Kapitalismus

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Huge Bailout: Socialism To Save Capitalism?

Yet again our capitalist system is turning to socialism to save it with A MASSIVE multi-trillion-dollar bailout. Plus Trump is talking about bailing out everything from cruise lines to big banks to oil and fracking companies, to hotels, to airlines and weapons contractors like Boeing.

„Den Planeten zu retten, heißt die herrschenden Eliten zu stürzen“

Ullrich Mies ist Sozial- und Politikwissenschaftler und studierte in Duisburg und Kingston, Jamaika. Mies schreibt für verschiedene Publikationen wie Rubikon, die Neue Rheinische Zeitung oder scharf-links. Als Mitautor verfasste er mit Jens Wernicke 2017 das Buch „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“. In dem aktuellen Sammelwerk „Die Ökokatastrophe“ kritisiert Mies die Klimadebatte, die sich vornehmlich auf die Frage konzentriere, in welchem Maße der Mensch dafür verantwortlich gemacht werden könne. „Der Natur ist es völlig egal, wer sie zerstört“, so Mies. Der überzeugte Kapitalismuskritiker sieht vor allem die herrschenden Eliten in der Pflicht, da sie diejenigen seien, die von der Ausbeutung des Planeten am meisten profitieren. Im Gespräch macht Mies deutlich, dass aus seiner Sicht nicht mehr viel Zeit bleibt, um den Planeten vor der Ökokatastrophe zu bewahren.

Offener Brief eines Klimaleugners zum Osterfest

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Ostersonntag, 21.4.2019. Eifel. Was für ein Wetter heute! Strahlender Sonnenschein – auch in der sonst eher kühlen Eifel. Strahlend blauer Himmel – als wäre nicht ein Flugzeug unterwegs. So sah der Himmel tausende von Jahren lang aus, bis … was auch immer … diese Gittermuster in die Luft malte. Es soll noch die ganze Woche so bleiben: sagten die Wetterleute. Sonne, Sonne, nichts als Sonne. Eine Frau, die als Hobby einen Permakulturacker betreibt, rief schon an und erwähnte, dass sie sich vor noch so einem Sommer wie im letzten Jahr fürchten würde: das würde ihr Acker nicht mehr mitmachen.

Nun haben wir ja heute Ostern – ein besonderer Tag. Sie werden ja wohl nicht erwarten, dass ich mich schriftlich äußere, ohne auf diesen Tag einzugehen, oder? Und glauben Sie mir: das hat auch mit der Überschrift zu tun.

Was ist das nun, dieses Ostern? Nun, ein Frühlingsfest, wie es überall auf der Welt gefeiert wird, wenn halt Frühling ist. Das westliche Frühlingsfest hat seit 2000 Jahren eine besondere Geschichte bekommen, die Geschichte von Christus. Sie sei kurz erzählt. Der große Geist (in unseren Breiten: „Gott“ genannt) war unzufrieden mit der Menschheit. Anstatt das Leben zu genießen, das ihnen geschenkt wurde, bauten sie Imperien und in ihrer Mitte große Türme, in deren Spitzen besondere Kammern waren, wo Priester den Göttern hübsche Menschenfrauen darboten. Nun fragen Sie mich bitte nicht, wo in monotheistischen Kulturen „Götter“ herkommen, aber in Gen 6,1-6 lernen Sie diese kennen. Welche Art diese „Götter“ waren, kann auch nicht bestimmt werden (der Herr von Däniken hat da sicher ganz eigene Theorien), aber sie waren dem großen Geist ein Gräuel im Auge – also schickte er die Sintflut, um die verderbte Erde zu reinigen.

Auch nach der Sintflut kam keine Ruhe herein. Der große Geist erwählte sich ein Sklavenvolk als Botschafter und – unter Anwendung großer, beeindruckender Zauberei – entriss er es ihren imperialen Menschengöttern und führte sie in die Freiheit – doch kaum waren sie in Sicherheit, tanzten sie erstmal wieder um das goldene Kalb. Dann sandte der große Geist Propheten – einen nach dem anderen – doch nichts änderte sich. Nochmal die große Spülung ging nicht, das hatte er versprochen und als Zeichen für dieses Versprechen den Regenbogen an den Himmel geheftet. Also kam er zu dem letzten großen Schritt – und schickte etwas von sich selbst auf die Erde – als jungen Mann mit langen Haaren und Hippielatschen. Auch der konnte unermesslich große Zauber wirken – doch um die ging es ihm gar nicht. Es ging nur darum, ein für alle mal klar zu stellen, wie man hier unten als Mensch miteinander umgehen sollte, um die Zeit außerhalb des Paradieses einigermaßen sicher überstehen zu können: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ – so heißt sie.

Ein einfacher Satz, oder? Doch damit war die Geschichte ja nicht zu Ende, wie nähern uns ihrem Höhepunkt: es kam wie es kommen musste – aufgewiegeltes Volk und imperiale Gerichtsbarkeit schlugen auch diesen Zauberer ans Kreuz – eine sehr schmerzhafte Art zu sterben, wie man mir sagte. Doch dieser … hatte noch ein Ass im Ärmel. Er widerstand dem Tod, kehrte zurück, um den Menschen auch diese Botschaft nochmal deutlich zu machen: der Tod ist nicht das Ende – die zentrale Botschaft jeder Religion auf Erden.

Nun – damals war diese Botschaft nicht so etwas besonderes: niemand war so blöd, zu glauben, dass das Leben nur aus Matsche bestand, aus Materie. Der Tod war allgegenwärtig, konnte nicht in Altenheimen oder Krankenhäusern oder Hospizen versteckt werden, um die geheime Botschaft zu verbreiten, dass wir alle unsterblich werden – hier auf dieser Erde. Das Tod wie Geburt ein ganz normales Ereignis war, brauchte man nicht sonderlich zu betonen: niemand fürchtete sich vor der Zeit vor der Geburt – was also sollte man nach dem Tode fürchten?

Das wäre kurz und knapp die österliche Geschichte, die medial heute von einem Trommelfeuer begleitet wird, dass uns zeigt: „Gott“ ist mal wieder völlig out, auch unter Christen. Normal mache ich auch auf entsprechende Artikel aufmerksam, zittiere sie – doch jetzt schreibe ich ja unter der gestrengen Hand das Artikel 13 des Urheberrechtes …  und da bin ich aktuell noch unsicher, ob ich überhaupt zugeben darf, jemals irgendetwas gelesen, verstanden und behalten zu haben. Ich fürchte mit auch ein wenig, zuzugeben, dass ich Liedtexte von Songs auswendig kenne – mir ist unwohl dabei, was wohl mit meiner biologischen Festplatte geschehen wird, wenn die mitkriegen, dass da Daten von anderen drauf gespeichert sind. Mein Gehirn ist sogar voll von Daten anderer Menschen – aber das Thema möchte ich zu einer Zeit, wo die Regierung auf einen Schlag all´ unsere Organe enteignet hat, gar nicht weiter vertiefen.

Wieder leben wir in einer äußerst finstersten Zeit, in der Menschen sich und ihrer Umwelt gegenseitig fürchterlichste Dinge antun – ganz ohne Not. Diesmal jedoch heben sich die gigantischsten Imperien aus der Asche der alten, die die Welt je gesehen hat, ihre Macht reicht in alle Winkel der Erde und trachtet danach, jeden Gedanken zu beherrschen. Die ganze Welt wird umgebaut zu Megacitys – den ulitmativen Tempeln des modernen Lebens. Wieder sind in ihrer Mitte große Tempel errichtet, in deren Chefetagen wieder junge hübsche Frauen gern gesehen sind: zwecks Konsum, nicht als CEO´s. Die Nahrung, das Wasser, die Luft sind von Gift durchtränkt, unerträglicher Lärm großer Maschinen ist unser täglicher Begleiter, Waffen können in Sekunden ganze Städte auslöschen während Städte ganze Landschaften verwüsten, wir pflanzen Menschenohren auf Mäuse und Menschengene in Schweine: dem alttestamentarischen Ziegenhirten, dem vormittelalterlichen Germanen oder dem fernen Samurai der frühen Jahre käme unser Alltag vor wie eine Version von Dantes Hölle. Gut, dass Anpassung die größte Fähigkeit des Menschen ist: wir wären sonst schon lange völlig irre geworden.

Wir nennen jene Zeit, die das größte Massensterben an Tieren und Insekten der bekannten Geschichte erlebt,  „Aufklärung“. Sind stolz, unsere Götter über Bord geworfen zu haben. Und den Rest der Schöpfung gleich mit.

Zu den neuen Dimensionen der Weltvernichtung kommt nun eine, die alles beenden soll, was wir mit Gift und Technik bislang noch nicht vernichtet haben: die Klimakatastrophe, bzw. der „menschengemachte“ Klimawandel. Wir müssen hier gleich einhaken – und ich möchte einen kleinen Exkurs in Wissenschaftlichkeit einbringen. Bitte nicht weglaufen: das ist Grundwissen, dass jeder souveräne Bürger braucht – und mehr brauchen Sie auch wirklich nicht.

Wissen – das haben wir zu Beginn der Aufklärung erkannt – kommt uns nur auf zwei Arten zu: ersten durch Beobachtung (Empirie, vorgetragen von Roger Bacon) oder aber durch Schlussfolgerungen, durch Rationalität (vorgetragen von Rene Descartes). Beide Formen dürfen nicht vermischt werden, sonst können sie nicht als wahr gelten und Beliebigkeit zieht in die Wissenschaft ein. Nehmen wir nun alles als wahr an, was die Empirie uns zeigt, dann … nun: werden Sie mit der Existenz von Geistern leben müssen. Gefällt ihnen das nicht und ziehen Sie den Bereich der reinen Vernunft vor, nun: da kommen sie um einen Gott nicht drumherum: in einer Welt, in der jede Bewegung durch eine andere Bewegung angestoßen wird (es also kein Perpetuum Mobile gibt), brauchen wir einen „ersten Beweger“.

Einfach, oder?

Die moderne Weltvernichtungsphilosophie hat sich für einen anderen Weg entschieden, den der Beliebigkeit … bzw. den des konsequenten Atheismus, der Geister aus Vernunftsgründen ablehnt und Götter aus Gründen der Empirie: sofern sie nicht täglich unter uns wandern, wollen wir sie nicht anerkennen; alternativ beten wir Pop- und Filmstars, Milliardäre und Politiker oder auch einfach nur „Marken“ an – ohne uns groß was dabei zu denken. Bleiben wir im religiösen Denken, so ist dies die Zeit Satans (oder noch ganz anderer, schlimmerer Dunkelmächte), der die Welt, die er so nie erschaffen konnte, wenigstens vernichten will.

Unangenehm, diese Sicht, oder? Auf einmal ist man auf der Seite der ganz ganz Bösen – dabei hat man nur gemacht, was alle gemacht haben: Eigenheim, SUV, drei mal jährlich Urlaub auf Sri Lanka. An deren Stelle wäre ich auch überzeugter Atheist, damit kann man sich ethisch noch etwas länger über Wasser halten.

Seltsam auch das gerade – also im beginnenden 21. Jahrhundert – „Linke“ so besonders an dem materialistischen Mythos festhalten und besonders die Religionen bekämpfen (außer dem Islam naürlich, der ist hierzulande insgesamt als verfolgtes Opfer definiert und genießt besonderen Schutz), allen voran natürlich das Christentum. Sicher: die katholische Kirche hat mit Paulus zusammen einen Apparat aufgebaut, der das genaue Gegenteil christlichen Lebens abbildet, aber jenes eigentliche christliche Leben wäre dem kommunistischen Ideal sehr nahe – aber was rede ich, es ist ja hier nicht von Vernunft die Rede, sondern von Politik, vom Ringen um Macht – und das ist gar nicht christlich.

Seltsam weil – der materialistische Mythos weitgehend ausgedient hat, von seinen eigenen Befürwortern als Fake entlarvt wurde: von den Physikern. Doch wollen wir das mal so stehen lassen, bleiben wir christlich am österlichen Tage und sagen: wer suchet, wird finden … auch diese Physiker, die uns erzählen, dass die Welt eigentlich eher Geist denn Matsch ist – und womöglich sogar einen großen Geist als Grundlage hat, der für den Erhalt des Gebildes sorgt. Sobald das Urheberrecht klarer definiert ist, werde ich mir erlauben, diese Physiker wieder zu zitieren.

Kommen wir nun, nachdem wir der österlichen Zeit viel Aufmerksamkeit gewidmet haben, zu der Klimaleugnung. Schon der Begriff erzeugt Angst. Welche politischen Horrorbilder sich daraus ergeben können, hatte ich unlängst mal beschrieben (siehe Nachrichtenspiegel): ob die Klimahölle kommt, ist noch ungewiss, aber die Menschenhölle kommt ganz sicher. Der Klimaleugner ist der Feind der ganzen Menschheit, er gehört gejagt, geschunden und verbrannt – und da bleibt mir im Sinne des christlichen Osterfestes gar nichts anderes übrig, als mich auf seine Seite zu stellen, denn: Christus selbst war immer auf der Seite der Armen, der Kranken, der Beschämten und Geächteten, hat da ganz klare, göttliche Botschaften gesetzt (die man bei seinem Bodenpersonal in den Kirchen der Welt leider nicht mehr beobachten kann – noch ist ihr Reichtum per Vernunft erklärbar).

Was liegt also näher, sich an Ostern zu den Klimaleugnern zu gesellen: jenen, die aufgrund ihrer politischen Meinung oder wissenschaftlichen Überzeugung verfolgt werden. In den Geschichten der Klimaleugner liegt auch zudem die einzige Hoffnung der Menschheit: wir können alle nur beten, dass sie Recht haben. Irren sie – mag der Planet schneller zur Wüste werden als uns lieb ist.

Gut, nun hat uns jemand die heilige Greta geschickt, die uns die Rettung bringen soll – wer aber fleißig Wiwo liest (im Geheimen natürlich, weil das Urheberrecht der Information natürlich woanders liegt und wir das nicht verletzen wollen), der kann wissen, dass die Generation, zu der Greta gehört, schon bald für die Hälfte aller Konsumausgaben der ganzen Menschheit verantwortlich seien wird. Sie werden dem ganzen Wahn nochmal eins oben drauf setzen – das wird man wohl schnell auch nach der Abifeier merken, wenn es mal eben schnell für ein paar Monate in die USA, nach Goa oder Australien gehen soll. Da sind sie wie ihre Eltern: große Klappe, nichts dahinter. Alle regen sich über Klimaleugner auf – eifrig und mit Schaum vor dem Mund – aber selber was tun … nun, das geht nicht. Führte letztlich auch mal ein „Spiegel“-Autor vor, der erstmal meinte: Fleisch- und Flugverzicht brächten ja wohl gar nichts, Klimafeind Nr. 1 sei ja das Wohnen…

Die geheime Botschaft hinter der Klimahysterie ist nun eine, die sich ein Teufel nicht besser hätte ausdenken können: der Mensch muss weg, er macht zuviel Dreck. Aber natürlich muss nicht jeder Mensch weg: es ist vor allem der Arme, der stört – und zwar milliardenfach. Er atmet, pubst und will auch noch essen – dabei brauchen unsere edlen Veganer diese Ressourcen, um sich ihre Avocado möglichst frisch aus den Agrarwüsten Mexikos einfliegen zu lassen, wo völlig ausgeplünderte Bauern ihre letzte Lebenskraft in die Ernte gesteckt hatten. Niemand, wirklich niemand will auch nur ein wenig tun, um die kommende Katastrophe abzuwenden, der Markt für SUV, Privatjets und Megakreuzfahrtschiffe boomt, Häuser werden immer größer, Städte wachsen wie irre (auch ohne Zunahme von Bevölkerung).

Unsere ganze materialistische Kultur frisst unseren Planeten auf – selbst, wenn sie das Klima nicht beeinflussen würde. Die Co2-Ausstöße wachsen von Jahr zu Jahr: trotzdem fällen wir Wälder und Stadtbäume, als wären wir völlig irre geworden. Sind wirklich wir Menschen Schuld an dieser Entwicklung (was erstmal die Hypothese vieler Klimamodelle ist): dann war es das. Deshalb bleibt nur zu hoffen, dass die Klimaleugner Recht haben: sie sind unsere einzige Hoffnung. Ansonsten … wird die Klimasteuer (Gretas größtes Projekt) die Armen von der Erde fegen: wenn die nur noch Atmen bis Mitte des Monats bezahlen können.

Da dies ein persönlicher Brief ist – dazu noch etwas persönliches aus der Position eines Klimaleugners. Ich bin 59 Jahre alt, habe noch nie einen Urlaubsflug gemacht – und nur eine Woche Urlaub überhaupt außer Haus verbracht: den Kindern zuliebe. Ich esse seit 59 Jahren keinen Fisch, um die Überfischung der Meere zu verhindern. Fahre einen Kleinwagen (Diesel, damals gekauft der Umwelt zuliebe), den ich zu 90 Prozent nur beruflich nutze (um den Schmähungen der Klimaretter zu entkommen, ich sei ein fauler Parasit, der nur zu faul zum Arbeiten ist). Unsere Raumtemperatur liegt bei 18 Grad im Winter. Wir essen noch Fleisch – aber vorzugsweise Hähnchen, das eine deutlich günstigere Klimabilanz hat als Rind oder Schwein. Wir essen absichtlich keine Nahrungsmittel, die mit dem Flugzeug kamen – und wenn es nur irgendwie geht, auch nichts, was von weither kommt. Würden die Klimahysteriker dies nachmachen – es wäre schon alles super – wir würden dann auch sofort nachlegen. Aber solange die weiterhin den Automarkt mit SUV fluten, mit fetter Werbung immer preiswertere Fernflüge unters Volk bringen und Lebensmittel in Massen vernichten … glaube ich denen einfach nicht. Im Gegenteil: ich sehe überhaupt nicht, dass jene, die den menschengemachten Klimawandel predigen, irgendwelche persönlichen oder öffentlichen Konsequenzen in Kauf nehmen.

Was ich aber wieder sehe, ist die Neuauflage der Bewegung „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Jeder wird zum kleinen Klimajesus, der persönlich die Massen zur Rettung der Welt führt – dabei können die paar Leute, die hier wohnen, praktisch kaum was ausrichten. Sehen Sie übrigens irgendwo auch nur eine einzige Maßnahme, die in Angriff genommen wird, um Menschen vor den Folgen der Klimakatastrophe zu schützen? Nur eine? Nein – aber ganz nebenbei will man erstmal Luft besteuern … ein Billionengeschäft, bei dem viele wieder lukrative Pöstchen ohne sonderlich viel Arbeit bekommen werden … Pöstchen, von denen wir jetzt schon viel zu viele haben.

Und ich glaube: darum geht es zuerst – um Pöstchen.

Und nun: wünsche ich noch ein frohes Osterfest. Möge es wenigstens ein bischen besinnlich werden.

PS: die wissenschaftliche Auseinandersetzung beobachte ich natürlich sehr aufmerksam. Selbst mit wissenschaftlicher Ausbildung versehen, halte ich aus der Sicht von Empirie und Ratio einen Klimawandel Richtung Erderwärmung momentan für wahrscheinlicher als eine Abkühlung der Erde. Die Einflüsse der durch technische Tricks vervielfältigten menschlichen Kraft auf die Natur können wohl gesichert als großflächig schädlich angesehen werden. Der Theorie, dass allein das Gas Co2 für die Erwärmung verantwortlich sein soll, ist dann eine Sondertheorie, ich halte das für möglich, wenn auch aufgrund der aktuellen Datenlage für wenig wahrscheinlich. Wenn Vernunft und nicht Habgier unser Denken beherrschen würden, würden wir trotzdem sicherheitshalber unverzüglich umfangreiche Maßnahmen – auch im persönlichsten Bereich – angehen, um dem entgegen zu wirken. Da Habgier aber die Hauptantriebskraft des Kapitalismus ist und in allen Schulen und Universitäten mit großer Macht und Sorgfalt gelehrt wird – und im Übrigen der „Kern des Bösen“ in jeder – wirklich JEDER – Religion, auch schon lange vor dem Christentum (weshalb wir aus religöser Sicht im finstersten Zeitalter der Menschheit leben: Habgier ist Gott geworden, Satan hat gewonnen) – werden wir nie die Kraft oder nötige Wucht erzielen, um die Maßnahmen durchzusetzen. Merken wir ja auch die letzten Jahrzehnte.

PS 2: Sie haben richtig gefolgert: die armen Hartz IV-Empfänger sind aufgrund ihres Verbrauches die wahren Helden dieser Zeit. Still, bescheiden, demütig leben sie zudem ein Leben, wie es dem großen Geist gefällt. Aus der Sicht der Habgier jedoch … sehen sie anders aus. Arbeitslose werden wohl vergeblich auf den wohlverdienten Klimanobelpreis warten …

 

 

 

 

Capitalism will eat democracy — unless we speak up

Have you wondered why politicians aren’t what they used to be, why governments seem unable to solve real problems? Economist Yanis Varoufakis, the former Minister of Finance for Greece, says that it’s because you can be in politics today but not be in power — because real power now belongs to those who control the economy. He believes that the mega-rich and corporations are cannibalizing the political sphere, causing financial crisis. In this talk, hear his dream for a world in which capital and labor no longer struggle against each other, „one that is simultaneously libertarian, Marxist and Keynesian.“

Deutsche Untertitel verfügbar.

Das – wiederholte – Ende des Kapitalismus und unsere dunkle Zukunft

Das - wiederholte - Ende des Kapitalismus und unsere dunkle Zukunft

Freitag, 26.10.2018. Eifel. Schneller wird die Welt. Und immer schneller irrer. Fragt man sich, woran es liegen mag, so wäre die Antwort einfach: der Kapitalismus nähert sich wieder einmal dem Ende – und immer wenn er sich dem Ende zuneigt, wird er brutal – und irre. Es eilt ja auch: noch so viel Geld auf Konten hilft nicht, wenn der Zusammenbruch da ist und das Geld nichts mehr wert. Geld man man nicht essen, es ist nur Papier – oder – wie bei den Superreichen – nur eine Zahlenkette auf dem Rechner. Ein Stromausfall reicht und die Milliarden sind nicht mehr erreichbar – unvorstellbar, oder? Doch genau so ist es. Streng genommen sind diese Buchgeldsummen aber nur eins: Optionen auf Ansprüche. Da es mehr Geld auf dieser Welt gibt als Waren und Dienstleistungen zusammengenommen, können Sie sich unschwer vorstellen, was passiert, wenn diese gigantischen Summen sich auf die Jagd nach Land, Nahrung, Obdach und Wasser machen – und was dann mit Ihnen passiert. Klar – man braucht ein paar Jungs fürs Grobe, Menschen, die mit einem robusten Mandat keine Probleme haben – an den Randzonen der Gesellschaft werden mittels Demütigung, Erniedrigung und seichter Folter genug dieser Menschen produziert, die ihren Lebensfrust nur allzugern an anderen auslassen.

Der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister beschreibt derzeit zwei Szenarien, die der Neoliberalismus enden wird (siehe Freitag), dass er enden wird, daran hat er keine Zweifel mehr – wie viele andere auch. Entweder er endet in einem Sieg der Vernunft, der die überbordende, irrwitzige Finanzwirtschaft auf den Boden der Tatsachen zurückholt – oder er endet in einer Form des „sanften Faschismus“. Ich jedoch frage mich währenddessen, ob Herr Schulmeister wohl zu jenen Eliten gehört, die jeglichen Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben – so wie es der Elitenforscher Hartmann der politischen Kaste vorwirft (siehe Heise). Mit liegt mehr an der These, dass Faschismus – immer und überall – Kapitalismus im Endstadium bedeutet: das Kapital sammelt seine Schläger immer dann, wenn der große Knall droht und mal wieder klar wird: das war alles nur irrationales, substanzloses Casinospiel, aufgrund dessen man sich unendlich reich gerechnet hatte und nun fordert, dass andere für den erspielten Reichtum echte Arbeit und echte Waren liefern. Klar, dass das nicht gut geht.

Wer ist eigentlich der Erzfeind des Faschismus? Haben Sie sich das schon mal gefragt? Bin sicher, es kommen laufend falsche Angaben dazu, weil Faschismus im gemeinen Bildungswesen immer nur extrem verkürzt unterrichtet wird … was in einem kapitalistischen System durchaus eine gewisse Logik hat: wieso soll man groß drauf aufmerksam machen, dass das System nur funktioniert, wenn am Ende der Party die Saalräumer vom Ordnungsdienst die Spuren beseitigen und die Gäste ´rausjagen. Der Ausländer ist der Feind des Nazis? Sicher Ihre erste Vermutung, doch – es waren nie mehr Ausländer in Deutschland als zur Zeit des Dritten Reiches: billige Zwangsarbeiter kann das Kapital immer gebrauchen (und auch die Waffen-SS nahm gerne jeden auf, der ihren Job gut machte), haben wir in Deutschland ja auch in den sechziger Jahren gesehen, als Menschen aus Europa gezwungen waren, in Deutschland zu arbeiten, um der Armut in ihren Herkunftsländern zu entfliehen – sie wurden zu einer Zeit willkommen geheißen, als hier in Juristerei, im Ärztewesen, in der Politik und den Geheimdiensten alles noch voll mit Spitzennazis war. Der Jude ist der Feind des Nazis? Ja – in Österreich und Deutschland ist das eine besondere Spielart der Faschisten – schon in Italien hörte dieser vernichtende Spezialwahn auf. Zudem ist die Geschichte der Judenprogrome – die es 1903 auch in Russland gab (siehe Deutschlandfunk) oder 1946 – kurz nach dem Ende der Judenvernichtung durch Deutsche – auch in Polen (siehe Zeit). Der Judenhass – vor allem in Österreich, und dort vor allem in Wien – ist eine ganz anders gelagerte Problematik – und viel viel älter. Aber als Sündenböcke für alles … nun, dafür waren sie schon immer gut. Antisemitismus ist halt nichts typisch Faschistisches, das sollte man sich merken – obwohl die Welt dadurch komplizierter wird … und einige schon jetzt überfordert.

Der Erzfeind des Faschismus ist: die guten Menschen. Also nicht die als „Gutmenschen“ bezeichneten Bessermenschen, die sich externen Verhaltenskodexen unterwerfen, um angesichts wechselnder moralischer Qualitäten immer als besonders gut dazustehen, sondern jene Menschen, die für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einstehen, jene Menschen, die die christliche Nächstenliebe aktiv praktizieren, die gegen Ausbeutung sind, gegen Gewalt, gegen Fremdherrschaft, Bevormundung, Ungleichheit – kurzum: gegen alles unmenschliche und unsoziale, gegen jede Form von Herrenmenschentum, das in der Gesellschaft ein klar definiertes „oben“ und „unten“ erzeugt, wobei „unten“ – immer und überall – ohne großen Lohn für „oben“ Leistungen zu erbringen hat.

Zuerst hatten sich die guten Menschen mal unter dem Banner des Kommunismus versammelt – jener Idee, die einer Welt, die von urchristlicher Nächstenliebe geprägt ist, am Nächsten kam, doch das klappte überhaupt nicht: wie man aktuell in China sehen kann, können Kapitalismus und Kommunismus ganz gut miteinander – staatlicher Monopolkapitalismus ist zudem nur eine Sonderform des Kapitalismus selbst – sowie Auschwitz eine Sonderform des Faschismus deutscher Prägung war. Besser, leichter, freier, friedlicher, geborgener war das Leben dort nicht.

Wir können es auch auf einen anderen Nenner bringen, wenn man Schlagworte gerne mag: Erfeind das Faschismus ist der Antikapitalist, früher: Kommunist genannt. Mit dieser klaren Linie kann man in jedem Land der Welt klar und eindeutig Faschisten entlarven, die – wie seit Jahrtausenden – immer als die begeisterte Schlägertruppe der Herren des Geldes auftreten. Es ändern sich die Waffen, die Methoden, die Uniformen, die Marschmusiken und die Liedertexte, aber eins bleibt gleich: Menschen, die es außerordentlich geil finden, im Auftrag des Großgrundbesitzers auf die Schwachen einzudreschen. Da gibt es psychische Defekte, die zum Tragen kommen, das ist gar nichts politisches.

Natürlich ist das jetzt eine Theorie. Meine Theorie. Ich denke aber auch, sie läßt sich verifizieren – und da sehe ich die Welt halt anders als der Anfangs erwähnte Ökonom. Ich sehe nichts von einer Allianz der Vernünftigen, halte sie für wünschenswert aber unrealistisch, weil die Verfilzungen der Büttel des Kapitalismus schon viel zu weit fortgeschritten sind, so weit, dass sie schon weiter Teile ursprünglich linken Denkens okupiert haben – unter anderem auch die einst sinnreiche Bewegung der Antifa, jetzt „Staatsantifa“ (siehe DKP). Ich sehe keinen sanften Faschismus in der Zukunft, sondern einen harten Faschismus in der Gegenwart, der sich zunehmend ausbreitet – angefangen mit Hartz IV, jener Gesetzgebung, die Millionen von Bürgern zu Feinden der Allgemeinheit erklärte, zu Parasiten, Schmarotzern und geistig minderbemittelten Untermenschen (ja: die „Unterschicht“, die man verschämt „Prekariat“ nannte) – die Paralellen zum Umgang mit Millionen jüdischer Mitbürger, die in den frühen dreissiger Jahren zu beobachten waren, sind frappierend – aber nur für jene zu erkennen, die sich mit der Zeit beschäftigt haben. Das Horrorbild, dass der Bertelsmannkonzern mit seiner medialen Supermacht vom Arbeitslosen in die Gesellschaft gedrückt hat, entsprach bis ins Detail dem Bild, dass Nazis von Juden zeichneten – und deshalb sind ja auch alle begeistert davon gewesen, dass man normale Mitmenschen komplett enteignete, entrechtete und sie einem diskriminierendem System unterwarf, dass ihrer Gesundheit (und damit paradoxerweise auch ihrer Vermarktbarkeit) massiv schadete.

Es ist eine der erfolgreichsten Ruckzugsstrategien des Kapitalismus, dass er – bis er seine brutalen Schlägerbanden von der Leine läßt – erstmal die Bevölkerung spaltet, sie gegeneinander aufbringt – und das erleben wir ja schon länger. Macht auch Sinn: so verkleinert man die zahlenmäßige Übermacht der Untermenschen und Arbeitssklaven.

Was haben wir nicht alle für Riesenthemen, die uns beschäftigen: den großen Abwehrkampf gegen den übermächtigen Islam zum Beispiel. Klar, es gibt eine kleine aber außerordentlich reiche Milliardärssekte in Saudi-Arabien mit enorm schlechten Umgangsformen, die eine moderne, faschistoide Sonderform des Islam finanziert und verbreitet, der mit demokratischen Grundprinzipien des sozialen Miteinanders einer aufgeklärten Gesellschaft nicht vereinbar ist – das hat jedoch mit meinem Nachbarn, dem türkischen Gemüsehändler, überhaupt nichts zu tun, selbst wenn der zehn mal am Tag seinen Gebetsteppich ausrollt. Wir haben solche irren Sekten auch im Christentum, sogar mächtige Sekten wie den Opus Dei, die Schmerz verherrlichen (und deshalb niemals Macht bekommen dürfen), sie gab es auch im Hinduismus (die Thuggs) und wahrscheinlich auch in allen anderen Weltreligionen. Das ist aber kein Problem: dafür haben wir die Polizei. Kein Grund sich darüber aufzuregen: sobald die mit den Gesetzen der demokratischen Zivilgesellschaft kollidieren, werden die mit robusten Gegenmaßnahmen rechnen müssen. Punkt, Ende der Debatte.

Oder Diesel – das nächste Riesenthema. Was gibt es da für endlose Debatten drüber – ebenfalls irre und irrationale Debatten. Gestern noch mit einem Autohändler drüber gesprochen: sein Konzern hat ein Ankaufverbot für Dieselautos verhängt (natürlich inoffiziell), weil die Dinger in Deutschland nicht mehr zu verkaufen sind. Zehn Kilometer weiter jedoch – in Belgien – ist der gleiche Diesel wieder ein ganz normales Auto mit wenig CO2-Ausstoß. Das gilt sogar weltweit. Rom, Paris, Brüssel – Megastädte ohne Probleme mit dreckigem Diesel, aber das kleine Aachen erstickt im Dreck. Was geschieht mit den ganzen Dieseln, die hier abgestoßen werden? Die werden mit großem Gewinn für die Firmen aber großen Verlusten für die deutschen Eigentümer ins Ausland verkauft. Dort sind sie offenbar sofort sauber. Nun – Dieselmotoren jedoch – kann man umrüsten, auf Wasserstoff zum Beispiel (siehe bizz-energiy). Man kann auch den Diesel selbst als Kraftstoff so verändern, dass er nur noch einen Bruchteil an Schadstoffen ausstößt (siehe heion.de): man sieht also … kein Grund für Panik oder Debatten. Punkt. Ende der Debatte. Ach ja – was ich nebenbei erfuhr … man geht intern davon aus, dass es sich bei der Kampagne gegen Diesel um eine groß angelegt externe Kampagne handelt, die auf breiter Fläche agiert. Schade nur, dass wir keine Theorien über Verschwörungen mehr bilden dürfen: wäre schon interessant, wer uns da an der Nase herumführt. Der Kreis der Verdächtigen aber läßt sich so oder so eingrenzen: es wird einer der großen Player des Kapitalismus sein. Allein schon die Atomkonzerne hätten hinreichendes Interesse an einer Anti-Diesel-Kampagne – die eröffnet ihnen die Rückkehr ins Geschäft, wenn gleichzeitig das Elektroauto gepuscht wird. Geld haben die genug – erhalten ja Riesensubventionen (siehe Ingenieur.de).

Oder der gigantische Abwehrkampf gegen „Rechts“ – womit der Faschismus soweit verniedlicht und derealisiert wurde, dass man ihm jedermann andrehen kann – ob der nun bekennender Faschist ist oder nicht, spielt da gar keine Rolle, denn irgendwie „rechts“ sind alle Menschen mehr oder weniger – je nach Deutungsrahmen. Gleichzeitig wird der echte, existentiell bedrohliche Faschismus infolge der Unschärfe der Sprache nicht mehr erkannt – und marschiert lustig weiter fort – auf ganz breiter Front.

Reicht das an künstlich aufgeblasenen Zwistigkeiten? Oder soll ich noch mal das Stichwort „Gender“ bringen, mit dem der Kampf der Geschlechter neu entfacht worden ist – ohne an der Wurzel des Übels zu rütteln, die dafür sorgt, dass Emanzipation im Alltag eher rückläufig ist. Es ändert nicht viel, die Genderei, kostet aber enorm viel Zeit, Geld und Aufmerksamkeit – es braucht schon ein wenig Muße, um nachvollziehen zu können, warum männliche Studenten in Zukunft nur noch in Ketten in Hörsälen der Universitäten erscheinen dürfen (was ein Fake war, aber zeigt, wie irre dort auf Kosten der Allgemeinheit gedacht wird – siehe Süddeutsche).

In Ungarn wird Obdachlosigkeit strafbar – wir regen uns auf (siehe Wiwo), bringen aber gleichzeitig Bügel an Bänke an, damit Obdachlose dort nicht mehr schlafen können (siehe WAZ). Aber vielleicht ist ja das das „Sanfte“ an unserer Form des Faschismus, die unser Ökonom kommen sieht. Anstatt nicht „Kosten auf zwei Beinen“ in einer Aktion T4  für immer aus dem Verkehr zu ziehen, benutzen wir für alte Menschen Schlaftabletten, damit sie nicht mehr im Wege stehen und uns Zeit stehlen (siehe Zeit). Auch die Jugend bleibt nicht mehr verschont, die schwarze Pädogogik der NS-Zeit hält wieder Einzug und wird groß propagiert, die „Qulitätsmedien“ propagieren gerade in breiter Front einen Film, der Standard einer neuen Elternschule sein kann (siehe Ken.Fm – ja, der Kanal des als „Rechten“ verbrämten Ken Jebsen erkennt hier folgerichtig, dass auch in diesem Sektor die NS-Zeit wiederkehrt – die „demokratischen Qualitätsmedien“ hingegen folgen der faschistischen Argumentation kritiklos). Und über Hartz IV – die Neuauflage der NS-Aktion „Arbeitsscheu reich“ – haben wir ja schon gesprochen.

Die Liste ließe sich ebenso endlos fortsetzen – und auch für das Ende wird schon gerüstet: Einsatz der Bundeswehr im Inneren und Ausrüstung der Polizei mit mit Maschinengewehren bestückbaren Panzerwagen zeigt, wie weit Entscheider heute schon denken. Wenig geschieht gegen die asozialen Schmarotzer im Maßanzug, die plündern fröhlich weiter, erbeuteten allein durch Cum-Ex 55 Milliarden Euro Steuergelder (siehe Zeit). Ebenso bei den Pflegekassen: Betrüger räumen mit Duldung der Kassen groß ab, während Leistungen für die Versicherten immer knapper gehalten werden (siehe Spiegel). Eine Milliarde Euro Steuergeld wird der Gastronomie geschenkt, damit die billige Arbeitskräfte haben kann (siehe rp-online). Das alles ist ok, weil ja Kapitalismus im Kern heißt: nimm von den viel-zu-vielen so viel du kannst, dass ist der Kernbefehl das Kapitalismus, der gerade – kurz vor seinem Ende – zum Überwachungskapitalismus mutiert (siehe Deutschlandfunkkultur). Und am Ende – ganz oben – häuft sich immer mehr Kapital an (siehe Spiegel).

Und wenn es soweit ist … dann werden die Entscheider sich schnell aller Demokratie entledigen. Da sagt dann die Industriekanzlerin einfach: „Wir schaffen das ab“ – und fort ist das. Schauen Sie nicht so verdutzt: in der gleichen Art und Weise hat sie Deutschland im Handstreich zum Migrationsland erklärt – ohne jegliche Debatte – und Fakten geschaffen. So geht Politik in der Postdemokratie.

Und was wir noch mehr abschaffen werden, sind Menschen. Mit Hochdruck arbeitet das Investivkapital an der Automatisierung des Lebens. Man könnte stattdessen auch Lebensbedingungen von Mensch und Tier verbessern und dort investieren – aber der Kapitalist selber weiß, dass Kapitalismus in seiner Gier immer ein Ende erreicht – ein Ende, an dem alles immer schneller und irrer wird, bevor der Kollaps kommt – wozu also das Unaufhaltsame künstlich herauszögern? Selbst ist man ja geschützt durch faschistische Schlägertrupps, die einem das humanistisch orientierte Pack durch die Straße jagen – und wer in den Städten durch Hungersnöte dahingerafft wird, kann einem da völlig egal sein. Aber danach will man ja sein Luxusleben weiterleben – aber dann völlig unabhängig vom Menschsein. Da kommt die Nachricht gerade richtig, dass nun auch Künstler durch Programme ersetzt werden können und Kunstwerke schaffen, die gute Preise erzielen (siehe Spiegel).

Es werden dunkle Zeiten auf uns zukommen – wie immer, wenn der Kapitalismus im Endstadium ist. Vielleicht ersehnen wir als Menschheit solche Zeiten aber insgeheim, weshalb wir uns nicht dagegen organisieren (mal davon abgesehen, dass die Verhinderung dieser Organisation ja gerade das Ziel aller Spaltung ist, weshalb auch „Querfront“ als Begriff ein urkapitalistisches Werkzeug ist). Die Wissenschaft ist da gerade auf einer interessanten Spur: offenbar hat die Menschheit – anders als die meisten anderen Spezies – vergleichbar mit einem blinden Höhlenfisch lange Phasen absoluter Dunkelheit erlebt (siehe Spektrum).

PS: ja, ich weiß, Sie vermissen als großes Thema jetzt „Klima“. Ist auch so ein Aufreger. Wie Ozonloch oder Waldsterben. Das kann jedoch in der Tat ein Fakt sein, ist aber trotzdem dem sterbenden Kapitalismus sehr nützlich, weil er die Schuld nicht auf die Verursacher, sondern auf die Konsumenten schiebt, die Untermenschen, die für ihn sowieso viel zu viele sind. Die Inuit jedoch meinen, es liegt gar nicht am Menschen – sondern an der Verschiebung der Erdachse (siehe Connectivevents).

 

 

 

Chemnitz – der stille Triumph der grausamen Tyrannei des Kapitalismus

Chemnitz - der stille Triumph der grausamen Tyrannei des Kapitalismus

Sonntag, 9.9.2018. Eifel. Gelegentlich muss man mal sagen: das war es jetzt mit unserer demokratischen Zivilgesellschaft. Wir haben einen Kurs eingeschlagen, der Menschen anders sieht als die Gründungsväter der Bundesrepublik es gesehen haben: streng orientiert an der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte. Wann wir diesen Kurs verlassen haben? Kann ich nicht genau sagen, denn die Entscheidung dazu kam „von oben“, von so weit oben, dass man von unten gar nicht erkennen kann, wer da so alles wirkt. Es ist auch im Prinzip egal, welche Personen sich dafür hergeben, sich in den Dienst unmenschlicher Prinzipien zu stellen, viel wichtiger scheint mir die Bestimmung der Prinzipien selbst zu sein – die in unseren Zeiten gar nicht schwer fällt. Sie werden ja offen diskutiert – sagen wir mal: relativ offen – und sind in aller Munde, bestimmen unseren Alltag bis ins kleinste Detail.

Das erste Prinzip, dem wir uns unterworfen haben, ist das Prinzip der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte – mal in richtig großer Wurf in der Geschichte der Menschheit. Sie können gerne mal die Präambel und alle 30 Artikel nachlesen (siehe Amnesty), ich möchte hier nicht alle zitieren. Der erste, der Ihnen wohl auffallen wird, ist Artikel 17.2: „Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden“. Diskutieren Sie doch mal diesen Artikel mit 14 Millionen Mitmenschen, die in den letzten 10 Jahren durch staatliche Gewalt via Hartz IV ihres Eigentums beraubt worden sind, vielleicht finden Sie sogar einen Fall, in dem ein verharzter Mensch sein Heim durch Zwangsversteigerung verlor – und es durch einen Jobcentermitarbeiter günstigst erworben wurde. Denkbar ist das, Angestellte im öffentlichen Dienst sind ja hoch kreditwürdig.

Führt uns direkt zu Artikel 1:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“

Diskutieren Sie den Satz mal mit einem Jobcentermitarbeiter, er müsste ja sofort kündigen, denn: der Geist der Brüderlichkeit ist ihm streng untersagt, sonst könnte er seinen Job ja gar nicht machen. Sie können in dem Gespräch auch gerne mal Artikel 22 zitieren:

„Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.“

Schätze mal – es wird bei den Frühstückspausen der Agentur großes Gelächter geben, wenn man diesen Satz anbringt. Sie werden sich sicherlich schon lange gefragt haben, warum ich mich vehement gegen atheistische und antitheistische Dogmen des Materialismus wende, obwohl ich selbst kein Mitglied einer Religionsgemeinschaft bin – das ist so eine kleine Nebenwirkung der akademischen Ausbildung, bei der man nach langen Mühen erkennt: lediglich Gott (wie immer Sie den auch nennen mögen) ist der letzte Urgrund, auf den sich Würde berufen kann, ohne diese Vorstellung kann man gar nicht verstehen, warum „Würde“ unantastbar sein soll. Im großen Schachspiel um die Macht in der Welt ist die Eliminierung des Gedankens an den Großen Geist, der Vater/Mutter, Schöpfer und Hüter aller kleinen Geister ist deshalb ein ganz wichtiger Schachzug.

Lesen Sie sich da ruhig mal ein: es gibt auch ein Recht auf Wohlfahrt, ein Recht auf Faulheit (also: bezahlten Urlaub), ein Recht auf gleichen Lohn – ich denke, Sie werden überrascht sein, was man da sonst noch alles findet. Ebenso werden Sie überrascht sein, wie viel davon im Laufe der Jahrzehnte schon zerbröckelt ist, wie viele Überzeugungen im Laufe der Zeit unterhöhlt und untergraben worden sind … und wie wenig die Menschen noch darüber reden.

Wer mag, mag die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte auch religiös erhöhen: so kann das Gebot der Nächstenliebe in Gesetzesform aussehen. Es ist die Kultur der Menschlichkeit, des Mitleids (ja: und wirklich des schmerzhaften Mit-Leidens und nicht des distanzierteren aber heute gern gepredigten „Mitfühlens“, das nur dabei hilft, die Gefühle des anderen zu verstehen, aber keinen Anteil mehr an seinem Leiden nimmt – noch etwas daran ändern mag).

Die Gegenkultur hat auch einen Begriff, den alle kennen, einen Begriff, den man ebenfalls kaum noch gebraucht und ihn mit vielen schönen anderen Namen auskleidet: das ist die Kultur des Kapitalismus, jene Kultur, die nur eins im Sinn hat: dass Geld sich ständig überall immer von selbst vermehre. In allen großen Religionen gab es deshalb auch ein Zinsverbot (der pure Horror für Kapitalisten: wie soll man denn ohne Zinsen und ohne eigene Arbeit reich werden?) – übrigens auch im Islam, der das heute noch lebt. Dies mag auch hinreichend den großen „Kampf der Kulturen“ erklären, der in den USA gepredigt wird: das Zinsmonster USA gegen den Zinsfeind Islam. Auch eine interessante Perspektive, oder?

Einige Zeit lang können Kapitalismus und Menschenrechte nebeneinander existieren, ohne das es Probleme gibt. Der Kapitalismus braucht auch die Demokratie als Staatsform der Allgemeinen Menschenrechte, denn gerade sie schützt ja sein angehäuftes Eigentum. Zeiten, wo wilde Räuberhorden oder verarmte Fürsten samt Raubrittern eine Gefahr für die Anhäufung von Vermögen darstellten, sind ja dank der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte und der gesamten Zivilisationsentwicklung vorbei. Darum versteckt sich auch der Kapitalismus gerne hinter den Mauern der Demokratie – obwohl er mit ihr irgendwann zwangsläufig aneinander geraten wird: wie soll man ordentlichen Gewinn machen, wenn alle ehrlichen Lohn bekommen? Wir soll man an der Spitze der Pyramide Milliarden sammeln (jener Ort ist sozusagen der Lottogewinn des Kapitalisten), wenn unten nicht reichlich gezahlt wird? Und schon die pyramidenartigen Unternehmensstrukturen mit ihren Herrschaftshierarchien sind dem Demokraten ein Dorn im Auge – man merkt selten in großen Unternehmen, dass dort der Geist der Brüderlichkeit im Miteinander regiert – und im Wettbewerb darf dieser Geist erst recht nicht herrschen, hier geht es um fressen und gefressen werden.

Da steht der Kapitalismus irgendwann vor einem Problem. Seine Götzen – die Konzerne – müssen ständig wachsen, um Gewinne abzuwerfen, deshalb fusionieren sie zum Schluss zu Megakonzernen, die die Güter der Welt beherrschen: Nahrungsmittel, Wasser, Land – ein Zustand, den sich überhaupt kein Staat gefallen lassen darf, weil er seinem Schutzauftrag elementar widerspricht.

Also fragt sich der Kapitalismus: was tun? Offen die Demokratie angreifen, die Welt in Chaos  und Anarchie versinken lassen? Das würde bedeuten, die Zivilisation in den Status der Barbarei zurücksinken zu lassen, wo jeder Räuberbande das geliebte eigene Landgut straflos ausplündern kann – oder es einfach besetzt und in Besitz nimmt. Daran kann sich der Kapitalist noch gut erinnern: alles Eigentum ist mal ursprünglich so geschaffen worden. Einfach mal den Adel fragen – wie sich „Elite“ früher  nannte.

Es gibt aber noch einen anderen Weg – und genau diesen hat der Kapitalismus beschritten: fördert man eine Kultur der Grausamkeit an Stelle einer Kultur der Nächstenliebe, so blockiert man automatisch die völlig Entfaltung der Allgemeinen Menschenrechte (die ja die freie Entfaltung der Persönlichkeit garantieren) und errichtet etwas anderes: eine Kultur der Angst, des Misstrauens, der Feigheit und der Gleichgültigkeit. Dies ist in den USA geschehen, wo gezielt mit viel Geld auf höchster geisteswissenschaftlicher Ebene eine neue Kultur gefördert wurde, nachzulesen bei Guido Giacomo Preparata: „Die Ideologie der Tyrannei“.  Ein absolut genialer Schachzug, der die christlichen Werte durch die Werte des Marquis de Sade ersetzt hat, ein Schachzug, der die Kultur der Nächstenliebe Schritt für Schritt in eine Kultur der sadistischen Grausamkeit verwandelt, in denen sich die Menschen nicht mehr im Geiste der Brüderlichkeit begegnen, sondern im Geist der Menschenfeindlichkeit. Wer hinter die Kulissen schaut – oder die geschichtliche Entwicklung der politischen Philosophie näher betrachtet hat – weiß, wozu das führen wird: da, wo der Mensch des Menschen Wolf ist, brauchen wir den König, den Kaiser, der mit harter Hand durchregiert und die Bestienhorden in die Schranken weist, nachzulesen bei Thomas Hobbes in seiner Schrift Leviathan.

Dieser Geist der Hobb´schen Philosophie durchzieht aktuell schon unseren ganzen Staatsapparat – ohne die Grundprinzipien der Demokratie groß antasten zu müssen. Je weiter das Prinzip „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ in die Gesellschaft getragen wird, umso höher wird auch die Akzeptanz der „harten Hand“ der Elite sein: wir müssen uns ja schützen gegen die „Bösen“ – das wagt doch sicher niemand mehr in Frage zu stellen?

Natürlich müssen wir uns gegen das Böse schützen, gegen diesen Satz wird niemand erfolgreich angehen können – nur: wenn der Staat willkürlich bestimmt, wer denn gerade böse zu sein hat, wer denn gerade der Böse ist: dann sind wir in der Tyrannei angekommen. Das Dritte Reich war hier nur ein Vorbeben einer vollendeten Kultur der Grausamkeit, die unsere Zukunft darstellen wird – wenn nicht jene, die noch im Geiste der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte leben, die noch verstehen, warum Nächstenliebe und der durch sie initiierte Respekt vor dem Anderen die Wurzel aller Demokratie ist, sich ebenfalls zusammenschließen zum größten Werk, zu dem diese Zeit auffordert: die Rettung der Kultur vor dem Moloch Kapital.

Darum ist auch Kapitalismus generell „rechtsoffen“, ja sogar „rechtsverliebt“: seine Kommandostrukturen stammen ja gerade daher, Führerkulte werden da ganz offen gelebt und finden allgemeine Anerkennung, reichen bis tief in die Psyche hinein … kann jeder vor den Toren der Geschäfte beobachten, wenn ein neues „Apple-Produkt“ veröffentlicht wird und die Massen fanatisch danach gieren, Teil des Konzerns zu werden, in dem sie seine Produkte kaufen.

Die Kultur des Kapitals ist das genaue Gegenstück zur Kultur der Nächstenliebe, sie braucht ganz dringend (wie jeder Faschismus) den Untermenschen, der ausbeutbar ist – ohne das irgendwo ganz billig menschliche Arbeit verrichtet wird, häuft sich bei den Pharaonen an der Spitze der Organisationspyramiden rein gar nichts an – so mussten wir damit leben lernen, dass staatliche Angestellte anfingen, Menschen als „Parasiten“ zu begreifen, denen man das Essen verweigern darf, wenn sie nicht genug Rendite für die Pharaonen abwerfen – und wir durften überrascht feststellen, dass die Sozialdemokratie an vorderster Front war als es darum ging, den Sozialstaat kapitalkompatibel zu machen. Es wurde normal, dass der Mensch ein Produkt wurde, dass gefälligst selbst für die Optimierung seiner Verwertbarkeit verantwortlich ist – und wer seine Verwertbarkeit nicht schnell genug optimieren kann, wird eben flugs enteignet, seiner Lebensleistung beraubt und von Medien in breiter Front als „Minderleister“ aus der Gemeinschaft geworfen und der Verachtung preisgegeben.

Das ist jetzt schon unser Alltag. Der wird sich natürlich weiter verschärfen, die Mechanismen dazu hat Götz Aly in seinen Werken „Hitlers Volksstaat“ und (zusammen mit Susanne Heim) „Vordenker der Vernichtung“ detalliert beschrieben – man kann kaum empfehlen, sie zu lesen, denn es macht Angst, wie groß die Paralellen zur Gegenwart schon sind. Zwangsläufig – und das hört man ja schon immer wieder – wird Hartz IV dem Kapitalismus irgendwann zu teuer werden (so wie die Versorgung der KZ-Insassen zu teuer geworden war) und man wird neue Wege suchen, sich dieser „Ballastexistenzen“ zu entledigen – was selbst durch ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“ geschehen kann … wenn man es nur geschickt genug einfädelt. Führende Kapitalisten aus dem Silikon Valley sind gerade dabei, solche für das Kapital sehr interessante Entwürfe auszuhecken.

Das war jetzt eine lange Vorrede um über Chemnitz zu sprechen. Aber um zu verstehen, warum dieses Konzert der große Triumph der Tyrannei war, muss man halt auch den Kontext verstehen. Das Narrativ der Elite dazu war: große dunkle grausame Horden aus dem fernen Osten (mit dem Narrativ kann man im Westen immer Meinung machen, erinnert an die Flut von Hunnen und Mongolen, die Europa tyrannisierten – und an den ewig bösen Russen) erobern eine Stadt im Osten, nun gilt es für die Guten, dem entgegen zu treten. Eine schöne Geschichte, fürwahr. Wenn sie denn wahr gewesen wäre.

Hier mehren sich die Zweifel – und das hat das Potential, Chemnitz zum größten Debakel der freiheitlich-demokratischen Grundordnung werden zu lassen, ja, zum Fanal des Endes dieser Kultur – und zum absoluten Triumph der Kultur der Grausamkeit, zu dem alle Beteiligten mit besten Absichten beigetragen haben.

Erinnern wir uns daran: wir zivilisierte Menschen sind dazu aufgerufen, eine Kultur der Brüderlichkeit zu leben. Faschismus und Nationalsozialismus sind absolute Gegenpole dieser Kultur – aber halt nicht die einzigen. Kapitalismus und religiöser Fanatismus stehen da neben Himmler und Heydrich auf dem gleichen Podest. Erlauben wir uns aber, genauer hinzuschauen – wird es monströs gruselig, denn: die Progrome und Hetzjagden wegen denen der ganzen Aufruhr begann, gab es anscheinend gar nicht (siehe Verfassungschutzpräsident Maaßen in der Zeit  oder Ministerpräsident Kretschmer in der Berliner Zeitung). Das würde bedeuten: zum ersten Mal seit Adolf Hitler schafft es eine Regierung, auf Knopfdruck durch eine große Lüge fanatisierte Menschenmassen auf die Straße zu rufen. Das ist in der Theorie schon schlimm genug, mag aber noch harmlos ablaufen.

Ich kann und darf Ihnen aber nicht ersparen, wodurch diese Menschenmassen „unterhalten“ wurden:

„Boom Boom Boom, ich bring euch alle um“ – sangen die Massen freudig mit. „Selbstmördattentäter – ich sprenge eure Demo und es regnet Hackepeter“ – so tönte der Chor. „Ich ramme die Messerklinge in die Journalistenfresse“, „Trete deiner Frau in den Bauch und fresse die Fehlgeburt“, „die halbe Schule war querschnittsgelähmt von meinem Nackenklatschen“, „ist eine Frau nicht nackt, dann beschmeiß´ich sie mit Scheine, macht sie sich dann nackt, dann bewerf ich sie mit Steine“ … und die Masse gröhlte. Schauen Sie sich das Konzert gerne mal an – oder die Videos der Bänkelsänger der Grausamkeit, die ebenso vor Grausamkeit und Gewalt strotzen.

So weit sind wir schön. Früher hätte es für die Texte faule Eier gegeben (ja – wäre der erste der zum Aldi gegangen wäre und danach gefragt hätte) oder alte matschige Tomaten, heute gröhlen 70000 mit – unterstützt durch Empfehlung unseres Bundespräsidenten.

Für mich: der Gau der demokratischen Zivilkultur, das Ende jeder gesellschaftlichen Grundlage der demokratischen Zivilkultur – und der Anfang von etwas Neuem.

Besonders makaber: Anlass zu diesem Happening war ein Mord an einem jungen Antifaschisten. Oder Totschlag – darüber wird ja noch diskutiert. Und – soweit man heute sehen kann – eine krasse Lüge der politischen Elite, die solche Hasskonzerte nun schon auf Knopfdruck initiierten kann.

Meine ersten Gedanken zu dem Konzert waren: die IS ist in Deutschland angekommen. Ganz ohne Islam und arabischem Hintergrund – aber mit der gleichen grausamen Gedankenwelt. Noch singen sie nur, aber was wären, wenn die Elite zu dem Mob spricht und auf Sie zeigt – mit den Worten: „Der ist rechts“. Ab wenn werden die wohl anfangen, ihre Phantasien auszuleben?

Dabei war es mal so einfach, diese Geschichte von „rechts“ und „links“. „Rechts“ hatte den Großgrundbesitz und neigte zu Gewalt, „links“ hatte ein großes Herz und neigte zu Worten.

Heute ist „rechts“ – aus ganz einfachen Gründen, weil weithin durch die NS-Zeit als das absolut Böse bekannt – alles, was der Elite widerspricht … so als ob Elite jemals links war und Angela Merkel die Kommissarin der KPD im völlig sozialistischen Deutschland. Ob jemand wirklich Nazi ist – also ganztätig sadistische Träume vom Leben als allmächtiger Aufseher im Konzentrationslager träumt – oder nur ein verwirrter Mensch, der bei der Suche nach der Orientierung in die Irre gelaufen ist, wird nicht mehr diskutiert.

Überhaupt wird nicht diskutiert, denn das … führt in unheimliche Welten, die zeigen, dass es ohne Verfassungsschutz kaum Nazis (also: echte, die sich selbst dazu bekennen – nicht die, die willkürlich von anderen dazu ernannt werden) gäbe. Schauen Sie mal den Film „V-Mannland, Die Geschichte der Neonazis in Deutschland“ (ARD wohlgemerkt, nicht RTdeutsch) … und stellen sich die Frage, wieviel „V-Männer“ wohl in Chemnitz aktiv waren, um für die nötige Begleitmusik zu sorgen. Denke ich dann noch daran, dass man mir versichert hat, dass so ein Riesenkonzert in der kurzen Zeit gar nicht organisierbar gewesen sein soll und somit weit im Vorfeld geplant gewesen sein muss, dann erschauerts mich noch mehr. Über die NSU-Affäre, die verschwundenen Akten, die Tatsache, dass wir die nächsten 120 Jahre erstmal keine Details mehr erfahren werden (siehe Heise) oder die Tatsache, dass unangenehme Zeugen unnatürliche Tode sterben (siehe Heise), dürfen Sie auch mal nachdenken, bevor Sie sich eine Meinung über den „braunen Mob in Chemnitz“ machen.

Das Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist, darüber brauchen wir nicht mehr zu diskutieren. Aber darüber, dass die ihn tragende Grausamkeit und Menschenfeindlichkeit wieder mehrheitsfähig ist, müssen wir dringend sprechen.

Ganz dringend.

Und auch: nicht nur sprechen, sondern dagegen anhandeln.

Das jedoch kann man nur erfolgreich angehen, wenn man sich von primitiven Weltbildern und noch primitiveren Parolen verabschiedet, aus denen momentan unser ganzer politischer Diskurs besteht.

(Heute leider aus technischen Gründen ohne Heile-Welt-Bild. Ist vielleicht auch gut so…denn das würde nicht passen, irgendwie….)

 

Die Zerstörung von Familie, Liebe, Gesellschaft durch die kannibalistische Wirtschaftsordnung

Dienstag, 3.10.2017. Eifel. Wir müssen mal über die Familie reden. Nein, keine Sorge: nicht über Ihre. Damit haben Sie genug zu tun. Wir müssen generell über Familie reden, zuerst mal … über die besondere Bedeutung von Familie für jede Form menschlicher Gemeinschaft. Nun werden zuerst die ´68er kommen und deklarieren, die Familie sei Keimzelle des Faschismus und gehöre zerschlagen. Sie berufen sich auf die Studien Fromms über den „autoritären Charakter“, der die Kleinfamilie als Brutstätte allen Übels definierte. Die Gleichung war einfach und beruft sich auch auf die Forschungen von Wilhelm Reich: ist die Kleinfamilie Brutstätte der Autoritätshörigkeit, so züchtet sie in einer Art Sado-Maso-Zirkus Personal für den autoritären Staat. Merken Sie, wie es von Anfang an schief läuft? Wie üblich bei Hypothesenketten können wir alle übrigen, anhängenden Hypothesen (also: Theorien, Schlussfolgerungen, Vermutungen) wenn die Kernhypothese nicht hundertprozentig stimmt. Finden sie ein paar glückliche, sexuell ausgeglichene Familien, dann … bricht der Hypothesenkomplex in sich zusammen. Und – kennen Sie welche?

Lassen wir diesen Aspekt also einfach mal beiseite. Wir können ihn weiter im Hinterkopf behalten, weil … die 68´er überhaupt nicht so doof waren, wie man ihnen immer vorwirft – wobei die Hauptvorwürfe ja gerade jene betreffen, die die Werte der ´68er verraten und sich beim Marsch durch die Intitutionen dick und dämlich gefressen haben, wobei sie alle Anforderungen an kritischer Selbstreflexion und sozialer Verantwortung, die an das Individuum zwecks Errichtung einer sozialen Gesellschaft gestellt wurden, getrost ignorierten und durch ein hemmungsloses „Mensch, was bin ich gut, so richtig supergut“ ersetzt haben, das „gut sein“ aber durch ihren Kontostand belegten. Ja – es war die Generation, die das Wort „verdienen“ kritiklos übernommen hatten, auf einmal war von „gutem Geld“ die Rede … als ob Geld an und für sich eine moralische Qualität erlangen kann. Gemeint war auch was anderes: gemeint war „viel Geld“ – ebenso wie mit „verdienen“ die Zuteilung von Versorgungsmasse nach Gutdünken der Geldherren analog zur Nützlichkeit für diese beschrieben wird … was sich aber nicht gut anhört und einem bei entsprechend viel Geld normalerweise schnell die kritische Frage auslösen sollte: „inwiefern schade ich durch meine eigene Nützlichkeit für die Geldherren eigentlich der demokratischen Zivilgesellschaft, von der sich diese ausschließlich nähren?“.

Bleiben wir bei dem Begriff Familie, der heute ja unterschiedlichste Formen annimmt – wir hatten ja gerade die „Ehe für alle“ als wahlentscheidendes Megathema durch. Ich möchte mich jenem Begriff der Familie  zuwenden, der … mit Kindern zu tun hat – eine ganz archaische Betrachtungsweise also, die in nichts anderem begründet ist, als das unser Nachwuchs so fürchtlich lebensuntüchtig ist. Kennen Sie noch Kinder? Schon mal eins gesehen, wenn es geboren wird? Es dauert zum Teil Jahre, bis die überhaupt mal laufen können – oder sprechen. Die ersten Jahre ihres Lebens brauchen die eine absolut geschützte Umgebung, undenkbar, sie mit zur Jagd zu nehmen, sie taugen lange Zeit noch nicht mal zum Beeren sammeln. So etwas belastet natürlich eine Beziehung besonders, weshalb … nun ja: die Natur die Liebe erfunden hat, jenes unabdingbare Element, das Beziehungen so gut zusammenhält, dass die kleinen Würmchen sich super geborgen fühlen. Ja – ich rede momentan nicht über die kleinbürgerliche Familie des 19. Jahrhunderts, sondern über den Steinzeitmenschen, der uns heute ja noch bei der Partnerwahl dominieren soll (siehe Spiegel)

„Das sind die Kriterien, nach denen man sich einen Partner auswählt. Die sind bereits in der Steinzeit entstanden, prägen uns aber bis heute. Damals fielen die körperliche Größe und der Status des Mannes praktisch zusammen: Ein großer, starker Mann hatte einen hohen Status in der Sippe, und Frauen, die sich einen solchen „überlegenen“ Mann angeln konnten, hatten bessere Chancen, ihre Kinder durchzubringen.“

Ja, ich weiß: das ist eine Schwachsinnstheorie – sie stammt eben von Menschen, die geistig und gedanklich auch heute wieder dem Steinzeitmenschen nahestehen und seine Werte teilen:

„Das Paarungsverhalten hat sich über Hunderttausende von Jahren genetisch eingebrannt. Auch heute noch wählen Frauen zum Beispiel gern großgewachsene Männer, obwohl das inzwischen ja gar nicht mehr notwendig ist.“

„Damit sind wir wieder beim archaischen Beuteschema, das heute auf anderen Ebenen fortwirkt. Insbesondere Frauen, die eine Familie gründen wollen, neigen immer noch dazu, einen Versorger zu suchen, sprich: einen Mann, der beruflich erfolgreicher ist und mehr Geld nach Hause bringt als sie.“

So jedenfalls die Ansicht von materialistisch geprägten Therapeuten, für die Menschen eher geistlose Maschinen sind: Männer Killermaschinen und Frauen Gebärmaschinen. Aber selbst wenn sie so wären: große Männer sind auch gute, schwerfällige Ziele, machen in Wäldern gern viel Krach, verscheuchen das Wild … und wären von allen Frauen des Stammes heiß begehrt, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass gerade dieser Mann mich bei der Aufzucht „meiner“ Kinder begleitet, als recht gering anzusetzen ist. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir über Stämme reden: hier wird eher der friedliche weise Mann Häuptling, weil er Gerechtigkeit repräsentiert, die Frieden schafft – und jener Frieden sichert und erhöht die Versorgungsleistung der Gemeinschaft ungemein. Wir denken an andere Rollen des Mannes – den Heiler, den Seher (als ersten Philosophen der Urzeit) und den Lehrer (der den Stamm für die nächsten Generationen sichert), den Geschichtenerzähler und merken: damit ein Stamm funktioniert, braucht es mehr als Körpergröße. Intelligenz, Humor, Verantwortungsgefühl – das hilft einem Stamm weiter: im Extremfall landet die Horde großer, von sich selbst überzeugter Männer nur aufgespießt in der gut versteckten Mammutgrube, die die kleinen Nachbarn für ganz andere Beute geschaffen haben.

Es ist die Philosophie der kapitalistischen – und kannibalistischen – Wirtschaftsordnung die uns hier begegnet und uns wieder in die Steinzeit zurückführen will, indem sie uns vormacht, wir müssten immer noch nach Marktwert denken und jener Marktwert bestimme uns. Marktwert? Lesen Sie mal – wir lassen die Männer jetzt mal in Ruhe – über den Marktwert von Frauen … das Netz ist voll davon. Nehmen wir mal ein Beispiel (siehe Focus):

„Wenn Frauen Ende 20, Anfang 30 sich langfristig binden möchten, stellen sie fest, dass die große Masse von Männern, aus der sie in ihren ersten Uni-Jahren wählen konnten, verschwunden ist. Die Chancen, in ihrem Milieu einen zukünftigen Ehemann zu finden, sind gering.“

Man kann sogar einen Marktwerttest machen (siehe Jolie). Andererseits gibt es eine sichere Faustregel für den Marktwert von Frauen (siehe Spiegel):

„Männer gewinnen an Persönlichkeit und Souveränität, manche auch an Macht und Geld. Das tun Frauen auch, aber niemand rechnet es ihnen als Vorteil an. Bei Frauen wird ein Minus vor die Jahre gesetzt. Jedes Jahr bedeutet einen Abzug in der Gesamtnote. Die männlichen Jahre dagegen lädt die Gesellschaft positiv auf.“

Es gibt auch mathematische Kurven, wie so etwas für Männer und Frauen aussieht (siehe mgtow) – wobei hier der sexuelle Marktwert ohne Berücksichtigung der Versorgerqualitäten errechnet wird, denn die sind aus marktwirtschaftlicher Sicht nicht zu unterschätzen (siehe Zeit):

„Der Heiratsmarkt bezahlt Frauen nach wie vor besser als der Arbeitsmarkt. Wenn der Mann sterben würde, bekäme die Frau mehr Geld durch eine Witwenrente als durch die eigene Altersrente.“

Reicht Ihnen das als Wahnsinn?

Mit Sicherheit kennen Sie diese Welt, sie wurde Ihnen nur noch nie so dargestellt: es ist die Welt der Sklavenmärkte, deren Denken uns inzwischen von einer breiten Front von Publikationen und Medien eingehämmert wird: „habe Deinen eigenen Marktwert im Blick, schlafe Dich hoch, erhöhe Deinen Marktwert durch Heirat und Unterhalt, bleibe „fit for live“, arbeite hart an Dir, um vermarktbar zu bleiben“. Der Unterschied zu früheren Sklavenstaaten ist nur: wir bringen uns selbst zum Markt, stellen uns selbst auf die Bühne und heischen nach Geboten.

Und die Kinder?

Nun – da gibt es schon Modelle, die Lösungen für Kinderarmut anbieten, vor allem kommen hier Konzepte von Linken und Grünen in Betracht: Quintessenz ist – das beste Mittel gegen Kinderarmut ist, dass beide Eltern einer geregelten Vollzeitarbeit nachgehen (siehe Bundestag), d.h. dass Sklavenmama und Sklavenpapa die bestmöglichsten Ergebnisse für sich auf dem Markt erzielen, während die Kindererziehung von anderen Sklaven übernommen wird.

Familie? Geborgenheit? Liebe?

Dinge, für die der Sklave nicht gemacht ist.  Die Erfahrung, dass man Eltern hat, die sich für einen aufopfern, größte Gefahr für Leib und Leben eingehen, um ihren Nachwuchs zu beschützen, macht der Sklave nicht – und es wird auch kaum einer unter den schlecht bezahlten Kindergärtnerinnen dazu bereit sein. Die folgende Grundschule wird durch die Notengebung schnell einen Einführungskurs in „Marktwert“ liefern, der dem kleinen Menschen schon gleich zu Beginn zeigt, dass man seinen Wert auf zwei Stellen hinter dem Komma berechnen kann. Ja – die Aufseher der Sklavenherren erzählen uns gerne von „Partnerwahl im Steinzeitreich“ … aber sie vergessen dabei, auch andere Umstände zu beschreiben, unter denen die „Primitiven“ leben (siehe Zeit):

„Wir glauben heute gern, dass wir so wenig arbeiten wie noch keine Generation vor uns in der Geschichte. Dieser Eindruck scheint zu stimmen, wenn man nur einige Jahrhunderte zurückblickt: Die industrielle Revolution, in der die Arbeitskraft zur Ware wurde, forderte den Arbeitern unmenschlich lange Arbeitszeiten von mehr als zwölf Stunden pro Tag ab, außer den Schlafpausen blieb nicht viel übrig. Auch Sklaven und leibeigene Bauern wurden von ihren Herren quasi als Arbeitsmaschinen gehalten.“

Sowas liest man ganz offen in den „Mainstreammedien“. Revolutionär, oder? Aber in einer Sklavengesellschaft ohne Bedeutung. Steinzeit – war anders:

„Ob australische Ureinwohner, Buschmänner in Botswana oder Indianer im Amazonasgebiet, die Forscher berichten, dass der Einzelne in diesen Gesellschaften mindestens an jedem zweiten Tag überhaupt nicht arbeitet.

Bildet man einen Tagesdurchschnitt, dann schwanken die Angaben zwischen zwei und sechs Stunden – und da ist die Hausarbeit schon mit drin.“

Inklusive Hausarbeit und Einkauf kommen Sie auf 12 Stunden am Tag, oder? Wo ist eigentlich die politische Partei, die die 20-Stunden-Woche fordert (inklusive Hausarbeit von 10 Stunden wöchentlich), die wir dringend bräuchten, um Familie und Liebe wieder zu beleben? Familie ist der Ort, wo Kinder zuerst Liebe erfahren können (wir reden hier aber nicht von der oben erwähnten Kleinfamilie, die schon ein Konstrukt der Sklavenherren war): die Liebe der Eltern zueinander, die Liebe der Großeltern zu ihren Kindern – und die Liebe zu ihnen selbst, den Kleinsten – eine Liebe, die bedingungslos ist und nicht vom Notendurchschnitt abhängt. Liebe … braucht aber Raum und Zeit, selbst die zwischen Frau und Mann. Gerne benutze ich das Bild des Feuers (man spricht ja auch gern vom „Feuer der Lieben“), jenes mächtigsten der Elemente – und gleichzeitig des Abhängigsten: ohne Aufmerksamkeit und Zuwendung erlischt es irgendwann, es braucht Holz in unterschiedlicher Stärke und eine geregelte Luftzufuhr, die sich an der Stärke der Flamme orientieren muss – sonst gelingt es nicht … und der „Marktwert“ hilft hier gar nicht.

Lauschen wir mal einem Dichter zu dem Thema (siehe Gedanken-Gedichte):

Wie ahnungslos der Mensch, der denkt,
die Liebe entspringe langem Beisammensein
und ununterbrochener Gemeinschaft!
Wahre Liebe ist die Tochter eines innigen
Verstehens, und kommt dieses Verständnis
nicht in einem Augenblick zustande,
wird es niemals erlangt –
nicht in einem Jahr,
nicht in einem ganzen Jahrhundert!

Merken Sie, wie fremd diese Worte des libanesisch-amerikanischen Dichters Khalil Gibran in diesem Jahrtausend sind – das wohl als das Finsterste in der Menschheitsgeschicht zu beschreiben ist, wo die Lieblosigkeit eine kannibalistische Weltordnung etabliert hat, die alles frißt: Baum, Tier, Mensch, sogar Wasser und Luft? Merken Sie, wie sich diese Worte von dem Denken jener Menschen unterscheiden, die Ihren Marktwert ausrechnen, damit Sie Ihre Marktchancen für den nächsten Lebensabschnittspartner ausrechnen können – inklusive der Einschätzung, wieviel Euro die Investition in „Dating“ angemessen ist?

Und dabei – ich hoffe, ich habe den Wilhelm Reich hier angemessen verstanden (Wilhelm Reich, Die Entdeckung des Orgons, die Funktion des Orgasmus, Kiwi, 10. Auflage 2014), wenn er gerade jenes „innige Verstehen“ des Dichters als natürliche Grundlage jenes „fallen lassens im Liebesakt“ ist, der allein erfüllte Sexualität garantiert … und Hand in Hand geht mit natürlicher Anständigkeit und der automatischen Ehrhaftigkeit (siehe Seite 143), die Grundlage all unserer Moralwerke und Gesetze ist, die wir heute nur noch als bloße Schablonen toter Regeln erleben.

Ja – dieses tiefe innige Verstehen läßt sich nicht herbeizwingen … es ist ein Geschenk der Welt an den Menschen. Um ihm zu begegnen, brauchen wir … Zeit, falls der Zufall es uns nicht gleich in der Nachbarschaft serviert. Um daraus Liebe wachsen zu lassen – wie man aus einem kleinen Apfelkern einen großen Baum züchtet, von dessen Früchten die nächste Generation leben kann – brauchen wir noch viel mehr Zeit, Zeit, die wir in der Steinzeit reichlich hatten. Es ist dieses tiefe, innige Verstehen, das aus einem „Lebensabschnittspartner“ (der kleine Spaß der Sklaven, geboren aus dem Gebot der ständigen Verfügbarkeit für den Sklavenmarkt) einen Lieblingsmenschen machen kann, versehen mit dem Wunsch, der Abschnitt möge nie zuende gehen … was dem natürlichen Wachstum von Kindern in einer Sphäre der Liebe und Geborgenheit sehr entgegenkommt … und Grundlage einer Gesellschaft sein kann, die Hass und Verurteilung durch Verstehen ersetzt, einer Gesellschaft, in der es kein Gut und Böse gibt, sondern nur ein „Sein“ … und die in Folge eines voll erfüllten Liebeslebens keinerlei Bedarf mehr an Kriminalität, Vergewaltigung, Mord und Ausbeutung hat.

Ein Traum?

Vielleicht. Doch überlebensfähiger als der Alptraum, in dem wir gerade leben, weshalb der Schritt zu Alternativen kein überflüssiger, „sozialromantischer“ Luxus ist, sondern überlebensnotwendig. Und die Frage nach der Liebe … was braucht ein Mensch mehr? Ja, sicher: Nahrung, Obdach, Wärme – ohne das funktioniert man nicht. Und da all das mit Staatsgewalt ans Geld gebunden ist, kommt Geld unnatürlicherweise mit als Faktor zu den überlebensnotwendigen Gütern – wobei es in der Natur keinen Wert an sich hat: essen Sie einfach mal ein paar Scheine, wenn sie Hunger haben, lutschen Sie sie aus, wenn sie durstig sind, schauen Sie, wie lange Sie sich mit hundert Tausend-Euro-Scheinen warm halten können – ich verspreche, Sie werden sehr enttäuscht sein. Und Liebe – kann man erst recht nicht kaufen, sie ist immer und überall ein Geschenk – das einen jenseits allen Marktwertes ereilen kann. Doch gelehrt wird anderes – aus gutem Grund (siehe Utopia)

„Ich behaupte, dass das in unserer Konsumgesellschaft so gewollt ist. Menschen, die nicht wissen, wer sie sein wollen, kann man alles aufschwatzen. „Was ist eigentlich die Würde? Was für ein Mensch will ich sein?“ Das sind Fragen, die passen nicht in eine Konsumgesellschaft. Dabei sind das Fragen, die man für sich persönlich beantworten muss, damit man einen Kompass im Leben hat. Sonst kann man ja jederzeit von jedem beliebigen Angebot aus der Bahn geworfen werden. Und da wir in einer Gesellschaft leben, in der so viele ihre Angebote loswerden wollen, hat die Konsumgesellschaft kein Interesse daran, dass sich immer mehr Menschen mit dieser Frage auseinandersetzen.“

Sehen wir Familie als das an, was durch das tiefe innige Verstehen gebildet wird, so verstehen wir, dass dies für Kinder sehr wichtig ist: sie lernen eher durch Anschauung als durch fromme Theorie.

Und was lernen sie heute?

Dass wir wieder in einer Welt des Fressens und Gefressen-Werdens leben. Wie in der Steinzeit. Nur ärmer halt: nun ist der Mensch Raub- und Beutetier gleichzeitig, aber die Gemeinschaften, die ihm – erhalten durch tiefstes innigstes Verstehen ihrer Mitglieder – zwischendurch mal Schutz und Geborgenheit gaben, gibt es nicht mehr … noch nicht mal als Familie, der kleinsten funktionalen Einheit der Gemeinschaft.

Und darum … steht dieser Artikel in der Rubrik Politik, weil Änderungen radikal an der Wurzel beginnen müssen. Halten Sie es doch mit dem Philosophen Gerd Achenbach (siehe Deutschlandfunkkultur):

„Soll ich mir etwa die Beziehungsabenteuer mit jeweils ausgetauschten Lebensabschnittspartnern als ‚Familie heute‘ aufschwatzen lassen?“

Kann man machen.

Muss man aber nicht.

Was sind denn auch diese Beziehungsabenteuer anders als kurzzeitige Geschäfte zwecks Bestätigung und Aufwertung des eigenen Marktwertes, von vorn herein zum Zerbrechen angelegt, da … das Herz bald merkt, dass da noch nicht mal ein Funke war, aus dem ein Feuer hätte entstehen können, dass tiefe, innerste Bedürfnisse nicht gestillt werden können, wo nur Berechnung ist? Das erklärt uns Scheidungsraten von bald 50 Prozent – und „Ehen“, die nach endgültiger Akzeptanz der Unerfülltheit als Folterknast weiterbestehen, in der die Teilnehmer jeweils den anderen für das eigene Versagen verantwortlich machen … und ihn so gut es geht dafür bestrafen.

Eine friedliche, glückliche Gesellschaft mit glücklichen Kindern erzeugt man so nicht.

Aber das sehen wir ja jeden Tag. Und könnten daraus lernen, dass der Moloch neoliberaler Kapitalismus uns bis ins tiefste innerste zu zerstören trachtet – und das in seinem Reich kein Glück ein Zuhause findet…und der ganze Planet eher zur Wüste wird.

 

 

Xavier Naidoo und die Diktatur der Gedanken

Freitag, 12.5.2017. Eifel. Na, Sie? Schön, dass wir uns mal wieder sprechen. Wird ja auch Zeit: ist einiges los in der Welt Zum Beispiel wackelt unser Weltbild gewaltig, weil Wissenschaftler mal wieder zu tief gegraben haben: 3,48 Milliarden Jahre alte Fossilien wurden in Australien entdeckt (siehe Grenzwissenschaften) … Leben ist also ganze drei Milliarden Jahre älter als bisher gedacht: so wenig wissen wir wirklich über diese Welt, von der „Wissenschaft“ so sicher ist, sie völlig im Griff zu haben. Wahnsinn, oder? Leben unter völlig lebensfeindlichen Bedingungen: gut möglich, dass die Erde schon dreißig mal von kapitalistischen Zivilisationen verseucht wurde, die sang- und klanglos untergegangen sind: würde einige Funde erklären, die wir bislang als „verbotene Archäologie“ kennen. Ja – außerhalb der kapitalismushörigen Dienstbarkeitswissenschaft gibt es immer noch ganz viele Wunder zu entdecken, wenn man die Welt undogmatisch sieht und Forschung ergebnisoffen betreibt anstatt die erlaubten Ergebnisse gleich vorzugeben: Wunder, die gleich morgen unser ganzes Weltbild auf den Kopf stellen könnten: wenn die Meinungsbüttel des Mammon dies zulassen würden.

Ich persönlich mag ja solche Rätsel: sie halten den Geist frisch. Eins habe ich letztens in der FAZ gefunden – jener Zeitung aus dem Bereich der Altpapiermedien, die erst kürlich verkündete, dass sie „wieder auf Erfolgskurs sei“ (siehe FAZ), sich dann aber den alternativen Fakten der Wirklichkeit stellen musste, die besagten, dass die Umsätze weiter in den Keller gehen (siehe Statista): die Auflage sank von 250000 im Jahre 2016 auf 240 000 im ersten Quartal 2017; hält dieses Blatt diese Sinkgeschwindigkeit bei, haben sie noch 6 Jahre – dann ist die FAZ Geschichte und ihre Aufgabe dankenswerterweise beendet. Aufgabe? Ja – sehr schön formuliert findet man das bei Wikipedia:

„Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wird unter Journalisten seit langem als eines der deutschsprachigen Leitmedien eingestuft, denen die Funktion zukommt, gesellschaftliche Kommunikation und Öffentlichkeit zu gestalten und zu prägen“

Ich persönliche brauche kein Altpapier noch irgendeinen Schmierfinkenfuzzi, der meine Kommunikation gestaltet und prägt: ich denke, dass kann ich ganz gut alleine. Ich hätte immer noch gerne, dass Journalisten mich mit Fakten versorgen – ohne selbstherrlich zu beurteilen, welche davon jetzt angeblich „alternativ“ sein sollen oder nicht. Gehen Sie mal in den Bereich der Naturwissenschaft: dort ist alles voll von alternativen Fakten: sprechen Sie mit drei Wissenschaftlern (aber nicht mit den Journalisten, die sich dafür halten) – Sie werden sicher fünf Meinungen erhalten. Oder der Bereich der Geisteswissenschaften: die produzieren – wenn sie sauber arbeiten – das Gegenteil zur eigenen Meinung gleich mit, damit Sie persönlich und NUR SIE sich aus dem reichhaltigen Angebot für jene Variante der Wirklichkeit entscheiden können, die Ihnen am besten gefällt … aus welchen Gründen auch immer.

Was mir gefällt ist zum Beispiel der Artikel von Frau Leonie Feuerbach über das plötzliche Massensterben von 322 Rentieren (siehe FAZ) – also jenes Rätsel, über das ich vorhin sprach. Noch nie zuvor waren so viele Tiere auf einmal verendet. Die dogmatische Wissenschaft war sich sicher: eine Krankheit war es. Oder – da war man sich auch sicher – ein Blitz. Oder mehrere. Ganz sicher. Traf alle Tiere, weil die bei schlechtem Wetter so nahe zusammenrücken. Nur: schaut man sich den Film an sieht man … da liegen Leichen weit vom Mittelpunkt entfernt – ohne erkennbaren Kontakt zu anderen Tieren. Nun: egal. Hauptsache, alles wird schnell wegerklärt, damit bloß niemand auf die Idee kommt, Gelder für Forschung zu verlangen um einer anderen Wahrheit auf die Spur zu kommen. Wenn´s nicht nicht Krankheit war, war´s eben der Blitz. Mehr ist nicht erlaubt.

Tja – die Wahrheit. In der Philosophie weiß man seit 3000 Jahren, dass wir als Menschen – mit unserem mickrigen Erkenntnisvermögen und unserer äußerst begrenzten sinnlichen Ausstattung – der Wahrheit nie nahe kommen können, wir bewegen uns stetig im Bereich von „Vereinbarungswahrheiten“ – müssen wir auch, um überhaupt mal vom Grübeln ins Handeln kommen zu können. Solche Erkenntnisse stören eigentlich niemanden, sie machen neugierig, regen an, selbst zu forschen und zu denken und erlauben die sichere Gewissheit, in einer Welt von Wundern zu leben, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Manche jedoch … stört diese Sicht. Sie wollen lieber ihre eigene Wahrheit auf andere ausdehen und jene verfolgen, die auch nur ein wenig von dieser öffentlich verordneten Wahrheit abweichen – wobei wir wieder bei Leonie Feuerbach angekommen sind. Die hat sich – zur Rettung der Auflage der eigenen Zeitung – ein ganz besonderes Opfer ausgesucht: einen farbigen deutschen Sänger mit dem Namen Xavier Kurt Naidoo.

Nun – mir sagte der Name nichts, diese seltsame Hüpf-und Hops-Musik ist nicht mein Ding, ich gönne sie aber gerne anderen. Offenbar machen die aber Texte, die den Staat gefährden (siehe FAZ):

„Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?
Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt ihr nicht, ihr steht bald ganz allein
Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter“

Zu diesem Textstück meint Frau Feuerbach:

„Bei genauerem Hinsehen hat aber schon diese Strophe es in sich: Der manipulative „Puppenspieler“, der im Hintergrund die Fäden zieht, ist ein uraltes antisemitisches Klischee. Und der Begriff des Sachverwalters erinnert stark an die Vorstellung der sogenannten Reichsbürger, nachdem die Bürger der Bundesrepublik nur Personal einer von Amerika oder dem Weltjudentum gelenkten GmbH sind – der Personalausweis dient den Anhängern dieser kruden Ideologie als Beweis dafür.“

Selten solchen Unfug so konzentriert gelesen – aber zur Rettung der Auflage, zur zwanghaften Belebung des Mythos der „Reichtsbürgerhymne“ darf man wohl tief in die Unterstellungskiste greifen.

„Puppenspieler“ ist kein „uraltes antisemitisches Klischee“ … wir würden sonst die Augsburger Puppenkiste ganz neu bewerten müssen. Sicher: „Reichsbürger“ (ein neuer Kampfbegriff der deutschen Sektion der kapitalistischen Internationale, der den Begriff „Verschwörungstheoretiker“ nahtlos ersetzt) sind … in meinen Augen … besonders große Deppen – was ich leicht erklären kann. „Reiche“ – hatten wir nur zwei: das feudale Kaiserreich … oder das andere, mit Gröfaz und Massenmorden an Andersdenkenden; kurz gefragt: welches der beiden „Reiche“ hätten Sie denn gern? Den Kaiser, der zu blöde war, die europäische Friedensordnung zu wahren und weltweit Kolonien an sich riss … oder den österreichischen Aktmaler, über den man kaum ein Wort zu verlieren braucht. Ja – ich habe die Nachricht mit Freuden vernommen, dass einer der führenden deutschen Ultrarechtsblogger nun in den Knast kommt (siehe Standard): die Leugnung eines der historisch bestdokumentierten Ereignisse kann nur vor einem geistig sehr schwachen und zudem kriminell determinierten und menschenfeindlichen Hintergrund erfolgen – aber das ist ja nicht unser Thema.

Unser Thema ist Leonie Feuerbach und Xavier Naidoo … der aber selbst mit den vielen Unterstellungen der Frau Feuerbach nichts zu tun hat. Das unser „politisches Personal“ nicht ganz das tut, wofür sie bezahlt werden, ist Mehrheitsmeinung in Deutschland: 60 % der Deutschen zweifeln an der Demokratie (siehe Handelsblatt – wahrscheinlich auch so ein rechtsradikales Schmierenblatt in den Augen der selbstverliebten Pseudolinken) – der enorme Einfluss der „Reichen“ auf die Politik wurde erst kürzlich aus dem Armutsbericht der Bundesregierung entfernt – und ist Gegenstand vieler seriöser wissenschaftlicher Forschung (siehe Lobbycontrol) … und mehr muss man in die Worte des Hüpfbarden nicht hineindeuten.

Lesen Sie doch mal die Ausführungen meines Kollegen „Parkwächter“ (keine Sorge, der heißt nicht wirklich so) zu dem neuen französischen Präsidenten, der mit viel Geld plötzlich aus dem Nichts auftauchte und über die Herkunft des Geldes auch gar nicht reden möchte (siehe Nachrichtenspiegel): dort kann man sehen, wie großes Geld große Politik machen kann. Das ist aber nie Sinn der Demokratie gewesen. Was Macron nun zu tun hat – nun: das schreiben ihm die Bezahlschreiber der Leitmedien jetzt schon vor: Abschaffung der 35-Stunden-Woche (nein, nicht zugunsten einer 30-Stunden-Woche, die aus humanistischen Gründen sehr sinnvoll wäre), Senkung des Mindestlohnes (es kann keine Milliardäre geben, wenn nicht Millionen für zu wenig Geld arbeiten) und Abschaffung des Kündigungsschutzes, damit in Betrieben wieder richtig durchregiert werden kann (siehe Spiegel).

Geht so Demokratie? Sollte man nicht selbst mitreden dürfen, wenn man selbst in Zukunft für immer weniger Geld in immer unsichereren Verhältnissen immer länger arbeiten soll? Ach – lassen wir das.

Weiter gehts mit Leonie und Xavier

„Und weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht
Werden wir einschreiten
Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht
Werden wir unsere Schutzschirme ausbreiten“

Was liest nun unsere Autorin da hinein?

„Das „Tatsachen verdrehen“ kann als eine Umschreibung des Lügenpresse-Vorwurfs gelesen werden. Das „an Unschuldigen Vergehen“ liest sich rätselhaft und wie ein Vorwurf des Kindesmissbrauchs. Ein beliebtes Thema im rechtsextremen Spektrum, wo seit Jahren die „Todesstrafe für Kinderschänder“ gefordert wird.“

Kann als Umschreibung gesehen werden – muss aber nicht. Kann auch einfach sein, dass man damit Arbeitslose meint, die selbst persönlich für die Folgen der Globalisierung und somit ihre Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht werden … und jetzt nicht nur in Deutschland sondern auch in Frankreich ausgeblutet werden, weil man ihr Existenzrecht als Mensch in Zweifel zieht. An „Unschuldigen vergehen“ ist übrigens weltweit eine anerkannte Sauerei: deshalb haben wir die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte erfunden. Leider fehlt den Unschuldigen (den Kurden, den Armeniern, den Irakern, den Afghanen, den Andersdenkenden, den Juden, den Homosexuellen, den „Farbigen“, den Millionen hungernder Kinder, den Arbeitslosen – ja den Armen generell … um nur ein paar zu nennen) noch jener „Schutzschirm“ von dem da gesungen wird.

Ja – so einen Schirm könnten wir gut gebrauchen … der angeblich brillliante Physiker Stephen Hawking hat aktuell die der Menschheit zur Verfügung stehende Lebenszeit von 1000 auf 100 Jahre verkürzt (siehe Heise), weshalb wir schnellstens auf neue Planeten umsiedeln sollen. Der Schweizer Tagesanzeiger bestätigt, dass auch andere dieses Ende nun ausgerechnet haben, wir sehen, dass wir andere Probleme hätten – und an gleichem Orte findet man ja auch schon die Lösung der Probleme (siehe Tagesanzeiger):

„Zu den bekanntesten Forschern auf diesem Gebiet gehören Paul und Anne Ehrlich von der Stanford-Universität, die seit Jahren vor Überbevölkerung und gefährlicher Ressourcenverschwendung warnen. Sie werden zu den sogenannten Neomalthusianern gezählt. Der Ökonom Thomas Malthus warnte bereits im 18. Jahrhundert vor Überbevölkerung und einer drohenden Nahrungskrise. Er ging sogar so weit, dass er es nicht für ratsam hielt, Geld von Reichen zu Armen zu transferieren. Das führe zu einer weiteren Überbevölkerung und steigender Nahrungsnachfrage.“

Jetzt kennen Sie den wahren Grund der neoliberalen Offensive der letzten Jahrzehnte: die Ausrottung der Armen zur Rettung des Reichtums dient einzig und allein nur dem Fortbestand der Menschheit: wer könnte sich diesem hehren Ziel auch entziehen … vor allem, wenn es gut bezahlt wird?

Kehren wir vom Weltuntergang zurück zu Leonie und Xaxier:

„Alles nur peinlich und so was nennt sich dann Volksvertreter
Teile eures Volkes nennt man schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter
Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid
Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid“

Für Leonie völlig klar: es geht um Massenmord!

„Xavier Naidoo träumt also von einem Aufstand des kleinen Mannes gegen die Herrschenden. Statt Angestellter oder Arbeitsloser ist der kleine Mann hier ein Bauer, der mit der Mistgabel kämpft. Vielleicht hat er sich hier auch von der einstigen Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling inspirieren lassen, die den „Eliten“ mit Mistgabeln gedroht hatte.“

So kann man das deuten – muss man aber nicht. Man könnte auch mal anstatt Meinungen zu prügeln Bildung anhäufen, dann wüsste man, dass es ein Milliardär war, der den Terminus „Mistgabeln“ wieder ausgegraben hat. Den Brief des Nick Hanauer an seine Mitmilliardäre kann man in den deutschen Leitmedien offen nachlesen (siehe z.B. Welt). Muss nichts mit Frau Festerling zu tun haben – wer immer das auch seien mag (muss man die kennen?). Vor einer „neuen Oligarchie der Reichen“ warnt sogar unsere derzeitige Arbeitsministerin (siehe Tagesspiegel) – wahrscheinlich auch so eine antistaatliche Reichsbürgerin.

Die elendige Parade der an den Haaren herbeigezogenen Unterstellungen endet aber hier noch nicht, die Methodik, die der Stürmer schon gegen Juden erfolgreich anwandte, wird engagiert weiter benutzt:

„Als Volks-in-die-Fresse-Treter stößt ihr an eure Grenzen
Und etwas namens Pizzagate steht auch noch auf der Rechnung
Bei näherer Betrachtung steigert sich doch das Entsetzen
Wenn ich so ein´ in die Finger krieg´,
Dann reiß ich ihn in Fetzen
Und da hilft auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen“

Soweit der zornig erregte Barde. Was macht die FAZ-Lohnschreiberin daraus?

Der Begriff „Pizzagate“ bezeichnet eine krude Verschwörungstheorie aus den Vereinigten Staaten. Sie besagt, dass verschiedene prominente Politiker, unter ihnen auch Hillary Clinton, aus einer Pizzeria heraus in geheimen Treffen einen Pädophilenring organisiert haben. Sie wurde im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf in rechten Kreisen verbreitet und ist an Absurdität kaum zu überbieten, wird von Naidoo und seiner Band aber offenbar für voll genommen. Möglich, dass sich hierauf auch die Zeile über die Unschuldigen bezieht. Die Gewaltandrohung steigert sich in dieser Strophe noch einmal, die ohne viel Phantasie als Aufruf zu Selbst- und Lynchjustiz jenseits der Gesetze gelesen werden kann.

Nun: sexueller Missbrauch von Kindern ist kein Kavaliersdelikt. Ich denke: jede Mutter und jeder Vater können die Gefühle des Sängers nachvollziehen. Es war das ZDF (auch so ein rechtsradikaler Reichsbürgersender) der uns über das Massensterben von Zeugen im Falle Dutroux informierte (siehe ZDF-Doku „Dutroux und die toten Zeugen“) und so für weitreichende Verunsicherung sorgte … auch bei mir (siehe Nachrichtenspiegel). Es bleiben viele Fragen offen – auch im Falle dieses „Pizzagate“, dessen Ursache nicht in „an Absudität nicht zu überbietenden“ Unterstellungen liegt, sondern in seltsamen Dokumenten, die Wikileaks veröffentlichte. Nun – ich halte nichts von den galoppierenden Hypothesenketten, die zu diesen E-Mails gebildet werden … alles hängt davon ab, ob man die Code-Sprache der Pädophilenringe wirklich auf diese Mails übertragen kann. Sicher – manches mutet seltsam an: z.B. 65000 Dollar für „Hot Dogs aus Chikago“ für ein privates Präsidentenfest im Weißen Haus scheint für Würstchen mit Brot etwas teuer zu sein, selbst wenn man 10 Dollar pro Wurst rechnet (siehe Archiv von Wikileaks). Viele Sätze ergeben scheinbar keinen Sinn, wenn man sie nur auf Pizza bezieht (siehe Wikileaks) – nur: es muss auch bedacht werden, welchen Unsinn wir alle reden, wenn man unsere Sätze aus dem Zusammenhang reißt und sie ohne unseren persönlichen Kontext interpretiert.

Doch … soweit geht der Barde Xavier Kurt ja gar nicht in seinen Texten. Ich bekomme übrigens auch Entsetzen bei der Erforschung der Dimensionen von Kindesmissbrauch, der in Hollywood gang und gebe zu sein scheint (siehe Focus) und bei den Verbündeten der USA in Afghanistan stillschweigend toleriert wird – auch wenn man die Schreie der Kinder meilenweit hört (siehe New York Times).

Was wir jedoch nicht übersehen dürfen: Xavier ist ein Hip-Hop-Sänger – mehr nicht. Verglichen mit anderen Barden … denen kaum eine so umfangreiche mediale Aufmerksamkeit gegönnt wird … ziemlich harmlos (siehe z.b. Zeit oder Stern) – kein Aufruf zur Massenvergewaltigung, Massenmord, Verstümmelung von Homosexuellen oder anderen Freizeitvergnügen einer verrohten Jugend … die seltsamerweise nicht so „antistaatlich“ angesehen werden, aber fette Verträge von Megakonzernen erhalten.

Ja – dann soll Xavier Kurt auch noch der gleichen Meinung wie Wolfgang Schäuble sein (wahrscheinlich auch noch so ein Reichsbürger) – das Deutschland nie ein wirklich souveränes Land gewesen sei (siehe Handelsblatt) – wer sich mit dem Weltbild führender US-amerikanischer Vordenker (wohl auch Reichsbürger) beschäftigt, versteht schnell, wie das gemeint sein kann (siehe Nachrichtenspiegel) – aber lassen wir das.

Sind Sie nun völlig verwirrt – wie Frau Feuerbach? Nun – ich hoffe, es ist mir gelungen, Ihnen aufzuzeigen, dass es sich bei der Meldung der FAZ über die „Reichsbürgerhymne“ des Herrn Naidoo um „Fakennews“ handelt – Fakenews von der übelsten Sorte. Im angeblichen „Kampf gegen rechts“ (der – wie die aktuellen Affären bei der Bundeswehr oder die Skandale im NSU-Prozess zeigen – gar nicht energisch genug geführt werden kann … aber aus unerfindlichen Gründen nicht effektiv genug geführt wird) wird die rechtsradikale Methodik der Verleumdung, der Unterstellung, der üblen Nachrede Standard in den „Leitmedien“, wobei „rechts“ auch nur noch ein Codewort ist für – ja, sagen wir mal: kapitalismuskritisch.

Natürlich gibt es auch Nazis, die mit dem Kapitalismus nicht liebäugeln – aber dadurch wird Kapitalismuskritik nicht ausdrücklich rechts, genauso wenig wie Aldi rechts ist, weil da auch Neonazis Gurken kaufen. Das wirklich Rechte – die Diktatur der Gedanken – wird gar nicht mehr wahrgenommen. Der Versuch zu bestimmen, was alles „rechts“ zu sein hat (wie z.B. ein Musikfestival in Berlin, siehe Tagesspiegel) und dies auch noch zu bestrafen (siehe den Kommentar zum Netzwerkdurchführungsgesetz bei Cicero) und wer alles „rechts“ ist, ist praktisch kaum zu unterscheiden von jenen irren Klängen, die 1933-1945 definierten, was alles „jüdisch“ (und deshalb „böse“) war und greift den Geist der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte an seiner Wurzel an.

Wollen Sie mal wissen, wie solche „Rechten“ für sich werben? Hier, ich habe da welche gefunden, bei dem so gescholtenen Festival (siehe pax-terra-musica):

„Egal ob Du aus Europa oder von weiter weg kommst. Egal ob Du Eingeborener oder Einwanderer bist. Egal ob Du Frauen liebst oder Männer, ob Du Deine Haare färbst oder Dreadlocks hast, ob Du Designer-Klamotten trägst oder im Second-Hand-Laden einkaufst. Egal wie viele Arme der Gott hat an den Du glaubst und ob Du überhaupt an höhere Wesen glaubst. Solange Du für den Frieden zwischen allen Menschen auf der Welt bist, wollen wir mit Dir tanzen!“

Frieden zwischen allen Menschen auf der Welt – wen sollte das schon stören?

Ach ja – jene, die Lust darauf haben, Milliardäre zu werden. Das wird man nicht als … „Sozialromantiker“. Dafür braucht man andere „Qualitäten“ (siehe Zeit):

„In den Führungsetagen von Unternehmen finden sich dreieinhalbmal so viele Psychopathen wie im Durchschnitt der Bevölkerung, wie Robert Hare, Psychologe und Forensiker aus Vancouver, und der New Yorker Unternehmensberater Paul Babiak durch Hunderte von Interviews herausgefunden haben.“

Und Leute mit diesen Qualifikationen … haben gerne die Kontrolle über jeden einzelnen Gedanken im Land. Und auch ein Faible für gewisse politische Richtungen, die die Möglichkeit des unbegrenzten Auslebens der eigenen Asozialität garantieren – mit Schampus, Kaviar und SUV, auch wenn die natürliche Welt an den Folgen erstickt und wir … ganz ganz rasch … neue Planeten brauche: egal wie.

Und so kommt – im unauffälligen, edelmütigen Gewand des „Kampfes gegen Rechts“ –  der Faschismus als politischer Arm des Kapitalismus wieder zurück nach Europa.

Und wer in Frieden mit allen Bürgern der Welt tanzen will … ist ein böser Nazi.

 

 

 

 

 

Die Vernichtung des sensiblen Mannes – und die Vernichtung der Welt.

Samstag, 22.4.2017. Eifel. Zuvor mal ein persönliches Wort an die Stammleser. Wie man merkt, bin ich nicht mehr so produktiv. Keine Sorge, das geht vorüber. Wie man merkt, sammle ich gerade – freiwillig, wie ich betonen möchte, um entsprechenden Gerüchten gleich vorzubeugen – in einem sehr interessanten beruflichen Umfeld neue Eindrücke und Informationen – auch solche brisanterer Art. Konnte bei dem Angebot nicht „nein“ sage, obwohl es mich viel Zeit kostet, die an anderen Orten fehlt. Mehr aber nimmt mich meine persönliche Lage mit: selbst nicht ganz gesund habe ich nun ein weiteres behindertes Kind mit einer unheilbaren Muskelerkrankung, das sofort von der Schule geworfen wurde, weil man den Attesten keinen Glauben schenkte. Sowas geht heute – und sowas kostet Zeit. Zudem haben wir Kriminalfälle im engsten Wohnumfeld: Einbrüche, Brandstiftung, Vandalismus, Lügen und nur gebremst förderliches Sozialverhalten. Außerdem belastet mich auch eine nicht verschwindende ansteckende Krankheit eines zweiten Sohnes von mir, den ich von der Umwelt etwas abschirmen muss: man sieht – für Muße und weite Gedanken ist nicht mehr ganz soviel Zeit.

Ich schreibe auch ein wenig auf Facebook. Nein – mit dem neuen Gedankenlesechip von Zuckerberg (siehe Heise) beschäftige ich mich nicht, möchte aber nicht die Chance ungenutzt verstreichen lassen, Chancen und Möglicheiten dieses Mediums auszuloten. Schon verrückt, wie die alle versuchen, uns zu Maschinen zu machen, oder? Dabei sind wir schon längst Maschinen geworden (womit wir den persönlichen Teil verlassen) – wir merken es nur nicht mehr. Bzw: die meisten merken es nicht mehr – oder könnten Sie sich für Ihr Leben vorstellen, dass Sie dem Satz „Pünklichkeit ist eine überflüssige Erfindung“ (siehe Zeit) im Alltag Folge leisten können? Wäre schlecht für Bus- und Bahnverbindungen, für Kino oder Arbeitsbeginn. Solche Gedanken können sich ältere Zeitforscher machen – aber nicht Sie. Sie haben zu funktionieren. Das ist auch letztlich Sinn der Arbeit von Ärzten: Sie zum funktionieren zu bringen, damit Sie zurückkehren können in das große Uhrwerk.

Auf Facebook wurde mir nun eine einfache Frage gestellt, von einer jungen, äußerst attraktiven, lebenslustigen Frau, die die „sensiblen, romantischen Männer“ suchte: „Solche Männer sind wie Einhörner. Man sagt, es gibt sie, aber wo!“. Nun – man sagt vieles, das heißt nicht automatisch, dass es wahr sein muss. Gestern erhielt ich einen Brief einer anderen, sehr sensiblen Leserin, versehen mit einer Tafel Einhorn-Schokolade, die sich noch mal auf diese Frage bezog und nach meinen Gedanken zum Verbleib der sensiblen, romantischen Männer fragte. Nun – ich habe da in der Tat Gedanken zu … doch sie werden nicht erfreuen. Womit sollen wir anfangen?

Nehmen wir die Romantik. Wir brauchen gar nicht so lange nachzudenken und in der Geschichte der Wortbedeutungen von „Romantik“ nachzuforschen, denn im 21. Jahrhundert ist Romantik ein Schimpfwort: denken Sie nur an den Begriff „Sozialromantik“. Romantik stört beim Funktionieren und die Haltung der menschlichen Arbeitstiere wird halt immer weiter an die Grundzüge der Massentierhaltung angepasst: aktuell ist da gerade die Dating-Plattform „Tinder“ im Visier der letzten Verteidiger der Romantik, die „Beziehung“ auf das allernotwendigste reduzieren (siehe feinschwarz):

„Tinder ist die schnörkellose Umsetzung einer Kapitalisierung des Begehrens in enger Verwandtschaft zu dem, was die israelische Soziologin Eva Illouz als „Kapitalisierung der Gefühle“ bezeichnet. Bei Tinder hat der Kapitalismus seine romantische Maske abgenommen und verkauft genau das, was seine ontologische Grundlage ausmacht: Begierde und deren potentielle, dafür aber umgehende Befriedigung.“

Was macht man bei Tinder? „Dated“ fremde Menschen für schnellen, umkomplizierten Sex per Telefonapp. „Pizzasex“ nennt das die Autorin. Gab es früher schon, da nannte man es Prostitution, aber im Sinne der Effektivierung des Arbeitseinsatzes haben wir diese Dienstleistung jetzt unter den Arbeitnehmern selbst verteilt: das vergrößert das Angebot und die Abwechslung. Wie weit ist diese Welt von der Welt der romantischen Liebe entfernt, der Welt der alten, mittelalterlichen Minnesänger, die von romantischen Dramen sangen, wo der Rittersmann mit einem Halstüchlein als Liebenspfand seiner angebeteten Dame in die tödliche Schlacht zog, wohl wissend, dass diese für ihn unerreichbar weil verheiratet ist: so ein feines, sensibles Denken ist uns völlig abhanden gekommen – doch „Mittelalter“ erweist sich hier als Zeit, die viel reichhaltigere emotionale Dimensionen hatte, Dimensionen, die die Neuzeit mit ihren Inqusitoren und Hexenjagden völlig ausgerottet hatte.

Nun – mag sein, dass wir uns toll fühlen mit dieser neuen Sexualität, doch … mag auch sein, dass wir damit neue Scheiterhaufen herbeirufen, denn: ungesunde Sexualität hat ungesunde Folgen für die ganze Gesellschaft (siehe wilhelmreich):

„Die seelischen Krankheiten sind Ergebnisse der gesellschaftlichen „Sexualunordnung“. Diese Unordnung hat seit Jahrtausenden die Funktion, den Menschen den jeweils vorhandenen Seinsbedingungen zu unterwerfen … Sie dient der seelischen Verankerung der mechanisierten und autoritären Zivilisation durch Verunselbständigung der Menschen.“

Die sexuelle Unordnung hat schlimme, politische Folgen:

„Im gesunden Organismus kann die sexuelle Erregungsspannung durch den körperlichen Orgasmus transformieren. Aus ihm entstehen Entspannung und Gefühle von Liebe und Dankbarkeit.“

„Inneren Hemmungen und der Mangel an Fassungsvermögen für die sexuelle Erregungsspannung verhindern beim kranken Organismus, dass die im Liebesakt aufgebaute sexuelle Erregung adäquat gelöst werden kann. Sie besteht statt dessen fort und überflutet das menschliche Energiesystem. Dadurch werden sadistische und destruktive Einstellungen und Verhaltensweisen ausgelöst, die sich zu dauerhaften Charakterzügen verfestigen.“

Guter Sex erzeugt Gefühle von Liebe und Dankbarkeit, macht Menschen friedlich. Schauen Sie sich um in der Welt, in Ihrer Nachbarschaft, am Arbeitsplatz: wo finden Sie diese überwältigenden Gefühle von Liebe und Dankbarkeit? Nirgends, der Kapitalismus braucht schlechten Sex wie das Auto Benzin, sonst haben die Menschen nicht genug Agressivität für den Wettbewerb. Klar – Tindersex muss nicht immer schlecht sein, aber wenn unsere Art von Sexualität auf die ganze Gesellschaft bezogen so toll ist: warum sind dann alle so schlecht drauf? Menschliche Dinge reduziert der Kapitalismus auf das Notwendigste: darum reicht ihm auch McDonalds als „Nahrung“ für das Wahl- und Konsumvieh. Wilhelm Reich fand hier die Quelle der „sozialen Pest“, des Faschismus, der heute in allen Parteien wieder auflebt: nicht als politische Bewegung, sondern als Allianz der Sadisten aller politischer Farben – eine Allianz, die sich in den dreißiger Jahren schon mal zusammenfand und die sehr schnell „Hurra!“ ruft, wenn wieder einer tönt: „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!“ – was aktuell wieder durch neue Rekorde bei Totalsanktionen (siehe gegen-hartz) von sich reden macht.

Und die Romantik? Bietet anstatt des schnellen McDreck-Pakets, das zwar kurz den Hunger stillt, aber den Magen versaut (merkt man erst später) ein fünf-Gänge-Menü, mit Rosen verziert, festlichst angerichtet, bei Geigenmusik, Kerzenschein und Kaminfeuer sowie humorvollem, geistreichen Gespräch auf höchstem Niveau – das bei sensiblen, romantischen Menschen tiefer gehen kann als jede sexuelle Begegnung. Aber Sie merken schon: uns selbst, unser Leben, unsere Existenz so zu feiern: das würde endlos viel Zeit kosten. Wer hat die schon noch?

Soviel zur Romantik. Wir wollten aber nicht nur den romantischen Mann beschreiben, sondern auch den sensiblen … und hier betreten wir die Sphäre der Wunder und der Zauberei, die verboten ist – so verboten, dass Sie bei Wikipedia keine treffende Beschreibung dazu finden. Seltsam, dass sich ein Begriff, von dem die meisten von uns eine Vorstellung haben, so der Definition moderner Menschen entzieht, oder? Nun – wir verstehen ja auch den Begriff der „Romantik“ nicht mehr, der im Minnegesang des Mittelalters noch eingängig bekannt war, warum sollte es mit dem lateinischen „sensibilis“ anders sein? Wir sind halt grobschlächtige, eindimensionale Barbaren geworden, deren grausamste und abartigste psychopathische Wesenszüge durch die Kultur des Neoliberalismus enorm gefördert werden: der neoliberale Charakter ist eher maschinell geprägt, versucht einer gnaden- und gefühllosen Dampfmaschine immer ähnlicher zu werden (siehe hierzu: freitag).

Der sensible Mann – und, aufgepasst: der sensible Mensch generell – zeichnet sich aus durch einen nicht degenerierten oder gedämpften Zugang zu seinen Sinnen, die ihm einen enormen Gefühlsreichtum bescheren. Ja – hier sind wir bei ganz einfachen biochemischen Prozessen: je höher die Sensibilität, umso vielfältiger der Verknüpfungen im Gehirn, je schärfer auch Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe. Der sensible Mensch kann Geschichten lauschen, die Wolken erzählen, weil er die Ähnlichkeiten zwischen dem Werden und Verschwinden von Nationen und Wolkenbildungen erkennt – wobei Wolkenreiche schneller vergehen als Menschenreiche. Jeder Baum kann ihm eine Geschichte erzählen aufgrund der individuellen Gestalt, die er angenommen hat: eine Geschichte von Winden, strengen Wintern, kargen Böden oder aggressiven Tieren, jedes Gesicht kann die Geschichte eines ganzen Lebens erzählen. Der sensible Mensch hat auch einen größeren Zugriff auf seine Innenwelten, den Bereich des „Unbewussten“, der – nach manchen Quellen zufolge – 98 Prozent unseres realen (politischen) Verhaltens ausmacht und über einen vieltausendfach höheren Grad an Informationsverarbeitung verfügt als der kleine, bewusste Teil mit dem Sie gerade diese Zeilen lesen. Hier hört auch das Denken in Worten auf – und das Denken in Bildern beginnt, weil Bilder eine wesentlich höhere Informationsdichte haben als Wörter oder Zahlen.

Der sensible Mensch erwirbt zudem mit der Zeit die Fahigkeit, die unterschiedlichen Informationen immer weiter zu vernetzen – was zumeist unbewusst und ziemlich automatisch geschieht. Er kann so – um ein Beispiel zu nennen – ein sicheres Gefühl für „Gott“ entwickeln (was an Qualität im Bewusstsein einer normalen visuellen Sinneserfahrung völlig gleich kommt) und sich so eine andere Dimension des „Sehens“ erschließen (ähnlich der, die der amerikanische Anthropologe Carlos Castaneda in seinen Werken beschreibt), die ihn in eine wunderbare, zauberhafte Welt voller phänomenaler Sinneseindrücke entfürt … und so von unsere Psychiatrie als „dysfunktional“ aussortiert wird, obwohl er sich eigentlich dem Ursprung des Menschseins in seinem ganzen Reichtum nähert – nur halt für den Kapitalismus unendlich wertlos geworden ist.  Nein, ich bitte Sie: bleiben Sie sitzen, wir kommen sofort auf den Weg der westlichen Wissenschaft zurück: an der Universität Marburg finden sie gerade neue Arbeiten zur „Solastalgie“ und westlichen Öko-Spiritualität bzw. zur Öko-Psychologie (siehe uni.Marburg), die viel besser als ich es könnte ausführen, wohin die Reise in Zukunft gehen könnte … wenn der Moloch Kapitalismus überwunden werden könnte, bevor er die Welt zerstört. Wir sind allerdings hier – da sei vor gewarnt – im Bereich der ebenfalls sterbenden Geisteswissenschaften, deren höchste Aufgabe das „Verstehen“ ist – was schnell in Zauberei übergeht, wenn wir es auf „Welt“ anstatt auf „Mensch“ anwenden.

Ich kenne übrigens ein Kind, das schon in Bildern denkt: es kommt hier in eine Sonderschule, weil es die Lehrer mit der Qualität seiner Fragen überfordert. Im Erwachsenenalter wird es wohl in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie landen.

Was für eine Reise haben wir jetzt hinter uns.

Wir wollten nur nach dem Verbleib des romantischen, sensiblen Mannes fragen … und sind bei der Vernichtung der Welt angelangt. Eins wäre aber noch zu klären: wo finden wir die sensiblen, romantischen Männer? Ich weiß: viele werden jetzt sagen: „ich bin´s“ – oder halt mein angetrauter Dieter. Kommen Sie oder Dieter in dieser Welt zurecht? Dann … sind Sie es nicht. Sie mögen davon träumen, so zu sein – wobei  hier der Begriff „Träumen“ mit „Wunschdenken“ zu übersetzen ist und nicht mit der realitätsveränderenden Fähigkeit, die indigene Stämme mit dem Begriff bezeichnen. Sie mögen ein Selbstbild dazu pflegen, weil es bei Frauen gut ankommt und dazu gewisse äußere „Codes“ verwenden – aber Sie werden halt kein Indianer, wenn Sie sich eine Feder ins Haar stecken. Nein, auch nicht, wenn noch Mokassins dazukommen.

Ich kann Ihnen aber sagen – was ja die Fragestellerinnen interessierte – wo man sie findet, die romantischen, sensiblen Männer?

Es gibt drei Orte, wo sie aufzufinden sind: der eine ist der Friedhof: Menschen, die aufgrund ihrer Sensibilität den Zustand der „Solastalgie“ erreichen – die Erfahrung des riesigen Ausmaßes der Entfremdung von unsere ökologischen … lebensnotwendigen … Umwelt, neigen dazu, sich umzubringen, weil sie den Schmerz nicht mehr aushalten (siehe aerztezeitung). Ein weiterer Ort ist die Psychiatrie: Gestank, Lärm, visuelle Überreizung, Häßlichkeit in nie dagewesenem Ausmaß können bei sensiblen Menschen zu Überlastungsreaktionen führen, die ein tumbes Hirn nicht zu befürchten braucht: insofern ist die generelle Abkehr von Sensibilität nahzu lebensnotwendig – wenn man weiter funktionieren will. Der dritte Ort … ist die ferne, intakte, einsame Natur, die mit ihrer Vielfalt den Sehgewohnheiten des sensiblen Menschen weitgehend entspricht: immerhin sind unsere Sinne ja auch gerade dafür ausgearbeitet worden – um in der Natur zu leben und nicht im lärmenden, stinkenden Betonchaos der Großstädte. Ich sehe sie dort häufig durch die Einsamkeit der Moore wandern, an verbotenen Stellen, wo Natur noch wild sein darf. Es sind immer – und ich sage mit Nachdruck: immer – sehr angenehme Begegnungen dort draußen. Ganz feine Menschen trifft man dort … eher Männer als Frauen. Viel eher Männer.

Sie werden jetzt sagen: das ist alles viel zu streng gezeichnet. Gut: könnte sagen, für feinere Malerei fehlt mir die Zeit und Ihnen die Aufmerksamtkeit. Aber ich möchte Sie mal kurz entführen in die Welt der Superreichen, unserer Vorbilder, wo sie das gegenteilige Männerbild finden (den unromantischen harten, gefühllosen Kerl) … und Sie ermuntern, dort einen Blick auf die Stellung der Frau an der Spitze unserer Gesellschaft zu werfen, jener Spitze, die das Nonplusultra der kapitalistischen Existenz darstellt: da werden der Ehefrau Prämien bezahlt, wenn die Kinder gut in der Schule sind – ansonsten gibt es strenge Teilung der Geschlechter bei Partys, Urlaub und Leben (siehe Spiegel).

Und der sensible, romantische Mann, der Frauen ohne großes Federlesen als gleichberechtigt akzeptiert und sich gar nichts anderes vorstellen kann? Landet – wie die meisten Geisteswissenschaftler – bei Hartz IV (siehe gegen-hartz). Wundern Sie sich also nicht über den schlechten Zustand der politischen Welt, die kommenden Kriege und ökologischen Katastrophen: jene, die sensibel genug wären, sie zu bemerken und romantisch genug, die natürliche Welt erhalten zu wollen … werden systematisch aussortiert. Versuchen Sie heutzutage einfach mal als introvertiertes Kind gesund durch die Schule gekommen, wo Extrovertiertheit („sonstige Mitarbeit“) inzwischen fünfzig Prozent der Note ausmacht.

Wir können es auch größer beschreiben: „Wir stecken in einer seelisch-geistigen Armutskrise“, „leben auf einem psychischen Existenzminimum“ (siehe Standard) was gewaltige – auch finanzielle – Folgen für die Qualität unserer Arbeit hat (siehe sinnforschung, Thema: Sinn im Beruf). Bei Gesellschaften, die diesen neoliberalen Lebensstil auf die Spitze getrieben haben, haben die jungen Männer (und viele Frauen) inzwischen weitgehend auf Sex und Beziehung verzichtet (siehe Süddeutsche). Sie … frönen einem anderen Lebensstil, der dem des „armen Poeten“ ähnelt.

Aber mal ehrlich, liebe Damen: wer würde schon wirklich so einen „armen Poeten“ heiraten wollen? Zumal er für sich selbst in seiner sehr reichen Welt lebt … und niemanden neben sich braucht, der beim Genießen des Reichtums stört.

Dass der Weg des „armen Poeten“ größeren Reichtum mit sich bringt, als man gemeinhin – durch Werbung, Schule und Medien geprägt – vermuten würde, merken auch immer mehr „moderne Menschen“: sie wenden sich dem „Minimalismus“ zu (siehe FAZ) … oder trauen sich einen – kurzen – Ausflug in die Welt der „Zeitmillionäre“ zu (siehe Spiegel), sammeln dort Erfahrungen, die der „arme Poet“ schon 1839 visualisierte – übrigens angeblich eins der beliebtesten Bilder der Deutschen.

Noch Fragen?

Und ja: das ist hochpolitisch. Der Kapitalismus braucht Killer, um den Mammon zu rauben und Nutten, um die Killer zu beschäftigen. Alles andere braucht er nicht – und das wird auch verschwinden … wie der sensible, romantische Mann, der im Alter zur Weisheit reifen kann, während unsere „Alten“ immer neunzehn bleiben wollen.

Das sagt eigentlich schon alles.

 

 

Kapitalismus – Feind der Menschheit und Religion für Idioten

Karfreitag, 14.4.2017. Eifel. Ostern. Endlich mal Zeit für ein paar besinnliche Gedanken jenseits der Belästigungen des Alltags. Wir haben Ostern mit einem Riesenfeuer im Hof gefeiert: zwei alte Autos ohne Batterien gingen zeitgleich in Flammen auf, standen weit auseinander. Auch Polizei und Kripo waren da – um 2 Uhr morgens. Ja – da gibt es einen Verdacht … geht um Eigentum. Das hat mich etwas vor trüben Gedanken abgelenkt: in einem nahen Dorf wird bald ein großes altes Haus abgerissen, eine alte Schule, die momentan fünf armen Familien Obdach gibt – drei behinderte Kinder werden ihr Heim verlieren. Ein großer Baustoffhandel hat das Gebäude erworben, will – mutmaßlich – den alten Konkurrenzkampf zweier Baumärkte hier vor Ort weiterführen, von denen einer extra fort gezogen ist, um den Krieg zu beenden – genau in dieses Dorf. Die armen Familien werden ein Jahr vor Abriss informiert – und müssen sich dann auf dem Mietermarkt beweisen, für den sich ganz schlecht ausgestattet sind. Dank Amt, Regierung und Presse stehen arme Menschen in diesem Land auf einem Level mit den Vogelfreien des Mittelalters, gelten als Staats- und Gesellschaftsfeinde und nutzlose, räuberische Existenzen, die nur vom Geld anderer überleben … als hätte sich auch nur einer die Armut selbst ausgesucht. Nun – sie gilt wohl als Strafe Gottes, wobei wir wieder bei Ostern sind.

Was war eigentlich nochmal der Grund für Ostern? Nun: der Sohn Gottes wurde vom römischen Imperium verhaftet, gefoltert und hingerichtet, so die Legende, die gerade bezweifelt wird: in einem vor ein paar Jahren gefundenen Bibelfragment – dem Evangelium des Barnabas – steht geschrieben, dass Christus gar nicht am Kreuz starb (siehe sott.net). Passt zu den Berichten, dass man sein Grab in Kaschmir (Indien) finden kann – wenn man will. Wäre natürlich ein Riesenschock für die Weltreligionen, sollte das wahr sein: Ostern, das Fest der Auferstehung wäre in Gefahr! Ja: kein Tod, keine Auferstehung. Und: keine Kreuze mit Leichen dran, die zum Sinnbild der christlichen Religion geworden sind. Überall sind sie inzwischen auf der Welt zu finden und vermitteln dem bloßen, theologisch ungeschulten Auge eine deutliche Botschaft:

„Sehet her: so groß ist die Macht der Mächte und Gewalten der Welt, dass sie selbst Gottes Sohn ans Kreuz nageln können! Fürchtet uns!“

Merken Sie die Parallele zu der Geschichte in meinem Nachbardorf? Nun: hätte Jesus gesiegt, würden wir solche Erscheinungen in der Alltagswelt nicht mehr wahrnehmen: Milde, Güte und Barmherzigkeit würden unseren Alltag prägen: jede Not hätte ein Ende. Es wäre aber dann zu wenig Geld für gesellschaftliche Krebswucherungen vorhanden – sprich: für Reichtum. Und unseren Krebs wollen wir ja behalten, wie nennen ihn liebevoll Kapitalismus und kümmern uns gar nicht mehr um seine Wirkungen, die dazu führen, dass wir mehr arbeiten als die Neandertaler – mehr als doppelt soviel, ja, denke, wir kommen sogar auf das Dreifache, wenn wir Einkaufen und Hausarbeit noch dazu rechnen. Ein toller Anstieg der Lebensqualität, oder?

Haben Sie sich schon mal überlegt, wie man unsere Zivilisation der Gegenwart so in 5 Millionen Jahren betrachten wird? Welches Bild man sich von uns machen wird? Ja: es werden wahrscheinlich Bilder sein. Bilder vermitteln in kürzester Zeit mehr Sachverhalte als Worte es können, darum sprechen Religionen so gerne in Bildern – die man nie wörtlich nehmen darf, weil man damit den Sinn des Bildes nicht verstanden hat. Darum verstehen einseitig naturwissenschaftlich gebildete Menschen auch die Religion nicht: sie übersetzen die Welt in Zahlen (im Prinzip: eine eigene Form von Sprache, die die Weltsicht auf Mengen reduziert und für Qualitäten keinen Blick hat) und erhoffen sich davon die Erlösung, gebracht hat uns das Auschwitz, Hiroshima und Monsanto. Ja – diese „Wissenschaftler“: sie sind in ihrer degenerierteren Form die Gesinnungspolizei des Kapitalismus, denn diese Seuche braucht ihre eigenen Dogmen, sonst funktioniert sie nicht. Ganz wichtig ist, dass ihre Religion des dogmatischen Materialismus (aus philosophischer Sicht eine perfekte Kopie des mittelalterlichen Katholizismus) allgemein verbreitet wird: die ist sie so gnadenlos wie alle monotheistischen Religionen – nur ihr Gott ist ein anderer: an Stelle des guten, lieben Schöpfergottes tritt ein wahnsinniger, gnaden- und geistloser Idiotengott, dessen irrwitzige Gelüste aus purem Schlamm lebende Wesen erschafft, um sich an ihrem sinnlosen Leiden mit praller sadistischer Lust bis zu ihrem Tode zu ergötzen: das beste, was man dagegen tun kann, ist: ein Haus kaufen und es nie wieder verlassen, bis das der Tod einen scheidet.

Und mal ehrlich: so leben wir doch alle. Aus lauter Langeweile füllen wir dann die Häuser mit unnützen Dingen auf, die uns eine Zeitlang von der Öde, von der Leere, von der Wüstenei unseres eigenen Lebens abhalten. Ich habe dazu eine interessante Sicht in einem Buch gefunden, dass mutmaßlich die Sicht der Aborigines auf das Leben darstellt:

„Das Leben bedeutet für dieses Volk Bewegung, Fortschritt und Veränderung. Sie sprechen von lebender und nichtlebender Zeit. Die Menschen leben nicht, wenn sie wütend, traurig, voller Selbstmitleid oder Angst sind. Atmen allein bedeutet noch nicht, dass man lebt. Es ist nur ein Zeichen für die anderen, welcher Körper beerdigt werden kann und welcher nicht!“ (aus: Marlo Morgan, Traumfänger, Goldmann 1995, Seite 172-173)

Eine verblüffend ähnliche Sicht fand ich mal bei der Todesforscherin Kübler-Ross: einfach nur Atmen und Konsumieren ist am Ende des Lebens vielen zu wenig gewesen. Leider kann man die Uhr nicht zurückstellen und ein anderes Leben wählen, dass nicht völlig dem blinden Idiotengott Kapitalismus dient.

Seien Sie ehrlich: Sie denken doch jetzt sicher wieder, dass wir uns dem „Opium fürs Volk“ – der Religiösität – nähern, oder? Keine Sorge, wir bleiben beim Kapitalismus: aber wir müssen ihn verstehen, um ihn überwinden zu können und ihn in die finsteren Abgründe zurückzuschicken, aus denen er kroch. Ach ja: „Opium fürs Volk“ … wer mal richtig Schmerzen hatte, der weiß, wie gut und hilfreich jede Form von Opium sein kann: ein Segen für die Menschheit, dieser Stoff. Man braucht aber schon Schmerzen, um ihn schätzen zu können – und die sind vielfältig bei denen, die sich nicht von aller Last freikaufen können.

Wir brauchen dieses kleinen Schlenker auch nur, um die religiöse Dimension des Kapitalismus aufzuzeigen, ein Kult, der – wie alle anderen Kulte auch – seine Päpste, Bischöfe und Priester mit all jenem ausstattet, was man den anderen Menschen gnadenlos nimmt. Es ist ein primitiver, blinder Glaube, der die Welt beherrscht und sie in den Untergang treibt: der glaube, dass der „Markt“ eine unsichtbare Hand hat, die alles gut werden läßt. Würden wir im medizinischen Bereich so denken, wären wir über „dreimal pusten und alles ist wieder gut“ nie hinausgekommen. Und weil er ein religiöser Kult ist, haben seine religösen Eiferer auch solche Probleme mit anderen Religionen: auch für ihn gilt: du sollst keine Götter neben mir haben, nicht Christentum, nicht Islam, nicht Judentum, nicht Hinduismus, Shintoismus oder isländischen Elfenglauben, sondern nur den blinden Idiotengott des Urschlamms und seine nihilisten Priester, die in Auschwitz und Hiroshima ihre größten Triumphe feierten. Ja: der Kapitalismus forderst systematisch Menschenopfer: alle Minderleister, die vom Staat nur noch durchgefüttert werden, müssen irgendwann entsorgt werden, weil der Renditehunger der Kapitalfürsten nie erlöscht, Geld aber endlich ist.

Wissen Sie, dass es bis heute noch nicht eine wirtschaftliche Prognose für die Zukunft gab, die stimmte? Trotzdem plappern die Experten ohne Unterlass: um uns vor Langeweile zu bewahren, schätze ich mal, denn großen Sinn gibt das alles nicht. Schauen Sie doch mal die Meinungen zum Thema „Brexit“ an: kein Mensch kann uns sagen, was denn dort jetzt auf uns und unsere britischen Brüder wartet: die Märkte selbst sind „zerstritten“ (siehe FAZ). Und diese zerstrittenen Märkte mit ihren geistlosen Professoren wollen wir die gerechte Verteilung der Güter dieser Welt anvertrauen? Doch um gerechte Verteilung geht es ja gar nicht: es geht um fressen und gefressen werden: gerade frisst Amazon ganze Einkaufszentren … und überraschend stehen wir schon wieder vor einer neuen Immobilienkrise (siehe Managermagazin):

„Amerikas gigantische Shopping-Malls sind legendär. Doch sie sind immer öfter gähnend leer. Flächendeckend bricht deshalb das Finanzierungsmodell für Einkaufszentren zusammen – Investoren bleiben vielfach auf Schrotthypotheken sitzen.“

Schrotthypotheken: auch so ein Produkt des viel gelobten Kapitalismus. Und wie oft verspekulieren sich die großen Päpste des Kapitalismus, die unfehlbaren Siegelbewahrer: die letzte Fehlspekulation bringt jetzt die Marke Jack Wolfskin in die Hände von Hedgefonds (siehe Handelsblatt), die keine Ahnung davon haben, wie man Kleidung produziert und verkauft. Aber von der Ausschlachtung gut laufender Firmen: da haben sie eine Menge Ahnung von. Mir wird ein wenig schwummerig bei dem Gedanken, was wohl in Europa passieren wird, wenn die Hedgefonds die Nahrungsmittelversorgung nicht mehr als rentabel genug bewerten. Nur fünf große Konzerne haben 90 Prozent der Nahrungsmittelversorgung in der Hand (siehe supermarktmacht): machen die lieber in anderen Geschäften Gewinn (z.B. durch Finanzspekulationen), dann wird Essen in Deutschland ein Luxus, den sich viele nicht mehr leisten können.

Was macht der Kapitalismus eigentlich aus uns Menschen? Nun: eine Ware, die gehandelt werden kann. Stichwort hierzu: Arbeitsmarkt. Für Ihre erfolgreiche Vermarktung sind die selbst verantwortlich, auf den Sklavenmärkten der Vergangenheit konnte man sich wenigstens noch erlauben, ein doofes Gesicht zu machen: heute müssen sich alle aufpudern, um vermarktbar zu sein und ständig das strahlendste Lächeln zu produzieren: die Versklavung des Menschen hat sein Innenleben erreicht. Ja – man kann die Degeneration der humanen Gesellschaft überall beobachten: auch im Liebesleben hat das kapitalistische Prinzip Einzug gehalten (siehe Profil)

„Tinder (zu Deutsch: Zunder) revitalisiert mit der Perfektionierung des zwischengeschlechtlichen Pragmatismus auch das Prinzip eines brutalen Darwinismus. Denn es geht im Grunde nur um Äußerlichkeiten und das Motto „survival of the fittest“.“

Der Kapitalismus hat ein zutiefst faschistisches Element, mit dem es untrennbar verbunden ist: der Sozialdarwinismus, welcher wiederum das Rückgrat des dogmatischen Materialismus ist: der blinde Glaube an lebensunwertes Leben, dass ausgemerzt gehört. Verstehen Sie langsam, weshalb der ans Kreuz genagelte Christus fürs Gemüt genau diese Botschaft verbreitet: wer Nächstenliebe als obersten Wert predigt, wird öffentlich hingerichtet! Das glauben Sie nicht? Was geschieht denn mit Firmen, die sich am Markt nicht behaupten können? Was ist denn überhaupt der Sinn von den modernen Märkten (die sich selbst immer wieder mit den Bildern der alten Märkte der Vorzeit schmücken, mit denen sie gar nichts mehr zu tun haben)? Die Verdrängung der Konkurrenz, der beständige Wirtschaftskrieg aller gegen alle ohne Rücksicht auf Verluste.

Wissen Sie, wie viele Oper der laufende Weltkrieg des Kapitalismus im letzen Jahr gekostet hat? 54 Millionen Menschenleben . Ja: Herr Ziegler spricht von einem laufenden dritten Weltkrieg – und zwar mit deutlichen Worten(siehe Jean Ziegler im businessinsider via yahoo):

„Für Ziegler steht fest: Schuld daran ist eine „Weltdiktatur des globalisierten Finanzkapitals“. Er kritisiert, dass die 500 größten Konzerne der Welt 52,8 Prozent des Weltbruttosozialproduktes kontrollieren würden. Das System der USA sei eine Oligarchie, Milliardäre seien dort direkt an der Macht, erklärt Ziegler.

Nach „200 Jahren Konkurrenz, Marktwillkür und Monopolisierung von Macht“ sieht Ziegler den Kapitalismus nicht als reformierbar. Der Soziologe prangert an, dass die Ungleichheit der Vermögen keine Konsequenzen hätte.“

Ja: so wie Deutschland einst dem Faschismus zum Opfer fiel, hat der dunkle Kult des Kapitalismus sich in den USA die Herrschaft über Atomwaffen und die kampfkräftigsten Streitkräfte der Welt gesichert – und schickt sie seit Jahren aus, die Welt untertan zu machen – ganz offen, ganz ohne Konsequenzen seitens der „zivilisierten Nationen“, die sich auch gerne in den nuklearen Narrrentanz stürzen möchten.

Wir können locker mit Angriffen gegen andere Länder leben, die offen gegen das Völkerrecht verstoßen, wer trotzdem seine Stimme dagegen erhebt, ist antiamerikanisch und antikapitalistisch – und wie man mit solchen Menschen verfährt hat der Kapitalismus mehrfach demonstriert – zum Beispiel in Griechenland:

„Kommunisten, Sozialisten, Künstler, Akademiker, Journalisten, Studenten, politisch aktive Frauen, Priester, einschließlich ihrer Familien und Freunde wurden gefoltert. Ihre Fuß- und Fingernägel wurden herausgerissen, ihre Füße wurden mit Stöcken geschlagen, bis die Haut abfiel und die Knochen gebrochen waren. Scharfe Gegenstände wurden in die Vagina geschoben. Dreckige Lappen, oft in Urin getränkt und manchmal auch in Exkremente, wurden in den Hals gesteckt, bis die Opfer fast erstickten. Rohre wurden in den Anus gesteckt und mit hohem Druck Wasser hineingepumpt, auch wurden Elektroschocks am Kopf verabreicht. „Wir alle hier sind Demokraten“ betonte Inspektor Basil Lambo, der Chef der Geheimpolizei in Athen gegenüber seinen Opfern.“ (aus: Daniele Ganser, Nato Geheimarmeen in Europa, Orell füsssli, 7. Auflage 2014, Seite 344)

Das geschah 1967. Wer sich näher für die Verwicklungen der USA in die Ausrottung der Kapitalismuskritiker interessiert, sollte Ganser selbst lesen. Wer das getan hat, wird sich wundern, warum es keine ernst zu nehmenden Alternativen zum Kapitalismus in Europa mehr gibt: ihre Akteure landen eben oft eher auf Friedhöfen als im Parlament.

Ziegler meint, der Kapitalismus sei nicht mehr reformierbar – was bedeutet, dass wir ihn nur noch mit Gewalt loswerden. Das ist Gott sei Dank sehr einfach geworden: am Wahltag können wir einen Akt der Gewalt ausführen – einfach mal was anderes wählen. Doch vorher muss die gräßliche Fratze des Kapitalismus allen gezeigt werden, es muss verstanden werden, dass es sich hier um einen irrationalen Kult handelt, der nur durch den Glauben der Anhänger am Leben erhalten wird – und durch nichts anderes. Natürlich gibt es Profiteure des Kapitalismus – all jene dienstbaren Geister, die an ihm gut verdienen: sie sammeln sich aktuell hauptsächlich bei der CDU, die sich dadurch verdient macht, dass sie nichts gegen die räuberischen Angriffe der Banken in Europa unternimmt (siehe Oxfam):

„Da ist doch etwas faul: Europäische Banken verbuchen mehr als 25 Milliarden Euro ihres Gewinns in Steueroasen, obwohl sie dort nur einen geringen Teil ihres Umsatzes erwirtschaften. Auf Hunderte Millionen Euro haben sie keinen einzigen Cent Steuern gezahlt. Das sind starke Hinweise darauf, dass europäische Banken massiv Gewinne in Steueroasen verschieben und sich so vor ihrem fairen Steuerbeitrag zum Gemeinwohl drücken.“

Es sind gemeine Kriminelle, denen wir unser Geld anvertrauen – und die von Herrn Draghi jeden Tag 2 Milliarden Euro geschenkt bekommen (siehe manager-magazin). In den USA sind es schon 1600 Milliarden, die den Bürgern des Staates entzogen wurden (siehe Spiegel) … was für viel Armut am unteren Ende der finanziellen Nahrungskette sorgt. Irre, oder? Aber ich sagte ja: es ist ein irrationaler, unmenschlicher Kult – und kein „Wirtschaftssystem“. Wir sollten mal Aufkleber fürs Auto produzieren – und Anstecknadeln für die Kleidung:

„Ich glaube nicht mehr an den Kapitalismus!“

Das könnte schon was bewirken. Und die bekannten Alternativen? Sozialismus und Kommunismus? Ich denke, es macht unten wenig Unterschied, wenn oben anstatt des Unternehmers der Parteifunktionär das Kommando hat. Wir brauchen in der Wirtschaft einfach kein „oben“ mehr, sondern ein Miteinander zum Wohle aller. Vielleicht sollten wir uns mehr an Island orientieren, wo der Kult wenig Freunde hat: dort wurden die kriminellen Banker und ihre Freunde einfach eingesperrt, wie es sich gehört (siehe taz). Nun – die Isländer haben ja auch eine eigene Religion, die sie vor dem Kult des blinden Idiotengottes schützt und so Raum für vernünftige Reflexion schafft: dort besänftigen Bauarbeiter noch Elfen, wenn sie deren Kreise gestört haben (siehe Handelsblatt) … während die Prediger des Kapitalismus die Vermarktung des Menschen immer weiter forttreiben: Sex mit Leichen und Geschwistern wird der neue Renner eines Kultes, der an Düsternis kaum zu übertreffen ist (siehe Stern) und inzwischen seltsamste Ansichten verbreitet (siehe wired):

„Es gibt Gründe, warum Menschen so etwas glauben wollen. Sie möchten sich die Welt erklären, obwohl sie vieles nicht verstehen. Anstatt manchmal zu akzeptieren, dass die Welt scheiße ist und es Kriege und Krankheiten gibt — und es dafür keinen Grund gibt —, werden Verschwörungstheorien erfunden.“

So hochgradig intellektuell gibt sich die Verleiherin des „Goldenen Aluhutes“ – einer Gruppe von Anders-Irren, die gegen die (angeblich) Irren kämpfen und die Funktion des mittelalterlichen Inquisitors begeistert übernehmen. Kriege … „gibt es einfach“. Punkt. Ende der intellektuellen Reflexion, wer weiter kritisiert, nach Ursachen, Entscheidern und Förderern sucht, bekommt einen Goldenen Aluhut und wird so an den sozialen Pranger genagelt. Die griechische Junta wusste schon, warum sie Intellektuelle folterte: die verstehen einfach zuviel. Und Künstler können ihre Worte schön in Bilder umsetzen, die schneller mehr Gehalt transportieren als Worte es können.

Und was ist nun das Bild, dass sich die Menschen der Zukunft von uns machen werden? Wir tanzen wie die Idioten um ein menschenfressendes Götzenbild aus purem Gold – und interessieren uns deshalb auch nicht sonderlich dafür, dass die Diener dieses Götzenbildes Kriege entfachen, Staaten ausplündern, Länder vernichten und die gesamte Ökosphäre bei ihrem dämonischen Treiben bedrohen.

Und mal ehrlich – weil heute Besinnungstag ist: möchten Sie gerne zu diesen Irren gehören, die einem Idiotenkult folgen? Oder trauen Sie sich – am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der Familie, im Verein – einfach mal zu sagen: „Ich glaube einfach nicht mehr an den Kapitalismus“.

Es reicht ja auch, wenn Sie an Luft, Wasser, Nahrung und Obdach glauben.

Das brauchen sie nämlich wirklich.

Und das wird knapp. wenn sich das kapitalistische Monster weiter ungebremst durch die Welt pflügt.

Der Kapitalismus und seine Roll-Back-Offensive: Geld gegen Leben

Montag, 6.3.2017. Eifel. Ich würde heute gerne mal über die Gegenwart reden. Eine Gegenwart, von der ich meine, dass sie nicht vollständig begriffen wurde, beziehungsweise nur unvollständig beschrieben wird. Diese Unvollständigkeit hat natürlich einen Sinn: sie nimmt uns die Kraft zum Handeln, weil unsere Weltbilder mangelhaft – oder eben völlig falsch sind. Es hat alles auch mit Mus zu tun – also mit Brei, aber nicht aus Obst. Sozialismus, Faschismus, Feudalismus, Katholiszimus, Protestantismus, Demokratismus …. nein, den letzteren gibt es gar nicht. Das heißt: es gab ihn lange nicht, weil er keinen Sinn machte. Im Laufe des Niedergangs des demokratischen Gedankens kam auch dieser Begriff auf: abwertend wie die anderen (siehe Duden) als formalistische Übertreibung demokratischer Verfahrensweisen. Macht im ersten Moment wenig Sinn – und scheint somit nur ein Kampfbegriff zu sein, um den demokratischen Begriff zu entwerten, denn: Bürokratismus würde ja die Fehlerstellen demokratischer Systeme schon hinreichend genug beschreiben.

Warum geht es bei dem Mus? Um Herrschaft.

Im Sozialismus herrscht die Arbeiter- und Bauernklasse, unschön für das Lumpenproletariat: jene Sozialschmarotzer gelten als Feind des Sozialismus, Marx beschrieb sie wie folgt (siehe Wikipedia):

„zerrütteten Lebeherren mit zweideutigen Subsistenzmitteln und von zweideutiger Herkunft, verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen ‚la bohème‘ nennen“

Heute wären das: Hartz IV-Empfänger und Niedriglöhner. Menschen, aus denen wahrlich kein Cent mehr herauszupressen ist. Manche … waren nur von den Galeeren geflohen, wurden aber vom Sozialismus gleich als Staatsfeinde angesehen und der Arbeitspflicht unterworfen, um Kapitalerträge zu sichern und zu mehren.

Im Faschismus herrscht die Anbetung der nackten Gewalt, das ungebrochene Recht des Stärkeren über die Schwächeren, die es mit allen Mitteln auszumerzen gilt: wie zum Beispiel die Slawen. Gut – die sind nicht ausgerottet worden wie die Juden, aber auch nur, weil die Faschisten den Krieg haushoch verloren hatten. Sonst wären sie – allein aufgrund ihrer Schwäche, hinreichend Rendite für die Zinserwartungen des Kapitals zu erwirtschaften – auch ausgerottet worden … jedenfalls die Minderleister unter ihnen.

Im Feudalismus herrscht eine auserlesene, von Gott berufene Elite über die Untermenschen, die Kaste der Besitzenden hat sich soweit organisiert, dass sie alle Staatsgewalt im Griff hat und sich ihren Reichtum direkt von den Feldern ihrer Bauern holen kann. Im Katholiszismus – mit dem Feudalismus damals personell eng verbunden – herrscht Gottes Sohn als Papst persönlich. Der Feind sind all´ jene, die keine Kirchensteuer entrichten: die Ungläubigen. Sie werden gerne von den Höfen gejagt.

Und der Kapitalismus? Nun … wie wir jetzt bemerkt haben könnten, steht er als treibende Kraft hinter allem, ist eine eigenständige Regierungsform, die nur als solche nicht ausdrücklich behandelt wird. Ja: gruselig, oder? Die ganzen Mus-Bewegungen der letzten Jahrhunderte hatten alle einen gemeinsamen Meister, einen einzigen Herren, der erst sehr spät – nach der französischen Revolution – offen zu Tage getreten ist und heute die ganze Welt beherrscht – wobei ihm egal ist, welche Religion oder welchen politischen Glauben seine ausführende Dienstklasse hat. Schlimm am Kapitalismus: hier unterwirft sich die Menschheit dem Unmenschlichen, dem Geld (bzw. dem größten Geldhaufen), Geldwerte übertrumpfen Menschenrechte, ein künstlich geschaffenes Ding (Geld) übernimmt die Herrschaft über die Menschheit – und die Menschheit beugt sich. Ein Skandal für die „Aufklärung“ seit den Zeiten der griechischen Philosophie: die Götter, die wir abgeschafft haben, sind wieder zurück: die dunklen, bösen, nutzlosen Idiotengötter, die den finstersten Abgründen des menschlichen Geistes entsprangen.

Hört sich schaurig an, oder?

Ist aber wahr. Ich wage auch die Vermutung – wobei ich ein durchaus positives Menschenbild offenbare – dass Auschwitz ohne Kapitalismus gar nicht denkbar wäre: es braucht schon eine unmenschliche Kraft, die als Herrscher anerkannt wird, um solche kalten Orgien der Massenvernichtung durchzuziehen. Und wer sich in den Werken des Historikers Götz Aly mit der Genese der Massenvernichtung im Nationalsozialismus beschäftigt, wird merken, das Kapitalrendite das zentrale, alternativlose Argument für die Massenvernichtung unwerten Lebens war, die natürlich nicht nur die Juden betraf (treue Diener eines Gottes, der – auf dieser Interpretationsebene – der natürliche Feind des Moloch „Geld“ war, weil er Menschen seiner Herrschaft entriss – und zudem offen forderte, dass es keine anderen Götter neben ihm gab; erst recht kein Goldenes Kalb, um das man den ganzen Tag orgiastisch tanzte), sondern alle, deren Arbeit nicht genug Rendite abwarf – mögen sie auch noch so blond, blauäugig und superarisch gewesen sein: wer nicht schuftet bis zum Untergang, ist wertlos. Kennen Sie vielleicht aktuell aus Ihrer Firma.

Merken Sie langsam, wie es Ihnen kalt den Rücken herunterläuft? Nun – zurecht. Wir hatten Revolutionen, Umstürze, Staatsneugründungen, doch eins blieb über 600 Jahre stabil: die reichen Familien Hierzu gibt es eine Studie aus Florenz (siehe Welt), die Rückschlüsse auf die Verhältnisse in anderen Ländern zuläßt. Mammon hat alle geschichtlichen Turbulenzen unbeschadet überstanden, auch wenn der Reichsgraf mancherorts Politikkommissar oder Gauleiter hieß. Und diese Familien planen langfristig, über Generationen hinweg, wobei Heirat eines der zentralen Mittel der Machtvernetzung ist. Gut: 1789 gab es einen kleinen Rückschlag, 1917 auch, ebenso 1949. Aber Rückschläge spornen die Hohepriester des Mammon ja nur an – und das ist, was wir gerade erleben: die Operation Rollback der Kapitalfürsten, die all die vielen Erfolge wieder zurückdrängen will zugunsten eines Systems, in denen ihre Gefolgsleute die politische Macht ausüben … eine Macht, die sie selber gar nicht haben wollen, weil ihnen jede Form von Arbeit, die nicht auf Partys, Bällen und Empfängen erledigt werden kann zuwieder ist.

Ich weiß: schon wieder viele Worte gemacht. Doch bleiben Sie am Ball, denn jetzt: geht es um Sie. Es geht um die flächendeckende Vernichtung von „Familie“ als solche – ein erster Vorbote der kommenden Vernichtungsorgien, ohne die der Kapitalismus letztlich nicht seine Wachstumsraten erzielen kann. Nein – das sind jetzt keine Geheimnisse von Verschwörungstheoretikern, das sind Fakten, die man bei der Bundeszentrale für politische Bildung findet:

„Die Familienpolitik will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Klingt gut. Doch der Politik geht es nicht um die Familien, sondern um die Wirtschaft, findet der Journalist Rainer Stadler. Die Politik versuche die Familien den Bedingungen des Arbeitsmarktes anzupassen – mit der Folge ganztagsbetreuter Kinder. Das gilt vielen als alternativlos – Kritik daran, gilt rasch als reaktionär.“

Die Familie … das war mal die Keimzelle der Gesellschaft. Noch nicht mal die kann unser Staat noch schützen. Die Familie wird „wirtschaftskompatibel“ gemacht – im Sinne der Rendite:

„Diese Denkweise hat sich bei den Familienpolitikern aller im Bundestag vertretenen Parteien durchgesetzt. Niemand kommt mehr auf die Idee zu fragen: Ist es wirklich familienfreundlich, eine Infrastruktur zu schaffen, deren Zweck vor allem darin besteht, die Familie den ganzen Tag voneinander zu trennen? Ist es wirklich sozial, Betreuungseinrichtungen 24 Stunden am Tag zu öffnen, damit alleinerziehende Mütter spätabends an der Supermarktkasse sitzen oder ihre Nachtschicht als Krankenschwester ableisten können?“

Diese Kinder haben keine Eltern mehr, sie haben Ernährer. Gemeinsames Leben, gemeinsames Lernen, Lachen, Spiel, Spaß, Liebe, Verbundenheit, Verantwortung, füreinander da sein – alles unnütze Beschäftigungen des Lumpenproletariats, der Bohéme, die mit dem Todfeind des Kapitalismus kokettiert: dem Anarchokommunismus, der sich urchristlicher Lehren bedient, um dem Leben jenseits von Macht, Herrschaft und Ausbeutung wieder ein Maximum an Lebensqualität zu verleihen.

Wir marschieren während der Rollbackoffensive des Kapitalismus wieder direkt in die ältesten aller Herrschaftsformen: wo acht Menschen mehr besitzen als die Hälfte der Weltbevölkerung (siehe Spiegel), da sind die alten Gottkönige Ägyptens, die Pharaonen, nicht mehr weit entfernt. Würde mich nicht wundern, wenn es bald Schreine für diese acht Leute gibt, wo man zu ihnen beten kann, um auch ein Stück von ihrem Segen zu erhalten. Die hochachtungsvolle Verehrung von „Promis“ wird ja in unseren Medien schon ausufernd praktiziert – das muss man nur noch weiterdenken.

Es ist wichtig, dass Sie sich das klar machen, denn: ihre Laune hängt direkt davon ab, ihre Resillienz, ihre Widerstandsfähgikeit gegen Propaganda – da liegt der erste Schritt zum Widerstand begründet dass man „Nein“ sagt zum Weltbild des Kapitalimus, „Nein“ zur Vernichtung von Mensch und Umwelt, „Nein“ zu allen Götzen, die sich zum Herrscher über die Menschheit aufschwingen wollen. Ihr persönliches Weltbild hängt direkt mit der Bewertung Ihres Lebens zusammen. Darüber wird wenig gesprochen – weil der Kapitalismus uns ein düsteres Weltbild aufgezwungen hat, das wir kritiklos hinnehmen, ohne zu bemerken, wie sehr uns das den Wind aus den Segeln nimmt.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Christentum (nicht dem Katholizismus – wohlgemerkt). Der Christ – also: Jesus persönlich – lebt in einer „gefallenen Welt“. Passiert da ein Unglück – ist das normal, liegt nicht am Individuum, sondern an der Grundstruktur einer unperfekten Welt, in der es halt Erdbeben, Raubtiere und Schnupfenviren gibt, die nicht nach der Pfeife des Menschen tanzen. Sie regen sich in einem solchen Weltbild nicht sonderlich über Misserfolge auf: die sind die normale Basis einer gefallenen Welt, in der alles schiefgeht, was nur irgendwie schief gehen kann. Was predigt hingegen des Kapitalismus (in verschiedenen, durchaus auch als „Esoterik“ getarnten Philosophien): geht etwas schief in Deinem Leben, dann … bist Du persönlich falsch, denkst falsch, fühlst falsch, lebst falsch, bis minderwertig – ein Minderleister. Die Welt des Kapitalismus ist durchweg superheil. Machen Sie einfach mal ihren TV-Empfänger an: die Botschaft verfolgt sie täglich mehrfach auf allen Kanälen, vor allem in der Werbung. Klar: wenn die Welt superheil ist, dann … nun, dann können bei Misserfolgen ja nur SIE schuld sein. Anstatt also mal über die Umstände nachzudenken, beschäftigen Sie sich nur mit sich selbst und der Kernfrage ihres Lebens: wie absolut ungenügend ihre ganze Existenz doch nur sein kann, weil Sie noch kein Milliardär sind.

Wie der Katholizismus braucht auch der Kapitalismus ein besonderes, beängstigendes Weltbild. Drohte der Katholizismus mit der Hölle, in die die Seele nach dem Leben fallen kann, droht der Kapitalismus mit etwas noch viel schlimmerem: der endgültigen, absoluten Vernichtung am Ende ihres Lebens. „Leben“ … wird dogmatisch begrenzt auf die Zeit zwischen Geburt und Tod – und Sieger ist, wer am Ende des Lebens am meisten Geld zusammengerafft hat. Da der Geldkreislauf ein geschlossenes System ist, kann man es nur von anderen raffen. Das ist jetzt kein Kommunismus, das ist reine Physik. Dieser dogmatische Lehrsatz -„Sinn des Lebens ist, als Milliardär zu sterben“ – ist der Kern des Kapitalismus, die Basis seines Glaubenssystems. Wer es schafft, am Ende seines Lebens Privatjets, einen Park mit Luxussportwagen, große Yachten und private Schlösser vorzuweisen, der … hat es geschafft. Der ist der Gewinner. „Wer wird Millionär“ – ist der zentrale Antriebssatz dieses Systems … „wer wird glücklich“ ist eine Frage, die nur am Rande gestellt wird, „wessen Leben ist sinnvoll“ wird gar nicht mehr gestellt – bzw. im Sinne des Kapitalismus alternativlos beantwortet: sinnvolles Leben ist jenes, dass dem Chef Gewinne in die Kassen spült.

Wie der Katholizismus hat der Kapitalismus auch seine Inqusitoren aufgestellt, deren Hauptaufgabe es ist, Hexen zu verbrennen bzw. das Volk dazu aufzustacheln, dies zu tun. Unsere modernen Inquisitoren nennen sich u.a. GWUP und Psiram, ihre Aufgabe ist klar definiert: alle Abweichler von der Lehre des Kapitalismus (bzw. seiner wissenschaftlichen Basis des dogmatischen Materialismus des 19. Jahrhunderts unter Ausklammerung aller Fortschritte der Physik in den letzten zweihundert Jahren) zu verbrennen – oder zumindest verbal so übel anzugehen, dass niemand mehr mit ihnen zu tun haben möchte, der nicht selbst in den Fokus des Hasses und des vernichtenden Spotts gegen Andersdenkende kommen möchte.

Die Rollbackoffensive des Kapitalismus läuft auf breitester Front, reicht tief in ihr Privatleben hinein – und wird auch in den nächsten Jahren Konsequenzen für Ihre materielle Versorgung haben – sofern Sie nicht das Wunder verbringen, jedes Jahr noch schneller zu rennen, um ihre vom Chef gesetzten Ziele zu erreichen. Schauen wir hierzu mal nach Griechenland, jenem Land, das wir ja unter fürchterlichen Opfern so großzügig gerettet haben. Ganz offen berichtet die Süddeutsche Zeitung von der drohenden völligen Vernichtung Griechenlands, die jedermann kalt läßt, weil es sich nach dem kapitalistischen Weltbild um wertlose Existenzen handelt, die kein Lebensrecht haben – womöglich, weil sie sich auch der völligen ökonomischen Verwertung ihrer Familien entzogen haben. Es findet eine unglaubliche Hatz nach den letzten Resten Bargeld im Lande statt (bzw. eine komplette Entwertung noch versteckter Bargeldreservern, die das Überleben sichern sollten): wer nicht bargeldlos zahlt, wird bestraft (siehe Focus). Sie können sich gerne bei Reuters über die konkreten Auswirkungen der Armut informieren: zwei Packungen Nudeln im Monat müssen reichen. Das ist momentan der Standard in einem EU-Land, das zudem die Wiege der europäischen Kultur war. Und wir reden den ganzen Tag über Trump und Putin, während EU-Bürger nur noch dahinvegetieren.

Wir können in Deutschland noch nicht mal über Armut reden – über unser eigene Armut. Kaum gibt es einen Armutsbericht, der zeigt, wie die griechische Armut nach Deutschland kommt, schon stehen jene auf, die im Schulterschluss die Vernichtung der Familie im Dienste des Kapitals beschlossen haben und stellen den Bericht in Frage (siehe FAZ), dabei ist schon der Tagesschau zu entnehmen, dass die Armen in Deutschland für das zehn Jahre längere Leben der Reichen bezahlen … ja es sogar – wie bei den alten Pharaonen – mit ihrem eigenen Leben bezahlen. Unsere Wirtschaftsform – die, genau genommen, eine Herrschaftsform ist, tötet Menschen – sagt sogar der Papst (siehe Süddeutsche), die große Offensive des Kapitalismus drängt sogar ihre alten Dienstleister an den Rand. Und hören Sie bitte auf, vom „Neoliberalismus“ zu reden – dieser Begriff täuscht nur vor, es gäbe eine schlechte Form von Kapitalismus … und adäquat dazu irgendwo eine gute Form. Neoliberalismus ist nur das Codewort für Kapitalismus in der Offensive, eine Offensive, die ihm wieder – nach 200 Jahren Schmach und Heimlichkeit – die absolute Oberherrschaft über die Menschheit zurückgeben soll.

Ich möchte Ihnen einen Artikel ans Herz legen, der aufzeigt, dass „die Reichen die wahren Sozialschmarotzer“ sind, ein Artikel, der aufzeigt, in welcher Realität wir gerade leben (siehe Heise):

„Die sozialversicherte Arbeit ist zerstört worden und je weniger man für Arbeit bezahlen muss, umso mehr Profit wird gemacht. Das alles wird nebenbei von den Steuerzahlern finanziert – etwa für Subventionen, Steuererleichterungen und die Zahlung von Hartz IV-Regelsätzen für Berufstätige, die nicht von ihrem Lohn leben können. So bezahlen die Arbeitnehmer für den Abbau ihrer eigenen Rechte, damit die Shareholder dann alles, was die anderen geleistet und erarbeitet haben unter sich aufteilen können.“

Das ist unsere Gegenwart: die Vertreibung von unseren Höfen. So herrschte Feudalismus, Sozialismus, Faschismus im Dienste des Kapitalismus, der mit seiner Geldmacht gerade die schwachen Demokratien zerdrückt oder gleich ganz aufkauft: wir werden von unserer Lebensgrundlage abgeschnitten – vom freien Zugang zum Warenfluss mittels Geld, besser gesagt: von der Ernte unserer Höfe. Da ist historisch das finstere Mittelalter nicht weit hinter uns – wir sind mitten drin, als Flüchtlinge, die täglich ängstlich auf den Briefkasten schauen, ob dort nicht jene Rechnung kommt, jene Kündigung, jene finanzielle Forderung, die uns endgültig auf die Straße treibt. Ganz ungünstige Voraussetzungen für eine Revolution, momentan können wir nur flüchten vor jenen „Mächten und Gewalten“, die sich gerade zurückholen, was sie dereinst verloren hatte. Deren Macht ist inzwischen so groß, dass sie – um nur ein Beispiel zu nennen – ihre ehedem profitablen Ölbohrplattformen vom Steuerzahler abreißen lassen (siehe Tagesschau) anstatt ihren Müll selbst zu entsorgen.

Und eigentlich … können Sie sogar froh sein, wenn Sie ihre drei-Zimmer-Wohlstandsblase in der Innenstadt verlieren, denn genau betrachtet, sind diese Zellen die Motoren der Umweltvernichtung … achten Sie einfach mal drauf, wie viel Müll sie monatlich produzieren. Aktuell hat diese Erkenntnis eine Umweltschützerin zur Aufgabe gebracht, sie hat einen lesenswerten Abschiedsbrief geschrieben, der uns zum Kern unserer persönlichen Existenz im Kapitalismus führt (siehe Umwelt-Watchblog):

„Das, was ich als Ausweg sehe, ist nicht populär. Unser Lebensstil, der nur auf exzessiven Verbrauch aller erreichbaren Güter ausgerichtet ist, muss sich ändern. Wir haben nicht so viel Energie zur Verfügung, wie wir brauchen, um weiterhin alles so zu tun wie wir es derzeit tun. Ein Anfang wäre die umfassende, ehrliche Aufklärung und Information über das, was derzeit geschieht und nicht zukunftsfähig ist.“

Und was gerade geschieht, ist: wir sind alle Teil eines Molochs, der unsere Lebensgrundlage vernichtet. Der Moloch heißt Kapitalismus – und er ist in der Offensive. Also bitte nicht groß wundern, wo die großen Demonstrationen für Frieden und Gerechtigkeit bleiben: wo feindliche Offensiven ihre Opfer durchs Land jagen, ihnen die Höfe nehmen, die Würde, die Freude, die Freiheit (auch die, zwischen konkurrierenden Weltbildern das für sich selbst zu wählen, in dem man sich am wohlsten fühlt), sind erstmal zu wenig Ressourcen für effektiven Widerstand vorhanden. Wir müssen erstmal mit der Erkenntnis leben, dass wir selbst Teil der Offensive des Geldes gegen das Leben sind – etwas, was ich immer merke, wenn ich meinen Plastikmüll herausbringe … und mir bewusst werde, dass ich gerade meinen Teil an der Vernichtung der Lebenswelt meiner Kinder und Urenkel beitrage. Ja – schauen Sie sich mal die Studie über PCB-Belastungen in ihren Wohnungen an: da leben Sie vegan, rauchen nicht, treiben regelmäßig Sport … und kehren jeden Abend in eine krebserregende Gifthölle zurück, der sie gar nicht entkommen können (siehe Stuttgarter Zeitung) – an der aber viele andere gut Geld verdienen.

Schlimm, wenn man über Kapitalismus redet und merkt, dass man auch selbst Teil seiner Offensive „Geld gegen Leben“ ist. Aber – um das nochmal zu erwähnen:

Ein Anfang wäre die umfassende, ehrliche Aufklärung und Information über das, was derzeit geschieht und nicht zukunftsfähig ist.

Und wenigstens daran könnten Sie teilhaben.

 

 

 

Kapitalismus? Abschaffen. Und zwar gestern! Oder … bluten. Und sterben.

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Freitag, 18.11.2016. Eifel. Ja, was verlange ich denn heute von Ihnen? Die mutigste Tat Ihres Lebens: sich gegen die Religion der Gegenwart zu stellen: gegen  Geld, Arbeit, gegen Schulden, Wachstum und Wirtschaft. Jedenfalls … wird man Ihnen erzählen, dass es so wäre, dass dies mein Ansinnen sei. Ich möchte Sie jedoch aufmuntern, gegen Armut zu sein, gegen Hunger, gegen Ausbeutung, gegen Kinderarbeit, gegen Kriege, Arbeitszwang und Massenvernichtung von menschlichem Leben – wozu es irgendwann kommen muss, wenn der Zinseszinszwang die letzten Cent aus den Taschen saugt und einfach kein Geld mehr da ist, alle zu ernähren. Unglaublich? Entsprechende Pläne hegten schon unpolitische Akademiker in den dreißiger und vierziger Jahren bezüglich der jüdischen, russischen und polnischen Bevölkerung: die nicht ausbeutungsfähigen (alte Menschen, kranke Menschen, Kinder) sollten auf Nulldiät gesetzt werden – sprich: verhungern – damit „Das Reich“ in Wohlstand leben konnte. Unpolitische Akademiker? Ja – die machten danach ja übergangslos Karriere in der Bundesrepublik Deutschland, die meinte, auf solche „Fachkräfte“ nicht verzichten zu können. Außerdem – so wurde uns erzählt – war ja Hitler tot und der Faschismus somit bis in alle Ewigkeiten gebannt.

Ich möchte Ihnen zum besseren Verständnis mal eine Geschichte erzählen, in der Sie und ich vorkommen.

Denken Sie sich einfach mal, wir fahren zusammen in Urlaub. Nein, wir fahren nicht: wir fliegen. Nach Neuseeland, da wohnt ein guter Freund von mir, der vermietet dort Ferienzimmer: wir wären herzlich willkommen. Wegen ihm käme ja sogar ich mit, der ansonsten sehr reiseunlustig ist. Neuseeland wird Ihnen gefallen, ist eins der schönsten Länder auf der Erde. Nicht so schön wie die Eifel, auch nicht so umweltfreundlich zu erreichen – aber es ist ja erst mal nur eine Geschichte.

Unterwegs macht die moderne Technik das, was Technik immer und überall macht: sie geht kaputt. Unser Flieger gibt den Geist auf, nicht am Boden, wo es bequem und sicher wäre, sondern in der Luft. Wir stürzen ab. Glück im Unglück beschert uns eine Notwasserung ganz in der Nähe eine unbewohnten Insel, von denen es dort noch tausende gibt (manche von ihnen sind sogar käuflich zu erwerben).

Da sitzen wir nun: anstatt lustiges Treiben im Club haben wir endloses Elend am Strand. Wir können uns kurz freuen, das niemand verstorben ist … doch dann holt uns die schreckliche Realität ein. Wir merken, dass wir leider mit nur mangelhaften Körpern ausgestattet sind. Sie sind zwar bei weitem zuverlässiger als Technik jeder Art, können sich selbst reparieren und mit Energie (Strom) versorgen, besitzen eine der kostbarsten chemischen Fabriken auf Erden (die Leber), können Wärme auch ohne Verbrennungsmotoren erzeugen … aber brauchen permanent Wärme, Wasser und Nahrung, um weiter ihre phantastische Arbeit zu leisten. Einen Tag schaffen wir ohne Wärme, drei ohne Wasser, ein paar mehr ohne Nahrung – doch dann ist mit Funkionsaussetzern zu rechnen.

Wir müssen also schnell starten mit „Wirtschaft“ und die benötigten Elemente heranschaffen. Ich habe wie immer ein Feuerzeug in der Hosentasche, so dass das erste Problem (Wärme) schnell gelöst werden kann. Als Teilnehmer diverser „Survival-Trainings“ rate ich auch schnell zur sofortigen Arbeit: die Zeit läuft. Große Diskussions- und Klagerunden sind zwar menschlich verständlich, führen aber – wie der wache Geist schnell selbst erkennt – nur zu noch mehr Klagegründen. Sicher wird es manche Menschen geben, denen das sofort zuviel ist, die einen Schock haben und versorgt werden müssen. Die müssen gepflegt werden, bis sie die anderen ersetzen können, die sich sofort auf die Suche nach Feuerholz, Essen und Wasser machen. Ja, da dürfen wir sofort aufmerken: außerhalb der menschlichen Gedankengebäude ist Wärme, Essen und Wasser UMSONST, wird einfach von der Natur geschenkt, ist in Hülle und Fülle vorhanden – selbst in ärmsten Ländern, bedarf nur ein wenig Arbeit, um die Früchte zu ernten.

Schnell sind die Aufgaben verteilt, ja nach Höhe des Selbstorganisationsgrades der einzelnen Teilnehmer der Gemeinschaft suchen sie sich die Aufgaben selbst, ist der niedriger (wie bei Menschen aus arbeitsteiligen Gesellschaften üblich), so kann ein Philosoph helfen: das Denken in Bildern und Netzen ist genau das, was man jetzt braucht, weil es schneller funktioniert – ein kurzer Blick genügt schon, um zu  erkennen, dass wir zu wenig Leute für Wasser haben (das wird schneller dringend) und zu viele für Holz (liegt direkt am Strand schon in Massen herum). Jener, der diesen Prozess aushilfsweise organisiert, ist in der Wirtschaft „der Boss“ – er nimmt einem das Denken ab … allerdings sinnvollerweise nur für einen Übergangszeitraum: die Organisation von Ablaufprozessen ist gedanklich sehr anstregend und vor allem: dürfen keinerlei Fehler gemacht werden, weil die Folgen tödlich wären. Jener „Boss“ sitzt also noch am Schreibtisch, während andere schon schlafen: an seinen Planungen hängt viel in der Startphase … aber auch wirklich nur da. Wir können uns auch einen Flieger voller Survivalvolk denken – die brauchen keinen Chef, die wissen schon alles … und wenn die hinreichend sozial sind, dann landen die traumatisierten Schockpatienten auch nicht sofort bei den Fischen im Meer.

Je besser die Arbeit organisiert wird, umso mehr freie Kapazitäten hat man, um z.B. Leuchfeuer zu bauen, die Hütten zu verbessern, Wälder zu roden und mit Anpflanzungen zu beginnen – oder am Strand zu liegen und entspannt einfach mal gar nichts zu tun und sein Leben zu genießen: so, wie es die Schöpfung einst vorgesehen hatte. Drei Stunden Arbeit am Tag für die Grundversorgung – der Rest ist frei. Nun – mit den Survivalfreaks möchte ich nicht gerne dort landen: es sind meist notorische Einzelgänger, nur auf sich bedacht – es gibt einfach herzlich wenig zu lachen mit ihnen, sehe schon vor mir, wei die abends grimmig allein am Lagerfeuer sitzen und an einer mageren Ratte nagen, während wie anderen schon Brot backen, Bier trinken und ausgelassene Feste feiern … dank selbst gebranntem Alkohol.

Ja: dank Arbeit (ohne Schulden, Zinsen und Lohn) haben wir unsere Insel nach einem Jahr in ein Paradies verwandelt, das schöner ist als Neuseeland, es wird unser coolster Urlaub aller Zeiten.

Ab wann kippt das Paradies?

Nun – ab dem Moment, wo sich einer an den Strand setzt und sagt: „Ich mache die Bank“ … und billige Palmblätter gegen Arbeit und Produkte eintauscht. Die Palmblätter – bislang ein vorzüglicher Ersatz für Toilettenpapier – sind auch umsonst in großer Menge vorhanden, aber es „zählen“ auf einmal nur noch die, die sein Handzeichen aufweisen.

Es ist der kritische Moment unserer Gemeinschaft … und der Philosoph zieht sich auch genau in diesem Moment allein in den Wald zurück, um das Beispiel nicht zu gefährden mit seiner blöden Frage: wozu Bank?

Vielleicht stellen sich viele die Frage, doch der Banker ist natürlich ein rhetorisch geschickter Verführer (keine Frage: besuchen sie einfach mal den Anlageberater ihrer Sparkasse und erleben Sie es selbst) und hat eine teuflische Botschaft: wer genug seiner Palmblätter hat, braucht nicht mehr arbeiten, bekommt aber mehr Essen und Wasser als die anderen, ja, kann sich von den anderen sogar einen Palast bauen lassen.

Aufrechte Demokraten, denen der Zusammenhang von Arbeit und Leben noch gegenwärtig ist (darum sind wir ja gerade auf dieser Insel als Modell, um den noch mal klar ins Auge zu fassen), würden den Banker sofort in die Meere zurückjagen – oder ihn zum Holz sammeln auf die andere Seite der Insel schicken. Doch – und hier nähern wir uns der Realität – wo haben wir die noch, die aufrechten Demokraten? Wir haben ja moderne Menschen hier – so wie Sie – die die Verlockungen des arbeitsfreien Lebens, in dessen Mittelpunkt das eigene Ego steht, ohne weiteres zu schätzen wissen, die der Verheißung von grenzenlosem Ausleben aller Wünsche, Träume und Phantasien nicht widerstehen können. Zwar stellen sich auch den Zögernden noch Fragen („wie soll das alles funktionieren – Palmblätter sind doch nicht nahrhaft?“) und diesen Moment nutzen die reiferen Charaktere aus, um den Banker zur Rede zu stellen, vor dem Unsinn zu warnen, der mehr Arbeit für viele bedeutet und die Freizeit enorm einschränken wird, damit wenige Palmblätter verwalten … doch in dem Moment kommt dem Banker eine teuflische Idee: „Wir brauchen eine Regierung!“.

Auf einmal gefällt ihm die Idee der Demokratie, die zuvor – ohne große Tamtam – einfach funktionierte, weil die Menschen Zeit und gute Laune genug hatten, um alle Differenzen friedlich austragen zu können. Nur: es steckt halt auch eine teuflische Idee dahinter, denn: „Regierung“ … ist der Schritt zur Abschaffung der Demokratie.

Natürlich ist die Idee „Demokratie“ verlockend und plausibel – alle machen mit. Warum man nun Menschen, die sich nicht durch Leistung qualifizieren, die man nur in gewissen Momenten abrufen braucht, für alle Ewigkeiten in Herrschaftspositionen setzen muss – völlig unabhängig davon, ob sie wirklich die Qualität zur Führung einer demokratischen Zivilgesellschaft haben oder nur besonders verlogene, hinterhältige und berechnende Karrieristen sind – diese Frage stellt erstmal keiner: er wäre ja sofort ein Faschist. Und wer drängt nun in die Regierung? Nun – die Laumalocher. Jene, die noch nie einen Hammer in der Hand hatten. Jene, die sehen, dass sie dann ganz nahe an dem Palmblatthügel des Bankers sitzen, den sie mit Hilfe der Dümmeren in der Gemeinschaft verteidigen, in dem sie ihnen Waffen besorgen – die ersten Waffen, die blutige Wunden verursachen.

So sprengt der Banker unser Paradies – den Rest sehen Sie in Ihrem eigenen Leben, denn: mit Hilfe der Regierung setzt der Banker neue Regeln durch: „Zinsen“ kommen in die Welt. Wer krank ist und sich zum Überleben zehn Palmblätter leiht, muss elf zurückzahlen. Je länger das System läuft, umso weniger Palmblätter hat die Insel, es wird noch später sogar auf Muscheln und Steine zurückgegriffen – alles wertloser Tand – um das System mit „Tauschmitteln“ auszustatten. Und da sich auf Seiten des Bankers gut leben läßt – die bleiben bei Gewitter und strömendem Regen einfach in der Hütte sitzen und warten darauf, dass die „Arbeiter“ (wie man die anderen,  minderwertigen Gestalten nennt) sie füttern und umsorgen; ja, sie führen sogar den Titel „Arbeitnehmer“ ein – es ist ja der Banker, dessen Futterbedarf den anderen überhaupt die viele zusätzliche Arbeit verschafft, die sie annehmen – weshalb sie „Arbeitnehmer“ werden und er „Arbeitgeber“.

Der Trend zum „Bankersein“ verstärkt sich, da alle merken: die echte Arbeit wird von immer weniger Menschen gemacht, die sich gesundheitlich kaputt malochen. Das Leben verschlechtert sich insgesamt: da immer mehr Menschen frei von Arbeit nur von Palmblättern, Steinen und Muscheln leben wollen, werden die Ressourcen knapp. Anstatt den eigenen Bedarf zu zügeln oder selbst mal mit anzupacken anstatt nur bei feierlichen Eröffnungen Bänder zu zerschneiden, um neue Lustwandelwege für die oberen Zehntausend zu eröffnen, nimmt die Regierung lieber jene ins Auge, die sich nicht wehren können, jene, die ohnehin nur noch verbrauchen, jene Menschen, die von der deutschen Wirtschaft – ob nun im Nationalsozialismus oder in der Bundesrepublik ist da völlig egal, diese Regeln gelten systemübergreifend (wie wir im Alltag ja an allen Ecken und Enden sehen) – als „Ballastexistenzen“ angesehen werden, weil sie dem Banker überhaupt keine Rendite mehr bescheren.

Schleichend und langsam – oder schnell und grausam – werden sie ausgemerzt. Die Art der Vernichtung ist direkt vom Widerstand jener abhängig, die sich nicht dem Banker und seinem Palmblattwahn angeschlossen haben, jenem Wahn, der – dank Regierung – mitlerweile die ganze Insel zu Privateigentum erklärt hat, für das man – sofern man auf der Insel bleiben möchte – „Miete“ zahlen muss … also Zinsen fürs nackte Wohnen, was vorher 100 000 Jahre lang völlig umsonst war. Ist der Widerstand hart und unnachgiebig, werden viele Widerworte gemacht, die Menschen anstecken und aufklären können, wird der Kurs der Vernichtung sanft sein, über „gerechte“ Sanktionen, über schönes Reden von „Fördern und Fordern“; ist der Widerstand aber schwach – oder die Menschen sogar schon so verroht, dass sie über die ihre Mitmenschen hinwegsteigen, die sterbend vor den Palmblattautomaten stehen – dann wird die Vernichtung betriebswirtschaftlich effektiver organisiert.

Wie endet unsere Insel nach hundert Jahren?

So wie wir. Eine kleine Kaste von Asozialen (es reichen zehn Prozent der Gesellschaft, wie bei uns: siehe Spiegel) saugt sich maschinell automatisch die Taschen so voll, dass sie gar nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld, während ein ständig wachsender Teil der Bevölkerung immer schneller rennen muss für immer weniger Palmblätter. Große Sympathie finden die asozialen Gestalten bei ihresgleichen: den Faulen, Asozialen, Laumalochern und Nichtstuern, die gerne für Null Arbeit in Saus und Braus leben. Um das zu tarnen, verwässern sie auch den Arbeitsbegriff und tun so, als wäre ein Tag mit Kaffee, Kuchen und Heizung im Büro ähnlich schlimm wie zehn Stunden Steine kloppen, Kranke und Alte pflegen oder den Acker zu pflügen, als wären „Geschäftsessen“ und „Tagungen“ zu vergleichen mit den Tagen, die Feuerwehrleute und Rettungssanitäter hinter sich bringen müssen, ja selbst Tage im gut geheizten, weich gepolsterten Parlament – von uns anderen als Unterhaltung in der Freizeit auf dem Sofa genossen – werden so hoch gehalten (und dotiert) als entsprechen sie zwanzig-Stunden-Schichten beim Straßenbau im Winter … nur viel viel besser bezahlt.

Straßenbau hat schon einige Menschen zerstört, im Parlament ist noch niemand vor Überarbeitung zusammengebrochen, bezahlt wird es aber besser als die Arbeit auf Ölbohrplattformen, die jederzeit das eigene Leben kosten kann. Der gefährlichste Beruf in Deutschland ist momentan der Gerüstbauer – doch sind es nicht diese Menschen, denen wir das meiste Geld geben. Über ein Viertel aller Arbeitnehmer werden im Laufe ihres Lebens berufsunfähig, bei Gerüstbauern und Dachdeckern sind es über fünfzig Prozent (siehe Statista), doch nicht diese Menschen bekommen das Geld … sondern jene Verwaltungsmenschen in Versicherungen, Banken und Regierungen, die ihnen gerechte Entlohnung des Risikos vorenthalten. Ja – schauen Sie sich mal die Statistiken an: dort, wo viel Geld gemacht wird, ist das Risiko am geringsten, köperlich oder geistig zu schaden zu kommen.

Und nochmal hundert Jahre?

Ach komm – jetzt denken Sie doch bitte mal selbst nach, wo das endet. Ach was – ich sag´ es einfach mal: immer und überall endet Kapitalismus im Faschismus. Der Anspruch auf „die ganze Welt plus fünfundzwanzig Prozent arbeitsfreie Eigenkapitalrendite“ funktioniert nicht, weil nur eine Welt da ist – was die blöden Kapitalisten nicht von ihren strunzdummen Forderungen nach mehr, mehr, immer mehr und nochmal mehr abhält. Es gibt betriebswirtschaftlich unter kapitalistischen Rahmenbedingungen gesehen gar keine Alternative zur Massenvernichtung der unnützen Esser, die nichts anderes leisten können als Rendite zu mindern, in dem sie essen, schlafen, trinken, warm haben wollen und unter sich machen. Man könnte sogar ausrechnen, wann genau der Moment kommt, an dem die Geldgier der zehn Prozent anfängt, an dem Lebensminimum des unteren Drittels zu nagen. In Deutschland haben wir das sogar schon: rotgrün hat erst die Spitzensteuersätze gesenkt … und sich dann das Geld von den Arbeitslosen geholt, die per Gesetz zu „Parasiten“ und „Sozialschmarotzern“ erklärt wurden, mit großer Unterstützung unserer Medien, die auf unsere Insel in Gestalt wandernder Boten unterwegs sind, die mit Trommeln und Trompeten beständig rund um die Uhr die Glaubenssätze der Lumpenelite verbreiten, um jeden eigenen Gedanken zu unterdrücken.

Was uns noch verbindet? Hier und auf unserer Insel gibt es ein „Dschungelcamp“ zur Belustigung der Massen mit enormer politischer Funktion: dort werden Höflinge, die in Ungnade gefallen sind, dem Spott des Pöbels ausgeliefert um ihm für einen Moment eine Illusion von Macht und Gerechtigkeit zu geben, die ihm eine kurze Entlastung schafft: schon die alten Römer wussten, dass man so für Ruhe sorgen kann, ganz nach der Regel der Mafia: erschieße einen, diszipliniere hundert.

Nun werden Sie sich fragen: was macht eigentlich der Philosoph, dessen Aufgabe es ist, „Mind-Maps“ – also: Weltbilder – zu entwerfen, anhand derer Arbeit und Verteilung organisiert werden kann?

Nun – er arbeite erstmal an neuen „Mind Maps“, unauffällig, weit zurückgezogen. Er sieht, dass Blut fließen wird – viel Blut. Leise und unauffällig – in alte Lumpen gekleidet – bewegt er sich durch die Menge der Menschen, sucht die, die für den Neuaufbau nützlich sind. Es gibt keine Alternative zu diesem Blut fließen: Aufstand oder Auschwitz, dass ist hier die Frage. Entweder findet sich ein militärisch hinreichend perfekter Kriegshäuptling, der den Filz mit harter Hand zerschlägt – womit sich der Traum des „gerechten Königs“ Bahn bricht, der die Menschen schon seit Jahrtausenden verführt (und immer nur zum „Tyrannenwechsel“ geeignet ist, wie die Geschichte unserer Revolutionen gezeigt hat), wieder mal erfüllt … oder das System der Ausbeutung kommt zu jenem Punkt, wo „Minderleister“ existentiell zu stören beginnen und ein weniger gerechter Kriegshäuptling die Vernichtung organisiert.

Wie auch immer: es wird der Moment kommen, wo wieder aufgebaut werden muss, wo wir wieder nackt, hungrig, durstig und frierend am Strand sitzen. Und dort muss dann effektiv Arbeit organisiert werden, um Leid zu mindern. Und es gilt, einen Satz – am besten mit den Anspruch eines nicht hinterfragbaren „Wortes Gottes“ – in die Welt zu setzen, einen Leitsatz, der Kapitalismus für immer unmöglich macht.

„Liebt euren Nächsten wie euch selbst“ – war schon mal ein mächtiger Leitsatz, die das mächtige, römische Imperium als äußerst bedrohlich empfand.

Vielleicht … hat der Philosoph auch die leise Hoffnung, dass es endlich mal gelingen möge, den blutigen Krieg der Waffen durch den weisen Krieg der Worte zu  ersetzen, der für alle Gewinn bringen würde. Doch schaue ich mir die Gegenwart an, so schwindet alle Hoffnung. Die Menschen sind sogar immer weniger an der Lage, selbst einfachste soziale System wie „Familie“ am Leben zu erhalten, selbst die winzigste Miniorganisation „Beziehung“ wird immer unmöglicher – wie will man da Hoffnung haben können (über die Gefährlichkeit unsere neuen „Nichtbeziehungen“ siehe Zett), komplexere Systeme erfolgreich ans Laufen zu kriegen.

Die Alternativen zum Kapitalismus sind längst da (um mal wieder eine zu nennen: Treeec) – nur fehlen die Menschen, sie ins Leben zu rufen. Nicht umsonst ist Dschungelcamp Deutschlands erfolgreichste Sendung.

Also … bleibt nur noch die Vorbereitung auf blutige Zeiten, die täglich näher kommen – wie jetzt bei dem erfolgreichen Superkonzern VW, der erstmal 30000 Arbeitsplätze abbaut (siehe Handelsblatt) … innerhalb der nächsten vier Jahre, hauptsächlich in Deutschland. Die wollen halt nicht mehr Autos für alle – sondern mehr Palmblätter für die oberen Zehntausend.

 

 

Die große Lüge vom Kampf gegen „Rechts“.

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5.8.2016. Eifel. Deutschland ist erschüttert. Es befindet sich in einem gigantischen Endkampf gegen die größte Bedrohung, die dieses Land je gesehen hat. Das Ende ist nah, doch die Kräfte des Lichts scharen sich um das Heilige Schwert, um der Dunkelheit den Sieg abzuringen. Nun – so jedenfalls wird es verkauft.

Was ist nun das Dunkle, die böse Saat, der Fluch der Teufel? Ist es die kollabierende Ökosphäre? Ist es die aktuell wieder drohende nukleare Verwüstung der Erde? Oder die aktuell immer weiter fortschreitende Verwüstung der Welt durch irrsinnige Baumaßnahmen – allein Deutschland gibt gerade wieder 236 Milliarden Euro für Autobahnen aus (für Hartz IV zahlt der Bund 22 Milliarden im Jahr – nur mal so erwähnt, um Vergleiche möglich zu machen). Geht es um die rasante Zunahme von Mikroplastik in den Flüssen? Sind endlich die unbekannten Spender des Helmut Kohl aufgetaucht, deren Namen er höher schätzte als seinen Amtseid? Ist es TTIP und CETA, die es ermöglichen, dass Konzerne in Zukunft ohne jedes Risiko und ohne jede Investition riesige Gewinne auf Staatskosten machen können – einfach, in dem sie ihre Projekte in Naturschutzgebieten planen?

Ist es die fortschreitende Militarisierung Europas, die jetzt auch Frankreich ergreift (mit einer neuen Nationalgarde – siehe Spiegel). Sind es die laufenden Waffenlieferungen an Menschenfeinde, die der deutschen Industrie Supergewinne (und: ARBEITSPLÄTZE) bescheren, der zunehmende Einsatz der einst friedlichen Bundeswehr im Ausland, der laufende Massenmord durch Urangeschosse (an dem sich immerhin 30 Länder beteiligen – siehe AG Friedensforschung)? Widmet man sich vielleicht dem größten Massenmord, den Regierungen an ihren eigenen Bürgern veranstaltet haben – dem Mord durch das Plutonium der Atombombenversuche, der durch die größte Anti-Raucher-Kampagne der Geschichte vertuscht werden soll? Ja – das wird womöglich der nächsten große Skandal, ausgelöst durch die Statistik (siehe liebeistleben):

„Japan und Griechenland haben die höchste Anzahl an erwachsenen Zigarettenrauchern weltweit aber die niedrigste Lungenkrebsrate. Im direkten Kontrast dazu weisen Amerika, Australien, Russland und einige südpazifische Inselgruppen die geringste Anzahl an erwachsenen Zigarettenrauchern weltweit auf, haben aber die höchste Lungenkrebsrate.“

Der Skandal? Es ist das Plutonium der oberirdischen Atombombenversuche demokratischer Regierungen, die – trotz besseren Wissens – den Krebs in die Welt gebracht haben. Plutonium verursacht IMMER Lungenkrebs – Zigaretten nur manchmal. Aber diese Plutonium-Geschichte würde zu unangenehmen Fragen über „Regierungen“ führen.

Oder ist es die Tatsache, dass in einer der reichsten Regionen der Welt jedes vierte Kind von Armut bedroht ist (siehe heute) – was als eine weitere Form von organisierter Massenvernichtung angesehen werden kann?

Nun – ich will Sie nicht weiter auf die Folter spannen, weder Kinderpornografie, noch die zunehmende Gewalt in der Ehe, noch die absichtliche Verelendung und Ausplünderung weiter Teile der Bevölkerung sind Ziel dieses Kreuzzuges, sondern … der Kampf gegen „Rechts“.

Bevor Sie jetzt nicken und „aha“ rufen, so als wenn Sie wirklich alles verstanden hätten muss ich ein wenig Einhalt gebieten. Dieser Reflex ist Ihnen nämlich antrainiert – mit viel Übung und Raffinesse. Bevor wir weitereilen, möchte ich Ihnen erstmal die Frage stellen: was ist denn das eigentlich, dieses „Rechts“? Antworten Sie nicht – ich will ein paar Beispiele nennen.

Angela Merkel zum Beispiel: die ist rechts. Ganz eindeutig. Die führende politische Macht in Deutschland (CDU) ist eine rechte Partei. Sie herrscht über viele Gemeinden und Bundesländer, regiert im Bund, preist die Errungenschafen des Kapitalismus (und erhält seine ihn tragenden Banken mit dem 15-fachen dessen, was man für Hartz IV ausgibt), schickt Agenten und Agitateure in fremde Länder, um sich dort – ganz gegen die UN-Verfassung – in deren innere Angelegenheiten einzumischen, deckt Verfassungsbruch ihres Altkanzlers, hat einige dubiose Parteispendenskandale aufzuklären (was wohl nie geschehen wird, es sei denn: „die schwarze Null“ Schäuble erinnert sich endlich, wo die 100000 Mark hin sind, die er persönlich vom Waffenhändler Schreiber in Empfang genommen hat) und ist in ihrer Geschichte bekannt durch vielfache, ausländerfeindliche Aktivitäten (zum Beispiel gegen den Doppelpass, den rot-grün einführen wollte oder durch die aktuelle Kanzlerin, die „Multi-Kulti“ für gescheitert hielt).

Ihr Schwesterpartei CSU – regiert mit absoluter Mehrheit in Bayern – ist ebenfalls eine sich offen bekennende rechte Partei. Ebenso die FDP – wobei die dankenswerterweise noch „Bürgerrechte“ hoch halten .. jedenfalls die von Zahnärzten und Börsengurus. Oder die SPD – die immer links antäuscht um dann rechte Politik zu machen, aber früher wenigsens nochmal echte Linke hatte.

Echte Linke? Gibt es das überhaupt noch?

Nun – in Deutschland sind sie verboten. Seit 1956. Die Alliierten hatten die von Hitler verbotene KPD wieder zugelassen, Hitlers Erben haben sie wieder verboten. NPD war erlaubt. Ach – lassen wir das, ist lange her – und vielleicht verbieten wir ja 2016 endlich auch mal die NSDAP-Nachfolgeorganisation. Und es gibt ja aktuell auch wieder Linke – die MLPD. Sie jedenfalls machen echte linke Arbeit in Kobane und wollen wieder aufbauen, was rechte Militärs zerbombt haben (siehe Spiegel). Gut – es sind Stalinisten/Maoisten – aber doch trotzdem noch irgendwie links, oder?

Wir wollen ja auch keine neue politische Diskussion entfachen, sondern uns um das ultimative Armageddon kümmern: den „Kampf gegen Rechts“. Die „Zeit“ hat mal erläutert, worum es da geht (siehe Zeit):

„Nichts tut so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen. Denn dann steht man garantiert auf der richtigen Seite. Wenn es stimmt, was Franz Werfel einst schrieb, dass nämlich neben dem Geschlechtstrieb kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr bestimmt wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit, dann ist leicht zu verstehen, warum der Kampf gegen Rechts solche Energien freisetzt: Er belohnt den Kämpfer mit einem maßlosen, ja mit dem denkbar größten moralischen Sieg überhaupt. Man stellt sich schließlich – irgendwie, im weitesten Sinne oder so – gegen Hitler und den Holocaust.“

Es kommt sogar noch besser:

„Hinzu kommt, dass Antifaschismus noch nie so billig zu haben war wie heute. Früher konnte er das Leben kosten, heute kostet er nicht mehr als ein Lippenbekenntnis unter Gleichgesinnten – und schon gehört man dazu, zum erlesenen Kreis der Aufrichtigen, Anständigen, Tapferen. Die Kämpfer gegen Rechts bilden den Adelsstand der aufgeklärten Gesellschaft. Oder noch einen Schuss polemischer: Hier findet ein Ablasshandel statt; die moralische Überlegenheit kann man einfach erwerben, indem man dem Kampf gegen Rechts beitritt.“

Vor allem einfach: man muss nicht „für“ etwas sein, es reicht, „gegen“ etwas zu sein, etwas, was man nicht genau bestimmen kann, was aber alle „rechts“ nennen … und das in einer Gesellschaft, die „links denkt und rechts handelt“ – so jedenfalls beschreibt uns der Soziologe Armin Nessehi (siehe Deutschlandfunk). Und in der geifernden, eifernden Sucht nach moralischer Überlegenheit wird blind um sich geschlagen – mangels echter Gefolgsleute der NSDAP sucht man – nur zum Zwecke der Demonstration der eigenen Überlegenheit – beständig mehr „Rechte“, an denen man seine eigene Überlegenheit demonstrieren kann … „Rechte“, die nicht etwa in Folge eines demokratischen Diskurses als solche im Dialog herausgearbeitet werden, sondern „Rechte“, die per Beschluss privater Organisationen als solche bestimmt werden.

Eine dieser Organisation kommt – auch von unserer Seite aus – zunehmend unter Beschuss – gemeint ist die Antonio Amadeau-Stiftung (warum die nur – in rassistischer Verniedlichung – den Vornamen des „Negers“ benutzen .. wie alle Sklavenhändler vor ihnen … erschließt sich dem Laien nicht. Eine „Herr Kiowa-Stiftung“ hätte ihm mehr Ehre angedeihen lassen). Nun wird dieser „Beschuss“ gerade thematisiert (siehe Tagesspiegel):

„Die Stiftung selbst bestreitet, bei ihrer Arbeit auf dem linken Auge blind zu sein. Sprecherin Sofia Vester verweist darauf, dass regelmäßig auch linksextremistischer Antisemitismus thematisiert worden sein, ebenso wie linke Verschwörungstheorien oder auch Antisemitismus unter Flüchtlingen“.

Auf ihrer Titelseite sammeln sie ganz groß „Spenden gegen Rechtsextremismus“, aber sind auch gegen „linke Verschwörungstheorien“, „linksextremen Antisemitismus“ und Antisemitismus unter Flüchtlingen. Wäre cool, wenn man das auch irgendwie in die Produktbeschreibung unterbringen könnte. Natürlich ist es in Ordnung, wenn man selber Verschwörungstheorien bildet (scheinbar sind nur die linken Verschwörungstheorien pfui) und sich eine große Hetzjagd gegen die arme, sich selbst beweihräuchernde Elite herbeiträumt – eine Hetzjagd, die von einem ominösen Mob, von bildungsfernen Schichten, vom Untermenschen, ja … früher hätte man Jude gesagt … ausgeht, ja, von einer „kampagnenhaften Boshaftigkeit“ ist die Rede.

Vielleicht ist die Lösung aber viel einfacher: eine Seite gegen (bislang nicht näher definierten „hate speech“) von Menschen mitgestalten zu lassen, die selber „hate speech“ anwenden, ist einfach Mumpitz … und unglaubwürdig. Ja – ich spreche hier von Julia Schramm, die Dresdener gerne zu Brei bomben würde (wir berichteten) und auch im Ministerim nun auf Kritik stößt:

„Zu Schramm ging das Ministerium derweil auf Distanz: „Einige der von ihr verfassten Tweets überschreiten tatsächlich auch für uns die Grenze zur Hassrede.“

Es gibt eben gute Hassrede und böse Hassrede … das muss man einfach wissen. Gute Hassrede ist die, die moralische Überlegenheit demonstrieren will und so ihren Überlegenheitsstatus manifestiert, ihr Herrenmenschensein legitimieren will, böse Hassrede ist das Gequatsche der bildungsfernen Unterschicht, die … ausgerottet gehört. Sie sind „die Fremden“, die „Anderen“, die „Unteren“, die „Minderwertigen“, die, die aufgrund ihrer Andersartigkeit, die nur als Abartigkeit verstanden werden kann, gar kein Recht auf Leben hätten, wenn die „Guten“ sich nur endlich hemmunglos ausleben dürften.

Das gegen solche Herrenmenschen nun die Staatsanwaltschaft ermittelt (siehe mdr), verwundert nicht: der bessere Mensch stand schon immer über dem Gesetz.

Die Wahrheit? Es gibt viel zu wenig Nazis, an denen sich die viel zu vielen „Bessermenschen“ abarbeiten könnten. Jene, die wirklich noch die Überzeugungen der NSDAP leben, kann man nur noch mit der Lupe suchen – darum braucht man einen verwässerten Begriff von „Rechts“, um sich möglichst viel Feinde einbilden zu können – viel Feind, viel Ehr – und da es um die narzistische Erhöhung der eigenen Persönlichkeit geht, kann man gar nicht genug Ehre (also: Feinde) haben.

Noch mehr Wahrheit? Das „Bessermenschentum“ ist an sich … zutiefst rechts und faschistisch. Darf ich da eine eigene Definiton von „Rechts“ wagen – eine, die sich durch die Geschichte hindurch belegen läßt?

„Rechts“ – im üblen Sinne von „faschistisch“ – ist der blinde Glaube an die Überlegenheit irgendeiner Form von Menschsein gegenüber anderen, im Kern die Bevorzugung feudaler Ordnung (mit „gutem“ Adel gegen „tumbe“ Bauern) gegenüber der sozialen, kooperativen, gemeinschaftlichen, demokratischen Ordnung („ich bin ok, du bist ok“). Die drastischste Ausprägung des Faschismus der Gegenwart(noch nicht mal im Ansatz im Fokus dieser ominösen Stiftung oder jeglichen Kampfes gegen „Rechts“) ist die Kampf der „Leistungsträger“ gegen „Minderleister“ (auch gerne Schmarotzer und Parasiten genannt, denen man besser nichts zu essen gibt), ein Kampf, der schon manchem Minderleister das Leben gekostet hat und sich in nichts (aber auch gar nichts!) vom Kampf des heldenhaften, kampfeswilligen, großen, blonden, blauäugigen SS-Mannes gegen den slawischen Untermenschen unterscheidet, der – da sind sich alle einig – eigentlich gar kein Recht auf Leben hat (weshalb auch die aktuelle „Russenhatz“ eben nicht unter Rassismus fällt – jedenfalls nicht im „Mainstream“, der sie massiv betreibt).

Hier wird – garniert mit linkem Denken (das sich gerne mit völlig ungefährlichen Qualitäten wie Veganismus oder Schutz von Feudalgetier – Hunden und Pferden – schmückt) – echter Faschismus im Alltag praktiziert, im Gleichschritt mit einer internationalen, demokratie- und menschenfeindlichen Konzernjunta, die sich nicht scheut, die gesamte Ökosphäre unter ihren Stiefeln zu zermalmen. Wo finden wir eigentlich die Leute, die sich gegen den wirklichen deutschen Faschimus wenden, die echten Linken, die den Kampf mit dem „rechten“ Leben der Masse aufnehmen? Nun – manchmal noch im politischen Kabarett, wo man weiß, dass „Zweifel“ säen (Zweifel vor allem an Propaganda von Regierung und Konzernen) eine eigene Qualität ist (siehe Max Uthoff in Konkret):

„Aber es gibt Momente, in denen ich nicht an Aufklärung denke, sondern an die Multiplizierung von Zweifeln. Es würde mir schon reichen – und das passiert relativ regelmäßig –, wenn nach der Veranstaltung Zuschauer zu mir kommen und sagen: Danke für das, was Sie machen, weil ich das Gefühl habe, da, wo ich lebe, bin ich allein mit meiner Meinung. Und wenn wir uns die Berichterstattung in den letzten anderthalb, zwei Jahren anschauen, über Griechenland, die Ukraine – sofern man dem Mainstream gegenüber kritisch eingestellt ist, kann es schon sein, dass man in einer kleinen Dorfgemeinschaft oder sonstwo auf verlorenem Posten steht. Insofern macht die Vervielfältigung von Zweifeln oder einer abweichenden Sichtweise … –  na ja, Mut, klingt auch schon wieder so … – vielleicht schafft sie auf eine gewisse Weise Solidarität.“

Doch wer Zeifel sät … ist „Verschwörungstheoretiker“ (links oder rechts ist bei dieser Unkategorie egal), Feind der Menschheit … weil er die Propaganda der Regierung in Zweifel zieht … jenen Regierungen, die nicht zögerten, den Lungenkrebs in die Welt zu bringen, der Millionen tötet (wie erwähnt: Zigaretten machen manchmal Lungenkrebs – die Mehrheit der Raucher bekommt keinen, Plutonium macht immer Lungenkrebs – doch darüber spricht man nicht, obwohl ich gerne Schadenersatz dafür hätte).

Echter Faschismus, echtes Herrenmenschenleben demonstriert der Deutsche im Urlaub, da, wo er sein Stück von dem Beutekuchen der Konzerne abbekommt, wo man für ihn die schönsten Gegenden der Welt zusammengeraubt und mit Betonmauern und Stacheldraht abgeschirmt hat, wo er auch mal für einen Moment „Herr“ sein darf, bevor ihn sein Arbeitssklavendasein wieder dem Burnout näher bringt. Echter Faschismus … zeigt sich ganz offen, ohne dass er überhaupt vom Mainstream noch bemerkt wird (siehe Spiegel):

„Die olympischen Segler müssen in Rio in einer stark verschmutzten Bucht antreten: Fäkalien, Gift, Müll und Schwermetalle belasten das Wasser.“ „Viele Segler, die in dieser Brühe Hochleistungen erbringen und Medaillen gewinnen wollen, bringt das in Rage.“

Dass zehn Millionen Menschen dort tagtäglich mit den Industrieabfällen leben müssen, dass es „unsere“ kapitalistische Produktionsweise ist, die sich dort ungezügelt austobt, dass unsere „Leistungsträger“ letztendlich ihre Boote mit den Gewinnen finanzieren, die aus diesen Verbrechen eingefahren werden … kein Wort davon. Die Untermenschen sollen dort gefälligst verrecken, die Regierung für eine saubere Bucht für den adeligen Segler sorgen … anstatt für den Umbau der ganzen vernichtenden Produktion … wozu auch ein Industriepark des deutschen Bayerkonzerns gehört (siehe Pressebox).

So zeigt sich im angeblichen „Kampf gegen Rechts“, dass wir den Faschismus immer noch nicht verstanden haben, ihn aber weiterhin gerne leben: die „Herrschaft des Stärkeren“ wird in Deutschland immer noch bedingungslos bewundert … solange man zu den Stärkeren gehört – und „Kampf gegen Rechts“ ist nur ein weiteres Instrument der Starken gegen die Schwachen.

Währenddessen stehen Linke mit ihren sozialromantischen Forderungen nach „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit“, mit ihren Zweifeln an der selbstlosen Aufrichtigkeit von Regierung und Konzern, mit ihrer umfassenden und gut begründeten Kritik an unsere ganzen planetar vernichtenden Lebensform völlig auf verlorenem Posten.

Und die Hassreden im Internet – sind die nun harmlos?

Nein. Nur waren sie schon immer da. Jetzt hören sie alle. Aber es sind – das kann ich als Internetaktivist sagen – verschwindend wenige, hier wie im Alltag. Kein Grund sie als große Bedrohung der Zivilisation überzubewerten – aber eine Möglicheit, das Internet als jenem Ort, wo sich die planetare Zivilgesellschaft etablierte, sobald technisch die Möglichkeit dazu bestand, mit aller Kraft abzuwerten.

Die Menschheit an sich … ist in der Tat eher links.

Anders als ihre feudalen Führer aller Parteien, ihre „Aktivisten“, die sich durch die Bank für was besseres, was edleres, was höheres halten und dementsprechend mehr Ressourcen als der Rest beanspruchen – selbst wenn man zwei Planeten dafür braucht.

Der angebliche Kampf gegen Rechts ist so nichts anderes als ein Herrenmenschenreflex der Meritokratie, die ihren Überlegenheitsanspruch mit dem Kampf gegen eingebildete Nazis festigen möchte.

 

Blitzkrieg der Elite gegen die Demokratie 1976-2016: die Strategie

Montag, 20.6.2016. Eifel. Sie merken doch auch, dass etwas schief läuft, oder? Auf der Straße zum Beispiel: die Leute werden immer gewalttätiger. Oder am Arbeitsplatz, wo sie von Jahr zu Jahr devoter werden müssen, um das Wohlwollen der Hierarchie zu erhalten. Oder daheim, wo man ständig mehr Mühe hat, dass die Gleichung Einnahmen – Ausgaben kein Minus am Monatsende aufweist. Oder in der Schule, wo die alten demokratischen Urwerte „Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung“ langsam der „hemmungslosen Selbstvermarktung ohne jede Verantwortung“ weichen. Oder im Fernsehen, dass von heute auf morgen neue „Feinde“ aus dem Hut zaubert. Ach ja – Fernsehen. Wissen Sie, was Mitarbeiter des Fernsehens selbst über die Qualiltät des Programms äußern? Sie werden es kaum glauben (siehe heise.de):

„Regierungsfromm, tendenziös, defizitär, agitatorisch, propagandistisch und desinformativ: Die ehemaligen NDR-Mitarbeiter Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam kommen im Telepolis-Interview zu einem vernichtenden Urteil, was die Fernsehberichterstattung angeht.“

Na – erkennen Sie Ihre Abendinformation wieder?

Oder die Politik. Linke Politiker machen eine 180-Grad-Wendung und bauen im Namen von „Reformen“ den Sozialstaat ab, eine aus der Friedens- und Umweltbewegung stammende Partei schickt das erste mal seit Hitler wieder Bomber ins neutrale Ausland, ihr „Superstar“ Fischer berät im Anschluss Automobilkonzerne, obwohl Autos nur Sondermüll auf vier Rädern sind, eine ebensolche Wendung erfährt die CDU, die von heute auf morgen zur großen „Pro-Asyl“-Partei wird – nach jahrzehntelanger Ausländerfeindlichkeit (bis hin zu den Plänen Helmut Kohls, die ansässigen Türken wieder aus dem Land zu entfernen). Völlig wirr das Ganze, oder? Währenddessen verfällt die Bevölkerung in eine Art Apathie – was  nicht verwundert: Rechte machen linke Politik, Linke machen rechte Politik (auch die Linkspartei bewegt sich zögerlich in diese Richtung, wenn sie „Regierungsverantwortung“ hat): da soll noch einer mitkommen.

Das war mal anders – und zwar weltweit. Angefangen hatte es in den dreißiger Jahren in der führenden Supermacht der westlichen Welt, den USA. Dort hatte sich ein Präsident mit aller Macht gegen die Macht der Wirtschaft gestemmt, einen „New Deal“ entworfen und durchgesetzt (mit tatkräftiger Hilfe der Gewerkschaften und sympathisierender Bürger, die auf den Straßen standen, um Solidarität und Kampfbereitschaft zu demonstrieren) und der Oligarchie einen empfindsamen Stoß versetzt, nicht so hart aber ähnlich wirksam wie die Revolution von 1789. Darüber wurde viel geschrieben – weniger allerdings über die Operation Backlash – den Gegenschlag der Menschenhalter. Nun – ich nenne sie nur Operation Gegenschlag, wie sie intern bei „denen“ heißt, kann ich nicht sagen. Auch der König verriet den Rebellen nicht, wie er seine Gegenaktionen nannte – noch nicht mal, als man ihm den Kopf abschlug.

Sie könnten davon erfahren – nur: der Film, in dem die Geschichte erzählt wird, ist kaum bekannt – und natürlich gibt es keine deutsche Übersetzung dafür. Erst Recht keine große Werbung: jede Art von Aufklärung über die realen Machtverhältnisse dieser Welt wird von der „Elite“ (so wollen wir diese Gestalten mal eine Weile lang nennen, weil sie sich selbst als solche empfinden) als „Verschwörungstheorie“ diffamiert – womit sie jede Bestrebung schlecht reden, ihre Pläne und Schachzüge der Öffentlichkeit zu unterbreiten und damit gleichzeitig verbreiten, dass alle historische Entwicklung, jedes verabschiedete Gesetz, jede Strategie der Unternehmerverbände nur auf bloßen Zufall beruht und niemals irgendwelche Absichten hat, noch stecken konkrete Pläne dahinter: im Gegenteil – die hochbezahlten Fachkräfte, die die intelligentesten Menschen der Gesellschaft für viel Geld anwerben, Würfeln oder befragen Orakel, wenn sie Entscheidungen treffen … jedenfalls soll uns dieses Gefühl vermittelt werden. Verantwortung für alles Unheil hat nur – das hören wir oft genug – der Verbraucher. Er hat beschlossen, dass die landwirtschaftliche Selbstversorgung abgeschafft wird, er hat beschlossen, sein Leben in Fabriken und Großraumbüros fernab der Familie zu verbringen, ihm ist es zu verdanken, dass die Umweltschäden der kurzsichtigen Produktionsweise die gesamte Ökosphere vernichten, er will ein künstliches Leben, in dem er 14 Stunden täglich mit den Herausforderungen des Alltags beschäftigt ist – anstatt nur drei Stunden wie seine Brüder im Dschungel, er will ein von Autobahnen und Eisenbahnnetzen durchzogenes Land, überteuerte Großstädte mit schlechter Luft und chronischem Lärmterror, er will Fleisch aus erbärmlicher Massentierhaltung, pestizidversuchtes Obst und Gemüse oder mit Quecksilber verseuchtes Grundwasser – die „Elite“ fällt zwar die Entscheidungen (und zwar ALLE, seit dem 18. Jahrhundert), aber die Verantwortung dafür tragen nur SIE, der Feind der Schöpfung.

Der Film heißt „Requiem for the american dream“ und äußert Gedanken, die hierzulande schlicht verboten sind: er beschreibt den „Backlash“, den Gegenschlag der Geldmächtigen aus der Sicht von Noam Chomsky, der als einer der führenden Intellektuellen der US-Gesellschaft gilt und schon während der Studentenproteste der sechziger Jahre verhaftet wurden (siehe Filmstarts.de):

„In über einen Zeitraum von vier Jahren geführten Interviews verdeutlicht der Linguist und Philosoph Noam Chomsky wie wir zu einer nie zuvor dagewesenen Ungleichheit gekommen sind, indem er ein halbes Jahrhundert Politik nachzeichnet, die die Reichen zuungunsten der Mehrheit bevorteilt hat. Er warnt dabei vor einer Entsolidarisierung der Gemeinschaft und rüttelt den Zuschauer auf, für eine gerechte Zukunft einzustehen, die im letzten halben Jahrhundert aus den Augen verloren gegangen ist…“

Chomsky beschreibt die 10 strategischen Zielrichtungen der Geldelite zur Machterhaltung und Machtgestaltung, mit denen sie ihren Blitzkrieg gegen die Demokratie (meine Formulierung) führen, Ziele, die ich hier kurz erläutern möchte. Grundlage für die Operation Gegenschlag waren die viel gescholtenen Proteste in den USA der sechziger Jahre, wo eine ganze Gesellschaft auf die Straße ging und mehr Demokratie einforderte – mehr Rechte für Frauen, mehr Rechte für Menschen anderer Hautfarbe, mehr Rechte für Kinder, Schüler und Studenten … und gegen die renditeträchtigen Kriege der Regierung (allein der Vietnamkrieg hatte der Industrie Aufträge für 10000 Hubschrauber eingebracht: da war viel in die Taschen der „Elite“ zu verteilen). Ich möchte diese zehn Strategien für Deutschland und Europa mit eigenen Worten füllen, dies stellt also keine Inhaltsangabe des Films da, der sich speziell mit der Situation in den USA befasst (von der wir allerdings direkt und indirekt selbst betroffen sind).

Strategie 1: Reduziere Demokratie

Von „exzessiver Demokratie“ war damals in den Gutachten – auch der „liberalen“ Partei – zu lesen, und sie wurde als Gefahr empfunden. Wo käme man denn auch hin, wenn das Volk selbst entscheiden würde? Das weiß man seit dem alten Griechenland: das arme Volk würde entscheiden, dass die Superreichen was abgeben müssten. Es wäre vernünftig und sinnvoll – und würde der Wirtschaft einen gigantischen Schwung verpassen. Unmöglich? Das Geldvermögen der Deutschen liegt bei 5 Billionen Euro. Nehme ich davon 3 Billionen Euro für eine „Sonderabgabe Aufschwung“, kann ich jedem Deutschen 37500 Euro schenken. Das würde in dem Jahr eine Steigerung der Binnenwirtschaft um über 100 Prozent bedeuten – es gäbe mehr Steuereinahmen, mehr Arbeitsplätze, keine Armut mehr. Die Reichen verdienen auch sofort mit: die Verdienststrukturen sind ja weiterhin da. Doch das möchte man nicht – weshalb man die Demokratie „repräsentativ“ hält … und die Repräsententen durch Diäten reich macht, damit sie wissen, auf welcher Seite sie zu  stehen haben. Darum ist dies Ziel Nr. 1: die Demokratie muss abgebaut werden, was dazu führt, dass 70 Prozent der US-Bevölkerung aktuell überhaupt keinen Einfluss mehr auf die Politik haben – in Deutschland und Europa dürften die Zahlen ähnlich sein: wir wählen nur noch die Kellner, aber nicht mehr das Gericht – die eigentliche Grundlage für unsere angebliche „Wahlmüdigkeit“.

Strategie 2: Ideologie formen

Dies geschah schon ab den fünfziger Jahren, für Deutschland hat dies Frank Schirrmacher in seinem Buch „Ego“ hinreichend beschrieben: was, wie und wo gedacht werden sollte, wird vorgeschrieben, die Diskurse in den Talkshows sind heftig – aber nur innerhalb eng gesteckter Grenzen. Es musste eine „Anti-Ideologie“ zur Hippie-Kultur gefunden werden  – man schuf sie, in dem man den „Yuppie“ entwarf (samt einer industriell erzeugten und gesteuerten Musikkultur): junge Menschen, die mit drei Knopfdrücken zu Multimillionären wurden. Dies war  zwar verbunden mit einigen Verlusten, weil die Deppen manchmal zur falschen Zeit den falschen Knopf drückten, doch diese Folgen waren angesichts des Nutzens egal: der Jüngling mit dem Maserati demonstrierte allen politisch Engagierten, was wirkliche, sichtbare Macht bedeutet und zerrüttete so die ganze ehedem rebellische Jugend: für einen Maserati bekam man 10000 treue, gehorsame Gefolgsleute, die auch „Yuppie“ werden wollten anstatt die Welt zu retten – das war ein preiswertes Geschäft, auch wenn es für die eine oder andere Bank den Untergang bedeutete. Nebenher fuhr man eine besondere Philosophie, die man in den Schränken degenerierter Zweige des amerikanischen Protestantismus fand: das „positiv Denken“ als Erfolgsrezept für alle Lebenslagen, welches kurz gefasst besagt: jeder bekommt das, was er verdient. Hat jemand Milliarden, ist er wohl so „gut“, dass er es verdient. Kriegt jemand Hartz IV, ist er so schlecht, dass er es eben verdient (von Auschwitz wollen wir hier gar nicht erst reden, eben so wenig vom Tod im Schützengraben, unter Bombenteppichen, dem Unfalltod oder durch Krebs – auch da gilt das Gesetz, das jeder bekommt, was er verdient). Diese Ideologie wird – beachtenswerter weise – gerade von der „Gegenkultur“ der Esoteriker verbreitet, findet aber auch weiten Anklang bei allen bedeutenden Unternehmensberatern (ohne dass sich da jemand über diese seltsame Allianz groß wundert). Nebenbei rückt er die Reichen an die Seite Gottes – je reicher, umso näher dran. Arme, Alte, Kranke, Ausgebeutete, Vergewaltigte, Ermordete hingegen … sind auf der Gegenseite zu finden. Und natürlich: selbst Schuld.

Strategie 3: Neuordnung der Wirtschaft

Geld braucht zu seiner Vermehrung gar keine Warenproduktion – warum als die Wirtschaft nicht so umbauen, dass die Finanzwirtschaft ein unheimliches Eigenleben führt – dazu müssen nur die staatlichen Regularien abgeschafft werden (was bei uns rot-grün erledigte – und dafür für Riesenverluste auf Seiten der Kleinanleger sorgte). In der Tat machten Großkonzerne wie „General Electric“ in Folge mehr Gewinn mit Finanzspekulationen als mit der Produktion von Strom – so irre das auch für die Volkswirtschaft war, die konkrete Werte anstatt virtueller Werte braucht. Das große Geld aber, die „Plutonomie“, wie laut Chomsky die Banken selbst das System nennen, braucht dies nicht. Das System „kapitalistisch“ zu nennen ist völlig falsch (obwohl alle gerne darüber reden): gehen Banken mangels erfolgreicher Geschäftstätigkeit (oder den Folgen extrem kriminellen Handelns) zwecks Rettung zum Sozialstaat, hat die mit „Markt“ und „Kapitalismus“ nichts zu tun: es ist der tyrannische Luxussozialstaat der Reichen … für Arme jedoch gelten andere Gesetze, lebensbedrohende Sanktionen bei mangelnder Leistungsfähigkeit hinsichtlich der Mitarbeit bei der Bankenrettung.

Strategie 4: Umverteilung der Lasten

Wir kennen das sehr gut: der kleine Mann bezahlt über 50 Prozent seines „Gewinnes“ (das heißt: der sowieso schon mageren Erträge seiner Erwerbsarbeit) an den Staat – mit steigender Tendenz. Die Großkonzerne – wie Götter als juristische Personen unsterblich, ewig und mächtiger als Staaten – zahlen so gut wie nichts … oder bekommen noch etwas heraus. Dafür finanzieren sie die Wahlkämpfe der Parteien (wie unlängst bekannt wurde, mischen da auch deutsche Konzerne in den USA mit – siehe Managermagazin), liefern Pöstchen bei genehmer Politik (was sogar so weit geht, dass Ex-Bundeskanzler Beraterposten bei Rockefeller/Rothschild-Allianz erhalten – zu dieser Allianz, deren Erwähung schon dazu führen kann, dass man von elitären Kreisen als bekennender Nationalsozialist diffamiert wird, zu der Allianz siehe Spiegel). Noch praktischer sieht man das an den deutschen Autobahnen: während aktuell eine wahnwitzige Neuinvestition von 260 Milliarden Euro für den Ausbau der extrem umweltschädlichen Autobahnen geplant ist (siehe Spiegel) denkt man gleichzeitig an die Privatisierung der Autobahnen (siehe Spiegel), die komplett vom deutschen Steuerzahler bezahlt wurden und ihm voll und ganz gehören: ein Supergeschenk für jene, die sich Autobahnen leisten können von jenen, die gerne Beraterpositionen hätten, um auch endlich dazu zu gehören. Während die Gewinne krimineller Bankgeschäfte den „Bandenchefs“ und ihren Finanziers zufließen, zahlt die Verluste der Steuerzahler – sogar der Hartz-IV-Empfänger mit 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Strategie 5: Zerstörung der Solidarität

Diese Strategie greift die Wurzel des Menschseins an sich an – und die Wurzel der Macht einer jeden Bevölkerung. „Einigkeit macht stark“ – wussten die Menschen seit Anbeginn der Zeiten, dem entgegen wurde die Philosophie des „alles für mich, nichts für die anderen“ gesetzt, der egomane, selbstverliebte, künstlich gezüchtet Konsummensch, der eine unheilige Lebenspartnerschaft mit seinem Fernseher einging, jenem „Herren“, der beschreibt, wie er zu denken, zu fühlen, zu handeln und zu entscheiden hat, wenn er weiter von den Herren der Welt als „Sieger“ betrachtet werden möchte. Gleichzeitig wird aber jener Verbraucher zum „Feind der Menschheit“ erklärt, denn nur er ist voll verantwortlich für alles Ungemach dieser Welt: Wirtschaftskrisen, Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung, Lebensmittelverseuchung und Weltkriegen. Mitleid – der klassische Urwert der westlichen Welt (und des Menschen an sich) wird als „Sozialromantik“ verächtlich gemacht, asoziales Verhalten zum Heldentum hochstilisiert: die Armen, Alten und Kranken rutschen in eine Kultur der Verachtung hinein, währen die Soziopathen und Psychopathen sich als Helden feiern dürfen. „Wettbewerbsfähigkeit“ ist das Zauberwort, mit dem man die Gewerkschaften im Zaum hält, „Hartz IV“ die Knute, die die arbeitende Bevölkerung zum still halten zwingt: jeder ist im Wettbewerb der Feind des anderen – wer altert, wird Feind aller.

Strategie 6: Kontrolle über Regularien

Wir hören das täglich, kennen das zur Genüge: es regiert nicht das Volk, sondern der Lobbyist – so erfolgreich, so offen, dass schon 60 Prozent der Deutschen die Mechanismen durchschaut haben  und der Demokratie misstrauen – aber auch zu jenen gehören, die keinerlei Einfluss mehr auf die Politik haben. Wir haben Berichte genug darüber, wie Mitarbeiter der unsterblichen gottgleichen Großkonzerne in den Abteilungen der Ministerien sitzen, um jene Gesetze zu schreiben, die ihren Herren nützen – doch keinerlei Macht mehr, dagegen vor zu gehen.

Strategie 7: Wahlen dirigieren

Wahlen – machen nur Sinn, wenn es erkennbare Alternativen gibt. Heute jedoch begegnen wir in Wahlen gar keinen echten Politikern mehr, sondern nur noch Kunstprodukten der Werbewirtschaft, die zwischen den Wahlen Zahnpasta, Autos, Urlaubsziele und Schlafzimmer verkaufen. Der Politiker ist Ware, künstlich mit viel Aufwand gestaltetes Produkt, fernab jeglicher ideellen Motivation, die für Politik wesentlich sein sollte. Darum … haben wir die oben geschilderten Verhältnisse, in denen gar nicht mehr zu erkennen ist, welche Parteien welche Positionen durchsetzen wollen.

Strategie 8: Den Mob unter Kontrolle halten

1789 will man nicht noch mal erleben. 1918 auch nicht. Streiks, Protestmärsche, Sitzblockaden eben so wenig. Zur Ausübung von Geldmacht brauchen die Diener der Herren der Wirtschaft noch ein hohes Maß an Beweglichkeit im öffentlichen Raum: es wäre unschön, wenn „der Pöbel“, „das Prekariat“, „das Pack“ sich auf den Straßen versammelt um Stärke zu demonstrieren und den Verkehr aufzuhalten, hierzu gilt es vor allem, die Selbstorganisation der Bürger zu verhindern – also Gewerkschaften zu entmachten. Der Weg dazu ist einfach: man gibt ihrer eigenen „Elite“ Pöstchen im Aufsichtsrat, macht sie zu kleinen Reichen, die mit den großen Reichen mehr gemeinsam haben als mit ihresgleichen – so kriegt man sie „mit ins Boot“, um „alternativlose“ Reformen durchzusetzen, die in einer Demokratie nie Aussicht auf Erfolg hätten.

Strategie 9: Für Zustimmung sorgen

Genialerweise zerschägt man nicht nur die Gewerkschaftsmacht (die sowieso in Deutschland dank dem Vernichtungsfeldzug gegen Systemalternativen wie dem demokratischen Sozialismus oder der sozialen Marktwirtschaft enorm schwach und kaum überzeugend ist, weil sie vor Hartz IV nicht schützen kann), sondern entzieht jeglichem Widerstand auch das Personal, in dem man es in einer künstlich geschaffenen Welt gefangen hält, in der nur noch eins wichtig ist: sich selbst darüber zu definieren, was man kaufen kann. Aus dem Leitsatz „ich denke, also bin ich“ – woraus letztlich die Aufklärung, die undogmatische Naturwissenschaft und die demokratischen Revolutionen entsprangen, wurde „ich konsumiere, also bin ich“ – der Erwerb von zunehmend mehr und teureren Statussymbolen (in meiner Schulzeit noch von Lehrern als äußerst sinnloser, umweltschädlicher und persönlichkeitsverzerrender Akt schwacher Charaktere beschrieben – in einem Kolleg mit Schwerpunkt Wirtschaft) wird zum einzigen Lebenszweck der Menschen – was nebenbei dazu führt, dass Umwelt, Gemeinwesen, Familie und Kinder völlig aus dem Blick geraten. Paralell dazu … strebt man die Kontrolle über alle und jeden an, wer keinen Chef aus der Wirtschaft hat, bekommt eine Jobcoach der Arbeitsagentur, der ihn zurück zu der Aufsicht der Wirtschaft führt und sie übergangsweise so lange selbst ausführt, bis ein Chef gefunden wurde. „Bedürfnisse“ werden mit großer Geldmacht künstlich erzeugt, „Bedürfnisbefriedigung“ zum allein gültigen Fetisch erklärt, die jahrtausende alte Erkenntis diverser menschlicher Kulturen, dass die souveräne Herrschaft über die eigenen Bedürfnisse den Menschen ureigentlich vom Tier unterscheidet und eine wichtige Voraussetzung für Lebensglück überhaupt ist, wird völlig ausgeblendet.

Strategie 10 Bevölkerung an die Wand drängen

Eine Erkenntnis, die man seit dem Mittelalter hat (und die in den Blitzkriegen der Wehrmacht oder in Stalingrad bestätigt wurde): jede Armee, jede Macht kann leicht vernichtet werden, wenn man ihr die Lebensbasis Nahrung und Wasser entzieht. Selbst stärkste, bestens ausgerüstete, optimal geführte Kampfverbände werden hilflos, wenn ihre Versorgung nicht klappt: das Gleiche gilt für friedliche, revolutionär gesinnte (also: für Reformen eintretende) Massen. Darum muss der Sozialstaat sterben – und die Menschen gegeneinander geführt werden. Der Arbeiter soll den Leiharbeiter verachten, der Leiharbeiter den Ein-Euro-Jobber, der Ein-Euro-Jobber den Arbeitslosen, der Arbeitslose den Ausländer, der Ausländer den Asylbewerber, Eigenheimbesitzer sollen Mieter verachten, Mieter Obdachlose gering schätzen. Veganer sollen Normalköstler verachten, Atheisten die Anhänger von Religionen, Fußgänger Fahrradfahrer, Fahrradfahrer Autofahrer, Autofahrer den Fernkraftverkehr – so sind alle damit beschäftigt, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen, Lebensmittel, die in irrsinnigen Mengen fortgeworfen werden, werden für Arme knapp gehalten, um eine künstliche Not zu erzeugen, die das ganze System des gegenseitigen Hasses am Leben erhält … und beständig demonstriert, wie leicht und schnell man jeder revolutionären Bewegung die Versorgung kappen kann.

Erkennen Sie die historische Entwicklung der letzten Jahre wieder? Das Jahr 1976 als Startjahr habe ich willkürlich gewählt, es soll nur symbolisch für die „Operation Gegenschlag“ stehen, die in den siebziger Jahren von „der Wirtschaft“ in den USA gestartet wurde, weil – so offizielle Dokumente – „die Wirtschaft die Kontrolle über die Gesellschaft zu verlieren drohte“. Exzessiv wird dieser Gegenschlag seit dem 11.9.2001, seitdem ausgestattet mit großem Rückenwind durch den „Kampf gegen den Terrorismus“, der in schöner Regelmäßigkeit in Europa zuschlägt um Stimmung zu machen gegen die „schwache“ Demokratie, die durch etwas anderes ersetzt wird: der Herrschaft der Plutonomie, die an sich … gar nichts gegen Terrorismus unternimmt.

Dabei wäre es so einfach – weshalb ich diesen kurzen Ausblick auf den Blitzkrieg gegen die Demokratie (der in Deutschland seit 2005 läuft – aber lange vorher vorbereitet wurde) mit einer Alternative schließen möchte (siehe hafawo):

„Weltweit starren Manager fassungslos auf die Firma Semco: Was dort passiert, widerspricht allem, an was sie glauben. Die 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat und wie viel Geld die Mitarbeiter für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben, ist ihnen selbst überlassen.“

Wirtschaft so geführt, ließe keinen Platz für die Zunahme einer rechtsextremistischen Kultur des Hasses (was meiner Ansicht nach die eigentliche emotionale Wurzel für alle „rechten“ Kulturen ist) wie sie aktuell der geschildert wird (siehe Spiegel).

PS. das Foto zeigt eine explodierte Bombe aus dem  Hürtgenwaldmuseum, Quelle: Autor.

 

 

Margarete Bause, DIE GRÜNEN – Rufmord gegen den Nachrichtenspiegel. Oder die Frage: was ist eigentlich „links“?

Digital StillCamera

Mittwoch, 15. Juni 2016. Eifel. Ja, es gab hier keine kleine ungewollte Pause meinerseits. Ein Jahrzehnt nach den „rot-grünen“ Reformen entwickelt sich Deutschland – streng nach Maßgabe von McKinsey – zurück zu einem Dritte-Welt-Land: zum ersten Mal seit 56 Jahren durfte ich erleben, wie es ist, eine Woche ohne Telefon und Internet zu sein. Hat es so etwas je gegeben in diesem Land? Klar – das gibt es immer häufiger: wird erstmal der Strom abgestellt, wird es auch mit der elektronischen Kommunikation schwierig, das erleben immer mehr Menschen in Deutschland. Nicht nur ich war betroffen: über 1000 Haushalte im Umkreis durften erleben, was „Krisenmanagement“ in einem dank McKinsey und Renditewahn maximal verschlankten Privatkonzern bedeutet – da geht dann eben gar nichts mehr. Schuld war – vielleicht ein Gewitter. Nun – es bedurfte mehr als ein Dutzend Telefonate (mit Prepaidhandy), bis ich überhaupt die Auskunft bekam, dass eine „Massenstörung“ vorlag, über die „die Techniker nicht gerne reden“. Wer redet denn auch gerne darüber, dass auch die Telekom sich wie jeder andere Privatkonzern (oder der Staat bei der Arbeitslosenversicherung) verhält – renditemaximierend, was heißt: fleißig kassieren, aber nicht liefern.

Es ist viel geschehen in der Zeit, viel, zu dem ich gerne etwas geschrieben hätte. Einiges wird hier noch nachzuarbeiten sein, allein die Anschläge in Orlando zeigen, das ultrarechtes Politikverständnis wieder zu Taten motiviert, die grauenvoll sind: der „Andere“, der „Fremde“, der „Außenseiter“ wird wieder radikal ausgemerzt, weil er kein Recht auf Leben hat – jedenfalls nicht in den Augen seiner selbsternannten Feinde.

Was aber noch geschah: es gab einen Rufmordangriff gegen den Nachrichtenspiegel, er bezog sich auch einen älteren Artikel von mir:

„Wir freuen uns über eine aktive und lebhafte Diskussion. Verlinkungen auf Blogs der neuen Rechten, die gegen unsere Netiquette verstoßen, werden jedoch nicht geduldet und wurden dementsprechend entfernt.“ 

Zu finden beim Facebookauftritt von Margarete Bausem, Fraktonsvorsitzender der Grünen im Bayrischen Landtag (siehe Facebook). Ein Leser hatte ihn dort verlinkt. Zugegeben, der Titel des Artikels „Die Grünen – der letzte Dreck“ (siehe Nachrichtenspiegel) ist wie üblich etwas drastisch gewählt. Da ich mir Gehör verschaffen möchte im Meinungsbildungsprozess der Republik und dies nicht dank der Arbeit meiner Vorväter erhalten kann (die haben mir leider keine Zeitung hinterlassen, dafür selbst gebaute Möbel), wähle ich lieber aufregende Titel als langweilige, gerne auch mit Emotionen untermalt – und als einer jener, die im DFG/VK, in der Bürgerintiative Umweltschutz, in der alternativen Zeitschrift Holzwurm (die „Zeit“ hat uns 1982 mal erwähnt: als „Hinterwäldler“ und „Plärrer“, siehe Zeit – wobei ich doch merke, dass der Eifelphilosoph einer gewissen Tradition treu geblieben ist), im antifaschistischen Aktionsbündnis und diversen anderen alternativen Projekten aktiv war und somit zu den Aktiven jener Bewegung gehörte, aus denen später die „Grünen“ wurde, erlaube ich mir auch das Recht, hier drastisch zu formulieren.

Was enthielt der Artikel?

Nun – einfach nur eine Sammlung von Fakten zu den „Grünen“, wie üblich aus „deutschen Qualitätsmedien“. Es ging um Grüne, die zur AKW-Lobby gewechselt sind, als Lobbyisten bei „Mars incorporated“ landeten, als Berater bei Siemens, BMW, RWE aktiv sind oder sich vom deutschen Zigarettenverband bzw. der Pharmaindustrie anwerben ließen – Menschen, die ihr politisches Mandat zum persönlichen Vorteil gebrauchten und so die „Basis“ verrieten. Nun – mit Verrat an der Basis haben die Grünen Erfahrung. Nur langsam sickert die Erkenntnis durch, dass die Friedensbewegung mit den Grünen eine bellizistische – also kriegstreiberische – Partei geschaffen hat – dank ganz besonderem „Personal“. Der Artikel zitiert eine Studie, die ich hier gerne noch mal bringe, weil sie aktuell bleibt (siehe Matthias Künzel):

Auf der einen Seite ist die Faktenlage über Deutschlands Rolle im Vorfeld dieses Krieges ganz eindeutig. Hier kommen Brigadegeneral Loquai, der kürzlich vom IPPNW für seine Studie über den Kosovo-Krieg geehrt wurde und und der aus dem Inneren des OSZE-Apparats heraus analysierte und mein Buch, dass von außen an diesen Konflikt heranging und besonders die einschlägigen englisch-sprachigen Publiktionen rezipierte, zu ein und demselben Schluß: „Zu einer Zeit“, schreibt General Loquai und ich stimme ihm darin zu, „als die anderen Nato-Mitgliedsländer noch nicht daran dachten, machte sich die deutsche Politik zu einer Speerspitze für einen direkten militärischen Einsatz im Kosovo.“

Ja – „rot-grün“ ist nicht „nur in den Krieg hineingezogen worden“ – sie waren die treibende Kraft hinter dem ersten Auslandseinsatz deutscher Soldaten seit Hitler.

Im Weiteren schrieb ich über den Herrn Kretschmann: ein begeisterter Fan der „Löwendivision“ und Freund der Bundeswehr, deren Jugendoffiziere er gerne in Schulen sieht, wo er erstmal 11600 Lehrer abgeschafft hat. Dafür will er satellitengestützte PKW-Maut – wodurch man jedes Auto gezielt überwachen kann. Ja: so ein echer Grüner ist ein professioneller Wendehals. Dies zu verlinken, verstößt jedoch gegen die „Netiquette“. Habe mir die mal angeschaut (siehe Bause/Facbook): bin weder fremdenfeindlich, noch rassistisch, noch diskriminierend, noch persönlich beleidigend (gut – „der letzte Dreck“ – ist nicht gerade freundlich – aber nichts im Vergleich zu den Leichen, die der Bombenfischer im Kosovo hinterlassen hat – oder der Hartzfischer in dem von ihm selbst erstmal definierten, geschaffenem und in Szene gesetzten „Prekariat“). Der Link hatte einen eindeutigen Bezug zur grünen Partei (die man als solche wohl nicht beleidigen kann), wurde nicht penetrant wiederholt und mir war klar, dass ihn alle lesen können. Sehe da also keinen Verstoß gegen die Netiquette – es sein denn, es gibt noch eine geheime: wer nicht die Grünen und ihre Funktionäre bejubelt, soll draußen bleiben.

Was aber diskriminierend ist: die öffentliche Beschreibung dieses Blogs (und seines Autors sowie die anderen frei schaffenden Akteure) als Teil der (ominösen) „neuen Rechten“. Gut – es war nicht Frau Bause selbst, es war ihr „Team“ – nehme mal an, die üblichen teilgebildeten Praktikanten der „Generation Y“, die gerne mehr Flüchtlinge aufnehmen, damit die Regierung endlich echte Jobs für sie schafft.

Ja, der Autor dieses Artikels wird von dem Herrn Ströbele zu Pressekonferenzen eingeladen, seine Artikel erscheinen unter anderem im „Freidenker“, dem Magazin des deutschen Freidenkerverbandes, in dem Erich Honecker bis zu seinem Lebensende Mitglied war. Wir haben schon für Flüchtlingscamps im Libanon Geld gesammelt, Jahre bevor dieses Thema „in“ wurde, weil arbeitlose Sozialarbeiter im Flüchtling eine günstige Beschäftigungsmöglichkeit und renditegierige Unternehmer in ihnen eine gute Verdienstmöglichkeit sahen – und sammeln auch für jene, die dank „rot-grüner“ Politik in einem der reichsten Länder der Welt vom Hungertod bedroht sind.

Ja: dieser Blog wird im Sinne der alten, antifaschistischen Freidenker geführt: sozial, human, ökologisch, orientiert an Gerechtigkeit und Frieden – und damit sind wir natürlich ein Dorn im Auge der selbstverliebten Pseudolinken, die außen chemisch grün, innen aber eher verwesend bräunlich sind und vor allem dem von McKinsey und Konsorten unterstützten „Putsch von oben“ (siehe hierzu Arno Luik über die „rot-grünen Sozialreformen“ im Stern vom 21.10.2004) treu ergeben. In dem Artikel (im Netz kaum noch zu finden, also: bei Bürgerwelle schauen) warnt Luik:

„Werden die Reformen umgesetzt – und die politisch Handelnden sind dazu verbissen entschlossen -, wird diese Republik eine radikal andere Gesellschaft sein: ein entkernter Staat ohne Gemeinsinn, eine entzivilisierte Gesellschaft. Anfällig für individuelle Aggressionen und für Rechtsextremismus.“

Und was haben wir heute, 2016? Genau das, was er prophezeit hat: eine entzivilisierte Gesellschaft mit starkem Trend Richtung vollbraun, die ihre „Werte“ durch Kindermord in Afghanistan verteidigt und die „Diäten“ ihrer Abgeordneten durch industrielle Massenproduktion von Sondermüll auf vier Rädern erwirtschaften. Ja – unsere Kernindustrie „Auto“ ist vor allem eins: hochgiftig. Man weiß es seit 1989 (siehe Spiegel). Notwendige Konsequenz: die Forderung nach der kompletten Abschaffung des Problems „Auto“. Tatsächliche Konsequenz? Massive Steuererleichterungen für Großkonzerne, die Gemeinden massive Probleme bescheren (aktuell: den Standort Sindelfingen (siehe die Linke BW, auch eine Folge von „rot-grün“, die augenscheinlich ihre „Politik“ wohl als Bewerbungsschreiben für Pöstchen in der Industrie verstanden – und immer noch verstehen).

Jenseits des großen, von Politikberatern anempfohlenen Wortgeklingels offenbart sich grüne Politik als „rechts vom CDU-Mainstream“ – so schreibt jedenfalls Mariam Lau über Winfried Kretschmann (siehe Zeit), der Ex-Chemielehrer und Ex-Kommunist ist neuer „Genosse der Bosse“ (siehe FAZ) und fährt selbstverständlich Mercedes (siehe Abendblatt), „rollenden Luxus“ für 109 677 Euro (minimal, mit Extras kommt man auch über 150 000) und einem Verbrauch von über 10 Litern auf 100 Kilometer (siehe FAZ, wo man auch erfährt, dass man mit dem Elektroantrieb nur 33 Kilometer weit fahren kann – kein Wunder: der Wagen wiegt über zwei Tonnen). Ein Arbeitsloser müßte mit dem Geld für Kretschmanns Auto 22 Jahre auskommen.

Und was finden wir politisch rechts von der CDU? Früher mal nur die NPD, heute auch die Grünen (die schon mal – wie die Piratenpartei – enorme Probleme mit braunen Gesellen in der Gründungsphase in Berlin hatten. Leider – finde ich da im Netz nichts. Sollte man mal eingeben – bevor es ganz vergessen wird).

30 Jahre Grüne – was hat es uns gebracht? Schauen wir uns das Thema „Frauen“ an, ein Schwerpunkt von Frau Bause. Dazu finde ich etwas aus dem Jahre 2013 (siehe Süddeutsche):

„Aus Japan, den USA und Arabien reisen Männer mittlerweile nach Deutschland, ins Bordell Europas. Wie schlimm es um die Sexindustrie hierzulande tatsächlich steht, beleuchtet ein großartiger Film im Ersten. Ohne Pathos und ohne Anklage zeigt er eine Welt, die sich eine Gesellschaft nicht wünschen kann.“

Aber wir haben Dosenpfand. Und sehr problematisch zu entsorgende Energiesparlampen. Eine Frau als Kanzlerin? Kam von der CDU. Ein homosexueller Außenminister? FDP.  Ein Minister mit Migrationshintergund? FDP. Ein Behinderter als Finanzminister? CDU. Ja, schwarz-gelb erfüllte die Forderungen der grünen Basis aus den achtziger Jahren, ohne großes Wortgeklingel, das überließ man lieber den Grünen, der Speerspitze der „verrohten verrohten Bürgerlichkeit“, deren Wählerschaft vor allem aus jenen älteren Herrschaften besteht, die im Bildungs- und Dienstleistungsbereich überdurchschnittlich gut verdienen (siehe Bundeszentrale für politische Bildung) und inzwischen gut ausgebildete Fachkräfte für Lippenbekenntnisse jeder Art sind.

Wie geht es der Umwelt – dank der „grünen Bewegung“? Schlechter denn je. Ökostrom schützt nicht vor Artensterben – oder Klimakatastrophen (siehe aktuell: Spiegel), jedenfalls nicht, wenn man sich dafür ein Automonster gönnt, dessen Umweltschäden sich im Preis überhaupt nicht mehr abbilden lassen. Die grüne Partei: eine Gemeinschaft von Trittbrettfahrern zur Optimierung des eigenen Kontostandes – man lebt „von“ dem Thema Umwelt – nicht „für“ das Thema Umwelt, strebt an, zu jenen „Besserverdienern“ zu gehören, die hauptverantwortlich für die Zunahme der Menschenfeindlichkeit in Deutschland sind (siehe schwäbisches Tagblatt, erläuternd dazu das Handout der „Deutschen Zustände“, Uni Bielefeld).

Ach ja: Thema Frauen. Wie weit die Emanzipation vorangeschritten ist, erlebe ich in unserem Urlaubsort jeden Tag: beim Radfahren fährt der Mann vorne weg, die Frau folgt, im Automobil sitzt das Weibchen still und fügsam auf dem Beifahrersitz – gerade bei kostspieligen Sondermüllderivaten auf vier Rädern. Zustände wie – in Anatolien.

Die Liste des Wählerverrates ließe sich noch ziemlich weit fortsetzen, bleiben wir aber erstmal bei einem Punkt, wegen dem einer unserer Leser (und Gelegenheitsautor) unseren Artikel verlinkt hatte: die Preisverleihung an Joschka Fischer, dessen eigene Firma dank der strategischen Partnerschaft mit Madeline Albright gut floriert, jener Frau, die – roh, wie diese Leute nun mal sind – den Tod von Millionen Kindern billigend in Kauf nimmt (siehe AG-Friedensforschung, Stand 2012):

„Im Mai 1996 wurde die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright im US-TV-Magazin »60 Minutes« zu den Folgen der auf Druck Washingtons verhängten UN-Sanktionen gegen den Irak befragt. 500000 Kinder seien gestorben, »mehr als in Hiroschima«, hieß es in der Moderation. »Glauben Sie, daß es den Preis wert ist?« Es sei eine »sehr schwere Entscheidung«, meinte Albright und bekräftigte dann: »Wir denken, es ist den Preis wert.« Bis heute sterben jedes Jahr mehr als 300000 Kinder im Irak.“

Ja – das ist das Umfeld, in dem sich grüne Helden bewegen. Wer genauer hinschaut, den wundert es nicht (siehe den Artikel über Joschka Fischer im Stern). Jutta Dithfuhrt hielt ihn für ihren „historischen Fehler“ (siehe Frankfurter Rundschau).

Doch bleiben wir beim Thema: dem „neurechten“ Nachrichtenspiegel. Geübt in linker Selbstkritik (ja: sowas machen „Linke“ – auch wenn sie wissen, dass es sie erstmal schwächt) habe ich schnell mal zwei Tests gemacht. Einen in der FAZ („Glückwunsch, Sie sind ein Linker aus altem Schrot und Korn! Sie sind sich treu geblieben und können stolz darauf sein.“) und einen bei Metronaut („Gratulation! Du hast 88% erreicht. Ab 50% bist du linksradikal, ab 75% bist du linksextrem“) … Ergebnisse, die mich erschrecken: offenbar sind ganz normale, humane Ansichten einer demokratischen Bürgergesellschaft schon „linksextrem“ – was zeigt, wie rechtsradikal unsere Wirklichkeit geworden ist (ganz entgegen den verdrehten Annahmen gewisser Strömungen, die unter jahrzehntelanger CDU-Herrschaft eine „links-grün-versiffte“ Republik erkannt haben wollen – was man nur mangelnder Bildung zuschreiben kann).

Meine Ansichten? Nun – habe 2700 Aufsätze darüber geschrieben, die will ich jetzt hier nicht wiederholen. Sie decken sich mit denen des José Pepe Mujica (siehe Netzfrauen):

Schmeißt die Reichen aus der Politik„.

Die Demokratie – hat keinen Platz für Kapitalmacht, die eine repräsentative Demokratie sinnentleert. Demokratie hat auch keinen Platz für Dauerplatzhalter und Berufspolitiker – weshalb es bei den Grünen mal „Rotation“ gab – aus guten Gründen.

Wenn man unter „links sein“ allerdings versteht, dass man so lange Krach macht und „Mollys“ wirft, bis man selber einen Beraterposten geschenkt bekommt – dann bin ich gerne was anderes. Vielleicht gerne so, wie es mal die Piratenpartei sein wollte: nicht links, nicht rechts, sondern: vorne. Da, wo wir 239 Milliarden Euro nicht in den Ausbau von Autobahnen investieren (auch wenn das 50000 „Spiegel“-Leser so wollen, siehe Spiegel), sondern – gemäß den Ausführungen des IBM-Mannes Prof. Dr. Gunter Dueck in seinem Werk „Aufbrechen“ – für eine „Exzellenzgesellschaft“, die Zukunft hat. Eine Zukunft, die unseren – immer mehr werdenden – rot-grün „verhartzten“ Kinder nicht mehr haben.

Für die diskriminierende und rufschädigende Äußerung des „Team Margaret“ hätten wir gerne eine Enschuldigung.

Ich persönlich habe übrigens drei grüne Freunde, eine war Bundestagsabgeordnete der ersten Stunde, hat sich aus der Politik verabschiedet, ein weiterer ging angeekelt von den „Jünglingen, die nur Karriere machen wollten“, eine dritte hadert mit der Partei und hängt noch alten grünen Träumen nach – jenen alternativen Träumen, die die „Realos“ ihrer eigenen Karriere wegen geopfert haben.

Zu den Träumen gehört, dass eine wirkliche Demokratie nur mit einem starken Staat ohne kapitalistische Gegenmacht möglich ist, die Erkenntnis, das Kapitalismus immer und überall in seinem Entstadium faschistische Züge annimmt (diese Entwicklung begleiten wir ja seit sieben Jahren, weshalb wir staatliche „Sanktionspolitik“ als Anfang der Endlösung ansehen) und das eine demokratische Gesellschaft Meinungsfreiheit braucht – und keine Löschaktionen.

In dem Sinne würde ich mir wünschen, dass auch die Aussagen des „Team Margaret“ konkretisiert werden:

„Wir freuen uns auf aktive und  lebhafte Diskussionen … die voller Lob und Begeisterung für unsere Führer sind. Kritik jeder Art verstehen wir als Beleidigung, auch wenn sie noch so gut fundiert ist. Sie wird mit Auslöschung der virtuellen Meinungsäußerung bestraft … bis wir Mehrheiten für Säuberungsaktionen anderer Qualität zusammen haben…“

Da weiß man dann, wo man „rechts von der CDU“ dran ist und bräuchte keine Mogelpackung mehr wählen.

Und erzählt mir nicht, dass man 2 Billionen Euro Staatsschulden nicht mit 5,3 Billionen Euro Privatvermögen in den Griff bekommen kann – wenn man nur will. Nur: da müßten auch Grüne was abgeben, will man den Abwärtstrend im Land aufhalten.

 

Merkels große Lüge: Deutschland geht es schlecht

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Montag 30.5.2016. Eifel. Was antworten Sie eigentlich, wenn man Sie fragt, wie es Ihnen geht? Ich weiß: „gut“ steht im Verhaltenskodex für Normbürger. Versuchen Sie es mal mit „schlecht“ als Antwort, ich kann ihnen sagen: äußerst unterhaltsam, was man da an Hilflosigkeit im Gesicht des Gegenübers erleben kann. So schön eingespielt sind die öffentlich zulässigen Verhaltensnormen, dass schon Kleinigkeiten genügen, um aus einem Nachbarn einen Staatsfeind zu machen. „Deutschland geht es gut“ – so tönt die deutsche Bundeskanzlerin, weit oben thronend über dem Volk, das zu blöd ist, sich selbst die Schnürsenkel zu binden oder eine Tiefkühlpizza ordentlich aufzubereiten. Pack geradezu, dem man immer erklären muss, wie es sich gerade fühlt – sonst fühlt es nachher wieder falsch.

Ich antworte oft „schlecht“ – es sei denn, mir tut mein Gegenüber leid, weil es einer solchen Antwort nicht gewachsen ist: oft reichen schon Kleinigkeiten, um einen aus der Fassung zu bringen – und man selbst ist schnell im Verdacht, rechtsradikaler arbeitsloser islamistischer Terrorist zu sein … oder wie „der Jude“ heute heißt.  Nicht, dass es mir selber schlecht ginge, im Gegenteil: ich lüge da einfach immer – aus erzieherischen Gründen. Mache ich ja auch bei meinen Kindern, muss ich machen: die haben ein Recht auf positive Zukunftsaussichten – da bleibt nur die Lüge, also muss ich hier die Merkel machen. Mir selbst – also persönlich, in meinen Kreisen – geht es sehr gut. Ich habe ausreichend Zeit, mein eigenes Leben zu leben, habe meine Bedürfnisse schon während des Studiums so weit herunterreguliert, dass sie mir ein Maximum an Freiheit geben, sehe viel Sinn in meinem Leben. Würde morgen der Sensenmann vor der Tür stehen: ich könnte erhobenen Hauptes meinen Platz in der Welt verlassen. Es war ein gutes Leben: turbulent, mit Höhen und Tiefen, reich an persönlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Eindrücken, reich an intensiven menschlichen Kontakten und Bildung. Geld und Gesundheit habe ich seit zehn Jahren nicht mehr – aber wer braucht das schon zum Glück.

Die Antwort „mir geht es schlecht“ ist trotzdem nicht falsch – und ich erläutere sie auch gern, wenn überhaupt noch Nachfragen kommen. In den letzten 15 Jahren haben wir „70 – 80 % der Biomasse an Fluginsekten“ verloren (siehe Nabu). Das haben Sie wahrscheinlich schon selbst gemerkt: wir Naturfreunde merken das schon länger (Bremsen zum Beispiel – waren in unserem kleinen Tal von einem Jahr aufs andere verschwunden), aber Sie als Autofahrer dürften auch gemerkt haben, dass Sie die Scheibe nur noch extrem selten von Insekten befreien müssen – das war früher anders.

Doch es ist nicht nur die Natur, die versagt. Auch unser Wirtschaftssystem ist gestorben, komplett zusammengebrochen. Wir merken es nur noch nicht, weil man uns die Informationen nur noch häppchenweise gibt – und kaum noch einer das notwendige geisteswissenschaftliche Rüstzeug dazu vermittelt bekommt, diese Häppchen wieder zu einer vollwertigen Mahlzeit zusammen zu fügen.

Ich will Ihnen mal eins dieser Häppchen aufzeigen: man findet es in den Kommentaren über den G-7-Gipfel in Japan, wo demokratische Politiker mit zehntausenden Polizisten vor den gemeinen Japanern geschützt werden mussten, ohne dass sich auch nur einer fragte, was denn da nicht stimmt. Hören Sie mal dazu Deutschlands wichtigstes Nachrichtenmagazin (siehe Spiegel):

„Überall grassiert die Unzufriedenheit, und sie wird genährt durch die Tatsache, dass die Wirtschaft in den G7-Staaten seit der schweren Finanzkrise vor acht Jahren noch nicht wieder auf Touren gekommen ist. Das geringe Wachstum kommt nahezu ausschließlich einer kleinen Oberschicht an der Spitze der Einkommensskala zugute, während die Einkünfte der Durchschnittsverdiener stagnieren. Als Folge der weltweiten Niedrigzinspolitik schrumpfen die Vermögen der Kleinsparer.“

Von wegen „Lügenmedien“. Die berichten schon noch die Wahrheit – nur verschleierter als früher. Man ist gezwungen, mehr als die Überschrift zu lesen. Wagt man das, erfährt man erstaunliches. Ich hoffe, Sie haben in den letzten Jahren die Jubelmeldungen über den Triumph des Kapitalismus über die Krise mitbekommen, die gerade in Deutschland ja wöchentlich ausgeschüttet wurden – alles gelogen. Man weiß ganz genau, welche Probleme die Bevölkerung hat:

„die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Auszehrung der Demokratie durch den Einfluss der Interessengruppen, das wachsende Gefühl ihrer Wähler, vor den Risiken der Globalisierung nicht mehr ausreichend gesichert zu sein.“

Nur – wie der Artikel im Weiteren darlegt – gibt es keine Lösung dafür. Die Spitzenkräfte unserer Politik und Intelligenz haben nur eins im Sinn: die Parole vom Endsieg auszugeben: „Deutschland geht es gut“. Die Wahrheit würden die seit Monaten stagnierenden Aktienmärkte nicht ertragen: die Titanic hat den Eisberg gerammt, unten steht immer mehr Bürgern das Wasser bis zum Hals, während man oben Kaviar und Champagner in die Rettungsboote packt … und Musikinstrumente zur Unterhaltung, man erinnere sich, den Porsche-SUV nicht zu vergessen.

Die Politik packt Parolen aus, Parolen vom Endsieg der deutschen Wirtschaft: „Deutschland geht es gut“. Die Erfahrung zeigt das Gegenteil. Wir werden darauf vorbereitet, dass auch Einheimische bald in Zeltstädten leben könnten (siehe Focus):

„Laut den Schätzungen der BAG Wohnungslosenhilfe hat die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland im Jahr 2014 mit 335.000 einen neuen Höchststand erreicht, darunter 29.000 Kinder. Bis zum Jahr 2018 könnten weitere 200.000 Menschen dazukommen, befürchtet die BAG W.“

Ein Grund, warum immer mehr Menschen ihre Miete nicht bezahlen können: die hohen Strompreise (siehe theintelligence):

„Aufgrund unbezahlter Rechnungen, wurde in Deutschland zuletzt in über 300.000 Haushalten von verschiedenen Energieversorgern der Strom abgestellt, das entsprach rund 800.000 Menschen. Die Betroffenen haben somit von einem Moment auf den anderen weder Warmwasser, Heizung noch Licht. Dabei ist im modernen Zeitalter ein Leben ohne Strom unzumutbar.“

Was da geschieht? Die Ärmsten finanzieren den grünen Häuslebauern die Solarzellen auf dem Dach und die Subventionen fürs Elektromobil: eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Die starken (oft steuer- oder beitragsfinanzierten) Schultern lassen sich von den schwächsten (auch von Kindern) zum Olymp tragen: perverser geht es kaum noch.

Das gilt auch für andere gesellschaftliche Sphären, die geschickt verschleiert werden. Versuchen Sie mal den Suchbegriff „Arbeitslosenindustrie“ zu googeln – sie werden so gut wie gar nichts finden. Aber „Armutsindustrie“ – das füllt den Rechner aus. Nur: es ist gar keine Armutsindustrie, an Armut läßt sich schlichtweg nichts verdienen, denn … die haben ja nichts, die Armen. An Arbeitslosen jedoch: da verdient man sich eine goldene Nase. Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten verdient daran mit, weil sie Pöstchen in Firmen haben, die die staatliche Ruhigstellung der Arbeitslosen besorgen (siehe freiewelt.net). Für diese Industrie geben wir mehr aus als für die Arbeitslosen selbst (siehe Spiegel):

„49 Milliarden Euro haben der Bund und die Kommunen 2010 für Hartz-IV-Empfänger ausgegeben, etwa drei Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Doch nur ein Teil des Geldes, 24 Milliarden Euro, ist unmittelbar für die Betroffenen bestimmt.“

Kaum zu glauben, oder? Diejenigen, die die Gesetze beschließen, verdienen daran, dass sie umgesetzt werden: da ist jedem Wahnsinn Tür und Tor geöffnet. Einfach mal die Regelsätze verdoppeln und die Arbeitslosenindustrie austrocknen: schon steigt der Binnenkonsum, Arbeitsplätze werden geschaffen, Deutschland wird wieder attraktiv für Investoren, die Jugend bekommt wieder Zukunft. Doch wir: entscheiden uns lieber für das Aufsagen von Durchhalteparolen.

Es ist kein Zufall, dass der Begriff „Arbeitslosenindustrie“ durch den Begriff „Armutsindustrie“ ersetzt wurde: für den armen Rentner interessiert sich nämlich niemand, an dem kann man auch nicht verdienen – es sei denn, man arbeitet in dem überzogenen Gesundheitssegment, verkauft Therapien, die nichts bringen gegen Krankheiten, die frei erfunden sind.

Schon längst ist klar, woran unsere Gesellschaft krankt – und weshalb die „Lügenpresse“ deutlich die Wahrheit sagen kann, ohne dass es jemand merkt (siehe Nachdenkseiten):

„Daher hat in jeder Gesellschaft und in jedem Bereich einer Gesellschaft das Establishment ein Interesse daran, dass Ausbildungsinstitutionen und Medien die Möglichkeiten eines Erkennens von Sinnzusammenhängen in geeigneten Grenzen halten. Fragmentierung – ob durch bildungsbürgerliches Wissen, durch eine PISA-orientierte Schulausbildung, durch ein “kompetenzorientiertes“ Studium oder durch Medien – ist also in diesem Sinne keineswegs Zufall, sondern ein beabsichtigter Prozess, eine Art Herrschaftsinstrument.“

Fragmentierung von Wissen – gäbe es das nicht, Sie wüssten sofort, dass der islamische Terror in der Tat rechtsradikal zu nennen wäre und bekämen Probleme damit, antiislamistische Strömungen als rechtsradikal zu definieren. Wir werden uns diesem Thema ein andermal widmen müssen – wenn es überhaupt noch erlaubt ist:

„Zu einem solchen “Hinterfragen“ sind wir alle von Natur aus befähigt, man muss sich nur entschließen, von dieser Befähigung auch Gebrauch zu machen – das war ja gerade die Leitidee der Aufklärung. Das ist oft mühsam und bedarf der Übung, doch empfinden wir häufig ein Gefühl der Befriedigung, wenn wir den Sinnzusammenhang der Dinge besser verstehen.“

Nur ist diese „Leitidee der Aufklärung“ heute „Verschwörungstheorie“ und de facto verboten – die Gesetze dazu werden sicher noch kommen. Die Titanic sinkt – und in der Dritten Klasse zeigt man Pornos, um für Ablenkung zu sorgen. Wer von Rissen im Rumpf faselt, ist ein Verschwörungstheoretiker. Wer dem Kapitän misstraut, ist rechtsradikal – oder geisteskrank. Immerhin ist die Titanic unsinkbar.

„Das große Versprechen an individuellen Lebensmöglichkeiten hat sich in sein Gegenteil verkehrt. Es ist Moore, der hier spricht und der einst im Thatcherismus alter Prägung die größtmögliche Erfahrung gesellschaftlicher Perfektion erblickte: „Ihre Chancen für einen Job, für ein eigenes Haus, eine anständige Pension, einen guten Start für Ihre Kinder, werden immer kleiner. Es ist, als ob man in einem Raum lebt, der immer mehr schrumpft. Für Menschen, die nach 1940 geboren wurden, ist dies eine völlig neue Erfahrung. Wenn es noch länger so weiter geht, wird sie ziemlich schrecklich werden.“

Das sagt der Vordenker von Margret Thatcher, dem langsam die Erkenntnis kommt, „das die Linke recht hat“ (siehe FAZ). Der Artikel ist fünf Jahr alt, fünf Jahre, in denen sich nichts geändert hat  – außer dass der Top-Politiker der CDU Friedrich Merz jetzt Lobbyist für den Investmentriesen Blackrock ist (siehe Manager Magazin) – mit einer klaren Aufgabenbeschreibung:

„in der er „die Beziehungen mit wesentlichen Kunden, Regulierern und Regierungsbehörden in Deutschland für Blackrock fördern wird„. Was macht er sonst noch so?

„Aufsichtsrat der Deutschen Börse, Aufsichtsrat bei IVG Immobilien, dazu Beirat der Commerzbank sowie von Borussia Dortmund und Vorsitzender der Atlantik-Brücke“ – viel zu tun, gäbe es da echte Arbeit. Viel Einfluss für einen einzigen Menschen. Fürsten hätte man sie früher genannt. Heute – spricht man einfach nicht mehr von ihnen, hinterfragt nicht die seltsamen Machtzusammenballungen und Ämterhäufungen bei einzelnen Personen … während Millionen immer ärmer werden. Er macht jetzt mit bei der „Auszehrung der Demokratie durch Interessengruppen“ (siehe oben) – und der Steuerzahler hat viel investiert, damit Herr Merz diesen Job machen kann.

Verrückt, oder? Denen darf ich überhaupt nicht mit Insekten kommen – die kaufen keine Aktien, sind also nicht existent: wie Arbeitslose, nur billiger.

Ach ja: Arbeitslose. Zehn Jahre nach Einführung der Hartz IV-Gesetzgebung ist einem Richter etwas seltsames aufgefallen. Ja: wirklich – schon nach zehn Jahren. Die deutsche Intelligenz ist nach wie vor auf dem Damm, muss man sagen. Man stellte in der Tat fest, dass Sanktionen das zuvor mühsam klein gerechnete Existenzminimum unterschreiten – und somit möglicherweise gegen enorm viele fundamentale Gesetze verstoßen (siehe Süddeutsche):

„Eine Million Leistungsberechtigte werden jährlich sanktioniert. Eine Million! Womöglich sind Sanktionen schlicht eine einfallslose Reaktion darauf, dass sich die Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose weiter verschlechtern. Sie werden von den Jobcentern als Kunden bezeichnet – aber oft wie Penner behandelt.“

Hier haben Interessensgruppen die Grundlage von Demokratie und Menschenrechten schon ziemlich ausgehölt: der Staat wird zum Feind der Bürger, die den Folgen der Globalisierung erlegen sind – verliert man seinen Arbeitsplatz, weil Blackrock seinen Firmensitz aus steuerlichen Gründen nach Irland verlegt, wird man prompt als Täter vom Staat verfolgt – nicht nur als Penner. Gipfel der rot-grünen Idiotie war in der Tat, dass man von den Arbeitslosen verlangte, sie sollten die Folgen der Globalisierung für den bundesdeutschen Wirtschaftsraum von jetzt auf gleich ganz allein bewältigen und sich selbst quasi aus dem Nichts einen Ersatzarbeisplatz erschaffen, mit dem sie die Abzocker des Landes weiter subventionieren können.

So etwas wirkt halt auch auf die jungen Leute, von denen sich gerade einer in der Zeit sehr echauffiert – zurecht, wie ich sehe. Man erfährt dort auch nebenbei etwas über die Hintergründe der „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge – etwas, dass man vielleicht gar nicht hören will (siehe Zeit):

„Es sind vor allem die jungen Menschen gewesen, die an Bahnhöfen die Flüchtlinge willkommen geheißen haben.“

„Wie wäre es mit einer Art New Deal für die Flüchtlinge? Wenn wir einen anständigen Batzen Geld, so einen, wie ihn sonst nur Banken und Rentner kriegen, in die Hand nähmen, um damit Integrationsprogramme zu boosten, damit die Flüchtlinge hier ankommen, anpacken können, und in diesen Programmen fände unsereins, die Jungen, unbefristete, vernünftig bezahlte, steuerpflichtige Arbeit. Das wäre doch für alle gut, selbst für die Alten?“

Da hat die prekäre Jugend die Botschaft der „Hartz IV“-Gesetze verstanden und sich selbst Arbeit beschafft – und aus der Traum vom neuen empathischen Deutschland. Die Willkommenskultur war geprägt von Verdienstaussichten im sozialen Bereich für jene, die noch nicht in der „Armutsindustrie“ Fuß gefasst haben. Darum interessiert sich auch niemand groß dafür, dass weiterhin Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken – was wir recht schnell stoppen könnten, wenn „wir“ es wollen würden. Lesen Sie sich den Artikel in der Zeit ruhig mal durch: sie lesen dort von einem jungen Mann die Nöte seiner Leidesgenossen, er macht uns klar, dass bei der nächsten Bundestagswahl 50 Prozent der Wahlberechtigten über 50 sind … und seine Generation schon bei der letzten Wahl nur 15 Prozent der Wähler stellte.

Kein Wunder, dass sich keiner mehr für das Insektensterben interessiert – obwohl diese kleinen Kollegen eine unverzichtbare Grundlage für das Ökosystem bilden.

Und darum geht es mir schlecht – obwohl es mir selber gut geht. Jenseits meines Tellerrandes gibt es keine Zukunft mehr – dafür aber steigenden Wahnsinn … wie kürzlich im Wiener Theater (siehe orf):

„Diese Akkuratesse braucht es auch, wenn auf der Bühne gekotzt wird, wenn Frauen stehend in Glasgefäße urinieren, Pornoszenen nachgestellt werden und 20 Personen wild um sich schlagen, kreischen und schluchzen, wenn rohes Fleisch und Eingeweide geworfen werden, wenn echtes menschliches Blut fließt und Tragödie und Komödie einander abwechseln, wenn mehr als 20 griechische Heldinnen, Helden, Göttinnen und Götter auftreten: Denn 24 Stunden Chaos – das würde rasch langweilig. Es braucht also eine strenge Dramaturgie – und höchste Konzentration.“

Ja, Sie lesen richtig: da wird mit rohem Fleisch und menschlichen Eingeweide geworfen – sie nennen es „Unterhaltung“.

„Fabre teilt seine Erfahrung des Schlafentzugs und er teilt seine körperliche Interpretation dessen, was dem menschlichen Handeln zugrunde liegt: Status wollen. Bestimmen wollen. Und gleichzeitig: alle Zügel fahren lassen wollen, mit jedem ficken wollen, vor Schmerz losschreien wollen, jemandem die Gedärme herausreißen wollen, mit dem man eine Rechnung offen hat. Er zeigt das ganze Spektrum des Scheiterns und Reüssierens in einer Welt, die nur vermeintlich auf Vernunft aufgebaut ist.“

Wollten Sie schon mal jemandem die Gedärme herausreißen, weil Sie … „mit ihm eine Rechnung offen hatten“? Ich hoffe – sie wären angesichts dieser Gelüste sofort zum Arzt gegangen. Was unser Freund Parkwächter dort in seiner genialen Schrift aufgedeckt hat (siehe Nachrichtenspiegel) mag unsere Zukunft sein – eine Zukunft, die hier schon mal spielerisch vorweg genommen wurde. Wie gesagt: „es wird ziemlich schrecklich werden“ – wenn es so weitergeht.

Sagen selbst schon die Konservativen.

Und darum geht es auch mir öffentlich schlecht.

Alles andere hielte ich für verantwortungslos und dumm.

Sie doch auch, oder?

Dann wissen Sie ja, wie Sie ab morgen zu antworten haben.

Deutschland, Hort der Grausamkeit

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Mittwoch, 25.5.2016. Eifel. „Schreibe doch mal was über Grausamkeit“ – hieß es neulich. Gut gesagt – doch ich denke, ich bin der völlig falsche Mensch dafür. Ich verstehe das Konzept von Grausamkeit nicht, ich bin als Kind schon an „Schadenfreude“ gescheitert. Während mein Vater sich bei „Dick und Doof“ richtig kringelig lachen konnte, bin ich – das seltsame Kind – ruhig und traurig: zwei eher arme Menschen erlitten viel Unheil und taten sich gegenseitig weh … was soll daran lustig sein? Wahrscheinlich mein erster Schritt in die Philosophie mit elf Jahren. Auch heute noch halte ich Schadenfreude für einen Defekt. Ich vermute, dass er bei Menschen auftritt, die selbst viel Übel als Kind erlebt haben, viel Überheblichkeit und Grausamkeit im Leben erdulden mussten und dann erleichtert darüber sind, dass nicht nur ihnen so etwas widerfährt, sondern auch Stan und Olli.

Soviel zur Schadenfreude, die spontan auftritt.

Aber Grausamkeit?

Begegnete mir erst letztens wieder – allerdings immer öfter, seit dem ich die Welten der „Tierschützer“ tangiert habe. Neulich erst: irgendwo auf der Welt verbrennen Menschen einen an einen Baum gehängten Hund bei lebendigem Leibe: eine äußerst grausame Tat. Ich stehe Hunden nicht gerade positiv gegenüber, frage mich manchmal, ob dieses „Bussi-Bussi-Hasi-Mausi“ nicht eine Vorstufe von emotionaler Sodomie ist – aber da hat der Hund ja nichts mit zu tun. Womit er zu tun hat: er ist Waffe gegen Tier und Mensch. Nicht selten hatte der Adel früher den Sport, mit Hunden Menschen zu Tode zu hetzen (Tiere sowieso), auch heute noch wird er als Werkzeug der beständigen und gezielten Provokation seiner Umwelt eingesetzt: durch Verkotung der Umwelt oder ständiges Ankläffen der Bewohner menschlicher Siedlungen, von denen immer wieder welche zu Tode kommen, vor allem Kinder. Seltsam, dass wir diese Haustiere immer noch in menschlichen Siedlungen dulden, wo sie doch den Tod bringen können. Seltsam, dass Menschen sich solche Haustiere anschaffen – und sich dann noch für „gut“ halten. Und da begegnet uns schon Grausamkeit: wenn Herrchen (und ich denke, in diesem Wort steckt viel Wahrheit drin: jemand, der gerne HERR geworden wäre, aber mangels irgendwelcher persönlicher Qualifikationen reichte es nur zum „Herrchen“ – mangels Anhängern wurde eben ein Hund gekauft, der nicht widersprechen kann und dem Führerchen brav folgen muss) sein Hundchen Kinder ankläffen läßt und sich über ihre Ängste freut (und sich in einem wohligen Gefühl von Macht badet, die er dank „Bussi-Bussi-Hasi-Mausi“ hat).

Selbst schlimmere Vorfälle lassen den deutschen Hundewahn nicht abschwellen: es kommen in Deutschland mehr Kinder durch Hunde zu Schaden als durch islamischen Terrorismus, für dessen Bekämpfung wir Milliarden ausgeben. Ja: ohne Herrchen frisst Hundchen gern Gesichtchen (siehe zum Beispiel eine ältere Sammlung bei t-online). Ich hoffe hier sehr auf Aktionen von Veganern, die dafür sorgen, dass diese unnützen und gefährlichen Fleischfresser aus der Öffentlichkeit (und vom Erdboden) verschwinden: ich mag nämlich Menschen und vor allem hilflose kleine Kinder, die ihr Leben noch vor sich haben.

Ich weiß nun nicht, was jener Hund getan hat, der mit dem Flammenwerfer geröstet wird. Vielleicht vorher auch einem Baby den Kopf abgebissen? Sowas kann schon Zorn erzeugen – aber Zorn allein erklärt doch noch keine Grausamkeit. Ein schneller Schuss in den Kopf, ein Schlag mit der Machete und die Bedrohung der menschlichen Zivilgesellschaft ist aus dem Weg – aber gezielt und bewusst Schmerzen in größtmöglichem Ausmaß zufügen? Vielleicht ist dort aber auch lebendig gerösteter Hund eine Delikatesse – wie bei uns der lebendig gekochte Hummer?

Ich denke, wir sind uns klar darüber: das gezielte, absichtliche und oft genussvolle Zufügen einer größmöglichen Menge Schmerzen können wir doch als „grausam“ bezeichnen? Nicht besser waren übrigens die Kommentare der hundeliebenden Tierschützer: sie verlangten allen Ernstes, dass die Täter ebenso bei lebendigem Leibe gegrillt werden sollten – halten sich aber „ethisch“ für enorm überlegen, dabei sind sie wegen Verrat an der eigenen Art und erwiesener absichtlicher Grausamkeit unterste Schublade im Rahmen der gesammten Natur. Ethisch betrachtet. Die übliche Argumentation „ich habe mal einen Hund gerettet, deshalb in ich gottähnlich“ lassen wir mal außer Acht.

Braucht man Zorn für Grausamkeit? Und: sollten wir die Antwort auf diese Frage nicht lieber der Psychologie überlassen? Auf keinen Fall: Psychologie ohne Philosophie führt nicht weit: ohne Beschreibung von Welt und Menschenbild werden die Deutungen beliebig – aber man kann endlos lange diskutieren und Steuer- und Beitragsgelder verprassen … und erst recht ewig „behandeln“. Was war der Aufschrei groß, als die erste philosophische Praxis von Gerd Achenbach drohte, die ganze Pychoindustrie auszuhebeln: drei Besuche bei ihm und eine zehn-Jahres-Patienten konnte ihre teuren Therapien gesund und lebensfroh abbrechen: es war nur der Rahmen (das Weltbild) falsch, nicht der Inhalt (der Mensch). Es ist schon ein Unterschied, ob Sie mit ihrer Geistersichtung zu Sigmund Freud gehen (für den Sie dann ordentlich einen an der Waffel haben) oder zu Carl Gustav Jung (dessen eigene gruselige Erfahrung in Fanny Mosers Werk „Spuk“ Anfang der fünfziger Jahre beschrieben wurde – eine exzellente wissenschaftliche Arbeit des hoch angesehenen Wissenschaftlers).

Wir haben ja gerade wieder einen Fall von Grausamkeit in Deutschland  – sogar einen Fall weltweit äußerst seltener Grausamkeit (siehe Spiegel):

„Seel habe nach außen ein ganz normales Leben gelebt, angepasst, berufstätig, musisch begabt. „Ein völlig unbescholtener Bürger““.

Und Sie haben Angst vor Asylanten? Also – ich mache mir eher Sorgen um die „normalen“, „angepassten“, „berufstätigen“, „völlig unbescholtenen“ „musisch begabten“, denn die schlachten gerne mal ihre Mitbürger, sogar so, dass es ins Guinessbuch der Rekorde passt (siehe Spiegel):

„Der Täter hatte Tristan im Bachbett die Kehle durchgeschnitten, ihn ausbluten lassen, ihn regelrecht geschächtet, ihn im Anschluss in den Tunnel gezogen und ihn dort verstümmelt. Das dokumentierte Verletzungsbild ist weltweit einmalig.“

Wer sich übrigens auch Gedanken über die normalen, angepassten, berufstätigen, völlig unbescholtenen und musisch begabten Mitbürger macht, ist Georg Diez (siehe Spiegel), der beunruhigt auf eine kippende Gesellschaft schaut, die mit „feinem Schweigen“ auf die zunehmende Grausamkeit reagiert. Ach – Grausamkeit erwähnt er ja gar nicht, das habe ich dazu gedichtet – weil es gemeint war. Er beklagt ja den Rechtsruck in Deutschland – wieder einmal – und fürchtet die Folgen. Wissen Sie noch, welche Folgen das waren? Nun: es war staatlich perfektionierte und systematisierte Grausamkeit. Lesen Sie sich ruhig mal den Artikel über Ärzte im Nationalsozialismus durch (siehe Spiegel), zum Beispiel die Meerwasserexperimente von Wilhelm Beigelböck oder die Vivisektionsexperimente von Aribert Heim:

„Für seine sadistischen Anwandlungen ersann er auch eine Forschungsreihe: Wie lange überlebt ein Mensch ohne Leber, ohne Nieren, ohne Herz? Der „Schlächter von Mauthausen“ holte sich schwache und kranke Häftlinge und entfernte ohne Betäubung lebenswichtige Organe.“

Der Facharzt für Meerwasserexperimente leitete nach dem Krieg eine Klinikabteilung in der Bundesrepublik und bildete weitere Monster aus. Sorry – Ärzte. Nicht  Monster.

Ich denke: Sadismus gehört zum Themenfeld Grausamkeit dazu, was meinen Sie? Da sind wir auch gleich wieder bei der Schadenfreude, die … weit verbreitet ist. Ich denke, um Grausamkeit auszuführen, braucht man eine gewissen Lust – sonst kostet sie nur unnötig Zeit.

Es gibt Synonyme für Grausamkeit: diabolisch, entmenscht, gewalttätig, hart, gefühlskalt, erbarmungslos – um nur einige zu nennen (siehe wiktionary). Gilt für Tierquäler wie für Tierschützer, die gerne Menschen quälen möchten. Machen Sie sich mal die Freude, bei Facebook die „Tierschützerseiten“ aufzusuchen: ich verspreche unangenehmen, gefühlskalten, erbarmungslosen, gewalttägien entmenschten Grusel. Da sind die angepassten und normalen, die Menschen zum Foltern suchen. Noch haben sie nicht den richtigen politischen Rahmen dazu – aber wenn ich Georg Diez trauen darf, sind wir ja gerade wieder auf dem Weg dahin. Habe ich vor 14 Jahren schon gesagt, als ich die ersten öffentlichen Artikel gegen Hartz IV schrieb (das man damals „Workfare“ nannte), damals wurde ich noch als Düsterseher ausgelacht – 14 Jahre später ist das Thema beim Spiegel.

Lacht noch jemand?

Klar: die Grausamen. Gibt Millionen davon – schauen Sie sich nur die Reaktionen auf „Arbeitslose“ an, sogar der Spiegel respektiert, dass die nicht beim Namen genannt werden wollen, weil sonst Verfolgung droht (siehe Spiegel). Sicher, man formuliert es fein (so fein wie das von Georg Diez beschriebene Schweigen), spricht von „Stigma“: aber es ist allen klar, es geht wieder darum, Ziel von Grausamkeit zu werden, wie bei jenen 40 Roma, denen der feine Arzt Meerwasser zu trinken gab, damit sie wirklich auf elendigste Weise verrecken. Ja: sowas durfte in Deutschland dann weiter praktizieren und sich dumm und dämlich verdienen.

Das ist Ihnen zu übertrieben? Ich empfehle Ihnen: schauen Sie bitte ganz genau hin; lesen Sie die folgenden Zeilen bitte mit Bedacht (siehe 3sat):

„Ein disqualifizierter Konsument hat einen ganz anderen sozialen Status als die industrielle Reservearmee. Ein disqualifizierter Konsument ist völlig nutzlos“, so Baumann weiter. „Ein hoffnungsloser Fall für die Gesellschaft. Wenn man absolut zynisch ist, würde man sagen, unserer Gesellschaft ginge es viel besser, wenn diese armen Menschen, die keine richtigen Konsumenten sein können, einfach verschwinden würden.“

Oder wenigstens noch als Versuchskaninchen für die Ärzteschaft dienen, wie aktuell  die Demenzkranken.

Es geht dort um „Abfallmenschen“ … um Menschenabfall. Was das mit Grausamkeit zu tun hat? Nun – eine Voraussetzung für Grausamkeit ist mangelnde Empathie – sagt Wikipedia. Der Artikel ist auch deshalb interessant, weil wir wieder auf den Hund zurückkommen – in der Erläuterung des Begriffes „bestialisch“, der als „Steigerungsform von Grausamkeit“ gilt:

„bestialisch aus dem Lateinischen: Bestia – das wilde Tier, fusst historisch auf der Beobachtung von carnivoren Prädatorn, fleischfressenden Beutejägern, die ihre Beute nach dem Schlagen mit Zähnen und Krallen aufbrechen und stückweise ausweiden“

Ja, das sieht nicht schön aus, sowas. Ich durfte das mal erleben – im alten Löwenpark von Westerholt in Westfalen, als Löwen Wölfe gerissen hatten. War ein Riesenskandal damals. Davon finde ich allerdings nichts im Internet. Sah grausam aus. Ich könnte dazu jetzt auch wieder ein paar Geschichten von Ärzten im Dritten Reich erzählen, die das mit Abfallmenschen gemacht haben, die zu nichts mehr Nutze waren – aber lassen wir das. Bleiben wir in der Gegenwart, wo „Lebensmittelretter“ hohe Strafen drohen, weil sie weggeworfene Lebensmittel aus Containern retteten (siehe Netzfrauen). Auch grausam, oder? Im Sinne von kalt, empathielos, vernunftlos, erbarmungslos. Da hungern Menschen in Deutschland, werden selbst zu „Abfall“ – aber wer wertvolle Lebensmittel aus dem Abfall retten will, wird bestraft. Gilt vielleicht auch bald für jene, die wertvolle Menschen aus dem Menschenabfallkorb herausholen wollen.

Eine Gesellschaft im Vernichtungswahn: 82 Kilo Lebensmittel werden pro Bürger pro Jahr weggeworfen (siehe Spiegel), dass sind 18,4 Millionen Tonnen im Jahr (siehe Spiegel), während jeden Tag 18000 Kinder unter fünf Jahren verhungern (siehe Zeit):

„Diese Zahlen sind alarmierend, aber man liest und hört wenig darüber. Oder man hört darüber hinweg.“

Grausam, oder? Wie wir das ignorieren, gleichzeitig aber die Lösung des Problems sabotieren, in dem wir Lebensmittel an uns saugen, um sie zu vernichten. Ganz kalt, emotionlos. Aber 20 Millionen fleischfressende Haustiere halten: das geht. Darf ich das jetzt eine systematisch menschenfeindliche Kultur nennen? Mit langer Tradition? Man könnte glatt antideutsch werden, wenn man das liest.

Ach ja – die fehlende Empathie. Klassisches Merkmal eines Psychopathen, eines „sozialen Raubtieres“. Jene „Wölfe im Schafspelz“ (oder Hunde mit Krawatte) wandeln unter uns:

„Sie sind skrupellos und ohne jedes Mitgefühl. Ihre Persönlichkeit zeichnet sich durch egozentrisches, selbstherrliches Verhalten aus. Sie betrügen, demütigen, verletzen und töten. Ohne Emotionen, aber mit vollem Bewusstsein. Psychopathen. Soziale Raubtiere, von denen nicht wenige in unserer Gesellschaft leben.“ (siehe Deutschlandradio. )

Und fahren SUV. Oder Porsche.

Diesen Verhalten kennen Sie, in der Wirtschaft gebraucht man dafür das Wort „professionell“. Achten Sie mal drauf: immer, wenn jemand einen Mangel ein Psychopathie hat, kritisiert der Chef, er handle nicht „professionell“.

Ach ja: Wirtschaft – sie werden wahrscheinlich nicht überrascht sein, dass sich da ein Kreis schließt: Psychopathen schaffen es auffällig oft ins höchste Management (siehe Zeit). Jetzt verstehen Sie vielleicht, wie man fette Boni kassieren kann, obwohl der Betrieb fast pleite ist: wir haben es mit Hunden in Menschengestalt zu tun. Also: Raubtieren. Sie schaffen es wohl auch in höchste Regierungsämter, wo sie gar nicht verstehen, warum ihr Handeln – als „alternativlose Sozialreform“ getarnt – von so vielen Menschen als grausam empfunden wird. Ich vermute mal: suchen Sie einen Menschen, der andere wegen ihrer „Sozialromantik“ lächerlich macht, und Sie haben einen Psychopathen gefunden.

Das wir hier in der Menschheitsgeschichte äußerst schräg laufen, haben schon andere gemerkt. Aus Zeitgründen zitiere ich mal nicht das mir vorliegende Original, sondern Wikipedia:

„Forbes stellt demnach die weltweit bestehenden gesellschaftlichen Probleme wie Armut und Obdachlosigkeit, Hunger und Leid sowie die Zerstörung der Umwelt in den Kontext der westlichen Gesellschaftsform, die sich selbst „zivilisiert“ und „kultiviert“, „frei“ und „sozial“ nennt. Tatsächlich würde der Kapitalist jedoch – wenngleich in der Regel nicht direkt, sondern über eine Wirkungskette im System – rücksichtslos das Eigentum, die Gesundheit und das Leben Anderer konsumieren, um gut zu leben, ohne selber viel dafür tun zu müssen. Dies sei alles andere als zivilisiert und eher vergleichbar mit einer entarteten Form des Kannibalismus. Die negativen Aspekte der modernen Welt haben nach Forbes‘ Ansicht global gesehen ein enormes Ausmaß angenommen und zeigten eine Tendenz zu weiterer Verschärfung. Daraus schließt er auf die Krankhaftigkeit des Systems beziehungsweise der Menschen als verantwortlich handelnder Subjekte.“

Forbes ist Indianer. Mit Doktortitel. Er greift in die Kiste indiansischer Mythen und Legenden, wo er den Wétiko oder Wi´tiko findet (anderen als „Wendigo“ bekannt), einen bösen Geist, der – wenn er in Menschen fährt – zu Kannibalismus verleitet (das erwähnt Wikipedia leider nicht, weshalb ich das hier mal ergänze) … womit wir wieder bei dem grausamen Massenmörder von Tristan sind, auf dessen Rechner man unter 30000 verstörenden Bildern auch welche von Kannibalismus gefunden hat (… ich denke jetzt mal nicht darüber nach, wie die produziert worden sind).

Forbes’ Weltanschauung geht hart mit der westlichen Zivilisation ins Gericht. Seiner schonungslosen Analyse zufolge ist die Geschichte der Europäer untrennbar mit der Faszination für das Böse verbunden, die er als „Mátchi-Syndrom“ (Cree-Dialekt für teuflische Verdorbenheit) bezeichnete. Dies führe zu einem Mangel an Empathie und in logischer Konsequenz zu Egoismus, Habgier und Gewalt.

Gut – wir verachten Forbes´ Philosophie als „Anarchoprimitivismus“ – wohl wissend, dass wir für unsere Kapitalismus 1,5 Planeten bräuchten, aber nur einen haben – was noch sehr grausam für viele Menschen werden wird, uns aber egal ist. Er schrieb sein Werk 1981 – rot-grün setze es 2005 in die Tat um, wir taten uns am Eigentum der Arbeitslosen gütlich wie zuvor an dem der Juden. Er würde das für grausam halten – ebenso grausam wie die Tatsache, den Armen täglich die Warenflut vor Augen zu führen, die niemals niemals niemals mehr für sie gedacht ist.

Oder das wir die so selektierten Menschen entwürdigend und demütigend unsere Abfälle an den „Tafeln“ präsentieren, wo sie lange anstehen müssen, um Abfall essen zu dürfen, den sie auch noch bezahlen müssen – weshalb ja „Containern“ verboten ist, denn daran kann man nicht verdienen. Die „primitiven“ Indianer würden so nie mit ihren Mitmenschen umgehen. Aber die jagen und essen auch Tiere, können also nur böse sein und nicht so gut wie „wir“.

Wo sind wir nur gelandet? Nur ein paar Gedanken über „Grausamkeit“ – und schon stecken wir in tiefster Gesellschaftskritik, ja, sind Anhänger und Protagonisten eine Kultur, die als die böseste der Menschheitsgeschichte angesehen werden kann (auch jene, die sich nur „vegan“ ernähren): obwohl wir so lieb zu unseren Hunden sind. Und zu den Katzen, nicht zu vergessen, die laut Captain Paul Watson von Sea Sheppard inzwischen mit die gefräßigsten Meeresräuber sind – weil ihre Herrchen und Frauchen sie mit Massen an Fisch füttern, mehr, als alle großen Seeraubtiere zusammen vertilgen(siehe Facebook).

Auch grausam, oder? Die Vernichtung der Meere im Dienste der Hauskatze. Früher – diente das Haustier uns, lebte von unseren Abfällen. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher – manche Menschen leben schon von Hundefutter, Millionen wären froh, wenn sie wenigstens das kriegen würden. Auch: grausam.

Kein Wunder, dass wir so oft auf die Philosophie treffen, dass der Mensch schlecht und grausam ist – als gäbe es schon nur noch den weißen Mann auf der Welt, wie viele es gerne hätten. Die Indianer hatten es da leichter: der grausame Mensch – als eine ganz seltene Spezies – war nur in der Gewalt des Wendigo, eines bösen Geistes, den der Schamane vertreiben konnte. Vielleicht hätten wir die nicht auch ausrotten sollen … aber sie hätten den herrschenden Wendigos ja auch fürchterlich im Wege gestanden, diese friedlichen, sozialen, ökologisch nachhaltigen „Anarchoprimitiven“ mit ihrem „Aberglauben“.

Unser grausamer Mensch ist nicht mehr selten – er ist Norm geworden, Handlanger eines kannibalistischen Systems, dass Milliarden Menschen und den ganzen Planeten zu vertilgen droht.

Und viele Menschen merken das: nicht umsonst sind Zombie-Filme so beliebt – sie entsprechen unsere emotionalen Wahrnehmung in einer gefühllosen und damit leblosen Menschenfresserkultur. Und in jener Zombiekultur ist Grausamkeit (also: „Professionalität“) erste Bürgerpflicht, will man nicht selbst zu den abfallfressenden Abfallmenschen gehören.

Merke schon: ich hätte mir keine Gedanken über dieses Thema machen sollen.

Schaue jetzt eigenartig beunruhigt auf die Häuser unter mir.

Ob da auch schon Leichenteile in den Garagen liegen?

Hunde haben die. Höre ich bis hier oben bellen, jeden Tag. Meistens – kläffen die Menschen an, die friedlich ihres Weges ziehen … aber trotzdem immer etwas mehr Adrenalin als sonst ausschütten (oder einfach Angst haben), wenn sie den Lärmattacken ausgesetzt werden.

Interessiert aber auch keinen.

 

Armut in Deutschland – Menschenopfer der Mächtigen

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Mittwoch, 6.4.2016. Eifel. Ziemlich unbemerkt hat die Sozialdemokratie wieder zugeschlagen. Eine kleine Meldung nur – doch die Marktromantiker dürften damit endgültig ihre Träumereien aufgegeben haben. Es war Ludwig Erhard (CDU), der gegen den Widerstand der deutschen Industrie eine – wenn auch ziemlich verwässerte – Kartellgesetzgebung durchgedrückt hatte, die viel für das Wirtschaftswunder bewirkte – und es war Vizekanzler Gabriel (SPD), der per Ministerweisung den Geist der freien Marktwirtschaft untergrub und torpedierte. Was bedeutet „Kartell“? Das ein Wirtschaftsteilnehmer sich bewusst und absichtlich in eine Marktmacht hineinmanövriert, die es ihm erlaubt, Preise zu diktieren – sowohl die Preise für die Kunden als auch die Preise für die Zulieferer. Das ist dann kein „freier“ Markt mehr – sondern ein diktierter Markt.

Was tat nun Minister Gabriel (SPD)? Er erlaubte die Fusion von Edeka und Tengelmann, gegen die das Kartellamt massive Bedenken hatte – immerhin haben wir schon einen Markt, der oligopolistisch ist (also nur eine Hand voll starker Teilnehmer hat, siehe Spiegel):

„Die Wettbewerbshüter fürchteten, dass die Marktmacht weniger Handelskonzerne durch die Fusion noch größer wird – zu Lasten der Verbraucher. Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi beherrschen zusammen schon 85 Prozent des Marktes.“

Das ist kein Markt mehr, das ist eine zentralistische Staatsversorgungsorganisation, die im Falle des Zusammenbruchs ein unvorstellbares Elend nach sich ziehen wird: unsere Versorgung steht auf nur 4 Beinen. Natürlich gibt es harte Auflagen zum Schutz der schlecht bezahlten Arbeitsplätze – für ein paar Jahre. Arbeitsplätze, die man normalerweise gar nicht fördern sollte. Es geht aber nicht nur um das Lohndiktat, dass solche Megakonzerne ausüben können, sondern auch um das Preisdiktat – einerseits gegenüber den Kunden, andererseits auch gegenüber den Zulieferern. Der gesamte Markt bekommt eine enorme Schieflage – zugunsten von „Anlegern“ und „Funktionären“ … den „Brüdern im Geiste“ unserer Parteifunktionäre. Das trifft zum Beispiel Bauern, die von der Konzernallianz Preise für ihre Waren diktiert bekommen – aber wer interessiert sich schon für Bauern, wenn wir das Gemüse aus Spanien noch billiger importieren können – auch zu diktierten Preisen, die dort Arbeitsbedingungen schaffen, die nur mit Sklavenarbeit illegaler Einwanderer zu bewerkstelligen sind.

Wer sich freuen darf, sind die Erben der Eigentümer der vier Megariesen: die große Koalition hat „Erben großer Unternehmen massiv bevorzugt“ (siehe Kontraste, RBB). So werden diese Konzerne – praktisch Megaumverteilungsmaschinen, die das Volksvermögen von „unten“ nach „oben“ saugen – mit immer größerem Erfolg: die Armut schreitet immer weiter voran, dafür freuen sich die Parteien über Konzernspenden (siehe Handelsblatt):

„Erst verhindert die Bundesregierung strengere Abgasnormen für Autos, dann wird bekannt, dass BMW-Großaktionäre kurz zuvor der CDU fast 700.000 Euro gespendet haben. Entsprechend laut ist die Empörung jetzt.“

Welche Folgen solche Entscheidungen für die Pöstchenvergabe innerhalb der deutschen Funktionärselite haben werden, wird man in Zukunft sehen – wir haben da schon manches Wunder erlebt.

Wir wollen ja heute auch nicht über die Vermögenskonzentration reden, sondern über ihr Gegenteil: die Armut. Sie wird überall wahrgenommen – zum Beispiel in Berlin, wo der Anblick verarmter Rentner, die im Müll nach Ressourcen zum Überleben suchen, Alltag geworden ist (siehe Berliner Zeitung). Die Behörden reagieren auf diese unhaltbaren Zustände … in dem sie das Betteln verbieten, vor allem das Betteln von Kinder (siehe rbb-online): der Anblick von Armut auf den Straßen von Berlin ist den reichen Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu ersparen , es könnte ihnen übel dabei werden und sie an die oft vernachlässigten Pflichten gegenüber den Bürgern dieses Landes erinnern, Pflichten, die weit über die üblichen Vier-Jahres-Rythmen hinausgehen.

Ja – es hilft, sich kurz daran zu erinnern: der Staat hatte vor zweihundert Jahren Pflichten übernommen. Sogar mit König und Kaiser. Wir – als Staat – hatten uns zu einer großen Kraftanstrengung entschlossen und die vielen unergiebigen Kleinparzellen zu großen Anbauflächen vereint, die eine deutliche Steigerung der Erträge einbrachten. Mehr noch: wir hatten die Menschen von den kleinen Höfen geholt, damit sie in den Fabriken arbeiteten. Die so verlorene Selbständigkeit wog der Staat mit dem Versprechen auf, Sozialstaat zu werden, da man die systematische Schieflage im Land deutlich erkannte: noch bevor der Bürger Souverän wurde anstelle des Kaisers wurde die Grundlage seiner Souveränität – die wirtschaftliche Unabhängigkeit – vernichtet. Ein Überleben der Demokratie war also direkt abhängig geworden von der Verpflichtung des Staates, diesen von ihm selbst geschaffenen Mangel auszugleichen, in dem er die Versorgung der Bürger für alle Zeiten garantierte. Das ist die Grundlage unseres großen „Deals“, für die der Staat jetzt liefern muss – und aufgrund dessen die „Industrie“ Riesengewinne einfahren kann.

Was der Staat jedoch liefert, erfahren wir täglich (siehe Berlin Kurier):

„Ein Drama spielt sich in der Kleingarten-Kolonie „Saatwinkler Damm“ ab. Als die Datsche von Familie Behrens gestern zwangsgeräumt wird, bewegt sich Ehefrau Karin Behrens (77) nicht mehr. Sie muss mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden, war kollabiert.“

Der demenzkranke Ehemann und der Sohn stehen jetzt vor der Obdachlosigkeit, jener Obdachlosigkeit, die die 38-jährige Eleonore E. schon kennt: sie wurde jetzt zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt – für vier Diebstähle im Wert von 93,76 Euro (siehe Süddeutsche). Sie besitzt noch nicht mal einen Personalausweis. Hätte sie nur Kinderpornografie konsumiert wie manche Abgeordnete (Tauss, Edathy, beide: SPD): sie wäre mit einer Bewährungsstrafe davongekommen.

Gesichter von Armut in Deutschland, einer Armut, die immer weiter um sich greift (siehe Bundeszentrale für politische Bildung):

„Im Jahr 2013 galt jede sechste Person in Deutschland als armutsgefährdet: 16,7 Prozent der Bevölkerung bezogen ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Ohne die umverteilende Wirkung von Sozialleistungen wäre sogar jede vierte Person in Deutschland armutsgefährdet. Überdurchschnittlich häufig sind Arbeitslose betroffen – gut zwei Drittel von ihnen waren armutsgefährdet. Ebenso besteht bei Alleinlebenden und Alleinerziehenden ein erhöhtes Armutsrisiko – jeweils etwa ein Drittel der Personen galten 2013 als armutsgefährdet“

Und das im Reich der europäischen Wirtschaftslokomotive, die vor allem so gut brummt, weil sich die starken Schultern nur noch selbst bereichern, anstatt die schwachen mit zu tragen: aus dem kaiserlichen Sozialstaat ist der sozialdemokratische Asozialstaat geworden – an dem die Abgeordneten des Deutschen Bundestages exzellent verdienen: nach der nächsten automatischen Erhöhung werden es 9336 Euro im Monat sein (siehe Focus), bald soviel, wie Armutsgefährdete im Jahr verdienen. Ein genialer Trick der Reichen: einfach alle Abgeordenten reich machen – schon hat man etwas gemeinsam.

In dem Sinne funktionieren die Abgeordneten dann auch – nicht nur beim Thema Abgas oder Kartell. Andrea Nahles ist jetzt mit einem kühnen Vorstoß beschäftigt: sie will Armut in Deutschland einfach umdefinieren (siehe FAZ):

„In Deutschland gibt es immer mehr Armut – so schrieb es der Paritätische Wohlfahrtsverband im Februar. Seine Rechnung: Arm ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung hat, für eine vierköpfige Familie wären das derzeit 1873 Euro im Monat. Das ist ein „relativer Armutsbegriff“.“

Wo wirklich Armut herrscht, weiß die Ministerin genau:

„Mit solchen Berechnungen laufe die Politik und die Gesellschaft Gefahr, den Blick für die wirklich Bedürftigen zu verlieren. „Es gibt zum Beispiel mehr illegale Einwanderer und sehr viele jüngere Erwerbsgeminderte, da haben wir es mit wirklicher Armut zu tun.““

Nun – für illegale Einwanderer ist der Staat im Prinzip im Geiste des oben skizzierten Gesellschaftsvertrages überhaupt nicht verantwortlich (jedoch im Geiste der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte), die haben in diesem Vergleich gar nichts zu suchen – und die „jüngeren Erwerbsgeminderten“ bekommen Hartz IV (oder – wenn sie nicht ganz so jung sind – eine Bonsai-Rente auf Hartz IV-Niveau … wenn sie Glück haben) wie alle anderen Armen auch – von denen viele noch Reste von Arbeit haben. Sie als die „wirklich Bedürftigen“ zu beschreiben und demgegenüber alle anderen als umverschämte Gierlappen darzustellen, instrumentalisiert Flüchtlinge zur Vertuschung der deutschen Armutsproblematik.

Bleiben wir bei 1873 Euro netto im Monat – für vier Personen. Das sind 468,25 Euro pro Person. Hört sich gut an. Davon bezahlt man Heizkosten, Strom, Miete, Versicherungen, private Rentenvorsorge. Mieten eine vier-Zimmer-Wohnung? Da fängt das Problem an. Will man nicht gerade für seine Kinder das Szenario „sozialer Brennpunkt“ verwirklichen (was in Aachen warm 890,50 Euro kostet – außerhalb der Stadt in einer Betonwüste mit kriminellem Umfeld) so muss man mit 1275 Euro Miete rechnen (Vorstadt von Aachen), dazu 100 Euro Strom, 20 Versicherungen (Haftpflicht und Hausrat), 100 Euro Auto (Achtung: Sie haben Kinder, die im Krankheitsfalle sofort von der Schule abgeholt werden müssen!), so bleiben unsere „reichen“ Familie 191,20 Euro pro Person im Monat im sozialen Brennpunkt – oder 94,20 in menschenwürdiger Umgebung. Bedenken Sie dabei auch, dass Sie zum ordnungsgemäßen Funktionieren in unserer Gesellschaft überdurchschnittlich viel für Körperpflege und intakte Kleidung ausgeben müssen, um „einstellbar“ zu bleiben – also den Erwartungen von Unternehmern in einer Dienstleistungsgesellschaft gerecht zu werden (was minimal bei uns auf dem Land 60 Euro Friseur/Monat für diese Familie bedeutet – und damit sieht man am Ende des Monats schon etwas ungepflegt aus).

Sicher: mit 94,20 Euro im Monat wären Sie im Sudan reich, auch in Syrien und Marokko, denn die müssen kein hohes soziokulturelles Niveau erfüllen, nicht täglich mehrfach die Hemden wechseln und die Kinder zum Mobbingschutz mit Markenkleidung versehen, die können noch Weizen im eigenen Garten anbauen und Ziegen hüten … ich denke, wenn man Lebensqualität als Maßstab nimmt, sieht es im Vergleich erst recht schlecht aus. Dazu gab es mal einen Film in NRW, gedreht mit Fördermitteln von einer afrikanischen Studentin, der seinerzeit viel Trubel verursacht hat – sie fand unser tolles, reiches Leben nicht lebenswert im Vergleich zu ihrer „armen“ Heimat, in der es weniger Gift, weniger Lärm, weniger Aggression im Alltag und weniger Kinderfeindlichkeit gab – und besseres Wetter.

Aber Frau Nahles (SPD) macht halt, wofür sie bezahlt wird (siehe SWR):

„Und je weiter diese Gesellschaft in Deutschland zwischen Arm und Reich gespaltet wird, umso mehr mauern sich Reiche ein und versuchen, all die in die Ecke zu stellen, die Armut anprangern, indem sie sagen: „Ihr bauscht auf, ihr skandalisiert“, um ihren Reichtum zu schützen.“

Monatsgehalt Andrea Nahles: 14668 Euro (siehe Statista).

Keine weiteren Fragen … zur „Verharmlosung der Armut in Deutschland“ (siehe Christoph Butterwege in Deutschlandradio).

Die Armen werden immer ärmer – so der Bericht der Bundesbank (siehe Süddeutsche) – Zeit also, Armut neu zu definieren. Vergleichszahlen habe ich schon: ein Polizeihund bekommt vom Staat 94,50 Euro (also: das zahlt man dem Hundehalter – siehe fragdenstaat) … das ist mehr als Hartz IV für ein fünfjähriges Kind. Nun – Hunde sind ja auch wichtig.

Armut in Deutschland bedeutet nun nicht nur, dass man weniger in den Urlaub fahren kann (also: GAR NICHT) oder weniger Geschenke zu Ostern kaufen kann (in Zahlen: GAR KEINE) oder nicht so oft ins Kino, ins Theater oder zum Fußball kann (besser gesagt: ÜBERHAUPT NICHT) oder dass man sich gesellschaftliche Verpflichtungen jeglicher Art (wie zum Beispiel Geburtstagsgeschenke für die weitere Familie, Vereinsmitgliedschaft oder Parteiarbeit) schlichtweg nicht leisten kann, ohne am Essen zu sparen – was die Meisten machen.

Armut in Deutschland bedeutet schlichtweg: FRÜHER TOD (siehe armut&gesundheit):

„Die Mortalität (Sterberate) von Armut betroffener Menschen in unserer Gesellschaft ist deutlich erhöht. Es besteht ein Lebenserwartungsunterschied von 11 Jahren bei Männern und von 8 Jahren bei Frauen zwischen dem reichsten und dem ärmsten Viertel der deutschen Bevölkerung (Lampert & Kroll 2010). 31% der von Armut betroffenen Männer erreicht nicht das 65. Lebensjahr. Armut bedeutet demnach nicht „nur“ geringere gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten, Armut bedeutet in einem der reichsten Länder der Erde früher sterben zu müssen. In diesem Kontext spielen strukturelle Gesundheitsversorgungsausschlüsse, -hindernisse und -defizite eine entscheidende Rolle, die von Entscheidungsträgern in unserer Gesellschaft leider viel zu häufig negiert und/oder bewusst ignoriert wird.“

Armut ist … eine besondere Form von Menschenopfer. Armut …. BRINGT MENSCHEN UM. Das ist ein Maßstab, der sich auch nicht durch noch so viele Rechenkünste relativieren läßt. Die Zahl der Opfer geht im Laufe der Jahre in die Millionen … Millionen die zu früh sterben und keinen „ruhigen Lebensabend“ vor sich haben, weil sie in Mülltonnen herumwühlen müssen. Wir sollten also lieber von Massenmord reden – anstatt von „relativer Armut“ … die auch als solche tödlich bleibt.

Da werden die Reichen und Mächtigen natürlich erst Recht „mauern“ und aufheulen, aber … das war schon immer so (siehe Spiegel):

„In vielen Gesellschaften gehörten Menschenopfer zum festen Brauchtum. Eine Analyse zeigt: Die perversen Riten nützen Herrschenden, um die Gemeinschaft zu spalten.“

Lesen Sie den Satz ruhig mehrmals. Sie können ihn auch gerne auswendig lernen.

Gut – wir töten anders als die früheren Herrschenden … ich will ihnen aber gerne die Dimensionen unserer Menschenopfer aufzeigen.

Wir haben über sechs Millionen Arme. Nehmen wir an: die Hälfte davon sind Männer. Das wären drei Millionen, von denen eine Million mindestens 13 Jahre früher sterben. Macht: 13 Millionen Lebensjahre. Ein Leben hat bei uns eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78 Jahren bei Männern … also vernichtet Armut das Äquivalent von 166 666 Menschenleben, wenn wir die geraubten Jahre in Menschenleben umrechnen. Ganz grob überschlagen. Mitten in einem der reichsten Länder der Erde. Pro Jahr sterben in Deutschland 868 000 Menschen (siehe statista) – die Zahl der geraubten Lebenszeit für Arme (bzw. der Menschenopfer der Mächtigen) enspricht also 20 Prozent der Bevölkerung – Tendenz steigend.

Die sterben für … das Überleben des monopolistischen Kapitalismus.

Oder: sind die Menschenopfer der Lumpenelite.

Ich weiß: eine wilde Rechnung, die man auf vielfältige Art und Weise angreifen kann – sie dient aber nur der plakativen Darstellung, die Feinrechnung überlasse ich Menschen, die dafür bezahlt werden. Sie soll ja auch nur eins aufzeigen: Armut – ist nicht relativ, sie ist tödlich.

Auch in Deutschland.

 

 

Der Zauber von Myrkwid – ein rebellischer Akt der besonderen Art

Die Zauber von Myrkwid

Die Zauber von Myrkwid

Mittwoch, 8.7.2015. Eifel. (Achtung: jetzt kommt WERBUNG). Ja – man kommt nicht mehr drum herum, ich gestehe es: ich habe auch fantastische Romane geschrieben. Für meine Kinder. Eine Jugendsünde von mir, könnte man meinen. 18 Jahre lagen diese Bücher im Schrank und wurde nur hervorgeholt, um sie meinen Kindern als „Gute-Nacht-Geschichten“ vorzulesen. Ja – damit hat es angefangen. Ich las meinen Kindern jeden Abend so lange vor, bis sie eingeschlafen waren, was meistens eine Stunde dauerte. Irgendwann ging mir das Material aus. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich beschloss, das Problem in Eigenarbeit zu lösen – ich kam von einem Seminar von Jürgen Höller zurück  – einem Seminar, dass die Firma bezahlt hatte. Der Religionswissenschaftler in mir (ja, den gibt es auch) war verblüfft (zum wiederholten Male) wie sehr diese Trainer (von denen mir meine Firmen einige bezahlt hatten) in ihrer Arbeit auf Kunstgriffe der Magie und Zauberei zurückgriffen – und diese teilweise öffentlich demonstrierten, um die verblüffende Kraft des menschlichen Willens und die vielfältigen Möglichkeiten, diesem Ausdruck zu verleihen, zurück griffen.

Gut – es dürfte nicht oft passieren, dass Menschen, die ihren Studienschwerpunkt in den „Religionen des kleinen Mannes“ gelegt haben (Mythen, Sagen und Märchen) in teuren Industrieseminaren auftauchen. Menschen mit dieser Ausrichtung merken im Übrigen auch schnell, dass ein Adolf Hitler ein fieser, böser Magier war, ein „Saruman“ – und in der Tat findet man nach einiger Suche auch jene mystischen Gruppen, die „den Führer“ in den dunklen Künsten des Wortes ausgebildet haben und ihn auf die Menschheit losließen – nur zu dem Zweck, ein neues Blutbad anzurichten, vor allem unter jenen ersten Dienern des christlichten Gottes, die das „Gewissen“ fleissig verteidigten. Doch dies sind Themen, denen wir uns später mal widmen werden: „es gibt keine Magie“ – ist nur ein Tabu für den „kleinen Mann“: der große Mann feiert währenddessen große, magische Zauberfeste in aller Öffentlichkeit, bedient sich den feinen Künsten zu dunkelsten Zwecken …. ich verweise hier zum wiederholten Male z.B. auf die Riten des „Bohemian Grove“ – Riten, die einen Religionswissenschaftler mit meinen Schwerpunkten erschauern lassen: das sind Kulte, die unsere Altvorderen völlig entsetzt hätten. Wir … nehmen sie noch nicht mal wahr, was übrigens für uns sehr peinlich ist.

Zurück jedoch zu den Büchern. Ich hatte mein Leben damals sehr verändert, zugunsten meiner Kinder – die ich bei Arbeitswochen von bis zu 120 Stunden (Schlaf galt als Luxus, den nur Schwächlinge brauchen) – kaum noch zu Gesicht bekam – auf Karriere verzichtet (das beizubehalten, gelang mir im Folgenden leider nicht) um mehr Zeit für sie zu haben. Ich hatte auf einmal soviel Zeit, dass ich den Kindern (damals fünf an der Zahl) bald auf den Keks ging. Im Sommer konnte ich also den Samstag mit Gartenarbeit verbringen – im Winter jedoch, wenn es draußen stürmte und schneite, konnte ich mich dem Schreiben von Abenteuergeschichten widmen. Ich war zu der Zeit auch Mitglied der deutschen Inklings, hatte also auch Gelegenheit, meine Bücher mit dem Gründer der Inklings, Gisbert Kranz (inzwischen leider verstorben) besprechen zu können – und freute mich, dass er von ihnen sehr angetan war … so sehr, dass er mir ein Vorwort schreiben wollte. Aber: was sollte ich mit einem Vorwort? Die Bücher waren nie zur Veröffentlichung gedacht – sie waren meinen Kindern gewidmet, sollten ihnen ein Abenteuer im Reich der Ferne bescheren, eine magische Traumreise in ferne Gefilde. Wenn sie die Bücher gut fanden, war das für mich ein voller Erfolg – und sie fanden sie besser als Harry Potter … aber nicht so gut wie der Herr der Ringe. Damit konnte ich leben – auch wenn ich Harry Potter gar nicht kannte.

Zudem bin ich auch gar kein Schriftsteller. In der Tat schreibe ich ähnlich wie J.R.R.Tolkien, setze mich vor dem Bildschirm, erinnere mich kurz, was im letzten Kapital war – und schreibe drauf los. Oder …. wie ich es in einem anderen Manager-Seminar gelernt habe … „lasse ES durch mich hindurchfließen“ (eine weitere magische Technik, auf die ich andernorts mal näher eingehen kann). Regelmäßig bin ich überrascht, begeistert, verblüfft, welche Wendungen die Geschichten haben, die ich – wäre ich der Esoterik zugeneigt – durchaus als „gechannelt“ bezeichnen könnte, als „von oben eingegeben“ … doch den Anspruch habe ich nicht. Ich bin nur zu faul, großartige Pläne zu machen, mich mit Entwürfen zu plagen – und will außerdem lieber den Spaß an der Arbeit als ein perfekt ausgefeiltes Werk.

Man hätte es dabei beruhen lassen können, wäre ich nicht eines Tages in einem Gespräch mit meiner Verlegerin von Moti-Books darauf gekommen, dass ich auch noch ein paar Kinderbücher – dicke Schinken – im Schrank habe. Kinderbücher, die auch Erwachsene begeistern können – wie ich immer wieder feststellen konnte, wenn sich Besuch ungefragt die Kopien der Bücher, die ich für meine Kinder anfertigen lies, griffen und sie nicht mehr aus der Hand gaben. So ging es auch der feinen Gudrun Anders von Motibooks, die sich – extra für mich – wieder in die Verlagswelt gestürzt hat. Motibooks ist im Prinzip ein Fachverlag für motivierende, aufbauende Lektüre, geführt von einer Unternehmerin und Unternehmensberaterin, die ich wegen ihrer spirituellen Ausrichtung sehr schätze – wie so oft, wenn die Spiritualität echt und lebendig ist, kann man einen hohen Arbeitsethos erwarten, was jedem Kunden sehr entgegenkommen sollte. Hier wird noch mit Blick auf Erfolg für den Kunden gearbeitet – und weniger mit Blick auf die möglichst pralle Füllung der eigenen Börse.

Frau Anders will sämtliche Artikel des Eifelphilosophen auf den Markt bringen, eine Arbeit, die mir viel mehr Arbeit bringt, als gedacht: die meisten der 2600 Artikel müssen komplett überarbeitet werden, so dass man leider nicht (wie ich gehofft hatte) einfach alles bequem kopieren konnte, Die Herrscher der Welt, Krieg und Frieden, Gott und die Welt sind in verschiedenen Portalen veröffentlicht – aber bringen nicht genug Umsatz, um einen Verlag am Leben zu erhalten. Der Autor selbst würde verhungern, wenn er von den Erträgen leben müßte – eine seltsame Erscheinung angesichts der Tatsache, dass ich ein reicher Mann wäre, wenn ich von jedem Leser meiner Artikel nur 99 Cent bekommen würde. Ich hatte damals – vor einem Jahr – ein wenig gehofft, dass vielleicht manche Leser ihre Wertschätzung für meine Artikel durch den Erwerb von Bücher ausdrücken wollen (also … an jene, die mir Bargeld schenken wollten: das nehme ich nicht so gern an. Weiß auch nicht, warum.) Mit entsprechendem Umsatz hätten wir uns hier eine technische Ausstattung leisten können, die uns erlaubt hätte, noch mehr Menschen anzusprechen … wir können das echt nicht alles allein finanzieren … würden aber gerne der Tagesschau etwas visuelle Konkurrenz machen. Doch doch – das würde viel Spaß machen, habe da schon einige Ideen.

Zurück nun zu dem Zauber von Myrkwid.

Geschrieben war es für meine Kinder als erstes Buch einer Reihe von neun Büchern. Die Hauptdarsteller tragen jeweils ihre Namen, allerdings sind ihre Charaktereigenschaften dort nicht berücksichtigt (die waren ja auch noch klein…). Es war mir nicht sehr lieb, das zu veröffentlichen, weil es ein sehr persönliches Buch ist, sehe aber, dass der Verlag Umsätze braucht, um weiter arbeiten zu können. Andererseits sehe ich aber auch … die enorme politische Dimension dieser Art von Büchern, weshalb ich sie der Menschheit gerne zur Verfügung stelle.

Ja – das verblüfft sehr – aber politische Philosophie ist ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit. Hier – habe ich große, ja größte Sorgen über die Entwicklung der Zukunft und werde hierzu wohl noch häufiger den Herrn Krymanski zitieren (siehe Uni-Münster):

Aber die (post)moderne informatisierte und globalisierte Welt neo-kapitalistischer ‚Wertschöpfung‘ verlangt immer rücksichtsloser den ‚ganzen‘ Menschen. Es gibt keine freie Stelle in den Köpfen, die nicht vom Verwertungsanspruch der Renditejäger betroffen wäre. Die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit ist aufgehoben, die herrschenden Produktionsverhältnisse fressen den ganzen Menschen, dem jegliche Fluchtmöglichkeit außer der Hölle der totalen Ausgrenzung abgeschnitten ist

Herr Krymanski irrt hier – denn dass es hier noch Fluchtmöglichkeiten gibt, wusste schon Karl Marx, als er Religion an sich als „Opium fürs Volk“ bezeichnete, weil sie ihm Kanonenfutter für seinen geplanten gesellschaftlichen Umbau vorenthielt. Die Wirkung – die „therapeutische Wirkung“ – von Mythen und Märchen ist jedoch noch eine ganz andere: es ist Urlaub für den Geist, es ist genau jene Fluchtmöglichkeit, die der Geist braucht, um dem kannibalistischen Terror des Neokapitalismus zumindest eine Weile zu entrinnen … und jene Funktion haben Mythen und Märchen, die Religionen des kleinen Mannes, schon seit Jahrtausenden. Das sie noch ganz andere Dimensionen enthalten hat – aus der Sicht der Tiefenpsychologie – Eugen Drewermann deutlich gemacht (sehr empfehlenswert auch seine Arbeiten zu den „Märchen“ von Jesus Christus – den Evangelien), doch so weit möchte ich gar nicht gehen.

Mir reicht die Funktion der Märchen (wobei ich als weiteren Schwerpunkt meiner eigenen religionswissenschaftlichen Arbeit moderne Märchen als Schwerpunkt habe – was man demnächst noch sehen wird), dass sie für einen Moment einen Menschen aus der Kerkerzelle des Neokapitalismus herausholen können – nicht um ihn zu betäuben, sondern um ihm Erholung zu bieten von dem Schreckensterror einer völlig vermarkteten Welt, über der der Gott Mammon als unantastbare Autorität steht, dem man bedenkenlos mit pathetischen Worten Kinder in Massen opfert … wie aktuell in Griechenland. Nur das ist ihre politische Funktion – und das schon seit Jahrtausenden: einen geistigen Schutzraum zu bieten vor den Mythen der Unterdrücker, Ausbeuter und Folterknechte. Dieser Raum funktioniert nur kurz – keiner braucht hier Sorge vor Opium zu haben. Aber in jenen Räumen kann man die Kraft finden, selbst den schlimmsten Feinden in aussichtslosen Situationen zu trotzen.

Ein Beispiel dafür … bin ich wohl selber. Wer sich fragt, wie ich das eigentlich aushalte, jeden Tag durch die Gülle der Medien zu waten, um jene Perlen zu finden, die ich dann für alle aufpoliere und präsentiere (siehe jene „Offenen Brief“ an mich, der mich sehr berührt hat) ohne depressiv, wahnsinnig oder völlig mutlos zu werden, findet in dem Thema „Mythen und Märchen“ die Antwort: ich habe am eigenen Leib bzw. an der eigenen Psyche erfahren, wie heilsam und erholsam jene „kleinen Fluchten“ sein können – selbst bei unverhoffter Scheidung, Verlust sämtlichen Vermögens, Verlust von Gesundheit, gesellschaftlicher Akzeptanz (sprich: Verlust von sogenannten „Freunden“, die fliehen, wenn die Armut kommt), Verlust von Kindern, Familie, Arbeit und „Heimat“. Ein psychotherapeutisch ausgebildeter Arzt (und ehemaliger Freund) hatte mir damals gesagt, dass es ein Wunder sei, dass ich noch unter den Lebenden weile – angesichts der vielfältigen Schicksalsschläge, die ich in kurzer Zeit verarbeiten musste.

Für mich war es kein Wunder – sondern nur die Bestätigung des Satzes, dass es heilsam sein kann, wenn man ein „Reich“ besitzt, dass „nicht von dieser Welt ist“ – eine Erfahrung, die andere Menschen ebenfalls machen (siehe DIW: Wer regelmäßig zum Gottesdienst geht, leidet weniger unter einem Jobverlust) und die J.R.R. Tolkien (der Autor des „Herrn der Ringe“ und des „Hobbit“) in seinem Essay „Über Märchen“ (siehe Tolkien, Baum und Blatt, Ullstein 1982) ausführlich in einer Auseinandersetzung über den Vorwurf des „Eskapismus“ (der Weltflucht) bestätigt hat … mit dem kleinen Hinweis, dass diese Fluchten nur Gefängniswärter stören … oder jene, die es gerne werden wollen.

Nun gut, kommen wir zum geschäftlichen, einem für mich persönlich sehr peinlichen Moment, wo ich bitten und betteln muss, um dem Hunger zu entkommen.

Ich arbeite nun hier seit vielen Jahren unentgeldlich, schulde vielen Menschen, die an diesem Ort mitarbeiten, mehr, als ich je zurückzahlen könnte – was mich ebenfalls unangenehm berührt … und ja auch schon manche Künstler von diesem Ort fortgejagt hat … weil man nichts verdienen kann.

Ja – wir wollen diesen Ort als werbefreien Nachdenkhort mit höherem Niveau aufrecht erhalten – und gerne auch ausbauen. Wenn wir aber auch andere Formen der Rebellion bieten sollen – außer die Möglichkeit der Information, des Austausches und der heilsamen Flucht – brauchen wir etwas mehr Treibstoff, etwas mehr Tauschmittel – für Mikrofon, Kamera, Stoßdämpfer oder Tütensuppe, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Deshalb mein Wunsch an jene, denen wir viel gegeben haben: ladet Euch mal ein Buch herunter. Für den Verlag ist „Der Zauber von Myrkwid“ wichtig – fast sogar überlebenswichtig. Es gibt ihn bei Amazon, bei Tolino-Media, bei Thalia, bei Neobooks, bei Google.play oder bei Xinxii … und ich will da jetzt keine Klagen über die einzelnen Vertriebswege hören: wir sind finanziell nicht so aufgestellt, dass wir schon jetzt vollkommen frei vom aktuellen Wirtschaftssystem agieren können.

Es wird auch eine Printversion geben – für die, die wie ich lieber Papier in der Hand haben. Gerne auch mit persönlicher Widmung des Autors. Anfragen bitte an info@gudrun-anders.de (dort kann man auch die anderen Printbücher mit persönlicher Widmung bekommen …. aber Achtung: wir brauchen dazu schon ein paar Wochen!)

Im Juli gibt es zudem eine Sonderaktion – ein „Download“ kostet nur 1,99 – weniger als zwei Kugeln Eis.

Ungern würde ich mit der Erkenntnis leben, dass diese Arbeit meinen Lesern weniger wert ist. Wer gerne mal wissen will, wie lange die Produktion von Texten dieser Art dauert: exakt vier Stunden – hat dieser hier gekostet. Die Stunden, der der reinen – oft ergebnislosen – Recherche (dem Studium der täglichen Nachrichtengülle, die – gleich unserer leiblichen Nahrung – oft wenig Nährwert aber viel Füllmasse enthält) dienen, nicht mitgerechnet.

Für so ein Buch brauche ich exakt 36 Tage, die ich komplett durcharbeite – um mal ein paar Hausnummern zu nennen. (Ende der WERBUNG).

PS: was mache ich eigentlich mit dem Geld, wenn 10 Millionen Zuschauer den Zauber von Myrkwid herunterladen? Ganz einfach: von dem, was für mich abfällt, TREEEC beim Aufbau alternativer Wirtschaftsstrukturen in Griechenland unterstützen … bzw. das voll finanzieren. Kenne schon allein persönlich genug Leute, die einen Arbeitsvertrag gut gebrauchen könnten – so wie TREEEC ihre Arbeitskraft, ihre Fähigkeit und Kreativität gut brauchen könnte. Außerdem … hätte ich Spaß daran, den neokapitalistischen Medien visuelle Konkurrenz zu machen – was uns momentan sehr überfordert.

PS 2: wer alles in Kurzform möchte: Zaubergeschichten erhöhen die Resilienz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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