Karneval

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Wollen wir se rauslasse …? (Die Sau)

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Karneval. Wieder mal. Mit ohrenbetäubendem Getöse darf der fernsehende Spiegelbildbürger seine im Hamsterrad bereits halb zu Tode gehetzte Sau rauslassen. Gerade fahren die, die noch nicht unterm Tisch liegen, auf ihren Narrenwagen durch die Straßen, dass alten Menschen der Herzschrittmacher aussetzen kann.

Ich muss an Götz Eisenberg denken, wie er in seinem Buch „Zwischen Amok und Alzheimer – Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“ (Verlag Brandes & Apsel, 2015) meint, dass es heute eigentlich gar keinen Sinn mehr mache, Fasching zu feiern, um den Alltag mal „andersrum“ zu zelebrieren. Wenn man wirklich Abwechslung wollte, dann müsste man in einer Zeit, in der in den Straßen und Lokalen unserer Großstädte praktisch das ganze Jahr über Dauerparty und Exzess herrsche, eigentlich ein paar Tage der Askese einlegen, in denen man Stille, Besinnung und Mäßigung praktiziert.

 


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Foto: pixabay/CC0

Deutschland – das Land der lebenden Toten. Gedanken um Rosenmontag.

Rosenmontag, 27.2.2017. Eifel. Was für eine Sensation! Millionen von Menschen sind heute auf der Straße, um politische Willensbildung zu betreiben, um anzuzeigen, dass sie mit der herrschenden Politik, mit dem Kriegskurs der Allianz der Volksparteien, mit der Vernichtung des Sozialstaates, der Vernichtung des natürlichen Lebensraumes und der fortschreitenden Ausbeutung der Arbeitskraft nicht einverstanden sind! Endlich zeigt der Souverän mal seine Macht, erstürmt die Rathäuser und Parlamente, um der Erniedrigung, der Unterdrückung, der Entwürdigung ein Ende zu setzen, um Millionen Kinder aus bitterer Armut zu befreien und der Solidargemeinschaft eine Wirtschaftsreform zu schenken, die wieder den Menschen im Mittelpunkt hat statt des toten Kapitals.

Haha – Scherz. Klar geht heute niemand mehr auf die Straße um seinen politischen Willen kund zu tun. Früher – da war das anders. Da wurden Fabriken besetzt, Universitäten oder Baustellen von Flughäfen und Endlagern, da wurde eine Republik Freies Wendland mitten in Deutschland geschaffen, um für 33 Tage einen Gegenentwurf zum sich selbst vernichtenden Atomstaat zu schaffen. Heute aber – sind Alkohol und Sex die einzigen Motive, sich in Massen auf der Straße zu versammeln, „Bützchen“ hier, „Bützchen“ da, zwischendurch vier Doppelkorn und der Tag der Pappnasen war ein Erfolg.

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum das so ist?

Nun – diese Frage geht natürlich auch sofort an mich. Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten, könnte man sagen. Ich – habe es leicht. Besitze einen Rentenausweis der Bundesagentur für Arbeit, bin im Erwerbsleben einem Schwerbehinderten gleichgestellt … und kann schlichtweg nicht mehr schmerzfrei lange stehen. Acht Stunden Demo würden für mich im Krankenhaus enden. Haben Sie auch so eine schöne Ausrede? Ich kann es mir auch noch leichter machen: seit dem 19.2.2009 stehe ich auf der Straße, auf dem Marktplatz, im Hydepark und predige über den Niedergang der Kultur – es ist allerdings eine virtuelle Straße, ein virtueller Platz: hier störe ich niemanden. Mehr Medienpräsenz gäbe es, wenn ich eine Autobahnbrücke blockieren würde. Man sieht: es ist wieder nur eine Ausrede. Ich bin auch alleinerziehender Vater, angeschlagen durch gehässige Scheidungs- und Beziehungsdramen: wirklich – will man so einem noch zumuten, für die Zukunft der Welt oder der Kinder in den Krieg zu ziehen?

Natürlich stellt sich auch die Frage: gibt es überhaupt einen Grund, in den Krieg zu ziehen? Ist es überhaupt Krieg, von dem man dort reden kann? Sicherlich. Bei der Vernichtung der Republik Freies Wendland kamen 6000 Polizisten zum Einsatz, 15 schwere Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes flogen dicht über ihre Köpfe, der Lärm war unerträglich, der aufgewirbelte Staub raubte einem alle Sicht – der Traum von einem ganz anderen Leben war schnell vorbei. Je gründlicher der Widerstand gegen die Macht ist, umso härter schlägt sie zurück … und man weiß heute nicht mehr, wann die eigentlich aufhören würden, ihre Kriegsmaschinen auf die eigenen Bürger zu hetzen. Und doch … gibt es Gründe, sich über Widerstand Gedanken zu machen. Dies fand ich gestern bei Susan Bonath auf Facebook – ein Eintrag vom 25.2.2017, der mich sehr berührt hat:

„Ich höre oft zu, worüber sich Menschen an Straßenecken, in Einkaufstempeln und Cafés unterhalten. Wenn es sich ergibt, suche ich auch das persönliche Gespräch, mit Verkäuferinnen, Inhabern kleiner Läden, Passanten. Gerade eben las ich Kommentare unter meinem Artikel bei RT. Dort fand ich viele Meinungen, die ich ähnlich auch sehr häufig auf der Straße höre. Es sind keine Meinungen armer Schlucker, die haben meist noch eine Restportion Empathie in sich. Erfahrung halt. Es sind die Meinungen der Mittelschicht. Entsetzliche Meinungen. Von einem bin ich überzeugt: Vernichtungslager werden wiederkommen, getragen von einer großen Mehrheit – schweigend oder aktiv. Ich sehe fanatische, hasserfüllte Diener aus der Mittelschicht Müttern und Vätern, Alten und Jungen, Kindern und Babys die Köpfe einschlagen – geduldet von einem mörderischen Staatsapparat und dessen Knüppelgarde. Die Opfer werden die Armen sein. Arme Deutsche, arme Franzosen, arme Italiener, arme Bulgaren, arme Afrikaner, arme Araber, arme Juden. Ganz unabhängig von der Hautfarbe. Gequält und abgeschlachtet von Leuten, die heute brav in ihre Firmen rennen, acht Stunden frustriert an ihren Schreibtischen sitzen, kleine Geschäfte betreiben oder mittelständische Betriebe. Ich bin überzeugt, dass dies in nicht allzu ferner Zeit passieren wird.“

36 Jahre nach dem Sturz der Republik Freies Wendland zeigt Deutschland ein anderes Gesicht: unser Truppen stehen wieder stolz an der russischen Grenze, marschieren durch Afrika und Asien, unsere Schiffe kreuzen durch die Weltmeere, zusehends müssen wir mit Sprech- und Denkverboten leben, die Regierung gibt Tagesbefehle heraus, die sogar unsere Emotionen bestimmen wollen: „Deutschland geht es gut und das ist ein Grund zur Freude“. Und wehe dem, der dagegen aufmüpfig wird: der Arbeitgeber als Büttel einer Machtelite wird ihm schon zeigen, wo der Hammer hängt. Und wenn nicht – streichen ihm die Banken die Kredite. Was war das noch für ein Paradies damals, als wir nur gegen Atomraketen, Weltkrieg und Naturzerstörung zu kämpfen hatten – heute sehen manche schon am Horizont Vernichtungslager.

Ich nicht. Ich weiß, dass die Machtelite dazu lernt: diese Lager sind kostenmäßig ineffektiv. Verhungern lassen kann man die Leute besser in ihren eigenen vier Wänden – und genau das geschieht heute. Besser gesagt: es wird versucht. Wer sich der Billigverwertung seiner Arbeitskraft entzieht, wird vogelfrei und von einer mit gigantischen Mitteln arbeitenden Behörde sanktioniert – notfalls so weit, bis dass der Tod eintritt. Ja – die Regierung verpackt dieses „Geschenk“ in andere Worte … das ändert aber nichts an den Fakten, dass – quasi als unterlassene Hilfeleistung – tausende von Menschen in diesem Land per Staatsgewalt in Todesgefahr gebracht werden. Als Akademiker, geschult in der strengen Sichtweise der politischen Philosophie, behaupte ich, dass jeder Staat seine Rechtfertigung verliert, wenn auch nur ein einziger unbescholtener Bürger durch ihn absichtlich zu Tode gebracht wird: wo finden Sie heute noch eine Talk-Show, in der solche Basisdiskussionen geführt werden?

Was ist also los mit den Menschen? Warum erdulden sie auf einmal die Vernichtung ihres Planeten so klaglos. Diese Frage habe ich gestern meinen Freunden auf Facebook gestellt – und eine Riesendiskussion losgestoßen. Eine Meinung bzw. Beobachtung möchte ich hier dazu zitieren:

Letztens sah ich eine Doku, auf ZDF NEO. Es heißt ja immer, die öffentlich Rechtlichen produzieren nur Scheiße. Das muss ich negieren.
In der Doku ging es um junge Menschen. Träume, Ziele, ect.
Da wurde auch viel Misstand angeprangert.
Auf die Frage des Interviewers, warum sie sich nicht zusammen tun- hier Uni- kam so eine beschissene Antwort.
Wir wollen lieber nicht auffallen, sonst müssen wir bestimmt mit Repressalien rechen.
Zu Deutsch: Wir ziehen den Schwanz ein und Kratzbuckeln.

Repressalien. In welchem Land leben diese Jugendlichen an der Universität eigentlich? Nordkorea? Was bestimmt ihren Erfahrungshorizont, was ist anders als früher?

Nun – das Ende jeweder Sinnhaftigkeit politischer Aktivität kam mit „rot-grün“ – und dem größten Verrat von politischen Führungskräften an ihren Wählern seit Gründung der Republik: als wären Sie die persönlichen Agenten der Internationelen Finanzelite zerschlugen sie in kurzer Zeit die sozialen Sicherungssysteme und etablierten im Gleichschritt mit einer geschlossenen Front privater und staatlicher Medien den neuen „Juden“, den Staatsfeind Nr. 1, der uns all´ unser Geld wegnimmt: den Arbeitslosen. Der Arbeitslose wurde Straftäter, Volksverräter und Ausbeuter in einem – ihm musste der Krieg erklärt werden, sonst drohte dem Reich der Untergang. War natürlich Unfug, aber man merkte auch schnell: die Medien waren schon so gleichgeschaltet, dass Widerstand zwecklos schien. Gleichzeitig wurden Finanzjongleure und Funktonsträger der Elite durch Steuerentlastungen begünstigt – also: bestochen – um hier ja keinen Widerstand aufgrund eines noch vorhandenen Restgewissens aufkommen zu lassen. Gleichzeitig schickte die Friedensbewegung – unsere „Grünen“ – die ersten Bomber seit 1941 ins Ausland: der Wahnsinn kam schnell und traf auf ein völlig unvorbereitetes Volk, dass sich unversehends in einer neuen Realität wiederfand, die einen großen Schritt in die Richtung gemacht hatte, aus dem Wohlstandsland Deutschland ein Arbeitslager zum Wohle der Machtelite zu formen.

Wäre das nicht Grund genug, auf die Straße zu gehen?

Nun – wozu? Um von noch einer Partei verraten zu werden? Die nächsten stehen ja schon am Start, predigen Alternativen, die sie nie umsetzen werden, wenn sie erstmal ihre Bestechungsdiäten monatlich in Hülle und Fülle inklusive fortlaufender Steigerungen erhalten.

Nun – wir haben hier kürzlich die ausführliche Stellungnahme von Prof. Rainer Mausfeld über das Demokratie-Management durch Softpowertechniken veröffentlicht: eine der bemerkenswerten modernen Arbeiten über die Techniken der Manipulation der Bürger dieses Landes, die sie in Gestalten verwandeln, die schon im Ansatz völlig unfähig zur politischen Willens- und Entscheidungsfindung sind und durch tägliche Berieselung mit Massen von unwichtigen Nachrichten – also keine Fakenews, sondern eher Bullshitnews über das Leben der Promis, über Meisterschaften in Leibesübungen oder tolle Urlaube an den letzten unberührten Flecken der Erde – in einen eher halbbewussten Zustand versetzt werden. Mausfeld zitiert in seinem Vortrag die Bundeszentrale für politische Bildung – von der ich hier lieber einen längeren Passus übernehmen möchte:

„Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen. Hier zeigt sich der große Unterschied etwa zur journalistischen Information: Journalisten betreiben Aufklärung, indem sie alle verfügbaren Fakten und Hintergründe darlegen und die Menschen selbst entscheiden lassen, was richtig und was falsch ist.“

Darf ich Ihnen mal ein paar Themenfelder nennen, in denen Sie schon lange nicht mehr selbst entscheiden dürfen, was richtig und falsch ist? Putin. Ukraine. Syrien. Irak. Afghanistan. NSA-Skandal. Trump. Hartz IV. Nine-Eleven. Griechenland. Kapitalismus…. um nur ein paar Felder zu nennen. Hier wird Ihnen Regierungsmeinung als Glaubenspflicht auferlegt, alles andere als Regierungmeinung ist „Verschwörungstheorie“. Reine Propaganda. Wie nennt man doch gleich nochmal die Staatsform, wenn die Regierung und ihre Helfershelfer in den Medien Meinung diktiert? Ich lasse Sie hier mal kurz selber denken. Ein Tip: der gesuchte Begriff fängt mit „Dik“ (abgeleitet von „diktieren“) an und hört mit – tur auf.

Dieser Begriff – ich hoffe, Sie haben ihn schon herausgefunden – bezeichnet den faktischen Hintergrund unserer politischen Situation – und die Macht der Diktatoren ist gewaltig: nur zehn von Ihnen (also: 10 CEO´s von zehn Konzernen) halten die gesamte Nahrungsmittelproduktion des Westens (und der restlichen Welt) in ihren Händen (siehe Focus). Da können Sie sich ausrechnen, wie lange man eine Rebellion durchhalten kann. Schließen die fünf Hauptverteiler für Nahrungsmittel in Deutschland die Pforten … für ein paar Wochen, um sich vor Plünderungen zu schützen … steht jede Rebellion, jede Demo, jeder Widerstand sofort still.

Es geht aber noch weiter. Viel weiter. Wissen Sie, was die Leute im Freien Wendland alles gelesen haben? Die wissenschaftlichen Arbeiten von Carlos Castaneda über mexikanische Zauberer, die einen in wundersamen Welten führten. Arbeiten über ökologische Landwirtschaft und Homöpathie, einer sanften Form des Heilens. Arbeiten über die Funktion des Orgasmus. Später auch Arbeiten von Hans Peter Duerr über den „Wissenschaftler und das Irrationale“ oder über die „Traumzeit“ … deren verkümmerte Reste wir heute am Rosenmontag erleben dürfen:

„Am zweiten Tag der Ancesterien, dem Choés, dem Tag an dem der „Blütengott“ Dionysus, der große „Löser“ auf einem von zwei Satyrn gezogenen Schiffskarren durch die Straßen und Gassen Athens rollte, kamen mit ihm die Totenseelen aus den Sümpfen von Lerna, dem Tor zur Unterwelt, zu den Sterblichen.

Wenn das Schiff auf dem Land rollt, stülpt sich das Wesen der Dinge um. Am Chóes endete die Herrschaft der Herren, die Sklaven wurden frei und durften tun, was ihnen beliebte. Noch im Jahr 1133 fuhr ein hölzernes Schiff von Cornelimünster über Aachen und Maastricht – wo es Segel und Mast erhielt nach Tongeren und Looz. In den Orten, in denen es anhielt, erfasste die Frauen eine ekstatische Wildheit: halbnackt, mit aufgelösten Haaren die einen, nur mit einem Hemdchen bekleidet die anderen umtanzten sie das Schiff und trieben hernach etwas, von dem der berichterstattende Mönch nur weinen oder schweigen zu können erklärte.“ (Aus: H.P.Duerr, Traumzeit, Über die Grenzen zwischen Wildnis und Zivilisation, Syndikat 1983, Seite 36)

Reste von wilder Zauberei, die eine andere Dimension menschlichen Seins beleuchtet, die heute völlig verschüttet ist … die aber, sofern man Reich folgen möchte (siehe: Funktion des Orgasmus), effektive Mittel gegen die soziale Pest des Nationalsozialismus darstellen könnten: eine befriedigende Sexualität führt zu friedlichen Menschen. Gut – die Sexualität hat man uns gelassen … in einer sehr unbefriedigenden Form, weshalb die Gesellschaft mehr auf jene Zustände zusteuert, die Susan Bonath befürchtet. Die Liebe jedoch – die für das „Fallen lassen“ unverzichtbar ist – die hat man uns genommen. Hier treffen wir auf eine weitere „fünfte“ Kollonne der Machtelite, die im ersten Moment harmlos daherkommt, im weiteren aber gezielt an der Zersetzung revolutionärer Kraft arbeitet: wir haben sie im hier kürzlich veröffentlichen Interview von Ken Jebsen mit Markus Fiedler über die systematischen Manipulationen bei Wikipedia kennen gelernt: GWUP und Psiram. Ihre Hauptaufgabe? Zersetzung des Widerstandes gegen des diktierte Weltbild der Machtelite im Gewande einer nur vorgetäuschten Wissenschaftlichkeit mit einer Methodik, die alle oben genannten Bedingungen der „Propaganda“ erfüllt und damit weit jenseits jeglicher Wissenschaftlichkeit ist.

Ja – Liebe und Todesmut sind zwei wichtige Voraussetzungen für Rebellion. Wo Liebe zur bloßen, wertlosen chemischen Reaktion wird und der Tod zur absoluten Vernichtung, entsteht wenig Antrieb, sich den Mächten der Welt in den Weg zu stellen: ein so finsteres und düsteres Weltbild verleitet eher dazu, sich möglichst bequem zu verstecken und zu warten, bis der Horror vorübergeht. Wissen Sie eigentlich, wer sich zu Herren unserer Weltbilder aufspielen möchte? Schauen Sie mal die Führungsgestalten bei GWUP an: ein Telekomingenieur, eine Germanistin, ein Kaufmann mit psychologischer Zusatzausbildung – nicht gerade Menschen, deren Ausbildung sie befähigt, komplexe Weltbilder zu entwerfen … oder zu verstehen, warum Todesforscher wie Elisabeth Kübler-Ross, Physiker wie Roger Penrose, Ärzte wie Pim von Lommel oder Eben Alexander den Tod als Transformation verstehen und von „endlosem Bewusstsein“ reden: ein Wissen, dass zeigen könnte, dass es noch viel wichtigeres gibt im Leben als das skrupellose Anhäufen virtueller Geldwerte. Da toben sich selbsternannte Gedankenpolizisten und hocheitle Inqusitoren des wahren Glaubens für die Schafsherde selbstherrlich über alle Abweichler aus, während die große Frage der modernen Menschheit völlig unbeantwortet bleibt: wieso kam nach „Aufklärung“ „Auschwitz“?

Sie werden heute kaum noch Menschen finden, die den Sinn von „Geisteswissenschaften“ verstehen, die Ihnen erklären können, was da im 19. Jahrhundert geschah: wir wollten eine Wissenschaft, die unsere Feinde verstehen hilft, damit wir den Krieg von der Erde verbannen können. Dementgegen standen jedoch … die Naturwissenschaften, die ganz neue Arten von Macht versprachen und lieferten: Macht, die immer effektiver menschliches Leben vernichtete, was immer weniger als schlimm empfunden wurde, war der Mensch anstatt Krone der Schöpfung doch nur ein zufälliger, schädlicher Irrtum aus dem Matsch des Urknalls. Das Bild, das wir von der Welt haben, bestimmt direkt unsere Entscheidungen und unser Handeln. Es gibt motivierende Weltbilder – und demotivierende Weltbilder … die Unternehmensberater seit dreißig Jahren flächendeckend (und Hand in Hand mit einer modernen „Esoterik“, die gar keine ist) verbreiten: das jeder selbst für sein Schicksal verantwortlich ist – und alle Verantwortung für den Zustand der Welt bei jedem Einzelnen liegt. Glaubt man nur „richtig“, dann kommen die Millionen. Die Allermeisten haben jedoch keine Millionen – und sind deshalb allein schon minderwertige Ungläubige, von denen es in Zukunft noch viele Millionen mehr geben wird, wenn die Maschinen weitere Jobs überflüssig machen.

Neben den verschiedenen Demotivationsmythen, die gezielt unter das Volk geschleust werden, hat die deutsche Bevölkerung 2017 aber noch ganz andere Informationen zu verarbeiten, die sie zutiefst lähmen: die Hauptbotschaft der Mächtigen hat wohl inzwischen jeder verstanden: „wir brauchen euch nicht mehr“. Kapital vermehrt sich inzwischen von allein. Der Mensch und seine Arbeitskraft wird auf diesem Planeten nicht mehr gebraucht: er kann gehen.

Da schließt sich der Kreis, das Gefängnis für die Hammelherde ist perfekt. Vorbei die Zeiten, wo man von einer „gefallenen Welt“ sprach, einem verlorenen Paradies, das man durch Heilung der Welt wiedererrichten könnte. Gekommen sind die Zeiten, wo man „alternativlos“ den Direktiven der Experten von der Wiege bis ins Grab folgen darf und dabei möglichst wenig Staub aufwirbeln sollte.

Und so wurde aus dem Land der Dichter und Denker … das Land der lebenden Toten, die nur noch hirnlos glotzen können, wenn die Satyrn den Dionysus durch die Gassen ziehen.

Wie man aber lebende Tote so kennt – aus Buch, Film und TV – sollte man aufpassen, wenn die anfangen, ihre letzten lebendigen Nachbarn aufzufressen.

Woran wir uns aber erinnern sollten – und es für die Nachwelt erhalten: unsere Brüder und Schwestern haben sich nicht selbst in den Zustand des lebendigen Todes versetzt, noch war es je ihre Absicht, so zu enden.

Und was wir daraus lernen dürfen: die Zeichen für Widerstand und Rebellion stehen momentan außerordentlich schlecht. Es geht – mitten in der Illusion von Reichtum und Wohlstand – schon längst wieder ums nackte Überleben … wenn man nicht im Sinne der Diktierenden funktioniert.

Und darum rennen ja gerade alle mit Volldampf in den Burnout.

 

 

 

 

 

Träumer fordern Krieg gegen das Auto: Aufstand gegen Rom

Träumer fordern Krieg gegen das Auto: Aufstand gegen Rom

Sonntag, 17.11.213. Eifel. Schon gehört? Entgegen ihrer anderslautenden Beteuerungen setzen die USA doch Drohnen über Deutschland ein. Ich verzichte mal auf den Link – Selbstverständlichkeiten sind es nicht wert, besonders belegt zu werden. Außerdem ist heute Sonntag, seit alters her der Tag für Dinge, die jenseits des Alltags liegen. Solche Tage gibt es weltweit, die religiöse, spirituelle, geistige Anbindung an Existenzen, Dimensionen, Anschauungsformen, die in krassem Gegensatz zum genormten Wirklichkeitsbild des Imperators stehen, findet man in allen menschlichen Kulturen … außer in der des weißen Mannes, der sich eine Kirche hält, um diesen Zustand der menschlichen Existenz zu kanalisieren und unter Kontrolle zu halten. Ein anderes leises Echo finden wir im Feiern von Karneval – eigentlich jener Tag, an dem jene Anderweltkräfte die Herrschaft über die Alltagswirklichkeit erlangen. Aus früheren Zeiten – wo das Narrenschiff noch durch die Aachener Lande gezogen wurde – liegen Berichte über ekstatische Orgien vor, die das Volk an die Grenzen der Raserei brachte aber außerordentlich glücklich machte. Ja, sicher, wir haben heute auch Sex – überall und an jeder Ecke – doch auch hier hinkt der Vergleich gewaltig. Wir gleichen Menschen, die einem fünf-Sterne-Koch entgegnen, man würde auch essen, weil man sich jeden Tag eine Hand voll in Mehl getauchten Reis gönnt – was auch Essen genannt werden kann. Schnell hat man vergessen, wie wenig Essenz vorhanden ist, wenn die Seele nicht daran beteiligt wird.

Aber wir haben ja keine Seele mehr, wir gelten als aufgeklärt, jede Form von Religion gilt uns als Krankheit des Geistes, die geheilt werden sollte, eine starke Front wohlhabender Aktivisten will auch jedes Denken über „Gott“ (eine von der Kirche vorgegebene Form des Redens über Transzendenz) verbieten, gerade bei „Linken“ hat man manchmal den Eindruck, dass die Auslöschung der Kirche der höchste Triumph sozialer Bewegungen ist – völlig verdrängend, dass der soziale Gedanke erst duch Jesus Christus in unser Bewusstsein gedrungen ist. In meinen Augen wäre die Entfernung dieses letzten moralischen Impulses aus der westlichen Welt ein gewagtes Experiment, dessen Ende ich schon voraussehen kann. Das ist nicht schwer: einfach mal ins alte Rom schauen, der Mutter unserer imperialen, westlichen Kultur, die heute noch von vielen verehrt wird, weshalb sie auf die tote lateinische Sprache nicht verzichten wollen – gerade Naturwissenschaftler und Ärzte sind völlig begeistert vom Lateinischen und verneigen sich tagtäglich durch ihren Gebrauch vor dem Geist des alten Imperiums.

Wir wollen jetzt nicht die linke Kritik an Imperium generell wiederholen, sondern heute einfach mal beim Alltag bleiben – einem Alltag, der durch massiven Einsatz aus den Räumen des „Jenseits“ (oder der keltischen „Anderswelt“) aufgehalten wurde.

Der römische Alltag ist ein Spiegel unseres modernen Alltags, die Großstadt mit Mietskasernen ist eine Erfindung Roms – ebenso die Autobahnen (auf denen früher nur Legionen marschierten). Wichtiger Bestandteil dieses Alltages war, Menschen zu tödlichen Kämpfen in die Arena zu schicken, Menschen massenhaft zu versklaven (sonst ließe sich ja auch gar kein Reichtum produzieren), sie mit Öl anzustreichen und öffentlich als menschliche Fackeln zu präsentieren. Gerne hat man sie auch an wilde Tiere verfüttert – zur Unterhaltung des Pöbels, der in Massen in die Arena strömte.

Wie gut, dass die Goten kamen und dem Treiben ein Ende bereiteten.

Streichen wir Jesus Christus aus der Genese der moralischen Vorstellungen der Menschheit, dann sind wir sofort wieder im alten Rom … man schaue nur, wie zunehmend entwürdigend Menschen in der aktuellen Milliardärspresse vorgeführt werden, dann hat man schnell eine Ahnung davon, wo das enden würde, wenn man hier die natürliche Entwicklung nicht stoppen würde. Je leerer die Kirchen, umso niedriger die Hemmschwelle zu Gewalt und Kriminalität – könnte man jedenfalls aufgrund der Erfahrungen der letzten hundert Jahre meinen, in denen zivilisierte Staaten Gewalt in einem Ausmaß anwendeten, das jedem Goten die Sprache verschlagen hätte.

Nun möchte ich keine Werbung für Kirchen machen: Christus selber hätte sie nicht gewollt. Man sollte ja leise zu hause beten: das bringt´s, nicht das laute Getöse der Kleriker.

So leise sind auch die Schamanen, denen John Perkins begegnet ist. Sie kennen ihn hoffentlich? Er ist ein „Economic Hit Man“. Hat das neue Imperium ein Problem mit Ihnen, kommt erst der EHM, redet freundlich mit Ihnen, bietet Geld. So hat man in Deutschland die Grünen umgedreht – doch das ist eine andere Geschichte. Nehmen Sie das Geld nicht, hat man schon mal schnell einen Unfall mit Auto oder Fallschirm, auch die Suizidneigung in schweizer Badewannen nimmt zu. Ist auch das erfolglos, kommt das Militär – wobei wir wieder bei den US-Drohnen in Deutschland sind, die heute kein Thema sein sollen.

Perkins hatte Begegnungen mit Schamanen in Ecuador, organisiert Reisen und Vorträge zu ihnen, um ihre Botschaft in die Welt zu tragen. Er hat die Botschaft der noch lebenden Propheten des Jenseits verstanden und akzeptiert, dass  sie die einzige Möglichkeit sind, die völlige Vernichtung der Menschheit auf diesem Planeten zu verhindern. Die Menschen, die am Rande der Transzendenz leben, führen ein äußerst diszipliniertes, folgerichtiges und konsequentes Leben, was jene Europäer deutlich erfuhren, die den Regenwald durch Einnahmen aus Pornofilmen retten wollten: was waren die Gesichter lang, als die eingeborenen Regenwaldbewohner das solcherart gewonnene Geld nicht wollten. Wir wollen auch gar nicht weiterdenken, merkt doch gerade Alice Schwarzer, welche Hemmungen in diesem Lande alle fallen, wenn man unsere tatsächlich gelebte römische Dekadenz anprangert: es öffnen sich Abgründe menschlicher Abartigkeit, wenn man mit Menschen für Geld nicht alles tun kann, was man will – da tritt der alte römische Geist wieder an die Öffentlichkeit, der seinen Anspruch auf die Benutzung von Sklavenmenschen in Gefahr sieht.

Überraschend ist die Botschaft des Schamanen für die westliche Welt: sie handeln von Träumen. Träume werden von unserer Kultur der perfektionierten römischen Dekadenz, die in der Tat dem Wahn verfallen ist, man könne eine Volkswirtschaft erfolgreich betreiben, in dem man „sein Geld für sich arbeiten läßt“, als „nicht real“ definiert, schlichtweg als bedeutungslos. Das einige der erfolgreichsten Erfindungen und tiefgreifendsten Erkenntnisse durch Träume vermittelt wurden, ignorieren wir im Rahmen der vorgegebenen Definition, dass jeder Erfindung, jeder Expedition, jeder gesellschaftlichen Utopie (oder – wie im Falle des Nationalsozialismus – gelebten Dystopie) ein Tagtraum zugrunde liegt, wissen wir zwar, wir verdrängen es aber.

Dass unsere gesamte Kultur nur die Verwirklichung der Träume mächtiger oder wirkmächtiger Menschen darstellt, ist eine Wahrheit, die unsere mittelmäßige Elite schon gar nicht hören will – es stört den schönen Traum der auf ewig perfekt verwalteten Welt, die das Höchstmaß ihrer Phantasie darstellt.

Es sind Entscheidungen, genau diese Träume zu verwirklichen. Das unterscheidet unsere Kultur von anderen. China kannte das Schwarzpulver schon zuvor, hat sich aber dagegen entschieden, es zu Vernichtungszwecken zu perfektionieren. China war mal absolut überlegene Weltmacht … hat sich aber dagegen entschieden, weltweil Kolonien zu gründen. Sie hatten andere Träume – Träume, die die ´68er sehr inspirierten und motivierten.

Es gab aber auch eine ganz konkrete Botschaft der Schamanen: den ersten Dämon, den wir zu besiegen haben, ist das Auto.

Welch´ ungeheurer Frevel!

Nicht der Geist des römischen Imperium, nicht die Pervertierung der christlichen Botschaft durch Kirchenpolitiker, nicht der unmenschliche Kapitalismus mit seinen vernichtenden Nebenwirkungen für Mensch, Tier und Natur sind der Feind, sondern … das Auto.

Andererseits auch schön: der Kampf gegen große, böse Geister gelingt nur selten gut, aber ihre Tentakel, die sich zerstörend in unseren Alltag schieben: denen können wir begegnen.

Wie sehr sind wir eigentlich dem Auto schon hörig? Fällt nur ein Wolf ein Kind an, rufen wir sofort nach der Polizei, den Jägern und den Hubschraubern der Bundeswehr zur Jagd – vernichten aber Autos tausende von Leben und zehntausende von Existenzen im Jahr, bemühen wir uns zwar, den Schaden zu verringern – aber mit 4000 Toten im Jahr können wir gut leben. Schon längst dienen wir dem Auto, dessen Garage in der Regel mehr Platz verbraucht als wir Kindern in ihren Zimmern gönnen. Nahezu unsere gesamtes natürliches Umfeld wurde durch Autos vernichtet, in Landbereichen ist ein Leben ohne Gefährt nahezu undenkbar.

Wie einfach wäre es, alle Autos aus dem Alltag zu verbannen: man könnte sofort jährlich mehr Menschenleben retten, als die Anschläge vom 11.9.2001 vernichtet haben. Was wäre das für ein kultureller Impuls: unsere Lebensstruktur würde automatisch wieder regionaler werden, die Menschen würden wieder Nahversorungsstrukturen aufbauen müssen und könnten die Zeit, die sie für Autopflege aufwenden, für ihre Kinder verwenden: die würden dankbar sein. Vielleicht hätten wir auch wieder mehr Kinder: wir müßten nicht mehr für das Auto und seinen Unterhalt leben.

Was wäre das für ein Aufstand gegen Rom! Wir würden tausende von kleinen unbeugsamen gallischen Dörfern gestalten, jedes für sich einzigartig und völlig individuell. Deutschland würde sehr schön werden – überall. Nein?

Doch. Ich habe einen seltenen Reisebildband von 1926 bei mir stehen: keine einzige Autobahn zerschneidet dort Landschaften. Deutschland war mal wunderschön – und was wäre das für ein mächtiger Traum, wenn wir für uns diese Schönheit zurückerobern würden.

Leider …. haben wir zu wenig Träumer unter uns.

Die großen Erfinder, Gestalter, Abenteuerer und Entdecker von einst gelten unserem perfektioniertem Mittelmaß als unerwünschte Konkurrenz, wir bekämpfen sie schon in der Schule, sortieren sie in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gründlich aus um die Arbeit an der Neueinführung des römischen Systems nicht gefährden.

Na, es ist Sonntag. An einem solchen Tag sollten wilde Gedanken erlaubt sein, dafür ist er seit hunderttausenden von  Jahren da – in verschiedener Form. Natürlich weiß ich, dass alle Träume vom Kampf gegen das wiederkehrende römische Imperium albern und vergebens sind – ebenso der Kampf gegen das Auto als gefährlichstes Raubtier der Neuzeit: nichts ist uns so heilig wie unsere mörderische Blechkuh.

Aber am Sonntag sollten solche Gedanken doch wenigstens mal gedacht werden dürfen – oder?

Zumal sie in Wirklichkeit zutiefst politische Gedanken sind …. Gedanken darüber, welchen Sinn wir unserem kurzem  Leben auf diesem Planeten eigentlich geben wollen.

PS: die Geschichte von John Perkins in den Schamanen findet man in seinen Buch „Und der Traum wird Welt“. Ich habe es vor ein paar Monaten in einem meiner Bücherregale gefunden, deutsche Erstausgabe von 1995 von Integral. Mit absoluter Sicherheit kann ich sagen: diese Buch habe ich nie gekauft. Ich weiß nicht, wie das in meine Sammlung gelangt ist – aber es kam gerade richtig. Aber: auf genau solche Art sollen sie ja wirken, die guten Geister der Welt, die dem Menschen so wohlgesonnen sind … sagen jedenfalls die Schamanen.

 

Der Papstrücktritt: das Ende der Kultur der Nächstenliebe und der Triumph der Kultur der Psychopathen.

Dienstag, 12.2.2013. Eifel. Na, gut gefeiert gestern? Gestern war Rosenmontag. Karneval - carne vale, wie der Lateiner sagt. Karneval ist ein katholisches Fest, welches möglicherweise auf alte babylonische Riten zurückgeht. Orgiastische Feierlichkeiten haben allerdings in der Geschichte der Kultur schon immer einen festen Platz gehabt. Ja, ich weiß: den Kölner Sitzungskarneval mit seinen Zwangswitzen und seinem Kommandospaß als orgiastisches Treiben zu bezeichnen, ist etwas übertrieben, außerdem ist er eine Veranstaltung, die nur der Anbahnung und Pflege von Geschäftsbeziehungen dient, aber es muss aktuell mal erlaubt sein, auf diesen Ursprung hinzuweisen. Bei Wikipedia findet man mehr:

Dienstag, 12.2.2013. Eifel. Na, gut gefeiert gestern? Gestern war Rosenmontag. Karneval – carne vale, wie der Lateiner sagt. Karneval ist ein katholisches Fest, welches möglicherweise auf alte babylonische Riten zurückgeht. Orgiastische Feierlichkeiten haben allerdings in der Geschichte der Kultur schon immer einen festen Platz gehabt. Ja, ich weiß: den Kölner Sitzungskarneval mit seinen Zwangswitzen und seinem Kommandospaß als orgiastisches Treiben zu bezeichnen, ist etwas übertrieben, außerdem ist er eine Veranstaltung, die nur der Anbahnung und Pflege von Geschäftsbeziehungen dient, aber es muss aktuell mal erlaubt sein, auf diesen Ursprung hinzuweisen. Bei Wikipedia findet man mehr:

Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren in seinem Werk De civitate Dei zurückgeführt. Die Fastnacht steht daher für die civitas diaboli, den Staat des Teufels. Daher wurde die oftmals ausartende Fastnacht von der Kirche als didaktisches Beispiel geduldet, um zu zeigen, dass die civitas diaboli wie auch der Menschvergänglich ist und am Ende Gott siegreich bleibt. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden Szenen während der Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den Aschermittwoch hinein streng verfolgt.

Wir sehen: dieser Rosenmontag als Höhepunkt närrischen Treibens hat für Katholiken eine ganz besondere Bedeutung, der steht für den Staat des Teufels. Bevor nun jemand meint: „Och, das ist ja nur, weil die Kirche so prüde ist und uns keinen Spaß gönnt“, möchte ich aber daran erinnern, worin der „Spaß“ des Karneval einst bestand. In seinem Buch „Traumzeit“ berichtet Hans Peter Duerr über verschiedene – karnevalistische – Rituale, die grausamen Tod und Verstümmelung hervorriefen und Vernichtung von Haus und Hof mit sich brachten. Der „Staat des Teufels“ hatte damals noch ganz konkrete Erscheinungsformen, die wir säkularen Menschen auch heute eher durch die Polizei bekämpfen als durch Narren feiern lassen würden.

Nun, die FAZ ist sich sicher, das der deutsche Papst bei der Bekanntgabe seines Rücktritts nicht an den katholischen Teufelstanz gedacht hat: offensichtlich haben dort auch Journalisten prophetische Gaben. „Er läuft nicht weg, er gibt ein Beispiel“ heißt es dort. Man fragt sich nur: welches Beispiel?

In der Zeit finden wir die Antwort darauf:

Für Max Seckler, ein langjähriger Freund des Papsts, ist der Rücktritt ein Zeichen der Größe. „Er stärkt damit die Auffassung, dass ein Papst aufhören soll, wenn es ihm die Gesundheit gebietet“, sagte der Tübinger Theologe.

„Er hat sehr gelitten unter manchen Dingen, die dieses Amt mit sich bringt“, fügte der 85-Jährige hinzu. „Man kann sich schwer vorstellen, welche Intrigen es da in Rom gibt, mit denen er sich rumschlagen muss. Das hat ihn sehr belastet, weil er ja ein Theologe ist und ein edler Mensch.“

In der Tat kann man sich die Intrigen schwer vorstellen. Das ist in Deutschland besonders verpönt, denn hier wird jeder Gedanke darüber, das es so etwas wie Intrigen überhaupt geben könnte, gleich mit dem Schandmal „Verschwörungstheorie“ und entsprechendem Diskussionsverbot belegt: wir Deutschen zweifeln nicht an den Angaben und Informationen, die uns die Obrigkeit gönnt. Wir nehmen sie gehorsam auf und befolgen sie.

Alternative Wahrheiten dürfen wir uns höchstens in Romanform zu Gemüte führen, dort findet auch kritische Kost eine Möglichkeit, zum deutschen Leser zu gelangen. Eine dieser Romane ist „Der letzte Papst“ von Malachi Martin, hier in einer Buchsprechung von Josef Spindelböck bei stjosef.at

Der „letzte Papst“ des Romans ist – obwohl er nie mit seinem eigentlichen Namen genannt wird – in Wirklichkeit Johannes Paul II. Dabei bleibt offen, wie der Ausdruck zu verstehen ist: ob er tatsächlich der letzte Papst ist, weil das beschriebene Komplott mächtiger Männer gegen Papsttum und Kirche zu gelingen droht, oder weil er einfach der „letzte Papst der katholischen Epoche“ ist, insofern sich gerade unter seinem Pontifikat ein grundlegender globaler Wandel in Gesellschaft und Kirche ereignet, der diese Charakterisierung zuläßt. Es sind dunkle Gestalten aus dem Milieu von Freimaurerei und Satanismus, die sich verschworen haben gegen die katholische Auffassung und Ausübung des Papsttums und die sich Eintritt verschafft haben auch in die Kirche. So ist es die Auffassung des Autors, die er in dem Roman zum Ausdruck bringt. Auch gutgläubige Personen geraten in den Einfluß dieser Kreise und werden von ihnen ohne ihr Wissen mißbraucht, um die Ziele der Umwandlung der Kirche und des Rücktritts des „letzten Papstes“ durchzusetzen.

Das ist der Kern des Romanes: der Kampf um den ersten freiwilligen Rücktritt eines Papstes seit dem ersten vatikanischen Konzil, das die Unfehlbarkeit des Papstes festgeschrieben hatte. Der Hintergedanke: tritt ein Papst von einem „heiligen“ Amt freiwillig zurück (weist also die von Christus persönlich übergebene Würde von sich), wird aus dem Papsttum ein Verwaltungsjob wie jeder andere auch. Dann ist der Weg frei zur Auflösung der katholischen Kirche, im Roman betrieben von satanischen Kräften innerhalb (und außerhalb) der Kirche, die sich von dem „Schwächling“ Christus lossagen wollen um weltweit ungehindert eine Politik der Stärke durchsetzen zu können – auf deutsch: Hartz IV bei halbiertem Regelsatz für maximal fünf Jahre anstelle des ständigen Gewinnsels der Sozialromantiker, die einfach nicht einsehen wollen, das diese Welt nur den Starken gehört.

Bevor wir aber darüber urteilen, in wie fern die von Malachi Martin geschilderten Intrigen denen entsprechen könnten, die Max Seckler erwähnte, müssen wir einen Blick auf den Autor selbst werfen. Wer ist also dieser Malachi Martin? Hören wir nochmal den Herrn Spindelböck:

Doch wie ist der Standpunkt des Autors, eines römisch-katholischen Priesters, der ursprünglich dem Jesuitenorden angehörte, Berater und Mitarbeiter mehrer Päpste war und dann von Papst Paul VI. von seinen Gelübden entbunden wurde, aber in seinem Priesteramt verblieben ist, näher zu bestimmen? Er vertritt eine traditionalistische Position, die das Wirken der Konzilspäpste Johannes XXIII. und Pauls VI. negativ wertet und in der nachkonziliaren Erneuerung der Liturgie ihre Zerstörung erblickt. Aufgrund der meisterhaft durchgeführten Dramatik des Romans kann der Leser sich dieser Sichtweise kaum entziehen. Die Botschaft ist klar: Die Kirche Christi ist in höchster Gefahr, und überall lauern die Verschwörer. Sie werden auch benannt, meist mit einem Pseudonym, und manche Leser haben sich bereits einen Sport daraus gemacht, die realen Personen dahinter auszumachen, was durchaus nicht unproblematisch ist …

Leider existiert die Seite nicht mehr, die quasi ein „Who is Who“ der in dem Roman vorkommenden Personen darstellen soll. Ich vermag mich noch daran erinnern, das die Leser hinter der Gestalt des „Preußen mit Brille“ (eine Person, die maßgeblich an der angeblichen Inthronisation Satans mitgearbeitet hat) gerade jenen Kardinal Ratzinger vermuteten, der jetzt durch seinen Rücktritt das vollendet hat, was die Verschwörer im Vatikan seit den sechziger Jahren versucht haben: die Destabilisierung, Verwässerung und letztlich die Vernichtung der katholischen Kirche als Hüterin der Lehre Christi und Garant für jenen moralischen Satz, um dessen Verwirklichung wir seit zweitausend Jahren kämpfen: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. 

In Zeiten, in denen eine solche Einstellung als „Sozialromantik“ gebrandmarkt wird, kann man verstehen, wie lästig eine 2000 Jahre alte Institution geworden ist, die die Diskussion um die Notwendigkeit von Nächstenliebe grundsätzlich mit dem Hinweis auf „Gottes Gebot“ verweigert: das ultimative „BASTA!“.

Das stört politische Kreise enorm, die allen Lesern namentlich wohl bekannt sein dürften. Zur Durchsetzung einer marktkonformen Demokratie braucht man einen großen gesellschaftlichen Konsens für den Neoliberalismus, der alles andere als christlich daherkommt. Der jetzt zurückgetretene Papst hat vor dem deutschen Bundestag eine beeindruckende Rede gehalten, die im Spiegel vollständig abgedruckt wurde. Hören wir einmal ganz genau hin, was er gesagt hat:

Lassen Sie mich meine Überlegungen über die Grundlagen des Rechts mit einer kleinen Geschichte aus der Heiligen Schrift beginnen. Im ersten Buch der Könige wird erzählt, dass Gott dem jungen König Salomon bei seiner Thronbesteigung eine Bitte freistellte. Was wird sich der junge Herrscher in diesem wichtigen Augenblick erbitten? Erfolg – Reichtum – langes Leben – Vernichtung der Feinde? Nicht um diese Dinge bittet er. Er bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ (1 Kön 3,9).

Die Bibel will uns mit dieser Erzählung sagen, worauf es für einen Politiker letztlich ankommen muss. Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen.

Natürlich wird ein Politiker den Erfolg suchen, der ihm überhaupt die Möglichkeit politischer Gestaltung eröffnet. Aber der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet. Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“, hat der heilige Augustinus einmal gesagt.

Maßstab für die politische Arbeit soll nicht der Erfolg oder der materielle Gewinn sein? Kennt der etwa keine SPD-Politiker? Der Papst ging im Bundestag sogar noch einen Schritt weiter:

Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung, dass diese Worte nicht ein leeres Schreckgespenst sind. Wir haben erlebt, dass Macht von Recht getrennt wurde, dass Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und dass der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte.

Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich. Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen.

„Historische Zeiten“ – in der Tat. Durch seinen Rücktritt wurden die in der Tat historisch – aber wenigstens ist er noch am Leben. Die angekündigte Ermordung ist nicht eingetreten (siehe Spiegel) – oder gehörte mit zu jenen „Intrigen“, wegen der der Papst zurückgetreten ist.

Liest man genau, so kann man hier eine ganz finstere Warnung für Deutschland hören: der deutsche Staat wird wieder zur großen Räuberbande. Jeder Steuerzahler, jeder Autofahrer, jeder Arbeitslose, viele Rentner, Schüler und Studenten erleben das Tag für Tag, auch ganz weltliche Menschen merken, was die Warnungen des Papstes an die Generation Facebook bedeuten: Egoismus, Neid und Aggression als Formen des Bösen (siehe Welt zur Papstrede in Freiburg) werden inzwischen auf in anderen Zusammenhängen wahrgenommen, sie Jakob Augstein zu Frank Schirrmachers Buch „Ego“ im Spiegel:

Im Kalten Krieg haben amerikanische Militärs und Physiker die Sowjets mit den Instrumenten der Spieltheorie in die Knie gezwungen. Als es keine Sowjets mehr gab, sind die Physiker an die Wall Street gegangen und zwingen seitdem mit ihrer Theorie die Welt in die Knie. Wir alle sind Opfer einer Ideologie des Egoismus. Sie wurde für eine Welt des Krieges entwickelt und verheert heute den Frieden. Eine Ideologie der Kälte und des Autismus. Eine Ideologie von Psychopathen für Psychopathen.

An dieser Stelle wird es egal, ob wir Malachi Martin und seinem  Intrigengemälde folgen wollen: die Ideologie von Psychopathen für Psychopathen zwingt die ganze menschliche Gesellschaft automatisch auf einen Weg, den satanische Verschwörer nicht besser hätten gestalten können, insofern ist es fast müßig, über den Realitätsgehalt des Romanes „Der letzte Papst“ zu diskutieren. Was aber bleibt, ist die Tatsache, das mit Ratzingers Rücktritt eine moralische Instanz vernichtet wurde. Durch diesen Rücktritt war Johannes Paul II wirklich der letzte Papst – die letzte Instanz, die dem Gebot der Nächstenliebe eine Heiligkeit zusicherte, die der Psychopathenkult des Egoismus zu zerstören trachtet, denn was nach Ratzinger kommt, kann man jetzt schon sagen: auf jeden Fall ein schwacher Papst.

Hören wir den Spiegel dazu:

Manche Beobachter warnen bereits vor Verhältnissen wie zuletzt in der Renaissance, als sogenannte Gegenpäpste die Kirche vor eine Zerreißprobe stellten. „Es könnte die Situation eintreten, dass ein Nachfolger einen anderen Kurs einschlägt als Benedikt“, spekuliert Papst-Biograf Andreas Englisch. „Was passiert, wenn Ratzinger sich einschaltet und sagt: ‚Ich bin immer noch Papst, und ich sehe das ganz anders‘?“ Im schlimmsten Fall sei eine Spaltung der Kirche möglich.

Ganz genau. Jeder neue Papst hat einen alten, lebendigen Papst im Genick. Das ist auch der Augsburger Allgemeinen bewußt:

Unter Kirchenexperten herrscht Einigkeit, dass sich der Papst im Fall eines Rücktritts sofort und vollständig aus allen Ämtern und aus dem öffentlichen Leben der Kirche zurückziehen müsste. Nur so könne gewährt werden, dass der Zurückgetretene nicht die Wahl seines Nachfolgers beeinflusst. Papst Johannes Paul II. hatte einmal gesagt, er könne sich einen «emeritierten Papst» nicht vorstellen.

Was sich der „letzte Papst“ noch nicht vorstellen konnte, hat der deutsche Papst mal eben als Realität in die Welt gesetzt – und diese Realität wird eine neue Tradition begründen, weil hier ein Exempel statuiert wurde. Ab dem 11.2.2013 können „kirchliche Kreise“ jeden Papst in den Ruhestand schicken, der unbequem wird – und brauchen noch nicht mal Gift dazu. Sollte nochmal ein Papst auf die Idee kommen, ein Ende des Kirchensteuersystems zu fordern (siehe katholisch.info) um „missionarisches Handeln wieder glaubhaft zu machen“, kann man ihn schnell auf Ratzinger verweisen, der im senilen Alter ebenfalls solche Phantasien hatte, aber … dann eben auch die notwendigen Konsequenzen zog, bevor er noch mehr Schaden anrichten konnte.

Damit hat die Kultur der Nächstenliebe einen weiteren, festen Anker verloren. Der nächste Papst wird nicht mehr so deutlich um Bundestag vor einer Wiedergeburt das nationalsozialistischen Räuberstaates warnen können.

Vielleicht … sollten wir dem Papst zugute halten, das er am Rosenmontag zurückgetreten ist. Immerhin ist das für deutsche Katholiken ein sehr bedeutsamer Tag. Es mag uns helfen, die Warnungen ernst zu nehmen, Warnungen über einen Staat des Teufels, den man früher anschaulich am Rosenmontag studieren konnte, um letztlich sagen zu können: „nein, danke, das ist nichts für mich“.

Heutzutage haben wir andere Bilder, die den Staat des Teufels illustrieren: Auschwitz, Dachau, Bergen-Belsen – dort konnte „man“ sich richtig austoben, ganz, wie es einem gefiel.

Das es wirklich psychopatische Kräfte geben sollte, die die menschliche Gesellschaft mit List und Tücke in ein großes Lager umbauen wollen, in dem jeder seinen fest zugefügten Platz hat, seine Nummer, seine Arbeitsverpflichtung und jeder Wärter die Möglichkeit hat, den Lagerinsassen jederzeit anzutun, was immer ihm gerade in den Sinn kommt, wollen wir hier mal nicht behaupten.

Wir müssten einen Roman darüber schreiben, weil es – wie im Falle Malachi Martins – der einzige gangbare Weg wäre, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dafür bleibt aber keine Zeit mehr, weil die Kultur der Psychopathen eigentlich erst jetzt richtig durchstartet.

Ich denke, vielen, die heute noch laut über den Papstrücktritt lachen, wird jenes Lachen im Halse stecken bleiben, wenn die marktkonforme Demokratie in Zukunft weiter den alten, klassischen, christlich legitimierten Sozialstaaat abbaut zugunsten eines … ewigen Rosenmontages – den wir eigentlich schon haben, wenn ich mir das Fernsehprogramm so anschaue.

Die Legende vom Sohne Gottes, der unter Armen geboren wurde, um für die Armen zu leben und einen Nachfolger gewählt hat, der durch die Jahrtausende hinweg die Anbindung des sozialen Gedankens an höchste denkbare Gewalten behütet, wird in Zukunft immer weniger erzählt werden – dafür umso mehr die Geschichte eines Religionskonzerns, der sich nahtlos einreiht in die Reihen der anderen „Herren der Welt“ und deren Leitspruch schon immer lautete: Jeder ist ersetzbar.

Seit gestern sogar ein Papst, der noch lebt.

Karneval

Karneval

Die Anwohner lieben es…

Guttenberg, der Sozialismus für Reiche und die Bomben auf den Rosenmontagszug

Heute beginnt ja der Karneval mit seinen heftigeren Erscheinungen, ein fürchterlich wildes Fest, zu dem der carrus navalis wie schon seit Jahrhunderten durchs Land gezogen wird. Anders als zu früheren Zeiten werden jedoch links und rechts des Weges keine ausschweifenden Feste zu Ehren der Göttin Nerthus gefeiert, nein, man bedäuft sich einfach nur. Es ist auch nicht mehr das Fest des Aufstandes gegen die Mächtigen, es ist eher das Fest, an dem die Mächtigen feiern, das es keine andere Form von Aufstand mehr gibt als das die Leute einmal im Jahr besoffen auf den Bürgersteig pinkeln.

Heute beginnt ja der Karneval mit seinen heftigeren Erscheinungen, ein fürchterlich wildes Fest, zu dem der carrus navalis wie schon seit Jahrhunderten durchs Land gezogen wird. Anders als zu früheren Zeiten werden jedoch links und rechts des Weges keine ausschweifenden Feste zu Ehren der Göttin Nerthus gefeiert, nein, man besäuft sich einfach nur. Es ist auch nicht mehr das Fest des Aufstandes gegen die Mächtigen, es ist eher das Fest, an dem die Mächtigen feiern, das es keine andere Form von Aufstand mehr gibt als das die Leute einmal im Jahr besoffen auf den Bürgersteig pinkeln.

Dabei gäbe es schon Grund genug, sich aufzuregen, zum Beispiel über die Regierung. Der Guttenberg zum Beispiel hat ja seinen Rücktritt mit Bedacht gewählt. Wäre er nur einen Tag früher zurückgetreten, wäre ihm laut „Der Westen“ einiges entgangen:

Wäre Karl-Theodor zu Guttenberg nur einen Tag früher zurückgetreten, wären ihm 14.000 Euro durch die Lappen gegangen. Weil er Bundestags-Abgeordneter war, bekommt er eine Pension von 1822 Euro monatlich.

So wird man Millionär – einfach keine Gelegenheit außer Acht lassen, seine wahren Charakter noch einmal in aller Öffentlichkeit zu demonstrieren und seinen Ruf vollkommen zu ruinieren: aber was soll´s, ist ja sowieso nur das Deppenvolk, das sich daran stört.

Stören sollte sich das Deppenvolk auch an der Bewältigung der Bankenkrise durch derartige Elitepolitiker. Hier ist sogar der Focus empört – ein Blatt, bei dem man ja sonst kaum Artikel zwischen den Anzeigen findet, sieht in Zukunft wenig Grund zum Schunkeln:

Banken, die zu groß sind, um sie pleite gehen zu lassen, waren der Grund für milliardenschwere Rettungsaktionen in der Finanzkrise. Von solchen Instituten gibt es heute mehr als je zuvor. Die Regulierung hinkt hinterher.

Das riecht nach noch viel größeren Rettungspaketen und nach dem ganz großen Wurf der Lumpenelite. Da kann man doch noch mal richtig auf Kosten der Allgemeinheit absahnen und – wenn es gut geht – seine bisherigen Kontostände einfach nochmal verdoppeln – zum Beispiel, in dem man in Strafanstalten investiert. Soll in Zukunft ein Riesengeschäft werden, wenn man dem Tagesanzeiger glauben darf:

Sträflinge als Rendite-Objekte – Mit sogenannten Social Bonds können Investoren in Sozialprojekte investieren. Es lockt eine Rendite von mehr als 13 Prozent. Auch US-Präsident Barack Obama hat Witterung aufgenommen.

Eine Rendite von 13 Prozent … das verspricht ein gutes Geschäft zu werden. Da muß man schon dafür sorgen, das genug „Rohstoff“ für die Gefängnisse nicht ausgeht.

Wie man das schafft?

Durch den üblichen Sozialismus, der inzwischen  sogar ganz offen in den USA gelebt wird, jenem Land, dem Guttenberg so verbunden ist und das für uns alle Vorbild war. So berichtet Uweness:

Eigentlich sollte es dabei um das 3,3 Billionen US-Dollar schwere Rettungspaket als Anleihen und Bürgschaften für die Banken und die Wirtschaft gehen, doch unversehens geriet die Rede zu einer Generalabrechnung mit einem System, dessen Klassencharakter sich in den vergangenen 40 Jahren massiv verstärkte, was etwa in der Vermögensverteilung seinen deutlichsten Niederschlag findet und von Bernie Sanders angeprangert wurde, so etwa auch als Kurzbotschaft via Twitter: „It appears that we are very much a country in which we practice socialism for the rich and rugged capitalism for everyone else“ Sanders kritisierte den Krieg der Finanzelite gegen die Mittelklasse, etwa in Gestalt ihrer massiven Kampagnen gegen die Gesundheitsreform Obamas, die unter diesem Druck nur halbherzig ausfallen konnte und nun gar ganz revidiert werden soll. Auf Grund des direkten Zugriffs der Wall Street auf die Politik kommt Sanders zu dem Schluss, dass die viel zitierten Bananenrepubliken heutzutage nicht in Lateinamerika angesiedelt seien, sondern gerade auch im Norden des Kontinents.

Jetzt verstehe ich die Welt der Reichen ein wenig besser: das sind alles Sozialisten. Darum schimpfen die auch immer so über Sozialisten und Sozialromantiker: die wissen genau, das sie selbst welche sind – und wissen deshalb auch, wo das endet: eine kleine Gruppe von Räubern will dem Rest des Volkes ans Geld. Und weil sie von Allen nehmen, ist das dann sozial.

Darum verkaufen die ihr Land ja jetzt auch an die Kommunisten, die dereinst noch zum Reich des Bösen gehörten – lese ich jedenfalls im Spiegel:

Die USA haben bei China weitaus mehr Schulden als bislang angenommen. Die Volksrepublik halte US-Anleihen im Wert von 1,16 Billionen Dollar, gab das US-Finanzministerium am Montag (Ortszeit) bekannt. Das ist gut ein Drittel mehr als noch Mitte Februar veranschlagt.

Kein Wunder, das sich niemand darüber aufregt, das die Chinesen den USA ganz offen den Krieg erklären … den Wirtschaftskrieg erstmal – so würde ich jedenfalls die Ankündigung im Spiegel verstehen:

Die chinesische Notenbank überrascht mit einer spektakulären Ankündigung: Firmen der angehenden Supermacht können ihren kompletten Außenhandel künftig in Yuan abwickeln statt in Dollar. Peking rüttelt an Amerikas Anspruch, die Leitwährung zu stellen – mit gravierenden Folgen für die USA.

Da steht jemanden bald das Wasser bis zum Hals. Kein Wunder, das sich Obama für Social Bonds interessiert – er denkt einfach mal an seine persönliche Zukunft … und daran, was seine Wirtschaftspolitik aus seinem Land machen wird.

Während dort kräftig abgesahnt wird, lädt man bei uns den Müll ab. So berichtet Panorama:

Exxon: US-Konzern vergiftet Grundwasser in Norddeutschland

Uns als Bürger stört das nicht, gerade heute nicht. Es ist einer dieser Tage, wo man uns erlaubt, auf den Bürgersteig zu pinkeln. Dabei wollen wir nicht gestört werden, weshalb uns auch unsere explodierenden Atomkraftwerke egal sind, über die gestern DiePresse berichtete:

Ein altes bayerisches Atomkraftwerk sorgt in Österreich für Aufregung. Eigentlich hätte Isar1 heuer stillgelegt werden sollen. Aber nachdem Deutschland die AKW-Laufzeiten verlängert hat, wird dort noch mindestens acht Jahre lang Strom produziert. Der Reaktor gilt als veraltet. Schon vor Jahren hatte die österreichische Bundesregierung eine Studie über sein Risiko in Auftrag gegeben. Seit Juni 2010 ist sie fertig.

Was drinnen steht, darf die Öffentlichkeit aber nicht erfahren.
Was sollte auch die Öffentlichkeit damit anfangen? Sind doch sowieso nur freilaufende Freilandurinierer, die in ihrem Suffkopp kaum verstehen, was um sie herum vor sich geht – das Geschäft „Geld gegen Gift“ geht an ihrem geistigen Horizont zum Wohle der kapitalsozialistischen Internationale völlig vorbei, weshalb sie auch kaum merken, das die USA ihre schmutzigen Kriege gerade nach Deutschland tragen. Erst werden mal wieder ein paar verdächtige Kinder beim Holzsammeln zerfetzt – siehe Tagesschau:
Neun Kinder sollen beim Holzsammeln in der afganischen Provinz Kunar bei einem NATO-Luftangriff erschossen worden sein. So stellt es der Polizeichef der Region dar. Die ISAF-Truppen erklärten, der Einsatz am Dienstag sei eine Reaktion auf einen Raketenangriff von Islamisten gewesen.

Dann kommen die „Islamisten“ nach hier und erschiessen die ISAF-Truppen, siehe hr:

Am Frankfurter Flughafen sind am Mittwoch zwei US-Soldaten erschossen worden, zwei weitere wurden schwer verletzt.

Als Antwort darauf wird die US-Luftwaffe wahrscheinlich den Rosenmontagszug in Köln bombadieren … jedenfalls, wenn sie mit der gleichen Logik vorgehen wie schon so oft in Afghanistan.

Insofern ist es wahrscheinlich schon gefährlich, die „stille Revolution“ wahrzunehmen, über die Muslim-Market berichtet:

Der Autor dieser Zeilen gehört sicherlich zu den Letzten, die an eine baldige Befreiung Deutschlands vom US-zionistischen Imperialismus glaubt. Aber möglicherweise gibt es doch ein höheres Vernunftpotential, als es nach Außen wirken mag bzw. von der Hofberichterstattung wiedergegeben wird, wobei zunehmend die Frage aufgeworfen kann, für welchen “Hof“ eigentlich jene Berichterstattung arbeitet. Möglicherweise ist der sogenannte Wutbürger gar nicht geprägt von “Wut“ sondern von Vernunft und sucht eine vernünftige Lösung für Deutschland und die Zukunft dieses Landes. Möglicherweise … und Hoffnungslosigkeit ist die größte Sünde im Islam. Und alle Hoffnung ist auf Gott ausgerichtet.

Und das macht Islamisten so gefährlich: die haben noch Hoffnung, die reden von Vernunft statt Wut und bringen damit den ganzen neuen Sozialismus in Gefahr, während wir beten müssen, das weder Gift, noch Atom, weder Banken noch Politiker uns zur Strecke bringen.

Also … was mich angeht: ich verstehe, warum man das nur noch besoffen oder religiös ertragen kann.

 

Die Angst des weißen Mannes … vor Hartz IV und Napoleon

Mit seinem neuen Buch „Die Angst des weißen Mannes“ ruft Peter Scholl-Latour derzeit viel Widerspruch auf den Plan. Viele weiße Männer empören sich und wissen nicht, wovor sie Angst haben sollten … weiße Männer kennen weder Schmerz noch Angst.  Scholl-Latour bleibt da nüchtern, wie hier im Tagesspiegel:

„Hier sind wir nicht nur in der ,Neuen Welt’ angekommen, hier begegnen wir einer neuen Menschheit, und die Vermutung stellt sich ein, dieses könnte die Menschheit der Zukunft sein. Mit seiner vielfältigen Harmonie der Rassen nimmt Brasilien eine ethnische Vermengung vorweg, die für den ganzen Globus Gültigkeit gewinnen könnte.“

Mit solchen Visionen vom Ende der herrschenden Kultur dieser Welt steht der weit gereiste Scholl-Latour nicht allein da. Schon vor ein paar Jahren wurde nüchtern der Untergang des weißen Mannes skizziert, hierzu was aus dem Deutschlandradio über den Autor Manfred Pohl:

Es sind ernüchternde Szenarien, die er beschreibt, etwa, wenn die heute geborenen Kinder in der Mitte ihres Lebens wesentliche Rohstoffe der Gegenwart nicht mehr zur Verfügung haben werden: Öl, Gas, Kupfer oder Uran. In 200 Jahren würden die weißen Deutschen lediglich eine ethnische Minderheit in ihrem Heimatland sein, als Fremdenführer für Touristen, die die Denkmäler der deutschen Hochkultur besichtigen.

Pohls Verdienst ist der Verweis auf Entwicklungen, die uns heute in ihrer Größe noch gar nicht bewusst sind: etwa, dass europäische und amerikanische Unternehmen den Wettbewerb mit asiatischen Konzernen verlieren werden. Die Übernahme des größten europäischen Stahlunternehmens Arcelor durch die indische Mittal Steel Company ist demnach erst der Anfang.

Pohl geht noch etwas weiter als Scholl-Latour, er sieht nicht nur das Verschwinden des weißen Mannes sondern auch eine besondere Gefahr für ihn:

Gleichzeitig verweist der Autor auf eine noch kaum beleuchtete Gefahr für den Weißen Mann: die seit den Zeiten der Sklaverei ihm aus bisher benachteiligten Regionen der Erde entgegengebrachte Distanz bis Antipathie. Pohl erwartet, dass die über Jahrhunderte ausgebeuteten Völker sich gegen ihn erheben werden.

Mitlerweile machen auch wir ehedem geliebten Deutschen uns wieder unbeliebt, zum Beispiel in Afghanistan oder auch mit der Aussicht, das ein Generalfeldmarschall Guttenberg mit seinen dann sechzigjährigen Soldaten deutsche Wirtschaftsinteressen im Ausland verteidigt.

Es ist eine Kultur, die ihre Zukunft in den letzten Jahren auf Fernreisen verheizt hat und nun noch droht, gewalttätig zu werden. Dabei hat der Rückzug der Sowjetarmee aus Afghanistan gezeigt, das unsere technische Überlegenheit gar nicht so viel wert ist, wie Hollywood uns immer beibringen will.  Der Mythos vom Cowboy, der mit seinem überlegenen Repetiergewehr Indianer mit Pfeil und Bogen reihenweise vom Pferd holt, ist ein Mythos von Gestern und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat man konkrete Vorstellungen und Vergleichsmöglichkeiten über eine Welt, in der Europa und die USA ebenfalls den Weg überschuldeter Konsumnationen gehen, die in einer globalisierten Welt keine Chance mehr haben, ihre Kultur zu leben.

Allerdings hat der weiße Mann – sofern ich den Medien wenigstens in dieser Hinsicht Vertrauen kann – noch gar keine Ahnung von seinem Ende, mal abgesehen davon, das ihm die Konjunktur in den USA relativ egal geworden ist und er genauestens auf die kleinsten Zuckungen aus China achtet. Möglicherweise wird auch deshalb soviel in seine Verblödung investiert, damit er nicht sieht, warum es keine tragfähigen Utopien mehr für die Zukunft Europas gibt: ganz einfach deshalb, weil die momentanen Parameter überhaupt nicht die Vorstellung erlauben, dieser kleine rohstofflose Räuberkontinent hätte überhaupt noch eine Zukunft.

So ist man überrascht, wenn man nach Uganda schaut und dort politische Utopien vernimmt, die für uns völlig fremd sind, angesichts der herrschenden Oligarchie der Parteien aber möglicherweise sehr erfrischend wären, hätte man sie bei uns entwickelt und gebe es ein Klima, das die Veränderung der Gesellschaft überhaupt als notwendig erachtet: so lehnt der ugandische Präsident Museveni Parteien ab, weil alle Parteien uni-ideologisch sind, er will aber multi-ideologische Parteien. Nun, als Autokrat darf er das fordern … aber es würde auch unseren Parteien nicht schlecht zu Gesicht stehen, sich von dem ideologischen Erbe des 19. und 20. Jahrhunderts zu verabschieden, da wir mehr und mehr vor einem Scherbenhaufen stehen, der nur nicht auffällt, weil die Aufschwungpropagande so laut tönt – und alles übertönt, was unter anderem aus  Brüssel, Washington, Peking und Kabul an schrägen Zwischentönen zu vernehmen wäre.

Solche Forderungen nach multi-ideologischen Parteien würden im Land der Dichter und Denker (eher wohl: Richter und Henker) mitlerweile das Volk überfordern. Darf ich der aktuellen Ausgabe des Sterns glauben,  sind es allerdings wirklich eher die gebildeten, etablierten Mittelschichtler, die in Gorleben auf die Barrikaden gegangen sind – und das in voller Absicht als Protest gegen das System verstanden sehen wollten. Sie sehen, das ihr Wohlstand möglicherweise in einer Hartz IV-Rente endet, die einzige Utopie, die wir als Gesellschaft noch zustande bringen: Hartz IV für alle.

Darum ist es jetzt wohl ein kleiner Schock für viele, das die ersten Prominenten bei Hartz IV landen: Ingrid Steeger hat es laut Welt aktuell erwischt:

Fremde Männer wollen für Ingrid Steeger sorgen

Männer hätten sie in den finanziellen Ruin getrieben, sagte Ingrid Steeger über ihre Hartz-IV-Not. Andere Männer wollen ihr nun helfen.

Da stürzen Welten ein. Unsere Promis auf dem Haufen der asozialen Schmarotzer … das geht ja gar nicht, da sind die Hilfsangebote groß, da werden die Fans von Fußball, Porno und Alkohol (die tragenden Grundsäulen unserer Powerspaßkultur) auf einmal aktiv … und bekommen ein wenig Angst:

„Wenn es  unsere  Promis schon erwischt … wann bin ich dann dran?“

Schon Arthur Schopenhauer sah in der Vermischung der Rassen eine große Chance, das all die einzelnen Qualitäten sich zu mehr als der Summe der einzelnen Fähigkeiten erheben und die Geschichte der USA deutet darauf hin, das er damit nicht ganz falsch lag.

Vielleicht liegt Peter Scholl-Latour falsch mit seiner Vorstellung einer neuen Menschheit, andererseits … käme eine andere Menschheit ganz gelegen. Die momentane scheint die Grenzen ihrer Schaffenskraft erreicht zu haben und an die Grenzen ihrer Möglichkeiten zu stoßen.  Es wird eine spannende Zukunft, wenn endlich mal nicht mehr weiße Männer wie Luther, Kant, Marx, Freud (huch, alles Deutsche …) die geistige Welt des Planeten dominieren, sondern Menschen, die ganz anders zu denken gelernt haben und Wege finden, an die wir – mangels Kategorien – gar nicht denken konnten. Kant zumindest hätte das im Prinzip verstanden – aber auch erstmal keine Lösung gewußt.

Und  – mal ehrlich: brasilianischer Karneval ist doch was ganz anderes als das Kölner Besäufnis am Rosenmontag, das seine Wurzeln im Kampf gegen die französische Besetzung des Rheinlandes durch die republikanischen Armeen hat. Die haben doch bis heute nicht verstanden, das Napoleon sich nicht mehr über die Verballhornung französischer Militärkultur aufregen wird.

Vielleicht ist es aber auch die Angst des weißen Mannes vor der Tatsache, das er … zum Vermischen nicht gewählt werden würde und nicht mehr Teil der neuen Menschheit wird. Jenen Aspekt der Integrationsdebatte beleuchten wir selten … was denn an uns so integrationsbegeisternd sein soll.  Das wir eine Kultur haben, die nach den Alten, den Kranken und den Kindern nun auch die Arbeitslosen ausgesondert hat? Oder das wir uns besaufen können, bis uns schlecht wird? Komasaufen soll ja bald olympische Disziplin werden, damit wir wieder Medallienchancen haben.

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