Lügenpresse

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Unsere Leitmedien und das älteste Gewerbe der Welt


Foto: Public Domain/Wikimedia

Auf der Plattform Swiss Propaganda Research ist gerade ein anonymer Bericht eines Top Level Journalisten erschienen. Mit trockenen Worten schildert er, welcher Arbeitsethos heute in den Redaktionen unserer vielgepriesenen  Qualitätsmedien herrscht:

Ich bin selbst schuldig, Teil des Systems zu sein oder zumindest das Spiel mitzumachen …

Die meisten seilen sich bevor sie 50 werden in die PR ab. Das Angebot von gutbezahlten PR-Jobs ist für erfahrene Journalisten gross. Der Spruch: «jetzt gehe ich dann in die PR, weil das was ich hier mache ist nicht viel anders, einfach schlechter bezahlt», ist nicht unüblich. Wer die Überzeugung hat, mit Journalismus etwas bewirken zu können, ist sehr jung, oder wird ausgelacht von der Mehrheit.

… Vordergründig herrscht in den Mainstreammedien kompletter Meinungspluralismus – abgesehen von Einzelfällen tun sich Journalisten kaum mit festen Überzeugungen hervor: Man ist für alles offen, suspekt ist, wer eine Haltung hat und konsequent aus dieser Haltung berichtet. Die Journalisten mit einer konsequenten Weltanschauung sind rar.

… Es ist nicht so, dass es vor 20 bis 30 Jahren auf den Redaktionsstuben keine Selbstzensur, Gleichschaltung, vorauseilenden Gehorsam und Tunnelblick gegeben hätte. Doch die Rahmenbedingungen in den heutigen „Redaktionsfabriken“ der Mainstream-Medien fördern geradezu den ideologielosen, opportunistischen, Klick-orientierten Journalismus, dem die wichtigen Fragen entgleiten.“

(Quelle: https://swprs.org/bericht-eines-journalisten/ )

Diese als „Geständnis“ betitelte Schilderung eines Leitmedien-Journalisten folgt geraume Zeit auf die legendäre Rede des New York Times-Chefredakteurs John Swinton. Bereits zu Zeiten, in denen die regierungsnahen Leitmedien noch über allen Verdacht erhaben waren und die von ihnen ausgegebenen Texte von fast jedermann/jederfrau täglich konsumiert und weitgehend unreflektiert internalisiert wurden, meinte Swinton:

 „Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. … Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“ (Quelle: Wikipedia)

Der Vergleich mit dem Gewerbe der Prostitution wird vielen Journalisten, die mit ihrer Berufswahl an sich angetreten sind, um der Wahrheit, Aufklärung und Humanität zu dienen (so denke ich naiver Mensch mir das zumindest), wohl sauer aufstoßen. Man mag darüber streiten, inwiefern zwischen den beiden Gewerben moralische Parallelen bestehen, auf rein monetär-existenzieller Ebene betrachtet, befinden sich Journalisten heute allerdings in der Tat in derselben Zwickmühle des Prekariats wie die Gewerbetreibenden in der Prostitution: Konnte man in guten alten Zeiten noch schnelles Geld machen, wenn man bereit war, seine menschliche Würde aufzugeben und sich unter den Hund zu bringen, so bekommt man fürs Beinebreitmachen heute mitunter gerade mal 15 Euro (Quelle: ZDF Reportage „Bordell Deutschland“), wovon mehr als die Hälfte an den Zuhälter und ans Etablissement gehen. Unterm Schnitt bleibt der Prostituierten also ein mieserer Stundensatz als einer Reinigungskraft, obwohl erstere laut Statistik ein größeres Gesundheits- und Todesrisiko eingeht als ein Soldat, der in den Krieg zieht. Etwas bessere Bezahlung gibt es allenfalls noch im Nobelescort-Service, allerdings ist die Ausschlachtungszeit dort sehr gering, ständig drängt billiges Frischfleisch aus dem Osten heran, während abgehangenes Fleisch von den Metzgern schnell ausrangiert wird.

Gleichermaßen konnte man in guten alten Zeiten als Bezahlschreiber bei den deutschen Leitmedien eine Menge Geld verdienen, wenn man bereit war, sein Herz gegenüber der herrschenden (transatlantisch-neoliberalen) Meinung breitzumachen und seinen Ethos an den Nagel zu hängen (siehe dazu Interview mit dem ehemaligen Welt-Journalisten Dirk C. Fleck bei KenFM«Wir leben in einem globalen Schweinesystem … Es gibt in Amerika 1.500 Zeitungen, 1.100 Magazine, 9.000 Radio­stationen und 1.500 TV-Anstalten. Die sind in sechs Händen konzentriert. Davon sind vier Rüstungs­unter­nehmen und zwei Energie­unter­nehmen. Jetzt wissen Sie Bescheid über „die freie Presse“.» Nun ist aber auch unter denen, die bisher den vollen Rückenwind des Mainstreams genossen haben, Saure-Gurken-Zeit angebrochen. Obwohl sie das mühsame Schwimmen gegen den Strom tunlichst vermeiden wollten, müssen sie nun in unwirscher Strömung um ihr Überleben paddeln. Denn nicht nur billiges Frischfleisch und junge Prekariats-Volontäre drängen in die Schreibstuben der ehemaligen Gutverdiener nach, auch die zunehmende Digitalisierung gräbt dem Nachrichtengewerbe das Wasser ab: Info-News werden von einer der drei Pressekonzerne AP, Reuters und AFP  wie vorgebackene Brötchen angeliefert und können per copy & paste übernommen werden (wie lediglich drei globale Nachrichtenagenturen als Zapfsäulen für die nationalen Massenmedien dienen, ist im SWPRP-Medienreport „Der Propaganda-Multiplikator“ nachzulesen).

Um die Tiefkühlbrötchen der Presseagenturen aufzubacken, braucht es allenfalls einen Kosmetiker, aber keinen Journalisten mehr, der wirklich in die Tiefe recherchiert und das macht, wozu er als Journalist eigentlich ausgebildet wurde. Demnächst braucht es sogar nicht einmal mehr den Kosmetiker – smarte Algorithmen übernehmen mitunter bereits das Schreiben kompletter Artikel. So ist es in mehreren US-Zeitungen bereits gang und gäbe, dass man dem Computer nur noch ein Sportergebnis füttert und der Blechkollege dichtet eine Story drumrum, die dann unredigiert abgedruckt wird. Auch auf Wikipedia werden schon seit längerem automatisierte Bots eingesetzt, die im Netz verfügbares Informationsmaterial durchforsten und daraus pro Tag bis zu 100.000 Artikel verfassen, die sogar für das skeptische Auge von Gwup-Nerds und der Sheldon Cooper-Community alle Anforderungen an Wissenschaftlichkeit und Sachzwänglichkeit erfüllen (siehe Spiegel).

Doch nicht nur dem niederschwelligen Boulevardjournalismus stehen wenig rosige Zukunftsaussichten ins Haus. Auch im Nobelescort-Bereich des Journalismus ist die Luft dünn geworden, allerortens wird gnadenlos rationalisiert. Wie aus der Redaktion ausgestiegene Journalisten berichten, sind die Zeiten, in denen man als gewöhnlicher Spiegel-Redakteur wirklich gut verdient hat, längst vorbei und hat auch die Porsche-Dichte in der Tiefgarage deutlich abgenommen. Allenfalls als Chef der Etablissements hat man noch leicht lachen und kann bei abendlichen Gala-Diners von Atlantikbrücke-Verein & Co. entspannt Champagner schlürfen und Schokotrüffeln schlemmen – und das Schulterklopfen der ganz Mächtigen genießen. Dass Putin und Russland in der deutschen Medienwelt die alternativlos Bösen bleiben, lässt man sich in der oberen Liga schon noch etwas kosten.

Für kleine Schreiberlinge und Nachwuchstalente sieht es jedoch traurig aus, denn sie sind in der postfaktischen Medienwelt jederzeit ersetzbar geworden. Niemandem wird es auffallen, wenn sie nicht mehr auf ihrem Arbeitsplatz Dienst verrichten, geschweige denn, ihnen eine Träne nachweinen. Wie der eingangs erwähnte Journalist im SWPRS-Bericht erzählt, herrscht in den Massenmedien mittlerweile Existenzangst und Endzeitstimmung:  „Nirgends war das Klima der Angst grösser und expliziter als beim grössten privaten Medienhaus der Schweiz. Die Angst vor der nächsten Sparrunde, Umstrukturierung, vor dem unerwarteten Seitenhieb in der Blattkritik.“ Die Existenzangst führe dazu, dass die Journalisten ihre eigenen Denkmuster nicht mehr hinterfragen und insbesondere einer „US-EU dominierten Sicht- und Erklärweise der Weltereignisse“ unterliegen.

Nichts ist in den Schreibstuben also mehr wie früher. Sogar wenn sich bedingungslos auf Blattlinie schreibende Journalistinnen wie die junge Leonie Feuerbach um Kopf und Kragen schreiben, indem sie mit allem ihnen zur Verfügung stehendem Krallen- und Beißwerkzeugeinsatz politisch nicht korrekte Friedensfestivals an den Pranger stellen (siehe heise) und mit aller gebotenen Härte gegen „Querfrontler“ wie Ken Jebsen, Xavier Naidoo oder Werner Altnickel vorgehen, ist nicht gewiss, ob die eifrigen GedankenpolizistInnen nicht schon übermorgen selbst wegrationalisiert werden. In Zeiten, in denen morgen nichts mehr so ist wie gestern, kann es schnell mal sein, dass sich Leonie Feuerbach als Kühlregalschlichterin beim Lidl widerfindet, obwohl sie doch gerade erst nach stolzer Gutsherren(frauen-)art das Horn zur Jagd geblasen hat und mit einem stattlichen Rudel an Labradoren im Gefolge über die urbanen Äcker des neoliberalen Fürstentums geritten ist.

Wer weiß, vielleicht wird die jagdlustige Dame, die unzähligen Hasen den kalten Angstschweiß aus dem Fell getrieben und ihnen dieses dann über die Ohren gezogen hat, unvermittelt von einem Burnout gestreift … oder die grüne Galle, die sie im Kampf gegen unbotmäßige Friedensaktivisten entwickelt hat, schießt ihr in die Nieren … – und schon kann Schluss sein mit der spitzen Schreibtischtäterschaft und dem Sold am Monatsersten. Wenn man heute nur für kurze Zeit einmal nicht mehr leistungsfähig ist, dann darf man erleben, wie das leistungsorientierte System, für das man zuvor mit aller Verve gekämpft hat, mit einem selbst umgeht. Auch wenn sie jetzt noch im ledergepolsterten Vorzimmer zum Chef sitzt und aus der erhöhten Sitzposition des SUV nach unten blickt, selbst ambitionierte Nachwuchskräfte wie Leonie Feuerbach, die alles gegeben haben, sind heute nicht davor gefeit, schon morgen ausrangiert und auf Hartz 4 gesetzt zu werden. Statt SUVs in der Tiefgarage dürfen sie dann versprengte Einkaufswägen an der Lidl-Kassa parken.

Dabei war der Traum vom kleinen Glück bereits so greifbar nahe: Nachdem die junge Leonie laut ihrer FAZ-Vita dem ehrwürdigen Leitmedium von 2014 bis 2016 als Volontärin gedient und nach dieser zweijährigen Bewährungsprobe schließlich am 1. April 2016 dasjenige Privileg erhalten hat, das für eine Studentin der Politikwissenschaften in heutiger Zeit seltener ist als ein vierblättriges Kleeblatt in einer Sandkiste: eine Festanstellung als Redakteurin. Nach dem Platzen der schillernden Seifenblase, auf die Oma besonders stolz war, wird die junge Leonie dann womöglich auch verdutzt feststellen dürfen, dass die nadelgestreiften Feudalherren, in deren Sold sie früher stand, an der Kassa keinen einzigen Cent Trinkgeld springen lassen, während Friedensaktivisten, denen sie in ihrem früheren Leben den medialen Garaus bereitet hat, sich als unerwartet großzügig erweisen, obwohl diese selbst ein karges Auskommen haben und in zerschlissener Kleidung unterwegs sind. Angesichts der herablassenden Art der nadelgestreifen Herren, mit denen sie früher auf Augenhöhe scherzte und die nun bei ihr einkaufen, wird die geharzte Leonie womöglich sogar an die leibhaftige Existenz von Reptiloiden zu glauben beginnen, obwohl sie solchen Verschwörungstheorien bisher immer sehr abhold war.

Wie sie in ihren FAZ-Artikeln unter Beweis gestellt hat, verstand es Leonie, Verschwörungstheorien mit fachmännischer Journalistenhand zu einem toxischen braunen Cocktail zu mixen, in den als Zutaten neben Chemtrails, den 9/11-Anschlägen, Reichsbürger-, Tiefenstaat- und Überwachungsphantasien, Aluhüten und sonstigem „kruden“ Kraut dann auch noch beiläufig die Namen derjenigen Personen eingestreut wurden, vor denen man als aufgeklärter fernsehender Spiegelbildbürger unbedingt auf der Hut sein sollte (siehe FAZ).

Wären da nicht diese verflixte Digitalisierung und der gnadenlose Ökonomisierungsdruck, die Chefetage hätte Leonie Feuerbach diese Cocktails bis zu ihrer Rente jede Woche aufs Neue weitermixen lassen, um sie dann wie Schrotladungen ins weite Feld des „manufacturing consent“ zu schleudern (siehe Rezension zu Noam Chomsky auf Nachdenkseiten: „Die Wachhunde der Machtelite“), obwohl die Leser solcher Ergüsse bereits überdrüssig sind und sich angewidert abwenden. Jedenfalls wird die neue Smart-App „Leonie 4.0“ das Mixen dieser Cocktails genauso gut beherrschen – und zwar im Bruchteil einer Sekunde und zu einem Bruchteil der betriebswirtschaftlichen Kosten, die momentan noch für Humanressourcen auflaufen. – Humanressourcen, die sich gerade selbst in die Obsoleszenz schreiben.

 

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Zum Thema Journalismus siehe auch:

Prof. Reiner Mausfeld: „Der leise Tod der öffentlichen Debatte“

Jens Wernicke bei KenFM: „Lügen die Medien?“

Nachrichtenspiegel: „Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit – Teil 1: Im Griff der Würgeschlange“

Nachrichtenspiegel: „Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit – Teil 2: Die Götterdämmerung der Lügenpresse“

Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit – Teil 2: Die Götterdämmerung der Lügenpresse

Bild: Detail einer Pestsäule in Wien, errichtet nach dem Sieg über die schwarze Seuche, die im Mittelalter 25 Millionen Todesopfer gefordert und damit ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas dahingerafft hat.

Farin Urlaub im Gebiss der Finsternis

„Gebiss der Finsternis“ – so bezeichnete Günther Wallraff seinerzeit den Journalismus, den er in der Redaktion der Bildzeitung kennengelernt hatte, in die er sich undercover eingeschlichen hatte. War damals noch eine große Anzahl an Lesern über die von Wallraff aufgedeckte journalistische Praxis an Lügen, Manipulation und Rufmord schockiert, so ist diese Praxis heute state of the art und juckt kaum noch jemanden. Auch beim Rest der deutschen Qualitätsmedien sorgten die Enthüllungen in Wallraffs Buch „Die Aufmacher“ nicht etwa für Abschreckung, sondern dienten jenen anscheinend nur als Anleitung dafür, wie man erfolgreichen, reichweitenstarken Journalismus betreibt.

Und dennoch: seit Kurzem läuten sogar unter der verschimmelten Käseglocke des Journalismus die Alarmglocken. Selbst „wissenschaftliche Experten“, die eigentlich dafür bezahlt werden, dass sie mit ihrem Stehsatz „Es besteht keine Gefahr für den Menschen“ auch bei Kernkraftwerke-SuperGAUs und schlimmsten Schadstoffbelastungen Entwarnung geben, sogar solche Experten stellen mittlerweile die ernst gemeinte Hypothese in den Raum, dass unser sozioökonomischer Emmentalerlaib schon demnächst kollabieren und zum vollendeten Mäusefraß werden könnte. Angesichts der aus den Fugen geratenden Weltlage rufen nun sogar etablierte Medien nach der Friedensbewegung, deren verdutzte Aktivisten sie zuvor selbst zu Nazis erklärt und medial platt gemacht hatten (siehe Stern). Auch die Doomsday Clock (siehe „Bulletin of the Atomic Scientists„) wurde Anfang dieses Jahres um weitere 30 Sekunden vorgestellt und steht nun auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht – der symbolischen Apokalypse.

Was ist also passiert? Warum schaltet die Ampel von Grün plötzlich abrupt auf Rot bzw. wie ist es möglich, dass plötzlich Apokalypse angesagt ist, obwohl wir doch bisher bestens UNTERhalten im „Uns geht’s gut“- Winkepuh-Modus dahingetuckert und einen auf Farin Urlaub gemacht haben?

Wir rücken mit dieser Frage wieder einem sehr unappetitlichen Thema näher, um das ich mich gerne gedrückt hätte. Schon fast ein Jahr ist es her, als ich den ersten Teil einer Trilogie über die Lüge schrieb, jenes schwarze, ätzende Sekret, das täglich riesige Löcher in den Emmentaler unseres Gesellschaftslebens frisst. Die damals als „demnächst“ angekündigte Fortsetzung des ersten Teils („Im Griff der Würgeschlange“) bin ich zu meiner Schande zehn Monate später immer noch schuldig geblieben. Inzwischen ist wieder viel Wasser den Bach runtergeflossen und hat sich einiges geändert. Das damals noch schmucke Wort „Lügenpresse“ wurde zum Beispiel zum absoluten Tabu erklärt. Nur unverbesserliche Pegidaisten nehmen es noch in den Mund, aber nicht einmal in den alternativen Medien wagt es noch jemand, sich damit die Zunge zu verbrennen,  nachdem es durch eine Gilde hochkarätiger Experten zum Unwort des Jahres erklärt und als infamer Angriffsversuch auf die Glaubwürdigkeit des DIN-ISO-zertifizierten Qualitätsjournalismus gebrandmarkt wurde. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir die öffentlichkeitswirksamen Publikationsorgane unserer Polit- und Wirtschaftsmächte als unglaubwürdig bloßstellten? Wehrmachtzersetzung in Zeiten der Wirtschaftskrise – nein, das geht gar nicht und wird daher standrechtlich geahndet.

Da mein damals bereits fragmentarisch vorhandener Artikel an vielen Stellen besagtes wehrmachtzersetzendes Wörtchen beinhaltete – ich gestehe, es war sogar eines meiner Lieblingswörtchen, das mich gleichermaßen zum Schmunzeln brachte und wütend machte -, war ich nun in Verlegenheit. Und ich muss gestehen: Ich habe bisher noch keinen passenden Ersatz gefunden für dieses Wörtchen, das das Geschehen in den Massenmedien so treffend auf den Punkt brachte. Ja, ich weiß schon, natürlich tut man mit solchen Pauschalierungen immer auch einigen Personen unrecht, die sogar in rabenschwarzer Rauchwolkenatmosphäre bzw. in einer Zeit, in der „der Lügenäther so dicht ist wie seit den Tagen des Kalten Kriegs nicht mehr“ (Peter Sloterdijk), den herkulischen Kraftakt aufbringen, Rückgrat zu behalten und die Wahrheit zu sprechen. Bei diesen zum Glück ebenfalls existierenden Journalisten, vor denen ich wirklich meinen Hut nehme, möchte ich mich auch entschuldigen, wenn ich im Folgenden mit der Zunft der „angestellten Meinungsäußerer“ (Sloterdijk) etwas strenger ins Gericht gehe.

Da ich wie gesagt noch ratlos bin, mit welchem Wort man das zeitgenössische Mediengetriebe in gleicher Weise demaskierend charakterisieren kann, habe ich das Wörtchen „Lügenpresse“ im Folgenden einfach durch kunterbunte Wörter ersetzt, das mir gerade brainstormmäßig auf der Stirn aufgeblitzt sind. Manche dieser Wörter mögen doof klingen, aber ich bin da ehrlich gesagt mit meinem Latein momentan fast am Ende (andere Vorschläge bzw. Synonyme sind jederzeit sehr willkommen!)

Entenzüchter als Reservejournalisten?

Dass ich erst mit zehn Monaten Verspätung dazu komme, meinen Artikel fertigzuschreiben, mag dem Leser auch gleich zeigen, mit welch schwachen Ressourcen wir hier eigentlich arbeiten: Sämtliche Autoren und Mitarbeiter dieses Nachdenkmagazins sind eigentlich vollständig ausgelastete, hochbeschäftigte Menschen mit zT. mehreren Kindern, die neben ihren eigentlichen Aufgaben kaum zum Nötigsten kommen und unter chronischer Zeitnot leiden. Dazu kommt noch, dass die meisten Autoren begeisterte Natur- und Literaturfreunde, Wanderer, Musiker oder passionierte Entenzüchter sind. Mit einem Wort: Es bestünde wahrlich kein Mangel, ihre spärlich bemessene Freizeit mit interessanten und erbaulichen Tätigkeiten zu füllen. Wäre nicht die reguläre Katzenstreupresse an dem derzeit diagnostizierbaren Herz-Nieren-Totalversagen erkrankt, – die Autoren des Nachrichtenspiegel hätten beileibe anderes zu tun, als sich spätabends noch mit Artikelschreiben und mühsamen Hintergrundrecherchen zu beschäftigen. Auch ist es wahrlich kein Zuckerschlecken, viele Kübel voll übel stinkender Maische aus der Nachttopfpresse zusammenzutragen, um daraus dann ein kleines Gläschen hochprozentiger Spirituosen zu destillieren.

Warum müssen Amateure wie wir überhaupt diese Arbeit machen? Es gäbe doch ein riesiges Heer an Qualitätsjournalisten, die von der SUV-Presse ein reguläres Gehalt beziehen, um sich hauptberuflich um das zu kümmern, wozu ein Journalist als Träger der vierten Säule der Demokratie eigentlich antreten sollte: zur objektiven Berichterstattung und zur rückhaltlosen Aufklärung über politische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Missstände und Gefahren. Die in unseren Parlamenten von technokratischen Flachmannschaften mit Hochdampf vorangetriebene Selbstzerfleischung und Mumifizierung Deutschlands und Europas hätte sehr schnell ein Ende, wenn die Pferdäpfelpresse ihre einhellige Empörung über den zur Normalität erklärten Wahnsinn zum Ausdruck bringen würde oder zumindest ein schlichtes „Geht‘s noch?!“ – Doch was macht die Reißwolfpresse stattdessen? Sie schreibt „Weiter so!“ und will alle unbequemen Personen an den Rand drängen, die sich noch der Wahrheit verpflichtet fühlen und die es wagen, 2+2 zusammenzuzählen.

Hierzu David Goeßmann, Gründer von Kontext-TV: „Anstatt Macht und Mächtige zu überwachen, fungieren die Mainstreammedien als Gatekeeper der Eliten“. In einer sehr aufschlussreichen Analyse (siehe YouTube) schildert er das, was ich von Journalisten der Flatratepresse auch schon persönlich gehört habe: wie heutige Redaktionen weder die Zeit noch die Ressourcen haben, um einen Sachverhalt nachzurecherchieren und eine übernommene Meldung aus den institutionaliserten Informationskanälen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Er zitiert Studien, wonach in Deutschland „ein großer Teil der Nachrichten und Informationen auf PR-Quellen der Staatsorgane und der Unternehmensbürokratie zurückzuführen ist“. Auch nach Ansicht von John Doe, dem Aufdecker der Panama Papers, „haben die Medien versagt … und sind nur noch lächerliche Abziehbilder ihrer selbst“. Mit einem Wort: Von dieser Säule hat die Demokratie wohl keine Stütze mehr zu erwarten. Ganz im Gegenteil, die Medien haben sich von der „vierten Säule der Demokratie“ zu einer Art Pestsäule der Demokratie gewandelt, wobei diese Pestsäule nicht wie früher den Sieg über eine verheerende Epidemie kündet, sondern in unverfrorener Weise geradewegs dem Triumph bzw. Endsieg einer verheerenden Epidemie den Weg bereitet. So paradox es ist, aber man kommt nicht umhin festzustellen, dass wir wohl eine deutlich bessere Atemluft bzw. gesellschaftliche Atmosphäre hätten, wenn es die Methangaspresse in ihrer derzeitigen Form gar nicht gäbe, sondern sich die Bürger ihre Meinung eigenständig bilden müssten.

Multiples Organversagen

Nun ist Information jedoch in einer demokratischen Gesellschaft eine vitale Notwendigkeit – wobei es in einer Gesellschaft so wie in einem Organismus notwendig ist, dass alle Organe zusammenwirken und ihre spezifische Aufgaben erfüllen, damit der Gesamtorganismus funktionieren kann. Man stelle sich z.B. vor, was los wäre, wenn 99% der Chirurgen plötzlich keine Lust mehr hätten, Unfallopfer zu operieren, sondern sich nur noch für Schönheitsoperationen und Schamlippenkosmetik zuständig fühlten. Wenn in einem Organismus einige Organe schlapp machen und ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen, dann müssen andere Organe dafür einspringen und Mehrarbeit leisten, für die sie eigentlich gar nicht zuständig wären. Jeder Dialyse-Patient weiß, wie lange es dauert, bis der Organismus vollkommen vergiftet ist, wenn z.B. die Nieren nicht mehr ihre Aufgabe der Blutfiltration und Harnstoff-Ausscheidung erfüllen. Wenn man nun die Presse in ihrer Funktion als Filtrierer mit den Nieren vergleicht, dann kommt man nicht umhin, ein weitgehendes Totalversagen dieses Organs zu diagnostizieren – wird nichts unternommen, um die Niereninsuffizienz zu kompensieren, dann droht demnächst multiples Organversagen und somit Exitus.

Nicht nur, dass die Nieren bzw. die Kommerzpresse kein Gift mehr filtriert – die Flaschenpostpresse speit selbst hochtoxische Substanzen aus und speist diese in den Blutkreislauf unseres gesellschaftlichen Organismus ein. Welches Organ soll nun dafür sorgen, dass das Viperngift der Dschungelcamppresse nicht ungehemmt bis in die letzten Gehirnwindungen unserer Kinder zirkuliert und dort irreversible Verätzungen und Verklebungen verursacht? Leber und Lunge sind bereits voll ausgelastet und pfeifen ihrerseits schon aus dem letzten Loch. Ob es also ein kleiner Zeh wie wir schaffen wird, ausreichend Gegengift gegen das Viperngift der Schlaftablettenpresse in den Blutkreislauf einzuspeisen, ist sehr fraglich. Da werden schon andere Zellen mithelfen müssen.

Als Leitsatz für einen solchen Journalismus, wie wir ihn heute brauchen, reichte uns eigentlich George Orwells Definition: „Journalismus ist, etwas zu veröffentlichen, von dem jemand anderes nicht möchte, dass es veröffentlich wird. Alles andere ist PR.“

Apropos PR:  Der amerikanische Geheimdienst beschäftigt 27.000 „PR-Berater“ (Quelle: Tagesanzeiger), das sind Informationskriegs-Profis, die auf Steuerkosten die öffentliche Meinung manipulieren und dafür sorgen, dass unerwünschte Berichte und Personen von der Bildfläche der Schrumpfkopfpresse verschwinden. Tom Curley, dem Chef der größten amerikanischen Nachrichtenagentur AP, beschrieb den Druck des US-Verteidigungsministeriums auf seine Berichterstatter schon 2009 als „unerträglich“.  Hohe Generäle hätten gedroht, dass man die AP und ihn ruinieren werde, falls Reporter weiterhin auf ihren journalistischen Prinzipien beharren würden. Laut Aussage von Curley befindet sich eine für den Informationskrieg zuständige Dienststelle namens «Joint Hometown News Service» auf einem früheren Luftwaffen-Stützpunkt in San Antonio, Texas. Dort würden Wort- oder Bildberichte produziert, die man unter falscher Quellenangabe den Medien zuspielt. Tom Curley spricht anscheinend über diejenigen anonymen Eminenzen, über die auch Angela Merkel als „unsere verlässlichen Freunde“ stets ins Schwärmen gerät.

„Wir leben in einer absolut mörderischen Weltordnung … und gegen die muss man andenken, anreden, an-analysieren.“
(Jean Ziegler, ehem. UN-Kommissar)

– Um solches von Jean Ziegler gefordertes Andenken möglichst schon im Keim zu ersticken, existieren mittlerweile hochprofessionelle mediale Schattenarmeen wie z.B. die JTRIG, die laut eigenem Bekunden auf einer durch Edward Snowden geleakten Präsentationsfolie ihre Arbeit mit 4 „D’s“ zusammenfasst: „The 4 D’s:  Deny / Disrupt / Degrade / Deceive“ – auf deutsch: „Verleumden / Spalten / Erniedrigen / Irreführen“ . Das Trainingsprogramm dieser staatlichen Behörde nennt sich übrigens „The Art of Deception“ – „Die Kunst des Hintergehens/Betrügens“ (siehe Nachrichtenspiegel: „Sex, Lügen und Videos“).

„Lügen auf höchster Ebene bleibt der Modus Operandi der US-Politik, einschließlich geheimer Gefängnisse, Drohnenattacken, Nachteinsätzen von US-Spezialkräften, Umgehens des Dienstweges und Ausschlusses jener, die allenfalls Nein sagen“, fasst Reporterlegende und Investigativjournalist Seymour Hersh seine Erfahrungen mit Regierungs- und Geheimdienstpropaganda zusammen (siehe Interview mit Prof. Norman Paech). – Womit möglicherweise auch die Frage geklärt ist, aus welcher Dunkelheit sich heute die drei weltgrößten Schattenagenturen Associated Press(AP) , Agence  France-Presse(AFP) und Reuters speisen, die das Weltgeschehen vorsortieren und praktisch allen subordinierten Zeitungen täglich den Nachrichtentext diktieren. Über eine jüngste Schweizer Studie zur Enthüllung dieser Zusammenhänge hat uns unser Kollege Till Eulenspiegel ja vor Kurzem dankenswerterweise informiert (zum Download der Studie).

In seinem Lied „Das Narrenschiff“ (siehe „Eine würdige Bundeshymne für unser Zeitalter des akademisch akkreditierten Wahn-Sinns“) trällert Reinhard Mey: „Am Horizont leuchten die Zeichen der Zeit: Niedertracht und Habsucht und Eitelkeit“. – Nicht nur, dass unsere Siebenschläferpresse gegen diese drei Zeitregenten nicht das Geringste einzuwenden hat, sie macht sogar ein profitables Geschäftsmodell daraus und erklärt die vorgenannte Pestilenzen-Trias einer ganzen Generation junger Menschen zum fraglosen Lebensideal.

Die säkulare Priesterschaft und unsere Indoktrination mit der Religion der Apokalypse

Das manufacturing consent der Medien gilt nicht nur politischen und militärischen Belangen. Militär und Politik sind ja nicht Selbstzweck, sondern sind ihrerseits nur Vehikel für partikuläre Macht- bzw. Wirtschaftsinteressen. Letztlich geht es also nicht um Politik, sondern es geht heute um bloßen Erwerb bzw. ökonomische Vorteilsnahme. Obwohl sogar der Papst im verschlafenen Vatikan bereits öffentlich feststellt, dass „diese Wirtschaft tötet“ (siehe Handelszeitung), werden von retardierenden Kräften derzeit alle Register gezogen, damit alles beim Alten bleibt und unser Zug weiter Richtung Grand Canyon fahren kann.  Ein großer Teil der Menschen hat das bereits erkannt und  will das nicht. Es wäre also nur noch eine Frage der Zeit, bis die derzeitige, jeder Nachhaltigkeit und Moralität spottende Art des Wirtschaftens nach dem Fracking-Prinzip („Put in poison, get out money“) in der Bevölkerung jeden Rückhalt verliert und verschwinden müsste. Auch die derzeit auf Hochdampf vorangetriebene Mechatronisierung von Mensch und Lebensumwelt wäre abgesagt.

Um das zu verhindern und um uns den astreinen Wahnsinn weiterhin als Fortschritt verkaufen zu können, braucht es daher auch eine weltanschauliche Indoktrination. Und diese ist sogar noch wesentlich gefährlicher als die „normale“ politische Manipulation, von der inzwischen sogar Mathias Döpfner, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und Vorstandsvorsitzender des Axel Springer Verlags zugibt, dass die Grundelkarpfenpresse „mittlerweile von vielen als Teil einer großen Eliten-Kungelei wahrgenommen wird“ und daher ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt habe (Quelle: Telepolis). Während also die üblichen politischen Manipulationen auf den heutigen Menschen bloß wie kleine Rattengiftkörner wirken (die zwar Kopfweh bewirken, aber gegen die viele Menschen bereits eine Resistenz aufgebaut haben, so ähnlich wie man in der DDR zwar die „Volksstimme“ gelesen hat, man aber keinen Pfennig darauf gab, was da berichtet wurde), so wirkt jedoch die neue weltanschauliche Indoktrination wie ein hundewurstgroßer XXL-Rattenköder, dessen Gift selbst ein Ochse nicht verdauen kann. Das besonders Tückische daran: Dieser Rattenköder ist zuckerglasiert und auf „wissenschaftlichen“ Hochglanz poliert. Serviert wird uns dieser XXL-Rattenköder von akademischen Experten, die Noam Chomsky als „säkulare Priesterschaft  der Machtelite“ bezeichnet und die dem Rest der Bevölkerung „verkünden, was sie glauben sollen“ (siehe Essay „Die Wachhunde der Machtelite“).

Denn um der restlosen Verwertung unserer Umwelt- und Humanressourcen den Weg zu ebnen, ist es notwendig, Geist und Seele endgültig aus dem Menschen auszutreiben und eine rein technokratische, „naturwissenschaftliche“ Weltsicht zu etablieren. Das dechiffrierte Glaubensbekenntnis, das uns heute auf allen Ebenen medial eingehämmert werden soll und das unsere Kinder schon mit der Muttermilch aufsaugen sollen, lautet daher:

„Mensch und Welt sind nur geistlose Kohlenstoffzusammenballungen,
ergo ist alles Wurst,
ergo können Mensch und Umwelt nach reinen Effizienzkriterien ausgeschlachtet werden.“

Chomskys säkulare Priesterschaft, die diese Botschaft predigt, hat heute im Wesentlichen immer noch dieselbe Funktion inne wie seinerzeit die Inquisition im Mittelalter: Die Bevölkerung auf Linie zu bringen, Abweichler ausfindig zu machen, zu exkommunizieren und zu verbrennen. Der einzige Unterschied: Während es früher die katholische Kirche war, an die der Mensch  blind glauben musste, so wird dieser blinde Glaube heute gegenüber dem technischen „Fortschritt“ eingefordert. Wer diesen (mittlerweile höchst zerstörerischen) Glauben verweigert – ist draußen, er wird aus der Gilde der Wissenden exkommuniziert und medial verbrannt. Als böse wird heute also nicht derjenige angesehen, der vom Teufel besessen ist, sondern derjenige, der sich dem transhumanistischen Paradies entgegenstellt, in das uns die Hohepriester der Gen-/Nano-/Biotechnologie/Robotik führen wollen. Wer darüber aufklärt, dass sich hinter diesem hocheffizienten Paradies (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) in Wirklichkeit Dantes Eishölle verbirgt, der ist schnell einen Kopf kürzer bzw. weg von der Bildfläche. – selbst wenn er noch so überzeugende Beweise vorlegen kann wie zB. der Neurowissenschaftler Dr. Manfred Spitzer, der die geforderte Digitalisierung unserer Kinder („Schule 4.0“) für eine „Bildungskatastrophe“, reine „Verdummungsmaßname“ und für ein Ticket in die „Digitale Demenz“ hält (siehe Deutschlandradio Kultur). Wer sich einmal einen Eindruck verschaffen will, wie es einem wirklichen Experten wie Dr. Spitzer ergeht, wenn er in eine Arena mit Chomsky’schen (Pseudo-)Experten wie Sascha Lobo geworfen wird, für den lohnt sich ein Blick in Anne Wills Grinsekatzenshow.  Selbst wenn Dr. Spitzer über dramatischste Fakten berichtet, z.B. dass in Deutschland eine halbe Million Jugendlicher aufgrund exzessiven Medienkonsums bereits psychische Wracks sind, immer mehr Kinder zu Smombies (Smartphone-Zombies) degenerieren und er solche Menschen täglich in seiner Praxis hat, räkelt sich Talkmeisterin Anne Will genüsslich lächelnd auf ihrem Sofa – mit dem vollen Rückenwind des Fortschritts im Rücken hat die Dame ja wirklich leicht Lachen. Man gewinnt bei der Talkshow jedenfalls auch eine Ahnung darüber, wie es früher Menschen gegangen ist, die man in eine Schlangengrube geworfen hat…

Auch der Psychologe Götz Eisenberg, der in einem sehr lesenswerten Essay die Frage aufwirft,  warum solche Forschung (zur Robotisierung von Mensch und Lebensumwelt) überhaupt betrieben wird und „ob eine zur Vernunft gekommene Gesellschaft sie nicht stoppen sollte“, ist diesbezüglich ein Rufer in der Wüste und wird zunehmend aus dem Dialog ausgegrenzt. Solche Fortschrittsverweigerer werden heute ebenso wie alle alternativen Denker, Friedensaktivisten, Gemeinwohlökonomen etc.  durch eine perfekt eingespielte Medienmaschinerie gezielt diffamiert und als Spinner hingestellt. Chomskys „säkulare Priesterschaft“ hat kein Verständnis für sie. Und an Schergen, die für besagte Priesterschaft die Drecksarbeit machen und unliebsame Personen über eigens zu solchen Zwecken hochgezogene Medienkanäle und „Wissenschaftsblogs“ fertigmachen, mangelt es heute nicht. Die Heckenschützen zur Sabotage ganzheitlicher alternativer Denkansätze stammen hierbei nicht nur aus den Reihen ethikbefreiter Geheimdienstbrigaden wie der vorgenannten JTRIG, sondern kommen in immer größerer Anzahl aus den Reihen der Zivilgesellschaft selbst. Hierbei erfüllen z.B. diejenigen Studenten, Journalisten und ehrenamtlichen Hassblogger, die sich der gerade epidemisch in den Medien ausbreitenden GWUP-/Skeptikerbewegung anschließen und für eine „säkulare Welt“ kämpfen (siehe Nachrichtenspiegel: „Liebe, Tod und Gwup“ sowie „Über GWUP-Pastafaris, die neue Aluhut-Inquisition und neoliberale Arschlöcher wie mich“), heute diejenige Rolle, die man im Kalten Krieg der 80er Jahre als „nützliche Idioten“ bezeichnet hat (Anm.: was auch die Zeit war, in der der US Thinktank- und Atheisten-Verband „Thinktanks Committee for Skeptical Inquiry / CSI“ die GWUP/Skeptikerbewegung nach Europa verpflanzt hat, wo deren Horrorclown-Veranstaltungen zur Diffamierung alternativer Denker in den deutschen Leitmedien mittlerweile mehr Raum einnehmen als die alljährlichen Nobelpreisverleihungen).

Inzwischen schreiben GWUP-Apologeten nicht nur Leitartikel der Blindgängerpresse, sondern auch Wikipedia, die Wissensenzyklopädie schlechthin, ist fest in Skeptikerhand. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gilt als Hasser aller alternativen Denkansätze und als großer Befürworter der „Skeptiker“-Bewegung.  Entsprechend lässt er den (lt. Recherche des unabhängigen Wiki-Radar Teams massiv durch tendenziös agierende Skeptiker-/GWUP-Anhänger unterwanderten) Wikipedia-Administratoren vollkommen freie Hand, um alle Seiten zum Thema alternative Medizin, Therapie, Homöopathie sowie die Lebensläufe von Forschern, die diese vertreten, negativ einzufärben und tendenziös zu verbrämen. Unterschriften-Petitionen zu mehr Fairness in Wikipedia schmettert Jimmy Wales lachend ab und setzt den Alternativmedizinern und homöopathischen Ärzten noch eins drauf, indem er sie als „lunatic charlatans“ bezeichnet (siehe sceptical about sceptics) – was wiederum in den GWUP-Blogs eifrig als Zitatequelle herangezogen wird. Was der Startup-Glücksritter Jimmy Wales über Medizin zu sagen hat, hat schließlich Gewicht. Immerhin konnte Wales mit seiner Firmengründung Bomis bereits Fachkompetenz im Unterhaltungs-, Sport- und Sexbusiness beweisen und war daher als Drahtzieher für ein Menschheitslexikon wie Wikipedia geradezu prädestinert.

Erst vor Kurzem wurde auch Christian Felber, der Vordenker der Gemeinwohl-Ökonomie, vom Chef der GWUP/GfK/Skeptikerbewegung DrDr. Ulrich Berger samt einem Tross an über 100 weiteren akademisch akkreditierten „Wissenschaftlern“ attackiert, sodass das österreichische Unterrichtsministerium schließlich das Thema Gemeinwohlökonomie aus einem Schulbuch und damit aus dem Bewusstsein unserer nachfolgenden Generation wieder gestrichen hat. – Hinreichender Grund für die nun auch in Wikipedia konnotierte Streichung: „Unwissenschaftlichkeit“ und mangelnde Reputation bzw. Publikation Felbers in der wissenschaftlichen Fachwelt (siehe norberthaering.de). Gemeinwohl, so etwas brauchen wir heute ja wirklich nicht – es hindert den Fortschritt (die fortschreitende Profitakkumulation einiger Weniger zu Lasten der Mehrheit) und muss daher von den Hütern des naturwissenschaftlichen Rationalismus rechtzeitig lahmgelegt werden.

Die vermutlich dümmste, aber mit Sicherheit verheerendste Weltanschauung

Auch wenn die WHO bisher noch keine Pandemie-Warnung ausgegeben hat, so zieht die flächendeckende Indoktrination durch die neue GWUP-Religion des technokratisch-nihilistischen Szientismus bereits weiteste Kreise: Jung und Alt wird derzeit im Zeitraffertempo mit der vermutlich dümmsten und mit Sicherheit verheerendsten Weltanschauung, die es jemals in der gesamten Menschheitskulturgeschichte gegeben hat, indoktriniert. Lt. GWUP-Weltanschauung sind wir de facto nur wandelnde Wasserleichen, in denen sich ein paar chemische Elemente eben den Spaß machen, solchen Urschlamm zum Zucken und zum Sprechen zu bringen.

Auch wenn diese Weltanschauung im Deckmantel von strenger Wissenschaftlichkeit  daherkommt und uns als „Fortschritt“ verkauft wird, sie wird sich für die Menschheit verheerender erweisen als die Pest im Mittelalter. Wenn wir ihr auf den Leim gehen und ihr huldigen – so wie der gentechnik- und frackinggläubige GWUP-Horrorclown in Steve Cutts Cartoon „Man“ – dann wird diese Weltanschauung entgegen aller Verheißungen zu einer nie dagewesenen Verelendung, menschlichem Siechtum und einer irreversiblen Zerstörung von Mensch und Umwelt führen. In einer Welt mit Menschen ohne Geist, in der „jeder Mensch des anderen Menschen Wolf“ ist (Hobbes), werden uns bisher erlebte Faschismen im Vergleich dazu noch als regelrecht sozialromantische Zeiten erscheinen.

So, lassen wir das Thema GWUP wieder, es ist wie ein dunkler Brunnen, von dem Nietzsche meint, man solle lieber nicht zu tief in ihn hineingucken, sonst fällt man womöglich selbst hinein. Lassen wir zum Abschluss nochmals den Papst zu Wort kommen, damit unser bunter Reigen komplett ist. Ich habe zwar noch niemals in einem Artikel den Papst zweimal zitiert, aber aus gegebenem Anlass mache ich es heute eben: Zur Jahreswende hat Franziskus die Desinformation und Diffamierungskampagnen der Medien scharf  kritisiert und bei der Sargnagelpresse  „Koprophilie“ verortet  (=abnormer Lustgewinn durch menschlichen Kot; von griech. kópros). „Desinformation ist wahrscheinlich der größte Schaden, den die Medien anrichten können, da die Meinung in eine Richtung gelenkt wird und der andere Teil der Wahrheit vernachlässigt wird“, so Franziskus (Quelle: orf)

Ausblick aus Nietzsches dunklem Brunnen – Das Erwachen des Hartzbürgers

Wer jetzt verzweifelt ist angesichts des schier ausweglosen Geflechts an Manipulation, Lügen und Verderbtheit, die uns heute aus fast jeder Zeitungsseite bzw. aus dem Flatscreen entgegentriefen, der sei beruhigt: Auch dass der Einzelne nichts tun kann, ist eine Lüge – eine der größten überhaupt!

Selbst wenn jemand im äußeren Berufsleben nichts mehr bewirken kann, z.B. weil man ihn geharzt hat, dann hat das überhaupt nichts mit der Gestaltungsfähigkeit zu tun, die er in seinem persönlichen Leben über sein Inneres hat. Denn genau hier kann er ansetzen und der globalen Lüge, die unseren Globus wie eine riesige Pythonschlange im Würgegriff hält, den allergrößten Schaden zufügen: Indem er ihr innerlich die Gefolgschaft verweigert und von nun an innerlich um die Wahrheit ringt. Gerade die Hartzer, die vom System Abgehängten und Parias wären prädestiniert, um die ersten zu sein, die hier die  Augen öffnen. Das wird natürlich derzeit recht wirkungsvoll verhindert, indem man sie existenziell so an die Wand quetscht, dass sie nur noch röcheln und sie kaum noch Muße und Kraft haben, um einen tieferen Gedanken über Lüge und Wahrheit zu fassen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist ein innerer Kampf, um den es da primär geht. Indem man ihn jedoch kämpft, trägt man sehr viel auch für die äußeren Verhältnisse bei. Denn indem man innerlich täglich ein Stück weit wahrer wird und der Lüge wieder ein kleines Stück inneren Bodens abringt, wird man auch die sozialen Verhältnisse im Äußeren ändern. Denn bei jeder Begegnung, bei jedem Spaziergang am Gehsteig, in jeder Situation am Arbeitsplatz, bei jedem Gespräch, bei jedem Kaufen einer Wurstsemmel, bereits mit jedem Blick wird man etwas Wahres ausstrahlen, das auch bei anderen Menschen etwas Konstruktives, Wahres, Menschliches in Bewegung setzt. Joseph Beuys hat das „Soziale Plastik“ (vom griechischen plastikḗ =formen) genannt. Seiner Meinung nach wirkt jemand z.B. einfach durch die Art, WIE er in einer Schlange an der Supermarktkasse steht, bereits gesellschaftsverändernd.

Dass jemand, der sich innerlich mehr Wahrheit erringt, auch auf die Wirtschaft verändernd wirkt, indem er gewisse Zeitungen oder Produkte gewisser Firmen einfach nicht mehr kauft und vielleicht auch seine eigene Arbeitskraft nicht mehr jedem x-beliebigen Profitbordell zur Verfügung stellen wird, ist dabei nur eine nebensächliche, aber ebenfalls weitreichende Komponente.

Wer die Bedeutung dieses inneren Kampfes und der inneren Würde des Menschen erkannt hat, der macht sich auch keine Minute länger von den Erwartungen an irgendwelche Parteien und Politiker abhängig (siehe „Was wir heute brauchen wie ein Loch im Knie: „Bodenständige“ Politiker im Maulwurfspelz und AFX-Parteien“), deren Programme immer schneller zerbröseln – so wie im Leben letztlich alles zerbröselt, was aus der Substanz der Lüge bzw. des Nihilismus und nicht aus der Wahrheit geschöpft ist.

Das Spektrum der inneren Lüge, der wir uns – meist unbewusst – hingegeben haben, reicht bis in subtile Schattierungen gesellschaftlicher Konventionen und Verstellungen. Die Arbeit, die internalisierte Lüge bei sich selbst zu enttarnen, wird daher nicht langweilig. Wer hier in der eigenen Rumpelkammer „ausmistet“, der wird schnell merken, wie er an innerem Terrain zurückgewinnt, wie er wieder aufatmen, sich aufrichten und seine Würde zurückgewinnen kann.

So – damit habe ich bereits dem dritten Teil meiner Lügentrilogie („Das Erwachen des Hartzbürgers“) etwas vorgegriffen. Denn möglicherweise dauert es bis dahin wieder zehn Monate oder länger …

Außerdem komme ich für heute lieber zu einem Ende, bevor ich noch ausfallender werde und ungebührliche Begriffe für die Schablonenpresse  in die Welt setze. Sonst rutscht es mir womöglich noch raus, dass ich den derzeitigen „Wissenschaftlichkeits“-Journalismus als Seegurken- oder Hühneraugenpresse  bezeichne – oder schlicht als Meierpresse (siehe „Wir brauch’n kaane Meier mehr – Abgesang auf ein Auslaufmodell“).

– Und nicht vergessen: Ein kleiner Zeh wird es nicht schaffen, dem Organismus ausreichend Gegengift gegen das Viperngift des „manufacturing consent“ bereitzustellen, da werden viele andere Zellen schon mithelfen müssen.

Video der Woche – Steve Cutts uncut: „The Daily Bullshit“

video based on artwork by Steve Cutts

(@Bullshit: siehe auch Nachrichtenspiegel – „Gleichschaltung der Medien und Manipulation des fernsehenden Kleinbürgers„)

AfD – Alternative für Deutschland?

Digital StillCamera

Montag, 1.2.2016. Eifel. Seien wir ehrlich: Deutschland hat Probleme. Massive Probleme. Damit stehen wir nicht allein in der Welt: Portugal, Irland, Spanien, Italien, Griechenland – allein der Blick nach Europa zeigt, dass wir am Ende unserer Möglichkeiten sind. Eine nie gekannte Massenarbeitslosigkeit der europäischen Jugend zum Beispiel zeigt uns vor allem eins: die Wirtschaft hat komplett versagt. Die erste Rechnung dafür haben wir im Jahre 2005 bekommen, als eine rotgrüne Regierung zur Lösung des Problems der Arbeitslosigkeit nichts Besseres wusste, als fortan den Arbeitslosen selbst für die Schaffung von Arbeitsplätzen verantwortlich zu machen und mit staatlicher Gewalt mindestens 3 Millionen Arbeitslose (offizielle, die Dunkelziffer ist weitaus höher) auf eine Million Arbeitsplätze zu verteilen, bei Widerstand der so gedrückten Menschen drohte Tod durch Versorgungseinstellung: etwas, was man mit Strafgefangenen nie machen würde.

Dies war der erste Schritt in ein neues Deutschland, dass verbal an der Oberfläche weiter alten demokratischen Traditionen verpflichtet war, aber in der Tiefe anders organisiert wurde – es gibt eine Unzahl von Büchern darüber, die bislang keinerlei politische Konsequenzen nach sich zogen.

Ein sicherer weiterer Schritt in den Untergang war die Deregulierung der Finanzmärkte durch „rot/grün“ (man könnte auch sagen: „braun“ -wenn man die Farben mischt). Fortan vernichteten große Fonds kerngesunde deutsche Firmen und sorgten so für noch mehr Druck auf den Arbeitsmarkt, wer jedoch raffiniert und hinterhältig genug war, konnte da „seinen Schnitt machen“ – förderlich waren hier vor allem Insiderkontakte in Investmentbanken.

Ebenso bekommen wir Probleme mit unserer Verwaltung: die EU entwickelt sich zu einem undemokratischen Kostenmonster, deren Mitglieder vor allem Experten im Abkassieren sind, die EZB fördert mit Billionen frisch gedruckten Euro die Inflation, die das Kapital der kleinen Leute in Massen vernichten wird, wenn sie erstmal in Schwung kommt.

Doch nicht nur das: seit „rot-grün“ ist Deutschland wieder wer: deutsche Soldaten marschieren „alternativlos“ in „guten Kriegen“ als interkontinentale Hilfstruppen der Hauptakteure mit, die Bundeswehr rüstet sich für einen großen Panzerkrieg mit Russland, „Abrüstung“ gilt wie „Friedensicherung“ als Sozialromantik von Weicheiern, ja – die Begriffe fallen überhaupt nicht mehr.

In dieser Situation – in der schon 60 Prozent der Deutschen nicht mehr glauben, dass die Demokratie noch funktioniert und vielmehr sehen, dass Parlamente zu schlecht informierten Dienstleistern großer Wirtschaftsmächte degradiert wurden – werden nun spontan Deutschlands Grenzen geöffnet: allein 1,1 Millionen Asylbewerber kamen im Jahr 2015, weitere drei Millionen sind angekündigt, wesentlich mehr sind unterwegs. Überraschend … kam dies nur für den kleinen Mann vor Ort, denn: vor dieser Entwicklung wird seit Jahrzehnten gewarnt. „Wirtschaft“ sorgte gezielt (wenn auch nicht unbedingt absichtlich) für Armut in der sogenannten „Dritten Welt“: so wurden Länder mit IWF-Krediten zum Anbau von Monokulturen verpflichtet, die vergammelten, als die Konkurrenz aus Asien oder Mittelamerika noch billiger wurde: die Jagd nach den billigsten Preisen – begleitet von massiver Unterstützung von IWF und Weltbank, die viel Geld für „Entscheider“ in den jeweiligen Ländern hatten – vernichtete die Lebensgrundlage von Millionen wenn nicht Milliarden von Menschen, denen letztlich kaum etwas anderes übrig blieb, als nur noch Lagerstätte für unseren Wohlstandsmüll zu werden.

Klar, dass die irgendwann die Nase voll haben.

In dieser Situation erhebt sich nun in Deutschland eine Partei der „Mutigen“, der Edlen und Gerechten, um mit dem Saustall endlich aufzuräumen. Nun – eine solche Partei bräuchte man unbedingt: schon längst gibt es in der Parteienlandschaft keine Alternative mehr zum alternativlosen „weiter so“ – jedenfalls keine Alternative, die von dem Kartell aus Konzernen, Parteien und Reichen nicht schon im Vorfeld aus dem Rennen genommen wurde. Den Anspruch, eine solche Partei zu sein, erhebt nun die „Alternative für Deutschland“ – einst gestartet als Projekt der gesellschaftlichen Elite zur Machtgewinnung (ja – es waren einflussreiche Professoren und Politiker, die dort am Start standen, siehe Zeit) hatte man sich ursprünglich den Euro als Ziel genommen. Eine noble Herausforderung – doch zeigte sich bei näherer Betrachtung: so einfach bekam man den ja gar nicht weg.

Sicher – die ganzen Zahlungen an Arme störten ungemein, da war man sich einig. Doch wenn man ein wenig drüber nachdachte, merkte man: der hatte auch was Nützliches, der Euro. Ja – dadurch, dass Deutschland den Euro einführte, wurden die ganzen deutschen Luxuswaren – auch die Waffen – auf einmal erschwinglich für viele. Wir wurden Exportweltmeister – und hatten nebenbei noch was für den europäischen Frieden getan, hatten dem Reiseweltmeister Reiseerleichterungen geschenkt: lästiges Umtauschen von Währungen war unnötig geworden. Unsere Exportgewinne jedoch ließen die Industrien anderer europäischer Länder bedeutungsloser werden, sie mussten Schulden machen, um ihre Staaten finanzieren zu können. Aber egal: einer kleinen deutschen Elite ging es wunderbar, die Abgeordneten bekamen beständig steigende Rekorddiäten – und auch die Führungskräfte der Firmen (und Kirchen) wurden mit außerordentlichen Gehaltssteigerungen bedacht, damit sie den Kurs kritiklos mittrugen … nur der normale Arbeitnehmer musste verzichten. Diese Entwicklung war natürlich nützlich für „Eliten“ – weshalb die schnelle Rückkehr zur D-Mark (die den Kapitalzufluss nach Deutschland gebremst hätte, weil eine starke D-Mark deutsche Waren unerschwinglich teuer macht) auch schnell vom Tisch war (siehe z.B Handelsblatt).

Damit war die „Raus-aus-dem-Euro“- Partei raus aus dem Gespräch und konnte als gescheiterter Versuch eher unbedeutender CDU-Mitglieder, doch noch ins Parlament zu kommen, zu den Akten gelegt werden, wenn nicht … ja, wenn nicht die CDU-Kanzlerin Angela Merkel den CDU-Abtrünnigen ein ganz besonderes Geschenk gemacht hätte: die bedingungslose, spontane Öffnung der deutschen Grenzen, die zu dem Zeitpunkt schon längst alternativlos geworden war. Ja – die Flüchtlinge taten einem nicht mehr den Gefallen, sang- und klanglos im Mittelmeer zu ertrinken (was immer noch viele Opfer kostet, aber die letzten Jahre kaum einen interessiert hat), sie schafften es zu Fuß und per Bahn bis nach München.  Auf einmal hatte die kleine AfD wieder eine Zukunft: wenn man schon nicht mit „gegen-den-Euro“ ins Parlament kommt, dann eben mit „Gegen-den-Flüchtling“.

Die Saat für den Erfolg der AfD wurde ja schon zuvor reichlich gestreut: seit 2005 war klar, dass Deutschland von „Schmarotzern“ und „Parasiten“ bedroht wurde (so die ministerielle Sprachregelung), seit 2001 wurde dem Fernsehzuschauer in tausenden Berichten klar gemacht, dass der Islam der große Feind sei … gegen den die Bundeswehr unter anderem in Afghanistan unsere Freiheit verteidigen musste. Wer Macht in Staate will – rechte Macht – bekam so eine Steilvorlage, als Millionen arme Moslems sich auf den Weg machten um vor Kriegen zu fliehen, die zum Beispiel die Kriegsparteien in Syrien gezielt via Bulgarien mit Munition ausstatteten, damit der Krieg auch schön lange laufen kann (siehe Standard.at). Das Ergebnis: aktuell ist die AfD in den Umfragen schon mal drittstärkste Kraft im Parlament gewesen – und damit der ideale Koalitionspartner der CDU, die damit die lästige SPD loswird und einen Ersatz für die ausgestoßene FDP hat.

Zeit, sich die Partei mal genauer anzuschauen. An der Spitze steht jetzt – wen wundert´s – eine Trägerin des Bundesverdienstkreuzes: Frauke Petry. Ja – der Herr Gauck hatte ihr diesen Orden (in der Ausprägung „Verdienstmedaille“) am 4.10.2012 verliehen (siehe Bundespräsident.de). Nur: ihre Erfindung – ein Spezialgas zur Befüllung von Reifen – hielt nicht ganz, was es versprach, die Reifen platzten noch früher, die Firma war zum Zeitpunkt der Verleihung der Medaille schon in enormen Schwierigkeiten, in Folge blieb Frau Petry – Gründungsmitglied der AfD – nichts anderes übrig als  Geschäfts- und Privatkonkurs anzumelden (siehe Zeit). Man könnte meinen, es herrscht das Motto „Ist Dir im Leben nichts gelungen, mache in Versicherungen. Hast Du auch diese Chance verpennt: bewerbe Dich fürs Parlament“.

Die Partei bekommt auch weiterhin viel Schützenhilfe aus der etablierten Politik: eine allgemeine Benzinsteuer – die vor allem die Armen belastet – wird zur Finanzierung der von der Regierung geschaffenen Probleme gefordert (siehe Spiegel) anstatt sich finanzielle Hilfe bei jenen Ländern (und Firmen) zu  holen, die für die Fluchtursachen direkt verantwortlich sind. Gleichfalls wird durch peinliche Gängelung der Abgeordneten bei der Einsicht in die das gesamte Wirtschaftswesen verändernden Unterlagen zu TTIP nochmal demonstriert, wie machtlos und … albern … das Parlament inzwischen ist (siehe Spiegel), der Erfolg der CDU-Protestpartei ist durch solche Maßnahmen nahezu unaufhaltsam … und womöglich sogar gewünscht.

Was will sie nun eigentlich, die AfD. Da hat jemand schon viel Arbeit geleistet – jedenfalls für Baden-Würtemberg (siehe kattasche.de):

  • Zwangsarbeit für Arbeitslose
  • Wiedereinführung der Wehrpflicht
  • direkten staatlichen Eingriff in die Berichterstattung der Medien
  • direkten staatlichen Eingriff in die Wissenschaft (siehe Stichwort „Klima“)
  • Neustart der Atommeiler
  • Verbesserung der staatlichen Observation der Bürger
  • Verstärkung staatlicher Macht im Bildungswesen
  • Direkter staatliche Eingriff in die Familienbildung

… um erstmal nur ein paar Vorstellungen zu äußern, die Katharina Nocun freundlicherweise sammelte … und die hier zur Verdeutlichung ein wenig umformuliert wurden – jedenfalls wäre dies meine Interpretation der Textstellen. Das ist nun die Partei, die gegen „Lügenpresse“ und Manipulation vorgehen will … und selbst offen die Macht über die Gestaltung der Wahrheit bei gleichzeitiger Eliminierung jeglicher Kritik fordert?

Nun – das Programm der Partei in Baden-Würtemberg ist auch voll schön klingender Forderungen – wie das jeder Partei. Sicher: dass Jäger in Zukunft ihre Gewehre mit Schalldämpfern und Nachtsichtgeräten (zwecks Umweltschutz) ausrüsten dürfen, mutet an wie eine Umgehung des Kriegswaffenkontrollgesetzes (Artikel: Jäger nicht entmündigen – siehe AfD BW), die Forderung, Tierversuche möglichst zu vermeiden (ebenda) ist sehr edel und wird sicher von jedem führenden Forscher, der mit Tierversuchen arbeitet, geteilt (ja … die wollen auch nur so viele Versuche wie nötig). Es gibt eine ganze Reihe dieser Floskeln, die man auch bei jeder anderen Partei – (zum Beispiel Grünen, Linken, SPD, CDU/CSU) finden kann, die üblichen Werbesprüche, mit denen man versucht, so viele Wähler wie möglich auf seine Seite zu holen: man müsste ganze Bücher darüber schreiben, um zu analyisieren, wie ernst man die aufgestellten Forderungen meint und wie sehr sie nur hüsche Füllmasse sind; hier jedoch wollen wir uns auf das Kernthema „Flüchtlinge“ konzentrieren, auf jene Menschen, auf die Frau Petry (siehe Zeit) oder Parteivize Beatrix von Storch (siehe Tagesspiegel) auch schießen würden.

Was finde ich da?

„Da wir demographische Nachhaltigkeit ernst nehmen, bejahen wir die Zuwanderung integrationswilliger und integrationsfähiger Einwanderer nach Deutschland. Klare Regeln nach kanadischem Vorbild bringen Vorteile für Einwanderer und für unser Land. Zum Thema Asyl möchte die AfD die humanitäre Hilfe für echte Asylsuchende verbessern

Da ist man doch verblüfft, oder? Die Anti-Flüchtlingspartei wird zur Einwanderungspartei. Ganz offen. Ich dachte, das wären die „Nationalen“? Wie viele Einwanderer sollen denn kommen? „Die Wirtschaft“ verlangt schon mal 32 Millionen Migranten (siehe FAZ) … allerdings ist das eine Stimme, die oft gehört wird, aber auch schon mal das Gegenteil behauptet (siehe Tagesspiegel). Ich finde da viel zum Thema „Selektion“ in der Partei, aber keine Zahlen. Nun mal wieder zurück nach Baden-Würtemberg (ebenda):

„Regierung, Behörden und Kommunen müssen sich als wirkliche und haftbare Partner auf Augenhöhe mit der Wirtschaft verstehen und mit dieser zusammenarbeiten. Durch ein partnerschaftliches Selbstverständnis wird ein vertrauensvolles Klima geschaffen, das Investitionen schnell und effizient ermöglicht. Hierfür ist die Reduktion der stetig zunehmenden Bürokratie unabdingbar, die seit Jahren jede positive Vision für die Zukunft ausbremst. Zu dieser angestrebten Partnerschaft gehört auch eine Unternehmens- und arbeitnehmerfreundliche Steuerpolitik. Weitere wesentliche Elemente sind gute Finanzierungsmöglichkeiten für Bürger, Unternehmen – vom Startup bis zum Großunternehmen – sowie für Kommunen“

Behörden als Partner der Wirtschaft? Waren die nicht ursprünglich als … Aufsicht gedacht? War es nicht der zu große Einfluss „der Wirtschaft“, die den Deutschen die momentane Form der Demokratie verdächtig erschienen lies? Andererseits aber: Geld ohne Ende? Jedenfalls von Vater Staat Richtung Großunternehmen? Gut: „Startup“ macht sich gut in einer Wahlversprechung, da aber Förderungen durch Banken vergeben werden und diese Sicherheiten wollen, wird diese hehre Forderung sicher im Sand verlaufen … wie viele andere auch. Aber eine Rolle hat der Staat schon noch: dafür müssen wir zurück zur Bundespartei (siehe AfD):

„Wir bekennen uns zur Sozialen Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards, die am besten geeignet ist, Wohlstand zu schaffen und zu sichern. Wir stehen für die Bewahrung des sozialen Friedens und den Erhalt der Solidargemeinschaft ein. Der Staat muss die Rahmenbedingungen schaffen, die den Bürgern eine freie Entfaltung ihrer Möglichkeiten und ein selbstbestimmtes Leben bieten, einschließlich derer, die aus eigener Kraft kein genügendes Auskommen erwirtschaften können.“

„Beim Versagen des Marktes sind alle staatlichen Maßnahmen unter Beachtung des Prinzips minimaler Eingriffe bei möglichst größter Wirkung auszugestalten.“

Das ist ein Zahlungsversprechen an alle Zocker der Großbanken, weiterhin für jede Verluste aufzukommen, während man die Gewinne – „unternehmerfreundlich“ – privatisiert. Auch unternehmerfreundlich: im Kampf gegen den Datenstrom von Europa nach den USA sorgt sich die AfD vor allem um die Aufdeckung von Transaktionszahlungen ins Ausland … und um die Übermittlung von Fluggastdaten, vor allem bedrohlich für Steuerhinterzieher (siehe AfD).

Aber wie steht es denn mit Asyl. Wer ein echter nationaler Ausländerfeind sein will, der sollte doch wenigstens eine harte Haltung zum Thema Asyl haben?

„Politisch Verfolgten im Sinne des Grundgesetzes ist Asyl zu gewähren. Als Gäste des Landes sollen Asylanten würdig behandelt und als Mitmenschen akzeptiert werden, wozu auch das Recht gehört, ihr Auskommen selbst erarbeiten zu dürfen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Aus Gründen der Humanität ist es eine Pflicht, Kriegsflüchtlingen bei uns oder an anderen sicheren Aufenthaltsorten mit Unterkünften und dem notwendigen Lebensunterhalt beizustehen.“

Ja – das passiert doch gerade? Auf wen wollen Petry und Storch denn dann noch schießen? Auf alle, die mit dem Transparent einreisen: „Ich bin ein Wirtschaftsflüchtling“? Mal abgesehen davon, dass Wirtschaftsflüchtlinge auch vor Kriegen flüchten – vor Wirtschaftskriegen.

Die von allen so gefürchtete AfD ist letztlich … ein CDU-Ableger, sozusagen die Realisierung des uralten Wunsches, die CSU bundesweit einzuführen. Ein alter Hut. Im Prinzip nicht weniger verlogen als die von ihr so oft gescholtenen „Alt-Parteien“, aus denen sie ihr Personal rekrutiert, ein weiterer Versuch, den Wähler hinters Licht zu führen – nicht mehr. Als Verfechterin eines „starken Staates“ erinnert sie eher an stalinistische Gruppierungen denn an libertäre Strömungen, ihre Strategie, „Wahlbeobachter“ an alle Urnen zu stellen (siehe Facebook) erinnert an die Mahnwachen der NSDAP.

Ja – bei allem „Kampf gegen Rechts“ wird schnell vergessen, dass wir gerade von einer rechten Partei (CDU) mit einer rechten Kanzlerin (Merkel) regiert werden – auch wenn diese Partei momentan eine seichtere rechte Partei (SPD) als Koalitionspartner braucht, bald aber eine verläßliche Partnerin hat, mit der man die tollsten Abenteuer starten kann … wie zum Beispiel die Einführung von Zwangsarbeit zur Flüchtlingsbetreuung (siehe Epoch-Times). Die CDU wird sich in der Koalition dann hervortun als große „Zähmerin“ der AfD, kann endlich den Arbeitszwang für Arbeitslose (und natürlich: Asylbewerber – siehe oben) einführen, was vielen Unternehmern die Taschen füllen wird.

Deshalb – liebe AfD-Wähler – Finger weg vom Wahlzettel: hier kommt eine weitere Mogelpackung.

Ach – Sie wollen Alternativen? Ok. Wäre nicht so mein Ding, aber entspräche Ihrer Anspruchshaltung, „gegen Flüchtlinge“ zu sein. Sicher – man kann sie an den Grenzen niederschießen (und ich fürchte, dass das alle „kleinbürgerlichen“ Parteien auch tun werden – doch dazu später mehr), man kann aber auch ihre Heimatländer wieder aufbauen … wie es die MLPD tut. Die haben auch eine interessante Philosophie – das ganze Land betreffend (siehe MLPD):

„In Deutschland herrscht eine kapitalistische Gesellschaft auf der Entwicklungsstufe des staatsmonopolistischen Kapitalismus. Sie stellt die unmittelbare Vorstufe einer sozialistischen Gesellschaft dar. Das Monopolkapital hat sich den Staat vollkommen untergeordnet und seine Organe sind mit den Organen des Staatsapparats verschmolzen. Es hat seine allseitige Herrschaft über die gesamte Gesellschaft errichtet“

Nun – das sind Stalin- und Mao-Fans, habe ich mir sagen lassen … aber das ist doch genau, was Sie der EU vorwerfen, was die AfD fordert: den starken Staat, der alles im Griff hat und von oben alle lenkt – das Prinzip finden Sie doch ok, oder?

Und glauben Sie mir: echte Linke im Parlament fliegen zwar in Deutschland aus der Gewerkschaft, wären aber eine Bereicherung fürs Parlament. Eine andere echte Alternative mit echten Alternativen ist leider aus der Wahrnehmung verschwunden … wie so viele andere auch.

Was nun die schießwütigen Damen Petry und Storch angeht: da warte ich mal, ob die deutsche „Kampf-gegen-Rechts“- Allianz so konsequent ist, sie ähnlich zu verfolgen wie die Unterstützer der RAF-Gewalt verfolgt wurden. Oder sind Flüchtlinge etwas nicht schützenswert?

 

 

 

 

Gleichschaltung der Medien und Manipulation des fernsehenden Kleinbürgers – natürlich nur zu Weihnachten und daher kein Grund zur Sorge!

Beim Durchzappen durchs abendliche Fernsehprogramm ist dem US Moderator Conan O`Brien etwas faul vorgekommen. Die Nachrichtensprecher verschiedenster Rundfunkstationen verwendeten allesamt exakt den gleichen – und zwar wirklich buchstäblich gleichen! – Ansagetext.

Conan hat daher nachrecherchiert und eine Kompilation der besagten Ansage von ca. 30 kreuzverschiedenen TV-Sendern zusammengestellt. Man höre und staune:

(Fotoquelle Titelbild/Conan O’Brien: Carlos Gomez, Flickr CC BY SA 3.0 Quellenlink: https://flic.kr/p/QcAL)

Wenn es also schon für so banale Anlässe wie dem Weihnachtsgeschäft möglich ist, die Medien quer durch die Bank gleichzuschalten bzw. den Journalisten wortwörtlich  vorzuschreiben, was sie zu sagen haben, dann darf man mutmaßen, in welcher Weise staatliche und wirtschaftliche Mächte von dieser umfassenden Durchgriffsmöglichkeit Gebrauch machen, wenn es um wirklich wichtige bzw. zukunftsrelevante Themen geht.

War es doch schon immer die feste Überzeugung dieser Mächte, dass man die wirklich wichtigen Themen nicht einfach der freien Meinungsbildung des gemeinen Kleinbürgers überlassen kann. Sonst käme der gemeine Kleinbürger ja womöglich auf abwegige Gedanken und ein Fortsetzen der Reise unseres hochprofitablen Eilzuges Richtung Grand Canyon wäre in Frage gestellt.

Wenn es also um wirklich wichtige bzw. dollarschwere Fragen geht wie etwa Militärinterventionen in Irak, Afghanistan, Syrien, Somalia & Co., um den Ukraine/Russlandkonflikt, um Atomraketenstationierung, Drohnenbefriedung, US- und NATO-Strategien, um die Markteinführung von Hochrisiko-/Hochprofittechnologien wie Atomkraft, Fracking, Gen-, Bio- und Nanotechnologie, um Industrie 4.0 und die Digitalisierung all unserer Lebensbereiche, um TTIP/TISA/CETA, die Geschäfte der Waffen-, Pharma- und Impfindustrie, um Finanzkonzerne, Geheimdienste, Bürgerüberwachung und Grundrechtsabbau – soll man da etwa dem gemeinen Kleinbürger erlauben, dass er sich eine wirklich profunde Meinung bildet? Wo kämen wir denn da hin? Unsere westlichen Werte (siehe kurze Liste der westlichen Werte) bekämen womöglich keine ausreichende Unterstützung mehr.

Nein, um Gottes Willen. Da MACHEN wir lieber zuvor Meinung, dann kann man sich auch getrost zurücklehnen und demokratisch abstimmen lassen. „Manufacturing consent“ nennt man dieses Meinungsmachen schmunzelnd und ganz selbstverständlich in akademischen Fachkreisen.

Aber wer es im gemeinen Kleinbürgermilieu wagt, diese Machenschaften anzusprechen, der ist „Verschwörungstheoretiker“ und wird aus der akademischen Riege umgehend suspendiert, so wie z.B. der renommierte Friedensforscher Dr. Daniele Ganser vom MIT, nachdem er sich geweigert hatte, herrschende Lehrmeinungen nachzuplappern und aufforderte, lieber selbst nachzudenken. Oder der Künstler Xavier Naidoo, der doch tatsächlich öffentlich geäußert hat, dass die frei fernsehenden Hartzbürger in Deutschland gar nicht wirklich frei seien – was für eine abwegige Ansicht! Zum Glück hat man noch rechtzeitig bemerkt, dass dieser Mann nicht politisch-korrekt ist, sonst hätte er anlässlich des internationalen Songcontests womöglich noch ähnliche Worte vom Stapel gelassen und damit bei Millionen Menschen ein Hinterfragen unserer Systemdoktrin: des nihilistischen Mammonismus ins Rollen gebracht.

Im Gegenzug zum Abservieren kritischer Denker werden etablierte Denkpanzer-Generäle aufs Podest gehoben, um in Gesellschaft, Wissenschaft und Pädagogik den politisch korrekten Text anzusagen, den dann die Radio- /Fernsehmoderatoren und die Journalisten der „Lügenpresse“ nachplappern und nachäffen dürfen.

Diese Woche wurde etwa Hans-Werner Sinn zum „Hochschullehrer des Jahres“ gewählt – derjenige scharf rechnende Mann mit dem scharfen Knebelbart, der streng wissenschaftlich, also unwiderlegbar errechnet hat, dass Deutschland 32 Millionen Migranten sowie eine Senkung der Löhne und eine Abschaffung des Rentenantrittsalters benötige (siehe Zeit, WirtschaftsWoche, FAZ). In der Laudatio über Prof. Dr. Hans Werner Sinn heißt es: „Herr Kollege Sinn ist ein Wissenschaftler, der allein der Rationalität verpflichtet ist und politischen Opportunismus nicht kennt. … Herr Kollege Sinn steht für unparteiliche, wissenschaftliche Expertise. Er ist ein meinungsfreudiger Freigeist und unabhängiger Mahner jenseits des politischen Mainstreams …“ (Quelle: Deutscher Hochschulverband )

Dass man den wissenschaftlichen Meinungsmachern zutraut, dass bei vorgenannten, wirklich wichtigen Themen nicht einfach in plumper Weise überall derselbe Ansagetext durchgeschaltet wird so wie im obigen Video zur Ankurbelung des Weihnachtsgeschäfts, sondern dass man diesbezüglich schon etwas kreativer vorgehen bzw. die Ansagetexte leicht modifizieren kann – wer so etwas unterstellt, nun, der ist wirklich ein dunkler Verschwörungstheoretiker.

Der verdient nichts anderes als der „Ketzer“ im Mittelalter – er gehört medial verbrannt und vorher öffentlich an den digitalen Pranger gestellt, wo ihm von Jutta Ditfurth, der großinquisitorischen Aluhut-Jagdgesellschaft (siehe Der goldene Aluhut) und sonstigen selbsternannten Kotztantinen-Vereinen im Namen von Wissenschaft und Fortschritt mit einer glühenden Zange genüsslich die Eingeweide aus dem Leib genommen werden – unter dem höhnischen Gelächter ihrer neoliberal-aufgeklärten Glaubensbrüder in sämtlichen Leitmedien wie Bild, Spiegel, Stern, Focus & Co. sowie dem gröhlenden Applaus des dauerUNTERhaltenen Fußvolks. Besonders genial macht es der – zufällig zeitgleich gegründete – österreichische Ableger der Goldenen Aluhut-Jagdgesellschaft, die GWUP mit ihrer Preisverleihung „Goldenes Brett vorm Kopf“. Hier wird pro Jahr nicht nur ein einziger Sündenbock wie z.B. Xavier Naidoo aufs Streckbett gespannt, sondern auf einem eigens eingerichteten digitalen Pranger (siehe „Nominierungsliste„) kann jeder Fernsehbürger anonym jeden Mitbürger, den er für verdächtig hält, anprangern und ihm somit einen Google-Eintrag im Spinner-Wiki verpassen. In der langen, unredigierten Liste finden sich neben homöopathischen Ärzten auch Kabarettisten wie Dieter Hallervorden und Roland Düringer mit der Anschuldigung, dass sie Menschen zum kritischen Nachdenken brächten – was natürlich heute ein absolutes NoGo ist.

Auch Vereine und NGOs lassen sich durch den die digitalen Pranger von GWUP & Co. schnell auf Linie bringen, indem man ihnen die glühende Spinner-Zange vors Gesicht hält. So finden sich in der Nominierungsliste auch Greenpeace (wörtliche Begründung: „wegen ihrem prinzipiellen Widerstand gegen Gentechnik“), der Biolebensmittelhändler Alnatura sowie die Ärztekammer und die Techniker-Krankenkassa, weil sie Homöopathie und Alternativmedizin unterstützen. Warum auch Homöopathie&Co. auf der Abschussliste stehen, wird schnell erklärlich, wenn man die Sponsorenliste des digitalen GWUP-Prangers  studiert: Ganz oben dabei ist etwa „The Cochrane Collaboration“, eine 37.000 Mitarbeiter starke und über 130 Ländern ausgebreitete Organisation, die „sich dafür einsetzt, dass Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung besser werden“ und die es als eine ihrer höchsten Prioritäten bezeichnet, dass „wissenschaftliche und laienverständliche„,  also auch fürs bildungsferne Fußvolk mundgerecht aufbereitete „Zusammenfassungen“ wissenschaftlicher Publikationen verbreitet werden. Die Organisation präsentiert sich auf ihrer eigenen Webseite als gemeinnützig und unabhängig von kommerziellen Interessen, die Mitarbeiter werden als „eherenamtlich“ dargestellt. Als ich das gelesen habe, war ich schon ziemlich baff – in einer Zeit, in der kaum noch jemand einen Finger rühren will, wenn er nichts dafür bezahlt bekommt, in der das  Rote Kreuz kaum mehr ehrenamtliche Rettungsfahrer findet so wie früher und in der die meisten gemeinnützigen Vereine um ihre Existenz ringen, da sie kaum noch die Bürokosten und Reisespesen für ihre Mitarbeiter stemmen können – in solch einer knallharten Zeit beschäftigt eine Organisation in 130 Ländern 37.000 hochqualifizierte Mitarbeiter, die auf Hochdampf wissenschaftliche Studienpublikationen analysieren, zu „Reviews“ umschreiben und dann in alle populären Sprachen übersetzen?

Ein paar Absätze weiter erfährt man dann doch, wie sich 37.000 Mitarbeiter in 130 Ländern finanzieren lassen: „Auch eine rein finanzielle Unterstützung der gemeinnützigen Arbeit von Cochrane ist möglich (…) Cochrane ist dankbar für jede finanzielle Spende zur Unterstützung unserer Arbeit. Es gibt eine ‚Cochrane Stiftung‘, der sie Ihre Spenden unkompliziert und steuerlich absetzbar zukommen lassen können (…) mit Kreditkarte oder anderen Zahlungsarten …“ – Aber wer es dann konkret ist, der seine Kreditkarte zückt, um 37.000 Mitarbeiter in 130 Ländern zu finanzieren, da endet das helle Tageslicht und da beginnen dann die Verschwörungstheorien … weshalb wir also lieber die Finger davon lassen. Auf Wikipedia erfährt man immerhin, dass das Cochrane Netzwerk auch „von wissenschaftlichen Fonds unterstützt wird“. Da in wissenschaftlichen Fonds ja bekanntlich die Geldmittel wachsen wie die Pilze im Wald, also einfach so über Nacht aus dem Nichts erscheinen, ist der Finanzierungslegitimation stringent wissenschaftlich genüge getan.

Man redet heute viel darüber, dass man die Geldflüsse zur Förderung terroristischer Aktivität, die die Welt derzeit in Angst und Schrecken versetzt, unterbinden müsse. Die Frage, ob die Finanzierung des Verhetzens von homöopathischen Ärzten, Künstlern und alternativen Denkern und die Institutionalisierung von Schmähpreisen und Diffamierungskampagnen nicht auch eine Art Förderung „terroristischer Aktivität“ ist (wird doch zivilgesellschaftliches und basisdemokratisches Engagement mittels gezielter Anschläge heimtückisch sabotiert und wird die in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte Meinungs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit mit Füßen getreten, ohne dass das den Staatsanwalt auf den Plan ruft), was schon demnächst zu relativ unlustigen, da totalitären Verhältnissen führen kann – diese Frage wird daher gar nicht erst gestellt bzw. wäre dunkle Verschwörungstheorie.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! Und nicht vergessen: Sie haben als streng wissenschaftlich erzogener und durch „laienverständliche Zusammenfassungen“ täglich vor der Glotze upgedateter Bürger die Freiheit und die Wahl. Machen Sie Gebrauch davon. Kaufen Sie „One … or two … or even ten items for yourself“!

Oder machen Sie es lieber wie Sokrates – gehen die durch die prall gefüllten Einkaufsstraßen mit heiterem Lächeln und sagen Sie sich: „Was es alles gibt, was ich nicht brauche!“

***

Und zum Abschluss noch eine vollkommen unwissenschaftliche, aber gleichwohl unentrinnbare Prophezeiung des Parkwaechters fürs kommende Jahr:

Angesichts der neptunisch-verwaschenen Konstellation flächendeckender „wissenschaftlicher“ Meinungsmache in Konjunktion mit sinnstrotzenden Hochschulprofessoren des Jahres und diversen schwarzen Löchern, die uns als plutonische Trabanten umkreisen und für zusätzliche Spannungsquadraturen und Sogwirkungen in der Milchstraße sorgen, wage ich als akadämlich akkreditierter Parkwaechter vorherzusagen, dass sich das Informationsmedium Internet, die einstige Hoffnung von Freiheit und Kommunikation der Nerd-Generation, bald vollends zu dem verwandeln wird, was Regisseur David Schalko schon einmal in Worte gefasst hat: „zur größten Toilettenanlage unserer Gesellschaft“. – Machen Sie daher in der besinnlichen Weihnachtszeit lieber ein paar Waldspaziergänge in der freien Natur – dort bekommen sie bessere Gedanken und Inspirationen als aus der Glotze bzw. aus der Toilette.

Pegida, die Lügenpresse und der molekulare Bürgerkrieg

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Freitag, 23.10.2015. Eifel. Ich gebe zu: ich habe mich sehr geärgert. Auch über mich. Zum ersten Mal in meinem Leben kam mir „Ausländer ´raus“ (allerdings nur der eine) in den Sinn. Als mir die Medien berichteten, dass ein Herr Akif P. die Wiederinbetriebnahme der KZ´s im Zusammenhang  mit der aktuellen Flüchtlingskatastrophe forderte, ist mir kurzzeitig der Kragen geplatzt. Ich mag keine Katzenromane und bin mir bewusst, dass ich in einer offenen, demokratischen Gesellschaft leben, die sich ständig verändert, weshalb ich mit dem Macho-Gehabe des Katzenautors nichts anfangen konnte, doch mit diesem Satz hatte er eine Grenze überschritten – und zwar ganz weit – der man sich vor allem in Deutschland nicht mal ansatzweise nähern sollte: gerade hier wurde faschistisches Denken mal Staatsmacht, und alle machten mit. Wir sind definitiv ein gefährliches Pflaster für solche „Tabula-Rasa“-Philosophien und wir tun gut daran, sehr wachsam zu sein, damit sich der Holocaust nicht wiederholt.

Es dauerte jedoch nicht lange – die Empörungswelle in Deutschland wuchs gerade zu einem Tsunami der Selbstgerechten an – da erhielt ich Post von Freunden. Die Geschichte um den Herrn Akif P. war eine Lüge … bzw. eine bewusste Falschdarstellung. Das kann mal einem Medium passieren – doch hier betraf es die ganze deutsche Presselandschaft samt der kompletten deutschen Politik. Selbst Gregor Gysi schlug in die Kerbe und setzte sich dafür ein, dass solch ein Satz niemals irgendwo gesprochen werden dürfe.

Darf ich Ihnen den Satz mal zitieren … diesmal im Zusammenhang? Schauen Sie bitte in den Stern (siehe Stern):

„Offenkundig scheint man bei der Macht die Angst und den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt zu haben, dass man ihm schulterzuckend die Ausreise empfehlen kann, wenn er gefälligst nicht pariert“, mutmaßte Pirinçci. Die Zuschauer antworteten mit dem Ruf „Widerstand, Widerstand“. Nach einer kurzen Pause legte der Autor nach: „Es gäbe natürlich auch andere Alternativen, aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.“

Worum geht es? Der Redner unterstellt den Gegnern der Kundgebung, dass ihnen die KZ´s als Mittel gegen die eigenen Bürger fehlen, aus der Empörung über die Tatsache, dass ein Regierungspräsident in Kassel den Kritikern der aktuellen Politik die Ausreise empfohlen hat, somit den Eindruck hinterließ, dass die Politik in der Tat bereit und bestrebt ist, sich ein neues Volk zu besorgen. Er fordert definitiv nicht die Massenvernichtung von Flüchtlingen, Arbeitslosen, Moslems, Juden, Linken, Kommunisten oder sonstigen Mitbürgern, sondern drückt seine Besorgnis über die Mentalität der Staatsgewalt aus – so jedenfalls könnte man es formulieren, wenn man nicht diffamierende, manipulierende Meinungsmache betreiben möchte, die man Pegida tagtäglich unterstellt.

Wissen Sie, dass es wissenschaftliche Arbeiten über Pegida gibt? Ich war selbst überrascht (siehe Wikipedia):

Am 25. Januar 2015 befragten 15 Mitglieder der TU Dresden unter Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt 242 von 492 angesprochenen Pegidademonstranten, darunter nach festgelegten Quoten 30 % Frauen und 70 % Männer. Laut Patzelt war diese Umfrage zwar repräsentativer als andere, erreichte aber ebenfalls überdurchschnittlich viele ältere und eher mittig als rechts eingestellte Teilnehmer, da sich jüngere, als Neonazis oder Hooligans erkennbare Teilnehmer selten befragen ließen. Im Ergebnis stufte Patzelt rund ein Drittel der Pegida-Anhänger als „rechtsnationale Xenophobe“, etwas weniger als zwei Drittel als „besorgte Gutwillige“ und knapp ein Zehntel als „empörte Gutwillige“ ein.

Die absolute Mehrheit der Pediga-Demonstranten ist nicht rechtsextrem – allerdings gibt es bundesweit eine enorme Menge an rechtsradikalen Trittbrettfahrern. Wie in Deutschland üblich, genießen diese echten Rechtsradikalen einen besonderen Schonraum: niemand fragt nach den Organisatoren dieser Welle rechtsextremer Aktionen. Ich möchte auch noch eine andere Studie zitieren, die im Schluss den eindeutig rechtsradikalen Charakter von Pegida aufgrund persönlicher Beobachtungen (also: subjektiver Vorurteile) feststellt, dabei aber einige Fakten schlicht außer Acht läßt (siehe WZB.eu):

9,7 Prozent der Pegidateilnehmer sind der Meinung, dass man Moslems den Zuzug nach Deutschland verweigern sollte, im Vergleich zu 36,6 Prozent der Gesamtbevölkerung, die diese Meinung vertritt.

4,3 Prozent der Pegidateilnehmer befürworten einen Führer, der Deutschland mit starker Hand regiert – anstelle von 9,2 Prozent der Gesamtbevölkerung

5,2 Prozent sind der Meinung, dass der Nationalsozialismus auch seine guten Seiten hatte – im Vergleich zu 9,3 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Merken Sie langsam, wie schräg das Bild wird? Gut – ich habe das gemacht, was die „Lügenpresse“ mit Akif P. tat: ich habe Dinge aus dem Zusammenhang gerissen. Es wäre aufgrund der Datenlage ein Leichtes,  Pegida als eine urdemokratische, weltoffene Bewegung zu deuten, die im Kern antifaschistischer ist als der Rest der Republik. Natürlich kann man aus den Fakten auch das Gegenteil machen – wenn es eine gewisse Absicht gibt. Seriös ist beides nicht.

Natürlich trifft man hier einen zentralen Kern der deutschen Kultur: den Holocaust – und die bis heute vieldiskutierte aber nie erschöpfend beantwortete Frage, wie so etwas in einem aufgeklärten Staat möglich gewesen ist. Hören wir dazu einen integrierten Immigranten, den Berliner Fraktionschef der SPD, Raed Saleh (siehe Tagesspiegel):

„Prägend für uns Deutsche ist der – hart erkämpfte – selbstkritische Umgang mit unserer Geschichte. Und dieser Aspekt unserer Leitkultur ist nicht verhandelbar: Wer den Holocaust und die deutsche Verantwortung dafür, dass so etwas nie wieder passiert, nicht versteht, kann nur schwerlich Deutscher sein.“

Was jedoch ist der Holocaust? Jeder hat sofort eine Erklärung parat: der Holocaust ist der Mord der Deutschen an den Juden … doch das ist viel zu kurz und in dieser Form eine erstklassige Ausgangslage für eine Wiederholung der Gräuel. Mir käme da eine andere Erklärung in den Sinn, die sich mehr auf „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ ausrichtet – und auf die Rolle des Staates. In erster Linie demonstriert der Holocaust, wie leicht ein Staatsapparat in eine Vernichtungsmaschine gegen die eigenen Bürger verwandelt werden kann, wenn sie – zufällig – ein Merkmal aufweisen, dass gerade nicht erwünscht ist.

Es war der gesamte Staatsapparat, der sich in die Dienste der Vernichtungsmaschinerie stellen ließ, weite Teile der Ärzteschaft begrüßten die eugenischen Maßnahmen (also den Massenmord an Geisteskranken), weite Teile der Bevölkerung sahnten bei der Enteignung der eigenen Mitbürger mit unerwünschter Religionszugehörigkeit gut ab, weite Teile der Presse übten sich in vorauseilendem Gehorsam und ließen sich widerstandslos gleich schalten. Man merkt: ich meide den Begriff „Juden“, weil ich dies schon für eine Verharmlosung dessen halte, was dort vorgefallen war. Als der Staat in seiner Macht sich gegen die eigenen Bürger wandte (ich möchte hier jüdische Mitbürger in erster Linie als Menschen begreifen, in zweiter Linie als Deutsche und erst in dritter Linie als Juden), begann er einen kannibalistischen Akt, der sich jederzeit wiederholen kann.

Es war der Staat, der Konzentrationslager errichtete, es war der Staat, der all seine Macht zur Vernichtung der jüdischen Mitbürger einsetzte. Die NS-Zeit hat uns gezeigt, wie leicht und unproblematisch sich der Staatsapparat in eine Vernichtungsmaschine verwandeln läßt – und es macht viel Sinn, dass wir uns an dieses Erbe erinnern, anstatt uns auf Oberflächlickeiten wie rechtsradikale Symbole oder ausufernde Nationalität zu konzentrieren, die wir bei Briten, Franzosen und US-Amerikanern ganz in Ordnung finden, ohne diese Länder gleich als Nazihorte zu definieren.

Zur NS-Zeit gehört auch ein Phänomen, dass uns heute wiederbegegnet: gerade im Falle des Akif P. Gemeint ist: die Gleichschaltung der Presse, die tendenziöse Berichterstattung, die mit Unterstellungen, Halbwahrheiten und krassen Lügen arbeitet und eine wichtige Begleitmusik zur Massenvernichtung lieferte. Stern, Focus, Spiegel, Tagesschau, Zeit, FAZ, Welt, CDU, CSU, SPD, die Grünen, die Linken – alle zogen an einem Strang, schlugen auf der Basis von Vorurteilen auf einen einzigen Bürger ein, der es gewagt hat, seine Meinung zu sagen, ein Deutschtürke, der darauf hinwies, dass dereinst der Deutsche Staat sich soweit von seinem Sinn entfremdet hatte, dass er sich selbstverletzend gegen die eigenen Bürger wandte.

Bevor nun alle Pegida-Anhänger jubeln: ich habe mir die Rede von Akif P. angehört, so gut es ging. Es war sehr anstrengend, da seine Redequalitäten für mich sehr anstrengend waren, und der Inhalt war derart abscheulich, widerlich und erbärmlich, dass auch ich es nicht zu Ende gehört hatte. Meine Absicht war ja auch nur, den Applaus wahrzunehmen, den es für seinen KZ-Vergleich gegeben haben soll – wie ich aus diversen Nachrichtensendungen entnahm. Der Eindruck der vermittelt wurde, war: tosender Applaus von 20000 Menschen. Die Realität: zögerndes Klatschen von ein paar Dutzend. Völlig vergessen wurde zu erwähnen, dass Pegida-Organisatoren die Rede selbst abbrachen.

Wir müssen uns hier auch einmal an anderen Fakten orientieren – falls Pegida-Anhänger wirklich in dem Maße ausländerfeindlich deutschnational sind, wie man ihnen vorwirft.

Wir leben in einer globalen Welt. Jährlich wandern 600000 – 800000 Deutsche ins Ausland (siehe Statista): eine Millionenflut von Deutschen stürzt sich in fremde Länder (von den Tourismusmassen mal ganz abgesehen), nimmt selbstverständlich das Recht in Anspruch, immer und überall freundlich aufgenommen zu werden, knapp 1,5 Millionen Deutsche leben derzeit beständig woanders (siehe Spiegel). Für den Tourismus mal Zahlen aus Mallorca, einer Insel mit 880000 Einwohnern, die allen 2008 von 4 Millionen Deutschen besucht wurde (siehe Mallorca.de), ohne dass ein Deutscher sich Gedanken über „Überfremdung“ machte – noch darüber, ob sein Bierbauch das ästhetische Empfinden von Einheimischen so sehr verletzt wie sich manche unserer Mitbürger durch traditionelle Kleidung aus anderen Kulturen verletzt fühlen … wie z.B. das Tragen eines Kopftuches.

Manche werden sagen, dass man Flüchtlinge nicht mit Touristen vergleichen darf, doch hier erwiedere ich: es geht um das Prinzip der Reisefreiheit, nicht um Geldflüsse, einer Freiheit, die wir gern und selbstverständlich in Anspruch nehmen und deshalb auch gewähren müssen – es sei denn, wir wollen die Mauern auch gegen Ausreise errichten: das wäre es dann aber auch mit unserem Wohlfühlfaktor „Export“.

Hier gäbe es auch eine gute Gesprächsgrundlage mit „rechten“ Mitbürgern … wenn man denn mit ihnen reden wollte, wie es in einer Demokratie üblich ist. Stattdessen … machen wir andere Beobachtungen (siehe Cicero):

„Genau deshalb aber ist die penetrante Empörung, die wir seit Wochen verfolgen können, infam. Vor allem aber ist sie brandgefährlich. Denn nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik wurde der Souverän (das Volk) in einer solchen Weise von den Etablierten in Parteien, Medien und Verbänden beschimpft.“

Beschimpft, diffamiert, diskriminiert, pathologisiert. Wir hatten diese Methoden schon mal. Es gibt sogar selbstdefinierte „Linke“, die gerne zu diesen Methoden greifen und auch an „Mahnwachen“ nichts bedenkliches finden und gern in undifferenzierter Pauschalpropaganda baden: „Wir gut, ihr schlecht“: die Grundlage jeder gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.

Es gibt noch Menschen, die sich erinnern, wie die demokratischen Methoden waren – jene Methoden, die alle Menschen eines Landes in den Meinungsbildungsprozess einschließt und nicht – wie die NS-Diktatur – einen ganz besonderen Menschen nach Maßgabe des Kanzleramtes mit Staatsgewalt produzieren möchte (was die NS-Diktatur neben der Massenvernichtung der „anderen“ ebenfalls tat und heute gern vergessen wird, weil es genug Menschen gibt, die gerne ihre eigenen Menschen bilden wollen – z.B. als Dauerkonsumenten). Hören wir einem mal zu, einem Psychiater (siehe Deutschlandfunk):

„Die Beweggründe der Pegida-Demonstranten in Ostdeutschland müssten verstanden und analysiert werden, sagte Hans-Joachim Maaz, Psychiater und Vorsitzender der Stiftung Beziehungskultur in Halle, im DLF. Eine Protestbewegung gegen Pegida, die lediglich „Wir gut, ihr schlecht“ transportieren würde, sei kein gutes Zeichen und führe zur weiteren Spaltung der Menschen in Deutschland.“

„Wir gut, ihr schlecht“: das Kerndogma jeglichen faschistoiden Denkens, die völlige Entwertung, Dämonisierung des Anderen, in der kein Gespräch mehr Sinn macht noch möglich ist. Doch wenn dies so ist: was macht man dann mit den anderen, mit denen man – wie sogar ein Rudolf Augstein meint – gar nicht reden sollte? „Die“ – verschwinden nicht einfach so, und wenn die von Grund auf Böse sind … ja, was kann man denn dann mit ihnen machen? Vielleicht Lager, in denen sie sich auf die richtigen Werte konzentrieren können? Und wenn die beratungsresisitent auf ihrer Meinung beharren? Und jeden Monat Kosten im Lager verursachen? Kosten, die „wir“ nicht mehr tragen wollen, was dann?

Die Antwort kennen wir. Wir Deutschen haben sie durchgezogen.

Laut einer Afp-Meldung haben 54 Prozent der Deutschen „große Sorgen“ wegen der Flüchtlingskatastrophe (siehe Yahoo): alles Nazis, die ins Lager müssen, weil man mit ihnen nicht reden darf? Oder Menschen, die weiter denken? Gemäß dem österreichischen Altkanzler Vranitzky (siehe Die Presse) wird die Freundlichkeit gegenüber den Flüchtlingen abnehmen, wenn sie zunehmend als „arbeitslos“ wahrgenommen werden, also zu einer Gruppe, die seit der Agenda 2010 „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ in Deutschland erleben musste (ebenfalls mit vereinzelten Forderungen durchsetzt, man solle sie in Lager sperren, wie es Hitler schon mit seinen Arbeitslosen getan hatte, oder öffentlich markieren, wie es den jüdischen Mitbürgern wiederfuhr). Arbeit ist unsere Religion (siehe FR):

„Praktisch jeder Mensch ist also gezwungen, einer Tätigkeit nachzugehen, die sich allein an ihrer Verkäuflichkeit misst. Dieser Zwang ist im Grunde nur zu ertragen, wenn man sich irgendwie mit ihm identifiziert und ihn quasi-religiös überhöht.“

Flüchtlinge sind in hohem Maße gefährdet, mit dieser Religion in Konflikt zu geraten, wenn sie nicht schnell genug spuren. Viele  haben – wie es das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen betonte – gar keine klar Vorstellung von dem, was sie hier erwartet (siehe NZZ). Millionen machen sich auf den Weg – in den Kältetod. Es ist eine einfache Rechnung: werden die Ursachen der Völkerwanderung nicht erkannt und folgerichtig angegangen, werden wir Unmengen an Toten zu beklagen haben. Eine Stern-Autorin, die die Flüchtlingstrecks begleitet, weist darauf hin (siehe Stern):

„Wir diskutieren unterdessen im Warmen über die Misere. Meine Freunde erzählen, dass sie erschrocken sind, weil selbst in ihrem Freundeskreis, die Stimmungsmache gegen Flüchtlinge Einzug hält. Mich macht das unruhig. Denn es ist kein großes Geheimnis, dass es Tote geben wird, wenn sich die Lage nicht bald entspannt. Sitzen die Menschen auf dem Balkan fest und schaffen es die Länder nicht, Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das erste Kind erfriert.“

Sie benennt auch die Ursachen:

„Als weltweit drittgrößter Waffenlieferant trägt Deutschland zur Verlängerung der Krise im Nahen und Mittleren Osten bei. Auch in Punkto Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern haben wir nicht nachhaltig und entschlossen agiert. Die Wahrheit ist: Wir haben nicht einmal den zugesagten Teil der Gelder bereitgestellt. Gleiche Zögerlichkeit gilt für die Bekämpfung des Klimawandels.“

Kein Wunder, dass da ein Sündenbock her muss – mit aller Gewalt. Früher waren die Juden der Sündenbock, später der faule schmarotzende Arbeitslose, jetzt Pegida – oder der Ausländer, es stehen mehrere Böcke zur Auswahl bereit.

Wissen Sie, woran mich das erinnert? An Hans-Magnus Enzensberger und seine Aussagen über den „molekularen Bürgerkrieg“, hier zitiert aus einem Artikel des Jahres 1993 (siehe Spiegel):

„Auf diese Weise kann jeder U-Bahn-Wagen zu einem Bosnien en miniature werden. Für das Pogrom sind keine Juden, für die Säuberung keine Konterrevolutionäre mehr nötig. Es genügt, daß einer einen anderen Fußballklub bevorzugt, daß sein Gemüseladen besser geht als der nebenan, daß er anders angezogen ist, daß er eine andere Sprache spricht, daß er ein Kopftuch trägt oder einen Rollstuhl braucht. Jeder Unterschied wird zum lebensgefährlichen Risiko.“

Dieser molekulare Bürgerkrieg – im Prinzip ein ebenso kannibalistischer Akt der Bürger an sich selbst, wie der Kannibalismus des NS-Staates – wird aktuell von einer breiten Front aus Wirtschaft, Medien und Politik gefördert – was leicht fällt in einer Gesellschaft, in der hauptsächlich private Journalistenschulen den Großteil der meinungsbildenden Journalisten erziehen … und gleichschalten.

Nun Akif P. wird nach einer gezielten, absichtlichen, gewollten Diffamierungskampagne das Land verlassen, in Folge der Kampagne wurde ihm auch seine Lebensgrundlage entzogen. Er hat dem Kartell der Besserverdienenden vorgeworfen, sie hätten gerne Konzentrationslager, um im Lande besser durchregieren zu können, das Kartell hat reagiert – und fördert weiter mit allen Kräften den molekularen Bürgerkrieg anstelle des demokratischen Dialogs.

Und das macht mir mehr Sorgen als ein Satz, der fürchterlich klingt, uns in seinem eigentlichen Zusammenhang aber daran hätte gemahnen können, dass wir Deutsche eine besondere Verantwortung haben, dass sich die NS-Zeit nicht wiederholt.

Stattdessen machen wir uns ihr durch die eingesetzen Methoden im Umgang mit politisch Andersdenkenden immer ähnlicher, denken uns immer weniger dabei … und jeder Unterschied zur Meinung des Kanzleramtes wird täglich mehr zum lebensgefährlichen (aber noch nicht tödlichem) Risiko.

Und die deutschen Medien? Brauchen sich wohl nach dieser Affäre nicht weiter darüber zu wundern, mit der Bezeichnung „Lügenpresse“ bedacht zu werden: ausgewogene, seriöse Berichterstattung sieht anders aus.

PS: für die Lügenpresse ein Wort zum Autor – bevor die sich wieder selbst was ausdenken. Ich habe keine Sympathien für Pegida, Patrioten sind für mich eine Sonderform von Idioten – schon immer gewesen. Ich fürchte keine Islamisierung des Abendlandes – allein, weil unsere Gesetzgebung dies nie gestatten würde. Wir hacken Dieben keine Hände ab, noch köpfen wir Straftäter … wir verkaufen den Henkern aber gerne Waffen. Ich habe islamische Feste besucht und fand die gelebte Spiritualität dort sehr beeindruckend: christliche Gottesdienste wirkten dagegen ziemlich tot und leer. Mag sein, dass wir dort ein Angebot bekommen, dass für viele sinnentleerte Bürger interessant sein kann. Und außerdem … fürchte ich mich – streng nach Adorno – mehr vor den Faschisten, die in der Maske der Demokraten umhergehen, als vor einer Hand voll nationalsentimentaler Parolenbrüller.

 

 

 

 

Die „Lügenpresse“ und ihre natürlichen Feinde: die Leser

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Dienstag, 17.2.2015. Eifel. Wieder einmal Karneval. Vor sechs Jahren wurde zu einem solchen Zeitpunkt der „Eifelphilosoph“ erfunden – aus purer Langeweile. Nicht im Mindesten war die Absicht, daraus ein Medienportal zu machen oder sich mit den Großen dieser Branche anzulegen, eher war es der Tatsache geschuldet, dass ich aus gesundheitlichen Gründen morgens ein paar Stunden Ruhe brauche, um mein Tagwerk verrichten zu können. Journalist zu werden: welch´ unmögliche Vorstellung – zu nah war noch die Erinnerung an den Blick in Prüfungsunterlagen von Fernschulen, deren geforderte Testantworten schlichtweg unlogisch und sachlich falsch waren … keine Ahnung, was da ausgebildet werden soll. Nach meinem Eindruck: Wesen, die extrem hörig sind und selber nicht mehr denken. Wer seinen Kopf noch zum Denken benutzt, hätte andere Antworten auf die Prüfungsfragen gewählt: stringend logisch, aber im Sinne der Prüfer falsch – was für ein Unfug.

Sechs Jahre später schauen meine Freunde und ich auf eine verblüffende Story: die Geschichte das Nachrichtenspiegels, der von einem guten Dutzend ehrenamtlicher Schreiber und Informationsliferanten betrieben wird – aus Spaß an der Freude. Ja, auch die Politik nimmt uns wahr: regelmäßig erhalte ich persönliche Einladungen zu Pressekonferenzen nach Berlin, ZDF und rtdeutsch wollten mich auf den Bildschirm bringen – und auch einige Journalisten hatten schon mal nach Interviews gefragt … einige wenige sogar mit Erfolg.

Eine davon hat nun einen Artikel geschrieben. Wir hatten vereinbart, dass ich über den Artikel informiert werde, wenn ich zitiert werde – doch ich wurde nicht zitiert, was mich nicht weiter verwunderte. Die Gesprächsführung verlief schon erstaunlich tendenziös – was keine Absicht gewesen sein muss, war die Journalistin doch noch ziemlich jung. Es ist schwierig, in solchen Gesprächen seine eigene Meinung über den bösen Putin und die schrecklichen Russen zurück zu stellen, um den Argumenten des anderen zu lauschen – aber das macht einen guten Journalisten aus. Das würde auch einen guten Diplomaten ausmachen – aber die sind momentan scheinbar völlig in der Versenkung verschwunden.

„Nichts ist wahr, alles ist möglich“ – so lautet die Überschrift des Artikels, im „Falter“ erschienen (siehe „Falter“).  Der Satz ist schon fantastisch: die Autorin scheint die Prämissen altgriechischer Philosophie vollständig erfasst zu haben, ebenso scheint vollumfänglich die aus den Ergebnissen der Forschung über Wahrheits – und Erkenntnistheorie stammenden Erwägungen umgesetzt worden zu sein, man ist zum Kernpunkt des urdemokratischen Skeptizismus angelangt …. ja: der Demokrat MUSS immer extrem skeptisch sein, damit er nicht durch eine Informationsdiktatur auf die seichte Art gesteuert und beherrscht werden kann. So etwas stört auch niemanden im demokratischen System: im Gegenteil – es hält den Alltag lustig und lebendig. Leider befasst sich der Artikel nicht mit der absoluten Relativität menschlichen Denkens und Empfindens, sondern mit den alternativen Medien – also mit jenen Lesern, die jetzt selbst zum Stift (bzw. zur Tastatur) griffen, um – ganz demokratisch – ihren eigenen Senf dazu zu geben.

„Wissenschaftler beobachten seit Jahren eine steigende Medienverdrossenheit – nur wird über diese, im Gegensatz zur Politikverdrossenheit, so gut wie nie gesprochen. Was Pegida auf den Straßen ist, ist die „alternative Szene“ im Netz: digitale Wutbürger, die sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen. Alles im Dienste der Demokratie, versteht sich.“

Ein kleiner, feiner Seitenhieb, ein billiger Trick im Kampf um Marktanteile (und um nichts anderes geht es hier): im Internet schreiben nur Wutbürger mit rechtsradikalem, latent ausländerfeindlichem Hintergrund. Wir erfahren auch, was das für Leute sind, die es wagen, ihre Meinung, ihre Gedanken, ihre Schlußfolgerungen öffentlich zu äußern:

„Keller ist ein fülliger Mann Anfang 40, Taxifahrer und gelernter Elektriker.“

Ich übersetze das mal in die Sprache von Personalchefs: ein dicker, ungebildeter Versager (merke: nur Versager fahren Taxi und arbeiten nicht in ihrem Beruf). Kann man erwähnen, muss man aber nicht.

„Die meisten Artikel dazu stammen aus der Feder von Marco Maier, einem schüchtern wirkenden Bäcker aus Purkersdorf.“

Wie der Herr Maier auf die Autorin wirkt, dürfte eigentlich keine Rolle spielen – aber der aufmerksame Leser bemerkt gleich die weitere, versteckte Diskriminierung: da schreibt nebem dem dicken Versager auch noch ein verklemmter.

Der dritte im Bunde – der Gründer von Neopresse, ausnahmesweise mal nicht dick oder verklemmt, sondern ein Tiroler mitte dreißig, der „Neopresse in seiner Freizeit betreibt“ und im „IT-Sektor“ arbeitet. Möchte man meinen, dass hier noch mit Respekt agiert wird, verschwindet das sofort im nächsten Satz:

„In den Außenpolitik-Redaktionen der etablierten Medien würden durchwegs „Hardliner“ sitzen, die in puncto Ukraine eine klare Linie vorgäben, so Hofbauer. Wie hält „NEOPresse“ da dagegen? „Wir haben einen Autor, der Russisch kann“, ist Hofbauers Antwort.“

Das einfach mal so  in den Raum gestellt, wirkt Herr Hofbauer äußert grenzdebil – was wohl Absicht ist. So naiv kann doch nur ein hirnloser IT-Schrauber sein.

So wundert es mich nicht, dass die Autorin mit mir selber nichts anfangen konnte – „weit gereister Akademiker mit Führungserfahrung in der Wirtschaft“: das passt nicht ins Programm. Man will ja Stimmung machen, zeigen, dass man auf „Linie“ ist … und sich so für eine Festanstellung bewerben.

Das soll kein Vorwurf sein.

Die Tatsache, dass Menschen, die sich um das hohe Gut der Information bemühen, um ihr tägliches Brot mit gefälligem Geschreibsel buhlen müssen, ist ein gesonderter Skandal der Moderne, der den demokratischen Staat an seiner Wurzel angreift: ist der Bürger schlecht, falsch oder einseitig informiert, ist seine Meinungsbildung in Gefahr. In so fern machen ALLE „alternativen“ Medien einen guten Job, in dem sie einen Kontrapunkt setzen.

In der Tat: für uns demokratische Bürger ist es nicht so wichtig, dass wir alle in ein Anti-Putin-Gestöhne verfallen, sondern das wir uns unsere eigene Meinung bilden können … und das wir das zarte Pflänzchen Demokratie retten, das in Mitteleuropa noch blüht.

Was ist denn die größte Sünde der medialen „Versager und Volltrottel“?

Sie unterwerfen sich nicht der Deutungshoheit einer akademisch (d.h. von Staatsbeamten ausgebildeten) geprägten Elite, sondern machen sich ihre eigenen Gedanken. Das geht heute, denn dank Internet steht jedem Menschen ein Wissen zur Verfügung, dass einer gut ausgestatteten Universitätsbibliothek gleich kommt. Nun – sicher ist nicht alles so wunderbar wahr und heil, was im Internet steht: das gilt aber auch für Universitätsbibliotheken. Ich selbst war seinerzeit überrascht, als ich in der Universitätbibliothek der Ruhriniversität Bochum Beschwörungsrituale für den von H.P.Lovecraft erfundenen Gott „Nyarlathotep“ fand – oder … von einem renommierte Autor des 19. Jahrunderts … eine Abhandlung darüber, warum der Mond aus grünem Käse sei.

Aber – so die berechtigte Frage: ist es denn überhaupt angesagt, den „Mainstremmedien“ zu misstrauen? Berichten die nicht immer und überall objektiv und stichhaltig, nach bestem Wissen und Gewissen? Haben wir nicht hinreichend Grund zur Annahme, dass sich der etablierte Journalist mit all seinern Qualifikationen einzig und allein in den Dienst der Wahrheit stellt?

Es wäre billig, jetzt auf die Hitler-Tagebücher zu verweisen, denn man muss jedem Journalisten zubilligen, auch mal irren zu können – genauso wie man jedem Leser zubilligen muss, die gelieferten Informationen kritisch zu hinterfragen: geschähe dies nicht – Hitlers Tagebücher wären heute Standardlektüre im Geschichtsunterricht.

Wir Leser haben in den letzten Jahren viel schlimmere Zumutungen erleben müssen, haben erleben müssen, wie leicht und widerstandslos weite Teile der „etablierten Medien“ vorgegebenen Marschrouten folgen. Was sollen sie auch anderes tun – immerhin produzieren sie Nachrichten nicht selber, sondern sind auf Informanten aus der Politik angewiesen … und den Informationen einer Hand voll Nachrichtenagenturen im Privatbesitz. So war es kein Problem – noch hatte es irgendwelche Folgen – eine dreiste „Brutkastenlüge“ in die Welt zu setzen, der viele – auch kritische NGO´s – lange Zeit brav gefolgt sind.

Ebenso dreist war die Lüge über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak – einer Lüge, der mindestens 500 00o Menschen zum Opfer gefallen sind – auch Frauen und Kinder (siehe Süddeutsche). Alle etablierten Journalisten haben diese Lügen kritiklos weitergetragen – auch die großen, öffentlichen Medien, die aktuell durch gezielte, bewusste Manipulationen der öffentlichen Meinung von sich reden machen (siehe Zeit), ein Umstand, der umso bedrohlicher wirkt, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass sich die Täter der Wirkung der „Schweigespirale“ sehr wohl bewusst sein dürften und somit einen brutalen Akt der politischen Manipulation begangen haben, der die Demokratie in seiner Substanz gefährdet.

Folgen?

Keine.

Jedenfalls keine, die „das System“ gefährden, jene Netzwerke etablierten Absahnertums in der deutschen Gesellschaft, zu der viele gerne dazu gehören wollen – auch viele Journalisten. Das System? Ein Begriff, den ich von dem Universitätsprofessor Hans-Herbert von Arnim geliehen habe (gleichnamiges Buch siehe dhv-Speyer) – also nichts aus den Kreisen der von unserer Journalistin so geschmähten dicken Versager.

Aber wer liest heutzutage schon dicke Bücher, wenn es doch so einfach ist, Merkels Parole „Deutschland geht es gut“ in breiter Front zu folgen – oder dem Aufruf „Stoppt Putin“, der an Qualität dem Satz „Kauft nicht bei Juden“ erschreckend nahe kommt.

Wissen Sie, was sich die britische Regierung und die britische Marine gefragt haben, als das deutsche Schlachschiff „Bismark“ mit wenigen Schüssen die Hood – den Stolz der britischen Marine – versenkte? Sie fragten sich: „was können die sonst noch, wenn sie das schon vermögen“. Die gleiche Frage dürfen sich doch wohl auch deutsche Leser angesichts der bisherigen Erfahrungen mit deutschen (und nicht nur denen) Medien seit dem 11.9.2001 stellen – jenem Datum, das der Weltgeschichte einen ganz neuen Kurs verpasste.

Das Schöne ist: wir bekommen auch gleich eine Antwort (siehe Spiegel):

Das britische Militär hat ein neues Schlachtfeld identifiziert: das Internet. Eine neue Brigade mit 1500 Soldaten soll auf Facebook und Twitter die „Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen“.

Die Aufgabe der 77. Brigade sei die Kriegsführung im Informationszeitalter, sagte Armeegeneral Nick Carter der BBC. Er wird die Truppe leiten, die aus regulären Soldaten und Reservisten bestehen soll. Seine Untergebenen sollen über Facebook, Twitter und andere soziale Medien dafür sorgen, dass die britische Armee in bestem Licht erscheint.

Während führende deutsche Printmedien massiven Stellenabbau im redaktionellen Bereich betreiben (z.B. aktuell die FAZ mit 200 Mitarbeitern, siehe Welt), springt das Militär in die Bresche, die dort hinterlassen worden ist. Wo bleibt der Aufschrei der deutschen Medien? Wo bleibt das Entsetzen der Friedensbewegung?

Dürfen wir uns nicht die Frage stellen, die sich die britische Admiralität damals stellte: „was können die sonst noch?“

Nein – denn das führt uns ja in den Bereich der „Verschwörungstheorien“ … d.h. den Bereich der kritischen Intelligenz, die heute nicht mehr erwünscht ist.

„Kritische Intelligenz“?

Ja – in den Kreisen jener verpönten, ja fast schon verbotenen Denker, findet sich jene Vernunft, die der Philosoph schon im alten Griechenland so schätzte und die Grundlage all´ unserer westlichen Kultur darstellt (siehe Forschung und Wissen)

Eine Forschergruppe aus den U.S.A. und Großbritannien, hauptsächlich bestehend aus Psychologen und Gesellschaftswissenschaftlern, haben eine neue Studie vorgestellt, welche darauf schließt, dass Verschwörungstheoretiker entgegen allen Mainstream-Stereotypen vernünftiger sind als Menschen, welche die offizielle Version nicht hinterfragen und umstrittene oder beschrittene Ereignisse einfach akzeptieren.

Das sollte verwundern – und gehört eigentlich auf die Titelseite jedes Mainstreammediums: immerhin geht es hier um die Grundlage unserer westlichen Zivilisation, die sich aufmachte, das Licht der Vernunft in die Welt zu tragen … eine Vernunft, für die „das System“ keinen Platz mehr hat, weil sie die systematische Steuerung der Bevölkerung (ja – darum geht es bei der Benutzung der „Schweigespirale“) nachhaltig stört.

Wundert es da, dass der Begriff „Lügenpresse“ seitens der Leser wieder Relevanz bekommt? Wundert es da, dass jene, die dieses Wort benutzen, leichtfertig in die braune Ecke gestellt werden, die als taktisches Mittel der Verunglimpfung den „Kommunisten“ seit dem Ende der Sowjetunion nahtlos ersetzt hat? Das man die vernünftigen Menschen als Kranke darstellt (siehe Spiegel):

Es braucht nur ein paar Klicks, um in einen merkwürdigen, dunklen Fiebertraum abzudriften, eine schweißnasse Angstfantasie, die von einer Medienverschwörung handelt und einer dämonischen Gewalt, die uns alle manipuliert und systematisch belügt.

Dem Autor – ein Universitätsprofessor – hätte hier in der Tat mit einem einzigen Klick zur 77. Brigade geholfen werden können … wenn er die denn wahrnehmen wollte.

Dunkle Fieberträume, schweißnasse Angstfantasien, dämonische Gewalten? Seltsame Sprache. Ich merke: nicht nur ich habe die Beschwörungsrituale von Nyarlathotep in der Universitätsbibliothek gefunden.

So leicht lassen sich kritische Stimmen als kranke Geister abstempeln … wie soll es da wundern, dass der Leser irgendwann zu einem einfachen Urteil kommt und die gesamte Medienlandschaft als „Lügenpresse“ diffarmiert … einfach, weil er es satt hat, mit billigen, verzerrenden, die Vernunft verhöhnenden Dummkopfparolen hinters Licht geführt zu werden und weil er einen „Sicherheitsabstand“ wahren möchte – ganz nach dem Motto „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“.

Wer die – inzwischen zunehmend streng zensierten – Kommentarspalten etablierter Medien durchforstet, wird schnell sehen, dass es keine Minderheit ist, die dort ihren Unmut über fortschreitende Verblödung der „Qualitätsmedien“ kund tut – es sind Menschen, die sich allein auf Grund ihrer eigenen Stellung im Leben der Gewalten bewusst sind, auf die Medien Rücksicht zu nehmen haben: die Anzeigenkunden, die Parteien, die Politiker, die „Stars“ – denn nur, wer sich den Gewalten als würdig erweist, kann mit dem seltenen Segen einer Festanstellung rechnen – sei es nun als Journalist, als Pressesprecher einer Partei, eines Konzerns oder eines Verbandes: die Verwendung journalistischen Personals ist inzwischen recht beliebig geworden – wie die des politischen Personals.

Darf man da etwa nicht mehr die Frage stellen, wem das nutzt?

Nein.

Es reicht völlig, wenn man das etablierte Medium kauft – und möglichst von seinem Inhalt keine Kenntnis nimmt.

Soweit sind wir inzwischen.

So hätte man uns Leser gern.

Leider sind wir nur nicht so- und kontern auf die Verblödungsoffensive der „Generatiof doof“ mit einem einzigen Wort: „Lügenpresse“.

Über den Motivationshintergrund jener Menschen informieren die Mainstreammedien gleich mit (siehe Spiegel):

Ernüchterndes Ergebnis einer bislang unveröffentlichten Studie der Bundesregierung: Deutsche Studenten sind demnach eine konservative Gruppe, der finanzielle Sicherheit wichtiger ist als politisches Engagement. „Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer stark ichbezogenen Studentengeneration. Berufliches Vorankommen sowie materielle Werte sind für sie sehr wichtig“

Da wird konzentriert neues Absahnerpersonal erzogen – auch im journalistischen Bereich.

Und die können keine Leser gebrauchen, die ihre minderbemittelten Ergüsse nicht klaglos über sich ergehen lassen, dann das stört enorm beim beruflichen Vorankommen und dem Gewinn materieller Werte.

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