Leben

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Der Tod als Lehrmeister

Letzthin fand ich einen Artikel in unserem Lokalblättchen, dessen Thema schon zig Mal diskutiert, beschrieben, bewertet und verurteilt wurde. Je nach dem zu welcher Fraktion man sich zählt. Gemeint ist das Thema „Sterbehilfe“ und der eigene Tod. Hier gehen die Meinungen Lichtjahre auseinander, wobei das Tragische nicht die die verschiedenen Ansichten sind, sondern mit welchen Argumenten die Verteidiger der einzelnen Meinungen ihre Ansichten vertreten. Den Wenigstens ist dabei bewusst, dass sie irgendeine Ideologie nachplappern, deren Sinn sie für ihr Weltbild zurechtgebogen haben und es bequem ist, die Verantwortung über den eigenen Tod irgendjemanden zu übertragen.

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Man erkennt die unmündige Haltung gegenüber dem Tod aufgrund der Tatsache, wie in der Gesellschaft damit umgegangen wird. Darüber reden ist unangenehm, darüber zu schreiben noch mehr. Wenn man in der Öffentlichkeit über den Tod spricht, passen sich die physiognomischen Gesichtszüge automatisch dem Inhalt an. Die Mundwinkel ergeben sich der Erdanziehung, die Stimme wird leiser, der Augenkontakt selten. Warum eigentlich? Das haben wir diversen Ideologien, Besserwissern und kollektiven Angsthasen zu verdanken.

 

Ideologie

Darunter verstehe ich die verschiedensten Formen von Religion. Bei uns ist das Christentum vorherrschend. Die Masse huldigt einen gekreuzigten, gefolterten und leblosen Körper an, der überall in der Landschaft steht oder irgendwelche Räume optisch in Folterkeller verwandelt. Das Christentum und seine Anhänger haben während hunderten von Jahren ihr mörderisches Handwerk perfektionieren können. Eigentlich die besten Voraussetzungen für einen konstruktiven Umgang mit dem Tod. Den haben sie auch, aber nur den Tod von anderen, nicht den eigenen. Diese Religion ist derart mit Scheinheiligkeit durchzogen , dass die eigentliche Philosophie des Christentums unter einem Berg von Lügen, Machtgeilheit, Hormonen und Raffgier begraben liegt. Da ist ein aufklärender Dialog unmöglich, egal welches Thema man anschneidet. Beim Tod sülzen die Pfaffen irgendwas von Auferstehung, Himmel und Hölle. Aber kein einziges Wort, wie man sich auf seinen Tod vorbereitet, damit man ihn mit einem Lächeln begrüssen kann. Aber eben, schon Lächeln ist bei den Christen verpönt. Und das noch im Zusammenhang mit dem eigenen Tod, da kommt jeder Christ an seine Grenzen.

 

Besserwisser

Das sind die in Weiss. Sie nennen sich Ärzte und kommen oft mit dem Tod in Begleitung. Manchmal ist es nicht ganz klar, wer denn nun der Sensenmann ist. Man könnte meinen, die zwei sind in einen Wettkampf verwickelt. Wer ist schneller, wer ist effizienter. In machen Spitälern kommt der Tod nicht mal auf einen Podestplatz. Die Ärzte machen ihm schlicht den Rang streitig, die meisten Menschen um die Ecke gebracht zu haben. Unterstützt werden sie noch von den Pharma-Giftmischern, die eine Unzahl an Mittelchen bereitstellen, um die Kundschaft gewinnbringend abserbeln zu lassen. Kein Wunder hat Gevatter Tod in den Human-Metzgereien keine Chance. Er ist Einzelkämpfer und muss sich gegen eine Überzahl Weisskittel behaupten, das ist unfair.

 

Angsthasen

Da ist der Rest der menschlichen Unmündigeiten gemeint. Respektive diejenigen, welche bei diesem Thema ins Stottern kommen oder krampfhaft einen rhetorischen Richtungswechsel erreichen möchten. Sie haben immer noch das Gefühl, wenn man etwas nicht anspricht, erledigt sich das von selber. Das stimmt. Der Tod braucht keine Worte, er macht einfach seine Arbeit. Für die meisten Menschen kommt er aber unverhofft und sie erschrecken bis ins Mark. Es können sich diejenigen glücklich schätzen, bei denen der Tod blitzartig zuschlägt und man nicht mal Zeit hat, den eigenen Tod zu realisieren. Oder die, welche am Abend einschlafen und einfach am anderen Morgen nicht mehr aufwachen. Die Meisten wünschen sich die Einschlaf-Methode. Ist bequem, verantwortungslos und zum Glück eher selten. Da sind die tödlichen Blitzaktionen noch häufiger anzutreffen. Auch die sind sehr luxuriös für den Sterbenden und entbinden ihn vor jeglicher Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Zack und fertig.

Das sind die Sterbe-Jack-Pots. Wer unvorbereitet und gedankenlos ins Nirwana wandern darf, hat einfach nur Glück gehabt. Für den Rest wird es weit unangenehmer. Sie wollen mehr über den Tod wissen und trauen sich nicht darüber zu sprechen. Und wenn sie den Mut aufgebracht haben, dann geraten sie entweder an einen, der gleich angezogen ist wie Gevatter Tod und die ganze Zeit das Blaue vom Himmel lügt oder die andere Fraktion, die Heilung verspricht aber den Tod bringt. Aber es gibt auch noch eine Alternative.

 

Sterbehilfe

Es gibt mittlerweile einzelne Organisationen, die sterbebereiten Menschen keinen heuchlerischen Schmus erzählen, sondern sie in ihrem Wunsch selbstbestimmt und in Würde zu sterben unterstützen. Es ist ein Armutszeugnis der menschlichen Gesellschaft. Da braucht es eine Institution um den Menschen ein respektvolles Sterben zu ermöglichen. Seit Jahrhunderten verhindern Ärzte, Religionsfanatiker und Politiker ein menschengerechtes Dahinscheiden. Nur mit dem Ziel Macht auszuüben, Geld zu verdienen und einfach gesagt die Sterbenden für dumm zu verkaufen. Noch nie war es den Besagten wichtig, den Menschen über seinen Tod aufzuklären, ihn in der Vorbereitung zu begleiten und ihn in seinem Wunsch zu unterstützen. Eine verachtenswerte Bande .
Die Mitarbeiter von Sterbe-Organisationen machen eine der wichtigsten Aufgaben auf der Welt. Ein würdevolles Ableben ermöglichen. Dabei stehen sie oft mit einem Bein schon im Gefängnis. Sie müssen enorm aufpassen, nicht eine Handlung zu begehen, welche gegen sie verwendet werden kann. Die drei Vasallengruppen von Ärzten, Pfaffen und Ignoranten warten nur darauf, bis sie was finden. Deshalb sind die Sterbehelfer in ihren Aktionen derart eingeschränkt. Sie können nur bedingt auf die Wünsche des Todeskandidaten eingehen. Das Gesetz schmeisst ihnen hier baumdicke Knüppel zwischen die Beine. Ich kann nur jedem raten, solche Organisationen zu unterstützen. Denn ausnahmslos jeder wird eines Tages davon profitieren können, wenn er nach seinen Wünschen sterben darf.

 

Ein würdevolles Sterben

Ich durfte selber miterleben, wie ein totkranker Mensch von den Vasallengruppen behandelt wird. Es war das nackte Grauen. Mir wurde die Ehre zu Teil, diesen Menschen in seinen letzten Monaten seines Lebens begleiten zu dürfen. Es war sein Wunsch. Wir verbrachten viele gemeinsame Stunden mit Gesprächen über den Tod und über das Leben. Ich erzählte mein Wissen darüber, reflektierten zusammen die Sterbekulturen verschiedener Völker, bis die totkranke Person ihr Sterberitual gefunden hatte. Wir spielten zusammen dieses Ritual durch, passten es an, bis auf den Lippen des Sterbenden ein Lächeln lag, wenn er über den eigenen Tod sinnierte. Wir hatten gemeinsam einen Weg gefunden, Gevatter Tod willkommen zu heissen. Die Einzigen welche sich dem Weg widersetzten waren die Ärzte und Pfaffen.
Ein Wunsch war es, zu Hause in der vertrauten Umgebung zu sterben. Das war das erste Problem. Die Ärzte versuchten mit allen Mitteln ihre Verdienstquelle zu behalten. Und der Spitalpfaff wollte mir unbedingt ein schlechtes Gewissen einreden. Nach seiner Ansicht war ich das Böse, was den Sterbenden von Gott wegführte. Ich erinnerte ihn an seine pädophilen Verpflichtungen und von da an hatten wir vor ihm Ruhe. In einer „Nacht und Nebel Aktion“ holten die Angehörigen und ich den Patienten aus dem Spital, ignorierten die vielen Zettelchen, welche wir unterschreiben sollten. Uns wurde sogar mit der Polizei gedroht und ich drohte mit meinem schon öfters beschriebenen Diktiergerät. Einzelne Aussagen von behandelnden Ärzten hatte ich auf Band und waren derart unter der Gürtellinie, dass sie ihre Drohungen in frustrierte Beschimpfungen umwandelten.

Die nächsten Tage verbrachte ich am Sterbebett des Totkranken bei ihm zuhause und begleitete ihn zusammen mit den Angehörigen auf seinem letzten Weg. Am dritten Tag schloss er friedlich die Augen. Gevatter Tod hatte seinen Schrecken verloren und wurde herzlich begrüsst. Alle Angehörigen waren zutiefst berührt über den glücklichen Gesichtsausdruck des Verstorbenen. Kein Zeichen mehr von Angst, Ungewissheit und Festklammern. Entgegen der abendländischen Gewohnheit , die Toten noch warm unter die Erde zu bringen, vereinbarten wir mit dem Bestattungsinstitut, dass der Leichnam elf Tage aufgebahrt wird, bevor man ihn in den Ofen schiebt. Die Körperenergien brauchen eine gewisse Zeit, bis sie den Körper verlassen haben, was spätestens nach elf Tagen passiert ist. Erst dann ist der Tote eine leere Hülle und darf kremiert werden.

 

Eigene Vorbereitung auf den Tod

Da gibt es einige Möglichkeiten. Es kommt ganz darauf an, wie man zu diesem Thema steht. Grundsätzlich sollten jegliche himmlische Gedanken hinterfragt werden. Ohne Gott stirbt sich’s einfacher. Man muss sich nicht an sinnlose Regeln halten oder Frömmigkeit heucheln, die man noch nie besessen hat. Der Tod verliert seinen Schrecken, wenn man ihn gedanklich in diversesten Varianten durchgespielt hat. Stellen Sie sich mal vor zu ertrinken, zu verbrennen, erschossen zu werden, zu verbluten und sonstige Möglichkeiten, wie man dem Leben Adieu sagen kann. Je detailreicher umso besser. Machen Sie das auch mit ihren Liebsten. Stellen Sie sich den Verlust vor, wenn jemand geht, den sie lieben. Lernen Sie die aufkommenden Gefühle kennen und schauen Sie, wie Sie sich in so einer Situation verhalten. Sie können schon zu Lebzeiten lernen mit dem Tod umzugehen. Nicht erst wenn er da ist. Dafür ist dann die verbliebene Zeit zu kurz.

 

Der Tod als Lehrer

Mein Lebensweg hat sich dafür entschieden, dass ich mehr mit Toten, respektive ihren Angehörigen zu tun habe, wie mit Neugeborenen. Meine Erlebnisse und Erfahrungen während und nach dem Tsunami in Asien haben mir eine andere Sicht über den Tod gegeben. Der Anblick von tausenden Opfern und deren Angehörige, welche in den Leichenbergen nach ihren Liebsten suchten, waren traumatisch. Ich kämpfe heute noch mit den Bildern, den Gerüchen und Klängen dieser Tragödie. Aber es zeigte mir auch, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit dem Tod ist.

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Ein Jahr später kamen sehr viele Touristen wieder, welche jemanden verloren hatten und beendeten bewusst ihre Trauerarbeit. Ich arbeitete auf einem Tauchboot und am 25. Dezember durfte ich eine Familie begleiten, die ihre Mutter/Ehefrau verloren hatte. Der Vater sagte zu mir:

„Wir haben ein Jahr getrauert und nun gehen wir zusammen tauchen, weil es das schönste Hobby seiner Frau war und sie sicher nicht wollte, dass die Familie dieses Hobby aufgrund der Tragödie aufgibt.“

Es war einer der bewegensten Tauchgänge für mich und ich flutete die Maske mehrmals mit meinem eigenen Salzwasser. Es erweckte sogar den Eindruck als begleite uns Tierwelt unter Wasser in diesem Ritual. Wir hatten wunderbare Begegnungen, als wolle sich die Fischwelt ebenfalls verabschieden. Nach dem Tauchgang lagen wir uns weinend in den Armen.

Am Abend wurde der Abschiedsprozess von tausenden von Himmelsfackeln begleitet. Ein paar hundert Meter vom Strand entfernt bildeten alle Tauchboote eine Lichterkette und für jedes Opfer wurde eine Himmelsfackel entzünde. Allein in Khao Lak stiegen 5500 Lichter in den Himmel. Der Anblick war atemberaubend und sehr bewegend. Die Erinnerung daran ergreifen mich noch heute und ich muss auch jetzt wieder zum Taschentuch greifen.

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Der Tod als Geschäft

Wenn ich dann die propagierte Sterbekultur hier in Europa anschaue, sehe ich nur Lug und Trug. Dieses Denken brachten nach dem Tsunami die lieben Christen in Scharen nach Khao Lak. Vor der Welle hatte es in dem kleinen Dorf zwei Freikirchen. Nach der Katastrophe über 150. Es waren schneller irgendwelche Pfaffen vor Ort als schweres Aufräumgerät. Die dazugehörenden, übergewichtigen Volontäre halfen nicht den Opfern, sondern sammelten bei den übrig gebliebenen Touristen Geld. Ich hätte jedem Einzelnen ins Gesicht schlagen können. Sie nutzten diese Katastrophe für ihren finanziellen Vorteil. Perversion in Reinkultur. Zum Glück sind die Thais nicht auf den Kopf gefallen. Die Freikirchen verteilten einen Teil des gesammelten Geldes, aber nur an die, welche den Kirchen beitraten. Herr und Frau Thai sagten schnell ja, holten sich das Geld ab und beim Rausgehen war der kollektive Gruss ein Zeichen mit dem Mittelfinger. Sie haben sehr schnell geschnallt, was die „fürsorglichen“ Kirchen wollten.

Die wahren Helfer

Die einzigen selbstlosen Helfer waren die Mönche aus den buddhistischen Klöstern, die einheimische Bevölkerung, welche selber gebeutelt war und die übrig gebliebenen Tauchbasen mit ihren Angestellten. Diese leisteten wirkliche Arbeit und halfen den Angehörigen ihre Vermissten zu finden. Es war eine grausame Arbeit. Aber immens wichtig. Jeder Vermisste, egal ob tot oder nicht, den man seinen Angehörigen zuführen konnte, schloss einen Kreis. Ich hörte unzählige Male den Satz:

„Es tut weh, wenn die Hoffnung auf ein Überleben zerstört wird, aber es ist immer noch besser als über das Schicksal im Ungewissen zu sein.“

Der Tod als Recht

Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt. Keiner kann ohne den anderen existieren. Deshalb finde ich es wichtig, dass wir uns von verhindernden Dogmen befreien und selbstbestimmend unseren Abgang planen. Im Leben wollen wir auch über uns selber bestimmen, wieso nicht auch bei unserem Ableben? Nur weil es unangenehm ist, man an seine Vergänglichkeit erinnert wird und sich zig falscher Doktrinen erwehren muss? Es wird Zeit, dass wir auch bei diesem Thema erwachsen werden und uns nicht wie unerfahrene Kleinkinder verhalten, die jeden gepredigten Blödsinn vorbehaltslos glauben. Wir haben diverse Kulturen auf unserem Planeten, die eine würdige Sichtweise über den Tod haben. Orientieren wir uns an denen, dann verliert der Sensenmann seinen Schrecken. Zudem ermöglicht es das Bewusstsein, über seinen eigenen Tod entscheiden zu können.
Es ist ein Grundrecht des Menschen, sein eigenes Ableben bestimmen zu können. Da darf kein Arzt, Politiker oder Kuttenträger dreinreden. Mein Leben gehört mir alleine und ich sehe nicht ein, wieso irgendein dahergelaufener Weissichwas mir vorschreiben will, wie und wann ich zu sterben habe. Die können mir alle den Buckel runterrutschen. Wenn ich meine Zeit kommen sehe, dann verschwinde ich in die tiefsten Wälder, habe mich vorher von meinen Liebsten verabschiedet und gebe meinen Körper der Natur zurück. Sollte ich mich nicht mehr selber frei bewegen können, lasse ich die Wälder weg. Aber eines ist für mich klar: bevor jemand anders über mein Leben entscheidet, mache ich das. Ich hoffe, dass ich dann dazu physisch und psychisch noch in der Lage bin. Wenn nicht, habe ich eine Patientenverfügung wo genau drin steht, was mit mir passiert, wenn ich selber nicht mehr fähig bin darüber zu entscheiden.

Die Zeit nutzen

Machen Sie eine Checkliste, was Ihnen alles wichtig ist und was Sie noch erledigen müssen, damit Sie friedlich sterben können. Arbeiten Sie diese Liste ab. Suchen Sie sich eine Vertrauensperson, mit der Sie ungeniert und frei über ihren Tod sprechen können. Machen Sie ein Testament. Erkundigen Sie sich vorher, wie eines juristisch einwandfrei verfasst wird. Sollte es Ihnen egal sein, was mit ihren Habseligkeiten passiert, dann lassen Sie es. Andernfalls ermöglicht ein Testament einen reibungslosen Ablauf der Vollstreckung und gibt etwas Sicherheit, dass nach ihrem Tod nicht eine verwandtschaftliche Schlammschlacht beginnt. Man hat ein Leben lang Zeit, sich mit dem eigenen Tod auseinander zu setzen. Es ist schade, wenn diese Zeit entweder ungenutzt verstrichen ist, oder man sich irgendwelchen Phrasen hingibt, die noch nie zu Gunsten des Sterbenden waren, sondern einzig die Taschen von Heuchlern füllt. Unterstützen Sie bitte Sterbehilfe-Organisationen. Sie sind die Einzigen hier in Europa, welche sich für ein humanes Sterben einsetzen. Verfügen Sie, dass ihr Leichnam 11 Tage aufgebahrt wird. Danach kann er kremiert werden. Wenn Sie sich einlesen wollen, dann empfehle ich „Das tibetische Buch vom Leben und Sterben“ von Sogyal Rinpoche. Ich hoffe mit diesen Zeilen etwas Licht in dieses „düstere“ Thema gebracht zu haben. Im optimalen Fall verschwindet die Angst davor. Das wäre das eigentliche Ziel und ist eine der wichtigsten Lebensaufgaben, für mich jedenfalls. Zur Prüfung muss jeder antreten, ob er will oder nicht. Daher ist es nur logisch, so gut vorbereitet wie möglich bei Gevatter Tod zum Prüfungstermin zu erscheinen. Zeigen Sie ihm ihr ehrliches, wohlwollendes Lächeln und Sie haben das Examen bestanden.

Der Nachrichtenspiegel, Kennedy, König Arthus und die Unabhängigkeitserklärung

eifelphilosoph_200

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Freitag, 4.7.2014. Eifel. Heute ist ein besonderer Tag – nicht für die Welt, aber für den Nachrichtenspiegel. Heute feiern wir unser vierjähriges Jubiliäum. Jedenfalls … sollte der 4.7.2010 der Starttermin sein. Aus technischen Gründen erschienen aber schon vorher einige ältere Artikel von Blog.de. Den vierten Juli hatte ich bewusst gewählt: war es doch der Tag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

Manch einen wundert das. Immerhin kritisiere ich die USA oft. Ich finde: als stärkste Nation der Erde können sie auch gar nicht genug Kritik bekommen, die sie an ihre Verantwortung gemahnt – bevor sie wie ein Mensch im Größenwahn die Welt in den Abgrund reißen. Macht ist immer ein Problem, die meisten Menschen scheitern daran – und nehmen an ihrer Seele Schaden. Viele kümmert das nicht – doch der Philosoph als „Arzt der Seele“ hat daran keine Freude – selbst wenn es ein „Feind“ sein sollte.

Ich war mehrfach in den USA und muss sagen: erstklassige Leute da. Nicht nur die Indianer, auch die Nachfahren der Siedler. Locker, offen, unkompliziert – so wie im Fernsehen, nur halt: echt. Sehr hilfsbereit, sehr sozial eingestellt. Gut – „Sozialstaat“ gibt es dort kaum – dafür aber eine dynamische Wirtschaft, die jedem eine Chance gibt … selbst wenn er zuvor mehrfach gescheitert ist. Wo die Wirtschaft so dynamisch ist, ist ein Sozialstaat nicht unbedingt in dem Ausmaß nötig, wie ihn Europa sich in Achtung der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte gönnt – vor allem der sozialen Menschenrechte. Wo die Menschen hilfsbereit sind und jederzeit Arbeit gegen Geld anbieten, findet der Einzelne auch schnell wieder einen sicheren Grund unter den Füßen. Das waren ja auch in Deutschland die Hintergründe für die „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“ … nur ist unsere Kultur der Sparsamkeit und Ängstlichkeit dafür nicht geeignet. Bekommt hier ein Unternehmen Probleme … schmeißt es erstmal die Leute heraus. Die mangelnde Dynamik der Wirtschaft ersetzt der Staat durch Druck und Gewaltandrohungen gegen Arbeitslose und ruiniert so systematisch die seelische Gesundheit von Millionen … aber das kennt man ja von der deutschen Kultur.

Viele haben heute vergessen, was die USA einmal waren.  Gerade die Jüngeren erinnern sich nicht.

Werfen wir mal einen Blick auf die Verfassung, siehe Wikipedia:

„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit. Daß zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten; daß sobald einige Regierungsform diesen Endzwecken verderblich wird, es das Recht des Volks ist, sie zu verändern oder abzuschaffen, und eine neue Regierung einzusetzen, die auf solche Grundsätze gegründet, und deren Macht und Gewalt solchergestalt gebildet wird, als ihnen zur Erhaltung ihrer Sicherheit und Glückseligkeit am schicklichsten zu seyn dünket. Zwar gebietet Klugheit, daß von langer Zeit her eingeführte Regierungen nicht um leichter und vergänglicher Ursachen willen verändert werden sollen; und demnach hat die Erfahrung von jeher gezeigt, daß Menschen, so lang das Uebel noch zu ertragen ist, lieber leiden und dulden wollen, als sich durch Umstossung solcher Regierungsformen, zu denen sie gewöhnt sind, selbst Recht und Hülfe verschaffen. Wenn aber eine lange Reihe von Mißhandlungen und gewaltsamen Eingriffen, auf einen und eben den Gegenstand unabläßig gerichtet, einen Anschlag an den Tag legt sie unter unumschränkte Herrschaft zu bringen, so ist es ihr Recht, ja ihre Pflicht, solche Regierung abzuwerfen, und sich für ihre künftige Sicherheit neue Gewähren zu verschaffen.“

Darum dürfen die Waffen tragen. Wie die Schweizer. Ja … um eine Regierung, die das Volk missbraucht, stürzen zu können, braucht man Waffen, keine Petitionen. War jedenfalls damals so.

Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit … als absolute, nicht mehr hinterfragbare Werte. Und das im 18. Jahrhundert – phänomenal. Millionen von Mensch flohen aus Europa in die „Neue Welt“, um der Enge, der Ungerechtigkeit, der Armut Europas entkommen zu können … und seinen dauernden Kriegen. Es war schlecht für die Indianer, sicher. Ihre 500 Nationen wurden vollständig ausradiert – ohne das der Holocaust am roten Mann je einen Gedenktag bekommen würde. Die Ursache für diesen Holocaust ist allerdings nicht der „böse Amerikaner“ … sondern die elenden Strukturen im alten Europa. Wäre hier ein glückliches Leben möglich gewesen – niemand wäre in die Wildnis gezogen, in der viele auf erbärmlichste Art und Weise umkamen.

Die USA wurden das neue Camelot  und die Europäer reagierten darauf. Sagen und Mythen haben halt einen großen Einfluss auf die Gefühle der Menschen, weil sie Wahrheiten in sich tragen, die Zeiten überdauern können. Ich möchte dazu mal etwas zitieren – aus einem Buch, das selbst nicht so zu empfehlen ist, weil es voller unbeweisbarer Mutmaßungen steckt und Hypothesentürme baut, die immer luftiger werden, je höher sie in den Himmel ragen. Hier also mal etwas zu John F. Kennedy:

Das Weiße Haus, in das er mit seiner sympathischen Familie und mit dem Brain Trust der intellektuellen Berater frischen Wind brachte, umgab bald die romantische Aura des Camelot aus der Artussage. Die Hauptstadt Washington wurde nun auch äußerlich zum Zentrum einer Supermacht, die Verantwortung für die freie Welt, für ein globales, informelles Empire trug.

(aus: A.v.Rétyi, Skull & Bondes, Kopp 2001, Seite 196).

König Artus war wieder da. Wie einst sollte er die Ritter des Landes um sich sammeln, um die streitenden Fürsten in die Schranken zu weisen, Armut, Hunger, Elend, Ungerechtigkeit aus der Welt zu verbannen … die ideale Verlängerung der Unabhängigkeitserklärung … und ihrer weltweiten Verwirklichung.

Mit Kennedy kam wieder mal ein Präsident ins Haus, der die Macht und den Willen hatte, sich mit den Industrie- und Bankbaronen anzulegen, der das Potential hatte, die Ritter des Landes (was eher die Unternehmer denn die Soldaten sind) um sich zu versammeln um den Kurs der USA zu ändern.  Die Hoffnungen, die die jungen Menschen in Europa mit Kennedy verbanden, habe ich noch selber Jahre nach seiner Ermordung in den Reden älterer Verwandter mitbekommen – er wurde fast wie ein Heiliger verehrt. Er scheiterte – die Folgen tragen wir heute noch. Leben, Freiheit und Glück … sind deshalb weit entfernt – ebenso die Hoffnung darauf, dass sich die Zustände nochmal ändern. Sicher … das Leben selbst läßt man uns noch (obwohl das Kriegsgetöse aus Verteidigungsministerium und Bundespräsidialamt gerade  andere Zeiten anbahnen), aber Glück und Freiheit? Depressionen und Druck bestimmen unser Leben – doch gibt es keine „Neue Welt“mehr, in die wir flüchten könnten … und die USA selber verwandeln sich seit Jahrzehnten eher in die alte Welt zurück, in der eine Hand voll Superreicher ihren Vorhof mit harter Hand gestalten.

Wir sehen: seit der Zeit der Artuserzählungen hat sich nicht viel geändert in der Welt – wieder ächzt die Welt unter der Last der imperialen Räuberbarone, die in der Gestalt von Konzernen, aufgeblasenen Staatsverwaltungen oder Parteien daherkommen, die dem einfachen Volk ungeniert in die Tasche greifen – ein Spiel, an dem sich unsere Ritter duch clevere Steuertricks ebenfalls gerne beteiligen … und dadurch ihren Rang und Stand verraten.

Natürlich wollen Sie jetzt ein Beispiel dafür. Das ist Ihr gutes Recht – Sie sollen es bekommen. Jakob Augstein kommentiert im Spiegel einen aktuellen Fall: einer der modernen Räuberbarone hat –  mit der Macht der US-Armee im Rücken – ein 40-Millionen-Volk an den Rand der Vernichtung gebracht. Er – und ein New Yorker Amtsrichter. Argentinien droht jetzt die Insolvenz – und ganz offen kann darüber gesprochen werden, was jedoch keine Folgen haben wird:

Der Schweizer Wirtschaftsjournalist Werner Vontobel hat zornig kommentiert: „Warum eigentlich immer die USA? Woher nehmen die das Recht? Man stelle sich vor, Gerichte in der Schweiz oder Nigeria würden ähnliche Urteile fällen. Die Reaktion der Finanzmärkte wäre klar: Mit Ländern, in denen derartige richterliche Willkür grassiert, kann man nicht wirtschaften. Investoren würden um solche Standorte einen weiten Bogen machen. Die USA hingegen können sich dagegen fast alles erlauben.“

Das sind sie, die modernen Barone – und missbrauchen die Macht des amerikanischen Volkes. Jetzt nicht die Nase rümpfen: wir haben selbst genug davon, die meisten ruhen sich heute noch auf den Besitztümern ihrer Urgroßväter aus.

Was übrigens diese Gerichte mit deutschen Unternehmen machen werden, wenn das Freihandelsabkommen durchkommt, sollte jedem klar sein: da wird der Mittelstand zur Schlachtbank geführt – doch das ist ein anderes Thema.

Kommen wir zurück zu uns – zum „Nachrichtenspiegel“. Wir starteten vor vier Jahren am Tag der Unabhängigkeit der USA … weil auch wir wieder LEBEN, FREIHEIT und GLÜCKSELIGKEIT haben wollten – und an eine Tradition erinnern, die auf uralte Mythen zurück reicht: den Kampf um die Freiheit.

Sicher – man kann warten, bis die Herrin vom See wieder Excalibur freigibt, man dann darauf warten, dass Nimue endlich Merlin wieder aus dem Zauberschlaf entläßt, der ihn nun so lange gebannt hat – aber mir als Pragmat und in jeder Hinsicht ungläubigen Menschen fehlt dazu die Geduld – und das Vertrauen in die staatliche Verwaltung und Regierung, die sich selbst zu einer semifeudalen Strutkur entwickelt hat. Den Preis für diese Entwicklung zahlen wir jeden Tag – mit sehr viel Geld (was im Prinzip gespeicherte Arbeitskraft ist, die nun in Billionenhöhe nutzlos durch die Welt fließt anstatt aktiv handfeste Zukunft zu schaffen), mit einem Leben, dass dem einer Ameise gleicht, mit Knechtschaft und großem seelischen Leid.

Oder – man entschließt sich, gegen den Strom zu schwimmen … und die Meinungshoheit im Lande für sich zu beanspruchen. Ja – nicht mehr und nicht weniger leisten die handvoll Blogger in diesem Land: sie beanspruchen die Meinungsführerschaft, machen sie den Oberschichtsmedien streitig.

Die Wirkung?

Manche meinen, sie wäre gleich Null, die Mächtigen würden sich nicht dafür interessieren, uns zur Not von geheimdienstlichen Schreibern niederbügeln lassen. Aber was machen wir wirklich? Wir demonstrieren täglich unsere eigene Unabhängigkeit – wir praktizieren unsere eigene Unabhängigkeitserklärung. Vor allem und zuerst – bedarf es der Formulierung der ABSICHT und des WILLENS. Natürlich sind wir nicht mehr als Hofnarren – doch der Hofnarr ist der freieste Mensch am Tisch der Allmächtigen, freier sogar als der König selbst. Nicht unangreifbar, nicht unsterblich, oftmals sogar vogelfrei … aber FREI. Frei, seine Meinung in kritischer Distanz aus den dargebotenen Informationen SELBST zu bilden. Gut – Platz für viel EGO und Selbstherrlichkeit ist dort nicht – innere Demut und Bescheidenheit sind unabdingbare Vorraussetzungen für das Gelingen der gesellschaftlichen Funktion, die selbstzufriedene Arroganz des Oberschichtsjournalismus wäre völlig unangebracht.

Und es ist das Vorleben dieser Freiheit, die AUSÜBUNG DER FREIHEIT … die vielen Menschen Hoffnung gibt, Stärke und Kraft. Der Philosoph macht diese Arbeit gerne und mit ungetrübter Leidenschaft, gilt es doch, sich als Arzt der Seele zu beweisen – der Seele, nicht des Geistes.

Darum schaue ich mit stolz auf unser kleines Werk. 5901940 Leser haben diesen Ort der Freiheit seit dem 9.12.2011 besucht – wenn ich der Zahl unten rechts auf der Startseite trauen darf. Die USA stellen Platz 2 der Leserschaft, die meisten Leser haben wir dort in Seattle. Wie ich gesehen habe, können sich unsere Leserzahlen mit denen des Wall-Street-Journals messen. Gestern hatte ich einen kurzen Blick auf diese Zahlen (heute finde ich sie seltsamerweise nicht wieder), ihr meistgelesener Artikel hatte 150 000 Leser, unserer 60 000, ihre Artikel haben einige hundert Leser am Starttag – da liegen wir gleich auf (obwohl Fussball und Sommer auch uns die Zahlen nach unten drücken). Allerdings … haben die viel mehr Autoren. Und sind viel bekannter. Aber: darum geht es ja gar nicht. Es geht darum, zu sehen, was man für die Menschen getan hat – und hier blicken wir auf 12444 Kommentare zurück … von denen viele sehr konstruktiv und positiv waren. Knapp 1000 Artikel stehen allein von mir im Nachrichtenspiegel … das sind 3500 Buchseiten oder … 10 dicke Schinken.

Und nach wie vor gilt, was ich mir am 19.2.2009 selbst versprochen habe, jenem Tag, an dem der „Eifelphilosoph“ als virtuelle Person zum ersten Mal öffentlich im Netz erschien: wenn am Ende des Monats nur zehn Leser Gefallen am Geschriebenen gefunden habe, schreibe ich weiter – nicht, weil es mein Broterwerb ist, sondern weil es mein „Beruf“ ist, als das, wozu ich berufen wurde.

Darum aber auch heute – mal wieder – ein Dank. An die Leser, die zeigen, dass es gelingt, der Seele Balsam zu spenden. An die vielen Autoren, die zu dem Werk mit Bild und Wort beigetragen und ihm ein einzigartiges Format gegeben haben. An den Blogger „Marigny de Grilleau“. ohne den es keinen Eifelphilosophen gegeben hätte – und der mir heute ein treuer und hochgeschätzter Freund ist. Und an den Regenbogenbieger, der zu dem Ort hier angestiftet hat, ihn zum Leben erweckte, mit Leben füllte und tagtäglich für seinen Bestand garantiert …. und somit des zweite Bein des Nachrichtenspiegel ist, ohne das wir gar nicht laufen könnten – oder laufen wollten.

Was nun die Zukunft bringt?

Hier mag ich nur kleinen Trost spenden, aber verkünden, dass ich aktuell einen winzig kleinen Lichtschimmer am Horizont entdecke. Sehr hell, aber klein. Mag sein, dass jemand es schafft, die Ritter des Landes zu vereinen und einen Bund zu schmieden, der Großes erreichen kann, mag sein, dass es gelingt, ein großes, internationales Camelot zu gründen, dass Freiheit, Leben und Glückseligkeit für die Menschen bringt. Aus diesem Grunde habe ich den heutigen Tage gewählt, um die notwendigen Verträge zu unterzeichnen und mich jener Gemeinschaft anzuschließen, die sich anschickt, dem Rad der Geschichte neuen Schwung zu verleihen – zum Wohle aller. Nötig ist es – und im wahrsten Sinne des Wortes „notwendig“.

Doch hierzu …. später mehr.

Sie wissen ja, wo.

 

 

 

 

Es findet immer einen Weg…

Das Leben feiert sich mal wieder selbst.

Wozu Philosophie? Vom Sinn des Lebens.

Wozu Philosophie? Vom Sinn des Lebens.

Donnerstag, 12.12.2013. Eifel. Es gibt Fragen, denen man sich im Leben immer wieder stellen muss – jedenfalls wenn man die Wissenschaft der Philosophie erfolgreich studiert hat. Niemand fragt einen Lehrer, warum er Lehrer werden wollte (Ferien) oder einen Arzt, warum er Arzt werden wollte (Geld), niemand fragt einen Rechtsanwalt (Geld) oder einen Betriebswirt (Geld). Bei Philosophie jedoch – der brotlosesten aller brotlosen Künste – steht man schnell am Pranger … jedenfalls heute, wo die Anhäufung von Geld in endlos großen Massen einziger akzeptierter Lebensinhalt geworden ist, obwohl man Geld noch nicht mal essen kann. Die Antwort ist einfach: besserer Sex. Ich sehe, ich habe jetzt ihre Aufmerksamkeit – und genau diejenige ist es, die automatisch wächst, je mehr Sie sich mit der Kunst des Denkens beschäftigen.

Aufmerksamkeit ist das allerwichtigste Element in unserem Leben, wenn es um Genuss des Lebens geht. Ein grober Klotz braucht Weltreisen, bis sein auf Minimallevel arbeitendes Gehirn auch nur Ansätze von Eindrücken empfängt, notfalls muss er sich mit glühenden Schürhaken peinigen lassen, um überhaupt noch etwas zu empfinden: ich denke hier liegt die Hauptursache des boomenden Sado-Maso-Kultes in Berlin – jedenfalls haben mir Eingeweihte nach dem Umzug der Regierung von diesem Boom erzählt. Mit der Regierung kamen auch die Sado-Maso-Buden, so geht die Rede – und schaue ich mir die Politik so generell an, kann ich eine gewisse Lust an der Qual nicht fortreden.

Ein geschulter Geist jedoch vermag allein im Blumentopf auf seiner eigenen Fensterbank noch völlig unerforschte, wunderbare Welten zu entdecken, deren Erlebnisvielfalt jeden Asientrip in den Schatten stellt. Wie schult man diesen Geist?

Durch Denken, durch den Aufbau immer komplexer werdender Denkstrukturen und umfassender werdenden Denkoperationen. Je größer und umfassender diese Strukturen, je komplexer ihre Muster, umso größer wird auch die Erlebnistiefe in allen Lebensbereichen. Nein – ein grober Klotz kann das nicht beurteilen, dazu muss man den Weg erstmal zu Ende gegangen sein. Ein grober Klotz braucht immer härtere, stärkere Reize, um überhaupt noch zu merken, dass er lebendig ist, schnell werden Sexualität und Gewalt vermischt, schnell verwischen sich die Grenzen von Kinderliebe und Sexualität, von Ernährung und Menschenfleisch; war es anfangs noch ein Softerotikfilm, der Freude machte, mußte später schon die Frau vor laufender Kamera zerstückelt werden, nachdem sie es mit Tieren getrieben hat, damit das sterbende Gehirn des Täters noch am Leben teilnehmen kann.

Dankenswerterweise sind wir Menschen alle von Geburt an Philosophen – erst später wird uns das Denken mit Gewalt abtrainiert, wenn „Schule“ auf lebendige Fragen tote, vorgefertigte Antworten gib, wenn Denken bestraft anstatt befördert wird – es sei denn, es bewegt sich in Bahnen, die der Maximierung von Kapitalrendite dienen. Wer erlebt, wie Kinder auf wundersame Weise überglücklich werden, wenn sie ihre eigenen kleinen Welten kreiren (und sich so auf dem Weg machen, ganz automatisch souveräne Lebenskünstler zu werden), wird erinnert an jene Beobachtungen, die der Wissenschaftler Emanuel Swedenborg über Engel gemacht hat: sie sind in der Lage, um sich herum ein kleines Feld von Eigenrealität aufzubauen, einen kleinen Raum, in dem sie selbst die Naturgesetze bestimmen.

Hier stoßen wir auf eine der zentralen Fragen der Philosophie: die Frage nach der eigenen Herkunft.

Die Kapitalrendite- und Militärwissenschaft (den edlen Titel „Naturwissenschaft“ verdient die aktuell so bezeichnete Zunft schon lange nicht mehr) hat hierzu eigene, vorgefertigte Antworten, die der Verbesserung der Leidenschaft beim Wehrmittelverbrauch (auch „Krieg“ genannt) und der Steigerung der Eigenkapitalrendite dienen sollen: wir existieren gar nicht, sind nur eine Illusion.

Noch vor zweihundert Jahren hätte man über diese Anmaßung noch herzhaft gelacht, weiß man doch, dass das phantasierende Subjekt sich niemals als phantasierendes Objekt beobachten kann – auch wenn es das noch so entschieden behauptet.

Im Zeitalter der groben Klötze jedoch werden solche Überlegungen anstandslos bei festlichem Akte der gesellschaftlichen Lumpenelite vorgestellt, um jede weiteren Regungen des Gewissens auszuschließen.

Wo kommen wir nun wirklich her?

Das ist eine Frage nach einer Wahrheit. In der Kunst des Denkens merkt man schnell, wie begrenzt die Sinne des menschlichen Körpers sind, wie mangelhaft seine Ausstattung – noch nicht mal fliegen kann er. Wir können mit diesem Instrument keine Wahrheiten schaffen – wir haben das ja auch aufgegeben zugunsten beständig verschrobener werdender Theorien, mit denen man Philosophen zu Arbeitstieren (und groben Klötzen) umformen kann. Darum sucht die Philosophie keine Wahrheit, sondern Weisheit, einer Weisheit, zu der sie ein sehr liebevolles Verhältnis hat – und kein vernünftiges, obschon doch Vernunft eines der Werkzeuge ist, derer sie sich gerne bedient.

Weisheit nun hat sich über Jahrtausende hinweg Bahn gebrochen und die Frage beantwortet: ein Jenseits ist es, aus dem wir stammen. Je nach geformter Eigenrealität des denkenden Menschen unterscheiden sich die Bilder des Jenseits, doch das Prinzip bleibt gleich.

Haben wir diese Entscheidung getroffen, ist der Rest ziemlich einfach. Entscheidung? Ja, zu der Erkenntnis von Weisheit gehört die Erkenntnis, dass man sich Wahrheiten aussuchen kann, man kann (und MUSS) sich für sie ENTSCHEIDEN. Das macht im tieferen Sinne die Bedeutung des religiösen Wortes „Glauben“ aus: durch aktive, kräftige, bewusste Entscheidung Wahrheiten schaffen. Das gehört zu den Erkenntnissen, die der philosophische Geist in seiner Jugend in sich trägt – und die „Schule“ mit brutaler Gewalt austreibt, wer sich nicht biegen und brechen läßt, findet gerade mal in der Kunst noch einen akzeptierten Lebensbereich.

Haben wir die Frage geklärt, wo wir herkommen (geklärt in dem Sinne, dass es NUR UNS SELBST klar sein muss und niemand anderem), sind wir uns sicher, den Ursprung unseres Selbst erkannt zu haben, haben wir auch die Frage beantwortet, wo wir hingehen, wenn wir die Zusammensetzung der Materieballungen verändern oder von der Teilchenexistenz wieder auf Wellenexistenz umschalten (auf deutsch: „sterben“): wir gehen nach Hause.

Ist das Leben gut gelungen, bringen wir einen großen Schatz an Erfahrungen mit Heim, eine wertvolle Beute an Eindrücken, Gefühlen, Erkenntnissen, Erfahrungen und Erlebnissen, die uns niemand nehmen kann. Ist das Leben schief gegangen, tragen wir zu diesem Zeitpunkt nur noch das Potential in uns, funktionierendes Rädchen in einem Großraumbüro zu sein. Der Moment, wo wir erkennen, das wir trotz sechs- siebenstelligem Jahresgehalt bitter arm geblieben sind, wird von jenen, die ihn erleben, als sehr grausam beschrieben, andere berichten sogar, dass einem so unterentwickeltem Denkapparat noch nicht mal der Übergang ins Jenseits gelingt und man mit seinem Wesen, seiner Seele im Bereich der Teilchen hängen bleibt und untergeht, weil man nie gelernt hat, in den Wellen der Realitäten zu schwimmen.

Natürlich kann man sich auch entscheiden, ein Materialist zu werden und das Leben als solcher zu verbringen – JEDES Leben ist gut, jede Erfahrung wertvoll, sofern es aus bewusster, konsequent durchdachter Entscheidung besteht. Lebt man es, um dem Priester aus der Klosterschule bis zum Lebensende eins auszuwischen, hat gerade der Priester Macht über mich, den ich doch für immer aus meinen Anschauungen verbannen sollte … wenn ich weise wäre.

Hier stoßen wir direkt zum Nutzen der Philosophie: das geschulte Denken hilft uns sehr, jene Momente zu erkennen, wo andere Menschen Macht über uns ausüben wollen – und es auch tun. Der moderne Mensch liefert sich seinen Machthabern täglich für viele Stunden aus und läßt täglich vielen Stunden Werbung ungefiltert in sein Hirn – dabei geböte es die Weisheit, das Gerät ganz auszuschalten, weil der Schaden, der durch fremde und verfremdete Wirklichkeitsabbildungen in den Werbebildern angerichtet wird, um einiges größer ist, als der Nutzen, der durch Information und Aufklärung gewonnen werden könnte. Nur wenige Menschen sind so gefestigt, dass sie den sublim ausgestalteten Werbebotschaften widerstehen geschweige denn sie erkennen können, es ist ein endloser Spiegel des Mangels, der einem vorgehalten wird – und eine endlose Predigt der Wertlosigkeit der eigenen Existenz, weil man das falsche Automodell fährt und deshalb vor Gott selbst in Ungnade gefallen ist.

Beherrschen Sie die Kunst der Philosophie – die auch die Kunst ist, jederzeit in unsere „Software“ bewusst eingreifen und sie beliebig steuern zu können – haben sie den Gipfelpunkt menschlichen Reichtums erreicht, eine Form der Ruhe, Zufriedenheit und des Glücks, die ihnen niemand mehr nehmen kann. Beherrschen sie sie nicht, werden sie von anderen durchs Leben getrieben – was oft sehr unerquicklich ist.

Natürlich muss man Nebenwirkungen erwähnen, die sich automatisch einstellen, je gewandter der Umgang mit Gedanken wird.

Sie verlieren jede Lust an Gewaltausübung gegen Frauen, Vergewaltigung wird ihnen fremd wie Stacheldraht auf Toastbrot, eine urmännliche Überzeugung, dass Frauen bestraft gehören und dies durch Sexualität zu geschehen hat, erlischt folgenlos – weil sie zu den Botschaften der Außenwelt gehört, die einen steuern sollten. (Einschub: diese Überzeugung habe ich bei vielen – ja, den meisten – Führungskräften der Pharmaindustrie bemerkt, es war ihre Motivation, ins Bordell zu gehen und dort ihre Strafphantasien gegen Bezahlung straffrei ausleben zu können – mit Handlungen, die sie normalerweise direkt ins Gefängnis gebracht hätten). Ebenso verlieren sie die Lust am Konsum – vollständig. Zwar steigert sich die Freude an Dingen ungemein – aber hierzu reicht schon ein besonderer Stein, eine außergewöhnliche Wolkenformation oder ein seltener Duft. Sie brauchen gar nicht erst den Versuch starten, mangels hinreichender Erlebnistiefe immer gröbere Keile in die Welt zu schlagen – sie besitzen diese Erlebnistiefe.

Und bald auch die sichere Überzeugung, das diese Gedankenwelten groß und stabil genug geworden sind, um die Reise sicher fort zu setzen – in andere Welten oder einfach nach Hause. Keine Sorge: das merken sie einfach wie Regen auf der Haut, Sand unter den Füßen oder Wind im Haar: so genau wie diese Erlebnisse wird dann ihr Wissen davon sein, dass sie stabil und sicher jenseits der Materie existieren werden, weil sie kraftvoller als diese geworden sind, den Sprung vom Teichen zur stabilen Welle erfolgreich hinter sich gebracht haben.

Diese Überzeugung muss nicht bewusst geschehen – das Denken kann andere, perfekte Kreise bilden, fast in jeder Zusammensetzung – sie kann sich einfach in einer völligen Ignoranz der eigenen Sterblichkeit manifestieren … immerhin ist sie ein Produkt der Erfahrung und des Erlebens und nicht ein Produkt gedanklicher Akrobatik (wie leider viele neuere esoterische Leben).

Folgen Sie dem Denken der alten Griechen, wird es noch dramatischer: dann haben Sie sich sogar genau dieses Leben, in dem sie jetzt stecken, ausgesucht um genau jene Erfahrung zu machen. Das ist denkbar – aber oft schlecht erträglich. Zwar mag man aus einer Laune heraus die Erfahrung professionellen Stumpfsinns machen wollen – doch zeigt sich oft, dass man inmitten der Erfahrung gerne mal den Kurs ändern möchte. Außerdem lehrt uns die Weisheit nach den schrecklichen Erfahrungen des 21. Jahrhunderts, das die bösartigen menschenfressenden Dämonen nicht aus unserem Leben verschwunden sind: anstatt Menschen auf dem Dorfplatz zu verbrennen, organisieren sie ihre Vernichtung mit den Mitteln der industriellen Produktion – oder bauen Bomben, die gleich mit einem Schlag ganze Großstädte ausradieren … das erspart einem den mühevollen Prozess der Selektion. Diese Erfahrungen zeigen, dass wir gut beraten sind, nicht jede Form von Erfahrung heilig zu sprechen, wir wären sonst kaum in der Lage, unserem Gewissen gemäß zu handeln.

Man kann diese Aspekte im Übrigen gut mit Prostituierten besprechen – auch wenn man für ihre „Dienstleistung“ keinerlei Bedarf mehr ins ich spürt, weil man orgiastische Zustände nach Belieben durch Veränderung der Software hervorrufen kann. Sie sind es gewöhnt, Körper und Geist zu trennen (auch wenn sie dafür bezahlt werden, so zu tun, als täten sie es nicht) – sie könnten ihren Job nicht lange durchhalten, täten sie das nicht. Gleiches gilt im Übrigen auch für Ärzte und Manager – soweit ich das beobachten konnte, schaue ich mir die aktuelle Politik an, so sehe ich auch Anzeichen dafür, dass Politiker ebenfalls ihre Seele schlafen schicken, um im Sinne der Maximierung von Kapitalrendite folgerichtig entscheiden zu können.

Eine weitere Nebenwirkung ist eine ausgesprochene Menschenliebe, die weit jenseits jeglicher Sexualität steht. Damit muss man erstmal klar kommen: Menschen ohne Nutzen einfach zu mögen.

Die bloße Masse der Gedanken erreicht irgendwann einen kritischen Punkt, ab dem man neue Qualitäten bemerken kann – die Vorstellung, das eine Existenz, die nur einen einzigen Zeitzustand erleben kann („jetzt“ – alles andere ist künstliche Interpretation und wilde Theorie … so schön man einen Zeitstrahl auch graphisch darstellen kann), irgendwann aus diesem Zustand herausfallen soll, weil die nieder schwingende organische Struktur umorganisiert wird, hat schon etwas außerordentlich Absurdes an sich. Kein Wunder, dass solche Menschen sich auch vorstellen können, in einem Nährlösungstank zu liegen und sich den Rest der Welt nur zu träumen.

Leider merkt man auch, wie das Leben sein könnte, wenn die Kunst der Philosophie gefördert würde – wir hätten eine Vielzahl unendlich reicher Menschen, die sehr angenehme Zeitgenossen sein können (auch wenn die Lust an groben Vergnügungsersatzstoffen wie Alkohol, Nikotin und Karneval schnell vergeht), die ihre natürliche Umwelt hegen und pflegen – anstatt Tresore hinter Stahl, Glas und Beton die leb- und lieblose Geldhaufen vor den Augen der Welt verbergen.

Eine gewisse Trauer ob der realen Entwicklung der Welt wird sich nicht verhindern lassen, eine gewisse Veranlagung, eine boshafte Intelligenz hinter der unnatürlichen Entwicklung der doch so reizvoll angelegten Menschheit zu vermuten, kann ebenfalls auftreten, gleichfalls eine konsistente Neigung, liebgewonnene Wahrheiten der selbstverliebten politischen Elite regelmäßig in Frage zu stellen – erst Recht, wenn diese Wahrheiten dazu geeignet sind, das natürliche Lebensglück zu verdunkeln.

Wie man den Weg geht?

Falls man Fragen hat: einfach Kindern zuschauen. Die sind noch nahe dran an „drüben“, aber nicht so gezeichnet vom Leben sie. Stellen Sie Fragen – und vor allem: trauen Sie sich zu, die Antworten selbst zu finden.

Wenn Sie es gerne religiös haben wollen – bitte schön: Christus sprach in Gleichnissen, die so komplex aber auch ansprechend waren, dass Denker seit zweitausend Jahren nach ihrem Sinn suchen … Gott will Denker, keine Schafe, auch wenn er seinen Sohn als Lamm geopfert hat, um diese Botschaft unter die Menschheit zu bringen, als sich der Geist des dunklen Imperiums über die Menschheit ausbreteite … so, wie er es auch heute wieder tut, diemal mit der ganzen Welt im Blick.

Das Internet verlangt nun Kürze, weshalb ich die Ausführungen hier schließen muss – in der Hoffnung, wenigstens grob umrissen zu haben, dass die Kunst des Denkens mehr Gewinn bringt, als alles Geld der Welt zu vermitteln mag.

Kürzer könnte ich nur mit Schopenhauer reden: Philosophie bringt nichts, erspart einem aber Vieles. Das allein – wäre auch schon sehr viel wert.

Andererseits kann sie jeden Tag in Weihnachten verwandeln, wo unter golden glitzernden Lichtern im grünen Lebensmeer erfreuhliche Wunder auf einen warten … jeden Tag ein wenig mehr.

Und nun – viel Spaß beim Denken und der Beantwortung jener Fragen, die uns Menschen ausmachen: vom komme ich her? Wo gehe ich hin? Was will ich hier?

Vielleicht fangen Sie einfach mit der Arbeit an der Frage an, warum wir eigentlich alle einen Strahl als Darstellung von „Zeit“ kritiklos aktzeptieren, obwohl jeder bis heute lebende Mensch die Dimension „Zeit“ (sofern es überhaut eine ist) nur als Punkt erlebt: als ewig sich veränderndes JETZT. Aber Vorsicht: die Antworten auf diese Fragen werden politisch schnell hoch brisant … ein endloses Jetzt hat nämlich kein Ende, mit dem man ihm drohen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

Geopolitik

Wenn die EU uns demnächst (und jetzt ja auch schon) in den Abgrund reißt, interessiert es niemanden weil wir Europäer zu träge sind. Schade eigentlich, das wir Südeuropa allein lassen und einfach so weiter machen wie bisher. Ölkrise? Finanzkrise? ESM? Vertrag von Lissabon?

Wasserprivatisierung? Monsanto? Fukushima? u.v.m. interessiert niemanden.

Den eigenen Konsum überdenken? Etwas ändern? Nein – nicht der Deutsche.

Dafür geht es dem Michel zu gut. NOCH!!

(mehr …)

Der Tod und das gelungene Leben in Geschichte und Gegenwart – und die wahre Sünde

Mittwoch, 12.6.2013. Eifel. Der Tod eines für mich wichtigen Menschen führte mich in den letzten Tagen wieder einmal zu den Ursprüngen philosophischer Arbeit zurück, zu den elementaren Fragen des Lebens. Drei lebensgefährdende Autopannen hintereinander haben mir auch wieder einmal vor Augen geführt, dass auch ich nicht ewig leben werde, obwohl ich - wie die meisten meiner Mitmenschen - das deutliche Gefühl habe, dass dies so ist. Diese Erfahrungen kommen gerade zur rechten Zeit, denn gerade jetzt habe ich gemerkt, wie falsch ich doch gelegen habe mit meiner Annahme, es gäbe in der politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Dimension des Lebens etwas zu tun, weil einiges aus dem Ruder läuft. Eine im Spiegel veröffentlichte Studie hat mich aber von dem Irrglauben befreit:

Mittwoch, 12.6.2013. Eifel. Der Tod eines für mich wichtigen Menschen führte mich in den letzten Tagen wieder einmal zu den Ursprüngen philosophischer Arbeit zurück, zu den elementaren Fragen des Lebens. Drei lebensgefährdende Autopannen hintereinander haben mir auch wieder einmal vor Augen geführt, dass auch ich nicht ewig leben werde, obwohl ich – wie die meisten meiner Mitmenschen – das deutliche Gefühl habe, dass dies so ist. Diese Erfahrungen kommen gerade zur rechten Zeit, denn gerade jetzt habe ich gemerkt, wie falsch ich doch gelegen habe mit meiner Annahme, es gäbe in der politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Dimension des Lebens etwas zu tun, weil einiges aus dem Ruder läuft. Eine im Spiegel veröffentlichte Studie hat mich aber von dem Irrglauben befreit:

In Deutschland wächst die Zustimmung zum politischen System. Gleichzeitig schwindet die Bereitschaft abzustimmen. Eine Studie sagt deshalb eine sinkende Beteiligung an der nächsten Bundestagswahl voraus.

Es ist natürlich nicht der deutsche Leistungsträger, der sich von der Demokratie verabschiedet – es sind die Parasiten und Schmarotzer, die sogar zu faul sind, zur Wahl zu gehen:

Vor allem einkommensschwache und bildungsferne Menschen verabschieden sich demnach aus der aktiven Teilhabe an Demokratie. „Je geringer der Sozialstatus und je größer das politische Desinteresse im Freundeskreis, desto weniger wahrscheinlich wird der Gang zur Wahlurne“

Immerhin wurden für diese Studie über 1500 Menschen befragt, zehn mal soviel wie in unserem Dorf leben. Jetzt weiß man auch, warum jeglicher Widerstand gegen die Hartz-Gesetze im Sande verläuft: die, die es angeht, sind wohl wirklich so, wie die Regierung es schon vor zehn Jahren erkannt hat.

Zudem erkennen die Bundesbürger zunehmend große Unterschiede zwischen den im Bundestag vertretenen Parteien und sind begeistert von unserer Art, Demokratie zu versuchen: man sieht, es besteht wirklich überhaupt kein Handlungsbedarf – außer bei den faulen Hartzern, denen man nach dieser Studie zurecht das Wahlrecht wird absprechen können.

Zeit genug also, sich wieder den wirklich wichtigen Themen zuzuwenden, jenen Themen, die früher oder später jeden von uns berühren werden: beispielsweise dem Tod.

Was hat der Tod nun mit Hartz IV und der Politik zu tun? Nun – in der Tat: sehr viel, doch dazu muss man – wie so oft – weiter ausholen., vor allem muss man sich klar sein, was denn das überhaupt sein soll: der Tod. Christentum und Materialismus predigen uns seit Jahrhunderten ganz genau, was wir uns darunter vorzustellen haben: den Übergang in ein absolutes, finsteres, lebloses Nichts, einen Zustand, den Buddhisten aus unserer Sicht geradezu anzustreben scheinen: im vollen Bewusstsein unserer kulturellen und intellektuellen Überlegenheit bereitet uns dieser Umstand jedoch keine weiteren Probleme.

Ebensowenig bereitet uns Probleme, das unsere Angst vor dem Tod direkt aus alten biblischen Überzeugungen resultiert, die wir doch als moderne, aufgeklärte Menschen weit hinter und unter uns wähnen: der Tod ist jener Zustand, der den Menschen weit von „Gott“ entfernt (siehe Psalm 88). Mit nüchternen Sprüchen wie: „wo ich bin, da ist der Tod nicht und wo der Tod ist, da bin ich nicht“ (Epikur) lassen sich solche existenziellen Ängste nicht bewältigen.

Bleiben wir kurz bei diesen Ängsten. Sowie das Alte Testament nie einen systematischen Gottesbegriff entworfen hat (was Antitheisten nicht davon abhält, davon auszugehen, dass es so etwa gäbe und dieses dann zu verwerfen), hat es sich nie um den Tod und die Hölle gekümmert (was Priester nie davon abgehalten hat, zwecks Steigerung der Kollektenrendite genaue Kenntnis von der Hölle zu vermitteln, in die all´ jene kommen, die ihnen nicht zu Willen sind). Man fürchtet nicht den Tod – erst recht nicht den friedlichen Tod im Alter – sondern die Ferne von Gott … ein für uns völlig fremdes Denken, das freilich noch weitere Konsequenzen nach sich zieht: „fern von Gott“ kann man auch mitten im Leben sein.

Was heißt nun „fern von Gott sein“ in einer Religion, die gar keinen Begriff von „Gott“ hat … außer dass er der „lebendige“ Gott ist, die „schöpferische Lebensmacht schlechthin, die Mensch, Erde und Kosmos erfasst“ (siehe Praktisches Bibellexikon, Herder 1985, Seite 441)?

Erstmal: fern vom Leben sein, fern jeglicher Lebendigkeit und jeglicher Erfahrung von Lebendigkeit existieren.

Und auf einmal ist der Tod mitten in unserem Leben. Jener Tod, den wir so schrecklich fürchten – oder blind ignorieren – kann uns bei lebendigem Leibe ereilen. Faszinierend ist: das wissen wir schon lange. Jeder weiß das, das ist der Grund, warum Urlaub für uns so unverzichtbar ist.

„Ach ja, wenigstens für einige Zeit wollen diese Leute die freie Natur erleben, ihre Sorgen und Nöte vergessen und vor allen Dingen ihre eintönige Stadt einmal hinter sich lassen;  diese steinerne und graue Zementwüste hatte sie lange genug verschlungen und wird sei sowieso später wieder verschlingen“ – so Albino Luciani, bekannt als 33-Tage-Papst Johannes Paul I., in seinen fiktiven Schriften „Briefe an Persönlichkeiten“ (Verlag neue Stadt 1979, Seite 87).

In der Wüste finden wir erschreckend wenig Leben – so jedenfalls ist das Sinnbild der Wüste.

Für immer mehr Menschen findet das Leben genau in jenen Städten statt – und so wird für immer mehr Menschen der „Tod im Leben“ erfahrbar in Form eines Lebens, das nur ein absolutes Minimum an Erfahrungen von „Lebendigkeit“ erlaubt. Während das Leben auf dem Lande einem Bad in allen Ausdrucksformen des Lebens gleicht, führt das Leben in der hektischen „Leistungsgesellschaft“ zu einem Tode im Leben, der seinen Gipfel dort erreicht, wo Menschen durch finanzielle Armut dazu verdammt werden, auch den städtischen Ausdrucksformen menschlicher Lebendigkeit wie Theater, Musik, Malerei, Dichtkunst und sogar der Liebe fern zu bleiben. Sie werden zum Ausschuss einer unmenschlichen Gesellschaft, die systematisch den Tod im Leben produziert … und zwar massenhaft.

Von diesem System hin zu einem System der Massenvernichtung unwerten Lebens ist es – kulturell gesehen – nur noch ein ganz kleiner Schritt, weshalb wir modernen Experimenten mit dem Problem der Arbeitslosigkeit zurecht sehr kritisch und ängstlich gegenüberstehen, bringen sie doch den Tod  – als Einschränkung der Erfahrung der Lebendigkeit – tagtäglich in das Leben von Millionen von Menschen.

Wie weit sind diese Experimente mit nicht mehr industriell verwertbaren Menschen von der Achtung vor dem Leben und all seinen Ausdrucksformen entfernt, wie wir sie zum Beispiel im Sonnengedicht des Franz von Assisi finden (siehe Franziskaner) … welches sein Pendant vielleicht in einem einfachen Zitat von Samuel Butler findet (siehe Zitate.de):

„Alle Lebewesen außer dem Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen“

Wieviel Genuss bleibt eigentlich für Arbeitslose in Zementwüsten? Oder für Niedriglöhner in Großraumbüros? Für Berufskraftfahrer in Blechsärgen? Wie fern von Gott werden sie von Regierung und Wirtschaft gehalten – wenn wir nur für eine Augenblick die Perspektive des heiligen Franz von Assisi einnehmen, jenes Menschen, für den Sonne und Mond, Feuer und Tod Brüder und Schwestern waren?

Seltsame Wege, auf die uns die Reflexion ein paar alltäglicher Begriffe gebracht haben, Reflexionen die wir nun ein wenig wissenschaftlicher angehen wollen, in dem wir ein paar Fakten über den Tod nennen, die nicht materialistischen oder kirchlichen Vorstellungen (eigentlich nur zwei Seiten derselben dogmatischen Medaille) entsprechen. 

„Der Meinungsforscher George Gallup fand heraus, dass in den USA acht Millionen Erwachsene ein Todesnäheerlebnis, kurz TNE, gehabt haben, kurz: jeder Zwanzigste“

(Siehe Moody, Das Licht von drüben, Rowohl 2004, Seite 19).

Die moderne Medizin schafft es immer häufiger, Menschen wiederzubeleben, die früher nie zurückgekommen wären. Ihre Berichte ähneln sich verblüffend:

Gefühl von Frieden und Schmerzfreiheit: 32 %

Lebensrückblick: 32 %

Eintritt in eine andere Welt: 32 %

Verlassen des Körpers: 26%

Genaue visuelle Wahrnehmung: 23 %

Begegnung mit anderen Wesenheiten: 23 %

(siehe Moody, a.a.O.)

Der oft zitierte „Tunnel“ wird nur von 9 % berichtet.

Für die Kirche sind diese Berichte „oft ein Reiz- und Tabuthema„, obwohl gerade junge Menschen sehr positiv auf die Thematik reagieren:

Es ist beeindruckend, wenn Jugendliche mir berichten, Angst vor bevorstehenden schweren Operationen, Todesfurcht und Lebensangst überhaupt hätten sich nach der Unterrichtseinheit deutlich verringert oder seien sogar ganz vergangen.  (siehe Deutsches Pfarrerblatt, Heft 5, 2012).

Nun – die Dogmatik der Kirche erlaubt es nicht, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, ebenso wenig wie der Materialismus diese Perspektive zulassen darf. Wo  Dogmatik das Leben bis ins kleinste Detail jenseits jeglicher Ideale von Freiheit regeln möchte, ist kein Platz für die Erfahrungen und Erlebnisse von Menschen und erst recht kein Platz für eine Lebendigkeit, die über das Leben hinausreicht.

Wo wir gerade dabei waren, uns das Sonnengedicht des heiligen Franz von Assisi anzuhören, jenes Menschen, der – allen Werten der modernen Leistungsgesellschaft zum Trotz – sein Glück in der Ablehnung des Reichtums und dem Genuss der Lebendigkeit der Welt fand: hier finden wir einen Passus, der uns aufhören lassen sollte:

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

„Sünde“ – das böse Wort. Jenseits von Kirche: das Gegenteil von Leben (siehe Praktisches Bibellexikona.a.O. Seite 670). Nicht der Tod ist der Feind des Lebens, sondern die Sünde. Und wie sieht diese Sünde nun aus, die ein unbekannter „Gott“ ausmerzen will? Sind es die Mörder, die Diebe, die Ehebrecher, die Homosexuellen oder die Atheisten, die ausgemerzt werden?

Weit gefehlt.

Schauen wir bei Wikipedia nach, wem der „Zweite Tod“ droht, jener Tod, der auch nach dem Verständnis der Tibetaner, Ägypter und Tolteken das denkende, empfindende Ich auslöschen wird:

  • die „Feigen“ – Menschen, die aus Angst Götzen oder das Tier angebetet haben;
  • Ungläubige – alle, die nach außen hin einen Glauben vertreten, ihn aber insgeheim ablehnen;
  • Frevler – Menschen, die das Idol der Unterdrücker anbeten;
  • Mörder – alle, die durch Unterdrückung das Leben Anderer vernichten;
  • Unzüchtige – Menschen, die andere durch Geld zum Objekt ihrer Begierde machen;
  • Zauberer (oder: Giftmischer) – alle, die magische Praktiken als Herrschaftsmittel benutzen;
  • Götzendiener – im biblischen Sinne jeder, der an die Stelle Gottes andere Mächte (Geld, Macht, Markt) setzt;

Seltsame Definitionen, oder? Aber Definitionen, die erstaunlich Präzise den Begriff des Lebens alttestamentarischer Menschen beschreiben und uns ganz erstaunliche Aussichten auf jene „schweren Sünden“ geben, die Franz von Assisi erwähnt.

Wer endgültig vernichtet wird, sind die, die lebensfremde, lebensbedrängende und lebensvernichtende Werte leben und anbeten. Schlimme Botschaft für den Vatikan – und die deutsche Bundesregierung, die beispielsweise durch Unterdrückung mittels Hartz IV das Leben Anderer vernichtet. Schlimme Nachrichten für alle Machtmenschen, ob sie nun Bankiers, Generäle, Bundeskanzler, Kardinäle, CEO´s, Parteivorsitzende oder esoterische Budenzauberer sind.

Alles, was dem Leben Feind und in dem Sinne lebensuntüchtig ist, wird selektiert. Gnadenlos. Kennen wir ja aus der Natur – warum sollte es im größeren Rahmen anders sein?

Und das heißt, dass man den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit, die Distanz zu einem lebensvernichtenden (und die Lebendigkeit der natürlichen Umwelt beständig weiter minimierenden) System aus reinem Eigennutz weiter aufrecht erhalten sollte – auch wenn der „Spiegel“ jetzt meint, alles sei wunderbar in Ordnung und sich überraschend viele Menschen dieser Meinung anschließen.

Es stellt jetzt wahrscheinlich für viele die Frage: gibt es jetzt doch wirklich einen Gott?

Diese Frage werde ich leider erst dann beantworten können, wenn auch ich erfolgreich unter Überwindung aller Hindernisse in jenseitigen Gefilden weile – was schon bald der Fall sein kann. Aller Erfahrung nach werde ich dann allerdings ganz schnell das Interesse verlieren, meine Erfahrungen mitzuteilen.

Was ich aber jetzt schon sagen kann, ist, dass die Frage nach der Existenz eines Gottes völlig bedeutungslos ist.

Was zweifellos existiert, ist der Tod und das Leben. Was existiert, sind die Feigen, die Ungläubigen, die Frevler, die Mörder, die Unzüchtigen, die Zauberer und Götzendiener, die das Leben schon vor dem Tode auf vielfältige Art vergewaltigen. Was existiert – mit ständig wachsender Wahrscheinlichkeit – ist ein Leben nach dem Tod … und Ausrucksformen des Todes  mitten im Leben.

Was existiert, ist die Frage, ob es uns gelingt, ein gelungenes Leben zu leben – ein Leben mitten zwischen Bruder Feuer, Mutter Erde, Schwester Wasser und Bruder Wind … Dimensionen der Erfahrung von Lebendigkeit, weswegen wir im Urlaub lieber die Malediven aufsuchen als Gelsenkirchen.

Und was wäre das für eine Politik, die nicht Politik der Sünde sondern Politik des Lebens wäre?

Und was wird das für ein Himmel werden, in dem wir Atheisten wiederfinden aber keine Bischöfe, Kommunisten aber keine Anlageberater, Revolutionäre aber keine Mitläufer, Söldner aber keine Sachbearbeiter von Jobcentern, Prostituierte aber keine Verleiher von Arbeitskräften, christliche Mönche aber keine Tarotkarten legenden Astrologen und Leiharbeiter anstelle von Leistungsträgern…

Ein Himmel erstmal ohne Gott – und ganz anders, als kirchliche Leistungsträger uns verkaufen wollen.

Ist ja auch nicht weiter erstaunlich: das Wissen um die Priorität des Lebens vor der Religion ist Jahrtausende älter als alle Kirchen zusammen – und wenn wir dem Herrn Butler folgen wollen, sind wir Menschen die einzigen Geschöpfe, die dies zeitweise vergessen.

Sonderlich schwer wird ein gelungenes Leben nicht sein, denn wenn man genau hinschaut, so bedarf es schon einiger Mühe, bis man im Kreise der Feigen, Ungläubigen, Frevler, Mörder, Unzüchtigen, Zauberer und Götzendiener angekommen ist.

Wahrscheinlich haben schon viele Milliarden Menschen dieses gelungene Leben im Laufe der Jahrtausende erfolgreich bewältigt – nur momentan bekommen wir damit einige Schwierigkeiten.

Das muss aber nicht so bleiben. Den Genuss von Wind, Sonne, Mond und Sternen sowie der (schrumpfenden) Vielfalt der Natur braucht man sich durch Politik und Wirtschaft nicht verbieten zu lassen – Spatzen und Eichhörnchen sollen dies mit Leichtigkeit bewältigen können.

Und dann … wird wahrscheinlich auch wundersamerweise die Demokratie wieder viel lebendiger.

Oder besser: logischerweise.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ohne worte zum karfreitag

karfreitag

erstmal ein bisserl drüber schlafen – realitäten in der virtual reality

das internet ist so facettenreich wie der mensch selbst. ehrlich, aufrichtig, edel, hilfreich, gut, verschlagen, verlogen, böse, bekloppt. auffassungen werden kundgetan, dieses propagiert, jenes vermeldet. der surfende liest, ist erstaunt, leidet, meint, redet mit. und läuft dabei gefahr, sich eine eigene realität zu schaffen, indem er fakes aufsitzt – solange sie nur gut (halbwegs gut) gemacht sind und bestehende klischees bedienen. erfolgreich platziert in der vergangenen woche:

eine melange aus sex, vergewaltigung, stalking und dümmlich / hinterlistigen polizeibeamten die nicht wissen was ein blog ist oder wie twitter funktioniert – trifft auf eine unschuldig verfolgte bdsm bloggerin… und über 190 kommentatoren und ungezählte twitterer stimmen ein klageheul an, das seinesgleichen sucht. selbst „netzgrößen“ wie sasha lobo oder johnny (wer?) haeusler oder von mir hochgeschätzte fefe stimmen fallen in diesen gesangmit ein, wenngleich sasha lobo inzwischen eine 404 unter dem eingereichten link liefert und johnny h. seinen eintrag dergestalt updatetete, als das er seinen lesern rät, die kommentare unter dem verlinkten posting zu lesen.

warum ich das schreibe ist schnell erklärt – auch ich wäre fast auf den zug aufgesprungen und hätte mich vom gängig passenden feindbild „einlullen“ lassen. das gewisse quantum an mißtrauen, welches ich pauschal gegenüber dem homo sapiens hege, hielt mich jedoch von einem schnellschuß im brustton der überzeugung ab… und ließ mich erstmal ein bisserl drüber schlafen.

ob zu recht oder unrecht mag dahingestellt sein – wer sich überzeugen will kann hier gerne nachlesen. dieser kommentator ist übrigens der einzige(!) der mal die frage in den raum stellte, ob das überhaupt alles so ist, wie es dort geschrieben steht…

in diesem sinne: vor dem betreten des internets hirn eingeschaltet lassen!

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foto: 1 Gerd Altmann  / pixelio.de

Der Nachrichtenspiegel auf Facebook

 

Ja, nun ist es soweit. Es gibt eine Nachrichtenspiegel-Facebook-Seite. Ein riesengroßer Sprung über meinen datenschutzaffinen Schatten und noch viel mehr Palaver mit dem Interface, den Einstellungen und der sogenannten Usability. Die dadurch neu ergrauten Haare kann ich im Spiegel deutlich sehen. Die Bißspuren in der Tastatur auch.

Egal, die Menge der Verweise, die seid einiger Zeit über Facebook kommen (kann ich an den Referrern sehen) legten den Entschluß nahe, auch hier mal „Hallo“ zu sagen.

Aber, aus zeitlichen Gründen können wir leider kein Extra-Programm für Facebook leisten.

Wir haben dummerweise alle noch Dinge neben der Informationssammlung, Sortierung und Aufbereitung für die Leser zu erledigen. Dinge, die mit Nahrungsmittelbeschaffung, Kindererziehung und -bespaßung,  sauberen Wohnungen, Ämtern, Rechtsanwälten, Hobbys, Geldbeschaffung, Waschmaschinenbestückung, Brautschau (na ja, nicht alle von uns), Trinkgelagen, Tarotkarten, E-Mails, Erdstrahlen, über 300 RSS-Feeds im Reader – die gelesen werden wollen um auf dem Laufenden zu bleiben, das Lesen auf toten Bäumen, Unterhaltungsfilmen, Musik, Musik machen, Computerspiele und anderen, meist furchtbar profanen Dingen zu tun haben – ok, ich schweife ab. Entschuldigung.
Denn wenn man sich nur mit Polititk, Wirtschaft, realen und eingebildeten Verschwörungen und dem, was sonst noch um einen herum passiert beschäftigt, verliert man irgendwann die Bodenhaftung, wird Depressiv und fängt an, abzudrehen. Wir sind auch nur ganz normale Menschen.

Im Großen und Ganzen gibts daher auf Facebook, wie auch auf Twitter, nur Hinweise, daß hier im Nachrichtenspiegel wieder was Neues erschienen ist. Etwas, daß vielleicht jemanden zum Nachdenken anregt – der sich bisher nur gewundert hat was eigentlich so komisch ist oder irgendwie nicht Richtig zu sein scheint. Für denjenigen, der mit anderen Sachen beschäftigt war und gerade aufwacht, ein Artikel der einfach nur die Meinung von jemandem bestärkt oder auch der nur weitere Argumente für die bereits Überzeugten bringt.

So leid es mit tut, dies ist ein „Friss oder Stirb“. Wir wollen euch kein Geld abnehmen für das, was wir hier tun, aber wir haben auch nur begrenzte Ressourcen. Und die meisten von uns stecken mehr Energie, Zeit und Geld hier rein als Gut für sie ist.

Aber wir wollen es genau so und werden genau so weitermachen!

Und dafür maße ich mir jetzt mal an, denjenigen zu Danken, die hier mitspielen und genau das leisten. Ausdrücklich auch unserem Tagesbildbeauftragten, Jotha. Der es geschafft hat, seid Bestehen des Nachrichtenspiegels jeden Tag(!) ein neues Bild des Tages hervorzuzaubern. (Ok, bis auf eine Ausnahme von 2 Tagen, und daran war ich Schuld. Mea Culpa)

Vielen Dank, daß ihr, die Leser, uns über die Zugriffszahlen zeigt, daß wir es nicht umsonst machen.

Und wenn es nur dafür ist daß ihr nicht anfangt zu stottern, wenn Euch mal eure Kinder fragen, was ihr denn dagegen getan habt, daß es so schlimm geworden ist. Viel besser wäre es, wenn sie fragen, was ihr DAFÜR dafür getan habt, daß es NICHT so schlimm geworden ist.

Nicht vergessen, Ignoranz bedingt keine Unverwundbarkeit. Wenn der Kopf erst mal im Sand steckt wird das Atmen schwer. Und es kratzt im Hals.

Ergo – tut bitte etwas dafür, damit sich die schlimmen Dinge ändern.
Ich meine nicht diejenigen, die bereits in Initiativen mitarbeiten und sich „für die gute Sache“ aufreiben. Nein, ihr, die ihr vor dem Monitor sitzt und passiv zwar Einverstanden mit den (meisten) der hier dargelegten Kritiken, den Denkanstößen und den Ideen seid. Die eine Veränderung der Umstände wollen aber sich nicht trauen und deshalb immer noch das kleine Rädchen im Getriebe spielen. Ihr seid diejenigen, weshalb das „System“ immer noch funktioniert und andere auf eurem Rücken mit eurem Geld Feste feiern. Seid der Sand, nicht das Öl. Öl ist schmierig. Ich glaube, Dreckscheuder und der E-Philosoph hecken da was aus.

Aber vergesst nicht, der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Immer Cool bleiben und jeden sein Leben leben lassen.
Nur eben nicht das Leben der wirklichen Sozialschmarotzer unterstützen. Ich meine diejenigen, die andere für sich arbeiten lassen und sich dann auch noch als Leistungsträger feiern lassen obwohl sie nur als Parasiten von genau der besagten Leistung der im allgemeinen fleißigen „normalen“ Menschen schmarotzen. Es ist genug für Alle da. Aber ist ist insgesamt nicht genug da, daß eine einzige Familie zum Beispiel 700 Millionen mit einer Firma, die mal ein eigenen KZ hatte, verdient. Oder daß jemand stirbt (was immer traurig ist, jeder hat jemanden, der ihn vermisst – hoffentlich), der ein Vermögen von ca. 8 Milliarden Euro hat. Das ist Pervers.

Es muß ja nicht viel sein. Ich persönlich mach ja eigentlich auch nur die Technik, gebe launige Kommentare ab, stelle ab und an ein Video ein und kümmer mich um die E-Mails, einen Teil der Kommentare und um das Finanzielle. Warum? – Weil ich gerne Artikel lese die nicht in der Milliardärspresse erscheinen würden. Und weil ich Kinder, habe die mich irgendwann mal fragen werden… – aber das hatten wir ja schon.

Typisch Deutsch?

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Es gibt Momente im Leben, da schäme ich mich dafür, Deutscher zu sein. Da möchte ich mit diesem „Volk“ am liebsten nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun haben. Weil der typische Deutsche ein hirn- und vernunftloses Herdentier ist, das jedem Spinner nachrennt, wenn der ihm nur laut genug das Blaue vom Himmel runter verspricht. In derartigen Momenten setzt der Verstand aus, regieren nur noch Triebe und Gruppendruck. Da wird eine möglichst wehrlose Minderheit zum Abreagieren gebraucht. Das war vor gut siebzig Jahren im Dritten Reich so (die Juden); das setzte sich bei den Studentenunruhen fort (die ungewaschenen Langhaarigen); das ist heute immer noch so (die Sozialschmarotzer). Glaubt ihr nicht? Hier mal eine aktuelle Gegenüberstellung.

Die graue Theorie:
gg1

Das Aussprechen der traurigen Wahrheit:
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Die Gehirnwäsche gleichgeschalteter Hetzmedien:
gg3

Ich finde das, was hier z. Zt. bzg. Arbeitslosen-Bashing abgeht, nur noch zum Kotzen! Verdammt nochmal, das ist doch UNSER Land und nicht das von ein paar hoffnungslos überbezahlten Wohlstandszecken und Empfängern leistungsloser Grundeinkommen in Regierungsämtern und Vorstandsetagen! Und auch nicht das von deren schleimenden Schmierfinken! Macht sich das eigentlich keiner klar? Oder glauben mittlerweile alle schon den Gehirnwäschern? Im letztgenannten Fall muss ich allerdings sagen, dass wir diese Regierung wirklich verdient haben … Traurig, traurig!

 

realasmodis.blog.de

menschen leben

184 worte zum sonntag (weihnachtsedit)

frohe_weihnachten_ihr_weihlöcher

sieht momentan so aus, als bekämen wir doch noch weiße weihnachten. ich fürchte fast, das wäre dann zuviel der klischees für mich. auf rtl gewinnt der panflötenspieler aus ecuador die 100 mille und baut nun für seine mama ein häuschen. gottschalk (ich dachte der wollte aufhören) sammelt 20 millionen für ein herz für kinder ein und der lauf durch die städtische fussgängerzone hat irgendwas von sammelbüchsen-pogo.

 

frohe_weihnachten_ihr_weihlöcher

ich glaube, ich habe endlich was gefunden, was mir an weihnachten so richtig auf die nerven geht! das ganze jahr über dürfen wir arschloch sein, aber mit dem einwerfen der pressschokolade die hinter dem ersten kalendertürchen lauert, da werden wir alle zu richtig guten menschen – und spenden, was der geldbeutel hergibt. das ganze wird natürlich medial kräftigst unterstützt und untergemauert – und die protagonisten mit den 250 tausend euro schecks entsprechend inszeniert.

tja, so ist das halt… geben ist seeliger denn nehmen. aber wenn man fürs geben auch noch was bekommt – nämlich medienpräsenz zur besten sendezeit; wie unsere liebe deutschen post ag – dann wird der keks doch gerne gelutscht. auch wenn´s spekulatius ist.

in diesem sinne
ihr weihlöcher
ruft das proll mitglied

321 wörter zum sonntag

wir alle müssen klar erkennen, das "wehret den anfängen" schon längst passé ist, das wir (wieder) mittendrin sind und das wir es schlicht und einfach verpennt haben.

 

der heutige sonntag zum wort fällt, trotz des ernsten themas, recht kurz aus.  nicht, weil es nicht viel zu sagen gebe, sondern einfach, weil zu dem thema, um das es – natürlich – gehen wird, bereits so viel gesagt wird, schlüssiges und unschlüssiges, das es fast reichen könnte. aber auch nur fast.

betrachten wir die zurückliegenden jahre, so wurde uns allerorten suggeriert, das die braunen, die faschos auf dem weg in die vergessenheit seien (mitgliederschwund hier, pleite dort etc. pp.), das die anzahl der rechten straftaten rückgängig und die anzahl linker straftaten gestiegen sei!( was mich bereits im juni 2010 zu einem eintrag auf meiner anderen spielwiese inspirierte.)

nun kann sich ein jeder hinstellen und sagen: ich hab es ja immer schon gesagt, die braune gefahr darf man nicht unterschätzen (usw.usf.) und sicherlich dürfen dies auch einige von uns für sich in anspruch nehmen. ob dies auch auf meine person zutrifft, ist einer der punkte, über die ich aktuell nachgrübele. denn sicherlich fand auch ich die vorstellung, das „die“ nazis inzwischen einer aussterbenden spezies in dieser bunten replik angehörten… angenehm – um nicht zu sagen erhebend.

und genau das ist der punkt: wir haben uns einlullen lassen und geduldet, das eine faschistische mörderbande hinter unser aller rücken mordend und bombend durch dieses land eine kopfschusstournee veranstalten konnte. und dies jahrelang.

und vielleicht sollten wir alle einmal überlegen, ob es ausreicht, jedem neuen feindbild hinterherzuschreiben – egal ob castor, occupy, rechtschreibreform oder sonstwas – und dabei die alten, die wahren und immer noch existenten feinde komplett außen vor bzw. außer acht zu lassen.

das ganze betroffenheitsgesabbelle und „der verfassungsschutz ist schuld“ geschreie… bringt uns nicht wirklich weiter.  und macht keines der opfer wieder lebendig.

wir alle müssen klar erkennen, das „wehret den anfängen“ schon längst passé ist, das wir (wieder) mittendrin sind und das wir es schlicht und einfach verpennt haben. eingelullt in einen sumpf aus medienberichten und verfehlter sicherheitspolitik.

 

in diesem sinne
grübelnder gruß vom
proll mitglied

EMPÖRT EUCH … aber dann geht´s ab nach Hause. (Achtung, enthält Fäkalsprache)

EMPÖRT EUCH ... aber dann geht´s ab nach Hause. (Achtung, enthält Fäkalsprache)

Es ist ja inzwischen modern geworden, „Empört Euch“ zu rufen. Das ist ganz schick. Es machen ja auch viele. Man stellt sich auf die Straße und ruft ganz laut: „Ich will das alles nicht!„. Dann kehrt man zurück zu seinem VW Golf mit Biodiesel, fährt in seine Eigentumswohnung in Innenstadtlage (inklusive Tiefgaragenplatz), macht sich erstmal ein Getränk von der Firma Tchibo, welches man im weichen Polster eines Sessels aus einem schwedischen Möbelhaus einnimmt und sich dabei von einem Bildschirm der Firma Sony bunte Illusionen vom wirklichen Leben vorgaukeln lässt untermauert von Doby Suround Sound aus dem Haus Bang und Olufson. Die Füsse ruhen ruhig und sicher auf einem handgeknüpften Orientteppich, der Körper wird umschmeichelt von einem Bademantel aus edelster Seide, Zimmerpflanzen aus tropischen Wäldern verschönern den Panoramablick der dreifach verglasten Fenster, Zimmerbrunnen und Salzkristalllampen sorgen für ein behagliches Ambiente auf hohem Niveau, bringen die gerahmten Fotos vom letzten Korsikatripp voll zur Geltung – und das ist auch richtig so.

Wir brauchen als Demokratie den Protest. Gäbe es nicht den Protest, dann wären wir ja keine Demokratie mehr. Dann wären wir ja wie Gaddafi, Saddam Hussein, Kim il Yong oder Adolf Hitler (um mal daheim zu bleiben).  Wären wir aber keine Demokratie, dann könnten wir nicht ruhigen Gewissens Bomben schmeissen … und so nebenbei unsere Finger auf Rohstoffe legen, die wir ansonsten teuer bezahlen müssten. Unsere Bomben sind gute Bomben, Kinder, die von unseren Bomben zerfetzt werden (ja, also … so viele sind das doch wirklich nicht, oder?) können glücklich sein, das es demokratische Bomben sind, die ihrem Leben ein Ende setzen.

Nicht auszudenken, was wäre, wenn es Bomben aus undemokratischen Ländern wären.

Proteste im Inland sind das, was den Bomben erstmal so richtige legitimierte Wucht verleiht – genau genommen macht Bomben werfen erst aus der Demokratie heraus so richtig Spaß … das erinnert etwas an die Behaglichkeit, die man empfindet, während man selber vor dem warmen Ofen sitzt und draußen vor dem Fenster Katzen und Hunde vom Himmel regnen. Ist ja auch ähnlich – man selber sitzt vor dem Rundfunkfenster und anstelle von Katzen und Hunden regnet es Sprengstoff und Napalm.

Was tut man nicht alles zur Förderung der Behaglichkeit des Bürgers.

Doch dann wird es aber auch Zeit, mal die Kirche im Dorf zu lassen. Dann wird es mal Zeit, zu verstehen, wer man wirklich ist – und wo man in der Welt seinen Platz findet.  Immerhin wollen wir doch den geordneten Ablauf der Geschäfte nicht stören. Das Gerede von Demokratie und Freiheit ist ja gut und schön – als Ideal im Rundfunkfenster – aber hinter diesem Fenster gibt es noch eine Realität, die kein Ponyhof ist.  Manchmal scheint die durch, so wie heute – ich zitiere Berlusconi aus der Welt:

 „In ein paar Monaten haue ich ab, um mich nur noch um meinen Kram zu kümmern. Ich haue ab aus diesem Scheißland (paese di merda), in dem mich bald das Kotzen packt“.

Da spricht doch endlich mal ein Politiker aus, was alle denken. Die glauben doch alle, das Bürger nur noch lästige Wurmfortsätze der nationalen Wirtschaft sind, der Blinddarm der Volkswirtschaft, sozusagen.  Gut, man wickelt die noch in die Demokratiedecke ein (100 % Cashmere, versteht sich) … aber was heißt das schon.

Dieser Satz könnte doch auch von einem KT von und zu Guttenberg kommen – der ja jetzt auch das Land verließ, das so rücksichtslos seine Ehre zerstörte, in dem es aufdeckte, das er keine hatte. Oder von Gerhard Schröder. Von Wolfgang Clement. Joschka Fischer. Von all jenen, die noch nicht „ganz oben“ angekommen sind, um uns zu zeigen, wie nichtswürdig, dämlich und erbärmlich wir eigentlich sind.

Man zeigt uns das ja auch gerne – bereitet uns sanft darauf vor, das unser Leben nicht mehr lange so bequem sein wird, das für uns die Komfortzone Demokratie langsam ein luxuriöser Urlaubsort ist, den wir nur noch selten aufsuchen dürfen. Drei Meldungen von unseren Berlusconis? Bitte schön, alle aus der Welt des heutigen Tages. Erstmal – die Rente:

Die staatliche Rente, die einst den Lebensstandard im Alter sicherte, schrumpft in den nächsten beiden Jahrzehnten auf eine bessere Grundsicherung. Das ist politisch gewollt und eine Folge der tief greifenden Rentenreformen der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder.

Babyboomer sind fit für die Altersarbeit“ … einfach mal positiv denken. Wer bis zum Hals in der  Scheiße steckt, der hat doch noch genug Luft zum Atmen – durch Mund UND Nase. Anderen geht es da wesentlich schlechter, manche sind sogar schon tot.

Oder das Essen:

Steigende Energiekosten und die Verknappung der Rohstoffe belasten das Bäckereigewerbe. Die höheren Produktionskosten ließen sich nur schwer intern auffangen und würden vermutlich an die Verbraucher weitergegeben

Wie gut das die Jugend heutzutage dank Berlusconifunk immer weniger von dem Zusammenhang zwischen Bäckerei und Essen weiß, dafür aber zehn SMS in der Minute schreiben kann – so verhindert man, das sie sehr zornig werden.

Nochmal Thema Essen (man munkelt, „essen“ soll für Menschen früher mal sehr wichtig gewesen sein, bevor es MP4-Player, Handy oder Playstation gab), diesmal aus der Sicht von Spekulanten:

Experten rechnen weltweit mit weiter stark schwankenden Lebensmittelpreisen. Auch die Politik könne Spekulanten nicht aufhalten.

Die sind nicht aufzuhalten, diese Spekulanten. Das sind die, die alles richtig machen, die wirklich guten Menschen. Die haben nämlich viel Geld, das sie Parteien spenden können, sie können Pöstchen für Politiker einrichten (viele viele unnütze Pöstchen – Unmengen an unnützer Pöstchen … man könnte es fast schon eine „Pöstchensintflut“ nennen, die für die Wirtschaft den gleichen Weltuntergangseffekt haben wird wie es biblische Sintfluten hatten) und ihnen so helfen, ihr Scheißland endlich hinter sich zu lassen.

Spekulanten sind unaufhaltsam – aktuell nehmen sie sogar die Banken ins Visier, ohne die sie gar nicht leben könnten. So generieren sie unglaubliche Gewinne, das sie sich Strategien der Machtausübung erlauben können, wie sie Mario Adorf als Generaldirektor Heinrich Haffenloher in Kir Royal einfach mal

ausspricht: sie „scheissen uns zu“ mit ihrem Geld. Parteien, Verbände, Medien, Vereine, Eliten und Experten – alles finanziell zugeschissen. Geld holt man sich zur Not – wie aktuell – bei den Lybiern oder anderen „befreiten“ Völkern. Immerhin sind wir so reich geworden. Glasperlen gegen Jagdgründe – das ist unser Geschäftsprinzip. Einfach mal die Indianer fragen. So wird man Leistungsträger, Elite, Vorbild, so schafft man es ganz nach oben.

Von dort aus kann man dann noch mehr Geld generieren, mit dem man dann noch mehr Menschen zuscheißen kann.

„In freiheitlichen Demokratien müssen die Entscheidungen in den Parlamenten getroffen werden. Denn dort liegt die Legitimation.“ 

Das meint jedenfalls unser Bundespräsident laut Welt, die gerade die Demokratie durch Berliner Diktate  in Gefahr sieht.  So nennt man unser System: „freiheitliche Demokratie“. Zur Erinnerung: der Nationalsozialismus war als germanische Globalisierungsbewegung nicht national, noch würde man ihn zurecht „sozial“ nennen können. Erlebt wurde etwas anderes – und offensichtlich merken immer mehr Menschen, das auch wir etwas anderes erleben, als zu Werbezwecken aufgedruckt wurde.

Darum muss die Botschaft „Empört Euch“ ergänzt werden.

Empört Euch … und dann ab nach Hause.

Und ehrlich: die meisten halten sich dran. Die Legitimation liegt in den Parlamenten, dort sorgen 5000 gut bezahlte Lobbyisten dafür, das der reibungslose Ablauf der Spekulationen nicht gestört wird.

Wir bekommen auch was Schönes dafür.

„Bespoke“ hat Genevieve Bennett ihre Kollektion genannt, die vier verschiedene Wandpaneele mit aufwändigen Floralmustern umfasst. Jedes Stück ist handgefertigt und wird von der Designerin aus feinstem Leder hergestellt. Dabei ist es den Wandpaneelen völlig egal, wo sie eingesetzt werden. Sie machen sich als Wanddekoration gut, sehen aber auch als Verkleidung von Schränken, Türen oder anderen Möbeln schön aus.

Das ist ein Zitat aus „Schöner Wohnen„. Damit beschäftigt sich der Protestbürger, nachdem er seinen Protest abgeleistet hat, um im Sinne der Regierung die Lebendigkeit deutscher Demokratie zu beweisen.  Der Quadratmeter kostet 3700 Euro, macht bei einer 100 Quadratmeter großen Eigentumswohnung mit 3 Meter Deckenhöhe … na, einfach mal selber rechnen. Schränke, Türen und Möbel sind auch auch zu berücksichtigen.

Sowas … sind unsere Glasperlen.

Wie toll und wichtig muss das sein, was wir dafür hergegeben haben.

Was das nur war?

PS: für die Fäkalsprache in diesem Artikel möchte ich mich entschuldigen. Es ist auch privat nicht meine Art, dermaßen derbe Reden zu führen, doch aktuell merke ich, das wohl der Umgang mit europäischen Spitzenpolitikern oder geschauspielerter wirtschaftlicher Elite auf das sprachliche Niveau abfärbt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Leben im Spiegel

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Leben im Spiegel

© Jotha

Das Leben nach dem Tod

Schon mal über den Tod nachgedacht? So als moderner, aufgeklärter Mensch? Nein? Aber Sie wissen doch, das sie Sterben können oder? Das Sie mit absoluter Sicherheit sterben werden - wahrscheinlich qualvoll im kostenminimierten Altenheim. Der Tod ist die einzige sichere Gewissheit im Leben. Den Rest kann man in Frage stellen. Schaut man mal bei Wikipedia nach, so merkt man, wie wenig Gedanken sich das christliche Abendland über den Tod macht, ja noch nicht mal seine Definition ist klar - angesichts der zukünftigen Praxis der Organspenden ein nicht unwichtiger Aspekt. Schnell ist man der Definitionshoheit eines naturwissenschaftlich ausgebildeten Mediziniers überantwortet, der dringend ein Herz braucht und hier vielleicht ... etwas zu weit deutet.

Schon mal über den Tod nachgedacht? So als moderner, aufgeklärter Mensch? Nein? Aber Sie wissen doch, das sie Sterben können oder? Das Sie mit absoluter Sicherheit sterben werden – wahrscheinlich qualvoll im kostenminimierten Altenheim. Der Tod ist die einzige sichere Gewissheit im Leben. Den Rest kann man in Frage stellen. Schaut man mal bei Wikipedia nach, so merkt man, wie wenig Gedanken sich das moderne christliche Abendland über den Tod macht, ja noch nicht mal seine Definition ist klar – angesichts der zukünftigen Praxis der Organspenden ein nicht unwichtiger Aspekt. Schnell ist man der Definitionshoheit eines naturwissenschaftlich ausgebildeten Mediziniers überantwortet, der dringend ein Herz braucht und hier vielleicht … etwas zu weit deutet.

Die Art des Sterbens beschäftigt uns schon mehr – wie alle Menschen vor uns. Ruhig und zufrieden im Kreis unserer Lieben zu verscheiden, wird allerdings viel weniger Menschen vergönnt sein als früher. Wir sterben allein im Krankenbett, weil die Kinder nicht mehr soviel Urlaub haben und viel zu weit weg wohnen, wenn es plötzlich soweit ist … falls da überhaupt Kinder vorhanden sind. Gepflegt werden wir möglichst kostengünstig, wahrscheinlich durch Menschen, deren Sprache wir kaum verstehen.

Der früher gefürchtete einsame Tod in der Fremde – das wird unserer sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach. Mit steigender Wahrscheinlichkeit sind „Psychische und Verhaltensstörungen“ darunter, denn die stiegen innerhalb von 2 Jahren um knapp 50 % an. Iatrogene (also durch den Arzt verursachte) Todesfälle werden nicht erfasst, würden sie es, so hätten sie mit 85000 Fällen im Jahr eine gute Chance auf Platz 3 aller Todesursachen (nach Herz und Krebs).  Auch hier spielt die Definition eine wichtige Rolle.

Soweit wir wissen können, gehören wir modernen, aufgeklärten Menschen zu den Kulturen, die den Tod am Weitesten aus ihrem Denken und Leben herausdefiniert haben. „Es gibt ein Leben vor dem Tod“ – so unser trotziger Spruch. Dieses verläuft zwar selten so, wie von uns gewünscht und bringt soviel Ungemach, das Hochkulturen jene von den Göttern geliebt wähnten, die jung starben, aber es war alles, was uns geblieben ist.

In festem Schulterschluss haben Marxismus und Kapital gezielt und bewusst den Tod aus dem Leben herausgefiltert. Die einen brauchten Menschen, die bereit waren zu morden, die anderen brauchten Menschen, die neben dem Morden noch maximal konsumieren konnten. Das war aus politischen und ökonomischen Gründen kein Platz für „Du sollst nicht töten. Überall sah man „Opium fürs Volk“ lauern, das es auszumerzen und durch Alkohol zu ersetzen galt.

Das Atheismus die „Geissel der Machtmenschen“ ist, kommt da nur wenigen in den Sinn. Es ist auch ein heikles Thema, selbst für Kirchen. Wer nur predigt, was gut sein soll, aber anderes lebt, der muss solche Themen meiden.

Früher gingen Menschen anders mit dem Tod um – sie lebten auf den Tod hin. Das hatte Konsequenzen … für das alltägliche Verhalten gegenüber seiner Mitmenschen. Eines der ältesten Werke zu diesem Thema ist das Tibetanische Totenbuch, welches uns detalliert aufzeigt, wie wir uns nach dem Sterben zu verhalten haben, um nicht großes Ungemach zu erleiden. Ähnliches gibt es im Ägyptischen Totenbuch, dessen Quellen auf die alten Pharaonen zurückgeht … und nur jenen zugänglich war. Wie die Seele sich auf den Übergang vorbereiten sollte, wie sie leben sollte, um nicht in Ungnade zu fallen, sollte Wissen bleiben, das den Herrschenden vorbehalten war – man wollte sich doch das Jenseits nicht mit dem Prekariat teilen.

Ich könnte hier noch mehrere Kulturen zitieren – eigentlich fast alle außer unserer „modernen“  Arbeitsroboterkultur – die ziemlich übereinstimmend über das Jenseits berichten. Im Prinzip sehen es unsere Sterbeforscher ähnlich, hier Bernhard Jakoby in einem Interview:

Wenn wir sterben, gehen wir in eine feinstoffliche Form des Seins über. Die Entwicklung eines Menschen nach seinem Tod erfolgt in mehreren Stufen. Der Mensch ist ein geistiges Wesen und kehrt in seine ursprüngliche Heimat zurück. Wir gelangen zunächst auf eine Art Orientierungsebene, die anscheinend den irdischen Verhältnissen ähnelt. In Wirklichkeit geht es darum, erdwärts gerichtetes Denken abzubauen. Deswegen tritt das Erdenich früher oder später in die Phase der Erinnerung ein, wo es sich intensiv mit seinem Leben auseinandersetzen muss. Wir schauen uns sozusagen ungeschminkt ins Gesicht, wie es auch in den Nahtoderfahrungen millionenfach beschrieben worden ist. Wer seine unerledigten Dinge bearbeitet hat, geht in die höheren Lichtwelten ein, bis sich die Seele mit Gott wiedervereinigt.

Das hört sich niedlich an, oder? „Ewige Jagdgründe“ nannten das die Indianer. Wäre doch toll, wenn man so etwas in der Schule beigebracht bekäme – das Leben vor dem Tod wäre gleich ein ganz anderes. Es gäbe ja sogar naturwissenschaftliche Hinweise auf die Richtigkeit der Hypothese, die durch die Quantentheorie bestärkt wird – doch sollten wir uns nicht auf diese Ebene der Diskussion einlassen. „Naturwissenschaft“ und „Jenseits“ haben schon per Definition nichts miteinander zu tun, es wäre so, als würde man mit einer Taschenlampe „Dunkelheit“ erforschen wollen – ist  einfach das falsche Werkzeug. Das Jenseits ist … ganz sicher nicht Bestandteil der „Natur“.

Sicher können wir die Ergebnisse der Nahtodesforschung  in Frage stellen – das ist gar keine Frage. Philosophen wissen seit Jahrtausenden, das sie sogar die Existenz des Stuhles erfolgreich in Frage stellen können, auf dem sie  sitzen und das sogar, während sie gelassen auf ihm sitzenbleiben, ohne sicher beweisen zu können, das es ihn überhaupt gibt. Alles lässt sich in Frage stellen … die Frage ist nur: warum sollte ich das tun?

Als kleiner Normalbürger (der in meinem Falle dem Tod schon gelegentlich begegnet ist) habe ich erstmal kein Interesse daran, mich für die materialistische Hoffnungslosigkeit zu entscheiden. Der „Materialismus“ als Gedanke mag ewig leben, für ihn mag das in Ordnung sein, die Dinge so zu sehen. Ich werde in dieser Form nicht ewig sein – soviel weiß ich schon. Brächte mir also keinen Nutzen, an die Nichtexistenz des Jenseits zu glauben, nur weil eine dogmatische Lehre es so will, die selbst immer mehr Probleme bekommt, überhaupt Materie im Universum zu finden – andererseits ihre Masse allerdings ziemlich genau zu berechnen weiß, wenn auch nur unter Rückgriff auf die Hilfskonstruktion der noch nie irgendwo gefundenen „Dunklen Materie“. Das solche Konstruktionen im Prinzip den Wahrheitsgehalt von Kindermärchen haben, wird bei der Präsentation der Theorien leider oft unterschlagen.

Man stelle sich aber einfach mal vor, was geschehen würde, wenn wir ab morgen den absolut sicheren Beweis liefern können (obwohl unsere Vernunft zu solchen Beweisen gar nicht fähig ist), das Menschen nach dem strapaziösen Leben in der „Materie“ einfach wieder nach Hause kommen? Hinweise, das dies nicht ganz von der Hand zu weisen ist, gibt es genug – inklusive Untersuchungen über eine Zunahme der Ethik und Moral im Leben, die mit solchen Erfahrungen einhergeht.

Nun hat das ganze Thema mit Theismus noch gar nichts zu tun, zumal weite Teile der christlichen Bewegung Nahtodeserfahrungen aufgrund ihrer eigenen Dogmen ablehen müssen: die Ganztodtheorie ist hauptsächlich christlich motiviert.

Warum also diese breite Front der Ablehnung und Verdrängung dieses Themas?

Hier wird es auf einmal sehr politisch.

Für die Ärzteschaft geht es ums „abrechnen“. Der Kampf gegen den Tod ist aussichtslos, aber teuer. An ihm lässt sich gut verdienen. Zudem gebietet die ärztliche Ethik, Leben unter allen Umständen zu erhalten: der Tod ist der Feind, den es zu besiegen gilt, koste es, was es wolle.

Für die Mächtigen dieser Erde ist das eine sehr bequeme und nützliche Sicht der Dinge. Wer würde sein Leben schon wirklich in Gefahr bringen wollen, wenn danach … einfach NICHTS kommt – ein NICHTS übrigens, das für Arthur Schopenhauer etwas sehr Positives hatte:

Es ist für das Verständnis der Philosophie Arthur Schopenhauers von größter Bedeutung, dass Schopenhauer das “Nichts”, mit dem alles Leid endet, nur im relativen Sinn verstanden wissen wollte!

Dieses Ziel ist nicht mit Begriffen dieser Welt zu beschreiben. Man kann nur sagen, was es nicht ist, also negativ ausdrücken. Andererseits ist es höchst positiv, nämlich Erlösung vom Leid.

Wer würde sich schon wirklich trauen, einen gewaltsamen Aufstand gegen die Ungerechtigkeit, die Demütigung und die Ausbeutung zu starten, wenn er befürchten müsste, dabei das Wertvollste zu verlieren das er hat: das Leben.

Und so stirbt mit dem religiösen Bewusstsein auch der Widerstandsgeist. Nicht Zorn, Wut oder Verzweiflung … aber der Impuls zur riskanten Tat. Der Mensch wird zum dirigierbaren Schaf, das erschossen wird, wenn es nicht bereit ist, andere zu erschießen. So funktionieren Mörderbanden halt, so ist die Motivationskultur moderner Massenarmeen, so kann man ganze Völker dazu bringen, sich gegenseitig umzubringen.

Und so stellt Atheismus sicher, das ängstliche Duckmäuser grösste Scheußlichkeiten begehen, um ihr eigenes Leben zu verlängern – Scheußlichkeiten gegen Mitmenschen, die im Jenseits Konsequenzen hätten.

Darum lassen Regierende morden, vermeiden aber, es selbst zu tun. Nach wie vor … scheint es ein religiöses Wissen für die Herrschenden und eins für die Normalbürger zu geben.

Nach wie vor gilt: „Folge meinen Befehlen oder ich stoße Dich in ein finsteres tiefes Loch“ … oder ich bringe Dich durch Regelsatzkürzung immer näher an dieses Loch heran. Wie im alten Ägypten – und wie dort betreiben die Herrschenden ganz eigene, eigenartige Kulte, die vermuten lassen, das Atheismus/Materialismus nichts mehr ist als eine Geißel für Normalbürger: mit der Angst vor dem schwarzen Mann hält man ihn am Laufen, während man sich selber den schwarzen Mann durch geeignete Rituale gewogen und nebenbei ganz praktisch Weltpolitik macht.

Aber auch dieses Thema ist Tabu – wie der Tod selbst.

 

 

Pilotprojekt „Abgeordnetenwatch zum Selbermachen“

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oder:  Starten Sie abgeordnetenwatch.de für Ihre Stadt oder für Ihren Landkreis

Grafik AW selbermachenWir sind überzeugt: Die Transparenz und Bürgernähe, die abgeordnetenwatch.de auf Europa-, Bundes- und Landesebene schafft, würde auch vielen Städten und Landkreisen gut tun. Daher wollen wir abgeordnetenwatch.de künftig auch für die kommunale Ebene anbieten.

Insgesamt 413 kreisfreie Städte und Landkreise gibt es in Deutschland. Wir wollen zunächst mit drei Pilotprojekten starten. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Wenn Sie Lust und Zeit haben, sich ehrenamtlich in die Recherche für Ihre Stadt bzw. Ihren Landkreis einzubringen, dann melden Sie sich bitte bei uns per Mail. Schreiben Sie in Ihrer Mail:

  • für welche Stadt/Landkreis Sie recherchieren würden,
  • wie viele Abgeordnete der Stadtrat/Kreistag hat,
  • wie Sie das Abstimmungsverhalten recherchieren würden und
  • wann die nächsten Kommunalwahlen anstehen.

Schicken Sie Ihre Mail an: recherche@abgeordnetenwatch.de / Betreff: abgeordnetenwatch.de für meine Stadt/Landkreis

Unter allen Interessierten werden wir drei Projekte auswählen. Die Recherche erfolgt dann gemeinschaftlich mit anderen über das Internet. Einsendeschluss ist der 15. Mai 2011.

Alle anderen, die die Kommunalisierung von abgeordnetenwatch.de nicht aktiv durch eigene Mitarbeit unterstützen können, bitten wir um Unterstützung durch eine Spende oder Fördermitgliedschaft. Denn neben der Recherche fallen Kosten für die Moderation, Programmierung, Koordinierung und Öffentlichkeitsarbeit an.

 

Quelle: www.AbgeordnetenWatch.de

Watercircles 1

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Watercircles 1

© Jotha

Der kommende Auftstand: Die große Weltverschwörung triumphiert! Und nun?

Man mag mir verzeihen, das ich nicht immer ausführlich auf Kommentare antworten kann. Ich bin zeitlich mehr als ausgelastet und habe eine negative Zeitbilanz – Zeitschulden häufen sich auf, sozusagen. Da muß ich knapp haushalten. Ich kenne einige Einstellungen zur Weltpolitik schon seit Jahren – auch die extremen Verschwörungsanalysen, die ich absichtlich nicht Theorien nenne, da ich davon ausgehe, das es hinreichend Indizien gibt, über bloße haltlose Theorien hinaus- und zur nüchternen Analyse der Verschwörungspraxis überzugehen.

„Even the worst case“ ist ein für mich wichtiger Managementgrundsatz,  der in der Wirtschaft wunderbar funktioniert, aber in der Politik kaum angewendet wird, was zu einer enormen Staatsverschuldung führt, weil alle staatlichen Angestellten davon auszugehen scheinen, das wir Onkel Dagoberts Geldspeicher in Bonn/Berlin frei zugänglich zur Verfügung hätten. Hatten wir leider nicht.

Selbstverständlich gehe ich persönlich nicht davon aus, das die extremsten Verschwörungsphantasien real sind. Ich würde sonst nicht mehr schreiben. Aber – ich mache es mir hier bequem und muß mir selbst vorwerfen, hier zu mangelnder Gründlichkeit zu neigen. Darum hier mal Skizzen für den ganz ganz schlimmen Fall – wobei ich nicht weiß, welcher der schlimmen Fälle es denn jetzt sein soll.

Ist es die Verschwörung altägyptischer Zauberpriester zur Übernahme (oder Weiterführung) der Weltherrschaft?

Ist es die schleichende Übernahme der Welt durch reptiloide Aliens?

Oder sind es nur weitere Ausformungen der normalen Verschwörungen, die sich quer durch die US-amerikanische Geschichte wühlen?

Ist die Welt ein Gefängnis gefallener Seelen oder eine Schule für Götter?

Ist die Welt wie wir sie wahrnehmen, überhaupt real?

Fragen über Fragen … die erkennen lassen, das wir in erster Linie ein philosophisches Problem haben: wir wissen nicht, wo wir eigentlich stehen.

Um die Frage „Was ist nun zu tun“ zu beantworten, muß man sich zuerst entscheiden, wo man stehen möchte. Entscheiden? Ja. Philosophie setzt an das Denken bzw. an Erkenntnis und Wissenschaft strengere Maßstäbe an als es die Naturwissenschaften tun. ABSOLUTE SICHERHEIT gibt es nicht. Dafür ist der menschliche Verstand nicht geeignet. Darum muß man sich irgendwann für eine Wahrheit entscheiden, sonst kommt man nicht ins Handeln. Ohne diese Entscheidung gibt es keine Strategie, die Handeln präzise definieren kann.

Dann haben wir noch eine nächste Wahrheit – eine einzige, die todsicher ist, auch wenn wir nicht wissen, was sie bedeutet: WIR WERDEN ALLE STERBEN! – das steht schon mal fest. Auch wenn wir nicht wissen, was läuft, was gespielt wird, so wissen wir doch eins: wir sind nicht ewig hier. Das kann uns schon mal zu der Entscheidung führen: „Siehe zu, das Du ein möglichst glückliches Leben hast, denn es ist nur von kurzer Dauer“. Glück und Sinn stehen nun in einem engen (leider häufig in der Glücksforschung nicht sonderlich berücksichtigten)  Zusammenhang. Sinnvolles Leben kann einem die Schrecken der Konzentrationslager überstehen helfen – siehe Viktor Frankl.

Somit wäre ein sinnvolles Leben mit Glück gesegnet – unabhängig von der Dauer. Ein kurzes glückliches Leben scheint auch mehr Sinn zu machen als ein langes voller Qual. Das ist der Rahmen, in dem wir uns bewegen. Kommen wir von dem Rahmen nun zum Bild.

Was wäre also zu tun, wenn ich mich für die Alienvariante entscheide?

Hierzu müßte man erstmal die Alienvariante konkret kennen. Im ungünstigsten Falle droht uns das Schicksal der Indianer. Für diesen Fall (riesige Raumschiffflotten von der Venus erobern die Welt) gibt es erstmal keine Anzeichen. Wir würden sterben (wie gehabt) und müssten aufgeben. Das war es dann. Gut das wir sterblich sind, da müssen wir das nicht ewig erdulden. Wer will, könnte noch Widerstandszellen bilden, auf Hilfe von Außen hoffen („gute“ Aliens), aber die Chancen auf Erfolg stehen so schlecht, das sie mathematisch nicht mehr auszudrücken sind.

Und die Unterwanderung durch Reptiloiden? Wäre im Prinzip nichts anderes als die bisherige „Superreichentheorie“, nur sind die dann nicht nur superreich, sondern auch noch schuppig. Strategie? Sich abwenden und an einer neuen, eigenen Zivilisation bauen, bei steigendem militärischen Widerstand die Infrastruktur soweit zerstören, das renditefreundliches Wirtschaften unmöglich ist – wie gehabt: der Generalstreik.

Altägyptische freimaurer-illuminaten-Zauberpriester? Wie Reptiloiden … mit einer Ausnahme. Hier muß man sich ganz sicher sein, das der metaphysische Bereich keine unangenehmen Überraschungen bereithält. Wir haben uns als Gesellschaft für den Atheismus als Weltanschauung entschieden (Freimaurer mal ausgenommen) – was nützlich und in Ordnung ist. Allerdings sollten wir uns nicht darauf verlassen, das unsere Gedanken die Welt formen – auch Bärbel Mohr, die Botschafterin der Bestellungen beim Universum, ist tot – siehe Bunte:

Trauer in der Esoterik-Szene: Bestsellerautorin und Wünsche-Expertin Bärbel Mohr ist tot. Sie starb am 29. Oktober im Alter von 46 Jahren. Am vergangenen Dienstag wurde sie beigesetzt. Sie hinterlässt ihren Mann Manfred und neunjährige Zwillinge.
Vor einem Jahr war bei Bärbel Mohr ein Burn-out festgestellt gestellt worden, fast zeitgleich brach ihre Krebserkrankung aus.

Möglicherweise funktioniert Magie, möglicherweise kann man Wahnsinn künstlich hervorrufen. Unwahrscheinlich … aber nicht undenkbar. Möglicherweise gibt es einen echten Satan, Hexen die Darmkrebs anhexen können und böse Geister, die das Büroklima versauen sowie eine Kaste von Zauberleuten, die das ausnutzen.

Hier wäre die Strategie eine andere: Gott suchen. Gilt der Zauberkram, dann auch … die Gegenseite. Wie man munkelt, ist „Gott“ in allen Kulturen der Stärkere. Wir haben nur seine Nummer verlegt. Die bräuchten wir dann. Im Prinzip aber: die gleiche Strategie wie zuvor, nur mit einer Phalanx von Betern (oder geisterjagenden Schamanen, dann geht auch der Krebs weg) dabei, die für günstige Winde sorgen.

Die Frage, was zu tun ist, ist die konkrete Frage nach dem, wo man eigentlich steht.

Das Risiko ist immer gleich: wir könnten sterben.

Das wäre schlimm … ist aber sowieso unvermeidlich. Wenn wir das akzeptieren (und ich denke, hier hapert es gewaltig in der Kultur: wir wissen alle, das wir sterben werden, aber wir glauben nicht daran), dann werden wir unbesiegbar. Und je aufrichtiger, ehrlicher, liebevoller, wahrhaftiger wir gelebt haben, umso größer kann die Hoffnung sein, das das, was nach dem Tode kommt, eine feine Angelegenheit ist. Damit brauchen wir uns aber erstmal nicht zu beschäftigen, denn zuerst kommt das Leben vor dem Tod – und in dem ist vor allem eins zu tun: eine Mehrheit bilden. So läuft das in Demokratien. Oder kriminell werden – geht auch, ist aber nicht fein.

Um Mehrheiten zu bilden, muß man viele Worte machen, Informationen verbreiten, Gegenpropaganda entlarven – ist halt viel Schreibkram, so eine Revolution, eine komplette Umkehr einer in satanische Werte abdriftenden Gesellschaftsordnung macht halt viel Arbeit …. die einem niemand ersparen kann. Bequem auf der Straße herumstehen, schöne Pappschilder tragen und laut brüllen ist auch ok, verschafft Luft, motiviert, zeigt Präsenz und … ändert nur dann was, wenn sich die Mächtigen auf das Ritual einlassen. Tun sie es nicht … wovon wir gerade ausgehen … dann braucht man absolute Mehrheiten.

Kriegt man die aber nicht … auch gut. Dann kann man immer noch den Ernst Jünger machen und mit einem Glas Rotwein in der Hand die light-show des thermonuklearen Krieges genießen oder mit der Kuchengabel in der Hand noch einen guten Kampf gegen die Gestapo führen … zwar wird man verlieren, aber landet vielleicht bei den mutigsten Kriegern in Walhalla.

Was heißt das nun konkret für morgen?

Entscheidet euch für ein Weltbild – oder verreckt. So kurz und knapp könnte man es in der Tat fassen. Nur wenn man in den (von den Medien gezielt forcierten) wischi-waschi-Bereichen der Erkenntnistheorien bleibt, bleibt man handlungsunfähig. Hat man ein Weltbild, sollte man dabei bleiben. Welches richtig war, wird sich zeigen, wenn man anfängt, seine eigene Welt aufzubauen. Könnte sein, das dann irgendwann die Aliens, die Reptiloiden, die Illuminaten oder der Teufel selbst vor der Tür steht … oder das einfach nichts passiert, weil sie draußen bleiben oder nie existent waren.

Bis dahin aber kann uns niemand daran hindern miteinander zu reden, unsere Kräfte zusammenzulegen und unsere Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Fernseher, Alkohol und Nikotin aus seinem Leben zu verbannen, kann da schon mal sehr helfen.

Und dann? Straßen blockieren, wenn das Gespräch nicht funktioniert. Den „Besatzungstruppen“ das Leben so unangenehm wie möglich machen, sich empören, ihre Schande aufzudecken (und ihnen die schlimmsten Höllenstrafen vor Augen zu führen, die es für dieses asoziale Pack seit Anbeginn der Menschheit gibt, weshalb sie ja auch ihren Traum vom Atheismus so pflegen, um ihre Geschäfte ruhigen Gewissens weiter führen zu können).

Ghandi hat gezeigt, das man sogar Weltmächte friedlich in die Knie zwingen kann.

Ewiges Leben und Unverwundbarkeit gab es aber auch für ihn nicht.

Ein Beispiel für Strategien – aus der hohlen Hand geschossen?

Zweihunderttausend Menschen, die nichts weiter tun, als ihren Müll auf Autobahnen abzuladen – das Land stünde still. So schnell kommt keine Müllabfuhr hinterher. Das geschieht eigentlich heute schon … nur schmeißen sie den Müll nicht auf die Fahrbahn – aber es sind viel mehr, die ihren Müll so irgendwo entsorgen. Raus mit dem Müll auf die Autobahn, monatelang … und das Land wird sich ändern, weil keiner mehr Spaß am Porsche hat. Da geht nichts kaputt, das bringt keinen um, aber es wird für die Mächtigen unangenehm.

Aber bevor man das macht, braucht man die Legitimation der Mehrheit zur Veränderung  – und dafür muß man viele Worte machen.

Wie gut, das das immer mehr geschieht.

Dank Internet reden die Leute wieder miteinander und bilden sich ihre eigene Meinung – und meiner Meinung nach hat die schon längst einen kleinen gemeinsamen Nenner: „SCHNAUZE VOLL!“ – von Armut, Überstunden, Lügen, Plagiaten, Kriegen, Steuern, Fernsehprogrammen, Gebühren, Benzinpreisen, Gammelfleisch, Lobbyismus … und … und … und … und.

Gefragt ist nun der ganz große Wurf, der nicht aus den Kreisen der abgehobenen weltfremden politischen Lehrer- und Juristenkaste kommen wird, die meinen, man könnte die Arbeitslosigkeit wirklich erfolgreich nach den Prinzipien der „schwarzen Pädagogik“ des frühen Kaiserreiches in den Griff bekommen, eine Einstellung, die aber bei Lehrern nicht verwundert und die Juristen mangels jeglicher Orientierung gerne ungefiltert übernehmen.

Kommt der Wurf nicht … droht auch den Besserverdienenden das Verrotten im renditefreundlichen  Pflegeheim. Wem das gefällt, wer meint, das Risiko für sich persönlich eingehen zu können, der braucht nichts zu tun. Anders als die Konzentrationslager für Langzeitarbeitslose ist allerdings das Pflegeheim etwas, das ganz sicher droht: je reicher man ist, umso unwahrscheinlich ist leider auch der schnelle, früher Tod, der einem das Heim sicher erspart. Im Gegenteil: man hat gute Hoffnung auf zehn Jahre live-Verrottung mit allen Extras.

Also … mich würde das hinreichend motivieren, mich auch als Reicher den Nörglern anzuschließen.

Manchmal denke ich: die Natur hat die Raubtiere erschaffen, um den alten Menschen genau jenes grausame Schicksal zu ersparen, das wir ihnen in Heimen angedeihen lassen. Bei dem, was ich da sehen durfte … das ist der Grizzly schon gnädiger. Aber das denke ich nur manchmal – auch weil ich die Menschen mit satanisch angehauchter Wertebildung nicht auf noch blödere Gedanken bringen möchte.

 

 

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