Krankheit

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Offener Brief eines Arbeitslosen an Frau Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales

Freitag, 2.6.2017, Eifel. Liebe Frau Nahles! Endlich komme ich mal dazu, Ihnen zu schreiben. Das nehme ich mir schon lange vor, weil – nun: Sie reden immer so gerne über Arbeitslose, da dachte ich mir: reden Sie doch einfach mal mit Arbeitslosen … oder noch besser: hören Sie einfach mal zu. Ich weiß, dass das schwer fällt, denn immerhin … sind wir die Unterschicht, oder, vornehmer formuliert: das Prekariat. Kurz: der Dreck, der Abschaum, die Unmenschen, Schuld am Leid des ganzen Landes. Wir saufen den ganzen Tag, rauchen wie Fabrikschlote und sind die Hauptursache, dass RTL 1-24 nur erbärmlichsten Schund produziert: außer uns schaut das nämlich keiner. Wir sind ausländerfeindlich, rechtsoffen, homophob, islamophob, können mit den hochwertigen Errungenschaften der Genderwelt nichts anfangen, weil wir bei der Frage nach unserem Geschlecht einfach in die Hose schauen und dann eine eindeutige Antwort geben können. Wer redet schon gerne mit solchen … Wesen. Sie sind doch eigentlich gar nicht mehr richtig menschlich, oder? Eher so eine Art … Untermenschen.

Sie können edle Weine nicht von billiger Plörre unterscheiden, kaufen billigstes Fleisch bei Aldi, halten „Vegan“ für eine Fortsetzung der Science-Fiction-Serie „Sie kamen von der Wega“ und waren noch nie an den schönsten, von National Geographic ausgezeichneten Urlaubsorten der Welt, sie haben kein Geschirr von Villeroy und Boch, waren noch nie beim Bundespräsidenten eingeladen und haben auch keinen der vielen vielen Preise erhalten, die sich die gehobene Gesellschaft gegenseitig so gerne verleiht. Man kann mit ihnen nicht über die Wahnsinnsgefühle reden, die einen überkommen, wenn in den neuesten Theaterstücken auf der Bühne gekotet und uriniert wird, wenn man in feinstem Kreise pseudokannibalistische Rituale als künstlerischen Akt genießt oder mit dem neuesten Audi-SUV mit 200 über die Autobahn brettert, als sei man ein Sportwagen.

So ist es doch, oder?

Nur mit harter Hand kann man diesen Pöbel dazu bringen, gehorsam zu sein. Man muss sie straff führen, wie Hunde – und sie auch sonst so behandeln. Zuckerbrot und Peitsche – was anderes verstehen die nicht. Fehlt die harte Hand des Herren … weigern die sich nachher noch, Steuern und Abgaben zu bezahlen – und man müsste nachher als hochwohlgeborener Elitemensch noch selber arbeiten gehen – was einem nur die Fingernägel und die Figur ruiniert.

Ja, das war jetzt ein wenig harter Tobak, das stimmt: aber mal Hand aufs Herz: Sie kennen sicher einige, die so denken, nicht wahr? Ich könnte Ihnen ein paar Namen nennen, die öffentlich drastisch solche Horrorbilder befördert haben – was ja nichts besonderes ist. Die Entmenschlichung des Feindes ist der erste Schritt in jedem Krieg, je abartiger der dargestellt wird, umso leichter fällt es, ihn auszulöschen, ja, man fühlt sich letztendlich sogar richtig gut bei jeder Leiche, die man hinterläßt, so als würde man das Werk Gottes tun und die Welt vom Bösen reinigen. Nun – mal abgesehen, dass Gott erstmal nicht vorhat, die Welt vom Bösen zu reinigen – und möglicherweise sogar einen geheimen aber gut Plan mit dem Bösen hat – ist das Auslöschen von Menschen nie gut, egal, wie überzeugt man selbst davon ist, dass das eine gute Sache sei.

Vielleicht sollte ich erstmal etwas über mich erzählen? Sie Frau Nahles kennt jedermann, ich bin nur ein völlig unbekannter Mensch aus einer verstoßenen Maße, die man gerne die ungebildeten Schichten nennt. Ich werde dieses Jahr 58 Jahre alt. Ich habe die Hauptschule besucht, danach Abitur gemacht, mein Studium als einer der Jahrgangsbesten abgeschlossen, Karriere in der Pharmaindustrie gemacht und meine Bafög-Schulden komplett abbezahlt. Mein Vater war Schreiner, er starb sehr früh an Prostatakrebs, meine Mutter war Hausfrau und gelernte Verkäuferin – also jene Berufe, in denen man schon mal leichter arbeitslos wird. Mein Vater war jedoch nie arbeitslos, meine Mutter auch nicht. Ich auch nicht bis … ja nun, bis dieser Moment beim Arzt kam, der mir klar machte, dass die unerträglichen Schmerzen im Rücken nie wieder verschwinden werden und ich mit 45 eine ganz neue Arbeit brauchte. Meine Firma war so nett – nachdem ich ihr schnell noch einen Auftrag für 1,3 Millionen Euro besorgt hatte – das Arbeitsverhältnis zu kündigen, dank der Reform des Kündigungsschutzgesetzes gab es auch keinen Kündigungsschutz: der Anwalt der Gegenseite hatte die Belegschaft schnell auf 9,5 Mitarbeiter heruntergerechnet.

Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit – nachdem mehrere Mitarbeiter des Arbeitsamtes mir klar gemacht hatten, dass sie für mich keine Arbeit hätten, erst recht nicht bei meinem Alter (45) und überhaupt nicht unter Berücksichtigung meines Gesundheitszustandes – wurde ich der erste Kunde der neuen Jobcenter, die mich sofort – obwohl ich noch in Bezug von ALG 1 war – mit einem Jobangebot überfielen, dass ich mit meinem Gesundheitszustand überhaupt nicht mehr bewältigen konnte. Natürlich wurde mit der völligen Einstellung der Leistungen gedroht.

Nun – ich will nicht ja nicht klagen, aus Ihren Sphären hört man dann ja schnell, wie gut es uns doch geht – verglichen mit den hungernden Kindern im Sudan. Mich hat immer gewundert, wie schnell man die Armut Afrikas als Normstandard für eins der reichsten Länder der Welt nimmt – aber nicht die Abgeordnetenbezüge des Sudan für wünschenswert hält. Was kriegen die eigentlich? Drei Hand voll Reis im Monat und ein frisches Magazin für die Kalaschnikow, um das Parlament gegen Banden verteidigen zu können? Ich weiß es nicht. Darum geht es mir auch gar nicht.

Worum es mir geht? Ihnen mal aus erster Hand zu schildern, was „Arbeitslosigkeit“ mit einem Menschen anrichtet. Ich werde Ihnen aufzeigen, dass „Arbeitslosigkeit“ gesellschaftlich wie Krebs zu behandeln wäre – anstatt wie eine vom Gott des Marktes verhängte Strafe für „unrein sein“.

Was sind die ersten Folgen von Arbeitslosigkeit?

Nun – zuerst kommt die Enteignung. Wir hatten sechs Kinder, für jedes dieser Kinder wäre nach unserem Ableben eine Eigentumswohnung vorhanden gewesen – und ein Baugrundstück. Ja – wir hatten vorgesorgt, dafür gesorgt, dass die kleinen glücklichen Küken eine Basis hätten, von der sie aus ins Leben starten können. Das Eigentum – musste natürlich weg, Sie kennen die Gesetze. Mit den Baugrundstücken – die natürlich zwangsversteigert werden mussten – das Gesetz kennt keine Geduld – macht nun ein Unternehmer Millionengewinne. Damals waren die noch nicht soviel Wert, vor allem sollte da nicht gebaut werden, solange die Kinder die Wiesen als Spielplatz brauchten – und ich dort hunderte Bäume pflanzte, um unsere grausame Klimabilanz aufzuhübschen. Mit den Gewinnen aus dem Geschäft, das sich dort jetzt entfaltet, hätten wir ganz ohne Hartz IV lange leben können. Sicher – ich bekam eine winzig kleine Rente (Sie wissen, wie winzig die ist: Ihre Partei hat die ja extra zusammengekürzt), aber die reicht nicht für eine Familie.

Ich hatte ja zu tun – mit doppeltem Bandscheibenvorfall, zertrümmerter Lendenwirbelsäule und dementsprechend vielen Arztbesuchen, Behandlungen und Klagen gegen alles und jedermann, außerdem musste – nach staatlicher Plünderung unseres Eigentums – ein Privatkonkurs organisiert werden (ja: Überraschung – Zwangsversteigerungen bringen nicht so viel wie ein organisierte Verkauf … und da außer den ersten beiden Wohnungen noch nicht alles abbezahlt war, blieben Schulden übrig. Nicht viel – aber genug). Wir hatten ja noch Glück: wir fanden ein Haus, das groß genug für uns war und nur ganz wenig Miete kostete (aber ganz schlecht isoliert war: die Heizkosten waren der Horror: darum froren wir auch ein paar Wochen lang, während es draußen minus 11 Grad war). Es lag wunderschön – nur konnten die Kinder nicht mehr die Eliteschule in Belgien besuchen: 100 km Autofahrt am Tag war einfach nicht mehr drin. Nun – für Belgien war das eigentlich keine Eliteschule, nur ich habe sie so genannt, weil sie so viel fortschrittlicher war als unsere Schulen: dort konnte man gleichzeitig mit dem Abitur eine Berufsausbildung machen (z.b. als Friseur oder Comiczeichner) und sich nach dem Verlassen der Schule – bei bestandenen Prüfungen – sofort als Meister selbständig machen – irre, oder?

Am schlimmsten traf es zuerst die Kinder, sie haben sich bis heute noch nicht davon erholt: vor allem der älteste, bald 30, hat dank Vater Staat weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung: er hat den Absturz der Familie ins soziale Nichts nie überwunden, sich völlig zurückgezogen von der Welt. Dank Vater Staat? Denken Sie nur an das Bild von uns, dass ich oben beschrieben habe: damals haben die Kinder noch Fernsehen geschaut (ich habe es kurz danach völlig abgeschafft, um sie vor der Grausamkeit und Häme von Medien und Politik zu schützen), ihnen war schnell klar, dass sie nun – von heute auf morgen – versoffene Hartzis waren, der Abschaum der Republik. Also brachen sie die Schule ab – jedenfalls die drei Großen, die alt genug waren, selbst zu entscheiden. Die jüngeren bekamen bald Kleiderspenden von Klassenkameraden – was enorm peinlich war.

Dann kam die Trennung der Familie.

Vielleicht kennen Sie die Studie von Forbes: 75 Prozent der Frauen können mit arbeitslosen Partnern nichts anfangen, die kosten nur und bringen nichts (siehe Forbes), außerdem belohnen Sie ja die Trennungen: Alleinerziehende erhalten eine Prämie von 120 Euro im Monat („Alleinerziehendenzuschlag“), wer seine Kinder liebt, ihnen häßliche Armut ersparen will, hat hier einen sicheren Weg, Erleichterung zu schaffen.

Können Sie sich vorstellen, wie „Mann“ sich da fühlt? Nun – Männer sind eine Minderheit in Deutschland – und zwar eine sehr ungeliebte, weshalb das egal ist. Man weiß schnell, dass man als Partner völlig unattraktiv ist, denn: wer mit einem zusammen ziehen will, muss zahlen. Schnell ist man eine „Bedarfsgemeinschaft“ und der Staat überlässt die Zahlungsverpflichtungen dem neuen Partner: betriebswirtschaftlich gesehen ist man in einer Partnerschaft reiner Ballast geworden – zumal heute die Gehälter einzelner kaum ausreichen, eine ganze Familie zu unterhalten, schnell gerät man dann selbst in die Fänge des Jobcenters, die einem dann Stellenangebote schicken (mehr Geld, aber viel weniger soziale Sicherheit) damit man dem Partner komplett aus dem Bezug heraushelfen kann. Alles schon dagewesen.

Wer sich auch trennte? Die Freunde. Und die Verwandschaft. Ja – die Hasskultur im „Mainstream“ hat halt auch Folgen, man ist nicht sonderlich stolz darauf, wenn bei der Hochzeit der Tochter der arbeitslose Cousin mit seinen billigen Klamotten auftaucht und auf die Frage „Und was machen Sie so beruflich“ nur peinlich berührt wegschauen kann. Es war auch gut so, dass die verschwanden, denn: den Geschenkekult der Konsumgesellschaft kann ein „Hartzi“ nicht mitmachen. Auch nicht zu Weihnachten. Es gibt jeden Monat den gleichen Betrag, egal, ob Oma Geburtstag hat oder Weihnachten ist. Man wird zwar schnell einsamer – weil man die vielen Einladungen zum Grillen einfach nicht mit noblen Gegeneinladungen erwidern kann – aber erspart sich dadurch auch enorme Kosten. Man muss außerordentlich streng wirtschaften, um überhaupt überleben zu können: die Preise steigen ständig. Der Hunger steht als Möglichkeit wieder vor der Tür.

Was dann kommt?

Krankheit.

Frau Nahles, nun laufen Sie nicht weg, wir sind noch nicht fertig. Nein, ich zitiere jetzt mal auch keine „alternativen Fakten“, sondern die Bundeszentrale für politische Bildung (siehe BpB):

„Mögliche individuelle Folgen der Arbeitslosigkeit, insbesondere der Langzeitarbeitslosigkeit, sind u.a. psychologische und gesundheitliche Probleme, Entqualifizierung (Entwertung der bisher erlangten Qualifizierung), gesellschaftlich-kulturelle und soziale Isolation (Stigmatisierung), familiäre Spannungen und Konflikte, Schuldgefühle, Aggressivität und trotz Grundsicherung relativer Verarmung. Zwischen den meisten genannten Folgen besteht dabei ein sehr enger Zusammenhang.

Die Folgen von Arbeitslosigkeit beschränken sich nicht auf die Arbeitslosen selbst. Auch für nahe Angehörige kann Arbeitslosigkeit eine gravierende Beeinträchtigung von Wohlstand, Selbstachtung, sozialem Ansehen und Lebenschancen bedeuten. Selbst bei Beschäftigten werden Arbeitsvermögen, Leistung, Solidarität und Krankenstand beeinflußt.“

Man weiß das seit Anfang der 30´er Jahre. Und das … haut besonders ´rein – die leibhaftige Erfahrung von purer Bosheit und reinstem Sadismus. Es gab keinen rationalen Grund für die Horrorgesetze der Agenda 2010, die in so vielen Punkten (Reisefreiheit, Freiheit der Berufswahl, Unantastbarkeit der Wohnung – um nur einige zu nennen) mit der Verfassung kollidierten – und Peter Hartz hatte das ja auch nie so gemeint. Er kam wie ich aus der Privatwirtschaft, setzte ganz naiv die Methoden der Mitarbeiterförderung von VW auf das Arbeitsamt um – ohne sich auch nur den kleinsten Gedanken darüber zu machen, dass die Beitragsgeldvertilger aus dem Mammutamt für Arbeitslosenverfolgung ethisch, moralisch, fachlich und menschlich ganz anders drauf sind als Führungskräfte in der Wirtschaft, die Prämien für erkennbar effektives Fördern erhalten … so dass das Geschäft auch allen Freude macht. Aber die Beamten in Regierung und Behörde haben dann schnell die Gelegenheit genutzt (Sie wissen: vor allem waren das die Staatssekretäre, jene Garde, die auch gerne mal zur Bertelsmannparty eingeladen wird) und daraus ein Vernichtungsgesetz gemacht.

Gut, wir waren bei der Krankheit. Vier von sechs Kindern bekamen unter Hartz IV gesundheitliche Probleme, die vorher nicht erkannbar waren: soziale Ängstlichkeit, Mutismus, Asperger Syndrom, erhöhte Infektanfälligkeit, Antriebsarmut. Wirklich – ich versuche, nach Kräften dagegen zu steuern … mit meinen bescheidenen Mitteln … aber wie es aussieht, werden diese Menschen – die einst so gut gestartet waren und immer so glücklich wirkten – dauerhaft Hartz IV-Empfänger. Sowas betrifft momentan 1,7 Millionen Kinder im Land – meine sind also nicht allein. All´ dieser Rückzug ist aber auch nützlich: schützt er doch vor den Attacken einer durch Medien und Politik aufgepeitschten Umwelt, deren Hass bis heute nie kritisiert wurde – weil er wohl staatlich gewollt war.

Man kann auch nicht alles für die Kinder tun: ein Tag Uniklinik kostet 10 Euro, dazu noch 10 Euro Fahrtkosten … machen Sie das mal zwei Wochen lang, ohne beim Essen massiv einzusparen. Geht einfach nicht.

Man selbst – als Mann – muss damit leben, dass sich die Wahrscheinlichkeit von Prostatakrebs dahingerafft zu werden enorm erhöht (siehe ecancer). Und der Stress, dem man durch Arbeitslosigkeit unterliegt? Schlimmer als der, wenn man sein Haus verliert oder die Kinder ausziehen (journalists.resource). Arbeitslosigkeit kann ziemlich tödlich sein – auf jeden Fall ist sie ein enormes Gesundheitsrisiko. Sie verändert die ganze Persönlichkeit (siehe University of Sterling). Es gibt einen ganzen dicken Forschungsbericht über die gesundheitlichen Folgen der Arbeitslosigkeit (siehe IAB): nach einem Jahr haben 30 Prozent der „Hartzis“ allein durch die Umstände eine psychische Störung. Angst steht dabei an vorderster Stelle: immerhin kann man jederzeit total sanktioniert werden – und sei es auch nur, weil man mal wieder einen Job aus der Pornobranche abgelehnt hat (siehe Gerichtsverfahren).

Man sieht: Arbeitslosigkeit ist an sich schon eine enorme Bedrohung – ich vergleiche das mal mit der Diagnose „Krebs“ – und darauf reagieren Sie noch mit „Druck“? Kein Wunder, dass man da Schaden nimmt: wenn eine Regierung (und eine ganze feine Gesellschaft) anfängt, auf die einzutreten,  die sowieso schon am Boden liegen und die Schwächsten der Gesellschaft sind, muss man sich nicht wundern, dass sich das Klima im ganzen Land verändert. Natürlich hat man Angst – und zwar völlig zu Recht, wenn man sieht, wie eine Behörde wieder mit Vollmacht zu dem Urteil über Leben und Tod ausgestattet wird, das  – das zeigen die enormen Erfolgsquoten der Sanktionierten bei Gericht – sehr freizügig und willkürlich je nach Tageslaune des unterqualifizierten Sachbearbeiters verhängt wird. Es ist die Erfahrung des Bösen, dass in der Gesellschaft die Oberhand gewonnen hat – und sich weiter ausbreitet. Die Erfahrung von Hilflosigkeit, Entwürdigung, Abhängigkeit … und das sichere Wissen darum, dass jederzeit – auch aufgrund eines Amtsirrtums – die Vernichtung erfolgen kann, weil die allerletzten Zahlungen ausbleiben.

Es gibt schon Menschen, die sind obdachlos geworden, weil das Amt die Miete nicht vereinbarungsgemäß zahlte – und die haben sogar vor Gericht verloren.

Und da stellen Sie sich hin und wagen zu sagen, dass Hartz IV nicht für die Armut in Deutschland verantwortlich ist (siehe neues-deutschland). Nun -als Ex-Frau eines Audivorstandes leben Sie ja auch auf ganz anderem Niveau – von den Bergen an Steuergeldern, die Ihnen persönlich zugeteilt werden, mal ganz abgesehen. Ach ja – Steuergelder. Ich will ja nicht nur klagen, sondern auch Verbesserungsvorschläge einreichen: 30 Milliarden kostet Hartz IV, 100 Milliarden werden jährlich an Steuern hinterzogen (siehe Stern): einfach alle Arbeitslosen zu Steuerfahndern ausbilden, die Beute 50/50 teilen – und alle sind froh.

Sie müssten diese Idee nur mit Ihrem Millionär Martin Schulz (siehe theeuropean) besprechen, vielleicht auch mit Ihrem Ex-Mann, dem Audi-Vorstand: schon hätte die SPD endlich ein Programm.

Mit besten Grüßen: Ihr Eifelphilosoph

PS: Ich muss eins gestehen – bevor Sie nach mir fahnden: weder ich noch meine Kinder sind im Leistungsbezug. Da musste ich lügen. Ich arbeite – wieder. Nur: als Hartzi hätte ich diesen Brief nicht schreiben können, ist schon einmal vorgekommen, das ein Mitarbeiter Ihrer Behörde diese Information im Rahmen unseres Engagements für Kikki W. Geiß an die Öffentlichkeit gebracht hatte, um uns mundtot zu machen.

War erfolgreich – nur jetzt … als ordentliche Steuerzahler … können wir etwas deutlicher werden. Ich kann Ihnen aber sagen: die Studien haben Recht: diese Angst wird man nie wieder los. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: diese Erfahrung der Vernichtung von Leben (verstanden als Vernichtung von Lebensqualität in verschiedenen Abstufungen) verändert die Persönlichkeit nachhaltig.

Und auch den Blick auf die feine Gesellschaft.

Arbeitsfähig … dürften nach erfolgreicher Verhartzung wirklich nur noch die allerwenigsten sein.

Warum man das wohl will?

Und warum man nichts dagegen tut – obwohl man seit 1930 über die Folgen Bescheid weiß?

Vielleicht wird es Zeit, dass die Damen aus der feinen Gesellschaft mal für Arbeitslose sammeln, Charityabende veranstalten, Benefizkonzerte machen. Hätte nur keinen Sinn … weil der Staat diesen Opfern des sterbenden Kapitalismus alles sofort wieder weg nimmt.

Verstehen Sie nun, warum ich das Wort „böse“ gebrauche?

(ich danke hiermit dem Magazin WIWO, dass in einem Beitrag die verschiedenen Folgen der Krankheit Arbeitslosigkeit treffen zusammengefasst hat)

 

 

Der Kampf der feinen Gesellschaft gegen das arme Opfer oder: ein hohes Lob des Jammerns

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Montag, 19.9.2016. Eifel. Haben ja viele meinen Abschiedsbrief nicht zu Ende gelesen und deshalb so reagiert, als sei ich gestorben. Nun, der Brief war für heute gedacht, aber der Blitzkrieg gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung läuft halt blitzschnell – uns läuft die Zeit davon. Vielleicht hätten manche erwartet, dass heute etwas über Berlin kommt, die tolle Wahl – und ich bin versucht, etwas darüber zu schreiben, andererseits … werden bei Wahlen nur die Kellner aufgestellt, die uns die ultrarechte Wirtschaftspolitik servieren darf, wir dürfen also wählen, ob wir den miesen Brei gerne mit einem freundlichen oder einem passenden Gesicht serviert bekommen möchten, eigentlich ein Thema, das keiner weiteren Erläuterung bedarf.

Darum möchte ich mich heute einem wichtigeren Thema zuwenden: der zunehmenden massiven Verrohung breiter bürgerlicher Schichten, die bei ihrer Verachtung gegenüber Armen streng antichristliche Züge annimmt – aber natürlich … wie alle Verbrecher … im Namen Gottes handeln. Bevor wir uns aber diesem schleichenden Gift nähern, sollten wir zuerst mal einen Blick auf die Welt richten. Ja, auf die ganze Welt. Das hat zuletzt Arthur Schopenhauer getan, der alle Wissenschaften in sein Weltbild einbeziehen wollte, was seitdem kein Philosoph mehr versucht hat. Kaum zu glauben, aber wahr: während wir einerseits große Erklärbärwissenschaften haben, die via TV alles und jedes bis ins Detail beschreiben, hat die Philosophie aufgegeben, dies zu tun: die Welt ist einfach zu komplex geworden (was Sie vielleicht schon mal gehört haben). Wie kann das sein? Nun: die Verblödungswissenschaften (ich nenne sie mal so, weil es das ist, was sie tun) verkaufen einfach ihre Theorien als Wahrheit. So einfach ist das. Der Philosoph weiß: es sind nur Theorien. Nur … Schatten an der Wand.

Nun – was ist die Welt? Wie stehen wir in ihr?

Ich habe da letztens eine interessante Passage in einem Werk von Wilhelm Reich gefunden – eine Passage, die sich heute niemand mehr trauen würde zu formulieren, weil sie einfach nicht „positiv“ ist. Lauschen wir einfach mal – sie ist sicher nicht positiv, aber stattdessen ja vielleicht endlich mal realistisch. Reich zitiert dort seinen Lehrer Sigmund Freud, der ein Weltbild hat, das für Milliarden Menschen auch 80 Jahre später – allem Fortschritt  an Produktivität zum Trotz – immer noch Alltag ist:

„Glück wäre eine Illusion, meinte er, denn von drei Seiten drohte das Leiden unweigerlich. „Vom eigenen Körper her, der zu Verfall und Auflösung bestimmt ist“; „Von der Außenwelt, die mit übermächtigen, unerbittlichen, zerstörenden Kräften gegen uns wüten kann“ und dem dritten großen Leidkomplex „Das Leiden, dass aus den Beziehungen zu anderen Menschen stammt, wäre, meinte Freud, schmerzlicher als jedes andere“ (aus: Wilhelm Reich, Die Entdeckung des Orgons, Die Funktion des Orgasmus, Kiepenheuer und Witsch, 10. Auflage 2014, Seite 163).

Nun – Reich ist natürlich anderer Meinung, verwischt jedoch das Leid der Außenwelt mit dem Leid, das durch Menschen verursacht wird – ein zentraler Fehler, wie wir noch sehen werden.

Gehen wir diese Punkte doch mal durch. Als Mensch mit 56 Lebensjahren kann ich sagen: ja, die Theorie vom Verfall des Körpers ist beobachtbar, das erfuhr ich am eigenen Leib. Ab vierzig geht es nur noch bergab, erklärte mir ein damals Vierzigjähriger – mit 44 konnte ich darüber nur die Nase rümpfen, fühlte ich mich doch kerngesund. Mit 45 war es dann vorbei: mit einem großen Knall gab die Lendenwirbelsäule nach, was zu einem Beckenschiefstand führte, der wiederum eine Arthrose im Knie nach sich zog: Jahr für Jahr wird die Beweglichkeit geringer. Auch wenn Freuds Ansicht allen Botschaften der vernunftlosen Konsum- und Freizeitindustrie widerspricht, jener Industrie, die heute die Philosophie nahtlos ersetzt hat, so kann ihre Wahrheit jeder am eigenen Leib erfahren.

Und die Außenwelt? Hier brauchen wir uns gar nicht weit von unserer eigenen Haustür entfernen: dieses Jahr haben viele Bundesbürger erlebt, was kleine Bäche, die hundert Jahre lang friedvoll schlummerten, anrichten können: ganze Heime wurden mitten im Frieden vernichtet. Die Zahl der klimabedingten Katastrophen nehmen weltweit zu, 45 000 Menschen fallen ihnen pro Jahr zum Opfer (siehe Deutschlandfunk), auch für uns in Europa ist die Zeit vorbei, wo wir in „gemäßigten“ Breiten lebten. Nach wie vor kann die Welt jederzeit brutal zuschlagen – sei es durch Meteoriten, durch Ernteausfälle oder durch Erdbeben und Vulkanausbrüche … mit denen wir hier in der Eifel wieder rechnen müssen, haben wir doch noch aktive Vulkane in engster Nachbarschaft.

Und die Menschen? Jene Gattung, die es durch Gemeinsinn und Kooperation geschafft hat, Eiszeiten und Säbelzahntiger zu überstehen, ist zur größte Bedrohung der gesamten Menschheit geworden: nuklearer Holocaust, sozialer Holocaust, ökologischer Holocaust – wir brauchen schon längst keine Naturkatastrophen mehr, um Massensterben einzuleiten: das machen entartete Regierungen und wirtschaftliche Machtballungen inzwischen selbst. Auch im Kleinen haben wir einen Siegeszug der Asozialität zu verzeichnen, der gerade jene Grundfesten menschlicher Macht angreift, ohne die wir dieses Jahrtausend nicht lebend erreicht hätten: Kooperation, Gemeinsinn und Solidarität weichen zunehmend einer asozialen Philosophie, die nur eins im Sinn hat: die künstlich aber außerordentlich professionell vom Marketing erzeugten Luxusbedürfnisse auf Kosten aller Umweltelemente des egomanen Individuums zu befriedigen – auf Kosten seiner natürlichen Umwelt, seiner sozialen Umwelt und seiner humanen Umwelt.

Die letzte Bastion in dieser düsteren Welt: das arme Ich, das unter den Umständen leidet und sie in die Welt hinausposaunt, eine Fähigkeit, die wir im zarten Alter von einem Tag schon beherrschen. Was immer auch an Ungemach aus der Welt auf uns einstürzt: wir können dagegen anplärren und damit die Nerven der Mächtigen zerrütten – auch wenn wir sonst nichts tun können. Meine Kinder konnten das alle. Die letzte Hoffnung des Planeten – gerade in Bezug auf menschengemachtes Leid – ist die Klage, das Jammern, das Notgeschrei. Wie anders will man auch seine Umwelt erreichen, um sie zur Umkehr zu bewegen? Wir machen das seit tausenden von Jahren: fällt der Säbelzahntiger über uns her, beißt uns einen Arm ab, dann senden wir Notsignale in die Welt. Das machen sogar alle Tiere … und, wenn ich mich recht entsinne, auch Pflanzen.

Diese düstere Welt entspricht der Erfahrung von Tausenden von Generationen – und das stört die menschlichen Soziopathen in ihrem Siegeszug gegen die Menschheit enorm. Immerhin könnten die Notsignale mal wieder dazu führen, dass sich Solidarität breit macht, dass sich die Starken an ihre edelste Aufgabe erinnen: die Schwachen zu schützen … anstatt sie auszuplündern, wie es in unseren „modernen“ „aufgeklärten“ Zeiten zunehmend Alltag wird; ebenso könnten die Schwachen sich solidarisieren und merken, dass sie zusammen viel stärker als die Starken sind: das könnte zu Zuständen führen, in denen der hemmungslose Konsum von heute auf einmal völlig unwichtig wird – eine Katastrophe für jene, die ihn organisieren und so ein völlig leistungsloses Leben auf Kosten der Gemeinschaft führen.

Was ist also zu tun – im Sinne der Soziopathen?

Nun … streng im Sinne des Sozialdarwinismus muss man das Notgeschrei, die Sendung von Notsignalen unterbinden, es entwerten, es umdeuten – und dazu hat man eine Waffe entwickelt, die man … sicherheitshalber … im Reich der „Esoterik“ ansiedelte, um sich Gottes Hilfe zu sichern. Ihre Botschaft ist eine andere – und sie wird seit hundert Jahren mit großem Druck in die Menschheit gepreßt, versehen mit Gottes Segen, den sich auch die deutsche Wehrmacht auf die Fahnen schrieb.

Die Welt ist toll und heil, so ihre Aussage. Weitab von den Aussagen der großen Weltreligionen, die die Leidhaftigkeit der Welt noch gezielt beschrieben (das Christentum als „gefallene Welt“ jenseits des Paradieses, der Buddhismus mit seinem verführerischen „Schleier der Maya“, der heute via TV noch dichter gewebt wird als zuvor, oder Krishnas „Asuras“, die die Menschheit gern mit Leid plagen) oder der uralten „schamanischen“ Naturreligionen (die in einer Welt voller böser Geister leben, die auch ursächlich für Kriege und Aggressionen verantwortlich sind) behaupten sie, dass die Welt völlig perfekt ist, ja, geradezu paradisiesch – nur jene Menschen, die das nicht sehen können sind … ja, fehlerhaft, mangelhaft, blind …. kurz gesagt: unwert.

Ich habe da mal ein paar Aussagen gefunden, die das beispielhaft illustrieren sollen – Sie werden problemlos hunderte von „Trainern“, „Coaches“ und „Unternehmensberatern“ finden, die diese Botschaft in verschiedenster Form in das Bewusstsein der Menschheit pumpen. Hier jetzt mal einer der führenden Protagonisten jener inhumanen Denkungsart (siehe: SpiritualWiki):

„Tief eingeschliffenes Täter-Opfer (TO)-Denkmodell

Das TäterOpfer-Denkmodell ist so tief in die existierende Weltanschauung des Massenbewusstseins eingegraben, dass es als Perspektive nur selten in Frage gestellt wird. Eine einfache Netz-Recherche ergibt, dass sich in Suchmaschinen fast ausschließlich Quellen finden lassen, die das Täter-Opfer-Modell bestätigen, indem sie ihre Argumentation darauf stützen. Sein Realitätsbezug wird nur von wenigen abgesprochen.“

Das „Täter-Opfer-Modell“? Eine andere Formulierung für „Ursache und Wirkung“. Ein Beispiel? Gern. Beschließt die Bundesregierung, die Arbeitslosenversicherung zu enteignen und stattdessen ein repressives System a´la Hartz IV einzuführen, dann werden Millionen Menschen arm, beschließen die Konzernmedien dann, diese Menschen als „unwertes Leben“ anzugreifen, dann sind sie sozial richtig im Eimer, können nur noch daheim bleiben und nur noch das TV als letztes Fenster ins Leben nutzen. Es gibt einen klar definierten Täter (Bundesregierung und Konzernmedien) und klar definierbare Opfer (die Beitragszahler der Arbeitslosenversicherung).  Sie können gerne andere Beispiele nehmen: Auschwitz wäre so eins – oder die Vergewaltigung in Ihrem Vorgarten gestern Abend.

Ja – bleiben wir bei der Vergewaltigung – wo wir in der Rechtsprechung ja schon hanebüchene Urteile erleben durften … und peinlichste Prozesse. Was ist denn so schlimm daran, hier eindeutig Opfer und Täter auseinander zu definieren?

Das TO-Modell beruht auf dualistischem Spaltdenken und trifft nicht zu. Die TäterOpfer-Betrachtungsweise wirkt sich wie ein gesellschaftlicher Virus aus, da sie bewusstseinsmäßig lediglich auf BW 135 schwingt. Sie befindet sich zwischen den Notstandsgefühlen Angst und Wut.

BW 135? Nun – wir haben es hier mit den Äußerungen von D. R. Hawkins zu tun, einem New Yorker Psychiater, der am Ende seiner Karriere gottgleich wurde. Er hat einen Maßstab für Bewusstseinsebenen entwickelt, der von Null bis Tausend reicht. BW 135 ist nicht viel, sein eigenes Buch jedoch liegt in seiner eigenen Einschätzung bei BW 999, Christus, Buddha und Krishna liegen bei 1000. Beinahe … wäre er also ein neuer Sohn Gottes geworden. Auf jeden Fall ist seine Lehre geeignet, ein umfassendes Täterschutzprogramm zu etablieren (und es gibt noch gut hundert weitere moderne Lehren, die ins gleiche Horn stoßen).

Die vergewaltigte Frau – um bei diesem Beispiel zu bleiben – soll sich halt mal selbst fragen, wie sie in diese Situation gekommen ist. Sie soll bei sich schauen. Gut, wenn sie die Vergewaltigung überlebt hat – ich frage mich, wie Mordofper ihre Schuld an der Tat verarbeiten sollen. „Dualistisches Spaltdenken“? Nun – setze ich den Glaubenssatz in die Welt „die Welt ist perfekt“ – was Freud zur Raserei treiben würde – so ist natürlich jede Kritik an diesen Zuständen ein Sakrileg. Die Reichen freuen sich über eine solche Welt: immerhin legitimiert sie absolut ihren Reichtum. Die Armen jedoch – nun den muss man das Jammern abgewöhnen:

„Eine Opferhaltung einzunehmen, ist nicht integer. Sie entzieht dem Großen Ganzen Energie einschließlich dem „Opfer“ selbst.

Die an Tätern und (gewalttätigen) Tatkräftigen orientierte Kultur hat eine punitive Rechtsauffassung und -sprechung hervorgebracht.“

Merken Sie, wie langsam und schleichend das Opfer einfach zum Täter gemacht wird – und der Täter zum Opfer eines Jammerlappens? Das böse Opfer entzieht dem Großen Ganzen Energie … was für eine Sauerei! Zudem erfahren wir, dass Menschen, die „im Opfersein verhaftet“ sind, nicht mehr ändern kann. Fragen Sie sich auch gerade, was wir denn politisch und gesellschaftlich mit jenen machen sollen, die dem Großen Ganzen Energie entziehen und nicht änderbar sind? Ja: da sind sie wieder, die „Ballastexistenzen“ des Dritten Reiches, jener Form der Gesellschaftsgestaltung, die maximale Ausbeutbarkeit von Leibeigenen garantiert, die sich für freie Helden der Geschichte halten.

Wir erfahren auch was über die Werkzeuge der Opfer, die … auch alle nicht „integer“ sind:

„Beschämen
Beschuldigen
Ausreden / Rechtfertigen
Klagen / Jammern „

Beschämd die vergewaltigte Frau ihren Täter, so ist das von Übel. Beschuldigt sie ihn: übel. Übt sie sich in Ausreden und rechtfertigt sie sich, warum sie im Dunkeln im Minirock durch die Stadt geht: übel. Klagt sie über die Folgen, jammert sie über die Schmerzen: übel. Was bleibt ihr übrig? Still zu Hause zu leiden. Und sich bei dem Täter zu entschuldigen.

Nun – eine weitere Auseinandersetzung mit Hawkins würde zu weit führen … er dient ja auch nur als Illustration einer globalen Bewegung des Täterschutzes, die vermögende Kreise sehr erfreut, einer angeblich „hochgeisten“ und „gottnahen“ Bewegung, die sich durch ein außerordentlich niedriges Niveau an Mitleid und Empathie auszeichnet, einer bislang kaum dagewesen Degeneration jeglicher humanintären Ethik, die wieder direkt in die Gaskammer führt, weil Opfer einfach nichts anderes verdient haben und man ihnen sowieso nicht helfen kann.

Doch halt: ich höre da eine Gegenstimme. Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross scheint in das gleiche Horn zu stoßen (siehe „Erfüllte Leben – würdiges Sterben“, Sonderausgabe Gütersloh 2004). Auch ihr bietet sich die Welt nach ihrer Arbeit mit sterbenden Menschen eher als eine Art Schule an, in der die Seele kurz lehrreiche Erfahrungen sammeln kann – doch sie kommt zu ganz anderen Ergebnissen:

„Wenn Sie Ihre Kinder nur mit den natürlichen Gefühlen groß werden ließen und ihnen gestatteten, ihrem Schmerz, ihren Zorn und ihrem Kummer Ausdruck zu geben, würden Ihre Sprößlinge leidenschaftlich gern zur Schule gehen. Lernen wäre für sie nichts anderes als ein aufregendes, herausforderndes und aufregendes Abenteuer…“ (Seite 116).

Das Weltbild der Frau Kübler-Ross ist etwas größer als das des Herrn Freud oder des Herrn Hawkins. Sicher, es enthält Elemente, die der aktuellen Konsum- und Geldreligion enorm im Wege steht: die aus vielen Beobachtungen resultierende Erfahrung, dass der Tod das Heraustreten des Schmetterlings aus der Verpuppung darstellt, die ihn in eine weitere Existenzform führt, die ihm alle Konsequenzen der eigenen Entscheidungen vor Augen hält … allerdings nicht in Form von Höllenqualen (die man sich allenfalls selbst zufügt), sondern in einer sehr liebevollen Umgebung. Sicher nur Wunschdenken von Opfern – doch aufgrund der großen, gesicherten Datenlage ein Aspekt, den undogmatische Wissenschaft nicht einfach ignorieren kann. Ich würde mich sogar in den Satz versteigen, dass wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit damit rechnen müssen (auch wenn wir nicht wollen), dass ihre Weltsicht eine erlebbare Realität beschreibt, die alle Menschen erreicht – wie es Hoch- und Niederreligionen seit Jahrtausenden beschreiben.

Wo liegt aber der Unterschied? Wie kann Gott (dem Hawkins nach eigener Meinung ja sehr nahe kommt) das Leid der Menschen so einfach akzeptieren?

Nun – das tut er ja nicht. Er hat klare Grenzen gesetzt, innerhalb derer er sich das Miteinander vorstellt: nicht töten, nicht stehlen, nicht ehebrechen, nicht verleumden – und der Sonntag ist arbeitsfrei, auch für Sklaven. Außerdem sollten andere Götter (modern: „Staat“, „Konzern“, „die Wirtschaft“, „die Partei“, „der Markt“, „die Kirche“, „der Fortschritt“) nicht verehrt werden – und niemand sollte sich anmaßen, im Namen Gottes zu reden oder klar zu definieren, was das denn eigentlich ist, dieser „Gott“.

Was wäre das für eine Welt … in der die dritte Komponente menschlichen Leidens nach Freud völlig verschwinden würde (und auch alles Reden über „Gott“), weil sie in einer eh´ schon feindseligen Welt völlig unnütz und kontraproduktiv ist: das von Menschen verursachte Leid. Wenn wir also jene, die sich im Mäntelchen der Esoterik anschleichen, diese zu üblen Zwecken der Entwertung von Menschen missbrauchen, stellen wollen, so müssen wir Ihnen klar sagen: es gibt eine eiserne Grenze, die nicht überschritten werden darf: jegliches von Menschen geschaffenes Leid ist unnatürlich, hat keinen Nährwert, ist keine Lehre, sondern einfach nur schrecklich überflüssig – und eindeutig widergöttlich. Jene große, überweltliche Kraft (das Große Ganze) auf die sie sich berufen, würde sie zum Teufel jagen. Jeder empathische, atheistische Humanist auch.

Trotzdem durchziehen diese Botschaften gerade die „feine“ Gesellschaft, der sie effektiv zuarbeiten. Nicht ungerechte Verteilung von Gütern oder Ausbeutung von Arbeitskraft ist die Ursache allen Leidens … sondern die erbärmliche Schwäche der Opfer. Schön bequem, diese Haltung – und sie befreit auch jeden Täter wunderbar von jeder Verantwortung. Solche Sichtweisen schleichen sich auch zunehmend in die Rechtsprechung ein, vergiften den Glauben an Gerechtigkeit, jedoch sollte man sich klar werden, dass sie durch nichts – aber auch wirklich durch gar nichts – zu rechtfertigen sind.

Was bedeutet das nun für Sie? Mal politisch betrachtet?

Schreien Sie Ihr Leid gefälligst in die Welt hinaus! Jede kleinste Ungerechtigkeit gehört offen auf den Tisch! Es ist IHR Leben, sie dürfen damit tun, was Sie wollen (ausgenommen eben … die eisernen Grenzen überschreiten, die weltweite Gültigkeit haben – auch in gänzlich unreligiösen Werken wie der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte, die direkt aus den Erfahrungen resultierten, die wir in Auschwitz gemacht haben). Und wenn Sie jemand daran hindert, Ihr Leben zu leben: schreien Sie die Klage in die Welt hinaus. Lassen Sie sich von den Priestern der Geldreligion nicht zu Tätern machen, weil Sie üble Taten anprangern – lassen Sie sich Ihren Zorn, Ihre Wut, Ihren Kummer und Ihren Schmerz nicht verbieten – erst recht nicht im Namen Gottes!

Dass Täter auch unter den Unbillen der Welt leiden – darf berücksichtigt werden. Das macht sogar unsere Rechtsprechung, weil sie ein ziemlich weises Element enthält. Nicht alle Täter sind Psychopathen – manche sind nur selbst Opfer, die Schmerz, Wut, Kummer, Zorn, Trauer lange Zeit unterdrückten, bis der Kessel eben platzte und in einem Amoklauf endete. Ja: man darf auch aus solchen Taten lernen, das ist erlaubt und möglich – aber dies ist nur ein sekundärer Lerneffekt. Besser wäre: wir schaffen Bedingungen für Menschen, menschengerecht zu leben, die solche Taten überflüssig machen. Umwelt und der eigene Körper machen einem ohnehin schon genug zu schaffen.

Und was ist nun mit „Gott“ – auf den sich alle Verführer immer berufen? Nun – er hat uns mit beschränkten Sinnen in eine Welt gesetzt – so beschränkt, dass wir ihn gar nicht konkret erfassen – höchstens erahnen – können. Vergessen sie ihn – seine Gebote sind in den Menschenrechten erhalten, mehr brauchen wir von ihm nicht, um unser Leben zu leben. Und wie es scheint (hier verweise ich auf Kübler-Ross, a.a.O.), ist genau das seine Absicht. Und setzten Sie anstatt des „positiven Denkens“ lieber „realistisches Denken“ – es entlastet ihr Gehirn, das befreit wird von der Arbeit, eine bedrohliche Welt in ein Paradies umzudeuten und versetzt Sie in der Lage, „Herausforderungen“ effektiv zu begegnen.

Und bitte: beschämen Sie die Täter. Beschuldigen Sie sie. Rechtfertigen Sie sich … und reklamieren so Gerechtigkeit. Und jammern Sie, was das Zeug hält! Solche Menschen brauchen wir, wenn wir das Paradies neu errichten wollen – und nicht jene, die die Täter der feinen Gesellschaft zu hilfreichen Heiligen machen wollen, die uns unbegrenze Lernerfahrungen anhand widergöttlicher Asozialität liefern.

 

 

Hartz IV: Vernichtung durch Arbeitslosigkeit – die forschreitende Verrohung der Republik

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Dienstag, 9.2.2016. Eifel. Ja – das erste Mal durfte ich einen „Shitstorm“ beobachten. Auf Facebook natürlich, wo der Mob tobt. Nein wirklich: es war nicht uninteressant. Gut ein Dutzend Menschen – die meisten nach eigenen Angaben aus Berlin – mokierten sich über eine laufende Spendenaktion für eine arbeitslose Frau mit Hund. Kaum jemand von denen war mental noch in der Lage, zu erkennen, was sie eigentlich forderten. Die Frau ist am Ende, wird per Gericht zur Obdachlosigkeit ermuntert, weil man ihr unterstellt, sich absichtlich in Not gebracht zu haben. Gleichzeitig erhält sie keinerlei Leistungen, weil alles in Bearbeitung ist – da droht Hunger … und Tod. In einer Gesellschaft, die pro Sekunde 313 Kilogramm Lebensmittel wegwirft (siehe Spiegel) ist vielleicht nicht mehr allen bekannt, dass Hunger zu ernsthaften Funktions- und Denkeinschränkungen führt, die schnell zum Tode führen können, aber schon weit vorher die geregelte Organisation des Alltagslebens erschweren bis unmöglich machen, weil man nur noch an Essen denken kann.

In der Tat trat diese kleine, geschlossene Gruppe – die untereinander gut vernetzt schien, so mein Eindruck – vehement auf und wollte, dass alle Hilfeleistungen privater Natur für das Opfer eingestellt werden: Obdachlosigkeit und möglicher Tod eingeschlossen. Ich rede hier ja gerne und oft von der „Generation Doof“ – und den Folgen, wenn die versucht, Politik zu machen … oder auch nur ihr eigenes Leben auf die Beine zu stellen, was aussichtslos scheint, wenn nicht Papas Geld und Beziehungen im Hintergrund die Wege ebnen. Die Begründung war klar: diese Frau hatte früher schon mal um Spenden für ihre Tiere gebeten – offenbar ein Sakrileg für die wohlgenährten Mobber. Was man dort beobachten konnte war – in anderen Worten ausgedrückt – ein „Lynchmob“, der Tod durch Frost und Hunger forderte. Natürlich nicht in diesen Worten … aber das (passive) Versagen von Obdach und Nahrung hat nicht weniger die gleiche Intention wie der (aktive) Strick.

Was vielleicht nur noch wenige wissen: diese Bewegung ist nicht aus dem Volk selbst gewachsen, sie wurde von oben bestimmt – durch die Agenda 2010. Die durch Diäten besonderer Art fett gewordene Führung dieses Landes samt seiner Volksvertreter haben bewusst und mit Absicht eine Kaste der Unberührbaren geschaffen, ein vorher nie dagewesenes Prekariat, mit dem man alles mögliche anstellen sollte – einer wollte sogar, dass sie ihre Organe verkaufen, um überleben zu können. Er war hochrangiger Professor, Mitglied in vielen wichtigen Kommissionen, ein Elitewissenschaftler der besonderen Art – im Geiste von Auschwitz und der gezielten Ausschlachtung von Gaskammermordopfern und ungebremster medizinischer Experimente an lebenden Menschen (siehe Deutschlandradio):

„Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen haben.“

Ja – oder man rasiert ihm die Haare ab – zum Gewinn der Industrie, schlägt ihm die Goldzähne heraus und macht aus den Resten Seife – Experimente zu dieser Seife gab es ja schon, nur die industrielle Serienproduktion wurde durch die „Besatzermächte“ aufgehalten (siehe Nizkor).

Ja – wir tönen soviel herum im „Kampf gegen Rechts“ … doch dort, wie wirklich „rechts“ lebt und wirkt, schaut kaum einer hin. Das wächst Tag für Tag. Und der Ungeist jener Zeit, den wir zu Unrecht als in der Vergangenheit gefangen ansehen, breitet sich heute wieder aus: der Arbeitslose ersetzt den Juden als Sündenbock – und wehe er geht mit seiner Armut an die Öffenlichkeit, eine sozialen Hinrichtung in sozialen Medien ist ihm gewiss!

Doch nicht nur seine Organe sollte der Arbeitslose verlieren – zur Sicherstellung der Rechte der „Leistungselite“ sollte er auch sein Wahlrecht verlieren (siehe scharf-links) – eine alte Idee aus den Kreisen der AfD (ja – dort war auch der Organverkaufsförderer Hauptzeichner der Partei – wir werden also möglicherweise unter der AfD ganz besondere „Reformen“ erwarten dürfen). Ratten sollten sie jagen, diese Arbeitslosen, Hundekot aufsammeln, sie sollten besondere Uniformen bekommen, damit der Bürger sie auf offener Straße erkennen kann, man wollte sie schon in Lagern halten und macht ständig deutlich, dass jeder Cent, den man in sie investiert, vollkommen vergeudet ist, weil die nur in Alkohol und Zigaretten investieren – neuerdings will man die sogar durch Hausbesuche zum frühen Aufstehen motivieren, jedenfalls, wenn sie alleinerziehend sind und Kinder haben. Ja – natürlich, die kleinen Sechsjährigen stehen alleine auf, ziehen sich alleine an, machen sich Frühstück, putzen sich von selbst die Zähne und gehen dann wohlgelaunt in die Schule, während Mama noch schläft … solche Idiotien wachsen nur dort, wo zuviel Geld auf zu wenig Geist trifft … wie ebenfalls in diesem Fall (siehe Freitag):

„Man müsse der Unterschicht den Hahn zu drehen, denn nur ein ungeborenes Kind aus diesem Milieu, ist auch ein gutes Kind, denn es schlägt einem schon keinen Baseballschläger den Kopf“

Das fordern von Steuergeldern reich gemachte Professoren, deren üppige Pensionen den Steuerzahler in Zukunft EINE BILLION EURO kosten werden. Soviel zum Thema Parasiten und Schmarotzer – und soviel zur Motivation, andere Leistungsempfänger auszurotten – was man natürlich nicht mehr in den deutlichen Worten von früher äußert … möglicherweise weil immer noch US-Truppen im Land sind?

Nun – der Test von Angela Merkel war erfolgreich: einfach mal spontan ohne Vorwarnung Deutschland für ein paar Wochen zum offenen Land erklären – schon hat man gemerkt, dass die alte Ausländerfeindlichkeit immer noch da ist. Hätte man mehr nachgedacht, hätte man die Katastrophe verhindern können: jetzt kann man nur noch zuschauen, wie die Freunde der Zwangsarbeit einen Erfolg nach dem Anderen einfahren und das Leben von Kriegsflüchtlingen aktiv in Gefahr ist. Wie schön für die Asozialen in der Groko, bei FDP und Grünen, dass hier ein neuer, potenter Koalitionspartner im Kampf gegen den Arbeitslosen heranwächst, gegen die man dieses Jahr ja schon wieder deutliche Maßnahmen plant (siehe gegen-Hartz):

„Jede Sanktion, welche aufgrund der Nichtannahme einer zumutbaren Arbeit erfolgt, löst ab 01.08.2016 (geplantes in Kraft treten dieser Änderung) automatisch einen Rückforderungs- und Aufrechnungsanspruch in Höhe des bei Jobannahme (mehr) zugeflossenen anrechenbaren Einkommens aus. Und das für die Dauer von bis zu 4 Jahren. Damit erfolgt auch eine Doppelbestrafung: zuerst 3 Monate Sanktion i.H.v. 30% der Hartz IV Regelleistung, und danach bis zu 4 Jahre Aufrechnung der nicht verminderten Bedürftigkeit i.H.v. 30% der Regelleistung. Damit wird die Dauer einer solchen Sanktion de facto auf bis zu 4 Jahre verlängert.“

Ja – Sie haben richtig gelesen: Arbeitslose werden jetzt richtig ausgeschlachtet. Nehmen die einen Hundekotsammeljob oder das Rattenjagen nicht an, werden sie VIER JAHRE LANG sanktioniert. Schon die normale Arbeitslosigkeit führt zu Mangelernährung (siehe Zeit) und einer Epedemie an psychischen Krankheiten – eine logische Folge des von der Regierung gewünschten „Drucks“ (siehe Spiegel), beides Erkenntnisse aus dem Jahre 2013, die 2016 zu schärferen Sanktionen führen: „Vernichtung durch Arbeitslosigkeit“ ist an Stelle der „Vernichtung der Arbeit“ getreten – der Geist scheint der gleiche … oder?

Die Zahl der Toten unter Hartz IV steigt rasant an – doch das interessiert keinen (siehe Freitag):

„Die Schätzungen liegen bei mind. 1000 Hartz IV – Suizide pro Jahr und die Zahl ist ansteigend.

Jedes Jahr kommen etwa 5000 Hartz IV Obdachlose dazu! Und, das in einem der reichsten Länder der Welt.“

Ja – Vernichtung durch Arbeitslosigkeit. Geschieht auch in Afrika – mangels Geld. Dort ist es eine grauenvolle Katastrophe, in Deutschland jedoch … gewollte Bösartigkeit. Wie anders sollte ich das deuten? Ginge auch anders: von Investitionen in Arbeitslose hat der Staat eine hohe Rücklaufquote: für jeden Euro, den er ausgibt, kommen 1,60 Euro zurück – am Ende der Wertschöpfungskette. Für Deutschland würde das bedeuten, dass die aktuell vor der Schließung stehenden 50000 Einzelhandelsgeschäfte gerettet werden könnten: Arbeitslose sind in einer Situation, in der sie jeden Euro gewinnbringend inverstieren können – in die einheimische Wirtschaft, die von dem Geld wieder Arbeitsplätze schaffen kann. Wir jedoch investieren lieber in Schrottpapiere …  aktuell ist wieder ein neues Geheimabkommen der EZB aufgetaucht, nachdem wir wieder 490 Milliarden Euro in Unsinn investiert haben (siehe Spiegel): zur Rettung von Geldanlegern finden die selbst auch reichen Abgeordneten, Minister und Funktionäre immer Geld. Zur Erinnerung: die durch windige Geldgeschäfte ausgebrochene Wirtschaftskrise 2008 hat sage und schreibe 50 000 Milliarden Dollar vernichtet (siehe Tagessschau), möglich gemacht durch die Deregulierung der Finanzmärkte, in Deutschland ausgeführt durch „rot-grün“. Das sind 7000 Euro pro Bewohner des Planeten – für die ärmsten der Armen zehn Jahresgehälter. Wir sehen also: generell arm ist dieser Planet nicht.

Im Inland – investieren wir ebenfalls lieber in die Versorgung der Beamten als in die Ausbildung von Arbeitslosen … trotz angeblichen Fachkräftemangels (siehe FAZ).

Doch es ist nicht der oben geschilderte Fall, der mich wieder auf die Dimensionen kapitalistischer Sozialpolitik zurückführte, sondern die Geschichte eines anderen arbeitslosen Menschen, der nicht genannt werden möchte, weil er wieder Arbeit hat: durch Glück und Zufall. Es ist die Geschichte eines Menschen, wie es sie infolge massiven Abbaus von Arbeitsplätzen in großer Menge gibt, die Methode ist immer die gleiche: erst wird man arbeitslos, weil die Firma dicht macht. Dann stellt man schnell fest, dass die Miete in der Wohnung, die man bisher bewohnt hat, zu hoch ist – die Schreiben der Ämter sprechen dann eine undeutliche, aber eindeutige Sprache: raus da. In einer Situation, in der man – gerade ab 40 – mehr Zeit braucht, einen neuen Job zu finden, reagiert der Staat mit Druck – man hat nur ein Jahr Zeit. Egal, wie viele Jahre man bislang gearbeitet hat, egal, wie viele Steuergelder man für Abgeordnete, Bürgermeister, Parteifunktionäre und Minister lassen musste: nach einem Jahr droht die soziale Hinrichtung. Anstatt Zeit für Neuorientierung – oder neuer Ausbildung – zu haben, läuft die Uhr: bei vormals Selbständigen noch schneller.

Was ich bislang nicht wusste, ist: die Räumung nach Berliner Modell wird inzwischen auch bei normalen Arbeitslosen angewendet – jenen Menschen hätte sie betroffen. „Räumung nach Berliner Modell“ hieße in diesem Fall: man darf von seinem privaten Besitz eine Tasche mitnehmen, der ganze Rest – in diesem konkreten Fall auch antike Möbel – wird in Namen des Pfandrechtes des Vermieters einbehalten: eine praktische Totalenteignung. Sicher – die ist juristisch nicht unproblematisch (siehe Anwalt.de) … aber organisieren Sie mal den Widerstand gegen diese Räumung von der Straße aus – im Winter.

Es ist ja nun nicht so, dass die Agenda 2010 gegen den sogenannten „Sozialhilfeadel“ vorgeht, wie oft gemeint: das erste Ziel dieser Agenda sind die Beschäftigten, die gerade hinsichtlich der Unterkunft, deren Kosten bei arbeitenden Menschen selten im „unteren Bereich“ anzusiedeln ist, ganz schnell aus dem Sattel geschossen werden können – und sich fortan auf einem unumkehrbaren Weg nach unten befinden: nicht wegen Faulheit, sondern wegen staatlicher Gewalt … die vielen Unternehmern und ihren Funktionseliten reichen Gewinn durch Senkung der Löhne (oder direkt durch „Ein-Euro-Jobs“) brachte. Da wir „unten“ aber kein unbegrenztes Reservoir an Wohnraum haben, kann man sich vorstellen, wo die Entwicklung endet: bei rasant steigenden Obdachlosenzahlen (siehe Focus). Obdachlosigkeit kann im Winter schnell tödlich enden – wie erst unlängst auf dem Ku´damm.

Verständlich … dass viele Menschen sich dieser Abwärtsspirale durch Selbstmord entziehen, der dem drohenden ewigen Elend ein schnelles Ende setzt. Eine dieser Tragödien ereignete sich erst kürzlich (siehe Ohauera):

„Wir wollen den Brief nicht im Original veröffentlichen, ist er doch zu persönlich und zu bewegend.

Claus (Name aus Respekt geändert) bedankt sich darin für unsere Freundschaft seit Kinderzeit. Er schrieb über die ein oder andere Erinnerung, die wir gemeinsam teilen.
Wieviel Spaß wir einmal hatten und wieviel Lebensqualität.
Wieviel Hoffnung, Träume und Zuversicht.

Doch all das Gute, all die Freundschaft wären nun seit geraumer Zeit für ihn wie ausgelöscht. Wie aus seinem Leben heraus operiert. Als ob man ihm sein Herz herausgerissen hat. Er lebe zwar aber es wäre alles so kalt in ihm. So tot.
Er schrieb von dem unermesslichen Druck, von den Repressalien, die er in den letzten zwei Jahren, nachdem er seinen Job verloren hatte, von der Ausgrenzung, vom Sozialmord an seiner Person, von Angst, Hunger und Schlaflosigkeit.
Von der Leere, von dem Gefühl, das er nur noch Dreck für die Gesellschaft wäre.
Er kann nicht mehr.
Nichts Gutes und kein Mensch könnte all das wieder zum Guten wenden, was man ihm angetan hat. Seine eigenen Leute. Sein eigenes Land, für das er Steuern gezahlt und immer fleißig gearbeitet hat. Arbeit verloren. Haus verloren. Frau weg. Kinder weg. Und nun, so empfindet er es, nimmt man ihm auch noch das letzte Fitzelchen Hoffnung, jemals wieder aus der Hartz vier Internierung heraus zu kommen.
“Was hab ich denen bloß getan? Was?”

Man hätte ihn unschuldig zum Tode verurteilt. Er hat, wie die meisten Bürger, sich nie etwas zu schulden kommen lassen und nur immer zugesehen, dass er seine Familie und sich über die Runden bringen kann.

Er verabschiedete sich in den anschließenden Zeilen in aller Freundschaft und Liebe von uns und bat uns den Rettungskräften den beiliegenden Schlüssel zu seiner Wohnung zu geben, damit sie ihn wegräumen können.“

Damit ist er einer von Millionen, die aus ihrer bürgerlichen Existenz mit Staatsgewalt herausgerissen werden – mit schönen Worten, schönem Schein, freundlichem Lächeln, als „Kunde“ hochgeschätzt … aber letztlich sozial vernichtet.

„Claus“ – ist übrigens gerettet worden. Von seinen Freunden. Hoffentlich … für länger.

„Mehr schon tot als lebend fanden wir ihn Samstag Nacht (06.02.2016, kurz nach 23.00 Uhr) in seiner Wohnung. Was für eine Scheiße. Was für ein Horror. Wir betraten seine Wohnung, fanden ihn bewusstlos unter Wodka und Schlafmittel im Badezimmer in der Wanne.“

Die Wurzel für dieses Übel wurde schon im Dritten Reich selbst gelegt – ich möchte nochmal daran erinnern:

„Hitler selbst prägte für diesen Jugendstil des Rüstungsministeriums das Wort von „Speers Kindergarten“. 6000 hochmotivierte Jungmanager, allesamt deutlich jünger als fünfzig, hatten am Ende für den Endsieg gearbeitet“

„Speers Buben“, wie die Riege der Dreißig- bis Vierzigjährigen genannt wurde, waren in erster Linie tüchtige Techniker und fähige Ingenieure. Nicht wenige von Ihnen hatten in den frühen dreißiger Jahren erlebt, was es heißt, arbeitslos zu sein. Sie waren loyale und oft überzeugte Nationalsozialisten“ … mit denen „die Personalgeschichte des Wirtschaftswunders der fünfziger Jahre“ begann.(siehe: Nina Grunenberg, Die Wundertäter – Netzwerke der deutschen Wirtschaft 1942 – 1966, Siedlerverlag 2006, Seite 28)

So konnten namhafte Wirtschaftsgrößen in der frühen Bundesrepublik in nahmhaften Konzernen (oder auch Gewerkschaften) den Geist des Reiches weitertragen  – unterstützt von der reichsdeutschen Professorenelite in Schule, Medizin und Gerichtswesen (siehe Bundeszentrale für politische Bildung):

„Gerade die personellen Kontinuitäten vom ‚Dritten Reich‘ zur Bundesrepublik waren ein wesentlicher Kritikpunkt der Studentenbewegung. Es herrschte der Eindruck vor, so Joschka Fischer rückblickend, „daß nahezu alle westdeutschen Eliten durchwebt waren von den Mitläufern und Mittätern des Adolf Hitler““ (siehe: Bundeszentrale für politische Bildung).

Ach ja – „Medizin“. Wer in diesem Zusammenhang die „Ärztezeitung“ liest, darf sich gruseln (siehe Ärztezeitung):

„Man könnte nun natürlich die ethische Prämisse anpassen und von der „dead-donor rule“ abweichen, was einige US-Ethikexperten auch fordern.

Dabei wäre der Tod für die Organentnahme keine Voraussetzung mehr. Der Hirntod könnte zwar weiterhin als Entnahmekriterium fungieren, es würden dann aber „Organe von Lebenden, wenngleich unausweichlich Sterbenden“ entnommen.“

Und wer zu den „unausweichlich Sterbenden“ in nicht mehr all zu ferner Zukunft alles gehören kann, darf man sich jetzt selber denken.

„Der Schoß ist noch fruchtbar, aus dem das kroch“ (Berthold Brecht, siehe Süddeutsche).

Der Satz von Adorno „Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.“ hatte schon mal eine Anzeige wegen Volksverhetzung zur Folge (siehe Gulli.com).

Vielleicht bekomme ich jetzt auch eine … doch ich fürchte sehr, welche Ausmaße die laufende Verrohung des Landes noch – oder mal wieder – annehmen kann.

Da ich der Verrohung aber auch selbst Rechnung tragen muss, hier noch ein wichtiger Hinweis für jene, die dank gymnasialer Verblödung völlig den Boden unter den Füßen verloren haben: der Zorn, die Wut, die Entrüstung darf sich nicht gegen Menschen richten, auch wenn man sie selbst für noch so schuldig hält. Viele Jobcentermitarbeiter machen einen ehrenvollen Job – für ihre Kunden. Viele Abgeordnete hatten hohe Ideale, bevor sie in die Maschinerie „Bundestag“ kamen. Gleiches gilt für viele Menschen in Wissenschaft und Wirtschaft, die auch in erster Linie nur ihre Familie ernähren wollen. Es ist ein Geist, der aufzuhalten ist – ein Ungeist aus alten Tagen. Um ihn aufzuhalten, reicht das Wort. Doch es muss überall hinausgetragen werden, bevor die Deformation der Demokratie zu weit fortgeschritten ist. Wird der Ungeist nicht aufgehalten, kann er sogar das professorale Gehirn vernebeln – und Fantasien von florierenden Organmärkten gebären, die sich aus der Not von Armen speisen.

 

 

 

 

 

Die böse Welt – der gute Mensch

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Freitag, 11.12.2015. Eifel. Wir werden heute mal über etwas anderes sprechen müssen, fort von den ständig übler werdenden Niederträchtigkeiten der Menschenwelt, fort von ihrem andauernden Vernichtungsfeldzug gegen die natürliche Welt, fort von der drohenden Vernichtung allen menschlichen Lebens auf diesem Planeten durch atomare Kriege, völligen Kollaps der lebenserhaltenden Natursysteme oder dem totalen Zusammenbruch des Welthandels und der Nahrungsmittelversorgung durch absolut unverantwortliche Spielereien mit Tauschmitteln, die diesen friedlichen Handel fördern und nicht ausbeuten sollen. Stattdessen werden wir uns einmal radikalen Perspektiven zuwenden, die für unser geistiges und seelisches Wohlbefinden einige Bedeutung haben.

Ich meine jetzt nicht die akademischen Spielereien mit willkürlichen Wertungen. Die sind intellektuell ganz spaßig, aber real völlig bedeutungslos, weil sie keine Bezugsrahmen haben. Ein Beispiel kennt jeder von Ihnen: das Glas ist halb voll – oder halb leer, je nach dem Auge des Betrachters. Der Spruch wirkt so gut, weil er twittertauglich ist, schnell über die Lippen kommt und die Verantwortung für den Zustand der gesammten Welt in das betrachtende Subjekt, das Individuum verlagert. Gehen wir über Twitterdimensionen hinaus, wird es schnell unruhig im Glas. Nehmen wir an, sie sind durstig, bräuchten ein Glas Wasser, um zu überleben – da bringt Ihnen das halbe Glas den sicheren Tod. Wasser trinken ist für uns absolut lebensnotwendig, noch schneller als bei Nahrungsmangel hören wir auf zu funktionieren: das volle Glas ist also absolutes Sicherheitsminimum, mit leeren Gläsern – und seien sie auch nur halb leer – können wir in Wirklichkeit nicht viel anfangen, ihr Nutzen ist generell mangelhaft. Wir haben – wollen wir weiterhin in der Welt die Kunst des Denkens üben – gar keine Freiheit, über den Gebrauch von Wasser zu entscheiden, ein halb leeres Glas ist IMMER ein Warnsignal für den ganzen Körper. Der Verstand weiß genau: ist auch der letzte Rest Wasser aus dem Glas – das schon jetzt beängstigend leer ist – wird es schnell unlustig … und lebensgefährlich, deshalb ist ihm ein volles Glas lieber.

Ja, wir werten hier auch – aber haben auch einen Bezugsrahmen: einen Körper, der hauptsächlich aus Wasser besteht und beständige Wasserzufuhr braucht. Das volle Glas ist gut, das leere Glas böse, das halbleere Glas befindet sich auf dem Weg zum Tode – sofern es nicht bald wieder jemand füllt.

Bitte bedenken Sie: Sprüche wie diese sollen uns in Ruhe wiegen und vor allem dazu erziehen, mit allem zufrieden zu sein, was man uns noch übrig läßt, ohne direkt danach zu fragen: „Hey, welcher Sack hat aus meinem Glas getrunken!?!“

Nehmen wir einen anderen Rahmen: die „Welt“.

Unsere modernste Weltdeutung ist: sie ist chaotisch und zufällig aus dem Urschlamm entstanden, kann aufgrund dieser wirren Grundbedingungen jederzeit völlig unberechenbar aus den Fugen geraten.

Merken Sie, dass was nicht stimmt?

Ersteres wird Ihnen jeder Naturwissenschaftler bestätigen. Doch die Konsequenz daraus … hören Sie so gut wie nie. Wir sind hier mitten in der religiöse Weltdeutung – obwohl wir noch gar nicht den Bereich der Religion berührt haben, wir sind mitten im „Glauben“ angelangt – der, wie wir wissen, nicht viel wissenschaftliches an sich hat. Diese chaotische und zufällig entstandene Welt kennen wir seit Jahrtausenden – in allen Religionen, auch in unserer christlich-jüdischen Weltdeutung. „Gottes Geist schwebte über den Wassern“ – so fängt unsere Welt an. Die Wasser – sind finster, wild, chaotisch, mit dem Leben nicht zu vereinbaren. Sie erinnern an Tiamat, die babylonische Salzwassergöttin und ihren schrecklichen Sohn Quingu, die mit ihrer Armee aus Dämonen die Menschheit vernichten wollte. Die Schöpfungsgeschichten der Menschheit ähneln sich da sehr – es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie man voneinander abgeschrieben hat. Die Bibel enthält viel, was in anderen Kulturkreisen Vorläufer hatte – zum Beispiel die Sintflutsage oder die zehn Gebote, die für unsere Rechtsprechung so wichtig sind und das chaotische Faustrecht abgelöst haben.

Die Wasser sind auch dämonisch, sie sind nicht wertneutral. Der Leviathan – ein finsterstes, riesiges Meeresungeheuer, das Luther (bewusst?) falsch als „Wal“ übersetzte – ist ein Überbleibsel jener Mächte, die Gott „bei der Schöpfung überging“, Mächte, die heutzutage jederzeit an den Grenzen der Schöpfung lauern und zum chaotischen, leeren Nichts zurückkehren wollen, einer lebenfeindlichen Existenz jenseits unserer Vorstellungskraft, atomare Wüsten kämen ihren Vorstellungen eines gelungenen Urlaubs schon etwas nahe (oder unsere „Agrarsteppen“) – doch wären selbst sie noch viel zu voll und geordnet.

Es ist eine faszinierende Perspektive, die unsere Naturwissenschaft dort auftut: obwohl sie sich antireligiös geben, mit vielen Geschenken kommen (früher mit Glasperlen, heute mit Kraftfahrzeugen, Zentralheizungen, Flachbildschirmen, Laptops und Smartphones), erfüllen sie aus dem Blickwinkel eines babylonischen Bürgers doch die Funktion von Priestern der gräßlichen Tiamat mit ihrer Armee von Ungeheuern, die die Welt vernichten wollen. Ist sicher nur ein Zufall, dass die Ungeheuer der „Wissenschaft“ ebenfalls gerade die Welt vernichten … bzw. WIR die Welt vernichten, weil die „Glasperlen“, mit denen man uns verführte, außerordentlich giftige Nebenwirkungen haben.

Andererseits … vermitteln sie jedoch jetzt den Eindruck, die Welt sei ein stabiler, für die Ewigkeit geschaffener Ort, ein Ort, perfekt dafür geschaffen, das für sich einzigartige und fehlerfrei auf den eigenen Leib zugeschnittene individuelle Shampoo käuflich zu erwerben (als ob Haare waschen der Gipfel des Lebenssinns wäre) – oder irre ich da? Also – ich habe die letzten Monate ein paar mal Werbung sehen können … jenen Ort, wo „Wissenschaft“ ihre Produkte an den Mann und die Frau bringt: die Welt die ich dort sehe ist durch und durch gut, ohne Mangel, ohne Leid, ohne Not, ohne Tod und Krankheit – nur strahlende Menschen in wunderschöner Natur, fernab aller Trübnisse – zu ihrem vollendeten Glück fehlt nur noch die Krönung: der richtige Joghurt, der passende Lippenstift und der politisch korrekte Blockbusterfilm, den „alle gucken müssen“.

Es gab eine Zeit, da habe ich diese Welt geglaubt. Ich war jung, gesund, erfolgreich, gern bereit zu glauben, dass die Welt ein wunderschöner Ort sei, nur für mein Wohlfühlen geschaffen – kein Wunder, wohne ja auch in der „Ersten Welt“ – dem Riesenpalast der Moderne. Dann begegnete ich im Rahmen der psychologischen Ausbildung in der Pharmaindustrie (nach langen Jahren im akademischen Elfenbeinturm, in dem es bei bester Versorgung kein echtes Leid gab) einem Mann, dessen Körper verkrüppelt war und der uns einige Grundlagen über Psychologie vermittelte. Er kam nebenbei auf diese Illusion einer „guten“ Welt zu sprechen, auf jene Religion der Fantasterei und Einbildung, die uns beständig einreden will, dass alles wunderbar ist … und es „Deutschland gut gehe“ (eine krasse Lüge angesichts der realen Wirtschaftsdaten – dazu ein andermal mehr) und wir nur noch eins zu tun haben: den richtigen Ort für unser Lieblingsurlaubsbild an der idealen Wand unseres überteuerten heimischen Konsumtempels zu finden. Wie kann eine Welt gut sein, so fragte er uns, in der kleine Kinder wie er von Kinderlähmung verkrüppelt werden, noch bevor sie die Chance hatten, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen?

Es ist eine alte Frage der Menschheit – allerdings keine ganz alte. Für die ältesten Kulturen war klar: die Welt ist ein finsterer, bösartiger, gemeiner Ort, der eine ganze Büchse der Pandora enthielt, aus der sich alle Übel der Welt ergossen: Tod, Krankheit und ARBEIT (darüber … werden wir noch gesondert reden müssen, wir können aber schon jetzt sagen, dass eine Kultur, in der Arbeit zum Inbegriff alles Guten und zur ersten Bürgerpflicht wurde, eine Kultur des Bösen ist – jedenfalls für die überwiegende Mehrheit der jemals lebenden Menschen, die diese Arbeit zur Belustigung und Bereicherung einiger weniger Banker und Politiker leisten mussten). Das Böse – kam von außen in die Welt, die vorher ein paradiesischer Ort war. Auch Buddhismus und Hinduismus kennen diese Sichtweise, ebenso die archaischeren Glaubensformen eher schamanistischer Ausprägungen. Erst die christlichen Theologen bekamen damit ein Problem – allerding lediglich ein Problem der theologischen Systematik: wie kann das Böse in einer Welt existieren, die von einem guten, gerechten, liebevollen Gott geschaffen und regiert wurde? Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig – und laufen auf diese Geschichte mit dem leeren oder vollen Glas heraus, die der Hinduismus mit der Antwort gerecht zu werden versucht, dass das Glas generell eine finstere Illusion ist, während der Buddhismus das Glas (bzw. den damit verbundenen Durst) als Schrecken gebietendes Hindernis auf dem Weg ins Nirvana betrachtet.

Wir aber: bleiben erstmal im Hier und Jetzt – und bei dem kleinen Menschen mit der Kinderlähmung, dessen Leid begann, noch bevor sein Bewusstsein reif genug war, jene Dummheiten zu begehen, die ihn an der Erlösung hinderten, wir bleiben bei jenen Menschen, die (nach Sartre) in die Welt geworfen wurden und sich darin zurecht finden müssen, fernab des Luxus einer theologischen Ausbildung und ihrer akademischen Feinheiten (über die tausend Bücher zu schreiben wären). Jenem Menschen zu sagen, die Welt sei gut, nur er habe etwas falsch gemacht, ist ebenfalls eine moderne Interpretation, die 18000 Kindern, die täglich an Hunger sterben (ein äußerst qualvoller Tod, wie jeder weiß, der schon mal wirklichen Hunger erlitten hat)(siehe Zeit) auch noch die volle Verantwortung für ihr Leid übertragen: sie haben wahrscheinlich falsch visioniert, falsch gefühlt, falsche Affirmationen gebildet, falsche Gebete falsch gesprochen, haben ein mangelndes Selbstwertgefühl gepflegt, haben es sich in der Opferrolle bequem gemacht oder haben einfach falsch gedacht: in Wirklicheit war ihr Glas ja halb voll. Nur aufgrund ihrer existentiellen Minderwertigkeit sind sie jetzt … tot.

Es ist eine große, weltweite (politische, philosophische, religiöse und wirtschaftliche) Bewegung, Kern des „Amerikanismus“ (den wir als solchen nicht kennen, aber „Antiamerikanismus“ kennen wir sehr gut): die Welt ist gut und perfekt, und wer nicht faul ist (oder sonstwie minderwertig wie das hungernde Kind) und fleißig arbeitet kommt ins Paradies der Konsumgötter, kann sich seinen irdenen Käfig mit edelsten Materialien schmücken … anstatt ihm zu entfliehen. Diese Kultur, dessen Leitspruch „The winner takes all“ aus Milliarden Menschen automatisch Verlierer macht – egal, wie fleißig sie für den zweiten, dritten und vierten Platz gearbeitet haben … oder für den letzten – legt alle Verantwortung für den Zustand der Welt bequemerweise in das Individuum, in … das Opfer, „Opfer sein“ wird als bewusst freiwillig gewählte Qualität minderwertigen Menschenmaterials (das falsch fühlt, falsch glaubt, falsch denkt – siehe oben) definiert.

Ich jedoch … denke an das kleine Kind mit der Kinderlähmung. Sicher: dieses Kind hatte es weit gebracht, konnte jedes Wochenende nach London fliegen um dort Saxophon zu spielen – doch lieber wäre es gesund gewesen, anstatt täglich aufs Neue mit den Qualen seiner Behinderung leben zu müssen.

Nun – Wertungen sind immer problematisch, darüber kann man mit Buddhisten und Hinduisten lange diskutieren – auch sie haben ihre Kasten, die ihre Privilegien durch unausgegorene Philosophien schützen müssen, weshalb sie leicht sagen können: „In Wirklichkeit gibt es nichts schlechtes“ (siehe Deutschlandradio):

Das Böse in der Welt ist Menschenwerk. Darin besteht Einigkeit zwischen einem Muslim, einem Hindu und einer Buddhistin. Sowohl Allah als auch „Brahman“, so nennen die Hindus das Göttliche, und auch der universelle Geist, von dem die Buddhisten sprechen, werden frei von aller Bosheit vorgestellt. Woher kommt dann aber der menschliche Hang zum Bösen?

Nun – für jene, für die das Böse kein Menschenwerk ist, ist das gar keine Frage – für die Katharer zum Beispiel, für die die Welt ein böser, misratener Ort war, regiert von einem finsteren Gott, der jene wilden Wasser befehligte über der der Geist des wahren Gottes schwebte und danach trachtete, den Menschen soviel Erleichterung wie möglich zu schaffen. Die Kirche rottet die Katharer aus (die Gründe sind vielfältig, einer ist rein logischer Natur: sie hatten einen zweiten, weniger mächtigen düsteren Gott neben dem Allmächtigen geschaffen) und damit jene, die einen wunden Punkt in der christliche Lehre herausgearbeitet hatten: auch Christus lebte in einer bösen Welt, in der finstere Dämonen Menschen krank machten und ein wild gewordener Satan alle Menschenreiche befehligte (doch: gehen Sie mal nicht in die Kirche und lesen Sie die Evangelien selbst – am besten in verschiedenen Übersetzungen – sie werden sich wundern, in welcher Welt sich der Sohn Gottes … mit großer Macht … bewegte).

Das Böse in der Welt ins Menschenwerk – ohne Weiteres. Das Gute – aber auch. Für den Reichen in seinem Palast ist es außerordentlich nützlich zu sagen: ihr könntet alle einen Palast haben, wenn ihr nur nicht so falsch und minderwertig währet. Der Arme arbeitet fortan nicht nur weniger murrend weiter für den Reichtum des Palastes, er arbeitet auch fleissig an sich selbst, womit er völlig aus dem Handeln kommt und nur noch um sich selbst kreist: noch so viel Denken beschert keine einzige Gurke zusätzlich. Doch schaut man den Armen an, so sehen wir erstaunliches: er ist wahrlich in der Lage, das Leid eines verletzten Tieres zu erkennen, es bei sich aufzunehmen, zu hegen und zu pflegen und nach der Genesung in die Freiheit zu entlassen. Selbst bei jenen Wesen, die ihn jagen und fressen könnten, kann er Mitleid und Mitgefühl walten lassen … ähnliches gibt es aber auch für Tiere (da gibt es Berichte von Wölfen, Affen und Delphinen, die sich um Menschen in Not kümmerten). Er ist in der Lage, sich „die Welt untertan zu machen“ und aktiv gegen das Leid, dass sie enthält, vorzugehen. Sicher – er kann von den bösen Mächten der Welt verführt werden (wollte man sogar mit dem Sohn Gottes selbst machen)… aber sich auch gegen die böse Welt stellen, weil in ihm auch Bilder einer besseren Welt existieren.

Was wäre das für ein Leben, in der wir die Welt als „böse“ definieren (ja: frecherweise machen wir absichtlich von unsere Soueränität in der Weltdeutung Gebrauch, einem Recht, das uns von Geburt an zusteht – wir brauchen hier keine Schützenhilfe von Theologen, Akademikern oder Priestern, noch brauchen wir irgendeine Legitimierung … könnten aber leicht auf Erfahrungen unserer Vorfahren verweisen, die erlebt  haben, wie „gut“ die Welt war, als das ewige Eis Europa verschlang-  was es in Zukunft wieder tun wird). Ja – sie mag chaotisch, sinnlos und widerwärtig sein, wie die Naturwissenschaft predigt: aber wir haben die Freiheit, die Kraft und die Macht, die unserem Geist entspringt, jenem außerweltlichem Guten, das einen Funken des wahren Gottes in uns darstellt, der … „über den Wassern“ schwebte, die heute die Bretter sind, die die Welt bedeuten.

Das Böse – dass sind Kälte, Hunger, Durst, feindliche Bakterien (Leben, das unser Körper jeden Tag ohne uns zu fragen mit tödlicher Gewalt bekämpft, um der Vernichtung zu entgehen), Viren (die nach unsere Definiton kein Leben sind und eher wie biologische Kampfstoffe des Altertums wirken) und Menschen, die (an sich nicht böse, sondern geistig und sozial schwach und deshalb leicht verführbar) dem finsteren Herrscher der Welt ehrfurchtsvoll als Priester und Handlanger dienen. Wären wir in unserer eingeschränkten Wohlstandsblasenrealität nicht so unendlich weit vom natürlichen Leben entfernt, würden wir auch noch wissen, dass Raubtiere ebenso furchtbar werden können (erst recht, wenn sie sich die wehrlosen Kinder als Beute erwählen) wie Pflanzenfresser, die – wenn es zu viele werden – ganze Landstriche in totes Ödland verwandeln können. Gilt auch für süße Kaninchen.

Was wäre das für ein Weltbild, dass aus dem Menschen ein ursprünglich gutes, edles, gerechtes und außerordentlich soziales Wesen macht, geschaffen, den feindlichen Mächten der Welt zu trotzen, ausgestattet mit unveräußerlichen Rechten, die der Große Geist ihm verliehen hat und die ihm kein Wesen dieser Welt gerechterweise nehmen kann. Sie wären alle Helden, die ein kräftiges Selbstbewusstsein entwickeln könnten – auch Brillenträger, die sich sonst endlos quälen müssen, wieso sie die Verantwortung für ihre schlechten Augen haben. Sozial – ist der Mensch auf jeden Fall. Wird oft vergessen – aber unsere eigentlichen Stärken sind nicht die kräftigen Klauen, die übermächtigen Beine, das stachelige Fell, die mächtigen Hörner oder das kräftige Gebiss, sondern die wunderbare Fähigkeit, sich mit anderen Menschen (und Tieren) verbünden zu können, um gemeinsam mit Ihnen aktiv und kraftvoll lebenswerten Raum in der wilden, wirren, bösen Welt zu erschaffen.

Entscheiden Sie also selbst, wie Sie sich sehen wollen: als missratenes Unwesen in einer perfekt von der Wissenschaft gestalteten Welt … oder als Pionier in einer lebensfeindlichen Umwelt, in der jede Abweichung des Körpers oder des Charakters nur eine Wirkung der bösartigen Welt ist. Überlegen Sie doch einfach, welches Weltbild ihr eigenes Wohlbefinden mehr fördert und der planetaren Lebensgemeinschaft (zu der auch Pflanzen gehören) den größten Nutzen bringt, welches Weltbild sie eher zur aktiven Umgestaltung ihrer (feindlichen) Umwelt bringt – und welches eher dem Frieden der Paläste dient. Diese Entscheidung … dürfen Sie selbst frei treffen – und sie wird Ihr gesamtes Wohlbefinden beeinflussen, ihre Handlungsmacht … und ihre politische Einstellung.

Darum stehen diese Worte in der Rubrik „Politik“ … denn diese erste Entscheidung bedingt alle folgenden.

Man muss aber erstmal an den Anfang der Entscheidungskette zurückgehen, was ich heute für Sie – so kurz wie nur irgend möglich – getan habe. Ob Sie mir folgen wollen – ist ihre freie Wahl. Wenn Sie sich als voll verantwortliches minderwertiges Wesen in einer an sich völlig verantwortungslosen perfekten Welt wohl fühlen, ist das Ihre Sache. Ich kann Ihnen nur sagen: in Wahrheit sind Sie für die meisten Erscheinungen der Welt in ihrem Leben nicht verantwortlich, dafür haben Sie viel zu wenig Macht – und jeder Gedanke, was sie bloß nur wieder falsch gemacht haben, weil ihre Firma ihren Arbeitsplatz wegrationalisiert hat oder Banker die gesamte Zivilgesellschaft betrügen und mit Hilfe der Politik ausplündern oder weil ihr Rücken schmerzt, es gerade heute regnet oder gerade Sie nie im Lotto gewinnen oder ihre Tochter gestern an Leukämie gestorben ist, ist vergeudete Lebenszeit.

Ich persönlich habe meine Entscheidung getroffen und kann sagen: ich fühle mich außerordentlich wohl damit, habe daraus eine wissenschaftlich attestierte „extrem soziale Einstellung“ entwickelt und kreise lieber um die Täter als um mich. Das ich arm, krank, einsam und sterblich bin (dem Fluch der fremdbestimmten Arbeit bin ich krankheitsbedingt ein wenig entkommen – dafür nimmt das Kreisen um die Täter, die Diener des Bösen, sehr viel Raum in meinem Leben ein, was auch Arbeit ist), ficht mich nicht weiter an noch kratzt es an meinem Selbstwertgefühl.

Ich selbst – bin schon völlig in Ordnung, wie die meisten (99 Prozent, um genau zu sein) meiner Mitmenschen auch, die nicht mehr wollen, als den Übeln der Welt zu entfliehen. Und gäbe es dieses „draußen“ nicht – ich wäre überglücklich, könnte meinen Seelenfrieden bis ans Ende meiner Tage genießen.

Doch da draußen … da stimmt was gewaltig nicht.

Und das ist auf keinen Fall Ihre Schuld – wäre jedenfalls meine Meinung.

Es ist die Welt als solche, an der es hakt. Aber gewaltig.

Der Arbeitsterror der Lumpenelite – ein Livebericht

Der Arbeitsterror der Lumpenelite - ein Livebericht

Montag, 14.10.2013. Eifel. Montag ist der häßlichste Tag der Woche, oder? Niemand mag Montag – jedenfalls, solange der Chef nicht in der Nähe ist. Kommt der herein, flötet man natürlich durchs Büro, wie unglaublich glücklich man ist, dass das häßliche Wochenende endlich vorbei ist – da habe ich doch Recht, oder? Eins meiner eindrucksvollsten Erlebnisse als schreibender Mensch war das Echo auf einen Artikel mit dem provokanten Titel „Arbeit ist Scheiße“ – da kamen in der Tat Arbeitslose und klagten darüber, dass dieser Artikel zu einer verstärkten Verfolgung von Arbeitslosen führen würde: die Wahrheit ist in Deutschland verboten – auch wenn jeder sie kennt und abends an der Theke leise und verstohlen ausspricht. Der Spiegel traut sich das aktuell  mal:

Hinterm Firmentor wohnt das Elend. Mitarbeiter ächzen unter Arbeitslasten. Sie schuften, bis der Arzt kommt, und der Arzt kommt oft: Die Burnout-Kliniken quellen über, sie sind zu den Seelen-Kläranlagen einer zum Himmel stinkenden Arbeitswelt geworden. Zwischen 2005 und 2011 haben sich die Krankheitstage wegen Burnout verelffacht, auf 2,7 Millionen. Jede dritte Frühverrentung hat psychische Gründe. Im Schnitt sind diese „Rentner“ 48 Jahre alt.

Da bürden die Firmen dem Sozialstaat enorme Lasten auf, gebärden sich wie parasitäre Schmarotzer – und niemand beschwert sich? Wir hatten doch gelernt, dass parasitäre Schmarotzer schlimm, pfui und böse sind – das Bundesarbeitsministerium hatte extra eine Broschüre dafür entwickelt, damit das auch jeder begreift. Wer so unverantwortlich mit Mitarbeitern umgeht und serienmäßig Frührentner produziert, belastet die Sozialkassen doppelt und dreifach – doch da schweigt die Bildzeitung?

Der ideale Mitarbeiter hat kein Leben mehr, nur noch ein Berufsleben. Wenn das Firmen-Handy klingelt, ist der Sex vorbei, der Urlaub gestorben. Zwölf-Stunden-Tage laufen unter „Einsatzfreude“. Jede E-Mail schreit nach sofortiger Antwort, auch nachts. Wer nicht schnell genug protestiert, wird von seinem Chef als Facebook-Freund zwangsadoptiert und bis ins private Fotoalbum verfolgt.

Das erinnert mich an meine eigene frühere Berufstätigkeit, die einen solch´ nachhaltigen Eindruck auf mich hatte, dass sie mich heute noch – viele Jahre später – in nahezu jedem Traum verfolgt. Bringt man gute Leistung, hält man sogar so lange durch, bis der Rücken bricht. Glücklich die, die jede Herausforderung gescheut und sich gezielt vor jeder Arbeit gedrückt haben, die lieber anderen die Lösung von Problemen überließen und Arbeitslosigkeit als Kururlaub genossen: die sind heute gesund, während ich nicht weiß, wie ich über den Tag kommen soll.

Darum hasse ich auch Handys und Laptops. Bin einer der letzten lebenden Zeugen, wie dieses Giftzeug in den Arbeitsalltag eingedrungen ist und fortan jeden Feierabend unmöglich machte. Da hilft es auch nichts, wenn man viel Geld verdient – ohne Leben hat der Mammon keinen Wert. Das ganze Arbeitsleben wurde einfach mal sprachlich umdefiniert – ein genialer Trick:

Doch wer der süßen Melodie hinters Firmentor folgt, stolpert in eine Arbeitshölle, wie sie die Welt seit dem Frühkapitalismus nicht mehr gesehen hat. Die Firmen flöten, „du bist selbst für deinen Erfolg verantwortlich“, gemeint ist: „Der Misserfolg kostet dich den Kopf!“ Die Firmen flöten, „du kannst deine Arbeit frei einteilen“, gemeint ist: „Mach bloß nicht Feierabend, bevor alles fertig ist.“ Die Firmen flöten, „du kannst alles bei uns erreichen“, gemeint ist: „Wenn du auf der Strecke bleibst, liegt es nur an dir!“

ARBEIT IST FREUDE – so die neue Version von ARBEIT MACHT FREI. Wer diese überwältigende Freude nicht empfindet, ja, wer gar Anzeichen von Schwäche zeigt, kriegt ganz schnell den Begriff „Minderleister“, sein Alltag wird von Privatdetektiven begleitet (ja, dafür ist Geld da) die für einen kleinen Aufpreis einen Spesenbetrug bescheinigen, von dem der Minderleister selbst dann ganz überrascht ist … da hilft jedoch kein Gericht mehr, „das Verhältnis ist zerrüttet“ – und ein Exempel statuiert.

„ARBEIT IST FREUDE“ ist nun nicht vom Himmel gefallen – nur: in einer Zeit, in der Medien und Regierung Denkverbote aussprechen („Verschwörungstheorien!!!“) darf darüber nicht mehr offen geredet werden – außer hier. Ich tue es mal trotzdem, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass dieses System krank macht – und ich war dabei, als es krank wurde.

Die große Invasion begann Anfang der neunziger Jahre. Eine ganz neue Branche hatte sich konstatiert: die Unternehmensberater. Der Autor dieser Zeilen hatte selbst eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei ihnen. Ich hatte zwar von Wirtschaft keine Ahnung, aber ein „sehr gut“ auf dem Universitätszeugnis: das reicht. Drei Jahre wollte man mich international ausbilden – jeweils eins davon in Japan und den USA – und dann hätte ich richtig dick abräumen sollen als „international erfahrender Profi“. Ich konnte nur gerade nicht, hatte zwei süße kleine Kinder – außerdem hatte ich das Prinzip schnell erkannt: man wollte mich als Kasperle aufbauen, als Spitze der Leistungselite.

Niemals hätte ich in den drei Jahren genug Erfahrungen gesammelt, die ein Wirtschaftsstudium und zehn Jahre betriebliche Praxis ersetzen konnten, um Unternehmen einen echten Gewinn bieten zu können – doch darum ging es ja auch gar nicht.

Es ging um etwas, dass alle Kriterien einer Verschwörungstheorie erfüllte, aber direkt neben dem eigenen Arbeitsplatz ablief – mit Folgen, die der oben zitierte Martin Wehrle eindrucksvoll beschreit. Es ging um den Umbau der ganzen deutschen Gesellschaft, zentral gesteuert von einer kleinen Gruppe von „Entscheidern“, angekündigt auf Geschäftsleiterfortbildungen, durchgeführt von einer ganzen Armee fleißiger Unternehmensberater.

Was der Arbeitnehmer davon mitbekam? Nun – auf einmal gab es „Lean Management“ (man sparte in der Führungsebene) und „Share Holder Value“ – Marktanteile, Firmenergebnisse und gesellschaftlicher Mehrwert des Unternehmens waren egal, nur noch die Rendite der Anteilseigner zählte. Die Qualität der Arbeit, die Qualität der Ware, umweltschonende Produktion und Vertrieb, Mitarbeiterrechte – alles egal. Es war entschieden worden, die ganze Gesellschaft umzubauen – und dafür waren diese „Unternehmensberater“ unterwegs.

Man sollte nun meinen, dass die deutsche Gesellschaft auf diesen Umstand aufmerksam geworden wäre – doch was liest man derzeit im Spiegel?

KarriereSPIEGEL: Sie haben dann bei einer bekannten Unternehmensberatung gearbeitet. Sie schreiben in Ihrem Buch, dass in der Branche Berater mit einem Praktikum bei Bertelsmann schon als Medienexperten verkauft werden. Wie viel Bluff gehört zum Beraterdasein?

Herles: Jede Menge. Das ist aber so gewollt. Man verkauft die Perspektive des Außenstehenden, will aber gleichzeitig Industrieexperte sein. Schwierig in einer Branche, in der die meisten Menschen unter 35 sind. Woher sollen die Industrieerfahrung haben? Aber die Geblufften lassen sich zu gerne bluffen. Denn durch die Berater können sie ihre eigenen Hände in Unschuld waschen.

Alles nur ein großer Bluff. Alle wissen es. Alle leiden darunter – besonders die, die Aufgrund der eifrigen Wühlarbeit von Unternehmensberatern arbeitslos geworden sind. Ja – das musste nebenbei noch installiert werden, damit der ganz große Coup gegen die Lebensqualität in Deutschland gelang: man brauchte eine repressive Sozialpolitik, der Staat musste mit aller staatlichen Gewalt ins Arbeitsleben eingreifen, man brauchte am Ende der Nahrungskette einen Reißwolf. Wir kennen ihn als „Hartz IV“ – so etwas als Unternehmensberater in der Politik zu installieren ist kein Problem, wenn man nur genug Politiker findet, die 30 000 -Euro-Anzüge geil finden.

Der geheime Trick des Erfolges ist allen bekannt: am Ende der Beratung sollten schon ein paar Köpfe rollen. Das treibt den Aktienkurs nach oben (immer!), das bringt einen sofortigen Anstieg des „Share Holder Value“ und macht den übrig gebliebenen Mitarbeitern klar, wo der Hammer hängt. Gehaltserhöhungen, Betriebsrat, gesundheitsschonende Arbeitszeit: ein Luxus, den sich keiner mehr leisten kann – und keiner mehr zu fordern traut. Dafür macht man gerne die Arbeit von drei Kollegen mit, bereit, den nächsten Coup der Branche zu ertragen: den Verzicht auf Schlaf.

KarriereSPIEGEL: Wie viele Nächte können Sie durcharbeiten?

Herles: Sogenannte Allnighter sind in der Branche tatsächlich durchaus üblich. Ich persönlich habe nie wirklich durchgearbeitet, aber oft nur sehr kurz geschlafen.

Völlig verrückt? Leider nein. Habe selbst erleben dürfen, wie sich „Führungskräfte“ der Pharmaindustrie mit Personalverantwortung damit brüsteten, dass sie kaum Schlaf brauchten – und sich gegenseitig unterboten, bis sie nahe Null waren. Da erfolgreiche „Manager“ keinen Schlaf brauchen, hatten wir schnell die 120- Stunden-Woche: weil ARBEIT FREUDE MACHT, hat sich auf keiner getraut, zu meckern. Das der Verein eine enorm hohe Unfallrate im Straßenverkehr hatte und regelmäßig 5-er BMW´s zerlegte, war nie ein Thema: das geschieht eben, wenn die Elite unterwegs ist … wo gehobelt wird, da fallen Späne, auf die man dann noch stolz ist.

Eine Elite von Idioten, die aber dafür außerordentlich gut bezahlt werden – dafür, neue Werte vorzuleben und in die Gesellschaft zu tragen.

Was man schnell vergisst: das Geld für diese Idioten fällt nicht als Geschenk vom Himmel, das wird von „Entscheidern“ angewiesen, die sich gut überlegen, warum sie was wohin schicken. Es ist nicht der liebe Gott, der „Entscheider“ oder die „Leistungselite“ reich macht, sondern eine Hand voll Leute, die Preise festsetzen – auch die Preise für „Manager“.  Es war eine politische Entscheidung auf höchster wirtschaftlicher Ebene, die die Gehälter für die Lumpenelite in perverse Höhen getrieben haben und auch ihre Handlanger mit enormen materiellen Vorzügen ausstatteten, so dass wirklich jeder normale Arbeiter sehen konnte: hier kommen die neuen Könige.

Das war bewusst so installiert worden – und bezahlt von jenen Gewinnen, die dem Steuerzahler durch überhöhte Preise, Steuerhinterziehung, Betrug oder dem Vertrieb minderwertiger Ware aus der Tasche gezogen wurden.

Ganz Deutschland wurde zu einem Arbeitslager, in dem die Demokratie einen leisen Tod starb – aber wehe man erzählte davon.

Man braucht auch gar nicht davon zu erzählen. Stellen Sie sich einfach mal heute morgen an eine Ampel und schauen sie sich die Gesichter der Leute an, bevor sie ihr Pokerface für den Controller aufsetzen: dort sieht man ehrlicher, wie viel Freude Arbeit macht.

Sie kennen die Wahrheit, auch wenn es verpönt ist, darüber zu sprechen. Hören wir noch einmal Martin Wehrle dazu:

Frei ist sie tatsächlich, die moderne Arbeitswelt, aber nur frei von Berechenbarkeit: Wer jahrzehntelang beste Arbeit leistet, kann über Nacht für die Rendite rausgekegelt werden; frei von Gerechtigkeit ist sie: Die Reallöhne der Mitarbeiter sind zwischen 2000 und 2012 um 1,8 Prozent gesunken, während die Unternehmensgewinne durch die Decke schießen; und frei ist sie von einer Abgrenzung zum Privatleben: Der Feierabend ist kein Schlusspfiff mehr, nur noch Auftakt zur Verlängerung.

Gesunde Menschen gehen rein in die Firmen, und kranke kommen raus. Die Fließbänder der schönen neuen Arbeitswelt produzieren Volksleiden wie Bluthochdruck, ADHS und Burnout.

Und wer zahlt die Zeche dafür?

Die Leute, die sich heute morgen aus dem Bett gequält haben, um ab 9 überglücklich im Büro zu sitzen, voller Freude darüber, einen weiteren Tag 0hne Hartz IV erleben zu dürfen.

Wissen Sie, wie man das System beschreiben könnte?

„Vernichtung durch Arbeit“. Ein Prinzip, dass der deutschen Elite schon früher großen Spaß bereitet hat.

 

 

Arbeit macht nicht frei – Arbeit macht arm und krank….und tot. Über Sklaverei in Deutschland.

Freitag, 22.2.2013. Eifel. Vor ein paar Monaten hatte ich mal einen mutigen Artikel geschrieben: Arbeit ist Scheiße hies er und war trotz der deftigen Überschrift in feinem Ton gehalten. Es kam, wie es zu erwarten war - ich wurde gescholten. Ein denkwürdiger Moment. Eine "Universaldiletantin" trat auf und kritisierte die Majestätsbeleidigung:

Traurig
Das Erwachsenen gut gebildeten Menschen nix besseres einfällt, als sich in die soziale Hängematte zu legen. Das ist schön einfach, das kostet keine Mühe. Mal abgesehen davon, das solche Artikel anderen Arbeitslosen, das Leben zur Hölle machen.

Freitag, 22.2.2013. Eifel. Vor ein paar Monaten hatte ich mal einen mutigen Artikel geschrieben: Arbeit ist Scheiße hies er und war trotz der deftigen Überschrift in feinem Ton gehalten. Es kam, wie es zu erwarten war – ich wurde gescholten. Ein denkwürdiger Moment. Eine „Universaldilettantin“ trat auf und kritisierte die Majestätsbeleidigung:

Traurig
Das Erwachsenen gut gebildeten Menschen nix besseres einfällt, als sich in die soziale Hängematte zu legen. Das ist schön einfach, das kostet keine Mühe. Mal abgesehen davon, das solche Artikel anderen Arbeitslosen, das Leben zur Hölle machen.

Die Schreibfehler in dem Zitat habe ich korrigiert, Kommafehler nicht. Offenbar hatte die Dilettantin auch den Artikel nicht gelesen – aber das stört ja manche nicht dabei, ihre Meinung abzugeben. Ich für meinen Teil fand es auf jeden Fall einmal wichtig, darauf hinzuweisen, warum ARBEIT eigentlich BEZAHLT gehört – der Zusammenhang ist nämlich immer mehr Menschen unklar, die für Ein-Euro-Jobs oder im Rahmen von Praktika faktisch umsonst arbeiten.

Gut: zu ein Euro-Jobs zwingt einen die Staatsgewalt unter Androhung von Obdachlosigkeit, Hunger- und Kältetod. Wird in Deutschland selten besprochen, das halten wir wie die Sache mit den Juden: wir vergasen sie, aber wir reden nicht darüber – und wissen auch von nichts.

Der Spiegel weist aktuell auf eine Studie hin, die die unglaublich lebensverlängernde Wirkung der Nichtraucherei belegt: neun Jahre länger kann man dann leben. Einer der Kommentatoren zu dem Artikel (Nr. 8: Sozial_Distortion) weist auf die Nebenwirkung der lebensverlängernden Maßnahme hin, die die Mehrheit der Deutschen im Alter erwartet:

Neun Jahre, oder sogar noch länger mit mickriger Rente in einer kalten Bude gerade mal so überleben, oder in einem Altenheim für maximales Geld bei minimaler Versorgung wund gelegen dahinvegetieren. Was für schöne Aussichten für das Gros der zukünftigen „ich habe immer gesund gelebt“ – Rentner.

Noch eine Realität, über die wir nicht sprechen, obwohl sie alle ereilen wird. Eigentlich arbeiten wir wie die Blöden, um der Altersarmut zu entkommen – jener Altersarmut, die für die meisten von uns jetzt schon sicher ist – in Folge der Turbulenzen, die sich durch die von unseren Politikern auf breiter Front bejubelte Freihandelszone mit den USA ergeben werden, werden es noch deutlich mehr werden. Es war schon immer ein Ziel der Menschen, sich durch Arbeit in jungen Jahren einen gewissen Wohlstand zu erarbeiten, damit man im Alter nicht mehr so rackern muss. Früher ging das auch noch – selbst zu Zeiten der Industrialisierung.

Auto, Haus, Urlaubsreisen – all das konnte sich der kleine Mann leisten, weshalb er so begeistert vom Kapitalismus war … auch dann, wenn er im real existierenden Sozialismus lebte.  Oder erst recht dann. Heute ist das anders: seit dreizehn Jahren hat es real keine Lohnerhöhungen mehr gegeben – nur ein paar Plazebos zur Beruhigung der Nerven zwischendurch, die gab es, siehe Badische Zeitung:

Die Beschäftigten in Deutschland verdienen also nach Abzug der Inflationsrate heute weniger als vor dreizehn Jahren, sogar weniger als vor 20 Jahren. Denn schon 1992 lagen die Löhne – immer nach Abzug der Preissteigerung – höher als heute.

Der Lebensstandard sinkt unaufhörlich … dabei rackern wir uns ordentlich ab, siehe Bayrischer Rundfunk:

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich in der Arbeitswelt der Menschen drastische Veränderungen ergeben. Früher war es üblich, von der Ausbildung bis zum Ruhestand beim selben Arbeitgeber sein Auskommen zu verdienen. Außerdem ist die Arbeitsmenge kontinuierlich angewachsen, denn die Aufgaben, die der einzelne zu bewältigen hat, werden mehr, während sich der dafür zur Verfügung stehende Zeitraum verkürzt. Für ein hohes Maß an permanenter Anspannung sorgt heute bei vielen schon allein die Angst um den Job. 

Selbst wenn wir krank sind, gehen wir arbeiten – und jeder kennt den Grund dafür:

Die niedrige Zahl der Fehlzeiten im deutschen Arbeitsleben ist auch Ausdruck einer ständig wachsenden Angst um den Job. Diese führt in vielen Fällen dazu, dass man auch dann im Büro erscheint, wenn man gesundheitlich nicht dazu in der Lage wäre.

Wir gehen arbeiten, weil wir Angst haben. Das muss man sich mal genau überlegen: wir gehen nicht mehr arbeiten, weil wir unseren Lebensstandard verbessern wollen (was bei den Löhnen sowieso ein schlechter Witz wäre), wir gehen nicht mehr arbeiten, um unsere Zukunft abzusichern (die sowieso schon verloren ist), wir gehen arbeiten, weil wir Angst haben.

Wie Sklaven, die sind ähnlich motiviert.

Sklaven dürfen sich auch nicht über die Unerträglichkeit ihrer Situation unterhalten. Besser sie loben die Verhältnisse über den grünen Klee, damit die Meister auch hochzufrieden mit ihnen sind – das war schon im alten Rom so. Und bloß nicht darüber beschweren, das Sklaverei eigentlich verboten gehört – das führt dazu, das den vielen Sklaven, die noch auf dem Marktplatz des Jobcenters herumlungern, „das Leben zur Hölle gemacht wird“.

Darüber, das auch den arbeitenden Menschen das Leben zur Hölle gemacht wird, wird ebenfalls nicht geredet. Demokratie endet am Werkstor – immer öfter. Stört uns das? Und hinter den Mauern der Arbeitgeber macht Arbeit wieder nur noch krank – und mal wieder nicht frei, wie versprochen, siehe Handelsblatt:

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat eine umfangreiche Untersuchung zur Arbeitsbelastung und ihren Auswirkungen vorgelegt. 17.000 Befragungen geben ein umfangreiches Bild. Für 43 Prozent der deutschen Arbeitnehmer hat der Stress bei der Arbeit demnach in den vergangenen zwei Jahren zugenommen.

Noch ein paar Daten zur „Arbeit“? Bitte schön:

Die Mittagspause ist bei vielen schon lange nicht mehr die Regel: Jeder Vierte (26 Prozent) gibt an die Pause ausfallen zu lassen.

Wozu muss man auch Essen, wenn man ARBEIT hat?

Jeder zweite Arbeitnehmer hat Rückenprobleme, jeder dritte klagt über Kopfschmerzen, jeder vierte hat Schlafstörungen, jeder fünfte fühlt sich körperlich oder emotional erschöpft. Als arbeitgeberfreundliches Magazin unterlegt das Handelsblatt die Ergebnisse mit entsprechend manipulativen humorvollen Bildern, so dass gleich klar wird: wir wollen das nicht ernst nehmen.

Dabei sind die Zusammenhänge bekannt. Schon vor neun Jahren warnte die Welt vor den Folgen der „Arbeitsverdichtung“ und erwähnt nebenbei, das in Japan jedes Jahr ZEHNTAUSEND TOTE in Folge dieser Überlastung zu beklagen sind. In Deutschland werden solche Studien erst gar nicht durchgeführt: unser Arbeitsethos darf nicht leiden, unsere heilige Kuh nicht angerührt werden  – auch dann nicht, wenn sie Leben vernichtet.

Das Arbeitsverdichtung keine natürliche Ursache ist, sondern gezielt von Unternehmensberatern im Sinne des Share Holder Value in die Welt getragen wurde, wird dabei gerne übersehen.

Ja – auf einmal sind wir in der Welt des großen Geldes, die es sich erlaubt hat, durch gut verdienende Unternehmensberater erfolgreich in die Arbeitswelt hinein zu regieren. Nicht mehr die Qualität der Produkte ist Sinn des unternehmerischen Handelns, sondern nur noch der Gewinn der Investoren. Die sehen natürlich außerordentlich ungern, das Arbeiter Pausen machen, krank sind oder bezahlt werden – und die Politik hilft ihnen in großem Umfang dabei, ihre Interessen durchzusetzen.

Moment aber: wird denn gar nicht mehr bezahlt?

Natürlich nicht. Es gibt noch ein paar Dinge mit denen man Geld machen kann. Auto fahren, zum Beispiel. Je schneller man fährt, je mehr man sich und andere gefährdet und die Umwelt sinnlos ruiniert, umso mehr Geld bekommt man: Schumacher – 25 Millionen, Vettel – 18 Millionen, Rosberg – 14 Millionen – jedes Jahr. Fußball spielen wird auch reich belohnt: Lahm – 9 Millionen, Schweinsteiger – 9 Millionen, Neuer – 8 Millionen, Ballack – 7,5 Millionen (siehe wofam.de).

Wo kommt das Geld her?

Nun – letztlich von uns, die wir für Arbeit nichts mehr bekommen. Die leben ein Leben in Saus und Braus, während wir uns krank malochen und unser Lebensende hungernd und frierend im Dunkeln verbringen.

Cool, oder?

Für das, was ein Schuhmacher für ein Jahr Auto fahren bekommt, müsste ein Durschnittsverdiener in Deutschland über SIEBENHUNDERT JAHRE arbeiten. Warum werden wir eigentlich nicht alle Rennfahrer? Ach ja, ich vergaß: für Normalbürger gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Besser noch wird es, wenn wir uns der Quelle des Geldwesens zuwenden: den Banken. Dort kann man sogar 80 Millionen Euro verdienen – siehe Spiegel:

Der Franzose Christian Bittar soll laut „Stern“ für das Jahr 2008 Bonuszahlungen in Höhe von 80 Millionen Euro genehmigt bekommen haben.

Brisant ist der hohe Bonus vor allem wegen Bittars mutmaßlicher Verwicklung in den Skandal um manipulierte Referenzzinssätze wie den Libor oder den Euribor.

Bittar konnte so viel verdienen, weil sein Arbeitsvertrag ihm einen prozentualen Anteil an den Gewinnen versprach, die er für die Bank erwirtschaftete – und zwar unbegrenzt, ohne Deckelung. 2008 machte er offenbar das Geschäft seines Lebens. Damals hatte er darauf gesetzt, dass sich die Differenz zwischen den Referenzzinssätzen verschiedener Laufzeiten vergrößern würde. Die Wette ging auf. Im Gesamtjahr verdiente die Bank mit den Zins-Geschäften laut „Wall Street Journal“ damals rund 500 Millionen Euro.

Mit Wetten auf manipulierte Referenzzinssätze kann man offenbar gut verdienen. 2285 Jahre müsste der deutsche Durchschnittsarbeiter dafür arbeiten – das ist selbst mit großzügig nach hinten verlegtem Renteneintrittsalter nicht mehr zu schaffen.

Besser kann das nur noch George Soros. Der hat jetzt gegen den Yen gewettet und eine Milliarde Dollar verdient – völlig ohne Risiko, siehe Nachrichten-t-online:

Soros‘ Firma und andere Hedge-Fonds-Manager gingen beim Yen short, das heißt, sie verkauften die Währung, ohne sie zu besitzen, in der Hoffnung, sich günstiger mit der Währung eindecken zu können, wenn das entsprechende Options-Papier fällig wird. Diese Strategie schien zumindest seit November 2012 einigermaßen risikoarm gewesen zu sein, denn Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe hatte bereits vor seiner Wahl im Dezember seine Abwertungsstrategie propagiert.

Wieviel Jahre unser deutscher Arbeitnehmer sich im Büro dafür krank schuften muss, möchte ich gar nicht mehr ausrechnen. Toll ist: man kann inzwischen eine Milliarde Dollar machen, ohne die Ware, mit der man handelt, überhaupt zu besitzen! Und das finden alle völlig ok. Andererseits führt die Arbeitsverdichtung zwecks Deckung dieser Traumgewinne zur effektiven Vernichtung menschlicher Gesundheit, menschlichen Wohlstandes und konkret sogar zur Vernichtung von Menschenleben – das stört niemanden.

Es gibt wenige Stimmen aus der Wirtschaft, die dazu passende Kommentare abgeben, wie hier der Unctad Chefökonom Flaßbeck in Capital:

Die Hoffnung, durch Finanzanlagen schnell reich zu werden, muss zerstört werden. Denn sie führt immer wieder zu neuen Krisen, die unendlich teuer sind. Die Menschen müssen irgendwann wieder begreifen, dass man durch Finanzanlagen nicht automatisch reich wird. Man muss arbeiten. Es gab einmal eine Zeit, in der für junge, intelligente Leute klar war: Über etwas Praktisches, Wirkliches oder Technisches kann man reich werden. Aber nicht über Finanz­anlagen.

„Man muss arbeiten“ – das ist dem Chefökonom klar. Anderen ist klar, das es auch reicht, wenn andere für einen arbeiten: dann kann man selbst Einkommen in Höhe einer zweitausendjährigen Arbeitsleistung erzielen, ohne dafür auch nur einen Finger krumm zu machen.

Römische Imperatoren haben das genauso gesehen – und Rom geschah das gleiche, was uns droht, der komplette Untergang:

Obwohl Volkswirte schlechte Anleger sind, denn sie schauen viel zu weit voraus. Wenn man das System einmal halbwegs verstanden hat, dann weiß man: Es muss irgendwann crashen. Ein Banker würde mir wahrscheinlich zu Aktien raten, aber ich glaube, der nächste Crash kommt bald.

Und wer darf dann wieder die Zeche zahlen? Wissen wir doch genau.

Es gab einmal eine Zeit, in der für junge, intelligente Leute klar war: Über etwas Praktisches, Wirkliches oder Technisches kann man reich werden.

Was Flaßbeck damit sagen will: diese Zeit ist vorbei. Heute demonstrieren Leistungsträger jeden Tag in aller Öffentlichkeit auf allen Kanälen, das man mit Arbeit nicht reich wird, sondern arm – und krank. Reich wird man, wenn man zur Unterhaltung der Reichen Fussball spielt, Auto fährt, wie Günter Jauch den dummen Bürger vorführt, Zinssätze manipuliert oder mit Währungen handelt, die man gar nicht besitzt.

Das kann man als normaler Mensch gar nicht mehr verstehen – wir kommen ja auch ins Gefängnis, wenn wir Autos verkaufen, die wir nicht haben.

Man stelle sich nur mal vor, wie das Leben eines Michael Schuhmacher verlaufen wäre, wenn der Arbeiten gegangen wäre? Oder das von Christian Bittar – oder George Soros? Die hätten noch viele Jahrtausende Arbeit vor sich, um das zu verdienen, was sie jetzt bekommen haben.

Und da kann man doch sehen, das erwachsenen, gut gebildeten Menschen doch noch etwas anderes einfällt, als sich in die soziale Hängematte zu legen: durch Lug und Trug Milliarden machen, die allen anderen dann in der Tasche fehlen.

Wie bitte – soviel Geld ist das gar nicht?

Das sind über ZWEI BILLIONEN EURO – allein für Deutschland. Das ist das Vermögen der stetig wachsenden Millionärskaste in Deutschland (und es entspricht vollumfänglich der deutschen Staatsverschuldung) – und da ist garantiert keiner dabei, der es durch den klassischen sozialversicherungspflichtigen Job zu Reichtum gebracht hat – ausgenommen vielleicht ein paar von denen, die auf Kosten der Arbeitslosenversicherung  leben, siehe Focus:

An der Spitze will Weise handverlesene Leute sehen, die Erfahrungen im Ausland und in der Wirtschaft haben. Insgesamt 20 Millionen Euro zahlt die BA ihren außertariflich vergüteten Leistungsträgern („AT-Beschäftigte“) pro Jahr – von ihnen gibt es 240. Spitzenverdiener unter ihnen ist mit gut 200 000 Euro im Jahr der Herr über das weit verzweigte Datennetz der Behörde, Klaus Vitt, ein Profi mit jahrelanger Telekom-Erfahrung.

Fünf Jahre gut von den Versicherungsgeldern der Arbeiter gelebt – schon hat man seine erste Million. Weise selbst muss laut Gehaltsreport nur vier Jahre für seine erste Million arbeiten. Dafür werden dann Arbeitslosen die Leistungen gekürzt, für die sie vorher fleißig und großzügig in den Versicherungstopf einbezahlt haben, aus dem Frank Weise so großzügig schöpft und damit mehr verdient als die deutsche Bundeskanzlerin (siehe Wiwo), während seine Versicherungsnehmer aus lauter Not in Scharen in eine unsichere Selbstständigkeit abwandern: die Zahl der Solounternehmer ist in den letzten Jahren um 40 % gestiegen, siehe Spiegel, ein Drittel von ihnen lebt im Niedriglohnbereich – mit entsprechenden Rentenaussichten.

Jetzt verstehen wir aber, warum die Arbeitszwangbehörde ihren Bütteln so gute Löhne zahlt (aufgrund derer die Arbeitslosen so wenig Geld haben): die Botschaft, das Arbeitsverweigerung mit Hunger, Kälte und Obdachlosigkeit bestraft wird, muss mit Nachdruck unters Volk gebracht werden – denn das Volk weiß schon längst, das Arbeit arm und krank macht.

Nur ein paar Dilettanten glauben noch daran, das Arbeit frei macht – aber das war 1933-1945 auch schon ein falsches Versprechen.

Was wir tun müssen, ergibt sich natürlich aus der Sachlage: das Geld muss aus den Händen der Betrüger, Abzocker, Spesenritter, Behördengreifer und Spaßapostel wieder in die Hände jener, die echte Arbeit machen: eine Verdoppelung der Gehälter bei radikaler Kürzung der Arbeitszeit scheint angemessen – dann haben wir auch kein Problem mehr mit der Arbeitslosigkeit oder den „faulen Säcken“ in den sozialen Hängematten: wenn sich Arbeit wieder lohnt, wird man sich wundern, wie schnell die angeblich „Faulen“ auf einmal werden können.

Geld ist genug da. Zur Not können wir ja auch Yen verkaufen, die wir nicht haben – wir als Staat haben deutlich mehr Investmentkapital als George Soros, der nur mit seinem Familienvermögen von 15 Milliarden spekuliert.  Dann könnten wir vielleicht alle den alten Menschheitstraum der griechischen Philosophie leben, siehe Spiegel:

Für die griechischen Philosophen sind die Aufgaben, für die der Mensch „gemacht“ ist: Kontemplation, Wissenschaft, Politik. Oder anders: Nachdenken und philosophische Abhandlungen veröffentlichen. Der freie Mann besitzt große Ländereien, auf denen Tagelöhner und Sklaven die Arbeit verrichten.

Und wir haben heute Maschinen, die diese Arbeit verrichten. Nur deren Gewinn … wird anders verteilt. Schade auch, denn sonst könnte heute … jeder ein FREIER MANN sein – nicht nur die mit einem Mindestbarvermögen von einer Million Euro.

 

 

 

In den Fängen der Pharmalobby

klingt gruselig, ist es auch…

Bis in die 70er Jahre stellte die Pharmaindustrie Medikamente her, um Krankheiten zu heilen. Seitdem steht sie – zumindest teilweise – im Verdacht, dass sie auch Krankheiten schafft, um Medikamente zu verkaufen.

Eine Arte Dokumentation:

Deutschland, das Land der Kranken, der Toten und der Ärzte

Manchmal sind es die kleinen Nachrichten, über die man im Netz stolpert. Harmlose kleine Geschichten, die in erster Linie viel Nutzen versprechen, so wie die hier:

http://lifestyle.t-online.de/lebenserwartung-maenner-verschenken-zehn-jahre-ihres-lebens/id_20004284/index

Männer verschenken zehn Jahre ihres Lebens … ja, sind die denn verrückt? Haben die nicht mehr alle Tassen im Schrank? Wieso machen die das? Oder haben die soviel von diesen Jahren, soviel Überfluß, das sie einfach mal was davon verschenken können? Und vor allem: WEM schenken die das?

Ein Mann in mittlerem Alter, der raucht, Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte hat, verschenkt zehn Jahre seines Lebens. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. So stirbt ein Mann mit den oben genannten Risikofaktoren im Schnitt zehn Jahre früher als ein gleichaltriger Mensch mit gesünderem Lebensstil. Die Forscher der Universität Oxford werteten die Daten von mehr als 19.000 Beamten aus, deren Gesundheitszustand vor 40 Jahren erfasst wurde.

Da ein Mensch eine Lebenserwartung von theoretisch 120 Jahren haben kann, würde man nur noch 110 Jahre alt werden können. Der älteste Mann Englands hat sein Erfolgsrezept für hohes Alter einst veröffentlicht:

http://www.n24.de/news/newsitem_5240956.html

„Zigaretten, Whisky und wilde, wilde Frauen.“

Ohne Zigaretten und Alkohol wäre er wahrscheinlich 125 geworden, so verstarb er im frühen Alter von 115.
Welch ein Verlust. Nun, wenn man die Berichte in der Presse liest, so werden die „Zigaretten“ oft weggelassen, weil der Feldzug gegen das Nikotin mitlerweile Glaubensbestandteil unserer Kultur geworden ist, wohl auch, um von einem ganz anderen Problem abzulenken, das uns zu schaffen macht.

Arbeit macht krank.

http://www.netzeitung.de/arbeitundberuf/1449979.html

Vor allem Beschwerden mit dem Bewegungsapparat:
Arbeit macht Millionen Menschen krank

Für Millionen ist ihr Arbeitsplatz ein Gesundheitsrisiko. Neben Rückenleiden und Beschwerden an Nacken und Schultern – vor allem bei Bürojobs – klagen viele über Zeitdruck und Überlastung. Arbeitsmediziner mahnen Prävention an.

Das könnte eigentlich eine gute Meldung sein, denn: wir haben ja Millionen von Arbeitslosen, die dankbar den geschundenen Arbeitskräften zu Hilfe eilen könnten.

Sowas geht aber in Zeiten der Renditediktatur nun mal gar nicht, denn nur, wenn immer mehr Menschen sich krank schuften und immer mehr Menschen arbeitslos auf der Straße stehen, klappt´s mit der Rekordrendite.

Einfach mal interne Papier der „Deutschen Bank“ befragen … eine zehnprozentige Reduktion der Belegschaft läßt Aktien um vierzig Prozent wachsen! Na, da gilt es doch zuzugreifen und abzusahnen.
Man gönnt sich ja sonst nichts.

Nun könnte man denken: den Arbeitslosen geht es wenigstens gut. Die können kerngesund rauchen, Whisky und wilde Weiber genießen und werden deshalb urururalt. Wahrscheinlich ein Grund, weshalb viele Arbeitslose so neidvoll verachten.

Doch: weit gefehlt. Arbeitslosigkeit macht noch kranker als Arbeit:

http://www.medizinauskunft.de/artikel/service/politik/14_12_arbeitslose_gesund.php

Arbeitslosigkeit macht krank
Arbeitslose sind häufiger krank als Beschäftigte. Die Erkrankungen schmälern die Chance, einen neuen Job zu bekommen

Leider sind das Nachrichten die von Politik und Wirtschaft ungern berücksichtigt werden, denn das Konzept der Agenda 2010 funktioniert nur mit stinkefaulen kerngesunden Arbeitslosen, die nur die nötigen
„Anreize“ brauchen, um wieder gute Renditebeschaffer zu werden. Mal wieder ein krasses Beispiel dafür, wie mangelnde Markbeobachtung und Kundenforschung ein Projekt zum Scheitern verurteilt. Dabei müßte man in den Kreisen der Wirtschaft, die maßgeblich die Agenda 2010 gestalteten (wir berichteten) doch gewohnt sein, präzise Analysen zu erstellen – davon hängt der Erfolg eines jeden Unternehmens ab.

Für die Politik scheint man aber auch gerne mal weniger gut fundierte Analysen abzugeben, die scheinen mit weniger zu trotzdem hohen Preisen auch zufrieden zu sein – wie Indianer, denen man für Glasperlen
Riesengrundstücke abkauft.

Wer nun krank ist, denkt, er geht zum Arzt und wird wieder gesund. Weit gefehlt, denn neben Arbeit und Arbeitslosigkeit ist es gerade der Arztbesuch, der ein Gesundheitsrisiko darstellt.

http://www.welt.de/wissenschaft/medizin/article4563068/In-Deutschland-wird-zu-viel-operiert.html

Routinemäßige, meist problemlos verlaufende Operationen scheinen Zeichen eines gut organisierten Gesundheitssystems. Doch Experten kritisieren: Es gibt viel zu viele Eingriffe, die dem Patienten nicht nutzen, Risiken bergen und Kosten verursachen. Sie nutzen nur dem Operateur, der daran verdient.

Manche meinen ja, Gesundheit ist in Deutschland zu einer Ware verkommen. Das jedoch ist falsch.
Krankheit ist eine Ware, an der sich verdienen läßt. An Gesundheit verdient niemand auch nur einen Cent.
Das Sozialbudget ist voll von Kosten, die durch Krankheit verursacht sind.

Also müßte man eigentlich eine großangelegte Kampagne gegen Krankheit starten, um das Sozialbudget in den Griff zu bekommen.

Krankheitsminderne Arbeitsplätze für alle, ein gesundheitsförderndes Gesundheitssystem … und schon würden wir im Geld schwimmen.

Das jedoch … im Geld schwimmen … möchten andere ganz für sich allein beanspruchen.

Und dafür braucht man ein Land voller Kranker, denn mit unserem System verdient man nur an denen gut:

Aber warum setzen Ärzte ihre Patienten wider besseres Wissen einem Risiko aus? „Ökonomische Gründe spielen sicher eine gewisse Rolle“, meint Pässler. Verbandsgeneralsekretär Hartwig Bauer glaubt ebenfalls, dass finanzielle Interessen insbesondere niedergelassene Mediziner dazu verleiten können, solche Operationen vorzunehmen

Und das größte Risiko für´s Leben scheint nicht das Nikotin, das Übergewicht oder der Bluthochdruck zu sein, sondern … der Arztbesuch:

http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/archive/t-7308.html

Die Todesursache Nummer 1 in Deutschland heißt Arzt“, präsentierte der Medizinjournalist Kurt G. Blüchel die gnadenloseste Attacke, die in Buchform je gegen das deutsche Gesundheitssystem geführt wurde.
Er sollte in nächster Zeit möglichst nicht ernsthaft krank werden.
„Kommen Sie uns bloß nicht in die Spitäler“ und „Wir werden Sie jagen wie einen räudigen Hund“, habe man ihm gedroht, berichtete Blüchel bei der Vorstellung seines Buches „Heilen verboten — Töten erlaubt“.
Auf solche Reaktionen musste der Autor gefasst sein angesichts der radikalsten Attacke, „die jemals gegen ein Gesundheitssystem weltweit geführt“ wurde. 416 Seiten benötigte der Medizin-Journalist, um zu beweisen, was und warum alles und am deutschen Gesundheitssystem marode ist. Dabei ist die Grundthese recht kurz zu fassen: Es ist alles marode, weil das System darauf basiert, dass möglichst viele Patienten möglichst lange krank sind.
„Schon bei der Lektüre des Kapitels „Geschichte“ dürfte der Adrenalinspiegel so manchen Arztes steigen.
Die deutsche Ärzteschaft, behauptet Blüchel, habe Hitler zur Macht verholfen und sei zum Initiator des Holocaust geworden. Und nach Hitler habe sich jede deutsche Regierung von der Ärzteschaft erpressen lassen.
Jährlich mindestens 83.000 Todesfälle pro Jahr in den 2200 Kliniken seien auf Ärztepfusch zurückzuführen, berichtet Blüchel. Noch vor Krebs und Herzinfarkt heiße die Todesursache Nummer eins „Arzt“. Alle Zahlen und Angaben habe er aus Fachpublikationen: „Ich habe nur das geschrieben, was veröffentlicht war“.

83000 Todesfälle durch Ärzte? Im Jahr? Ein starkes Stück. Wie schön, das das in Deutschland kaum untersucht wird.

Da kann man ja besser Medikamente nehmen, auch das steigert das Sozialbudget, kostet aber weniger Leben als der Artzbesuch:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/132/423891/text/

Nach Einschätzung des Bremer Gesundheitsforschers Gerd Glaeske werden jährlich 16.000 bis 25.000 Todesfälle durch Neben- und Wechselwirkungen verursacht. Exakte Zahlen gibt es nicht.

Exakte Zahlen gibt es nicht.

Aber in den USA wird schon mal genauer hingeschaut. Die sind nicht so gerne krank oder tot wie die Deutschen, glaube ich. Echte Cowboys, die Jungs da drüben:

http://www.medizin-blog.net/krankheiten/iatrogene-krankheiten/

Eine weitere US-Studie hat ergeben, dass 64% aller Sterbefälle in Krankenhäusern auf iatrogene Krankheiten zurückzuführen sind und verhindert werden könnten.

Studien belegen, dass lediglich 15% aller Therapien, sowohl medikamentös als auch ohne Medikamente, zum gewünschten Erfolg führen. Somit sind iatrogene Krankheiten eine Gefahr für die allgemeine Gesundheit und müssten dringend angegangen werden. Denn es kann nicht sein, dass mehr Menschen unter den Folgen falscher Behandlungen leiden, als an den eigentlichen Krankheiten.

Doch, das kann doch sein. Das Risiko zu sterben wird durch den Krankenhausbesuch drastisch erhöht und steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Und – stört das wen?

Nö.

Wir Deutschen opfern unsere Gesundheit und unser Leben gerne der künstlichen Aufblähung unseres Sozialbudgets sowie der allgemeinen Kapitalrendite. Das sind Ziele, für die es sich zu sterben lohnt!

Darum lassen wir uns ja jetzt auch alle im Dienste des Aufschwungs und der Rendite der Pharmafirmen gegen die Schweinegrippe impfen … zu Not dreimal täglich, um zu beweisen, das wir es ernst meinen mit dem Dienst am Vaterland!

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