Mallorca

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Ballermann-Hysterie – Medien und Politik drehen frei

Jens Berger

Medien und Politik haben eine neue Großgefahr für unsere Gesundheit ausgemacht – den Mallorca-Urlaub! Gesundheitsminister Spahn sieht ein neues Ischgl auf uns zukommen, der Ärzte-Funktionär Montgomery fordert eine Zwangsquarantäne für Mallorca-Rückkehrer und der oberste Mahner vom Dienst, Karl Lauterbach, nennt die Baleareninseln ein „Risikogebiet“, fordert eine Testpflicht für Urlauber und prophezeit eine von Mallorca-Urlaubern ausgehende „zweite Welle“ in Deutschland. Die Medien stimmen in den Tenor ein und übertreffen sich gegenseitig mit schrillen Meldungen und Bildern, die teilweise aus dem Archiv stammen. Klar, der „Sauftourismus“ am Ballermann ist ein denkbar einfaches Ziel. Wenn man die Sache aber nüchtern betrachtet und einen Blick hinter die Schlagzeilen wagt, wirkt die derzeitige Hysterie doch ziemlich schräg.

„Sei vorsichtig mit Deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen“ (Über Ballermann und Platon)

221 Mallorca Pixabay

„Sei vorsichtig mit Deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen“, hat schon Platon gemeint.

Als ich vor einigen Jahren in Mallorca war, gab es in der Hauptstadt Palma eine Graffitti-Schmieraktion. Auf den Häuserwänden stand zu lesen: „Tourists are terrorists“ und „Refugees welcome, tourist go home“.

Die Stadt hat sich beeilt, die im Mai aufgesprühten Graffittis so schnell wie möglich zu entfernen.

Nicht dass die Wut über Touristen unangebracht wäre, denn der rücksichtslose Tourismus, insbesondere der deutsche, zerstört dort wirklich sehr viel an Kultur und Natur.

Bis vor Kurzem ergoss sich über den Palma de Mallorca Airport noch die unglaubliche Zahl von fast 10.000 Touristen pro Stunde ins Land, das macht pro Saison ca. 15 Millionen auf einer Insel, die selbst nur eine Million Einwohner zählt.

Inzwischen herrscht auf Mallorca Flaute. Der Corona-Schock sitzt vielen Urlaubern noch in den Knochen. Nicht zuletzt die auf den Balearen verordnete Maskenpflicht bringt viele dazu, anderswo zu urlauben oder daheim zu bleiben. Ein Geschäftsfreund, der soeben aus Spanien zurückgekehrt ist, berichtet von fast leeren Stränden und Gastbetrieben. Die von den deutschen Gaslight-Medien („Leit-Medien“) in Umlauf gebrachten Bilder mit überfüllten Badestränden, die jedem guten und gernen Lauterbachianer die Haare zu Berge stehen lassen, sind offenkundig Fake. Wie bereits auf diversen alternativen Portalen berichtet, stammt ein entsprechendes Titelfoto, das von Spiegel, Welt, Focus, Stern, Tagessschau & Co. verwendet wurde aus dem Jahr 2018, zu erwerben bei der Agentur Alamy (siehe Originalbild mit Aufnahmedatum vom 11.08.2018 und gleiches Foto in Focus-Artikel vom 19.06.2020).

Derartige Fotos aus Mallorca brachten viele gute und gerne Coronabürger in Rage. Rückkehrenden Urlaubern  aus Mallorca wird von der evidenzbasiert aufgeklärten Shitstormcommunity per Twitter  gewunschen, dass ihr Flugzeug „doch eigentlich mal wieder gegen einen Berg fliegen könnte“.

Doch verzetteln wir uns nicht wieder mit der Inlandspathologie im Land der ehemaligen Dichter und Denker (der „Nicht-mehr-ganz-Dichten“, wie das ein geschätzter Bekannter zu bezeichnen pflegt). Zurück zu Mallorca. Von einem dramatischen Touristenschwund berichtet z.B. das Nachrichtenportal moz.de. Hoteliers, Reiseveranstaltern und Restaurantbesitzern würde angst und bange, ein Dumpingpreiskrieg mit Rabatten bis zu 40% sei losgebrochen, der dazu führe, dass der Betrieb mancher mallorquinischer Hotels bereits mehr koste als die Einnahmen brächten.

Gleichzeitig gäbe es ein zunehmendes Kriminalitätsproblem. Touristen würden nachts von afrikanischen Migrantenbanden ausgeraubt. MOZ berichtet von  „Afrikanischen Mafias“ und „Frauenbanden“ (?), welche die Insel unsicher machen. „Palma ist in den vergangenen Jahren unsicherer und schmutziger geworden“, wird der Inselpolitiker Mateo Isern zitiert.

„Sei vorsichtig mit Deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.“ Um Plato zu lesen, fehlt den Mallorquinern vermeintlich gerade die Muße. Jedenfalls hätte auch unter den Nicht-Philosophen in der Schinkenstraße wohl niemand gedacht, dass an die Wände geschmierte Wünsche so schnell Wirklichkeit werden können.

Foto: Mallorca/Pixabay/CC0

ohne worte: mallorca – immer wieder geil!

maschmeyer

wulff_mallorcamaschmeyer

Christian Wulff, die Maschmeyer-Schröder-Gang, das Grundeinkommen und der AWD: Deutschland im Juli 2010

Heute überrascht „Spiegel-online“ die Republik mit einer wahrhaft erschütternden Nachricht:

So schön kann Mallorca-Urlaub sein: Bundespräsident Wulff und Familie haben sich im Luxusanwesen ihres Freundes Carsten Maschmeyer entspannt. Natürlich, so betont das Präsidialamt, hat Wulff sich nicht einladen lassen. Doch ein Geschmäckle bleibt.

Vergeblich suche ich in dem Artikel nach dem „Geschmäckle“, finde es aber nicht. Also suche ich weiter. Carsten Maschmeyer ist ja bekannt durch den Aufbau des „Finanzdienstleister AWD“.

Nach dem Ausstieg bei OVB gründete Maschmeyer 1988 den Konkurrenten AWD. Das Geschäft lief prima, doch das Image war schlecht. Für Kritik sorgte nicht nur das System der Provisionspyramide. Verbraucherschützer warfen dem Unternehmen vor, den Kunden nicht bedarfsgerechte, sondern provisionsträchtige Verträge zu verkaufen. Auch Maschmeyers Erscheinungsbild sorgte für Irritation – die Frisur im Afro-Look, protziger Goldschmuck und grelle Krawatten. Doch das waren keineswegs die typischen Insignien des Neureichen.

(Quelle: FTD)

Ich habe dann auch gleich mal geschaut, was denn mit der Firma so los ist, mit der der Herr Maschmeyer soviel Geld machen konnte, das er sich eine Präsidentenkompatible Villa kaufen konnte. Stiftung Warentest war da mit ihrem Finanztest bzw. ihrer „Warnliste“ sehr hilfreich, denn da leuchtet schon mal die Warnlampe bei AWD:

wie der AWD Vergleiche vor Gerichtschließt, um ein letztinstanzliches Urteil über seineBeratungsqualität beim Vertrieb des Dreiländerfonds 94/17zu vermeiden und ab wann sich Vergleiche für Anlegerlohnen; AWD droht Internetprovider mit rechtlichenSchritten, der die Internetseite www.awd-aussteiger.deveröffentlicht, obwohl das Oberlandesgericht Hamburg ineinem Eilverfahren entschieden hat, dass die Seite rechtlichnicht zu beanstanden ist; Landgericht Hannover verurteiltden AWD in drei Fällen wegen Falschberatung imZusammenhang mit dem Immobilienfonds DLF 94/17 zuSchadenersatz (Az. 13 O 263/02; 13 O 270/02; 13 O271/02; noch nicht rechtskräftig). Oberlandesgerichtverurteilt AWD zu Schadenersatz wegen Beratungsfehlern(nicht rechtskräftig); neuer Ärger mit Immobilien (ZinshausDüren); Gericht verurteilt AWD wegen Beratungsfehlern inzwei Fällen zu Schadenersatz; Anleger werfen demAllfinanzbetrieb Falschberatung im Zusammenhang mit demVertrieb von Anteilen an geschlossenen Immobilienfonds(Dreiländerfonds) vor (s. a. Kapital Consult); Urteil desLandgerichts Hannover zur Stornoreserve; irreführendeWerbung; zweifelhafte Finanzberatung/ Immobilienvermittlung,unzureichende Ausbildung.

Da blickt der Laie doch schon bei den Anklagepunkten nicht durch. Aber Herr Maschmeyer selbst läßt im Manager-Magazin erkennen, worum es geht:

Maschmeyers Vortrag hat etwas von dem eindringlichen Singsang, der Jahrmarktverkäufern eigen ist, die Allzweck-Gemüseschneidemesser anbieten. Er biedert sich an, macht Witze auf schlichtem Niveau. Macht sie hungrig auf den großen Kuchen. 128 Milliarden Euro würden allein in Deutschland pro Jahr gespart. Die vielen Erben. Immer mehr Alte. „Freuen Sie sich auf diese Zielgruppe.“

Man sieht einigermaßen, wo es langgeht.  Für den Laien sei gesagt: es geht hier um Strukturvertrieb. Strukturvertrieb ist eine feine Erfindung aus den USA, wobei die Art der Ware keine Rolle spielt. Staubsauger, Waschmittel, Plastikpötte,  Nahrungsergänzungmittel, Immobilien – egal.  Der Hintergedanke ist: die Beziehungen eines Menschen zu Geld zu machen. Je nachdem, welche Beziehungen jemand hat und wie weit er geht, den Vertrauensvorschuß aus den Beziehungen in Verkaufsabschlüssen umzuwandeln, kann das außergewöhnlich erfolgreich sein – vor allem für den, der dieses „Schneeballsystem“ anstößt.  Wie man das macht,  ist oft beschrieben worden,  z.B. hier. Der Erfolg ist garantiert … für denjenigen, der skrupellos genug ist, das System zu etablieren.  Strukturvertrieb ist immer und überall Betrug und ich wage es zu bezweifeln, das es gelingt, einen seriösen Strukturvertrieb aufzubauen. Millionen von Deutschen hängen irgendwo in den Maschen von Strukturvertrieben, als „selbständige Unternehmer“, als „Bezirksleiter“, als „Unternehmensberater“ oder als … Opfer, so wie diese Frau hier:

IEs kam am Ende wie so oft beim Kauf von Schrottimmobilien: Die versprochene Miete ließ sich nicht erzielen, Anja Schüller konnte nicht mehr zahlen, musste den Offenbarungseid ablegen. Sie schämte sich schrecklich. Bald danach forderte die Badenia per Pfändung 70 000 Euro von ihr. Ihr Vater sagt: „Die Badenia hat unsere Tochter in der Tod getrieben.“

Der Fall Anja Schüller ging seinerzeit durch die Presse. Es gibt noch heute einen Verein, der sich um den Fall kümmert….und dabei beständig den Badenia-Chef zitiert:

… das wenden die Leute heut‘ ein: Der Vermittler damals hat gesagt, brauchst‘ dich darum nicht zu kümmern, brauchst‘ auch kein Geld zu haben. Das regelt sich alles von selber. Und lass‘ 20 Jahre ‚rumgehen, dann gehört dir die Hütte und du hast ’ne prima Altersversorgung. Und dann frag‘ ich mich immer: Wer ist denn so blauäugig? Denn – wenn das zuträfe – dann kann er sich die ganze Bundesrepublik kaufen.“ (O-Ton BADENIA-Chef Dietrich Schröder in der ZDF-Sendung Mona-Lisa am 30.10.2004

Dabei ist genau das doch das Geschäft der unabhängigen Finanzoptimierer.: Leuten Mist verkaufen. Wäre es sensationell günstig, dann … würden sie es selber kaufen und Millionäre werden. Aber Millionär wird man halt besser, wenn man die blauäugigen Erben und Rentner anvisiert.  Aber nicht nur die Kunden sind Opfer des Systems … den „Fachberatern“ geht es oft nicht besser:

Während der Einarbeitung erhalten die Handelsvertreter – sofern sie sich freiwillig dafür entscheiden – nach Angaben des AWD durchschnittlich 1.500 Euro sogenannte „Monatsvergütung“, die de jure ein Provisionsvorschuss sind. Erwirtschaftet der Berater diesen Provisionsvorschuss nicht, muss er diesen zurückerstatten. Um zu hohe Rückforderungssummen seitens AWD zu vermeiden, führte das Unternehmen die interne Richtlinie ein, nach der ein Provisionsvorschuss linear gemäß Umsatzplanung gezahlt werden soll. Halten die Agenten die Mindestkriterien nicht ein, werden sie rein nach Erfolgsbasis bezahlt. Dabei variiert die Vergütung je nach Qualitäts- und Erfahrungsstufe des Agenten.

Die durch die Direktvertriebsstruktur entwickelten Geschäftspraktiken des AWD waren und sind umstritten und werden von Verbraucherschutzorganisationen bis heute kritisiert.

Ehemalige AWD-Mitarbeiter schilderten von Dezember 2002 bis Mai 2003 im Internet unter verschiedenen Domänen ihre persönlichen und schmerzlichen Erfahrungen mit dem Konzern. Der AWD versuchte daraufhin, auf juristischem Wege die Domänen awd-aussteiger.de und aussteigerforum.de schließen zu lassen.

Nach übereinstimmenden Berichten einer Vielzahl von ehemaligen Mitarbeitern ist die Vermögenssituation der meisten AWD-Berater sehr schlecht. Der Grund dafür sei, dass der Konzern Gebühren und Nebenkosten für die Nutzung der AWD-Infrastruktur in Rechnung stelle. Diese Gebühren seien auch dann zu zahlen, wenn der Berater keinen oder nur geringen Erfolg hat. Zudem wird oft von ungünstigen Provisionsberechnungen zu Lasten der selbstständigen Handelsvertreter berichtet. Der Kritik zufolge sei die Fluktuation in den einzelnen Geschäftsstellen häufig enorm hoch, und die in eine wirtschaftliche Abhängigkeit geratenen Vertreter seien zum Teil überschuldet und stünden unter enormem Verkaufsdruck. Im Jahr 2003 sah sich zum Beispiel eine vierstellige Anzahl ehemaliger AWD-Mitarbeiter zum Teil fünfstelligen Provisionsrückforderungen gegenüber.

(Quelle: Wikipedia)

Man sieht: die persönliche Situation der „unabhängigen Finanzdienstleister“ ist alles andere als unabhängig. Man verdient … wie üblich im Strukturvertrieb … nicht nur an den Beziehungen, sondern auch an der Gratisarbeitskraft der Mitarbeiter, die einem großen Traum hinterherrennen … meistens umsonst.  Man muß verkaufen was das Zeug hält, um seine Schulden abzubezahlen … und schon weiß man, warum so viele Schrottpapiere im Umlauf sind. Wer Schrott verkaufen kann, macht den meisten Gewinn.  Natürlich vernichtet man damit enorme Werte, aber heutzutage bleiben ebenso gigantische Summen beim Strukturvertriebsgründer übrig.  90% Werte der Bürger vernichtet, aber 10% in die Konzernzentrale gerettet: ein Riesenerfolg!

Das so ein System auch Kritiker produziert, ist klar. Das diese Kritiker aber spurlos verschwinden …. ist seltsam.

Die Zeitschrift Stiftung Finanztest schrieb in Ihrer Ausgabe 02/1999:

“Auf geheimnisvolle Weise löste sich 1997 ein Verein für Geschädigte von Strukturvertrieben auf, den Ex-AWD-Führungskraft Robert Maher zusammen mit anderen AWD-Aussteigern im Juli 1995 gründete. … Von Rufmord über Erpressung, Bespitzelung durch Detekteien bis hin zur Bedrohung von Lebens und Gesundheit sei den AWD-Exführungskräften Christian Dieck, Robert Maher und Martin Krüger nahezu alles geboten worden.”

Leider konnten wir bis heute die genannten AWD-Aussteiger nicht ausfindig machen und näheres von ihnen erfahren. Über Hinweise auf diese oder gar die persönliche Kontaktaufnahme würden wir uns freuen.

Die neue, aktuelle AWD-Aussteiger-Bewegung begann im Sommer 2002, als Herr Weise die Web-Site unter der Domaine www.awd-aussteiger.de (Forum seid April 2006 geschlossen) sowie ein Austausch-Forum ins Internet setzte. Innerhalb von wenigen Monaten waren mehrere tausend Beiträge von AWD-Aussteigern geschrieben worden, die ihre Probleme als aktive AWD-Handelsvertreter und nach der Kündigung beschrieben. Die beschriebenen finanziellen, sozialen und menschlichen Nöte sind unglaublich hoch – nicht selten wurde von mehreren zehntausend Euro Provisions-Rückforderungen durch den AWD berichtet.

Vielleicht hätte sich der Herr Wulff einfach mal mit diesem Verein in Verbindung setzen sollen, bevor er das Angebot seines Freundes Maschmeyer annahm.  Aber vielleicht ist es unserem Bundespräsidenten auch egal, wie das Geld verdient worden ist, das ihm einen Urlaub in so schöner und abgeschiedener Athmosphäre erlaubt.  So langsam merke ich, wo das „Geschmäckle“ liegt. Es hat mir zwei Stunden meines Lebens gekostet, ihm nachzuspüren.  Ich hätte es vielleicht sein lassen sollen,  denn das hätte mir einen häßlichen Einblick in die wirtschaftliche Realität derjenigen Menschen erspart, die in diesem Lande als Leistungsträger gelten und Freunde hochrangiger Persönlichkeiten sind:

Meine ersten Mandanten waren dann –wie bei jedem anderen AWD-Anfänger wohl auch – Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen und das m.E. auch mit erkennbarem bis gutem Erfolg. Meine Eltern standen zu dem Zeitpunkt kurz vor Pensionierung und Rente und der Wunsch meines Vaters war es in der Tat, seine auf x Sparbücher verteilten kleinen Ersparnisse endlich mal sinnvoll anzulegen. Waren jeweils kleine Summen, die aber frei nach Motto „Viel Kleinvieh…“ dann schon ganz gut was zusammen kommen lassen.

Die exakt erste Datenerhebung habe ich dann zu Hause bei meinen Eltern nicht gemacht sondern durch den Teammanager XXXX (Name gestrichen) machen lassen, ich habe dabei assistiert und zugesehen, dem Lerneffekt zuliebe. Mein Vater, Beamter durch und durch und seit Jahrzehnten, machte es dann dem TM auch entsprechend leicht, in dem er nicht nur alle Policen haargenau sortiert in Ordnern vor ihm aufbaute, sondern auch zusätzlich noch per Excel eine Aufstellung fertigte, aus der man eigentlich einfach nur alle Daten übernehmen musste.

Nun gehe ich einfach mal davon aus, das ein Mann, der nicht nur „AWD-Teammanager des Jahres“ mehrfach war sondern auch schon Jahre zuvor in einer Bank gearbeitet hat, den Unterschied zwischen SOLL und HABEN (er)kennen sollte. Die Abzahlung einer Hypothek auf das Ferienhaus meiner Eltern bei BHW sah er trotz dem Minus davor und erkennbarer Abzahl-Raten tatsächlich doch als Guthaben auf einem Bausparvertrag an. Und genau um diese Summe dreht sich nun alles. Er legte bei der Augsburger Aktienbank entgegen der Hinweise und Wünsche meines Vaters den doppelten Betrag an und sorgte somit für massive Probleme bei dieser Geldanlage meines Vaters. Die Augsburger Aktienbank war nur über die AWD-Hotline erreichbar und trotz zahlloser Anrufe meines Vaters, sackte diese „Anlage“ bald stündlich immer mehr ins Minus anstatt durch gute Zinsen (die dort in der Tat möglich sind) zu wachsen.

Solche Erfahrungen haben wohl viele Deutsche gemacht.  Aber nicht nur sie, wie bei Wikipedia zu finden ist:

Insgesamt 6.500 AWD-Geschädigte haben sich bis März 2009 beim österreichischen Verein für Konsumenteninformation (VKI) für die geplante Sammelklage wegen der Vermittlung der im Kurs abgestürztenImmofinanz– und Immoeast-Aktien gemeldet. Grund der Klage ist der Vorwurf, dass AWD-Berater seit Ende der 1990er Jahre Immofinanz-Aktien als mündelsicheres Investment angepriesen hätten. In vielen Fällen soll das gesamte verfügbare Vermögen eines Kunden in Immofinanzaktien oder anderen Immobilienaktien veranlagt worden sein. In vielen Fällen sind die Aktien offenbar als „Immobilienfonds“ tituliert und das Wort „Aktien“ bewusst vermieden worden. Zudem sei von „Kapitalgarantien“ die Rede gewesen und die Möglichkeit eines Totalverlustes nicht erwähnt worden. Laut VKI weise die Häufung der Beschwerdepunkte auf systematische Mängel in der Beratungsorganisation des AWD hin.

Und passiert mit dem ganzen Geld?  Hans-Jürgen Jakob von der Süddeutschen gibt uns einen Einblick:

Bereits Ende Mai 2008 hatte noch einer aus der niedersächsischen Maschmeyer-Schröder-Gang gefeiert: Klaus Meine, Sänger der Rockband Scorpions („Wind of Change“). Es gab ein großes Fest, und Ferres, das blonde „Superweib“ des deutschen Fernsehens, flog von der Formel 1 aus Monaco ein und sang auf der Bühne mit. Ferres‘ Mann Martin Krug und Maschmeyer trugen passend zum Termin Sonnenbrillen.

Der AWD-Vorstandschef, der selbst am neuen AWD-Eigentümer Swiss Life beteiligt ist, arbeitet mit einem Heer freier Handelsvertreter, die Finanzprodukte unters Volk bringen. Bekannt wurde auch ein „Verein der ehemaligen AWD-Mitglieder“, der gegen den Gründer poltert.

Noch ein wenig mehr aus der Welt der Reichen und Schönen? Doch, das muß sein, so ein detallierter Blick ist in diesem Zusammenhang wichtig:

Maschmeyer selbst genießt bei Bild höchste Wertschätzung. Immerhin hat der Magnat aus Hannover einen Firmensprecher, der die Belange des Populär-Journalismus und des gehobenen Networkings aus dem Effeff kennt: Bela Anda. Er war früher in leitender Funktion bei Bild, ehe er dann zu Schröders Regierungssprecher avancierte.

Anda hilft erfolgreich, die große Welt unter die AWD-Zirkuskuppel zu bringen. Als die bei Verbraucherschützern höchst umstrittene Finanzfirma im Juli 2008 zum 20-jährigen Bestehen einen Geburtstag der Superlative feierte, kamen neben dem guten Hausfreund Schröder auch andere Prominente wie Bill Clinton, Kofi Annan oder Thomas Gottschalk.

Selten hat man die Gelegenheit, die Strukturen, die dieses Land bestimmen, auf so kleinem Raum zusammenzusehen.  Nur eine kleine Recherche über einen kleinen Urlaub unseres Bundespräsidenten … und schon steckt man mittendrin in einem Sumpf, in dem ein ominöser „Maschmeyer-Schröder-Clan“ das Sagen hat.

Es bleibt das unangenehme Gefühl, es gibt mittlerweile in diesem Land ein „wir“ und ein „die“. Zwei Deutschlands. Das eine wird ausgesaugt bis zum geht nicht mehr, da werden Renten gekürzt, Lebensräume auf 25m2 beschnitten, Zwangsarbeit verordnet, während das andere enorm erfolgreich ist und  ganz coole Partys feiert.  Mit Sonnenbrille.

Für die einen gibt es „Paradies-Castle“ … zum Beispiel für erfolgreiche Mitarbeiter des Herrn Maschmeyer.

Für die anderen gibt es …. andere Realitäten:

Mobbing, Stress und Doppelschichten

Die Verantwortung ist groß, die Bezahlung mies: In vielen Altersheimen sind die Arbeitsbedingungen desaströs. Manch ein Leiter holt sich sogar Tipps beim Anwalt, wie weit er die Ausbeutung legal treiben darf. Frustrierte Angestellte fürchten um ihre Gesundheit.

(Quelle: Spiegel)

Was wir brauchen … dringend … ist ein Grundeinkommen.  Bedinungslos … als Notwehr der freien bürgerlichen Gesellschaft. Wer wissen will warum … lese diese Artikel bitte noch einmal.

Und dem Bundespräsidenten wünsche ich hiermit einen schönen Urlaub. Sieht ja auch fein aus, das Haus. Und nebenbei erfährt man in dem Artikel noch etwas mehr über die Maschmeyer-Schröder-Gang:

Maschmeyer und Wulff sind enge Freunde und machen daraus kein Geheimnis. Beide gehören zu der sogenannten Hannover-Connection, einem Netzwerk niedersächsischer Politiker, Unternehmer und Künstler. Dazu gehören auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder, Tui-Chef Michael Frenzel und die Mitglieder der Rockband Scorpions um Sänger Klaus Meine. Wulff war es, der damals noch als niedersächsischer Ministerpräsident Maschmeyer mit der Schauspielerin Veronica Ferres am Rande der Berlinale bekannt machte. Heute sind die beiden ein Paar.

Maschmeyer ist langjähriger Sponsor diverser Veranstaltungen der Niedersächsischen Landesregierung, unter anderem des Sommerfestes. Bei den Partys im Hause Maschmeyer in Hannovers Stadtwald gehören die Wulffs zu den Stammgästen. Beispielsweise bei der traditionellen Saisonabschlussparty von Hannover 96, zu der Maschmeyer die Prominenz der niedersächsischen Landeshauptstadt alljährlich einlädt. Auch beim 51. Geburtstag des Unternehmers waren Wulff und seine Frau am 8. Mai mit dabei. Wulff lud seinerseits Maschmeyer 2008 zu seiner Hochzeit ein und hielt im vergangenen Jahr eine Laudatio, als der gebürtige Bremer von der Universität Hildesheim eine Ehrendoktorwürde verliehen bekam. Wulff charakterisierte seinen Freund als einen Mann, der für Optimismus, Motivationsvermögen und Mut stehe.

Ich persönlich habe jetzt keine weiteren Fragen, gehe doch mit meiner Flinte in den Wald und werde Widerstandskämpfer….auch wenn ich nicht so richtig weiß, auf wen ich jetzt schießen soll … und auch wenn Kollege Dreckscheuder meint, das ginge so nicht mehr.  Aber anders ist dieses Filztheater doch gar nicht mehr auszuhalten.

Das hat kein Geschmäckle, das stinkt zum Himmel … aber wir haben uns an den Gestand schon so gewöhnt, das nur noch ein Geschmäckle merkbar bleibt – und selbst das bleibt seltsam vage.



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