Kultur

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Der kommende Aufstand

Man findet in den Medien ja auch mal klare Worte – wenn man will. Verstörende Worte, die nicht zu den üblichen Aufschwungparolen passen. Zum Beispiel gestern in der WELT:

Schon jetzt steht Deutschland mit einer prognostizierten Gesamtverschuldung von 1,884 Billionen Euro an der Spitze der europäischen Schuldenstaaten. Sollte die Wirtschaft einbrechen, wäre das eine unbezahlbare Hypothek.

Das sind Sätze die man gerne hört. Sie erklären die Aufschwunghysterie: wir können es uns gar nicht mehr erlauben, ohne Aufschwung auszukommen, dürfen uns schon längst nicht mehr erlauben, ihn auch nur im geringsten Maße zu bremsen, obwohl auch das wahrscheinlich nicht mehr ausreichen wird:

Gleichwohl dürfte es unmöglich sein, von diesem Schuldenberg wieder herunterzukommen. „Allein um die deutschen Rettungsmaßnahmen nach der Finanzkrise zu bezahlen, wäre in den kommenden 15 Jahren ein Wachstum von deutlich mehr als sechs Prozent pro Jahr erforderlich“, rechnet Michael Müller vor, früherer SPD-Staatssekretär im Umweltministerium. Solche Erwartungen aber sind geradezu illusorisch. Denn zwischen 1998 und dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 wuchs die deutsche Wirtschaft jährlich im Schnitt um gerade mal 1,5 Prozent. In den sechziger Jahren, also zur Zeit des Wirtschaftswunders, waren es 4,5 Prozent.

Das heißt: wir Deutschen sind pleite. Bankrott. Und hatte noch nicht mal was davon:

In Deutschland gibt es seit bald zwei Jahrzehnten keinen nachhaltigen Konsum, der nennenswert über das existenziell Notwendige hinausgeht. Der Grund hierfür sind Einkommen, die deutlich hinter der konjunkturellen Entwicklung zurückblieben. Obwohl Deutschland Exportweltmeister ist und zu den reichsten Ländern der Erde zählt, wuchs die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich. „Seit dem Jahr 2000 haben in Deutschland Einkommensungleichheit und Armut stärker zugenommen als in jedem anderen OECD-Land“, heißt es in einem OECD-Bericht aus dem Jahr 2008.

Wer meint, die Renten sind sicher, der irrt, zumindest, wenn er Beamter ist

Da sind die gewaltigen Pensionslasten für die Beamten, für die bislang kein Cent zurückgelegt wurde, noch gar nicht eingerechnet

Dazu passen zwei weitere Meldungen in der gleichen Zeitung vom gleichen Tage. Die erste hier:

Das Haushaltsdefizit des Bundes ist in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf 49,4 Milliarden Euro gestiegen. Damit war die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben um 16,1 Milliarden Euro größer als im Vorjahreszeitraum. Dies teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nach vorläufigen Ergebnissen mit.

Die zweite hier:

Immer mehr Menschen gehören zu den Empfängern von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld – ein Viertel davon sind Kinder unter 15 Jahren.

Normalerweise wären das Fakten, die man dem Bürger jeden Tag um die Ohren hauen müßte, damit er zu Besinnung kommt und Politik und Wirtschaft in die Pflicht nimmt, nicht nur Beiträge zur Selbstbereicherung einzustreichen sondern ihren Beitrag zur Lösung des Problems zu liefern – am liebsten in Bargeld. Andererseits darf man das nicht zu laut sagen, weil sonst auch noch das letzte Privatgeld ins Ausland geht und sich dort in Luft auflöst.

In diese Zeiten, die – nach nur einer Ausgabe der WELT zu urteilen – mehr als düster und vor allem scheinbar zu Ende sind, fällt eine Schrift, über die ich andernorts schon mal geschrieben habe und die in derselben Ausgabe der WELT zu einem denkwürdigen Kommentar führt.

In Frankreich hat ein „Unsichtbares Komitee“ eine Hetzschrift gegen Metropolen veröffentlicht. Damit treffen die Extremisten offenbar den Nerv der Zeit.

Dieses Pamphlet, getragen von schneidender Verachtung und von der Gewissheit, dass die Städte, in denen wir leben, nichts Besseres verdient haben, als auf der Stelle in Brand gesteckt zu werden, verkündet eine einzige diagnostische Botschaft:

Das Leben ist ganz fürchterlich, und zwar ausnahmslos jedermanns Leben; wer etwas anderes glaubt, macht sich bloß etwas vor. Woran immer die Menschen Spaß haben, es ist in Wahrheit bloß ein Narkotikum, das sie davon abhält, mit der Wahrheit in Kontakt zu treten – jener Wahrheit, dass nichts mehr geht.

Offenbar sollte man die Wahrheit des unsichtbaren Komitees ernster nehmen, denn das bald „nichts mehr geht“ scheint auch die Wahrheit der anderen WELT-Autoren zu sein. Wie es momentan aussieht, werden wir ein Volk von Hartz IV – Beziehern, denen man letztendlich die Leistungen komplett streicht, weil „kein Geld mehr da ist“.

Auch die Unterhaltungselite gerät in die Kritik:

die Milieus der Literaten, Journalisten, Sportler und Künstler „mit ihrem Getratsche und ihren informellen Hierarchien, jedes einzelne von ihnen beauftragt, eine Wahrheit zu neutralisieren“

was dann letztlich den Zorn des Autors aufkommen läßt:

Hin und wieder versucht man, sich die Menschen zu dieser grimmigen Stimme auszumalen, aber diese Vorstellung ähnelt einem Wackelbild, aus dem einem alle möglichen Gesichter entgegenspringen. Spricht da ein muffiger Rentner, der mit all dem neumodischen Teufelszeug nichts anfangen kann?

Ein von seinem Job angeekelter Werbetexter, der endlich für etwas Fundamentaleres Propaganda machen will? Ein gewaltig untervögelter Philosophiestudent, der sich vorgenommen hat, der entfremdeten Welt mal ordentlich die Leviten zu lesen? Ein Kabarettist, ein Taxifahrer?

Die Hilflosigkeit, mit der man versucht, diese Schrift einzusortieren, hat etwas verstörendes an sich, verstörend deshalb, weil doch nicht das unsichtbare Komitee das Problem ist – sondern die Wirklichkeit, die sie beschreiben. Bis gestern hätte ich nicht gedacht, das diese kleine Schrift nochmal in mein Leben tritt – aber sie scheint weite Kreise der medialen Welt zu beunruhigen.

Ob nun Süddeutsche Zeitung, die mit eindeutigen Anweisungen für Ordnung sorgt (Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum es falsch wäre, den „Aufstand“ als antimodernes Pamphlet abzutun), die FAZ, die der linken Revolution ein schnelles Ende voraussag (Eine kollabierende öffentliche Ordnung würde nicht von Deleuze lesenden Kommunarden verbessert, sondern durch eine Mafia regiert. Wenn die Züge nicht mehr fahren, folgt nichts Besseres. Nach dem kommenden Aufstand kommen die schwarzen Geländewagen) oder die TAZ, die sich empört, das das alles nicht richtig links ist (Der kommende Aufstand ist linke Erlösungsfantasy mit rechten Elementen. Das mögen viele immer noch nicht erkennen).

Was man merkt ist: der Journalist sieht seine Deutungshoheit in Gefahr. Was man aber in zweiter Linie merkt ist – die kleine Schrift scheint Angst zu machen. Angst davor, das sie die Wahrheit beschreiben? Eine Wahrheit, die man tagtäglich in den eigenen Magazinen nachlesen könnte und die man gerne so formuliert, das sie möglichst positiv klingt?

Die öffentliche Ordnung wird nicht zusammenbrechen, weil Kommunarden den Strom abstellen, sondern weil Banken die Zahlungen einstellen. Das ist doch die Botschaft der Artikel in der WELT heute: Deutschland ist pleite und daran wird sich auch nichts ändern. Aller künstlicher Jubel über wenige Arbeitslose, steigende Steuereinnahmen und Rekordexporte kann die Wahrheit nicht mehr vertuschen: das Land ist pleite und wird es bleiben.

Noch was aus der TAZ und der dort weltbewegend wichtigen Schlacht über die korrekte Einordnung der Schrift in ein rechts/links Schema?

Noch weiter versteigt sich Alex Rühle in der SZ. Weitgehend kritiklos bestaunt der Internetverweigerer den „düsterrevolutionären Zorn“ des Buches, seine „Aura der Hellsichtigkeit“ und seine „heroische Melancholie“. Gerade die darin vertretene „Partizipationsverweigerung“ sagt ihm zu. Sein Urteil lautet kurz, es handele sich um „ein Weißbuch des Überlebens in stürmischen Zeiten“. Und auch zu weiteren Entgleisungen lässt er sich verleiten: „Das System“, schreibt er, „ist überall, fast wie Gas ist es noch in die letzten Ritzen des Privatlebens gedrungen.“

Ein „Weißbuch des Überlebens in stürmischen Zeiten“ wäre notwendig – wenn die Zeiten stürmisch werden. „Überleben“ als solches ist auch erstmal weder „rechts“ noch „links“. Man beruft sich als „Linker“ gerne auf Werte wie „Freiheit“ „Gleichheit“ „Brüderlichkeit“ – was aber  ist, wenn diese Werte die Abkehr von der Maschinenkultur fordern? Was ist, wenn diese Maschinenkultur, die seit über hundert Jahren Rohstoffe in Müllberge und Landschaften in Betonwüsten verwandelt, als solche nicht überlebensfähig ist? Was, wenn immer mehr junge Menschen „aus bestem Hause“ gerade zu diesem Ergebnis kommen und in der Großstadt das Symbol jener Entwicklung sehen, die ihnen die Zukunft stiehlt … und sich aufmachen, sich einfach selbst eine Zukunft zu sichern?

Wenn der König zum Bauern wird, wird´s für den Höfling ungemütlich, das kam mir in den Sinn, als ich die Kommentare las. Und ich fragte mich: lesen die die anderen Artikel in ihren eigenen Zeitungen nicht – und erwarten die dasselbe von den anderen Lesern? Zeitungskauf wird (Partei)Spende für Meinungsverbreitung – kann man den Prozess dann nicht effektivieren und das Drucken ganz sparen? Ich denke, wären da nicht die Werbeeinnahmen,  würde man darüber schon nachdenken.

Dabei ist die Grundaussage des „unsichtbaren Komitees“ nicht neu, „Nur Stämme können überleben“ war schon in den siebziger Jahren bekannt. Vielleicht merken das jetzt immer mehr, ebenso wie immer mehr merken, das die Fleischtöpfe weniger werden – auch für Journalisten.  Und das macht dann Angst.

Triumph der Idiotenkultur – und das chinesische Jahrhundert

„Triumph der Idiotenkultur“ so äußerte sich der amerikanische Journalist Carl Bernstein in einem Stern-Interview:

Wir haben ein ganz anderes Problem: Die wachsende Sensationsgier der US-Medien führt dazu, dass es fast keine angemessene Berichterstattung mehr gibt. Statt ihr Publikum über die Lage im Irak und andere wirklich wichtige Dinge zu informieren, kümmern sich unsere Medien lieber um Klatsch und Tratsch. Ich habe diese Entwicklung einmal als „Triumph der Idiotenkultur“ bezeichnet.

Nun wäre es schön, wenn man sich da entspannt zurücklehnen könnte, weil man ja nicht in den USA wohnt, sondern in dem seriösen Deutschland … wo ein Spiegelredakteur schon mal das ganz Blatt zum Kampf gegen Windkraft mobilisiert hatte, weil die Windkraftanlagen seine eigene Pferdezucht bedroht hätten – so jedenfall Harald Schuhmann, zu finden in einer Sammlung zum Informationsdiktat in deutschen Medienredaktionen bei unserem Blogfreund Grilleau.

Wir können nur dankbar sein, das die Wirtschaft bei uns noch so breit gestreut ist, das der Mittelstand sich nicht ständig eigene Unternehmensberater leisten kann und noch auf unmanipulierte Nachrichten angewiesen ist – man muß halt informiert sein, um Anlagechancen für sein Geld richtig einschätzen zu können.  So findet man die ersten Hinweise auf ein Ende Europas nicht in den führenden deutschen Zeitungen, sondern im Manager Magazin:

Mit deutlichen Worten kritisierte Schulz die derzeitige Situation auf den Rohstoffmärkten. „Die Minenriesen diktieren uns die Preise, die Chinesen kaufen den Weltmarkt leer, und auf den Rohstoffmärkten tummeln sich die Spekulanten – der Begriff bedrohlich ist mir für dieses Szenario noch zu harmlos.“

Dringend mahnt Schulz eine gesamteuropäische Rohstoffstrategie an. Die EU habe es versäumt, dem Rohstoffimperialismus der Chinesen (Schulz: „Das ist für uns eine Katastrophe“) etwas entgegenzusetzen und zum Beispiel rechtzeitig politische Beziehungen zu Afrika aufzubauen: „Wir überlassen den Chinesen einfach das Terrain“, so Schulz.

Seit vielen Jahren ist diese Entwicklung zu beobachten. Wir pumpen Geld in China hinein und die – kaufen dafür Ackerland und vor allem Rohstoffe, während wir uns damit vergnügen, virtuelles Geld in den Himmel wachsen zu lassen. Erinnert so ein wenig an einen Bauern, der sich über seine Gewinne bei „Monopoly“ fürchterlich freut, während die Kühe der Nachbarn gerade seine Felder leerfressen.

Unsere ach so tollen Wirtschaft gehen die Rohstoffe aus – und auf einmal bekommt man ein Gespür dafür, wie arm man gegenüber einem Land aussieht, das konsequente Geopolitik betreibt.  Man merkt, das die Idiotenkultur der chinesischen Kultur deutlich unterlegen ist – aber die haben ja schon Imperien gegründet, als wir noch in Höhlen wohnten. Nun scheint es, das die auch Imperien gründen werden, wenn wir wieder in Höhlen wohnen.

Auf einmal merkt man, warum es der Regierung so wichtig ist, aus der Bundeswehr eine weltweite Einsatztruppe zum Rohstoffklau zu machen – bei uns gehen schlichtweg die Öfen aus, wenn wir das nicht machen.

Es wäre Zeit, sich mal ernsthaft Gedanken über die Rettung unserer Kultur zu machen – Coka Cola, MacDonalds und Disney, die Säulen unserer deutschen Kultur – sind ernsthaft in Gefahr. Da wird auch ein gesetzlich garantierter Schutz, wie ihn die SPD wollte, nicht ausreichen. Die kinder“freundliche“ Politik der Regierungen der letzten Jahrzehnte zeitigt immer neue Erfolge, wie die die Zeit berichtet:

Die Zahl der Geburten in Deutschland ist demnach auf ein Rekordtief gesunken. 2009 kamen rund 665.000 Kinder zur Welt, etwa 17.000 weniger als im Vorjahr und nicht einmal halb so viele wie 1964. In Deutschland leben derzeit gut 82 Millionen Menschen – 1964 waren es um die 75 Millionen.

Für Leute, die ohne Taschenrechner bis drei zählen können, eine klare Rechnung: ein aussterbendes Volk feiert sich in sein Ende. Ein weiterer Triumph der Idiotenkultur.

ABER: wenigstens sind alle beschäftigt, wenn auch nur noch für einen Euro, da bleibt auch gar keine Zeit für Nachwuchs. Maschinenkultur frißt Bevölkerung, (Idioten)Kultur geht unter – wie man es von einer Kultur von Idioten auch erwarten würde.

Schon 2006 erschien ein Artikel in der FAZ, in dem die nüchterne Machtpolitik Chinas auf der Basis einer Fernsehserie zum Aufstieg der großen Mächte reflektiert wurde:

Im November 2003 hatte eine Studiensitzung des Politbüros stattgefunden, die ebendieses Thema hatte: Welche Faktoren führten zum „Aufstieg und Fall der großen Mächte“?

Die Perspektive der Serie unterscheidet sich von der hergebrachten marxistisch-nationalistischen Geschichtsphilosophie erheblich.

Die meisten der neun behandelten Länder Portugal, Spanien, Holland, Frankreich, Japan, England, Deutschland, Rußland und Amerika haben China irgendwann einmal übel mitgespielt. Doch dieser Umstand wird kaum erwähnt. Auch der Klassenkampf kommt nicht mehr vor. Statt dessen richtet sich der ausgekühlte Blick auf das Geflecht von ökonomischen, technischen, politischen und militärischen Faktoren, in dem auch Kennedy ein Erklärungsmuster für das wechselnde Schicksal der Mächte sucht. Die Perspektive ist nicht mehr die des Proletariats oder eines kolonialisierten Landes, nicht das Ressentiment einer geknechteten Klasse oder Kultur, sondern die einer Macht, diesine ira et studio den Bauplan der Geschichte entschlüsseln will, bevor sie in selbige wiedereintritt. „Vom Westen lernen“ bedeutet anders als bei den früheren, den Westen rückhaltlos bewundernden Reformern, auch aus dessen Fehlern klug zu werden.

Ein Freundin von mit berichtet in den achtziger Jahren von einem Studienaufenthalt aus China über chinesische Schulbücher, in denen unsere Kultur als nicht sonderlich erstrebenswert angesehen wurde – Umweltverschmutzung, Industrieballungen, Lärmterror … man sah uns nicht so freundlich, wie wir gedacht hatten. An diese Erzählung muß ich denken, wenn ich Nachrichten von China höre, denn die Menschen, die diese Bilder in der Schule aufgenommen haben, kommen jetzt in Machtpositionen.  Der Wiedereintritt Chinas auf die Bühne der Weltpolitik erfolgt gezielt – und nicht mehr als Land, das sich als Erfüllungsgehilfe der marxistischen Weltrevolution versteht – auch ein Triumph der Idiotenkultur.

Währenddessen erlaubt sich der glorreiche Westen noch einen Folterskandal in Griechenland, einen eventuell desaströsen Euro und – gerade in Deutschland – einen konsequenten Kampf gegen die Arbeitslosen und ihre Kinder anstelle eines Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit.

Das man sich angesichts dieser Informationslage wundert, das ein gestandenes SPD-Mitglied und langjähriger Bürgermeister mit der NPD sympathisiert, sollte eigentlich nicht wundern, sondern Angst machen. Aber anstatt das man sich mit den Argumenten auseinandersetzt, mokiert man sich über die Person, wie hier im Spiegel:

„Für eine Überraschung war Hans Püschel immer gut“, sagt sein Kreischef Erben. Zuletzt sah er sich „entmachtet“, weil durch die Gemeindegebietsreform Krauschwitz in der nächstgrößeren Kommune aufgeht. Püschel polterte: „Das widerspricht für mich jedem Demokratieverständnis.“ Ist der Sozialdemokrat also, wie manche Genossen vermuten, vielleicht nur sauer auf die etablierte Politik, weil sie ihm das Bürgermeisteramt nimmt?

Hören wie den NPD-Sympathiesanten selbst:

„Ich denke, wenn die (nur noch formale) Demokratie die existenziellen Probleme der Menschen und des Landes nicht löst, dann müssen es ja diejenigen versuchen, die eine vielleicht etwas andere Demokratie bzw. Volksherrschaft installieren wollen.“

„In jedem Sachgebiet, mit dem ich mich befassen muss, merke ich, dass wohl das Volk am wenigsten regiert – schon eher die großen und Finanz- und Wirtschaftsgruppen.“

Damit hat er keine andere Meinung als viele seiner politikverdrossenen Mitmenschen. Aber das zu ignorieren gehört ja auch zur Idiotenkultur, die mehr an dem Kachelmannprozess als an der Rohstofffrage interessiert ist. Was der Kachelmann tut ist ja auch so viel wichtiger als die Frage, woher wir und unsere Kinder in Zukunft Erze, seltene Erden oder einfach nur Weizen herbekommen.

Aber der NPD zu unterstellen, sie wolle „eine etwas andere Demokratie“, ist schon so als würde man behaupten, das im KZ Ausschwitz eine etwas andere Form von Sozialarbeit praktiziert wird.  Auch hier: Triumph der Idiotenkultur.  Vielleicht das treffende Schlußwort, das in Zukunft in chinesischen Geschichtsbüchern den Zusammenbruch der westlichen Räuberkultur beschreibt, die es nicht geschafft hat, eine große Kultur aufzubauen.


Stairways To Colors

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Stairways To Colors

© Jotha

Hartz IV, das deutsche Mafialand, Stuttgart 21 und der Verfall der zivilisierten Kultur

Laut Hans-Werner Hamacher hat Deutschland ein Problem. In seinem Buch „Deutschland im Visier“ aus dem Jahre 2000 (erschienen im Militzke Verlag)  schreibt er über die Gefahr, die für Deutschland vom organisierten Verbrechen ausgeht.  Gleichzeitig beschreibt er die Hilflosigkeit der deutschen Kultur mit dem Problem fertig werden zu können. Das Volk der Dichter und Denker hat das Denken verlernt – sofern sich nicht alle Mafiosi öffentlich auf dem Rathausplatz versammeln und sich einhellig zu ihren Straftaten bekennen, glaubt man nicht an sie….und es wäre eine der verpönten Verschwörungstheorien, sich darüber Gedanken zu machen.

Sobald ein Mafiosi die deutsche Staatsgrenze übertritt, wird er Einzeltäter. Alle europäischen Länder ringsum haben ein massives Problem mit organisierter Kriminalität .. nur Deutschland nicht.

Nun – laut Bundeskriminalamt sind die Ermittlungen seit einem Hoch im Jahre 2000 rückläufig, die Zahl der Tatverdächtigen sank von 16000 auf 9000. Man könnte meinen: Entwarnung auf allen Ebenen ist angesagt.  Mafia war mal ein Problem, aber Derrick hat ihr das Handwerk gelegt.

Neun Jahre später erscheint ein ein weiteres Buch, diesmal von Eugen Roth: Mafialand Deutschland (Eichbornverlag). Hierzu die Zeit:

Roth erzürnt, dass viele Politiker, Polizisten und Publizisten verdrängen, wie stark die Mafia Deutschland unterwandert hat, dass Kriminelle aus dem Ausland hier ihr schmutziges Geld mit Immobilienkäufen und Börsengeschäften in ein sauberes Vermögen veredeln. Und dass die unbequeme Wahrheit, die Nähe mancher Entscheider aus Regierungen, Parlamenten und Konzernvorständen von nur wenigen ausgesprochen wird.

Die neuen Mafiosi sind Manager mit Wirtschaftsstudium und Wohltäterhabitus. Ihre Waffen haben keinen Abzug mehr, sie heißen Aktie, Anteil und Anlage. Roth zitiert einen Oberstaatsanwalt aus Palermo: „Vielmehr liegt die tatsächliche Gefahr in den Milliarden Euro mafioser Herkunft, die in den nationalen Volkswirtschaften investiert wurden, weil immer mehr Bereiche des Staates schleichend und unauffällig unterwandert werden.“

Die schießen nicht mehr – das ist schon mal eine gute Nachricht. Dafür treiben sie unsere Immobilienpreise in die Höhe – wem sollte das schon gefallen.

Die Daten des BKA können natürlich verschiedene Ursachen haben, das läßt sich von hier aus nicht beurteilen. Bemerkenswert an der Art und Weise der Auswertung des BKA ist schon, das hier gezielt ethnische Hintergründe aufgearbeitet werden – wieviele Türken, Italiener, Russen im Einzelnen womit auffällig geworden sind – weniger erfährt man über den Einfluß der Organisationen selbst.

Hierzu kann man selbst aktiv werden … begibt sich aber damit in den Bereich, den die deutschen Verschwörungsphobiker (Verschwörungsängstler) lieber meiden, weil es dort sehr schmutzig und unübersichtlich wird. Aber vielleicht … ist es ja die Liebe zum Fußball, die die Deutschen wach werden läßt, hier bei Yahoo gefunden:

Eine brennende Albanien-Flagge, nationalistische Kosovo-Spruchbänder, Brandgeschosse und brutale Randale: Serbische Hooligans haben mit gezielten Krawallen beim abgebrochenen EM- Qualifikationsspiel in Italien die Fußballwelt geschockt. Die Gewalteskalation hat eine neue Dimension erreicht.

Fußball … des Deutschen liebstes Kind.  Und das einzige Kind, das nicht von Hartz IV bedroht wird. Und noch im Schock erfährt der Deutsche: das war alles kein Zufall, das war eine Auftragsarbeit im Dienste der Mafia:

Zwei Drogenbosse sollen die serbischen Randalierer beim abgebrochenen EM-Qualifikationsspiel in Genua zwischen Italien und Serbien finanziert haben. Zwei Drogenbosse hätten an mehr als 60 Hooligans über 200 000 Euro gezahlt, damit sie nach Italien fahren konnten, berichtete die Zeitung „Politika“.

Ziel der Mafiosi sei die Schwächung des serbischen Staates, um weiter ihren kriminellen Geschäften nachgehen zu können.

Sowas machen die also schon? Gezielt für Krawalle bezahlen um den Staat zu schwächen? Nun – die machen noch viel mehr – und deutsche Banken hängen mittendrin, hier bei Nachrichten Heute

Am 23. Oktober 2008 explodiert eine auf einem Motorrad angebrachte Bombe in der Stara Vlaska Strasse der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Sie reißt zwei Menschen in den Tod, weitere werden verletzt.

Die Opfer sind der investigative kroatische Journalist und Herausgeber der Wochenzeitung Nacional Ivo Pukanic, und der Marketing – Direktor des Blattes, Niko Franjic.

Nun stehen die angeblichen Mörder in Belgrad vor Gericht. Es sind der serbische Mafiaboss Sreten Jocic alias „Joca Amsterdam“ und zweiweitere Angeklagte. Ihnen wird Auftragsmord und Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

Für 1,5 Millionen Euro sollen sie Pukanic verfolgt und schließlich mit einer Bombe getötet haben, nachdem ein erster Mordanschlag im April 2008 fehlgeschlagen war.

Nach den Aussagen von Jocic soll die Ermordung des weit über die Landesgrenzen Kroatiens bekannten Journalisten aber im Zusammenhang mit dem Hypo-Alpe-Adria Bank-Skandal, also Geldwäsche stehen, die angeblich über diese Skandalpe-Bank in den Jahren 1991 bis 2007 gelaufen war.

Zum Zeitpunkt des Mordanschlags befand sich die Hypo-Alpe bereits im Besitz der BayernLB.

Wer will, findet dort noch mehr zum mafiösen Sumpf der österreichischen Bankenwelt – aber das ist ja kein eigenständig österreichisches Problem. Die Schweiz ist bekannt dafür, ein sicherer Hafen für Verbrechensmilliarden aus aller Welt zu sein … und man lebt ganz gut davon. Geld stinkt nicht, ist die neue Devise, nach der das Land lebt – eine Devise, die ich in Deutschland Fuß gefaßt hat.

„Einen typischen Hinweis auf die zunächst unsichtbare Unterwanderung einer Gesellschaft durch verbrecherische Strukturen stellt die Zunahme der Korruption dar. Sie beginnt mit dem Absinken der öffentlichen Moral (etwas Steuerbetrug als Alltagssport oder Verfall der sogenannten Kaufmannsehre, bei der ein Handschlag nichts mehr gilt), erreichen dann Wirtschaft und Industrie (etwas durch Finanzflucht in Steueroasen, Preisabsprachen, geheime Absprache-Kartelle) und mündet in schlichte Bestechung ein, bis in die Vorstandsetagen und politischen Machtzentralen (Hamacher, Seite 17).

Hierzu eine Meldung vom 17.11.2009 von der Deutschen Welle:

Immer mehr Unternehmen und Behörden in Deutschland setzen auf Anti-Korruptionsexperten und strenge Verhaltensregeln. Dennoch nimmt die persönliche Vorteilsnahme zu – und auch die Dreistigkeit, mit der vorgegangen wird.

Private Ferienhäuser werden auf Firmenkosten saniert, Honorare für nie erbrachte Leistungen abgerechnet oder Abteilungsleiter übervorteilt – Korruption in Deutschland findet immer noch überwiegend in der Wirtschaft statt. Spektakuläre Fälle gab es beim Autohersteller Volkswagen, bei dem Betriebsräte Fernreisen und sogar Liebesdienste geschenkt bekamen, um ihre Zustimmung zu neuen Arbeitsverträgen im Konzern zu erhalten. Bei Siemens flossen Millionen aus schwarzen Kassen an Auftraggeber in aller Welt, um Aufträge zu bekommen. Auftragserschleichung ist der „Klassiker“ in der Korruption, die jährlich einen Schaden von über acht Milliarden Euro verursacht, obwohl sie nur 1,7 Prozent aller Delikte umfasst.

Es gibt nichts, was es nicht gibt, berichtet einer der hartnäckigsten Ermittler, der Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, der die aufgedeckten Korruptionsfälle in Deutschland auf fast 10.000 im Jahr beziffert. Dazu komme noch die Dunkelziffer von 95 Prozent aller vermuteten Straftaten.

Man kennt diese Fälle … nach einem dieser Verbrecher benennt der Volksmund die „Sozialreform“ Hartz IV. Man kennt auch – ohne das es je Konsequenzen gehabt hätte – die anderen Erscheinungsformen der Degeneration der politischen Kultur:

In der Nähe zur Industrie sehen Ermittlungsbehörden auch bei Politikern ein Problem. Alleine in den letzten zwei Regierungsperioden gingen neun Staatssekretäre nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt direkt in die Wirtschaft. Spitzenbeamte, die früher für Kreditgesetze zuständig waren, finden sich heute in höchsten Ämtern bei Banken. Abgeordnete, die früher Wirtschaftsgesetze erließen, bekleiden jetzt top-dotierte Jobs in Vorstandsetagen mächtiger Energiekonzerne.

Der Rechtsexperte Peter Alexis Albrecht erklärt dazu, dass die Staatsanwaltschaft meist keine Möglichkeit hat, vorherige Absprachen zwischen Trägern öffentlicher Ämter und der Industrie zu beweisen. Die Justiz bezeichnet Albrecht als „entmachtet“.

Dort wo die Justiz entmachtet ist, wo Mafiamilliarden via Konzernetagen Politiker kaufen können, sollte man sich nicht wundern, das Verfahren gegen organisierte Kriminalität ständig zurückgehen.

Man braucht sich in einer solchen Kultur auch nicht wundern, das ein Peter Hartz die Vernichtung des demokratischen Rechtsstaat durch Aushebelung der wirtschaftlichen Sicherheit des Souveräns (des Bürgers) maßgeblich mitbestimmen darf und dann als Krimineller weiterhin frei herumläuft, während die Arbeitslosen für ihre Arbeitslosigkeit durch Hausarrest bestraft werden. Das hat dann schon eine gewisse Logik.

Schäden für die deutsche Wirtschaft? 150 Milliarden Euro, das sind 150 000 Millionen. Auf Hartz IV umgelegt, würde das bedeuten, das alle Arbeitslosen einen Regelsatz von 1400 Euro im Monat bekommen könnten, wenn nicht die Mafiakultur herrschen würde.

Diese Kultur wird aber auch von jedem kleinen Versicherungsbetrüger oder Steuerhinterzieher mitgetragen – das darf man dabei nicht vergessen.

Viele Staatsanwälte werden deutlich: Wer nicht selbst ehrlich sei, dürfe sich auch nicht über Fußballschiedsrichter aufregen, die Spiele „falsch pfeifen“, weil sie bestochen sind. Auch das gab es schon in Deutschland.

Die zivilisierte Kultur zerfällt in breiter Front. Der „Mangel an Geld“ besagt lediglich, das die mafiösen Strukturen inzwischen soviel aufsaugen, das für den Bürger kein Geld mehr vorhanden ist – und genau das ist es doch, was wir auf den Straßen sehen: immer mehr Nobelvillen, immer mehr Luxusautos in einem hochverschuldeten Land, das kein Geld mehr für seine Kinder hat – Szenen, die man aus hochkorrupten Entwicklungsländern kennt.

Fragt man aber nach dem Grund und den Ursachen … so läuft man vor eine Mauer des Schweigens. Theorien über Verschwörungen wären notwendig, um das Lügengespinst, das das Land erstickt, zu zerreißen. Doch leider gelten die gerade als schrecklich unschicklich, ja, bedrohen geradezu die Grundwerte des christlichen Abendlandes.  Das sie das wirklich tun … glaube ich gern. Ich sehe halt nur andere Werte.

Aus dieser Perspektive verwundert die Erscheinungen rund um Stuttgart 21 ebenfalls nicht. Die Bürger dort merken nun langsam, das sie nicht mehr in der Bonner Republik leben. Darum wurde dort noch demonstriert während zur großen Demo gegen Sozialabbau in Berlin gerade mal 1800 – 7000 Leutchen aufliefen. In der Berliner Republik haben Demonstrationen (und auch Wahlen) ihren Sinn verloren, Meinungskundgebungen ebenfalls. Das hatte Kohl schon angekündigt:

„Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter“.

Inzwischen darf man die Hunde auch treten … und kündigen, wenn sie Ossis sind, hier im Spiegel:

Statt eines Jobs bekommt sie nun Geld: Eine Frau aus Ostdeutschland hat sich mit einer Firma außergerichtlich geeinigt, bei der sie sich erfolglos beworben hatte. Weil auf ihren Bewerbungsunterlagen der Hinweis „Ossi“ vermerkt wurde, hatte sie geklagt – und in erster Instanz verloren.

Wer sich wundert, das „die Leute den Hintern nicht hochkriegen“ hat einfach nur nicht verstanden, in welcher Welt die Leute leben.  Die wollen keine Revolution mehr (gegen wen auch, ist doch alles in Ordnung …), die wollen nur noch – einen Arbeitsplatz um der Verfolgung zu entgehen. Die Leute … sind halt nicht so blöde, wie man sie gerne hätte.  Für die … ist wieder 1936. Angesichts der Übermacht und Undurchsichtigkeit des Grauens … kümmert man sich lieber um die gekauften Sportergebnisse und hofft, das es einen selber nicht erwischt.

Silly: Charity war gestern…

…aber das liegt nicht an der Band, sondern an den vorgeblichen Charity-Machern:

Ihr Lieben,

mit einigem Erstaunen haben wir am Freitag, eine Woche vor der Sendung die Absage unseres Auftrittes bei der Spendengala „Willkommen bei Carmen Nebel“ zu Gunsten der Deutschen Krebshilfe durch die Produktionsfirma TeeVee GmbH erhalten.

Wer SILLY kennt, weiß, dass wir nicht unbedingt die Band sind, die sich in einer Sendung wie „Willkommen bei Carmen Nebel“ sofort zu Hause fühlt.

Als wir allerdings gefragt wurden, ob wir in Carmen Nebel’s Sondersendung, der „Spendengala zu Gunsten der Deutschen Krebshilfe“ teilnehmen würden, haben wir diese Charity Veranstaltung zugesagt – auch auf Grund unserer eigenen Geschichte.

Begründet wurde die Absage seitens TeeVee mit der angeblichen „Verletzung des Exklusivrechts“, dies ist für uns unverständlich, da TeeVee von anderen geplanten Auftritten wusste.

Für uns stellt sich nun die Frage: geht es tatsächlich noch um eine Sendung, die von einem Charity Gedanken getragen wird?

Wir hoffen dennoch, dass die Sendung für die Deutsche Krebshilfe ein Erfolg wird, da es uns nur darum ging und geht.

Eure SILLYs

Anna, Uwe, Ritchie und Jäcki

Weitere Live Termine 2010
03.10. Bremen, Europahafen
26.12. Frankfurt/Oder, Messehalle 1

ALLES ROT – Tour 2010
16.11. Bochum, Jahrhunderthalle
18.11. Köln, E-Werk Zusatzkonzert
19.11. Erfurt, Stadtgarten Ausverkauft
20.11. Leipzig, Haus Auensee Ausverkauft
22.11. Dresden, Alter Schlachthof Ausverkauft
24.11. Rostock, Stadthalle
25.11. Magdeburg, Stadthalle Zusatzkonzert – Verlegt vom Alten Theater
29.11. Saarbrücken, Garage
02.12. Nürnberg, Löwensaal
03.12. München, Tonhalle
04.12. Karlsruhe, Festhalle Durlach
07.12. Hamburg, Große Freiheit Zusatzkonzert– Verlegt von der Fabrik
08.12. Hannover, Capitol
ALLES ROT– Open Air 2011
03.06. Leipzig, Parkbühne
04.06. Dresden, Junge Garde

(Quelle: Silly-Newsletter vom 21.09.2010)

6 worte über verzuckerten konsum

zuckersüß...

konsum verzuckert. eat-art 2009 düsseldorf.

quelle: selbst

172 worte über kulturschwachsinn und die vollsperrung der a 40

Foto 0532

Foto 0532still-leben. vollsperrung der a40

zwischen dortmund und duisburg auf 60 kilometer länge. lt. der minderheitsregierenden spd-nrw-ministerpräsidentin kraft

„ eine schöne Erfahrung (…)  sich die A 40 mitten durchs Ruhrgebiet von den Autos zurückerobern.“

klar. war total klasse. leute, die an dem schwachsinn nicht teilnehmen und womöglich sogar woanders hinwollten, waren gezwungen, sich über irgendwelche landstrassen zu quälen. und dort, wo man sonst täglich mit anderen arschlöchern im stau steht, stand man nun auch mit irgendwelchen anderen arschlöchern im stau, nur eben zu fuss oder mit fahrrad.

eine suuper-sache das ganze.

in wuppertal… hat mal ein „künstler“ die fenster der schwebebahn mit farbig-transparenter folie verklebt, was bei etlichen fahrgästen kopfschmerzen und schwindelanfälle auslöste. aber – das wurde gnadenlos durchgezogen. weil: es war kunst.

man sperre eine gesamte autobahn – dann ist es sogar kultur. in dem moment wo dem menschen kunst oder kultur aufgezwungen wird und seine gesundheit oder bewegungsfreiheit eingeschränkt wird, hat  sie den anspruch  kunst oder kultur zu sein verwirkt. kunst wird bestenfalls zu kunsthandwerk und kultur… tja. zu was wird kultur? kulturhandwerk?

in diesem sinne!

Besinnlichkeit und Raserei

Manche Wörter sollte man nochmal erwähnen, bevor sie aussterben – zum Beispiel das Wort „Besinnlichkeit“. Wir wissen wenig über frühere Zeiten, wenig über das, was wirklich „Alltag“ war im Mittelalter. Wir merken uns Könige und Kriege – und nebenbeivernachlässigen wir vollkommen die kulturstiftende und friedensbringende Kraft des Handels. Da fallen uns gerade noch die Fugger ein – oder Marco Polo – das war es dann schon. Eine sehr militaristische Geschichtsbetrachtung, ein sehr eingeschränkter Blickwinkel – aber wir haben ja noch Zeit etwas daran zu ändern.

Wovon man aber ausgehen kann ist die Tatsache, das das Leben früher viel besinnlicher war … wenn´s nicht gerade Kriege gab. Aber auch die konnte man unbeschädigt an Leib und Leben überstehen, weil die Zivilbevölkerung erst in der Neuzeit ins Visier der Menschenvernichter geraten ist.  Manche Leute pflegten – wie Ernst Jünger – Besinnlichkeit sogar mitten auf dem Schlachtfeld. Warum auch nicht – es ist immerhin eine erquickende Kunst.

Besinnlichkeit bringt einen dazu, Fragen zu stellen, die man ansonsten nicht stellen würde, weil wir nicht dazu kommen, scheinbare Selbstveständlichkeiten zu hinterfragen.  Zum Beispiel die Frage: Wozu haben wir eigentlich Staat? Die historische Antwort ist einfach: zum Zwecke der Ausbeutung.  Jedenfalls würde ich diese Perspektive als eine der Ersten in Betracht ziehen, denke da an den „Warlord“ mit seiner kleinen Burg, von der aus der die Umgebung tyrannisiert.

Erst später kamen kirchliche Gelehrte in Europa auf die Idee, das Herrschaft eigentlich ja auch irgendwie legitimiert werden sollte – und schon war die Idee der „Schutzfunktion“ des Staates geboren worden, der adelige Landräuber wurde zum wohlmeinenden Landesvater, die Diktatur der Räuberelite machte auf einmal Sinn, weil sie (widersinnigerweise) den Menschen vor dem Menschen schützte.  Gleichzeitig gab es aber auch eine andere Entwicklung: die Armbrust. Auf einmal war der gepanzerte Ritter nicht mehr unbesiegbar – ein kleiner Junge konnte ihn mit wenig Geschick vom Pferd holen.

Als dann jeder Bürger eine Pistole in der Hand hatte, war es ganz vorbei mit der Machtherrschaft des Adels. Jetzt konnten sogar die zerbrechlichsten Frauen den stärksten Mann ohne große Mühe entsorgen … da bedurfte es neuer Qualitäten für den Adel – und so wurde der Adel Edel oder bemühte sich zumindest, so auszusehen.

Ich gebe zu: das ist eine sehr kurze und einseitige Darstellung von Geschichte, die die Rechtsbildung von Stammesgesellschaften völlig außer Acht läßt – für Stammesgesellschaften ist aber die Schutzfunktion der Gemeinschaft so selbstverständlich, das sie gar nicht darüber reflektieren.

Das ist erst dann notwendig, wenn man merkt, das sie nicht mehr da ist – oder das die Gemeinschaft selbst zu einer Gefahr geworden ist.

Auf Deutsch gesagt, ist der Staat also da, um uns vor den Menschen zu schützen, mit denen Merkel essen geht oder die die Parteien als Berater hinzuziehen.  Kein Wunder, das es uns schlechter und schlechter geht.

Und kein Wunder, das die Kultur der Besinnlichkeit zunehmend durch eine „Spaßgesellschaft“ ausgetauscht wird – eine Gesellschaft, die ihre Kapitalquellen aus Kinderarbeit und anderen kriminellen Machenschaften schöpft. Es ist jedoch weniger die „Spaßgesellschaft“ die als Oberbegriff interessieren sollte, sondern eher … der Begriff der “Kultur der Raserei”.

“Raserei” ist zum Selbstzweck geworden … einfach mal umschauen im Land. Wir rasen durch die Lüfte, durch die Straßen, durch die Geschäfte, ja, durch das ganze Leben. Egal wohin, Hauptsache schnell. Diese Raserei ist der Tod jeglicher Besinnlichkeit und dort, wo Besinnlichkeit keinen Raum mehr hat, breitet sich Dämlichkeit ungehemmt aus – und Dämlichkeit kann sehr teuer werden. Ich rede hier nicht von Moral oder gar Ethik, sondern von Euro, eine Sprache, die auch Unternehmensberater verstehen dürften.

“Staat” ist teuer. Schon an sich. Seine Diener wollen alimentiert werden – und das nicht zu knapp. Am Besten für ewig und mit einer kleinen Beförderung kurz vor der Pensionierung, Dienstvilla und Dienstwagen inklusive. Je größer der Staat umso mehr Lumpengesindel sammelt sich um seinen Reichtum wie die Motten ums Licht, alles erbärmliche Kreaturen mit dem Anspruch auf leistungslosen Wohlstand, der selbstverständlich nur ihnen zusteht und nicht den Witwen und Waisen im Land, für deren Versorgung wir Staat überhaupt geschaffen haben.

“Staat” leistet sich sogar besinnliche Menschen als Berater. Auch die sind sehr teuer, wobei man sich auch hier die Frage stellt: wozu müssen wir einen Historiker eigentlich bezahlen? Es gibt genug Heimatforscher, die in ihrerer Freizeit Geschichte schreiben und nebenbei ganz normal für ihren Lebensunterhalt arbeiten gehen. Wozu zahle ich als Staat Menschen, die solche Urteile fällen wir Egon Flaig?

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31712/1.html

Kinderarbeit ist an sich keine Form von Unfreiheit.

Das würden Kinder vielleicht anders sehen, aber die leben auch nicht ein Luxusleben auf Kosten des Steuerzahlers. Und das wäre ja der Untergang der westlichen Zivilisation:

Wenn ein Nicht-Arbeitender sich weigert, eine Arbeit anzunehmen, weil sie ihm “nicht passt”, aber gleichzeitig fordert, dass die Arbeitenden für ihn aufkommen, dann tut er ein Doppeltes: Erstens wird er zum Ausbeuter – er lebt auf Kosten anderer – ähnlich wie ein Sklavenhalter; zweitens gibt er die Verantwortung für seine soziale Existenz ab und bürdet sie der Gesellschaft auf. Gerechtigkeit verlangt, dass jeder für sein Brot und seine Wohnung auch eine Gegenleistung zu erbringen hat; diese besteht in einer Gesellschaft vor allem aus seiner Arbeit – sofern er nicht physisch oder geistig behindert ist. Rechte implizieren Pflichten, andernfalls werden sie zu Privilegien. Wer das nicht akzeptiert, beansprucht für sich das Recht, von anderen versorgt zu werden – im Klartext: dass andere für ihn arbeiten. Ein solcher Anspruch entspringt entweder der Mentalität eines Kleinkindes oder derjenigen eines Kriminellen – oder soll ich hinzufügen: Derjenigen eines Sklavenhalters? Der Sozialstaat ist eine enorme historische Errungenschaft, und wir sind gehalten, ihn zu verteidigen. Darum müssen wir ihn auch vor Missbrauch schützen. Vor allem müssen wir verhindern, dass er sich in eine Versorgungsanstalt verwandelt, welche die Verantwortungslosigkeit fördert – mit fatalen Konsequenzen für die individuellen Fähigkeiten und die sozialen Kompetenzen der Fürsorge-Empfänger. Das Ende wäre eine sozioenergetische Entropie: Ein signifikanter Teil der Staatsbürger würde in alimentierter Unmündigkeit gehalten.

Und da gebe ich dem Professor doch mal vollkommen Recht. Alimentierte Unmündigkeit ist keine angenehme Sache. Muß er selbst am Besten wissen, denn er gehört zu denen, die der Staat alimentiert – wie auch Ärzte, Krankenpfleger, Pfarrer, Lehrer, Arbeitslose, Minister, Kanzler, Witwen, Blinde und Waisen. Und seine Gedankengänge sind ebenfalls nicht von der Hand zu weisen: der Faulenzer mit Versorgungsanspruch ist ein Sklavenhalter … aber darum gehen ja Faulenzer mit Versorgungsanspruch lieber in die Politik oder zur Bank anstatt eine Karriere als ARGE-Kunde anzustreben. Viele Menschen arbeiten dafür, das der Professor seine Ergüsse von sich geben kann, ohne von der Mühsal des alltäglichen Broterwerbs belästigt zu werden. Jetzt stellt sich doch die Frage: was tut der Professor nun für die Gemeinschaft? Er klärt uns über seine Sicht der Sklaverei auf:

Egon Flaig: Es gibt keinen “historischen Werdegang”. Denn Sklaverei hat es in allen Hochkulturen gegeben, und in einer stattlichen Anzahl sogenannter “primitiver Kulturen”. Sie speist sich aus zwei Quellen: a) aus dem Import von gewaltsam versklavten Menschen, in der Regel Gefangene von Kriegen und Überfällen; Orlando Patterson nennt das “intrusive Sklaverei” (der Sklave ist ein Fremder), b) aus der eigenen Bevölkerung, nämlich durch soziales “Herausfallen” – Kinderverkauf, Kindesaussetzung, Verkauf von verschuldeten Menschen, gerichtliche Verurteilung; Patterson nennt dies “extrusive Sklaverei” (der Versklavte wird in diesem Falle zum “Fremden” gemacht). Extrusive Sklaverei herrschte in Ostasien, v. a. China, Korea, und in Russland; intrusive herrschte vor allem in Afrika, in den präkolumbianischen Hochkulturen, bei Griechen und Römern bis zur Kaiserzeit, in der gesamten islamischen Welt und in der amerikanischen (Brasilien, Karibik, Süden der USA) Sklaverei.

Extrusive Sklaverei findet gerade vor unseren Augen statt, auch wenn der Professor das nicht sehen möchte, weil er die Formen der Sklaverei der Antike mit den Formen der Sklaverei der Neuzeit vergleicht und treffsicher feststellt: früher war das anders. Mit dem gleichen Argument könnte man sagen: es gibt heute keine Kriege mehr, weil niemand mehr Burgen oder Belagerungstürme baut – oder es gibt keine Ärzte mehr, weil niemand mehr zum Zwecke der Heilung zu Apollo betet.

Darum ist seine “Beweisführung”, das Hartz IV keine Sklaverei ist, auch so mittelmäßig – was nicht schlimm wäre, müßten wir das nicht bezahlen.

Der Vergleich des arbeitsunwilligen Hartz-IV-Empfängers mit dem Sklaven ist legitim und heilsam. Durch Vergleiche lernen wir unterscheiden, durch Unterscheiden kommen wir zu Erkenntnissen. Damit der Vergleich methodisch korrekt sei, frage ich nun Sie:

Wurde je Hartz-IV Empfängern – als solchen – der Pass entzogen, die Staatsbürgerschaft aberkannt und wurden sie in den Zustand der völligen Rechtlosigkeit versetzt?

Nein, aber er hat de fakto Hausarrest während der Dienstzeiten der Behörde. Vogelfrei ist er nicht – noch nicht – aber wir fangen ja gerade auch erst wieder an die Sklaverei wieder einzuführen.

Wo wurde ihr Vermögen eingezogen?

Gar nicht. Das müssen sie verbrauchen, bevor sie zu ARGE kommen. Das ist ganz schnell weg, wenn es nicht so groß ist, das man durch Zinserträge leben kann.

Wo wurden ihre Ehen aufgelöst und sämtliche Verwandschaftsverhältnisse annulliert?

Es lösen sich Bedarfsgemeinschaften aus, weil Eheleute gemäß Gesetz bestraft werden und einen noch geringeren Regelsatz erhalten. Und aus der Verwandschaft fallen sie durch Hartz IV heraus, weil sie die moderne Geschenke- und Partykultur nicht mehr mittragen können. “Soziale Isolation” ist da ein bekanntes Problem…..wie auch bei Professor Flaig, der wohl noch nicht ganz im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Wo wurden ihnen die Kinder weggenommen und verkauft?

In Münster, weiteres ist in Vorbereitung

Und angenommen, man inhaftierte sämtliche arbeitsunwilligen Hartz-IV-Empfänger, wären sie dann Sklaven? Sogar Gefängnis-Insassen haben Rechte, auf die sie sich berufen können; sie sind Rechtspersonen, obwohl sie für eine bestimmte Zeit bestimmte Rechte nicht ausüben können.

Sie sind schon inhaftiert, die haben Hausarrest. Gefängnisinsassen haben Rechte, in der Tat. Die machen auch mal Rehabilitationssegeln um Mallorca herum. Hartz-Sklaven nicht.

Können Sie mir die Hartz-IV-Empfänger zeigen, die man in Kolonnen die Straßen entlang treibt, unterm Peitschenknallen von Aufsehern?

Das nennen wir heutzutage “Maßnahmen”, allerdings verwenden wir keine Peitsche mehr. Ach ja … unsere Soldaten reiten auch nicht mehr ins Gefecht. Und auch sonst hat sich einiges geändert. Wir können sogar fliegen und haben fließend Wasser und elektrisches Licht – aber das ist hier nicht das Thema.

Können Sie mir sagen, wo man sie öffentlich auf den Plätzen aufstellt, um sie – vor aller Augen – zu peitschen, ihnen ein Brandmal auf die Stirn zu drücken, ihnen Gliedmaßen abzuschneiden, oder sie zu Tode zu foltern?

In Frankfurt wollte man sie zur Schau stellen. Und diese Geschichte mit den Gliedmaßen und den Brandmalen machen wir heutzutage im ganz normalen Straßenverkehr, da brauchen wir keine gesonderten Veranstaltungen für. Zu tode Foltern wir immer noch … aber lieber psychisch. Das schont den Täter und macht weniger Dreck.

Bezahlt wurde der Professor für Besinnlichkeit, geliefert hat er: Raserei.

Jedes Imperium wurde auf den Rücken von Sklaven aufgebaut. Wenn ich einen Haufen Gold irgendwo hinlege und tausend Jahre später nachschaue, so habe ich immer noch einen Haufen Gold und keinen Krümel mehr. Nehme ich aber einen Haufen Menschen und lasse sie und ihre Kinder tausend Jahre für mich arbeiten, habe ich auf einmal das “Haus Hohenzollern” mit all seinen Liegenschaften. Oder ein römisches Imperium.

Flaig hat sicher recht: die Abolation war ein Riesenschritt nach vorne. Aber wie jeder nobel alimentierter Elfenbeinturmbewohner steckt er mit seinem Kopf in den Wolken. Sicher … die Sklaverei nimmt heutztage andere Formen an – wie andere Dinge auch. Trieben wir früher noch Schweine zum Markt um sie gegen Hühner zu tauschen, benutzen wir heute Geld um Waschmittel zu kaufen. Wo früher der Schuldturm stand und das Gefängnis, ist heute der Hausarrest im sozialen Wohnungsbau angesagt … denn Hartz-Abhängige müssen in den billigsten Schimmellöchern Unterschlupf suchen. Ist aber insgesamt billiger als eigens für die noch neue Gefängnisse zu bauen. Für die wird die Wohnung zum Gefängnis … und Fernsehen zur Strafe.

Sicher, meine Vergleiche sind nicht besser als die des Professors, aber ich werde für solchen Unsinn auch nicht bezahlt. Ich denke auch nicht, das Hartz-IV-Abhängige schon Sklaven sind – aber der Schritt geht in die Richtung. Viele Schritte gehen in diese Richtung – aber dafür muß man mal mit den Menschen reden … und nicht nur über sie. Wir haben zwar die Sklaverei abgeschafft, aber nicht die Gier der Sklavenhalter nach leistungslosem Wohlstand. Die suchen sich jetzt neue Wege, wie sie links und rechts um die Menschenrechte herum wieder neue Formen der Sklaverei einführen können….und die Agenda 2010 war für sie ein wichtiger Meilenstein.

Im Zeitalter der Raserei wird man aber nicht die Muße haben, innezuhalten und das zu merken. Und die Positionen, die wir extra für Besinnlichkeit bezahlen, werden von rasenden Menschen wie Professor Flaig besetzt. Fehlbesetzt, muß man sagen, denn den Nutzen seiner Arbeit für die Gesellschaft vermag ich jetzt nicht gerade zu erkennen, die Höhe seiner Alimente allerdings schon.

Ich schätze mal … für einen Egon fütter ich locker 20 Arbeitslose samt Familien durch. Aber die stiften dann weniger Unfug. So gesehen, ist eine bei Heise gefundene Forderung nach Kürzung der professoralen Alimente um 50% für mich sehr plausibel. Die Preise für Papiermüll sind zwar gerade im Anstieg begriffen, aber diesen Müll durch Professoren produzieren zu lassen scheint mir nicht mehr marktgerecht.

Die vergessene Templer-Kirche von Almsdorf…

Die vergessene Templer-Kirche in Almsdorf

…habe ich im vergangenenNovember besucht, obwohl ich eigentlich auf der Suche nach der bekannten Templer-Kapelle von Mücheln (Wettin) war.

Die vergessene Templer-Kirche in Almsdorf

Die vergessene Templer-Kirche in Almsdorf

Almsdorf ist ein Ortsteil des anderen sachsen-anhaltinischen Mücheln, insofern sei das Mißverständnis nachzusehen ;)

„Vergessene Templerkirche“ deshalb, weil es zwar unzweifelhafte Anzeichen für eine Beteiligung des einst ältesten christlichen Mönchsritterordens gibt, der Orden selbst aber vor Ort und auch im Net keinerlei Erwähnung im Zusammenhang mit Almsdorf findet.

Aber ganz ähnlich ist es ja mit dem Naumburger Dom auch.

Vergessen aber auch, weil von der Kirche leider nur noch die Grundmauern und die beiden Türme stehen und das Grundstück sich in Privatbesitz befindet, auf welchem der Zutritt verboten ist.

Dabei würden sich hier Ausgrabungen sicherlich als lohnend erweisen, denn in Gras & Boden sind deutliche Spuren zu erkennen, die auf eine weitaus größere Anlage schließen lassen.

Den wenigsten ist bekannt, das die Templer auch in Deutschland recht aktiv waren, wenngleich nicht so sehr, wie bspw. in Frankreich oder England, was auch daran gelegen hat, das hierzulande bereits zwei andere Orden vertreten waren, namentlich die damaligen Hospitaliter (heutzutage besser als evangelische Johanniter und katholische Malteser bekannt) und der Deutsche Orden, auch Deutschherren- oder Deutschritterorden genannt.

Beide waren ja nach dem Vorbild der Templer gestaltet und naturgemäß lag hier eine deutliche Rivalität in der Luft.

Die Kirchenruine in Almsdorf mit charakteristischen Doppelturm, welche auf das alte Marktrecht hinweisen, besitzt zwei interessante Steintafeln, die erste über die Grundsteinlegung 1307 in Minuskeln, die zweite über eine (Almosen) Stiftung 1377 in Majuskeln und das „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler“ von 1914 verrät uns noch:

spätromantischer breitrechteckiger Wehrturm mit gekuppelten Fenstern und 2 schlanken Spitzhelmen, deren Dachstuhl interessant verstrebt ist. Das Schiff ist mehrfach erneuert, unbedeutend, die alte Apsis abgebrochen.

Auch diese Beschreibung paßt zu dem üblichen Bild einer „Templerkirche“:

Es gibt drei verschiedene Arten von Templerkirchen. Zum einen sind da, die so genannte Zentralbauten, die in ihrer Grundform entweder rund oder polygonal sind.

Das zweite Beispiel einer Templerkirche ist die einschiffige Kirche mit halber Überkupplung. Als Kirchenschiff bezeichnet man den Teil zwischen dem Eingang und dem Hauptaltar. Eine einschiffige Kirche hat hier nur einen Raum. Es gibt des weiteren die dreischiffige Kirche. Bei einer dreischiffigen Kirche sind zur rechten und linken des Mittelschiffes, was wieder dem Raum zwischen Eingang und Altar entspricht, jeweils ein weiterer Raum über einen Großteil der Länge des Mittelschiffs vorhanden. Die Templerkirchen haben also einen Raum auf rechteckiger Grundfläche und ein Teil des Daches ist überkuppelt.

Die dritte, schlichteste und weit verbreitetste Form der Templerkirche ist die einschiffige Kirche mit einem Tonnengewölbe. Wieder gibt es in der Kirche nur einen Raum und das Dach ist gebogen. Ein Tonnengewölbe ist ein Halbkreis, der anstelle eines flachen oder spitzen Daches das Gebäude abschließt. Das Tonnengewölbe stammt aus der romanischen Zeit und ist der Grundstein für die Spitzbögen der Gotik. Ein Tonnengewölbe wird nicht durch Säulen oder Pfeiler gestützt.  (Quelle)

Möglicherweise kann dem Interessierten das Buch „Die Templer in Mitteldeutschland“ Gunther Lehmann und Christian Patzner mehr verraten.

Kultur der Angst und die neue Diktatur

Wer sein eigenes Glück suchen möchte, ist gut beraten, sich eine Landkarte zu besorgen, die ihn über die Strukturen seines Umfeldes informiert. Oder sich zu informieren über die Qualität der Erde, in die er sein Lebensbäumchen pflanzen mußte. Denn von diesen Informationen hängt der Erfolg des Lebens direkt ab.

Wer versucht, in einer Wüste einen Baum zum Blühen zu bringen, muß andere Maßnahmen ergreifen als jener, der in einem gut bewässerten fruchtbaren Tal lebt.

Die „Erde“ für den Menschenbaum ist das kulturelle Umfeld in dem er lebt … wobei ich den Begriff „Kultur“ in einem historisch-politischen Kontext verwende, nicht in dem degenerierten Kontext moderner Nachrichtenmagazine. Wirtschaft und Politik bestimmen hier ganz direkt die Qualität der „Erde“, nicht der neue BH von Paris Hilton.

Unsere Kultur hat sich geändert seit der Herrschaft von Kanzlerdarsteller Schröder.

Aus einer Kultur der sozialstaatlichen Sicherheit wurde: eine KULTUR DER ANGST.

Wo man früher geborgener Teil einer fair und demokratisch organisierten Kultur war, erlebt man heute unfairniss, Ungerechtigkeit, Ohnmacht, Angst. Es sind die Gefühle, die entstehen, wenn eine Diktatur ihr gräßliches Haupt erhebt.

Ob man nun betroffen war oder nicht, man mußte erleben, das „Arbeitslosigkeit“ von heute auf morgen ein Zustand wurde, der aus einem Opfer verfehlter Arbeitsmarktpolitik und mangelnden Steuerungswillens ein Täter wurde, den zu bestrafen Ziel und Zweck einer ganzen Gesellschaft wurde. Gestern wurde man noch zum Zwecke der Profitmaximierung beruflich entsorgt, heute schon ist man der asoziale Schmarotzer, der sich auf Kosten der edlen und fleißigen Gutmenschen parasitär durch die Gesellschaft bewegt … vollkommen unabhängig von dem, was man dreißig Jahre lang für diese Gesellschaft geleistet (und eingezahlt) hat.
Man wird de facto enteignet, die geschaffenen Vermögenswerte werden zur Entlastung des Sozialstaates eingezogen, der mediale und soziale Stellenwert geht gegen null … man wird ausgestoßener Paria mit eingeschränkten Grundrechten hinsichtlich der Reisefreiheit und Unantastbarkeit der Wohnung – wenn die von gesetzlicher Seite als „zu groß“ definiert wurde, verlor man oft genug sogar sein jahrzehntelang gewohntes Wohnumfeld.

Während gut betuchte Bürger noch genug Geld hatten, um Grundrechte noch in Anspruch nehmen zu können, gab es auf einmal ein Millionenheer von Menschen, die kein Geld mehr dafür hatten … und eben auf diverse Grundrechte verzichten mußten um noch ihr Essen bezahlen zu können.

Diese Erfahrung der neuen Kultur der Angst betrifft aber nicht nur Arbeitslose, sondern all jene, die nicht mit Beamtenstatus, Rentnerprivilegien oder reichen Eltern gesegnet worden sind. Die Medien sorgen schon dafür, das sich diese Kultur in alle Winkel der Republik verbreitet … mit freundlicher Unterstützung des geistig minderbemittelten Modells „Spießbürger“, der mal wieder seine große Zeit gekommen sieht, ungestraft seine Gelüste ausleben zu dürfen.

Auf Angst reagiert man im ersten Moment durch zwei Reflexe. Kampf oder Flucht. Schafft man es nicht, sich zu entscheiden, tritt ein dritter Reflex in Kraft: Angststarre.

Darum regt sich mein Zorn nicht gegen jene glatzköpfigen OI-blöckenden Neonazis, denn sie reagieren ganz natürlich auf die Bedrohung. Ebenso wie linke Autonome oder junge Türken. Sie bilden angstmildernde Gruppen und tragen die Angst nach außen um nicht an ihr zu ersticken. Oder sie schnappen sich eine Waffe und ziehen in den totalen Krieg: ein Mann gegen den Rest der Welt. Andere entscheiden sich für die Flucht … Alkohol, Videospiele.

Wobei letztere inwischen sogar als therapeutische Mittel bei Angststörungen eingesetzt werden. Ich … der Bildschirm … Kontrolle über die Vorgänge … das schafft einen „sicheren angstmildernden Raum“, der zusätzlich sogar angstgenerierte Aggressionen abbauen kann. Was ihr Verbot anrichten wird … möchte ich mir nicht ausmalen

Die dritte Gruppe wählt das dümmste Mittel … die Angststarre und glotzt passiv durch die Röhre oder den Flachbildschirm auf die bedrohliche Welt – wie das Kaninchen auf die Schlange.

Bewußt eine Kultur der Angst zu erzeugen ist ein Verbrechen. Ein abscheuliches, grausames Verbrechen, für das es keine Entschuldigung gibt, und das, wenn man die gesamtgesellschaftlichen Folgen (und die wachsenden Leichenberge betrachtet) als Verbrechen gegen die Menschlichkeit angesehen werden muß –
eines der ganz wenigen Verbrechen, die einen ob der Dimension des Leides, das bewußt und gezielt erzeugt oder zumindestens billigend in Kauf genommen wird,zum Nachsinnen bringen können, ob die Todesstrafe nicht wieder eingeführt werden sollte.

Und sei es nur darob, das man durch das bloße Nachsinnen den Verantwortlichen einen Schrecken einjagt, der ihnen helfen soll, sich bewußt zu machen, was sie da eigentlich angerichtet haben. Denn Todesstrafen sind … überall ebenfalls ein Verbrechen. Auch wenn sie als Arbeitsanreis indirekt gegen Hartz IV-Empfänger angedroht wird, denen die Nahrungsmittelversorgung komplett gestrichen werden kann. Daran sind auch schon welche gestorben.

Die bewußte und gezielte Verwüstung der psychischen und sozialen Kultur eines Landes ist ein Verbrechen.
Und eine Kultur der Angst bringt nicht jenen kreativen Schub hervor, den man bräuchte, um die bevorstehenden Herausfordernung bewältigen zu können.

Eine Kultur der Angst erzeugt eine lähmende Starre im Land…die sich auch auf die noch arbeitende Bevölkerung auswirkt, deren Leistungswillen und Leistungsbereitschaft sich in einem erbärmlichen Zustand befindet, der seinerseits wieder gigantische Milliardenschäden verursacht. Jeder arbeitet eben nur noch so viel, wie er gerade eben muß. Und manche … schaffen noch schnell mal eben für sich was an die Seite.

Bevor sich die Diktatur auf weitere Kreise der Bevölkerung ausdehnt … und diese Bewegung, denke ich, merken schon viele.

Hintergrund der Weltpolitik: Blogger gegen Richistan

Hintergrund der Weltpolitik: Blogger gegen Richistan

Hintergrund der Weltpolitik: Blogger gegen Richistan von Eifelphilosoph @ 2010-01-26 – 08:45:24

 Manche mögen sich ja fragen: was ist eigentlich los in der Welt? Wie konnte es soweit kommen? Was ist aus den USA geworden? Früher mal die Heimat der Freiheit, heute ihre größte Gefahr. Früher kamen kaugummikauende und schokoladenverschenkende GI´s nach Deutschland, um uns vom Führer zu befreien, Menschen, die gleichzeitig Soldaten und Botschafter ihrer Kultur waren. Schaut man heute in den Irak, so findet man Soldaten, die eher eine Schande für ihr Land sind.

 Nun, an diesen Soldaten wurde gezielt gearbeitet. Man hatte die Nase voll von Bürgern in Uniform, die notfalls auf eben nicht auf den Feind schossen, weil sie gerade justamente ihr Gewissen entdeckten. So etwas kann man sich in einer Gefechtssituation nicht leisten. Und irgendwer hatte wohl beschlossen, das es noch viele Gefechtssituationen geben sollte – und so kam es auch. Millionen von Menschen sind seit dem zweiten Weltkrieg in direkt oder indirekt von den USA geführten Kriegen ums Leben gekommen….doch wozu?

 Eine kleine soziologische Arbeit, über die ein alter Knacker heute informiert, gibt uns da Aufschluß:

 http://alterknacker.blog.de/2010/01/26/kraft-online-sozialismus-waechst-7874942/

 Hans Jürgen Krymanski (1) ist emeritierte Professor für Soziologie an der Universität Münster und hat sich in seinem Buch „Hirten und Wölfe. Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen“, das nun in einer zweiter und gründlich überarbeiteten sowie erweiterten Auflage erschienen ist, der Erforschung jener gewidmet, von denen Carl Schmitt in einer lichten Stunden sagte: „Eliten sind diejenigen, deren Soziologie keiner zu schreiben wagt.“

 Ja, an die heimlichen Herrscher der Welt traut sich keiner heran. Das ist auch gut so, denn je näher man ihnen kommt, umso unangenehmer wird das Leben. Außerdem: in Wirklichkeit möchte doch auch niemand wissen, das wir eigentlich in einem weltweiten Sklavenstaat leben, oder? Das stört bei der Vereinssitzung, das stört bei der Sportschau, beim Golfspielen am Wochenende, beim Tauchurlaub in Ägypten und bei all den vielen Zeitverschwendungen, die das moderne Leben so bietet um dem echten Leben aus dem Wege zu gehen.

 Würden wir dieses Wissen an uns herankommen lassen – wir wären entsetzt und müßten uns zu einer neuen Form der französischen Revolution aufraffen, bevor der letzte Euro aus unseren Taschen gesogen wird.
Allerdings ist es jetzt schon klar, das der letzte Euro aus unseren Taschen gezogen wird, aber bis der Moment kommt, wo das auch dem Letzten klar wird, kann man ja noch ein bischen vor dem Fernseher von einer schönen heilen Welt träumen – die es auch nur noch dort gibt.

 Es wird viel gemunkelt über die Anwesenheit von Verschwörungen in der Welt – und manche erlauben sich die Einfältigkeit, darüber zu spotten. Wie schön das es noch Menschen gibt, die in ihrer Naivität in einer schönen rosa Welt leben, wo alle Menschen gut und gerecht sind und ständig nur das Beste für das Gemeinwohl wollen. Wer alleine schon mal in großen Konzernen ums Überleben kämpfen mußte, der weiß: Verschwörungen sind Standard und Alltag, ignoriert man sie, wird man ihr Opfer. „Mobbing“ fällt nicht vom Himmel. So was bedarf einer gewissen Vorbereitung.

 In der Welt der Superreichen ist es nicht anders … das sind halt auch nur Menschen. Sie verfügen über ein hinreichendes Maß an Vernunft um primitive Rechenoperationen erfolgreich durchführen zu können. Bei ihnen wird auch aus 1 + 1 eine zwei, während führende Experten das Ergebnis zwischen 1,5 und 2,5 orten und unter Berücksichtigung aller Eventualitäten diskutieren.

 Aber schauen wir erstmal, um wen es sich hier handelt. Zu den kleinen Reichen gehörte auch mal ein Eifelphilosoph … der deshalb aus erster Hand sagen kann, das Reichtum an Geld für den kleinen Mann mit Armut an Zeit und Lebensqualität einhergeht – und deshalb auch leicht zu Neid gegenüber Hartz-IV-Abhängigen führen kann, weil die Reich an Zeit sind. Das ist der eigentliche Grund für die Beschäftigungstherapien der ARGEN, man will die Armen völlig in die Armut stampfen, um den Neid der Lohnsklaven möglichst gering zu halten, damit die nicht auf die Barrikaden gehen.

 Der Wall Street Journalist Robert Frank (5) nennt diese Region „Richistan“ und beschreibt sie ausführlich und amüsant in seinem gleichnamigen Buch. Es ist das Land der Superreichen, vollkommen abgehoben, in einem den ganzen Erdball umspannenden nichteuklidischen Raum schwebend. Die Bewohner des Landes Richistan sind so reich, so superreich, dass unser Planet schon zerplatzen müsste, damit auch sie durch irgendeine Krise ernsthaft gefährdet würden oder gar abstürzten. Die Grenzen von Richistan sind fließend. Und es geht kaum noch um Einkommen, sondern vor allem um Vermögen. In harten Zahlen liegt die Grenze zwischen reich und superreich bei rund 500 Millionen Dollar frei verfügbarem Vermögen (also abzüglich der selbst genutzten Immobilien, der zum Lebensstil gehörenden langlebigen Güter wie Autos, Yachten usw.). Das bedeutet, dass im Kernland von Richistan weltweit rund 10 bis 20 Tausend Superreiche leben, mit einem Vermögen von jeweils über 500 Millionen Dollar. Unter ihnen sind – die Schätzungen gehen weit auseinander – rund 3000 Milliardäre – wohlgemerkt, weltweit und unter Einbeziehung der dunklen Ecken, sozusagen der Rotlichtbezirke von Richistan.

 500 Millionen Dollar zum versaufen – vorher darf man gar nicht mitreden. Das ist ja mal eine interessante Größenordnung. Man kann sich ausrechnen, das die Leute mit diesem Kapital … ganze Staaten kaufen könnten, wenn sie wollten. Aber sie wollen ja auch … deshalb leihen sie den Ländern ganz viel Geld, damit sie die Politik gezielt beeinflussen lassen. Auch Frau Merkel holt ihr Geld aus Richistan. Das wird ja nicht neu für sie gedruckt. Und warum finanzieren diese Mensch gewordenen Götter der Moderne überhaupt den ganzen Zirkus?

 Da gibt es einen ganz einfachen Grund:

 Diese unterschiedlichen Typen von Superreichen haben zunächst einmal kaum gemeinsame Interessen und Kulturen. Vereint aber sind sie durch das gemeinsame Bedürfnis, ihre zentrale und weitgehend abgedunkelte Stellung in praktisch allen Gesellschaften, also quasi ihre planetarische Stellung zu verteidigen. Und, wie der Name schon sagt, ihren Superreichtum unbegrenzt zu vermehren, vor Umverteilung zu schützen, als das Selbstverständlichste und zugleich Unangreifbarste von der Welt erscheinen zu lassen. Solche Absichten können in unserer komplexen Welt nur mithilfe eines umfangreichen „Dienstpersonals“ befriedigt werden.

 Sie sind wie der Schrebergartenbesitzer, der einerseits kein Unkraut in seinen Garten lassen will und andererseits auch in der ganzen Kolonie über Unkraut wacht. Da Geld keine Rolle spielt, haben sie eine Heerschar von Funktionseliten…..Schröder, Clement, Sarrazin und wie sie alle heißen. Alle in der Hoffnung am rennen und strampeln, immer näher in das Licht der Gunst der Superreichen zu gelangen.

 Vereinfacht gesagt: Funktionseliten sind unentbehrlich für das Weiterbestehen des Superreichtums. Und es wird – zum Beispiel über Förderungseinrichtungen, Stiftungen, Privatisierung des Bildungswesens usw. – alles getan, um diese Funktionalität zu optimieren. Insofern kann man von einem Machtkomplex oder Machterhaltungskomplex sprechen. Im Zentrum dieses Komplexes finden wir den Superreichtum, also die Geldelite oder den Geldadel, der oft sogar ziemlich ahnungs-, funktions- und orientierungslos dahinluxuriert. Für die richtigen Ahnungen, Funktionen und Orientierungen aber steht ein Kranz von Funktionseliten bereit. Konzern- und Finanzeliten, kümmern sich um die Vermehrung des Reichtums. Politische Eliten sorgen für eine Verteilung des Reichtums von unten nach oben unter tunlichster Wahrung des gesellschaftlichen Konsens. Verwaltungs-, Wohlfühl- und Wissenseliten halten diese Gesellschaft des goldenen Kalbs, ihre Infrastruktur, ihre Kultur und Wissenschaft insgesamt am Laufen.

 Man kann diese Menschen auch mit einem einzigen Wort zusammenfassen: Realpolitiker. Leute die Wissen, das man mit normalen Mitteln gegen die Macht der Plutokratie nicht ankommt … und sich deshalb besser mit ihr arrangiert, bevor mangels Bargeld das Licht ausgeht. Und das Licht wird ausgehen, denn irgendwann hat die Umverteilung von Unten nach Oben ihr Ende erreicht. Dann ist Oben alles und Unten nichts. Und diese „Plutokratie“, die wahre Form des „Bösen“ in dieser Welt, beherrscht mit ihrem „Einflußgeld“ alles:

 Die Richtlinien der Politik werden in den USA in Netzwerken festgelegt, die weitaus dauerhafter sind (auch was das Personal angeht) als die jeweiligen Präsidentschaften. Es ist völliger Unsinn, den jeweiligen amerikanischen Präsidenten als den „mächtigsten Mann der Welt“ zu apostrophieren. Wir sehen ja, wie Clinton oder Bush und all die anderen und demnächst Obama und vielleicht einmal Sarah Palin im (wohlgepolsterten) Machtvakuum verschwinden.

 Auch der mir so unheimliche Bohemian Grove mit seinen Menschenopfersimulationen taucht hier in zentraler Stellung auf:

 Solche Clubs, schreibt der amerikanische Soziologe Thomas Dye, „haben für die Oberschicht die gleiche Funktion, die in Stammesgesellschaften dem Klan zukam. Mit ihrer restriktiven Mitgliederpolitik, ihren Initiationsriten, privaten Zeremonien und der großen Betonung von Tradition ähneln diese Clubs den Geheimbünden, die es in vielen Primitivgesellschaften gibt.

 Und das alles funktioniert mit dem „Verschwörungspotential“, das ein einem Schrebergartenverein real existiert.

 „Hör mal, findest Du nicht auch, das die Hecke beim Dieter zu hoch wird?“ … so einfach fängt das große böse Wort Verschwörung an. Und viel mehr braucht es auch nicht, um nine-eleven als Privatinitiative von
Funktionseliten denkbar zu machen. Dazu braucht man sich keine Illuminaten denken, keine großen Pläne von NWO – dazu reicht Schrebergartenverschwörungsniveau. Mehr braucht man nicht.

 Und so bauen immer mehr Superreiche immer mehr Superarme, und je mehr es von den Superreichen gibt umso besser funktioniert das System.

 Nur eins haben sie noch nicht übernommen: das Internet.

 Und so … werden tausende bzw. Millionen von kleinen Bloggern zur letzten Bastion der Freiheit.

 Politische Willensbildung, lebendige Demokratie ist an die Entwicklung der Medien, an die Möglichkeiten medial vermittelter öffentlicher Debatten gebunden. Für mich hängt die Zukunft der Demokratie im Sinne des Grundgesetzes sehr stark vom Schicksal der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ab. Um deren Zukunft ist ja überall ein entscheidender Kampf entbrannt. Derzeit beherrscht eine Handvoll großer Medienkonzerne die Weltöffentlichkeit. Die wollen mit aller, wirklich aller Gewalt auch die Kontrolle über das Internet erzwingen. Das ist ein battleground, der immer mehr ins Zentrum rückt.

 Blogger als letzte Bastion der Demokratie in einer ständig asozialer werdenden Welt, als letzte Widerstandslinie gegen die Plutokratie? Ein unheimliches Gefühl macht sich da breit, denn mir scheint, das ist der Kampf eines kleinen gallischen Dorfes gegen ein römisches Reich, das von Nord- bis Südpol reicht – und dann noch ohne Zaubertrank und Druide.

 Ob das wohl gut geht?

Das Kabinett des Dr. Parnassus, die Physik, die Gesundheitsreform und Kritik am Nachrichtenspiegel

Man stelle sich vor, wir würden im Wilden Westen leben.  Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts. Außer Geronimo und den Apachen haben wir die Indiander in den Griff bekommen – sie sind tot, im Lager oder hungern im Reservat. Kräht dank Auschwitz kein Hahn nach heutzutage.

In aller Ruhe können wir uns zivilisatorisch ausbreiten. Unsere Geschichte spielt im mitleren Westen. Eine staubige Straße. Eine kleine Stadt. Unsere Held reitet in die Stadt hinein.  In den Seitengassen der Stadt sind hungrige Kinder in Lumpen. Sie dürfen den Bürgersteig nicht betreten, den er gehört den Bürgern der Stadt.  Man sieht deutlich, das sich auch viele alte, kranke und behinderte Menschen in den dunklen Ecken verbergen – scheinbar ist auch ihnen das Betreten des Bürgersteiges untersagt.

Viele Menschen haben keine Arbeit und irren hungrig umher und fürchten sich vor dem nächsten strengen Winter, den die stellvertretende Bürgermeisterin von der Leyen hat ihnen den Heizkostenzuschuß gestrichen.  Auch die Kinder werden frieren müssen, es sei denn, sie sind zum Sport oder beim Theater, was man ihnen jetzt gnädigerweise geschenkt hat.  Oder sie verbrennen die Bücher, die man ihnen für die Schule mitgegeben hat.  Auf den Bürgersteigen jedoch tummelt sich viel goldbehangenes Volk, allen voran fette Banker mit Zylinder und Zigarre, meist in Begleitung sehr leicht und exotisch gekleideter Damen – ebenfalls goldbehangen.  Man sieht allein auf der Straße genug Gold um alles Elend aus der eigentlich reichen Stadt zu verbannen….doch das Gesetz der Prediger Schröder und Fischer will Anderes und Bürgermeisterin Merkel wacht streng darüber, das es eingehalten wird.  Es gibt Tafeln für Arbeitslose und Läden für Menschen, bei den Tafeln für Arbeitlose entsorgen die Läden das, was sie sonst teuer entsorgen müßten und mißbrauchen so die Arbeitslosen als zweibeinige Müllentsorger.

Unser Held spuckt auf die Straße und reitet in den Saloon. Dort stößt er – noch finsterer blickend – die Tür auf. Das Saloon entspricht dem, was man erwarten konnte. Edle Hölzer, ein Klavier aus Europa, feinste Damenwelt, die jenseits aller Widrigkeiten des Lebens existiert und eine Wolke von Lumpen in Seide gehüllt. Böse Blicke begegnen ihm, denn man ist Fremden gegenüber nicht freundlich eingestellt, erst recht nicht, wenn sie den Kleidungscode der etablierten Leistungselite nicht einhalten…respektiert aber noch einen Colt Navy .45 – man lebt immerhin im Wilden Westen und Amerika ist ein freies Land von freien Bürgern (der eine oder andere der Anwesenden nimmt sich aber im selben Augenblick vor, das man das mal im Stadtparlament zur Sprache bringen muß).

Der Held schreitet an den Thresen, wo der Wirt wie in allen Saloons zu jener Zeit üblich die Gläser mit seiner eigenen Spucke reinigt.   Er knurrt standarmäßig „Whisky“ weil Rolle und Umgebung dies erwarten. Er trinkt, dreht sich um wobei – wie ebenfalls  üblich – der Poncho zur Seite rutscht und einen schnellen Zugriff auf den Revolver erlaubt um in einer Notwehrsituation entsprechend reagieren zu können.

Dann schaut er in die Runde und knurrt „Hier stinkts.“ Es folgt die übliche dramatische Pause. “ Das ist das dreckigste Kaff, das ich je gesehen habe. „  Er schaut sich um und man sieht ihm an, das er sich nach den Zeiten sehnt, als er mit seinen Neger- Mulatten- und Indianerkameraden raubend, brandschatzend und plündernd durch die Prärie gezogen ist.

Wieder spuckt er auf die Erde, während sein Blick ruhig und konzentriert auf der Menge ruht. „Hier regieren Angst und Terror. Da geht es ja den Roten im Reservat besser.“

In dem Moment steht die Vorsitzende des örtlichen Stadtverschönerungsvereins entschlossen auf.

„Also, das geht mir jetzt zu weit. Diese Worte – in unserer Stadt – das ist ungeheuerlich. Das ist  links und überhaupt nicht objektiv. So etwas zieht mich einfach nur runter. Das höre ich mir nicht länger an“.

Sprichts und verläßt die Bühne.

Das ist nach wenigen Tagen die Essenz der Kritik am Nachrichtenspiegel … die mich sehr entsetzte. Nichtwähler kann ich ja noch verstehen, aber Menschen, die mit politischen Scheuklappen durch die Gegend laufen, machen mir Angst. Ich meine: wir erfinden die Nachrichten doch nicht. Wir laufen auch nicht jedem Gerücht hinterher.

Aber gut, das wir auch die Kategorie „Filmkritik“ hier haben. Die hatte ich zwar eher für einen der bekennenden Vielseher unter uns angedacht, aber ich kann jetzt auch selber mal eine schreiben alldieweil ich auch mal einen gesehen habe.

Filme sind ja Mumpitz. Genau wie unser Westerndorf. Alles nur Illusion, Projektion und Deutung. So soll ja auch unsere Wirklichkeit sein, sagen die Pysiker: wie ein gigantisches Hologramm. Wir sind so stolz auf unseren Materialismus – und was wir damit alles geschaffen haben – und da kommen einfach die Physiker daher und sagen: Bätsch, das gibt es alles nicht. Die Inder, Buddhisten und Anhänger Atons sagen das schon lange – aber wer hört schon auf die ältesten Völker der Welt. Alles Primitive, die ins Reservat gehören …. oder erschossen.

Der Materialismus ist wie ein Zaun um unser Westerndorf gezogen und auf ihm steht: hier draußen gibt es nichts. Und wer das anzweifelt, hört ein lautes „Recht hast Du!“ vom Dorfpfarrer, der gleich mit dem Klingelbeutel herbeigeeilt kommt um einem nicht nur nebenbei zu erklären, was genau dort draußen auf einen wartet sondern auch noch Eintritt dafür möchte.

Ein geniales, geschlossenes System. Wie ein Knast, nur größer … und eher für den Geist gedacht.  Auf primitivste Sinnlichkeit ausgerichtet – man wundert sich, das die Erde trotzdem Kugel bleiben darf – aber höchst funktionabel.

Da freut es, das es manchmal Geschichtenerzähler gibt, die von Begebenheiten erzählen, die eine gewisse Transzendenz aufweisen. Dazu gehört für mich „Das Kabinett des Dr. Parnassus“.  Ein wandernder Schausteller, ewig lebend, ringt mit dem Teufel um Seelen. Teufel gewinnt – häufiger. Oder immer – je nach Sichtweise. Der Film zeigt uns … wie erbärmlich arm wir geworden sind. Oder vielleicht habe nur ich mich daran erinnert, wie arm wir geworden sind.  Mythen, Sagen und Legenden sind voller phantastischer Erzählstoffe, voller Abenteuer, emotionalen Herausforderungen und epischen Entscheidungen … schaut man sich im Vergleich dazu die erzählerische Vielfalt unseres Kinos an so erschrickt die geringe Themenbreite so sehr, das man vorsichtig fragen möchte: wo kommt eigentlich der Rückschritt her?

Ein wenig von dem Rückschritt sehen wir in dem Film … oder in seinen Hintergründen. Alte Häuser, verrottete Massensiedlungen, Müllberge (schon wieder kommt mir unser kleines Westerndorf in den Sinn und ich weiß, wie es jenseits der Hauptstraße aussieht), degenerierte Menschen in noblen Clubs: die Kulisse für Parnassus Kampf gegen den Teufel zeigt in Bildern die Herrschaft des Teufels über die Welt, die Geschichte erzählt den verzweifelten Kampf des Doktors um seine Tochter. Klassisches Happy End: die Cowboys mit den weißen Hüten gewinnen.  Oder auch nicht.

Einer der Hauptdarsteller ist während des Drehs gestorben: Heath Ledger heißt er.

http://de.wikipedia.org/wiki/Heath_Ledger

Die Polizei schloss ein Fremdverschulden aus und prüfte die Möglichkeit des Todes durch eine Überdosis von verschreibungspflichtigen Tabletten, die neben seinem Bett gefunden wurden. Eine am Folgetag durchgeführte Autopsie lieferte zunächst keine schlüssigen Hinweise. Das später veröffentlichte Ergebnis der toxikologischen Laboruntersuchung ergab, dass der Schauspieler an der verstärkenden Wechselwirkung durch die missbräuchliche Einnahme von mehreren Schmerz- und Beruhigungsmitteln starb (zu den sechs Medikamenten, die im Körper des Schauspielers nachgewiesen wurden, zählten starke Schmerzmittel, Schlaftabletten sowie Medikamente gegen Angstattacken). Die Polizei geht von einem Unfall aus.

Insofern wird es die Welt freuen, das zumindest das deutsche Gesundheitswesen auch in Zukunft durch massive Steigerung des Sozialbudgets weiterhin für die notwendige Versorgung mit Medikamentenmassen zu überhöhten Preisen sorgt, damit solche „Unfälle“ auf weiterhin Arbeitsplätze schaffen … im konkreten Fall des Filmes wurde sein Arbeitsplatz u.a. von Jonny Depp besetzt.  Und wie schön, das die Krankenkassen jetzt fast freie Hand haben, uns zusätzlich auch noch Geld aus der Tasche zu ziehen, damit ihre Direktoren ihre Gattinnen mit Gold überhäufen können.

Es ist Schade, das wir nicht auch so ein Kabinett haben. Allein schon der Kutschwagen des Dr. Parnassus hat mich sehr neidisch gemacht. All mein Hab und Gut würde ich dafür hergeben, so leben zu können – wenn da noch eine Dusche drin wäre.  Aber sonst: schon dieses Fahrzeug ist ein Traum – ein liebevoll gestalteter Traum, der durch die Alptrauumgebung unseres Alltages noch deutlich an Reiz gewinnt.  Aber viel lieber als mein Wohlbefinden wäre mir, das Kabinett würde real in unseren Städten erscheinen und Dr. Parnassus würde uns mit seinen Träumen zeigen,  wem wir mit unseren alltäglichen Entscheidungen dienen – wobei es egal ist, ob es einen Teufel gibt oder nicht.  Schlimmer wäre es, es gäbe keinen und wir wären das alleine.

Wir brauchen aber nicht so zu sein. Wir brauchen auch keinen Gott oder Teufel, noch hilft es, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob es den einen oder andern gibt.

Unsere Welt gleicht dem Westerndorf – im Kleinen wie im Großen. Und sie macht uns alle alle arm. Arm an Sinnlichkeit … und billiger Sex ist dafür kein Ersatz. Ich würde doch auch keinem Weinconnosseur einen selbstgebrannten Schnaps vorsetzen mit den Worten „Nimm das, macht auch besoffen.“

Allein heute morgen, als die ersten Sonnenstrahlen den Morgendunst golden färbten und unser Tal wie ein kleines Jenseits erstrahlte, wußte ich wieder wie unermeßlich reich wir sind. Ich konnte mich an viele Reisen erinnern, wo ich diese Sonnenaufgänge auf Autobahnraststätten sehen mußte … sie aber trotzdem gigantisch fand. Und ich  konnte mich daran erinnern, das ich der Einzige war, der diesen Reichtum genoß. Die anderen hetzten sofort weiter. Die Taschen voller Gold und Juwelen, aber Hirn und Sinne nutzlos verdorrt. Welche Armut. Welche unermeßliche, erbarmungswürdige Armut. Die läßt sich auch mit 350 PS nicht kompensieren.  Auch nicht der leise Verdacht, das es ein großer Geist sein muß, der diese Sonnenaufgänge (und viele viele andere Wunder für die Sinne) komponiert – und ein schrecklicher Ungeist, der mit lärmenden Autobahnen Landschaften vernichtet.

Genauso ein Ungeist wie der, der verantwortlich für die neue Gesundheitsreform zeichnet, die vor allem eins macht: das Sozialbudget auf Kosten der arbeitenden Menschen noch weiter ausdehnen.  Der Doktor in unserer kleinen Westernstadt hat schon soviele Goldketten, das er eine Schubkarre braucht, wenn auf Hausbesuche fährt.

Was würde ich doch dafür geben, gäbe es ein Kabinett des Dr. Parnassus in dieser Welt. Einen Teufel brauchen wir nicht, wir haben Manager, Politiker, Anleger und Banker….und die sind schlimmer. Da ist der Teufel noch harmlos gegen … jedenfalls der Filmteufel.

Aber anstatt den Träumer Dr. Parnassus haben wir den Mediziner Dr. Rössler … und nach wie vor gilt, das eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, weshalb wir bald alle den Ladenmüll bei den Tafeln konsumieren müssen, weil auch wir uns was anderes nicht mehr leisten können:

http://www.welt.de/politik/article8343034/Roesler-Reform-ueberzeugt-nicht-mal-Krankenkassen.html

Sogar der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen zeigte sich enttäuscht. „Insgesamt wäre mehr drin gewesen“, erklärte die Vorstandsvorsitzende Doris Pfeiffer. „Die Zusatzbelastungen der Versicherten könnten merklich geringer sein.“ Pfeiffer warf der Koalition vor, Ärzte und Krankenhäuser zu stark geschont zu haben. „Die Zusatzbelastungen der Versicherten könnten merklich geringer sein. Die Einnahmen der Ärzte und der Krankenhäuser sind so hoch sind wie noch nie.“ In diesen Bereichen wäre „eine echte Nullrunde angemessen gewesen“.

(Eifelphilosoph spuckt nochmal seinen Kautabak auf den Boden des Saloons, trinkt seine Whisky und geht zur Tür. Kurz bevor er die Szene verläßt, dreht er sich nochmal um – die Hand nähert sich unmerklich dem Waffengurt  – und knurrt: Scheißkaff. Abtritt Eifelphilosoph.)

 

Positiv Denken und Bestellungen beim Universum

Ja, die Welt ist einfach einfach. Ganz einfach. Jedenfalls wenn man manchen Menschen glaubt, die mit purer Gedankenkraft all ihre Lebensumstände so vollkommen in den Griff kriegen, wie es sonst nur Multimilliardäre mit vielen Mitarbeitern schaffen.

Vom positiven Denken … gibt es verschiedene Variationen und Formen.

Das heißt jetzt nicht, das ich generell den Einfluß von Gedanken niedrig reden will. Im gesundheitlichen Bereich … habe ich dort überraschende Erfahrungen gesammelt, die auch übelster Kritik standhalten.
Da … scheint was dran zu sein. In Slowenien gab es in den dreißiger Jahren einen Arzt, der meinte, er wäre dem Geheimnis „Krebs“ auf die Spur gekommen. Er machte ein Experiment, ging in ein Bergdorf, sprach lange mit allen Bewohnern und fertigte eine Liste an von denen, die mit Sicherheit an Krebs erkranken werden. Diese Liste hinterlegte er versiegelt bei einem Notar. Nach seinem überraschenden Tod wurde die Liste entsiegelt … seine Voraussagen trafen zu hundert Prozent zu. Leider … hatte er seine Theorie nicht schriftlich fixiert, aber man geht davon aus, das es mit gedanklichen Programmierungen zu tun hat, die irgendwann Auswirkungen auf die Zellen haben – wenn man es nur lange genug durchhält und nichts daran ändert.

Warum auch nicht? Gute Laune und Lebensglück tut den Zellen sicher besser als Miesepetrigkeit und Jammerlapperei. Beispiele dazu gibt es genug … aber darum geht es hier nicht.

Je größer die Massenarbeitslosigkeit wurde, umso mehr kam – aus den guten alten USA – ein schrecklicher Trend herüber … positiv Denken.

Tschakka, du schaffst es. Ich habe selbst mal Seminare bei Jürgen Höller besucht (der „alles ist möglich“ Höller, der letztlich im Knast gelandet ist – tja, da war wirklich alles möglich). Einfach anders denken, schon ist man reich. Gut, Reiche machen anders Geld: Drogen, Waffen, Frauenhandel, Betrug, Hinterlist, Ausbeutung … Geschäfte, bei denen man äußerst negativ in allen Richtungen denken muß, um sie durchziehen zu können, aber die Idee, sich reich denken zu können, hat manche sicherlich wohlhabend gemacht. Den Höller zum Beispiel … bevor er feststellte, das er viel zu wenig Steuern bezahlt hatte. Absichtlich.

Cathrine Ponder ist so ein Beispiel, wie man durch superpositives Denken ihrer Art … reich werden kann. Leider starb ihr heiß geliebter Mann dabei – aber Geld hat sie wirklich genug gemacht. Und das mit dem Mann … einfach mal verdrängt. Störte die Philosophie total … also einfach mal positiv weggedacht.

Die einfache Art des positiven Denkens ist ja wahrscheinlich allen bekannt: das Glas. Für die einen ist es halbvoll, für die anderen halbleer. Immer halbvoll denken, das Glas, so ist´s richtig. Ich habe auch hier einen Selbstversuch gestartet … aber ich konnte denken wie ich wollte, in dem Glas war immer weniger drin – und bald war es leer. War halt lecker Bier drin – und ich wurde durstig beim angestrengten Denken. Und so saß ich dann da mit meinen Lebensratgebern und stand vor der Frage: „So. Nu´ is´ alle. Und jetzt?“ Doch eine Antwort bekam ich nicht.

Doch muß ich gestehen, diese Art des positiven Denkens hat noch einen gewissen Sinn, denn sich in Notzeiten zu konzentrieren auf das, was man hat, ist sinnvoller, als sich auf das zu konzentrieren, was man nicht hat. Gerade in Zeiten des hochgezüchteten Konsumwahns spielt die Industrie gerne mit den Gefühlen der Menschen und redet ihnen ein, das das Glück gleich hinter dem nächsten neuen Plasmabildschirm lauert, hinter der noch raffinierteren Kaffeemaschine ober beim Nacktbaden auf dem Himalaya erst richtig zur Erfüllung kommt. Da macht es schon mehr Sinn zu sagen: ich wohn´ halt in Oer-Erkenschwick und da is´ auch schön, der zwanzig Jahre alte Röhrenfernseher macht auch noch Bilder, die 10-Euro-Kaffemaschine macht auch Kaffee und Urlaub mache ich in Castrop-Rauxel oder Datteln am Kanal … da dauert die Reise nicht so lange. Das ist jedenfalls besser als das Schicksal derjenigen, die schon sehr viel haben, darüber alt und grau geworden sind, Verbrecher und asoziale Parasiten des Volkskörpers, aber immer noch nicht genug kriegen können….oder das Schicksal ihrer Ehefrauen, die in den Luxuspalästen eingesperrt vor sich hinfaulen, auch wenn sie noch so viel kaufen können.

Doch es gibt noch eine andere Version des positiven Denkens, mit denen das Denken vergiftet wird – und obwohl es sich hier um eine Philosophie handelt, setzt sich die Philosophie selbst erstaunlich wenig mit diesem Massenphänomen auseinander.

Hier handelt es sich … um die Vorstellung, per Gedankenkraft (man muß halt nur „richtig“ denken) alles herbeimaterialisieren zu können, was man nur eben will. Vorraussetzung ist nur, das man „richtig“ denkt.

Der Trick ist einfach. Eifelphilosophs Klopfzauber funktioniert ähnlich. Wie? Noch nicht bekannt? Hmmm … dann muß ich das Buch wohl doch noch schreiben.

Geht so: dreimal auf Holz klopfen – und alle Deine Wünsche gehen umgehend in Erfüllung.

Ich schreibe das Buch – hundert Leute kaufen es (wahrscheinlich mehr, denn dort lauert ein Riesenmarkt).

Alle klopfen.

Bei fünfzig Prozent passiert nix.

Aber die anderen … werden mir wunderbare Geschichten zusenden. Die besten davon (das Traumauto, der Mann des Lebens, das Wunschkind, der Traumjob, der Lottogewinn oder so) suche ich aus für Band 2:
„Besser klopfen für Anfänger und Fortgeschrittene“ – 10000 Exemplare.

Wieder das gleiche Zufallsspiel … wieder bleiben viele hängen für den nächsten Band.

Dann die Talkshow, ich direkt mittendrin, Spiegel, Stern und Fokus schicken ihre kritischsten Kritiker – die ich locker alle wegfege mit ihrer Kritik. „Wie, Sie haben geklopft und es ist nichts passiert? Ja, war es denn der richtige Rythmus, das richtige Holz, die richtige Klopfstärke – und überhaupt: waren sie nicht so negativ eingestellt, das sie gar nicht wollten, das das Klopfwunder sich entfaltet?“

Man kann sich denken, wie es weitergeht. Ich schreibe mehr Bücher(„Besser klopfen mit dem Eifelphilosoph:
Bd 4: Klopfen auf Eiche und Buche), werde reich und berühmt … und in Deutschland klopft es an allen Ecken. So wie letztens erst überall beim Universum bestellt wurde und gerade das „Secret“ umgeht.

Mein Klopfen wäre noch harmlos … aber das mit dem „richtigen Denken“ zu verbinden – ist saugefährlich.

„Wenn Du richtig denkst und fühlst, gibt Gott Dir alles was Du willst, denn er liebt seine Kinder …“ – ist eine Kurzversion der Hintergrundphilosophie, die sich hinter den meisten der Verführerphilosophien verbirgt….darum gibt es auch keine Demonstrationen mehr, keine Aufstände, keine Unruhen … alle sitzen beim Räucherstäbchen zu Hause und denken sich krumm, um bloß alles richtig zu machen. Wahrscheinlich war diese Positiv-Denke-Welle genauso vom CIA gesteuert wie die Frauenbewegung in den Sechzigern.

Was aber geschieht, wenn … das Ziel nicht erreicht wird. Man merkt, das man nie richtig genug wird denken können, um das Ziel (Geld, Mann, Haus, Auto…) zu erreichen, weil der Trick nicht funktioniert?
Dann schlägt die Macht des Systems mit aller Gewalt auf die Person zurück: „Das Universum, Gott, die Welt liebt mich nicht, weil ich im Grunde meines Seins schrecklich falsch bin, so falsch, das ich besser nicht existieren sollte.“ Und schnell … wird´s ganz dunkel im Karton.

Der inzwischen schon offiziell so genannte „Auschwitz-Test“ ist ein guter Maßstab für diese Denk-dich-glücklich-Philosophien. Solange die Philosophie in welcher Form auch immer dazu führt, das der KZ-Insasse für sein Schicksal selbst verantwortlich ist (und die Täter nur Statisten in seinem Gedankenkosmos sind, die ihm helfen, sein selbstgewähltes Schicksal zu verwirklichen) … ist die Philosophie grottenschlecht und gemeingefährlich. Eine gute Leitlinie für gedanklich und philosophisch unstabilere und unerfahrenere Menschen.

Ich weiß, was meine Kritiker jetzt sagen werden. Die ernstzunehmenden Kritiker.

Burkhard Heim in der Interpretation von Ilobrand von Ludwiger, die Auswirkungen der Realität eines sechsdimensionalen Kosmos auf die Möglichkeiten sechsdimensionaler Wesen in einem vierdimensionalen Raum.

Schrödingers Katze, das Doppeltspaltexperiment … das werden die Apologeten des positiven Denken anführen.

Gut, es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, das Gedanken … Realität manipulieren können. Das kann man mitlerweile wirklich nicht ausschließen. Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, das „Religion“ der erste Versuch war, dieses Phänomen durch Opfer, Beschwörungen und Gesänge in den Griff zu kriegen.

Soweit muß ich gerechterweise folgen – aber das führt nicht notwendigerweise in die Leibnitzsche Monadologie, in der wir alle in kleinen eigenen Kosmen durch die Existenz schweben. Die Folgerungen, die sich aus den physikalischen Experimenten ergeben … sind noch wage. Und die Techniken, diese Erkenntnis in die Praxis umzusetzen, noch weit entfernt.

Aber … geben wir allen Apologeten (Verteidigern) des positiven Denkens einfach mal Recht: was geschieht denn dann … wenn Klaus-Dieter lieber einen grünen Mond hätte, Ursula und Gabi einen Blauen, Paul will aber gar keinen Mond mehr, weil er bei Vollmond nicht einschlafen kann? Mehrheitsabstimmung? Einen Mond für jedermann?

Wenn jetzt alle Menschen sich maximal positiv reich denken … am bestmöglichen theoretischen Ende dieser „aufklärerischen“ Entwicklung … und wir haben sechs Milliarden Milliardäre … was kostet dann ein Brötchen?

Anstelle von positiv Denken hilft manchmal einfach … weiterdenken. Oder pragmatisch Denken. Es ist halt noch was drin in dem Glas, es ist auch egal, ob es halbvoll oder halbleer ist … wichtig ist: reicht es mir, meinen Durst zu löschen, habe ich noch Geld für ein nächstes – und wie lange muß ich damit auskommen.

Ein halbvolles Glas in der Wüste ist genauso eine Katastrophe wie ein halbleere. Das Ergebnis bleibt gleich: ein vertrockneter Eifelphilosoph.

Neujahrsansprache 2010

Also erstmal: allen ein frohes neues Jahr. Das ist schon mal wichtig. Früher … ziemlich früher … waren diese Wünsche wichtig. Sie waren die andere Seite des „bösen Blicks“. Während der „böse Blick“ einem ordentlich ins Leben hageln konnte, so konnte die Kraft des guten Wunsches … „Segen“ im eigentlichen Sinne … einem die Wege ebnen. Reste dieses Glaubens finden sich heute nur noch in Märchen und in der Physik. In neuer Sprache würde man sagen: Segen kann den Weg durch die Geschichte leichter machen, in dem es die Kanten des sechsdimensionalen Pfades ebenet, Fluch schärft diese Kanten.
Darum für alle, die dies lesen: meinen Segen für Euch. Schaden tut´s mit Sicherheit nicht.

Wenn man so in der feingesponnen medialen Welt bäuerlich herumtrampelt, wie ich es gelegentlich tut, muß man sich auch mal die Frage gefallen lassen: ja, was wäre denn zu tun? Alles geht den Bach ´runter, die Welt geht unter (nur die Frage des „wie“ wird gerade noch geklärt – Wirtschaft oder Klima oder vielleicht doch Atom): was soll man denn da als einzelner noch tun? Bleibt man da lieber nicht zu Hause und genießt die letzten Stunden?

Ja, das kann man machen. Halte ich nicht für verwerflich. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt und die Gewalten die nun gegen uns aufgestanden sind sind derart mächtig, das wir sie in ihrem Einfluß auf unser Leben nur noch mit Göttern vergleichen können, um sie überhaupt fürs Gemüt faßbar zu machen.
Sie bestimmen die zellulare Struktur unseres Essen, die Giftigkeit von Luft und Boden, wann wir aufstehen und wann wir schlafen gehen, wann wir arbeiten und wann wir ruhen, was wir denken dürfen und woran wir glauben dürfen….und noch vieles mehr. Sieht man sich an, wie sich das Gesicht der Welt durch diese Gewalten geändert hat, dann kann man keine Hoffnung haben, das es sich hierbei um gute Götter handelt. Eher denkt man dort an übelstes Gezücht aus den gottfernsten Leeren des Universums…und man tut gut daran, so zu denken, denn man hält sich an einen klassischen Managementgrundsatz: „Even the worsest case“. Immer den schlimmsten denkbaren Fall annehmen, dann wird man das Problem mit Sicherheit lösen können.

Der schlimmste Fall wäre, es würde sich um echte Götter handeln. Aber dieser Fall … tritt nicht ein.
Erstens wären wir durch unsere Sterblichkeit nur für einen begrenzten Zeitraum in ihrem Herrschaftsbereich, zweitens dürfte man dann auch die Hilfe von guten Göttern aus den lichteren Gefilden des Universums hoffen. Man sieht (und das erkannten schon die alten Griechen, die die Wiege unserer ganzen Kultur darstellten) in unserem Sandkasten dürfen wir ohne Rückgriff auf Götter spielen.

Aber es hilft, die Größe der vor uns liegenden Herausforderung zu erfassen. Krieg gegen Mächte zu führen, die für die alten Griechen gottgleich waren, fordert uns heraus zu kleinen Heraklessen zu werden.
Sowas macht sich auch schicker auf dem Sterbebett als vierzig Jahre Kassenwart im Karnevalsverein.

Dieser Krieg kann nicht geführt werden wie die früheren Kriege. Das liegt einzig und allein an der Qualität der Waffentechnik. Das der Adel durch den Bürger ersetzt wurde, lag unter anderem auch daran, das nach der weiten Verbreitung von Schußwaffen die relative Unverletzlichkeit des Adels durch Körperpanzer für Reiter und Pferd nicht mehr gegeben war. Schon Armbrüste stellten eine Gefahr da … weshalb die Kirche wegen ihnen die erste Abrüstungskonferenz der Weltgeschichte 1193 ins Leben gerufen hatte – immerhin war die Kirche dominiert von den zweitgeborenen Adeligen und die fürchteten um das Leben ihrer Geschwister.

1789 war das Pendel für einige Jahre auf die andere Seite geschlagen. Massenheere aus Bürgern bestimmten das Schlachtfeld, das forderte Konsequenzen für die Bürgerrechte, bis die Massenvernichtungswaffen soweit gediehen waren, das der Adel wieder sicher war. In dieser Welt leben wir heute…und es ist eine Welt, die mehrere große Chancen enthält, Chancen für eine wunderbare, lebenswerte Zukunft wo man wieder zurecht Angst vor dem Tod haben kann, weil man weiß, das man mit Sicherheit was ganz Tolles verpassen wird.

Es wird Krieg geben, es wird ihn geben müssen. Darüber muß man sich klar werden, denn es ist eine sehr ernste Sache. Man sollte sie auch Krieg nennen, um sich der Ernsthaftigkeit sehr bewußt zu werden. Aber es kann ein Krieg sein, der nicht einen Schuß erfordert, um ihn zu gewinnen.

Führen muß man ihn, da gibt es keine Wahlalternative…jedenfalls würde ich am heutigen Tage im Moment keine mehr erkennen. Nachdem die Welt heute jubelt, das 2009 für den Dax ein Superjahr war, wo Gewinne bis zu 60 % drin waren, sollte jedem klar sein, das wir Menschen, unsere Arbeitsplätze, unsere Lebensqualität und unsere Zukunft bedinungslos dem Götzen Dax und seinen Genossen geopfert werden.
Hier wurde nichts gelernt, es gibt hier auch keinen Willen zum lernen, nur einen erkennbaren Willen zu Vernichtung der Realwirtschaft im Dienste der Rendite.

So was nannte man früher „Wahnsinn“. Aber wir fühlen uns erhaben, weil wir nicht mehr an Segen und Fluch glauben … es aber zu jedem Geburtstag und zu jedem Jahreswechsel massenhaft anbringen, ohne zu wissen, was wir damit eigentlich tun.

Und das ist das erste, was wir wirklich tun können und tun müssen, wenn wir den Krieg gewinnen wollen:
wissen, was wir eigentlich tun. Und dann mit den Dingen aufhören, die wir nicht wirklich tun wollen.
Einfach mal den Bedürfnis- und Anforderungkatalog entrümpeln, den uns die Werbeindustrie seit einem halben Jahrhundert tagtäglich zuschickt.

Unglaublich, wieviel unnützer Unsinn sich da im Laufe der Zeit ansammelt wie Nippes im Regal.

Und um dies erfolgreich tun zu können, brauchen wir etwas, das uns sehr abhanden gekommen ist und mit dem der Fernsehkomiker Loriot schon vor Jahrzehnten sein Geschäft betrieben hat: die Aufmerksamkeit. Er führte im Detail die Sinnlosgikeit und Hilflosigkeit der modernen Existenz jedem vor Augen, der es sehen wollte – und das waren viele. Leider … setzte sich seine Sichtweise nicht durch und heute haben wir Klamauk statt Komik.

Eine Möglichkeit, Aufmerksamkeit für kleinste Details zu üben, findet sich im Zen-Buddhismus. Es ist – ohne jeglichen religiösen Hintergrund – meine liebste Technik zur Schärfung von Aufmerksamkeit. Aber hier muß jeder selber nach den Formen suchen, die ihn aufmerksamer machen, einfache Generalrezepte gibt es da nicht – wäre ja noch schöner.

Eine andere Möglichkeit ist … einfach innehalten. Christen nennen das Kontemplation. Unglaublich, was man durch innehalten alles in sich in Bewegung setzen kann, wieviel kulturell bedingter überflüssiger Sondermüll und Ballast von einem abfallen kann, ohne das es anstrengend ist.

Auch die Beschäftigung mit klassischer griechischer Philosophie kann hier nützen, Plato vor allem. Das war noch Philosophie von dem Bürger für den Bürger – und nicht Philosophie vom Adel für den Adel, wie man sie heute vielerorts findet.

Sind allerdings alles indirekt verbotene Techniken, weil sie glücksfördernd sind, ohne gleichzeitig der Rendite und dem Dax zu dienen. Sie schaden ihm sogar mehr als brennende Autos in Hamburg. Im Gegenteil: brennende Autos fördern den Konsum wie jeder andere Krieg auch. Krieg bringt immer großartige Chancen für die Rendite, deshalb: wer eine blutige Revolution in Deutschland machen möchte: einfach mal Banker fragen (inoffziell), die finanzieren so etwas (wenn sie namentlich nicht genannt werden und in keinem Zusammenhang mit der Aktion zu bringen sind) immer gern.

Gelingt die Revolution, haben sie gewonnen, weil sie auf der richtigen Seite waren. Gelingt sie nicht, haben sie ihre Widersacher für lange Zeit ausgeschaltet. Man sieht: die können gar nicht verlieren.

Aufmerksamkeit … bringt uns die notwendige Freiheit unserer Gedanken zurück. Die Freiheit der Gedanken bringt uns die Souveränität über unser eigenes Leben zurück … und somit auch die politische Souveränität über den Lauf der Geschichte.

Und diese Souveränität … würde letztlich die Herrschaft der „bösen Götter“ einfach verschwinden lassen.
Sie würden sich in Luft auflösen wie böse Geister, denen man den Stöpsel entfernt hat.

Geht ganz ohne Exorzismus. Obwohl man den sicherheitshalber nochmal hinterher machen sollte. Schaden kann´s ja nicht.

Einfach innehalten, einfach Besinnung walten lassen. Ruhe finden und zulassen … das ist momentan der wichtigste Schritt im Krieg.

Die erste große Revolution hat die äußere Herrschaftsform des Adels beseitigt. Die zweite große Revolution wird die innere Herrschaftsformen des Adels beseitigen müssen, damit die Menschheit eine Chance auf Zukunft hat.

Die zweite große Revolution wird viel unblutiger sein. Vielleicht waren „Hippies“ das erste Vorbeben. Menschen, die ganz souverän ihre eigenen Wege suchten, anzogen, was sie wollten, dachten, was sie wollten, glaubten, was sie wollten und sich dem System verweigerten.

Die ersten Versuche, das Modell „freier Bürger“ gegen das momentan angesagte Modell „Arbeits- und Konsumameise“ durchzusetzen. Und es war so erfolgreich, das ein Flächenbrand einsetzte, der bis heute Menschen inspiriert und Leistungsträgern Angst macht.

Indirekt hat uns dieser Flächenbrand Supermodels und 25-jährige Investmentbanker eingebracht, denn der Yuppie war die mit viel Geld künstlich installierte Gegenbewegung zu den vielgescholtenen ´68ern.

Und es mag gelingen, diesen Flächenbrand erneut zu zünden. Die Zeit ist reif dafür.

Lieber glücklich, lebendig und sinnvoll lebend als diszipliniert, fleißig und … sinnlos dahinvegetierend.

So in der Art halt.

Aber auch das muß jeder für sich selbst herausfinden und definieren. Auch Eifelphilosophen sind in dem Prozeß nur … Hebammen – und nicht Väter oder Mütter. Aber das sollte halt der Job von Philosophen sein. War er auch Jahrtausendelang.

Ich werde in diesem Jahr mein Bestes tun, diesem Anspruch gerecht zu werden…fällt mir persönlich gerade als guter Vorsatz für dieses Jahr ein.

In diesem Sinne: allen ein gutes Jahr 2010. Laßt uns unser Bestes tun, das es das auch wird. Für alle.

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