Lüge

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Erosion des Rechtsstaats und achselzuckende Preisgabe des Weltfriedens (ein Armutszeugnis)

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In einer jüngsten Mitteilung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestags will der Ausschussdienst die Veröffentlichung der Petition zum sofortigen Ende aller – völkerrechtlich illegalen – Bundeswehreinsätze in Afghanistan nicht zulassen. Hierzu eine aktuelle Replik:

Ihre Pet-Nr. 3-19-05-056-010386, Sicherheits- und Verteidigungspolitik (Einsatz der Bundeswehr im Ausland); Ihr Schreiben vom 30.8.2018, hier eingegangen am 8.9.2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

da der Gegenstand der Petition gegen die Bundeswehreinsätze in Afghanistan so ernst ist, wäre ich nie auf die Idee gekommen, in diesem Kontext einmal – wenn auch nur flüchtig – erheitert werden zu können.

Weil alle wissenschaftlichen Beweise dafür sprechen, dass die Ereignisse zu 9/11 von bis heute unbekannten Mitgliedern der US-amerikanischen Militär- und Geheimdienstkreise inszeniert wurden, um damit alle schon längst vorher geplanten militärischen Aggressionen gegen bestimmte Zielstaaten endlich in die Tat umsetzen zu können, muss es jeden redlichen Zeitgenossen beschämen, wenn sich die bundesdeutsche Politik in Afghanistan auch noch an diesen Völkerrechtsbrüchen beteiligt.

Was dort in Afghanistan so alles „in Namen des Völkerrechts“ geschehen kann, hat die Welt durch die Zahl der Opfer der sog. „Kunduz-Affäre“ des Oberst Klein erfahren.

Dass die Bundesrepublik dem aggressiven Treiben der „Supermacht“ USA aus eigener Kraft nichts entgegen setzen kann, ist das Eine. Dass sich Mitglieder des Bundestags aber auch noch aktiv an solchen Völkerrechtsbrüchen beteiligen, ist etwas ganz Anderes. Solche Völkerrechtsbrüche sind weder vom GG noch vom Völkerrecht gedeckt, schon gar nicht dann, wenn sie schlicht auf einer großen Lüge basieren.

Aber siehe da: Auch wenn Menschlichkeit und Anstand, Völker- und Verfassungsrecht allem Anschein nach bei vielen Abgeordneten zuweilen keine mehr Hemmungen mehr auslösen, so möchte man sich dort aber doch auf keinen Fall über die hochheiligen „Richtlinien für die Behandlung von öffentlichen Petitionen“ hinwegsetzen.

Ihre Bezugnahme auf Nr. 3 lit. h) Ihrer vorgenannten Richtlinien ist schlicht absurd und geradezu lächerlich. Das Interview mit dem US-amerikanischen Völkerrechtler Boyle ist auf  Spiegel-Online veröffentlicht und für jedermann zugänglich. Und Sie wollen ernsthaft behaupten, dass es in die Persönlichkeitsrechte von Boyle eingreifen soll, wenn sein Name nicht geschwärzt wird?

Ich kann Herrn Dr. Daniele Ganser ja mal gerne fragen, ob er es als „Eingriff“ in sein „Persönlichkeitsrecht“ empfindet, wenn ich ihn namentlich nenne, weil ich sein – wichtiges – Buch über die illegalen Kriege der NATO nicht unerwähnt lassen möchte. Wenn ich Sie richtig verstehe, dann hätte ich besser – anonymisiert – von einem „Schweizer Friedensforscher“ gesprochen, der da irgend so ein Buch über die Kriege der NATO geschrieben hat.

Die in der Petition vorhandenen Links zu Webseiten könnten Sie – was gegenüber der Nichtveröffentlichung der Petition ein milderes Mittel wäre – auch getrost streichen, da alleine schon das Buch „Der mysteriöse Einsturz von World Trade Center 7“ von David Ray Griffin genügend wissenschaftlich fundierte Beweise hält, um das offizielle Narrativ zu den Hintergründen und Abläufen am 11.9.2001 nachdrücklich zu widerlegen.

Der Inhalt der Petition wird durch Sie so schockierendes in Bezug nehmen von Youtube-Videos in keiner Hinsicht geschwächt.

Diese konkrete Richtlinie ist aber auch gerade deshalb schlicht ein Witz, weil ich im Umgang mit Behörden und insbesondere auch mit Gerichten noch nie erlebt habe, dass die Bezugnahme auf einen Weblink auch nur gerügt worden ist. Wir leben in modernen Zeiten, und es gibt keinen einzigen nachvollziehbaren Grund, eine Petition schon deshalb zu sperren, weil es beweiskräftige Darstellungen z.B. in einem Youtube-Video gibt, die mehr aussagen als deren Beschreibung. Auch wenn man Bilder manipulieren kann, so sagen offensichtlich nicht manipulierte Bilder oft mehr aus als ganze Bücher.

Und dann monieren Sie – offensichtlich von dem Ziel geleitet, den Text dieser Petition auf keinen Umständen veröffentlichen und zur öffentlichen Diskussion stellen zu müssen – auch noch, dass die an Sie übermittelte Liste mit den Namen der Unterstützer keine „eigenhändige“ Unterschrift enthält?

Werden so alle Petitionen von Ihnen geblockt, bei denen über OpenPetition um Unterstützung geworben wurde?

In Ihren vorgenannten Richtlinien heißt es unter Ziff. 1 eindeutig (Zitat):

„1. Öffentliche Petitionen können von jedermann einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen unter Verwendung des hierfür vorgesehenen elektronischen Formulars an den Petitionsausschuss eingereicht werden….“.

Von einer eigenhändigen Unterschrift ist dort nirgendwo die Rede.

Und selbst wenn für jeden einzelnen Unterstützer eine eigenhändige Unterschrift gefordert würde, so hätte ich dieses Erfordernis schon durch meine eigene Unterschrift auf der Petitionsschrift erfüllt, die Ihnen auf dem Postwege übermittelt worden ist.

Ich habe alle Unterstützer meiner Petition bereits per Mail darum gebeten, Ihnen zu schreiben und zu bestätigen, dass sie meine Petition unterstützen. Bei dieser Gelegenheit kann dann ja auch jeder seine Stellungnahme dazu abgeben, was er davon hält, wie Sie mit einer Petition zu einer so wichtigen gesellschaftspolitischen Frage umgehen.

Bei den Betreibern des Portals von OpenPetition habe ich heute angefragt, ob sie jemals mit einem solchem Vorhalt konfrontiert worden sind.

Aber die in Ihrer Antwort vom 30.8.2018 implizit zum Ausdruck kommende absurde Paradoxie ist von solcher Qualität, dass ich – obwohl die Bundeswehreinsätze in Afghanistan nun wirklich kein Spaß sind – kurz herzhaft lachen musste.

Verfassungsrecht- und Völkerrecht, Menschlichkeit und Respekt vor dem Leben und Friedenswunsch der Menschen anderer Völker interessieren die Politiker, die für die Bundeswehreinsätze in Afghanistan gestimmt haben, allem Anschein nach nicht mehr.

Aber ein Weblink in einer Petition, und dann auch noch die namentliche Nennung eines Völkerrechtlers wie Boyle oder von Buchautoren wie Dr. Daniele Ganser oder von David Ray Griffin, solche (angeblichen) Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte von Buchautoren und Juristen, das geht dem Bundestag dann doch zu weit.

Wenn Sie die Beteiligung an völkerrechtswidrigen Kriegen und alle damit verbundenen „möglichen“ Eingriffe in Leben und Gesundheit von Menschen rechtfertigen, aber zugleich den angeblichen Eingriff in „Persönlichkeitsrechte“ eines Petenten kritisieren, dann kann ich über solche Doppelstandards nur noch staunen.

Für mich entsprechen solche Doppelstandards dem sarkastischen Humor von Rechtsnihilisten, die sich selbst offenbar alles generös verzeihen können, aber die Kritik an ihrem Verhalten selbst mit den lächerlichsten Formalien und Vorhaltungen abblocken möchten.

Ein guter Freund sagte mir, dass ich mir den Aufwand für solche Petitionen doch sparen könne. Angesichts der längst vorhandenen politischen Realitäten könne doch kein Mensch mehr noch irgendein Unrecht aufhalten oder verhindern. Das Einzige, was der Mensch in diesen Zeiten noch tun könne, wäre, dass er als Mensch auf dem Pfad der Rechtschaffenheit bleibt. Wie Recht mein Freund doch hat.

Ein Dialog macht überhaupt nur Sinn, wenn der Andere überhaupt ein Interesse an einem Dialog hat. Wenn das Interesse des Anderen offensichtlich nur noch darin besteht, ein in keiner Hinsicht vom Volk demokratisch legitimiertes „Programm“ durchzuziehen, (auch) in diesem Kontext alle unbequemen Wahrheiten auszublenden und jede berechtigte Kritik mit pauschalen Verweisen auf längst widerlegte (Teil-)Unwahrheiten und unhaltbare juristische Interpretationen des Völkerrechts abzublocken, dann ist jedes Bemühen um Dialog pure Zeitverschwendung.

Dann kann der Mensch offenbar nur noch darauf hoffen, dass es eine höhere Gerechtigkeit gibt, der sich letztlich kein Mensch entziehen kann. Das ist keine Resignation an der Welt, sondern ein absolutes Vertrauen in eine Gerechtigkeit, die die Zukunft für alle Menschen bereit hält.

Ich fasse noch einmal ganz grundsätzlich zusammen:

Wenn der Bundestag solche Bundeswehreinsätze wie die damals in Serbien oder nachfolgend in Afghanistan und Syrien beschlossen hat, dann hat er zu seiner Rechtfertigung stets in wesentlicher Hinsicht auch Sachverhalte bemüht, die sich schließlich als falsch, oder zutreffender: eindeutige Lüge, herausgestellt haben.

Der Angriff auf Serbien in 1999 „begann mit einer Lüge“, was im Jahre 2001 sogar noch über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vermittelt werden konnte, Die Doku über den NATO-Einsatz in Jugoslawien mit dem Titel „Es begann mit einer Lüge“, die jedermann auf Youtube abrufen kann, wird sicherlich auch jedem Bundestagsabgeordneten bekannt sein.

Eine solche Aufklärungsarbeit durch ein Format des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erscheint unter den aktuellen Verhältnissen schon undenkbar.

Der Einsatz der Bundeswehr in Syrien basiert auf der Lüge, dass man militärisch in einem fremden Land intervenieren kann, das in keiner Weise für die Entstehung und Ausbreitung des IS verantwortlich war und ist und in jeder Hinsicht von Anfang an fest entschlossen und – spätestens seit der Unterstützung durch die russische Föderation – auch in der Lage war, den IS zu bekämpfen und zu besiegen.

Im Web finden sich unzählige Quellen dazu, welche Mächte bzw. Staaten ganz offensichtlich ein Interesse an der Unterstützung des IS gehaben haben und auch – zumindest teilweise nachweislich – eine solche Unterstützung in allen denkbaren Formen (durch Geld, Waffenlieferungen, Rückzugsräume, Ausbilder etc.) geleistet haben. Wenn das schon jeder Bürger problemlos recherchieren kann, dann erst Recht eine so gigantische Behörde wie der BND, der über ein weitaus besseres Netzwerk verfügten dürfte als jede Nachrichtenagentur (bloß unterstellt, es gäbe eine Nachrichtenagenturen, die unabhängig von Nachrichtendiensten agieren können).

Und wie verhält es sich nun mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan?

Der Angriff auf Afghanistan basiert auf der offensichtlich gewordenen Lüge, dass die für die Anschläge von 9/11 verantwortlichen Terroristen von Afghanistan aus operiert haben sollen und die Regierung dieses Landes diesen Terroristen in ihrem Land einen „sicheren Hafen“ bereit gestellt haben soll.

Schon der Inhalt des Buchs von David Ray Griffin „Der mysteriöse Einsturz von World Trade Center 7: Warum der offizielle Abschlussbericht zum 11. September unwissenschaftlich und falsch ist“ reicht – wie gesagt – vollkommen aus, um den definitiven, wissenschaftlich fundierten Beweis dafür zu erbringen, dass die drei Türme, die am 11.9.2001 zerstört wurden, nur auf Grund einer kontrollierten Sprengung auf diese Art und Weise, insbesondere in dieser Geschwindigkeit (des zumindest phasenweise „freien Falls“), vollständig in sich zusammengestürzt sein können. Vor 9/11 ist noch nie ein Hochhaus, das in Stahlskelettbauweise errichtet worden ist, auf Grund eines bloß lokalen Feuers bzw. einer bloß partiellen Zerstörung vollständig in sich zusammengestürzt. Am 11.9.2001 war das aber gleich bei drei Hochhäusern der Fall, wobei WTC 7 nicht einmal von einem Flugzeug getroffen worden ist.

Wer die mit zwingender wissenschaftlicher Logik dargelegten Erkenntnisse, die von tausenden Architekten und Ingenieuren mitgetragen werden, bestreitet, ist m.E. entweder ein Dummkopf, weil er sich nicht informiert hat, oder ein Lügner, eben weil er sich informiert hat und es in Wahrheit besser weiß.

Der Bundesregierung müsste somit auf Grund seines Auslandsnachrichtendienstes noch sehr viel besser informiert sein als jeder Bürger dieses Landes, der auf Grund seiner täglichen Pflichten zudem nur begrenzte Zeit aufbringen kann, um sich der Verschaffung von Hintergrundinformationen über Ereignisse in aller Welt zu widmen.

Und wollen Sie den Menschen in diesem Land erzählen, dass Mitglieder des Bundestages keinen Zugang zu den Analysen des BND und auch keinen Zugang zum Internet haben und somit weit weniger wissen als jeder Bürger, der sich im Internet ab und zu mal auf die Suche nach Hintergrundinformationen begibt?

Ihre Reaktion lässt jedenfalls nicht erkennen, dass sie sich wirklich ernsthaft – und das heißt im Detail – mit meiner Kritik an den Beschlüssen des Deutschen Bundestags zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan auseinandersetzen möchten.

Ich bin jedenfalls gespannt, was Ihre „inhaltliche Prüfung“ meiner Petition ergeben wird.

Juristisch und „politisch“ wird – so mein Eindruck – offenbar nichts mehr aufgearbeitet, wenn sich politische Eliten – auf Grund welcher Interessen auch immer – über das Recht und sogar das Verfassungs- und Völkerrecht mit Sachverhaltsverzerrungen und Wortklaubereien hinwegsetzen und sich hinter willkürlichen „Auslegungen“ des Völker- und Verfassungsrechtsrechts verstecken, die allem Anschein nach nur noch der juristischen Scheinrechtfertigung längst beschlossener Pläne dienen.

Von daher bestehe ich weiterhin darauf, dass Sie sich angemessen mit der Petition befassen und diese Petition – und diesen Nachtrag – auch auf den dafür vorgesehenen Foren des Bundestags veröffentlichen.

Aber wie auch immer sie sich entscheiden werden:

Sie stehen in der Verantwortung, Ihre Entscheidungen sind für Ihre eigen Zukunft mindestens so bedeutsam wie sie es für die Menschen sind, die unter den Folgen Ihrer Entscheidungen – und Ihrer Unterlassungen – in aller Welt zu leiden haben.

Ich selbst möchte mich fortan an die Empfehlung des bereits oben erwähnten guten Freundes halten, der mir geraten hat, mein Leben künftig nur noch Dingen zu widmen, die ich beeinflussen kann. Was ich nicht beeinflussen kann, das möchte ich fortan höheren – und damit meine ich göttlichen: – Mächten überlassen.

Aber ich hoffe, dass kein Mensch mehr irgendeine „Auszeichnung“ oder sonstige „Ehrung“ von einem Abgeordneten des Deutschen Bundestages annehmen wird, der für die hier kritisierten Entscheidungen mitverantwortlich ist.

Solange solche Zustände herrschen, werde ich mich an keiner Bundestagswahl mehr beteiligen.

 

Hochachtungsvoll

Wilfried Schmitz

Rechtsanwalt


Bild: Pixabay/CC0

 

Endzeit-Poesie 4.0: Anziehungskraft und Abstoßung

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„Unser Jahrhundert ist eines
der furchterregendsten.

Weise Menschen aller Zeiten
haben sich gewünscht,

nicht in einer Epoche leben
zu müssen,

in der das Gute keine
Anziehungskraft besitzt,

in der das Böse nicht abstößt,

in der die Wahrheit keine Wirkung hat
und die Lüge keine Missetat ist.

Der zeitgenössische Mensch lebt in Sorge
und Unruhe.“

Amadou Hampaté Ba,
Schriftsteller und UNESCO-Ethnologe aus Mali (1900 – 1991)

(gefunden in: GEA/Waldviertler Album Nr.87)


Nachsatz: Als weitgereister und tiefgründiger Philosoph wusste der Autor dieses Textes sehr genau, dass er jede einzelne seiner Zeilen eigentlich mit „Scheinbar“ hätte einleiten müssen. Das hätte seinem zeitgenössischen Weckruf aber wohl seine Schärfe genommen.


Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

 

Bild: pixabay/CC0

Hartz IV soll 2017 steigen – Die Erhöhung ist eigentlich eine Kürzung

Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit – Teil 1: Im Griff der Würgeschlange

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Foto: Rat Snake CC BY-SA 4.0/Bob Warrick (Quellenlink)

Nach Einschätzung von Peter Sloterdijk ist heute „der Lügenäther so dicht wie seit den Tagen des Kalten Kriegs nicht mehr“, dem Journalismus attestiert er „Verwahrlosung“ und „zügellose Parteinahme“. Sloterdijk: „Die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an.“ (siehe Interview)

Auch John Doe, der Aufdecker der Panama Papers,  findet in einer jüngsten Stellungnahme gegenüber den Medien wenig schmeichelhafte Worte (siehe Süddeutsche):

„Die Medien haben versagt. Viele Fernsehanstalten sind nur noch lächerliche Abziehbilder ihrer selbst, und unter Milliardären scheint es neuerdings in Mode gekommen zu sein, Zeitungen aufzukaufen und so eine ernsthafte Berichterstattung über die Reichen und Superreichen zu verhindern. (…)

Die Auswirkungen dieses vielfachen Versagens führen zum ethischen Niedergang unserer Gesellschaft und letztlich zu einem neuen System, das wir noch Kapitalismus nennen, das aber in Wahrheit ökonomisches Sklaventum ist. In diesem System – unserem System – wissen die Sklaven weder, dass sie Sklaven sind, noch kennen sie ihre Herren, die in einer Parallelwelt leben, und die unsichtbaren Ketten sorgfältig unter einem Haufen unverständlicher Gesetzestexte verstecken. Das weltweite Schadensausmaß sollte uns alle wachrütteln. (…)

Damals war militärische Macht notwendig, um die Menschen zu unterdrücken, während es heute genauso effektiv oder noch effektiver ist, die Menschen vom Zugang zu Informationen abzuschneiden – auch weil das im Verborgenen geschieht.“

Da Lüge für das Innere des Menschen in Wirklichkeit genauso giftig ist wie Zyankali, wundert es nicht, wenn ab und zu einem Journalisten, der ja mit seinem Beruf an sich angetreten ist um der Wahrheit und Aufklärung zu dienen, der Kragen platzt. So wie seinerzeit dem Chefredakteur der New York Times, John Swinton, als auf einem Festbankett ehrende Worte über die „unabhängige Presse“ gesprochen wurden. Swinton dazu erzürnt:

„Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. … Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“ (Zitat aus Wikipedia)

Ein besonders wirkungsvolles Mittel, um dem marktradikalen („neoliberalen“) Mammon die Bahn zu ebnen und uns Lügen einzutrichtern, sind Zahlen und Statistiken. Da wir durch Schule und Universität zu zahlengläubigen Menschen erzogen wurden, haben die professionellen Meinungsmacher aus Politik und Wirtschaft hier besonders leichtes Spiel. Denn durch Zahlen ist ausnahmslos alles argumentierbar bzw. aus „wissenschaftlicher“ Sicht beweisbar (da ich selbst als technischer Gutachter arbeite und mit Zahlen jongliere, weiß ich das nur zu gut). Nicht nur, dass man streng wissenschaftlich beweisen kann, dass schwarzer Kaviar den gleichen Lichtabsorptionskoeffizienten wie Schuhpasta besitzt und dass Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft auch nur denselben Kalorien- und Nährstoffgehalt wie solche aus Pestizid-Landwirtschaft aufweisen. Man kann ebenso stichhaltig darlegen, dass Kernkraft unentbehrlich ist, Fracking die Arbeitslosigkeit vermindert und Rente mit 73 demnächst unausweichlich (siehe Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft /IW). Selbst der nackte Wahnsinn kann aus „streng wissenschaftlicher“ Sicht schöngerechnet und als alternativlos dargestellt werden.

Wie wir mit Zahlen um die Wahrheit betrogen werden und wie z.B. Pharmakonzerne damit auf Kosten unserer Gesundheit milliardenschwere Profite machen, darüber kann man sich in der Erste-Doku „Im Land der Lügen“ einen ersten Eindruck machen (siehe Das Erste). Hierbei erinnert der weltweit anerkannte Risikoforscher Prof. Gerd Gigerenzer daran, dass die ins Feld der Meinungsmache geführten Zahlen und „Fakten“ oft auf fragwürdigen Studien stammen, die interessengesteuert entstanden sind.

Dass die derzeitig verfahrene globalpolitische und allgemeinmenschliche Situation keineswegs Grund zur Resignation geben darf, sondern ganz im Gegenteil, als Ansporn zum Aufwachen und sogar zur begeisterten Neugestaltung der Verhältnisse dienen kann, dazu später mehr. Vorneweg nur ein einleitender Gedanke:

Während sich alle Revolutionen im Äußeren bisher als relativ erfolglos bzw. als von kurzer Dauer erwiesen haben, so wäre ein Aufbegehren gegen die Lüge – und dazu gehört auch die schonungslose Ehrlichkeit gegen die in der eigenen Brust wohnende Tendenz zur Lüge – wohl die größte und wirkungsvollste Revolution in der gesamten Menschheitsgeschichte. Indem man der Lüge den Kampf erklärte, würden die ökonomischen, ökologischen und politischen Sümpfe, in denen derzeit alles zu versinken droht, schnell trockengelegt und bislang ausweglos erscheinende Problemfelder würden dahinschmelzen wie Schneemänner in der Sonne.

Die Revolution gegen die Lüge kann allerdings nicht in der Form eines schnellen Putsches über Nacht vonstatten gehen, sondern sie ist ein langwieriger Prozess, in dem wir viele Rückschläge und Selbst-Desillusionierungen einkalkulieren müssen. Denn das Lügengeflecht, in das wir – meist unbewusst – eingewoben sind, ist gewaltig und die Bandbreite der Lüge reicht von grobklötziger, offenkundiger Korruption und Rufmord bis hin zu subtilen inneren Lebenslügen und Unaufrichtigkeiten, mit denen man sich im täglichen Leben an gewisse Gesellschaftsgepflogenheiten und herrschende Meinungen angepasst hat.

Der Kampf, der sich ab dem Moment auftut, in dem man die Bedeutung dieses inneren Schlachtfelds erkannt hat, ist kein leichter. Wie schon der legendäre UN Generalsekretär Dag Hammarskjöld in seinem Tagebuch geschrieben hat: „Auf dem Blocksbergritt zum Teufelsberg begegnest du nur – dir selbst, dir selbst, dir selbst.“ – was auch der Grund ist, warum so viele davor zurückschrecken und sich lieber die Zeit damit vertreiben, um zuzugucken, wie auf grünem Rasen ein paar Fußballesterer einen Lederball zwischen zwei Stangen drücken – wenn ich den Eifelphilosophen hier mal ganz frei zitieren darf.

Hammarskjöld in seiner Vorliebe für japanische Haikus hat mit diesem Vers eine tiefe Wahrheit in allerdings verkürzter und daher leicht missverständlicher Form ausgedrückt. Denn nicht das eigene Selbst bzw. unser menschlicher Persönlichkeitskern ist der innere Feind, sondern ein aus Angst und Eitelkeit gestricktes archetypisches Konglomerat, das man sich am besten in Form einer Schlange vorstellen kann – so ähnlich wie man in Apotheken oft das Symbol des Äskulapstabes mit einer oder mehrerer um diesen aufrechten Stab gewundenen Schlangen sehen kann. Oft sind die Schlangen, die sich um unsere aufrechte Persönlichkeit winden, ziemlich dick und manchmal sogar giftig.

In Wirklichkeit ist es also nicht das Selbst, das man im Inneren als Wurzel der Lüge entdeckt – ganz im Gegenteil: unser menschlicher Persönlichkeitskern sucht die Wahrheit und hasst die Lüge. Die Lüge ist ihm wie ein Kurzschluss, der sich, wie man von Lügendetektoren weiß, als Störung bis hinein in die vegetativen Funktionen des Körpers auswirkt. Noch verheerender ist die Wirkung der Lüge auf der psychischen Ebene: Bildlich gesprochen, reißen bei jeder Lüge unzählige innere Stricke und Verbindungsseile, die einem Menschen Halt, Sicherheit und ein gesundes Selbstbewusstsein geben. Sind zu viele dieser Seile gerissen, dann ist man im Leben unterwegs wie ein Zirkus-Seiltänzer auf großer Höhe ohne Sicherheitsnetz – wenn er aus dem Gleichgewicht kommt und abstürzt, geht es übel für ihn aus. In psychischer Hinsicht drückt sich ein solcher Absturz eben nicht als Knochenbruch, sondern als Depression aus. Und Depression soll ja laut WHO-Prognose innerhalb der nächsten 15 Jahre zur Volkskrankheit Nr. 1 avancieren (siehe Ärztezeitung ). Man tut somit gut daran, die inneren Seile zu pflegen bzw. neu zu knüpfen anstatt sie leichtfertig zu zerreißen.

Die innere Auseinandersetzung im Kampf gegen die Lüge lohnt sich also. Wer ihn aufnimmt, merkt schnell, wie verlorengegangene Lebensgeister wieder zurückkehren und wie er wieder echtes Selbst(wert)bewusstsein und Würde erlangt. Wer in diesem inneren Kampf Tore erzielt und an innerem Terrain gewinnt, der punktet wirklich. Wer hingegen auf einem Flachbildschirm zuguckt, wie bei der EM Tore geschossen werden, der hat in Wirklichkeit nur Zeit verloren.

Diese Wahrheit über unser Innenleben und die Relativierung des Fußballs sind eine Zumutung, ich weiß. Aber wir sind hier ja auch nicht im Forum der Bild-Zeitung oder auf Astrodictium Simplex / ScienceBlogs. Leser, die es hierhergeschafft haben, geben i.d.R. nicht mehr viel auf Illusionen und eitlen Intellektualismus, sondern vertragen auch Unbequemes. In diesem Sinne: Wünsche allen einen angenehmen Abend und wollte natürlich niemandem, der sich ein Bier kaltgestellt hat, das in 5 Minuten startende UEFA-Match Portugal gegen Island vergraulen…

 

Demnächst im Nachrichtenspiegel:

Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit

   – Teil 2: Die Götterdämmerung der Lügenpresse

   – Teil 3: Das Erwachen des Hartzbürgers

Bundeswehr und Bundesregierung planen Militäraktion in der Ukraine

Bundeswehr und Bundesregierung planen Militäraktion in der Ukraine

Sonntag, 27.4.2014. Eifel. Gestern habe ich ja ordentlich auf den Putz gehauen, oder? „Kampftruppen in der Ukraine“. Tja – da bin ich halt wie die Bundesregierung. „OSZE-Beobachter“ war ja auch falsch. Ist natürlich meine Definition der Streitkräfte dort – also der deutschen Streitkräfte. Bin ja auch Pazifist mit ordentlich geprüften Gewissen – ich darf das strenger deuten. In erster Linie geht es aber um Deutschunterricht: was soll eine Überschrift machen? Neugierig. „Hach“ – werden sie jetzt sagen – „darf die denn dann LÜGEN“? Nein. Und deshalb werde ich Ihnen jetzt nachweisen, um welche Art von Truppen es sich dort handelt – und aufzeigen, dass die Bezeichnung „Kampftruppen“ gerechtfertigt ist.

Hören wir uns zuerst an, wie die Tagesschau die Regierungsmeinung unter das Volk bringt, hier aus der Sendung vom 26.4.2014:

Nach wie vor ist eine Gruppe von OSZE-Militärbeobachtern in der Hand prorussischer Separatisten in der ostukrainischen Stadt Slawjansk.

Bei den festgehaltenen OSZE-Beobachtern handelt es sich um ein sogenanntes Military Verification Team. Es ist nicht offiziell von der OSZE entsandt, aber offenbar auf Einladung der Regierung in Kiew im Land. Laut OSZE ist ihr Aufenthalt durch das „Wiener Dokument 2011 der Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen“ gedeckt. Diese Übereinkunft wurde von allen 57 OSZE-Staaten akzeptiert. Zentraler Bestandteil ist ein Austausch von Informationen über ihre Streitkräfte und Hauptwaffensysteme. Diese dürfen durch Inspektionen überprüft werden. Eine solche wird nun in Slawjansk festgehalten.

Das ist die offizielle Version, die in allen Leitmedien der Republik gepredigt wird.

Diese Version ist eine Lüge.

Aber – begleiten Sie mich doch einfach mal ins Auswärtige Amt, wo wir das Wiener Dokument über vertrauensbildende Maßnahmen finden, auf das sich die Bundeswehreinheit jetzt beruft.

Zentrale Bestandteile des WD 11 sind Bestimmungen über den Austausch von Informationen unter den Teilnehmerstaaten  über ihre Streitkräfte und Hauptwaffensysteme (Kap. I), die Verteidigungsplanung einschließlich der Haushaltsplanung (Kap. II) sowie Maßnahmen zur Verminderung von Risiken durch Konsultations- und andere Mechanismen der Zusammenarbeit (Kap. III). Es enthält ferner ausführliche Bestimmungen über die Gestaltung militärischer Kontaktmaßnahmen und der Zusammenarbeit (Kap. IV), schafft Transparenz durch Bestimmungen zur vorherigen Ankündigung bestimmter militärischer Aktivitäten und deren Beobachtung (Kap. V bzw. VI) sowie weitere vertrauensbildende Maßnahmen und Mechanismen zur friedlichen Konfliktbewältigung.

Im Rahmen des sog. WD-Informationsaustauschs übermitteln sich die Teilnehmerstaaten des WD gegenseitig jährlich einmal ausführliche Daten über die Gliederung, Stationierung, Personal und Hauptwaffensysteme der Truppenformationen und Kampftruppenteile ihrer Land- und Luftstreitkräfte (einschließlich der permanent landgestützten Marinefliegerkräfte) sowie Informationen über ihre Verteidigungspolitik, Streitkräfteplanung und ihren Militärhaushalt.

Sie sehen unschwer- worum es geht: man informiert sich gegenseitig über die jeweiligen Streitkräfte. Das geht auch gut per Post.

Nur eine Ausnahme gibt es.

Die übermittelten Informationen und die Einhaltung der Bestimmungen des Wiener Dokuments können von den Teilnehmerstaaten vor Ort verifiziert werden durch:

  • 1. Inspektionen von „Bezeichneten Gebieten“ um festzustellen, ob in einem bestimmten Gebiet militärische Aktivitäten stattfinden. Die Inspektionsgruppe darf das bezeichnete Gebiet zu Lande und aus der Luft inspizieren. Sie wird durch Vertreter des Empfangsstaats begleitet.
  • 2. Überprüfungen von Truppenteilen/ -formationen an ihren normalen Friedensstandorten.

Auf diesen Punkt beruft sich die Bundeswehr bzw. die Bundesregierung hinsichtlich der Legitimation des Einsatzes. Immerhin: die eingesetzten Soldaten vor Ort gehören zum „Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr„.

Ihr Auftrag?

Das Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr (ZVBw) in Geilenkirchen hat einen einzigartigen Auftrag. Es stellt nach den Vorgaben des Auswärtigen Amtes und unter Führung des Bundesministeriums der Verteidigung die Umsetzung der Rüstungskontrollverträge sicher, die die Bundesrepublik Deutschland mit anderen Staaten abgeschlossen hat. Rund 200 Soldaten des ZVBw inspizieren Militäranlagen der Vertragspartner und begleiten ausländische Delegationen, die zur Inspektion nach Deutschland kommen

Nun – die Ukraine gehört zu den Unterzeichnern des OSZE – Abkommens. Und das Zentrum für Verifikationsaufgaben arbeitet … unter Führung des Bundesminister der Verteidigung und nach den Vorgaben des Auswärtigen Amtes, d.h. – es handelt sich nicht um eine Routineinspektion. Sieht man den Auftrag im Kontext des oben zitierten Abkommens, bildet sich ein Schwerpunkt: vertrauensbildende, friedenssichernde Maßnahmen zwischen Staaten.

Hat Deutschland Konflikte irgendwelcher Art mit der Ukraine, die eine solche Mission derzeit erfordern? Warum schickt das Auswärtige Amt denn dann Soldaten in die Krisenregion der Ukraine, tarnt sie als OSZE-Mission?

Getarnt? Nun – ja. Wie soll ich das sonst nennen. Sie benutzten „Ausweise“ bzw. „Kennkarten“ der OSZE, die man hier – samt dem Truppenausweis des Oberst Axel Schneider – einsehen kann. Andererseits distanzierte sich der Vizechef des OECD-Kriseninterventionszentrums Claus Neukirch von dieser Mission – siehe ORF. Es ist – das sagt er ganz deutlich – KEINE OSZE-Mission, sondern eine „bilaterale“ Aktion der Ukraine … und Deutschlands. „Bilateral“ – hat politisch eine eindeutige Definition:

In der Politik verwendet man das Adjektiv bilateral für Verhandlungen und Abkommen, die ausschließlich zwischen zwei verschiedenen Beteiligten stattfinden.

Ich übersetze die politsche Sprache mal in normales Deutsch: das ist ein Ding, das nur Deutschland und die Ukraine angeht. Die Ukraine fordert deutsche Soldaten an, Verteidigungsministerium und Auswärtiges Amt schicken welche. Die kleben sich OSZE-Plastikschilder ans Auto und versuchen damit, in eine von der ukrainischen Armee belagerte Stadt einzudringen … nach Angaben der prorussischen Ukrainer mit speziellem Kartenmaterial, Sprengfallen und Waffen. OSZE-Beobachter – darauf weist Claus Neukirch explizit hin – sind unbewaffnet. Nur – das waren ja gar keine OSZE-Beobachter. Das waren Militärs, die sich im Nachhinein auf das Dokument WD 11 beziehen. „Antiterrorkampf“ gehört nicht zu den Gebieten, die von WD 11 abgedeckt werden, ebenso wie private Besichtigungstouren, in deren Zusammenhang man sich mit seinem Truppenausweis ausweist.

Die Leitung der Operation wird – laut Claus Neukrich – vom oben zitierten Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr durchgeführt. Das führt gleich zu den nächsten Fragen: in welchem Zusammenhang stehen der Pole Krzysztof Kobielski (Dienstrang: Escort?) und der dänische Oberstabsfeldwebel John Christensen (siehe nochmal: Ausweise) sowie der noch ungenannte Tscheche und Schwede mit dem deutschen Zentrum? Wer hat diese niederen Dienstränge dem deutschen Oberst unterstellt – und warum?

Fragen, die unbeantwortet im Raum stehen müssten, gäbe es nicht den bayrischen Rundfunk.

Oberst Axel Schneider gab dem bayrischen Rundfunk ein Interview – am 23.4.2014. Hier spricht er ein wenig über seinen Auftrag … und die „überraschenden Erkenntnisse“, die er dort gewonnen hat:

Das offizielle Ziel der Mission ist: „Vertrauensbildende Maßnahmen in der Ukraine“.  Warum wir der Ukraine gerade misstrauen, wird nicht näher erläutert. Aber – er hat einen noch weitergehenden Auftrag, der wohl auch für andere Nationen interessant ist.

Er „schaut auf reguläre Kräfte“ „in welchen Zustand sie sind, was sie leisten können“, ob sie „offensiv oder defensiv ausgerichtet“ sind, sein Trupp  „geht in die Einheiten,“ eruiert „Selbstbewusstein“ und „Schlagkraft“ der Truppen und beantwortet vor allem die Frage:

Wie dieser Beitrag im politischen großen Bild eingesetzt werden kann 

Hierzu beantwortet er Fragen zum „Ausbildungsstand“, zur „Identifikation mit dem Land“ kurzum zur

 „Bereitschaft, für das Land in den Einsatz zu gehen“

Obwohl er sich in einem Gebiet aufhält, in dem ein Antiterroreinsatz der ukrainischen Armee stattfindet, der die Bevölkerung aufgrund willkürlicher Erschießungen in „Todesangst“ versetzt (siehe FAZ) hat er „kein offensives Auftreten der Ukraine“ gesehen.  Russische Spezialeinheiten? Hat er nicht gesehen, „wir konzentrieren uns auf die Sicherheitskräfte der Ukraine“. Schade, dass solche Erkenntnisse nicht in der Tagesschau verbreitet werden – sie könnten dem Frieden und der Entspannung sehr dienen.

Natürlich stellt sich die Frage, warum man eigentlich Soldaten in die Ukraine schickt – und keine zivilen Beobachter der OSZE, von der ja schon 140 vor Ort aktiv sind.

Die Entstehungsgeschichte und den entscheidenen Punkt an welcher Stelle man das in die Hände der Bundeswehr gegeben hat den kann ich jetzt so schnell nicht herzitieren.

Was schade ist: die Frage, was deutsche Soldaten mit ukrainischen Kameraden in der Ukraine an „bilateralen“ Geschäften zu erledigen haben, hätte den deutschen Steuerzahler sicher interessiert. Wieso das Auswärtige Amt Soldaten in fremde Länder schickt, ist eh´ schon fraglich genug. Aber: Oberst Schneider erläutert uns noch ein wenig über den Sinn der Kooperation von Auswärtigem Amt und seiner kleinen Truppe:

Es ist aber so das wir alles sehr eng mit unserem Auswärtigen Amt koordniniern, und dann lernen wir voneinander, wie Diplomatie und militärische Planung gut zusammenlaufen können.

Und – gemerkt? MILITÄRISCHE PLANUNG … das ist sein Job in der Ukraine. Bewertung der Kampf- und Einsatzbereitschaft der urkrainischen Armee auf Einladung der ukrainischen Regierung und MILITÄRISCHE PLANUNG.

Welche militärischen Pläne hat eigentlich das Auswärtige Amt in der Ukraine? Zu welchem Zweck verschafft man sich einen Überblick über die Kampfbereitschaft der ukrainischen Armee – bilateral, jenseits aller OSZE-Mandate?

Die Frage nach der Möglichkeit von militärischen Auseinandersetzungen stellt auch die Journalistin des bayrischen Rundfunks. Die Antwort darauf ist sehr interessant – und gruselig.

„Glauben Sie, dass es militärische Auseinandersetzungen geben wird“?

Oberst Schneider: „Das könnte ich jetzt so weder mit ja noch mit nein beantworten. Wir überwachen, wir bewerten, immer in kleinem Rahmen, aber ich glaube, ein bewaffneter Konflikt gehört ganz ganz ganz ans Ende von Optionen“.

Merken Sie den kleinen Unterschied?

Frieden – ist nicht mehr alternativlos.

Krieg – ist eine mögliche Option der Bundesrepublik Deutschland. Und da wird es plausibel, dass man überprüft,in wie fern man sich bei der militärischen Planung auf ukrainische Streitkräfte verlassen kann. Seit Stalingrad weiß die deutsche oberste Heeresleitung, dass unzuverlässige, schwache Verbündete eine ganze Armee der Vernichtung preisgeben können.

Das möchte man nicht wiederholen.

Verstehen Sie jetzt, dass ich zurecht von „Kampftruppen“ geredet habe? Oder … irre ich hier?

Dann erklären Sie mir bitte, welche militärischen Planungen diese seltsame Truppe dort vornehmen hilft. Und erklären Sie mir bitte,welche bilateralen Rüstungskontrollverträge wir mit der Ukraine haben, die dort überprüft werden müssen. Und bitte: ich habe Kinder im wehrpflichtigen Alter. Wäre schön, wenn Sie mir versichern könnten, dass sich der Kosovo nicht wiederholt – mit Russland in der Rolle Serbiens.

 

 

 

Natolügen über russische Truppen und die offene Kriegserklärung des Nato-Generalsekretärs

Natolügen über russische Truppen und die offene Kriegserklärung des Nato-Generalsekretärs

Montag, 14.4.2014. Was könnte man triumphieren – so als kleines eifelphilosophisches Webprojekt – darüber, dass man wichtige Themen viel früher und umfangreicher aufgegriffen hat als das große, bedeutende Magazin „Monitor“. Leider bewegen wir uns in Zeiten, in denen solche kleinen Eitelkeiten der Aufmerksamkeit nur im Wege stehen – es bleibt keine Sekunde Zeit, am Wegesrand zu verschnaufen, da die Kriegstreiber die Eskalation weiterhin vorantreiben. Ja, es geht mal wieder um die Schüsse auf dem Maidanplatz, um die undurchsichtige Eskalation in der Ukraine, in der sich jetzt ein von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung betreuter Boxer auf die Seiten der Oligarchen gestellt hat – wahrscheinlich, weil man merkte, dass er die Landessprache nicht so gut konnte … für einen Präsidenten schon unangenehm. In Deutschland sind wir das allerdings gewohnt: den Gauck versteht auch kaum noch einer.

Wer es noch nicht gesehen hat: hier ein wichtiger Auszug aus der Sendung Monitor:

Die Scharfschützen also alles Janukowitsch-Leute? Es gibt noch weitere Beweise, die diese These in Frage stellen. Wir treffen uns mit einem Radio-Amateur, der an diesem Tag aufgezeichnet hat, wie sich Janukowitsch-Scharfschützen untereinander unterhalten. Ihr Funkverkehr beweist: Da schießt jemand auf Unbewaffnete, jemand den sie nicht kennen.

Da zeigen sich die angeklagten Mörder überrascht, dass jemand ganz anderes geschossen hatte. Aber nicht nur das: die „Mörder“ distanzieren sich im selben Moment von derartigen Taten – ohne zu wissen, dass sie gerade abgehört werden:

2. Scharfschütze (Übersetzung MONITOR): „Wer hat da geschossen? Unsere Leute schießen nicht auf Unbewaffnete.“

Das erinnert sehr an die Berichte des Spiegel-Korrepondenten aus Kiew, der auch real nur schießende Protestler wahrgenommen hat … aber andersartige Berichte schrieb (wir berichteten). Ein sehr interessanter Moment, der zeigt, wie wichtig „Aufmerksamkeit“ bei der „Deutung“ von „Wahrnehmung“ ist – ein klassisches, philosophisches Thema.

Es geht aber nicht mehr um Wahrnehmung, Aufklärung und Deutung des Geschehens, es geht darum, dass die ganze bundesdeutsche Bevölkerung in Kriegsstimmung versetzt werden soll. Absichtlich, Skrupellos. ohne Rücksicht auf demokratische oder zivilisierte Gepflogenheiten – anders kann ich mir die mangelnde Sorgfalt und auffallende Parteilichkeit in der Berichterstattung nicht vorstellen. Dafür braucht man einen bösen Hitler, der auf unbewaffnete Zivilisten schießt. Macht das die Sondereinheit des Präsidenten nicht … dann findet man eben andere, die das an deren Stelle erledigen. Wer schießt, ist egal, Hauptsache, der Kriegsgrund ist da.

Da wird von „Invasion“ und „Besetzung“ gesprochen und ganz übersehen, dass es Verträge gibt, die Russland Truppenbewegungen auf der Krim erlauben (siehe z.B. L.A.Times vom 3.3.2014, zitiert wird CIA-Direktor John Brennan). Es handelt sich bei der Wahl der Bezeichnung für die Anwesenheit russischer Truppen auf der Krim also um eine bösartige Unterstellung … die aber Kriegsstimmung verbreitet.

Der Druck aus Washington (oder von der Atlantikbrücke, der deutsch-amerikanischen Gesellschaft, den Freunden der Transatlantiker, den Helden der Münchener Sicherheitskonferenz) ist so stark, dass man sich nicht scheut, selbst dämlichste Propagandastückchen aufzuführen – wie Spiegel-online am 10.4.2014. Dort wurde über Satellitenfotos eines Privatunternehmens berichtet, die den russischen Aufmarsch an der ukrainischen Grenze zeigen sollen, im Text wird die Stadt Belgorod erwähnt. Fünf Satellitenfotos werden als Beleg dafür aufgeführt.

Hat sich die mal jemand angeschaut?

Gehen wir sie mal durch.

Foto 1 zeigt 8 Kampfflugzeuge, vermutlich SU 27/30 (stammen noch aus der Zeit des kalten Krieges … sind also etwas älter) … so der Text. Sie stehen aber nicht in Belgorod, sondern – wie das Inlay-Foto zeigt – an der Küstenregion des asowschen Meeres (70-mal so groß wie der Bodensee, grenzt es im Westen an die Krim,  im Norden an die Ukraine und im Osten an Russland) – weit weg von der Ukraine. Nun – Flugzeuge sind schnell und fliegen weit … aber trotzdem ist das nicht die Grenzregion von Belgorod, sondern acht kleine Flieger, die knapp 500 Kilometer weiter südlich stehen. Für die sechs Hubschrauber, die dort noch zu sehen sind, wäre das schon eine unangenehme Strecke.

Foto 2 zeigt angeblich „Kampfjets, Hubschrauber und Panzer“. Zu erkennen sind ein paar Gebäude oder Zelte und vier Dutzend Lastwagen, offensichtlich auf nicht asphaltiertem Gelände OHNE jede Start- und Landemöglichkeit für die angeblichen Flugzeuge. Ortsangabe? Wieder nicht BELGOROD an der ukrainischen Grenze, sondern eher weit östlich von Rostow am Don – welches gut 100 km von der Grenze zur Ukraine entfernt ist.

Foto 3 zeigt 21 Hubschrauber (angeblich MI 8 und MI 24 … Exemplare, die auch schon im Afghanistankrieg im Einsatz waren) und einen Anatow 2-Doppeldecker aus dem Jahre 1947. Auffällig ist: es gibt keine erkennbaren Versorgungseinrichtungen für die Maschinen: keine Treibstofflager, keine Munitionslager, keine Unterkünfte für die Piloten oder die Truppen (Mi 8 ist ein auch zivil genutzter Transporthubschrauber), sprich: es wirkt eher wie ein Lagerplatz für Altmaschienen denn wie eine kriegsbereiter Feldflughafen. Der Ort ist dank unscharfer Karte überhaupt nicht zu identifizieren.

Foto 4 führt uns wieder zurück an die Küste des Asowschen Meeres – ca. 500 Km südlich von Belgorod. Zu erkennen: 10 – 13 Kampfpanzer, 6 Panzerhaubitzen, 30 Schützenpanzer (vermutlich BMP 1, entworfen in den sechziger Jahren). Solche „Kampfgruppen“ (aus verschiedenen Waffengattungen – Panzer, Infantrie, Artillerie –  gebildete, gemischte Truppenverbände für örtlich und zeitlich begrenzte Kampfaufträge) bilden Natotruppen ebenfalls – im Manöver. Schaut man sie die Spuren in der Umgebung an, so wirkt es auch wie Manöver – ein wildes Durcheinander von Fahrspuren. Aber wieder: keine Menschen … also: keine Orte zum Schlafen. Oben rechts könnte ein Zelt sein, dass eine Küche enthält – oder das Kommandozelt fürs Manöver. Könnte also auch mal wieder ein Lagerplatz für Altgerät sein.

Foto 5 gönnt uns das erste mal Farbe. Wieder befinden wir uns – laut Karte – am Asowschen Meer, weit jenseits der ukrainischen Grenze. Zu sehen sind: viele LKW´s, eine Handvoll Schützenpanzer, eventull luftransportfähige Jagdpanzer (die aus den sechziger Jahren stammen). „Möglicherweise“  eine „Luftlandebrigade“ heißt es … obwohl die am linken Rand zu erkennenden kunterbunten Militärzelte eher Platz für ein Bataillon bieten würden. Aber: es ist ja auch nur möglicherweise eine Spetznazbrigade. Möglicherweise ist es auch einfach ein Militariahändler – oder eine Speditionsfirma. Vermutet wird hier eine „Spezialeinheit des russischen Nachrichtendienstes“ … die noch nichtmal eine einheitliche Ausstattung mit Tarnzelten hat? Deren Zelte schon so lange dastehen, dass Büsche drumherum gewachsen sind?

Ich weiß, ich werde jetzt spitzfindig. Was weiß ich auch schon, als einfacher Bürger.

Nun … eigentlich weiß ich schon manches. Ich weiß zum Beispiel, was die Nato fordert, hat der Spiegel ja zitiert:

Den Abzug eben dieser Truppen hat Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nun zur Bedingung für Gespräche mit der Regierung in Moskau gemacht. Nach Einschätzung des Militärbündnisses hielten sich etwa 40.000 russische Soldaten in der Nähe der früheren Sowjetrepublik auf, sagte Rasmussen bei einem Besuch in Prag. Sie beteiligten sich nicht an Manövern, sondern seien gefechtsbereit.

Schauen Sie sich die Fotos an: sind die Truppen „kampfbereit“? Bis auf den nicht lokalisierbaren Doppeldecker stehen die weit im Süden Russlands – und weit weg von den Zentren das Aufruhrs in der Ost-Ukraine, weit weg von Belgorod: das war schon die erste Lüge.

Man könnte die Fotos auch anders beschreiben: sie zeigen „veraltetes Kriegsmaterial“, das „ohne Personal“ im Süden Russlands geparkt wird. Jedenfalls ist es das, was wir WAHRNEHMEN können. Gedeutet werden die Aufnahmen anders – mit erstaunlich unverschämten Forderungen an Russland: die sollen nämlich ihre eigenen Truppen aus ihrem eigenen Land abziehen – weit weg von der ukrainischen Grenze.

So etwas ist eine diplomatische Unverschämtheit erster Klasse, damit beansprucht der Nato-Generalsekretär unverblümt HOHEITSRECHTE über russisches Territorium! Und da bin ich noch nicht mal so kleinlich, darauf hinzuweisen, dass diese Aufnahmen den Tatbestand der Spionage erfüllen und man sich erstmal dafür entschuldigen müßte, dass man Russland von einem Privatunternehmen detalliert von oben abfotografiert – aber als jemand, der als Verbündeter der USA noch viel genauer durchleuchtet wird, will ich das Thema gar nicht mehr vertiefen.

Achten Sie bitte auch auf die Details der Sprache des Herrn Rasmussen. Sie sind sehr aufschlussreich.

„Wenn es Russland mit einem Dialog ernst meint, muss der erste Schritt ein Truppenabzug sein“, sagte Rasmussen. Eine weitere militärische Aktion hätte ernste Folgen und würde zu harten Wirtschaftssanktionen führen. Er warf dem Land zudem vor, in der Ukraine Unruhen zu schüren. Etwa, um die Aufmerksamkeit von der Annexion der Krim wegzulenken. „Die Nato betrachtet diese Aggression als illegal und illegitim.“ Militärisch will das Bündnis aber nicht in der Ukraine eingreifen.

Oder – anders herum formuliert: wir wollten ja keinen Krieg … aber bei den illegalen und illegitimen Agressionen Russlands blieb uns keine andere Wahl, als als Weltpolizist aufzutreten und für Recht und Ordnung zu sorgen.

Hat Russland überhaupt noch eine Möglichkeit, angesichts dieser erdrückenden Beweislast Frieden zu bewahren?

Nein. Immerhin haben wir alle die Fotos gesehen!

Das dürfte Putin auch klar sein.

Die Anwesenheit von russischen Truppen auf russischem Boden stellt für die Nato eine nicht akzeptable Aggression dar, die ernste Folgen haben könnte.

Die Aussagen des Generalsekretärs der Nato stellen ein Ultimatum dar, die zu früheren Zeiten einer Kriegserklärung gleich kam … wie zum Beispiel nach dem deutschen Überfall auf Polen. Und – mal Hand aufs Herz: fühlen sie sich bei dem ganzen Gerede über die „Invasion der Krim“ nicht auch langsam an Hitlers Überfall auf Polen erinnert? Wurde Putin nicht auch schon mit Hitler verglichen – sogar von bundesdeutschen Spitzenpolitikern?

Und wir wissen doch, was mir mit „Hitlern“ machen, oder? Haben wir doch im Irak gesehen, jenen Krieg, in den man uns mit gefälschten fotografischen Beweisen über Massenvernichtungswaffen hineinziehen wollte. Ach ja – Irakkrieg: die Ukraine gehörte zur „Koalition der Willigen“, nebenbei bemerkt. 1700 ihrer 420000 Soldaten machten da mit. Ja – die haben 420 000 Soldaten. Die behaupteten 40000 Russen an ihrer Grenze stellen also – selbst wenn sie da wären, wofür jetzt jeder Beweis fehlt – keine große Bedrohung da.

Was aber eine große Bedrohung darstellt, ist der Kriegswillen der Nato. Das merkt auch der Schweizer Armeechef, der der Bevölkerung jetzt angeraten hat, Notvorräte anzuschaffen (siehe Spiegel):

Er erklärt, warum die Schweizer Armee dem Land Sicherheit bietet und warum er angesichts neuer Bedrohungen und mit Blick auf die Ukraine keine Garantie mehr dafür sieht, dass der Schweiz nichts geschehen könnte.

„Erstens weiß niemand, was die Zukunft bringt – es waren alle überrascht“, sagt Blattmann. „Und zweitens: Wer sich nicht selber wehren kann, dem diktiert die Geschichte, was er zu tun hat.“

Ja – alle waren überrascht, dass nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf einmal wieder die „russische Gefahr“ auf den Tisch kommt. Vielleicht hat der Schweizer Armeechef auch nachdenkliches bei Antikrieg gelesen:

Wenn Putin Washington die russischen Provinzen der östlichen Ukraine behalten lässt, dann zeigt er damit eine Schwäche, die Washington ausnutzen wird. Washington wird die Schwäche bis zu dem Punkt ausnutzen, wo Washington Putin zum Krieg zwingt. 

Und das wird ein Atomkrieg sein.

Die Nato will Lebensraum im Osten. Das ist kein Geheimnis – siehe FAZ vom 30.3.2014:

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat sich dafür ausgesprochen, die Erweiterung des Militärbündnisses fortzusetzen. Der Beitritt osteuropäischer Staaten zur Nato sei eine der großen Erfolgsgeschichten dieser Zeit, schrieb Rasmussen in einem Beitrag für die „Welt am Sonntag“. „Die Aufgabe ist jedoch noch nicht erfüllt.“

Gegen wen verteidigt sich dieses „Verteidigungsbündnis“ da eigentlich noch? Welch´ großer Feind verlangt die Vereinigung aller europäischen Länder zum Zwecke des Selbstschutzes?

Ich kenne da keinen mehr. Die Nato schon. Und – wie man in Kiew gesehen hat, reichen ein paar Scharfschützen aus, um fünfhundert Millionen Europäer gegen einhundertvierzig Millionen Russen in Stellung zu bringen, die man jetzt nötigen will, ihre eigenen Truppen von ihrere eigenen Grenze abzuziehen.

Also – ich kann mir schon vorstellen, das Vorratshaltung sehr nützlich wird. Es geht nämlich nicht um die Ukraine. Es geht darum, mit Hilfe europäischer Soldaten (gerne auch Osteuropäer) aus der riesigen russischen Landmasse ein Natoprotektorat zu machen: da winken enorme Profite, Billionen von Dollar für jeden Glücksritter aus dem Westen, der es schafft, sich nach der Zerschlagung der russischen Selbstverwaltung dort ein Stück vom Kuchen abzuschneiden: also … Motivation für Millionen von Landräubern ist hinreichend vorhanden. Immerhin wurden die USA so, was sie geworden sind: durch Landraub an den Ureinwohnern.

Das hat bei denen Tradition.

 

Tschernobyl – Eine Erinnerung

Ich finde das Video (bzw. das Hörspiel, den Song) genial.

Die damalige Zeit… das weglaufen vor dem Regen, der Nachbar, der einen Meter Erde in seinem Garten ersetzt hat, kein frisches Gemüse, zu Hause bleiben, Angst? etc

Wurde damals als gar nicht soo schlimme Katastrophe empfunden. Hauptsächlich von den Menschen, die heute Krebs haben – oder schon hatten. Und jetzt kommt Fukushima vorbei. Klopft schon an die Türe.

Das sind die Dinge, die uns die Verantwortlichen zumuten.Wollen wir das wirklich?

(via)

9/11

Der Gedanke, daß dieses Ereignis nicht vergessen werden sollte, ist nicht ganz falsch.

Daher hier nochmal ein Überblick auf die offizielle Leseart der Ereignisse (Vertraut mir und schaut das Video an):

(Via)

Sarah Wagenknecht in Aachen und die Arbeitslügen der deutschen Kultur.

Montag, 9.9.2013. Eifel. Ein fieser Tag - wie jeder Montag. Seltsam, dass der Montag so einen Ruf hat, oder? Immerhin leben wir in einem Land, in dem Arbeit heilig ist, heilig zu sein hat. Arbeit - in christlichen Zeiten ein Fluch des Gottes und auch in außerchristlichen Bereichen wegen Schmerzen, Langeweile und Stumpfsinnigkeit nicht sehr geschätzt - ist Lebenssinn geworden. "Frieden ist Krieg" - so tönen die Propagandatrompeten der Neuzeit, "Arbeit ist Lust".  Niemand würde es wagen, in der Öffentlichkeit zu behaupten, dass Arbeit Scheiße ist (äh, doch, ich. Aber das ist schon eine Weile her und ich bin dafür auch ordentlich geschimpft worden). Doch was sehe ich Montagmorgen? Oder schon den ganzen Sonntag? Lauter Leute, die jammern und klagen, dass die Tretmühle schon wieder losgeht - egal ob in Firma oder Behörde. Was für eine Beschisskultur - um es mal deutlich zu sagen. Feiern gigantische "thanks-god-it´s-friday-Partys", aber finden Arbeit natürlich supercool, können sich eine andere Existenz als die des "workoholic" gar nicht vorstellen - jedenfalls nicht offiziell. Wieso werden Arbeitslose eigentlich mit solchen hasserfüllten, niederträchtigen Schmähungen überzogen, wenn doch Arbeit ein so toller Wert ist? Mitleid müsste man mit ihnen haben, dürfen sie doch nicht teilhaben an einer solchen tollen hocherotischen Arbeitswelt! Die Realität ist: Neid ist das hauptsächliche Gefühl, das Arbeitslose erzeugen. Die haben Zeit, sitzen den ganzen Tag mit Bier vor der Plasmaglotze und fühlen sich pudelwohl! Na, da muss ja nach Hitler gerufen werden, der endlich mal richtig aufräumt. Dabei muss man viel eher mit den eigenen Lebenslügen aufräumen - doch dafür ist man zu feige, zu ängstlich, würde das doch bedeuten, sich gegen die offiziell von Kreisen der Politik und Wirtschaft gewünschten Ansichten zu stellen.

Montag, 9.9.2013. Eifel. Ein fieser Tag – wie jeder Montag. Seltsam, dass der Montag so einen Ruf hat, oder? Immerhin leben wir in einem Land, in dem Arbeit heilig ist, heilig zu sein hat. Arbeit – in christlichen Zeiten ein Fluch des Gottes und auch in außerchristlichen Bereichen wegen Schmerzen, Langeweile und Stumpfsinnigkeit nicht sehr geschätzt – ist Lebenssinn geworden. „Frieden ist Krieg“ – so tönen die Propagandatrompeten der Neuzeit, „Arbeit ist Lust“.  Niemand würde es wagen, in der Öffentlichkeit zu behaupten, dass Arbeit Scheiße ist (äh, doch, ich. Aber das ist schon eine Weile her und ich bin dafür auch ordentlich geschimpft worden). Doch was sehe ich Montagmorgen? Oder schon den ganzen Sonntag? Lauter Leute, die jammern und klagen, dass die Tretmühle schon wieder losgeht – egal ob in Firma oder Behörde. Was für eine Beschisskultur – um es mal deutlich zu sagen. Feiern gigantische „thanks-god-it´s-friday-Partys“, aber finden Arbeit natürlich supercool, können sich eine andere Existenz als die des „workoholic“ gar nicht vorstellen – jedenfalls nicht offiziell. Wieso werden Arbeitslose eigentlich mit solchen hasserfüllten, niederträchtigen Schmähungen überzogen, wenn doch Arbeit ein so toller Wert ist? Mitleid müsste man mit ihnen haben, dürfen sie doch nicht teilhaben an einer solch´ tollen hocherotischen Arbeitswelt! Die Realität ist: Neid ist das hauptsächliche Gefühl, das Arbeitslose erzeugen. Die haben Zeit, sitzen den ganzen Tag mit Bier vor der Plasmaglotze und fühlen sich pudelwohl! Na, da muss ja nach Hitler gerufen werden, der endlich mal richtig aufräumt. Dabei muss man viel eher mit den eigenen Lebenslügen aufräumen – doch dafür ist man zu feige, zu ängstlich, würde das doch bedeuten, sich gegen die offiziell von Kreisen der Politik und Wirtschaft gewünschten Ansichten zu stellen.

Woher ich diese Gedanken habe? Von Sarah Wagenknecht – also, von meinem Eindruck von ihrem Auftritt. Sie sprach am Samstag in Aachen – und ich war da. War ein Fehler, mein Rücken erlaubt solche Experimente nicht. Aber ich habe etwas dazugelernt: so was rechtfertigt jeden Schmerz. Ich habe eine tolle Rede gehört, habe Zahlen gehört, die auch die SPD und CDU vor sich hertragen. Das hat mich schon mal verblüfft – hatte ich doch selber Zahlen ausgegraben, die die offiziellen Propagandazahlen Lügen strafen. Rechne ich nach strengen Maßstäben durch, dann komme ich locker auf eine Arbeitslosigkeit von über sechzig Prozent. Das korrespondiert auch mit den Datensätzen der Jobcenter: 42 Millionen Menschen sind dort schon registriert: bei 40,5 Millionen Menschen, die überhaupt irgendeine Form von Arbeit haben, fand ich das erschreckend viel. Warum erwähnt man das nicht bei den Linken?

Noch weiter verwundert  hat mich der Gebrauch des Begriffes Arbeit. Was wurde da gejammert und geklagt über mangelnde Arbeit, über die vielen Menschen, die zu wenig an diesem kostbaren Gut teilhaben konnten. Ich schaute mich um, sah meine Mitmenschen an, sah ihre zerschlissenen Schuhe (da achten die wenigsten drauf – ist ja auch ziemlich weit unten und ziemlich weit weg vom Kopf), ihre selbst geschnittenen Frisuren (ja, das sieht man), ihre verfaulten Zähne (Praxisgebühr hatte halt doch Folgen – und den Eigenbeitrag für´s Porzellaninlay kann man von Billiggehältern nicht bezahlen) oder ihre Kleidung, die deutliche Zeichen des Verfalls trug: ich wusste sofort: die brauchen GELD, nicht ARBEIT. Arbeiten können die doch gar nicht mehr. Arbeit zu bekommen ist nicht Ergebnis intensiven Wunschdenkens, nicht Folge großer Gebete zum Universum oder Konsequenz eines ominösen „Secret“ (hierzu folgt an anderer Stelle mehr) sondern die Entscheidung eines Personalverantwortlichen! Erschreckend, oder? Ist bei den Jobcentern und Politikern kaum bekannt – aber für die Arbeitslosigkeit in Deutschland tragen Personalverantwortliche die Hauptverantwortung: NIEMAND ANDERS stellt in Deutschland Menschen ein. Ihre zumeist von der Fernsehwerbung verwöhnten Anschauungen, wie Mensch auszusehen hat, kann – dank Bundesregierung – KEIN ARBEITSLOSER GERECHT WERDEN!. Ist einfach viel zu teuer, dieser ganze Bluff.

„Ordentliche Kleidung“ kostet schon etwas. Ein guter Anzug, italienische Schuhe und Hemden, Socken aus Dänemark – da ist schnell ein gebrauchter Kleinwagen zusammen. Ja, ich war auch mal personalverantwortlich und weiß, worauf man achten muss. Habe ich mühsam gelernt. Da hat man Richtlinien zu erfüllen, sonst ist man selbst schnell draußen: Mitarbeiter sollten (und das wird gerne arbeitsvertraglich so festgehalten) so aussehen, dass sie ohne große Umkleidungsaktionen umgehend im Fernsehen auftreten können. An diesem Menschenbild arbeiten die Medien konzentriert mit (ja, auch Martin Sonneborn von der PARTEI).

Und wer hält sich alles daran?

Alle.

Einfach mal in die Einkaufszonen der Republik schauen – oder in den deutschen Bundestag. So uniformiert ist sonst nur die Bundeswehr oder andere Karnevalsvereine.  Vergeblich sucht man die langhaarigen Männer in Jesuslatschen oder die vollbärtigen Marxjünger, der Bundestag sieht aus wie ein großer Verein in Firmenkleidung, man fühlt sich wie bei einem Besuch bei McDonalds – und kriegt auch ähnliche Qualität serviert. Denen soll ich abnehmen, dass sie unterschiedlicher Meinung sind, für unterschiedliche politische Entwürfe stehen? Sie demonstrieren doch ihre politische Richtung jeden Tag! Ja – Kleidung ist auch Kommunikation, ist auch Botschaft – soll ein Zusammengehörigkeitsgefühl ausdrücken.

Man kann das auch noch präzisieren: welche Botschaft drückt denn ein feiner Anzug aus?

„Ich mache mir die Hände nicht mehr schmutzig. Ich habe es geschafft, ich bin was Besseres!“.

„Was Besseres“ stellt man dann auch gerne ein, man erhofft sich davon, damit ein Stück des repräsentierten Erfolgs kaufen zu können.

Aber wie steht „was Besseres“ zum Thema Arbeit? Nun – in so einem Anzug kann man nur wenig mehr tun als repräsentieren. Kranke oder Alte pflegen, mit Kindern spielen, den Acker bestellen oder Nudeln verkaufen geht damit nur schlecht, wäre auch schade um den guten Stoff. Noch nicht mal im Büro taugt er zur Tat – eigentlich ist er das Signal: „ich kann nur auf Kosten anderer gut leben – und habe Spass wie Bolle dabei“.

Nun – Sarah Wagenknecht hatte keinen Anzug. Sie war außerordentlich mutig und trug ein Kostüm, mit dem sie auf einem Sektempfang in einem Nobelgeschäft der Düsseldorfer Köngisallee oder einer Tagung der deutschen Pharmaindustrie nicht sonderlich aufgefallen wäre. Den Mut hat die deutsche Bundeskanzlerin nicht, sie traut sich nicht aus ihrem Hosenanzug.

Politiker haben ja auch generell nicht viel mit Arbeit zu tun, darum nennt man sie ja auch „Abgeordnete“. Sie sind aus der normalen Arbeitsordnung entfernt worden, um die politischen Geschäfte einer Gemeinschaft zu erledigen. Dass könnte man natürlich auch tun, ohne sich mit den Statussymbolen einer bis ins Mark dekadenten Oberschicht zu schmücken – aber dies ist ein freies Land, weshalb sich unsere Abgeordnete anders entschieden haben und beim Tanz ums Goldene Kalb ganz besonders schräge Figuren auf dem Parkett zeichnen.

Das gilt leider auch für die „Linken“. Wir sollten trotzdem froh sein, dass es sie gibt, denn nach sechzig Jahren Filz, Netzwerken und Korruption hat auch der allerletzte Depp begriffen, dass man im Prinzip nur die Wahl für einen Flügel der großen deutschen Einheitspartei SCFUDDP (Sozialchristlichfreie Union der deutschen demokratischen Parteien) hat: entweder für Angela Merkel (Kanzlerin der großen Koalition) oder Peer Steinbrück (Finanzminister der großen Koalition), deren Programme sich noch am deutlichsten durch die Wahl der Papierqualität unterscheiden, auf denen sie gedruckt sind. Inhalte sind ja auch – siehe Wahlplakate – kein Thema.

Mag man die große Koalition der SCFUDDP nicht, wohnt man definitiv im falschen Land.

Klar, man kann die Linke wählen … aber wer moderierte den Auftritt von Sarah Wagenknecht? Eine „lustige Frau“, eine Komödiantin, gekleidet in der Uniform der deutschen Hausfrau der sechziger Jahre. Sollte wohl lustig sein (war es auch – stellenweise), doch dem politisch interessierten Bürger störte das sehr, war es doch gleichzeitig eine deutliche Verunglimpfung des einfachen Bürgers, der schon allein in seinem (perfekt imitierten) Aussehen unglaublich lächerlich wirkt im Vergleich zu dieser Ikone der Linken.

Nun – diese lächerliche Gestalt aus dem einfachen Volk war auch äußerst devot und demütig der großen Ikone der Linken gegenüber: wie es sich gehört, wenn Herrenvolk sich unter Urnenpöbel mischt.

Als Nachdenkmagazin blickt man natürlich auch gerne hinter die Kulissen – auch wenn man selbst nicht besser aussieht als das Publikum und sich schon denken kann, dass man mit der Kluft nicht sonderlich gut ankommt bei den oberen Zehntausend.

Hinter der Bühne wartete – neben dem üblichen Sicherheitspersonal und der Polizei – eine riesige schwarze Limousine mit Berliner Kennzeichen, die hinteren Scheiben so getönt, dass der Pöbel den Fahrgast nicht weiter wahrnehmen konnte. Hier stieg Sarah Wagenknecht ein – und verschwand.

Mit „Arbeit“ kann man eine solche Limousine nicht bezahlen. Ein seltsames Bild – und angesichts der Rede und des Umfeldes eine seltsame Botschaft. Ich fühle mich ein wenig wie im Kabarett – obwohl diese Wirkung natürlich nicht beabsichtigt war. In Wirklichkeit hatte sich niemand Gedanken gemacht, wie ein solches Bild wohl beim Volk ankommt – woraus die direkte Botschaft kommt, dass der Eindruck, den man beim Urnenpöbel macht, sowieso keine Rolle mehr spielt.

Nicht, das wir uns falsch verstehen. Sarah Wagenknecht ist kein sonderlich herzlicher Mensch – aber sie hat sich große Mühe gegeben, in Kontakt mit dem Publikum zu kommen. Sie hatte neben der Bühne Zeit für ein paar enthusiastische Fans und verteilte auch hinter der Bühne noch Autogrammkarten. Das ist für einen Kopfmenschen eine große Leistung, die andere nicht in diesem Ausmaß geleistet hätten.

Was mir aber nicht aus dem Kopf gehen wird, ist das Bild mit der Limousine … und der Umgang mit dem Wort „Arbeit“.

Wir brauchen keine Arbeit. Alle finden Arbeit lästig und ungut, weshalb sie auch immer häufiger von Maschinen gemacht wird, die Wissenschaftler und Ingenieure direkt im Auftrag der Konzernleitung entwickeln, um die lästige Abhängigkeit von Arbeitern los zu werden.

Es ist eine Lüge, dass Arbeit gut, edel und schön ist: und das demonstrieren mir die Deutschen jeden Montagmorgen. Da gibt es keine Freudenschreie, keine großen Partys, die schon um fünf Uhr stattfinden, weil man es gar nicht erwarten kann, um neun Uhr endlich im Büro zu sein. Freitagnachmittag … ja, da wird schon mal gefeiert. Manchmal sogar ziemlich lange. Aber Montag?

Einfach mal am Sonntagabend durch Facobook stöbern und sich die Klagen der Bürger über den Wochenanfang anhören … da weiß man schon genug.

Was man aber auch weiß (und dies hat Frau Wagenknecht auch deutlich beschrieben): das Volk ist schon zu sehr eingeschüchtert, um sich selbst die Wahrheit einzugestehen.

Einfach mal direkt auf Menschen zugehen und sie nach ihrer Meinung zum Thema Arbeit fragen: was kommen da nur für seltsame Verrenkungen. Alle finden es supertoll, dass es so etwas wie Arbeit überhaupt gibt, etwas Schöneres kann man sich im Leben gar nicht vorstellen.

Warum spielen dann immer mehr Leute Lotto? Warum dieses Theater um den Montag? Wobei genau wird da eigentlich gelogen?

Warum gelogen wird, kann ich sagen: man hat Angst vor dem Jobcenter. Man stelle sich mal vor, man würde arbeitslos und der Sachbearbeiter hätte Aussagen zum eigenen Verhältnis von „Arbeit“ vor sich liegen. Sofort könnte man sich eine Sanktion einhandeln, weil die eigene Einstellung einer erfolgreichen Arbeitsaufnahme im Wege steht: sofort reagiert der Staat mit dem Entzug der Lebensgrundlagen und droht so mit Gewalt, die den Tod billigend in Kauf nimmt.

Deshalb jubeln alle über Arbeit: öffentliche Jubelverweigerung kann ganz schnell zum Tode führen.

Die Menschen wissen das. Sie wissen auch, welche Macht dieses System Arbeitgebern in die Hände gibt: sie werden auf einmal mittelbar Herren über Leben und Tod, die Nähe zur Leibeigenschaft ist unverkennbar.

Hätte man darüber nicht auch mal reden müssen – als „Linke“?

Immerhin: ich rede ja auch darüber.

Worüber ich mich noch ein wenig wundere, ist, dass es den Sonntag überhaupt noch gibt. So hocherotisch wir Arbeit nun mal ist, müssten doch alle seine Abschaffung fordern.

Na, das wird sicher noch kommen.

Ich warte dann auf die Partys, die dann stattfinden werden, weil endlich noch ein lästiger, langweiliger, unproduktiver Tag der unbegrenzten Arbeitslust zur Verfügung gestellt würde: das gibt sicher spontane Massendemos auf den Straßen zum Lob der Regierung, die sich an diesen Tag endlich herangewagt hat und die jahrhundertelange Dominanz der Kirchen endlich überwunden hat.

Ich suche derweil mal nach einer Partei, die so ehrlich ist wie Volker Pispers, der mal zugab, dass er keine Arbeit braucht – er bräuchte nur Geld, meinte er, beschäftigen könne er sich selber.

Der Besuch bei den Linken hat mir auf jeden Fall ein ungutes Bauchgefühl beschert – trotz schönem Wortgeklingels.

 

 

 

Brechmittel des Tages: Beate Merk

Zitat Beate Merk, CSU, zur Wideraufnahme des Verfahrens gegen Gustl Mollath:

Die Justiz hat nun Gelegenheit, in einem weiteren öffentlichen Verfahren zu klären, ob Herr Mollath zu recht untergebracht ist oder nicht – und damit auch die Zweifel [auszuräumen], die viele Menschen an dieser Entscheidung haben

Zur Erinnerung an den Einwohner Alzheims… so klang die gleiche… ähm… Frau Justizministerin Beate Merk noch im November letzten Jahres:

Übrigens: Diese Staatsanwaltschaft, von der Frau Merk da faselt, ist politisch weisungsgebunden.

Mit Dank an Wut!, die dieses Machwerk unter eine Piratenlizenz gestellt haben. Natürlich nicht das Video, für das gilt die allgemeine youtube-Lizenz.

Menschheitsentwicklung – Sklave – Leibeigener – Leiharbeiter

Die Bundesagentur für Arbeit meldet jeden Monat sinkende Arbeitslosenzahlen, wunderbar für Deutschland, nicht war. Blöd nur, das Viele, welche in Arbeit gebracht („gezwungen“) wurden, nach getaner Arbeit aufs Amt müssen um zu „betteln“, damit sie überleben können.

Aber es scheint so zu sein, dass dies von der Gesellschaft akzeptiert worden ist. Betteln trotz Arbeit, was für ein Jobwunder, da können sich mal andere europäische Staaten eine Scheibe abschneiden, oder etwa nicht ? Mindestlohn, wie von der Regierung angekündigt, eine politische Blendgranate ohne Beispiel, das Volk ist doch zufrieden, wie es ist.

Mindestlohn, jede Lüge wird zur Wahrheit, wenn nur Alle daran glauben. Und die Partei, welche die letzte Hoffnung für soziale Gerechtigkeit sich einsetzte, zerlegt sich gerade selbst. Dann bleibt eben wohl nur noch, betteln trotz Arbeit.

Das folgende Video, soll noch einmal auf das Problem aufmerksam machen.

 

 

 

 

Afghanistan – eine überfällige Polemik

Dieser seltsame, vor (sehr) vielen Jahren mal durchaus ehrenwerte Peter Struck war in Deutschland der erste, der vor laufenden Kameras sagte:

„Jetzt verarsche ich euch richtig!“

(Übers.: „Die Sicherheit Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt.“)

Und alles jubelte ihm zu. Man fand lobende, ermutigende Worte für die erfrischende Offenheit Strucks, der als erster recht offen bekannt hat, wie sehr deutsche Politik mittlerweile zum Dispositionsobjekt fremder Mächte verkommen ist. Nur angekommen ist die Botschaft irgendwie nicht dort, wo sie eigentlich hingehört hätte, nämlich unter das Volk – welches ja bekanntlich die Soldaten stellt.

Aber auch in all den folgenden Jahren, als die alliierten, westlichen Streitkräfte mit jedem Schuss für ein weiteres Erstarken der Taliban Sorge trugen, dämmerte auf unseren Straßen noch immer keine Erkenntnis. Die Sterberaten wuchsen zwischenzeitlich ins Unermessliche, ganze Dorfschaften in Afghanistan bettelten in Kabul ums Aufhören. Aber wen schert schon der Tod einiger tausend armseliger Bergbauern, wenn man doch für die Mädchenschulen ihrer Töchter tötet. Angeblich.

Ebenso angeblich habe man ja unterdessen durchaus sehenswerte Erfolge zusammengeschossen. Nur leider gibt es Wikileaks. Und Wikileaks fasst nur in einem Dossier von 92.000 Dokumenten schlussendlich zusammen, was all die Jahre sowieso immer wieder in der Presse zu erkennen war:

  • Militärische Erfolgsmeldungen sind/waren schlicht gelogen.
  • Kriegsberichte wurden gefälscht.
  • Zivile Todesraten wurden gefälscht.
  • Die militärische Situation wurde gezielt falsch dargestellt.
  • Das westliche Militär ist unfähig zu dieser Auseinandersetzung.
  • Die Taliban sind stärker als je zuvor.
  • Afghanistan wird von ihnen und einigen warlords regiert.
  • Die Marionette Karzai ist hilf- und machtlos, ohne jeden Einfluss.
  • Afghanische Regierungsmitglieder sind selbst tief in Korruption verstrickt und verschieben Hilfsgelder ins Ausland auf eigene Konten.

Alle kriegführenden Nationen sind diese Fakten selbstverständlich bekannt. Seit jetzt neun Jahren erleben ihre Truppen einen blutigeren Monat nach dem nächsten; es existieren faktisch überhaupt keine Erfolge, nur Rückschläge und Niederlagen. Allein nur der SPIEGEL schreibt jeden Monat aufs Neue: “ … der zurückliegende Monat gilt als der blutigste des Krieges mit den höchsten Verlustraten …“

Da wir hier aber nicht in den USA leben sondern als Deutsche in Afghanistan eine ganz eigene Verantwortung – auch für hunderte von zivilen Toten! – zu tragen haben, müssen wir uns um die Motivation bekümmern, die zu den massiven Lügen unserer Regierung führt.

Es spricht nicht gerade für unseren Kriegsminister Guttenberg, wenn dieser an den Särgen rückgeführter, deutscher Soldaten zu ekelerregender, niedriger Kriegspropaganda greift, die eines Göbbels würdig gewesen wären; man erinnere sich nur an seine bizarren Worte, dass er „seinen kleinen Töchtern“ erklärt haben wolle, diese „Toten seien deutsche Helden„. Diese Toten waren keine Helden, das weiß Guttenberg ganz genau, sie sind elend in einem Krieg verreckt, der von vornherein zu keinem Zeitpunkt gewinnbar war oder zu nachhaltigen Erfolgen hätte führen können. Insofern verkommt Guttenbergs Leichenrede zu immer wieder gezeigten Nazi-Reden aus dem Berliner Sportpalast und ähnlich widerlichen Durchhalte-, also Scheißhausparolen. Wikileaks zeigt es sehr eindrücklich: deutsche Soldaten werden immer stärker beschossen, begegnen täglich immer größeren Sprengfallen- und Hinterhaltsgefahren und haben keinerlei militärische Erfolge vorzuweisen. Da dies mittlerweile sogar die Taliban verstanden haben, konzentriert sich deren Feuer eher auf die afghanischen Soldaten und Polizisten, deren Treffer- und Tötungsquoten in der fraglichen Region ganz erheblich höher sind als die des deutschen Militärs.

Warum tut dieser pomadenschwangere Minister das? Und warum belügt uns unsere ganze Regierung immer weiter und immer weiter? Obschon mittlerweile selbst die bildungsfernste Bevölkerungsschicht zu begreifen scheint, dass Deutschland einen dreckigen Krieg führt wie es ihn niemals wieder hatte führen wollen?

Und warum hat aus diesem krüppeligen Regierungsverein niemand die Nerven, den Mut, ja, die Eier und sagt:

„Wir haben schwere Fehler gemacht. Und die korrigieren wir jetzt.“

Warum nicht? Fließt da etwa Geld aus Washington? Welche Geheimabsprachen gibt es da? Wer ist persönlich und wirtschaftlich am Weiterschießen beteiligt? Wer verdient daran? Welche Versprechen liegen aus den USA für welche Politiker vor? Es gibt schon lange schießgeile Minister und Abgeordnete, denen es nach der Kapitulation Deutschlands im Land sehr viel zu langweilig geworden war. Es war eine Angela Merkel, die beim damaligen „Nein!“ der deutschen Regierung unter Schröder gegen eine deutsche Beteiligung am Irak-Krieg nach Washington reiste und sich dafür bei Bush entschuldigte. Angeblich spiegele Schröders Nein nicht die Meinung des deutschen Volkes wieder, sagte sie, und wäre sie an der Macht, so wäre Deutschland mitmarschiert, mit und tief hinein ins Völkerrechtsverbrechen. So sagte sie. Aber davon will sie heute nichts mehr wissen, verständlich, und außerdem hat sie ja Afghanistan, nicht wahr?

Und es waren nicht wenige Politiker, die unlängst noch offen gesagt haben:

„Ja, ganz richtig, wir verarschen euch immer noch. Wie der Peter, nur schlimmer.“

(Übers.: „Der Satz von Herrn Struck ist heute noch so wahr wie damals.“)

© 2010 Echsenwut.

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