und Leid, worauf sie angemessen reagiert: mit Mitleid … und konkreten Taten gegen die Täter.

Was ist nun Liebe? Die höchste Form von Verständnis. Ältere Kulturen als wir sprachen deshalb vom Geschlechtsakt als Akt des „Erkennens“. Die kannten auch noch keine Pornofilme, die in erster Linie unsere Anschauung abstumpfen lassen und unser Gefühl der Liebe vergewaltigen und entwürdigen – ja, soviel tut man sich selber an beim Konsum entsprechender Machwerke.

Liebe kann dazu führen, dass man sein eigenes Leben für das geliebte Objekt gibt: dass kann eine Frau sein, ein Kind, eine Idee, eine Landschaft, ein Tier (wie bei dem Düsterdenke Nietzsche) oder ein Baum – um nur ein paar Objekte für Liebe zu nennen, die durch „Sex“ nicht erreichbar sind. Die Welt der Liebe – von der gelebtes Mitleid nur ein Ausdruck ist – offenbart uns eine um vieles reichere, liebenswertere, lebendigere Welt, vor allem eine Welt, der wir aufs Innerste verbunden sind, wo wir den „Großen Geist“ bis ins tiefste innerste unseres Seins erfahren können und zu die beglückendsten Erfahrungen sammeln, zu denen Menschen überhaupt in der Lage sind: darum nennt man ja „Religion“ zurecht „Opium fürs Volk“ … was aber nur der kritisiert, der Volk als Kanonenfutter zur Durchsetzung eigener Revolutionen braucht und sie deshalb möglichst hungrig und unglücklich halten möchte.

Sie merken: wir kommen zum nächsten Thema – dem Tod. Ja – da kommen wir nicht drum herum, wir waren ja gerade schon da, bei Menschen, die mutig ihr Leben riskieren, um die Objekte ihrer Liebe zu schützen … oder das mitempfundene Leid anderer Wesen (bei Steinen funktioniert das nicht, einfach mal ausprobieren) zu lindern, ja, sogar Revolutionen anzetteln, weil der Liebe selbst Leid zugefügt, das Mitleid mit Füßen getreten wird. Ja – nur „Hunger“ reicht dazu nicht aus: oder werden Sie zornig und wütend, wenn der lange Winter Ihre Ernte vernichtet? Demonstrationen gegen schlechtes Wetter sind mir momentan nicht bekannt, gegen lieblose, deshalb grausame Menschen sind sie im Handumdrehen organisiert.

Tod – ist eine endgültige Wahrheit, womöglich die einzige, die wir haben. Es gibt viele Definitionen zu ihm – empirische oder rationale – doch zu einem letzten Verständnis kommen wir nicht, wir wissen nur eins: er kommt für alle und jeden. Die Reichen fürchten ihn, ist der doch das endgültige absolute Ende ihres Reichtums, die Armen jedoch: begrüßen ihn, ist er doch das letztlich endgültige Ende ihres vielfältigen Leidens, viele der Armen (vor allem jene, die arm an Liebe sind) suchen ihn direkt auf, setzen ihr Ende souverän selbst – souverän und nutzlos, da der Suizid das Leid der Angehörigen deutlich vermehrt, sogar bis ins Unerträgliche steigern kann … wie bei den Eltern des 16-jährigen Mädchens, das sich kürzlich in meinem Umfeld erhängte.

Was ist nun der Tod? Hören wir eine Stimme aus der Wissenschaft (siehe livenet)

„Ganz genau wisse man nicht, was die Bewusstheit ist, berichtet die britische «Sun». Der Physiker Sir Roger Penrose erklärt, dass es sich dabei um ein Informationspaket handelt, das in einem Quant oder auf subatomischem Level gespeichert ist. Der britische Wissenschaftler geht davon aus, dass die Menschen Seelen haben, die nicht mit dem Körper sterben.

Nun sagt Sir Roger von der Oxford Universität, er habe Hinweise gefunden, dass diese Informationen, die in Mikrotubuli in den menschlichen Zellen gelagert sind, den Körper verlasse, wenn dieser stirbt.“

Das ist nur eine von vielen Theorien über die absolute Wahrheit „Tod“. Sie entspricht dem Empirismus (d.h. den in die hunderttausende gehenden Beobachtungen zum Thema „Nahtoderfahrungen“) und dem Rationalismus (der den Menschen letztendlich – wegen der „Vernunft“ als „Kind Gottes“ begreift, dessen göttlicher … „selbst bewegender“ … Funke natürlich nie vergehen kann), wir dürfen diese Theorie deshalb als „wahr“ erachten.

Aber – huch – wo sind wir denn jetzt hier gelandet?

In der Politik.

Und im Herzen der Finsternis: der mittelalterlichen Inquisition, die Wahrheit nicht durch Empirie oder Rationalismus suchte, sondern sie mit Feuer und Folter erzwang. Wir sind direkt bei jenen hochpolitischen Erscheinungen wie „Gwup“ oder „Psiram“ oder „Esowatch“, Inqusitoren einer kleinen beschränkten Sekte, die vor allem einen Meister hat: die Gier nach unendlicher Macht. Ja – sie sind hochpolitisch … aber mangels geisteswissenschaftlicher Bildung wohl ohne Hilfe von Wikipedia nicht in der Lage, den Begriff „Politik“ von sich aus zu definieren.

Der Mensch, der durch ein sehr eingeengtes, durch ein stringent „katholisches“ Weltbild mit absoluter Vernichtung bedroht werden kann, ist leicht zu dirigieren und neigt auch weniger zum Widerstand, darum ist es Aufgabe der „Inquisition“, alles zu bekämpfen, was dem modernen „Katholizismus“ bedrohlich werden kann – hierzu gehört ein mit großer verbaler Gewalt vorgetragenes enges Weltbild (das zwar mit physikalischen Schlagworten argumentiert, aber noch nicht mal im Ansatz die logische Begrenztheit dieser Schlagworte verstanden hat: nur weil wir den Begriff „Magnetfeld“ haben, heißt das nicht, das wir verstehen, was das ist – noch formt dieser Begriff eine Wahrheit: wir haben auch die Begriffe „Troll“, „Odin“ oder „Sumpfhexe“ – verlangen aber von diesen Worten nicht, dass sie aus sich heraus Wahrheiten abbilden, die für alle Menschen gleich gültig sind).

Was ebenso dazu gehört: methodische Schlampigkeit, die nach Belieben zwischen Empirismus und Rationalismus hin- und her springt: Geister ablehnt, weil sie irrational sind, Gott ablehnt, weil er nicht beobachtbar ist. Mit diesern Methodik kann ich die Nichtexistenz der Farbe „Rot“ „beweisen“: alle, die Rot sehen, sind entweder einem Sinnesirrtum unterlegen – oder aber neigen zu einer Geistesschwäche, die ihnen den Glauben an die Existenz von „Rot“ vorgaukelt … jenen, die nicht zu übermenschlich sind wie wir, die wir ja wissen, dass es „Rot“ nicht gibt und deshalb mit guten Recht alle „Rotgläubigen“ verfolgen dürfen.

Ich will auch gar keine detallierte Auseinandersetzung mit den Gwupies starten – dazu fehlt es denen an erkenntnistheoretischem Niveau, sie bewegen sich da eher in den engen Grenzen einer Sekte (und damit im Reich des willkürlichen „Glaubens“ – was ja „Aussteiger“ dieser Kampforganisation schon beschrieben haben (siehe Zeit), außerdem wird das mein geschätzter Kollege Parkwächter schon in angemessener Schärfe erledigen- ich will hier keine Themen klauen.

Mir liegen mehr die Opfer am Herzen, die in den Käfigen moderner Inquisition harren.

Wir haben dazu jetzt einen Grundkurs Erkenntnistheorie absolviert: jener wissenschaftlichen Disziplin, die beschreibt, dass wir uns „Wahrheiten“ mit unseren beschränkten biologischen Möglichkeiten nur annähern können, sie aber nie völlig zu erfassen vermögen.

Wir stehen da jetzt ziemlich blöde da – so ganz ohne Wahrheit.

Dafür haben wir allerdings in der Philosophie auch eine Perspektive, die seit Jahrtausenden oft auch zerredet wird: den „Utiliarismus“ … bzw. den Aspekt der „Nützlichkeit“. Ich mache es einfach: da wir keine absoluten Wahrheiten formulieren können, sollten wir uns jene frei wählen können, die uns – also der Menschheit insgesamt – am Nützlichsten ist. Wir müssen hier konsequent die ganze Menschheit als Wahrheitsschaffer ins Auge fassen – nicht einzelne Sekten wie den Materialismus, den Faschismus oder den Kapitalismus … um mal drei dunkle, inquisitorisch arbeitende Sekten zu nennen.

Was ist also nützlicher? Die Annahme der Existenz einer ewigen Seele, die all´ ihre Erfahrungen in ein unbekanntes Land mit sich nimmt … oder aber die Botschaft von Materialismus, Faschismus und Kapitalismus, dass Sie eigentlich nur ein Haufen geistloser Dreck sind, der – außer einem Nutzen für die Arbeitsfaulheit der aristokratischen Gauleiterkaste – keine Existenzberechtigung hat und nach Belieben ausgelöscht werden darf?

Merken Sie nun, welche revolutionären Dimensionen der Begriff „freie Wahl“ wirklich hat? Und welche – im düstersten Sinne katholische bzw. diabolische – Dimension wir bei den lustigen Kasperlen von Gwup beobachten können, die durch ihre unsozialen (besser gesagt: schmutzigen politischen) Methoden der politischen Auseinandersetzung billigend in Kauf nehmen, dass Menschen sich vor lauter Verzweiflung in den Tod stürzen – Methoden, die eben weit von dem entfernt sind, was wir als „Liebe“ kennen und als verständnisgenerierendes Moment schätzen und eher im Gegenteil – im Hass – verortbar sind, wo man viele Menschen findet, die in ihrem Leben nie Liebe erfahren durften. Nun – es heißt nicht umsonst seit Jahrtausenden: „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“.

Wenn Sie es wollen: ja, dann lebt Ihre Seele ewig und führt sie in ein Universum der Liebe. Und – in der Tat sieht es so aus (würde jetzt zu weit führen) – dass der Besitz einer liebevollen Seele den Übergang in andere Seinsformate („Leben“ würde ich das erstmal nicht nennen) deutlich erleichtert – und vielleicht (momentan noch reine Spekulation auf geringer Datenbasis) sogar Bedingung ist, dass die Existenzberechtigung dieser Seele verlängert wird. Auch diese Wahrheit können Sie bis zum Beweis des Gegenteils ganz wissenschaftlich fundiert für sich in Anspruch nehmen: irren Sie, werden Sie keine Sekunde Zeit haben, sich zu ärgern. Aber das Leben vorher – wird intensiver, gelassener, angstfreier … und vielleicht sogar revolutionärer.

Sie dürfen natürlich auch in dem engen Gwup-Käfig bleiben, einer Welt ohne Liebe, Wunder, Zauber und Ewigkeit: auch das ist Ihre freie Wahl: aber eben auch ihre eigene Verantwortung: wenn Sie gerne ein Haufen toter, lieb- und lebloser Dreck sind – nur zu. Das dürfen Sie!

Allerdings möchte ich Sie gleich vorwarnen: Sie sind dann auch weit entfernt von dem, was Menschen Glück nennen – und wahrscheinlich anfällig für Masochismus und Sadismus. In diesen beschränkten Räumen können Sie auch eine – schmerzhafte – Unterform von Glück erfahren: für einen kurzen Moment eine gewisse Entlastung erfahren, die als solche schon etwas fröhlicher macht: so als würde ein Verdurstender einen Schluck Urin zu sich nehmen dürfen.

Ihre Kokurrenz hingegen … schwimmt in klaren Gebirgsseen.

Auf ewig … getrübt nur durch einen kurzen, winzig kleinen Moment irdischer Existenz. Ich wüßte wohl, was ich da wählen würde.

Dass die dunklen Kulte mit ihren dunklen Matschgöttern momentan viel Macht haben, sollte uns nicht irritieren: es gehört zur Welt dazu, dass das Wetter manchmal schlecht ist und Eiswinde uns herausfordern. Diese Kulte stören jene nicht, die empirisch mit Geistern tanzen … oder rational mit Göttern singen.

Nur jene, die sich ihren Geist von den schmutzigen, unwissenschaftlichen Kultisten besudeln lassen: jenen verhagelt die Dunkelheit das Gemüt, macht sie zu passivem Wahl- und Konsumvieh … das so viele brauchen, um ihrer Gier frönen zu können. Jene sollten aber wissen dürfen …. dass es auch anders geht … und dass es einen guten Grund gibt, weshalb sich hochpolitische Menschen wie John Perkins (Bekenntnisse eines Economic hit man) den schamanischen Traditionen als Gegenmacht zum Imperialismus zuwandten. Sein Handeln – ist hier hochgradig konsequent, anders kann man den dunklen Kulten kaum entkommen, kaum effektives „Refraiming“ betreiben.

Aber genug der Worte: beginnen wir mit dem Denken – und das ist jetzt IHR Job.

 

 

 

Der ferngesteuerte Hass der Arbeitslosen … und Ausländerfeinde…

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Mittwoch, 22.6.2016. Eifel. Ja, wir haben merkwürdige Phänomene in unserer Zeit zu beobachten. Jedenfalls – sagen das die Medien. Oder – sagen wir mal so: sie tasten sich vorsichtig heran wie Margarete Stokowski (siehe Spiegel): sie hat eine ganze Reihe von Fragen, die sie wohl nicht wirklich beantwortet haben möchte. Nun – es gibt trotzdem Menschen, die das tun – in den Leserkommentaren. Es geht bei Frau Stokowski um Kritik, Hetze und Hass – und sie möchte die Leser mit ihren Fragen wohl irgendwo hinführen, wie ich den Kommentaren entnehme, gab es auch welche, die standen nach der Fragendusche völlig verwirrt im Wörterwald herum, hilflos und verlassen.

Es ist nur eine kleine Anekdote über einen kleinen Artikel, und doch stört daran etwas – eine unterschwellige Botschaft, die im Titel steckt: „Kritik“ wird automatisch gleich gesetzt mit Hetze und Hass. Ja – da sind wir im Jahre 2016 angekommen: wer die rechte Bundeskanzlerin aus der rechten CDU kritisiert, ist ein hetzender, hassender rechter Nazi. „Links“ gibt es in dieser Republik nicht mehr, für „Links“ schämt man sich im Lande des perfektionierten Turbokapitalismus – und was an offiziell „linker“ Kultur geduldet wird, sind Frauen wie Jutta Ditfurth, die mit ihrer hasserfüllten Rhetorik an die schlimmsten Eiferer des Dritten Reiches erinnern, Hand in Hand mit der Amadeu-Antonio-Stiftung, die ebenso kräftig an der „Nazifizierung“ elementarer kapitalismuskritischer Themen arbeitet oder eine (angebliche) „Antifa“, die mit Methoden aus dem Baukasten der SA und SS weit jenseits des jahrhundertealten linken, pazifistischen und dialogorientierten Selbstverständnisses für eine Kultur der Angst und des Schreckens im Land sorgen (und so nebenbei für den Ruf nach noch mehr „Sicherheit“ verantwortlich sind).

Es ist eine interessante kleine Welt, in der diese „Restlinken“ leben: sie besteht nur noch aus dem, was früher mal das „Establishment“ genannt wurde und Nazis in allen Farbschattierungen, vor denen sie das Establishment mit aller zur Verfügung stehenden Kraft schützen wollen, um dem Jobcenter zu entkommen – oder noch mehr Bücher verkaufen zu können. Aber – huch: ich äußere ja gerade Kritik – am herrschenden System. Das wird mir wieder den Titel „Nazi“ einbringen.

Dieses System hat natürlich mehr Angst vor „Rechten“ als vor „Linken“. Linke sind von Natur aus sehr friedliche, soziale, humanistisch gesinnte Gesellen, die nichts am Hut haben mit planmäßigen, militärisch geführten Feldzügen gegen staatliche oder gesellschaftliche Institutionen, Linke diskutieren gerne, bilden Konsens, suchen nach friedlichen Alternativen – Rechte schlagen gerne zu … gehen deshalb mit großer Begeisterung zur Bundeswehr. Oft: weil sie gar nichts anderes können, nie weitere Formen der Kommunikation gelernt haben noch zur Einsicht fähig sind, warum diese für alle einen Gewinn bilden. Was Rechte damit auch tun: sie greifen die Säule des Staatswesens an: das staatliche Gewaltmonopol – was letztlich dazu führen kann, dass das Personal der Plutonomie (der internationalen Wirtschaftsform der Superreichen, wir berichteten) nicht pünklich zur Arbeit kommt. Rechte meinen es Ernst mit ihrem Hass, ja: mir dünkt sogar, dass Hass ihre elementare Triebkraft ist, die – so mein Eindruck – oft aus mangelnder oder übertriebener Selbstliebe kommt. Es ist gerade ihr Hass, der Angst macht: Hass will schaden – schnell ist das geliebte Eigenheim des Herrn Direktors angezündet, der hoch geschätzte SUV zu Sondermüll gemacht, der Weg zum Arbeitsplatz mit Bomben gesäumt, die Ehefrau oder die Kinder entführt: Rechte kennen da keine Hemmungen. Ich meine: deshalb sind Nazis ja böse, oder? Weil sie ihre politischen Ziele hemmungslos mit Gewalt durchsetzen – aber noch nicht mal damit aufhören, wenn sie gewonnen haben, ihr Hass trachtet nach der völligen Vernichtung des „Feindes“.

Ja – der Hass. Verantwortlich für so viel Leid und Elend – und doch kaum erforscht. Woher stammt eigentlich dieses Gefühl? Woher stammt eigentlich diese neumodische Kultur, die von uns verlangt, jedes Gefühl sofort ausleben zu müssen? Wo ist eigentlich die Kultur geblieben, die uns zeigte, wie wir uns vom Tier unterscheiden – jene Kultur, die uns lehrte, Herrscher unserer Gefühle zu werden – und nicht ihr Opfer zu bleiben? Nun – im Rahmen der gezielten Züchtung des Konsummenschen brauchten wir ein Klima das „alles jetzt sofort – und zwar schleunigst“, und zur Produktion dieses Klimas brauchten wir einen Menschentypus, der von oberflächlichen Gefühlen durchs Leben getrieben wird, ohne selbst jemals ein eigenes Leben zu entwickeln … und der lebt seine Lust auf Kaffee, Sportwagen, Sex und Menschenhass gleichermaßen offen und sofort aus, so wie der es gelernt hat.

Hass – war meine erste philosophische Arbeit mit 17 Jahren im Rahmen einer privaten Philosophie AG, die ein junger Referendar für Recklinghäuser Schüler eingerichtet hatte, weil seine Erfahrungen zeigten, dass man Philosophie nicht in staatlichen Schulen lehren kann – sehr bezeichnend für des Land der Dichter und Denker (viel später merkte ich, wie sehr er recht hatte – doch das ist eine andere Geschichte). Ich horchte zu dem Thema in mich hinein – und erkannte, dass Hass etwas Reaktives ist, immer und überall (und lernte gleichzeitig, dass alle „All-Quanten“ unsinnig sind – doch das ist auch ein anderes Thema). Mir stand klar vor Augen: Hass entsteht dann, wenn etwas, dass man liebt, verletzt wird – und zwar dauernd. Lese ich heute philosophische Texte zum Thema Hass, so merke ich: die Wissenschaft ist immer noch nicht weiter (außer in Sonderfällen, wo Krankheiten definiert wurden, Psychopathen und Soziopathen, deren Hass gegen alles und jeden direkt aus ihrem Charakter entspringt).

Testen wir doch mal diese These. Warum wurden Juden gehasst? Weil sie für Reichtum standen (zudem für den Reichtum einer äußerlich solidarisch erscheinenden Elite), während das Volk sein geliebtes Leben in krasser Armut und erdrückender Verachtung ertragen musste (dafür waren Juden zwar nicht selbst verantwortlich, aber es gab genug interessierte Kreise, die von sich selbst ablenken wollten – und das bis heute erfolgreich tun). Warum werden Kinderschänder gehasst? Weil sie das verletzen, was Menschen am meisten lieben: ihre Kinder. Warum werden Arbeitslose gehasst? Weil sie die auf zwei Beinen daherkommende Anklage sind, dass in Deutschland wirklich nicht alles „gut“ ist, so, wie es die übersatten Schlipsträger gerne hätten – oder weil sie die Realität von schmerzvollen Zuständen zeigen, die einem selbst drohen könnten.

Auch heute noch würde ich die gerade aktuelle öffentliche Definition von Hass (siehe z.B. Zeno.org) auf dieses Problem des Liebesmangel zurückführen – man muss nur berücksichtigen, dass Eifersucht, gekränkte Ehre, Neid, Eigensucht Reaktionen eines narzisstischen Charakters sind – der ebenfalls von der allmächtigen Werbeindustrie mit großer Gewalt gefördert wird und sich großer Zuwachsraten erfreut.

Doch „Liebe“ – kann in unserer Zeit gar nicht mehr diskutiert werden. Das ist vielen bewusst – doch wird nicht mehr darüber gesprochen. Wer über Liebe reden will, dem wird ein Pornofilm gereicht, was als erschöpfende Beschreibung von „Liebe“ gilt … Liebe zur Landschaft, zu Kindern, zu Eltern, zur Musik, zur Malerei, zu Wolken, Bäumen, Blumen und Tieren, zu Idealen oder zur Arbeit – nicht mehr vorhanden, außer bei „sozialromantischen“ Spinnern. Reste davon finden sich noch im Fußball, wenn man sein Nationalfähnchen schwenkt – doch „Nation“ ist ein zufälliges, inhaltsleeres Liebesobjekt, nur wichtig für jene, die sich ihrer Selbst nicht hinreichend bewusst sind und deshalb „Deutscher“ sein müssen, weil es zum Menschsein nicht reicht und man sich ungern allein fühlen möchte.

Reden wir also nicht über die Liebe, reden wir über den Hass. Reden wir – über die Quelle des Hasses: die lieblose, willkürliche, systematische Ungerechtigkeit. Hierin ist Deutschland gerade wieder Weltmeister (siehe Huffington-Post):

„Denn obwohl es dem Land so gut wie lange nicht geht, wird die Ungerechtigkeit immer größer. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Geld immer ungleicher verteilt. Sehr, sehr wenige Deutsche haben mehr als die Hälfte davon. Und ALLE anderen müssen mit dem Rest auskommen.

Diese Entwicklung ist laut einer internationalen Studie von 2011 sogar so stark wie in keinem anderen der 34 untersuchten Länder. Das muss man sich einmal vorstellen! Diese Ergebnisse sind seit Jahren bekannt und trotzdem spricht kaum jemand davon. Und eine aktuelle Untersuchung von 2015 zeigt, dass es noch schlimmer geworden ist.

Die Experten haben anhand ihrer Studien eine ganze Reihe an Katastrophen in Deutschland entdeckt, die ignoriert werden. Politiker und Wirtschaftsbosse sprechen nur davon, wie fortschrittlich und stark Deutschland ist. Natürlich tun sie das, denn sie werden immer reicher und mächtiger.

Doch wie kann es einem Land gut gehen, in dem jedes fünfte Kind unter der Armutsgrenze lebt? Das sind 2,1 Millionen (!) Mädchen und Jungen. Damit ist die Kinderarmut laut den Experten größer als in Ungarn und Tschechien.“

Wissen Sie, was sie da gerade lesen? Das ist „Hetze“. Versteht man aber nur, wenn man zu jenen gehört, die an den deutschen Zuständen gut verdienen – was die gesamte, angestellte Medienwelt betrifft. Hetze ist geeignet, „Hass“ zu produzieren – zum Beispiel bei jenen, die Kinder haben und wissen, was die Kinderarmut kostet: letztlich unser ganze Zukunft. Verinnerlichen Sie dann, dass man gerade eine Million junger Menschen aus dem Ausland importieren möchte, damit sie die Lücken füllen, die durch die Kinderarmut entsteht, dann können Sie auch verstehen, warum Heime für Asylbewerber brennen. Die Rechten reagieren so – während die Linken noch debatieren. Aber – die tun was. „Mach´, was zählt“ – so wirbt die Bundeswehr um Nachwuchs und erklärt nebenbei, dass Stalin und Mao recht hatten: es zählen nur Gewehre, nicht Worte. Gewinner ist, wer die Gewehre am besten einsetzt.

Hoffentlich noch nicht zu kompliziert? Erklärt und nämlich ein Phänomen, dass seit den letzten Wahlen die Republik umtreibt: Arbeitslose – selbst Ziel von Hass, Verachtung und Ausgrenzung durch sogenannte „gutbürgerlicher“ Schichten – laufen in Scharen zur AfD über (siehe Zeit), obwohl deren Politik nicht gerade ihren Interesssen dient. Früher wurden in der AfD sogar Professoren toleriert, die Arbeitslosen empfahlen, ihre Organe zu verkaufen, um Überleben zu können – so weit sind wir schon wieder, soviel Verachtung herrscht in den Köpfen der vom Steuerzahler fürstlich honorierten „Elite“.

Nun – früher (vor zehn Jahren) wurde ich dafür angegriffen, als ich sagte: Hartz IV wird den Rechtsradikalismus stärken. „Du kannst doch nicht allen Arbeitslosen unterstellen, dass sie rechtsradikal sind“ – hies es, und der Vorwurf war berechtigt. Ich kann aber vielen Arbeitslosen unterstellen, dass sie die Zustände und Verantwortlichen hassen werden, die sie in diese lieblosen Realitäten versetzt haben, schließe ich dann, dass „Rechte“ schnell „machen, was zählt“, so weiß ich, wem sie für eine Weile folgen werden – weil erstmal alles zerschlagen werden muss, was schmerzt, damit es besser werden kann.

Der Hass wird sich auch noch mehr ausbreiten. Moderne, junge, smarte, erfolgreiche Unternehmer arbeiten mit Hochdruck daran – wie Jeff Bezos von Amazon. Bei ihm klingen Kündigungen jetzt ganz frisch und „positiv“ (siehe Watson.ch):

„Wird jemand gefeuert, dann verschickt der Gruppenchef ein Mail mit folgendem Inhalt: «Team, wir wollen euch bloss mitteilen, dass Person X soeben erfolgreich abgeschlossen hat und wir sehr erfreut sind, dass sie nun ihre Superpower beim nächsten grossen Abenteuer anwenden wird.» “

Trifft dies einen 22-jährigen, mag man das noch gelassen hinnehmen – für Ältere hingegen ist es das soziale Todesurteil. Hören wir noch ein wenig hinein in die Sprache der Menschenfeinde, die sich immer offener ans Tageslicht trauen:

„Wie widerlich dieses Vorgehen sein kann, zeigt Lyons am Beispiel einer 35-jährigen Kollegin auf. Sie war vier Jahre lang für das Unternehmen tätig. Eines Tages erklärte ihr 28-jähriger Vorgesetzter, sie hätte zwei Wochen, um zu verschwinden. Am letzten Tag organisierte er eine Abschiedsparty für sie und verabschiedete sie mit Worten wie «Wir sind alle Rockstars» und «Wir werden die Welt verändern». “

Wenn jetzt Hass bei Ihnen hochkommt: nur zu, das ist eine natürliche Reaktion: hier wird die Wahrheit brutal vergewaltigt. Und „Liebe zur Wahrheit“ ist ein sehr edler Charakterzug, bringt Sie in die Nähe großer Philosophen. Wir merken schnell: nicht der Hass an sich scheint schlimm, sondern die Ursache, die ihn in die Welt setzt. Wer nur den Hass bekämpft, die Ursachen aber missachtet, der ist schnell in einer Situation, wo er Schmerzmittel bringt anstatt die Krankheit zu heilen.

Hass – kann man gezielt züchten. Man muss nur schauen, was die Menschen lieben (viele lieben „ihr Land“, was wir ja durch den Kult um unsere Nationalmannschaft gezielt fördern), und dies dann gezielt verletzen: schon bekommt man seinen Hass. Die Förderung dieses Hasses geschieht aber schon längst auf hochindustrielle Art und Weise, das haben – wie vieles andere auch – schon längst Roboter übernommen (siehe Zeit):

„Immer mehr Roboter wie Tay, sogenannte Social Bots, greifen mit Hetzkommentaren in die Leserdebatten der sozialen Netzwerke ein und lenken die Diskussionen im Auftrag obskurer Auftraggeber in eine bestimmte Richtung. Ganze Nutzerprofile werden von Computerprogrammen angelegt und mit Menschlichkeit und damit zugleich mit Glaubwürdigkeit erfüllt: Die Roboter-User posten erst von einem erfundenen Frühstück, dann etwas Belangloses über ihre „Freunde“ und schließlich Hetzkommentare etwa zur Flüchtlingskrise.“

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit noch ein wenig auf diese Problematik lenken – damit Sie sehen, welche Dimensionen der künstlich gesteuerte Hass annimmt:

„Wie viele Bots genau in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, weiß niemand, ihre Zahl dürfte aber gigantisch sein. Bis zu 20 Prozent aller Twitter-Nutzer, schätzt Hegelich, könnten Social Bots sein – mit stark wachsender Tendenz. Facebook schätzt die Zahl der Bot-Accounts weltweit auf rund 15 Millionen – eine enorme Zahl, die die sozialen Netzwerke zum fruchtbaren Nährboden für staatliche und terroristische Propaganda macht. Hegelich fand bei einer Auswertung von Twitter-Daten „gesicherte Erkenntnisse“ für 15.000 ukrainische Twitter-Bots.“

Ein spannender Artikel. Man würde sich wünschen, dass man mehr über die Konstrukteure und Auftraggeber erfährt, denn … es verunsichert etwas, in diesem Zusammenhang über „staatliche Propaganda“ zu hören.

Soll ich etwa den Verdacht bekommen, dass „Hass“gezielt gesät wird? Dass der Hass der „Arbeitslosen“, der sie zur AfD treibt, gezielt gesät wird (das der Hass auf Arbeitslose gezielt entfacht wurde, hatte andere Studien schon hinreichend bewiesen)?

Warum nicht: nach Noam Chomsky habe wir hier nur die Erscheinungsformen von Strategie Nr. 5 und 8 im Blitzkrieg der Lumpenelite gegen die Demokratie (siehe Nachrichtenspiegel) … und somit einen hinreichenden Anfangsverdacht, wer denn die ominösen Bots mit ihren präzise berechneten Hassbotschaften in die Welt sendet.

Und wir sehen, dass wir gar nicht beim endlosen Fragen stellen bleiben müssen – wir finden ganz leicht auch unangenehme Antworten.

 

 

Facebook und der Erziehungsauftrag der Medien

Digital StillCamera

Mittwoch. 30.3.2016. Eifel. Ich habe in meinem Leben schon sonderbare Erfahrungen gemacht, eine davon fand in den letzten Tagen statt – ein Fall, über den ich demnächst mal schreiben werde. Der Hintergrund ist einfach: staatlich finanzierte Berater äußersten sich sehr bedenklich über Facebook, über: „die Öffentlichkeit“. Ja, ich weiß: Facebook, Amazon, E-Bay – alles Konzerne, die ich für die größten, nichtmenschlichen Feinde der Menschheit halte. Nicht nur ich allein, habe ja schon oft darüber geschrieben. Kommen die Konzerne aus den USA – dem Mutterland aller Konzerne – wird es noch kritischer: dort nahm die Pest ihren Anfang, als oberste Gerichte entschieden, dass ein Konzern eine Person sei und ihn mit gleichen Rechten wie natürliche Personen ausstattete. Was die Richter damals nicht wissen konnten: diese „Personen“ sind inzwischen mächtiger als die meisten Staaten, unterhalten sogar eigene Privatarmeen und dirigieren weltweit Politik – auf ganz elegante Weise: Gelder und Pöstchen werden später nachgeliefert, nachdem entsprechende politische Entscheidungen erarbeitet worden sind. „Geliefert wird später“ – so ist mir der Ausspruch eines SPD-Abgeordneten im Gedächtnis, der sich über die Pöstchenpraxis im Bundestag äußerte.

Amazon und E-Bay nutze ich jedoch selber gern – neben diversen anderen Portalen. Das mag überraschen, aber ich habe keine Alternative. Ich gehöre zu den „Armen“,  habe Kinder zu versorgen, bin kaum mobil: da müssen harte Entscheidungen getroffen werden. Im Falle von E-Bay heist das: günstige Autos, günstige Häuser, günstige Bücher und andere nützliche Gegenstände, deren Anschaffung von meinem Cash-Flow momentan nicht gedeckt werden könnten. Ich weiß: es gibt auch genug Kritik an diesen Konzernen, die im Innenwesen der Diktatur entarteter Ökonomie unterliegen: auch sie müssen den größten Nutzen für Reichenrendite bringen, nicht den größten Nutzen für Kunden. Trotzdem bringen sie auch Nutzen für den Armen – Amazon, wo gebrauchte Bücher, Filme und Geräte gehandelt werden – oder E-Bay, wo effektiv der Wegwerfgesellschaft entgegen gearbeitet wird, was uns enorme Mengen an Müll spart. Hier wurde – erstmal – Konzern, was später gemeinnützig werden sollte.

Beides wären so gesehen eigentlich auch Initiativen gewesen, die vom Staat hätten ausgehen können und sollen, denn der Nutzen für die Gemeinschaft ist groß; der Staat jedoch: zieht sich lieber zurück, aus allen Lebens- und Verantwortungsbereichen. Steuern nimmt er natürlich trotzdem jedes Jahr mehr ein, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, dass dafür auch etwas geleistet werden sollte, was dem Wert des mit Staatsgewalt eingetriebenen Geldes entspricht. Ja: warum sollte es nicht Aufgabe der Verwaltungsorganisation der Lebens- Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft „Deutschland“ sein, den Handel und die Kommunikation der Bürger untereinander zu fördern? Es entspricht der demokratischen Grundhaltung, Kommunikation der Bürger zu fördern, der Handel der Bürger untereinander hilft, Notzeiten zu überstehen und schont die Umwelt, es entstehen sogar neue Arbeitsplätze – warum muss das ein US-Konzern erledigen.

Kommen wir zu Facebook: dem Hassobjekt der Elite. Ja: es gibt eine Hass- und Hetzkultur auf Facebook – ebenso wie in der Lindenstraße. Wo Menschen zusammen kommen, wird man immer auch sozial auffällige Individuen treffen. Leider. Die sind auch im Verein – ohne dass wir jetzt große Aufreger über das Vereinsleben absondern. Die sind auch in Parteien, Kirchen, Gewerkschaften – selbst bei den allerchristlichsten Betschwestern sollen schon Psychopathen gesichtet worden sein – doch es ist nach den Gesetzen der Logik unzulässig, das Verhalten von Einzelelementen als Symptom für den Gesamtkomplex zu deuten.

Trotzdem wird es gemacht.

Was geschieht dort eigentlich, bei Facebook? Warum wollen die Menschen überhaupt so an die Öffentlichkeit – manchmal sogar mit intimsten Details ihres Lebens. Hat denn das Fernsehen nicht schon längst hinreichend bewiesen, dass DER FEIND vor der eigenen Haustür lauert, beständig darauf bedacht, einzudringen und SCHLIMMES, WIRKLICH SCHLIMMES zu tun? Nachrichten und Krimis arbeiten Tag für Tag an dieser Weltsicht und verkünden die Botschaft: „bleibt zu Hause, rührt auch nicht vom Fleck, es gibt da draußen nichts zu sehen“. Das Ergebnis war: Cocooning:

„Als Cocooning (engl. ‚verpuppen‘, ‚sich einspinnen‘) wird besonders von Trendforschern eine Tendenz bezeichnet, sich vermehrt aus der Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurückzuziehen.“

Wir Deutschen kennen das: wir nennen es Biedermeier – oder innere Emigration. Der stille Tod der aktiven Bürgergesellschaft, der absolut freie Bahn für die Lumpenelite bedeutet, die sich ja auch nach Herzenslust austobt. Mehr und mehr Tauschmittel – also: GELD – wird aus dem Wirtschaftskreislauf der Bürger herausgesogen … das Meiste über den Staat – wo es den Handel der Bürger untereinander garantieren sollte und dazu benutzt, die Arbeitskraft der Bürger möglichst effektiv auszunutzen – zu ihrem gesundheitlichen, seelischen und wirtschaftlichem Schaden.

Ein schönes System. Jedenfalls: für die „Winner“. Die Looser … landen bei Hartz IV, in Rente oder auf dem Friedhof.

Dann kam das Internet – und die ersten Warnungen der Elite ließen nicht auf sich warten. Anders als der Normalbürger wussten die natürlich sofort, welche Gefahr da drohte: unkontrollierte Meinungsbildung. Das System, an dem man so fein gefeilt hatte, drohte ein Loch zu bekommen. Und dann: kam Facebook. Vier Studenten hatten es am 4.2.2004 ins Leben gerufen, einer davon war Marc Zuckerberg. Facebook startet als ganz kleine Intiative von Nonames – aber traf auf großen Wiederhall bei der Menschheit. 1,44 Milliarden Menschen stehen dort miteinander in Kontakt – einigen die sich auf einen Weg, den die Welt in Zukunft gehen sollte, sind die Sonderinteressen der Lumpenelite in Gefahr.

„Cocooning“ entspricht halt nicht der Natur des Menschen. Er ist ein soziales Wesen, das Gemeinschaft sucht und braucht, als Eremit in Luxustempeln (auch: moderne Einfamilienhauswohnkultur genannt) fehlt ihm was – auch wenn er so optimal zu kontrollieren ist. Dabei hatte man soviel aufgewendet, ihn auf seiner Couch zu halten (siehe Antimedien):

Der amerikanische Medizinerverband American Medical Association hat geschätzt, dass ein Kind bis zum Abschluss der Grundschule bereits mehr als 8.000 Morde und mehr als 100.000 Gewalttaten im Fernsehen gesehen hat. Jugendliche, die in Haushalten mit Kabelanschluss und Videorekorder aufwachsen, haben bis zu ihrem 18. Lebensjahr 32.000 Morde und 40.000 versuchte Morde gesehen. Für Deutschland hat sich Helmut Lukesch mit seinen Mitarbeitern um das Thema Gewalt im Fernsehen gekümmert. Dabei untersuchte er zwischen dem 18. März und dem 5. April des Jahres 2002 insgesamt 438,2 Stunden Fern-sehprogramm. Sein Ergebnis: In 78,8 % aller Sendungen kommt Gewalt vor. Noch zu Beginn der 90er Jahre lag dieser Wert bei knapp 48 %. In jeder Stunde Fernsehprogramm werden im Durch-schnitt 4,12 schwerste Gewalttaten (z.B. Morde) und 5,11 schwere Gewalttaten (z.B. Schlägereien) gezeigt.

Ja – die Flut von Krimis hat Folgen – auch wenn man nur zuschaut (siehe arbeitsblaetter.stangl-taller)

„Es zeigte sich, dass innerhalb des Zeitraums von zwei Jahren in der Gemeinde mit eingeführtem Fernsehen das Aggressionsniveau zunahm: Die verbale Aggressivität verdoppelte sich, und die körperliche Aggressivität war nahezu verdreifacht – ein hochsignifikantes Ergebnis. Dies betraf sowohl Jungen als auch Mädchen in allen untersuchten Altersklassen. Man fand weiterhin einen Zusammenhang zwischen der Zeit, die die Kinder und Jugendlichen vor dem Fernseher zubrachten, und der Gewaltbereitschaft.“

Der „Erziehungsauftrag“, den Medien sich selbst gerne geben, erreicht hier ganz seltsame Dimensionen – ohne dass sich die Medien groß drüber aufregen. Kein Wunder: bleiben alle zu Hause, läuft das Geschäft ja rund – jedenfalls für die, die einen Platz an den Fleischtöpfen der Konzernwirtschaft zugeteilt bekamen, während die Mehrheit draußen am Grashalm nagt. Nebenbei werden wichtige soziale Fähigkeiten abgebaut: der chronische Gewaltkonsum läßt das Mitleid – einen zentralen, ja: DEN zentralen sozialen Wert – völlig erlöschen (siehe fernuni.hagen): eine wichtige Voraussetzung für die Durchsetzung von Hartz IV.

Man darf ruhig davon ausgehen, dass der Zustand der sozialen Deprivation gewollt war: immerhin fällt Fernsehprogramm nicht vom Himmel, sondern wird „gemacht“ – mit Absicht, Ziel und Plan. Neben der bösen Außenwelt, in der der Mörder droht, gibt es natürlich auch die heile Innenwelt, die präsentiert wird: der gute Jauch verschenkt im Auftrag von RTL Geld an ausgewählte Bürger, die brav Männchen machen – also sinn- und zwecklos angehäuftes Einzelwissen spontan abrufbar parat haben, der gute Bohlen hilft jungen Sängern dazu, Supertalente zu werden, andere züchten bildhübsche Modells, der Gottschalk läßt sich  vom braven Bürger mit tollen Tricks verblüffen – schon mal überlegt, warum solche Moderatoren zu Millionären gemacht werden, während Deutschlands Schauspieler von Hartz IV leben müssen – so wie auch Deutschlands angestellte Lehrer in den Ferien oder Deutschlands Juristen nach Abschluss ihrer Staatsexamen?

Hier wäre übrigens auch mal der Begriff „Lügenpresse“ richtig gewählt (aber in ganz anderem Zusammenhang): in Deutschland ist die Zahl der Morde deutliche rückläufig. 497 waren es noch im Jahre 2000, 2014 nur noch 298 (siehe Statista). Diese Morde hätte die deutsche Krimiszene spätestens nach einer Wocher abgearbeitet, 51 weitere Wochen wären für schöne heile Welt da – wenn es die denn gäbe. Die virtuelle Wirklichkeit, die uns in den Sessel presst, spiegelt die friedliche Wirklichkeit noch nicht mal im Ansatz wieder.

Und dann: kommt Marc Zuckerberg mit einer einfachen Idee – die überwältigende Folgen hat. Ja – was man nicht vergessen darf: der Erfolg von Facebook ist nicht der Erfolg des Marc Zuckerberg, er ist der Erfolg der Nutzer – wie auch bei Amazon und E-Bay. Die Menschen treten heraus aus der Deprivation – und stürzen sich ins dörfliche Leben: auch dort weiß jeder alles über jeden. Aber dort: ist man auch wer. Eine Person, ein echter, lebendiger Mensch mit Ecken und Kanten, Sorgen und Nöten, Gefühlen und Meinungen. Man hat einen Platz, so wie man ist – und nicht, weil man alle Gebote der Werbeindustrie möglichst perfekt erfüllt. Anstatt dass die Menschen den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen und sie Meinungen des „Experten“ studieren, reden sie wieder miteinander – statt übereinander. Nur: da es Konzern wurde und nicht Staat war, was das organisiert hatte (also: die Gemeinschaft der Bürger), wurde hier wieder private Macht geschaffen. Da muss man mal wieder beten, dass das nicht missbraucht wird.

Natürlich sind es gerade auch die „Experten“, die hier Sturm laufen: ihre arbeitslosen Kollegen haben hier die Möglichkeit, ihre geisteswissenschaftlichen Qualitäten zu kostenlosen Beraterzwecken preis zu geben – jeder hat auf einmal in Sekundenbruchteilen die Möglichkeit, hundert Menschen zu fragen, ob ihm die blaue oder die gelbe Krawatte besser steht – oder ob sie sich endgültig von ihrem Mann trennen soll, ohne dass man für seinen Rat Gebühren bekommt. Und alles sonst stille Leid kann schnell eine ungeahnte Öffentlichkeit bekommen, die man – zur Auszüchtung von Mitleid – lieber nicht gehabt hätte.

Natürlich gilt das insgesamt fürs ganze „Internet“ – nur: bei Facebook wird es sehr persönlich, weil hier 1,4 Milliarden Menschen in Kontakt stehen, ständig neue, unkontrollierte Verbindungen eingehen, Lügen entlarven und – gelegentlich – sogar mal der Wissenschaft helfen (siehe Spiegel):

„Sechs Monate lang versuchte die israelische Altertumsbehörde, ein mysteriöses Objekt zu identifizieren. Dann startete sie einen Facebook-Aufruf – und das Rätsel war innerhalb von Stunden gelöst.“

Das Potential, das die Menschen bei Facebook entfalten können, ist gewaltig. Es ist global, international, eine perfekte Basis für die planetare Zivilgesellschaft, von der ein Kant nur träumen konnte – sich aber sicher war, dass sie sich am Ende der Zeiten – nach Überwindung aller Widerstände- etablieren würde.

Was hier jedoch droht, ist etwas, dass man schon lang im Griff geglaubt hatte: die Selbstorganisation der Menschheit hat wieder eine reale, dörfliche Grundlage. Es ist ja der Grund für alle „Regierung“ und „Expertentum“, dass wir uns angeblich nicht selbst organisieren können – so, wie wir es hundertausend Jahre lang zuvor gemacht haben. Wir brauchen Könige, Fürsten, Priester, Chefs – sonst sind wir zu blöde um auf zwei Beinen zu stehen. Entscheiden Sie selbst, mit wem sie nach dem Absturz ihres Urlaubsfliegers auf eine einsame Insel neu starten wollen: mit einer Ladung von Königen, Priestern, Fürsten und Chefs (oder Fernsehmoderatoren) – oder ihren Facebookfreunden, unter denen höchstwahrscheinlich auch Menschen sind, die es noch gewöhnt sind, echte Arbeit zu tun – und nicht nur anderen vorzuschreiben, wann die wie und wo zu machen ist.

Und was ist mit den Warnungen vor „Facebook“? Nun – wir könnten es dabei belassen, zu sagen: die kommen halt von „Experten“, die wissen, dass ihnen gerade das Wasser abgegraben wird – von der selbstorganisierenden sozialen Zivilgesellschaft. Das bringt nun mal Elitegehälter in Gefahr – bzw. könnte sie auf Normalmaß zurückschrauben. Wir müssen aber nur genau hinschauen, dann wissen wir, was es mit den Warnungen auf sich hat, hier vor allen Dingen Jugendliche betreffend (siehe Frankfurter Rundschau):

„Viele versuchen, über die virtuellen Kontakte all das zu bekommen, was man nur in der risikoreichen Welt da draußen bekommen kann.“

Und wieso ist die Welt da draußen risikoreich? Weil die Jugendlichen durch Fernsehen roher und aggressiver werden – dank der Erziehung durch Medien. Darum bleiben die friedlichen lieber zu Hause – und nehmen die sichereren Wege … bis  man dann merkt, dass eigentlich Milliarden normaler, im Prinzip lebensfroher Menschen nur einer kleinen Clique von Psychopathen gegenüber stehen.

Diese Gefahr – und die überwältigenden Möglichkeiten, die sich für die reine, nicht zweckgebundene Wissenschaft daraus ergeben, werden schon heute gesehen (siehe: Zeitgeschichte-online)

„Die Kommunikation in den Sozialen Netzen geschieht – und das macht es für die traditionelle Wissenschaft teilweise schwierig – in einem eher lockeren Ton und auf Augenhöhe, wie es so schön heißt. Eines der Heilsversprechen der sozialen Medien liegt im einfachen Zugang dazu und im Abbau von Hierarchien: Es ist möglich, wissenschaftliche Diskussionen selbst offen anzustoßen oder daran teilzunehmen, was zu einer begrüßenswerten Pluralisierung der Diskurse führt.“

Abbau von Hierarchien … wen könnte das wohl stören?

 

 

 

 

 

Hartz IV: verdeckte Jobcentermitarbeiter im Rufmordeinsatz? Scheint so.

Digital StillCamera

Freitag, 5.2.2106. Eifel. Zuersteinmal: ein herzliches Dankeschön von mir. Warum? Wir hatten einen Artikel über einen aktuen Notfall veröffentlicht (http://www.nachrichtenspiegel.de/2016/02/03/hartz-iv-die-leise-hinrichtung-der-kikki-w-und-der-applaus-der-masse/). Mal wieder stand ein Mensch vor dem Hungertod, weil gut bezahlte Mitarbeiter der Jobcenter ihre Arbeit nicht machen … und es ist in der Tat eine Summe zusammengekommen, die der Kikki W. Geiß eine Zeit lang das Leben retten wird. Ja – genau darum ging es: ein Leben zu retten. Es freut mich sehr, dass wir hier Leser haben, die noch genug Menschlichkeit haben, um Widerstand gegen den herrschenden Zeitgeist zu leisten – und wie so oft waren sehr viele dabei, die selbst kaum Geld haben. Hier zeigt sich wahrer Menschenadel – solchen Menschen hat man in früheren Zeiten die Führung des Stammes anvertraut – heute werden sie wegen begrenzter Funktionalität aussortiert. Man will den funktionierenden Menschen, jenen Menschen, der blindlings Befehle ausführt: eine Haltung die früher schon zum Erfolg führte und Gaskammern befüllte. Heute gilt es darum, ein System, ein Machtkartell, eine Kaste zu erhalten, die den gesamten Planeten vernichtet: ab 2050 wird mehr Plastik im Meer sein, als es Fische enthält (siehe Zeit).

Wir durften auch den Applaus der Masse zur Hinrichtung kennenlernen: unglaublich, wie viele Menschen aufliefen und Frau Geiß den Hungertod wünschten. Ich habe lernen müssen, dass Facebook eine Löschfunktion hat – und eine Blockierfunktion. Der Hass, der Frau Geiß dort entgegenschlug, war ungeheuerlich.

Einen jedoch habe ich nicht gelöscht. Er nannte sich „Manolo Schwarz“, kein Foto, keine Einträge, ist Bayern München-Fan. Aber: er war sofort zur Stelle, als der Artikel im Facebookauftritt des Nachrichtenspiegels erschien. Ich möchte Ihnen das nicht vorenthalten:

Bereits in Aachen hat Frau Geiß 5 Jahre lang in einem zu teuren Haus gelebt. Sie hätte also wissen können, dass man als Leistungsempfänger bei Anmietung einer Wohnung oder eines Hauses die Angemessenheitsgrenzen hinsichtlich KdU beachten muss.

Wissen Sie, was mich stutzig machte? Die Sprache. Wer redet so? „KdU“ – so reden Jobcentermitarbeiter. Das sind „Kosten der Unterkunft“. „Angemessenheitsgrenzen“ – welcher normale Mensch führt solche Worte im Mund?  Das Haus war auch gar nicht zu teuer – das hatte ein Gericht beschieden. Der Hintergrund war einfach: Frau Geiß hatte ein Haus gemietet und durch Untervermietung die Kosten soweit gesenkt, dass eigentlich nichts mehr zu beanstanden wäre.

Unser Artikel erschien am 3.2. gegen 10 Uhr morgens, „Manolo Schwarz“ trat um 14.46 auf den Plan und servierte uns auf Nachfrage sämtliche Urteile, die den Fall betrafen (siehe Bundessozialgericht). Gelesen hat er die Urteile allerdings nicht, denn sonst wäre ihm ein Satz aufgefallen:

„Untervermietungen von Teilen der angemieteten Unterkunft sind als Kostensenkungsmaßnahmen bei der Bedarfsberechnung der Kosten der Unterkunft zu berücksichtigen. Zahlungen daraus stellen regelmäßig kein Einkommen iS von § 11 SGB II dar.“

Ergo: das Haus war gar nicht zu groß. Das Bundessozialgericht hält solche Mietkonstrukte für real – und erteilt dem Landessozialgericht eine Rüge. Doch das hält „Manolo“ nicht von weiteren Behauptungen ab:

„Leider hat Frau Geiß die Sache nach der Zurückverweisung an das LSG NRW nicht weiterverfolgt.“

Auch hier hat er sofort Urteile parat (siehe Sozialgerichtsbarkeit). Hier scheint sich jemand der perfekt Behördendeutsch spricht sehr intensiv mit Frau Geiß auseinandersetzt zu haben. Leider irrt er auch hier: das Verfahren läuft noch, ein Termin stand an. Die Gerichte wussten das, dass Jobcenter jedoch nicht.

„Frau Geiß ist ohne Abmeldung beim JC Aachen nach Weener geflüchtet. Für 01-02/15 hat sie deshalb noch Leistungen vom alten JC bekommen. Nicht alles glauben, was Frau Geiß erzählt.“

Er weiß sogar, wo sie wohnt. Jetzt wurde ich doppelt stutzig: das wusste noch nicht mal ich. Auch das war übrigens gelogen: eine Bestätigung der Abmeldung der Frau Geiß vom Jobcenter liegt uns als Kopie vor. Hierzu wusste „Manolo Schwarz“ jedoch ebenfalls mehr:

„So eine Abmeldung schreib ich dir in einer Minute. Wenn jemand aus dem Einzugsbereich eines Jobcenter wegzieht und sich nachweislich abmeldet, dann stellt das JC die Leistung sofort ein und zahlt nicht noch 2 Monate weiter. Das JC Aachen hatte keine Kenntnis von ihrem Wegzug. Erst durch den Antrag am 26.01.15 in Leer erfuhr das JC Aachen davon.“

Was er nicht wusste: wir hatten die Kopie des Bescheides des Jobcenters Aachen. Der Vorwurf einer gefälschten Abmeldung läuft somit ins Leere. Wer aber kann außerhalb des Jobcenters wissen, dass das Jobcenter Aachen durch den Antrag am 26.1.2015 von dem Wegzug erfuhr? Doch nur der, der den Antrag entgegengenommen hat. Oder irre ich da? Werden Anträge auf Hartz IV jetzt regelmäßig im Gemeindeblatt veröffentlicht?

Wir wiesen auf den Antrag hin, der uns vorlag. Das Datum dieser Bestätigung des JC Aachen jedoch – teilten wir nicht mit. Prompt kam die Antwort:

„Da siehst mal, wie diese Frau manipuliert. Rückwirkend gab es natürlich eine Aufhebung ab dem 01.01.15. Und zwischen Leer und Aachen wurde intern verrechnet.“

Wer weiß eigentlich alles darüber Bescheid, was wann wo zwischen Jobcentern verrechnet wird? Nun – Frau Geiß schaltete sich selbst in die Diskussion ein und bekam folgende Antwort:

„Sie sind Weihnachten 2014 überstürzt nach Leer geflüchtet, das JC Aachen haben sie darüber nicht rechtzeitig informiert. Wie sonst ist die Überzahlung und die spätere Überweisung an das JC Aachen entstanden?“

Nun – Frau Geiß ist nicht geflüchtet. Sie ist der Einladung einer Tierschützerin gefolgt, die zum Wohl der Tiere den Hof mit anmieten wollte. Aus dieser mündlichen Verpflichtung hat sich die gute Frau nach einem Monat verabschiedet – so entstand die Notsituation. Wieder einmal: Behördensprache … „Überzahlung“. Wer kann eigentlich davon wissen – außer ein Jobcentermitarbeiter in Leer? Nun – er hat auch mehr Vorwürfe auch Lager – hier ganz Sozialpolizist:

„Ihr Plan mit Leer war geschickt eingefädelt, hat leider nur nicht funktioniert. Nicht abmelden beim Umzug, dann läuft die Leistung erst mal weiter, im Monat Januar in Leer keine Leistung beantragen, angeblich hatten sie genau in diesem Monat ihr erstes Einkommen seit 2009. (oder waren es die erbettelten Spenden?) Im Februar einen Neuantrag stellen und dann für 6 Monate die Übernahme der vollen KdU erwarten.“

Nun – im Monat Januar liefen ja auch noch die Zahlungen von Aachen. Und durch die angekündigte Mietübernahme des Partners war ja auch alles bezahlbar. Wo ist das Problem? Was jedoch hier nebenbei geschieht: es wird der Eindruck vermittelt, man hätte es mit einer ausgebufften Verbrecherin zu tun. In Deutschland gilt jedoch die Unschuldsvermutung. Nun ja – wir sprachen dann auch über den neuen Termin beim Landessozialgericht – und hier war Manolo Schwarz wieder interessiert:

„Wann genau ist der Termin beim LSG Essen? Ich geb auch einen Kaffee aus.“

Sehr freundlich. Frau Geiß wehrt sich gegen den Betrugsverdacht – da ändert sich der Ton von „Manolo Schwarz“.

„Aber aber liebe Wenke, niemals nicht würde ich Dir Betrug unterstellen.“

So erfuhr ich und der Rest der Welt, dass das „W.“ in „Kikki W. Geiß“ „Wenke“ heist. Wer meint, dass ein „Plan“ „geschickt eingefädelt“ war – unterstellt schon Betrug. Außerdem manipuliert sie, fälscht Abmeldungen, wohnt in zu teuren Häusern.

Wie war das eigentlich … mit Facebook und diesen Jobcentern (siehe Stern)?

Jobcenter würden ihren Arbeitslosen und Leistungsempfängern manchmal gerne auf Facebook und Co. nachspüren – dürfen dies im Allgemeinen aber nicht. Behörden-Mitarbeiter dürften soziale Netzwerke nicht zur „gezielten Recherche“ nutzen, sagte der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, der „Bild“-Zeitung. Er reagierte damit nach eigenen Angaben auf Anfragen verschiedener Jobcenter, die Facebook zur Überprüfung der Angaben von Hartz-IV-Beziehern nutzen wollten.

Andere Meldungen sprechen sogar von einer „heftigen Abfuhr“, die sich die schnüffelsüchtigen Jobcenter vom Datenschützer geholt haben (siehe t-online).

Nun – leider interessieren sich nicht alle Jobcentermitarbeiter für die Gesetze dieses Staates, der für ihren Lebensunterhalt sorgt. Das erfuhren wir erst letztes Jahr (siehe Netzpolitik)

„Mitarbeiter von Jobcentern spionieren ihre Klienten im Internet aus,   indem sie ihnen in sozialen Netzwerken hinterher recherchieren. Damit wollen sie herausfinden, ob ein Hartz4-Betrug vorliegt. Dass diese Praxis die Privatsphäre der Betroffenen verletzt, wird ignoriert, obwohl die Praxis von den Bundesagentur für Arbeit – im Gegensatz zu den kommunal getragenen Jobcentern – verhindert wird, indem soziale Netzwerke auf deren Rechnern gesperrt sind – auch um solcher Praxis entgegenzuwirken.“

Natürlich muss ein Jobcenter die Gemeinschaft vor Betrug schützen – nur gab es den hier nicht. Es wird unterstellt, dass Frau Geiß in betrügerische Absicht ihre Notlage selbst herbeigeführt hat – und deshalb jetzt dem Hungertod ausgeliefert werden soll. Die Strategie hat sie jetzt in eine äußerst verzweifelte Situation gebracht, die Hetze von „Manolo Schwarz“ ein Dutzend anderer „privater Sozialpolizisten“ auf den Plan gerufen, die nichts weniger forderten als die Einstellung der Spendenaktion für Frau Geiß. Nur: das war nicht in erster Linie ein Artikel, der als Spendenaufruf gemeint war – er ist nur einer von vielen, die zeigen, was wieder möglich ist in diesem Land.

Die Bundesagentur für Arbeit untersagt in der Tat solche Schnüffelei … aber es gibt eine Ausnahme: die „kommunal getragenen Jobcenter“, die sogenannten „Optionskommunen“. Schauen wir doch mal beim zuständigen Amt vorbei (Zfa-Leer):

„Wir als Landkreis Leer sind eine von 106 Optionskommunen in Deutschland, die alleinverantwortlich zuständig sind für die Beratung, Vermittlung und Betreuung von leistungsberechtigten, arbeitsuchenden Menschen.“

Sind „wir als Landkreis Leer“ auch eine Kommune, die Mitarbeiter mit „Fake-Accounts“ ausschickt, um gezielt Rufmord zu begehen? Rufmord?

Ja – schauen wir mal beim Gesetzgeber vorbei (siehe: Gesetze im Internet)

„Strafgesetzbuch (StGB)
§ 186 Üble Nachrede“

„Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Schlimmer wird es noch, wenn man selber weiß, dass man da einen Fehler macht:

„Strafgesetzbuch (StGB)
§ 187 Verleumdung

Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Ja – wer würde Frau Geiß nach dieser Hetzjagd von Manolo Schwarz und einer Bande von „Opfern“ der Frau Geiß jetzt noch einen Kredit geben? Ja – Frau Geiß hat schon früher um Spenden gebeten. Man kann das auch betteln nennen. Sie kümmert sich um Tiere, die keiner will, will einen Gnadenhof errichten – für den sie jetzt schon Platz genug hat. Nur: das Mobbing des direkten sozialen Umfeldes wird es ihr nicht erlauben, dort eine Existenz aufzubauen – die „Propaganda“ des Herrn Schwarz in der kleinen Gemeinde trägt schon lange Früchte.

Welche Dimensionen das noch annehmen wird?

Lauschen wir Frau Geiß selbst (siehe FB-Auftritt: Fünf Euro für dieses Leben):

„Das Sozialamt Weener erklärt, ich solle erstmal obdachlos werden, dann findet man schnell eine neue Wohnung , denn der Wohnungsmarkt ist entspannt.“

Ja – das sind aktuell genau zwei entpannte Wohnungen. Eine davon für 690 Euro Kaltmiete bei 70 m2. Entprechende Dokumente zu dem Verlangen, erstmal obdachlos zu werden, findet man öffentlich auf dem FB-Auftritt der Frau Geiß. Wie groß werden wohl die Chancen sein, wenn die Bürger aus Weener die Kommentare von „Manolo Schwarz“ lesen? Oder die der ihm nachfolgenden Hetzer mit Mopsbild?

Nun – auch auf meinem Autorenprofil bei FB setzt Manolo Schwarz … angeblich aus „München“ … nach:

„Eifelphilosoph, machen dich die zahlreichen Reaktionen auf deinen Artikel nicht ein wenig nachdenklich? Was sollten so viele Menschen gegen Frau Geiß haben? Da sind viele dabei, die Frau Geiß früher mal unterstützt haben. Bitte hör dir beide Seiten an.“

Nun – das habe ich getan. Es ist zwar völlig egal, was Frau Geiß alles zuvor in ihrem Leben getan hat – es sei denn, wir wollen einen willkürlichen Mob als Volksgerichtshof einsetzen, der über Leben und Tod entscheidet – aber ich bin sämtlichen Vorwürfen nachgegangen. Ja – man kann mit Frau Geiß telefonieren, da ist nichts geheim. Sie ist äußerst transparent – was die Flut von Aufnahmen auf ihrem Profil ja auch nahelegt. Doch was meint Herr Schwarz dazu:

„Fünf Stunden mit Frau Geiß telefoniert, Mann, dich hat es aber ganz schön erwischt, ich kann dich verstehen, die Stimme ist nett. Aber bitte nicht hinterher auch noch ins Jammern verfallen.“

Ja – ich hatte viele Fragen. Und einen Menschen kennengelernt, der noch viel mehr Geschichten hat … aus ganz anderen Themenbereichen. Frau Geiß kam nicht mit Hartz IV zur Welt – und war lange Zeit eine emsige und großzügige Steuerzahlerin – bis zu einem Umfall.

Woher kennt er eigentlich ihre Stimme? Nun – er gibt vor, sie lange zu kennen:

Seit 2012? Ich kenne sie seit 2009, schon damals hatte sich die ganze Welt gegen die arme Frau verschworen.“

Nun – man kann ja vieles behaupten. Andererseits … gibt es ja Akten beim Jobcenter: Frau Geiß bezieht Leistungen seit dem Mai 2009. Da Herr „Manolo Schwarz“ von Aachen als dem „alten“ Jobcenter spricht, Details über die Interna der Jobcenter Aachen und vor allem Leer kannte (zum Beispiel das Datum des Erstantrages in Leer, der korrekt nach Ablauf des Bewilligunszeitraumes in Aachen gestellt wurde), wird er wohl von dort stammen – oder?

Urteilen Sie selbst.

Er hat sich auch zu dem Hunger der Frau Geiß geäußert:

„Gibt es Belege für den Hunger?“

Wir werden bei Gelegenheit die Sterbeanzeige nachreichen.

 

 

 

 

 

Gleichschaltung der Medien und Manipulation des fernsehenden Kleinbürgers – natürlich nur zu Weihnachten und daher kein Grund zur Sorge!

Beim Durchzappen durchs abendliche Fernsehprogramm ist dem US Moderator Conan O`Brien etwas faul vorgekommen. Die Nachrichtensprecher verschiedenster Rundfunkstationen verwendeten allesamt exakt den gleichen – und zwar wirklich buchstäblich gleichen! – Ansagetext.

Conan hat daher nachrecherchiert und eine Kompilation der besagten Ansage von ca. 30 kreuzverschiedenen TV-Sendern zusammengestellt. Man höre und staune:

(Fotoquelle Titelbild/Conan O’Brien: Carlos Gomez, Flickr CC BY SA 3.0 Quellenlink: https://flic.kr/p/QcAL)

Wenn es also schon für so banale Anlässe wie dem Weihnachtsgeschäft möglich ist, die Medien quer durch die Bank gleichzuschalten bzw. den Journalisten wortwörtlich  vorzuschreiben, was sie zu sagen haben, dann darf man mutmaßen, in welcher Weise staatliche und wirtschaftliche Mächte von dieser umfassenden Durchgriffsmöglichkeit Gebrauch machen, wenn es um wirklich wichtige bzw. zukunftsrelevante Themen geht.

War es doch schon immer die feste Überzeugung dieser Mächte, dass man die wirklich wichtigen Themen nicht einfach der freien Meinungsbildung des gemeinen Kleinbürgers überlassen kann. Sonst käme der gemeine Kleinbürger ja womöglich auf abwegige Gedanken und ein Fortsetzen der Reise unseres hochprofitablen Eilzuges Richtung Grand Canyon wäre in Frage gestellt.

Wenn es also um wirklich wichtige bzw. dollarschwere Fragen geht wie etwa Militärinterventionen in Irak, Afghanistan, Syrien, Somalia & Co., um den Ukraine/Russlandkonflikt, um Atomraketenstationierung, Drohnenbefriedung, US- und NATO-Strategien, um die Markteinführung von Hochrisiko-/Hochprofittechnologien wie Atomkraft, Fracking, Gen-, Bio- und Nanotechnologie, um Industrie 4.0 und die Digitalisierung all unserer Lebensbereiche, um TTIP/TISA/CETA, die Geschäfte der Waffen-, Pharma- und Impfindustrie, um Finanzkonzerne, Geheimdienste, Bürgerüberwachung und Grundrechtsabbau – soll man da etwa dem gemeinen Kleinbürger erlauben, dass er sich eine wirklich profunde Meinung bildet? Wo kämen wir denn da hin? Unsere westlichen Werte (siehe kurze Liste der westlichen Werte) bekämen womöglich keine ausreichende Unterstützung mehr.

Nein, um Gottes Willen. Da MACHEN wir lieber zuvor Meinung, dann kann man sich auch getrost zurücklehnen und demokratisch abstimmen lassen. „Manufacturing consent“ nennt man dieses Meinungsmachen schmunzelnd und ganz selbstverständlich in akademischen Fachkreisen.

Aber wer es im gemeinen Kleinbürgermilieu wagt, diese Machenschaften anzusprechen, der ist „Verschwörungstheoretiker“ und wird aus der akademischen Riege umgehend suspendiert oder „nicht verlängert“, so wie z.B. der Friedensforscher Dr. Daniele Ganser von der ETH Zürich, nachdem er sich geweigert hatte, herrschende Lehrmeinungen nachzuplappern und aufforderte, lieber selbst nachzudenken. Oder der Sänger Xavier Naidoo, der doch tatsächlich öffentlich geäußert hat, dass die frei fernsehenden Hartzbürger in Deutschland gar nicht wirklich frei seien – was für eine abwegige Ansicht! Zum Glück hat man noch rechtzeitig bemerkt, dass dieser Mann nicht politisch-korrekt ist, sonst hätte er anlässlich des internationalen Songcontests womöglich noch ähnliche Worte vom Stapel gelassen und damit bei Millionen Menschen ein Hinterfragen unserer Systemdoktrin: des nihilistischen Mammonismus ins Rollen gebracht.

Im Gegenzug zum Abservieren kritischer Denker werden etablierte Denkpanzer-Generäle und hippe Influenzer aufs Podest gehoben, um in Gesellschaft, Wissenschaft und Pädagogik den politisch korrekten Text anzusagen, den dann die Radio- /Fernsehmoderatoren und die Journalisten der Wahrheitspresse nachplappern und nachäffen dürfen.

Diese Woche wurde etwa Hans-Werner Sinn zum „Hochschullehrer des Jahres“ gewählt – derjenige scharf rechnende Mann mit dem scharfen Knebelbart, der streng wissenschaftlich, also unwiderlegbar errechnet hat, dass Deutschland 32 Millionen Migranten sowie eine Senkung der Löhne und eine Abschaffung des Rentenantrittsalters benötige (siehe Zeit, WirtschaftsWoche, FAZ). In der Laudatio über Prof. Dr. Hans Werner Sinn heißt es: „Herr Kollege Sinn ist ein Wissenschaftler, der allein der Rationalität verpflichtet ist und politischen Opportunismus nicht kennt. … Herr Kollege Sinn steht für unparteiliche, wissenschaftliche Expertise. Er ist ein meinungsfreudiger Freigeist und unabhängiger Mahner jenseits des politischen Mainstreams …“ (Quelle: Deutscher Hochschulverband )

Dass man den wissenschaftlichen Meinungsmachern zutraut, dass bei vorgenannten, wirklich wichtigen Themen nicht einfach in plumper Weise überall derselbe Ansagetext durchgeschaltet wird so wie im obigen Video zur Ankurbelung des Weihnachtsgeschäfts, sondern dass man diesbezüglich schon etwas kreativer vorgehen bzw. die Ansagetexte leicht modifizieren kann – wer so etwas unterstellt, nun, der ist wirklich ein dunkler Verschwörungstheoretiker.

Der verdient nichts anderes als der „Ketzer“ im Mittelalter – er gehört medial verbrannt und vorher öffentlich an den digitalen Pranger gestellt, wo ihm von Jutta Ditfurth, der großinquisitorischen Aluhut-Jagdgesellschaft (siehe Der goldene Aluhut) und sonstigen selbsternannten Kotztantinen-Vereinen im Namen von Wissenschaft und Fortschritt mit einer glühenden Zange genüsslich die Eingeweide aus dem Leib genommen werden – unter dem höhnischen Gelächter ihrer neoliberal-aufgeklärten Glaubensbrüder in sämtlichen Leitmedien wie Bild, Spiegel, Stern, Focus & Co. sowie dem gröhlenden Applaus des dauerUNTERhaltenen Fußvolks. Besonders genial macht es der – zufällig zeitgleich gegründete – österreichische Ableger der Goldenen Aluhut-Jagdgesellschaft, die GWUP mit ihrer Preisverleihung „Goldenes Brett vorm Kopf“. Hier wird pro Jahr nicht nur ein einziger Sündenbock wie z.B. Xavier Naidoo aufs Streckbett gespannt, sondern auf einem eigens eingerichteten digitalen Pranger (siehe „Nominierungsliste„) kann jeder Fernsehbürger anonym jeden Mitbürger, den er für verdächtig hält, anprangern und ihm somit einen Google-Eintrag im Spinner-Wiki verpassen. In der langen, unredigierten Liste finden sich neben homöopathischen Ärzten auch Kabarettisten wie Dieter Hallervorden und Roland Düringer mit der Anschuldigung, dass sie Menschen zum kritischen Nachdenken brächten – was natürlich heute ein absolutes NoGo ist.

Auch Vereine und NGOs lassen sich durch den die digitalen Pranger von GWUP & Co. schnell auf Linie bringen, indem man ihnen die glühende Spinner-Zange vors Gesicht hält. So finden sich in der Nominierungsliste auch Greenpeace (wörtliche Begründung: „wegen ihrem prinzipiellen Widerstand gegen Gentechnik“), der Biolebensmittelhändler Alnatura sowie die Ärztekammer und die Techniker-Krankenkassa, weil sie Homöopathie und Alternativmedizin unterstützen. Warum auch Homöopathie&Co. auf der Abschussliste stehen, wird schnell erklärlich, wenn man die Sponsorenliste des digitalen GWUP-Prangers  studiert: Ganz oben dabei ist etwa „The Cochrane Collaboration“, eine 37.000 Mitarbeiter starke und über 130 Ländern ausgebreitete Organisation, die „sich dafür einsetzt, dass Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung besser werden“ und die es als eine ihrer höchsten Prioritäten bezeichnet, dass „wissenschaftliche und laienverständliche„,  also auch fürs bildungsferne Fußvolk mundgerecht aufbereitete „Zusammenfassungen“ wissenschaftlicher Publikationen verbreitet werden. Die Organisation präsentiert sich auf ihrer eigenen Webseite als gemeinnützig und unabhängig von kommerziellen Interessen, die Mitarbeiter werden als „eherenamtlich“ dargestellt. Als ich das gelesen habe, war ich schon ziemlich baff – in einer Zeit, in der kaum noch jemand einen Finger rühren will, wenn er nichts dafür bezahlt bekommt, in der das  Rote Kreuz kaum mehr ehrenamtliche Rettungsfahrer findet so wie früher und in der die meisten gemeinnützigen Vereine um ihre Existenz ringen, da sie kaum noch die Bürokosten und Reisespesen für ihre Mitarbeiter stemmen können – in solch einer knallharten Zeit beschäftigt eine Organisation in 130 Ländern 37.000 hochqualifizierte Mitarbeiter, die auf Hochdampf wissenschaftliche Studienpublikationen analysieren, zu „Reviews“ umschreiben und dann in alle populären Sprachen übersetzen?

Ein paar Absätze weiter erfährt man dann doch, wie sich 37.000 Mitarbeiter in 130 Ländern finanzieren lassen: „Auch eine rein finanzielle Unterstützung der gemeinnützigen Arbeit von Cochrane ist möglich (…) Cochrane ist dankbar für jede finanzielle Spende zur Unterstützung unserer Arbeit. Es gibt eine ‚Cochrane Stiftung‘, der sie Ihre Spenden unkompliziert und steuerlich absetzbar zukommen lassen können (…) mit Kreditkarte oder anderen Zahlungsarten …“ – Aber wer es dann konkret ist, der seine Kreditkarte zückt, um 37.000 Mitarbeiter in 130 Ländern zu finanzieren, da endet das helle Tageslicht und da beginnen dann die Verschwörungstheorien … weshalb wir also lieber die Finger davon lassen. Auf Wikipedia erfährt man immerhin, dass das Cochrane Netzwerk auch „von wissenschaftlichen Fonds unterstützt wird“. Da in wissenschaftlichen Fonds ja bekanntlich die Geldmittel wachsen wie die Pilze im Wald, also einfach so über Nacht aus dem Nichts erscheinen, ist der Finanzierungslegitimation stringent wissenschaftlich genüge getan.

Man redet heute viel darüber, dass man die Geldflüsse zur Förderung terroristischer Aktivität, die die Welt derzeit in Angst und Schrecken versetzt, unterbinden müsse. Die Frage, ob die Finanzierung des Verhetzens von homöopathischen Ärzten, Künstlern und alternativen Denkern und die Institutionalisierung von Schmähpreisen und Diffamierungskampagnen nicht auch eine Art Förderung „terroristischer Aktivität“ ist (wird doch zivilgesellschaftliches und basisdemokratisches Engagement mittels gezielter Anschläge heimtückisch sabotiert und wird die in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte Meinungs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit mit Füßen getreten, ohne dass das den Staatsanwalt auf den Plan ruft), was schon demnächst zu relativ unlustigen, da totalitären Verhältnissen führen kann – diese Frage wird daher gar nicht erst gestellt bzw. wäre dunkle Verschwörungstheorie.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! Und nicht vergessen: Sie haben als streng wissenschaftlich erzogener und durch „laienverständliche Zusammenfassungen“ täglich vor der Glotze upgedateter Bürger die Freiheit und die Wahl. Machen Sie Gebrauch davon. Kaufen Sie „One … or two … or even ten items for yourself“!

Oder machen Sie es lieber wie Sokrates – gehen die durch die prall gefüllten Einkaufsstraßen mit heiterem Lächeln und sagen Sie sich: „Was es alles gibt, was ich nicht brauche!“

***

Und zum Abschluss noch eine vollkommen unwissenschaftliche, aber gleichwohl unentrinnbare Prophezeiung des Parkwaechters fürs kommende Jahr:

Angesichts der neptunisch-verwaschenen Konstellation flächendeckender „wissenschaftlicher“ Meinungsmache in Konjunktion mit sinnstrotzenden Hochschulprofessoren des Jahres und diversen schwarzen Löchern, die uns als plutonische Trabanten umkreisen und für zusätzliche Spannungsquadraturen und Sogwirkungen in der Milchstraße sorgen, wage ich als akadämlich akkreditierter Parkwaechter vorherzusagen, dass sich das Informationsmedium Internet, die einstige Hoffnung von Freiheit und Kommunikation der Nerd-Generation, bald vollends zu dem verwandeln wird, was Regisseur David Schalko schon einmal in Worte gefasst hat: „zur größten Toilettenanlage unserer Gesellschaft“. – Machen Sie daher in der besinnlichen Weihnachtszeit lieber ein paar Waldspaziergänge in der freien Natur – dort bekommen sie bessere Gedanken und Inspirationen als aus der Glotze bzw. aus der Toilette.

Der totalitäre Alltagsfaschismus der Neoliberalen

Digital StillCamera

Donnerstag, 1.Oktober 2015. Eifel. Ich weiß nicht mehr, woher der Satz kommt, dass derjenige, der in der Demokratie schläft in der Diktatur wieder erwacht, aber so könnte es einem heute gehen … besser gesagt: so geht es einem, wenn man mit politischem Geist die gesellschaftliche Gegenwart wahrnimmt. Andere werden da deutlicher (siehe sopos.org):

„Wie konnte es gelingen, dass sich in Europa nach Nationalsozialismus und Stalinismus eine weitere Variante totalitären Denkens etablieren und hegemonial werden konnte?“

Ja – das ist eine sozialistische Seite. Selten geworden, heutzutage. Das Zitat stammt aus einem Text über ein neues Buch „Unterwerfung als Freiheit“ von Patrick Schreiner, welches sich dem Leben im Neoliberalismus zuwendet – jener modernen Ideologie, nein – jener modernen Religion, die totalitär unseren Alltag bestimmt, wie es sich ein Hitler nicht hätte erträumen lassen. Das Tolle daran ist: keiner merkts, bzw. keiner will es merken – und wie auch in jenen unseligen Zeiten des „Dritten Reiches“ alle mitmachten – na, jedenfalls fast alle – und niemand traut sich mehr, gegen das herrschende totalitäre System aufzubegehren … außer ein paar ungehorsame Einzelgänger vielleicht, die sich dank glücklicher Fügung dem Terror entziehen konnten, weil sie keine Angst um ihren Arbeitsplatz haben brauchen.

Ich kenne dieses Buch nun nicht – man kann ja nicht immer alles lesen – denke aber jetzt schon, dass es sich zu lesen lohnt: der Ansatz jedenfalls ist dringend notwendig, um für jedwede Form von Widerstand festen Boden unter den Füßen zu bekommen (siehe theorieblog.attac.de):

„Patrick Schreiner spannt dabei den Bogen von der Ratgeberliteratur über die Esoterik-Bewegung, den Leistungssport, Castingshows und die Pseudo-Glitzerwelt der echten und vermeintlichen Prominenz. Fündig wird er auch in den sozialen Netzwerken und bei der Betrachtung von über Werbung und Medien transportierten Konsum- und Lifestylemustern. In all diesen Bereichen lassen sich nicht nur die Kernelemente neoliberalen Denkens aufdecken, sondern auch die Mechanismen, wie dem Menschen neoliberales Denken eingetrichtert wird. Überall entdeckt Schreiner versteckt oder ganz offen die immergleichen Anforderungen: Sei flexibel! Diszipliniere dich! Handele wie ein Unternehmen! Schau auf dich selbst!“

Erschreckend, wie weit der Einfluss dieses totalitären Systems reicht, oder? Direkt bis in Ihr Wohnzimmer, Ihre Küche, Ihr Schlafzimmer … Ihren Kopf.

Damit wir uns darüber unterhalten können, müssen wir erstmal Begriffe definieren, damit wir nicht aneinander vorbeireden. Ich benutze den Begriff Faschismus in diesem Kontext als Synonym für „Das Böse“. So wird er in den USA gebraucht (siehe die Verwendung seiner Symbolik z.B. in diversen Hollywooddramen – oder die Verwendung diverser abwertender NS-Kampfbegriffe in der US-Politik, die dieses „Böse“ braucht, um sich selbst zu rechtfertigen). Ich möchte ihn nicht – wie mein zitierter Vorredner – mit dem Stalinismus gleichsetzen, der eine idealistische Komponente enthielt, während die Parole des Faschismus gleich zu Beginn alles Glück der Erde durch Ausmerzen allen unwerten Lebens versprach und dieses Versprechen auch in die Tat umsetzte: unterstützt durch die (begeistert?) schweigende Mehrheit des deutschen Volkes.

Es ist natürlich hart, sich der Erkenntnis stellen zu müssen, dass man auf einmal wieder in einer Diktatur lebt, wo wir doch Freiheit überall haben, ja, Freiheit in allem leben dürfen, vor allem dürfen wir alles kaufen was und wo wir wollen (Bonität vorausgesetzt) und können Sex mit jedem haben, wann und wo wir das auch immer wollen (und der Erschließung weiterer sexuellen Konsumobjekte zum hemmungslosen Ausleben seiner niederen Triebe wird mit Hochdruck gearbeitet – wie zum Beispiel in Form von Tierbordellen).

Noch härter wird jedoch die Erkenntnis sein, wo Sie selber Agent und Erfüllungsgehilfe einer neuen faschistischen Religion sind – ohne groß zu merken, was Sie da tun … und wie Sie selbst an Ihrer eigenen Vernichtung aktiv mitarbeiten.

In einem Artikel über die Propaganda neoliberaler Heilslehren in moderner „Hip-hop-Musik“ werden die geforderten Charaktereigenschaften (wenn auch mit unklaren Quellenangaben) deutlich ausformuliert (siehe annotazioni):

Der neoliberale Mensch ist „marktkonform, wettbewerbsfähig, selbstdiszipliniert, anpassungsbereit, flexibel, egoistisch, aktiv und unternehmerisch“ – eine Beschreibung, die nur noch gebildete Menschen (die eine nahezu verschwundene Minderheit darstellen – unabhängig vom „Bildungsgrad“, der selbst nur noch ein anderer Begriff für die Qualität der Vermarktbarkeit ist) als faschistoid verstehen, weil sie sich an Hitlers Beschreibungen des „Neuen Menschen“ erinnern (siehe Deutsche Welle):

Adolf Hitler spricht von der Verweichlichung der Jugend in der Weimarer Republik und formuliert das „neue“ Ideal der Nazis: „flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ so soll die Jugend ab sofort sein.

Der Mensch wird Hund, dienstbares, treu ergebenes, kritik- und geistloses Vieh: ein Ideal, das seltsam anmutet im angeblichen Land der Dichter und Denker, das eine Demokratie sein wollte – und trotzdem eifert eine ganze Nation ihm nach, will gefällig sein, vermarktbar, belastbar wie Leder, flexibel wie ein Windhund, hart wie totes Metall. „Fit for Job“ – so werben die Fitnesscenter, die das Gegenteil der Buddhafigur zum Götzen erklären, „Boddybuilding“ wird bis zum Exzess betrieben – um jenen Gestalten ähnlich zu werden, die in den NS-Kunst idealisiert wurden und auf jedem Werbeplakat für die Wehrmacht oder die SS zu finden waren: der gemanische Siegertyp ist Gesellschaftsideal geworden – wenn ich mit Anglizismen wie „six-pack“ versüßt.

Wie in der NS-Zeit dringt die Propaganda tief in den Alltag der Menschen ein, erst kürzlich erinnerten die „NachDenkSeiten“ an einen der größten Skandale im deutschen Fernsehen: in bekannten „Seifenopern“ wurden gezielt Gesprächspassagen von Unternehmerverbänden eingebaut, um das neue, neoliberale Menschenbild zu befördern (siehe NachDenkSeiten). Wie man dort lesen kann, blieb der Skandal völlig ohne Folgen, die Umerziehung des Menschen zum Hund wird vielerseits begrüßt – vor allem von den Herrchen. Eigentlich ein Verbrechen, Menschen so zu manipulieren, die sich einfach nur zur Entspannung etwas Unterhaltung gönnen wollten – aber wie auch in der NS-Zeit sind Verbrechen der Herrchen nicht weiter schlimm – wie wir aktuell anhand der „VW-Affäre“ wieder einmal bemerken dürfen. In breiter Front verniedlichen die Medien einen beispiellosen kriminellen Akt, in einem Fernsehauftritt war sogar der Vizekanzler zu sehen, der davon sprach, dass „lediglich ein falsches Bauteil eingebaut wurde“. Sicher: Qualitätsarbeit ist von den Selbstdarstellern der Gegenwart nicht mehr zu erwarten, auch Honda (siehe Spiegel), Toyota und Nissan (siehe Spiegel) mussten bis zu 6,5 Millionen Fahrzeuge zurückrufen – bei manchen Airbags bestand sogar Explosionsgefahr. Hier jedoch waren es Versehen – bei VW war es ein krimineller und staatsfeindlicher Akt der systematisierten Täuschung, des großflächigen Betruges und des professionalisierten Gesetzesbruches, Elemente, die die Massenmorde des Hitlerregimes von anderen Massenmorden unterschieden – alles unter der Führung eines Mannes, der erst kürzlich noch als einer der „erfolgreichsten Chefs der Welt“ gefeiert wurde (siehe Handelsblatt).

Viel perverser als die Schleichwerbung sind jedoch die Ratingevents, in denen sich ein ganzes Volk einem „rating“ unterzieht. Gemeint sind jene „Shows“, die seriell zum Zwecke der Unterhaltung Verlierer produzieren: Deutschland sucht den Superstar, Dschungelcamp, Voice of Germany, das Supertalent, Wetten dass, wer wird Millionär, Let´s dance und wie sie alle heißen: Deutschland ist im Ratingfieber der künstlich geschaffenen Pseudowettbewerbe, in denen stetig jeglichem Leben ein Wert beigemessen wird, ein Stellenwert …. der es von „unwertem Leben“ unterscheiden soll. Die „Wettbewerbsfähigkeit“ wird überlebensnotwendig, der Sozialdarwinismus schlicht sich auf geniale Art zurück in das Leben der Menschen – angefangen vom „Guinnes-Buch der Rekorde“ bis hin zum Götzen Fussball.

Ach ja: Fußball. Hier kann sich der kruppstahlharte, windhundschnelle und lederzähe deutsche Mann in einer künstlich eng definierten (und somit eigentlich sinnlosen) Umwelt beweisen und so die Überlegenheit des neoliberalen Menschenbildes demonstrieren, um dann endlich von den Medien als Meinungsbildner wahrgenommen zu werden. Möglich ist das dank enormer Spenden aus Industriekreisen, deren Begrenzung jetzt schon wieder verhindert wurde (siehe Spiegel), weiterhin dürfen „Investoren Fußballklubs mit Geld zuschütten„, um die Rankingorgie deutscher Städte weiter laufen zu lassen. Man weiß sehr genau, warum man dort investiert: Fussball tradiert die Werte des neoliberalen (oder faschistischen) Menschenbildes perfekt, läßt eine Hand voll Sieger zu Millionären werden – und eine absolute Mehrheit zu Müll.

Vergessen wir oft: die „the winner takes all“-Mentalität (zu Deutsch: alles gehört dem Führer) produziert für einen Gewinner neunundneunzig Verlierer – jedenfalls in der echten Welt, in der nicht die begrenzten Laborbedingungen von „König Fußball“ vorherrschen. Die Folgen sind katastrophal: hier liegt der Urgrund für allen Hunger, alle Armut, alle Vertreibung in der Welt – um nur ein paar Elendsfaktoren aufzuzählen, die durch den neuen faschistoiden „Leistungskult“ (der eigentlich ein Räuberkult ist) ins Leben gerufen wurden. Schauen wir uns die Fakten kurz einmal an (siehe ntv):

Zum dritten Mal in Folge ist das weltweite Vermögen im vergangenen Jahr gewachsen. Das globale Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte stieg 2014 laut einer Allianz-Studie um über sieben Prozent auf den Rekordwert von 136 Billionen Euro. „Damit könnten die privaten Haushalte sämtliche Staatsschulden der Welt ungefähr dreimal tilgen“, sagte Allianz-Chef Oliver Bäte.

Wie die Studie zeigt: gerade in Deutschland zementiert sich die Ungleichheit, wir haben wieder eine Gesellschaft, in der die (neoliberale) „Partei“ und ihre „Goldfasane“ vom Leistungswahn des Pöbels richtig absahnen, während für die Hamster im Rad nichts übrig bleibt (siehe dasmädchenimpark):

„Natürlich beeinflusst eine solche Auffassung von Wirtschaft zuallererst unsere Arbeitswelt. Symptomatisch sind die Schwächung der Gewerkschaften, die Flexibilisierung (heißt: Prekarisierung) von Arbeitsverhältnissen und ein flächendeckender Rückgang der Lohnquote: Der Anteil der Einkommen, der an die Arbeitnehmer fließt, wird also immer kleiner. Gleichzeitig werden Sozialausgaben gekürzt. Die zwangsläufige Folge ist die inzwischen wohlbekannte Schere zwischen Arm und Reich, die immer weiter auseinandergeht.“

Wir – die Gemeinschaft der deutschen Bürger, ebenso die Gemeinschaft der europäischen Bürger oder die Gemeinschaft der Weltbürger werden immer ärmer … und leben ein Leben in Angst, welches im Prinzip (und nur im Prinzip, noch nicht in der totalen, endgültigen Ausformung, wo es um die komplette Ausrottung unwerten Lebens geht) dem Leben im Dritten Reich ähnelt: unsere Angst ist die „Angst vor Überflüssigkeit“ – so als hätte es nie zuvor einer Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte, eine französische Revolution oder eine christliche, humanistisch orientierte Religion gegeben (siehe Süddeutsche):

„In unserer Gesellschaft sind wir extrem auf Leistung gepolt, da dürfen Angestellte natürlich niemals durchleuchten lassen, dass sie nicht 180 Prozent Gas geben. Wenn diese Menschen dann auch noch das Damokles-Schwert des drohenden Jobverlusts über sich spüren, dann geben sie schon aus reinem Selbstschutz vor, mehr zu tun, als sie wirklich leisten. Das hat mit Faulheit nichts zu tun, sondern damit, dass Menschen an ihre Grenzen getrieben werden und ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt.“

Spüren Sie schon, wie der Geist der „Vernichtung durch Arbeit“ wieder Realität geworden ist? Merken Sie, wie Sie selbst durch fortlaufende Selbstoptimierung an ihrer eigenen Vernichtung arbeiten? Auch an ihrer physischen? Der Herzinfarkt mit 38 fällt nicht vom Himmel: da wurde vorher intensiv dran „gearbeitet“ – mit Überstunden, Leistungsdruck und Dauerängsten.

Ich könnte Ihnen noch viel erzählen über das faschistoide System des Neoliberalismus, Dinge, die sie verblüffen würden, Dinge, die einen Hitler freuen würden: Auto und Radio waren ihm enorm wichtig, deshalb hat er Volkswagen gegründet (ja: da hat Verbrechen Tradition) und Autobahnen bauen lassen, ebenso begrüßte er den Volksempfänger (siehe Spiegel): sein deutsches Volk wohnte im Eigenheim, fuhr so oft es ging mit dem Auto und hörte Radio … heute müßte man da allerdings eher den Fernseher nennen. Seltsam, wie sehr seine Vorstellung vom Alltagsleben unseren Alltag gestalten – nicht seltsam allerdings, wenn man sich erinnert, dass wir in einem neuen totalitären System leben: ihre Methoden zur „Bespaßung“ (bzw. Ablenkung) der Massen sind halt immer die gleichen. Leider haben wir nicht mehr so viele Dokumente zum Volkskühlschrank oder der Volkswohnung, die das Bild vervollständigen könnten (und auch für uns enorm wichtig sind). Auch bei uns wird „der neue Mensch“ in breiter Front als selbstverständlich in den Medien vorgestellt, beworben und als alternativloser sozialer Standard eingeführt, ohne dass wir das noch groß bemerken.

Uns läuft allerdings langsam die Zeit davon, weshalb wir uns jener neuen Qualität zuwenden müssen, die Sie ganz persönlich betrifft … und die unsere Zeit von der des Dritten Reiches qualitativ unterscheidet: früher war es der SA-Mann auf der Straße, der für „Ordnung“ sorgte (was führende Hip-Hoper heute noch begeistert) …heute haben wir den SA-Mann im Kopf. Ja – auch totalitäre Systeme entwickeln sich weiter, werden schlauer, raffinierte, hinterhältiger (wie VW zum Beispiel). Gemeint es etwas, was sich als fünfte Kolonne des Neoliberalismus von hinten nähert – in einem scheinbar spirituellen Gewande, der „Esoterik“.

Während echte Esoterik (man kann auch sagen: Religion) von den Machthabern weit an den gesellschaftlichen Rand und darüber hinaus verbannt worden ist, feiert die Tradition der „falschen Christen im Westen“ (so Alfred Schütze in seinem Werk „Das Rätsel des Bösen) beständig neue Höhepunkte in Form des „positiven Denkens“ und all seiner Spielarten, die alle das gleiche Thema haben: wer erfolglos ist, wer Probleme hat, wer arm ist, krank, einsam, allein (wobei letztere eigentlich den Dauerzustand des erfolgreichen, ständig auf Wettkampf und Konkurrenz getrimmten egoistischen neoliberalen Charakters) ist selbst schuld an seiner Misere: er denkt einfach falsch. Jeder kann es schaffen, jeder hat das Zeug dazu, wenn er nur die Parolen des Neoliberalismus (die es in verschiedenen Spielarten gibt) wortgetreu nachplappert und in sein Gehirn stanzt. Vorgegaukelt wird uns das – völlig irre und wahnhafte – Bild einer Welt, die nur aus Multimillardären bestehen wird, wenn alle nur positiv genug gedacht haben: endlose Welten mit endlosem Reichtum werden als vorhanden vorausgesetzt, um den Wahn weiter nähren zu können.

Vorbei ist die Zeit, wo man sich als „in die Welt geworfen“ verstehen durfte (Sartre) – in eine Welt, die gefallen war und der Erlösung bedurfte (Christus). Unsere Welt ist perfekt – und wer in ihr nicht zurecht kommt, ist „Waste“ – Müll, selbstverständlich arbeiten Firmen, die diese Volksratings betreiben, eng mit den Geheimdiensten zusammen, um die Herrschaft der Herrchen zu sichern(siehe Zeit).

Will man nun Widerstand leisten, so ist hier zuallererst anzusetzen – doch bei den meisten ist der Kampf schon verloren, wie man anhand des Krieges auf deutschen Autobahnen (die man eigentlich treffender Mörderbahnen nennen müßte – oder Hitlers Triumph) (siehe FAZ), des Bildungsterrors gegen die deutschen Kinder und des Statuswettkampfes in der Vorortsiedlung unschwer erkennen kann: das Auto mit dem höchsten Verletzungspotential und der höchsten Umweltverschmutzung erzielt die besten Verkaufsergebnisse  – akutell gibt es das sogar mit Schutzausrüstung vor Biowaffen (siehe Chip-online).

Dann muss man erkennen, dass man in einem der denkbar schlechtesten politischen Systeme lebt: dem Totalitarismus, den wir heute mal – um seine Gefährlichkeit zu demonstrieren – Faschimus genannt haben (auch zu Recht, wie ich meine). Wenn wir dann verstanden haben, dass wir nicht Götter auf dem Ponyhof sind, sondern Opfer im Gulag, können wir anfangen über die nächsten Schritte zu sprechen – die sicher nicht angenehm und zum Wohlfühlen geeignet sind.

Oder aber wir marschieren weiter im Geichschritt, passen uns überall an, sind jederzeit und überall widerspruchslos einsetzbar, sind … schlimmer dran als die Sklaven im alten Griechenland, die sich zum Zwecke der bestmöglichsten Ausbeutung ihres Lebens nicht noch dauern selbst optimieren mussten – dafür sorgte damals noch der Sklaventreiber.

Im Rahmen der Einsparprogramme machen wir den heute selbst, sind „marktkonform, wettbewerbsfähig, selbstdiszipliniert, anpassungsbereit, flexibel, egoistisch, aktiv und unternehmerisch“ … und tun so, als ob wir niemals altern würden, leben in einem neuen totalitären System und faseln dauernd von Freiheit.

Kündigen Sie in Deutschland einfach mal grundlos ihren Ausbeutungsplatz (ohne auf Vermögen aus früheren Raubzügen zurückgreifen zu können): sie werden sehen, wie „frei“ sie dann sind.

Vogelfrei.

 

 

 

 

Brief eines superreichen Plutokraten an den Pöbel … an SIE

Digital StillCamera

Samstag 1.8.2015. Eifel. Sehr geehrte Damen und Herren, es wird Zeit, dass ich Ihnen mal schreibe. Einer meiner Kollegen hat kürzlich einen offenen Brief an uns alle geschrieben, weil er Mistgabeln am Horizont sah. Dieser offene Brief wurde von vielen von Ihnen gern gelesen, weshalb es Zeit ist, dass Sie mal eine passende Antwort von mir bekommen. Gerne würde ich mich auch persönlich vorstellen, doch glauben Sie mir: mein Name wird Ihnen gar nichts sagen. Wie alle meine Kollegen stehe ich nicht auf der Forbes-Liste, weil sich da sowieso nur billige Möchtegernreiche tummeln: so etwas ist unter unserer Würde. Ich stehe auch nicht im Telefonbuch oder tummle mich auf Bilderbergtreffen oder Weltwirtschaftsgipfeln – der Konzerneigentümer geht doch auch nicht zum Skatabend des mittleren Managements. Eins möchte ich jedoch sagen: wir stehen für altes Geld. Sehr altes Geld – und mehr davon, als sich Bill Gates je träumen lassen würde, obwohl – soviel Respekt muss sein: der hat schon ganz schön viel angeschafft, dass muss man ihm lassen.

Wieviel das insgesamt ist? Nun – wir haben mehr Geld, als es Waren auf der Welt gibt. Wir könnten den ganzen Planeten kaufen, so groß sind unsere Ansprüche laut Kontostand. Soviel Geld macht eigentlich keinen Sinn mehr, weil es an sich seinen Wert verliert – doch was macht das schon? Wir haben dafür gesorgt, dass ohne Geld auf diesem Planeten nichts mehr läuft – deshalb läßt es sich auch nicht abschaffen. Essen, wohnen, heizen, trinken – alles kostet Geld. Sogar Staatsbürgerschaft an sich kostet ein Vermögen – deshalb haben wir auch keine. Ach – das war neu für Sie? Nein – wir sind keine Staatsbürger mehr, wir stellen das oberste Tausendstel der Vermögenspyramide da, wir sind staatenlos – weil wir dann keine Steuern mehr zahlen brauchen. Super, oder? Wir leben auf großen Yachten, mit Pool, Sauna, Speedbootbuchten und Hubschrauberlandeplätzen, wir leben in eigenen Flugzeugen und hunderttausend Nobelhotels, deren Zimmer am Tag doppelt soviel kosten wie ein Arbeitsloser im Monat von uns bekommt.

Von uns? Ja – sagte ich nicht, dass wir die Herren des Geldes sind? Wir machen die Preise – eine angenehme Art, reich zu werden. So wachsen unsere Vermögen fast dreimal so schnell wie das Bruttosozialprodukt der ganzen Welt – Sie können selbst ausrechnen, wann uns de facto der ganze Planet gehört. Natürlich machen wir nichts selbst. Arbeit macht krank, nicht reich – deshalb mögen wir das Pyramidensymbol so gern, schon seit tausenden von Jahren. Oben an der Spitze sind wir, unter uns eine millionenstarke Millionärskaste, die zweihundert Millionen geistlose „Leistungsträger“ steuern, die wiederum den Rest der Welt auf Kurs halten. Geistlos?

„Der klassische Bildungsbürger wird langsam abgelöst durch ein akademisch zertifiziertes, aber intellektuell desinteressiertes Diplom-Proletariat aus Ärzten, Juristen, Lehrern, Bankern und Ingenieuren.“

„In solchen Runden wird nicht mehr deklamiert, propagiert, agitiert, musiziert, rezitiert und aus zu grossen Flaschen zu schlechter Rotwein getrunken.“

„Stattdessen ergeht man sich in der Kommentierung der unmittelbaren Gegenwart: grosse Pfeffermühlen, der perfekte Garzeitpunkt des Fleisches, Herkunft und ideale Röstung von Kaffee, der Preis der Weinflasche, die neueste Sorte Himalajasalz.“ (siehe NZZ)

Vorbei die Zeiten, in denen Bildungsbürger Widerstand planten – deshalb haben wir den Yuppie eingeführt, demonstrativ brave, gehorsame, geistlose blutjunge Knechte mit Millionen überschüttet, deshalb haben wir eigene Bands geschaffen, eigene Musikrichtungen entwickelt und eine Armee von Unternehmensberatern finanziert, die unseren Willen in die Chefetagen der Firmen hineintragen, damit die Mitarbeiter die neuen Werte in die Familien bringen – flankiert vom Diplom-Proletariat, das wir nach den Studentenunruhen schnellstens auf Kurs gebracht haben – in dem wir aus jungen Studenten reiche Berater mit Ferrari machten, während der Professor noch einen alten VW-Bus fuhr. Nicht Leistung sondern Gehorsam unserer Kultur gegenüber, der Kultur des Mammonismus sind bis heute ausschlaggebend für führende Posten in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, dafür haben wir gesorgt – durch einen ganz einfachen Trick: wir geben den Spitzen ein paar Millionen, sorgen dafür, dass sie sich für die Größten halten … und wir können in Ruhe unseren Geschäften nachgehen.

Kennen Sie das Pyramidensymbol auf dem alten US-Dollar? Ein Auge an der Spitze der Pyramide: das sind wir. Nur wir und unsere Spitzenkräfte sehen, dass wir das alte Pharaonenreich wieder errichten – mit uns als allsehende Gottkönige an der Spitze, als die einzige, die wissen, wie das Spiel läuft. Die anderen …. dürfen mit ihrer Lebenskraft an der Pyramide bauen und werden von ihrem puren Gewicht zerquetscht: je weiter unten sie sind, umso mehr haben sie zu tragen.

War das alles?

Nein. Wir haben noch viel mehr getan. Anders als Sie sind wir nicht blöd – wir können uns die klügsten Menschen der Welt einfach kaufen, wir brauchen noch nicht mal selber zu denken. So haben wir dafür gesorgt, dass Sie sich hervorragend informiert fühlen, dabei bekommen Sie nur in schneller Reihenfolge Informationshäppchen geliefert, die Sie ohne Hintergrundwissen gar nicht mehr zu einem Gesamtbild zusammenfügen können – und noch bevor Sie auch nur Luft holen können, bekommen sie schon die nächste Informationsdusche. Sie bräuchten schon lange den Beruf des Nachrichtenlotsen, der den ganzen Tag alle Kanäle kontrolliert, um die Puzzelteile zusammen zu fügen – doch den Job gibt es nicht bei Ihnen. Stattdessen haben wir Ihnen acht Millionen Aufseher verpasst, die genau darauf achten, was und wie Sie essen, was und wie Sie trinken, worüber Sie sich amüsieren und das Sie das auch oft genug am Tag tun. Aufseher? Haben Sie noch nie gehört, oder? Was meinen Sie, warum wir aus ungebildeten Schnöseln mit viel Geld beliebte Moderatoren machen – oder beliebte Fußballstars, die wir nach dem gezielten Aufbau mit Geld zu Führerpersönlichkeiten für den kleinen Mann machen und sie regelmäßig auch zu politischen Themen befragen um so IHRE Meinung zu bilden?

So kommt es, dass sechzig Prozent der Deutschen – immerhin 48 Millionen Menschen – nicht mehr an die Demokratie im Lande glauben, keinen Krieg mit Russland oder für unseren Reichtum vorteilhafte Handelsabkommen wollen, keine Bombadierungen im Ausland oder die Vernichtung des Sozialstaates begrüßen … aber völlig hilflos sind. Hunderttausend meinen: einer alleine kann nichts ändern? Richtig, selbst 48 Millionen alleine können nichts ändern. Deshalb fürchte ich auch keine Mistgabeln – gezielt geschulte Kampfkommandos mit Maschinenpistolen, die unsere Yachten, Villen und Hotels stürmen wären da eher zu fürchten als solche archaischen Bilder – sondern kann ganz offen mit Ihnen reden, denn SIE sind ALLEIN. Dafür haben wir gesorgt – und dafür sorgen wir immer weiter, dass ist sogar eins unserer Hauptanliegen, wir verhüllen das gerne mit Begriffen wie FREIHEIT, SELBSTÄNDIGKEIT und UNABHÄNGIGKEIT, Begriffe die – ohne soziale Verantwortung gelebt – in die soziale Vereinsamung führen, wo man sein Leben mit dem Lebensabschnittspartner vor dem Fernseher verbringt aus Furcht vor dem ANDEREN, der draußen haust.

Deshalb haben wir die Familien getrennt – und das sogar öffentlich ins Gesetz gegossen. Ja – trennen sich Arbeitslose von der Familie, bekommen die, die die Kinder betreuen, 120 Euro zusätzlich vom Staat – ohne dass das jemandem groß auffällt. Es ist unsere Trennungsprämie.

Doch damit nicht genug: entgegen den Predigten der großen Weltreligionen, entgegen den Anschauungen der letzten zehntausend Jahre haben wir eine neue Religion ins Bewusstsein der Menschen gesetzt, dass sie – zusätzlich zur sozialen Vereinzelung – noch hilfloser macht: mit großem Aufwand und viel Geld (was – genau genommen – alles IHR Geld war, weshalb wir es gerne ausgaben) haben wir den Menschen klar gemacht, dass die Welt ein Paradies ist … und sie nur richtig denken brauchen, um erfolgreich zu sein und Geld zu bekommen. Diesen Kult gibt es in vielen Formen, vielen Facetten und Abarten und er wird von allen Unternehmensberatern, Coaches und Lebensberatern gepredigt – irre, oder? Viele unserer Funktionäre in der Millionärskaste befeuern diesen Kult öffentlich in den Medien – manche rein aus Eitelkeit, denn immerhin denken sie gut, weil sie reich sind … so wird der reichste Mensch der Welt automatisch zum größten Denker der Menschheit ohne dass das jemandem blöd vorkommt. So fühlen sich jetzt Milliarden von Menschen schuldig, weil sie aufgrund ihres mangelhaften Denkens so arm sind, sitzen in ihren Kämmerchen und feilen an ihrem Denken herum, immer in der Hoffnung, dass der Gott Mammon irgendwann auf ihre Denkarbeit aufmerksam wird und sie durch eine Million würdigt. Erbärmlich, oder? Gleichzeitig genial. Wir erhöhen lieber die Preise, bilden Monopole um das noch besser machen zu können, bestechen Politiker und Entscheidungsträger – so macht man richtig Kohle.

Das Sezierende in der Gesellschaft, das Trennende zu fördern: das ist uns wichtig. Wir wollen ein Volk von achtzig Millionen Egomanen, von denen sich jeder selbst für den König der Welt hält: vor denen braucht sich niemand mehr zu fürchten, vor allem nicht wir, die Gottkönige, denen alle huldigen und deren Gunst (bzw. deren Geldhaufen) alle herbeisehnen, es als Krönung ihres jämmerlichen Pöbellebens ansehen: vorbei die Zeit, wo man endweder Gott oder Mammon dienen sollte, wo eher Kamele durch ein Nadelöhr gingen als das ein Reicher ins Himmelreich kommt: Himmelreich, dass sind wir selber – weshalb wir durch den WWF auch alle ansehnlichen Naturreservate der Welt aufkaufen und für den Pöbel sperren lassen … aus Gründen des Naturschutzes. Jeder, der noch nicht vollständig durch Schule und Medien indoktriniert worden ist und sich dem allgemeinen Anpassungsdruck entziehen konnte, wird von uns offen ausgestoßen: „Verschwörungstheoretiker“ lassen wir ihn nennen – in Deutschland inzwischen gleichbedeutend mit „Nazi“, in den USA mit „Kommunist“. Das jeder, der selber denkt, jeder, der vorauseilenden Gehorsam verweigert, so zum geisteskranken Staatsfeind wird, fällt dem „diplomierten Proletariat“ gar nicht mehr auf. Das wir so das Denken selbst verboten haben und weiter verbieten werden, dass wir so massiv in die freie Meinungsbildung eingreifen – wen interessiert das schon.

Wir sind natürlich auch weltweit an Trennungen interessiert – weshalb unsere Leute eng mit den Geheimdiensten zusammenarbeiten. Wer nimmt schon noch wahr, dass in Kiew die gleichen Flugblätter wie in Ägypten auftauchten – in anderer Sprache natürlich. Wer will das überhaupt wahrnehmen? Wir haben die Bildfrequenz in den Medien inzwischen so hochgeschaltet, dass der Zuschauer in einen halb gelähmten Wachschlaf versinkt, überfordert durch die schnellen Bilderwechsel … und sich trotzdem supergut informiert fühlt. Selbst 2014 – als wir aus einer Laune heraus den guten alten kalten Krieg mit Hilfe unserer Kollegen im Osten wieder anfeuerten und ein neuer Krieg drohte – rührte sich nichts in Deutschland oder der Welt, selbst dann nicht, als das atomare Schreckgespenst wieder zurückkehrte. Ich werde Ihnen jetzt nicht verraten, ob wir den Krieg wirklich noch weiter entfachen oder das nur als Testlauf für die Messung des Grades der Zombiefizierung der Gesellschaft inszeniert haben – ich möchte ja nicht alles verraten, nur soviel: für unsere erfolgreichsten Agenten in Ihrem Land bauen wir gerade Superbunker, in denen man alles überstehen kann.

Obwohl … es überhaupt nichts ausmachen würde, Ihnen die Wahrheit zu erzählen. SIE sind viele, wir sind ganz ganz wenige. Aber SIE sind ALLEINE – wir nicht. Wir haben uns hundert Millionen Freunde weltweit gekauft, die uns anbeten, unseren Kult mitmachen und eifrig dabei sind, ihn in die letzten Winkel der Erde zu tragen: den Kult der Pyramide, wo einer oben sitzt und hunderttausend ihm huldigen, bis zum Hungertod hin. Das heißt: wenn Sie wirklich Ärger machen wollen … stehen sie strategisch gesehen ganz schlecht da, deshalb lieber: Schnauze halten und zurück ins Glied, zurück in die Ihnen zugewiesene Etage der Pyramide, wo die Last immer geringer wird, je höher man aufsteigt.

Und wenn Sie mal nicht alleine sind, wenn Sie mal glauben, Sie könnten jemanden wählen, der Ihnen uns vom Hals schafft … dann schließen wir einfach wie jetzt in Griechenland alle Banken – ohne dass sich auch nur einer darüber wundert, wie wir das eigentlich machen. Sie können wählen wen Sie wollen – Schützenkönige, Karnevalsprinzen, Bundeskanzlerinnen – das ist uns egal, doch regieren, die Musik bestimmen, nach der Sie zu tanzen haben: das machen wir. Schon immer.

Sie sind nur Pöbel, nur Dreck, nur Aussatz,  nur mit Mühe und Ekel als Organspender zu ertragen, Ihre Dummheit und Ignoranz schreit zum Himmel – und das begrüßen wir sehr, denn nur so können wir auf diesem Planeten ganz große Dinger drehen. Ach – wissen Sie was: ich erzähle Ihnen einfach mal was darüber. Macht doch sowieso nichts – außer dass ich mich ein wenig an Ihrer Ohnmacht ergötzen kann.

Wissen Sie, was unser größtes Problem ist? Unsere große Nemesis, unsere größte Qual? Nein – das können Sie sich gar nicht vorstellen, weil Sie ja geradezu in Not in jeder Form baden – auf der Arbeit, in der Familie, im Verein, beim Einkauf, im Straßenverkehr – überall lauert größte Not und schlägt immer wieder zu: das kennen wir gar nicht. Gäbe es noch gebildete Menschen unter ihnen, so könnten sie von Arthur Schopenhauer erzählen, jenem Philosophen, der als erster das – später von der Naturwissenschaft ausgearbeitete – Reiz-Reaktions-Schema von Pflanzen beschrieben hatte. Er könnte Ihnen schildern, was Schopenhauer über das Leben herausfand: es ist ein ständiges Pendeln zwischen Not – das ist Ihr kleines, erbärmliches, stinkendes Leben – und der Langeweile … einem Ausmaß von Langeweile, das Sie sich gar nicht vorstellen können noch ertragen könnten.

Wir haben alles, wir können alles. Mit privaten U-booten in die Tiefen der Meere tauchen, mit privaten Kreuzfahrtschiffen die schönsten Strände der Welt belagern (die für Sie selbstverständlich aus Gründen des Naturschutzes verboten sind), mit privaten Raumschiffen den Blick auf die Erde von oben genießen, mit privaten Großflugzeugen in allen Nobeldiskos der Welt gleichzeitg zu Hause zu sein … das ist zwei, drei, vielleicht fünf Jahre lang lustig – aber dann wird das alles schrecklich öde, die Lust verlangt nach mehr – viel mehr. Und wir haben da was gefunden, was gar köstlich ist, was wir ohne jeglichen Lustverlust endlos genießen können (siehe Aufklärungsgruppe-Krokodil):

„Sie spricht von einem Schloss, in Mitten eines Parkes, wo Kinder, in Käfige eingeschlossen, darauf warten, „dranzukommen“.
Im kleinen Turm des Schlosses befände sich eine kleine Ausstellung der Leichen von Kindern. Die Gruppe von Erwachsenen sei immer die selbe – an die fünfzig – unter denen sie nur wenige kannte.
Dort endeten die Abende nie ohne einem Todesfall.
Die Prominenten machten Jagdpartien mit Doggen auf die Kinder, die nackt in den Park freigelassen würden. Kinder würden an Bretter gebunden und mit Rasierklingen und Nadeln gefoltert. „Ich habe auch Menschenfleisch essen müssen, Kinderfinger mit Gelé serviert““

27 Zeugen im Fall Marc Dutoux haben wir eliminiert, diese eine ist uns entkommen. Aber: was macht das schon. Ich weiß, Sie werden uns jetzt verurteilen – aber Sie können sich nicht vorstellen, welche endlose Quälerei die Langeweile verursacht. Arthur Schopenhauer konnte das noch – Sie schon lange nicht mehr. Und Sie können sich nicht vorstellen, welchen Ekel wir für Sie empfinden, für den Pöbel, für die „Viel-zu-vielen“, wie Nietzsche Sie korrekt nannte, diese Milliarden voller armseliger Nichtsnutze, die unseren schönen Planeten auffressen – und Sie können sich nicht vorstellen, was das für ein Genuss ist, Ihre widerliche Brut einer …. ergötzlichen Sonderbehandlung zu unterziehen. Glauben Sie mir – es gibt kein besseres Mittel gegen Langeweile, als das zu beschmutzen, zu benutzen und zu zerstören, was Ihnen das Wichtigste ist: Ihre erbärmlich Brut.

Sie glauben nicht, dass wir dazu fähig sind? Da kann ich nur mal laut lachen: wir lassen bewusst und gezielt 18 Millionen Menschen im Jahr verhungern – es würde uns nur einen Bruchteil unsere Vermögens kosten, diese Menschen zu retten – doch das wollen wir nicht. Jedes Jahr ein dreifacher Holocaust … und Sie dürfen das Wort noch nicht mal in den Mund nehmen, weil SIE dann der Nazi sind. Köstlich. Sie merken: wir sind boshaft und raffiniert – und Sie … ach, lassen wir das. Von Ihrer Art können gar nicht genug verrecken, damit wir die Schönheit der Welt für uns allein in Besitz nehmen können. Im Übrigen … konnte man das schon im alten Rom studieren: am Ende hilft gegen Langeweile nur, ein paar Christen als lebendige Fackeln zu benutzen und ihre Kinder von Löwen im Circus zerfetzen zu lassen – oder von Krokodilen im Nil wie im alten Ägypten, deren Pyramiden uns deutlich zeigen, wie man erfolgreich eine Gesellschaft organisieren sollte: pyramidenförmig eben. Wir machen also nur, was unsereins schon immer gemacht hat.

So – nun wissen Sie alles. Jetzt wissen Sie, wie das Auge der Pyramide die Welt sieht – und wie Sie und Ihre Kinder von der Pyramide zerquetscht werden. Und wissen Sie was? Das Wissen nützt Ihnen GAR NICHTS – und darum fürchte ich auch KEINE MISTGABELN. Je tiefer Sie in der Pyramide stecken, umso höher ist der Druck, der Sie in Reih und Glied quetscht … und umso größer die Lust, sich ein Stückchen weiter nach oben zu buckeln.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. Ich werde auf jeden Fall einen haben – mit Ihren Kindern.

 

 

Fernsehterror – die Einbahnstraße in die Diktatur – von allen gern gesehen.

Digital StillCamera

Samstag, 18.7.2015. Eifel. In den letzten Tagen ist mir vor allem eins eingefallen: es lohnt sich nicht mehr, die politische Realität zu beschreiben. Mit einem Gefühl des Mitleids habe ich erleben müssen, dass ein Bloggerkollege – viel bekannter als meine Wenigkeit – nach über 4000 Artikeln zusammengebrochen ist: keiner kauft seine Bücher, keiner gibt ihm etwas zurück von dem, was er seinen Mitmenschen schenkt. Sollte ich in einigen Jahren ebenso enden – verbrannt an kalter Unmenschlichkeit – oder vom eigenen Idealismus? In Spanien – so berichtete das Schweizmagazin – gelten Blogger schon als Terroristen, wenn sie „den Frieden“ stören … also auf deutsch: die Regierung oder die Wirtschaft kritisieren – sie landen direkt im Gefängnis. Würde sich lohnen, diesen Gerüchten nach zu gehen, denn: was heute am Rande Europas Realität wird, wird morgen zur Norm für alle: wir wollen ja Rechtsgleichheit in Europa. Ich hadere ein wenig mit mir, diesen Weg weiter zu gehen, denn ich merke: ich gehe diesen Weg allein – für viele, die am Rande klatschen und in Windeseile fort sind, sobald es ernst wird – mal von einer Hand voll Unbeirrbarer abgesehen. Für meinen persönlichen Sitz im Leben eine strategisch ziemlich dämliche Ausrichtung – und erst recht für meine Kinder.

Dann kam der gestrige Tag und ich war eingeladen, etwas „Fernsehen“ zu schauen. „Fernsehen“ habe ich zum Schutz meiner Kinder vor über 10 Jahren abgeschafft – als erste Notmaßnahme. Es gibt noch einen Bildschirm, Spielgeräte, ein Filmabspielgerät – und ein begrenztes Zeitvolumen zur Nutzung dieser Weltfluchtmöglichkeiten. Nein – die liegen informationsmäßig nicht hinterher, im Gegenteil: sie liefern erstklassige Zeugnisse – und überspringen auch schon mal eine Klasse, trotz ihrer zweifellos vorhandenen Handicaps. Sie fühlen sich nur oft von Blöden umgeben – eine normale Erfahrung, wenn man sich unter Menschen begibt, die sich einer fragmentierten Wirklichkeit hilflos ergeben. Fragmentierte Wirklichkeit? Ja – ich beziehe mich hier auf einen Vortrag von Professor Rainer Mausfeld über „Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagement“ (bitte mal selber Dr. Google fragen, Fräulein you tube weiß da Antwort), bzw. auf die kognitiven Techniken, die zur Anwendung kommen: durch Fragmentierung der Daten werden sie aus ihrem „Sinnzusammenhang“ gerissen, bzw. verlieren ihre Stellung im Kontext der Ereignisse, die Dekontextualisierung sorgt dafür, dass sie als isolierte Einzelfälle dastehen, während die Rekontextualisierung ihnen neue Bezugsrahmen zuweist – ein Beispiel wäre hier die Ermordung von 4 Millionen Muslimen im „Kampf gegen den Terror“, die wir gelassen hinnehmen, während wir 6 Millionen ermordete Juden, Roma, Kommunisten und harmlose Nachbarn, deren Grundstück man sich aneignen wollte, mit größtem (und angemessenem) Entsetzen betrachten. Ja – wir erleben gerade einen Massenmord an Muslimen – und denken, dass ist auch gut so: Stichwort Pegida.

Ein anderes Beispiel: Griechenland – das da Schulden gemacht wurden, um eine große Armee aufzubauen, die sich in erster Linie gegen den Natopartner Türkei wehrt, dass Deutschland an dieser Armee super verdient hat, dass die Nato darauf besteht, dass diese Armee ihre Stärke beibehält, erzählt man uns nicht so oft und deutlich. Wir bleiben bei dem fragmentierten Teil „die Griechen haben unser Geld“ – schon ist der Zorn des Volkes vorprogrammiert. Ja – ich war gestern zu Gast in dem Raumschiffcockpit der „Tagesthemen“, wo mir eine hübsche junge Frau die Wirklichkeit in Fragmente zerlegte. Ein kurzer Blick nach hier, ein kurzer Blick nach da: ich hatte die Illusion der Informiertheit. Alexis Tsipras baut das Parlament um …. dass er de fakto das NEIN des griechischen Volkes in ein JA umgewandelt hat, erklärt mir die griechische Parlamentspräsidentin (siehe Spiegel), dass somit erwiesen ist, dass selbst linkeste Linke nur noch Büttel nicht näher erwähnter Geldgeber sind, muss ich mir selber denken – dabei ist diese Entwicklung das deutliche Zeichen dafür, dass die Demokratie sich in Europa verabschiedet hat. Kein Wunder: Prof. Mausfeld hatte mich ja auch darüber aufgeklärt, dass der Neoliberalismus niemals Demokratie dulden darf, sie ist sein erklärter Feind. Das wir auch in Deutschland eine starke außerparlamentarische Opposition bräuchten, um überhaupt nur eine minimale Chance zu haben, uns dem Griff des Finanzadels zu entziehen, sollte Thema in jeder Schule, Universität, Berufsschule, Parteischule, jeder Gewerkschaftsfortbildung und auch in allen Kirchentagen sein – doch auch hier irren die Zuschauer nur noch in einer fragmentierten Wirklichkeit umher.

Beispiel? Ein angeblich lustiges Drama über „Almut und irgendwen“ flimmerte über den Bildschirm, die tragische Begegnung einer Oberschichtsfrau (Zahnärztin) mit ihrer Putzfrau. Ich traute meinen Augen kaum, als die Botschaft sich völlig entfaltete: wie die arme Putzfrau durch ihre „Emotionen“ über die reiche Zahnärztin triumphierte. Was bleibt als Botschaft fürs Prekariat? „Lass´ denen doch die Millionen, Hauptsache, wir haben uns lieb“. Das die Putzfrau als Kind das gleiche Potential (wenn nicht sogar mehr) als die Oberschichtsfee hatte, muss ich mir selber mühsam erschließen, dass allein die Existenz solcher „Klassen“ der Vergangenheit angehören sollte, ist wohl schon sehr lange in Vergessenheit geraten. Gruselig, wie selbstverständlich der neue deutsche Junkerstaat das Bewusstsein besetzt hat – auch das der Autoren.

Im nächsten Krimi begegne ich ihm wieder. Überraschung: die Kameraführung hat sich im deutschen Film der letzten zehn Jahre wohl deutlich verbessert. Keine Überraschung: die gleichen Mythen vom Herrenvolk und seinen Untermenschen, die hauptsächlich ängstlich hinter ihren Gardinen hervorlugen. Am Menschlichsten? Die Polizei, die singend und feiernd auf dem Revier einen Dachs jagt: eine lustige Kinderbande. Draußen … der unsichtbare Untermensch und die durchweg finsteren Herrenmenschen: eine Gutsherrin, ein Ingenieur, ein Tierschützer. Durch Werbung erfuhr ich, dass es noch mehr dieser Krimis gibt, dass sie mehrfach täglich über den Bildschirm wandern – und welche Botschaft verbreiten sie? Bleib als kleiner Mann hinter der Gardine, da draußen ist nur der Teufel los. Das ist die bewusste Inszenierung von „Hobbes“ Krieg „aller gegen alle“ – die als deutscher, gesellschaftlicher Normalzustand beschrieben wird – äh … „vorgeschrieben“ wird. Ich denke mir, wenn man sich dieser Schwachsinnsplörre täglich ausliefert, traut man sich bald wirklich nicht mehr vor die Tür.

Was wird der gesellschaftliche Effekt dieser Berieselung mit der fragmentierten Realität eines Thomas Hobbes´ sein? Nun – das war schon vor Jahrhunderten klar: der absolute Monarch muss her, der Polizeistaat unter dem Kommando des Diktators, der endlich aufräumt … so räumt man den Weg für einen neuen Hitler frei, der für den Junkerstaat den Dreck wegräumt und die Straßen für die SUV`s freimacht, frei von den rostigen Blecheimern und überfüllten Bussen der Untermenschen. Die Entsolidarisierung der Gesellschaft (siehe Heitmeyer) wird täglich durch 4 Stunden unterhaltsamer Gehirnwäsche brachial vorangetrieben – wobei ich mich der Speerspitze des Wahns – der Werbung – noch gar nicht genähert habe.

Wir könnten auch eine andere Realität darstellen, eine Realität, die das Deutschland Goethes wiederspiegelt anstatt dass zerbrochene Junkerdeutschland Bismarks wieder aufleben zu lassen … doch dafür geben die Geldgeber keine Gelder, wer Geschichten von Solidarität, Liebe, Mitgefühl, Empathie erzählen möchte, landet mit der Diagnose „Sozialromantik“ in der Heilanstalt – für immer.

Welche Folgen das für unsere Zukunft haben wird? Nun – das ist nicht schwer zu erraten. Die deutsche Vergangenheit zeigt uns genug darüber – der Junkerstaat Bismarks ging nahtlos (und ohne Besitzverlust) in den Junkerstaat Hitlers über, der wiederum ohne Probleme – mit nur kurzen Irritationen 1968 – in den Junkerstaat a´la Kohl, Schroeder und Merkel überging. Darf man nun sagen, dass wir uns vielleicht zuallererst einmal mit dem „Junkertum“ in Deutschland beschäftigen sollten … nicht mit den jungen Adeligen, sondern mit den Krautjunkern: den Großgrundbesitzern und ihrem Dienstadel. Doch über die … wissen wir ja nichts. Außer dass sie Deutschland regieren.

Es wäre eine Riesenarbeit, ihnen auf die Spur zu kommen – und mir dünkt, auf diesem Wege drohen Lungenembolien, Autounfälle und tödliche Badewannen. Also bleiben wir lieber in unseren Fernsehträumen, wo lustige Polizisten die Konsumameise vor dem bösen Wolf schützen, der jederzeit und überall lauern kann. Immer mehr werden wir im Alltag zu diesen asozialen Dummschafen, die uns im Fernsehen als allgemeingültige Wahrheit menschlichen Seins präsentiert werden – und wir werden immer mehr nach starker Führung rufen, nach einer Angela Merkel im Pickelhaube. Ach – das ist ja schon geschehen.

Doch ist es wirklich ratsam, sich durch dauernde Defragmentierung der Wirklichkeit, durch dauerndes Zusammensetzen der geteilten Fragmente zu einer überraschend anderen Wirklichkeit bei den neuen Junkern, der neuen unsichtbaren Adelspartei unbeliebt zu machen? Wichtig ist die Arbeit der Defragmentierung schon – doch besser ist, man überläßt sie jenen, die wohl versorgt in sicheren Gefilden hausen – wie Professor Mausfeld – denke ich mir. Mensch – überlegt doch mal, was man alles leisten muss, um diesem Moloch erfolgreich entgegentreten zu können: man braucht eigene Fernsehstudios, eigene Zeitungen, eigene Geschäfte – und eigentlich auch eigenes Geld … und eigene Polizei.

Dann doch lieber im Sessel sitzen, ein Bier trinken und davon träumen, wie die singende Kinderpolizei die bösen Menschen einsperrt – auch wenn die Rechnungen für dieses „Vergnügen“ immer höher anstatt niedriger werden und immer mehr Menschen aus dem Pseudo-Paradies der Maschinenmenschen vertrieben werden.

 

 

 

 

Von Noam Chomsky zu Bin Laden – über den Unterschied zwischen Tauben und Krokodilen, schwarzem Kaviar und Schuhpasta

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 Foto:Tomás Castelazo CC BY SA 3.0 Quellenlink

 

Soeben hat die Aufsichtsbehörde der US-Geheimdienste DNI Dokumente ins Internet gestellt, die zeigen sollen, mit welchen (verwerflichen) geistigen Inhalten sich Osama Bin Laden beschäftigt hat.

Inzwischen trompeten bzw. titeln es alle englischsprachigen Zeitungen in die Welt hinaus: Der seinerzeit meistgesuchte Terrorist der Welt hat ein Buch von Noam Chomsky im Regal gehabt. Laut DNI verdankt die Öffentlichkeit diesen Fund Soldaten der US-Eliteeinheit Navy SEALs, die das Material in der pakistanischen Stadt Abbottabad eingesammelt hat.

Jetzt ist die Katze also aus dem Sack. Der anständige, systemtreue und wissenschaftsgläubige Bürger hat es doch immer schon geahnt, dass an Chomsky etwas faul ist. Nun ist es amtlich.

Noam Chomsky gilt (galt bisher) als einflussreichster und intellektuell brillantester Kritiker des Neoliberalismus und der US Außenpolitik. Von der New York Times wurde er als „wichtigster Intellektueller der Welt“ bezeichnet.

Da er als Professor am renommierten Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) in Cambridge verwurzelt ist und seine – übrigens bisher unwiderlegten – Verschwörungstheorien nicht bloß auf einer der üblichen unseriösen Internet-Plattformen publiziert hat, war er den Machthabern und neoliberalen Apologeten seit jeher ein schmerzlicher Dorn im Auge. Auch den exekutiven Heerscharen und Hohepriestern dieser Machthaber, den streng wissenschaftlich akkreditierten Fachleuten, war Chomsky ein wunder Punkt.

Wurden sie durch seine couragierten und logisch stringenten Publikationen doch stets daran erinnert, wie sehr sie ihre privilegierte Aufgabe als Intellektuelle und Meinungsbildner unserer Zeit verraten haben und sich nun als Büttel des szientistisch-technokratischen Mammon verdingen.

„Pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht), dachten sie nach Beendigung ihres akademischen Studiums und bei Arbeitsantritt im neoliberalen Hamsterrad. Jedesmal, wenn sie in der Zeitung einen Artikel von Noam Chomsky lesen mussten, begann es in ihrem Gewissen aber wider jede Schulweisheit trotzdem zu stinken und zu faulen, und zwar ganz gewaltig.

Denn nach Ansicht von Noam Chomsky tun seine wissenschaftlichen Kollegen heute nicht das, was sie tun sollten – für Wahrheit, Erkenntnis und Gemeinwohl kämpfen, sondern das genaue Gegenteil. Hierbei bilden die akademischen Wissenschaftler eine „Art säkulare Priesterschaft“ für die Machtelite, indem sie Ideen, Pläne, Strategien, Werte, Theorien, Rechtfertigungen und Doktrinen für die ökonomischen und politischen Entscheidungsträger des Herrschaftssystems entwickeln und dem Rest der Bevölkerung „verkünden, was sie glauben sollen.“

Um dem Fußvolk das – an sich stumpfsinnige und daher sogar für den fernsehenden Dosenbierbürger wenig attraktive – Credo des Szientismus einzupläuen („Mensch und Welt sind nur geistlose Kohlenstoffzusammenballungen, ergo ist alles Wurst, ergo können Mensch und Umwelt nach reinen Effizienzkriterien ausgeschlachtet werden.“), bedarf es schlauer Köpfe. Die uns durch streng wissenschaftliche Studien beweisen können, dass schwarzer Kaviar den gleichen Lichtabsorptionskoeffizienten aufweist wie Schuhpasta. Deren flächendeckende Indoktrination uns in ein raffiniertes System einstrickt, gewoben aus den Garnen von Ignoranz, existenzieller Angst und Unterhaltungsanreizen. Dass sich dieses System zuverlässig bewährt, sieht man sogar an den Wahlergebnissen: Egal, wie frustriert und wütend der Bürger ist und für wieviele Korruptionsaffären er mit seinem Steuergeld bluten muss – wenn Wahlen anstehen, verschafft er mit zuverlässiger Sicherheit der verhassten Räuber-Hotzenplotz-Partei jedesmal erneut die Regierungsmehrheit.

Zitat Chomsky:

„Der Abschaum muss den Wert der Unterordnung schätzen lernen und, mit Scheuklappen versehen, auf die Suche nach persönlichem materiellen Gewinn geschickt werden. Darum ist es auch nutzbringend, die Bevölkerung auf einem niedrigen kulturellen Niveau zu halten, wie es in den USA recht erfolgreich gelungen ist.“

Weitere Kostproben aus einer sehr lesenswerten Rezension zu Chomskys Ansicht über die gegenwärtigen „Wissenschaftler“:

>> Sie identifizieren sich mit den Interessen der Mächtigen und halten diese für ihre eigenen. Für ihren Dienst und für ihre Verinnerlichung und Verteidigung des Wertekanons und der Interessen der Machtelite erhalten sie einen gewissen Anteil an der Macht, des Reichtums, der Privilegien und des Prestiges. Damit bilden sie nicht nur einen zentralen Pfeiler des ideologischen Indoktrinationssystems, sondern sie sind vielmehr entscheidende Akteure des staatskapitalistischen Propagandasystems für die Herrschaftssicherung der Machtelite, weil sie die breite, weniger gebildete Bevölkerungsgruppe (rund 80 Prozent) ideologisch zum Gehorsam, zur Passivität, Konformität, Habsucht und Unterwerfung erziehen, indem sie diese in ihrem sozialen, kulturellen Verhalten, Wissen und Denken bzw. in ihrer Wahrnehmung entsprechend formen, disziplinieren und kontrollieren. Dieses grundlegende soziale Verhältnis spiegelt sich auch in einer Zweiteilung der Medien wider, die entweder reine Medienkonzerne sind oder Konzernkonglomeraten angehören.

Das Geschäft dieser konzerngesteuerten Medien ist es nicht, ihre Leserschaft und Zuschauer mit Informationen und Zusammenhängen des Zeitgeschehens zu beliefern. Vielmehr verkaufen die Medienkonzerne ihre Leserschaft und Zuschauer an ihre Anzeigenkunden, also den großen Unternehmen und Konzernen, denn nur damit macht man als Medienunternehmen Gewinne. Die Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sendungen der Konzerne vermitteln deshalb ein Bild von der Gesellschaft, die den politischen Bedürfnissen, Interessen und Perspektiven der Anzeigenkunden und den Medienkonzernen Rechnung tragen.

Für die extrem indoktrinierten und gebildeten Schichten existieren intellektuell ´anspruchsvolle` Elite- und Leitmedien, die politische und ökonomische Gegebenheiten und Entwicklungen innerhalb des vorgegebenen ideologischen Indoktrinierungsrahmens der Machtelite darlegen und kommentieren. All dies dient auch dazu, den übrigen 80 Prozent der Bevölkerung die notwendigen Illusionen bzw. Lügen als Wahrheit zu verkaufen, hinter denen sich die handfesten Interessen der Machtelite verbergen. Denn diese Leitmedien liefern nicht nur die passenden Themen, Bilder und Informationen, sondern setzen vor allem den zu befolgenden ideologischen Rahmen zulässiger Meinungen und Ansichten über die Welt für alle weiteren Massenmedien.

(…)

Für den übrigen Teil der Bevölkerung, also die ´weniger gebildete` und zum Gehorsam erzogene Mehrheit, gibt es die anspruchslosen Massenmedien, die vor allem dafür zuständig sind, die Menschen zu unterhalten, zu amüsieren, abzulenken (Sport, Seifenopern, Boulevard, Comedy, Krimis etc.), und sie mithilfe bedeutungsloser (nationalistischer, chauvinistischer) Slogans und des Fernsehens zu apathischen, autoritätsgläubigen, kaufsüchtigen wie desinteressierten Konsumidioten zu formieren. So wird die Bevölkerung sozial atomisiert, fragmentiert und dadurch politisch marginalisiert.

Dies wird durch eine falsche, lügenhafte oder irreführende Darstellung politischer, sozialer, ökonomischer Tatsachen, Erklärungen und Zusammenhänge begleitet, die von Regierungen und Konzernen mithilfe der PR-Industrie sowie intellektuellen Experten als notwendige Illusionen produziert und verbreitet werden. Die breite Bevölkerung soll eben nicht über die Welt selbstständig nachdenken, sie soll sich noch viel weniger politisch einmischen, vielmehr soll sie sich darauf beschränken, die in der Werbung angepriesenen Waren zu konsumieren, um einen fremdgesteuerten Lebensstil zu imitieren und nachzueifern.

Die Menschen sollen sich, um in einen apathischen Zustand versetzt zu werden, auf ihren Individualismus zurückziehen und nur noch ihrem persönlichen Gewinn verpflichtet fühlen: „Vom Kleinkinderalter auf von Propaganda überflutet, können die Menschen ihr sinnloses und untergeordnetes Leben akzeptieren und vergessen so lächerliche Ideen, wie ihre Angelegenheiten selbst bestimmen zu können.“ <<

Damit die Vertreter der herrschenden wissenschaftlichen Jurisprudenz also nicht als Verräter und Totengräber unseres Zeitalters in die Geschichtsbücher eingehen müssen, ist es wohltuend, dass der mittlerweile über 80jährige Chomsky nicht mit weißer Weste das Zeitliche segnet und seine Werke womöglich zu einer Art Bibel für die Mitglieder einer kommenden Resistance wider die szientistische Doktrin avancieren, sondern dass man ihn schwarz geteert und gefedert in die Annalen schickt.

In den aktuellen Presseaussendungen heißt es wörtlich: „Die Dokumente offenbaren einen Blick in die Denkweise des damaligen Chefs der Terrororganisation Al-Kaida.“ Neben der Lektüre von Noam Chomsky wird auch nicht unerwähnt gelassen, dass sich in Bin Ladens Bücherregal auch noch „andere Literatur bezüglich Verschwörungstheorien“ und „englischsprachige Studien von Denkfabriken über Terrorismus“ gefunden haben.

Mit anderen Worten lautet die Assoziationskette also: Bin Laden – Noam Chomsky – Verschwörungstheorien – Terrorismus – Hände weg.

Wer in Zukunft nach Noam Chomsky googelt, sollte das also tunlichst nicht in einem Zug mit der Bestellung von Neujahrs-Raketenböllern tun, sonst läuft er Gefahr, das gleiche Schicksal zu erleiden, wie diese US Familie, die gleichzeitig nach Kochtöpfen und Rucksäcken gegoogelt hatte. Postwendend wurde deren Haus von einer Polizeimannschaft in schwarzen Vans umstellt. Nach Aussage der Polizei würden jede Woche um die 100 solcher „Besuche“ abgestattet.

Lt. aktuellem britischem Gesetzesvorschlag sollen potentielle „Unruhestifter“ künftig alles, was sie publizieren oder in sozialen Medien verbreiten wollen, der Polizei zur Genehmigung vorlegen. Premierminister David Cameron zur Zielrichtung dieses Gesetzes: „Großbritannien ist schon zu lange eine passive tolerante Gesellschaft gewesen, die ihren Bürgern versprach: Solange ihr das Gesetz befolgt, lassen wir euch in Ruhe.“ Das heißt also im Klartext: In Zukunft ist der Schutz vor staatlicher Verfolgung nicht mehr garantiert, auch nicht für diejenigen, die die Gesetze befolgen. Zahlreiche europäische RegierungskollegInnen liebäugeln ebenfalls mit den Cameron‘schen Bürgerüberwachungs-Vorschlägen.

In diesem Sinne – genießen Sie die Lektüre kritischer Nachdenkmagazine wie diesem hier. Wer weiß, wie lange das noch möglich sein wird. Wenn alles so weiterläuft, gibt’s vielleicht bald nur noch Bild, Spiegel und deren Klone, um Nachrichten zu beziehen.

Sogar der an sich hochseriöse Gründer des alternativen Nachrichtenmagazins Nachdenkseiten.de, Albrecht Müller – seines Zeichens altgedienter Abgeordneter des Deutschen Bundestages und Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt, ist jüngst in die Schusslinie geraten und muss sich nun rechtfertigen, kein „Terrorzündler“ zu sein.

Seine NachDenkSeiten werden dafür mitverantwortlich gemacht, dass ein junger Mensch aus Deutschland mit Namen Samuel zur Unterstützung des IS nach Syrien gereist war. Denn Samuel hatte doch tatsächlich nachdenkseiten.de in seiner Browser-Leiste.

Wenn das ein wachsamer CDU/CSU-Politiker erfährt, ist der Schritt nicht mehr weit, die NachDenkSeiten auf die schwarze Liste zu setzen. Man muss doch tun, was man kann, um potentieller Terrorgefahr entgegenzuwirken. Und mit Nachdenken anfangen ist bekanntlich die Mutter des Terrors. Also bringen wir besser erst gar niemanden in die Versuchung, nachzudenken. Da keine Versicherung gegen die möglichen unerwünschten Nebenwirkungen des Nachdenkens versichert, eliminieren wir doch gleich dieses unkalkulierbare Risiko.

Zum Glück gibt es ja keinen Mangel an Ideen, um unsere Gesellschaft in Zukunft tod-sicher zu machen. Genauso wie es keinen Mangel an neuentwickelten Impfstoffen gibt, die man schon kleinen Babies intravenös in die Blutbahnen pumpen muss. Komisch übrigens, dass heute fast 80% der Bevölkerung an massiven Allergien oder Immunschwächen leiden und ihr Immunsystem auf jede Kleinigkeit sofort mit Überforderung und Durchdrehen antwortet, wo doch ihr Immunsystem vom zarten Säuglingsalter an nach allen Regeln der Technik mit chemisch-mikrobiellen Substanzen, Formaldehyd und Nanometall-Additiven „getunt“ und durchdesignt wurde.

Wer seinen Kindern das Zeug nicht in die Adern jagt, darf in den USA nicht mehr in den Kindergarten gehen. Erklärtes Ziel der Pharma-Lobby in Deutschland ist es, ebendiese US Zustände auch hierzulande zu etablieren. Streng wissenschaftlich akkreditiert von den Chomsky’schen Fachleuten und Pharmaexperten.

Die wissen schon, was für uns gut ist. Wir brauchen also nicht selbst nachdenken. Sonst geht uns womöglich ein Licht auf.

Und Licht vertragen die Spinnen, die hier im dunklen Keller – in dem auch wir unser Dasein fristen müssen -, ein dichtes Netz an Lügen gesponnen haben, am allerwenigsten.

BND-Agenten im Einsatz bei NEOPRESSE: die wahre Quelle brauner Mythen.

Digital StillCamera

Donnerstag, 21.5.2015. Eifel. Sehr geschätzter Leser – ich muss Ihnen ein Geständnis machen: mein letzter Artikel bei Neopresse – Die Diktatur in Deutschland im Jahre 2015 – galt nicht Ihnen. Meine Facebookfreunde sind darüber informiert – als Kontrollgruppe. Ich habe ihn entworfen, um eine Theorie zu belegen: dass hier und jetzt Agenten eines Nachrichtendienstes aktiv an der Meinungsbildung arbeiten … bzw. aktiv an der Eliminierung eines freien, unabhängigen Nachrichtenmagazins tätig sind. Ja- ich bin nun mal Geisteswissenschaftler, wie man mir sagte: mir hervorragender Ausbildung. Ich kann halt nichts anderes und nehme die damit einhergehende Armut billigend in Kauf: es gibt manchmal wichtigeres als die Maximierung des persönlichen Rohstoffverbrauches.

Die Zutaten für dieses Experiment waren einfach: wie im Artikel zitiert eine im Handelsblatt erwähnte Studie, die besagt, dass 60% der Deutschen das mächtigste Land in Europa nicht mehr als Demokratie ansehen, ein in der konservativen Welt erschienener Artikel über die Dynastien, die Deutschland regieren und ein Artikel des Spiegel über den Einsatz einer ganzen Natobrigade zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung – aus der Sicht eines V-Mannes eine äußerst brisante Kombination, die alle Alarmglocken klingeln lassen muss: hier wagt jemand, darauf hinzuweisen, dass öffentlich als seriös anerkannte Medien offen über eine Diktatur im „Westen“ berichten … eine Nachricht, die als solche nicht erscheint, sich aber logisch aus den Informationen ergibt. Da wir von einer großen Masse an Sympatisanten für diese Nachricht ausgehen müssen, die sich – möge es der Himmel vermeiden – nachher noch zu einer basisdemokratisch organisierten Gruppierung zusammenschließen, die die Machtverhältnisse im „Westen“ zuungunsten des „Establishment“ in Frage stellt, war der Einsatz eines V-Mannes hoch wahrscheinlich.

Und der kam dann auch recht schnell. Hören wir Agent „Heiner“:

Hr. Dammann, Jahrgang 59, beschäftigen Sie sich einmal unvoreingenommen mit sowas
und den Argumenten ohne gleich in das gängige Fahrwasser zu kommen. Und dann, einer wie Sie: wer suchet der findet… darauf bezogen können Sie die Diktatur die Sie im Jetzt verorten unter anderen Gesichtspunkten sehen. Mich gan persönlich, der sich einige Zeit prüfend mit dem (link) beschäftigte hat es persönlich ungemein befreit. Anderseits erschrocken und ich erschrecke täglich mehr, wohin wir uns bewegen.

Achten Sie mal auf die Sprache. Ich weiß, dass wird in Schulen nicht mehr so gelehrt. Wie ein weiser Vater spricht er zu seinem Sohn, lenkt ab von einem wichtigen Thema (einer Diktatur im Jetzt) zu einem unwichtigen Thema (andere Gesichtspunkte – die aber direkt durch den Link vorgegeben werden). Versprochen wird: eine ungemeine Befreiung.

Der von mir entfernte Link (Holocaustleugnung ist in Deutschland eine Straftat – und zwar völlig zurecht, wenn man nicht will, dass sich die Vernichtungsorgie nochmal wiederholt) führt zu einem bekannten Holocaustleugner, dessen Thesen schon längst von einem seiner Schüler widerlegt wurde: wer arbeitet eigentlich noch mit solch´ veraltetem Material?

Hier ist die Arbeit eines Geisteswissenschaftlers gefragt, nicht die eines Journalisten, hier gilt es, die Absicht der Tat herauszufiltern … und nicht den Köder zu schlucken, der offen hingelegt wurde. Zeit, wach zu werden, lieber Leser: was wurde hier GETAN?

Mit einem einzigen Schlag wurde ein freies, unabhängiges Medium (Neopresse, um genau zu sein) als Ort besetzt, an dem man unkommentiert eine Straftat begehen kann. 300 Autoren samt des Initiators wurden so zu Nazikollaborateuren. Sollte dieser Artikel über die Diktatur in Deutschland (deren Existenz ja ein Schlag ins Gesicht eines jeden anständigen Bürgers bedeuten würde und zu dringlichem Handeln aufrief) sich also im Netz weiterverbreiten, so verbreitet sich auch automatisch die naive Holocaustleugnung mit … und entzieht der Argumentation jegliche Glaubwürdigkeit.

„Bei Neopresse fabulieren Nazis vom Endsieg über den Juden“ – so wird die Meinung der kritischen Öffentlichkeit über dieses Web-Projekt sein, was seine Reichweite sofort enorm einschränkt und jedes der kritischen Worte – wirlich JEDES – in ein äußerst braunes Licht stellt, was die Glaubwürdigkeit jeder Arbeit sofort in Frage stellt: so mordet man soziale Existenzen.

Ein hartes Stück Arbeit, was ich Ihnen da zumute, nicht wahr? Gedankliche Arbeit, wohlgemerkt.

Wäre Agent Heiner wirklich ein Nazi – so hätte er gar nichts geschrieben. Versetzen Sie sich einmal in die Situation eines rechtsradikalen Verfassungsfeindes, der einen Artikel vorfindet, der – aus der Mitte der Gesellschaft heraus – diesen Staat glaubhaft als Diktatur beschreibt: was würden Sie tun …. so als echter Nazi? Gar nichts. Ihr Ziel – ja, Ihr ganz persönliches Ziel – erfüllt der Artikel doch ebenso, ist gibt für Sie keinen einzigen Grund, hier mit veraltetem „esoterischem“ Geheimwissen präsent zu werden, Artikel dieser Art können dazu geeignet sein, die Zerrüttung der Gesellschaft in der Sie leben voranzutreiben – was ganz in ihrem Sinne ist, weil sie ja von Machtergreifung träumen.

Agent Heiner jedoch – läuft zu Hochtouren auf, weil seine Mythen (die er fleißig lernte, um Akzente zu setzen) nicht so ankommen wie geplant. Nun – die Facetten des Mythos „der Jude ist an allem Schuld und will Deutschland vernichten“ – direkt entnommen aus Hitlers Wahnvorstellungen – sind vielfältig, monoton und leicht zu widerlegen, wenn man die Perspektive ändert. Versuchen Sie es selbst – machen wir ein Gedankenexperiment. Stellen Sie sich vor – für einen Moment – dass Gott persönlich in diesem Moment alle Juden aus der Welt entfernt. Das muss man nicht wie Hitler und andere europäische Antisemiten durchführen, das geht – für einen Gott – auch per freudiger „Entrückung“. Mal ehrlich: was würde sich ändern? Der BND (und die Telekom) würden keine Daten mehr in Deutschland für die NSA sammeln? Alle Reichen in Deutschland würden 50 Prozent ihrer Aktiengewinne zur Finanzierung des Sozialstaates abgeben (ja – nur die Abgabe von 50 % der Aktiengewinne des Jahres 2016 würden die Ausgaben des Bundes für Hartz IV mehr als decken)? Sämtliche Finanzinstrumente zur Ausplünderung des Mitbürgers würden sofort aufgegeben zugunsten einer gemeinnützigen Solidarwirtschaft? Alle Netzwerke von Politik und Wirtschaft würden sich sofort auflösen? Die arabischen Staaten würden Palästina sofort friedlich und gerecht in einen großen, arabischen Staat verwandeln? Nun – das könnten sie schon jetzt: die Blockade Palästinas wurde auch von Ägypten aufrecht erhalten – und mit dem Geld Saudi-Arabiens könnte man – ohne große Anstrengungen – jedes materielle Leid im Gaza-Streifen verhindern, aus jedem Bewohner einen reichen Menschen machen. Darüber … redet man aber nicht gerne, weil es nicht zielführend ist.

Falls Sie die Fragen mit JA beantworten: mangels großflächiger Präsenz jüdischer Mitbürger in Deutschland wäre das ja hier schon jetzt möglich. Warum also geschieht es nicht? Kann es sein, dass die 85 % der Milliardäre der Welt, die nichts mit dem Judentum zu tun haben, die Funktionen ihrer Kollegen einfach ohne große Änderungen übernehmen würden – wie sie es jetzt schon in Asien tun?

Es bleibt natürlich erstmal eine Hypothese, das Agent Heiner vom BND instruiert wurde. Aber wie alle „Verkäufer“, die ihre Ware selbst nie gedanklich durchdrungen haben, macht er, was Verkäufern immer gelehrt wird: er macht ein neues Fass auf, diesmal: „nine-eleven“. Das verrät erstmal das Ziel – und seinen Auftrag: Diskreditierung eines unbequemen Nachrichtenmagazins. Auch hier muss wieder etwas Gedankenarbeit geleistet werden. Es gibt hervorragende Arbeiten zu der (mangelhaften) Verschwörungstheorie der US-Regierung über den dreisten Coup eines Bin Laden, die nahelegen, dass die Wahrheit eine Andere ist als die, die uns gerade verkauft wird. Und es gibt das von Agent Heiner zitierte Video, ein zusammengeschnittenes You-Tube-Machwerk, in dem ein hysterisch klingender Jugendlicher alle für dumm erklärt, die seinen Ausführungen nicht folgen können. Eingestellt wurde das Video von „gesund&lecker“ – einem Produzenten, der ansonsten gerne über Hanfkakao, Smoothies und Tee informiert.

Die Konsequenz – im Rahmen der laufenden Diskussion? Ein weiterer Spinnerbonus für seriöse Autoren von Neopresse. Dabei gibt es genug qualitativ hochwertiges Material zu diesem Thema.

Und wie alle schlechten Verkäufer (was jeder ist, der tut, wohinter er persönlich gar nicht steht) greift er zur „Argumentationsdusche“ via You-tube-Videos, deren Studium das Zeitkontingent jedes normalen Mitteleuropäers bei weitem übersteigen würde. Trotzdem lohnt es sich, einen Blick auf die Videos zu werfen, denn: man entdeckt etwas Besonders. Mit großer Akribie und Sorgfalt wurden Informationen gesammelt (und mit Absicht in einen anderen Zusammenhang dargestellt) – über einhundert Jahre Pressegeschichte hinweg.

Wer hat eigentlich das Potential (Zeit und Geld) so eine Arbeit zu leisten? Der einsame Neonazi aus Milwaukee? Oder doch eher ein subversiver Dienst, der das Entstehen einer Gegenkultur im Keim ersticken möchte? Hier stoßen wir auf einen Kern geisteswissenschaftlicher Arbeit, den ich Ihnen weder abnehmen kann – noch abnehmen will. In der strengsten Abteilung der Geisteswissenschaften – der Philosophie – gilt unumwunden der Satz: „ich weiß, das ich nicht weiß“ – schon seit Jahrtausenden. Deshalb ist man gut beraten, in Wahrscheinlichkeiten zu denken – was die meisten Menschen tun, sie nennen das dann modern „Glauben“ („ich glaube nicht, dass …; ich glaube, dass“) … und machen so unbewusst aus der Frage der Wahrheitsfindung eine religiöse (und damit im Rahmen der Welt wertlose) Frage.

Also: was halten Sie für wahrscheinlicher – das ein Geheimdienst seine Möglichkeiten spielen läßt, um jeden Widerstand mit verdeckt rechtsradikalen Mythen zu infiltrieren, die auf immer verhindern werden, dass sich eine kritische Öffentlichkeit zusammenschließt, um ins Handeln zu kommen … oder das ungebildete Einzelgänger durch Zufall großes esoterisches (also nur eingeweihten Kreisen zugänglichem) Wissen gefunden haben – bei youtube?

Für mich fällt das Urteil leicht (wie bei nine-eleven, wo sich eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür abzeichnet, dass die offizielle Verschwörungstheorie nicht dem tatsächlichen Geschehen entspricht): ich verweise auf zwei aktuelle Artikel, hier erstmal die FAZ vom 14.5.2015:

Neues Verfahren, altes Spiel: Im NPD-Verbotsverfahren mussten alle V-Leute aus der Führungsebene der Rechtspartei abgezogen werden – sonst droht ein wiederholtes Scheitern.

Bleiben Sie bei dem, was interessant ist: nicht das Verbotsverfahren sollte interessieren, sondern … die Anzahl von Geheimdienstleuten in der Führungsebene – die man so bequem mit rechtsradikalen Mythen versorgen kann, die mit Sicherheit dafür sorgen, dass sich 1933 nie wiederholen wird, weil sich die Altnazis so zu einer nie mehr zu großem Einfluss fähigen Gruppe entwickeln können, die Mehrheiten in Deutschland hinter sich vereinen kann.

Die zweite Meldung stammt aus der TAZ vom 12.5.2015 und beschäftigt sich mit der Involvierung des Verfassungsschutzes bei den rechtsradikalen NSU-Morden, denen der Verfassungsschützer Temme teilnahmslos und – wie der Anwalt einer der Opfer glaubhaft darstellt – im dienstlichen Auftrag beigewohnt hat.

Mit den gleichen Methoden wurde ein Erstarken der Friedensbewegung im Keim erstickt – heute gelten „Mahnwachen“ in breiter Front als Legendenorgien von Neonazis (übertrieben formuliert).

Der Trick funktioniert halt überall.

Das letzte Indiz für unseren BND-Agenten Heiner?

Er gibt auf, als er am Ende seines Schulungsmaterials angekommen ist. Kein überzeugter Kämpfer für „seine Wahrheit“ – wie man sie in rechtsradikalen Kreisen finden kann – sondern jemand mit einem Auftrag, den er gut erfüllte. Ein echter „Nazi“ hätte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die einmal begonnene Auseinandersetzung zu gewinnen – ein V-Mann jedoch zieht sich zurück, wenn sein Auftrag erledigt ist.

Die Textanalyse zu den Aussagen von „Agent Heiner“ hätte ich hier noch umfangreicher ausführen können – doch wer würde 40-5o Seiten Textanalyse noch folgen wollen? Zugegeben: von welcher Stelle er für seine subversive Arbeit bezahlt wird, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, „BND“ sei hier nur als Synonym für „Nachrichtendienste“ eingestellt.

Ja – das ist … in meinen Augen mit großer Wahrscheinlichkeit … unangenehme Wahrheit hinter vielen im ersten Moment harmlos erscheinenden Mythen, die seit Jahren die „Szene“ fluten, aber alle den gleichen Zweck verfolgen: jeden sich formenden gesellschaftlichen Widerstand gegen den sterbenden Kapitalismus mit dem – gesellschaftlich weit als solches akzeptiertem – „absoluten Bösen“ zu verquicken: dem NS-Vernichtungsstaat.

Das dieser Staat nur ein Probelauf war, dass der NS-Vernichtungsstaat nur das logische Ende eines ausufernden, in seiner Unmenschlichkeit hemmunglos feudal orientierten Wirtschaftssystems war, der Muster sein kann für alle Folgestaaten, die die Folgen der unauflösbaren Widersprüche dieses Systems zu bewältigen haben, wird so nicht mehr diskutiert, eben so wenig, wie das Grundübel jener Zeit: die Bildung absoluter Macht über die Menschheit durch engen Schulterschluß zwischen Konzernwirtschaft und Parteienwirtschaft.

Ein Blick zurück in die NS-Geschichte – auf Geschehnisse, die kaum weitergetragen werden? Meine Mutter (Arierin, Kind, 9 Jahre alt, unpolitisch) musste ihre eigene Kotze beim Bund deutscher Mädels essen. Sie hatte ihr Essen erbrochen … und 399 weitere BDM-Mädels mussten warten, bis sie das Ergebnis ihres Erbrechens vollständig vertilgt hatte. Der Vernichtungsstaat … war für jedermann hoch gefährlich – und psychisch krank bis ins Mark. Schade, dass wir den Geschichten unsere Eltern und Großeltern und Urgroßeltern nicht mehr lauschen. In jenen Lagern wurden Kinder angehalten, ihre Eltern zu verraten – und so wurden viele umgebracht, nur weil der verzogene Sohnemann sich für ein nicht gekauftes Eis rächen wollte.

Wenn Sie in einer solchen Welt leben wollen … bitte schön. Dann folgen Sie Agent Heiner in seinen Ausführungen. Aller Wahrscheinlichkeit nach bewegen wir uns direkt wieder auf eine solche Welt zu, „unwertes Leben“ wird wieder öffentlich von Parteioberen definiert: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen“.

Anders formuliert: „Wer nicht für meinen Profit billig schuftet, den bringe ich um“.

 

 

 

 

Affirmationen

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Sonntag, 22.3.2015. Eifel. Wieder einmal ein Tag, um jene Themengebiete zu streifen, die im politischen Alltag normalerweise untergehen – ihn aber enorm beeinflussen. Ja – es geht um Affirmationen, dem lateinischen Wort für positive Versicherung, Beteuerung in Bezug auf Aussagesätze, aber nicht im Rahmen der Aussagelogik oder der Sprachenwissenschaft, sondern im Rahmen der Lebensphilosophie des 21. Jahrhunderts.

Ich bin zufällig auf dieses Thema gekommen – ganz unbeabsichtigt. Ich hatte mal über mein Leben geschrieben und ihm den Titel gegeben, ich sei „arm, alt, krank und einsam“. Dies hatte mir eine enorme Schelte eingebracht, nach dem Motto, was ich denn für seltsame, abartige Affirmationen hätte. Nun – ich hatte gar keine Affirmationen, ich wollte mich nur einer nüchterenen Zustandsbeschreibung stellen, wie sie in den Augen dieser Welt gegeben ist. Da bin ich nun mal arm – und ich brauche nicht nach Bill Gates zu schielen, um die Aussage aufrecht erhalten zu können, schon ein einfacher Blick nach einem Bundestagsabgeordneten zeigt mir, wie erbärmlich weit abgeschlagen ich im Bezugsranking der Republik stehe.

Alt? Das wurde mir klar, als mir eine österreichische Facebook-Gruppe vorgeschlagen wurde, in der sich „Senioren“ über fünfzig sammelten. Scheinbar gibt es auch Senioren unter fünfzig (da wollen wir jetzt nicht auch noch drauf eingehen), ich jedoch lag mit 55 auf jeden Fall im Seniorenabteil … und fühlte mich spontan fürchterlich alt. Mein Begriff von Senior war bis dato ein anderer.

Krank? Nun – ich beziehe eine Rente. Winzig klein, reicht kaum zum Leben, ist aber ein eindeutiger Beleg dafür, dass mit meiner Gesundheit etwas nicht stimmt: viele missgünstige Augen haben da drüber geschaut und mussten feststellen: nee, den kann keine Firma mehr verwerten. Den müssen wir mit durchfüttertn.

Einsam? Nun – ich wohnte in einem abgelegenem Haus in einem abgelegenen Tal, fernab jeglichen kulturellen Treibens, bin kaum in Vereinen – und außerdem allein erziehend. Gut – man kann jetzt darüber diskutieren, wie einsam man mit Kindern wirklich ist … aber im Vergleich zu den Zeiten, als ich noch gut verdiente, ein großes Haus mein Eigen nannte und viele Menschen beköstigen konnte, ist es schon deutlich stiller geworden … zudem habe ich durch frühen Tod nahezu alle meiner ehemaligen Freunde aus Jugendzeiten verloren …. was nebenbei auch dafür spricht, dass mir das Adjektiv „alt“ langsam zusteht.

Es waren also keine Falschaussagen, die ich traf, trotzdem riefen sie Empörung und Entrüstung hervor – und harsche, andauernde Kritik.

Ich war etwas verunsichtert ob dieses Gegenwindes, zumal … ich als armer, alter, kranker, einsamer Mensch ein recht glückliches, zufriedenes, erfüllendes Leben lebe, eines, von dem ich immer geträumt habe, ein Leben, dass nun durch einen neuen Wohnort mit Seeblick und Fernsichtpanorama am Arbeitsplatz noch ein wenig verbessert werden konnte. Wenn denn das Affirmationen waren (was nicht beabsichtigt gewesen wäre): zählt denn das Ergebnis nicht?

Was ist das für eine seltsame Welt, die den Erfolg beiseite schiebt und eine besondere Methode vorschreiben möchte, mit denen man die vorgeschriebenen Ziele zu erreichen hat?

Ich grübelte noch ein wenig weiter – weil nur das Grübeln, der Zustand des Grübelns mir diese erhellenden „Eureka“-Momente verschafft, die ich so mag, ja, zum Genuss des Lebens und Denkens brauche. Mir fielen die Psalmen ein, jene biblischen Gesänge, die dem Weisen Salomo zugeschrieben wurden. Psalmen – eine Gruppe von Liedern, die von verschiedenen Priestern in Jerusalem gesammelt wurden – haben zumeist eins im Sinn: Klagen über den schlechten Zustand des Einzelnen, der arm, alt, krank und einsam ist.  Sicher: sie sind eine weitschweifige Literaturgattung (wie man die singen soll, erschließt sich uns heute nicht mehr), aber das häufigste Thema (50 Psalmen) ist das Leid des Einzelnen – und das scheint auch Sinn zu machen, immerhin erhofft er sich ja durch seine Gesang, seinen Ruf nach Gerechtigkeit, einen gewissen Ausgleich im Diesseits, eine kleine Korrektur des bislang unglücklich verlaufenden Lebenspfades. Wie will man die erreichen, wenn man den ganzen Tag nur Prahlgesänge abläßt? Ja – auch Prahlgesänge (Prahllieder) kannte das Alte Testament: Gesänge, wo sich einzelne ob ihrer unermesslichen Fähigkeiten, ihres überragenden Potentials und ihres überschießenden Reichtums ausließen.

Ich stand also in der Traditionen der Psalmen – doch was war falsch daran?

Ich fand die Zeitschrift „Focus“, die mir Antworten lieferte: „Grübeln Sie noch oder affirmieren Sie schon“ – das schien genau mein Thema zu sein (siehe Focus):

„Affirmationen sind bewusst formulierte positive Gedanken, die uns bei der Erreichung unsere Wünsche und Ziele helfen sollen. Sie basieren auf der Annahme, dass unsere Gedanken nicht nur das, was wir fühlen und tun, sondern auch Körpervorgänge, biologische und chemische Prozesse steuern.“

Bewusst formulierte positive Gedanken? Prahlgesänge also? Nun – aus der Immunologie ist bekannt, dass die persönliche Befindlichkeit das Immunsystem beeinflussen kann, eine Zeit lang wurde vermutet, dass man so vielleicht sogar Krebs aus der Welt schaffen kann – dank massiven Einsatzes von Beitragsgeldern aus der Pharmaindustrie werden solche Überlegungen im Rahmen der Psychoonkologie in Deutschland nicht mehr verfolgt: an Krebs verdient man exzellent.

Der Focus klärte dankenswerterweise auch auf, was nun solche Affirmationen sein können:

„Das Leben liebt mich.
Ich bin einfach wunderbar, na das ist doch sonnenklar.
Ich gehe von Vergnügen zu Vergnügen.
Nur Gutes erwartet mich.
Ich behalte immer gute Laune und lass die Dinge wie sie sind.“

Also doch: Prahlgesänge.  Oder?

Was ist eigentlich genau „das Leben“? In Form von Bakterien bzw. Raubtieren äußert sich diese Liebe auf recht eigentümlich Art und Weise, denke ich dann noch an Krankheit und Alter, wird es noch schwieriger, diese überschießende Liebe mit dem einfachen Verstand in Beziehung zu bringen.

Gehören Sturmfluten, Vulkanausbrüche und Wirbelstürme auch zu diesem „Leben“?

„Ich bin einfach wunderbar“ … ein Prahlgesang, wohl wahr – galt früher nicht mal „Eigenlob stinkt“? Und … wäre es nicht viel schöner und aufbauender, dies aus dem Munde anderer Menschen zu hören anstatt nur aus seinem eigenen?

Und diese Vergnügensgeschichte … wird bei einigen Berufsfeldern schwer durchzu  halten: Krankenpfleger, Bestatter, Kanalarbeiter vorne weg … und eigentlich alle anderen arbeitenden Menschen hinterher, immerhin singen die jeden Montag Morgen ein anderes Lied.

„Nur Gutes erwartet mich“ … verweigern unsere Kinder mit diesem Argument Schulbesuch und Ausbildung, werden schnell andere Affirmationen geschrieben, denke ich mir. Aber Lottoscheine kann man mit dem Slogan gut verkaufen.

„Ich behalte immer gute Laune und lass die Dinge wie sie sind“ – so wünscht sich der Feudalismus seine Bürger, so dressiert arbeiten die 16 Stunden am Tag, sieben Tag die Woche für die prallen Bäuche ihrer Herren.

Ja – und um Dressur geht es hier. Auch darüber klärt ein großes, deutsches Nachrichtenmagazin auf. 10000 Mal sollte man die Affirmation schon aufsagen, zehn mal täglich mindestens, dann stellt sich der Erfolg ein. Dann liebt einen das Leben, man ist sonnenklar wunderbar, geht von Vergnügen zu Vergnügen, kann nur Gutes erwarten, behält immer gute Laune und läßt die Dinge, wie sie sind – vor allem die ökonomischen und politischen Verhältnisse.

Wer den Artikel geschrieben hat?

Nicht irgendwer, sondern Dr. Ilona Bürgel:

„Die Referentin Dr. Ilona Bürgel ist Psychologin und Autorin. Sie hat sich auf den Wirtschaftsfaktor Wohlbefinden spezialisiert und zeigt, wie der Spagat zwischen Lust auf Leistung und Erhalt der eigenen Ressourcen in der Arbeitswelt von heute gelingt. Sie studierte Psychologie an der Universität Leipzig und promovierte zum Autobiographischen Gedächtnis. Dr. Ilona Bürgel arbeitete 15 Jahre im Management der freien Wirtschaft.“

Und sie ist Vorbildunternehmerin des Bundesministerium für Energie und Wirtschaft. Ebenso Autorin des Buches: „Jetzt denke ich wirklich nur an mich“.

Menschen wie Sie findet man oft in der „Szene“. Jahrelang dem Moloch Geld gedient und dann aus dem System heraus eine Dienstleistung gefunden, die dem System so sehr dient und nützt, dass sie von den Herren des Geldes oft gekauft wird, um die Mitarbeiter zu drillen.

An was für einer Gesellschaft baut man dann mit solchen Affirmationen?

Politisch gesehen: an einer Duckmäusergesellschaft von asozialen Egomanen. Schauen wir uns um, dann merken wir vielleicht schon jetzt, dass die Tausenden von Trainern, die Tag für Tag von Unternehmen bezahlt werden, einen gewissen Einfluss auf die politische Gestaltungskraft der Bürger hatten.

„Affirmationen statt Demonstrationen“ …. so der Wahlspruch. Niemand scheint Bedenken daran zu haben, dass diese Philosophie gerade aus der Ecke des sterbenden Kapitalismus kommt, der sich keinerlei kritische Gedanken mehr erlauben kann und eine Programmierung zum zwanghaften Wohlfühlen braucht, um noch von den Menschen eine Weile weiter getragen werden zu können. Könnte aber erklären, warum die Agenten dieser Philosophie nahezu unbeschränkt von Konzernen mit Geldmitteln ausgestattet werden … wenn sie innerhalb der Konzerne zuvor bewiesen haben, dass sie zu jeder Zeit linientreu sind.

Wir wollen aber nicht zu politisch werden – heute ist ja Sonntag. Bleiben wir beim Nutzen für den Einzelnen.

Fangen wir morgens früh an – und bleiben auf dem Boden der Realität.

Der Tag beginnt im Bett – für mich um 6 Uhr. „Das Leben liebt mich“, kann ich mir sagen, während ich den klagenden Misstönen des Weckers lausche, die absichtlich so gestaltet sind, um mich aus dem Schlaf zu reißen. Ich sage mir, dass ich sonnenklar wunderbar bin – dem Wecker ist das egal, er klingelt weiter. Ich wiederum rede mir ein, dass ich von Vergnügen zu Vergnügen gehe … während der Wecker ein anderes Lied singt. Ich vergewaltige meine Ohren und mein musisches Empfinden und rede mir weiter ein, dass mich nur Gutes erwartet: diesen Akt der Realitätsbeugung muss ich angesichts des metallischen Kreischens neben meinem Bett erfolgreich vollziehen, um die Affirmation durchhalten zu können. Letztlich behalte ich meine gute Laune und lasse die Dinge so, wie sie sind, ja, denke mal nur an mich – und bleibe liegen, so, wie es mir am Besten gefallen würde.

Die Folgen?

Die Kinder kommen zu spät zur Schule (bzw. gar nicht), ich fehle am Arbeitsplatz, mangels morgendlichem Stuhlgang habe ich im Laufe des Tages zunehmend ernsthafte gesundheitliche Probleme. Nach einer Woche findet man mich dann – voller positiver Affirmationen – tot im Bett. Verdurstet, verhungert, aber voller guter Laune, weil ich die Dinge so gelassen habe, wie sie sind.

Probieren Sie das mal ruhig aus … und schreiben akribisch auf, was sie alles sonst noch TUN, um die vernichtenden Folgen der geistlosen Affirmationen zu neutralisieren. Ja – sie setzen automatisch – ohne große Gedanken – Taten an Stelle von Gedanken ein, um negative Folgen schon im Ansatz zu ersticken.

Bleiben wir beim morgendlichen Toilettengang – da helfen mir die Affirmationen sehr: „ich gehe von Vergnügen zu Vergnügen, nur Gutes erwartet mich“: so erheitern mich die Sprüche neoliberaler Motivationspsychologie schon bei den ersten Taten des Tages, geht es dann um Staub putzen, Wäsche waschen, Staub saugen (sehr schmerzhaft bei meiner Grunderkrankung), spülen, kochen, Biomüll entsorgen und die Hausaufgaben pubertierender Menschen zu kontrollieren, merke ich, dass Affirmationen einen gewissen Galgenhumor in sich tragen, den man aber nur merkt, wenn man in die Gänge kommt … also: zur Tat schreitet, die Dinge eben nicht so lässt, wie sie sind, sondern folgerichtig und notwendig verändert – und zwar selbst dann, wenn mit dem Prozess der Veränderung das eine oder andere Ungemach, die eine oder andere Unannehmlichkeit verbunden ist oder im schlimmsten Fall sogar Arbeit droht …. oder die Revolution.

Wie oft bleibe ich eigentlich im Alltag mit den Affirmationen auf der Strecke … wenn ich den „Anderen“ begegne, jenen Wesen, die nach Sartre die einzig wahre Hölle darstellen?

Was für ein Selbstbild bleibt eigentlich nach jahrelangem Selbstbetruges (also: kritiklosem herunterbeten selbst geschaffener oder übernommener Glaubensätze) übrig, wenn man … krank wird? „Alt werden ist nichts für Feiglinge“ – so die Ärztin meiner Mutter, die mit bald 81 Jahren über beständig größere körperliche Mängel klagt: man sieht – die Krankheit kommt automatisch.  Was ist wenn die Umwelt (die von Menschen, die lieber nur an sich denken, selten wahr genommen wird), beschließt, dass man an Krebs erkrankt, gutes Opfer für einen Autounfall ist, mit seinem Land gerade prima in den Krieg mit dem Nachbarn ziehen kann, tödliche Medikamente oder überflüssige Operationen verordnet bekommt oder es Zeit ist für groß angelegten Wassermangel … oder Massenentlassungen?

Prahlgesänge – das wusste schon das alte Testament – haben leider keinen Einfluss auf die Realität. Der jedoch muss ich mich stellen.

Prahle ich: „ich bin reich, gesund, jung und der Mittelpunkt der menschlichen Gesellschaft“ so ist dies wohl nur für sehr wenige eine Beschreibung der Realität … und bietet dem Universum, dem Unterbewusstsein, den Geistern und Göttern keinerlei Handlungsanreiz: gilt, das Gedanken Realität formen, dann ist die ja mit dem Aussprechen der Affirmationen schon eingetreten – was gibt es da noch für einen Handlungsbedarf?

Gestehe ich jedoch, dass ich arm, alt, krank und einsam bin, so haben Unterbewusstsein und Götterwelt einen klaren Handlungsauftrag … und auch ich selbst werde aufgerufen, mal was anderes zu tun als mir dauernd die Welt schön zu reden.

Wissen Sie übrigens, was mit der Methode der „Affirmation“, die gerne von Sektenführern eingesetzt wird, um ihren Ausschließlichkeitsanspruch durchzusetzen, alles „bewiesen“ werden kann? Unter anderem … dass die Erde eine Scheibe ist, die Sterne nur Löcher im Firmament und der Mond aus grünem Käse? Versuchen Sie es mal selbst: sagen sie 10 000 Mal das die Erde eine Scheibe ist … und achten Sie auf ihre emotionalen Reaktionen im Laufe der Jahre, wenn Ihnen jemand die Erde als Kugel verkaufen will.

Ich denke: einen Großteil menschlichen Elends haben wir gerade solchen Realitätsverdrängern und Wirklichkeitsleugnern zu verdanken, die dafür sorgen, dass Menschen noch heftiger auf die Betonplatte des Alltages aufschlagen, wo es in der Tat Menschen, Firmen und Behörden gibt, die ihnen absichtlich Schaden zufügen wollen … und dabei nicht mit Affirmationen arbeiten.

Deshalb bleibe ich lieber bei meiner „Affirmation“: ich bin arm, alt, krank und einsam.

Die hat mich innerhalb von nur vier Monaten zu neuen Freunden, neuen Wohlfühllebensraum, anderer Bewertung meines „Seniorentums“, Bargeld und einer überraschend positiven Erfahrung bezüglich meiner Restleistungsfähigkeit geführt.

Doch dazu bedurfte es der Tat, glücklichen Fügungen, der Hilfe von Menschen und der Bereitschaft zu größtmöglichem Arbeitseinsatz. Habe ich aber die Hilfe von Menschen, die Bereitschaft zur Arbeit und zur Tag … wozu brauche ich dann noch „Affirmationen“?

In der Zeit genieße ich lieber die schöne Aussicht.

 

 

 

Die „Lügenpresse“ und ihre natürlichen Feinde: die Leser

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Dienstag, 17.2.2015. Eifel. Wieder einmal Karneval. Vor sechs Jahren wurde zu einem solchen Zeitpunkt der „Eifelphilosoph“ erfunden – aus purer Langeweile. Nicht im Mindesten war die Absicht, daraus ein Medienportal zu machen oder sich mit den Großen dieser Branche anzulegen, eher war es der Tatsache geschuldet, dass ich aus gesundheitlichen Gründen morgens ein paar Stunden Ruhe brauche, um mein Tagwerk verrichten zu können. Journalist zu werden: welch´ unmögliche Vorstellung – zu nah war noch die Erinnerung an den Blick in Prüfungsunterlagen von Fernschulen, deren geforderte Testantworten schlichtweg unlogisch und sachlich falsch waren … keine Ahnung, was da ausgebildet werden soll. Nach meinem Eindruck: Wesen, die extrem hörig sind und selber nicht mehr denken. Wer seinen Kopf noch zum Denken benutzt, hätte andere Antworten auf die Prüfungsfragen gewählt: stringend logisch, aber im Sinne der Prüfer falsch – was für ein Unfug.

Sechs Jahre später schauen meine Freunde und ich auf eine verblüffende Story: die Geschichte das Nachrichtenspiegels, der von einem guten Dutzend ehrenamtlicher Schreiber und Informationsliferanten betrieben wird – aus Spaß an der Freude. Ja, auch die Politik nimmt uns wahr: regelmäßig erhalte ich persönliche Einladungen zu Pressekonferenzen nach Berlin, ZDF und rtdeutsch wollten mich auf den Bildschirm bringen – und auch einige Journalisten hatten schon mal nach Interviews gefragt … einige wenige sogar mit Erfolg.

Eine davon hat nun einen Artikel geschrieben. Wir hatten vereinbart, dass ich über den Artikel informiert werde, wenn ich zitiert werde – doch ich wurde nicht zitiert, was mich nicht weiter verwunderte. Die Gesprächsführung verlief schon erstaunlich tendenziös – was keine Absicht gewesen sein muss, war die Journalistin doch noch ziemlich jung. Es ist schwierig, in solchen Gesprächen seine eigene Meinung über den bösen Putin und die schrecklichen Russen zurück zu stellen, um den Argumenten des anderen zu lauschen – aber das macht einen guten Journalisten aus. Das würde auch einen guten Diplomaten ausmachen – aber die sind momentan scheinbar völlig in der Versenkung verschwunden.

„Nichts ist wahr, alles ist möglich“ – so lautet die Überschrift des Artikels, im „Falter“ erschienen (siehe „Falter“).  Der Satz ist schon fantastisch: die Autorin scheint die Prämissen altgriechischer Philosophie vollständig erfasst zu haben, ebenso scheint vollumfänglich die aus den Ergebnissen der Forschung über Wahrheits – und Erkenntnistheorie stammenden Erwägungen umgesetzt worden zu sein, man ist zum Kernpunkt des urdemokratischen Skeptizismus angelangt …. ja: der Demokrat MUSS immer extrem skeptisch sein, damit er nicht durch eine Informationsdiktatur auf die seichte Art gesteuert und beherrscht werden kann. So etwas stört auch niemanden im demokratischen System: im Gegenteil – es hält den Alltag lustig und lebendig. Leider befasst sich der Artikel nicht mit der absoluten Relativität menschlichen Denkens und Empfindens, sondern mit den alternativen Medien – also mit jenen Lesern, die jetzt selbst zum Stift (bzw. zur Tastatur) griffen, um – ganz demokratisch – ihren eigenen Senf dazu zu geben.

„Wissenschaftler beobachten seit Jahren eine steigende Medienverdrossenheit – nur wird über diese, im Gegensatz zur Politikverdrossenheit, so gut wie nie gesprochen. Was Pegida auf den Straßen ist, ist die „alternative Szene“ im Netz: digitale Wutbürger, die sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen. Alles im Dienste der Demokratie, versteht sich.“

Ein kleiner, feiner Seitenhieb, ein billiger Trick im Kampf um Marktanteile (und um nichts anderes geht es hier): im Internet schreiben nur Wutbürger mit rechtsradikalem, latent ausländerfeindlichem Hintergrund. Wir erfahren auch, was das für Leute sind, die es wagen, ihre Meinung, ihre Gedanken, ihre Schlußfolgerungen öffentlich zu äußern:

„Keller ist ein fülliger Mann Anfang 40, Taxifahrer und gelernter Elektriker.“

Ich übersetze das mal in die Sprache von Personalchefs: ein dicker, ungebildeter Versager (merke: nur Versager fahren Taxi und arbeiten nicht in ihrem Beruf). Kann man erwähnen, muss man aber nicht.

„Die meisten Artikel dazu stammen aus der Feder von Marco Maier, einem schüchtern wirkenden Bäcker aus Purkersdorf.“

Wie der Herr Maier auf die Autorin wirkt, dürfte eigentlich keine Rolle spielen – aber der aufmerksame Leser bemerkt gleich die weitere, versteckte Diskriminierung: da schreibt nebem dem dicken Versager auch noch ein verklemmter.

Der dritte im Bunde – der Gründer von Neopresse, ausnahmesweise mal nicht dick oder verklemmt, sondern ein Tiroler mitte dreißig, der „Neopresse in seiner Freizeit betreibt“ und im „IT-Sektor“ arbeitet. Möchte man meinen, dass hier noch mit Respekt agiert wird, verschwindet das sofort im nächsten Satz:

„In den Außenpolitik-Redaktionen der etablierten Medien würden durchwegs „Hardliner“ sitzen, die in puncto Ukraine eine klare Linie vorgäben, so Hofbauer. Wie hält „NEOPresse“ da dagegen? „Wir haben einen Autor, der Russisch kann“, ist Hofbauers Antwort.“

Das einfach mal so  in den Raum gestellt, wirkt Herr Hofbauer äußert grenzdebil – was wohl Absicht ist. So naiv kann doch nur ein hirnloser IT-Schrauber sein.

So wundert es mich nicht, dass die Autorin mit mir selber nichts anfangen konnte – „weit gereister Akademiker mit Führungserfahrung in der Wirtschaft“: das passt nicht ins Programm. Man will ja Stimmung machen, zeigen, dass man auf „Linie“ ist … und sich so für eine Festanstellung bewerben.

Das soll kein Vorwurf sein.

Die Tatsache, dass Menschen, die sich um das hohe Gut der Information bemühen, um ihr tägliches Brot mit gefälligem Geschreibsel buhlen müssen, ist ein gesonderter Skandal der Moderne, der den demokratischen Staat an seiner Wurzel angreift: ist der Bürger schlecht, falsch oder einseitig informiert, ist seine Meinungsbildung in Gefahr. In so fern machen ALLE „alternativen“ Medien einen guten Job, in dem sie einen Kontrapunkt setzen.

In der Tat: für uns demokratische Bürger ist es nicht so wichtig, dass wir alle in ein Anti-Putin-Gestöhne verfallen, sondern das wir uns unsere eigene Meinung bilden können … und das wir das zarte Pflänzchen Demokratie retten, das in Mitteleuropa noch blüht.

Was ist denn die größte Sünde der medialen „Versager und Volltrottel“?

Sie unterwerfen sich nicht der Deutungshoheit einer akademisch (d.h. von Staatsbeamten ausgebildeten) geprägten Elite, sondern machen sich ihre eigenen Gedanken. Das geht heute, denn dank Internet steht jedem Menschen ein Wissen zur Verfügung, dass einer gut ausgestatteten Universitätsbibliothek gleich kommt. Nun – sicher ist nicht alles so wunderbar wahr und heil, was im Internet steht: das gilt aber auch für Universitätsbibliotheken. Ich selbst war seinerzeit überrascht, als ich in der Universitätbibliothek der Ruhriniversität Bochum Beschwörungsrituale für den von H.P.Lovecraft erfundenen Gott „Nyarlathotep“ fand – oder … von einem renommierte Autor des 19. Jahrunderts … eine Abhandlung darüber, warum der Mond aus grünem Käse sei.

Aber – so die berechtigte Frage: ist es denn überhaupt angesagt, den „Mainstremmedien“ zu misstrauen? Berichten die nicht immer und überall objektiv und stichhaltig, nach bestem Wissen und Gewissen? Haben wir nicht hinreichend Grund zur Annahme, dass sich der etablierte Journalist mit all seinern Qualifikationen einzig und allein in den Dienst der Wahrheit stellt?

Es wäre billig, jetzt auf die Hitler-Tagebücher zu verweisen, denn man muss jedem Journalisten zubilligen, auch mal irren zu können – genauso wie man jedem Leser zubilligen muss, die gelieferten Informationen kritisch zu hinterfragen: geschähe dies nicht – Hitlers Tagebücher wären heute Standardlektüre im Geschichtsunterricht.

Wir Leser haben in den letzten Jahren viel schlimmere Zumutungen erleben müssen, haben erleben müssen, wie leicht und widerstandslos weite Teile der „etablierten Medien“ vorgegebenen Marschrouten folgen. Was sollen sie auch anderes tun – immerhin produzieren sie Nachrichten nicht selber, sondern sind auf Informanten aus der Politik angewiesen … und den Informationen einer Hand voll Nachrichtenagenturen im Privatbesitz. So war es kein Problem – noch hatte es irgendwelche Folgen – eine dreiste „Brutkastenlüge“ in die Welt zu setzen, der viele – auch kritische NGO´s – lange Zeit brav gefolgt sind.

Ebenso dreist war die Lüge über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak – einer Lüge, der mindestens 500 00o Menschen zum Opfer gefallen sind – auch Frauen und Kinder (siehe Süddeutsche). Alle etablierten Journalisten haben diese Lügen kritiklos weitergetragen – auch die großen, öffentlichen Medien, die aktuell durch gezielte, bewusste Manipulationen der öffentlichen Meinung von sich reden machen (siehe Zeit), ein Umstand, der umso bedrohlicher wirkt, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass sich die Täter der Wirkung der „Schweigespirale“ sehr wohl bewusst sein dürften und somit einen brutalen Akt der politischen Manipulation begangen haben, der die Demokratie in seiner Substanz gefährdet.

Folgen?

Keine.

Jedenfalls keine, die „das System“ gefährden, jene Netzwerke etablierten Absahnertums in der deutschen Gesellschaft, zu der viele gerne dazu gehören wollen – auch viele Journalisten. Das System? Ein Begriff, den ich von dem Universitätsprofessor Hans-Herbert von Arnim geliehen habe (gleichnamiges Buch siehe dhv-Speyer) – also nichts aus den Kreisen der von unserer Journalistin so geschmähten dicken Versager.

Aber wer liest heutzutage schon dicke Bücher, wenn es doch so einfach ist, Merkels Parole „Deutschland geht es gut“ in breiter Front zu folgen – oder dem Aufruf „Stoppt Putin“, der an Qualität dem Satz „Kauft nicht bei Juden“ erschreckend nahe kommt.

Wissen Sie, was sich die britische Regierung und die britische Marine gefragt haben, als das deutsche Schlachschiff „Bismark“ mit wenigen Schüssen die Hood – den Stolz der britischen Marine – versenkte? Sie fragten sich: „was können die sonst noch, wenn sie das schon vermögen“. Die gleiche Frage dürfen sich doch wohl auch deutsche Leser angesichts der bisherigen Erfahrungen mit deutschen (und nicht nur denen) Medien seit dem 11.9.2001 stellen – jenem Datum, das der Weltgeschichte einen ganz neuen Kurs verpasste.

Das Schöne ist: wir bekommen auch gleich eine Antwort (siehe Spiegel):

Das britische Militär hat ein neues Schlachtfeld identifiziert: das Internet. Eine neue Brigade mit 1500 Soldaten soll auf Facebook und Twitter die „Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen“.

Die Aufgabe der 77. Brigade sei die Kriegsführung im Informationszeitalter, sagte Armeegeneral Nick Carter der BBC. Er wird die Truppe leiten, die aus regulären Soldaten und Reservisten bestehen soll. Seine Untergebenen sollen über Facebook, Twitter und andere soziale Medien dafür sorgen, dass die britische Armee in bestem Licht erscheint.

Während führende deutsche Printmedien massiven Stellenabbau im redaktionellen Bereich betreiben (z.B. aktuell die FAZ mit 200 Mitarbeitern, siehe Welt), springt das Militär in die Bresche, die dort hinterlassen worden ist. Wo bleibt der Aufschrei der deutschen Medien? Wo bleibt das Entsetzen der Friedensbewegung?

Dürfen wir uns nicht die Frage stellen, die sich die britische Admiralität damals stellte: „was können die sonst noch?“

Nein – denn das führt uns ja in den Bereich der „Verschwörungstheorien“ … d.h. den Bereich der kritischen Intelligenz, die heute nicht mehr erwünscht ist.

„Kritische Intelligenz“?

Ja – in den Kreisen jener verpönten, ja fast schon verbotenen Denker, findet sich jene Vernunft, die der Philosoph schon im alten Griechenland so schätzte und die Grundlage all´ unserer westlichen Kultur darstellt (siehe Forschung und Wissen)

Eine Forschergruppe aus den U.S.A. und Großbritannien, hauptsächlich bestehend aus Psychologen und Gesellschaftswissenschaftlern, haben eine neue Studie vorgestellt, welche darauf schließt, dass Verschwörungstheoretiker entgegen allen Mainstream-Stereotypen vernünftiger sind als Menschen, welche die offizielle Version nicht hinterfragen und umstrittene oder beschrittene Ereignisse einfach akzeptieren.

Das sollte verwundern – und gehört eigentlich auf die Titelseite jedes Mainstreammediums: immerhin geht es hier um die Grundlage unserer westlichen Zivilisation, die sich aufmachte, das Licht der Vernunft in die Welt zu tragen … eine Vernunft, für die „das System“ keinen Platz mehr hat, weil sie die systematische Steuerung der Bevölkerung (ja – darum geht es bei der Benutzung der „Schweigespirale“) nachhaltig stört.

Wundert es da, dass der Begriff „Lügenpresse“ seitens der Leser wieder Relevanz bekommt? Wundert es da, dass jene, die dieses Wort benutzen, leichtfertig in die braune Ecke gestellt werden, die als taktisches Mittel der Verunglimpfung den „Kommunisten“ seit dem Ende der Sowjetunion nahtlos ersetzt hat? Das man die vernünftigen Menschen als Kranke darstellt (siehe Spiegel):

Es braucht nur ein paar Klicks, um in einen merkwürdigen, dunklen Fiebertraum abzudriften, eine schweißnasse Angstfantasie, die von einer Medienverschwörung handelt und einer dämonischen Gewalt, die uns alle manipuliert und systematisch belügt.

Dem Autor – ein Universitätsprofessor – hätte hier in der Tat mit einem einzigen Klick zur 77. Brigade geholfen werden können … wenn er die denn wahrnehmen wollte.

Dunkle Fieberträume, schweißnasse Angstfantasien, dämonische Gewalten? Seltsame Sprache. Ich merke: nicht nur ich habe die Beschwörungsrituale von Nyarlathotep in der Universitätsbibliothek gefunden.

So leicht lassen sich kritische Stimmen als kranke Geister abstempeln … wie soll es da wundern, dass der Leser irgendwann zu einem einfachen Urteil kommt und die gesamte Medienlandschaft als „Lügenpresse“ diffarmiert … einfach, weil er es satt hat, mit billigen, verzerrenden, die Vernunft verhöhnenden Dummkopfparolen hinters Licht geführt zu werden und weil er einen „Sicherheitsabstand“ wahren möchte – ganz nach dem Motto „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“.

Wer die – inzwischen zunehmend streng zensierten – Kommentarspalten etablierter Medien durchforstet, wird schnell sehen, dass es keine Minderheit ist, die dort ihren Unmut über fortschreitende Verblödung der „Qualitätsmedien“ kund tut – es sind Menschen, die sich allein auf Grund ihrer eigenen Stellung im Leben der Gewalten bewusst sind, auf die Medien Rücksicht zu nehmen haben: die Anzeigenkunden, die Parteien, die Politiker, die „Stars“ – denn nur, wer sich den Gewalten als würdig erweist, kann mit dem seltenen Segen einer Festanstellung rechnen – sei es nun als Journalist, als Pressesprecher einer Partei, eines Konzerns oder eines Verbandes: die Verwendung journalistischen Personals ist inzwischen recht beliebig geworden – wie die des politischen Personals.

Darf man da etwa nicht mehr die Frage stellen, wem das nutzt?

Nein.

Es reicht völlig, wenn man das etablierte Medium kauft – und möglichst von seinem Inhalt keine Kenntnis nimmt.

Soweit sind wir inzwischen.

So hätte man uns Leser gern.

Leider sind wir nur nicht so- und kontern auf die Verblödungsoffensive der „Generatiof doof“ mit einem einzigen Wort: „Lügenpresse“.

Über den Motivationshintergrund jener Menschen informieren die Mainstreammedien gleich mit (siehe Spiegel):

Ernüchterndes Ergebnis einer bislang unveröffentlichten Studie der Bundesregierung: Deutsche Studenten sind demnach eine konservative Gruppe, der finanzielle Sicherheit wichtiger ist als politisches Engagement. „Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer stark ichbezogenen Studentengeneration. Berufliches Vorankommen sowie materielle Werte sind für sie sehr wichtig“

Da wird konzentriert neues Absahnerpersonal erzogen – auch im journalistischen Bereich.

Und die können keine Leser gebrauchen, die ihre minderbemittelten Ergüsse nicht klaglos über sich ergehen lassen, dann das stört enorm beim beruflichen Vorankommen und dem Gewinn materieller Werte.

Fukushima und andere Atomlügen: Warum rauchen vor Lungenkrebs schützt.

Digital StillCamera

Dienstag, 6.1.2015. Eifel. Hans Ulrich Jörges, einer der bekanntesten deutschen Journalisten, der recht häufig sehr konstruktive Meinungen im „Stern“ veröffentlicht, meinte mal sinngemäß, dass man heutzutage mit viel Mühe Nachrichten durchsuchen und Bruchstücke selbst zusammenfügen muss, um der Wahrheit nahe zu kommen. Er bezog sich auf Wirtschaftsnachrichten – und das Ergebnis, zu dem er durch seine Methode kam, war beängstigend: wir stehen dicht vor der gigantischsten Wirtschaftskatastrophe der Menschheit. Erwähnt hat er das in dem Interview zu dem Buch von Dirk C. Fleck „Die vierte Macht“.

Wir wissen, warum das so ist. Wir sind die Schäfchen, die Regierung ist der Hirte, die Medien die Schäferhunde. So muss man das sehen, seitdem Angela Merkel am 8.10.2010 erfolgreich die Medien auf ihre Seite gezogen hat – in Wirtschaftsfragen. 2014 haben wir einen unheimlichen, monotonen Gleichklang aller Medien bei der Verurteilung Wladimir Putins erleben dürfen – ein Vorgang, der einer Demokratie unwürdig ist: wir urteilen in aller Regel fairer und weiser – es sei denn, es stimmt was nicht im Staat.

Das was nicht im Staate stimmt, konnte unter anderem in Japan beobachtet werden. Ja – genau: als ein Tsunami das Atomkraftwerk Fukushima zerschmetterte und eine Katastrophe nach der anderen passierte. Die Leitung des zuständigen Konzerns log, dass sich die Balken bogen – sie machte also die Arbeit, zu der sie US-Gesetze verpflichteten: sie hielten Schaden von den Anlegern fern. Ein zerstörtes Atomkraftwerk ist schlimm für die Wirtschaftsordnung dieses Planeten, schlimmer jedoch wird der mögliche Verlust von Rendite bewertet: dieser GAU von Fukushima wird bislang in der Öffentlichkeit noch wenig diskutiert.

Die Lügen von Tepco sind inzwischen gut dokumentiert, auch das ZDF hat sich dem gewidmet (siehe Phoenix.de)

ZDFzoom geht der Frage nach, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte und wie Japans Atombosse und die Regierung damit umgingen.
Die Recherchen zeigen: Es gab schon vor der Katastrophe ein Netz aus krimineller Energie, Ignoranz und Vorteilsnahme, das die japanische Gesellschaft seit Jahrzehnten immer mehr durchdrungen hat.

Kei Sugaoka, ein ehemaliger Wartungsingenieur, spricht über die kriminellen Praktiken des Betreiberkonzerns TEPCO. Über Jahre habe dieser immer wieder in Kauf genommen, dass Millionen Menschen radioaktiv verseucht werden.

Politiker, ehemalige Behördenmitarbeiter und Medienleute erklären das korrupte Netzwerk aus Atomindustrie, Politik, Aufsichtsbehörden, Wissenschaft und Medien. Es gibt dafür in Japan sogar einen eigenen Namen: „Atomdorf“. Und das scheint bis heute intakt.

Über so ein Atomdorf hatte man derzeit auch in Deutschland spekuliert. Schauen Sie sich mal an, wie sehr die Öffentlichkeit seit den 50er Jahren in Deutschland manipuliert wurde – unter Mitarbeit namhafter Werbeagenturen (siehe atmokraftwerkeplag): man findet dort schöne Beispiele, wie sehr die Herde über die Hügel gescheucht wurde. Nehmen Sie das bitte mal zur Kenntnis:

„Als die Demonstrationen der Anti-AKW-Bewegung ab Mitte der 1970er Jahre einen Höhepunkt erreichten, gründeten Gewerkschaftsmitglieder, unterstützt von der Atomindustrie, eine Reihe von Bürgerinitiativen „engagierter Bürger“, um das ramponierte Ansehen der Atomkraft zu verbessern. „Zum Mißfallen der IGM-Spitze machen die Interessenvertreter mit Demonstrationen, Anzeigenkampagnen und gezielter Ansprache von Politikern für den zügigen Ausbau der Kernenergie Stimmung — und liegen damit nicht mehr auf Gewerkschaftskurs.“ Der „Spiegel“ deckte 1978 auf, dass es sich um Bürger handelte, die auf der Gehaltsliste der Atomkonzerne standen, und beschrieb die Arbeitsweise dieser Bürgerinitiativen. Die Idee für solche verdeckten Lobbyorganisationen hatte laut „Spiegel“ Günter Hartkopf, Staatssekretär im Bonner Innenministerium, schon Jahre zuvor entwickelt“

Gewerkschaften und Industrie bilden verdeckte Lobbyorganisationen nach Ideen der Politik – schon in den siebziger Jahren? Das allein ist ein Mega-Gau deutscher Politik. Wenn Sie diese Entwicklung jetzt ins 21. Jahrundert verlängern, davon ausgehend, dass diese Netzwerke sich weiter entwickelt haben, weiter vertieft wurden, weiter ausgebaut – dann werden Sie verstehen, wie groß die Chance ist, dass wir zu allen Themengebieten in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nur noch Konzernmeinung präsentiert bekommen – oder Parteimeinung.

Wissen Sie eigentlich, was in Fukushima geschehen ist? Die „Zeit“ zitiert eine Kommunikationswissenschaftlerin aus den USA zu diesem Thema – siehe Zeit:

„An den ersten Tagen erhielten die Arbeiter keine Dosimeter, um die Strahlung zu messen, der sie ausgesetzt waren. Das von den Arbeitern genutzte Kontrollzentrum stellte sich nach und nach selbst als verseucht heraus, wodurch möglicherweise Tausende Arbeiter radioaktive Partikel aufgenommen haben. Ein Arbeiter watete durch radioaktives Wasser und wurde verbrannt, weil er nicht den nötigen Schutz trug. Arbeiter waren nicht verpflichtet, wasserfeste Schutzkleidung zu tragen, obwohl bekannt ist, dass durch Regenwasser auch radioaktive Verschmutzung aus der Luft auf den Boden gelangt.“

Schlimm für die Arbeiter – doch darum geht es gar nicht. Wichtig ist, sich zu merken, dass Fukushima auch die Luft verschmutzt hat. Durch die Explosion wurden Unmengen an kontaminiertem Material in die Atmosphäre geblasen … und befinden sich nun im Wasserkreislauf. Es wird täglich mehr – wenn man den Angaben der Betreiberfirma glauben darf (siehe FAZ):

„Nach Angaben von Tepco, die nach der Mitteilung der Regierung zu optimistisch sein dürften, dringen derzeit täglich rund 400 Tonnen Grundwasser in die Gebäude mit den Reaktoren ein, in denen sich im März 2011 eine Kernschmelze ereignet hatte. Hinzu kommen rund 300 bis 400 Tonnen Wasser, mit denen die Brennstäbe in den havarierten Reaktoren gekühlt werden.“

Und das ist noch nicht alles – enorme Mengen sind schon gesammelt worden:

„300.000 Tonnen belasteten Wassers lagern derzeit in Hunderten von Containern auf dem Betriebsgelände in Fukushima. In den kommenden zwei Jahren will Tepco die Kapazität auf 700.000 Tonnen erhöhen.“

Wir werden uns um diese Zahlen später noch kümmern.

Momentan beruhigen uns die Wissenschaftler – immerhin werden sie genau dafür bezahlt. „Alles halb so schlimm“ – das hören wir nahezu täglich seit der Katastrophe. Es soll überhaupt keine Gefahr bestehen, sagen die Wissenschaftler, die Radioaktivität im Pazifik sei nur sehr gering gestiegen – so berichtet aktuell die Welt. Gemessen haben sie an den Küsten Nordamerikas.

Kaufen Sie sich mal einen Weltatlas und schauen Sie, wie viel Wasser zwischen der Küste Japans und der Küste Nordamerikas liegt, dann können Sie erahnen, wie gigantisch die Verseuchung des Pazifik wirklich ist. Wenn ich jetzt lese, dass die Radioativität im Regenwasser ist … kann ich dann davon ausgehen, dass die gesamte japanische Insel verseucht ist – und die Verseuchung sich langsam weltweit ausbreitet?

Dank der Verharmlosungsstrategien der Atomlobby haben wir schon längst keine Ahnung mehr davon, wie gefährlich nukleare Strahlung wirklich ist.

Kümmern wir uns mal um andere Verstrahlungen. Es gibt seriöse Quellen dazu – die IPPNW, die Friedensbewegung der deutschen Ärzteschaft. Die haben sich einmal damit auseinandergesetzt, wie viele Menschen wohl durch die Nukleartests auch demokratischer Regierungen zu Tode gekommen sind. Die Zahlen sind erschreckend – bis zu 60 Millionen Menschen starben durch die Folgen dieser Tests (siehe Archiv.IPPNW):

„Laut ICRP sind zwischen 1945 und 1989 bislang 1,2 Millionen Menschen an Krebs aufgrund radioaktiver Einflüsse gestorben. ECRR geht hingegen von 61,7 Millionen Toten aus sowie 1,5 Millionen Kindern und 1,9 Millionen Babys, die bereits im Mutterleib sterben.

Die ECRR kommt zu dem Schluss, dass der Anstieg der Krebserkrankungen eine Folge des radioaktiven Fallouts der Atombombentests der Jahre 1957 bis 1963 ist, dem Höhepunkt des atomaren Testens. Die Wissenschaflter gehen davon aus, dass die Abgabe von Radioisotopen in die Umwelt im Rahmen ziviler Atomkraftnutzung in den letzten Jahren bald für einen weiteren Anstieg von Krebs und anderen Krankheiten sorgen wird.“

Damit hätten die Atomtests mehr Menschenleben gekostet als der Zweite Weltkrieg. Wussten Sie das schon?

Nein, natürlich nicht.

Der Anstieg der Krebsraten seit 1945 wird direkt mit den Atomtests in Verbindung gebracht, das Krebs eine Erfindung der Moderne sei, wird schon länger vermutet (siehe Telepolis). Diese Teilchen halten 50000 Jahre – das heißt: es reicht nicht, wenn die eine Million Leute umgebracht haben. Die Teilchen sind dann nicht weg – sondern gelangen nach Verwesung des Leichnams wieder in die Umwelt. Der radioaktive Level der Welt erhöht sich von Tag zu Tag – und dank Fukushima in ungeahntem Ausmaß.

Wie viel radioaktiv verseuchtes Material haben eigentlich die Atombombenversuche in die Atmosphäre entlassen?

Eine Quelle nennt 715 Tonnen – inklusive der verstrahlten Erde (siehe de.sott.net). Eine spannende Quelle mit einem Artikel aus dem Jahre 2003, der eine sehr interessante Hypothese aufwarf:

„Viele Leute fragen, wie es kam, dass diese rauchenden Mäuse von den tödlichen radioaktiven Teilchen geschützt waren, und erst recht, warum reale Statistiken heutzutage zeigen, dass weit mehr Nichtraucher als Raucher an Lungenkrebs sterben. Professor Sterling von der Simon Fraser Universität in Kanada ist möglicherweise am nahesten an der Wahrheit, wo er Forschungsarbeiten benutzt um zu begründen, dass Rauchen die Bildung einer dünnen Schleimschicht in den Lungen fördert, „welche eine schützende Schicht formt, die jedes Krebs-übertragende Teilchen daran hindert, in das Lungengewebe einzudringen.“

Näher können wir momentan der Wahrheit wahrscheinlich nicht kommen, und es macht wissenschaftlich vollkommen Sinn. Tödliche radioaktive Teilchen, inhaliert von einem Raucher, würden zu Anfangs von der Schleimschicht eingeschlossen um dann vom Körper ausgeschieden zu werden, bevor sie in das Gewebe eindringen können.“

Nun – in eine wissenschaftliche Diskussion über das Thema können wir nicht einsteigen, erst recht nicht über das Thema „Rauchen“. Wir befänden uns in einem unentwirrbarem Durcheinander von Lügen jeder Art: Regierungslügen, Konzernlügen, Medienlügen.

Aber eins muss man sagen: man kann damit rechnen, dass die Anti-Raucher-Kampagnen in der Tat von der Atomlobby (oder ihren Freunden in der Regierung) inszeniert wurde, um von 60 Millionen Toten abzulenken. Leider hat der Artikel zu wenig Quellenangaben, so dass man in die Debatte auch gar nicht einsteigen kann, aber plausibel ist es schon, dass Schleimschichten die Nuklearpartikel auffangen. Nützt nur nichts – denn die, die auf der Haut landen, verursachen dann eben Hautkrebs … der ebenfalls stark zunimmt, obwohl es in der Geschichte der Menschheit wohl noch nie eine Generation gegeben hat, die weniger auf dem Feld gearbeitet hat als wir. Die Daten zu Hautkrebs sind beängstigend (siehe Mycare):

Die Zahl der Menschen, die an Hautkrebs erkranken, steigt systematisch an. Die Auswertung der Statistik von 2012 zeigte eine Steigerung von 60 % im Vergleich zu 2005, bei der bösartigsten Form, dem malignen Melanom. Die etwas weniger aggressive Form, der sogenannte helle Hautkrebs, stieg sogar um 79 % an.

Finden wir Erklärungen für diesen enormen Anstieg … bei Menschen, die den größten Teil des Tages in künstlichen Höhlen verbringen? Kann eigentlich nicht an der Sonne liegen. Oder hat sich die Sonnenstrahlung verändert?

715 Tonnen verstrahlte Erde töten 60 Millionen Menschen – wieviel Millionen Menschen töten dann 700000 Tonnen verstrahltes Wasser? Selbst wenn es nur ein Million Tote waren, können wir mit einem unglaublichen Massensterben rechnen – in Milliardengröße.

Den Japanern scheint die Gefahr bewusst zu sein, der Schafherde noch nicht. Die bemüht sich, mit dem Rauchen aufzuhören, um Hautkrebs statt Lungenkrebs zu bekommen. Im August 2014 meldete die FAZ etwas sehr Beunruhigendes:

Mehr als drei Jahre nach dem Atomunglück von Fukushima sickert weiter radioaktiv belastetes Wasser ins Meer. Der Kraftwerkbetreiber Tepco wollte das mit einem Eiswall im Boden verhindern. Doch der hält nicht.

Wie hilflos und verzweifelt müssen eigentlich Regierung und Konzernleitung seien, um solche irren Ideen zu vewirklichen – ein künstlicher Eiswall im Boden? Noch beunruhigender: die Methodik der Verantwortlichen:

Regierung und Ministerium bemühten sich gleich nach Tepcos Mitteilung abzuwiegeln.

Das machen die jetzt seit sechzig Jahren. Jeden Tag – JEDEN TAG – werden 720 Tonnen Wasser radioaktiv verseucht, bislang sind es 520 000 Tonnen. Niemand weiß, wohin damit. Vieles fließt immer noch ins Meer und verseucht – wie wir jetzt gesehen haben – den Pazifik bis an die Küste Nordamerikas. Das es dort überhaupt einen Anstieg der Radioaktivität gibt, ist schon ein Super-Gau – und keinesfalls eine harmlose Nachricht. Sicher: Badende werden nicht verbrennen. Aber das Krebsrisiko wird enorm steigen.

Nun werden Sie sich erschrocken zurücklehnen und sich denken: „ach, was weiß der schon über Radioaktivität, dieser Eifelphilosoph„.

Ehrlich gesagt: gar nichts. Ich lese nur – und halte mich an Hans Ulrich Jörges, sammle kleine Bruchstücke – und wenn sie passen, dann beschreibe ich das Bild und veröffentlich es. Ich hätte mich an dieses Thema auch nie herangewagt, die Teile nie miteinander verbunden, wenn ich nicht von unserem geschätzen Leser Falbrand  noch ein Stückchen bekommen hätte: auch hier wieder „Wissenschaftler“, die ein besonderes Interesse an alten Schlachtschiffen haben, die in den letzten Kriegen versunken sind.

Lesen Sie mal, was die Welt darüber schreibt:

Wenn Physiker heute sehr kleine Gamma-Strahlungsdosen messen wollen, stört der allgegenwärtige Strahlungshintergrund. Daher müssen Meßkammern mit Metallplatten – etwa aus Stahl – abgeschirmt werden. Doch neuer Stahl ist auch immer schon ein wenig radioaktiv. Daher ist bei Physikern der Stahl alter Schlachtschiffe sehr beliebt, die vor dem Nuklearzeitalter untergegangen sind. Ihr Stahl ist besonders strahlungsarm und läßt sich daher gut zum Abschirmen sensibler Gamma-Detektoren nutzen.

Wissen Sie, was das heißt? Ich formuliere das mal um: sämtlicher Oberflächenstahl ist nuklear so verseucht, dass er sich nicht mehr zum Bau von Instrumenten eignet. Deshalb tauchen die jetzt nach der kaiserlichen Schlachtflotte, um überhaupt noch Stahl zum Instrumentenbau zu bekommen.

Können Sie sich jetzt vorstellen, was Fukushima wirklich aus der Welt macht – jetzt gerade?

Können Sie sich vorstellen, dass die Regierung – die schon in den siebziger Jahren geheime Lobbyistengruppen ersonnen hat – nur gegen die Zigarette wettert, um von der eigentlichen Gefahr abzulenken?

Merken Sie, wie wenig wir wirklich von der Welt wissen, in der wir leben?

Bleiben Sie lieber die nächsten 50 000 Jahre zu Hause. Vor allem, wenn es regnet. Aber auch sonst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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