Konzentrationslager

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Die Lichtträger und die Skeptiker

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Die Lichtträger und die Skeptiker

Vor 2000 Jahren wurde ein Sozialreformer dem Tode geweiht
weil er sich nicht in die damaligen Normen einreiht
seine Gedenkstätten sind heute in der ganzen Welt
auch der Vatikan hat deshalb sehr sehr viel Geld

Sobald die Anhänger des Sozialreformers waren an der Macht
lebten seine Würdenträger in voller Pracht
warf man die ersten Christen den Löwen zum Fraß
so hielten die späteren christlichen Päpste die Welt in Schach

ein Gallileo 1633 musste seiner Irrlehre abschwören
dass sich die Erde um die Sonne dreht, sollte die Welt nicht hören
Albingenser, Waldenser und Lutheraner wurden geschlachtet
so dass man die Heiligkeit Roms bis heute achtet

ein Van Gogh wurde von den Mitbürgern ins Irrenhaus gesperrt
seine Bilder werden heute, als die teuersten verehrt
Ein Ignaz Semmelweis, der Vater der heutigen Hygiene
er hatte recht, doch seine Kollegen wurden zur Hyäne

Ohne ihn würden die Mütter und Kinder noch in Massen krepieren
die Welt würde ganz viele Erdenbürger verlieren
Martin Buber über Engel und Dämonen schrieb
damit das Wissen darüber unter den Menschen blieb

Die Skeptiker verachten jeden der an Engel glaubt
auch hochgeachteten Wissenschaftlern wird der Ruf geraubt
Prof.Johannes Huber war deshalb für einen Antipreis nominiert
die Skeptiker haben ihn für das Goldene Brett gekürt

Wenn jetzt ein Gedicht eines Dichters veröffentlicht wird
der im KZ landete und stirbt,
dann stört das die Skeptiker vielleicht sehr
doch gebührt dem Dichter ganz große Ehr:

Das Leben, das ich selbst gewählt

Ehe ich in dieses Erdenleben kam,
ward mir gezeigt, wie ich es leben würde:
Da war Kümmernis, da war Gram,
da war Elend und Leidensbürde.
Da war Laster, das mich packen sollte,
da war Irrtum, der gefangen nahm,
da war der schnelle Zorn, in dem ich grollte,
da waren Hass und Hochmut, Stolz und Scham.

 

Doch da waren auch die Freuden jener Tage,
die voller Licht und schöner Träume sind,
wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage
und überall der Quell der Gaben rinnt.
Wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,
die Seligkeit des Losgelösten schenkt,
wo sich der Mensch der Menschenpein entwunden
als Auserwählter hoher Geister denkt.

 

Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute,
mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel.
Mir ward gezeigt die Wunde, draus ich blute,
mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.
Und als ich so mein künftig Leben schaute,
da hört‘ ein Wesen ich die Frage tun,
ob ich dies zu leben mich getraue,
denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.

 

Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme –
„Dies ist das Leben, das ich leben will!“
gab ich zur Antwort mit entschloss’ner Stimme
und nahm auf mich mein neues Schicksal still.
So ward ich geboren in diese Welt,
so wars, als ich ins neue Leben trat.
Ich klage nicht, wenn’s oft mir nicht gefällt,
denn ungeboren hab‘ ich es bejaht.

Das Gedicht wird  Max Hayek zugeschrieben. Max Hayek soll es im Jahre 1906 verfasst haben. Er war ein deutsch-jüdischer Dichter, der 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.

Quellen:

https://diepresse.com/home/leben/mensch/5319709/Hormonpapst-Huber-fuer-Goldenes-Brett-vorm-Kopf-nominiert

http://www.eslam.de/begriffe/h/hesse_hermann.htm

Bild: https://pixabay.com CC0

 

Macht macht wahnsinnig: Worte zur Piraterie und den Ringgeistern der Moderne

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Freitag, 2.1.2015. Eifel. Nun – alle gut angekommen im neuen Jahr? Voll getankt? Der Euro fällt derzeit auf den tiefsten Stand seit Jahren – das wird die Ölpreise wieder ansteigen lassen. Öl bezahlt man in Dollar, Dollar muss man mit Euro kaufen – ist der Euro nichts wert, wird das teuer. Aber: unseren Konzernen wird es dadurch gut gehen. In Europa bezahlt man in Euro, kann man den mit Yen, Dollar oder Südseemuscheln günstig erwerben, wird der Mercedes deutlich billiger. So einfach ist „Außenhandel“.

Die Konzerne bekommen dadurch einen gigantischen Umsatz, der mit „Marktwirtschaft“ gar nichts mehr zu tun hat. Wir können auch sagen: sie bekommen Macht. Wozu sie diese ausnutzen? Nun – zum Verbrennen von Steuergeldern, zum Beispiel. Was in bunten Broschüren und glänzenden Artikeln als Motor der Wirtschaft gepriesen wird, ist in Wirklichkeit nur eine Sonderform von Krebs – ich als Rentner zahle oft mehr Steuern als manche dieser Konzerne. Wodurch bekommen sie diese Macht? Nun – sie können Menschen bezahlen, die ihre Interessen vertreten (früher nannte man das schäbig: Vertreter. Heute: Lobbyisten. Klingt besser). Die gehen dann zu den Parteien und Regierungen, bestechen die – mit Geld, Komplimenten, Jobs, Geselligkeit, Menschlichkeit … was gerade so fehlt im Leben des Angesprochenen … um Gesetze zu bekommen, die ihnen noch mehr Geld einbringen, mit dem sie noch mehr Macht innerhalb der Gesellschaft bekommen.

Vielleicht sogar mal eine eigene Zeitung? Einen eigenen Fernsehsender? Alles schon vorgekommen – im Mutterland unserer Kultur, den USA.

Bleiben wir kurz bei den großen Konzernen – und bleiben wir auch ruhig in Deutschland, jenem Land, dem es so wunderbar geht. Das sehen wir ja jeden Tag: tolle Nobelwagen rauschen an uns vorbei und demonstrieren uns, dass es uns unglaublich gut geht – und zeigen gleichzeitig anderen Verkehrsteilnehmern, dass sie üble Looser sind, wenn die mit ihren Miniautos versuchen, den Tag zu überstehen. Ölknappheit, Umweltprobleme, Verkehrsinfarkt? Kein Problem für Halbgötter auf vier Rädern!

Wer bezahlt die Aufführung dieses Dramas? Sie. Nicht die Konzerne. Schauen wir uns mal an, wer genau die Masse der Limousinen eigentlich fährt.

87,7 % der 5er BMW´s sind Firmenwagen, Audi A6 (86,3 %) und Mercedes der E-Klasse (68,6%) werden ebenfalls gern genommen (siehe Spiegel). Kann man super von der Steuer absetzen – und so bezahlen die Steuerzahler ihre verstopften Straßen selber. Firmenwagenfahrer brauchen auch nicht so auf den Spritverbrach achten.

Sie sollten wissen, dass der Wohlstand, der auf unseren Straßen demonstriert wird, eine Lüge ist, die dem Steuerzahler viel Geld kostet. Auch die gar nicht mehr so erfolgreiche Automobilindustrie profitiert vom billigen Euro und der sozialen Gesetzgebung diesen Landes. Ja – letztlich gehört die steuerliche Absetzbarkeit des Firmenwagens zum sozialen Grundgedanken dieser Republik: das ist Hartz IV für Geschäftsfahrzeuge. Einen Mann mit 5´er BMW deshalb als „Sozialschmarotzer“ zu bezeichnen – nun, das kommt nur den Wenigsten in den Sinn – obwohl es aus der Sicht der Kritiker der „Sozialromantik“ durchaus korrekt wäre.

Nun – Umsatz ist ein Grund, weshalb die Konzernwirtschaft sich untereinander mit Luxuskarrossen ausstattet, sie sind für Unternehmen ein Gewinn (siehe Welt). Der andere Grund ist die schlichte Erkenntnis, dass Macht Bewusstsein verändert und man durch ein einfaches Maschinchen einen Menschen von Grund auf korrumpieren kann. Ja – was meinen Sie denn, warum Menschen selbst Unsummen dafür ausgeben, um mit so einer Maschine auf der Autobahn zu beweisen, wie schnell SIE sind. Dabei sind sie gar nicht schnell, ihre Maschine ist schnell – aber die Wirtschaft ist nicht so kleinlich, hierüber aufzuklären oder zu differenzieren. Die Maschine wird – zumindest geistig – zum Teil des Menschen, ihre Kraft wird seine Kraft, ihre Macht wird seine Macht, je schneller man fährt, umso unbesiegbarer fühlt man sich – mit tödlichen Folgen für die Umwelt.

Für dieses Halbgottgefühl braucht man allerdings den Firmenwagen – und so wird man gefügig. Wer den Kick billiger haben will, der muss halt Motorrad fahren.

Ja – es geht beim Straßenverkehr inzwischen weniger um Transport (den könnte man anders billiger haben als durch unvernünftige Förderung des „Individualverkehrs“), sondern mehr um Machtdemonstration. Deshalb ist ja „überhöhte Geschwindigkeit“ der Hauptunfallgrund. Nachdem Schnelligkeit an ihre natürlichen Grenzen gestoßen ist, setzt man eben auf Größe, Masse, Blechgewalt: der SUV folgt dem Trend logisch fort. Der Satiriker Henning Fenske hatte schon erstaunlich recht mit der Erkenntnis, dass die deutschen Autobahnen die größte offene Psychiatrie der Welt darstellen – und ich denke, die Mehrheit der Autofahrer wird ihm Recht geben … obwohl auch sie sich der Korruption durch die Macht der Maschine nicht entziehen können.

Seltsam – oder?

Ein ganzes, sehr gut verbreitetes episches Buch kümmert sich um die bewusstseinsveränderne Gewalt der Macht, ein halbes Dutzend elend langer Spielfilme setzte sie in Bild: „Der Herr der Ringe“ konzentriert „Macht“ auf einen kleinen Ring, der unsichtbar machen kann. Wer ihn besitzt, hat alle Macht der Welt – darum meiden ihn die Weisen und geistig mächtigen Wesen Mittelerdes. Macht – so ist ihnen bewusst – würde ihr Sein von Grund auf verändern. Auch der Kampf um die Macht verändert das Wesen – darum verlassen die Weisen Mittelerde am Ende des Epos.

Würden unsere Politiker doch auch nur halb so viel Weisheit besitzen, so viel Verantwortungsbewusstsein – oder soviel Konsequenz.

Wenn aber schon so ein wenig Macht wie ein Moped Bewusstsein verändert … um wie viel verändert dann wohl wirtschaftliche oder politische Macht das Bewusstsein? Darf man überhaupt unter solchen Umständen irgendeinem Menschen Macht übergeben?

Die Antwort, die sich die Menschheit nach 3000 Jahren erbärmlicher Politik gegeben hat, war einfach: nein, darf man nicht. Darum wurde „Gewaltenteilung“ beschlossen: Gesetzgebung, Rechtsprechung und Ausführung wurden getrennt. Einer wurde ernannt, der die Gesetze ersinnt. Ein anderer aber wurde dazu aufgerufen, zu schauen, ob sich die Leute auch daran halten. Dritte wiederum üben einfach nur die Waffengewalt aus – nach Vorgaben von Recht und Gesetz. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?

Ja – deshalb – das wusste man früher – ist es auch brandgefährlich, wenn andere diese getrennten Mächte wieder zusammen bringen … und sei es nur zu so harmlosen Treffen wie der Geburtstagsfeier Chefs der Deutschen Bank Josef Ackermann im Kanzleramt. Früher – nach dem Krieg – hätte es sicher Stimmen gegeben, die für die sofortige Verhaftung aller Beteiligten plädiert hätten (natürlich hätten die sich nicht durchgesetzt, denn die Wirtschaftsmächte, die die NS-Zeit möglich gemacht  haben, hatten sich schadlos in die Demokratie herüberretten können – dank ihrer Freunde jenseits des Atlantiks. Gleich und gleich gesellt sich halt gern – und eine Krähe sticht der anderen kein Auge aus) – immerhin handelt es sich hier um einen Versuch, die getrennten Mächte hinter den Kulissen wieder zusammen zu fügen … nach dem der Kapitalismus schon die „Vierte Macht“, die Medien, in die Knie gezwugen hatte.

Huch – jetzt sind wir doch von der Autobahn über den Herrn der Ringe ins Kanzleramt gekommen, dem Zentrum der Macht … und bei einer tödlichen Verschwörung gegen das Volk gelandet.

Tödliche Verschwörung?

Ja – heute, wo die Welt voller Verschwörungen ist, ist dieses Wort selbstverständlich tabu und verboten: nichts fürchten Verschwörer mehr als Ermittler, die ihnen mit Hilfe von wissenschaftlich fundierter Theorienbildung auf die Schliche kommen, deshalb es ist sinnvoll, die Ermittlungen schon im Keim zu ersticken, in dem man implizit unterstellt, es gäbe nirgends auch nur irgendeine Verschwörung und die Welt ist ein bunter Ponyhof.

Wissen Sie, was Bismark dazu gesagt hat? (siehe Zitate.net)

Wenn irgendwo zwischen zwei Mächten ein noch so harmlos aussehender Pakt geschlossen wird, muss man sich sofort fragen, wer hier umgebracht werden soll.

Heute würde ihn die gesamte Presse für diese Aussage durch den Dreck ziehen, dabei wäre es doch mal ganz aufschlussreich, zu überlegen, wer für TTIP, CETA oder TISA sein Leben lassen muss – und zwar, bevor die ersten Menschen sterben.

Aber – meinte Bismark mit „Mächten“ nicht etwas ganz anderes als wir heute?

Im Prinzip nicht – wir dürfen nicht vergessen, dass er in einem Zeitalter lebte, wo der Staat noch stark war und schnell zur Enteignung griff, wenn Räuberbarone frech wurden. Dort repräsentierte der Staat noch die Macht, heute sehen die Mächte der Welt anders aus. Darf ich ihnen eine vorstellen, eine, die ganze Staaten vernichten kann – und vernichtet, wie man am Beispiel Griechenlands deutlich erkennen kann?

Blackrock heist sie, gebietet über 4600 Milliarden Dollar Kapital und ist kaum einem Deutschen bekannt, weshalb er auch nicht gegen sie demonstrieren kann. Blackrock ist ein Fond, der sammelt Geld, um mehr Geld daraus zu machen. Nach genau dem gleichen Muster wurden früher Piratenzüge organisiert: man sammelte Geld, rüstete ein Schiff aus (der damalige Dienstwagen), heuerte eine Mannschaft an (die Vertreter der Geldgeber) und schickte es hinaus, um durch Entern eine Prise zu erbeuten – Enterprise – ein bekannter Begriff bei Seeräubern, viele Unternehmen und Kriegsschiffe tragen es stolz in ihrem Namen. Die Prise wurde dann zusätzlich noch geteilt (Bonuszahlungen), damit die Motivation höher war … und das Eigeninvestment geringer.

Und wenn diese Piraten mit der politischen Macht geheim an einem Tisch sitzen, dann sollte man fragen: wer muss dafür sein Leben lassen? Bei Gegenfragen bitte auf Bismark verweisen, der hatte für langjährigen Frieden gesorgt, den längsten, den der Kontinent seither kannte.

Was uns heute fehlt – außer Bismark?

Piratenjäger. Uns mangelt es sogar an Steuerfahndern, obwohl jeder aktive Fahnder sein Geld sofort wieder einfährt – aber dieser Mangel wundert uns nicht, wenn wir schauen, wie gut vernetzt die Piraterie mit der politischen Macht ist und bei diversen Anläßen – sei es nun der Bundespresseball, die Treffen der Atlantikbrücke, der Rotarier oder privaterer „Netzwerke“ – die Gewaltenteilung praktisch wieder aufhebt, in dem sie die menschlichen Träger der Gewalt an einen Tisch bringt, wo sie sich gut verstehen, weil ihre Charaktere alle unter dem Einfluss des „einen Ringes“ stehen … bzw. von der Macht deformiert wurden, weil das Ego sich im Rausche dieser Macht gerne unendlich baden würde.

Da treffen sich Krähen und bilden die Krähenallianz. Was sie eint? Die Droge „Macht“ – egal, ob im Gericht, bei den Medien, der Polizei oder im Parlament. Oder – anders gesprochen: der Dienst am „einen Ring“.

Wissen Sie, warum uns die Piratenjäger fehlen – die Schiffe des Königs, die nur einen Auftrag hatten: die Pest der mordenden, raubenden, vergewaltigenden, brandschatzenden Piraterie auszurotten? Ja – Piraten hatten auch eine sehr dunkle Seite. Sie waren zwar sozialer, demokratischer und multikultureller als die damaligen Staaten – doch es war die Not, die sie zu solchem Verhalten gezwungen hatte, nicht die Ethik. Betriebswirtschaftliche Not, sozusagen, man musste seinen Angestellten einen gewissen Risikoausgleich zugestehen, da viele für die Prise ihr Leben lassen mussten.

Moderne Piratenjäger müssten Machtballungen zerschlagen, die sich in der Gesellschaft bilden, in dem Geldgeber Funktionsträger unterschiedlicher Art an einen Tisch bringen und so die gewollte Gewaltenteilung umgehen. Ja – der Nachteil aller Ämter ist, dass sie von Menschen ausgeübt werden müssen – und Menschen erliegen leicht dem „einen Ring“. Er macht Ringgeister aus ihnen und wer die Ringgeister aus unterschiedlichen Funktionen zusammenführt, schafft genau die Macht im Staate, die wir nie mehr haben wollten, weil sie im KZ endet: dem logischen Ende jeder Piraterie, jedem ungehemmten betriebswirtschaftlichem Denkens, jedem Streben nach Macht.

Ja – Konzentrationslager sind nicht die Erfindung Hitlers oder des Nationalsozialismus oder der Deutschen – sie sind die Konsequenz einer strikt nach Nutzen orientierten Raubkultur. Sogar das Volk der Dichter und Denker konnte sich hier der Macht des Ringes nicht entziehen und musste erleben, was mit einem Land geschieht, wenn die Ringgeister wieder alle Macht vereinen … und Sauron den einen Ring zurück bekommt.

Darum ist es so gefährlich, wenn wir die NS-Zeit als kleinen, unbedeutenden Ausrutscher der sowieso irgendwie blöden Deutschen in die äußerste Ecke der Wahrnehmung verbannen: Hitlers Schreckensreich war nur das Vorspiel, der Feldtest einer Gesellschaftsordnung, die der Betriebswirtschaft konsequent Rechnung trägt.

Seit der Einführung von Hartz IV in Deutschland merken immer mehr Menschen, dass der gleiche Geist wieder aktiv ist. Er wirkt nicht auf den Straßen bei „Pegida“ (was möglicherweise nur eine etwas außer Kontrolle geratene Aufführung des Verfassungsschutzes und der Bild-Zeitung ist, von TTIP, CETA und TISA abzulenken), sondern in Treffen, die nicht für die Öffentlichkeit geeignet sind. Haben Sie sich noch nie gewundert, warum demokratische Regierungen „Geheimverhandlungen“ über „Wirtschaftsabkommen“ führen?

Die müssen nur geheim bleiben, weil die vorgesehenen Opfer noch in Sicherheit gewiegt werden sollen. Doch doch – fragen Sie Bismark!

Die Opfer des ersten Streiches leben nach zehn Jahren unter uns, die Piraten haben es sogar geschafft, sie entgegen den Werten des christlichen Abendlandes als schwach und somit ursächlich selbst Schuld an ihrer Misere zu brandmarken, dabei kann man heute klar und offen darüber reden, was der ganze Zinober sollte (siehe Spiegel):

Für Gewerkschafter, Sozialverbände und linke Politiker gilt jene Wahrheit, die Frank Bsirske, Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, so zusammenfasst: Die Politik „war darauf angelegt, das Lohnniveau in Deutschland zu senken und einen Niedriglohnsektor großen Stils entstehen zu lassen“.

Die Politik war darauf ausgelegt, schwächere Menschen bedingungslos auszubeuten: der größte Verrat, den Politik in Deutschland seit 1945 begangen hat. Man kann auch sagen: sie haben die Piraten auf das Volk losgelassen – weshalb ja auch gleichzeitig die Finanzmärkte dereguliert wurden.

Wo das enden wird, sieht man aktuell in Griechenland (siehe Spiegel):

Griechenland stirbt. Sechs Jahre Rezession, eine Arbeitslosigkeit, die bei 26 Prozent liegt, unter Jugendlichen sogar bei mehr als 50 Prozent, die Löhne sanken zwischen 2010 und 2013 um 23 Prozent. 36 Prozent der Griechen gelten als arm und sozial ausgegrenzt – ein Anstieg um etwa sieben Prozentpunkte seit Ausbruch der Krise.

So etwas … richten „Mächte“ wie Blackrock an. Früher brauchte man dazu Söldnerheere, heute haben wir einen höheren Organisations- und Abstraktionsgrad erreicht, wir erledigen das eleganter – aber nicht weniger blutig. Das Blut ist nur weiter verteilt, da fällt es nicht so auf.

Schon faszinierend, dass wir mitten in einer Fortsetzung des „Herrn der Ringe“ leben, wo die Piraten von (BlackRock) Umbar erneut die Dörfer verwüsten, der Souverän wieder unter dem Geflüster von Grimar Schlangenzunge dahindämmert (von dieser Art gibt es heute mehrere, sie arbeiten als Pressesprecher von Firmen und Regierungen, als Unternehmensberater für jedermann oder als Journalisten in Spiegel, Focus und bei der Bildzeitung) und die Welt zunehmend in einen Zustand versetzt wird, der dem „dunklen Auge“ eine Freude wäre.

Andererseits können wir jetzt auch verstehen, warum uns ein neuer, heißer Krieg bevorsteht: Wladimir Putin hat kurz mal Piratenjäger gespielt und Konzerne ereignet, die politische Macht wollten. Darum mögen ihn die ausgebeuteten Menschen des Westen (die „Putinversteher“) so gern, während ihn die Piraten hassen. Das erste Mal durften die Geschundenen erleben, dass ein Staat noch seine Arbeit tut, ja, dass es noch einen funktionierenden Staat auf der Welt gibt, der nicht von pöstchengeilem Gesindel unterwandert wurde.

Und deshalb … muss Putin sterben.

Zum Retter der Welt eignet er sich nicht – dafür hatte er zu lange zu viel Macht.

Was merken wir uns für die Zukunft – nachdem wir die Trümmer der Moderne beiseite geräumt haben?

Wir müssen mit Macht noch viel sorgfältiger umgehen, sie noch weiter aufteilen und auch die Macht des Geldes viel mehr eindämmen, wir müssen Macht selbst als Feind der Menschheit begreifen.

Am Besten – werden wir alle Hobbits und unteressieren uns nur noch für einfache Freuden im Leben.

Leider erziehen uns die Medien – und hier vor allem die Werbung – zum genauen Gegenteil: zu größenwahnsinnigen Idioten, die man alle mit ein bischen Pseudomacht auf der Autobahn (oder der Bühne und dem Laufsteg) zu treuen Dienern des einen Ringes macht.

Schade für eine Welt … die einst als Paradies empfunden wurde.

 

 

 

 

Wahre Worte eines Einsiedlers: der Irrsinn des Linken

Donnerstag, 14.11.2013. Eifel. Es gäbe noch viel zu schreiben, aber ich habe mir eine neue Tastatur gekauft, die sehr gewöhnungsbedürftig ist. Das ist aber nicht der Grund, weshalb ich es mir heute ein wenig einfach mache. Mir ist noch ein weiterer Kommentar im Kopf geblieben, den ich mehrmals durchgelesen habe. Mir ist viel daran gelegen, ihn noch einmal größer heraus zu bringen – und das nicht  nur, weil ich den Autor sehr schätze, sondern weil dies ein Thema berührt, das ich seit Wochen mit mir herumtrage.

Der Kommentar kam vom „Einsiedler“ und berührt einen Aspekt meiner Artikel, der ein wenig untergegangen ist. Wollen wir ihn einfach mal lesen:

Zur gesellschaftlich notwendigen Antwort auf all diesen unerträglichen Zynismus:
Eine kopflose Revolte ist zum Scheitern verurteilt. Das zeigt die Geschichte, insbesondere die mit den Spezialdemokraten (Mehrheits-SPD). Es lohnt sich sehr, hier mal zu lesen, was bei einer deutschen Revolution üblicherweise so alles schiefgeht : de.wikipedia.org/wiki/Novemberrevolution und besonders: Wolfram Wette, Professor für Neueste Geschichte in der ZEIT zum gleichen Thema: http://www.zeit.de/2003/24/A_-Milit_8areins_8atze/komplettansicht .

 

Wer es ernst meint und nicht nur Dampf ablassen will, der muss sich konkret fragen, wie eine bessere Gesellschaft aussehen sollte und wie diese herbeigeführt werden kann. Welche Personen, Organisationen und Techniken sind geeignet, diesen Wandel trotz vielfältigstem Widerstand zu bewirken? Welche Zielkonflikte werden zwangsläufig auftreten und wie stehe ich selbst dazu? Was kann ich selbst zum Gelingen beitragen? Wo stehe ich dem Ziel gar selbst im Wege? (Wie) bin ich selbst lern- und entwicklungsfähig?

 

Lauter schwierige und unangenehme Fragen, mit deren Beantwortung wir wohl hoffnungslos überfordert sind. Wir müssten uns ernsthaft damit beschäftigen, geradezu ausbilden und persönlich entwickleln. Aber wer kann das leisten, wie soll das gar eine Mehrheit leisten, um ein korrektes demokratisches Vorgehen zu gewährleisten? Kaum vorstellbar!

 

Stattdessen warten wir anscheinend lieber gemütlich auf den omnipotenten, charismatischen und glückreichen Helden, der uns all diese Fragen erspart und uns einfach an die Hand nimmt und zu dem Ziel führt, das wir zwar konkret noch gar nicht kennen, aber lassen uns gerne voller Vertrauen dorthin führen?

 

Ohje, das wär ja schlimm: ein neuer “Führer”, der uns die schwierige, unangenehme und gefährliche Arbeit abnimmt? Bloss nicht! Aber: diese Arbeit selbst leisten? Noch schlimmer!

 

Also lieber weiter fruchtlos streiten und aneinander vorbeireden. Das gibt uns wenigstens das Gefühl, etwas zu tun…

 

Daher wird es wohl kommen, wie es kommen muss: den fürchterlichen Kollaps werden die alten Eliten nutzen, um ihre Herrschaft noch weiter zu festigen. Denn sie machen nicht nur Sprüche. Das tun sie nur im Vordergrund. Im wesentlichen aber GESTALTEN sie ihre Machtoptionen – jetzt. Sie raufen sich zusammen, um ihre feudalen schönen Lebensstile ganz pragmatisch zu sichern.
Was tut der Widerstand? Er bekämpft sich selbst. Es gibt keine konsensfähigen Ziele oder gar Wege dorthin, und noch nicht einmal den glaubwürdigen Wunsch, dorthin zu gelangen.

 

Aufklärung und Empörung sind gut und wichtig. Aber solange wir nicht auch das Heft zur GEMEINSAMEN Umgestaltung selbst in die Hand nehmen, werden dies andere in IHREM Sinne tun. Wie machen wir es ihnen leicht? Indem wir gerne jeden Anlass zum Vorwand nehmen, nicht zu kooperieren. Der eine ist von der Gewerkschaft, der andere zu radikal, ein Dritter zu gemässigt, eine Vierte gar Feministin, eine Fünfte hat konservative Werte. Und wir wurden ja schon einmal enttäuscht… Tausend Gründe, nicht zu kooperieren!
Ist ja auch viel bequemer als der mühsame Weg, selbst politisch aktiv zu werden. Und vielleicht geschieht ja noch ein Wunder? So wie im Fernsehfilm, wo immer im letzten Moment der glückliche Retter auftaucht? Die Hyperrealität hat uns längst eingeholt! Und darum sollten wir uns auch nicht beschweren, wenn es so kommt, wie es kommen muss.

Wie es kommen wird?

Der Megacrash wird seit 2008 mit immer neuen Geldern aufgehalten. Ewig kann das so keiner finanzieren – und wir werden dankbar sein müssen für diesen Crash. Käme er nicht: die Täter würden die Welt in ein Konzentrationslager verwandeln, um ihrer Entdeckung zu entgehen. Sie sind ja schon dabei – viele merken es täglich (so wie andere sich täglich darüber aufregen, dass man diesen Prozess beim Namen nennt: wie gerne würden wir vergessen, dass es so etwas wie Ausschwitz je gegeben hat! Das Leben wäre wieder so schön einfach.

Ist es aber nicht.

Die Gesetzgebung läuft die ganze Zeit in diese Richtung: Arbeitspflicht für alle – und kostengünstige Entsorgung bei absehender Minderleistung im Falle von Krankheit oder Alter.

Was aber tut der Widerstand? Die außerparlamentarische Opposition?

Pflegt die Wichtigkeit des eigenen ICH – zur Not auf Kosten des Nebenmannes. Erschöpft sich in Diskussionen hinter dem Stacheldraht, um sich gegenseitig zu beweisen, wer denn der bessere Linke ist.

Demnächst mehr zu diesem Thema – jetzt möchte ich die Worte des Einsiedlers lieber unkommentiert zum Lesen empfehlen: darin liegt der ganze Plan zur Rettung vor der Katastrophe begründet.

 

Das Dschungelcamp: warum der Neoliberalismus das Konzentrationslager erfand – globaler Faschismus im Vormarsch

Sonntag, 15.1.2012.  Ein Tag der Ruhe, Entspannung und Besinnung. Jedenfalls ... wenn man nicht in die Zeitung geguckt hat. Tut man sich das an, ist es vorbei mit der Ruhe, der Entspannung oder der Besinnung. Schlimmer wird es, wenn man ins Fernsehen schaut: vor laufender Kamera werden dort Menschen gequält, erniedrigt und zu unmenschlichen Akten gezwungen - siehe <a href="http://www.welt.de/fernsehen/specials/dschungelcamp/article13814561/Erotischer-Frontalangriff-im-Wald-des-Ekels.html">Welt</a>:

<strong>Zuerst werden die beiden mit Mehlwürmern übergossen, bevor sie fetten, lebendigen Maden den Kopf abbeißen, sie aufessen und gequirltes Emu-Blut trinken müssen.</strong>

Sonntag, 15.1.2012.  Ein Tag der Ruhe, Entspannung und Besinnung. Jedenfalls … wenn man nicht in die Zeitung geguckt hat. Tut man sich das an, ist es vorbei mit der Ruhe, der Entspannung oder der Besinnung. Schlimmer wird es, wenn man ins Fernsehen schaut: vor laufender Kamera werden dort Menschen gequält, erniedrigt und zu unmenschlichen Akten gezwungen – siehe Welt:

Zuerst werden die beiden mit Mehlwürmern übergossen, bevor sie fetten, lebendigen Maden den Kopf abbeißen, sie aufessen und gequirltes Emu-Blut trinken müssen.

Man stelle sich vor, ein Entführer würde so etwas Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter antun. Hätten wir nicht Verständnis dafür, wenn man die Initiatoren der Veranstaltung nach einem gerechten Prozess standrechtlich erschießen würde? Immerhin – wer weiß, welche Degenerationen diese Entwicklung noch hervorruft, wenn man ihr kein Einhalt gebietet? Hier werden gerade die schlimmsten medialen Horrorphantasien der sechziger und siebziger Jahre Realität – doch niemand schon Anstoß daran zu nehmen. Trauen wir uns doch mal, einen Blick auf die Zusammenhänge zu nehmen – zum Beispiel bei anderen Horrorphantasien, die schon lange vorher Realität geworden sind.

Die ersten Konzentrationslager weltweit wurden von den Briten in Südafrika im sogenannten „Burenkrieg“ etabliert:

Da ein so operierender Gegner auf konventionelle Weise kaum zu fassen war, wandte Kitchener eine Strategie der „verbrannten Erde“ an: Die Farmen in den Guerillagebieten wurden zerstört und die Ernten vernichtet, um den Gegner auszuhungern. Rund 120.000 Farmbewohner, vor allem Frauen und Kinder, wurden in Konzentrationslagern interniert. Davon starben über 26.000 aufgrund katastrophaler Lebensbedingungen an Hunger und Krankheiten. Der Begriff „Konzentrationslager“ (englisch: Concentration Camp) wurde zum ersten Mal in diesem Krieg verwendet.

26000 Tote – vor allem Frauen und Kinder – der erste Massenmord in Konzentrationslagern geschah in Südafrika. Die Deutschen lernten schnell:

Als Konzentrationslager wurden, soweit heute bekannt, in Deutschland erstmals im März 1915 Internierungslager der zum Kruppkonzern gehörenden Friedrich-Albrecht-Hütte für polnische Arbeiter in Barmen und Elberfeld bezeichnet. Dem folgten zahlreiche Internierungslager und provisorische Gefängnisse für deportierte Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und politische „Schutzhäftlinge“ im Ersten Weltkrieg und in der frühen Nachkriegszeit.

Daraus wurde dann später ein richtiger Konzern – weil „Konzern“, jene unheimliche, machtvolle US-Konstruktion von Unternehmenszusammenballungen – gerade voll in Mode kam:

Die Konzentrationslager für Zivilpersonen (Abkürzung: KZ oder KL) wurden in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten von Organisationen derNSDAP errichtet. Es waren schließlich mehrere Tausend Konzentrations- und Nebenlager und sieben Vernichtungslager. Sie dienten der Ermordung von Millionen Menschen, der Unterdrückung politischer Gegner, der Ausbeutung durch Zwangsarbeit, medizinischen Menschenversuchen und der Internierung von Kriegsgefangenen. Das Lagersystem stellte ein wesentliches Element der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft dar.

Durch die Konzentrationslager wurde ein uraltes verbrecherisches Element der Menschheitsgeschichte gesellschaftsfähig, das wir eigentlich für ausgestorben hielten: die Sklaverei – die skrupellose wirtschaftliche Ausbeutung von Menschen zum Zwecke der Gewinnmaximierung – inklusive ihrer anschließenden kostengünstigen Entsorgung im Falle einer chronischen krankheits- oder altersbedingten Leistungsminderung.  Merkt man langsam, wie kurz davor wir wieder sind, die ersten Lager zu bauen? Nun – wir bauen neue und andere Lager – erstmal. Zum Beispiel im Dschungel. Was Menschen dort angetan wird, kann man weiter oben lesen. Wie weit das früher ging, sieht kann man hier nachlesen:

An Inhaftierten wurden von Ärzten, wie Josef Mengele (Auschwitz), Robert Ritter (KZ Buchenwald) unter anderem medizinische Experimente vorgenommen, in deren Verlauf die Häftlinge meist qualvoll starben. Sie wurden beispielsweise mit Fleckfieber, Malaria- oder TBC-Erregern infiziert, um Impfstoffe zu testen, ihnen wurden Brandbombenverletzungen zugefügt und an ihnen erfolgten Salzwasserversuche. 

Da hätten viele Deutsche sicher gerne an den Bildschirmen gesessen und zugeschaut, oder? Machen sie ja heute auch wieder. Liest man Stéphane Hessels Schrift „Empört Euch“, so findet man gerade diesen Tatbestand ausgeführt – anlässlich einer Kundgebung zum 60. Jahrestag der Verkündigung des Programms des Nationalen Widerstandsrates, auf das ich kürzlich schon hinwies:

„Der Nazismus ist besiegt worden dank dem Opfer unserer Brüder und Schwestern in der Résistance und der im Kampf gegen die faschistische Barbarei verbündeten Nationen.  Doch die Bedrohung ist nicht vollständig gebannt, und unser Zorn über die Ungerechtigkeit nicht gewichen“. 

Nein, die Bedrohung ist nicht ganz gebannt. Und so rufen wir weiterhin auf zu einem „wirklich friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum, die Verachtung der Schwächsten, den allgemeinen Gedächtnisschwund und die maßlose Konkurrenz aller gegen alle“. 

(Hessel, Empört Euch, Ullstein 2010, Seite 21)

Hessel weiß, wovon er spricht. Er ist in Buchenwald nur knapp der Vernichtung entkommen. Sicher – unsere Häftlinge sind freiwillig dort drin … noch. Das ist aber auch die neue Dimension des Horrors im 21. Jahrhundert: dank der allgegenwärtigen Massenkommunikationsmittel konnte eine großflächige Umerziehung der Bürger zu masochistischen Leidenssklaven erfolgen, die enormen Spaß am gequält werden haben.

Wir sind ja dazu erzogen worden, zu Glauben, das sei alles Zufall, Schicksal oder der unabwendbare Lauf der Dinge – übersehen aber dabei, das es eine hochintelligente, geschichtlich gebildete Gruppe mit unvorstellbarer Finanzkraft gibt, die über all die Erfahrungen aus historischen Gegebenheiten bewußt verfügt und deren Ergebnisse gezielt anwendet – so wie die US-Raumfahrt die Ergebnisse der KZ-Menschenversuche auch dankbar verwertet hatte. Niemand wäre wirklich auf die Idee gekommen, diese durch äußerste Unmenschlichkeit gewonnenen Daten zusammen mit ihren Opfern zu begraben. „Der Zweck heiligt die Mittel“ – das sagt uns „die Wissenschaft“ oft genug.

Gerade heute kann man die Täter bei der Arbeit beobachten.

„Finanztransaktionssteuer“ ist ja ein lang gehegter Wunsch von Attac, sollte ja jetzt in Frankreich mal eingeführt werden. Was machen die Täter, die sich gerne hinter dem neutralen Begriff „die Märkte“ verbergen – was in etwas sprachlich bzw. inhaltlich so korrekt ist, als würden wir die Bewohnern eines Landes als „die Mägen“ bezeichnen? Sie demontieren den französischen Präsidenten:

Frankreich ohne das dreifache A: Der Verlust der Bestnote durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s ist nicht nur ein weiterer Rückschlag für Europas zweitgrößte Volkswirtschaft: Die Horrornachricht aus London könnte auch für Staatschef Sarkozy wenige Monate vor der Wahl zum Verhängnis werden.

Erinnert in etwas an Deutschland Ende Anfang der dreissiger Jahre: wer den Führer kritisiert, bekommt Besuch von der SA – nur diesmal läuft das globaler. Wer nicht nur auf das Ekelcamp schaut (und sich insgeheim davor fürchtet, was er selbst für eine Figur machen würde, wenn man ihn dort hineinsteckte), hat mitbekommen, das die Schutzstaffel (SS) des Neoliberalismus (eine amerikanische Form des Nationalsozialismus, der Wohlstand, Freiheit und Sicherheit für alle … Millionäre … verspricht im Kampf gegen die böse kommunistische Welt, die es wagen würde, sogar Apple die Kinderarbeit zu verbieten, obwohl der Konzern doch so toll ist und man gerade an Kinderarbeit so fein verdienen kann) –die Ratingagenturen – auch die Merkel im Visier hat – und ganz Deutschland ebenso.

Kaum hat Angela Merkel gedroht, gegen den Ratingterror vorzugehen (ist wohl bald wieder Wahl im Lande), steht schon die SS vor der Tür:

Der Rundumschlag des Ratingriesen Standard & Poor’s setzt Europa unter Druck. Denn auch die Bestnote des bisherigen Schirms EFSF ist bedroht. Die Deutsche Bank stellt sich schon auf das Schlimmste ein.

Klassisches Dramadreieck: Angela Merkel, die böse Täterin, Standard & Poors – das arme Opfer, die Deutsche Bank: die Retterin in der Not. „Ein nicht zu überhörender Warnschuss für Deutschland“ zeigt uns, das wir uns mitten im Krieg befinden – und uns besser nicht einmischen. Diese Passivität, die uns eine gewaltige Mitschuld an der Zerstörung der wirtschaftlichen Existenzgrundlage von Milliarden von Menschen gibt, wird uns nach Kräften versüßt: der Stubenhocker wird das neue Standardmodell. So wird Isolationshaft erträglich.

„Rating“ verpaßt Ländern eine Nummer. Das kennen wir schon.

Bei der Aufnahme in ein KZ wurde den Häftlingen nicht nur das Haar und die Privatkleidung genommen, sondern auch der Name. Sie erhielten eine in jedem „Transport“ fortlaufende Nummer, die in Auschwitz auch eintätowiert wurde. Damit zählten sie zum Bestand des KZ und konnten „verwaltet“ werden. Ab sofort waren sie im Lager nur noch eine Nummer:

„Wenn man es mit einem SS-Mann zu tun hatte, musste man als erstes die Mütze herunterreißen, und seine Nummer laut und deutlich, natürlich auf deutsch, angeben. Ich beginne zu begreifen, welches Glück im Unglück ich habe, fließend Deutsch zu sprechen. Die meisten griechischen und italienischen Juden verstehen keinen Befehl und können nicht einmal ihre Nummer aussprechen. Natürlich können sie auch keine deutschen Lieder singen, die wir, wie zum Hohn, beim Hin- und Rückmarsch von der Arbeit auch noch zum Besten geben müssen. Das ist ausreichend, um brutal geschlagen, manchmal auch totgeschlagen zu werden.“

Man merkt: im KZ war es lustig wie im Dschungelcamp. Die haben dort sogar freiwillig gesungen. Wir Deutschen haben jetzt auch schon alle unsere Nummern bekommen – dafür hat die Schufa gesorgt. Dazu haben wir noch Steuernummern und Telefonnummern – damit man auch immer weiß, was wir wann wo machen.

Merkt man, warum Buchenwaldhäftlinge sich vor Massenkommunikationsmitteln fürchten?

Im Hintergrund sehen wir den Nationalsozialismus der Neuzeit wirken: den Neoliberalismus der achtziger Jahre.

Der Linguist Noam Chomsky veröffentlichte 1998 Profit over People – Neoliberalism and Global Order. Er vertritt darin, der Neoliberalismus habe seit Ronald Reagan und Margaret Thatcher weltweite Hegemonie erlangt. Dies habe zur Privilegierung weniger Reicher auf Kosten der großen Mehrheit geführt. Große Konzerne und Kartelle beherrschten das politische Geschehen in den USA. Der freie Markt bringe somit nicht im geringsten eine Wettbewerbsordnung hervor. Durch den politischen Einfluss großer Unternehmen auf die US-amerikanischen Parteien werde dauerhaft die Demokratie untergraben. Die US-Regierungen hätten dazu durch Subventionen und Importzölle beigetragen. Ein typisches Beispiel der Unterstützung von Großkonzernen durch die Regierung sei die Welthandelsorganisation.

Da bringt uns das 21. Jahrhundert eine Neuauflage der nationalsozialistischen Weltanschauung (nur wird der Arier hier durch den Millionär ersetzt, der selbst dann noch heiliger Herrenmensch ist, wenn er sein Vermögen mit Menschenhandel, Drogen, Waffen, Prostitution und Kinderarbeit gemacht hat), es werden ganze Völker in Häftlinge verwandelt, die den neuen Herren ihre „Reformen“ liefern müssen wie dereinst die besetzten Länder die „Reformen“ der Nationalsozialisten durchsetzen mußten – und wir verkriechen uns ängstlich hinter dem Bildschirm.

Verständlich – bei den Aussichten.

In den USA fängt man übrigens jetzt gerade an, gegen die bezahlten Experten – „Ökonomen“ genannt – vorzugehen. Ihre Gutachten kann man kaufen wie Bier und Zigaretten. Leider weiß man nicht, wer alles gerade von wem gekauft wurde, man merkt nur, das da in der Tat etwas nicht ganz sauber lief – weshalb wir alle Gutachten und Meinungen der sogenannten „Wirtschaftsweisen“ erstmal auf dem Dachboden lagern sollten – sicherheitshalber.

Stattdessen sollten wir uns eher mit dem langsamen Umbau der westlichen Welt in ein gigantisches Arbeits- und Vernichtungslager beschäftigen. Findet ja eigentlich tagtäglich direkt vor unserer Nase statt – und wir nehmen es ganz bewußt wahr … wie die hoch geschätzte weise Frau Sybille:

Bestehen wir auf Heizung und Kleinwagen, müssen wir arbeiten, immer mehr, weil es gilt, sich gegen sieben Milliarden zu behaupten, die auch eine Heizung und einen Kleinwagen wollen. Und das macht krank, egal, wie wir es nennen, denn das Leben ist eine Demütigung, der man nur mit geisteskrankem Optimismus oder einer gepflegten Trauer begegnen kann. 

Und deshalb schauen wir uns gerne an, wie andere Maden fressen müssen: das erleichtert unser eigenes Elend … unser Burn Out, die vornehme Umschreibung von:

SCHNAUZE VOLL!

 


Deutschland 2012: Prognosen für Realisten

Mittwoch, 28.12.2011, Eifel. Aktuell werden wir ja überschüttet mit Prognosen für 2012. Für Deutschland sieht es - mal wieder, ganz hervorragend aus. Das wissen wir ja schon seit langem ... seit 2007 ist die aktuelle Krise mit Sicherheit vorbei, 2008 erst recht, 2009 total, 2010 vollkommen und 2011 endgültig. Mehr vorbei kann gar keine Krise sein. Gut, ich gebe zu: ich habe mich selbst schon mal bei Prognosen vertan: ich rechnete mit 10 Millionen Arbeitslosen. Ob ich recht habe, weiß ich nicht, da man inzwischen die Bewertungen von "Arbeitslosigkeit" geändert hat. Ist man bei einem privaten Arbeitsvermittler (ich kenne da einen persönlich, der ist selber arbeitslos), zählt man nicht mehr dazu. Vielleicht hatte ich also mit meiner Prognose auch gar nicht mal so unrecht ... aber wie konnte ich auch ahnen, das jetzt alle für 400 Euro im Monat arbeiten und somit als "beschäftigt" gelten? Mit meinen Prognosen für die Zukunft liege ich aber gar nicht mal so schlecht im Rennen, wenn man die Konkurrenz vergleicht, siehe die Welt:

Mittwoch, 28.12.2011, Eifel. Aktuell werden wir ja überschüttet mit Prognosen für 2012. Für Deutschland sieht es – mal wieder, ganz hervorragend aus. Das wissen wir ja schon seit langem … seit 2007 ist die aktuelle Krise mit Sicherheit vorbei, 2008 erst recht, 2009 total, 2010 vollkommen und 2011 endgültig. Mehr vorbei kann gar keine Krise sein. Gut, ich gebe zu: ich habe mich selbst schon mal bei Prognosen vertan: ich rechnete mit 10 Millionen Arbeitslosen. Ob ich recht habe, weiß ich nicht, da man inzwischen die Bewertungen von „Arbeitslosigkeit“ geändert hat. Ist man bei einem privaten Arbeitsvermittler (ich kenne da einen persönlich, der ist selber arbeitslos), zählt man nicht mehr dazu. Vielleicht hatte ich also mit meiner Prognose auch gar nicht mal so unrecht … aber wie konnte ich auch ahnen, das jetzt alle für 400 Euro im Monat arbeiten und somit als „beschäftigt“ gelten? Mit meinen Prognosen für die Zukunft liege ich aber gar nicht mal so schlecht im Rennen, wenn man die Konkurrenz vergleicht, siehe die Welt:

Sie hat die Dax-Prognosen der Börsenprofis der vergangenen 16 Jahre mit der Realität verglichen. Seit 1996 folgte der Aktienindex lediglich vier Mal dem Skript der Profis und wich am Jahresende weniger als zehn Prozent von der Vorhersage ab. In allen anderen Jahren entwickelte sich der Dax ganz anders, als es die Profi-Prognosen wissen wollten. Zwischen Ist und Soll klafften Lücken von teilweise über 50 Prozent.

Das könnte man auch mit Münzwurf hinkriegen … der wird aber momentan nicht so gut bezahlt. In diesem Jahr wäre Münzwurf sogar besser gewesen:

In diesem Jahr fällt die Bilanz besonders verheerend aus. 29 der 30 befragten Experten sagten steigende Notierungen für den deutschen Leitindex voraus. Im Durchschnitt rechneten die Strategen zum Jahresende 2011 mit einem Dax-Stand von 7750 Punkten. Die Realität sieht bekanntlich anders aus. Der Index notiert aktuell bei unter 5900 Punkten und damit ein Viertel unter der Profi-Prognose. Seit Januar hat der Dax mehr als 15 Prozent an Wert eingebüßt. 

Für solche Vorhersagen sackt ein „Experte“ ein sechsstelliges Jahresgehalt ein … Geld, das anderswo fehlt. Zum Beispiel beim Bürger. Wir haben inzwischen Rekorddefizite, siehe Handelsblatt:

Die öffentlichen Schulden in Deutschland sind im dritten Quartal dieses Jahres auf die Rekordsumme von 2 Billionen und 27,5 Milliarden Euro gestiegen. Das waren 10,4 Milliarden Euro oder 0,5 Prozent mehr als am Ende des zweiten Quartals 2011 und die höchste Summe seit Bestehen der Bundesrepublik, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte.

Super, oder? Das können nur wirklich hoch bezahlte Experten, die selbstverständlich so viel verdienen müssen, weil sie jederzeit woanders anfangen könnten. Wäre nur schön, sie täten es endlich – man könnte vielleicht wieder richtig gut wirtschaften und schwarze Zahlen erarbeiten. Stattdessen …. betreiben wir lieber Raubbau an den griechischen Finanzen.

Wer nun denkt, das würden wir nicht tun, der irrt. Einfach mal Spiegel lesen:

Gleichzeitig ist Deutschland Nutznießer finanzieller Transfers aus Ländern wie Griechenland und Portugal. Sie haben richtig gelesen! Deutschland bekommt Geld aus diesen Ländern. Zwar hat die Bundesrepublik Garantien für den Euro-Raum gegeben – und riskiert damit Verluste. Bislang aber ist noch kein Geld verlorengegangen. Sehr wohl aber kassiert Deutschland Gebühren für seine Garantien.

Toll, oder? Die werden obdachlos und wir immer dicker. Kein Wunder, das die Deutsche nicht ausstehen können. Ich persönlich würde mich gerne nicht an der Ausplünderung von Menschen ohne soziales Netz beteiligen, erst recht nicht würde ich im Winter Bedingungen schaffen, die Menschen auf die Straße jagen – aber wer fragt mich schon? Der moderne Deutsche ist halt anders, vielleicht finden wir den Prototyp bei Ärzten im Konzentrationslager: die sind heute noch ganz stolz darauf, was sie im Namen der Wissenschaft verbracht haben, siehe Welt:

Münch ließ alle Schleier fallen. Er schwärmte von den Möglichkeiten, die er als Arzt im KZ hatte: „Ich konnte an Menschen Versuche machen, die sonst nur an Kaninchen möglich sind. Das war wichtige Arbeit für die Wissenschaft.“ So habe er Menschen Eiter injiziert, um den Zusammenhang zwischen vereiterten Zahnwurzeln und Rheumatismus zu untersuchen. Münch bezeichnete Josef Mengele, nur knapp zwei Monate vor ihm geboren, als den „Sympathischsten“ unter allen Kollegen. Und er stellte Selektionen zynisch als Gefallen dar, damit diese Leute „nicht die nächsten 14 Tage überleben müssen“.

Solche Schilderungen sind es, die mir den „naturwissenschaftlichen Typus“ unheimlich werden lassen. Solche Bestien praktizieren bei uns als Arzt und verdienen sich eine goldene Nase durch Luxusversorgung mit Beitragsgeldern der Versicherten. Ein wenig erinnern die KZ-Versuche an die momentanen Experimenten in Griechenland. Für die deutschen Gebühren haben die sich jetzt richtig ins Zeug gelegt: um 40 % sind die Umsätze des griechischen Einzelhandels eingebrochen, die Welt bemerkt dazu noch:

Am wenigsten wird beim Essen gespart.

Unverschämt, oder? Der Grieche weigert sich immer noch, zu hungern. Na, das werden wir ihm schon beibringen … seiner Wirtschaft geht es immerhin von Jahr zu Jahr schlechter, das miese Weihnachtsgeschäft wird wohl noch mehr Pleiten nach sich ziehen, die „Reformen“ werden schon dafür sorgen.

Momentan verlaufen sie sehr schleppend, sagt man. Der Spiegel schimpft die Griechen schon „Reformversager“. Der Verkauf des Staatseigentums stockt, die Auflösung der Ministerien läuft nur schleppend, die Massenentlassungen wurden nicht zügig durchgeführt, ebensowenig die Rentenkürzungen … dafür hatte ein Abgeordneter plötzlich eine Million auf dem Konto. Überraschend.

Viele andere Spitzenpolitiker in Griechenland sind ebenfalls reich … ohne jedoch unbekannte Spender zu haben. Der Finanzminister ist sogar Millionär, jeder fünfte Abgeordnete hat über 220000 Euro auf dem Konto: Verhältnisse wie in Deutschland, möchte man meinen. Da fragt man sich doch: warum müssen eigentlich die kleinen Leute sparen? Haben die etwas persönlich die Rüstungskäufe getätigt? Wurden die alle von den Firmen eingeladen, die die ganzen Waffen verkaufen? Haben die selbst die Schulden gemacht – oder unerwartet Millionen auf dem Konto? Nein – darum sind sie ja auch so arm. Und wie die Selektion den Menschen das Leiden erspart, ersparen wir den Griechen Hartz IV – das Leid wollen wir denen gar nicht erst zumuten.

Nun haben nicht nur die Griechen Schulden – auch den Spaniern geht es schlecht.

Zwar können die sich Fussballer für 94 Millionen Euro kaufen und ihnen 11 Millionen Euro Jahresgehalt schenken, aber ansonsten geht es dem Land nicht so gut.

Oder die USA? Dort bekommen drittklassige Serienstars, die fiktive Psychopathinnen in New York spielen, 30 Millionen Dollar Gage. Der Staat? Redkordschulden, fast pleite. Da sieht man, wo das ganze Geld bleibt: die Funktionselite für Volksbeschäftigung wird superreich, das unbeschäftigte Volk wird aussortiert. Deshalb bekommt ein Gottschalk 6 Millionen Euro fürs Possen reissen, während ein Arbeitslosenkind von 974,55 Euro im Jahr ernährt werden muss. Keiner von denen bekommt sein Geld für Leistung … sie bekommen es per „Beschluss“. Da stecken Menschen hinter, die bestimmen, das ein Gottschalk soviel geschenkt bekommt wie die Kinder einer ganzen deutschen Kleinstadt – als ob 10000 Euro Monatsgehalt nicht auch ausreichen würden.

Darf man fragen, wer so etwas organisiert hat? Gibt es da wieder einen Hitler oder Himmler, die so etwas andenken? Oder hat sich die bequeme darwinistische Sichtweise jetzt auch völlig auf gesellschaftliche Bereiche ausgedehnt, so das wir auch hier automatisch von „Zufall“ ausgehen?

„Huch, da sind ja auf einmal 30 Millionen Dollar auf meinem Konto? Wo kommen die denn her?“ … wobei die letztere Frage einen schon in den Bereich der Verschwörungstheorien bringt. Wir fragen nicht mehr nach. Wir glauben. Denken … ist nur noch wenigen erlaubt – wie zum Beispiel den Unternehmern.

Einer hat jetzt mal einen gewagten Vorschlag gemacht, siehe Handelsblatt:

Es geht vor allem darum, dass die Griechen selbst Initiative ergreifen und sich selbst helfen. Als Erstes brauchen wir einen Beitrag der Reichen, eine Art Solidarzuschlag. Rund 200 Milliarden Euro auf Schweizer Konten stammen aus Griechenland, meist aus der Oberschicht. Das ist doch zum größten Teil nicht versteuertes Geld. Davon müssten die Griechen mindestens 25 Prozent als Solidarbeitrag für ihr Land zusteuern. Das wären schon einmal 50 Milliarden Euro, mit denen die Leistungsfähigkeit des Landes gestärkt würde. Der zweite Punkt wäre der Aufbau eines soliden Finanz- und Steuersystems. Am besten mit Hilfe von sehr pflichtbewussten und versierten Steuerbeamten

Das wäre doch auch was für Deutschland, oder? Der Mann ist Tunnelbohrer, der kann sich solche Kommentare leisten: der ist jederzeit auf und davon. Würden wir Deutschen (also: wie reichen Deutschen, die Mehrheit der Armen hat bislang schon einen viel höheren Beitrag geleistet, viele haben alles gegeben)  einen Solidarbeitrag von 25 % leisten … der Staat wäre saniert. Wir bekämen wieder Geld für unsere Arbeit. Juchhu.

So jedoch … dürfen wir umsonst arbeiten, bekommen noch einen kleinen Notzuschuss, um Hungerrevolten zu vermeiden: das war es dann aber auch. Glamourschnepfen, Hobbykicker und telegene Plaudertaschen brauchen das Geld dringender … meinen jedenfalls die, die in Aufsichtsratssitzungen die Verteilungen der Geldströme beeinflussen.

Damit die für ihre Freunde auch immer größere Geschenke machen können, brauchen sie natürlich Geld. Das bekommen sie von uns – durch Preise, die jetzt erstmal satt steigen werden. Strom, Gas, Benzin – ein Anstieg von 50% wird uns ein schönes Jahr 2012 bescheren.

Dabei geht es unserer Wirtschaft insgesamt wahrscheinlich nicht so gut.

Wenn es stimmt, das der Preis der Weine der Millionäre die Zukunft vorhersagt, stehen uns düstere Zeiten bevor – die Preise sind um 18 % gesunken. Allen Jubelrufen über die nun wirklich ganz ganz sicher bewältigte Krise bereiten sich die ersten Banken auf die Rückkehr der nationalen Währungen vor, der deutsche Mittelstand bittet schon Kunden um Kredite.

Das stimmt zuversichtlich, oder?

Darum meine Prognose für 2012:

die politische und wirtschaftliche Oberschicht wird weiter abkassieren, noch mehr als zuvor. Schenkt die europäische Zentralbank den Privatbanken weiter Geld, das die dann teuer weiter verleihen, bekommen wir noch mehr Millionäre in Deutschland und noch mehr Feinde im europäischen Ausland – und das auch zurecht. Behalten die Banken des Geld aber lieber selbst, wie die Rekordeinlagen bei der EZB andeuten, dann werden uns nächstes Jahr noch mehr Handwerker anpumpen wollen.  Jeder, der nicht im Netzwerk der Blutsauger aktiv ist, wird weniger Geld haben. Die Preise werden steigen, die Vollzeitarbeitsplätze weiter abnehmen, die ständig sinkende Lebensqualität wird zu noch mehr Krankheiten führen, die wir dann für noch höhere Arztgehälter und weiter steigende Medikamentenpreise unzureichend behandeln … aber seltsamerweise niemals heilen.

Für den Rest: schließe ich mich Ausnahmsweise mal Herrn Sinn vom Ifo-Institut an, dem Dinosaurier des Jahres 2009, der in der Welt einen eigenen Ausblick wagt:

„Es kann sein, dass im nächsten Jahr größere Eruptionen stattfinden“, sagte Sinn Reuters TV. „Wir sind in einer wirklich existenziellen Krise des Euro. Solch eine Krise haben wir in der Nachkriegszeit noch nicht gesehen.“ Das könne auch politische Folgen haben. „Ich wage gar nicht, mir das alles auszumalen.“

Gut, das wir jetzt wissen, wie erfolgreich Experten mit ihren Prognosen sind.

Schade … das ich keiner bin, denn so … habe ich eine Chance, richtig zu liegen.

Das … wäre wirklich schlimm – weil es auf jeden Fall hässlich enden wird.

So wie jetzt in Griechenland.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Vierte Reich erhebt sich: die „Vernichtung durch Arbeitslosigkeit“

Wenn der Staat Geld ausgibt, dann ist er sehr freizügig. Das merkt man zum Beispiel an der EU (bei RP-Online)

Deutschland finanziert als größter Nettozahler der Europäischen Union einen Großteil der üppigen Saläre für EU-Kommissare und ihre Beamten. Allein ein Akademiker verdient ohne Berufserfahrung schon 4000 Euro monatlich. Ein Kommissar kommt auf 20 000 Euro – plus Spesen.

Doch damit nicht genug. Nicht das hier mit dem Füllhorn ausgeschüttet wird, während Millionen eigener Bürger von Obdachlosigkeit bedroht sind. Die Begründung für die üppigen Zahlungen sind es, die die häßliche Fratze hinter der Maske jovialer Freundlichkeit zeigen:

Ausgeschiedene Kommissare haben Anspruch auf 40 bis 65 Prozent des Grundgehaltes für die Dauer von drei Jahren. Offizielle Begründung: Das Geld soll ihnen „beim Übergang in den Arbeitsmarkt helfen“ und dafür sorgen, dass sie nicht „jeden Job annehmen müssen“.

Wo kämen wir denn da hin, wenn ein Herrenmensch, ein Kosmokrat (siehe Jean Ziegler) auf einmal die gleichen Bedingungen für sich vorfindet, die man dem einfachen Volk vorsetzt?

Es gibt sie wieder, die Herrenmenschen. Und – wo sie sind, findet man auch automatisch ihr Gegenteil: den Untermenschen. Den brauchen die Herrenmenschen immer, schützen sie doch den Normalmenschen vor ihm. Früher war es der Kaffer in Afrika, der Kommunist in Russland oder der Jude in Deutschland, heute ist es der Langzeitarbeitslose.  Letztere sind zwar eine sehr heterogene Gruppe – aber das waren Kommunisten auch. Wichtig sind ja nicht Fairniss und Gerechtigkeit im Urteil, wichtig ist allein, das es Untermenschen gibt, die man quälen, entwürdigen, misshandeln kann. Kein Wunder, das die Gerichte laut ZDF alle Hände voll zu tun haben:

Die Zahl der Gerichtsverfahren bei ALG II steigt ständig, die Kosten für den Steuerzahler erreichen immer neue Höchststände. So räumte die Bundesagentur für Arbeit auf Nachfrage des ZDF-Magazins Frontal21 ein, allein die Gerichtskosten der „ARGE“ hätten sich in den vergangenen Jahren vervierfacht: von 7.432.970 Euro im Jahr 2006 auf 30.597.141 Euro im Jahr 2009.

Solche Entwicklungen kommen ja nicht von ungefähr, doch ist es zu spät, jetzt noch darüber zu klagen. Schon längst sind weitere Schritte unternommen worden, um die Situation massiv zu verschärfen und die Regelsätze mit einem Schlag um ein- bis zweihundert Euro im Monat zu senken. Gemerkt hat es die WELT

Merkel kündigt deutlich steigende Mieten an

Die Wärmedämmung von Häusern wird teuer. Dass Vermieter entstehende Kosten an die Mieter weitergeben, findet die Kanzlerin „verständlich“.

Jetzt braucht man nur noch die geplante Mietkostenpauschale auf Vorkriegsniveau zu senken und die outgesourcten Bürger können sich ein neues Land suchen, das sie aufnimmt. Hier finden sie keinen Platz mehr:

Entscheidend sei jetzt, “dass wir wirklich vorankommen auf dem Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien“.

So Bürgerin Merkel. Und auf diesem Weg in das Zeitalter erneuerbarer Energien können wir halt nicht jeden Krüppel mitnehmen, da machen wir es wie die Indianer: wir setzen unsere Oma im Winter zum Sterben in den Schnee. Hören wir dazu einen Kommentar aus der Süddeutschen:

Die Erhöhung von Hartz IV um fünf Euro enttäuscht die Erwartungen der Armen maßlos. Noch schlimmer ist die politische Pampigkeit, mit der sie abgefertigt werden.

Der Bundesregierung fehlt bei dieser Hilfe die notwendige Ernsthaftigkeit. Ihr fehlt der ernsthafte Wille, den Arbeitslosen in diesem Land die Achtung zu zeigen, die ein Mensch ohne Arbeit noch mehr braucht, als einer, der Arbeit hat.

Die Verkündung einer Minimalerhöhung des Hartz-IV-Satzes um fünf Euro war eine Kundgabe der Geringschätzung und Missachtung, also eine Beleidigung – nicht nur wegen dieses Minimalbetrages, sondern wegen der Art und Weise, wie er bekanntgemacht wurde. Eine Regierung, der etwas am sozialen Frieden liegt, hätte sogleich die Berechnungsgrundlagen auf den Tisch legen müssen. Auf dem Tisch liegen aber nur fünf Euro. Friss oder stirb. Mit der Atomindustrie hätte sich die Bundesregierung ein solches Gebaren nicht erlaubt.

Das ist die eigentliche schlimme Botschaft für die Bürger in diesem Land, die Botschaft, die Angst macht und das Land in Agonie erstarren läßt: ihr seid uns egal, ihr seid nur noch lästig und … zu teuer. Und am liebsten würden wir euch möglichst billig entsorgen. Das dürfen wir noch nicht … noch nicht … aber wir arbeiten daran.

Dabei sind es nicht nur die aktuell Hartz-Abhängigen, die hier zu berücksichtigen sind. Abgesehen von der Gruppe der über Fünzigjährigen (oder muß man schon sagen: der über Fünfundvierzigjährigen), die aus der Powerspaßpopkultur herausgeflogen sind, gibt es noch ein Millionenheer, das immer mal wieder in die Hartz-Abhängigkeit rutscht und sich ansonsten mit erbärmlichen Lohntüten über Wasser halten muß – wie die Süddeutsche berichtet:

Friseure in Brandenburg kommen demnach in der untersten Tarifgruppe auf einen Stundenlohn von knapp über drei Euro, im Monat macht das 515 Euro für einen Vollzeitjob. Wachleute in Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern steigen brutto bei etwa 750 Euro ein.

Hartz-IV-Abhängige mit ein-Euro-Job haben auch einen Vollzeitjob, aber das läuft nicht unter ARBEIT, die wieder mal zum Fetisch geworden ist. Das hatten wir schon mal.

Die Konzentrationslager im Dritten Reich wurden zum Zwecke der Umerziehung errichtet. Ursprünglich. Das findet man noch bei der „Jugendgeschichtswerkstatt“.

Die Identifizierung mit der „deutsche Arbeit“ war ein zentrales Moment für die breite Zustimmung der Bevölkerung zum Nationalsozialismus. Jüdinnen und Juden, Sinti, Roma und so genannte Asoziale, eigentlich Teil der Volksgemeinschaft, wurden jene negativen Eigenschaften zugesprochen, die – so das damalige Verständnis – ein „gesundes deutsches“ Verhältnis zu Arbeit vermissen ließen und dem „deutschen Volk“ schaden würden. Dies führte dazu, dass allein im Frühjahr 1938 im Rahmen der Kripo-Aktion „Arbeitsscheu Reich“ mehr als 10.000 Menschen verhaftet und zur „Arbeitserziehung“ in Konzentrationslager interniert wurden. Neben wirtschaftlichen Gründen, insbesondere dem Arbeitskräftemangel, war die ideologische Komponente maßgeblich: die „Disziplinierung durch Arbeit“. Auch zeigt die Verfolgung von so genannten Arbeitsscheuen die zentrale Bedeutung der Arbeit für das nationalsozialistische Weltbild. Über den Toren der Konzentrationslager befand sich auch die Losung „Arbeit macht frei“, die signifikant für den Arbeitsfetisch im nationalsozialistischen Weltbild ist.
Obwohl „arbeitsscheu“ und „undeutsch“ synonym verwendet wurden, wurden immer öfter „arische“ Menschen als arbeitsscheu bezeichnet.

„Arbeit“ als Fetisch. Haben wir wieder. Der Traum von der Freizeitgesellschaft, in der Maschinen die Arbeit erledigen, ist ausgeträumt.

Volksschädlinge, haben wir wieder, Wikipedia erinnert sich noch:

Im August 2005 brachte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit die Broschüre „Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ‚Abzocke‘ und Selbstbedienung im Sozialstaat“ heraus. Für diese Broschüre aus seinem Haus schrieb Clement das Vorwort.[25] In der Broschüre wird unter anderem suggeriert, dass ein Großteil der ALG-II-Empfänger die staatlichen Unterstützungen nicht rechtmäßig erlange. Jedoch sind keine Untersuchungen oder Statistiken dazu in der Broschüre enthalten. Sie stützt sich auf Einzelaussagen, in denen unter anderem die Begriffe Schmarotzer, Trittbrettfahrer, Abzocker und Parasitenbenutzt wurden. Die oben genannte These der Broschüre und deren Begriffe „Schmarotzer“ und „Parasiten“ wurden in der Boulevardpresse bundesweit verbreitet.

Disziplinierung durch Arbeit. Mitlerweile eine alltägliche Erfahrung, hier mal ein Artikel einer polnischen Journalistin dazu.

Disziplinierung der Arbeitslosen durch den Zwang zur Arbeit

Inzwischen ist eine paradoxe Situation entstanden, in der es zwar kein Recht auf Arbeit gibt, dennoch darf man den Menschen unter Zwang setzen, jede Arbeit aufzunehmen. Der Zwang wird nicht nur institutionell, mit finanziellen Einschnitten, ausgeübt. Wer sich gegen eine Arbeit um jeden Preis ausspricht, läuft Gefahr, als Sozialschmarotzer abgestempelt zu werden. Unsolidarisches Verhalten und Anspruchsmentalität hängen dann solch einer Person Politiker aller Couleur an.

Eine Diskussion über die sozialen Standards wird dagegen geächtet und tabuisiert, genauso wie dies im Falle von Qualität, Normen und Entlohnung der Arbeit ist. Unterdessen entsteht eine Armee von billigen und willigen Arbeitskräften, die weder frei handeln dürfen noch dem Zwang etwas entgegensetzen können. Welche Bedeutung und Konsequenzen für eine demokratische Gesellschaft diese Art der modernen Sklaverei hat, wird nicht diskutiert.

Das Prinzip des „Förderns und Forderns“, das sich zumeist in „Fordern“ erschöpft weil an effektiver Förderung keiner je Interesse hatte, besagt ja im Prinizip nichts anderes, als das man die faulen Säcke endlich an die Arbeit kriegen will.

Und auch die offizielle Apologetik der Hartz IV-Gesetzgebung scheitert an den Fakten: das angeblich aus kostengründen alternativlose Hartz-System ist teurer als sein Vorgänger, schreibt jedenfalls das Handelsblatt

Und bei alledem ist das System für die öffentlichen Kassen sehr teuer. Insgesamt geben Bund und Kommunen seit dem Start der Reform vor fünf Jahren im Schnitt jedes Jahr mehr als 45 Mrd. Euro für Hartz-IV-Leistungen aus, das sind etwa 20 Prozent mehr als im alten System, als Sozial- und Arbeitslosenhilfe noch getrennt waren.

Daten und Fakten die eigentlich dafür sprächen, das System sofort abzuschaffen. Das würde neun Milliarden Euro zur besseren Versorgung der Arbeitslosen zur Verfügung stellen. 9000 Millionen für 7 Millionen Arbeitlose wären 1400 Euro im Jahr und 110 Euro im Monat. Gäbe man ihnen nur hundert Euro im Monat mehr (vor allem den Kindern) hätten alle einen Gewinn.

Aber es geht hier nicht um Geld, es geht hier um den Umbau der Gesellschaft, um das „Zeitalter der erneuerbaren Energien“ … hinter dem sich eine neues Deutschland verbirgt, das für Menschen ohne Hotel keinen Platz mehr hat – es sei denn, sie kommen aus dem Ausland.

Der Unterschied zur NS-Zeit? Die einen vernichteten öffentlich durch Arbeit, die anderen vernichten insgeheim durch Arbeitslosigkeit. Die Korporatokratie herrscht gerne diskret, man möchte auf dem Weg zum Bundespresseball nicht mit faulen Eiern beworfen werden. Das mag man nicht.  Die einen lebten eine Aristokratie der Arier, die anderen leben eine Aristokratie der Finanzmafia – die wesentlich internationaler ausgerichtet ist.

Vernichtung durch Arbeitslosigkeit? Ist nicht zu weit hergeholt … ist einfach nur eine Beschreibung der Fakten, wie hier bei Curado

Arbeitslosigkeit verkürzt einer Studie zufolge das Leben. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Langzeitarbeitslosen sei niedriger als die von Berufstätigen, berichtet das Magazin «Zeit Wissen» und beruft sich dabei auf Anghaben der Bundesregierung. Für Menschen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, die länger als zwei Jahre arbeitslos sind, sei die Gefahr zu sterben demnach 3,4 Mal höher als für Berufstätige.

Studien zufolge leiden Arbeitslose häufiger an Herz-Kreislauf- oder Muskelerkrankungen und Depressionen. In Deutschland verbringen Männer ohne Arbeit mehr als doppelt so viele Tage im Krankenhaus wie Berufstätige, heißt es in dem Bericht weiter.

Das geringere Einkommen sei dabei nicht der entscheidende Faktor: «Der Gesundheitszustand der Mehrheit der Arbeitslosen verschlechtert sich selbst dann, wenn sie keine massiven finanziellen Einschränkungen erleben», sagte Psychologe Thomas Kieselbach vom Institut für Psychologie der Universität Bremen dem Magazin.

Man braucht die Faschisten in der Maske der Demokraten, vor denen Adorno sich noch gefürchtet hatte, nicht mehr zu suchen.  Sie sind schon längst da. Und wieder liefert Hugo Boss die Uniformen.

Die neuen Arier brauchen natürlich nicht jeden Job annehmen. Die neuen Juden schon. Das macht den erkennbaren Unterschied aus.

Vielleicht kriegen wir dann im nächsten Jahr auch wieder Konzentrationslager, wenn die Hartz-Abhängigen die Mieten nicht mehr zahlen können. Irgendwo müssen die ja zwischengelagert werden, bevor man zur Endlösung kommt. Die Niedriglohnempfänger werden dann doppelt so schnell rennen, um nicht  ins Lager zu kommen – da bieten sich enorme Gewinnchancen für skrupellose Charaktere, die sich schon jetzt an der weltweiten Asozialität eine goldene Nase verdienen.

Dann haben die uns endlich soweit „downreguliert“ das wir für Brasilien Hemden nähen können.

„Ohne eine Revolution sind die Amerikaner nur noch Geschichte.“ Und unser Urlaub auch.

Obiges Zitat stammt nicht von Che Guevarra, nicht von Osama bin Laden oder Fidel Castro, es stammt von:

Paul Craig Roberts, ehemaliger Redakteur des Wall Street Journal und unter Ronald Reagan Staatsekretär im US-Finanzministerium, kommentierte diese Entwicklung am Dienstag so: »Das Wohlergehen der USA und das seiner 300 Millionen Einwohner kann solange nicht wiederhergestellt werden, solange die Neokonservativen, die Wall Street, die Konzerne und ihre servilen Lakaien im Kongreß und im Weißen Haus, nicht besiegt sind. Ohne eine Revolution sind die Amerikaner nur noch Geschichte.«

Ein deutliches Wort … das auch mit Zahlen belegbar ist:

Laut Financial Times vom 30. Juli ist seit 1973 das reale (inflationsbereinigte) Einkommen von 90 Prozent aller US-amerikanischen Familien nur um zehn Prozent gestiegen. Für viele ist der »amerikanische Traum« zum Alptraum geworden. Mehr als der Hälfte geht es heute sogar schlechter als vor 37 Jahren. Die Arbeiterklasse wurde an den Produktivitätszuwächsen nicht mehr beteiligt. Dagegen profitierten die Spitzen der Einkommenshierarchie gewaltig: In derselben Periode verdreifachte sich das reale Einkommen von einem Prozent der Bevölkerung, und das des reichsten Zehntelprozents verzehnfachte sich. Während 1973 ein Konzernchef etwa das 26fache des Durchschnittseinkommens mit nach Hause nahm, kassiert er heute mehr als das 300fache.

Quelle: jungewelt

Die offene Forderung einer Revolution zur Rettung der amerikanischen Nation, der amerikanischen Kultur von einem Wall-Street-Mann sollte einem zu denken geben und in Deutschland auf jeder Zeitung auf Seite 1 stehen,  direkt neben den Aufschwunglegenden.

Denen geht es sehr schlecht, den Amerikanern, und wenn es nach dem Willen der Atlantikbrücke  geht, dann werden diese Verhältnisse auch uns erreichen. Jedenfalls arbeiten wir schon kräftig daran:

So haben etwa die Realeinkommen des obersten Zehntels in den letzten zehn Jahren um 17 Prozent zugenommen – beim ärmsten Zehntel dagegen um zehn Prozent abgenommen. Aber ob Reichtum beim siebten oder erst beim zehnten Zehntel beginnt, das ist nicht eindeutig.

Die zentrale Frage dahinter ist: Wie viel Ungleichheit wollen wir? Mein Eindruck ist, das die amtierende Regierung beschlossen hat, das aktuelle Maß an Ungleichheit reicht nicht aus, sondern sie möchte offenbar durch noch mehr Ungleichheit Leistungs anreize setzen.

Bestes Beispiel ist die letzte Kindergelderhöhung: Hartz-IV-Empfänger bekommen nichts, die Mittelschicht bekommt 20 Euro mehr, und die Bestverdiener erzielen über den Steuerfreibetrag ein sogar noch höheres Plus. Irrwitz.

Quelle: derFreitag

Schaut man sich die Verfilzungen zwischen bundesrepublikanischer Führungselite und US-Kapital-elite an, so kann es nicht verwundern, das auch hier Trends gefördert werden, die revolutionsfördernd sind. Jetzt will man uns sogar den Urlaub streichen:

Deutsche Arbeitnehmer sollen nach dem Willen des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft künftig zwei Wochen Urlaub weniger pro Jahr machen. Sechs Wochen seien zuviel, vier Wochen reichten völlig aus, sagte Vorstandsvorsitzende Ursula Frerichs der „Bild“-Zeitung. Frerichs begründete die Forderung damit, dass Deutschland bei den Urlaubstagen weltweit an der Spitze läge und die Beschäftigten im Verhältnis zu anderen Ländern immer noch doppelt so viele freie Tage hätten. Zudem könnte eine Urlaubskürzung die aktuelle positive konjunkturelle Entwicklung unterstützen.

Quelle: Yahoo

Die Frau war erst kürzlich durch ihre Forderung nach Deopflicht für Deutschland aufgefallen:

Deutschland schwitzt – sie ist dagegen: Ursula Frerichs, Präsidentin des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft, will eine Deopflicht für alle Arbeitnehmer.

Quelle: Focus

Der UMW ist ein Lobbyverband, gegründet 1990:  Endlich war es dann soweit: am 30.Mai 1990 wurde mit der Unterschrift von 33 Unternehmerinnen und Unternehmern abends nach langer, konstruktiver Arbeit um 23.15 Uhr der Unternehmerverband mittelständische Wirtschaft aus der Taufe gehoben. Nicht zu vergessen wo: bei der trigon-Beratungsgesellschaft im Herzen der Koblenzer Altstadt.

Die Trigon-Beratungsgesellschaft gibt es heute noch, sie ihr Aufgabenfeld nun auf Arbeitslosentraining erweitert.  Eigentlich ist die UMW nicht angetreten, um Deoabsatz zu fördern oder Arbeitnehmer noch weiter auszupressen, ihre Ziele sind andere:

Wir unterstützen Sie

•      beim Knüpfen und Pflegen von Geschäftskontakten im In – und Ausland

•      bei Verhandlungen mit Kreditinstituten und Banken

•      im Informationsmanagement

•      bei Kontakten zu lokalen und überregionalen Behörden

Unser Ziel ist es, die Interessen der Selbstständigen und mittelständischen Unternehmen aus Handel, Handwerk, Gewerbe und den freien Berufen in allen Bereichen zu vertreten.


Durch praxisbezogene Informationen und Hilfeleistungen fördern wir die wirtschaftlichen Belange und die Zusammenarbeit der Mitglieder untereinander.

Quelle: UMW

Wie es kommt, das ihre Vorstandsvorsitzende regelmäßig mit kecken Vorschlägen an die Öffentlichkeit kommt, entzieht sich etwas dem Verständnis … aber so kann man auch auf sich aufmerksam machen. Und es ist ein gutes Beispiel für einen Kampf, der schon verloren scheint, trotz der augenscheinlichen Notwendigkeit einer Revolution auch schon verloren ist:

Das Internet-Zentralorgan „Wired“ erklärt das offene Netz für tot – und definiert Kapitalismus als eine Art Naturgesetz, das jede Infrastruktur unweigerlich in eine Matrix zwängt. Doch frisst die Wirtschaft wirklich das Web?

Die Verfechter des Kapitalismus kämpfen um etwas. Um die Kontrolle über das World Wide Web. Um die Hierarchisierung der Angebote und Informationen, darum, dass ihre eigenen Produkte denen der Konkurrenz preislich oder qualitativ überlegen sind. Um Macht über die Aufmerksamkeit des Individuums. Sie kämpfen darum, dass wir uns zurücklehnen, Antworten erhalten, Neues empfohlen bekommen. Darum, dass wir konsumieren. Das Symbol des Kapitalismus sind die Apps, Millionen Mini-Programme, mit denen wir uns – bequem, aber teils gegen Geld – in geschlossene, genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnittene Mini-Räume teleportieren.

Der Fernseher wird in Adornos Überlegungen zum Machtzentrum eines alles durchdringenden Mediendispositivs. Aus seinem Monitor heraus reicht uns die Kulturindustrie ihre Produkte mit dem Löffel, eingeteilt in kleine, wohlgeformte Portionen, die so leicht verdaulich sind, dass wir sie kritiklos herunterschlucken und uns der Kontrolle der Kulturindustrie gern unterwerfen.

Diese Entwicklung soll nun auch das Internet erreichen.

„All das war unvermeidlich“, schreibt Anderson. Denn die Kräfte des Kapitalismus wirkten von zwei Seiten auf das Internet ein: Unternehmen wünschten sich Unfreiheit und Hierarchisierung. Und der Konsument selbst sei nur allzu gern bereit, seine persönliche Freiheit der Bequemlichkeit zu opfern.

Quelle: Spiegel-Online

Geben wir Anderson Recht, dann war es das nicht nur mit den USA sondern auch mit der BRD … auf jeden Fall aber war es das für unseren Urlaub, den gegen das Argument „Aufschwung“ ist kein Kraut gewachsen.  Alles muß sich diesem großen, einzigartigen, alternativlosen Ziel unterordnen, der Leistungskampf der deutschen Unternehmen im Zeitalter der Globalisierung ist vom deutschen Arbeitnehmer in großer Opferbereitschaft vorbehaltlos zu unterstützen:

Seit 1937 wurde im Rahmen des am 29. August 1936 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) ins Leben gerufenen Leistungskampfs der deutschen Betriebe die Auszeichnung „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ verliehen. Den Beschäftigten wurde mit dem Leistungskampf soziale Gerechtigkeit propagiert und damit gleichzeitig für die DAF geworben. Durchgeführt wurde der Wettkampf vom „Amt für soziale Selbstverantwortung“ der DAF. Die Ehrungen durch Adolf Hitler fanden jährlich am 1. Mai, dem „Tag der nationalen Arbeit“, statt. Ein Jahr lang führten die prämierten Betriebe daraufhin die Goldene Fahne der DAF. Die Beschäftigten nahmen die damit verbundenen sozialen Verbesserungen zwar gern an, die Teilnahme an den Leistungskämpfen bedeutete aber oft nur verstärkte Arbeitshetze und nunmehr erhöhten Druck von der Unternehmensleitung und der DAF.

Quelle: DHM

»Brot und Arbeit« hatte Hitler versprochen. Das Geld dafür gab der Staat – ganz wie es die Theorie des englischen Ökonomen John Maynard Keynes vorsah. Zwischen 1933 und 1938 verdreifachten sich die Staatsausgaben auf fast ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts.

Quelle: Zeit

Wir scheinen 2010 wieder die gleichen Antworten auf Weltkrisen zu haben wie schon 1933. Wir arbeiten einfach immer mehr und hoffen, das dann alles gut gehen wird. Wir sind brav und fleissig, oder?

Ansonsten … haben die „hierarchischen Kräfte“, die Kräfte der „Unfreiheit“ gewonnen.  Mal wieder. Weil … wir uns zurücklehnen und uns füttern lassen. Wir könnten alles Wissen, doch dafür müßten wir selbst suchen gehen, das gehört nicht zu den Häppchen, die uns der Fernseher zugesteht. Es geht nicht nur um unseren Urlaub, es geht auch … um unser Essen:

Das Streben vieler Länder nach Nahrungsmittelsicherheit ist der wichtigste Grund für das Interesse an australischem Boden. Beobachter sprechen von einem globalen Trend zum „Land Grabbing“ – dem Horten von Agrarland. Denn qualitativ hochwertige Landflächen werden nicht zuletzt als Folge des Klimawandels weltweit immer rarer. Bisher konzentrierten Firmen und Regierungen – allen voran China – ihre Suche nach produktivem Boden vor allem auf afrikanische Länder. Doch zunehmend finden sie auch im traditionellen Agrarland Australien Alternativen.

Quelle Handelsblatt

Nun, wir haben noch keinen Hitler und wie haben auch noch keine NSDAP. Brauchen wir auch nicht. Wir haben Bilderberger, Atlantik-Brücke, Parteien und Gewerkschaften als hierarchische unterwanderte Massenorganisationen, die jeden Widerstand kanalisieren und in bequeme Bahnen lenken, die ihrererseits Unfreiheit als Dogma auf ihre Fahnen geschrieben haben – auch innerparteilich.  Der Nationalstaat wird in der globalisierten Welt auch keine Rolle mehr spielen. Er ist für den Kapitalismus nicht mehr nützlich, da sind sich alle Kapitalisten und Kommunisten einig, Menschen, die merken, das China doch eigentlich alles richtig macht – politisch gesehen. Und wirtschaftlich holen die ja jetzt auch auf.

Wir … lehnen uns zurück. 9 von 10 Deutschen wollen diesen Wahnsinn nicht mehr … aber sie werden es hinnehmen, das ihr Urlaub gestrichen wird, weil das „Heute-Journal“ uns erklärt, warum Dieter Bohlen immer noch da ist, wo er ist, welcher Promi wie Geburtstag feiert und welcher Politiker sich wo prima profiliert hat, während „Land-Grabbing“ für die meisten ein vollkommen unbekannter Begriff ist.

Im Alter werden wir es merken, was das Land-Grabbing bedeutet: dann kostet das Brot fünfzig Euro.

Kriege … brauchen wir in Europa nicht zu befürchten, denke ich.  Noch sind die Ländereien hier als Wohnzone interessant, auf unseren Autobahnen kann man seinen Maserati so richtig schön ausfahren. Aber langfristig … werden wir Geschichte sein wie die USA.  Die neuen Feudalherren etablieren sich nicht mit Burg und Rüstung, sie etablieren sich mit elektronisch gesicherter Villa und gepanzerter Limousine … und Zugriff auf das Essen.

Eins jedoch ist ihnen gleich, wie immer: die Behauptung, ihnen „gehöre das Land“.  Und sie lassen sich immer neue juristische Kniffe einfallen, um diesen Diebstahl zu legitimieren.

Ach ja, und wie immer … geht der Aufschwung an denen, die arbeiten, spurlos vorbei. Ist ja auch seit Jahrtausenden so:

Arbeitsvertragsfragen und Tarifverhandlungen wurden vielmehr von den im April 1933 ernannten „Treuhändern der Arbeit“ festgesetzt, die direkt dem Reichsarbeitsministerium unterstanden. Da Lohnerhöhungen aus Kostengründen vermieden werden sollten, stieg das durchschnittliche Realeinkommen eines Industriearbeiters kaum und lag bis 1939 deutlich unter dem Niveau von 1928.

Quelle: dhm

Mit Konzentrationslagern ist  wieder zu rechnen. Unwertes Leben muß von der Straße.  Und noch ein wenig mehr … dann werden wir verstehen, das wir im Rahmen der großen Globalisierungsschlachten uns nicht nur keinen Urlaub mehr leisten können, sondern das auch die Rente unbezahlbar ist. Dann werden wir ganz viel unwertes Leben haben, dessen Beseitigung aber große Verdienstchancen eröffnet.

Jedenfalls … wenn alles so weitergeht wie bisher.

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