Journalismus

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Wir können uns den Mittelstand nicht mehr leisten – und den Rest des Volkes erst recht nicht: drei Jahre Eifelphilosoph

Montag, 20.2.2012. Eifel. Gestern habe ich ein Datum verpasst: meinen Bloggerjahrestag. Sozusagen mein Geburtstag in der virtuellen Welt. Ich bin nun kein Karnevalsnarr - und selbst, wenn ich einer wäre, hätte ich in unserem kleinen Tal keine Möglichkeit, mich unter den Augen der Öffentlichkeit völlig gehen zu lassen, mich in die Vorgärten der Nachbarn zu erbrechen oder an ihre Haustüren zu urinieren. Hier wohnt halt sonst keiner - und Füchse, Rehe, Wildschweine, Milane (meine liebsten Nachbarn) interessieren sich nicht für solche Narreteien. So kam es, das ich an einem Karnevalstag einen Blog anfing - einen persönlichen Eifelphilosophblog. An und für sich lässt mir mein Alltag für solch einen eitlen Unsinn keine Zeit, aber zu Karneval dachte ich: sei doch auch mal ein Narr. Drei Jahre ist das jetzt her - die Anzahl der Artikel geht in die Tausende - da steht mitlerweile schon ein dickes Buch im Internet. Fragt man sich jetzt, warum man das macht - in einem an sich schon übervollen Tag noch ein wenig Wörter unterzubringen - so ist die Antwort einfach: die Bude brennt, jemand sollte die Feuerwehr holen. Das ist mir aber erst aufgefallen, als ich mich gezwungen sah, mich wegen der Artikel sorgfältiger mit den Nachrichten auseinander zu setzen. Schauen wir uns doch heute mal die Brände im Detail an:

Montag, 20.2.2012. Eifel. Gestern habe ich ein Datum verpasst: meinen Bloggerjahrestag. Sozusagen mein Geburtstag in der virtuellen Welt. Ich bin nun kein Karnevalsnarr – und selbst, wenn ich einer wäre, hätte ich in unserem kleinen Tal keine Möglichkeit, mich unter den Augen der Öffentlichkeit völlig gehen zu lassen, mich in die Vorgärten der Nachbarn zu erbrechen oder an ihre Haustüren zu urinieren. Hier wohnt halt sonst keiner – und Füchse, Rehe, Wildschweine, Milane (meine liebsten Nachbarn) interessieren sich nicht für solche Narreteien. So kam es, das ich an einem Karnevalstag einen Blog anfing – einen persönlichen Eifelphilosophblog. An und für sich lässt mir mein Alltag für solch einen eitlen Unsinn keine Zeit, aber zu Karneval dachte ich: sei doch auch mal ein Narr. Drei Jahre ist das jetzt her – die Anzahl der Artikel geht in die Tausende – da steht mitlerweile schon ein dickes Buch im Internet. Fragt man sich jetzt, warum man das macht – in einem an sich schon übervollen Tag noch ein wenig Wörter unterzubringen – so ist die Antwort einfach: die Bude brennt, jemand sollte die Feuerwehr holen. Das ist mir aber erst aufgefallen, als ich mich gezwungen sah, mich wegen der Artikel sorgfältiger mit den Nachrichten auseinander zu setzen. Schauen wir uns doch heute mal die Brände im Detail an:

da merken wir zum Beispiel, das wir uns den Mittelstand nicht mehr leisten können. Wie anders soll ich die Tatsache beschreiben, das die Deutsche Mittelstandsbank IKB ihre Verluste vervielfacht hat, siehe Handelsblatt:

Ausgerechnet am Rosenmontag, an dem im Rheinland Ausnahmezustand herrscht, hat die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB ihre Neunmonatszahlen präsentiert. Ihr Verlust hat sich fast verdreifacht.

Toll, wie die leben können, oder? Wenn ich als Familienvater meine Verluste vom Vorjahr verdreifache, dann bin ich schon seit sechs Monaten verhungert. Toll ist auch die Begründung für die Verluste: von „hohen Abschreibungen“ ist da die Rede. Dahinter verbirgt sich – vermute ich jetzt mal – eine Vielzahl von Unternehmen, die wegen der Kreditklemme in den Konkurs gegangen sind. Darüber redet die Presse aber nicht mehr. Das kann man auch ganz öffentlich nachlesen – nur: an Stelle eines Sturmes der Entrüstung herrscht hier Schweigen. Die wichtigste Information der letzten vier Jahre findet man in einem Artikel von Jakob Augstein – einem Artikel, den ich schon oft zitiert habe und noch öfter zitieren werde:

Ein paar Monate zuvor, am 8. Oktober 2008, hatte es ein sonderbares Treffen gegeben, das in diesem Zusammenhang Erwähnung finden soll. Die Bundeskanzlerin hatte an jenem Tag die bedeutenden Chefredakteure der bedeutenden Medien eingeladen. Es war die Zeit, in die der Ausbruch der großen Finanzkrise fiel. Man findet keinen ausführlichen Bericht über dieses Treffen, der veröffentlicht worden wäre und überhaupt nur wenige Erwähnungen in den Archiven, nur hin und wieder einen Nebensatz, eine knappe Bemerkung. An einer Stelle liest man in dürren Worten, worum es an diesem Abend im Kanzleramt ging: Merkel bat die Journalisten, zurückhaltend über die Krise zu berichten und keine Panik zu schüren.

Sie haben sich daran gehalten, die Chefredakteure. Noch im Februar 2009, vier Monate später, wunderte sich die taz über die Medien: „Sie halten die Bürger bei Laune, auf dass diese stillhalten. Wie viel Geld bereits in die Banken gepumpt wurde, wie viele Milliarden Bürgschaftszusagen vergeben wurden (und wie viele Hartz-IV-Monats“löhne“ das sind), das steht auch nicht in der Zeitung. Die Süddeutsche (vom 15. 1.) beispielsweise versteckt die Mitteilung, dass die Hypo Real Estate zum vierten Mal in vier Monaten Milliarden Bargeld und Bürgschaften braucht, unter der Überschrift „Wenn Steinbrück an die Tür klopft“.“

Während der Journalist – die angeblich „vierte Macht“ im Staate – sowieso schon den ganzen Tag aufpassen muss, das er nicht auf irgendwelche Minen tritt (Anzeigenkunden, Parteivertreter, Chefredakteure, Eigentümer, neidische Kollegen und „feindliche“ Anwälte) und insofern nur noch eine gründlich vorgereinigte Berichterstattung den Kunden Bürger erreicht, haben wir inzwischen Verhältnisse, in denen die Kanzlerin des Deutschen Reiches ihre Direktiven direkt an die zuständigen Chefredakteure durchreicht – ohne das gleich tausend Zeitungen aufschreien, das die Demokratie damit ihr Ende gefunden hat – und dies der Todestag der deutschen Medien war, die in Folge nur noch Hofberichterstattung machen – etwas, wovon „Der Spiegel“ schon seit zwanzig Jahren gut lebt.

Von diesen Leuten werden wir nicht erfahren, das „wir“ uns – neben den Arbeitslosen und den Griechen – auch bald den Mittelstand nicht mehr leisten können. Es ist ja dieser Scheiss-Mittelstand, der seine verdammten Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Ja, da muss man mal auf die Fäkalsprache ausweichen, da muss man mal ganz deutlich werden: diesen Scheiss-Mittelstand, den wollen wir nicht mehr. Deutschland braucht Menschen, die von den Zinsen ihres Kapitals leben können. Die können sich den ganzen tollen Freizeitzirkus auch leisten, die haben Zeit, sich die tollen Talk-Shows anzuschauen, die können mit unwirtschaftlichen und ökologisch kriminellen SUV´s drei Parkplätze auf einmal belegen, die haben Zeit, allen möglichen Ramsch zu kaufen, den sich die Konzerne ausgedacht haben … der langweilige Mittelstand jedoch, diese erbärmlichen Kretins, die blöd glotzend auf Bootsmessen ihre stinkenden Billigfüsse auf die noblen Hölzer edelster Yachten abtreten, die auf Autoshows bierrülpsend ihre Sozialneidkommentare abgeben und ansonsten die schönsten Traumziele der Welt mit ihrer Anwesenheit belästigen: die brauchen wir nicht, die wollen wir nicht und die können wir uns auch nicht mehr leisten.

Was wir brauchen, sind Menschen, die sich den schönen Dingen unserer Kultur widmen, erfolgreiche, wohlriechende Menschen von edler Gestalt und makellosem Äusserem, die auch genug Geld haben, sich mit den Kunstprodukten der Medienwelt zu umgeben – siehe Krone:

Das Geschäft mit Leasing-Promis boomt. Bezahlte Gäste sorgen für Glanz und Glamour bei Bällen, Partys undBoutiquen-Eröffnungen…

Der britische „Daily Star“ veröffentlichte kürzlich eine Liste von angeblichen Tarifen und taxierte Brigitte Nielsen auf unglaubliche 190.000 Euro (ohne Rabatt). Paris Hilton wird mit 100.000 Euro pro Abend ausgepreist. Rund 30.000 kosten Borderline-Celebrities wie Kim Kardashian oder Katie Price.

Was nun ein „Borderline-Celebritie“ ist, weiß ich nicht, das bleibt das Geheimnis des Autors des Artikels, den ich nur zitierte, um zu zeigen, welche Menschen in Deutschland „In“ sind, welche von der Presse hofiert werden: das sind die, die sich „Promis“ leasen können. Was nun „Promis“ eigentlich sind? Nun, das sind jene Menschen, deren Gesichter für viel Geld in die Medien gebracht werden, damit sie nachher für viel Geld verkauft werden können.

Während hier das Geld sinnvoll weitergereicht wird und die „Schönen“ an die „Reichen“ bindet, verschleudert der Mittelstand sein erbärmlich knappes Geld für etwas ebenfalls völlig erbärmliches: zum Zwecke der Fortpflanzung seiner eigenen Erbärmlichkeit, die selbst dadurch unsterblich wird: 120 000 Euro gibt er nach Angaben der Welt für seinen Nachwuchs aus: dafür hätte er sich fast einen Abend mit Paris Hilton und Katie Price ZUSAMMEN leisten können. Für die Pflege seiner Brut ist genug Geld da – aber nicht für die Begleichung der Forderungen der IKB-Bank, oder? Wie unverantwortlich ist das denn?

Dabei muss man mal ganz klar sehen, das der Mittelstand – die Ärzte, Handwerker, Unternehmer, Lehrer, Beamte, Verkäufer, Bauern, Wissenschaftler und was es da sonst noch an Gesochse gibt – allein nicht ausreicht, um ein Land überleben zu lassen. Schauen wir uns doch mal Griechenland an – nur als Beispiel. Hier hat der „Starökonom“ (diesen Titel vergibt der „Spiegel“ im Auftrag neoliberaler Verbände) Hans-Werner-Sinn ein wahres Wort gesprochen, als er die Folgen eines denkbaren Ausschlusses der Griechen aus der Eurozone skizziert hat:

Die reichen Griechen, die zig, wenn nicht hunderte von Milliarden Euro in der Schweiz deponiert haben, fänden es angesichts der gesunkenen Immobilienpreise und Löhne wieder interessant, in ihrem eigenen Land in Arbeitsplätze zu investieren.

Das sind halt die echten Menschen, die richtigen Menschen, Menschen, die selbstständig aus der Kraft ihrer eigenen Zinseinkünfte leben können und nicht von Transferleistungen von Krankenkassen, Kunden oder Arbeitgebern abhängig sind wie der ganze widerwärtige Mittelstand (samt reicher bundesdeutscher Ärzteschaft), der nichts anderes kann als vom Geld anderer zu leben und dann noch großartig von Demokratie faselt. Gut, das der Schäuble diesem Gerede jetzt ein Ende gesetzt hat – auch wenn das wieder keiner bemerkt. So findet sich im Spiegel:

Schäuble sagte, es bedürfe nun einmal schmerzlicher Prozesse, um Griechenlands Probleme zu beseitigen. Das sei einer der Gründe, warum die Umsetzung „nicht immer so umfassend und schnell und überzeugend“ klappe wie gewünscht. „So etwas nagt dann auch an der Glaubwürdigkeit.“ Doch die sei das wichtigste Gut gegenüber den europäischen Partnern, den Märkten, potentiellen Investoren und dem eigenen Volk.

Zugleich wies der Finanzminister den Vorwurf der Einmischung in innere griechische Angelegenheiten zurück. Die Staaten der Euro-Zone und die Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) brauchten „eine hinreichende Gewähr dafür, dass das Vereinbarte unabhängig vom Ausgang von Wahlen eingehalten wird“.

Na – toll formuliert, oder? Dieser Mann ist sein Geld wert … bzw. sein Pöstchen, das er nach seinem Ausscheiden aus dem Amt erhalten wird. Schröder, Fischer und Clement haben das ja vorgemacht. Wir können uns den Mittelstand auch politisch nicht mehr leisten – wo kommen wir dann dahin, wenn diese Kretins auf einmal anfangen, jene Schulden nicht mehr zu bezahlen, die Banken und Politiker ihnen aufgedrückt haben?

Das würde nur die echten, guten, richtigen Menschen davon abhalten, in ihrem Land zu verbleiben – das ging ja gar nicht. Man sieht ja am Beispiel Griechenlands, was geschieht, wenn die gehen: das Land ist pleite!!!

Das kann uns in Deutschland genau so schnell gehen, wenn wir diesen mistigen Mittelstand weiter mit durchfüttern. Politische Reformen stehen auch hier an: Wahlrecht (aktiv und passiv) sollte nur noch jenen zustehen, die ihren Lebensunterhalt allein aus Zinseinkünften bestreiten können – die haben ja auch Zeit dafür und sind von anderen Geldgebern unabhängig. Sie sind die wahren freien Menschen unserer Gesellschaft – und auch nur ihnen sollte es gestattet sein, ihre Meinung offen und öffentlich zu äußern. Es wäre gut, hier Lizenzen zu vergeben, die ebenso Sinn machen wie hochpreisige Gebärlizenzen, die in den USA schon angedacht sind.

Wir können uns dieses ganze Mittelstandsgesochse einfach nicht mehr leisten, ihre erbärmlichen Ansprüche, ihr Geld mit primitiver Arbeit verdienen zu wollen – ein Anspruch, der zeigt, das man es hier wirklich und in der Tat mit einer besonders minderwertigen und mittellosen Kaste zu tun hat, ja, mit einer kulturgeschichtlich und historisch ganz anderen Art von Mensch, der sich einfach überlebt hat.

Wir können es uns auch politisch nicht mehr mit diesem Ballast abgeben, der meint, zu jeder Entscheidung der Regierung seinen unqualifizierten Senf hinzugeben zu müssen. Das ganze Land kann sich diesen Pöbel nicht mehr erlauben, der mit seinen billigen Autos die Bahnen des Führers verstopft, mit seinen Abgasen die Innenstädte vergast und mit seinen großen gelben Mülltonnen die Straßen hässlich macht.

Wir brauche einfach ein Gewähr dafür, das das Vereinbarte unabhängig von Wahlen beibehalten wird – hier und überall in der Welt: niemals wieder dürfen wir es zulassen, das die Arbeitsbienen den Zinskönigen das Leben schwer machen.

So jedenfalls … ist das Credo der neuen Aristokratie. Sie bildet sich vor unser aller Augen … aber die Presse verschweigt, wie mächtig sie sind. Sie sind in aller Munde, aber keiner redet wirklich über sie. Sie sitzen an allen Tischen, ihre Berater sind in allen Gremien, aber trotzdem liest man immer seltener kritische Kommentare zu dieser grandiosen Rückentwicklung in Zeiten des Feudalismus und der Leibeigenschaft.

Eigentlich ist es ein großer Flächenbrand, der durch das Land tobt, ein Flächenbrand, den man tagtäglich überall beobachten kann. Es wäre Zeit für Löschflugzeuge. Da die Medien den Brand jedoch als grandioses Feuerwerk verkaufen und auch noch Beifall klatschen, bleiben die notwendigen Gegenmaßnahmen aus – sonst kämen wir ja einfach auch auf die Idee, das Problem „Griechenland“ den Kreditausfallversicherungen der Privatwirtschaft zu überlassen: wenn die so blöde sind, den Pleitegriechen Geld zu leihen, dann sollen die auch dafür zahlen.

Ich denke: so lange der Brand tobt, werde ich meinen kleinen Eimer Löschwasser Tag für Tag zur Verfügung stellen – mehr ist mir mit meinen begrenzten Mitteln nicht möglich.

Wenigstens eins möchte ich diesmal bewirken: das nachher niemand mehr sagen kann:

WIR HABEN VON ALL DEM NICHTS GEWUSST!

Darum möchte ich heute auch meinen persönlichen Jahrestagsartikel mit einem Zitat des neuen Präsidenten der Bankenrepublik Deutschland aus dem Handelsblatt beenden:

Der Traum von einer Welt, in der man sich der „Bindung“ der Geldmärkte entledigen könne, sei eine “romantische Vorstellung”, sagte Gauck bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung „Die Zeit“ im vergangenen Oktober. Die Protestbewegung „Occupy Wall Street“ und ihre deutschen Pendants würden rasch verebben, sagte er voraus. Und er macht klar, dass er auch die Freiheit der Banken verteidigen will: “Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren.”

Einen Präsidenten, der die Freiheit der Banken verteidigt: so etwas haben wir wirklich dringend gebraucht.  Die Zinskönige brauchen auch Schutz vor dem Pöbel – so muss das sein.

Den Mittelstand jedoch – können wir uns nicht mehr leisten: deshalb kommt unser Führungspersonal bald geschlossen aus der DDR: die hatten nie eine Chance zu merken, das hier Demokratie gezielt abgebaut wird – für die stellen selbst die Reste noch einen Gewinn dar.

 

 

Globale Elite schlachtet europäischen Mittelstand zugunsten des Islam.

Dienstag, 25. Oktober 2011. Eifel. Gestern erfuhr ich, das die Welt Ende der Woche untergeht - und nicht erst 2012. Man hatte sich mit dem Mayakalender verrechnet - nicht der 21.12.2012 ist der Tag der Entscheidung, sondern der 28.10.2011. Wir wissen auch warum: treffen "wir" jetzt die falschen Entscheidungen, dann landen "wir" in einem Abgrund. Es geht um viel: die Rettung Griechenlands steht auf dem Spiel. Gut, Portugal, Spanien, Irland und Italien stehen schon Schlange, Frankreich läuft sich auch schon warm, aber darüber wollen wir jetzt mal nicht reden, solche kapitalistischen Perversionen machen nur schlechte Laune. Das wir in Deutschland überhaupt nicht mehr informiert sondern nur noch indoktriniert werden, hat seinen Grund, wie der isländische Genforscher Stefánsson in der Welt erläutert:

Dienstag, 25. Oktober 2011. Eifel. Gestern erfuhr ich, das die Welt Ende der Woche untergeht – und nicht erst 2012. Man hatte sich mit dem Mayakalender verrechnet – nicht der 21.12.2012 ist der Tag der Entscheidung, sondern der 28.10.2011. Wir wissen auch warum: treffen „wir“ jetzt die falschen Entscheidungen, dann landen „wir“ in einem Abgrund. Es geht um viel: die Rettung Griechenlands steht auf dem Spiel. Gut, Portugal, Spanien, Irland und Italien stehen schon Schlange, Frankreich läuft sich auch schon warm, aber darüber wollen wir jetzt mal nicht reden, solche kapitalistischen Perversionen machen nur schlechte Laune. Das wir in Deutschland überhaupt nicht mehr informiert sondern nur noch indoktriniert werden, hat seinen Grund, wie der isländische Genforscher Stefánsson in der Welt erläutert:

Ich will mir kein Urteil über das Fachwissen deutscher Journalisten erlauben. Ich möchte nur sagen, dass sie alle ohne Ausnahme Arschlöcher („pieces of shit“) sind. Vielleicht sind sie sehr gebildete Arschlöcher, aber das ist mir gleich.

Der Mann weiß, wovon er spricht. Wer nun viel Zeit und Muße hat, sich den deutschen Medien zu stellen, wird auch schnell erfahren, warum die noch den üblichen Kadavergehorsam der Hitlerjugend an den Tag legen: sie wissen einfach, wo es lang geht. In Zukunft … wird es nur noch ganz wenige geben, die was haben, während immer mehr gar nichts haben. Warum das so ist, kann man in Cicero nachlesen:

Historisch gesehen ist es den Wirtschaftseliten zumeist gelungen, den Großteil des Mittelstands für seine Interessen zu gewinnen, da es galt, sich gemeinsam gegen die organisierte Arbeiterschaft zu verteidigen. Dieses Bündnis war stets die Teilnahmebedingung der Wirtschafts­eliten am demokratischen System: Wann immer sie sich isoliert und abgedrängt fühlten angesichts einer sich verbündenden Mittel- und Arbeiterschicht, wandten sie sich gegen die Demokratie; sobald es ihnen gelang, sich mit dem Mittelstand zu verbünden, schlossen sie sich dem demokratisch-konservativen Block an, der in allen Industriestaaten außerordentlich erfolgreich ist.

Das wird sich nun möglicherweise ein wenig ändern, als Antwort auf mehrere Entwicklungen. Erstens sind die reichen Unternehmereliten sozusagen „denationalisiert“; ihr Besitz erstreckt sich über die Welt, sie operieren global. An der Innenpolitik eines Landes haben sie kein Interesse. Allianzen mit dem Mittelstand sind für sie nicht wichtig. Und zweitens hat sich die Bedrohung des Mittelstands durch die organisierte Arbeiterschaft stark verringert, da diese vor allem in der Fertigungsindustrie immer mehr geschrumpft ist.

So einfach kann Politik sein. Der deutsche Journalist weiß von dieser Entwicklung – und er weiß, das letztlich ganz viele über die Klinge springen müssen, damit sich einige wenige Wohnwagen für 2,15 Millionen Euro leisten können. Schon jetzt ist im Gespräch, das sich auch Arbeitslose verschulden sollen, um der Hartz-IV-Falle zu entkommen.

Ein denkbarer Satz, den ich dankbar aufnehme: selten geben die Verantwortlichen zu, das Hartz IV als Falle gedacht war, als Peitsche, mit der man den Mittelstand durchs Leben jagen möchte. Darüber, was man von einer Regierung halten soll, die für ihre Bürger potentiell tödliche Armutsfallen aufstellt, wird – dank der Arschlöcher in den Medien – in Deutschland nicht gesprochen, selbst dann nicht, wenn eine Regierung nach der anderen den ehemaligen Sozialstaat in ein Arbeitslager mit offenem Vollzug verwandelt, siehe Telepolis:

Der Abbau des Sozialstaates ist fortgesetzt worden, manchmal sogar verschärft und teilweise mit anderen Akzentsetzungen. Damit hat man eben nicht erreicht, dass der wirtschaftliche Aufschwung bei allen ankommt, wie die Regierung tönt, sondern dafür gesorgt, dass dieser manche noch reicher gemacht hat, während die Armen noch zahlreicher geworden sind.

Früher hätten wir so etwas einfach „Diktatur“ genannt.

Früher hätten wir aber auch Diktatoren wie Gaddafi menschlich behandelt – das zeichnete uns damals aus, deshalb waren wir „besser“ als die Tyrannen der Weltgeschichte: wir gingen sogar mit Mördern sozial um – sogar sozialer als  mit Arbeitslosen. Das ist auch heute noch so: jeder Tag Haft kostet den Steuerzahler 80 – 90 Euro, für die Ernährung der Kinder von Arbeitslosen geben wir täglich 2,67 Euro aus. Wozu soll das die Jugend wohl motivieren?

Heute stellen wir die gemeuchelten Feinde der „Demokratie“ öffentlich zur Schau, unter dem Bombenschirm der Nato erlebt der islamistische Fundamentalismus eine neue Blüte in Nordafrika und erhält eine Macht, die er ohne Nato-Bomben nie gehabt hätte. Dafür verschwindet der Sozialstaat Libyen von der Bildfläche wie auch der Sozialstaat Deutschland.

Wer sich  nun fragt, warum das so ist, der lese nochmal sorgfältig die o.g. Zitate.

Die globale Elite verabschiedet sich vom Mittelstand in Europa, er wird entsorgt wie der morgendliche Stuhlgang. Für den globalen Millionärspakt sind nordafrikanische Islamisten sehr nützlich: sie lenken den Mittelstand von seinen eigentlichen Feinden ab. Gerne zahlen wir Katzen- Bräunungs- und Sexsteuer zur Rettung des Abendlandes, gerne sehen wir uns mit Banken und Politik in einem Boot im Kampf gegen die islamistische Gefahr, die wir schon im Irak und Afghanistan erfolglos bekämpft haben, wobei uns der deutsche Journalist die Wahrheit erspart, das neben den nordafrikanischen Tyrannen auch Saddam Hussein ein Bollwerk gegen den „bösen“ Islam waren, der nun in großem Stil durch Natobomber deutlich näher an Europa herangerückt ist.

Das wird jene Verschwörungsanalytiker freuen, die schon immer meinten, das Al-Kaida bis heute ein CIA-Ableger geblieben ist. Verstehen kann man es nur vor dem Hintergrund, das die „globale Elite“ sich eben schon völlig vom bürgerlichen Denken des Mittelstandes verabschiedet hat. Das demonstriert sie ja auch immer wieder gern, ob es ich nun um Steuerhinterziehung im großen Stil oder um Korruption, Bestechlichkeit und Untreue handelt: „amüsiert und von oben herab“ beobachten die Täter die niedlichen Bestrebungen des bürgerlichen Rechtsstaates, sich gegen die kriminelle Internationale zur Wehr zu setzen: sie wissen längst, das der Staat verloren hat, das eine neue Ära des internationalen Feudalismus kommt, das nach tausend Jahren bürgerlicher Freiheit in den Städten der Feudalstaat zurückkehrt – diesmal als weltumspannendes Imperium, in dem Stadtluft nicht mehr – wie noch im Mittelalter – frei macht.

Der deutsche Mittelstand wähnt sich – dank der kontinuierlichen Wühlarbeit der journalistischen „Arschlöcher“  – noch in Sicherheit … oder beschäftigt sich mit Fußball, Frauen und Alkohol – während der globale Millionärspakt in Griechenland seine Macht demonstriert und die Ohnmacht des Staates feiert, dem jetzt schon das Geld für die Druckertinte zum Ausstellen der Steuerbescheide fehlt. Dort wird gezeigt, wie man einen Staat zerfallen lassen kann – ist wird der erste europäische Staat sein, der zerfällt und – vielleicht – auch überraschend eine neue Heimat für islamistische Fundamentalisten werden wird, die dann wie in Nordafrika die zentrale Gewalt im Staat und auf den Straßen darstellen.

Man sollte auch nicht übersehen, das der globale Millionärspakt auch vor der Zerrüttung der zivilgesellschaftlichen Strukturen der USA nicht zurückschreckt, siehe Handelsblatt:

Gerade die Demonstranten in den USA haben allen Grund, sich über Alternativen Gedanken zu machen. Das Land steht am Rande eines wirtschaftlichen und moralischen Bankrotts, verursacht durch das wachsende Wohlstandsgefälle, steigende Bildungskosten, hohe Arbeitslosigkeit, extrem polarisierende Wahlkämpfe, Abhängigkeit der Politiker von privaten Spenden, den großen Einfluss der Konzerne (insbesondere der Banken) durch ihre Lobbyisten, ein parteiisches Oberstes Gerichtshof und einen sehr teuren Krieg gegen den Terror. 

Das Ende des europäischen Mittelstandes wird – alternativlos – mit großer Gewalt, gezielt und umfassend durchgedrückt, schon jetzt ist Journalisten klar, das auch der Billionenrettungsschirm zu klein ist … und das der Mittelstand zudem mit der kalten Entwertung seiner Kaufkraft zu rechnen hat.

Deshalb ist es falsch zu sagen, das „der Deutsche gegen die Krise ankauft“ – viel mehr müsste man sagen, das er noch schnell wertlose Euro in …. irgendetwas Haltbares umtauschen möchte. Irgendwo hat der Mittelstand in der Tat schon gemerkt, das das nicht mehr lange gehen wird und das Hartz IV in naher Zukunft der Standard der Mehrheit der Deutschen sein wird – finanziell, rechtlich und … vom Ansehen her.

Da wird es in der Tat Zeit, sich schon jetzt mit Reserveelektrogeräten für die nächsten zwanzig Jahre einzudecken, bevor … ja, bevor … gar nicht mehr geht.

 

Die widerliche Journailie – der Goebbels von nebenan: über Journalismus in Deutschland 2011

Manchmal muss man einfach vom Schicksal angerempelt werden - so wie ich heute. Ich wanderte ziellos und lustlos durch die Medienlandschaft, bis ich auf das Städtchen Hammelburg stieß, wo mich eine wichtige Frage erwartete:

Können Journalisten und Medienkonzerne, die Kriege herbeischreiben, herbeibildern, sich ewig sicher fühlen, immerzu unbehelligt weitermachen?

Als Blogger lebt man von der Journaille. Ohne ihren Unfug wäre das Leben nur halb so schön, ohne Nachrichten würde ein Nachrichtenspiegel keinen Sinn machen. Man hat ja auch Achtung vor diesem Berufsstand. Auch wenn viele jüngere Journalisten sich gerne über ihn lächerlich machen - ich lese gerne Bücher von Peter Scholl-Latour - zum einen, weil sie lebendig geschrieben sind (so lebendig, das man von den vielen "sundowners" fasst selber besoffen wird), zum anderen, weil sie Liveberichte vor Ort darstellen, die ein ganz anderes, differenzierteres und düstereres Bild abgeben, als es sich die öffentlich-rechtlichen Medien gestatten dürfen. Ohne Sendungen wie Monitor oder Panorama wäre die deutsche Demokratie deutlich ärmer - und es passt ins Bild, das diese Sendungen immer mehr zusammengestrichen werden zugunsten von Talkshows, die ja im Prinzip nichts anderes sind als Dauerwerbesendungen für das System.

Manchmal muss man einfach vom Schicksal angerempelt werden – so wie ich heute. Ich wanderte ziellos und lustlos durch die Medienlandschaft, bis ich auf das Städtchen Hammelburg stieß, wo mich eine wichtige Frage erwartete:

Können Journalisten und Medienkonzerne, die Kriege herbeischreiben, herbeibildern, sich ewig sicher fühlen, immerzu unbehelligt weitermachen?

Als Blogger lebt man von der Journaille. Ohne ihren Unfug wäre das Leben nur halb so schön, ohne Nachrichten würde ein Nachrichtenspiegel keinen Sinn machen. Man hat ja auch Achtung vor diesem Berufsstand. Auch wenn viele jüngere Journalisten sich gerne über ihn lächerlich machen – ich lese gerne Bücher von Peter Scholl-Latour – zum einen, weil sie lebendig geschrieben sind (so lebendig, das man von den vielen „sundowners“ fasst selber besoffen wird), zum anderen, weil sie Liveberichte vor Ort darstellen, die ein ganz anderes, differenzierteres und düstereres Bild abgeben, als es sich die öffentlich-rechtlichen Medien gestatten dürfen. Ohne Sendungen wie Monitor oder Panorama wäre die deutsche Demokratie deutlich ärmer – und es passt ins Bild, das diese Sendungen immer mehr zusammengestrichen werden zugunsten von Talkshows, die ja im Prinzip nichts anderes sind als Dauerwerbesendungen für das System.

Journalismus ist für eine Zivilgesellschaft so wichtig wie Versicherungen. Man braucht ihre unermüdliche Wachsamkeit – auch wenn sie nicht beständig Sensationen liefern können. Journalismus ist unsere Versicherung gegen Verschwörungen, Geheimabsprachen und Mauscheleien jener Menschen, die der Versuchung der Macht eben NICHT widerstehen konnten – sei es nun wirtschaftliche, politische oder mediale Macht. Wie Versicherungen uns vor den kleinen Katastrophen des Lebens schützen – dem Hausbrand, dem Autounfall, dem Beinbruch (früher sogar mal der Arbeitslosigkeit) – schützen uns die Journalisten vor den großen Katastrophen: der Diktatur, dem Krieg, der Hungersnot, die auf die Wirtschaftskatastrophe folgt, der Unterwanderung der Wirtschaft durch die Mafia und anderen Verbrechen. Sie bilden die Jäger und Fährtensucher, die den Stamm vor Feinden warnt, bevor die mitten in der Nacht auf dem Dorfplatz stehen.

Ein paar Beispiele?

Gern.

Nehmen wir zum Beispiel Aristo:

 Die Parteien besetzen das Parlament, und in den Parteien findet systematisch eine Negativ-Auslese statt, das heißt, die charakterlich Schlechtesten kommen nach oben. Wenn diese im Parlament sitzen – meist viele Legislaturperioden, – interessieren sie sich weniger für das Gemeinwohl als der normale Bürger. Man erinnere sich an eine ‚Panorama‘-Sendung vor Verabschiedung des Verfassungsvertrages, als sieben Abgeordneten acht einfache Fragen zum Vertragsinhalt gestellt wurden. Keine einzige der Fragen wurde richtig beantwortet!

 Unsere freiheitliche demokratische Grundordnung ist in Gefahr. Durch die Griechenland- und Euro-Rettungsaktionen werden wichtige Rechtsgrundsätze ruiniert, wie etwa die Eigentumsgewährleistung, das Sozialstaatsprinzip, das Rechtsstaatsprinzip. Die demokratischen Institutionen werden entmachtet, und es gibt keine Gewaltenteilung mehr.

Na, das ist doch mal wichtig. Genau so etwas erwarte ich von gutem Journalismus: das er mir sagt, das ich den Gasofen angelassen habe und meine Oma sich gleich direkt daneben eine Zigarette anzünden will.

Oder ein weiteres Thema: Fukushima. Ich will doch genau wissen, wenn ich nach alttestamentarischer Art die Krebsgeschwüre in den Rachen stecken muss, wenn meine Kinder gezielt getötet worden sind – und dabei hilft mir der Denkbonus:

Die EU hat als erste Reaktion auf Fukushima die Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel um mehr als das doppelte auf bis zu 1250 Becquerel pro Kilogramm (Bq/Kg)erhöht. Nach intensiven Protesten senkte sie die Werte dann wieder auf bis zu 600 Bq/Kg. Wie die Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) anhand ihrer Berechnungsgrundlagen festgestellt hat, nimmt die EU dadurch dennoch alleine in Deutschland eine Zunahme von mindestens 150 000 Todesfällen durch Krebs billigend in Kauf.

Das ist ja mal eine spannende Schlagzeile: EU tötet 150000 Deutsche zur Rettung der Konzernumsätze. Leider wird man diese Schlagzeile in etablierten Medien nicht finden – obwohl sie wahr ist. 

Manchmal wünsche ich mir auch größere Perspektiven. Die finde ich in der Menschenzeitung:

USA – Deutschland: Von Waffenlobbyisten kontrollierte, diktatorische Scheindemokratien.

Das es Waffenlobbyisten gibt, wissen wir ja. Das es darüber hinaus noch weitere Lobbyisten gibt, die manipulierend in das politische Geschehen eingreifen, wissen wir auch. Nur – über die Konsequenzen wird wenig geredet, wie zum Beispiel über die, das die Demokratie beständig weiter schrumpft, wenn der Lobbyist an Macht und Einfluss gewinnt … und wir dann etwas anderes haben als eine Demokratie.

Etwas ganz anderes, das eigentlich so keiner haben wollte.

Natürlich möchte ich auch wissen, wie es um die Lage der Weltwirtschaft bestellt ist. Da freue ich mich doch über Meldungen von Seiten, die ich hier nicht zitieren darf, die mich aber darauf hinweisen, das die USA noch viel bankrotter sind als Griechenland und das es brutaler Massnahmen bedarf, um den Bankrott aufzuhalten:

To grasp the magnitude of our nation’s insolvency, consider what tax hikes or spending cuts are needed to eliminate our fiscal gap. The answer is an immediate and permanent 64% increase in all federal revenues or an immediate and permanent 40% cut in all federal noninterest spending.

Steuererhöhungen von 64% – Ausgabensenkungen von 40% – da ist die griechische Rentenkürzung um 20% ja harmlos gegen. Und da das nicht geschehen wird, steht der Bankrott der USA wohl direkt bevor. Gut zu wissen, da ich wegen der spannenden Symbolik noch einen Dollarschein auf dem Schreibtisch habe. Wird Zeit, das ich den loswerde, bevor der nichts mehr Wert ist – schön also, das verantwortungsvolle Journalisten mich darüber rechtzeitig informiert haben.

Ebenso freue ich mich darüber, das sie mich darüber informieren, das ich als politisch kommentierender Blogger ins Visier jener politische Kräfte komme, die oben noch wegen ihrer charakterlichen Schlechtigkeit übel aufgestossen sind:

Eine anonyme Teilhabe am politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess ist abzulehnen

Ohne Netzpolitik.org wäre einem fast entgangen, das hier einige Charakterschweine elementare demokratische Grundrechte angreifen wollen: das Recht auf freie und GEHEIME Wahl ist nicht umsonst um Grundgesetz fest verankert – und die anonyme Bloggerei ist nur ein Ableger davon. Immerhin will ich hier keine Karriere machen, noch Bewerbungsschreiben losschicken, ich will keine Einladungen zum Bundespresseball, noch Schecks, Reisegutscheine, Autos, Möbel, Kunstwerke oder Häuser geschenkt bekommen – ich möchte nur meine Meinung sagen. Mehr nicht. Ich will auch nicht ins Fernsehen.

Griechenland wird gefledert, so erfahre ich von mutigen Journalisten; andere weisen mich darauf hin, das es dem deutschen Mittelstand genauso gehen wird – oder das die soziale Ungleichheit in der ehedem so ziviliserten Schweiz ständig neue Rekorde erreicht:

Die Kluft zwischen Arm und Reich sei in der Schweiz so gross wie fast nirgends auf der Welt, stellt der Soziologie-Professor Ueli Mäder fest – Nambibia und Simbabwe ausgenommen. Seinen Studien nach besitzen drei Prozent der privat Steuerpflichtigen in der Schweiz so viel steuerbares Vermögen wie die restlichen 97 Prozent.

Und hier … kippt auf einmal meine Begeisterung über den Journalismus in Deutschland im Jahre 2011.

Denn der … informiert mich gerne über andere Dinge. Zum Beispiel Spiegel-Online, das erfolgreichste Online-Nachrichtenportal Deutschlands, informiert mich über die Trennung der Rockband R.E.M. (kenne ich gar nicht), über ein neues Computerspiel, „Minecraft“ genannt, über die Geschichte der Papstautos oder die Frauenfeindlichkeit der Piratenpartei (weiß man doch schon seit Jahren, oder?) – Themen, die mich nie interessiert hätte, selbst wenn ich gewußt hätte, das sie existieren.

Aber mit dem Informationsmüll kann man halt trefflich jene Nachrichten zukleistern, die wirklich reale Bedrohungen unseres Gemeinwesens beschreiben.

Journalismus war unsere Versicherung gegen die Degeneration von „Macht“, der Journalist war der „Wachhund“ der Demokratie, der „Spiegel“ einst das „Sturmgeschütz der Demokratie“.

2011 ist der Spiegel immer noch ein Sturmgeschütz – aber die Mannschaft ist eine andere, auch zeigt das Kanonenrohr in die Gegenrichtung.

So ist das halt mit Waffen – sie können sich auch gegen einen wenden. 1962 blieb die komplette Spiegelredaktion der Veranstaltung noch fern.

Und so ist das mit Wachhunden, wenn man denen dicke, fette Steaks hinwirft: sie futtern und bellen nicht mehr,  plündernde, mordende Horden egozentrischer Charakterschweine können hemmunglos die Kornspeicher leerräumen – und je mehr die Jounaillie zu essen bekommt, desto später merkt der Bauer, das die Früchte seiner Arbeit gestohlen sind und ein letzter, harter Winter naht.

Wir wissen auch, wer die Steaks bezahlt: die Deutsche Post, British American Tobacco, EnBW, Gruner & Jahr, Mercedes Benz und die weniger bekannten Namen Lanxess und Talanx: alles Sponsoren des Bundespresseballs. Werden dorthin nur jene Jagdhunde eingeladen, die zu Straßenkötern verkommen sind, die von jenen Brocken leben, die die mächtigen Menschen ihnen gnädig zuwerfen: Konzerndackel und Parteimöpse?

Der Bundespresseball ist auf jeden Fall eine sehr elitäre Veranstaltung:

Der Bundespresseball ist das gesellschaftliche Ereignis Nummer Eins in Deutschland. Gastgeber ist die Bundespressekonferenz e. V.. Der Verein ist ein Zusammenschluss deutscher Parlamentskorrespondenten, die aus Berlin und/oder Bonn ständig und weit überwiegend über die Bundespolitik berichten. Der Bundespresseball ist der exklusive Treffpunkt besonders vieler Entscheidungsträger aus Politik, Medien und Wirtschaft.

Die Einladungsliste wird vom Vorstand der Bundespressekonferenz zusammengestellt. Eintrittskarten zum Bundespresseball sind auf dem freien Markt nicht erhältlich.

Wird nun klar, warum die „Journailie“ der öffentlichen Presse Nachrichten wie die oben genannten nicht mehr bringt? Würden sie die Chefs der führenden Ölkonzerne zu so einem Ereignis treffen, wäre die Reaktion – jedenfalls früher einmal – klar gewesen: sofort hätte das Kartellamt Preisabsprachen gewittert und Ermittlungen begonnen.

Was soll ich nun wittern, wenn ich von diesem Ereignis erfahre?

Auf jeden Fall hört sich das nicht so an, als sei es ein Ereignis, das einer demokratischen Solidargemeinschaft gut tut, zumal man für die Einladungen ja auch noch ordentlich bezahlen muß: 590 Euro pro Karte – davon muss der Arbeitslose fast zwei Monate lang leben.

Kein Wunder also, das Arbeitslosenhatz so beliebt ist in diesen Kreisen. Franz Müntefering („Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“) galt lange Zeit als „eifriger Bundespresseballbesucher„. Was nun aber „Entscheidungsträger aus der Wirtschaft“ dort zu suchen haben, erschließt sich einem nicht sofort.

„Gar nichts“ – wäre eine angemessene Antwort.

Aber wer sagt der Journailie dann, was sie über Fukushima, den Fachkräftemangel oder den „gewalttätigen Arbeitslosen“ alles herunterlügen soll? Und wer bezahlt letztlich die Austern, den Kaviar und den Champagner? Nun – ganz zuletzt natürlich der Steuerzahler und das Opfer hemmungsloser Preistreiberei … aber auch das erfahren wir nicht so schnell.

Gerade dort – beim Bundespresseball – zeigt sich, wie widerlich Journailie geworden ist und das das „System“ seinen Goebbels gefunden hat: er wohnt gleich nebenan, wettert gegen Ausländer und Arbeitslose, lässt es sich aber selbst auf deren Kosten – und auf Kosten all jener, die zusätzlich nebenbei noch ausgeplündert werden – selbst ganz gut gehen. Andererseits – muss man ja auch mal Verständnis dafür haben, das die Elite Deutschlands sich einfach mal fernab vom Pöbel einen schönen Abend machen möchte, wo sie nicht von der Armut der Masse angekotzt wird, sondern bei nobelster Unterhaltung edelste Speisen konsumieren und sogar mit dem Bundespräsidenten tanzen kann.

Besser kann man seine Machtergreifung doch gar nicht demonstrieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

CHINA! ERLÖSE UNS MIT WERTLOSEM GELD VOM KAPITALISMUS! AMEN. Über Gläubige und Ketzer.

CHINA! ERLÖSE UNS MIT WERTLOSEM GELD VOM KAPITALISMUS! AMEN. Über Gläubige und Ketzer.

Ich kenne ein Land, in dem mehr Menschen hingerichtet werden, als in allen anderen Ländern zusammen … und zwar 20 mal soviel Menschen wie in allen anderen Ländern zusammen. Es ist ein Land, das auch gerne Menschen mal zu Tode foltert. Es ist ein Land, das Abtreibungen auf Rekordniveau durchführt, die Rechte der Arbeiter mit Füssen tritt, politische Flüchtlinge in ihre Ursprungsländer deportiert und Massenmorde im Ausland unterstützt. Es ist ein Land mit einem großen Wohlstandsgefälle zwischen Arm und den Reichen. Wenn ich nun fragen würde: Wie heißt dieses Land … dann würden viele hüpfen und vor Freude rufen: „DIE USA“ …. doch diese müsste ich enttäuschen. Es ist … China, unser Retter – siehe Wikipedia.

Besonders brisant – der Gini-Koeffizient:

Der Gini-Koeffizient oder auch Gini-Index ist ein statistisches Maß, das vom italienischen Statistiker Corrado Gini zur Darstellung von Ungleichverteilungen entwickelt wurde. Der Koeffizient kann beispielsweise als Kennzahl für die Ungleichverteilung von Einkommen oder Vermögen eingesetzt werden. Er wird besonders in der Wohlfahrtsökonomie und Informationstheorie verwendet. In der Informationstheorie wird er als Maß der „Reinheit“ oder „Unreinheit“ von Information verwendet.

China und die USA liefern sich hier ein Kopf an Kopf-Rennen auf den hintersten Plätzen – zwischen solchen Glanzlichtern der Zivilisationsgeschichte wie derElfenbeinküste, den Phillipinen, Bolivien oder Kamerun und Uganda … wobei die letzteren alle besser dastehen, also über ein gerechter verteiltes Volksvermögen verfügen.

Es ist schon denkwürdig, das man in den politischen Kommentaren der Leit- (oder Leid)medien kaum einen Hinweis darauf findet, wie es denn sein kann, das die größten Nationen der Welt sich so ähnlich sind, obwohl doch ihre politischen Systeme angeblich so weit auseinanderliegen. Immerhin – es gab ja mal so etwas wie die „rote Gefahr“ … oder die „gelbe Gefahr“, auf die der Spiegel noch hinweist:

Vor einigen Jahren gaben Kritiker aus Amerika und Europa ihrem Handelspartner China einen wenig vorteilhaften Namen. Sie beschimpften die neue aufstrebende Supermacht als „gelbe Gefahr“. Sie warnten vor einem Heer chinesischer Dumping-Löhner, die im Westen ganze Industriezweige vernichten würden – und mit ihnen Millionen Arbeitsplätze. Sie warnten vor einer immer stärkeren politischen Einflussnahme aus dem Osten, die letztlich gar zu einer Erosion der Menschenrechte führen könne.

Dabei ist es doch um die Menschenrechte in den USA nicht viel besser gestellt – erst recht nicht, seit dem der Kampf gegen das Terrorgespenst läuft. Nun – dieses Heer von Dumping-Löhnern hat ganze Industriezweige vernichtet – und will noch mehr vernichten. Das jedoch … findet man in den Leitmedien der Republik weniger deutlich formuliert – dazu muss man in jene Gegenden abtauchen, die – oft geringschätzig als „Blogosphäre“ bezeichnet – weniger Geld aber dafür mehr Wahrheit haben, wie zum Beispiel das Infoportal Jahnke:

2001 hat der politische Druck exportversessener westlicher Konzerne und profitsuchender Handelshäuser zur übereilten Aufnahme des kommunistischen China in die für Marktwirtschaften gedachte internationale Handelsorganisation geführt, und das ohne ausreichende Bedingungen gegen Dumping und Wechselkursmanipulation. Dann trat China an, um mit seinem hunderte Millionen starken Heer an ausgebeuteten Wanderarbeitnehmern über Dumping und eine gigantische Wechselkursmanipulation die Weltmärkte zu erobern und Millionen von Jobs nach China zu transferieren. Darunter litten in Europa vor allem die Eurozonenländer an der südlichen Peripherie, deren Exportwirtschaft mit vergleichbaren aber teueren Produkten der chinesischen Exportwalze nicht mehr standhalten konnte.

Potzblitz! Welche Worte! Da war es gar nicht der Klimawandel, die Gunst der Sterne oder der Wille der Götter, der das Reich der Mitte wieder zum Mittelpunkt des Universums gemacht hat? Ich dachte immer, der bloße Zufall wäre es gewesen, der aus einem „Dritten-Welt-Land“ eine Supermacht gemacht hat … der gleiche Zufall, der aus dreizehn Kolonien des 18. Jahrhunderts die Weltmacht USA erschuf.

Nun erfahre ich … es war gar kein Zufall. Es waren Konzerne, die dem Land überhaupt erst die Macht (und das Geld) gaben, mit dessen Hilfe es nun die Volkswirtschaften Europas aufkaufen kann. Trotzdem wird so getan, als handle es sich dabei um ein Naturgesetz – und nicht um die gezielte Förderung barbarischer Staatsformen zuungunsten der klassisch-westlichen Zivilisation, siehe Welt:

Amerika wendet sich von Europa ab und China zu

Einige sprechen von der „roten Abenddämmerung“, andere gar vom „Zeitalter des roten Planeten“. Gemeint ist damit in jedem Fall der Aufstieg Chinas zur Weltmacht, der gleichermaßen ehrfürchtig und furchtsam vom Westen verfolgt wird.

„Ehrfurcht“ war ein Gefühl, das früher Göttern vorbehalten war – und dort war es auch gut aufgehoben. „Ehrfurcht“ gegenüber einem Land zu empfinden, erinnert mich an die religiösen Gefühle der Deutschen ab 1933 – ich wüßte nicht, was mich daran begeistern sollte. Der „rote Riese“ ist auch gar nicht so groß wie man denkt. Schaut man genauer hin, sind die Hoffnungen, das China uns vom Kapitalismus erlöst, denkbar gering … die haben gar nicht soviel Geld:

Das Engagement ist jedoch nicht uneigennützig – und obwohl die Chinesen bereitwillig die Rolle des weltwirtschaftlichen Stabilitätsankers spielen, würden ihre Devisenvorräte für die Lösung der europäischen Probleme auch kaum ausreichen. Chinas Hauptinteresse besteht darin, seinen besten Kunden vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu retten.

Wie schön, das man nebenbei erfährt, wie sehr wir eigentlich am Abgrund stehen.

Dabei ist das  Geld der Chinesen in Wirklichkeit gar nicht soviel Wert:

Mit Chinas Überschüssen setzen die Europäer ihre Hoffnungen ironischerweise ausgerechnet auf ein Nebenprodukt der chinesischen Währungspolitik, die im Westen eigentlich als schwere Verzerrung des internationalen Wirtschaftssystems gesehen wird.

Wie toll, das die ihre wertlosen Papierlappen jetzt in Europa gegen echte Firmen eintauschen dürfen, erinnert mich an die Indianer, die ihre Jagdgründe für Glasperlen verkauften, ohne zu wissen, was sie da eigentlich taten:

Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok warnte Italien und andere Länder indes davor, Hilfsangebote aus China anzunehmen. Die aktuellen Offerten aus Peking dienten «selbstverständlich nicht nur der Stabilisierung des Euro», sagte Brok der «Frankfurter Rundschau». «Sie zielen auch darauf ab, Abhängigkeiten aufzubauen und strategische Vorteile zu erzielen», fügte er hinzu und nannte als Investitionsobjekte, die er für problematisch erachte, Anlagen wie Häfen oder Flughäfen.

Wem da jetzt der böse Verdacht kommt, das die USA mit Hilfe der verwandten chinesischen Kultur (die über einen ähnlichen politischen Klassenmonopolismus verfügt) die europäische Konkurrenz ausschalten wollen, wird durch aktuelle Nachrichten bestätigt, siehe Handelsblatt:

Washington verliert die Geduld mit der Eurozone. Erst Obama, dann Finanzminister Geithner: Die Amerikaner erhöhen den Druck auf Europas Politiker, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Dabei wollen sie selbst neue Milliarden ausgeben. Die Weltbank wird nervös.

Dabei stehen die nächsten europäischen Wackelkandidaten schon bereit:

Die Auslandsforderungen deutscher Banken gegenüber Frankreich, Italien und Spanien belaufen sich auf rund 389 Milliarden Euro, wie aus den aktuellen Zahlen der Deutschen Bundesbank von Juni 2011 hervorgeht. Angsteinflößend, wenn man bedenkt, dass Italien und Spanien mit ihrem Haushaltsdefizit bereits massiv überfordert sind und nun auch zwei der größten französischen Banken in ihrer Kreditwürdigkeit herabgestuft wurden.

Und damit niemand denkt, mit der Rettung (oder wirtschaftlichen Vernichtung) Griechenlands sei alles überstanden und die Krise würde durch die unsichtbare Hand des Marktes wie von selbst verschwinden, wird schon mal die nächste angekündigt:

Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat erstmals eingeräumt, dass das angepeilte Wirtschaftswachstum nicht erreicht werden könnte. Nun nimmt die US-Ratingagentur Fitch Spanien ins Visier.

Ganz nebenbei erfährt man durch die Lektüre der Kommentare von Zusammenhängen, von denen man gerne durch die großen Medien erfahren würde:

Immerhin hält Berkshire 12,5 Prozent der Anteile an Moody’s. So erklärt sich also teilweise der Erfolg von Warren Buffet. Hauptanteilseigner (Rest Streubesitz) und immer im Besitz der besten Informationen, bevor sie offiziell werden. Warum lässt die Börsenaufsicht Personen mit solchen Verquickungen in den Besitzverhältnisse nach den Erfahrungen von 1929 zum Handel zu?

Tja, warum nur?

Während dessen arbeiten die Konzerne beständig weiter, beständig werden mehr Jobs nach China exportiert was zu häßlichen Erscheinungen in den Heimatländern der Menschenrechte führt – sie werden wirtschaftlich ausgeblutet:

In den USA leiden, gemessen an der Gesamtbevölkerung, so viele Menschen an Armut wie seit beinahe zwei Jahrzehnten nicht mehr. Im vergangenen Jahr galten 15,1 Prozent der Bevölkerung als arm, das sind 46,2 Millionen Menschen. Dies ist laut dem Zensusbüro in Washington der höchste Stand seit 1993. Die Zahl stieg damit das vierte Jahr in Folge an, 2009 hatte die Armutsrate bei 14,3 Prozent gelegen.

Wer nun meint, das sei schon schlimm, der hat noch nicht in die Zukunft geschaut:

Der einflussreiche Ökonom und ehemalige US-Arbeitsminister Robert Reich erklärte, dass die Regierung der Vereinigten Staaten jetzt schnell und intelligent handeln müsse. Andernfalls könnte die offizielle Anzahl der Arbeitslosen leicht von 25 auf 35 Millionen steigen. 

Und sie handeln schnell und entschlossen … und wenden sich China zu, dem kraftlosen Retter der Welt.

Und was macht Europa?

Die europäische Kernmacht Deutschland führt einen entschlossenen Krieg gegen Arbeitslose – anstatt gegen Arbeitslosigkeit. 2011 wird das Sanktionsrekordjahr gegen die Ärmsten der Gesellschaft – was auch erklärter Schwerpunkt der Politik ist. 90 Millionen Tonnen Lebensmittel schmeißen wir andererseits  jedes Jahr weg, werden immer reicher, während unsere Arbeitsplätze immer unsicherer werden – wir sind also auf dem besten Wege, chinesische oder amerikanische Verhältnisse zu bekommen.

Merkt man nun, warum die aktuellen „ehrfürchtigen Gebete“ Richtung China einen merkwürdigen Beigeschmack bekommen … wie  „China“ die Rolle von „Hilfstruppen“ übernimmt, die das „Imperium der Superreichen“ weltweit stabilisieren hilft und als Dank dafür selber Superreiche bekommt?

Das Verhältnis der Germanen zum römischen Imperium war ähnlich – und wir beten ehrlich und wahrhaftig zu China, das es uns von den Folgen der amerikanischen Bankenkrise erlöst? Mit Geld, das in Wirklichkeit gar nichts wert ist?

Und das … soll mich jetzt optimistisch stimmen?

Schaue ich auf den DAX und in die Leitmedien, so muss ich sagen: bei vielen scheint das zu funktionieren.

Schaue ich mir den Artikel von Marcus Klöckner über die Rolle der Leitmedien bei der Berichterstattung zum 11.9.2001 an, dann habe ich allerdings aus keine Fragen mehr, warum das so ist:

Parallel zu einer an komplexitätsreduzierenden kaum noch zu überbietenden Berichterstattung, die dringend von den entsprechenden Wissenschaften aufzuarbeiten ist, schufen Leitmedien sogar eine Kunstfigur, einem Prügelknaben gleich, auf dem gestandene Journalisten ihre Verärgerung über die Kritik an ihrer Berichterstattung abladen konnten. 

Der Verschwörungstheoretiker, dieser Typus (klingt so schön nach einem wissenschaftlichen Kategoriensystem) Mensch, der es doch eigentlich nur wagt, politische Sachverhalte eigenständig zu beobachten, Nachrichten zu verfolgen, sie zu überdenken, sie zu analysieren, sie zu dekonstruieren (gewiss nicht immer glücklich und gewiss in vielem kritisierbar) und gegebenenfalls sich zu Wort meldet, um Fragen zu stellen, um Bedenken anzumelden, also dieser Typus, so lehrten es die Medien, gehört wohl zu den widerlichsten Menschen überhaupt. 

Wir sind wieder im Mittelalter angekommen, wir haben wieder „Gläubige“ und „Ketzer“.  Die Gläubigen beten nach China, während die Ketzer … einfach nur widerlich sind.

Da kann man nur noch eins sagen: Amen.

 

 

 

Der brutale Kampf um die Macht: Bürgerkrieg in Deutschland 2011

Der letzte wirklich echte Philosoph war Arthur Schopenhauer. Er war der letzte, der es wagte, alles Einzelwissen zu einem großen Bild zu vereinen. Seitdem - arbeiten wir anders. Wir gründen immer neue Wissenschaften, die sich immer mehr in die Details einarbeiten, aber für das große Bild interessiert sich keiner mehr. Immerhin: wer hätte als Einzelner schon den Mut, sich einer Armee von Einzeldisziplinen in den Weg zu stellen? Dabei liegt hierin gerade die große Chance unserer Zeit - wir kommen gar nicht mehr daran vorbei. Wenn wir alles Missbehagen an der Kultur nicht dem Wirken dunkler menschenfeindlicher Verschwörer anlasten wollen, dann brauchen wir eine neue Philosophie, hinter der sich Menschen vereinen können. Kapitalismus und Kommunismus waren einmal solche Philosophien, die sich in erster Linie gegen den Adel richteten (der sich aber - so steht zu vermuten - zu wehren wußte. Adel plant immer langfristig). Deshalb ist es schön zu sehen, das sich wieder einmal jemand an ein großes Werk gewagt hat - zu einer Zeit, die große Werke braucht. Francis Fukuyama, der schon das Ende der Geschichte prophezeit hat, hat ein neues Werk hervorgebracht, eine Beschreibung dazu findet man hier im Handelsblatt. Schon der Titel ist eine Provokation, spricht der doch von dem "Brutalen Kampf um die Macht". So etwas hört der Deutsche nicht gerne.

Der letzte wirklich echte Philosoph war Arthur Schopenhauer. Er war der letzte, der es wagte, alles Einzelwissen zu einem großen Bild zu vereinen. Seitdem – arbeiten wir anders. Wir gründen immer neue Wissenschaften, die sich immer mehr in die Details einarbeiten, aber für das große Bild interessiert sich keiner mehr. Immerhin: wer hätte als Einzelner schon den Mut, sich einer Armee von Einzeldisziplinen in den Weg zu stellen? Dabei liegt hierin gerade die große Chance unserer Zeit – wir kommen gar nicht mehr daran vorbei. Wenn wir alles Missbehagen an der Kultur nicht dem Wirken dunkler menschenfeindlicher Verschwörer anlasten wollen, dann brauchen wir eine neue Philosophie, hinter der sich Menschen vereinen können. Kapitalismus und Kommunismus waren einmal solche Philosophien, die sich in erster Linie gegen den Adel richteten (der sich aber – so steht zu vermuten – zu wehren wußte. Adel plant immer langfristig). Deshalb ist es schön zu sehen, das sich wieder einmal jemand an ein großes Werk gewagt hat – zu einer Zeit, die große Werke braucht. Francis Fukuyama, der schon das Ende der Geschichte prophezeit hat, hat ein neues Werk hervorgebracht, eine Beschreibung dazu findet man hier im Handelsblatt. Schon der Titel ist eine Provokation, spricht der doch von dem „Brutalen Kampf um die Macht“. So etwas hört der Deutsche nicht gerne, das hört sich politisch unkorrekt an.

Trotzdem … mag es wahr sein.

Fukuyama spannt einen großen historischen Bogen um eben jenen brutalen Kampf um die Macht, der letztlich der Kampf des Stammes gegen den Staat ist – und es ist nicht ausgeschlossen, das die Stämme letztlich gewinnen. Wer meint, das Thema sei jetzt zu philosophisch, der irrt, denn der Kampf Staat gegen Stamm tobt momentan gerade mit unerbittlicher Härte … nur sehen wir das nicht, weil wir die Perspektive nicht haben.

Ein Beispiel: die CSU randaliert gerade gegen die Bildungspläne der CDU, so berichtet die Welt. Der Hintergrund ist furchterregend: es gibt Pläne für „Erziehungsverträge“ mit Eltern, die festlegen sollen, was Eltern bei der Erziehung zu leisten haben – inklusive der Sanktionen bei Misserfüllung der Verträge. Kinder werden staatliches Eigentum, Eltern unbezahlte Angestellte.

Ein anderes Beispiel: Stämme mit Geld (so kann man ohne weiteres die Netzwerke der – oft Adeligen – Großinvestoren nennen … oder auch die Hedgefonds, Parteien oder Unternehmerverbände) erpressen Staaten zum Zwecke der Aufhäufung leistungsloser Vermögen: die „Rote Pille“ beschreibt das sehr schön und nennt auch die einzig mögliche Lösung unserer Probleme: die sofortige umgehende Vernichtung aller Staatsschulden weltweit durch einen Willensakt des Souveräns.

Das könnten wir. Niemand könnte uns daran hindern, das sofort morgen zu tun. Es würde den reichen Stämmen (früher: Adelsclans) weniger Zinsen einbringen, sie müssten – oh Graus – eventuell sogar wieder arbeiten gehen anstatt von Steuergeldern (Zinsen kommen letztlich alle daher)  zu leben, aber: anders kommen wir Bürger da nicht heraus.

Das wissen auch die reichen Stämme (auch: „Familien“ genannt), weshalb die uns massiven Konsumverzicht predigen wollen, damit die weiter ihre Zinsen bekommen – anders kann ich den Aufruf zum Sparen für Staaten und Private in der Baseler Zeitung kaum verstehen. Das sich Griechenland durch die Sparmaßnahmen aktuell in einen Unternehmensfriedhof verwandelt, stört die angeblichen Apostel der freien Wirtschaft nicht, längst hat sich die Zinswirtschaft von der Volkswirtschaft und den real produzierenden Unternehmen verabschiedet und führt ein geisterhaftes Eigenleben im virtuellen Raum, welches in Folge – wenn wir nichts ändern – in „grauenhafte Szenarien“ umschlagen kann – jedenfalls sieht das der griechische Vizepremier laut Süddeutscher Zeitung so.

Das auf uns zunehmend Kriege, zunehmende Polizeibrutalität und zunehmende politische Lügen warten, wird von manchen Experten offen geäußert, die Praxis der USA bei der „Terrorbekämpfung“ zeigt, das wir uns als zivilisierter Westen schon lange von unseren Werten verabschiedet haben: Kampf um die Macht ist halt brutal und kein Sängerstreit.

Politische Lügen? Besuchen wir einfach mal die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit am 27.6.2011, um uns davon zu überzeugen, das die Arbeitslosigkeit dieses Land nicht mehr heimsucht. 3,2 Millionen „Bewerberprofile“ warten dort auf uns – und 844 000 offene Stellen. Offiziell haben wir aber gar keine 3 Millionen Arbeitslosen mehr – jedenfalls in manchen Medienberichten, die wohl anders zählen als die BA. Dafür haben wir aber Hartz IV, den brutalen Eingriff des Staates in das Leben des Souveräns. Des Staates? Einfach mal schauen, wer genau alles an dem Gesetz gebastelt hat, dann sieht man, das Hartz IV das Signal war, das die Stämme (oder auch: Verbände) den Staat überwältigt haben. Der König ist zugunsten des Adels entmachtet worden: Bürgerkrieg wäre angesagt, denn Hartz IV stellt eine Zäsur des bürgerlichen Lebens da, die es so nie zuvor gab. Da gibt es auch die – eigentlich verbotene – Sippenhaft, die drastisch wird, wenn man es wagt, mit einem „Hartz-Abhängigen“ eine Beziehung einzugehen. Die Frankfurter Rundschau berichtet aktuell von dem Horror, der dann auf einen wartet: Hartz IV als Beziehungskiller.

Da hilft nur Bürgerkrieg – oder aufgeben.

Noch ein Beispiel? Was geschieht, wenn ein Stamm zur Macht kommt: ein Stamm, der sich friedlich gab, friedensbewegt war, gegen Atom und für den Bürger? Er verrät seine Werte, sobald die Macht in die Nähe kommt, wie aktuell die Grünen bei ihrem Schulterschluss mit Schwarz-Gelb. Wichtig ist der Stamm – nicht der Staat, der Bürger oder die Umwelt. Deutlicher als bei den Grünen kann man das kaum noch zeichnen, allerdings geben sich die Linken gerade Mühe, das gleiche noch einmal zu wiederholen – diesmal jedoch mit sozialen Themen.

Fukuyamas Perspektive – ich denke, das merkt man schnell – ist nicht aus dem Nichts gegriffen.

Warum erfahren wir da nichts mehr drüber? Warum ist diese für uns existentiell wichtige Perspektive in den Medien kaum zu finden? Weil die Stämme (Clans, Familien, Bruderschaften) – wenn man sie nur lange genug wachsen lässt – alle Machtpositionen infiltrieren und Gegenmächte systematisch abbauen. Auch wenn sie untereinander zerstritten sind wie CDU und SPD, so haben sie doch den Souverän (den König, um im Bild zu bleiben) als gemeinsamen Feind, der ihnen den Zugriff auf die Steuergelder verwehrt – was es zu verhindern gilt. Dazu braucht man nicht immer Killerkommandos, dazu reicht es manchmal, wenn man die wirtschaftliche Basis eines Berufsstandes austrocknet. Verdient der italienische Journalist zum Beispiel nur noch fünfzig Cent pro Artikel, erhängt er sich im Garten … oder schreibt brav nach Vorschrift. Tut er das nicht, macht es eben ein anderer.

Zu den Wenigen, die sich dem System nicht unterwerfen, gehört John Pilger, dessen Interview gerade im Publik-Forum erschienen ist. Es sind klar Worte zum Zustand der Medien – und des politischen Systems in dem wir uns befinden, Worte, die ich niemandem vorenthalten möchte:

Wir im demokratischen Westen sind gut darin trainiert, unsere Regierungen als wohlmeinend und »außergewöhnlich« zu betrachten, besonders die Amerikaner. Wenn wir die jüngste Vergangenheit Europas sowie Amerikas Eroberung des eigenen Landes betrachten, ist das ein bemerkenswerter Mythos. Lesen Sie die Dokumentation im Werk des amerikanischen Historikers William Blum: Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die USA fünfzig Regierungen gestürzt und zerschlagen, darunter viele Demokratien, und zahlreiche Befreiungsbewegungen zerstört.

Das wissen wir alle – und zwar schon lange. Unser „Training“ hindert uns jedoch daran, das auch wirklich wahr zu nehmen und das Wissen konsequent umzusetzen. Gegen die wahre Macht im Staat sind wir mitlerweile ohnmächtig, was uns gerade am Beispiel von Stuttgart 21 vorexerziert wird. Das wird gebaut, ob wir wollen oder nicht. Und wir werden schon Mühe haben, das zu erkennen, weil „Medien“ oft nur „Agenten der Macht“ sind:

Die Ursache dafür ist, dass der überwiegende Teil des institutionellen Journalismus an einem etablierten Konsens festhält – der die Prioritäten des Staates mit umfasst – und deshalb sehr voreingenommen und, wenn Sie so wollen, »unausgewogen« ist. Wer sich weigert, zu dieser Mediengöttlichkeit zu stehen, ist ein Ketzer – doch eigentlich sprechen diese Ketzer die Wahrheit, denn sie sind nicht von den Anmaßungen und Vorurteilen sowie der Disziplin der Institution und deren oft schändlichen Beziehung zum Staat gefesselt. Sie sind die Agenten des Volkes, während institutionelle Journalisten – mit ehrenwerten Ausnahmen – Agenten der Macht sind…

Klare Worte eines Journalisten, der offen sagt, das es die Millionen Toten im Irak nie gegeben hätte, wenn der Journalismus seine Arbeit richtig gemacht hätte. Der Journalismus ist allerdings weitestgehend zur Hofberichterstattung verkommen, weshalb Verschwörungstheorien blühen wie nie. Kein Wunder, wenn ein Peer Steinbrück nach seinem Bilderbergertreffen mit führenden Stammesvertretern plötzlich laut Focus seine Haltung zur Kanzlerkandidatur ändert. Obwohl die Medien beständig dementieren, das diese seit sechzig Jahren ablaufenden geheimen Treffen völlig bedeutungslos und nichtssagend sind, gibt es bei alternativen Medien schon lange den Verdacht, das dort Kanzler gemacht werden.

So finden wir uns – wenn wir Fukuyama folgen – an einem historisch denkwürdigen Punkt: der neue Adel – die Kaste der „Manager“ –  überwältigt den König, der diesmal ein bzw. alle Bürger war. Das klassische Szenario für einen Bürgerkrieg. Der Krieg läuft auch tagtäglich vor unseren Augen ab – wir deuten ihn nur anders. Uns wird deshalb ja auch immer erklärt, das das, was da abläuft, „alternativlos“ ist.

Das ist das neue Element in einer medial vernetzten Massengesellschaft: „Stell´ Dir vor, es ist Krieg und keiner merkts“.

Wir merken es aber – jeden Tag. Wie bei jedem Krieg geht es um unser Geld. Und das greift der neue Adel gerade großflächig ab – woran man sehen kann, das sie den Bürgerkrieg eigentlich schon gewonnen haben. Der König … ist tot. Oder kriegt Hartz IV, was so ziemlich dasselbe ist. Oder … könnte irgendwann im Laufe seines unsicheren Erwerbslebens auch mal auf Hartz IV angewiesen sein – was wahrscheinlich ist.

Der König kann aber wieder auferstehen, neu geboren werden. Wir werden ihn brauchen, um die Macht der Stämme zu brechen, die ansonsten die Staaten zerreissen werden. Das ist gut für den Stamm, aber schlecht für das Individuum. So unangenehm der Staat auch ist … wir brauchen ihn, um die Stämme daran zu hindern, das Volk zu vergewaltigen.

Und wir werden uns langsam mit dem Gedanken anfreunden müssen, das wir nach Abschluss der Verhandlungen Gewalt anwenden müssen. Der Kampf um die Macht ist halt … brutal. Das Startsignal ist eigentlich schon gegeben: es wird nicht mehr verhandelt, Politik ist alternativlos geworden.

Einfach mal die Griechenlandberichterstattung querbeet lesen: der Steuerzahler wird nicht darum herumkommen, zu bezahlen – so oder so.

Wenn die Griechen laut Focus gegen die „oberen Zehntausend“ revoltieren, so zeigen sie, das sie das Prinzip verstanden haben: der Adel muss wieder weg, wieder einmal sind wir in einer historischen Situation, wo er das Land erwürgt.

Doch die Aufgabe ist jetzt ungemein schwieriger geworden … schnell wird aus einer Gegenbewegung nur ein neuer Stamm, der sich mit den anderen Adeligen die Macht teilt. Folgen wir Fukuyama in seiner Deutung … dann müssen wir uns vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, was der Traum vom freien Individuum ausgeträumt ist, denn auch wenn der Stamm gewinnt: innerhalb des Stammes gibt es soviel Freiheit wie innerhalb eines Großkonzerns. Man ist solange frei, wie man das macht, was der Patriarch sagt.

Und das merken gerade ebenfalls viele … in Firmen, Verbänden, Konzernen, Familien, Parteien, Kirchen und anderen stammesähnlichen Verbindungen, die den Staat gerne ausgelöscht sehen, um sich selbst besser entfalten zu können.

Da bleibt vielleicht ja doch noch Hoffnung, das das Ende der Geschichte nicht so ausfallen wird wie zu erwarten, zumal das Internet so langsam anfängt, ein Gegengewicht gegen den etablierten Stammesjournalismus zu schaffen. Das kann helfen, den Menschen aufzuzeigen, das das System von Korruption und Vetternwirtschaft letztendlich nur jenen dient, die die Macht im Stamme haben.

Das hatten wir schon einmal … und darum haben wir Revolution gemacht, an der sich auch viele Adelige beteiligt hatten, die erkannt haben, das Stämme letztendlich am Ende ihrer Entwicklung nur Leibeigene und Vogelfreie kennen.

Aufklärung kann halt manchmal Wunder bewirken, auch wenn sie lästig und mühsam ist.

Hartz IV, Selbstständige Schmarotzer und der wahre Journalismus

Ich bin heute auf den NachDenkSeiten auf einen interessanten Artikel gestoßen auf den ich gerne aufmerksam machen möchte. Der Journalist Wolfgang Lieb  versteht es Zusammenhänge ins richtige Licht zu rücken. Es geht um die Hetzkampagne die momentan das Sommerloch in den Printmedien füllen, mit der Überschrift Hartz IV für Selbständige und wie sie sich arm rechnen.

Wolfgang Lieb  zeigt hier anhand von Datenmaterial auf wie die Propagandapresse eine Sau durchs Dorf treibt. Nicht nur das, er beschreibt auch in eindrucksvoller Weise wir er selbst von diesem Hartz IV- System in die Knie gezwungen wird und an unsinnigen Eingliederungsmaßnahme teilnehmen muss. Ein hochinteressanter und vor allem authentischer sowie gut recherchierter Artikel, den ich wirklich nur empfehlen kann.

 

 

Hier geht es zu dem Artikel: KLICK

Bilderberger

Es gibt Worte, die mag man gar nicht mehr hören, weil man zuviel von ihnen hört, ohne das etwas zu hören ist. Eins dieser Worte ist: Bilderberger. Es wird gerade wieder aktuell, denn in drei Tagen findet mal wieder das jährliche Treffen dieser Gruppe statt, diesmal in der Schweiz. Die treffen sich in der Tat seit 1954, ursprünglich organisiert von einem Altnazi, der auch wegen selbstfinanzierter Söldnereinsätze in Afrika auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Treffen sind natürlich ganz harmlos, das habe ich ja selbst schon mal feststellen können. Also eigentlich kein Grund, ein Wort darüber zu verlieren.

Es gibt Worte, die mag man gar nicht mehr hören, weil man zuviel von ihnen hört, ohne das etwas zu hören ist. Eins dieser Worte ist: Bilderberger. Es wird gerade wieder aktuell, denn in drei Tagen findet mal wieder das jährliche Treffen dieser Gruppe statt, diesmal in der Schweiz. Die treffen sich in der Tat seit 1954, ursprünglich organisiert von einem Altnazi, der auch wegen selbstfinanzierter Söldnereinsätze in Afrika auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Treffen sind natürlich ganz harmlos, das habe ich ja selbst schon mal feststellen können. Also eigentlich kein Grund, ein Wort darüber zu verlieren.

Vielleicht sollte man sich darüber mokieren, das die Kosten für teilnehmende Politiker von dem Steuerzahler übernommen werden, was die Politiker in Ordnung finden, weil es sich um keine private Veranstaltung handelt. Sieht man sich die ursprünglichen Ziele der Bilderbergerbewegung an, so verwundert diese Einstellung nicht: sie sind hochpolitisch und … hochverschwörerisch:

Für die Grundlage müssen wir bis zum Jahre 1948 zurück gehen, da Josef Retinger und Churchills Schwiegersohn Duncan Sandys kurz nach dem Haager Kongress in die USA fuhren, um dort für die europäische Integration zu werben. In ihren Gesprächen mit dem Begründer der CIA, William J. Donovan, und Allen Dulles, deren künftigem Direktor, wurde klar, dass die USA ein Interesse daran hatten, die Schaffung eines vereinigten Westeuropas zu unterstützen. Einige Forscher und Historiker sind der Meinung, dass das American Committee on a United Europe (ACUE) von 1949 bis 1960 vom State Department dazu benutzt wurde, das Projekt eines Vereinigten Europas in Form einer „liberalen Verschwörung“ voranzutreiben. Auf jeden Fall ist klar, dass Amerika nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem alten Kontinent einen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Brückenkopf schaffen wollte, der in der Lage war, dem Sowjetreich entgegenzutreten und dabei die expansionistische Doktrin der USA voranzubringen.

Um diese Aufgabe erfüllen zu können, braucht das Personal besondere Qualifikationen:

„Offensichtlich“, so Retinger, müssen die Teilnehmer an den jährlich stattfindenden Bilderberg-Konferenzen „einflussreich und allgemein respektiert sein sowie über Spezialwissen oder reichlich Erfahrung“ verfügen, um durch ihre „persönlichen Kontakte und ihren Einfluss in nationalen wie internationalen Kreisen den von Bilderberg gesetzten Zielen“ genügen zu können. Die Teilnehmer sollten von großer Offenheit sein, keine offensichtlich nationalen Überzeugungen vertreten und nicht mit Vorurteilen belastet sein, sowie die westlichen kulturellen und ethischen Werte teilen, um so dem Ziel, so viele Personen wie möglich aus den verschiedensten Kreisen zu erreichen, entsprechen zu können. Die Organisatoren achten darauf, parteipolitisches Gleichgewicht zu halten, denn „es kann nicht schaden, wenn Kontroversen auch im Rahmen […] [dieser] Konferenz polar ausgetragen werden“. Für die jeweilige Zusammensetzung jedes Treffens, so Retinger, wird ein Gleichgewicht angestrebt, welches so gut wie möglich die vorherrschende Meinung des jeweiligen Landes zu den vorgegebenen Themen widerspiegelt.

Man sucht gezielt einflussreiche Mulitplikatoren für das … geheime Ziel. Einer davon ist Cem Özdemir, in Deutschland bekannt geworden durch seine Offenheit für Privatkredite aus einflussreichen Wirtschaftskreisen. Nebenbei ist er auch Vorsitzender der Grünen. Doch zurück zu den zentralen und allgemeinen Qualifikationen der Bilderbergteilnehmer.

„Grosse Offenheit“ … wofür? Für neue Horizonte, die man ihnen erschließen möchte? Keine nationalen Überzeugungen … weil die geheimen Ziele den nationalen Volkswirtschaften schaden könnte? Keine Vorurteile … weil die Konferenz schon für „richtige“ Urteile sorgen wird? „Parteipolitisches Gleichgewicht“ …. weil man rechts und links gleichermassen für sich einnehmen möchte?

„Ein Netzwerk von einflussreichen Persönlichkeiten mit unklaren Zielen sucht Mitarbeiter ohne eigenen Standpunkt“ … so könnt eine Stellenanzeige der Bilderberger aussehen, nur wird es leider keine Stellenanzeige geben: der Kreis ist hochelitär und streng geschlossen. Da wird ordentlich gesiebt, bis man zur Teilnahme zugelassen wird. Das sorgt natürlich für Spekulationen:

Für die einen ist es eine Art „Weltregierung“ im Schatten, für die anderen nur ein überholter Gesprächskreis

So beschreibt es N-Tv.

Manche sehen in ihr eine Art „Schatten-Weltregierung“, andere nur einen überholten elitären Debattierclub

So beschreibt es der Spiegel.

Es ging um das Treffen 2010, man könnte den Eindruck bekommen, das da Formulierungen übernommen wurden, das ein gemeinsamer „Sprachcode“ für die Medien herausgegeben wurde, um zu verhindern, das allzu früh herauskommt, was dort wirklich geschieht. Die Sonntagszeitung in der Schweiz darf das ganz offen aussprechen:

Kees Van der Pijl, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität von Sussex in England, sagt: «Wenn sich Leute von politischem und gesellschaftlichem Gewicht treffen, geht es um wichtige Dinge.» Wie wichtig, schilderte er in einem Interview mit dem österreichischen «Standard». Von der Bilderberg-Konferenz 1989, kurz vor dem Mauerfall, seien ihm Dokumente zugespielt wurden, die belegten, dass dort die Bereitschaft Deutschlands abgeklopft wurde, mit Sowjet-Chef Michail Gorbatschow zusammenzuarbeiten. Reiner Debattierklub?

In der Tat ist das kein Debattierclub mehr, wenn dort Geschäfte eingefädelt werden. Auch wenn man das hundertmal behauptet, wird es nicht wahrer, vielmehr reicht ein belegter und dokumentierter Fall zum den Verdacht nahezulegen, das es sich hier um ein inoffizielles Steuerungsinstrument für Weltpolitik handelt, bei gleichzeitiger Verheimlichung der Ziele ist der Verdacht ohne jeden Zweifel gerechtfertigt, das es sich um eine Verschwörung handelt, umso mehr, als bei der Einladung drauf geachtet wird, das die Teilnehmer ein gewisses – konturloses – Profil aufweisen. Nochmal aus der Sonntagszeitung zu dem Thema:

Hans-Jürgen Krysmanski, emeritierter Soziologie-Professor aus dem deutschen Münster, betrachtet Konferenzen wie Bilderberg, aber auch das WEF in Davos als Teil einer informellen Strategie der globalen Elite, wie er der «Frankfurter Rundschau» sagte. Diese Konferenzen gehörten zu den «Begegnungen, bei denen die Reichen und Mächtigen aus Wirtschaft und Finanz unserer politischen Klasse auf den Zahn fühlen und ihnen sozusagen Schnellkurse darin verpassen, wie sie ihre Macht ausüben sollten.» Der nächste Kurs beginnt am Donnerstag.

Normalerweise sollten solche Erkenntnisse umgehend Folgen haben. Teilnehmende Politiker sollten umgehend aus ihren Ämtern entfernt werden, weil nicht mehr sichergestellt werden kann, wem nun ihre Loyalität gehört, welche Ziele sie in ihrer Amtsausübung nebenbei verfolgen und wie weit sie eigentlich noch in der Lage sind, autark und selbstbestimmt zum Wohle des Volkes zu handeln oder ob sie die Vorstellung einer „Diktatur der Finanzmärkte“ kritiklos übernommen haben und bereit sind, sich einer solchen zu beugen.

Ein bei Lobbycontrol vorhandener Artikel zeigt deutlich die Brisanz der Veranstaltung:

Als der US-Aktivist und Filmemacher Alex Jones 2006 nach Ottawa flog, um die dortige Bilderberg-Konferenz zu dokumentieren, wurde er 16 Stunden lang von Beamten der kanadischen Einwanderungsbehörde auf dem Flughafen festgehalten (der Ottawa Citizenberichtete am 8.6.2006). Der Journalist Campbell Thomas landete für acht Stunden im polizeilichen Gewahrsam, als er 1998 im schottischen Turnberry in der Umgebung des Konferenz-Hotels Leute interviewte (UK Press Gazette, 22.5.1998). Von einer zehnstündigen Befragung durch den deutschen Geheimdienst auf dem Münchner Flughafen berichtet BilderbergBuchautor Daniel Estulin aus Spanien, als er 2005 auf dem Weg nach Rottach-Egern war. Auch sein kleines Hotel in Rottach-Egern, wo er anschließend übernachtete, sei voller Geheimdienstler gewesen.Interessant ist dabei, dass die Konferenz offensichtlich von staatlichen Sicherheitsorganen geschützt wird, wo doch die Organisatoren stets betonen, das Treffen sei rein privat – ergo müssten eigentlich auch die Kosten für die Sicherheit privat getragen werden.

Die Ausübung von Staatsmacht zum Schutze eines konspirativen Treffens, der Einsatz von Geheimdienstlern zur Abschottung einer privaten Veranstaltung (für die wohl letztlich der Steuerzahler aufkommen darf) gehört nicht in das Umfeld eines demokratischen Gemeinwesens. Das sehen auch andere so, siehe Frankfurter Rundschau:

Der Mediensoziologe Rudolf Stumberger sprach im Deutschlandradio von „Tendenzen der Re-Feudalisierung“ durch Bilderberg. Und der Niederländer Kees van der Pijl, Professor für Internationale Beziehungen, rügt: „Die dort vertretenen Interessen haben nicht viel mit Demokratie zu tun.“

Es ist überhaupt gar keine Frage, das Geheimdienste und Verfassungsschutz auf diesen Veranstaltungen aktiv werden sollten. Uns als Bürger, als souveräne Herrscher dieses Landes interessiert es brennend, was dort vor sich geht. Vielleicht ist alles ja ganz harmlos – ich würde mir aber wünschen, das der Verfassungsschutz jeden Teilnehmer aus Deutschland gründlich befragt – und nicht die Journalisten. Dafür ist er da, siehe Website:

Gemäß § 3 Bundesverfassungsschutzgesetz (BVerfSchG) hat das BfV gemeinsam mit den Landesbehörden für Verfassungsschutz (LfV) „Auskünfte, Nachrichten und sonstige Unterlagen“ zu sammeln und auszuwerten über
1. Bestrebungen, die

  • gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder
  • gegen den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder
  • durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen auswärtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gefährden oder
  • gegen den Gedanken der Völkerverständigung (Art. 9 Abs. 2 GG), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der Völker gerichtet sind,

2. geheimdienstliche Tätigkeiten für eine fremde Macht (Spionagebekämpfung).

3. Ferner wirkt das BfV nach § 3 Abs. 2 BVerfSchG beim Geheim- und Sabotageschutz mit.

Offensichtlich wirken informelle Treffen einer nach undurchsichtigen Gesichtspunkten auserwählten Machtelite nicht im Sinne der freiheitlich demokratischen Grundordnung und sind in der Tat gegen den Bestand und die Sicherheit des Bundes gerichtet … der in der EU konturlos aufgehen soll.

An der Uni Münster gibt es zu diesem Thema ein Forschungsprojekt: Wem gehört die EU?, eine Website widmet sich speziell den Bilderbergern und einer in diesem Zusammenhang eigentlich recht brisanten Fragestellung:

Eine zentrale Frage ist schlichtweg weshalb die Medien nicht über diese kleine Gruppe von einflussreichen Menschen berichten, welche sich seit nunmehr über 50 Jahren jedes Jahr zusammenfinden.  Insbesondere da Medienvertreter selbst den Konferenzen teilnehmen (aus Deutschland etwa  die Zeit und der Medientycoon Hubert Burda). Daran anschließend stellt sich die Frage wieso die Sozialwissenschaften sich über das Thema ausschweigen.

Ich wage mal zu bezweifeln, das wie zu diesen Fragen auch Antworten bekommen. Gegen ein kleines Häuflein von Fragestellern wirkt ein ganzes Imperium an Desinformationsprofis, die mit allen Mitteln der publizistischen und rhetorischen Kunst einen undurchdringlichen Schleier um das Phänomen Bilderberger weben und dabei auch vor Verleumdungskampagnen nicht zurückschrecken – oder vor Zensur.

Ganz ehrlich: wäre Bilderberger wirklich nur ein harmloser Debatierclub, würde man sich dann eine solche Mühe machen, seine Kritiker zu diffamieren?

Andererseits sollten sich auch alternative Medien nicht wundern, wenn ihr antizionistischer und antiisraelischer Marsch sie angreifbar macht – dieser Marsch erfolgt im Gleichschritt mit antisemitischen und rechtsradikalen Bewegungen. Man kann schlecht „Antizionist“ sein, ohne gleichzeig rechtsextremen Fahrwassern gefährlich nahe zu kommen. Das haben auch schon die LINKEN gemerkt. Und das in den alternativen Medien neurechte Bestrebungen aktiv sind, ist keine reine Erfindung der Bilderberger und schadet der Glaubwürdigkeit alternativer Medien generell. Deshalb werden die Bilderberger in aller Ruhe weiter ihr geheimes Süppchen kochen können, das offensichtlich hochpolitisch ist.

Und wir können uns sicher sein, das wir es auslöffeln dürfen.

Einige Zutaten habe ich in meiner Suppe schon entdeckt:

Einsatz der Bundeswehr im Ausland

Deregulierung der Finanz- und Arbeitsmärkte

Politische Neuorganisation des europäischen Raumes

Umfassende Privatisierung staatlicher Hoheits- und Versorgungsstrukturen

Wachsender Einfluss privatwirtschaftlicher Machtballungen auf den politischen Raum

All das … will mir nicht wirklich schmecken.

 

 

 

Pilotprojekt „Abgeordnetenwatch zum Selbermachen“

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oder:  Starten Sie abgeordnetenwatch.de für Ihre Stadt oder für Ihren Landkreis

Grafik AW selbermachenWir sind überzeugt: Die Transparenz und Bürgernähe, die abgeordnetenwatch.de auf Europa-, Bundes- und Landesebene schafft, würde auch vielen Städten und Landkreisen gut tun. Daher wollen wir abgeordnetenwatch.de künftig auch für die kommunale Ebene anbieten.

Insgesamt 413 kreisfreie Städte und Landkreise gibt es in Deutschland. Wir wollen zunächst mit drei Pilotprojekten starten. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Wenn Sie Lust und Zeit haben, sich ehrenamtlich in die Recherche für Ihre Stadt bzw. Ihren Landkreis einzubringen, dann melden Sie sich bitte bei uns per Mail. Schreiben Sie in Ihrer Mail:

  • für welche Stadt/Landkreis Sie recherchieren würden,
  • wie viele Abgeordnete der Stadtrat/Kreistag hat,
  • wie Sie das Abstimmungsverhalten recherchieren würden und
  • wann die nächsten Kommunalwahlen anstehen.

Schicken Sie Ihre Mail an: recherche@abgeordnetenwatch.de / Betreff: abgeordnetenwatch.de für meine Stadt/Landkreis

Unter allen Interessierten werden wir drei Projekte auswählen. Die Recherche erfolgt dann gemeinschaftlich mit anderen über das Internet. Einsendeschluss ist der 15. Mai 2011.

Alle anderen, die die Kommunalisierung von abgeordnetenwatch.de nicht aktiv durch eigene Mitarbeit unterstützen können, bitten wir um Unterstützung durch eine Spende oder Fördermitgliedschaft. Denn neben der Recherche fallen Kosten für die Moderation, Programmierung, Koordinierung und Öffentlichkeitsarbeit an.

 

Quelle: www.AbgeordnetenWatch.de

Das Goldkettchen des Anlageberaters als Triebfeder des deutschen Gesundheitswesens

Manche Nachrichten entfalten erst durch ihre Kombination Brisanz, manche Formulierungen werden erst dann bedenklich, wenn man sie mit anderen zusammenbringt – das ist eigentlich das erste Geschäft des Systemveränderers: aufwiegeln durch Tatsachen. Demgegenüber stehen die Pressesprecher und bezahlten Journalisten, deren Geschäft es ist, breiflächig abzuwiegeln.

Solche Erscheinungen sind sogar in Bereichen zu beobachten, die äußerst intim sind und jeden Menschen betreffen: bei der Gesundheit. Wer denkt, er sei hier durch die Medien optimal informiert, lebt noch auf einer Scheibe, wie Epoch Times zu entnehmen ist:

„Die Tendenz, den Einsatz eines Medikaments zu empfehlen, hängt von der Finanzquelle einer Zeitschrift ab“, schreiben die Mediziner um Annette Becker von der Universität Marburg im „Canadian Medical Association Journal“.

„Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. „Eine Hand wäscht die andere“ – so funktioniert Wirtschaft.

Geht auch ohne Brot, zum Beispiel mit Reisen, hier pressetext.at:

„Einige Journalistenkollegen lassen sich gerne an exotische Plätze einladen. Durch dementsprechende Berichterstattung sorgen sie dafür, dass sie auch in Zukunft wieder eingeladen werden“, berichtet der Medizinjournalist Hans Weiss gegenüber pressetext.

Es lohnt sich also, selber zu denken – das kann ungeahnte postive Effekte auf die Gesundheit haben.

Natürlich kann man nie genau sagen, welches Geld nun gerade wofür geflossen ist und wer wem aus welchen Gründen etwas zukommen läßt. Zum Beispiel der Hartz-Kanzler Schröder und der Deal mit dem Maschmeyer, über den der Spiegel aktuell berichtet:

Der frühere AWD-Chef Carsten Maschmeyer pflegte zu Gerhard Schröder engere Beziehungen als bislang bekannt: Er hat dem Ex-Kanzler nach SPIEGEL-Informationen rund eine Million Euro gezahlt – für dessen Memoiren.

Spannend auch, wo das Geld herkam, das jetzt in Schröders Taschen steckt:

Der Finanzvermittler AWD hat unter Carsten Maschmeyer seinen Kunden in bisher nicht bekanntem Ausmaß riskante Finanzprodukte verkauft, für die er gleichzeitig die höchsten Provisionen kassiert hat. So hat der Bereich „Immobilien/steueroptimierte Anlagen“ in einem Jahr mit 31 Prozent so viel Umsatz gebracht wie kein anderer Bereich im AWD-Konzern. Dabei wurden in diesem Bereich neben Immobilien vor allem geschlossene Fonds verkauft, die Anleger in dieser Form in vielen europäischen Ländern gar nicht kaufen können. So hat der AWD rund 47.000 Kunden allein in die verlustreichen Dreiländerfonds und die IMF-Medienfonds vermittelt.

Es hört sich nicht gut an, was man da weiter erfährt:

Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert: „Das Gros der Bevölkerung kann weder die Risiken einschätzen noch kontrollieren, ob die Versprechungen überhaupt eingehalten werden.“

So etwas hört sich überhaupt nicht gut an. Klingt nach einer Betrügerbande, die durch die Lande zieht, um an Omas Erspartes zu kommen und davon dem Kanzler großzügig etwas in die Tasche zu stecken, vielleicht sogar als kleiner Dank dafür, das die Regierung ein schönes Umfeld für Anlageberater geschaffen hat. In Irland war das genauso, wie „Der Freitag“ berichtet:

Bald aber verselbstständigte sich der Boom. Banken, Bauunternehmer und Immobilien-Makler witterten ein riesiges Geschäft und warfen mit geborgtem Geld um sich. Innerhalb weniger Jahre stiegen die Hauspreise um das Vierfache. Und die Banken offerierten noch immer billige Kredite, als längst absehbar war, dass es mehr Häuser als Haushalte gab. Joyce: „Selbst intelligente Leute glaubten, der Immobilienboom würde ewig anhalten. ‚Lass doch dein Geld für dich arbeiten’, bekamen sie auf der Bank zu hören, so dass sich mancher ein zweites oder drittes Haus kaufte, um es zu vermieten.“

„Lass doch dein Geld für dich arbeiten“ … den kumpelhaften Rat haben sicher viele vernommen, auch in Deutschland. Eine wichtige Quelle in Deutschland ist dazu das Sozialwesen, genauer genommen: das Gesundheitsbudget, über das transparency.de schon vor sechs Jahren klagte:

Ein besonders anfälliges Gebiet für Korruption ist das öffentliche Gesundheitswesen, weil es intransparent und komplex ist. Die Verantwortlichkeiten verteilen sich auf ein Bundesministerium, 16 Ländersozialministerien, pro Bundesland mindestens eine öffentlich-rechtliche Körperschaft von Ärzte- und Apothekerkammern, kassen(zahn)ärztliche Vereinigungen und deren Spitzenverbände, sowie mehr als 250 gesetzliche Krankenkassen. Dazu kommen unzählige Fachverbände und Interessengruppen jeglicher Art.  Mehr als elf Prozent des Bruttosozialprodukts fließen in das deutsche Gesundheitswesen. Damit ist das Gesundheitsbudget annähernd so groß wie der Bundeshaushalt (mehr als 240 Mrd. Euro 2005).

Missbräuchliches Ausnutzen der Intransparenz im Gesundheitswesen geschieht durch alle Beteiligten. Warenanbieter von Pharmazeutika und Medizingeräten, Leistungserbringer jeder Art, Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen, Versicherte und deren Arbeitgeber – alle machen sich die Schwächen des Systems zunutze.

Ein wichtiger Umverteilungsmotor in diesem System ist der Arzt. Ärzte sind in der Regel menschenfreundliche Wesen – und selber oft auch sehr menschlich. Sie arbeiten hart, oft rund um die Uhr … man kann sich bei ihnen darauf verlassen, das sie kaum Zeit dazu haben, Geld in großem Umfang auszugeben. Das weiß auch die Politik. Kippt man also ganz viel Gesundheitsbudget in die Arzthonorare, fließen automatisch Unsummen an Steuern und Versicherungsgeldern zu den Banken und Anlageberatern – letztere kaufen sich davon die Goldkettchen, mit denen sie dann weniger gut verdienende Schichten der Bevölkerung blenden und ihnen die Ramschpapiere andrehen, die irgendwer ja letztendlich bezahlen muß. Hierfür hat man immer gute Argumente „Gesundheit“ zum einen, „harte Arbeit“ zum anderen.

Warum aber ein Hausarzt für zweimal Händeschütteln und ein Rezept reich werden muß, während der Altenpfleger Patienten für ein Taschengeld vom Kot befreien soll, erklärt man uns nicht. Leistung soll sich halt nur da lohnen, wo ganz viel Geld wieder zurück in die Hände der Finanzmafia fließt, die alle Beteiligten an ihrem Ruhm teilhaben läßt – und damit das geschieht, brauchen wir ganz viel Geld in den Händen ganz weniger Leute, die möglichst zu beschäftigt sind, um selber was damit anzufangen. Ärzte eignen sich dafür ideal – und sich nur allzu menschlich genug, um nicht versehentlich ins Asketentum abzudriften und alles Geld den Armen zu spenden.

Das Gesundheitsbudget insgesamt frisst den Staat auf – bei fragwürdiger Leistung. Bezahlen sollen es dann die Arbeitslosen, ausbaden sowieso. Aber die Paten des Systems sitzen am Ende und füllen sich die Taschen ohne jegliche Arbeit, was – wie in Irland – nicht lange gut gehen kann. Irgendwann ist der Krug leer und wir müssen die Schulden bezahlen, denn letztlich, ganz am Schluß landen die Rechnungen für die Goldkettchen der Anlageberater bei uns – Stichwort „Bankenkrise“.

Man muß nicht lange suchen, um die Schatten der nächsten Krise zu sehen,  zum Beispiel hier beim br:

Das Gesundheitssystem krankt, und das spüren auch die insgesamt 212 gesetzlichen und privaten Krankenversicherer. Einigen droht schon jetzt das Geld auszugehen. Die Branche sorgt sich, dass sich dieser Trend fortsetzt. Fachleute rechnen für 2011 mit einem Defizit von elf Milliarden Euro. Doch wofür braucht es eigentlich derart viele Kassen?

Wofür so viele Kassen, wofür so viele Leistungen, warum so viele Patienten … so wird die Fragerei weitergehen und am Ende dieser Fragekette wird der Kranke so dastehen wie der Arbeitslose: als böser Täter, ohne den es uns allen viel besser gehen würde.

Wozu das alles?

Für das Goldkettchen.

Ich bin mir sicher: wenn das alle wüßten, wenn es bekannt wäre, das das Märchen vom leistungslosen Einkommen, mit dem der Anlageberater sein Kettchen verdient, nichts weiter bedeutet als die Privatisierung des Gemeinschaftsvermögens und das Aufblähen der Staatsschulden auf Kosten (erstmal) der Ärmsten der Armen, dann würden sehr viele Menschen davon Abstand nehmen und neue Investitionsmöglichkeiten für ihr Geld und ihre Schaffenskraft suchen.

Wer nun meint, sich in Ruhe zurücklehnen zu können, weil sich das System schon von selbst eliminieren wird, der übersieht die Zeichen am Horizont, wo die Frontkämpfer des Märchensystems neue Ziele setzen und unsere Demokratie zu Grabe tragen wollen, siehe le Monde diplomatique

Als der deutsche Architekt Gerhard Starzetz in Peking seine Olympiabauten vorstellte, lobte er das zügige Verfahren: „Ein solches Vorhaben wäre in Europa undenkbar – aber hier geht alles schnell und ohne große Diskussion.“ Auch der BASF-Chef Jürgen Hambrecht verlangt mehr Respekt dafür, dass die Chinesen und Russen in Sachen Freiheit und Demokratie anders denken.

Noch mag die autoritäre Versuchung eines aggressiven Durchregierens im Westen so fern liegen wie Peking. Aber der Ruf der Eliten nach einem Ende von Diskussion und Protest wird lauter.

Natürlich wird dieses System irgendwann zusammenbrechen. Goldkettchen an sich sind halt kein echter zivilisationserhaltender Wert. Aber mit einer schönen straffen Führung könnte man noch ein paar Jahre bzw. Jahrzehnte länger das Volk ausplündern, tolle Bauten ins Gelände stellen, noch mehr sinnlose Pillen in den Himmel loben oder schädliche Operationen befördern und vor allem:  die Beute aus Anlagebetrug sichern.

Man sieht ja jetzt, das sogar der Kanzler Schröder möglicherweise Betrugsgelder in der Tasche hat. Wenn der das wüßte … würde er sich wahrscheinlich ganz viel schämen, oder?

 

 

 

 

 

Tunesien-Deutschland: Urlaub sicher. Armut auch. Aufschwung nicht – der bleibt privat.

In Tunesien und Algerien ist gerade viel los. Menschen werden in Mengen auf offener Straße von der Polizei erschossen, aber worum es geht erfährt man erstmal nicht so richtig.  Manche stecken sich auch selber an, aber: wir können beruhigt sein, meint jedenfalls die Welt:

Die blutigen Unruhen in Tunesien stellen nach Ansicht des Auswärtigen Amtes derzeit keine Gefahr für Touristen in den beliebtesten Feriengebieten des Landes dar. Die Ausschreitungen richteten sich nicht gegen westliche Urlauber, erklärte ein Sprecher in Berlin. Urlaubsorte wie die Insel Djerba seien nicht betroffen, die Polizei schirme sie weiträumig ab.

Dieser Satz am Ende eines Artikels, der von geschlossenen Schulen und Universitäten spricht, wirkt seltsam deplaziert. „Neonazis machen nur Jagd auf Ausländer, Deutsche können weiterhin beruhigt einkaufen gehen“….wäre ein ähnlicher Satz. Es sind keine extremistischen Islamisten, die in Tunsien auf die Straße gehen, es sind … Blogger, Journalisten, Rechtsanwälte, wie die Welt weiter schreibt. Wortgewandtes Volk, das sich hierzulande eher mit der Frage auseinandersetzt, wer der bessere Verseschmied ist – und wer die meisten Abmahngebühren eintreiben kann. Unsere Journalisten haben andere Probleme, unsere Anwälte auch. Das Manager Magazin berichtet momentan davon:

mm: Wie legt man denn im Falle eines Falles einen erstklassigen Alphatierauftritt hin?

Mayer: Der ist ganz klar definiert durch den Dreiklang Schwarz, Rot und Weiß. Da geht es um Macht, Kampf und Dynamik. Schwarz vermittelt Distanz, Rot ist die Farbe des Sieges, Weiß die Farbe der Klarheit.

mm: Das klingt ja alles recht reglementiert. Wie kann man denn als Mann in einem konservativen Geschäftsumfeld überhaupt eigenen Stil zeigen?

Mayer: Das ist nicht allzu schwierig. Nichts kleidet besser als ein gut sitzender Anzug. Der Anzug ist die Rüstung und die Waffe des Mannes. Und er muss Geld kosten. Ein Mann kann einfach nicht gut angezogen sein, wenn er einen Anzug für 299 Euro, ein Hemd für 39 Euro und eine Krawatte für 20 Euro trägt. Die persönliche Leinwand ist das magische Dreieck: Hemd, Revers, Krawatte. Da kann man seinen Stil zeigen.

„Seinen eigenen Stil zeigen“, das scheint das wichtigste Problem des deutschen Alphamännchens zu sein. Das möchte ich jetzt auch nicht sexistisch interpretiert wissen.

Und welche Probleme haben jetzt die Tunesier, mit denen sie glauben, ungestraft unsere Urlaubspläne stören zu dürfen … jenen Urlaub, den wir uns nach einem Jahr perfekten Dresscodeaufmarsch wirklich verdient haben? Ganz fremdartige, meint die RP-Online:

Der Nordafrika-Spezialist Pierre Vermeren sieht bei den sozialen und wirtschaftlichen Ursachen durchaus Gemeinsamkeiten. Er nennt vor allem die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die hohe Arbeitslosigkeit. Für junge Menschen, die im Maghreb die Mehrheit stellen, sei es wegen der Wirtschaftskrise immer schwieriger geworden, in Europa Arbeit zu finden, was den heimischen Arbeitsmarkt zusätzlich belaste.

Für Spannungen sorge zudem die wachsende Kluft zwischen der Masse, die sich unter oft miserablen Lebensbedingungen durchschlägt, und der neuen Schicht der glänzend verdienenden Geschäftemacher. Die arbeitslosen jungen Algerier erbittert zudem, dass der Staat 155 Milliarden Dollar Reserven besitzt, die aus Öl- und Gas-Exporten stammen, die ihnen aber in keiner Weise zugute kommen.

Also … da gibt es viel Volk – auch gebildet – die nichts verdienen und eine kleine Gruppe cleverer Geschäftemacher (aber perfekt angezogen, schwarz-weiß-rot, werde mal in Zukunft drauf achten), die immer mehr Geld scheffeln. Woher kenne ich das nur? Hören wir zu dem Thema einfach mal Karl Weiss:

Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Schmieding, räumte mit dem Märchen auf, in Deutschland gäbe es ein „Jobwunder“, die Industrie blühe auf und stelle ein. In Wirklichkeit ist die Bruttowertschöpfung der Industrie in Deutschland 15% unter Vorkrisenniveau. Zusätzliche Arbeitsplätze wurden dort fast nirgends geschaffen. Weise, Chef der ‚Bundesanstalt‘ sagt sogar, das verarbeitende Gewerbe in Deutschland werde den Beschäftigungsstand von vor der Krise nie mehr erreichen.

Na so was? Was erlaubt sich dieser Herr? Will er denn den Aufschwung kaputt reden?

Nun – das ist Deutschland. Hier kümmern sich Journalisten um Anzug und Karriere und Bügerjournalisten um Politik und Wirtschaft. Das wird bei uns fein geteilt.

Aber man findet auch sehr kritische Stimmen im Blätterwald – man muß da nur gründlicher suchen und die seitenlange Aufschwungpropagande meiden. Dann findet man solche Perlen wie Meinhard Miegel im Tagesspiegel:

Aber auch dieser Aufschwung beruht ganz wesentlich auf Schulden. Etwa die Hälfte des Aufschwungs ist global betrachtet über Schulden finanziert. Noch nie in der Geschichte waren die Staaten so hoch zugunsten der Wirtschaft verschuldet wie gegenwärtig. Schauen Sie sich die USA an: Da werden irrsinnige Summen in die Wirtschaft gesteckt, damit es überhaupt weitergeht. Das gilt aber auch für die europäischen Länder. Von Japan ganz zu schweigen. Und diese Länder haben ja derzeit noch ein deutlich geringeres Wachstum als Deutschland.

Aha. Jetzt können wir auch erahnen, wo unsere Horror-Staatsverschuldung herkommt. Schön, das man nebenbei auch mal davon etwas erfährt. Die brauchten wir um Geschäftemacher zu glänzenden Verdiensten zu verhelfen. Erinnert irgendwie an Tunesien, oder?

Dort wird auch die Bundeswehr im Inland eingesetzt … also, nicht unsere Bundeswehr, sondern die tunesische Armee. Das würde vor allem der Schäuble gerne auch hier, um zu verhindern, das es ganz schlimm kommt.

Ganz schlimm kam es zum Beispiel laut Spiegel in „Skatopia“:

Strippen, saufen, Sinn suchen: Mitte der neunziger Jahre gründete eine Handvoll Lebenskünstler in den USA ein Paradies für Aussteiger, Skater und rebellische Teenies. Sie schufen einen utopischen Mini-Staat, geführt von einem tätowierten Diktator und CIA-Agenten, die Autos anzünden.

Das waren natürlich unhaltbare Zustände, erst recht, wenn man die Details bedenkt:

Doch das vielleicht Erstaunlichste an diesem Ort ist, dass all dieses Chaos aus Blut, Exzess und Anarchie auf eine seltsame Weise zu funktionieren scheint. All die Jahre gab es keine Toten, keine Vergewaltigungen, keine Schwerverletzten. Denn so martialisch diese seltsame, utopische Welt auf einem Acker in Ohio auf den ersten Blick auch wirkt – was sie ihren Bewohnern wirklich gibt, hat nichts mit Krieg zu tun. Im Gegenteil: Sie finden Frieden.

Keine Toten, keine Vergewaltigungen, keine Schwerverletzten … sogar FRIEDEN … davor kann uns nur die Bundeswehr im Inneren schützen. Das ist mir jetzt auch klar.  Ich sehe schon den Satz vor mir:

Die Bundeswehr macht landesweit Jagd auf  Journalisten, Blogger und Rechtsanwälte. Die Polizei schirmt das Gebiet weiträumig ab„.  Na, wie gut, das sich ein Großteil der ehemaligen Säulen des Rechtsstaates in erster Linie um  ihren erstklassigen Alphatierauftritt sorgen. Wohl auch ein Grund, weshalb die Proteste in Tunesien so richtig nicht interessieren. Dabei … scheinen die dort die gleichen Probleme zu haben wie wir.  Nur nebenbei bemerkt: Jugendarbeitslosigkeit in Spanien stieg von 2008 bis 2009 laut Statista von ca 30% auf 44,5 %.

Die Arbeitslosenquote in Tunesien beträgt 13,9%.  Wir haben momentan 3 Millionen Arbeitslose, das entspricht 7,2 %.  Dann haben wir noch knapp sieben Millionen Hartz IV-Empfänger, die auch keine Arbeit haben aber irgendwie nicht als Arbeitslose zählen. Wir schaffen also real doch … locker 13,9%.

Tunesische Verhältnisse in Deutschland.  Sieht auch der Spiegel so:

Die deutsche Wirtschaft boomt – und auch das Geldvermögen der Bundesbürger wächst rasant. Die Verluste aus der Finanzkrise sind laut einer DIW-Studie inzwischen komplett ausgeglichen. Davon profitieren besonders die Reichen: Noch nie gab es hierzulande so viele Vermögensmillionäre.

Da bleibt nur zu sagen: hoffentlich steckt sich hierzulande keiner an.


Wutbürger und die Aufgabe des Journalismus in Fassadendemokratien während des „Systemcrashs“

Heute ist mal wieder beten angesagt, jene letzte menschliche Tätigkeit, die immer dann mit Begeisterung ausgeführt wird, wenn die menschliche  Vernunft die Seele und den Leib wieder gezielt in einen bleiverseuchten  Schützengraben geführt hat, wo einem Granatsplitter und Leichenteile nur so um die Ohren fliegen. Soll ja auch oft helfen, dieses beten – wenn ich an die ganzen Dankschildchen denke, die unsere Eifelkapellen verzieren, scheint das manchmal gut zu funktionieren.

Zwei Großmächte steuern nach sechzig Jahren UNO und Friedensdiplomatie offen und mit Plan frontal aufeinander zu – aber nur den Autoren des Handelsblattes ist dies eine Nachricht wert:

Die Spannungen zwischen beiden koreanischen Staaten nehmen weiter zu. Wegen geplanter südkoreanischer Schießübungen nahe der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer drohte Nordkorea dem Nachbarn. Nordkoreas Militär werde „gnadenlos“ zurückschlagen, sollte die Grenze zu seinem Hoheitsgewässer verletzt werden, warnte das Außenministerium in Pjöngjang am Samstag. Trotz der Warnungen will Südkorea an seinem Manöverplan festhalten. China und Russland wollten sich bei einer Sondersitzung des UN- Sicherheitsrats noch am Sonntag um Entspannung bemühen.

Die Nachricht, das Südkorea aktuell ein chinesisches Fischerboot versenkt hat, finde ich gar nur in der Blogosphäre bei „Alles-Schall-und-Rauch„:

Die Mannschaft eines chinesischen Fischtrawler wurde von einem südkoreanischen Patrouillenboot angegriffen und das Schiff versenkt, dabei wurde der Kapitän getötet und zwei Fischer werden noch vermisst. Der Zusammenstoss ereignete sich beim Versuch chinesische Fischerboote am angeblich illegalen Fischen ab der Südwestküste von Südkorea zu hindern. Das Ereignis fand 72 Meilen ab der Insel Eocheong statt.

Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Südkorea greift chinesisches Fischerboot an http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/12/sudkorea-greift-chinesisches.html#ixzz18dPq4BcM

Vielleicht erklärt das den Konsumrausch der Bürger zu Weihnachten: man weiß, das sparen und wirtschaften keinen Sinn mehr macht, also haut man lieber heute als morgen alles auf den Kopf. Ist ja auch ein Erfolgt der Agenda 2010: wer fleissig gespart hat und dann einer Übernahme zum Opfer fiel, der durfte ja erstmal sein mühselig Erspartes verbrauchen, bevor die ARGE unterstützend eingriff. Wer alles vorher versoffen hatte, war eindeutig der Gewinner. Dabei sieht die Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt nicht rosig aus, eine riesige Kapitalmenge sucht laut Spiegel kurz vor der Geldentwertung noch reale Werte zu ergaunern:

Drei Billionen Dollar – diese gigantische Summe geben Firmen weltweit für Übernahmen aus, schätzen Experten. Auch in Deutschland wird jetzt spekuliert: Ist Hochtief erst der Anfang? Welches Unternehmen könnte noch attackiert werden? Erste Namen kursieren bereits, darunter große Dax-Konzerne.

Das sind exakt jene Dollar, die die FED in den USA permanent druckt, damit die US-Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Irgendeinen realen Wert haben diese Scheine schon lange nicht mehr, also gilt es, sie zu Gold zu machen, bevor das jeder merkt.

Eigentlich hätten wir Bürger niemals wieder in eine solche Situation kommen dürfen: immerhin ist Demokratie weltweit der angesagte Renner. Demokratien stehen für Frieden, Wohlstand und Fortschritt – das habe ich in der Schule gelernt. Nur Diktaturen greifen andere Länder an, das habe ich in der Schule gelernt. Wie ich das der Bevölkerung von Vietnam, Kambodscha, Panama, Grenada, Jugoslawien, Irak oder Afghanistan verkaufen sollte, weiß ich nicht. Entweder stimmt der Satz nicht – dann stimmt aber das positive Menschenbild nicht.  Oder aber … es gibt nur noch Fassadendemokratien, die im Kern schon längst ganz anders regiert werden.

Den Eindruck könnte man bekommen, wenn man sich die Politik der Länder anschaut – oder die Auswüchse journalistischen Arbeitens, die Karl Weiss beschreibt:

Was heute offizieller Journalismus ist, das erfüllt nicht die geringsten Anforderungen an wirklichen Journalismus, es werden nur ungeprüft Agenturmeldungen herausgehauen und die Agenturmeldungen selbst sind hauptsächlich „Entertainment“ oder Bestätigungen von vorherrschenden Vorurteilen oder so verkürzte Darstellungen, dass von Information nicht die Rede sein kann. Wirklich investigativer Journalismus, wie ihn Michael Moore bringt oder wie es die Veröffentlichungen von Wiki Leaks darstellen, ist sowieso so selten, dass Sie alle diese Journalisten an den Fingern einer Hand abzählen können.

Hintergrund seines Urteils ist: die Aufdeckung einer gezielten Verleumdungskampagne gegen Michale Moore, die selbst nach ihrer Aufdeckung durch Wikileaks in breiter Front fortgeführt wurde. Die leise Tyrannei des monatlichen Gehaltschecks macht es möglich – und es würde auch zu dem Anfangsverdacht passen, das wir uns langsam aber sicher in eine Fassadendemokratie verwandeln, die mitlerweile mittels Lobbyisten in den inneren Kern jeder staatlichen Machtausübung gelangt sind.

Es fragt sich nun, welchen Sinn es eigentlich macht, tagtäglich den Wahn wahrzunehmen, zu beschreiben und die Beschreibung zu verbreiten. Sinnvoller wäre es doch, sich ein gemütliches Leben zu machen und genau dieses Leben so lange zu genießen, bis es eben nicht mehr geht: das Modell Epikur.

Dort, wo Journalismus nur noch Agenturmeldungen nachplappert und mit aller Gewalt den Fassadenputzer erodierender Demokratien darstellt, ist es wichtig, das die Bürger selbst Informationen verbreiten. Früher waren solche Ort die Eckkneipe, der Tante-Emma-Laden, der Sportverein – oder man nagelte einfach Thesen an Kirchtüren. Seitdem hat sich einiges verändert. Es gibt das Internet, das die Eckkneipe und den Tante-Emma-Laden mehr als ersetzen kann – jedenfalls in dieser Hinsicht. Auch die klassische Methode der Flugblätter hat hier eine sinnvolle Ergänzung gefunden, ebenso die Möglichkeit, schnell und problemlos Bürgerversammlungen einberufen zu  können.

Während der Fassadenjournalismus – von seinen eigenen Versorgungsängsten geplagt – sich überall dort als Verputzer der Fassade andient, wo gutes Geld geboten wird, wird es wieder Zeit für die Bürger, die Aufgabe der Information selbst in die Hand zu nehmen um für Aufklärung zu sorgen. Das fällt uns schwerer als hauptamtlichen Meinungsbildnern, weil wir nebenbei noch ein eigenes Vollzeitleben zu führen haben – aber wenn wir als Bürger noch eine Chance haben wollen, geht kein Weg daran vorbei.

Es gibt eine Mehrheit in jedem Volk für Frieden und Wohlstand – und mit etwas Mühe auch für Gerechtigkeit. Friede und Wohlstand sind die Grundlagen menschlichen Zusammenlebens, wo Krieg und Mangel herrschen, kann nichts gedeihen. Das sind Wahrheiten, die von rechts außen bis links außen eine gemeinsame Grundlage bilden (mal von der Sondermeinung psychopathischer Individuen, die sich in Krisenzeiten immer gerne als Führungspersönlichkeiten in den Vordergrund spielen, mal abgesehen). Schützengräben sind für alle Bürger – gleich welcher politischen Richtung oder religiösen Ausprägung sie auch sein mögen – äußerst ungesunde Orte. Bürger meiden sie normalerweise von sich aus – niemand macht gerne Urlaub in Krisengebieten.

Man kann und darf deshalb darauf vertrauen, das der Mensch als solcher eine andere Zukunft will als jene, in die er gerade hineingetrieben wird – um aber zu merken, das er nicht völlig machtlos einem blinden Schicksal ausgeliefert ist, muß er erkennen, das es ganz viele Menschen gibt, die auch nur im Kreise ihrer Lieben in Ruhe alt werden wollen – und das diese Menschen weltweit die absolute Mehrheit bilden.  Doch dazu ist es notwendig, hinauszugehen und sich mitzuteilen – in die Eckkneipe, den Tante-Emma-Laden, auf dem Marktplatz oder eben in sein modernes Äquivalent: dem Internet, dem größten Marktplatz der Welt.

Ebenso ist es notwenig, an der Fassade zu kratzen, denn was hinter der Fassade lauert, kann Hoffnung geben, wie hier bei sein.de:

Der renommierte Wiener Wirtschaftsprofessor Franz Hörmann ­kritisiert die Wirtschaftswissenschaften als politische Propaganda, hält das aktuelle System für gescheitert und erwartet einen fundamentalen Systemwechsel. Der Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien ist fachlich allgemein akzeptiert und beispielsweise Mitglied im Prüfungsausschuss für Wirtschaftsprüfer. Allerdings hat er es gewagt, in einem „Standard“-Interview unser derzeitiges Finanz- und Wirtschaftssystem als ausgedient zu qualifizieren, die Wirtschaftswissenschaften als unwissenschaftlich bzw. als „politische Propaganda“ und die Banken als Betrugssystem zu bezeichnen. Nicht zuletzt steht für Hörmann der finale Systemcrash unmittelbar bevor, vielleicht schon im kommenden Jahr.

Franz Hörmann: Die zurzeit im globalen Wirtschaftssystem beobachtbare Entwicklung stellt meiner Meinung nach keine singuläre, unvorhersehbare Katastrophe dar, die in absehbarer Zeit überwunden werden kann, wobei dann wieder die alten Spielregeln der sogenannten freien Marktwirtschaften gelten. Vielmehr kann die seit Jahrtausenden geübte Praxis der monetären Steuerung einzelner Menschen ebenso wie ganzer Gesellschaften nicht mehr länger aufrechterhalten werden. Ich denke, es handelt sich bereits um die finale Systemkrise und nicht nur um ein vorübergehendes, von Politik und Finanzelite zu lösendes Problem. Wir benötigen daher dringend andere Grundlagen für ein globales, nachhaltiges Gesellschaftssystem.

Die wichtigste Voraussetzung dafür ist zunächst eine ehrliche und tabulose Information sowohl der Finanzeliten als auch der breiten Bevölkerung. Einerseits müssen die Verlust­ängste an der Spitze der Gesellschaftspyramide verstanden und gedämpft werden, andererseits müssen wir verhindern, dass die einfachen Menschen in ihren bisherigen Eliten plötzlich nur noch Gauner und Betrüger sehen und offene Feindseligkeiten ausbrechen.

Aufgabe des Journalismus wäre, die Bürger auf diese Möglichkeit vorzubereiten und Plattformen für Gemeinschaften zu bilden, damit uns das Ende des Systems nicht unvorbereitet trifft. Was geschieht allerdings? Die Fassadenjournalisten rufen offen zur Tötung jener aus, die sich einfach der ehrlichen und tabulosen Information verschrieben haben, wie der Standard berichtet:

In der Sendung „Follow the money“ sprach sich Beckel offen für die Beseitigung Assanges aus. „Wem schadet das: den amerikanischen Bürgern. Die Art und Weise, wie man mit dieser Situation umgehen sollte, ist simpel: Wir haben Spezialeinsatzkräfte – ein toter Mann kann keine Sachen veröffentlichen. Dieser Typ ist ein Verräter, ein Verräter, hat jedes Gesetz der USA gebrochen. Der Typ sollte… – und ich bin nicht für die Todesstrafe – ..so ich würde den Hurensohn (illegal) erschießen.“ Zuspruch erhielt Beckel von Analyst Bo Dietl und Kolummnist Joel Mowbray. „Dieser Typ muss weg“, so Dietl.

Er hat zu sehr an der Fassade gekratzt, die allerdings laut Wirtschaftsfacts sowieso nicht mehr lange aufrecht erhalten werden kann:

Auf Basis eines beständig steigenden Armutsniveaus blicken Millionen von Briten dem Risiko eines Zahlungsausfalls auf ihre Schulden entgegen. Die Regierung wird deshalb bereits seit geraumer Zeit durch verschiedene Organisationen dazu aufgerufen, lokale Banken und Kreditgeber unter Kontrolle zu bringen, die riesige Profite auf dem Rücken der ärmsten Gesellschaftsschichten erwirtschaften. Ab Januar 2011 wird die Regierung überdies mit der Ausgabe von Gutscheinen bzw. Lebensmittelmarken beginnen, um die wachsende Anzahl an Notdürftigen mit einem Minimum an Lebensmitteln zu versorgen.

Gelingt es, die tabulose Aufklärung so weit wie möglich zu verbreiten, gibt es eine gute Chance, dem Wahn auch ohne Kriege ein Ende zu setzen. Geht keiner mehr hin, macht keiner mehr mit, ist der Wahnsinn schnell zu Ende … lauschen wir dazu nochmal Professor Hörmann:

Das hängt davon ab, wie die Bevölkerungsmehrheit diesen Zusammenbruch erlebt und ob er von diesen Menschen tatsächlich als „Zusammenbruch“ (also Crash im negativen Sinne) oder vielleicht sogar eher als positive Entwicklung im Sinne einer Befreiung der Individualität, Kreativität und Spiritualität erfahren werden kann. Wenn wir den einfachen Menschen zeigen, dass Kooperation bessere Resultate zeitigt als Konkurrenz, und ihnen zugleich mehr Entscheidungsfreiheiten (z.B. im Bereich der Zeiteinteilung, Beschäftigungsinhalte, Gestaltung des sozialen und technischen Umfeldes etc.) zugestehen, dann können wir tatsächlich die Chance in der Krise sehen und die längst überfällige Transformation der westlichen Gesellschaft vollziehen.

Gelingt es nicht, in kurzer Zeit möglichst viele Bürger wachzurütteln und zu Wutbürgern werden zu lassen, die gemeinsam konstruktiv an einer lebenswerten Zukunft arbeiten möchten … bleibt halt – wieder mal –  nur noch das Gebet.




Der kommende Aufstand

Man findet in den Medien ja auch mal klare Worte – wenn man will. Verstörende Worte, die nicht zu den üblichen Aufschwungparolen passen. Zum Beispiel gestern in der WELT:

Schon jetzt steht Deutschland mit einer prognostizierten Gesamtverschuldung von 1,884 Billionen Euro an der Spitze der europäischen Schuldenstaaten. Sollte die Wirtschaft einbrechen, wäre das eine unbezahlbare Hypothek.

Das sind Sätze die man gerne hört. Sie erklären die Aufschwunghysterie: wir können es uns gar nicht mehr erlauben, ohne Aufschwung auszukommen, dürfen uns schon längst nicht mehr erlauben, ihn auch nur im geringsten Maße zu bremsen, obwohl auch das wahrscheinlich nicht mehr ausreichen wird:

Gleichwohl dürfte es unmöglich sein, von diesem Schuldenberg wieder herunterzukommen. „Allein um die deutschen Rettungsmaßnahmen nach der Finanzkrise zu bezahlen, wäre in den kommenden 15 Jahren ein Wachstum von deutlich mehr als sechs Prozent pro Jahr erforderlich“, rechnet Michael Müller vor, früherer SPD-Staatssekretär im Umweltministerium. Solche Erwartungen aber sind geradezu illusorisch. Denn zwischen 1998 und dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 wuchs die deutsche Wirtschaft jährlich im Schnitt um gerade mal 1,5 Prozent. In den sechziger Jahren, also zur Zeit des Wirtschaftswunders, waren es 4,5 Prozent.

Das heißt: wir Deutschen sind pleite. Bankrott. Und hatte noch nicht mal was davon:

In Deutschland gibt es seit bald zwei Jahrzehnten keinen nachhaltigen Konsum, der nennenswert über das existenziell Notwendige hinausgeht. Der Grund hierfür sind Einkommen, die deutlich hinter der konjunkturellen Entwicklung zurückblieben. Obwohl Deutschland Exportweltmeister ist und zu den reichsten Ländern der Erde zählt, wuchs die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich. „Seit dem Jahr 2000 haben in Deutschland Einkommensungleichheit und Armut stärker zugenommen als in jedem anderen OECD-Land“, heißt es in einem OECD-Bericht aus dem Jahr 2008.

Wer meint, die Renten sind sicher, der irrt, zumindest, wenn er Beamter ist

Da sind die gewaltigen Pensionslasten für die Beamten, für die bislang kein Cent zurückgelegt wurde, noch gar nicht eingerechnet

Dazu passen zwei weitere Meldungen in der gleichen Zeitung vom gleichen Tage. Die erste hier:

Das Haushaltsdefizit des Bundes ist in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf 49,4 Milliarden Euro gestiegen. Damit war die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben um 16,1 Milliarden Euro größer als im Vorjahreszeitraum. Dies teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nach vorläufigen Ergebnissen mit.

Die zweite hier:

Immer mehr Menschen gehören zu den Empfängern von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld – ein Viertel davon sind Kinder unter 15 Jahren.

Normalerweise wären das Fakten, die man dem Bürger jeden Tag um die Ohren hauen müßte, damit er zu Besinnung kommt und Politik und Wirtschaft in die Pflicht nimmt, nicht nur Beiträge zur Selbstbereicherung einzustreichen sondern ihren Beitrag zur Lösung des Problems zu liefern – am liebsten in Bargeld. Andererseits darf man das nicht zu laut sagen, weil sonst auch noch das letzte Privatgeld ins Ausland geht und sich dort in Luft auflöst.

In diese Zeiten, die – nach nur einer Ausgabe der WELT zu urteilen – mehr als düster und vor allem scheinbar zu Ende sind, fällt eine Schrift, über die ich andernorts schon mal geschrieben habe und die in derselben Ausgabe der WELT zu einem denkwürdigen Kommentar führt.

In Frankreich hat ein „Unsichtbares Komitee“ eine Hetzschrift gegen Metropolen veröffentlicht. Damit treffen die Extremisten offenbar den Nerv der Zeit.

Dieses Pamphlet, getragen von schneidender Verachtung und von der Gewissheit, dass die Städte, in denen wir leben, nichts Besseres verdient haben, als auf der Stelle in Brand gesteckt zu werden, verkündet eine einzige diagnostische Botschaft:

Das Leben ist ganz fürchterlich, und zwar ausnahmslos jedermanns Leben; wer etwas anderes glaubt, macht sich bloß etwas vor. Woran immer die Menschen Spaß haben, es ist in Wahrheit bloß ein Narkotikum, das sie davon abhält, mit der Wahrheit in Kontakt zu treten – jener Wahrheit, dass nichts mehr geht.

Offenbar sollte man die Wahrheit des unsichtbaren Komitees ernster nehmen, denn das bald „nichts mehr geht“ scheint auch die Wahrheit der anderen WELT-Autoren zu sein. Wie es momentan aussieht, werden wir ein Volk von Hartz IV – Beziehern, denen man letztendlich die Leistungen komplett streicht, weil „kein Geld mehr da ist“.

Auch die Unterhaltungselite gerät in die Kritik:

die Milieus der Literaten, Journalisten, Sportler und Künstler „mit ihrem Getratsche und ihren informellen Hierarchien, jedes einzelne von ihnen beauftragt, eine Wahrheit zu neutralisieren“

was dann letztlich den Zorn des Autors aufkommen läßt:

Hin und wieder versucht man, sich die Menschen zu dieser grimmigen Stimme auszumalen, aber diese Vorstellung ähnelt einem Wackelbild, aus dem einem alle möglichen Gesichter entgegenspringen. Spricht da ein muffiger Rentner, der mit all dem neumodischen Teufelszeug nichts anfangen kann?

Ein von seinem Job angeekelter Werbetexter, der endlich für etwas Fundamentaleres Propaganda machen will? Ein gewaltig untervögelter Philosophiestudent, der sich vorgenommen hat, der entfremdeten Welt mal ordentlich die Leviten zu lesen? Ein Kabarettist, ein Taxifahrer?

Die Hilflosigkeit, mit der man versucht, diese Schrift einzusortieren, hat etwas verstörendes an sich, verstörend deshalb, weil doch nicht das unsichtbare Komitee das Problem ist – sondern die Wirklichkeit, die sie beschreiben. Bis gestern hätte ich nicht gedacht, das diese kleine Schrift nochmal in mein Leben tritt – aber sie scheint weite Kreise der medialen Welt zu beunruhigen.

Ob nun Süddeutsche Zeitung, die mit eindeutigen Anweisungen für Ordnung sorgt (Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum es falsch wäre, den „Aufstand“ als antimodernes Pamphlet abzutun), die FAZ, die der linken Revolution ein schnelles Ende voraussag (Eine kollabierende öffentliche Ordnung würde nicht von Deleuze lesenden Kommunarden verbessert, sondern durch eine Mafia regiert. Wenn die Züge nicht mehr fahren, folgt nichts Besseres. Nach dem kommenden Aufstand kommen die schwarzen Geländewagen) oder die TAZ, die sich empört, das das alles nicht richtig links ist (Der kommende Aufstand ist linke Erlösungsfantasy mit rechten Elementen. Das mögen viele immer noch nicht erkennen).

Was man merkt ist: der Journalist sieht seine Deutungshoheit in Gefahr. Was man aber in zweiter Linie merkt ist – die kleine Schrift scheint Angst zu machen. Angst davor, das sie die Wahrheit beschreiben? Eine Wahrheit, die man tagtäglich in den eigenen Magazinen nachlesen könnte und die man gerne so formuliert, das sie möglichst positiv klingt?

Die öffentliche Ordnung wird nicht zusammenbrechen, weil Kommunarden den Strom abstellen, sondern weil Banken die Zahlungen einstellen. Das ist doch die Botschaft der Artikel in der WELT heute: Deutschland ist pleite und daran wird sich auch nichts ändern. Aller künstlicher Jubel über wenige Arbeitslose, steigende Steuereinnahmen und Rekordexporte kann die Wahrheit nicht mehr vertuschen: das Land ist pleite und wird es bleiben.

Noch was aus der TAZ und der dort weltbewegend wichtigen Schlacht über die korrekte Einordnung der Schrift in ein rechts/links Schema?

Noch weiter versteigt sich Alex Rühle in der SZ. Weitgehend kritiklos bestaunt der Internetverweigerer den „düsterrevolutionären Zorn“ des Buches, seine „Aura der Hellsichtigkeit“ und seine „heroische Melancholie“. Gerade die darin vertretene „Partizipationsverweigerung“ sagt ihm zu. Sein Urteil lautet kurz, es handele sich um „ein Weißbuch des Überlebens in stürmischen Zeiten“. Und auch zu weiteren Entgleisungen lässt er sich verleiten: „Das System“, schreibt er, „ist überall, fast wie Gas ist es noch in die letzten Ritzen des Privatlebens gedrungen.“

Ein „Weißbuch des Überlebens in stürmischen Zeiten“ wäre notwendig – wenn die Zeiten stürmisch werden. „Überleben“ als solches ist auch erstmal weder „rechts“ noch „links“. Man beruft sich als „Linker“ gerne auf Werte wie „Freiheit“ „Gleichheit“ „Brüderlichkeit“ – was aber  ist, wenn diese Werte die Abkehr von der Maschinenkultur fordern? Was ist, wenn diese Maschinenkultur, die seit über hundert Jahren Rohstoffe in Müllberge und Landschaften in Betonwüsten verwandelt, als solche nicht überlebensfähig ist? Was, wenn immer mehr junge Menschen „aus bestem Hause“ gerade zu diesem Ergebnis kommen und in der Großstadt das Symbol jener Entwicklung sehen, die ihnen die Zukunft stiehlt … und sich aufmachen, sich einfach selbst eine Zukunft zu sichern?

Wenn der König zum Bauern wird, wird´s für den Höfling ungemütlich, das kam mir in den Sinn, als ich die Kommentare las. Und ich fragte mich: lesen die die anderen Artikel in ihren eigenen Zeitungen nicht – und erwarten die dasselbe von den anderen Lesern? Zeitungskauf wird (Partei)Spende für Meinungsverbreitung – kann man den Prozess dann nicht effektivieren und das Drucken ganz sparen? Ich denke, wären da nicht die Werbeeinnahmen,  würde man darüber schon nachdenken.

Dabei ist die Grundaussage des „unsichtbaren Komitees“ nicht neu, „Nur Stämme können überleben“ war schon in den siebziger Jahren bekannt. Vielleicht merken das jetzt immer mehr, ebenso wie immer mehr merken, das die Fleischtöpfe weniger werden – auch für Journalisten.  Und das macht dann Angst.

Nachrichtenspiegel-online, der Eifelphilosoph und das Fernsehen: über Blogger und Journalisten

Ich bin – persönlich – gerührt und dankbar für die Einladung von  Medienvertretern, persönlich im Fernsehen auftreten zu sollen … erst recht wenn es der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist.  Dankbar vor allem, weil es mich dazu genötigt hat, mir wieder einmal grundsätzliche Gedanken zu machen über unser Bloggermagazin und welche Stellung wir eigentlich in der Welt einnehmen sollten.

Sinn des Nachrichtenspiegel-online ist, eine Reflexion von  Nachrichten vorzunehmen. Ich persönlich ziehe einen großen Nutzen aus „alternativen“ Medien. Ich folge nicht sklavisch den Verschwörungstheorien, die dort kursieren, nehme aber ihre Gedankenansätze interessiert wahr, weil ich mir über die Unfreiheit des klassischen Journalismus in der Welt der Korporatokratie im Klaren bin, nur halt nicht im jeden Moment berechnen kann, welche Rücksicht bei der Formulierung der Nachricht gerade genommen wurde oder in welche Richtung mich der Lotse gerne schicken würde. Ich selbst würde dort wohl auch nicht freier schreiben – weiß aber andererseits auch, das die Formulierung alternativer Positionen zur eigenen politischen Willensbildung wichtig ist.

Im Rahmen von Managerschulungen habe ich sogar mal die Nützlichkeit von „Tarotkarten“ und ihren Legesystemen in dieser Hinsicht herausgestellt … nicht, das die dort gelegten differenzierten Informationsmuster die Zukunft oder verborgene Wahrheiten enthüllen – aber sie fordern einen selbst zu einer deutlichen Stellungnahme heraus … zu einer deutlichen begründeten Absage zu den angedeuteten Tendenzen hinsichtlich der Entwicklung der Gesellschaft, des eigenen Lebens und der politischen Wirklichkeit oder aber zu einer begründeten Zustimmung.

Insofern bleibe ich auch relativ ungerührt durch Nachrichten, die weit über den Tellerrand hinausgehen, horche aber in diesem Bereich gerne hinein, weil UFO-Nazis in der Antarktis einen gedanklich genauso herausfordern wie die willkürlichen Legemuster von Tarotsystemen.

Geschult in den Gedankenwelten des Rationalismus (der angeblich die Grundlage unserer westlichen Zivilisation ist) kenne ich die Begrenztheit dieses Systems – das sich ansonsten als unbegrenzt wahrheitsfindend präsentiert – sehr gut, ebenso wie die Möglichkeit, dieses System jeder beliebigen Wahrheit unterzuordnen.

Rational kann ich die Existenz von Totengeistern in Bielefeld ebenso beweisen wie die Tatsache, das es diese Stadt gar nicht gibt.

„Verschwörungstheorien“ als solche spielen gerade mit dieser Schwäche des Rationalismus, der nämlich einfach als solcher wirklich alles beweisen kann – auch die UFO-Nazis in der Arktis, die ja nicht als empirische Beobachtung in den Geschichtenkreis der Welt getreten sind sondern als rationale Schlußfolgerung (mit großen Fehlern in der Beweisführung, nebenbei bemerkt – was bei „Nazi-Ufos“ nicht weiter verwundern sollte).

Darum ist der Leitfaden der Wirtschaft – „even the worsest case“ – (eine Frage, der man sich im Prinzip als Bürger bei jeder Kreditaufnahme stellen muß oder von der Bank gestellt kriegen sollte) auch im Nachrichtengeschäft sinnvoll angewendet, zumal der nachrichtenverzerrende Charakter resultierend aus der umfangreich nötigen Rücksichtnahmen bekannt ist und gerade jetzt durch Wikileaks besonders an die Oberfläche und ins Bewusstsein tritt – einfach  nur weil die umfängliche Rücksichtnahme  hier mal ausgelassen wurde.

Die Blogger, die sich hier in diesem Bloggermagazin versammelt haben, sind sich – so mein Eindruck – dieser Tatsache bewußt. Wir kennen uns kaum persönlich und waren weitgehend auch die Anonymität untereinander, wir sind mit Sicherheit politisch nicht einer Meinung noch eignen wir uns persönlich dazu, brüderlich grölend durch Innenstädte zu ziehen, aber wir haben eine erkennbare Gemeinsamkeit: eine kritische Distanz zu den Informationen des bezahlten Medienbetriebs.

Würden wir bereit stehen, im Fernsehen oder Zeitungen aufzutreten und in Folge persönlichen Kontakt zu den Menschen zu knüpfen, deren Nachrichten wir kritisch spiegeln, so würde das unsere Perspektive automatisch verzerren. Im Rahmen der Pharmaindustrie habe ich gelernt, das der persönliche Kontakt das entscheidende Instrument zur Manipulation von Ärzten ist – nicht nur die geschönte Botschaft. Aus diesen Gründen wäre für uns als Blogger der „Bundespresseball“ und ebenso alle anderen gesellschaftlich einbindenden (und in letzter Konsequenz verpflichtenden) Auftritte Gift für unseren Job, den wir nur dann gut machen können, wenn wir selber so weit draußen wie möglich bleiben. Insofern – um bei dem Beispiel zu bleiben – sind wir wie jene (selten anzutreffenden) Ärzte, die jeden Kontakt zu Pharmareferenten ablehnen, um ihre Unabhängigkeit absolut sicher zu stellen.

Und darum wird es einen „Eifelphilosophen“ nie im Fernsehen geben dürfen – würde man ihn dort sehen, wäre er sofort sinnlos.

„Wer zahlt, befiehlt“ … und wer mich einlädt, Flug, Unterkunft und Essen bezahlt, könnte auf die Idee kommen, mir Sichtweisen nahezulegen, die ihm selber nützen. Und ich als Mensch könnte – aus rein menschlichen Gründen – auf die Idee kommen, mich durch eine gewisse Gewogenheit dem edlen (und gutmeinenden) Spender gegenüber unkritischer zu verhalten.

Das darf nicht geschehen.

Aus den gleichen Gründen habe ich persönlich alle Kontakte zu Menschen einschlafen lassen, die im Medienbereich tätig sind – und achte auf begrenzte Anonymität, um nicht zufällig wiedergefunden zu werden. Die Rolle „Eifelphilosoph“ ist nicht kompatibel zu anderen Rollen – und sich absichtlich in Rollenkonflikte zu stürzen, bringt nur Magenschmerzen und keinen Nutzen.

Die geringen Kosten des Mediums Internet erlauben eine solche – arrogante – Haltung, die sich Menschen, die von dem Geschäft leben müssen, nicht leisten können. Letzteres darf – nebenbei bemerkt – aber nicht zu einer Verurteilung der Sold-Journalisten führen. Blogger – und andere „Graswurzel“- und „Bürgerjournalisten“ liefern nicht automatisch bessere Nachrichten. Sie können sich eine kritischere Distanz zu gelieferten Nachrichten erlauben, die dem journalistischen Söldner als Preis für die gute finanzielle Versorgung und den professionelleren Zugang zu Informationen abhanden gekommen ist.

Um sich diese kritische Distanz erlauben zu können, muß man diszipliniert Abstand wahren – von der Verführbarkeit durch Ruhm, Anerkennung, Ehre, Geld und „Quote“, denn das hat uns schon genug Unfug beschehrt – „wetten dass“?

Was dem Soldjournalisten vielleicht helfen könnte (und die Bloggerei nicht mehr als Bedrohung für den Job erscheinen läßt), ist die Vorstellung, das dieser Ort hier (wie andere auch) der Ort für unzensierte Leserbriefe ist – und somit ein Ort, an dem man authentischen Bürgern bei der Meinungsbildung zuschauen und sehen kann, was man mit seinen eigenen Nachrichten so anrichtet.

Insofern – sind wir eine logische Fortentwicklung der Nachrichtenwelt. Der reitende Barde wurde auch irgendwann überflüssig, als man vom Nachbarn durch die Zeitung erfahren konnte, was beim Fürsten nebenan so los war.  Der Barde selbst – der dadurch eine Festanstellung bekam, die ihm erlaubte, witterungsunabhängig zu arbeiten – war über die Entwicklung sicher nicht traurig. Hier … organisieren sich die Leser von Nachrichten – und ich möchte an dieser Stelle vor einer Entwicklung warnen, die sich mancherorts abzeichnet und in politischen Bloggern eine Konkurrenz sieht. Diese Entwicklung würde letztlich dazu führen, das man eine Zeitung noch kaufen (für sehr viel mehr Geld als bisher, wenn ich die Ansprüche des „Qualitätsjournalismus“ ernst nehme) aber auf gar keinen Fall mehr lesen soll – geschweige denn sich über das Gelesene Gedanken machen und darüber mit dem Nachbarn reden. In letzter Konsequenz … wäre dann auch der „Qualitätsjournalismus“ überflüssig und man könnte gewünschte Wahrheiten gleich durch das Innenministerium und die „Experten“ anordnen lassen, um ganz sicher zu gehen, das kein „geistiges Eigentum“ unrechtmäßig verteilt wird.

Wer das möchte … wird den Jugendmedienschutzstaatsvertrag als Waffe gegen die Leser mißbrauchen und so die demokratische Zivilgesellschaft weiter untergraben. Und er wird Wikileaks mit Gewalt ausrotten wollen … was ja – überraschenderweise (?) –  auch gerade passiert. Und weil das Folgen für alle hätte, findet man diesen Beitrag in der Kategorie „Politik“ und nicht in der Kategorie „Medien“.

Wikileaks und Journalisten als geistige Führer der Menschheit

Am 3. November 2009 erschien im österreichischen Standard ein Artikel über die Zukunft des „Qualitätsjournalismus“.  Der „Journalist“ macht sich Sorgen über seine Konkurrenz aus dem Internet, das sich frecherweise erlaubt, ohne Rücksicht auf Chefredakteur, Werbepartner und Befindlichkeiten der Regierungspartei einfach so Informationen zu verbreiten.

Die Konsequenzen, die aus dieser Tatsache gezogen werden, werfen ein interessantes Licht auf die Sichtweise der bezahlten schreibenden Zunft.

Vielmehr müsse die journalistische Qualität als professionelles Handwerk betrachtet werden: „Wir wollen auch nicht von ‚Bürgerpiloten‘ nach Mallorca geflogen werden oder von ‚Bürgerchirurgen‘ operiert werden“

Das meint jedenfalls Christoph Fasel, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Hochschule Calw, bei einer Tagung der US-Botschaft und des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Wien. Dazu müsste die Zeitungen jedoch auch angemessen auf die aktuelle Medienkrise reagieren, die Qualitätszeitungen müssten deutlich teurer werden.

Qualitätsnachrichten werden also nur noch für Besserverdienende? Oder denken Professoren, die wie Arbeitslose von „öffentlichen Almosen“ leben, nicht mehr über die eigene Brieftasche hinaus? Politische Bildung und Information ist ja vielleicht auch nichts für den arbeitslosen Bürger, das sollte er besser den Experten überlassen – wie auch die Politik, die Wirtschaft, die Erziehung, Bildung und das Gesundheitswesen. Nur … bezahlen, das soll er schon. Am Besten in Form von GEZ- gebühren, damit es überhaupt keinen Zusammenhang mehr zwischen Leistung (Gebühren) und Ware („Wetten dass“) gibt.

Das es Tagungen  einer US-Botschaft und des Kuratoriums für Journalistenausbildung gibt, wirkt scheinbar bei niemanden der Anwesenden anstößig. Wir sind halt aller locker, freundlich und gut drauf.

Der Journalist von heute solle mehr auf die Ängste und Sorgen der Leser eingehen, meinte auch Christoph Fasel. Da die Welt so komplex geworden sei, sei die „Lotsenfunktion“ der Medien wichtiger geworden. Nutzwertberichte, wie praxisnahe Erklärungen zum komplizierten Sozialsystem zum Beispiel, brächten auch hohe Leserquoten.

Schade nur das heutzutage arbeitslose Sozialwissenschaftler praxisnahe Erklärungen des Sozialsystems anhand eigener Erfahrungen liefern können, da haben sie den etablierten Kollegen einiges voraus – werden sozusagen selber zur Nachricht.

Das Journalisten nicht nur Nachrichten bringen,  sondern dem Volk auch erzählen sollen, was man von diesen Nachrichten zu halten hat, das auch nicht alle Nachrichten für das Volk geeignet sind, erfährt man schon bei Pressekonferenzen, wenn an die „staatsbürgerliche Verantwortung“ der Medienvertreter appelliert wird … und den Rest der Freiheit entsorgt die Abhängigkeit von den Nachrichtenquellen … zum Beispiel sichert der gesicherte Zugang zum US-Botschafter inklusive der Möglichkeit der Exklusivberichterstattung aus seinem Hause die Festanstellung im eigenen Hause – und schon gehört man mit zu jenem überversorgtem Wohlstandsklientel, das seit neuestem seinen Ausländer- Schwulen- und Arbeitslosenhass ganz offen zeigen darf, weil man die Chance auf eine Mehrheit im Lande hat – zumindest auf eine Mehrheit in den Printmedien.

Das der so etablierte „Lotse“ dann nichts mehr mit einem klassischen Journalisten zu tun hat, sondern sich in einem Netzwerk von Abhängigkeiten bewegt (einem Netzwerk, das ihn trägt, befördert und ernährt) stört den klassischen Untertangeist nicht sonderlich, so wenig wie die Tatsachte, das es Monopole in der Journalistenausbildung gibt, die eine unheimliche Nähe zur amerikanischen Botschaft haben, so bietet das Kuratorium für Journalistenausbildung auch den Österreichischen Journalisten-Kolleg an, der das Monopol über den „Redakteur“ ausübt:

Wer sich in Österreich Redakteurin oder Redakteur nennen will, muss das Österreichische Journalisten-Kolleg oder eine vergleichbare Ausbildung besucht haben.

Ob man wohl der iranischen oder chinesischen Botschaft ähnlich nahe steht? Ist das jetzt die Definition von „Qualitätsjournalismus“? „Made in USA?“.

Es ist vielleicht nur ein kleines österreichisches Narrenspiel, aber der Feiztanz um den Bundespresseball in Deutschland läßt mich erahnen, das es hier nicht besser aussieht – als Bürger, der nur Informationen will und sich dann darüber –  bitte schön –  selber Gedanken machen möchte, verlange ich eigentlich von Journalisten und Redakteuren, das sie sich von diesem Ereignis fern halten. Tun sie dies nicht, suche ich mir zu den etablierten Medien Alternativen, die keine Rücksicht auf Tanz- oder Interviewpartner nehmen müssen. So heil ist die Welt im moment nicht, das man so leichtfertig derartige Kontakte tolerieren könnte.

Aus diesem Blickwinkel heraus verstehe ich auch, warum Julien Assange sich nicht mehr zum Thema „Journalismus“ äußern möchte … die Debatte ist schlichtweg unnütz und erbärmlich. Journalisten, die vom Geld, vom Wohlwollen oder von Netzwerken abhängig sind, sind ihr Geld nicht wert – und das wissen sie. Wir brauchen sie nur noch eine Weile, weil sie ein Monopol auf Kommunikation haben, ein Monopol, das durch das Internet und seine Möglichkeiten langsam beseitigt wird, was auch gut so ist.

Die Diskussion um Wikileaks zeigt, wie weit die Degeneration im Journalistenberuf schon fortgeschritten ist – möglicherweise sogar soweit, das diese Rolle an sich eine Gefahr für die Demokratie darstellt, weil sie (ähnliche wie die Kirchen) eine Ware anbieten, die sich nicht mehr besitzen: die Wahrheit.

Dafür erlauben sie sich einen kühnen frechen und ängstlichen Griff zur Macht … den Griff zur Lufthoheit über die Felder der Meinungsbildung aus Angst vor dem, was da kommt.

Im Übrigen traue ich  Bürgerpiloten und Bürgerchirugen mehr als Leuten, die den Job für Geld machen um ihre Spielschulden abzuzahlen.  Bei Bürgerpiloten gehe ich davon aus, das sie aus Leidenschaft das Fliegen gelernt haben, bei Bürgerchirugen sehe ich die Liebe zur medizinischen Praxis und zum Menschen im Vordergrund – und wenn ich bei Bürgerjournalisten die Liebe zur Wahrheit finde, dann bin ich als kleiner Eifelphilosoph gar nicht mehr zu halten.

Und insofern … sind für mich Julien Assange und Wikileaks Helden. Echte Helden – und echte Journalisten. Nicht die Tatsache, das da was veröffentlicht wurde, ist der Skandal, sondern was in den Veröffentlichungen enthalten war … auch wenn sich für Menschen, die schon länger jenseits der abhängigen Medien nach Informationen suchten, keine grundsätzlichen Änderungen im Weltbild ergeben dürfte.

In einer Welt, die so wäre wie die, die der staatstragende Journalismus uns tagtäglich verkaufen möchte, hätte es einen Irakkrieg nie geben dürfen.  Da es ihn aber gab, sehe ich schon, das gewissen Kreise so langsam die Notwendigkeit einer „Lotsenfunktion“ für das Volk sehen – denn für den Normalbürger kommen Angriffskrieger nur aus Schurkenstaaten. Das haben wir gelernt – wir waren selbst mal einer.

Da bedarf es schon besonderer Lotsen und geistiger Führer, denen wir völlig vertrauen müssen, da sie uns verkaufen wollen, das zwei und zwei irgendetwas so um fünf herum ist, aber näher an drei als an sieben.

Rita Knobel-Ulrich, die NSDAP als Partei der Konzerne, Kerala und die entfremdete Arbeit

Kennt jemand Rita Knobel-Ulrich? Ich schaue ja kein Fernsehen, deshalb kann ich sie nicht kennen, halte sie auch ansonsten für eine recht uninteressante Person.  Ich habe mich mal über sie informiert … wie es aussieht, gehört sie zu der „Kategorie Oberstudienrat“: Von nichts ´ne Ahnung,  zu allem eine Meinung! Und die darf sie regelmäßig veröffentlichen – so bei Anne Will im Jahre 2006.  Da ist sie schon mal wegen Ahnungslosigkeit prämiert worden … und es gab eine Welle von Beschwerdebriefen zu allen möglichen Sendern.  Die NRHZ kümmerte sich darum:

Anlaß war folgende Äußerung:

„Hartz IV alimentiert die Menschen ganz gut. Vater, Mutter und zwei Kinder bekommen 345 Euro pro Erwachsenen, 247 Euro pro Kind, plus Wohngeld, plus Heizung, plus Strom, plus Krankenversicherung. Das sind circa 2.000 Euro im Monat. Das muss man erst mal verdienen! Ein Mann, der vielleicht der einzige Verdiener ist, der im Kindergarten den höchsten Satz zahlt, weil man sagt ‚Du hast ja Arbeit‘, der jeden Tag sieht, dass seine Tankfüllung teurer wird, dem nicht angeboten wird, dass er ein Sozialticket für die U-Bahn bekommt, der muss mit diesen 2.000 Euro ganz schön haushalten.“

Diese Meinung hatten ja damals alle.  Ich wundere mich, das man den Hartz-IV-Abhängigen nicht noch die Kosten für die Infrastruktur aufs Budget gedrückt hat … immerhin gehen ihre Kinder in die Schule, ihre Schuhe beschmutzen Straßen und Gehwege, die auch erstmal geschaffen werden müssen, ihre Hintern sitzen Sitze in Schulbussen platt – das kostet alles.  Damals war Volksverhetzung gegen Behinderte, Frauen und Kinder (daraus setzt sich ja das Klientel hauptsächlich zusammen) ja modern.  Heute jedoch hat die Mehrheit der Bürger – trotz Volksverhetzung durch solche Granaten wie Rita Knobel-Ulrich und Konsorten, die Wahrheit gelernt:

Hartz-IV-Anspruchsberechtigte sollen von 347 Euro oder weniger Gas und Strom zahlen, Telefon und Versicherungen, darüber hinaus auch noch Rücklagen für Neuanschaffungen bilden, Bus- oder Bahntickets kaufen, Praxisgebühren und Medikamentenzuzahlungen leisten. Eltern behinderter Kinder sollen vom Regelsatzanteil der Kinder zusätzlich sogar noch Teile notwendiger Therapiekosten tragen. Nach diesen ganzen Abzügen reicht die Differenz nicht einmal mehr für die Lebensmittel nach Art der „Sarrazin-Diät“.

Das Bundesverfassungsgericht hat gesprochen und gegen die Knobel-Ulrich gabe es Beschwerden, u.a. beim deutschen Journalistenverband, denn: Journalisten haben auch Pflichten:

„Presse und Rundfunk haben im demokratischen Staat die Aufgabe, die Staatsbürgerinnen und Staatsbürger so zu informieren, dass sie am Prozess der demokratischen Meinungs- und Willensbildung teilnehmen können …
Den aus dem Grundgesetz Presse und Rundfunk verbrieften Rechten muss die Pflicht der Journalistin und des Journalisten zu einer sachlichen und fairen Berichterstattung entsprechen…
Aufgabe und Verantwortung von Journalistinnen und Journalisten ist es insbesondere, die Rechte einer jeden Bürgerin und eines jeden Bürgers auf Achtung und Schutz der Menschenwürde, auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und auf freie Unterrichtung aus allgemein zugänglichen Quellen zu wahren…
Ethische Grundprinzipien für die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten sind die Absage an Intoleranz, Rassismus, Totalitarismus und Fremdenfeindlichkeit.“

Die Verbreitung menschenfeindlicher Propaganda gehört nicht zu den Aufgaben demokratischer Journalisten.  Nun, man muß Frau Knobel-Ulrich zu gute halten, das sie damals das gemacht hat, was alle gemacht haben: aus Angst vor der neuen Hartzrepublik erstmal im Chor mit Kanzler und Konzern gegen die Arbeitslosen wettern. Heute sind alle schlauer geworden und man merkt: es ist im sozialen Rechtsstaat nicht so einfach, den neuen diesmal nichtjüdischen Volksschädling zu implementieren.  Das Volk lernt.

Rita Knobel-Ulrich lernt nicht – wie man bei  

Tube sehen kann (übrigens ein klasse Video – mit lehrhaften Kommentaren), schwadronierte sie immer noch von ihrer Familie mit zwei Kindern,  jetzt bekommen die aber nur noch 1200 Euro.  Ich habe mir das mal angesehen. Lohnt sich. Also, nicht die Rita. Für diese billige Propagana und Agitation habe ich kein Verständnis, die empfinde ich als äußerst peinlich und entwürdigend für den gesamten Journalistenverband.  Aber ich sagte ja schon: man sollte sich was schämen in diesem Land.  „Ich kenne da einen Friseur“, „ich kenne da einen Taxifahrer“ …. was sind denn das für Methoden? Ich kenne da einen Bürger, der hält Frau Rita Knobel-Ulrich für ein Arschloch (Entschuldigt das drastische Wort, aber … es kommt ja nicht von mir, sondern von einem Bürger. Und ich glaube, ich finde leicht hunderttausend,  die der gleichen Meinung sind).  Und ich persönlich finde, diese FDP-Trompete sollte nicht mehr mit öffentlichen Aufträgen versorgt werden. Aber so läuft das Geschäft ja: man setzt den Heini in die Talkshow und wenn er seine Arbeit gut macht, dann … gibts auch ein Zuckerchen.

Und für die verläßlichen der asozialen Kampfdackel gibt es sogar nach zwanzig Jahren Volksverhetzung eine Festanstellung. NSDAP war genauso … nur offener, wie in dem Werk „Von Anilin bis Zwangsarbeit“ des Arbeitskreises IG-Farben der Bundesfachtagung der Chemiefachschaften heißt:

Genau einen Monat nach dem Treffen der Industriellen wurde am 20. März 1933 in Dachau das erste Konzentrationslager errichtet. Carl Bosch begrüßte solche Einrichtungen, da in den diversen Arbeitslagern die „verkommene Arbeitslosenjugend“ zu „fröhlichen Menschen, die auf ihre Arbeit stolz sind“ erzogen würde.[93]

Eine interessante Studie des Arbeitskreises, die letztlich dazu führte, das man Geschichte auch anders sehen kann: die NSDAP war nicht der Nutznießer, sondern das gezielte Produkt von Konzernen, die zum Zwecke der  Gewinnmaximierung (Share Holder Value) alle Hemmungen verloren hatten:

Vortrag über die Machenschaften des Zweiten Weltkriegs Beweisstücke des Nürnberger Prozesses gegen den Chemie/ Pharma /Öl-Konzern IG Farben (BAYER, BASF, Hoechst). Die „Meister der Geschichtsverdrehung wollen uns glauben lassen, dass die gesamte Tragödie des Zweiten Weltkrieges auf einen politischen Führer mit einer geistesgestörten Persönlichkeit zurückzuführen ist. Sie erzählen uns, dass dieser vermeintliche Wahnsinnige in der Lage gewesen sei, Millionen Deutsche dazu zu verführen, ihm wie einem Rattenfänger blind in den Abgrund zu folgen.

Die Aufzeichnungen des Nürnberger Pharma-Tribunals von 1947/48 dokumentieren, dass der Zweite Weltkrieg in dem Hauptquartier der IG Farben, geplant und vorbereitet wurde. Das berüchtigte Kartell, das von Bayer, BASF und Hoechst gebildet wurde, war zu dieser Zeit der weltgrößte Chemie-/Pharma-Multi. Um in diesem Bereich das weltweite Monopol zu festigen, finanzierte das Kartell den Aufstieg der NSDAP und ihre Vorbereitung auf die militärische Eroberung Europas und der Welt. Die Direktoren der IG Farben, darunter der Vorstandsvorsitzende Schmitz, hielten engen Kontakt zu ihren politischen Marionetten.

Quelle: Viedogold

Nun werden alle sagen: das kann doch nicht sein? Die werden doch nicht wieder nach der Macht in Deutschland greifen.

Die Frage beantwortet sich leicht selbst: wer ist dafür verantwortlich und wie kann es geschehen, das Frau Knobel-Ulrich vier Jahre lang Lügen erzählen darf und trotzdem auf Kosten der Beitragszahler weiter Filmchen dreht?  Sie arbeitet ja viel für´s  „Öffentlich-rechtliche“.

Konzerne haben die NSDAP mit großem Druck zu „ihrer“ Partei gemacht….und in ihren Aktivitäten während der Weimarer Republik zeigen sich erstaunliche Paralellen zur heutigen Situation:

So waren auch die Ziele der I.G. Lohnkürzungen, Streikverbot und Ausdehnung der Arbeitszeit. Jedoch wollte sie diese nicht wie breite Wirtschaftskreise per Gesetz verwirklichen lassen, sondern sie strebte, um die Arbeiterschaft nicht noch mehr zu radikalisieren, eine stufenweise Entwicklung an. Die Vorgehensweise wird charakterisiert durch das Schlagwort vom Werksgemeinschaftsgedanken. So hieß es in einem Artikel des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie (s.u.), dass man keine Maßnahmen der Brachialgewalt (z. B. Polizeieinsätze gegen Streikende) vornehmen, sondern auf eine geistige Umstellung bei den Gewerkschaften hinarbeiten solle.

Quelle: Arbeitskreis

Diese geistige Umstellung erleben wir gerade auch. Rita macht da fleißig mit, aus den Opfern der Sozialpolitik und der Profitgier der „Heuschrecken“ wurden Täter gemacht: der böse Arbeitslose.  Die Wünsche der Konzerne wurden voll erfüllt….immerhin waren es ihre Leute, die Hartz IV entwickelt haben:

Die Agenda 2010 (auch Agenda zwanzig-zehn genannt) ist ein Konzept zur Reform des deutschen Sozialsystems und Arbeitsmarkts, das von 2003 bis 2005 von der aus SPD und Bündnis 90/Die Grünengebildeten Bundesregierung weitgehend umgesetzt wurde. Als Grundlage der Reform diente der „Wirtschaftspolitische Forderungskatalog für die ersten hundert Tage der Regierung“ der Bertelsmann Stiftung, seinerzeit u.a. im Wirtschaftsmagazin Capital publiziert, dessen Inhalte zu weiten Teilen übernommen wurden.[1][2]

Quelle: Wikipedia

Mal was anderes? Andere Kultur, andere Sitten?

Kerala ist traumhaft schön. Kanäle im Schatten von Kokospalmen, Märkte neben dem Wasser, Kinder, die am Ufer spielen. Geht man die Straßen von Trichur entlang, trifft man auf lachende Augen, wo die Leute zusammenstehen und ein Schwätzchen halten, während die Frauen ihre farbenprächtigen Saris zur Schau stellen. Es gibt zahlreiche Feste. Kehrt man dann nach Europa zurück, ist man schockiert darüber, wie freudlos und niedergeschlagen die Leute alle aussehen.

Es kommt aber noch besser:

Kerala ist einer der ärmsten Staaten Indiens. Trotzdem ist die Kindersterblichkeit dort geringer als in manchen europäischen Ländern, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 72 Jahren (höher als die der Afroamerikaner in den USA), 95 % der Einwohner Keralas, die älter als sieben Jahre sind, können lesen und schreiben. Der Anteil von Menschen, die einen akademischen Grad vorzuweisen haben, liegt höher als in den USA. 82 % der Familien besitzen ein eigenes Haus und können sich drei Mahlzeiten am Tag leisten.

Quelle: James Bruges, Das kleine Buch der Erde, Riemanverlag 2006, Seite 36/37

So einfach, preiswert und ökologisch nachhaltig kann glückliches Leben sein. Wir jedoch leben anders, wie heute „Spiegel online“ berichtet:

Millionen Deutsche haben innerlich gekündigt, laut einer Umfrage fühlen sich 67 Prozent der Arbeitnehmer kaum noch an ihr Unternehmen gebunden.

Spiegel-Online meint, es wäre die Motivation durch den Chef, die das wieder in Ordnung bringt….und vergißt dabei gerne den Themenkomplex „entfremdete Arbeit“, der uns das Leben erst recht sinn- und zwecklos erscheinen läßt und Arbeit an sich nicht zur Möglichkeit kreativen Gestaltens sondern zur Strafe gemacht hat.

Kein Wunder, das wir unglücklich werden und Gestalten wie Rita Knobel-Ulrich brauchen, die uns Taxifahrern und Friseuren einredet, wie gut es uns doch eigentlich geht.  Ein Blick nach Kerala reicht um zu zeigen: uns geht es nicht gut. Inzwischen geht es armen Indern besser als uns und Menschen wie Rita Knobel-Ulrich wollen, das es so bleibt, wie einem offenen Brief aus dem Jahre 2005 zu entnehmen ist:

es ist interessant, dass gerade in Zeiten anstehender Wahlen „Dokus“ über die Bildschirme der bundesdeutschen Haushalte flimmern, die in ihrer Berichterstattung propagandistisch, einseitig und undifferenziert ausgerichtet sind.

Während der gesamten Zeit war Ihre Reportage durchzogen vom per Television transportierten Feindbild des faulen und asozialen Arbeits-losen. Gezeigt wurde in Pauschalmanier der Langzeitarbeitslose, der auf Kosten der (arbeitenden) Allgemeinheit lebt und lediglich keine Lust zum Arbeiten hat. Gezeigt wurde der Langzeitarbeitslose, der vom Staat „ge-füttert“ wird, selbigen betrügt und in der
„sozialen Hängematte“ ein be-quemes Leben führt, weil er zu den Regelleistungen noch viele Extra- Zuwendungen ein-streicht. Zudem wurde der Zuschauer darüber aufgeklärt, dass man mit Hartz IV fast reich werden, zumindest richtig gut leben kann, wenn man es nur geschickt anstellt. Spätestens jetzt glaubt jeder zu wissen, dass es den Betroffenen noch viel zu gut geht und Schritte wie die mit in der Doku einhergehenden Botschaft zur Einführung von Minimalstversorgung- wie z.B. mit Lebensmittelgutscheinen und die Verabschiedung vom Sozialstaat durch die längst fällige Beerdigung jeglicher Sozialromantik unbedingt zu bejahen sind.

Autorin jener Doku? Rita Knobel-Ulrich.  Die kann man auch öffentlich mieten. Wäre ja vielleicht mal was für eine engagierte Erwerbsloseninitiative:

Wollen Sie Ihre Firma, Ihr Unternehmen, Ihre Dienstleistung, den Ablauf in Ihrem Betrieb einem Kunden, einem neuen Mitarbeiter, einer Gruppe vorstellen, die Ihr Unternehmen besichtigt? Oder vielleicht ein besonderes Geschenk machen?

Wir bieten Ihnen :

  • Firmenporträts
  • Dokumentation eines Projektes von der Entwicklung bis zur Fertigstellung
  • Beiträge für Mitarbeitermagazine
  • persönliche Filme

Tja, noch Fragen, wie in dieser Republik mitlerweile  Politik gemacht wird? Ist alles schon mal dagewesen. 1925-1933 … einfach mal nachschauen, wie die IG-Farben Politik gemacht hat, bevor man an die NSDAP überhaupt gedacht hat.  Wäre nicht unwichtig,  sich das mal zu vergegenwärtigen, denn noch … haben wir die Wahl zwischen Auschwitz und Kerala.


Bürgerjournalismus, Readers Edition, Lügen, Hartz IV und Medienimperien

Gestern stieß ich auf eine denkwürdige Debatte über Vorgänge in einem bürgerjournalistischen Onlineblättchen.

http://frieling.blog.de/2007/01/29/rreaders_editionl_feuert_moderatoren~1647054/comment_ID/11245043/comment_level/1/#c11245043

Der Eigentümer der »Readers Edition« hat ohne Vorankündigung alle alt gedienten Moderatoren gefeuert. Damit erreicht das Tauziehen hinter den Kulissen um die Veränderungen bei dem im Sommer 2006 mit großem Enthusiasmus begonnen Projekt einen neuen Tiefpunkt.

So kann es ausgehen, wenn man vom Geld anderer abhängig ist. Das ist schon eine interessante Lehre für die Zukunft. Nicht vergessen möchte ich jedoch einen Auszug aus dem „Kündigungsschreiben“.

Dazu bauen wir einen neue Moderatorentruppe auf. Wir haben festgestellt, dass Du mit diesen Aufgaben nicht so gut zurecht kommst, wie es nötig wäre. Zumindest warst Du mit Deinen Kommentaren auf dem Desk und den wenigen Aktivitäten in den letzten Wochen nur mäßig hilfreich.“ (Zitat aus der wohl standardmässig verfassten Mail an uns)

Also … so etwas erbärmliches hat es selbst in der härtesten Branche Deutschlands, wie es von der Pharmaindustrie heist, selten gegeben. Da arbeiten Leute nahezu umsonst … und selbst das ist noch zuwenig? Kaum zu glauben, was von Arbeitgeberseite manchmal für Ansprüche gestellt werden.

Was ist das eigentlich: Bürgerjournalismus? Der Begriff war mir bis dato fremd.

http://de.wikipedia.org/wiki/Graswurzel-Journalismus

Graswurzel-Journalismus (von „grassroot“, auch partizipativer Journalismus oder Bürger-Journalismus) ist eine Form des Journalismus, bei der Bürger durch eigene Medien am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen können. Die neuen Publikationsmöglichkeiten im Internet, besonders Weblogs, haben zur Verbreitung des Graswurzel-Journalismus beigetragen.

Ob das eigentlich erlaubt ist? Interpretationen von Journalismus gibt es viele. Sie gefallen mir alle nicht sonderlich, weil sie die Zeitung, die gedruckte Form als Definitionsgrundlage haben und nicht die Nachricht.

Ich finde jedoch den wandernden Barden des Mittelalters, dessen Funktion als Nachrichtenübermittler ebenso wichtig war wie die Funktion des Unterhalters ebenso als eine Vorform von Journalimus und wandernder Zeitung gleichermaßen.

Da läuft einer durch die Welt und erzählt von ihr.

Einfach Sache eigentlich.

Es stellt sich natürlich die Frage: von welcher Qualität ist die Nachricht, die der wandernde Barde überbringt. Wie wahr ist das, wovon der singt? Doch im Jahre 2009, nach etlichen Medienlügen und flächendeckend verbreiteten Halbwahrheiten von langsam nahezu alles beherrschenden Medienimperien
müssen wir Bürger uns damit abfinden, das wir uns diese Frage bei nahezu jeder Nachricht stellen müssen, die irgendwem irgendwo einen Vorteil einräumen könnte.

All jene Nachrichten zur Rettung von Quelle haben den Wahltermin nicht lange überstanden. Überraschen und plötzlich sind alle Investoren abgesprungen, der Staat bekommt sein Geld wieder, da es ein Massekredit war … und wer aus Treu´ und Glauben heraus CDU/CSU gewählt hat, weil die ja die Arbeitsplätze retten, wird sich jetzt selbst in den Bauch beißen oder in den Hintern treten dürfen.

Darum … kann uns mitlerweile niemand mehr von der Verantwortung befreien, das wir Bürger uns unabhängig von Journalisten mit Nachrichten beschäftigen und dieses Geschäft selbst in die Hand nehmen. Es ist in einer Welt voller Lügen und Intrigen eine absolute Notwendigkeit, allein um im Alltag die richtigen Entscheidungen zu treffen – sofern man die Wahl überhaupt noch hat.

Kaufe ich jetzt Dosen oder Aktien? Bleibe ich hier oder wandere ich aus? Bekomme ich Kinder oder kaufe ich auf dem Schwarzmarkt einen Revolver? Kaufe ich ein Eigenheim oder ein Wohnmobil? Oder vertraue ich weiter darauf, das die Volksvertreter mich schon richtig vertreten werden, die Wirtschaft für meinen Wohlstand sorgt und die Journalisten als vierte Macht weise und unbestechlich darüber wachen, das alles seine Ordnung hat?

Kann man auch machen, muß man aber nicht.

Mir schien sinnvoller, einen Bloggerverbund zur Verbreitung von Nachrichten aufzubauen … und das haben wir ja schon. Ich habe nur keine Zeit, mich da mehr einzubringen. Mist.

Schade, das man Zeit nicht kaufen kann…denn soviel Lügen und Manipulation um uns herum fordern einen äußerst wachsamen Bürger, denn nicht mehr lange, dann steht möglicherweise allen das Wasser bis zum Hals.

Ein Beispiel? Bitte schön, ein Blick in die Zeitung reicht:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article4913880/Hartz-IV-ist-und-bleibt-eine-gute-Sache.html

Die Rufe nach einer Abschaffung von Hartz IV sind falsch. Denn die Sozialgesetze rund um dieses Schlagwort haben die Armen nicht ärmer gemacht und belohnen zugleich Arbeitswilligkeit. Problematisch ist nicht Hartz IV an sich. Oft aber lässt unsere Einstellung zu denen zu wünschen übrig, die davon leben.

Natürlich hat Hartz IV die Armen ärmer gemacht. Einfach mal bei der Bundeszentrale für politische Bildung vorbeischauen und die Zahlen vergleichen … aber behaupten kann man ja viel.

Die neue Regierung hat die besseren Argumente, sie sollte den Streit um die Meinungsführerschaft wagen. Am besten mit einem Plakat in großen Lettern: Hartz IV kommt jetzt erst richtig.

Nun, in manchen Punkten liegt der Artikel nicht falsch … aber er geht in eine Richtung, die Adolf Hitler schon eingeschlagen hat: Arbeit adelt, Arbeit an sich ist ein Selbstzweck, Geld braucht man dafür nicht wirklich auch noch.

Dabei sieht es so aus, als wenn Hartz IV bald weg ist, denn die Verfassungsrichter schauen ganz streng – mal wieder macht nicht die Politik Politik, sondern das Verfassungsgericht:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,656402,00.html

Der Hartz-IV-Streit vor dem Verfassungsgericht hat eine viel größere Bedeutung als zunächst erwartet. Die Bundesregierung muss wohl nicht nur die Regelsätze für Kinder neu berechnen – sondern auch die Leistungen für Erwachsene. Es geht um das Recht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum.

Selbst Experten waren überrascht, wie schlecht es der Bundesregierung gelang, die Daten, die sowohl den Hartz-IV-Leistungen für Erwachsene als auch für Kinder zugrunde liegen, zu rechtfertigen. Bisher sei sie „von der Verfassungsgemäßheit“ der Regelsätze für Erwachsene ausgegangen, gab die Präsidentin des Deutschen Sozialgerichtstags, Monika Paulat, noch in der Verhandlung zu Protokoll, die Rechtfertigungsversuche der Bundesregierung aber „lassen mich ins Grübeln kommen“.

Schon zu Beginn machte Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier deutlich, dass vor allem das Verfahren von Thomas K., das der 6. Senat des Hessischen Landessozialgerichts den Karlsruher Richtern zur Entscheidung vorgelegt hatte, „grundlegende Fragen“ auch zu den Hartz-IV-Sätzen für Erwachsene aufwirft. Und dass das Verfassungsgericht offenbar dabei ist, einen speziellen Rechtsanspruch zu formen: ein aus der Menschenwürde und dem Sozialstaatsprinzip abgeleitetes „Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums“, dessen Inhalte und Grenzen das Gericht nun bestimmen wird – und an dem sich die Hartz-IV-Sätze dann messen lassen müssen.

Das sieht … entgegen der journalistischen Propaganda … nicht danach aus, als ob Hartz IV erst jetzt so richtig kommt. Es sieht eher so aus, als das Hartz IV ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war.

Und ich wünsche mir ein internationales Strafgerichtsverfahren gegen alle Beteiligten und zusätzlich eine Opferentschädigung.

Darüber hinaus möchte ich gerne, das das Verfassungsgericht eine politische Partei wird, die ich wählen kann.

Aber so langsam wird mir auch klar, warum gewisse konservative Medienkreise das Verfassungsgericht als Teil der neuen Diktatur deklarieren wollen (wir berichteten).

Dabei ist es wohl so langsam einer der letzten Horte des Widerstandes, ein kleines gallisches Dorf mit einem Zaubertrank: dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland mit seinen Ewigkeitsgeboten, seinem
Sozialstaatsanspruch und seiner Garantie der Menschenrechte.

Kein Wunder, das die Sozialfaschisten da Bauchschmerzen und Panik bekommen.

Kein Wunder, das Bürgerjournalismus notwendig ist – wir brauche mehr gallische Dörfer (ich hoffe, hier kennt jeder seinen Asterix) gegen Cäsars Imperium.

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