Kapitalismus

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Was kommt nach dem Kapitalismus?

Yanis Varoufakis

Dieses Interview wurde von Progressive International unter dem Titel:
„Gipfeltreffen 2020: Was kommt nach dem Kapitalismus?“ am 18.September 2020 veranstaltet. Aufgrund mangelnder Berichterstattung in der lokalen Medienlandschaft über dieses Ereignis, entschied sich acTVism Munich dazu, es in die deutsche Sprache zu übersetzen.

Die City of London und das parasitäre Offshore-Banking-System

Die City of London gehört nicht zum Vereinigten Königreich. Die Square-Mile im Zentrum der britischen Metropole ist ein Staat im Staate, mit eigener Verwaltung und Rechten und Privilegien, die bis in die Zeit der normannischen Eroberung und weiter zurück reichen.
Im britischen Weltreich war die City das Zentrum des Imperiums. Die Bank of England und die Oligarchen der East-India-Company waren die eigentlichen Herrscher und nutzten ihre Macht, um Handelsmonopole zu schaffen und somit Rohstoffe und Vermögen aus aller Welt zu plündern und an die Themse zu schaffen. Den Preis dafür zahlten nicht nur die bestohlenen Völker, sondern auch das einfache, britische Volk, die, oft unter Zwang, als Seeleute, Soldaten und Kolonialisten dienen mussten.
Nach den Weltkriegen war das Imperium so geschwächt, dass es sich nicht mehr aufrecht erhalten ließ, die meisten Länder wurden unabhängig. In dieser für die Oligarchen bedrohlichen Lage wurde von Bankern und Anwälten ein neues System geschaffen, um die alten Privilegien zu wahren, das Offshore-Banking. Mit der vermeintlichen Unabhängigkeit von Kleinststaaten wurde ein Netz von Wirtschaftssonderzonen, Freihäfen und Steueroasen geschaffen. Manche stehen auch, wie die Kanalinseln Jersey und Guernsey, direkt unter der Herrschaft der britischen Krone.
In dieses mafiöse Netz wandert ein Großteil des erwirtschafteten Vermögens ganzer Kontinente und entzieht sich so seiner Verantwortung und hindert die Länder daran, sich zu entwickeln. Das Ergebnis sind Massenverarmung und Verschuldung von Staaten, die so nur noch mehr in die Abhängigkeit der Banker geraten. Auf diese Weise werden Gewinne privatisiert, Aufwand und Verluste tragen die Völker dieser Welt.

Eine Reise in die parasitischen Strukturen des Hardcore-Kapitalismus.

Die westliche Oligarchie mit Prof. Dr. Sylvia Kreiß

Robert Cibis trifft die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Sylvia Kreiß, um die Rettungsmechanismen in der aktuellen Krise zu verstehen, vor allem, welche Narrative diese motivieren. In 75 Jahren ist die deutsche Staatsverschuldung auf knapp 2 Billionen Euro gewachsen, jetzt geht die Mähr, dass sich die Summe mit der Corona-Krise verdoppelt habe, um Selbstständige und Unternehmen zu retten. Wer kriegt wie viel warum? Und wie geht es den Milliardären dieser Welt?

Geld – Eine neue Perspektive auf eine alte Bürde der Menschheit

Geld geht jeden etwas an, es scheint einfach schon immer da zu sein. Doch woher kommt das Geld und der Zins? Und warum scheinen selbst preisgekrönte Ökonomen unfähig, das Phänomen zu erklären, wie ihr Scheitern bei Krisenpräventionen oder der Umstellung von sozialistischen zu kapitalistischen Volkswirtschaften zeigt?
Tatsächlich hat sich Geld nicht irgendwie und irgendwann als fortschrittliches Tauschmittel entwickelt. Sondern es kam durch einen juristischen Akt in die Welt, der Erschaffung von Privateigentum. Dies geschah im Zuge revolutionärer Umstürze in feudalistischen Stadtstaaten in Griechenland und Kleinasien in vorklassischer Antike.
Ein völlig neuer Blick zeigt vor allem, dass unser Geldsystem nichts Natürliches und deshalb auch nicht alternativlos ist, sondern etwas von Menschen gemachtes. Deshalb ist es auch möglich und steht uns zu, das System zu verändern und zu verbessern.

Wichtigste Quelle zu diesem Thema ist das empfehlenswerte Buch Eigentum, Zins und Geld von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger.

Karl Marx #4: Klassen und Kämpfe

Nach der #Finanzkrise 2008 waren Karl Marx und sein Hauptwerk, das #Kapital, wieder in aller Munde. Doch weniger Aufmerksamkeit erhielt seine Klassenanalyse, die nach der Zähmung des Kapitalismus‘ im 20. Jahrhundert lange überholt schien. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ erklären Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt, wieso das Marx’sche #Klassenparadigma auch heute von Bedeutung ist – und wieso Kritik an ihm dennoch berechtigt ist.

Wieso Friedrich Merz brandgefährlich ist

Die SPD hat sich jetzt mit Olaf Scholz bereits auf einen Kanzlerkandidaten festgelegt, während die Union sich uneinig ist, wer Angela Merkel beerben soll. Im Rennen ist neben Markus Söder, Armin Laschet und Jens Spahn auch ein alter Rivale von Merkel: Friedrich Merz, der in Ost und West beliebt ist – auch bei jenen Wählern, die garantiert nicht von seiner Kanzlerschaft profitieren würden.

Wer wenig verdient, arbeitslos oder krank wird, der ist in der Logik des ehemaligen Blackrock-Mitarbeiters vor allem selbst dafür verantwortlich. Friedrich Merz leidet bis heute darunter, dass seine Partei den sozialen Kahlschlag, der mit Rot-Grün und der Agenda 2010 begann, nicht tatkräftig genug fortgesetzt hat. Doch was denkt Friedrich Merz über die deutsche Wirtschaft, den #Sozialstaat und dessen Bürger?
Er hat das alles Schwarz auf Weiß festgehalten: In seinem Bestseller „Mehr #Kapitalismus wagen“, der 2008 erschien. Die Thesen des Buches wiederholt der #CDU-Mann bis heute unentwegt. Und sie sind brandgefährlich.

Literatur:
Thomas Biebricher: Geistig-moralische Wende. Die Erschöpfung des deutschen Konservatismus. Matthes & Seitz.
Alexander Gauland: Der Furor der Reformen, in: https://taz.de/!687225/
Friedrich Merz: Mehr Kapitalismus wagen – Wege zu einer gerechten Gesellschaft. Piper.
Friedrich Merz: Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion – Kursbestimmung für unsere Zukunft. Herder.
Frank Schirrmacher: Ego. Das Spiel des Lebens. Blessing.
Wolfgang Streeck: Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus. Suhrkamp.

Lobbyismus – (Welt-)Kapitalismus – Mafia?

Phillip Amthor ist nur die Micky-Maus – gleichwohl ist sein Verhalten unappetitlich bis kriminell. Die Drahtzieher und Schieber sitzen in Ministerien, die sich gemein machen mit den Lobbyauftraggebern, in diesem Fall der Augustus Intelligence, einem start-up ohne Produkt, aber mit zwei ehemaligen deutschen Geheimdienstchefs als Beratern und Karl-Theodor zu Guttenberg als Direktor; das mutet an wie eine kriminelle Vereinigung in Gründung (i.G.). Die Lenker des Geschehens aber sind wieder andere, diejenigen an den Schalthebeln der großen Finanzinstitutionen: Blackrock, Vanguard-Group und State Street Corporation kontrollieren mit ihren Kapitalbeteiligungen mehr als 15.000 Konzerne weltweit, darunter Schwergewichte wie Apple, Microsoft, Amazon. Der Rote Platz geht diesen Verknüpfungen von Staat und Monopolen nach.

Wer sägt schon am eigenen Ast?

Wenn US-Technologiekonzerne „Rassismus bekämpfen“

Alle sind derzeit ganz laut und öffentlichkeitswirksam gegen Rassismus. Doch scheint die Rassismusdebatte spätestens an der Landesgrenze zu enden. Ab dort beginnt wieder das Geschäft.

Mindestlohndebatte: Beispiel erfolgreicher CDU/CSU-Strategie Getrennt-Marschieren & Vereint-Schlagen

Die Aufregung im politischen Berlin war groß. Da hatte doch eine Arbeitsgruppe der CDU tatsächlich eine Senkung des Mindestlohns gefordert. Wenige Wochen, nachdem die Kanzlerin höchstpersönlich auch die oft zum Mindestlohn bezahlten Arbeitskräfte in den Supermärkten großzügig für systemrelevant erklärte, erscheint dieser Vorstoß dann doch – drücken wir es mal sehr wohlwollend aus – ein wenig kühn. Wie kaum anders zu erwarten, folgte dann auch wenige Stunden später der Rückpfiff durch die Parteichefin: „Hände weg vom Mindestlohn“. Hat die Parteispitze ihre Fraktion nicht im Griff? Das Gegenteil dürfte der Fall sein. Mit diesem Vorstoß erweiterte die Union den Debattenraum. Nun steht ein ganzer Reigen neoliberaler Grausamkeiten in der Diskussion und es dürfte CDU und CSU nun leichter fallen, die ohnehin geplanten Punkte wie vor allem die vollständige Streichung des Solidaritätszuschlags, von der ohnehin nur die Topverdiener profitieren, durchzudrücken. Der Koalitionspartner SPD und die Medien machen es ihnen ja auch denkbar einfach.

Brave New Work

Selbst jene Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren beharrlich geweigert haben, #HomeOffice für die Angestellten anzubieten, mussten jetzt in der Krise das Arbeiten außerhalb des Büro schätzen lernen. Die Furcht, dass das Home Office ein „Paradies für Faulenzer“ sein könnte, war unbegründet – wie aber bereits auch schon vor der Krise diverse Studien belegt hatten.
Der Arbeitnehmer hat dadurch jedoch nicht nur Vorteile. Neben dem Home-Office-Trend ändert sich aber auch die Arbeitsatmosphäre in den Büros: vom Kicker bis zu bunten Lounges, in denen gearbeitet und gechillt werden darf und soll, beziehen sich die modernen #Management-Konzepte gern auf die Idee von New Work, die der Philosoph Frithjof Bergmann vor Jahrzehnten entwickelt hat. Er wollte allerdings nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch den #Kapitalismus radikal verändern.

Doch was ist von diesem Ansatz heute übriggeblieben, da sich inzwischen alle cool sein wollenden Unternehmen New Work auf die Fahnen schreiben? Nicht selten handelt es sich um Etikettenschwindel, oft wird unter dem Deckmantel der Erneuerung bloß ein neues Disziplinarsystem etabliert, erläutern Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in einer neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.

Huge Bailout: Socialism To Save Capitalism?

Yet again our capitalist system is turning to socialism to save it with A MASSIVE multi-trillion-dollar bailout. Plus Trump is talking about bailing out everything from cruise lines to big banks to oil and fracking companies, to hotels, to airlines and weapons contractors like Boeing.

„Den Planeten zu retten, heißt die herrschenden Eliten zu stürzen“

Ullrich Mies ist Sozial- und Politikwissenschaftler und studierte in Duisburg und Kingston, Jamaika. Mies schreibt für verschiedene Publikationen wie Rubikon, die Neue Rheinische Zeitung oder scharf-links. Als Mitautor verfasste er mit Jens Wernicke 2017 das Buch „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“. In dem aktuellen Sammelwerk „Die Ökokatastrophe“ kritisiert Mies die Klimadebatte, die sich vornehmlich auf die Frage konzentriere, in welchem Maße der Mensch dafür verantwortlich gemacht werden könne. „Der Natur ist es völlig egal, wer sie zerstört“, so Mies. Der überzeugte Kapitalismuskritiker sieht vor allem die herrschenden Eliten in der Pflicht, da sie diejenigen seien, die von der Ausbeutung des Planeten am meisten profitieren. Im Gespräch macht Mies deutlich, dass aus seiner Sicht nicht mehr viel Zeit bleibt, um den Planeten vor der Ökokatastrophe zu bewahren.

Offener Brief eines Klimaleugners zum Osterfest

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Ostersonntag, 21.4.2019. Eifel. Was für ein Wetter heute! Strahlender Sonnenschein – auch in der sonst eher kühlen Eifel. Strahlend blauer Himmel – als wäre nicht ein Flugzeug unterwegs. So sah der Himmel tausende von Jahren lang aus, bis … was auch immer … diese Gittermuster in die Luft malte. Es soll noch die ganze Woche so bleiben: sagten die Wetterleute. Sonne, Sonne, nichts als Sonne. Eine Frau, die als Hobby einen Permakulturacker betreibt, rief schon an und erwähnte, dass sie sich vor noch so einem Sommer wie im letzten Jahr fürchten würde: das würde ihr Acker nicht mehr mitmachen.

Nun haben wir ja heute Ostern – ein besonderer Tag. Sie werden ja wohl nicht erwarten, dass ich mich schriftlich äußere, ohne auf diesen Tag einzugehen, oder? Und glauben Sie mir: das hat auch mit der Überschrift zu tun.

Was ist das nun, dieses Ostern? Nun, ein Frühlingsfest, wie es überall auf der Welt gefeiert wird, wenn halt Frühling ist. Das westliche Frühlingsfest hat seit 2000 Jahren eine besondere Geschichte bekommen, die Geschichte von Christus. Sie sei kurz erzählt. Der große Geist (in unseren Breiten: „Gott“ genannt) war unzufrieden mit der Menschheit. Anstatt das Leben zu genießen, das ihnen geschenkt wurde, bauten sie Imperien und in ihrer Mitte große Türme, in deren Spitzen besondere Kammern waren, wo Priester den Göttern hübsche Menschenfrauen darboten. Nun fragen Sie mich bitte nicht, wo in monotheistischen Kulturen „Götter“ herkommen, aber in Gen 6,1-6 lernen Sie diese kennen. Welche Art diese „Götter“ waren, kann auch nicht bestimmt werden (der Herr von Däniken hat da sicher ganz eigene Theorien), aber sie waren dem großen Geist ein Gräuel im Auge – also schickte er die Sintflut, um die verderbte Erde zu reinigen.

Auch nach der Sintflut kam keine Ruhe herein. Der große Geist erwählte sich ein Sklavenvolk als Botschafter und – unter Anwendung großer, beeindruckender Zauberei – entriss er es ihren imperialen Menschengöttern und führte sie in die Freiheit – doch kaum waren sie in Sicherheit, tanzten sie erstmal wieder um das goldene Kalb. Dann sandte der große Geist Propheten – einen nach dem anderen – doch nichts änderte sich. Nochmal die große Spülung ging nicht, das hatte er versprochen und als Zeichen für dieses Versprechen den Regenbogen an den Himmel geheftet. Also kam er zu dem letzten großen Schritt – und schickte etwas von sich selbst auf die Erde – als jungen Mann mit langen Haaren und Hippielatschen. Auch der konnte unermesslich große Zauber wirken – doch um die ging es ihm gar nicht. Es ging nur darum, ein für alle mal klar zu stellen, wie man hier unten als Mensch miteinander umgehen sollte, um die Zeit außerhalb des Paradieses einigermaßen sicher überstehen zu können: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ – so heißt sie.

Ein einfacher Satz, oder? Doch damit war die Geschichte ja nicht zu Ende, wie nähern uns ihrem Höhepunkt: es kam wie es kommen musste – aufgewiegeltes Volk und imperiale Gerichtsbarkeit schlugen auch diesen Zauberer ans Kreuz – eine sehr schmerzhafte Art zu sterben, wie man mir sagte. Doch dieser … hatte noch ein Ass im Ärmel. Er widerstand dem Tod, kehrte zurück, um den Menschen auch diese Botschaft nochmal deutlich zu machen: der Tod ist nicht das Ende – die zentrale Botschaft jeder Religion auf Erden.

Nun – damals war diese Botschaft nicht so etwas besonderes: niemand war so blöd, zu glauben, dass das Leben nur aus Matsche bestand, aus Materie. Der Tod war allgegenwärtig, konnte nicht in Altenheimen oder Krankenhäusern oder Hospizen versteckt werden, um die geheime Botschaft zu verbreiten, dass wir alle unsterblich werden – hier auf dieser Erde. Das Tod wie Geburt ein ganz normales Ereignis war, brauchte man nicht sonderlich zu betonen: niemand fürchtete sich vor der Zeit vor der Geburt – was also sollte man nach dem Tode fürchten?

Das wäre kurz und knapp die österliche Geschichte, die medial heute von einem Trommelfeuer begleitet wird, dass uns zeigt: „Gott“ ist mal wieder völlig out, auch unter Christen. Normal mache ich auch auf entsprechende Artikel aufmerksam, zittiere sie – doch jetzt schreibe ich ja unter der gestrengen Hand das Artikel 13 des Urheberrechtes …  und da bin ich aktuell noch unsicher, ob ich überhaupt zugeben darf, jemals irgendetwas gelesen, verstanden und behalten zu haben. Ich fürchte mit auch ein wenig, zuzugeben, dass ich Liedtexte von Songs auswendig kenne – mir ist unwohl dabei, was wohl mit meiner biologischen Festplatte geschehen wird, wenn die mitkriegen, dass da Daten von anderen drauf gespeichert sind. Mein Gehirn ist sogar voll von Daten anderer Menschen – aber das Thema möchte ich zu einer Zeit, wo die Regierung auf einen Schlag all´ unsere Organe enteignet hat, gar nicht weiter vertiefen.

Wieder leben wir in einer äußerst finstersten Zeit, in der Menschen sich und ihrer Umwelt gegenseitig fürchterlichste Dinge antun – ganz ohne Not. Diesmal jedoch heben sich die gigantischsten Imperien aus der Asche der alten, die die Welt je gesehen hat, ihre Macht reicht in alle Winkel der Erde und trachtet danach, jeden Gedanken zu beherrschen. Die ganze Welt wird umgebaut zu Megacitys – den ulitmativen Tempeln des modernen Lebens. Wieder sind in ihrer Mitte große Tempel errichtet, in deren Chefetagen wieder junge hübsche Frauen gern gesehen sind: zwecks Konsum, nicht als CEO´s. Die Nahrung, das Wasser, die Luft sind von Gift durchtränkt, unerträglicher Lärm großer Maschinen ist unser täglicher Begleiter, Waffen können in Sekunden ganze Städte auslöschen während Städte ganze Landschaften verwüsten, wir pflanzen Menschenohren auf Mäuse und Menschengene in Schweine: dem alttestamentarischen Ziegenhirten, dem vormittelalterlichen Germanen oder dem fernen Samurai der frühen Jahre käme unser Alltag vor wie eine Version von Dantes Hölle. Gut, dass Anpassung die größte Fähigkeit des Menschen ist: wir wären sonst schon lange völlig irre geworden.

Wir nennen jene Zeit, die das größte Massensterben an Tieren und Insekten der bekannten Geschichte erlebt,  „Aufklärung“. Sind stolz, unsere Götter über Bord geworfen zu haben. Und den Rest der Schöpfung gleich mit.

Zu den neuen Dimensionen der Weltvernichtung kommt nun eine, die alles beenden soll, was wir mit Gift und Technik bislang noch nicht vernichtet haben: die Klimakatastrophe, bzw. der „menschengemachte“ Klimawandel. Wir müssen hier gleich einhaken – und ich möchte einen kleinen Exkurs in Wissenschaftlichkeit einbringen. Bitte nicht weglaufen: das ist Grundwissen, dass jeder souveräne Bürger braucht – und mehr brauchen Sie auch wirklich nicht.

Wissen – das haben wir zu Beginn der Aufklärung erkannt – kommt uns nur auf zwei Arten zu: ersten durch Beobachtung (Empirie, vorgetragen von Roger Bacon) oder aber durch Schlussfolgerungen, durch Rationalität (vorgetragen von Rene Descartes). Beide Formen dürfen nicht vermischt werden, sonst können sie nicht als wahr gelten und Beliebigkeit zieht in die Wissenschaft ein. Nehmen wir nun alles als wahr an, was die Empirie uns zeigt, dann … nun: werden Sie mit der Existenz von Geistern leben müssen. Gefällt ihnen das nicht und ziehen Sie den Bereich der reinen Vernunft vor, nun: da kommen sie um einen Gott nicht drumherum: in einer Welt, in der jede Bewegung durch eine andere Bewegung angestoßen wird (es also kein Perpetuum Mobile gibt), brauchen wir einen „ersten Beweger“.

Einfach, oder?

Die moderne Weltvernichtungsphilosophie hat sich für einen anderen Weg entschieden, den der Beliebigkeit … bzw. den des konsequenten Atheismus, der Geister aus Vernunftsgründen ablehnt und Götter aus Gründen der Empirie: sofern sie nicht täglich unter uns wandern, wollen wir sie nicht anerkennen; alternativ beten wir Pop- und Filmstars, Milliardäre und Politiker oder auch einfach nur „Marken“ an – ohne uns groß was dabei zu denken. Bleiben wir im religiösen Denken, so ist dies die Zeit Satans (oder noch ganz anderer, schlimmerer Dunkelmächte), der die Welt, die er so nie erschaffen konnte, wenigstens vernichten will.

Unangenehm, diese Sicht, oder? Auf einmal ist man auf der Seite der ganz ganz Bösen – dabei hat man nur gemacht, was alle gemacht haben: Eigenheim, SUV, drei mal jährlich Urlaub auf Sri Lanka. An deren Stelle wäre ich auch überzeugter Atheist, damit kann man sich ethisch noch etwas länger über Wasser halten.

Seltsam auch das gerade – also im beginnenden 21. Jahrhundert – „Linke“ so besonders an dem materialistischen Mythos festhalten und besonders die Religionen bekämpfen (außer dem Islam naürlich, der ist hierzulande insgesamt als verfolgtes Opfer definiert und genießt besonderen Schutz), allen voran natürlich das Christentum. Sicher: die katholische Kirche hat mit Paulus zusammen einen Apparat aufgebaut, der das genaue Gegenteil christlichen Lebens abbildet, aber jenes eigentliche christliche Leben wäre dem kommunistischen Ideal sehr nahe – aber was rede ich, es ist ja hier nicht von Vernunft die Rede, sondern von Politik, vom Ringen um Macht – und das ist gar nicht christlich.

Seltsam weil – der materialistische Mythos weitgehend ausgedient hat, von seinen eigenen Befürwortern als Fake entlarvt wurde: von den Physikern. Doch wollen wir das mal so stehen lassen, bleiben wir christlich am österlichen Tage und sagen: wer suchet, wird finden … auch diese Physiker, die uns erzählen, dass die Welt eigentlich eher Geist denn Matsch ist – und womöglich sogar einen großen Geist als Grundlage hat, der für den Erhalt des Gebildes sorgt. Sobald das Urheberrecht klarer definiert ist, werde ich mir erlauben, diese Physiker wieder zu zitieren.

Kommen wir nun, nachdem wir der österlichen Zeit viel Aufmerksamkeit gewidmet haben, zu der Klimaleugnung. Schon der Begriff erzeugt Angst. Welche politischen Horrorbilder sich daraus ergeben können, hatte ich unlängst mal beschrieben (siehe Nachrichtenspiegel): ob die Klimahölle kommt, ist noch ungewiss, aber die Menschenhölle kommt ganz sicher. Der Klimaleugner ist der Feind der ganzen Menschheit, er gehört gejagt, geschunden und verbrannt – und da bleibt mir im Sinne des christlichen Osterfestes gar nichts anderes übrig, als mich auf seine Seite zu stellen, denn: Christus selbst war immer auf der Seite der Armen, der Kranken, der Beschämten und Geächteten, hat da ganz klare, göttliche Botschaften gesetzt (die man bei seinem Bodenpersonal in den Kirchen der Welt leider nicht mehr beobachten kann – noch ist ihr Reichtum per Vernunft erklärbar).

Was liegt also näher, sich an Ostern zu den Klimaleugnern zu gesellen: jenen, die aufgrund ihrer politischen Meinung oder wissenschaftlichen Überzeugung verfolgt werden. In den Geschichten der Klimaleugner liegt auch zudem die einzige Hoffnung der Menschheit: wir können alle nur beten, dass sie Recht haben. Irren sie – mag der Planet schneller zur Wüste werden als uns lieb ist.

Gut, nun hat uns jemand die heilige Greta geschickt, die uns die Rettung bringen soll – wer aber fleißig Wiwo liest (im Geheimen natürlich, weil das Urheberrecht der Information natürlich woanders liegt und wir das nicht verletzen wollen), der kann wissen, dass die Generation, zu der Greta gehört, schon bald für die Hälfte aller Konsumausgaben der ganzen Menschheit verantwortlich seien wird. Sie werden dem ganzen Wahn nochmal eins oben drauf setzen – das wird man wohl schnell auch nach der Abifeier merken, wenn es mal eben schnell für ein paar Monate in die USA, nach Goa oder Australien gehen soll. Da sind sie wie ihre Eltern: große Klappe, nichts dahinter. Alle regen sich über Klimaleugner auf – eifrig und mit Schaum vor dem Mund – aber selber was tun … nun, das geht nicht. Führte letztlich auch mal ein „Spiegel“-Autor vor, der erstmal meinte: Fleisch- und Flugverzicht brächten ja wohl gar nichts, Klimafeind Nr. 1 sei ja das Wohnen…

Die geheime Botschaft hinter der Klimahysterie ist nun eine, die sich ein Teufel nicht besser hätte ausdenken können: der Mensch muss weg, er macht zuviel Dreck. Aber natürlich muss nicht jeder Mensch weg: es ist vor allem der Arme, der stört – und zwar milliardenfach. Er atmet, pubst und will auch noch essen – dabei brauchen unsere edlen Veganer diese Ressourcen, um sich ihre Avocado möglichst frisch aus den Agrarwüsten Mexikos einfliegen zu lassen, wo völlig ausgeplünderte Bauern ihre letzte Lebenskraft in die Ernte gesteckt hatten. Niemand, wirklich niemand will auch nur ein wenig tun, um die kommende Katastrophe abzuwenden, der Markt für SUV, Privatjets und Megakreuzfahrtschiffe boomt, Häuser werden immer größer, Städte wachsen wie irre (auch ohne Zunahme von Bevölkerung).

Unsere ganze materialistische Kultur frisst unseren Planeten auf – selbst, wenn sie das Klima nicht beeinflussen würde. Die Co2-Ausstöße wachsen von Jahr zu Jahr: trotzdem fällen wir Wälder und Stadtbäume, als wären wir völlig irre geworden. Sind wirklich wir Menschen Schuld an dieser Entwicklung (was erstmal die Hypothese vieler Klimamodelle ist): dann war es das. Deshalb bleibt nur zu hoffen, dass die Klimaleugner Recht haben: sie sind unsere einzige Hoffnung. Ansonsten … wird die Klimasteuer (Gretas größtes Projekt) die Armen von der Erde fegen: wenn die nur noch Atmen bis Mitte des Monats bezahlen können.

Da dies ein persönlicher Brief ist – dazu noch etwas persönliches aus der Position eines Klimaleugners. Ich bin 59 Jahre alt, habe noch nie einen Urlaubsflug gemacht – und nur eine Woche Urlaub überhaupt außer Haus verbracht: den Kindern zuliebe. Ich esse seit 59 Jahren keinen Fisch, um die Überfischung der Meere zu verhindern. Fahre einen Kleinwagen (Diesel, damals gekauft der Umwelt zuliebe), den ich zu 90 Prozent nur beruflich nutze (um den Schmähungen der Klimaretter zu entkommen, ich sei ein fauler Parasit, der nur zu faul zum Arbeiten ist). Unsere Raumtemperatur liegt bei 18 Grad im Winter. Wir essen noch Fleisch – aber vorzugsweise Hähnchen, das eine deutlich günstigere Klimabilanz hat als Rind oder Schwein. Wir essen absichtlich keine Nahrungsmittel, die mit dem Flugzeug kamen – und wenn es nur irgendwie geht, auch nichts, was von weither kommt. Würden die Klimahysteriker dies nachmachen – es wäre schon alles super – wir würden dann auch sofort nachlegen. Aber solange die weiterhin den Automarkt mit SUV fluten, mit fetter Werbung immer preiswertere Fernflüge unters Volk bringen und Lebensmittel in Massen vernichten … glaube ich denen einfach nicht. Im Gegenteil: ich sehe überhaupt nicht, dass jene, die den menschengemachten Klimawandel predigen, irgendwelche persönlichen oder öffentlichen Konsequenzen in Kauf nehmen.

Was ich aber wieder sehe, ist die Neuauflage der Bewegung „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Jeder wird zum kleinen Klimajesus, der persönlich die Massen zur Rettung der Welt führt – dabei können die paar Leute, die hier wohnen, praktisch kaum was ausrichten. Sehen Sie übrigens irgendwo auch nur eine einzige Maßnahme, die in Angriff genommen wird, um Menschen vor den Folgen der Klimakatastrophe zu schützen? Nur eine? Nein – aber ganz nebenbei will man erstmal Luft besteuern … ein Billionengeschäft, bei dem viele wieder lukrative Pöstchen ohne sonderlich viel Arbeit bekommen werden … Pöstchen, von denen wir jetzt schon viel zu viele haben.

Und ich glaube: darum geht es zuerst – um Pöstchen.

Und nun: wünsche ich noch ein frohes Osterfest. Möge es wenigstens ein bischen besinnlich werden.

PS: die wissenschaftliche Auseinandersetzung beobachte ich natürlich sehr aufmerksam. Selbst mit wissenschaftlicher Ausbildung versehen, halte ich aus der Sicht von Empirie und Ratio einen Klimawandel Richtung Erderwärmung momentan für wahrscheinlicher als eine Abkühlung der Erde. Die Einflüsse der durch technische Tricks vervielfältigten menschlichen Kraft auf die Natur können wohl gesichert als großflächig schädlich angesehen werden. Der Theorie, dass allein das Gas Co2 für die Erwärmung verantwortlich sein soll, ist dann eine Sondertheorie, ich halte das für möglich, wenn auch aufgrund der aktuellen Datenlage für wenig wahrscheinlich. Wenn Vernunft und nicht Habgier unser Denken beherrschen würden, würden wir trotzdem sicherheitshalber unverzüglich umfangreiche Maßnahmen – auch im persönlichsten Bereich – angehen, um dem entgegen zu wirken. Da Habgier aber die Hauptantriebskraft des Kapitalismus ist und in allen Schulen und Universitäten mit großer Macht und Sorgfalt gelehrt wird – und im Übrigen der „Kern des Bösen“ in jeder – wirklich JEDER – Religion, auch schon lange vor dem Christentum (weshalb wir aus religöser Sicht im finstersten Zeitalter der Menschheit leben: Habgier ist Gott geworden, Satan hat gewonnen) – werden wir nie die Kraft oder nötige Wucht erzielen, um die Maßnahmen durchzusetzen. Merken wir ja auch die letzten Jahrzehnte.

PS 2: Sie haben richtig gefolgert: die armen Hartz IV-Empfänger sind aufgrund ihres Verbrauches die wahren Helden dieser Zeit. Still, bescheiden, demütig leben sie zudem ein Leben, wie es dem großen Geist gefällt. Aus der Sicht der Habgier jedoch … sehen sie anders aus. Arbeitslose werden wohl vergeblich auf den wohlverdienten Klimanobelpreis warten …

 

 

 

 

Capitalism will eat democracy — unless we speak up

Have you wondered why politicians aren’t what they used to be, why governments seem unable to solve real problems? Economist Yanis Varoufakis, the former Minister of Finance for Greece, says that it’s because you can be in politics today but not be in power — because real power now belongs to those who control the economy. He believes that the mega-rich and corporations are cannibalizing the political sphere, causing financial crisis. In this talk, hear his dream for a world in which capital and labor no longer struggle against each other, „one that is simultaneously libertarian, Marxist and Keynesian.“

Deutsche Untertitel verfügbar.

Das – wiederholte – Ende des Kapitalismus und unsere dunkle Zukunft

Das - wiederholte - Ende des Kapitalismus und unsere dunkle Zukunft

Freitag, 26.10.2018. Eifel. Schneller wird die Welt. Und immer schneller irrer. Fragt man sich, woran es liegen mag, so wäre die Antwort einfach: der Kapitalismus nähert sich wieder einmal dem Ende – und immer wenn er sich dem Ende zuneigt, wird er brutal – und irre. Es eilt ja auch: noch so viel Geld auf Konten hilft nicht, wenn der Zusammenbruch da ist und das Geld nichts mehr wert. Geld man man nicht essen, es ist nur Papier – oder – wie bei den Superreichen – nur eine Zahlenkette auf dem Rechner. Ein Stromausfall reicht und die Milliarden sind nicht mehr erreichbar – unvorstellbar, oder? Doch genau so ist es. Streng genommen sind diese Buchgeldsummen aber nur eins: Optionen auf Ansprüche. Da es mehr Geld auf dieser Welt gibt als Waren und Dienstleistungen zusammengenommen, können Sie sich unschwer vorstellen, was passiert, wenn diese gigantischen Summen sich auf die Jagd nach Land, Nahrung, Obdach und Wasser machen – und was dann mit Ihnen passiert. Klar – man braucht ein paar Jungs fürs Grobe, Menschen, die mit einem robusten Mandat keine Probleme haben – an den Randzonen der Gesellschaft werden mittels Demütigung, Erniedrigung und seichter Folter genug dieser Menschen produziert, die ihren Lebensfrust nur allzugern an anderen auslassen.

Der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister beschreibt derzeit zwei Szenarien, die der Neoliberalismus enden wird (siehe Freitag), dass er enden wird, daran hat er keine Zweifel mehr – wie viele andere auch. Entweder er endet in einem Sieg der Vernunft, der die überbordende, irrwitzige Finanzwirtschaft auf den Boden der Tatsachen zurückholt – oder er endet in einer Form des „sanften Faschismus“. Ich jedoch frage mich währenddessen, ob Herr Schulmeister wohl zu jenen Eliten gehört, die jeglichen Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben – so wie es der Elitenforscher Hartmann der politischen Kaste vorwirft (siehe Heise). Mit liegt mehr an der These, dass Faschismus – immer und überall – Kapitalismus im Endstadium bedeutet: das Kapital sammelt seine Schläger immer dann, wenn der große Knall droht und mal wieder klar wird: das war alles nur irrationales, substanzloses Casinospiel, aufgrund dessen man sich unendlich reich gerechnet hatte und nun fordert, dass andere für den erspielten Reichtum echte Arbeit und echte Waren liefern. Klar, dass das nicht gut geht.

Wer ist eigentlich der Erzfeind des Faschismus? Haben Sie sich das schon mal gefragt? Bin sicher, es kommen laufend falsche Angaben dazu, weil Faschismus im gemeinen Bildungswesen immer nur extrem verkürzt unterrichtet wird … was in einem kapitalistischen System durchaus eine gewisse Logik hat: wieso soll man groß drauf aufmerksam machen, dass das System nur funktioniert, wenn am Ende der Party die Saalräumer vom Ordnungsdienst die Spuren beseitigen und die Gäste ´rausjagen. Der Ausländer ist der Feind des Nazis? Sicher Ihre erste Vermutung, doch – es waren nie mehr Ausländer in Deutschland als zur Zeit des Dritten Reiches: billige Zwangsarbeiter kann das Kapital immer gebrauchen (und auch die Waffen-SS nahm gerne jeden auf, der ihren Job gut machte), haben wir in Deutschland ja auch in den sechziger Jahren gesehen, als Menschen aus Europa gezwungen waren, in Deutschland zu arbeiten, um der Armut in ihren Herkunftsländern zu entfliehen – sie wurden zu einer Zeit willkommen geheißen, als hier in Juristerei, im Ärztewesen, in der Politik und den Geheimdiensten alles noch voll mit Spitzennazis war. Der Jude ist der Feind des Nazis? Ja – in Österreich und Deutschland ist das eine besondere Spielart der Faschisten – schon in Italien hörte dieser vernichtende Spezialwahn auf. Zudem ist die Geschichte der Judenprogrome – die es 1903 auch in Russland gab (siehe Deutschlandfunk) oder 1946 – kurz nach dem Ende der Judenvernichtung durch Deutsche – auch in Polen (siehe Zeit). Der Judenhass – vor allem in Österreich, und dort vor allem in Wien – ist eine ganz anders gelagerte Problematik – und viel viel älter. Aber als Sündenböcke für alles … nun, dafür waren sie schon immer gut. Antisemitismus ist halt nichts typisch Faschistisches, das sollte man sich merken – obwohl die Welt dadurch komplizierter wird … und einige schon jetzt überfordert.

Der Erzfeind des Faschismus ist: die guten Menschen. Also nicht die als „Gutmenschen“ bezeichneten Bessermenschen, die sich externen Verhaltenskodexen unterwerfen, um angesichts wechselnder moralischer Qualitäten immer als besonders gut dazustehen, sondern jene Menschen, die für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einstehen, jene Menschen, die die christliche Nächstenliebe aktiv praktizieren, die gegen Ausbeutung sind, gegen Gewalt, gegen Fremdherrschaft, Bevormundung, Ungleichheit – kurzum: gegen alles unmenschliche und unsoziale, gegen jede Form von Herrenmenschentum, das in der Gesellschaft ein klar definiertes „oben“ und „unten“ erzeugt, wobei „unten“ – immer und überall – ohne großen Lohn für „oben“ Leistungen zu erbringen hat.

Zuerst hatten sich die guten Menschen mal unter dem Banner des Kommunismus versammelt – jener Idee, die einer Welt, die von urchristlicher Nächstenliebe geprägt ist, am Nächsten kam, doch das klappte überhaupt nicht: wie man aktuell in China sehen kann, können Kapitalismus und Kommunismus ganz gut miteinander – staatlicher Monopolkapitalismus ist zudem nur eine Sonderform des Kapitalismus selbst – sowie Auschwitz eine Sonderform des Faschismus deutscher Prägung war. Besser, leichter, freier, friedlicher, geborgener war das Leben dort nicht.

Wir können es auch auf einen anderen Nenner bringen, wenn man Schlagworte gerne mag: Erfeind das Faschismus ist der Antikapitalist, früher: Kommunist genannt. Mit dieser klaren Linie kann man in jedem Land der Welt klar und eindeutig Faschisten entlarven, die – wie seit Jahrtausenden – immer als die begeisterte Schlägertruppe der Herren des Geldes auftreten. Es ändern sich die Waffen, die Methoden, die Uniformen, die Marschmusiken und die Liedertexte, aber eins bleibt gleich: Menschen, die es außerordentlich geil finden, im Auftrag des Großgrundbesitzers auf die Schwachen einzudreschen. Da gibt es psychische Defekte, die zum Tragen kommen, das ist gar nichts politisches.

Natürlich ist das jetzt eine Theorie. Meine Theorie. Ich denke aber auch, sie läßt sich verifizieren – und da sehe ich die Welt halt anders als der Anfangs erwähnte Ökonom. Ich sehe nichts von einer Allianz der Vernünftigen, halte sie für wünschenswert aber unrealistisch, weil die Verfilzungen der Büttel des Kapitalismus schon viel zu weit fortgeschritten sind, so weit, dass sie schon weiter Teile ursprünglich linken Denkens okupiert haben – unter anderem auch die einst sinnreiche Bewegung der Antifa, jetzt „Staatsantifa“ (siehe DKP). Ich sehe keinen sanften Faschismus in der Zukunft, sondern einen harten Faschismus in der Gegenwart, der sich zunehmend ausbreitet – angefangen mit Hartz IV, jener Gesetzgebung, die Millionen von Bürgern zu Feinden der Allgemeinheit erklärte, zu Parasiten, Schmarotzern und geistig minderbemittelten Untermenschen (ja: die „Unterschicht“, die man verschämt „Prekariat“ nannte) – die Paralellen zum Umgang mit Millionen jüdischer Mitbürger, die in den frühen dreissiger Jahren zu beobachten waren, sind frappierend – aber nur für jene zu erkennen, die sich mit der Zeit beschäftigt haben. Das Horrorbild, dass der Bertelsmannkonzern mit seiner medialen Supermacht vom Arbeitslosen in die Gesellschaft gedrückt hat, entsprach bis ins Detail dem Bild, dass Nazis von Juden zeichneten – und deshalb sind ja auch alle begeistert davon gewesen, dass man normale Mitmenschen komplett enteignete, entrechtete und sie einem diskriminierendem System unterwarf, dass ihrer Gesundheit (und damit paradoxerweise auch ihrer Vermarktbarkeit) massiv schadete.

Es ist eine der erfolgreichsten Ruckzugsstrategien des Kapitalismus, dass er – bis er seine brutalen Schlägerbanden von der Leine läßt – erstmal die Bevölkerung spaltet, sie gegeneinander aufbringt – und das erleben wir ja schon länger. Macht auch Sinn: so verkleinert man die zahlenmäßige Übermacht der Untermenschen und Arbeitssklaven.

Was haben wir nicht alle für Riesenthemen, die uns beschäftigen: den großen Abwehrkampf gegen den übermächtigen Islam zum Beispiel. Klar, es gibt eine kleine aber außerordentlich reiche Milliardärssekte in Saudi-Arabien mit enorm schlechten Umgangsformen, die eine moderne, faschistoide Sonderform des Islam finanziert und verbreitet, der mit demokratischen Grundprinzipien des sozialen Miteinanders einer aufgeklärten Gesellschaft nicht vereinbar ist – das hat jedoch mit meinem Nachbarn, dem türkischen Gemüsehändler, überhaupt nichts zu tun, selbst wenn der zehn mal am Tag seinen Gebetsteppich ausrollt. Wir haben solche irren Sekten auch im Christentum, sogar mächtige Sekten wie den Opus Dei, die Schmerz verherrlichen (und deshalb niemals Macht bekommen dürfen), sie gab es auch im Hinduismus (die Thuggs) und wahrscheinlich auch in allen anderen Weltreligionen. Das ist aber kein Problem: dafür haben wir die Polizei. Kein Grund sich darüber aufzuregen: sobald die mit den Gesetzen der demokratischen Zivilgesellschaft kollidieren, werden die mit robusten Gegenmaßnahmen rechnen müssen. Punkt, Ende der Debatte.

Oder Diesel – das nächste Riesenthema. Was gibt es da für endlose Debatten drüber – ebenfalls irre und irrationale Debatten. Gestern noch mit einem Autohändler drüber gesprochen: sein Konzern hat ein Ankaufverbot für Dieselautos verhängt (natürlich inoffiziell), weil die Dinger in Deutschland nicht mehr zu verkaufen sind. Zehn Kilometer weiter jedoch – in Belgien – ist der gleiche Diesel wieder ein ganz normales Auto mit wenig CO2-Ausstoß. Das gilt sogar weltweit. Rom, Paris, Brüssel – Megastädte ohne Probleme mit dreckigem Diesel, aber das kleine Aachen erstickt im Dreck. Was geschieht mit den ganzen Dieseln, die hier abgestoßen werden? Die werden mit großem Gewinn für die Firmen aber großen Verlusten für die deutschen Eigentümer ins Ausland verkauft. Dort sind sie offenbar sofort sauber. Nun – Dieselmotoren jedoch – kann man umrüsten, auf Wasserstoff zum Beispiel (siehe bizz-energiy). Man kann auch den Diesel selbst als Kraftstoff so verändern, dass er nur noch einen Bruchteil an Schadstoffen ausstößt (siehe heion.de): man sieht also … kein Grund für Panik oder Debatten. Punkt. Ende der Debatte. Ach ja – was ich nebenbei erfuhr … man geht intern davon aus, dass es sich bei der Kampagne gegen Diesel um eine groß angelegt externe Kampagne handelt, die auf breiter Fläche agiert. Schade nur, dass wir keine Theorien über Verschwörungen mehr bilden dürfen: wäre schon interessant, wer uns da an der Nase herumführt. Der Kreis der Verdächtigen aber läßt sich so oder so eingrenzen: es wird einer der großen Player des Kapitalismus sein. Allein schon die Atomkonzerne hätten hinreichendes Interesse an einer Anti-Diesel-Kampagne – die eröffnet ihnen die Rückkehr ins Geschäft, wenn gleichzeitig das Elektroauto gepuscht wird. Geld haben die genug – erhalten ja Riesensubventionen (siehe Ingenieur.de).

Oder der gigantische Abwehrkampf gegen „Rechts“ – womit der Faschismus soweit verniedlicht und derealisiert wurde, dass man ihm jedermann andrehen kann – ob der nun bekennender Faschist ist oder nicht, spielt da gar keine Rolle, denn irgendwie „rechts“ sind alle Menschen mehr oder weniger – je nach Deutungsrahmen. Gleichzeitig wird der echte, existentiell bedrohliche Faschismus infolge der Unschärfe der Sprache nicht mehr erkannt – und marschiert lustig weiter fort – auf ganz breiter Front.

Reicht das an künstlich aufgeblasenen Zwistigkeiten? Oder soll ich noch mal das Stichwort „Gender“ bringen, mit dem der Kampf der Geschlechter neu entfacht worden ist – ohne an der Wurzel des Übels zu rütteln, die dafür sorgt, dass Emanzipation im Alltag eher rückläufig ist. Es ändert nicht viel, die Genderei, kostet aber enorm viel Zeit, Geld und Aufmerksamkeit – es braucht schon ein wenig Muße, um nachvollziehen zu können, warum männliche Studenten in Zukunft nur noch in Ketten in Hörsälen der Universitäten erscheinen dürfen (was ein Fake war, aber zeigt, wie irre dort auf Kosten der Allgemeinheit gedacht wird – siehe Süddeutsche).

In Ungarn wird Obdachlosigkeit strafbar – wir regen uns auf (siehe Wiwo), bringen aber gleichzeitig Bügel an Bänke an, damit Obdachlose dort nicht mehr schlafen können (siehe WAZ). Aber vielleicht ist ja das das „Sanfte“ an unserer Form des Faschismus, die unser Ökonom kommen sieht. Anstatt nicht „Kosten auf zwei Beinen“ in einer Aktion T4  für immer aus dem Verkehr zu ziehen, benutzen wir für alte Menschen Schlaftabletten, damit sie nicht mehr im Wege stehen und uns Zeit stehlen (siehe Zeit). Auch die Jugend bleibt nicht mehr verschont, die schwarze Pädogogik der NS-Zeit hält wieder Einzug und wird groß propagiert, die „Qulitätsmedien“ propagieren gerade in breiter Front einen Film, der Standard einer neuen Elternschule sein kann (siehe Ken.Fm – ja, der Kanal des als „Rechten“ verbrämten Ken Jebsen erkennt hier folgerichtig, dass auch in diesem Sektor die NS-Zeit wiederkehrt – die „demokratischen Qualitätsmedien“ hingegen folgen der faschistischen Argumentation kritiklos). Und über Hartz IV – die Neuauflage der NS-Aktion „Arbeitsscheu reich“ – haben wir ja schon gesprochen.

Die Liste ließe sich ebenso endlos fortsetzen – und auch für das Ende wird schon gerüstet: Einsatz der Bundeswehr im Inneren und Ausrüstung der Polizei mit mit Maschinengewehren bestückbaren Panzerwagen zeigt, wie weit Entscheider heute schon denken. Wenig geschieht gegen die asozialen Schmarotzer im Maßanzug, die plündern fröhlich weiter, erbeuteten allein durch Cum-Ex 55 Milliarden Euro Steuergelder (siehe Zeit). Ebenso bei den Pflegekassen: Betrüger räumen mit Duldung der Kassen groß ab, während Leistungen für die Versicherten immer knapper gehalten werden (siehe Spiegel). Eine Milliarde Euro Steuergeld wird der Gastronomie geschenkt, damit die billige Arbeitskräfte haben kann (siehe rp-online). Das alles ist ok, weil ja Kapitalismus im Kern heißt: nimm von den viel-zu-vielen so viel du kannst, dass ist der Kernbefehl das Kapitalismus, der gerade – kurz vor seinem Ende – zum Überwachungskapitalismus mutiert (siehe Deutschlandfunkkultur). Und am Ende – ganz oben – häuft sich immer mehr Kapital an (siehe Spiegel).

Und wenn es soweit ist … dann werden die Entscheider sich schnell aller Demokratie entledigen. Da sagt dann die Industriekanzlerin einfach: „Wir schaffen das ab“ – und fort ist das. Schauen Sie nicht so verdutzt: in der gleichen Art und Weise hat sie Deutschland im Handstreich zum Migrationsland erklärt – ohne jegliche Debatte – und Fakten geschaffen. So geht Politik in der Postdemokratie.

Und was wir noch mehr abschaffen werden, sind Menschen. Mit Hochdruck arbeitet das Investivkapital an der Automatisierung des Lebens. Man könnte stattdessen auch Lebensbedingungen von Mensch und Tier verbessern und dort investieren – aber der Kapitalist selber weiß, dass Kapitalismus in seiner Gier immer ein Ende erreicht – ein Ende, an dem alles immer schneller und irrer wird, bevor der Kollaps kommt – wozu also das Unaufhaltsame künstlich herauszögern? Selbst ist man ja geschützt durch faschistische Schlägertrupps, die einem das humanistisch orientierte Pack durch die Straße jagen – und wer in den Städten durch Hungersnöte dahingerafft wird, kann einem da völlig egal sein. Aber danach will man ja sein Luxusleben weiterleben – aber dann völlig unabhängig vom Menschsein. Da kommt die Nachricht gerade richtig, dass nun auch Künstler durch Programme ersetzt werden können und Kunstwerke schaffen, die gute Preise erzielen (siehe Spiegel).

Es werden dunkle Zeiten auf uns zukommen – wie immer, wenn der Kapitalismus im Endstadium ist. Vielleicht ersehnen wir als Menschheit solche Zeiten aber insgeheim, weshalb wir uns nicht dagegen organisieren (mal davon abgesehen, dass die Verhinderung dieser Organisation ja gerade das Ziel aller Spaltung ist, weshalb auch „Querfront“ als Begriff ein urkapitalistisches Werkzeug ist). Die Wissenschaft ist da gerade auf einer interessanten Spur: offenbar hat die Menschheit – anders als die meisten anderen Spezies – vergleichbar mit einem blinden Höhlenfisch lange Phasen absoluter Dunkelheit erlebt (siehe Spektrum).

PS: ja, ich weiß, Sie vermissen als großes Thema jetzt „Klima“. Ist auch so ein Aufreger. Wie Ozonloch oder Waldsterben. Das kann jedoch in der Tat ein Fakt sein, ist aber trotzdem dem sterbenden Kapitalismus sehr nützlich, weil er die Schuld nicht auf die Verursacher, sondern auf die Konsumenten schiebt, die Untermenschen, die für ihn sowieso viel zu viele sind. Die Inuit jedoch meinen, es liegt gar nicht am Menschen – sondern an der Verschiebung der Erdachse (siehe Connectivevents).

 

 

 

Chemnitz – der stille Triumph der grausamen Tyrannei des Kapitalismus

Chemnitz - der stille Triumph der grausamen Tyrannei des Kapitalismus

Sonntag, 9.9.2018. Eifel. Gelegentlich muss man mal sagen: das war es jetzt mit unserer demokratischen Zivilgesellschaft. Wir haben einen Kurs eingeschlagen, der Menschen anders sieht als die Gründungsväter der Bundesrepublik es gesehen haben: streng orientiert an der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte. Wann wir diesen Kurs verlassen haben? Kann ich nicht genau sagen, denn die Entscheidung dazu kam „von oben“, von so weit oben, dass man von unten gar nicht erkennen kann, wer da so alles wirkt. Es ist auch im Prinzip egal, welche Personen sich dafür hergeben, sich in den Dienst unmenschlicher Prinzipien zu stellen, viel wichtiger scheint mir die Bestimmung der Prinzipien selbst zu sein – die in unseren Zeiten gar nicht schwer fällt. Sie werden ja offen diskutiert – sagen wir mal: relativ offen – und sind in aller Munde, bestimmen unseren Alltag bis ins kleinste Detail.

Das erste Prinzip, dem wir uns unterworfen haben, ist das Prinzip der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte – mal in richtig großer Wurf in der Geschichte der Menschheit. Sie können gerne mal die Präambel und alle 30 Artikel nachlesen (siehe Amnesty), ich möchte hier nicht alle zitieren. Der erste, der Ihnen wohl auffallen wird, ist Artikel 17.2: „Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden“. Diskutieren Sie doch mal diesen Artikel mit 14 Millionen Mitmenschen, die in den letzten 10 Jahren durch staatliche Gewalt via Hartz IV ihres Eigentums beraubt worden sind, vielleicht finden Sie sogar einen Fall, in dem ein verharzter Mensch sein Heim durch Zwangsversteigerung verlor – und es durch einen Jobcentermitarbeiter günstigst erworben wurde. Denkbar ist das, Angestellte im öffentlichen Dienst sind ja hoch kreditwürdig.

Führt uns direkt zu Artikel 1:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“

Diskutieren Sie den Satz mal mit einem Jobcentermitarbeiter, er müsste ja sofort kündigen, denn: der Geist der Brüderlichkeit ist ihm streng untersagt, sonst könnte er seinen Job ja gar nicht machen. Sie können in dem Gespräch auch gerne mal Artikel 22 zitieren:

„Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.“

Schätze mal – es wird bei den Frühstückspausen der Agentur großes Gelächter geben, wenn man diesen Satz anbringt. Sie werden sich sicherlich schon lange gefragt haben, warum ich mich vehement gegen atheistische und antitheistische Dogmen des Materialismus wende, obwohl ich selbst kein Mitglied einer Religionsgemeinschaft bin – das ist so eine kleine Nebenwirkung der akademischen Ausbildung, bei der man nach langen Mühen erkennt: lediglich Gott (wie immer Sie den auch nennen mögen) ist der letzte Urgrund, auf den sich Würde berufen kann, ohne diese Vorstellung kann man gar nicht verstehen, warum „Würde“ unantastbar sein soll. Im großen Schachspiel um die Macht in der Welt ist die Eliminierung des Gedankens an den Großen Geist, der Vater/Mutter, Schöpfer und Hüter aller kleinen Geister ist deshalb ein ganz wichtiger Schachzug.

Lesen Sie sich da ruhig mal ein: es gibt auch ein Recht auf Wohlfahrt, ein Recht auf Faulheit (also: bezahlten Urlaub), ein Recht auf gleichen Lohn – ich denke, Sie werden überrascht sein, was man da sonst noch alles findet. Ebenso werden Sie überrascht sein, wie viel davon im Laufe der Jahrzehnte schon zerbröckelt ist, wie viele Überzeugungen im Laufe der Zeit unterhöhlt und untergraben worden sind … und wie wenig die Menschen noch darüber reden.

Wer mag, mag die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte auch religiös erhöhen: so kann das Gebot der Nächstenliebe in Gesetzesform aussehen. Es ist die Kultur der Menschlichkeit, des Mitleids (ja: und wirklich des schmerzhaften Mit-Leidens und nicht des distanzierteren aber heute gern gepredigten „Mitfühlens“, das nur dabei hilft, die Gefühle des anderen zu verstehen, aber keinen Anteil mehr an seinem Leiden nimmt – noch etwas daran ändern mag).

Die Gegenkultur hat auch einen Begriff, den alle kennen, einen Begriff, den man ebenfalls kaum noch gebraucht und ihn mit vielen schönen anderen Namen auskleidet: das ist die Kultur des Kapitalismus, jene Kultur, die nur eins im Sinn hat: dass Geld sich ständig überall immer von selbst vermehre. In allen großen Religionen gab es deshalb auch ein Zinsverbot (der pure Horror für Kapitalisten: wie soll man denn ohne Zinsen und ohne eigene Arbeit reich werden?) – übrigens auch im Islam, der das heute noch lebt. Dies mag auch hinreichend den großen „Kampf der Kulturen“ erklären, der in den USA gepredigt wird: das Zinsmonster USA gegen den Zinsfeind Islam. Auch eine interessante Perspektive, oder?

Einige Zeit lang können Kapitalismus und Menschenrechte nebeneinander existieren, ohne das es Probleme gibt. Der Kapitalismus braucht auch die Demokratie als Staatsform der Allgemeinen Menschenrechte, denn gerade sie schützt ja sein angehäuftes Eigentum. Zeiten, wo wilde Räuberhorden oder verarmte Fürsten samt Raubrittern eine Gefahr für die Anhäufung von Vermögen darstellten, sind ja dank der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte und der gesamten Zivilisationsentwicklung vorbei. Darum versteckt sich auch der Kapitalismus gerne hinter den Mauern der Demokratie – obwohl er mit ihr irgendwann zwangsläufig aneinander geraten wird: wie soll man ordentlichen Gewinn machen, wenn alle ehrlichen Lohn bekommen? Wir soll man an der Spitze der Pyramide Milliarden sammeln (jener Ort ist sozusagen der Lottogewinn des Kapitalisten), wenn unten nicht reichlich gezahlt wird? Und schon die pyramidenartigen Unternehmensstrukturen mit ihren Herrschaftshierarchien sind dem Demokraten ein Dorn im Auge – man merkt selten in großen Unternehmen, dass dort der Geist der Brüderlichkeit im Miteinander regiert – und im Wettbewerb darf dieser Geist erst recht nicht herrschen, hier geht es um fressen und gefressen werden.

Da steht der Kapitalismus irgendwann vor einem Problem. Seine Götzen – die Konzerne – müssen ständig wachsen, um Gewinne abzuwerfen, deshalb fusionieren sie zum Schluss zu Megakonzernen, die die Güter der Welt beherrschen: Nahrungsmittel, Wasser, Land – ein Zustand, den sich überhaupt kein Staat gefallen lassen darf, weil er seinem Schutzauftrag elementar widerspricht.

Also fragt sich der Kapitalismus: was tun? Offen die Demokratie angreifen, die Welt in Chaos  und Anarchie versinken lassen? Das würde bedeuten, die Zivilisation in den Status der Barbarei zurücksinken zu lassen, wo jeder Räuberbande das geliebte eigene Landgut straflos ausplündern kann – oder es einfach besetzt und in Besitz nimmt. Daran kann sich der Kapitalist noch gut erinnern: alles Eigentum ist mal ursprünglich so geschaffen worden. Einfach mal den Adel fragen – wie sich „Elite“ früher  nannte.

Es gibt aber noch einen anderen Weg – und genau diesen hat der Kapitalismus beschritten: fördert man eine Kultur der Grausamkeit an Stelle einer Kultur der Nächstenliebe, so blockiert man automatisch die völlig Entfaltung der Allgemeinen Menschenrechte (die ja die freie Entfaltung der Persönlichkeit garantieren) und errichtet etwas anderes: eine Kultur der Angst, des Misstrauens, der Feigheit und der Gleichgültigkeit. Dies ist in den USA geschehen, wo gezielt mit viel Geld auf höchster geisteswissenschaftlicher Ebene eine neue Kultur gefördert wurde, nachzulesen bei Guido Giacomo Preparata: „Die Ideologie der Tyrannei“.  Ein absolut genialer Schachzug, der die christlichen Werte durch die Werte des Marquis de Sade ersetzt hat, ein Schachzug, der die Kultur der Nächstenliebe Schritt für Schritt in eine Kultur der sadistischen Grausamkeit verwandelt, in denen sich die Menschen nicht mehr im Geiste der Brüderlichkeit begegnen, sondern im Geist der Menschenfeindlichkeit. Wer hinter die Kulissen schaut – oder die geschichtliche Entwicklung der politischen Philosophie näher betrachtet hat – weiß, wozu das führen wird: da, wo der Mensch des Menschen Wolf ist, brauchen wir den König, den Kaiser, der mit harter Hand durchregiert und die Bestienhorden in die Schranken weist, nachzulesen bei Thomas Hobbes in seiner Schrift Leviathan.

Dieser Geist der Hobb´schen Philosophie durchzieht aktuell schon unseren ganzen Staatsapparat – ohne die Grundprinzipien der Demokratie groß antasten zu müssen. Je weiter das Prinzip „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ in die Gesellschaft getragen wird, umso höher wird auch die Akzeptanz der „harten Hand“ der Elite sein: wir müssen uns ja schützen gegen die „Bösen“ – das wagt doch sicher niemand mehr in Frage zu stellen?

Natürlich müssen wir uns gegen das Böse schützen, gegen diesen Satz wird niemand erfolgreich angehen können – nur: wenn der Staat willkürlich bestimmt, wer denn gerade böse zu sein hat, wer denn gerade der Böse ist: dann sind wir in der Tyrannei angekommen. Das Dritte Reich war hier nur ein Vorbeben einer vollendeten Kultur der Grausamkeit, die unsere Zukunft darstellen wird – wenn nicht jene, die noch im Geiste der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte leben, die noch verstehen, warum Nächstenliebe und der durch sie initiierte Respekt vor dem Anderen die Wurzel aller Demokratie ist, sich ebenfalls zusammenschließen zum größten Werk, zu dem diese Zeit auffordert: die Rettung der Kultur vor dem Moloch Kapital.

Darum ist auch Kapitalismus generell „rechtsoffen“, ja sogar „rechtsverliebt“: seine Kommandostrukturen stammen ja gerade daher, Führerkulte werden da ganz offen gelebt und finden allgemeine Anerkennung, reichen bis tief in die Psyche hinein … kann jeder vor den Toren der Geschäfte beobachten, wenn ein neues „Apple-Produkt“ veröffentlicht wird und die Massen fanatisch danach gieren, Teil des Konzerns zu werden, in dem sie seine Produkte kaufen.

Die Kultur des Kapitals ist das genaue Gegenstück zur Kultur der Nächstenliebe, sie braucht ganz dringend (wie jeder Faschismus) den Untermenschen, der ausbeutbar ist – ohne das irgendwo ganz billig menschliche Arbeit verrichtet wird, häuft sich bei den Pharaonen an der Spitze der Organisationspyramiden rein gar nichts an – so mussten wir damit leben lernen, dass staatliche Angestellte anfingen, Menschen als „Parasiten“ zu begreifen, denen man das Essen verweigern darf, wenn sie nicht genug Rendite für die Pharaonen abwerfen – und wir durften überrascht feststellen, dass die Sozialdemokratie an vorderster Front war als es darum ging, den Sozialstaat kapitalkompatibel zu machen. Es wurde normal, dass der Mensch ein Produkt wurde, dass gefälligst selbst für die Optimierung seiner Verwertbarkeit verantwortlich ist – und wer seine Verwertbarkeit nicht schnell genug optimieren kann, wird eben flugs enteignet, seiner Lebensleistung beraubt und von Medien in breiter Front als „Minderleister“ aus der Gemeinschaft geworfen und der Verachtung preisgegeben.

Das ist jetzt schon unser Alltag. Der wird sich natürlich weiter verschärfen, die Mechanismen dazu hat Götz Aly in seinen Werken „Hitlers Volksstaat“ und (zusammen mit Susanne Heim) „Vordenker der Vernichtung“ detalliert beschrieben – man kann kaum empfehlen, sie zu lesen, denn es macht Angst, wie groß die Paralellen zur Gegenwart schon sind. Zwangsläufig – und das hört man ja schon immer wieder – wird Hartz IV dem Kapitalismus irgendwann zu teuer werden (so wie die Versorgung der KZ-Insassen zu teuer geworden war) und man wird neue Wege suchen, sich dieser „Ballastexistenzen“ zu entledigen – was selbst durch ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“ geschehen kann … wenn man es nur geschickt genug einfädelt. Führende Kapitalisten aus dem Silikon Valley sind gerade dabei, solche für das Kapital sehr interessante Entwürfe auszuhecken.

Das war jetzt eine lange Vorrede um über Chemnitz zu sprechen. Aber um zu verstehen, warum dieses Konzert der große Triumph der Tyrannei war, muss man halt auch den Kontext verstehen. Das Narrativ der Elite dazu war: große dunkle grausame Horden aus dem fernen Osten (mit dem Narrativ kann man im Westen immer Meinung machen, erinnert an die Flut von Hunnen und Mongolen, die Europa tyrannisierten – und an den ewig bösen Russen) erobern eine Stadt im Osten, nun gilt es für die Guten, dem entgegen zu treten. Eine schöne Geschichte, fürwahr. Wenn sie denn wahr gewesen wäre.

Hier mehren sich die Zweifel – und das hat das Potential, Chemnitz zum größten Debakel der freiheitlich-demokratischen Grundordnung werden zu lassen, ja, zum Fanal des Endes dieser Kultur – und zum absoluten Triumph der Kultur der Grausamkeit, zu dem alle Beteiligten mit besten Absichten beigetragen haben.

Erinnern wir uns daran: wir zivilisierte Menschen sind dazu aufgerufen, eine Kultur der Brüderlichkeit zu leben. Faschismus und Nationalsozialismus sind absolute Gegenpole dieser Kultur – aber halt nicht die einzigen. Kapitalismus und religiöser Fanatismus stehen da neben Himmler und Heydrich auf dem gleichen Podest. Erlauben wir uns aber, genauer hinzuschauen – wird es monströs gruselig, denn: die Progrome und Hetzjagden wegen denen der ganzen Aufruhr begann, gab es anscheinend gar nicht (siehe Verfassungschutzpräsident Maaßen in der Zeit  oder Ministerpräsident Kretschmer in der Berliner Zeitung). Das würde bedeuten: zum ersten Mal seit Adolf Hitler schafft es eine Regierung, auf Knopfdruck durch eine große Lüge fanatisierte Menschenmassen auf die Straße zu rufen. Das ist in der Theorie schon schlimm genug, mag aber noch harmlos ablaufen.

Ich kann und darf Ihnen aber nicht ersparen, wodurch diese Menschenmassen „unterhalten“ wurden:

„Boom Boom Boom, ich bring euch alle um“ – sangen die Massen freudig mit. „Selbstmördattentäter – ich sprenge eure Demo und es regnet Hackepeter“ – so tönte der Chor. „Ich ramme die Messerklinge in die Journalistenfresse“, „Trete deiner Frau in den Bauch und fresse die Fehlgeburt“, „die halbe Schule war querschnittsgelähmt von meinem Nackenklatschen“, „ist eine Frau nicht nackt, dann beschmeiß´ich sie mit Scheine, macht sie sich dann nackt, dann bewerf ich sie mit Steine“ … und die Masse gröhlte. Schauen Sie sich das Konzert gerne mal an – oder die Videos der Bänkelsänger der Grausamkeit, die ebenso vor Grausamkeit und Gewalt strotzen.

So weit sind wir schön. Früher hätte es für die Texte faule Eier gegeben (ja – wäre der erste der zum Aldi gegangen wäre und danach gefragt hätte) oder alte matschige Tomaten, heute gröhlen 70000 mit – unterstützt durch Empfehlung unseres Bundespräsidenten.

Für mich: der Gau der demokratischen Zivilkultur, das Ende jeder gesellschaftlichen Grundlage der demokratischen Zivilkultur – und der Anfang von etwas Neuem.

Besonders makaber: Anlass zu diesem Happening war ein Mord an einem jungen Antifaschisten. Oder Totschlag – darüber wird ja noch diskutiert. Und – soweit man heute sehen kann – eine krasse Lüge der politischen Elite, die solche Hasskonzerte nun schon auf Knopfdruck initiierten kann.

Meine ersten Gedanken zu dem Konzert waren: die IS ist in Deutschland angekommen. Ganz ohne Islam und arabischem Hintergrund – aber mit der gleichen grausamen Gedankenwelt. Noch singen sie nur, aber was wären, wenn die Elite zu dem Mob spricht und auf Sie zeigt – mit den Worten: „Der ist rechts“. Ab wenn werden die wohl anfangen, ihre Phantasien auszuleben?

Dabei war es mal so einfach, diese Geschichte von „rechts“ und „links“. „Rechts“ hatte den Großgrundbesitz und neigte zu Gewalt, „links“ hatte ein großes Herz und neigte zu Worten.

Heute ist „rechts“ – aus ganz einfachen Gründen, weil weithin durch die NS-Zeit als das absolut Böse bekannt – alles, was der Elite widerspricht … so als ob Elite jemals links war und Angela Merkel die Kommissarin der KPD im völlig sozialistischen Deutschland. Ob jemand wirklich Nazi ist – also ganztätig sadistische Träume vom Leben als allmächtiger Aufseher im Konzentrationslager träumt – oder nur ein verwirrter Mensch, der bei der Suche nach der Orientierung in die Irre gelaufen ist, wird nicht mehr diskutiert.

Überhaupt wird nicht diskutiert, denn das … führt in unheimliche Welten, die zeigen, dass es ohne Verfassungsschutz kaum Nazis (also: echte, die sich selbst dazu bekennen – nicht die, die willkürlich von anderen dazu ernannt werden) gäbe. Schauen Sie mal den Film „V-Mannland, Die Geschichte der Neonazis in Deutschland“ (ARD wohlgemerkt, nicht RTdeutsch) … und stellen sich die Frage, wieviel „V-Männer“ wohl in Chemnitz aktiv waren, um für die nötige Begleitmusik zu sorgen. Denke ich dann noch daran, dass man mir versichert hat, dass so ein Riesenkonzert in der kurzen Zeit gar nicht organisierbar gewesen sein soll und somit weit im Vorfeld geplant gewesen sein muss, dann erschauerts mich noch mehr. Über die NSU-Affäre, die verschwundenen Akten, die Tatsache, dass wir die nächsten 120 Jahre erstmal keine Details mehr erfahren werden (siehe Heise) oder die Tatsache, dass unangenehme Zeugen unnatürliche Tode sterben (siehe Heise), dürfen Sie auch mal nachdenken, bevor Sie sich eine Meinung über den „braunen Mob in Chemnitz“ machen.

Das Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist, darüber brauchen wir nicht mehr zu diskutieren. Aber darüber, dass die ihn tragende Grausamkeit und Menschenfeindlichkeit wieder mehrheitsfähig ist, müssen wir dringend sprechen.

Ganz dringend.

Und auch: nicht nur sprechen, sondern dagegen anhandeln.

Das jedoch kann man nur erfolgreich angehen, wenn man sich von primitiven Weltbildern und noch primitiveren Parolen verabschiedet, aus denen momentan unser ganzer politischer Diskurs besteht.

(Heute leider aus technischen Gründen ohne Heile-Welt-Bild. Ist vielleicht auch gut so…denn das würde nicht passen, irgendwie….)

 

Die Zerstörung von Familie, Liebe, Gesellschaft durch die kannibalistische Wirtschaftsordnung

Dienstag, 3.10.2017. Eifel. Wir müssen mal über die Familie reden. Nein, keine Sorge: nicht über Ihre. Damit haben Sie genug zu tun. Wir müssen generell über Familie reden, zuerst mal … über die besondere Bedeutung von Familie für jede Form menschlicher Gemeinschaft. Nun werden zuerst die ´68er kommen und deklarieren, die Familie sei Keimzelle des Faschismus und gehöre zerschlagen. Sie berufen sich auf die Studien Fromms über den „autoritären Charakter“, der die Kleinfamilie als Brutstätte allen Übels definierte. Die Gleichung war einfach und beruft sich auch auf die Forschungen von Wilhelm Reich: ist die Kleinfamilie Brutstätte der Autoritätshörigkeit, so züchtet sie in einer Art Sado-Maso-Zirkus Personal für den autoritären Staat. Merken Sie, wie es von Anfang an schief läuft? Wie üblich bei Hypothesenketten können wir alle übrigen, anhängenden Hypothesen (also: Theorien, Schlussfolgerungen, Vermutungen) wenn die Kernhypothese nicht hundertprozentig stimmt. Finden sie ein paar glückliche, sexuell ausgeglichene Familien, dann … bricht der Hypothesenkomplex in sich zusammen. Und – kennen Sie welche?

Lassen wir diesen Aspekt also einfach mal beiseite. Wir können ihn weiter im Hinterkopf behalten, weil … die 68´er überhaupt nicht so doof waren, wie man ihnen immer vorwirft – wobei die Hauptvorwürfe ja gerade jene betreffen, die die Werte der ´68er verraten und sich beim Marsch durch die Intitutionen dick und dämlich gefressen haben, wobei sie alle Anforderungen an kritischer Selbstreflexion und sozialer Verantwortung, die an das Individuum zwecks Errichtung einer sozialen Gesellschaft gestellt wurden, getrost ignorierten und durch ein hemmungsloses „Mensch, was bin ich gut, so richtig supergut“ ersetzt haben, das „gut sein“ aber durch ihren Kontostand belegten. Ja – es war die Generation, die das Wort „verdienen“ kritiklos übernommen hatten, auf einmal war von „gutem Geld“ die Rede … als ob Geld an und für sich eine moralische Qualität erlangen kann. Gemeint war auch was anderes: gemeint war „viel Geld“ – ebenso wie mit „verdienen“ die Zuteilung von Versorgungsmasse nach Gutdünken der Geldherren analog zur Nützlichkeit für diese beschrieben wird … was sich aber nicht gut anhört und einem bei entsprechend viel Geld normalerweise schnell die kritische Frage auslösen sollte: „inwiefern schade ich durch meine eigene Nützlichkeit für die Geldherren eigentlich der demokratischen Zivilgesellschaft, von der sich diese ausschließlich nähren?“.

Bleiben wir bei dem Begriff Familie, der heute ja unterschiedlichste Formen annimmt – wir hatten ja gerade die „Ehe für alle“ als wahlentscheidendes Megathema durch. Ich möchte mich jenem Begriff der Familie  zuwenden, der … mit Kindern zu tun hat – eine ganz archaische Betrachtungsweise also, die in nichts anderem begründet ist, als das unser Nachwuchs so fürchtlich lebensuntüchtig ist. Kennen Sie noch Kinder? Schon mal eins gesehen, wenn es geboren wird? Es dauert zum Teil Jahre, bis die überhaupt mal laufen können – oder sprechen. Die ersten Jahre ihres Lebens brauchen die eine absolut geschützte Umgebung, undenkbar, sie mit zur Jagd zu nehmen, sie taugen lange Zeit noch nicht mal zum Beeren sammeln. So etwas belastet natürlich eine Beziehung besonders, weshalb … nun ja: die Natur die Liebe erfunden hat, jenes unabdingbare Element, das Beziehungen so gut zusammenhält, dass die kleinen Würmchen sich super geborgen fühlen. Ja – ich rede momentan nicht über die kleinbürgerliche Familie des 19. Jahrhunderts, sondern über den Steinzeitmenschen, der uns heute ja noch bei der Partnerwahl dominieren soll (siehe Spiegel)

„Das sind die Kriterien, nach denen man sich einen Partner auswählt. Die sind bereits in der Steinzeit entstanden, prägen uns aber bis heute. Damals fielen die körperliche Größe und der Status des Mannes praktisch zusammen: Ein großer, starker Mann hatte einen hohen Status in der Sippe, und Frauen, die sich einen solchen „überlegenen“ Mann angeln konnten, hatten bessere Chancen, ihre Kinder durchzubringen.“

Ja, ich weiß: das ist eine Schwachsinnstheorie – sie stammt eben von Menschen, die geistig und gedanklich auch heute wieder dem Steinzeitmenschen nahestehen und seine Werte teilen:

„Das Paarungsverhalten hat sich über Hunderttausende von Jahren genetisch eingebrannt. Auch heute noch wählen Frauen zum Beispiel gern großgewachsene Männer, obwohl das inzwischen ja gar nicht mehr notwendig ist.“

„Damit sind wir wieder beim archaischen Beuteschema, das heute auf anderen Ebenen fortwirkt. Insbesondere Frauen, die eine Familie gründen wollen, neigen immer noch dazu, einen Versorger zu suchen, sprich: einen Mann, der beruflich erfolgreicher ist und mehr Geld nach Hause bringt als sie.“

So jedenfalls die Ansicht von materialistisch geprägten Therapeuten, für die Menschen eher geistlose Maschinen sind: Männer Killermaschinen und Frauen Gebärmaschinen. Aber selbst wenn sie so wären: große Männer sind auch gute, schwerfällige Ziele, machen in Wäldern gern viel Krach, verscheuchen das Wild … und wären von allen Frauen des Stammes heiß begehrt, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass gerade dieser Mann mich bei der Aufzucht „meiner“ Kinder begleitet, als recht gering anzusetzen ist. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir über Stämme reden: hier wird eher der friedliche weise Mann Häuptling, weil er Gerechtigkeit repräsentiert, die Frieden schafft – und jener Frieden sichert und erhöht die Versorgungsleistung der Gemeinschaft ungemein. Wir denken an andere Rollen des Mannes – den Heiler, den Seher (als ersten Philosophen der Urzeit) und den Lehrer (der den Stamm für die nächsten Generationen sichert), den Geschichtenerzähler und merken: damit ein Stamm funktioniert, braucht es mehr als Körpergröße. Intelligenz, Humor, Verantwortungsgefühl – das hilft einem Stamm weiter: im Extremfall landet die Horde großer, von sich selbst überzeugter Männer nur aufgespießt in der gut versteckten Mammutgrube, die die kleinen Nachbarn für ganz andere Beute geschaffen haben.

Es ist die Philosophie der kapitalistischen – und kannibalistischen – Wirtschaftsordnung die uns hier begegnet und uns wieder in die Steinzeit zurückführen will, indem sie uns vormacht, wir müssten immer noch nach Marktwert denken und jener Marktwert bestimme uns. Marktwert? Lesen Sie mal – wir lassen die Männer jetzt mal in Ruhe – über den Marktwert von Frauen … das Netz ist voll davon. Nehmen wir mal ein Beispiel (siehe Focus):

„Wenn Frauen Ende 20, Anfang 30 sich langfristig binden möchten, stellen sie fest, dass die große Masse von Männern, aus der sie in ihren ersten Uni-Jahren wählen konnten, verschwunden ist. Die Chancen, in ihrem Milieu einen zukünftigen Ehemann zu finden, sind gering.“

Man kann sogar einen Marktwerttest machen (siehe Jolie). Andererseits gibt es eine sichere Faustregel für den Marktwert von Frauen (siehe Spiegel):

„Männer gewinnen an Persönlichkeit und Souveränität, manche auch an Macht und Geld. Das tun Frauen auch, aber niemand rechnet es ihnen als Vorteil an. Bei Frauen wird ein Minus vor die Jahre gesetzt. Jedes Jahr bedeutet einen Abzug in der Gesamtnote. Die männlichen Jahre dagegen lädt die Gesellschaft positiv auf.“

Es gibt auch mathematische Kurven, wie so etwas für Männer und Frauen aussieht (siehe mgtow) – wobei hier der sexuelle Marktwert ohne Berücksichtigung der Versorgerqualitäten errechnet wird, denn die sind aus marktwirtschaftlicher Sicht nicht zu unterschätzen (siehe Zeit):

„Der Heiratsmarkt bezahlt Frauen nach wie vor besser als der Arbeitsmarkt. Wenn der Mann sterben würde, bekäme die Frau mehr Geld durch eine Witwenrente als durch die eigene Altersrente.“

Reicht Ihnen das als Wahnsinn?

Mit Sicherheit kennen Sie diese Welt, sie wurde Ihnen nur noch nie so dargestellt: es ist die Welt der Sklavenmärkte, deren Denken uns inzwischen von einer breiten Front von Publikationen und Medien eingehämmert wird: „habe Deinen eigenen Marktwert im Blick, schlafe Dich hoch, erhöhe Deinen Marktwert durch Heirat und Unterhalt, bleibe „fit for live“, arbeite hart an Dir, um vermarktbar zu bleiben“. Der Unterschied zu früheren Sklavenstaaten ist nur: wir bringen uns selbst zum Markt, stellen uns selbst auf die Bühne und heischen nach Geboten.

Und die Kinder?

Nun – da gibt es schon Modelle, die Lösungen für Kinderarmut anbieten, vor allem kommen hier Konzepte von Linken und Grünen in Betracht: Quintessenz ist – das beste Mittel gegen Kinderarmut ist, dass beide Eltern einer geregelten Vollzeitarbeit nachgehen (siehe Bundestag), d.h. dass Sklavenmama und Sklavenpapa die bestmöglichsten Ergebnisse für sich auf dem Markt erzielen, während die Kindererziehung von anderen Sklaven übernommen wird.

Familie? Geborgenheit? Liebe?

Dinge, für die der Sklave nicht gemacht ist.  Die Erfahrung, dass man Eltern hat, die sich für einen aufopfern, größte Gefahr für Leib und Leben eingehen, um ihren Nachwuchs zu beschützen, macht der Sklave nicht – und es wird auch kaum einer unter den schlecht bezahlten Kindergärtnerinnen dazu bereit sein. Die folgende Grundschule wird durch die Notengebung schnell einen Einführungskurs in „Marktwert“ liefern, der dem kleinen Menschen schon gleich zu Beginn zeigt, dass man seinen Wert auf zwei Stellen hinter dem Komma berechnen kann. Ja – die Aufseher der Sklavenherren erzählen uns gerne von „Partnerwahl im Steinzeitreich“ … aber sie vergessen dabei, auch andere Umstände zu beschreiben, unter denen die „Primitiven“ leben (siehe Zeit):

„Wir glauben heute gern, dass wir so wenig arbeiten wie noch keine Generation vor uns in der Geschichte. Dieser Eindruck scheint zu stimmen, wenn man nur einige Jahrhunderte zurückblickt: Die industrielle Revolution, in der die Arbeitskraft zur Ware wurde, forderte den Arbeitern unmenschlich lange Arbeitszeiten von mehr als zwölf Stunden pro Tag ab, außer den Schlafpausen blieb nicht viel übrig. Auch Sklaven und leibeigene Bauern wurden von ihren Herren quasi als Arbeitsmaschinen gehalten.“

Sowas liest man ganz offen in den „Mainstreammedien“. Revolutionär, oder? Aber in einer Sklavengesellschaft ohne Bedeutung. Steinzeit – war anders:

„Ob australische Ureinwohner, Buschmänner in Botswana oder Indianer im Amazonasgebiet, die Forscher berichten, dass der Einzelne in diesen Gesellschaften mindestens an jedem zweiten Tag überhaupt nicht arbeitet.

Bildet man einen Tagesdurchschnitt, dann schwanken die Angaben zwischen zwei und sechs Stunden – und da ist die Hausarbeit schon mit drin.“

Inklusive Hausarbeit und Einkauf kommen Sie auf 12 Stunden am Tag, oder? Wo ist eigentlich die politische Partei, die die 20-Stunden-Woche fordert (inklusive Hausarbeit von 10 Stunden wöchentlich), die wir dringend bräuchten, um Familie und Liebe wieder zu beleben? Familie ist der Ort, wo Kinder zuerst Liebe erfahren können (wir reden hier aber nicht von der oben erwähnten Kleinfamilie, die schon ein Konstrukt der Sklavenherren war): die Liebe der Eltern zueinander, die Liebe der Großeltern zu ihren Kindern – und die Liebe zu ihnen selbst, den Kleinsten – eine Liebe, die bedingungslos ist und nicht vom Notendurchschnitt abhängt. Liebe … braucht aber Raum und Zeit, selbst die zwischen Frau und Mann. Gerne benutze ich das Bild des Feuers (man spricht ja auch gern vom „Feuer der Lieben“), jenes mächtigsten der Elemente – und gleichzeitig des Abhängigsten: ohne Aufmerksamkeit und Zuwendung erlischt es irgendwann, es braucht Holz in unterschiedlicher Stärke und eine geregelte Luftzufuhr, die sich an der Stärke der Flamme orientieren muss – sonst gelingt es nicht … und der „Marktwert“ hilft hier gar nicht.

Lauschen wir mal einem Dichter zu dem Thema (siehe Gedanken-Gedichte):

Wie ahnungslos der Mensch, der denkt,
die Liebe entspringe langem Beisammensein
und ununterbrochener Gemeinschaft!
Wahre Liebe ist die Tochter eines innigen
Verstehens, und kommt dieses Verständnis
nicht in einem Augenblick zustande,
wird es niemals erlangt –
nicht in einem Jahr,
nicht in einem ganzen Jahrhundert!

Merken Sie, wie fremd diese Worte des libanesisch-amerikanischen Dichters Khalil Gibran in diesem Jahrtausend sind – das wohl als das Finsterste in der Menschheitsgeschicht zu beschreiben ist, wo die Lieblosigkeit eine kannibalistische Weltordnung etabliert hat, die alles frißt: Baum, Tier, Mensch, sogar Wasser und Luft? Merken Sie, wie sich diese Worte von dem Denken jener Menschen unterscheiden, die Ihren Marktwert ausrechnen, damit Sie Ihre Marktchancen für den nächsten Lebensabschnittspartner ausrechnen können – inklusive der Einschätzung, wieviel Euro die Investition in „Dating“ angemessen ist?

Und dabei – ich hoffe, ich habe den Wilhelm Reich hier angemessen verstanden (Wilhelm Reich, Die Entdeckung des Orgons, die Funktion des Orgasmus, Kiwi, 10. Auflage 2014), wenn er gerade jenes „innige Verstehen“ des Dichters als natürliche Grundlage jenes „fallen lassens im Liebesakt“ ist, der allein erfüllte Sexualität garantiert … und Hand in Hand geht mit natürlicher Anständigkeit und der automatischen Ehrhaftigkeit (siehe Seite 143), die Grundlage all unserer Moralwerke und Gesetze ist, die wir heute nur noch als bloße Schablonen toter Regeln erleben.

Ja – dieses tiefe innige Verstehen läßt sich nicht herbeizwingen … es ist ein Geschenk der Welt an den Menschen. Um ihm zu begegnen, brauchen wir … Zeit, falls der Zufall es uns nicht gleich in der Nachbarschaft serviert. Um daraus Liebe wachsen zu lassen – wie man aus einem kleinen Apfelkern einen großen Baum züchtet, von dessen Früchten die nächste Generation leben kann – brauchen wir noch viel mehr Zeit, Zeit, die wir in der Steinzeit reichlich hatten. Es ist dieses tiefe, innige Verstehen, das aus einem „Lebensabschnittspartner“ (der kleine Spaß der Sklaven, geboren aus dem Gebot der ständigen Verfügbarkeit für den Sklavenmarkt) einen Lieblingsmenschen machen kann, versehen mit dem Wunsch, der Abschnitt möge nie zuende gehen … was dem natürlichen Wachstum von Kindern in einer Sphäre der Liebe und Geborgenheit sehr entgegenkommt … und Grundlage einer Gesellschaft sein kann, die Hass und Verurteilung durch Verstehen ersetzt, einer Gesellschaft, in der es kein Gut und Böse gibt, sondern nur ein „Sein“ … und die in Folge eines voll erfüllten Liebeslebens keinerlei Bedarf mehr an Kriminalität, Vergewaltigung, Mord und Ausbeutung hat.

Ein Traum?

Vielleicht. Doch überlebensfähiger als der Alptraum, in dem wir gerade leben, weshalb der Schritt zu Alternativen kein überflüssiger, „sozialromantischer“ Luxus ist, sondern überlebensnotwendig. Und die Frage nach der Liebe … was braucht ein Mensch mehr? Ja, sicher: Nahrung, Obdach, Wärme – ohne das funktioniert man nicht. Und da all das mit Staatsgewalt ans Geld gebunden ist, kommt Geld unnatürlicherweise mit als Faktor zu den überlebensnotwendigen Gütern – wobei es in der Natur keinen Wert an sich hat: essen Sie einfach mal ein paar Scheine, wenn sie Hunger haben, lutschen Sie sie aus, wenn sie durstig sind, schauen Sie, wie lange Sie sich mit hundert Tausend-Euro-Scheinen warm halten können – ich verspreche, Sie werden sehr enttäuscht sein. Und Liebe – kann man erst recht nicht kaufen, sie ist immer und überall ein Geschenk – das einen jenseits allen Marktwertes ereilen kann. Doch gelehrt wird anderes – aus gutem Grund (siehe Utopia)

„Ich behaupte, dass das in unserer Konsumgesellschaft so gewollt ist. Menschen, die nicht wissen, wer sie sein wollen, kann man alles aufschwatzen. „Was ist eigentlich die Würde? Was für ein Mensch will ich sein?“ Das sind Fragen, die passen nicht in eine Konsumgesellschaft. Dabei sind das Fragen, die man für sich persönlich beantworten muss, damit man einen Kompass im Leben hat. Sonst kann man ja jederzeit von jedem beliebigen Angebot aus der Bahn geworfen werden. Und da wir in einer Gesellschaft leben, in der so viele ihre Angebote loswerden wollen, hat die Konsumgesellschaft kein Interesse daran, dass sich immer mehr Menschen mit dieser Frage auseinandersetzen.“

Sehen wir Familie als das an, was durch das tiefe innige Verstehen gebildet wird, so verstehen wir, dass dies für Kinder sehr wichtig ist: sie lernen eher durch Anschauung als durch fromme Theorie.

Und was lernen sie heute?

Dass wir wieder in einer Welt des Fressens und Gefressen-Werdens leben. Wie in der Steinzeit. Nur ärmer halt: nun ist der Mensch Raub- und Beutetier gleichzeitig, aber die Gemeinschaften, die ihm – erhalten durch tiefstes innigstes Verstehen ihrer Mitglieder – zwischendurch mal Schutz und Geborgenheit gaben, gibt es nicht mehr … noch nicht mal als Familie, der kleinsten funktionalen Einheit der Gemeinschaft.

Und darum … steht dieser Artikel in der Rubrik Politik, weil Änderungen radikal an der Wurzel beginnen müssen. Halten Sie es doch mit dem Philosophen Gerd Achenbach (siehe Deutschlandfunkkultur):

„Soll ich mir etwa die Beziehungsabenteuer mit jeweils ausgetauschten Lebensabschnittspartnern als ‚Familie heute‘ aufschwatzen lassen?“

Kann man machen.

Muss man aber nicht.

Was sind denn auch diese Beziehungsabenteuer anders als kurzzeitige Geschäfte zwecks Bestätigung und Aufwertung des eigenen Marktwertes, von vorn herein zum Zerbrechen angelegt, da … das Herz bald merkt, dass da noch nicht mal ein Funke war, aus dem ein Feuer hätte entstehen können, dass tiefe, innerste Bedürfnisse nicht gestillt werden können, wo nur Berechnung ist? Das erklärt uns Scheidungsraten von bald 50 Prozent – und „Ehen“, die nach endgültiger Akzeptanz der Unerfülltheit als Folterknast weiterbestehen, in der die Teilnehmer jeweils den anderen für das eigene Versagen verantwortlich machen … und ihn so gut es geht dafür bestrafen.

Eine friedliche, glückliche Gesellschaft mit glücklichen Kindern erzeugt man so nicht.

Aber das sehen wir ja jeden Tag. Und könnten daraus lernen, dass der Moloch neoliberaler Kapitalismus uns bis ins tiefste innerste zu zerstören trachtet – und das in seinem Reich kein Glück ein Zuhause findet…und der ganze Planet eher zur Wüste wird.

 

 

Xavier Naidoo und die Diktatur der Gedanken

Freitag, 12.5.2017. Eifel. Na, Sie? Schön, dass wir uns mal wieder sprechen. Wird ja auch Zeit: ist einiges los in der Welt Zum Beispiel wackelt unser Weltbild gewaltig, weil Wissenschaftler mal wieder zu tief gegraben haben: 3,48 Milliarden Jahre alte Fossilien wurden in Australien entdeckt (siehe Grenzwissenschaften) … Leben ist also ganze drei Milliarden Jahre älter als bisher gedacht: so wenig wissen wir wirklich über diese Welt, von der „Wissenschaft“ so sicher ist, sie völlig im Griff zu haben. Wahnsinn, oder? Leben unter völlig lebensfeindlichen Bedingungen: gut möglich, dass die Erde schon dreißig mal von kapitalistischen Zivilisationen verseucht wurde, die sang- und klanglos untergegangen sind: würde einige Funde erklären, die wir bislang als „verbotene Archäologie“ kennen. Ja – außerhalb der kapitalismushörigen Dienstbarkeitswissenschaft gibt es immer noch ganz viele Wunder zu entdecken, wenn man die Welt undogmatisch sieht und Forschung ergebnisoffen betreibt anstatt die erlaubten Ergebnisse gleich vorzugeben: Wunder, die gleich morgen unser ganzes Weltbild auf den Kopf stellen könnten: wenn die Meinungsbüttel des Mammon dies zulassen würden.

Ich persönlich mag ja solche Rätsel: sie halten den Geist frisch. Eins habe ich letztens in der FAZ gefunden – jener Zeitung aus dem Bereich der Altpapiermedien, die erst kürlich verkündete, dass sie „wieder auf Erfolgskurs sei“ (siehe FAZ), sich dann aber den alternativen Fakten der Wirklichkeit stellen musste, die besagten, dass die Umsätze weiter in den Keller gehen (siehe Statista): die Auflage sank von 250000 im Jahre 2016 auf 240 000 im ersten Quartal 2017; hält dieses Blatt diese Sinkgeschwindigkeit bei, haben sie noch 6 Jahre – dann ist die FAZ Geschichte und ihre Aufgabe dankenswerterweise beendet. Aufgabe? Ja – sehr schön formuliert findet man das bei Wikipedia:

„Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wird unter Journalisten seit langem als eines der deutschsprachigen Leitmedien eingestuft, denen die Funktion zukommt, gesellschaftliche Kommunikation und Öffentlichkeit zu gestalten und zu prägen“

Ich persönliche brauche kein Altpapier noch irgendeinen Schmierfinkenfuzzi, der meine Kommunikation gestaltet und prägt: ich denke, dass kann ich ganz gut alleine. Ich hätte immer noch gerne, dass Journalisten mich mit Fakten versorgen – ohne selbstherrlich zu beurteilen, welche davon jetzt angeblich „alternativ“ sein sollen oder nicht. Gehen Sie mal in den Bereich der Naturwissenschaft: dort ist alles voll von alternativen Fakten: sprechen Sie mit drei Wissenschaftlern (aber nicht mit den Journalisten, die sich dafür halten) – Sie werden sicher fünf Meinungen erhalten. Oder der Bereich der Geisteswissenschaften: die produzieren – wenn sie sauber arbeiten – das Gegenteil zur eigenen Meinung gleich mit, damit Sie persönlich und NUR SIE sich aus dem reichhaltigen Angebot für jene Variante der Wirklichkeit entscheiden können, die Ihnen am besten gefällt … aus welchen Gründen auch immer.

Was mir gefällt ist zum Beispiel der Artikel von Frau Leonie Feuerbach über das plötzliche Massensterben von 322 Rentieren (siehe FAZ) – also jenes Rätsel, über das ich vorhin sprach. Noch nie zuvor waren so viele Tiere auf einmal verendet. Die dogmatische Wissenschaft war sich sicher: eine Krankheit war es. Oder – da war man sich auch sicher – ein Blitz. Oder mehrere. Ganz sicher. Traf alle Tiere, weil die bei schlechtem Wetter so nahe zusammenrücken. Nur: schaut man sich den Film an sieht man … da liegen Leichen weit vom Mittelpunkt entfernt – ohne erkennbaren Kontakt zu anderen Tieren. Nun: egal. Hauptsache, alles wird schnell wegerklärt, damit bloß niemand auf die Idee kommt, Gelder für Forschung zu verlangen um einer anderen Wahrheit auf die Spur zu kommen. Wenn´s nicht nicht Krankheit war, war´s eben der Blitz. Mehr ist nicht erlaubt.

Tja – die Wahrheit. In der Philosophie weiß man seit 3000 Jahren, dass wir als Menschen – mit unserem mickrigen Erkenntnisvermögen und unserer äußerst begrenzten sinnlichen Ausstattung – der Wahrheit nie nahe kommen können, wir bewegen uns stetig im Bereich von „Vereinbarungswahrheiten“ – müssen wir auch, um überhaupt mal vom Grübeln ins Handeln kommen zu können. Solche Erkenntnisse stören eigentlich niemanden, sie machen neugierig, regen an, selbst zu forschen und zu denken und erlauben die sichere Gewissheit, in einer Welt von Wundern zu leben, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Manche jedoch … stört diese Sicht. Sie wollen lieber ihre eigene Wahrheit auf andere ausdehen und jene verfolgen, die auch nur ein wenig von dieser öffentlich verordneten Wahrheit abweichen – wobei wir wieder bei Leonie Feuerbach angekommen sind. Die hat sich – zur Rettung der Auflage der eigenen Zeitung – ein ganz besonderes Opfer ausgesucht: einen farbigen deutschen Sänger mit dem Namen Xavier Kurt Naidoo.

Nun – mir sagte der Name nichts, diese seltsame Hüpf-und Hops-Musik ist nicht mein Ding, ich gönne sie aber gerne anderen. Offenbar machen die aber Texte, die den Staat gefährden (siehe FAZ):

„Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?
Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt ihr nicht, ihr steht bald ganz allein
Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter“

Zu diesem Textstück meint Frau Feuerbach:

„Bei genauerem Hinsehen hat aber schon diese Strophe es in sich: Der manipulative „Puppenspieler“, der im Hintergrund die Fäden zieht, ist ein uraltes antisemitisches Klischee. Und der Begriff des Sachverwalters erinnert stark an die Vorstellung der sogenannten Reichsbürger, nachdem die Bürger der Bundesrepublik nur Personal einer von Amerika oder dem Weltjudentum gelenkten GmbH sind – der Personalausweis dient den Anhängern dieser kruden Ideologie als Beweis dafür.“

Selten solchen Unfug so konzentriert gelesen – aber zur Rettung der Auflage, zur zwanghaften Belebung des Mythos der „Reichtsbürgerhymne“ darf man wohl tief in die Unterstellungskiste greifen.

„Puppenspieler“ ist kein „uraltes antisemitisches Klischee“ … wir würden sonst die Augsburger Puppenkiste ganz neu bewerten müssen. Sicher: „Reichsbürger“ (ein neuer Kampfbegriff der deutschen Sektion der kapitalistischen Internationale, der den Begriff „Verschwörungstheoretiker“ nahtlos ersetzt) sind … in meinen Augen … besonders große Deppen – was ich leicht erklären kann. „Reiche“ – hatten wir nur zwei: das feudale Kaiserreich … oder das andere, mit Gröfaz und Massenmorden an Andersdenkenden; kurz gefragt: welches der beiden „Reiche“ hätten Sie denn gern? Den Kaiser, der zu blöde war, die europäische Friedensordnung zu wahren und weltweit Kolonien an sich riss … oder den österreichischen Aktmaler, über den man kaum ein Wort zu verlieren braucht. Ja – ich habe die Nachricht mit Freuden vernommen, dass einer der führenden deutschen Ultrarechtsblogger nun in den Knast kommt (siehe Standard): die Leugnung eines der historisch bestdokumentierten Ereignisse kann nur vor einem geistig sehr schwachen und zudem kriminell determinierten und menschenfeindlichen Hintergrund erfolgen – aber das ist ja nicht unser Thema.

Unser Thema ist Leonie Feuerbach und Xavier Naidoo … der aber selbst mit den vielen Unterstellungen der Frau Feuerbach nichts zu tun hat. Das unser „politisches Personal“ nicht ganz das tut, wofür sie bezahlt werden, ist Mehrheitsmeinung in Deutschland: 60 % der Deutschen zweifeln an der Demokratie (siehe Handelsblatt – wahrscheinlich auch so ein rechtsradikales Schmierenblatt in den Augen der selbstverliebten Pseudolinken) – der enorme Einfluss der „Reichen“ auf die Politik wurde erst kürzlich aus dem Armutsbericht der Bundesregierung entfernt – und ist Gegenstand vieler seriöser wissenschaftlicher Forschung (siehe Lobbycontrol) … und mehr muss man in die Worte des Hüpfbarden nicht hineindeuten.

Lesen Sie doch mal die Ausführungen meines Kollegen „Parkwächter“ (keine Sorge, der heißt nicht wirklich so) zu dem neuen französischen Präsidenten, der mit viel Geld plötzlich aus dem Nichts auftauchte und über die Herkunft des Geldes auch gar nicht reden möchte (siehe Nachrichtenspiegel): dort kann man sehen, wie großes Geld große Politik machen kann. Das ist aber nie Sinn der Demokratie gewesen. Was Macron nun zu tun hat – nun: das schreiben ihm die Bezahlschreiber der Leitmedien jetzt schon vor: Abschaffung der 35-Stunden-Woche (nein, nicht zugunsten einer 30-Stunden-Woche, die aus humanistischen Gründen sehr sinnvoll wäre), Senkung des Mindestlohnes (es kann keine Milliardäre geben, wenn nicht Millionen für zu wenig Geld arbeiten) und Abschaffung des Kündigungsschutzes, damit in Betrieben wieder richtig durchregiert werden kann (siehe Spiegel).

Geht so Demokratie? Sollte man nicht selbst mitreden dürfen, wenn man selbst in Zukunft für immer weniger Geld in immer unsichereren Verhältnissen immer länger arbeiten soll? Ach – lassen wir das.

Weiter gehts mit Leonie und Xavier

„Und weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht
Werden wir einschreiten
Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht
Werden wir unsere Schutzschirme ausbreiten“

Was liest nun unsere Autorin da hinein?

„Das „Tatsachen verdrehen“ kann als eine Umschreibung des Lügenpresse-Vorwurfs gelesen werden. Das „an Unschuldigen Vergehen“ liest sich rätselhaft und wie ein Vorwurf des Kindesmissbrauchs. Ein beliebtes Thema im rechtsextremen Spektrum, wo seit Jahren die „Todesstrafe für Kinderschänder“ gefordert wird.“

Kann als Umschreibung gesehen werden – muss aber nicht. Kann auch einfach sein, dass man damit Arbeitslose meint, die selbst persönlich für die Folgen der Globalisierung und somit ihre Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht werden … und jetzt nicht nur in Deutschland sondern auch in Frankreich ausgeblutet werden, weil man ihr Existenzrecht als Mensch in Zweifel zieht. An „Unschuldigen vergehen“ ist übrigens weltweit eine anerkannte Sauerei: deshalb haben wir die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte erfunden. Leider fehlt den Unschuldigen (den Kurden, den Armeniern, den Irakern, den Afghanen, den Andersdenkenden, den Juden, den Homosexuellen, den „Farbigen“, den Millionen hungernder Kinder, den Arbeitslosen – ja den Armen generell … um nur ein paar zu nennen) noch jener „Schutzschirm“ von dem da gesungen wird.

Ja – so einen Schirm könnten wir gut gebrauchen … der angeblich brillliante Physiker Stephen Hawking hat aktuell die der Menschheit zur Verfügung stehende Lebenszeit von 1000 auf 100 Jahre verkürzt (siehe Heise), weshalb wir schnellstens auf neue Planeten umsiedeln sollen. Der Schweizer Tagesanzeiger bestätigt, dass auch andere dieses Ende nun ausgerechnet haben, wir sehen, dass wir andere Probleme hätten – und an gleichem Orte findet man ja auch schon die Lösung der Probleme (siehe Tagesanzeiger):

„Zu den bekanntesten Forschern auf diesem Gebiet gehören Paul und Anne Ehrlich von der Stanford-Universität, die seit Jahren vor Überbevölkerung und gefährlicher Ressourcenverschwendung warnen. Sie werden zu den sogenannten Neomalthusianern gezählt. Der Ökonom Thomas Malthus warnte bereits im 18. Jahrhundert vor Überbevölkerung und einer drohenden Nahrungskrise. Er ging sogar so weit, dass er es nicht für ratsam hielt, Geld von Reichen zu Armen zu transferieren. Das führe zu einer weiteren Überbevölkerung und steigender Nahrungsnachfrage.“

Jetzt kennen Sie den wahren Grund der neoliberalen Offensive der letzten Jahrzehnte: die Ausrottung der Armen zur Rettung des Reichtums dient einzig und allein nur dem Fortbestand der Menschheit: wer könnte sich diesem hehren Ziel auch entziehen … vor allem, wenn es gut bezahlt wird?

Kehren wir vom Weltuntergang zurück zu Leonie und Xaxier:

„Alles nur peinlich und so was nennt sich dann Volksvertreter
Teile eures Volkes nennt man schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter
Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid
Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid“

Für Leonie völlig klar: es geht um Massenmord!

„Xavier Naidoo träumt also von einem Aufstand des kleinen Mannes gegen die Herrschenden. Statt Angestellter oder Arbeitsloser ist der kleine Mann hier ein Bauer, der mit der Mistgabel kämpft. Vielleicht hat er sich hier auch von der einstigen Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling inspirieren lassen, die den „Eliten“ mit Mistgabeln gedroht hatte.“

So kann man das deuten – muss man aber nicht. Man könnte auch mal anstatt Meinungen zu prügeln Bildung anhäufen, dann wüsste man, dass es ein Milliardär war, der den Terminus „Mistgabeln“ wieder ausgegraben hat. Den Brief des Nick Hanauer an seine Mitmilliardäre kann man in den deutschen Leitmedien offen nachlesen (siehe z.B. Welt). Muss nichts mit Frau Festerling zu tun haben – wer immer das auch seien mag (muss man die kennen?). Vor einer „neuen Oligarchie der Reichen“ warnt sogar unsere derzeitige Arbeitsministerin (siehe Tagesspiegel) – wahrscheinlich auch so eine antistaatliche Reichsbürgerin.

Die elendige Parade der an den Haaren herbeigezogenen Unterstellungen endet aber hier noch nicht, die Methodik, die der Stürmer schon gegen Juden erfolgreich anwandte, wird engagiert weiter benutzt:

„Als Volks-in-die-Fresse-Treter stößt ihr an eure Grenzen
Und etwas namens Pizzagate steht auch noch auf der Rechnung
Bei näherer Betrachtung steigert sich doch das Entsetzen
Wenn ich so ein´ in die Finger krieg´,
Dann reiß ich ihn in Fetzen
Und da hilft auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen“

Soweit der zornig erregte Barde. Was macht die FAZ-Lohnschreiberin daraus?

Der Begriff „Pizzagate“ bezeichnet eine krude Verschwörungstheorie aus den Vereinigten Staaten. Sie besagt, dass verschiedene prominente Politiker, unter ihnen auch Hillary Clinton, aus einer Pizzeria heraus in geheimen Treffen einen Pädophilenring organisiert haben. Sie wurde im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf in rechten Kreisen verbreitet und ist an Absurdität kaum zu überbieten, wird von Naidoo und seiner Band aber offenbar für voll genommen. Möglich, dass sich hierauf auch die Zeile über die Unschuldigen bezieht. Die Gewaltandrohung steigert sich in dieser Strophe noch einmal, die ohne viel Phantasie als Aufruf zu Selbst- und Lynchjustiz jenseits der Gesetze gelesen werden kann.

Nun: sexueller Missbrauch von Kindern ist kein Kavaliersdelikt. Ich denke: jede Mutter und jeder Vater können die Gefühle des Sängers nachvollziehen. Es war das ZDF (auch so ein rechtsradikaler Reichsbürgersender) der uns über das Massensterben von Zeugen im Falle Dutroux informierte (siehe ZDF-Doku „Dutroux und die toten Zeugen“) und so für weitreichende Verunsicherung sorgte … auch bei mir (siehe Nachrichtenspiegel). Es bleiben viele Fragen offen – auch im Falle dieses „Pizzagate“, dessen Ursache nicht in „an Absudität nicht zu überbietenden“ Unterstellungen liegt, sondern in seltsamen Dokumenten, die Wikileaks veröffentlichte. Nun – ich halte nichts von den galoppierenden Hypothesenketten, die zu diesen E-Mails gebildet werden … alles hängt davon ab, ob man die Code-Sprache der Pädophilenringe wirklich auf diese Mails übertragen kann. Sicher – manches mutet seltsam an: z.B. 65000 Dollar für „Hot Dogs aus Chikago“ für ein privates Präsidentenfest im Weißen Haus scheint für Würstchen mit Brot etwas teuer zu sein, selbst wenn man 10 Dollar pro Wurst rechnet (siehe Archiv von Wikileaks). Viele Sätze ergeben scheinbar keinen Sinn, wenn man sie nur auf Pizza bezieht (siehe Wikileaks) – nur: es muss auch bedacht werden, welchen Unsinn wir alle reden, wenn man unsere Sätze aus dem Zusammenhang reißt und sie ohne unseren persönlichen Kontext interpretiert.

Doch … soweit geht der Barde Xavier Kurt ja gar nicht in seinen Texten. Ich bekomme übrigens auch Entsetzen bei der Erforschung der Dimensionen von Kindesmissbrauch, der in Hollywood gang und gebe zu sein scheint (siehe Focus) und bei den Verbündeten der USA in Afghanistan stillschweigend toleriert wird – auch wenn man die Schreie der Kinder meilenweit hört (siehe New York Times).

Was wir jedoch nicht übersehen dürfen: Xavier ist ein Hip-Hop-Sänger – mehr nicht. Verglichen mit anderen Barden … denen kaum eine so umfangreiche mediale Aufmerksamkeit gegönnt wird … ziemlich harmlos (siehe z.b. Zeit oder Stern) – kein Aufruf zur Massenvergewaltigung, Massenmord, Verstümmelung von Homosexuellen oder anderen Freizeitvergnügen einer verrohten Jugend … die seltsamerweise nicht so „antistaatlich“ angesehen werden, aber fette Verträge von Megakonzernen erhalten.

Ja – dann soll Xavier Kurt auch noch der gleichen Meinung wie Wolfgang Schäuble sein (wahrscheinlich auch noch so ein Reichsbürger) – das Deutschland nie ein wirklich souveränes Land gewesen sei (siehe Handelsblatt) – wer sich mit dem Weltbild führender US-amerikanischer Vordenker (wohl auch Reichsbürger) beschäftigt, versteht schnell, wie das gemeint sein kann (siehe Nachrichtenspiegel) – aber lassen wir das.

Sind Sie nun völlig verwirrt – wie Frau Feuerbach? Nun – ich hoffe, es ist mir gelungen, Ihnen aufzuzeigen, dass es sich bei der Meldung der FAZ über die „Reichsbürgerhymne“ des Herrn Naidoo um „Fakennews“ handelt – Fakenews von der übelsten Sorte. Im angeblichen „Kampf gegen rechts“ (der – wie die aktuellen Affären bei der Bundeswehr oder die Skandale im NSU-Prozess zeigen – gar nicht energisch genug geführt werden kann … aber aus unerfindlichen Gründen nicht effektiv genug geführt wird) wird die rechtsradikale Methodik der Verleumdung, der Unterstellung, der üblen Nachrede Standard in den „Leitmedien“, wobei „rechts“ auch nur noch ein Codewort ist für – ja, sagen wir mal: kapitalismuskritisch.

Natürlich gibt es auch Nazis, die mit dem Kapitalismus nicht liebäugeln – aber dadurch wird Kapitalismuskritik nicht ausdrücklich rechts, genauso wenig wie Aldi rechts ist, weil da auch Neonazis Gurken kaufen. Das wirklich Rechte – die Diktatur der Gedanken – wird gar nicht mehr wahrgenommen. Der Versuch zu bestimmen, was alles „rechts“ zu sein hat (wie z.B. ein Musikfestival in Berlin, siehe Tagesspiegel) und dies auch noch zu bestrafen (siehe den Kommentar zum Netzwerkdurchführungsgesetz bei Cicero) und wer alles „rechts“ ist, ist praktisch kaum zu unterscheiden von jenen irren Klängen, die 1933-1945 definierten, was alles „jüdisch“ (und deshalb „böse“) war und greift den Geist der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte an seiner Wurzel an.

Wollen Sie mal wissen, wie solche „Rechten“ für sich werben? Hier, ich habe da welche gefunden, bei dem so gescholtenen Festival (siehe pax-terra-musica):

„Egal ob Du aus Europa oder von weiter weg kommst. Egal ob Du Eingeborener oder Einwanderer bist. Egal ob Du Frauen liebst oder Männer, ob Du Deine Haare färbst oder Dreadlocks hast, ob Du Designer-Klamotten trägst oder im Second-Hand-Laden einkaufst. Egal wie viele Arme der Gott hat an den Du glaubst und ob Du überhaupt an höhere Wesen glaubst. Solange Du für den Frieden zwischen allen Menschen auf der Welt bist, wollen wir mit Dir tanzen!“

Frieden zwischen allen Menschen auf der Welt – wen sollte das schon stören?

Ach ja – jene, die Lust darauf haben, Milliardäre zu werden. Das wird man nicht als … „Sozialromantiker“. Dafür braucht man andere „Qualitäten“ (siehe Zeit):

„In den Führungsetagen von Unternehmen finden sich dreieinhalbmal so viele Psychopathen wie im Durchschnitt der Bevölkerung, wie Robert Hare, Psychologe und Forensiker aus Vancouver, und der New Yorker Unternehmensberater Paul Babiak durch Hunderte von Interviews herausgefunden haben.“

Und Leute mit diesen Qualifikationen … haben gerne die Kontrolle über jeden einzelnen Gedanken im Land. Und auch ein Faible für gewisse politische Richtungen, die die Möglichkeit des unbegrenzten Auslebens der eigenen Asozialität garantieren – mit Schampus, Kaviar und SUV, auch wenn die natürliche Welt an den Folgen erstickt und wir … ganz ganz rasch … neue Planeten brauche: egal wie.

Und so kommt – im unauffälligen, edelmütigen Gewand des „Kampfes gegen Rechts“ –  der Faschismus als politischer Arm des Kapitalismus wieder zurück nach Europa.

Und wer in Frieden mit allen Bürgern der Welt tanzen will … ist ein böser Nazi.

 

 

 

 

 

Die Vernichtung des sensiblen Mannes – und die Vernichtung der Welt.

Samstag, 22.4.2017. Eifel. Zuvor mal ein persönliches Wort an die Stammleser. Wie man merkt, bin ich nicht mehr so produktiv. Keine Sorge, das geht vorüber. Wie man merkt, sammle ich gerade – freiwillig, wie ich betonen möchte, um entsprechenden Gerüchten gleich vorzubeugen – in einem sehr interessanten beruflichen Umfeld neue Eindrücke und Informationen – auch solche brisanterer Art. Konnte bei dem Angebot nicht „nein“ sage, obwohl es mich viel Zeit kostet, die an anderen Orten fehlt. Mehr aber nimmt mich meine persönliche Lage mit: selbst nicht ganz gesund habe ich nun ein weiteres behindertes Kind mit einer unheilbaren Muskelerkrankung, das sofort von der Schule geworfen wurde, weil man den Attesten keinen Glauben schenkte. Sowas geht heute – und sowas kostet Zeit. Zudem haben wir Kriminalfälle im engsten Wohnumfeld: Einbrüche, Brandstiftung, Vandalismus, Lügen und nur gebremst förderliches Sozialverhalten. Außerdem belastet mich auch eine nicht verschwindende ansteckende Krankheit eines zweiten Sohnes von mir, den ich von der Umwelt etwas abschirmen muss: man sieht – für Muße und weite Gedanken ist nicht mehr ganz soviel Zeit.

Ich schreibe auch ein wenig auf Facebook. Nein – mit dem neuen Gedankenlesechip von Zuckerberg (siehe Heise) beschäftige ich mich nicht, möchte aber nicht die Chance ungenutzt verstreichen lassen, Chancen und Möglicheiten dieses Mediums auszuloten. Schon verrückt, wie die alle versuchen, uns zu Maschinen zu machen, oder? Dabei sind wir schon längst Maschinen geworden (womit wir den persönlichen Teil verlassen) – wir merken es nur nicht mehr. Bzw: die meisten merken es nicht mehr – oder könnten Sie sich für Ihr Leben vorstellen, dass Sie dem Satz „Pünklichkeit ist eine überflüssige Erfindung“ (siehe Zeit) im Alltag Folge leisten können? Wäre schlecht für Bus- und Bahnverbindungen, für Kino oder Arbeitsbeginn. Solche Gedanken können sich ältere Zeitforscher machen – aber nicht Sie. Sie haben zu funktionieren. Das ist auch letztlich Sinn der Arbeit von Ärzten: Sie zum funktionieren zu bringen, damit Sie zurückkehren können in das große Uhrwerk.

Auf Facebook wurde mir nun eine einfache Frage gestellt, von einer jungen, äußerst attraktiven, lebenslustigen Frau, die die „sensiblen, romantischen Männer“ suchte: „Solche Männer sind wie Einhörner. Man sagt, es gibt sie, aber wo!“. Nun – man sagt vieles, das heißt nicht automatisch, dass es wahr sein muss. Gestern erhielt ich einen Brief einer anderen, sehr sensiblen Leserin, versehen mit einer Tafel Einhorn-Schokolade, die sich noch mal auf diese Frage bezog und nach meinen Gedanken zum Verbleib der sensiblen, romantischen Männer fragte. Nun – ich habe da in der Tat Gedanken zu … doch sie werden nicht erfreuen. Womit sollen wir anfangen?

Nehmen wir die Romantik. Wir brauchen gar nicht so lange nachzudenken und in der Geschichte der Wortbedeutungen von „Romantik“ nachzuforschen, denn im 21. Jahrhundert ist Romantik ein Schimpfwort: denken Sie nur an den Begriff „Sozialromantik“. Romantik stört beim Funktionieren und die Haltung der menschlichen Arbeitstiere wird halt immer weiter an die Grundzüge der Massentierhaltung angepasst: aktuell ist da gerade die Dating-Plattform „Tinder“ im Visier der letzten Verteidiger der Romantik, die „Beziehung“ auf das allernotwendigste reduzieren (siehe feinschwarz):

„Tinder ist die schnörkellose Umsetzung einer Kapitalisierung des Begehrens in enger Verwandtschaft zu dem, was die israelische Soziologin Eva Illouz als „Kapitalisierung der Gefühle“ bezeichnet. Bei Tinder hat der Kapitalismus seine romantische Maske abgenommen und verkauft genau das, was seine ontologische Grundlage ausmacht: Begierde und deren potentielle, dafür aber umgehende Befriedigung.“

Was macht man bei Tinder? „Dated“ fremde Menschen für schnellen, umkomplizierten Sex per Telefonapp. „Pizzasex“ nennt das die Autorin. Gab es früher schon, da nannte man es Prostitution, aber im Sinne der Effektivierung des Arbeitseinsatzes haben wir diese Dienstleistung jetzt unter den Arbeitnehmern selbst verteilt: das vergrößert das Angebot und die Abwechslung. Wie weit ist diese Welt von der Welt der romantischen Liebe entfernt, der Welt der alten, mittelalterlichen Minnesänger, die von romantischen Dramen sangen, wo der Rittersmann mit einem Halstüchlein als Liebenspfand seiner angebeteten Dame in die tödliche Schlacht zog, wohl wissend, dass diese für ihn unerreichbar weil verheiratet ist: so ein feines, sensibles Denken ist uns völlig abhanden gekommen – doch „Mittelalter“ erweist sich hier als Zeit, die viel reichhaltigere emotionale Dimensionen hatte, Dimensionen, die die Neuzeit mit ihren Inqusitoren und Hexenjagden völlig ausgerottet hatte.

Nun – mag sein, dass wir uns toll fühlen mit dieser neuen Sexualität, doch … mag auch sein, dass wir damit neue Scheiterhaufen herbeirufen, denn: ungesunde Sexualität hat ungesunde Folgen für die ganze Gesellschaft (siehe wilhelmreich):

„Die seelischen Krankheiten sind Ergebnisse der gesellschaftlichen „Sexualunordnung“. Diese Unordnung hat seit Jahrtausenden die Funktion, den Menschen den jeweils vorhandenen Seinsbedingungen zu unterwerfen … Sie dient der seelischen Verankerung der mechanisierten und autoritären Zivilisation durch Verunselbständigung der Menschen.“

Die sexuelle Unordnung hat schlimme, politische Folgen:

„Im gesunden Organismus kann die sexuelle Erregungsspannung durch den körperlichen Orgasmus transformieren. Aus ihm entstehen Entspannung und Gefühle von Liebe und Dankbarkeit.“

„Inneren Hemmungen und der Mangel an Fassungsvermögen für die sexuelle Erregungsspannung verhindern beim kranken Organismus, dass die im Liebesakt aufgebaute sexuelle Erregung adäquat gelöst werden kann. Sie besteht statt dessen fort und überflutet das menschliche Energiesystem. Dadurch werden sadistische und destruktive Einstellungen und Verhaltensweisen ausgelöst, die sich zu dauerhaften Charakterzügen verfestigen.“

Guter Sex erzeugt Gefühle von Liebe und Dankbarkeit, macht Menschen friedlich. Schauen Sie sich um in der Welt, in Ihrer Nachbarschaft, am Arbeitsplatz: wo finden Sie diese überwältigenden Gefühle von Liebe und Dankbarkeit? Nirgends, der Kapitalismus braucht schlechten Sex wie das Auto Benzin, sonst haben die Menschen nicht genug Agressivität für den Wettbewerb. Klar – Tindersex muss nicht immer schlecht sein, aber wenn unsere Art von Sexualität auf die ganze Gesellschaft bezogen so toll ist: warum sind dann alle so schlecht drauf? Menschliche Dinge reduziert der Kapitalismus auf das Notwendigste: darum reicht ihm auch McDonalds als „Nahrung“ für das Wahl- und Konsumvieh. Wilhelm Reich fand hier die Quelle der „sozialen Pest“, des Faschismus, der heute in allen Parteien wieder auflebt: nicht als politische Bewegung, sondern als Allianz der Sadisten aller politischer Farben – eine Allianz, die sich in den dreißiger Jahren schon mal zusammenfand und die sehr schnell „Hurra!“ ruft, wenn wieder einer tönt: „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!“ – was aktuell wieder durch neue Rekorde bei Totalsanktionen (siehe gegen-hartz) von sich reden macht.

Und die Romantik? Bietet anstatt des schnellen McDreck-Pakets, das zwar kurz den Hunger stillt, aber den Magen versaut (merkt man erst später) ein fünf-Gänge-Menü, mit Rosen verziert, festlichst angerichtet, bei Geigenmusik, Kerzenschein und Kaminfeuer sowie humorvollem, geistreichen Gespräch auf höchstem Niveau – das bei sensiblen, romantischen Menschen tiefer gehen kann als jede sexuelle Begegnung. Aber Sie merken schon: uns selbst, unser Leben, unsere Existenz so zu feiern: das würde endlos viel Zeit kosten. Wer hat die schon noch?

Soviel zur Romantik. Wir wollten aber nicht nur den romantischen Mann beschreiben, sondern auch den sensiblen … und hier betreten wir die Sphäre der Wunder und der Zauberei, die verboten ist – so verboten, dass Sie bei Wikipedia keine treffende Beschreibung dazu finden. Seltsam, dass sich ein Begriff, von dem die meisten von uns eine Vorstellung haben, so der Definition moderner Menschen entzieht, oder? Nun – wir verstehen ja auch den Begriff der „Romantik“ nicht mehr, der im Minnegesang des Mittelalters noch eingängig bekannt war, warum sollte es mit dem lateinischen „sensibilis“ anders sein? Wir sind halt grobschlächtige, eindimensionale Barbaren geworden, deren grausamste und abartigste psychopathische Wesenszüge durch die Kultur des Neoliberalismus enorm gefördert werden: der neoliberale Charakter ist eher maschinell geprägt, versucht einer gnaden- und gefühllosen Dampfmaschine immer ähnlicher zu werden (siehe hierzu: freitag).

Der sensible Mann – und, aufgepasst: der sensible Mensch generell – zeichnet sich aus durch einen nicht degenerierten oder gedämpften Zugang zu seinen Sinnen, die ihm einen enormen Gefühlsreichtum bescheren. Ja – hier sind wir bei ganz einfachen biochemischen Prozessen: je höher die Sensibilität, umso vielfältiger der Verknüpfungen im Gehirn, je schärfer auch Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe. Der sensible Mensch kann Geschichten lauschen, die Wolken erzählen, weil er die Ähnlichkeiten zwischen dem Werden und Verschwinden von Nationen und Wolkenbildungen erkennt – wobei Wolkenreiche schneller vergehen als Menschenreiche. Jeder Baum kann ihm eine Geschichte erzählen aufgrund der individuellen Gestalt, die er angenommen hat: eine Geschichte von Winden, strengen Wintern, kargen Böden oder aggressiven Tieren, jedes Gesicht kann die Geschichte eines ganzen Lebens erzählen. Der sensible Mensch hat auch einen größeren Zugriff auf seine Innenwelten, den Bereich des „Unbewussten“, der – nach manchen Quellen zufolge – 98 Prozent unseres realen (politischen) Verhaltens ausmacht und über einen vieltausendfach höheren Grad an Informationsverarbeitung verfügt als der kleine, bewusste Teil mit dem Sie gerade diese Zeilen lesen. Hier hört auch das Denken in Worten auf – und das Denken in Bildern beginnt, weil Bilder eine wesentlich höhere Informationsdichte haben als Wörter oder Zahlen.

Der sensible Mensch erwirbt zudem mit der Zeit die Fahigkeit, die unterschiedlichen Informationen immer weiter zu vernetzen – was zumeist unbewusst und ziemlich automatisch geschieht. Er kann so – um ein Beispiel zu nennen – ein sicheres Gefühl für „Gott“ entwickeln (was an Qualität im Bewusstsein einer normalen visuellen Sinneserfahrung völlig gleich kommt) und sich so eine andere Dimension des „Sehens“ erschließen (ähnlich der, die der amerikanische Anthropologe Carlos Castaneda in seinen Werken beschreibt), die ihn in eine wunderbare, zauberhafte Welt voller phänomenaler Sinneseindrücke entfürt … und so von unsere Psychiatrie als „dysfunktional“ aussortiert wird, obwohl er sich eigentlich dem Ursprung des Menschseins in seinem ganzen Reichtum nähert – nur halt für den Kapitalismus unendlich wertlos geworden ist.  Nein, ich bitte Sie: bleiben Sie sitzen, wir kommen sofort auf den Weg der westlichen Wissenschaft zurück: an der Universität Marburg finden sie gerade neue Arbeiten zur „Solastalgie“ und westlichen Öko-Spiritualität bzw. zur Öko-Psychologie (siehe uni.Marburg), die viel besser als ich es könnte ausführen, wohin die Reise in Zukunft gehen könnte … wenn der Moloch Kapitalismus überwunden werden könnte, bevor er die Welt zerstört. Wir sind allerdings hier – da sei vor gewarnt – im Bereich der ebenfalls sterbenden Geisteswissenschaften, deren höchste Aufgabe das „Verstehen“ ist – was schnell in Zauberei übergeht, wenn wir es auf „Welt“ anstatt auf „Mensch“ anwenden.

Ich kenne übrigens ein Kind, das schon in Bildern denkt: es kommt hier in eine Sonderschule, weil es die Lehrer mit der Qualität seiner Fragen überfordert. Im Erwachsenenalter wird es wohl in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie landen.

Was für eine Reise haben wir jetzt hinter uns.

Wir wollten nur nach dem Verbleib des romantischen, sensiblen Mannes fragen … und sind bei der Vernichtung der Welt angelangt. Eins wäre aber noch zu klären: wo finden wir die sensiblen, romantischen Männer? Ich weiß: viele werden jetzt sagen: „ich bin´s“ – oder halt mein angetrauter Dieter. Kommen Sie oder Dieter in dieser Welt zurecht? Dann … sind Sie es nicht. Sie mögen davon träumen, so zu sein – wobei  hier der Begriff „Träumen“ mit „Wunschdenken“ zu übersetzen ist und nicht mit der realitätsveränderenden Fähigkeit, die indigene Stämme mit dem Begriff bezeichnen. Sie mögen ein Selbstbild dazu pflegen, weil es bei Frauen gut ankommt und dazu gewisse äußere „Codes“ verwenden – aber Sie werden halt kein Indianer, wenn Sie sich eine Feder ins Haar stecken. Nein, auch nicht, wenn noch Mokassins dazukommen.

Ich kann Ihnen aber sagen – was ja die Fragestellerinnen interessierte – wo man sie findet, die romantischen, sensiblen Männer?

Es gibt drei Orte, wo sie aufzufinden sind: der eine ist der Friedhof: Menschen, die aufgrund ihrer Sensibilität den Zustand der „Solastalgie“ erreichen – die Erfahrung des riesigen Ausmaßes der Entfremdung von unsere ökologischen … lebensnotwendigen … Umwelt, neigen dazu, sich umzubringen, weil sie den Schmerz nicht mehr aushalten (siehe aerztezeitung). Ein weiterer Ort ist die Psychiatrie: Gestank, Lärm, visuelle Überreizung, Häßlichkeit in nie dagewesenem Ausmaß können bei sensiblen Menschen zu Überlastungsreaktionen führen, die ein tumbes Hirn nicht zu befürchten braucht: insofern ist die generelle Abkehr von Sensibilität nahzu lebensnotwendig – wenn man weiter funktionieren will. Der dritte Ort … ist die ferne, intakte, einsame Natur, die mit ihrer Vielfalt den Sehgewohnheiten des sensiblen Menschen weitgehend entspricht: immerhin sind unsere Sinne ja auch gerade dafür ausgearbeitet worden – um in der Natur zu leben und nicht im lärmenden, stinkenden Betonchaos der Großstädte. Ich sehe sie dort häufig durch die Einsamkeit der Moore wandern, an verbotenen Stellen, wo Natur noch wild sein darf. Es sind immer – und ich sage mit Nachdruck: immer – sehr angenehme Begegnungen dort draußen. Ganz feine Menschen trifft man dort … eher Männer als Frauen. Viel eher Männer.

Sie werden jetzt sagen: das ist alles viel zu streng gezeichnet. Gut: könnte sagen, für feinere Malerei fehlt mir die Zeit und Ihnen die Aufmerksamtkeit. Aber ich möchte Sie mal kurz entführen in die Welt der Superreichen, unserer Vorbilder, wo sie das gegenteilige Männerbild finden (den unromantischen harten, gefühllosen Kerl) … und Sie ermuntern, dort einen Blick auf die Stellung der Frau an der Spitze unserer Gesellschaft zu werfen, jener Spitze, die das Nonplusultra der kapitalistischen Existenz darstellt: da werden der Ehefrau Prämien bezahlt, wenn die Kinder gut in der Schule sind – ansonsten gibt es strenge Teilung der Geschlechter bei Partys, Urlaub und Leben (siehe Spiegel).

Und der sensible, romantische Mann, der Frauen ohne großes Federlesen als gleichberechtigt akzeptiert und sich gar nichts anderes vorstellen kann? Landet – wie die meisten Geisteswissenschaftler – bei Hartz IV (siehe gegen-hartz). Wundern Sie sich also nicht über den schlechten Zustand der politischen Welt, die kommenden Kriege und ökologischen Katastrophen: jene, die sensibel genug wären, sie zu bemerken und romantisch genug, die natürliche Welt erhalten zu wollen … werden systematisch aussortiert. Versuchen Sie heutzutage einfach mal als introvertiertes Kind gesund durch die Schule gekommen, wo Extrovertiertheit („sonstige Mitarbeit“) inzwischen fünfzig Prozent der Note ausmacht.

Wir können es auch größer beschreiben: „Wir stecken in einer seelisch-geistigen Armutskrise“, „leben auf einem psychischen Existenzminimum“ (siehe Standard) was gewaltige – auch finanzielle – Folgen für die Qualität unserer Arbeit hat (siehe sinnforschung, Thema: Sinn im Beruf). Bei Gesellschaften, die diesen neoliberalen Lebensstil auf die Spitze getrieben haben, haben die jungen Männer (und viele Frauen) inzwischen weitgehend auf Sex und Beziehung verzichtet (siehe Süddeutsche). Sie … frönen einem anderen Lebensstil, der dem des „armen Poeten“ ähnelt.

Aber mal ehrlich, liebe Damen: wer würde schon wirklich so einen „armen Poeten“ heiraten wollen? Zumal er für sich selbst in seiner sehr reichen Welt lebt … und niemanden neben sich braucht, der beim Genießen des Reichtums stört.

Dass der Weg des „armen Poeten“ größeren Reichtum mit sich bringt, als man gemeinhin – durch Werbung, Schule und Medien geprägt – vermuten würde, merken auch immer mehr „moderne Menschen“: sie wenden sich dem „Minimalismus“ zu (siehe FAZ) … oder trauen sich einen – kurzen – Ausflug in die Welt der „Zeitmillionäre“ zu (siehe Spiegel), sammeln dort Erfahrungen, die der „arme Poet“ schon 1839 visualisierte – übrigens angeblich eins der beliebtesten Bilder der Deutschen.

Noch Fragen?

Und ja: das ist hochpolitisch. Der Kapitalismus braucht Killer, um den Mammon zu rauben und Nutten, um die Killer zu beschäftigen. Alles andere braucht er nicht – und das wird auch verschwinden … wie der sensible, romantische Mann, der im Alter zur Weisheit reifen kann, während unsere „Alten“ immer neunzehn bleiben wollen.

Das sagt eigentlich schon alles.

 

 

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