Journalismus

This tag is associated with 47 posts

Drei Stunden mit Drosten – Ein Augenzeugen-Bericht aus dem Untersuchungsausschuss.

Die Leitmedien und das Handbuch des Journalismus

Den vollständigen Standpunkte-Text (inkl ggf. Quellenhinweisen und Links) findet ihr hier: https://kenfm.de/die-leitmedien-und-das-handbuch-des-journalismus-von-anselm-lenz/

Unter dem Stichwort „Corona“ findet der größte Betrug der Menschheitsgeschichte statt – ein Bruch mit Verfassungs- und Menschenrecht, ein möglicher Massenmord. Zeit für die Helden der Aufklärung?

Ein Standpunkt von Anselm Lenz (Herausgeber der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand).

„Eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfene Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates; insbesondere ist eine freie, regelmäßig erscheinende politische Presse für die moderne Demokratie unentbehrlich. (…) In ihr artikuliert sich die öffentliche Meinung; die Argumente klären sich in Rede und Gegenrede, gewinnen deutliche Konturen und erleichtern so dem Bürger Urteil und Entscheidung.“

So urteilte das deutsche Bundesverfassungsgericht am 5. August 1966 im sogenannten Spiegel-Urteil.

Weiter heißt es dort: „Presseunternehmen müssen sich im gesellschaftlichen Raum frei bilden können. Sie arbeiten nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen und in privatrechtlichen Organisationsformen. Sie stehen miteinander in geistiger und wirtschaftlicher Konkurrenz, in die die öffentliche Gewalt grundsätzlich nicht eingreifen darf.“ (1)

Selten war der Berufsstand der Journalisten für das Leben der Allgemeinheit so wichtig, wie seit der Ausrufung des Corona-Regimes. Doch die Wenigsten haben den Mut, ihren Beruf auch auszuüben. Dabei müssten sie sich nicht nur an das große Ideal des Rechtsinstitutes „Freie Presse“ halten, wie es das Bundesverfassungsgericht 1966 noch stärkte. Es wäre ein Anfang gemacht, zumindest handwerklich seriöse Arbeit abzuliefern. Werfen wir mal einen Blick in das „Handbuch des Journalismus“.

In dessen neuester Auflage vom März 2020, also kurz vor der Corona erschienen, heißt es im Vorwort: „Damit aber sind wir bei den Journalisten, die wir meinen: die von den seriösen Zeitungen und Sendern nämlich. In aberwitziger Überreizung der Bilder von hundert Atemschutzmasken auf den Straßen der Stadt Mexiko hatten auch sie die Panik herbeigeschrieben.“ (2)

Doch die Schweinegrippe hatte sich Ende des Jahres 2009 für den Menschen als „völlig ungefährlich“ herausgestellt: „Die Gesundheitsbehörden sind auf eine Kampagne der Pharma-Industrie hereingefallen“, so das Handbuch des Journalismus.

Im Zweifel für den Zweifel

Auch die damalige Pandemie war „Panikmache!“, das hatte der damalige Präsident der Bundesärztekammer bereits am 1. November 2009 verlautbart. Doch das Boulevardblatt Bild titelte noch am 29. November 2009 im Sinne der Vorläufer-Kampagne von Corona: „Oliver Pocher! – Schweinegrippe! Wir gefährlich ist das für seine schwangere Sandy?“.

Die Publizisten des Handbuchs des Journalismus, Wolf Schneider und Paul-Josef Raue, sehen zwischen Sensationslust und „Beamtenjournalismus“ Platz für eine wichtige Minderheit. Und zwar „eine ziemlich kleine Minderheit von solchen, die sich redlich plagen, das Unwichtige auszusondern und das Verworrene zu klären, wie sie es ihren Mitbürgern schuldig sind“. Streitlust, Rückgrat und Misstrauen seien die „Königstugenden“ für den Begabungsberuf Journalist, „Weltkenntnis“ hilfreicher als vermeintliche akademische Orden.

Doch wer bezahlt auch noch dafür, dass er angelogen, für dumm verkauft, beschimpft und verleumdet wird? Dafür, dass er mehr Zeit beim Entwirren der Propaganda aufbringen muss, als wenn er’s sich erst gar nicht reingepfiffen hätte? Richtig, der Leitmedienkonsument. Bei ARD und ZDF, bei Bertelsmann und Springer, bei Spiegel, FAZ und taz sitzt man mittlerweiler tatsächlich in der allerletzten Reihe. Wer überhaupt wissen will, was los ist, muss schleunigst von diesen Lautsprechern weg; „mach Deinen Fernseher kaputt!“, war ein Slogan in den 1990er Jahren, der zum Rausgehen anregen sollte. Denn in einer Welt wie George Orwells 1984 können die Propaganda-Empfänger nicht mehr ausgeschaltet werden. Und die steht in mancherlei Hinsicht vor der Tür, ist schon im Haus.

Wer in den Jahren der Medienpandemie 2020 und 2021 keinen Fernseher hat, lebt schonmal erheblich gesünder. Er konnte mit eigenen Augen feststellen, dass es überhaupt keine Pandemie im Wortsinne gab, sondern nur das Medienereignis Pandemie…

Thema Korrekturen im Journalismus | Presseklub N°14 + Akademie für qualifizierte Verfassungsdemokratie (AquaVD)

Thema Korrekturen im Journalismus | Presseklub N°14 der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand

mit

Markus Fiedler, Fachjournalist, Dipl.-Biol., Ressortleiter Naturwissenschaft der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand (DW) und Anselm Lenz, Herausgber der konzern- und regierungsunabhängigen Wochenzeitung Demokratischer Widerstand (DW) zum Thema »Korrekturen im Journalismus«.

Akademie für qualifizierte Verfassungsdemokratie (AquaVD)

Das Umfeld der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand (DW) kündigt an: Die Gründung einer Akademie für qualifizierte Verfassungsdemokratie (AquaVD, Arbeitstitel).

Im Gespräch Hermann Ploppa, Buchautor, Politologe, Leiter des DW-Wirtschaftsressorts und Anselm Lenz, Journalist, Verleger am späteren Abend des 18. Mai 2021.

AFTER DARK mit Markus Fiedler

Stock Material und Audio:
Envato Pty Ltd. und iStockphoto LP.

Tag der Pressefreiheit – Ein Fest der Pharisäer

Ein Standpunkt von Rainer Rupp.

Am 3. Mai letzte Woche fand der Internationale Tag der Pressefreiheit statt. Wie nicht anders zu erwarten, gratulierten die herrschenden Eliten der westlichen Edel-Demokraturen im Verein mit ihren dienstbaren Geistern in den so genannten „freien“ Staats- und Konzernmedien vor allem sich selbst. Das alles geschah nach der Devise der aus der christlichen Bibel bekannten Pharisäer. Von denen hieß es, dass sie sich unermüdlich bei Gott bedankten, dass sie bessere Menschen waren als all die anderen. Tatsächlich aber übertrafen sie all die anderen an Hinterhältigkeit. Kein Wunder also, dass heute noch Heuchler, Scheinheilige, Selbstgerechte oder ganz einfach „falsche Fuffziger“ als Pharisäer bezeichnet werden.

Im diesjährigen Wettkampf um die Position des Ober-Pharisäers anlässlich des Welttags der Pressefreiheit hat der US-Außenminister Antony Blinken den Vogel abgeschossen. Wortreich hat er in seiner gewohnt scheinheiligen Weise andere Länder zurechtwiesen und ermahnte, die Werte zu achten, gegen die er mitsamt seiner Biden-Regierung in Washington seit Jahren in besonders flagranter Weise verstoßen.

In seiner fast schon religiösen Predigt – die man sich anhören muss, um es zu glauben (1)– erklärte Blinken, dass in einer Demokratie nur wenige Dinge heiliger sind als der „unabhängige Journalismus“. Im Interview mit dem aus den Kalten Kriegszeiten bekannten „Radio Free Europe“ würdigte Blinken den „World Press Freedom Day“ und heuchelte, dass „die Vereinigten Staaten entschlossen hinter unabhängigem Journalismus stehen“. Weiter führte der falsche Fuffziger aus, dass „die Grundlage eines jeden demokratischen Systems“ verlangt, dass „die politische Führung zur Verantwortung gezogen wird“ und „die Bürger informiert werden. … Länder, die die Pressefreiheit verweigern sind dagegen Länder, die nicht viel Vertrauen in sich selbst oder in ihre Systeme haben“, fügte er mit Blick auf Russland hinzu.

Der amerikanische Journalist Glenn Greenwald hat diese scheinheilige Rede des Ober-Pharisäers Blinken wie folgt kommentiert:

„Dass die Biden-Administration so ein hartnäckiger Anhänger der heiligen Unantastbarkeit des unabhängigen Journalismus ist und sich für deren Verteidigung stark macht, wo immer sie bedroht ist, wäre für viele, viele Menschen sicher eine große Überraschung. Überrascht wäre vor allem Julian Assange, der Gründer von WikiLeaks und die Person, die für mehr wichtige Enthüllungen (2) über verbrecherische Handlungen hochrangiger US-Beamten verantwortlich ist (3), als praktisch alle anderen, in den Konzernmedien beschäftigten US-Journalisten zusammen.“

Greenwald weiß, wovon er in Punkto US-Pressefreiheit spricht…

Alle 6 Monate Impfung – für 10 Jahre lang

Allein in der letzten Woche wurden unzählige Versprechungen seitens der Politikdarsteller eiskalt gebrochen. Jedoch fast unbemerkt war die Meldung des Impfherstellers Biontech, dass vermutlich alle 6 Monate eine Impfauffrischung notwendig wird – für mindestens 10 Jahre lang!

Parallel werden die immer häufiger auftretenden Todesfälle unmittelbar nach Verabreichung der Impfung als Kollateralschäden abgetan. Alle Details zu diesen Offenbarungen in der neuen Sendung von SchrangTV.

BOSCHIMO DES TAGES 01.04.2021 – Journalisten

Dr. Bodo Schiffmann

OPERATION FUCK OFF: ANGRIFF AUF DIE WELTWIRTSCHAFT!

Tja, so ein Zufall: Mitten in der Corona-Krise, während die Weltwirtschaft mit Absicht abgewürgt wird, stellt sich im Suez-Kanal ein Riesenfrachter quer und blockiert 12 Prozent des Welthandels. Aber ist das wirklich Zufall? Oder hat es etwas mit dem obszönen Kurs zu tun, den der Kapitän zuvor im Roten Meer gefahren ist? Dort zeichnete er nämlich mit seinem 400-Meter-Schiff einen riesengroßen Penis aufs Wasser bzw. auf die Trackingsysteme des Schiffsverkehrs. War das bloß eine Laune oder eine Botschaft – nach dem Motto: F… OFF, Weltwirtschaft!

Der Paukenschlag

Flo Osrainik hat mit „Das Corona-Dossier“ das Standardwerk zur Krise vorgelegt — es ist die Geschichte eines beispiellosen Betrugs.

Ein Standpunkt von Roland Rottenfußer.

„Tabulos gegen den Strich des Mainstreams“ lautet der Untertitel eines anderen Buchs von Flo Osrainik: „Im Namen der Russen“. Das gilt mit Sicherheit auch für sein neues Werk „Das Corona-Dossier“, das am 1. März 2021 im Rubikon-Verlag erscheint. Osrainiks Stärke liegt in der Ausführlichkeit und relativen Vollständigkeit des präsentierten Materials. Sie können über Corona gar nicht so viel gelesen haben, dass Sie daraus nicht noch neue Informationen ziehen können. Und es wird Ihnen schwerfallen, ein Unterthema zu finden, das „fehlt“: Ob es nun um die wahren Ursachen des ganzen Corona-Theaters geht oder um die Folgen, denen der Autor bis in die kleinsten Verzweigungen folgt. Ob es um Tests, Impfungen, Maskenzwang, Medienmanipulation oder das Gegenmodell Schweden geht. Der Grundvorwurf Osrainiks, den er schon im Untertitel seines Buchs erhebt, geht dahin, dass das Corona-Establishment „unter falscher Flagge“ fahre. Das heißt: Es ging nie wirklich um Gesundheitsschutz, sondern um einen Großangriff auf Freiheit, Menschenrechte und Demokratie. Anknüpfend an diesen Grundgedanken entwickelt Osrainik ein wuchtiges „J’accuse“, das all den zaghaften bis regierungshörigen Schreiberlingen zeigt, wie mutiger Journalismus heute aussehen muss.

Corona-Skeptikern wird gern vorgeworfen, dass sie komplizierte Sachverhalte vereinfachten. „Verschwörungstheoretiker“, so heißt es in billig gemachten Propagandaartikeln, scheuten die Komplexität der Realität, der der regierungstreue Journalist natürlich furchtlos ins Auge blickt. So werde alles auf ein simples Gut-Böse-Schema heruntergebrochen. Die Wahrheit ist: Einfach macht es sich vor allem der, der die Regierungsverlautbarungen und den kleinsten gemeinsamen Nenner der Medienberichte zu Corona einfa6ch nachplappert..

Jagt den Juden Ken Jebsen!

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Die zentrale Kategorie des Rassismus ist die Minderwertigkeit. Durch die Brille des Rassismus gelten Fremde, also Menschen mit einer anderen Hautfarbe, Sprache, Abstammung, Herkunft, Religion, anderen politischen Anschauungen und anderen Geschlechts ebenso als minderwertig wie Personen, die krank, behindert oder einkommensarm sind. Wenn viele Menschen glauben, dass sich Rassismus nur auf die Ersteren bezöge, dann übersehen sie, dass Rassismus sich immer gegen ALLE MENSCHEN richtet.

Seinem Wesen nach zielt Rassismus nicht auf subjektiv wahrgenommene Eigenschaften einer Gruppe bzw. einer Person, sondern verneint deren Gleichrangigkeit und im Extremfall deren Existenzberechtigung.

https://ecmfactory.ch/videos/watch/38b15e83-e5ac-488e-af7a-5b1c6e22e79c

A Threat to Free Speech: The Craig Murray Trial + Free Speech | How To Bake

In this video, we provide an in-depth explanation of the petition against former UK ambassador Craig Murray. Murray has been charged on three counts of Contempt of Court in Scotland in relation to articles he posted to his personal website while covering the Alex Salmond trial. Murray could face up to two years in prison and an unlimited fine.

Free Speech is a lot like cake. It’s nice, not free, and the gluten intolerant oligarchs running social media don’t really like either. Just ask Trump.

Der letzte Damm

Ein Standpunkt von Roland Rottenfußer.

Wer hätte vor 12 Monaten gedacht, dass wir innerhalb der Weltgesellschaft in diesem Jahr eine ungeheure Mutation erleben würden ─ vom Homo sapiens zum Homo coronicus, einem gleichgeschalteten, angstgesteuerten Wesen mit maskenbedingt vorgewölbter Mundpartie und einem krampfhaften Vermeidungsverhalten, wenn sich Artgenossen nähern? Wir befinden uns auf dem Weg in einen Transhumanismus, der vorerst ohne Cyborgimplantate auskommt. Den Suggestionen journalistischer und wissenschaftlicher Hofschranzen folgend, wollen viele den Menschen alten Typs überwinden, wollen mehr als menschlich sein und sind gerade deshalb dabei, weniger als das zu werden. Transhumanismus ist wie Prähumanismus vor allem eines: inhuman.

Das Virus ist nicht inexistent, nein. Wie ein Luftballon, der im Originalzustand ein schlaffes, kleines Ding ist, wurde auch Corona nur groß, weil man sehr viel Luft hineingeblasen hat ─ ein Gasgemisch aus Behauptungen, Fantasien und Ängsten.

Viele dieser Aufbläser sind Journalisten wie wir. Sie tragen willfährig das große Gerücht weiter, das Gespinst einer historischen Bedrohung, die es angeblich notwendig macht, dass die Weltgesellschaft aus Angst vor dem Tod Suizid begeht. Sie tun es, teils weil sie wirklich an die große Corona-Erzählung glauben, teils weil sie meinen, von Berufs wegen daran glauben zu müssen ─ vielleicht aus Angst, ihre journalistische Existenz zu verlieren, sofern sie nicht aufhören, Journalisten zu sein.

Wikileaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson berichtet über Julian Assange

Deutsche Übersetzung

In dieser Rede, die am 4. Februar 2020 in London aufgezeichnet wurde, spricht der Chefredakteur von Wikileaks, Kristinn Hrafnsson, den Fall Julian Assange an. Hrafnssons Rede beginnt mit seinen jüngsten Erfahrungen mit Assange, als er ihn kürzlich im Belmarsh-Gefängnis besuchte. Anschließend geht Hrafnsson auf die Anschuldigung der US-Regierung ein, die behauptet, dass Assange ein Hacker und kein Journalist sei. Er untersucht die wichtigsten Enthüllungen von Wikileaks, als Assange die Organisation leitete, die Bedrohung, die seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten für die Pressefreiheit darstellt, und stellt abschließend die Bedeutung kollektiver Maßnahmen fest.

Grundsatzfragen sind keine Frage

Ein Kommentar von Christiane Borowy.

Coronavirus, Wahl in Thüringen, Julian Assange sitzt im Gefängnis, Markus Lanz macht schlechtes Fernsehen – mehr hat die Berichterstattung in den letzten Tagen thematisch nicht zu bieten. In jedem Medium werden die gleichen paar Themen und nachrichtentechnische Luftnummern wiedergekäut. Dabei sollen Emotionen geschürt werden, doch an echter Empathie und dem Stellen grundsätzlicher gesellschaftlich relevanter Fragen wird schlichtweg vorbeigeschrieben. Die wesentlichen Fragen kommen nicht auf den Tisch, denn schließlich ist man ja schon „am Puls der Zeit“.

Hochverrat mit vier Buchstaben

Als Willy Brandt sich in den frühen 70er Jahren dafür entschied, eine eigenständige Ost-Politik zu wagen, wurde das in Washington nicht nur mit Argwohn beobachtet. Für das Pentagon galt der deutsche Bundeskanzler Brandt seither als unberechenbar und „Brandt-gefährlich“. Brandt gefährdete mit seiner authentischen Friedens- und Entspannungspolitik das Geschäftsmodell des Militärisch-Industriellen-Komplexes. Brandt suchte und fand den Frieden, der später unter Kohl in der Wiedervereinigung mündete, während sich das Pentagon bis heute vor allem darauf versteht, den Krieg in alle Welt zu tragen.

Unsere Leitmedien und das älteste Gewerbe der Welt


Foto: Public Domain/Wikimedia

Auf der Plattform Swiss Propaganda Research ist gerade ein anonymer Bericht eines Top Level Journalisten erschienen. Mit trockenen Worten schildert er, welcher Arbeitsethos heute in den Redaktionen unserer vielgepriesenen  Qualitätsmedien herrscht:

Ich bin selbst schuldig, Teil des Systems zu sein oder zumindest das Spiel mitzumachen …

Die meisten seilen sich bevor sie 50 werden in die PR ab. Das Angebot von gutbezahlten PR-Jobs ist für erfahrene Journalisten gross. Der Spruch: «jetzt gehe ich dann in die PR, weil das was ich hier mache ist nicht viel anders, einfach schlechter bezahlt», ist nicht unüblich. Wer die Überzeugung hat, mit Journalismus etwas bewirken zu können, ist sehr jung, oder wird ausgelacht von der Mehrheit.

… Vordergründig herrscht in den Mainstreammedien kompletter Meinungspluralismus – abgesehen von Einzelfällen tun sich Journalisten kaum mit festen Überzeugungen hervor: Man ist für alles offen, suspekt ist, wer eine Haltung hat und konsequent aus dieser Haltung berichtet. Die Journalisten mit einer konsequenten Weltanschauung sind rar.

… Es ist nicht so, dass es vor 20 bis 30 Jahren auf den Redaktionsstuben keine Selbstzensur, Gleichschaltung, vorauseilenden Gehorsam und Tunnelblick gegeben hätte. Doch die Rahmenbedingungen in den heutigen „Redaktionsfabriken“ der Mainstream-Medien fördern geradezu den ideologielosen, opportunistischen, Klick-orientierten Journalismus, dem die wichtigen Fragen entgleiten.“

(Quelle: https://swprs.org/bericht-eines-journalisten/ )

Diese als „Geständnis“ betitelte Schilderung eines Leitmedien-Journalisten folgt geraume Zeit auf die legendäre Rede des New York Times-Chefredakteurs John Swinton. Bereits zu Zeiten, in denen die regierungsnahen Leitmedien noch über allen Verdacht erhaben waren und die von ihnen ausgegebenen Texte von fast jedermann/jederfrau täglich konsumiert und weitgehend unreflektiert internalisiert wurden, meinte Swinton:

 „Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. … Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“ (Quelle: Wikipedia)

Der Vergleich mit dem Gewerbe der Prostitution wird vielen Journalisten, die mit ihrer Berufswahl an sich angetreten sind, um der Wahrheit, Aufklärung und Humanität zu dienen (so denke ich naiver Mensch mir das zumindest), wohl sauer aufstoßen. Man mag darüber streiten, inwiefern zwischen den beiden Gewerben moralische Parallelen bestehen, auf rein monetär-existenzieller Ebene betrachtet, befinden sich Journalisten heute allerdings in der Tat in derselben Zwickmühle des Prekariats wie die Gewerbetreibenden in der Prostitution: Konnte man in guten alten Zeiten noch schnelles Geld machen, wenn man bereit war, seine menschliche Würde aufzugeben und sich unter den Hund zu bringen, so bekommt man fürs Beinebreitmachen heute mitunter gerade mal 15 Euro (Quelle: ZDF Reportage „Bordell Deutschland“), wovon mehr als die Hälfte an den Zuhälter und ans Etablissement gehen. Unterm Schnitt bleibt der Prostituierten also ein mieserer Stundensatz als einer Reinigungskraft, obwohl erstere laut Statistik ein größeres Gesundheits- und Todesrisiko eingeht als ein Soldat, der in den Krieg zieht. Etwas bessere Bezahlung gibt es allenfalls noch im Nobelescort-Service, allerdings ist die Ausschlachtungszeit dort sehr gering, ständig drängt billiges Frischfleisch aus dem Osten heran, während abgehangenes Fleisch von den Metzgern schnell ausrangiert wird.

Gleichermaßen konnte man in guten alten Zeiten als Bezahlschreiber bei den deutschen Leitmedien eine Menge Geld verdienen, wenn man bereit war, sein Herz gegenüber der herrschenden (transatlantisch-neoliberalen) Meinung breitzumachen und seinen Ethos an den Nagel zu hängen (siehe dazu Interview mit dem ehemaligen Welt-Journalisten Dirk C. Fleck bei KenFM«Wir leben in einem globalen Schweinesystem … Es gibt in Amerika 1.500 Zeitungen, 1.100 Magazine, 9.000 Radio­stationen und 1.500 TV-Anstalten. Die sind in sechs Händen konzentriert. Davon sind vier Rüstungs­unter­nehmen und zwei Energie­unter­nehmen. Jetzt wissen Sie Bescheid über „die freie Presse“.» Nun ist aber auch unter denen, die bisher den vollen Rückenwind des Mainstreams genossen haben, Saure-Gurken-Zeit angebrochen. Obwohl sie das mühsame Schwimmen gegen den Strom tunlichst vermeiden wollten, müssen sie nun in unwirscher Strömung um ihr Überleben paddeln. Denn nicht nur billiges Frischfleisch und junge Prekariats-Volontäre drängen in die Schreibstuben der ehemaligen Gutverdiener nach, auch die zunehmende Digitalisierung gräbt dem Nachrichtengewerbe das Wasser ab: Info-News werden von einer der drei Pressekonzerne AP, Reuters und AFP  wie vorgebackene Brötchen angeliefert und können per copy & paste übernommen werden (wie lediglich drei globale Nachrichtenagenturen als Zapfsäulen für die nationalen Massenmedien dienen, ist im SWPRP-Medienreport „Der Propaganda-Multiplikator“ nachzulesen).

Um die Tiefkühlbrötchen der Presseagenturen aufzubacken, braucht es allenfalls einen Kosmetiker, aber keinen Journalisten mehr, der wirklich in die Tiefe recherchiert und das macht, wozu er als Journalist eigentlich ausgebildet wurde. Demnächst braucht es sogar nicht einmal mehr den Kosmetiker – smarte Algorithmen übernehmen mitunter bereits das Schreiben kompletter Artikel. So ist es in mehreren US-Zeitungen bereits gang und gäbe, dass man dem Computer nur noch ein Sportergebnis füttert und der Blechkollege dichtet eine Story drumrum, die dann unredigiert abgedruckt wird. Auch auf Wikipedia werden schon seit längerem automatisierte Bots eingesetzt, die im Netz verfügbares Informationsmaterial durchforsten und daraus pro Tag bis zu 100.000 Artikel verfassen, die sogar für das skeptische Auge von Gwup-Nerds und der Sheldon Cooper-Community alle Anforderungen an Wissenschaftlichkeit und Sachzwänglichkeit erfüllen (siehe Spiegel).

Doch nicht nur dem niederschwelligen Boulevardjournalismus stehen wenig rosige Zukunftsaussichten ins Haus. Auch im Nobelescort-Bereich des Journalismus ist die Luft dünn geworden, allerortens wird gnadenlos rationalisiert. Wie aus der Redaktion ausgestiegene Journalisten berichten, sind die Zeiten, in denen man als gewöhnlicher Spiegel-Redakteur wirklich gut verdient hat, längst vorbei und hat auch die Porsche-Dichte in der Tiefgarage deutlich abgenommen. Allenfalls als Chef der Etablissements hat man noch leicht lachen und kann bei abendlichen Gala-Diners von Atlantikbrücke-Verein & Co. entspannt Champagner schlürfen und Schokotrüffeln schlemmen – und das Schulterklopfen der ganz Mächtigen genießen. Dass Putin und Russland in der deutschen Medienwelt die alternativlos Bösen bleiben, lässt man sich in der oberen Liga schon noch etwas kosten.

Für kleine Schreiberlinge und Nachwuchstalente sieht es jedoch traurig aus, denn sie sind in der postfaktischen Medienwelt jederzeit ersetzbar geworden. Niemandem wird es auffallen, wenn sie nicht mehr auf ihrem Arbeitsplatz Dienst verrichten, geschweige denn, ihnen eine Träne nachweinen. Wie der eingangs erwähnte Journalist im SWPRS-Bericht erzählt, herrscht in den Massenmedien mittlerweile Existenzangst und Endzeitstimmung:  „Nirgends war das Klima der Angst grösser und expliziter als beim grössten privaten Medienhaus der Schweiz. Die Angst vor der nächsten Sparrunde, Umstrukturierung, vor dem unerwarteten Seitenhieb in der Blattkritik.“ Die Existenzangst führe dazu, dass die Journalisten ihre eigenen Denkmuster nicht mehr hinterfragen und insbesondere einer „US-EU dominierten Sicht- und Erklärweise der Weltereignisse“ unterliegen.

Nichts ist in den Schreibstuben also mehr wie früher. Sogar wenn sich bedingungslos auf Blattlinie schreibende Journalistinnen wie die junge Leonie Feuerbach um Kopf und Kragen schreiben, indem sie mit allem ihnen zur Verfügung stehendem Krallen- und Beißwerkzeugeinsatz politisch nicht korrekte Friedensfestivals an den Pranger stellen (siehe heise) und mit aller gebotenen Härte gegen „Querfrontler“ wie Ken Jebsen, Xavier Naidoo oder Werner Altnickel vorgehen, ist nicht gewiss, ob die eifrigen GedankenpolizistInnen nicht schon übermorgen selbst wegrationalisiert werden. In Zeiten, in denen morgen nichts mehr so ist wie gestern, kann es schnell mal sein, dass sich Leonie Feuerbach als Kühlregalschlichterin beim Lidl widerfindet, obwohl sie doch gerade erst nach stolzer Gutsherren(frauen-)art das Horn zur Jagd geblasen hat und mit einem stattlichen Rudel an Labradoren im Gefolge über die urbanen Äcker des neoliberalen Fürstentums geritten ist.

Wer weiß, vielleicht wird die jagdlustige Dame, die unzähligen Hasen den kalten Angstschweiß aus dem Fell getrieben und ihnen dieses dann über die Ohren gezogen hat, unvermittelt von einem Burnout gestreift … oder die grüne Galle, die sie im Kampf gegen unbotmäßige Friedensaktivisten entwickelt hat, schießt ihr in die Nieren … – und schon kann Schluss sein mit der spitzen Schreibtischtäterschaft und dem Sold am Monatsersten. Wenn man heute nur für kurze Zeit einmal nicht mehr leistungsfähig ist, dann darf man erleben, wie das leistungsorientierte System, für das man zuvor mit aller Verve gekämpft hat, mit einem selbst umgeht. Auch wenn sie jetzt noch im ledergepolsterten Vorzimmer zum Chef sitzt und aus der erhöhten Sitzposition des SUV nach unten blickt, selbst ambitionierte Nachwuchskräfte wie Leonie Feuerbach, die alles gegeben haben, sind heute nicht davor gefeit, schon morgen ausrangiert und auf Hartz 4 gesetzt zu werden. Statt SUVs in der Tiefgarage dürfen sie dann versprengte Einkaufswägen an der Lidl-Kassa parken.

Dabei war der Traum vom kleinen Glück bereits so greifbar nahe: Nachdem die junge Leonie laut ihrer FAZ-Vita dem ehrwürdigen Leitmedium von 2014 bis 2016 als Volontärin gedient und nach dieser zweijährigen Bewährungsprobe schließlich am 1. April 2016 dasjenige Privileg erhalten hat, das für eine Studentin der Politikwissenschaften in heutiger Zeit seltener ist als ein vierblättriges Kleeblatt in einer Sandkiste: eine Festanstellung als Redakteurin. Nach dem Platzen der schillernden Seifenblase, auf die Oma besonders stolz war, wird die junge Leonie dann womöglich auch verdutzt feststellen dürfen, dass die nadelgestreiften Feudalherren, in deren Sold sie früher stand, an der Kassa keinen einzigen Cent Trinkgeld springen lassen, während Friedensaktivisten, denen sie in ihrem früheren Leben den medialen Garaus bereitet hat, sich als unerwartet großzügig erweisen, obwohl diese selbst ein karges Auskommen haben und in zerschlissener Kleidung unterwegs sind. Angesichts der herablassenden Art der nadelgestreifen Herren, mit denen sie früher auf Augenhöhe scherzte und die nun bei ihr einkaufen, wird die geharzte Leonie womöglich sogar an die leibhaftige Existenz von Reptiloiden zu glauben beginnen, obwohl sie solchen Verschwörungstheorien bisher immer sehr abhold war.

Wie sie in ihren FAZ-Artikeln unter Beweis gestellt hat, verstand es Leonie, Verschwörungstheorien mit fachmännischer Journalistenhand zu einem toxischen braunen Cocktail zu mixen, in den als Zutaten neben Chemtrails, den 9/11-Anschlägen, Reichsbürger-, Tiefenstaat- und Überwachungsphantasien, Aluhüten und sonstigem „kruden“ Kraut dann auch noch beiläufig die Namen derjenigen Personen eingestreut wurden, vor denen man als aufgeklärter fernsehender Spiegelbildbürger unbedingt auf der Hut sein sollte (siehe FAZ).

Wären da nicht diese verflixte Digitalisierung und der gnadenlose Ökonomisierungsdruck, die Chefetage hätte Leonie Feuerbach diese Cocktails bis zu ihrer Rente jede Woche aufs Neue weitermixen lassen, um sie dann wie Schrotladungen ins weite Feld des „manufacturing consent“ zu schleudern (siehe Rezension zu Noam Chomsky auf Nachdenkseiten: „Die Wachhunde der Machtelite“), obwohl die Leser solcher Ergüsse bereits überdrüssig sind und sich angewidert abwenden. Jedenfalls wird die neue Smart-App „Leonie 4.0“ das Mixen dieser Cocktails genauso gut beherrschen – und zwar im Bruchteil einer Sekunde und zu einem Bruchteil der betriebswirtschaftlichen Kosten, die momentan noch für Humanressourcen auflaufen. – Humanressourcen, die sich gerade selbst in die Obsoleszenz schreiben.

 

***

Zum Thema Journalismus siehe auch:

Prof. Reiner Mausfeld: „Der leise Tod der öffentlichen Debatte“

Jens Wernicke bei KenFM: „Lügen die Medien?“

Nachrichtenspiegel: „Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit – Teil 1: Im Griff der Würgeschlange“

Nachrichtenspiegel: „Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit – Teil 2: Die Götterdämmerung der Lügenpresse“

Die besten Aprilscherze 2015

Digital StillCamera

Karfreitag, 3.4.2015. Eifel. Wie jedes Jahr: die besten Aprilscherze 2015, diesmal aus redaktionsinternen Gründen mit etwas Verzögerung. Ja, wieder einmal  hat es die Medienelite geschafft, das Volk mit geschickt platzierten Falschmeldungen hinters Licht zu führen. Nicht, dass sie das nicht öfter machen: Beliebtheitsumfragen zur Kanzlerin, griechische Stinkefinger, Massenvernichtungswaffen im Irak und aller Welt – wir werden öfter an der Nase herumgeführt, als uns lieb ist, was aber gerade zum 1. April eine ganz besondere Herausforderung darstellt.

Mein Liebling ist dieses Jahr der Spiegel mit seiner Landkarte über Staatsverschuldung (siehe Spiegel): eine Weltkarte der Staatsverschuldung zeigt Deutschland im allerbesten Licht, während der Rest der Welt in Finsternis versinkt. Nun gut, das entspricht noch dem Duktus der Kanzlerin und ihres musikalischen Dauerbrenners „Deutschland geht es gut“, doch nur eine Karte weiter, bei der „Staatsschuldenquote 2015“ wird ganz dick aufgetragen: da soll es doch in der Tat Libyen, dem Tschad, Südsudan und sogar dem völlig verhassten Russland besser gehen als den Spitzen der kapitalistischen Marktwirtschaft? Frankreich, England, USA, Japan tiefrot wie Griechenland, aber Bulgarien, Rumänien, Polen und Weißrussland, Kasachstan, Usbekistan, Nepal, Burma und Bangladesh als Vorzeigeländer?

Ha ha ha – selten so gelacht.

Gleich darunter: der nächste Knaller. Obwohl man sich zuvor noch massiv über die maroden Finanzen der EU beschwert hat, die sogar Kambodscha erschauern lassen, behauptet man doch allen Ernstes, die EU würde sich Milliarden von Euro durch die Lappen gehen lassen, weil Konzerne nicht richtig besteuert werden (siehe Spiegel), ja, der Titel geht sogar davon aus, dass dies Absicht ist: „EU läßt Steuertrickser gewähren“. Fehlte nur noch ein Hinweis auf die tausenden von Konzernlobbyisten in Brüssel und wir hätten eine perfekte Verschwörungstheorie. Wie gut, dass wir wissen, dass es gar keine Lobbyisten gibt – und auch keine Konzerne, die unehrlich gegenüber ihren Gastländer sind.

Wer nun denkt, der Spiegel hätte damit sein Aprilpotential erschöpft, der irrt. Gleich die nächste Meldung zeigt, wie sehr man die Gunst der Stunde nutzt, um weitere Verwirrung zu stiften. Während jeder deutsche Bahnfahrer weiß, dass die Fahrpläne der deutschen Bahn nur unverbindliche Annäherungswerte darstellen, gegen die die Wettervorhersage für die nächsten zwei Monate ein außerordentlich präzises und zuverlässiges Unterfangen darstellt, wird nun der April benutzt, um ganz unterschwellig zu suggerieren, dass ja jetzt nur der Wind schuld hat, dass die Züge zu spät kommen (siehe Spiegel). Bin mir sicher, dass die Reisenden der nächsten Jahre diese Aussage dankbar aufnehmen und daraus ein geflügeltes Wort wird: „Die Bahn hat mal wieder „Niklas“!“.

Eher peinlich aber doch von feiner Ironie durchdrungen war die Meldung, dass Angela Merkel mal wieder die beliebteste Kanzlerin der ganzen Galaxis ist, diesmal, weil sie direkt nach dem Absturz der Germanwings-Maschine als „Kümmer-Kanzlerin“ zum Absturzort geflogen ist, um dort mit brav einstudierter Betroffenheitsmiene selbst nach DNA-Spuren des suizidalen Attentäters zu suchen. Anders als Hollande und Rayoi zeigt das Foto eine Kanzlerin, die sich keine Spur auf dem Boden entgehen läßt (siehe Spiegel): gut getroffen, aber mal ehrlich – wer glaubt dann noch wirklich den manipulierten Umfragen der merkeltragenden Medien? Na ja – 1.April ist 1. April.

Sehr cool war die geschickt platzierte Meldung um den Geniekult von Studienfächern wie Mathematik, Physik und Philosophie (siehe Spiegel), die man wirklich nur zum 1. April bringen kann: jeder Depp weiß, dass Mathematiker bei Versicherungen hängen bleiben, Physiker im Bankenbereich verrotten und Philosophen gleich nach dem Studium einen Dauerparkplatz in den Wartesälen der Jobcenter erhalten.

Noch besser aber – und hiermit hat der Spiegel mal wieder den Preis für das Aprilmonster des Jahres 2015 verdient – war die weit hinten versteckte Meldung, dass Frauen 23 % weniger arbeiten als Männer (siehe Spiegel), weil sie nach der Arbeit nach Hause fahren und sich um Haushalt und Kinder kümmern. Klar: Haushalt und Kinder sind Frauenarbeit und deshalb nicht als „Arbeit“ anzuerkennen. Das geht echt nur am 1. April.

Schlecht hat dieses Jahr die Konkurrenz abgeschnitten:

Allen ernstes will uns die Zeit klar machen, dass unsere Schulen marode sind und präsentiert zum Beweis … eine Leserumfrage, die zeigt, dass der überwiegende Teil der Eltern den Zustand der Schulen als eher gut bezeichnet (siehe Zeit). Ja – das nennt man auch Schweigespirale: die Kanzerlin startet 2008 und 2010 große Bildungsoffensiven … und die Zeit erwartet allen ernstes, dass im Jahre 2015 eine Mehrheit die Wahrheit über deutsche Schulen sagt … als gäbe es in der Republik der angepassten Duckmäuser auch nur einen, der Merkels Wirklichkeitsdeutungskompetenz in Frage stellen würde. Für den 1. April … auf jeden Fall sehr schwach, trotz mutiger Überschrift („Marode Schulen?“)

Besser war da schon die Meldung über den Amazon Dash-Button (siehe Zeit):

„Amazons neues Gerät sieht aus wie eine Türklingel, ist aber vernetzt: Der Dash-Button bestellt ausgewählte Produkte auf Knopfdruck. Shopping wird damit absurd einfach.“

Das wäre ja ein Aprilscherzknüller gewesen … nur leider ist die Meldung wahr. In der Adweek wird schon darauf hingewiesen, dass es sich hier wohl um einen absolut genialen Marketingstreich handelt: da wird eine Horrormeldung in die Nähe eines Aprilscherzes gerückt, damit die Menschen brav in ihren Wohnungen bleiben. So bleiben die Auswirkungen der vierten industriellen Revolution erstmal unbemerkt – dabei wird die Hälfte der Leser in Zukunft arbeitslos. Der Knopf ersetzt Aldi, Lidl und Norma durch Amazonpakete … ein paar tausend Menschen wird es dadurch super gehen, der Straßenverkehr wird entlastet (ein Amazon-Transporteur versorgt ein Dutzend Haushalte, deren PKW´s in der Garage bleiben), Millionen von Verkäufern werden arbeitslos und bekommen Versorgungsprobleme, weil sie sich die teuren Amazon-Möhren von Hartz IV nicht mehr leisten können.

Das verdient einfach einen Sonderpreis für die gruseligste Wirklichkeit im Schatten des Aprilscherzes.

Völlig daneben dieses Jahr die FAZ. Wirklich – da merkt man die Massenentlassungen in den Redaktionsstuben. Schauen Sie sich das mal an (siehe FAZ):

„Der deutsche Staat hat 2014 einen Milliardenüberschuss erwirtschaftet. Trotzdem sind die Schulden weiter gewachsen.

Obwohl der Staat im vergangenen Jahr 18 Milliarden Euro Überschuss verbuchte, erhöhte sich der Schuldenstand nach Angaben der Bundesbank vom Mittwoch gegenüber dem Vorjahr um 2 Milliarden Euro auf 2,168 Billionen Euro.“

Wie billig im Vergleich zum Spiegel, der uns mit der Meldung neckte, dass es Russland, Rumänien und Bangladesh so viel besser geht als uns Deutschen. Noch billiger die Erklärung: der Grieche ist schuld … bzw. die Eurorettung. Als würden unsere Politiker wirklich mehr Geld ausgeben, als sie haben. Wäre Deutschland wirklich so hoch verschuldet, hätte doch kein Bundestagsabgeordneter für die Erhöhung der Diäten gestimmt. Welcher Vater würde sich schon in Zeiten klammer Kassen das eigene Taschengeld erhöhen, während die Kinder hungern? Nein – so etwas Asoziales lasse ich mir nicht verkaufen … auch nicht am 1. April!

Einfach hat es sich dieses Jahr der Focus gemacht: er brachte gleich Juxmeldungen in Serie unter der Bezeichnung „Das ändert sich für Verbraucher am 1. April“ (siehe Focus). Angeblich soll jetzt bei verpacktem Fleisch (es sei denn, es kommt von der gemeinen Kuh) immer draufstehen, aus welchem Land es stammt und wo es geschlachtet wurde … also würde die Industrie das mitmachen. Man stelle sich mal vor, auf der Ziege steht: „geschlachtet in Namibia 1983“ – dass isst dann doch kein Mensch mehr. Wie soll man denn so sein Gammelfleisch loswerden? Nachher verlangen die noch, dass auch wirklich drin ist, was draufsteht … also in diesem Fall wirklich Ziege und nicht alter Hund. Ha ha ha – so funktioniert Rendite nicht. Dafür sollen EU-Landwirte wieder in den Milchsee investieren dürfen, den wir mit Mühe abgebaut haben – die Überflutung der Märkte mit Milch soll aber völlig preisneutral bleiben … ha ha ha. Der beste Joke – neben verkürzter Erste-Hilfe-Maßnahme für Führerscheinneulinge (eigentlich praktisch: bei Unfällen hält sowieso niemand mehr) und mehr Geld für Pelletheizungen vom Pleitestaat (geht der Staat auch pleite: Hauptsache, der Reiche hat´s warm) fand ich die Reduzierung der Rundfunkbeiträge um 48 Cent. Ha ha ha – wovon soll der Jauch dann Millionär werden und der Kleber sich seine Anzüge schneidern lassen? Ich meine: würde man die komplett abschaffen, wäre das eine glaubwürdige Meldung, nach den Klöpsen, die die in den letzten Monaten gebracht haben … aber eine Reduzierung um 48 Cent? Selten so gelacht. Viele Deutsche werden das geglaubt haben und spontan zum Griechen gegangen sein, um die Kohle zu verfressen. War aber nur ein Scherz.

Cool war die Tagesschau mit der Meldung, es gäbe schärfere Regeln fürs Fracking (siehe Tagesschau):

„Die umstrittene Fracking-Technologie soll künftig nur unter strengen Auflagen erlaubt sein. Nach einem Gesetzentwurf des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums ist eine kommerzielle Nutzung ab 2019 aber nicht ausgeschlossen.“

Die strengen Auflagen? Die Arbeiter dürfen keine roten Strapse tragen, es darf nicht in der Nähe von Regierungsvierteln oder Nobelvororten gebohrt werden und der zuständige Lobbyist hat einmal die Woche bei den entscheidenden Stellen vorzusprechen, um seine aktuelle Statusmeldung in Form von Bargeld zu hinterlassen, gerne auch als Parteispende.

Selten so gelacht.

Völlig humorlos hingegen die TAZ mit dem oft durchgekauten Thema „Arbeitslosigkeit“. Angeblich seien die Arbeitslosenzahlen gefälscht, behaupten die, sagen, dass „Vergreisung“ die beste Jobmaschine sei. Wie fad. Wir wissen alle, dass deutsche Rentner noch nie so gesund waren – und noch nie so sehr auf ihren Nebenverdienst angewiesen waren, um dem Hungertod durch Minirente entgehen zu können. Sogar die Griechen sollen eine bessere Rente als die Deutschen bekommen … redet man so hinten herum. Aber deshalb wollen die Deutschen auch die griechischen Renten senken, weil sonst viele merken, dass  hier was außerordentlich schief läuft. Nur: als Aprilscherz sehr schwach, gerade von der TAZ.

Besser war da die Dauermeldung der TAZ, man sei auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell („Kann Journalismus im Netz kostenlos bleiben?“) – dabei ist klar, dass man heutzutage eigentlich dafür bezahlt werden muss, täglich einen dicken Papierstapel durchzuarbeiten, der voller stromlinienförmiger, konturloser Meinungsmache im Sinne der wenigen privaten deutschen Journalistenschulen ist. Das ist die Folge der vierten industriellen Revolution: wer Arbeit hat, hat keine Zeit, keine Muße und keine Kraftreserven mehr fürs Zeitung lesen, wer in Folge von Arbeitslosigkeit Zeit, Muße und Kraft für die Lektüre  langweilig geschriebener, nichtssagender Pamphlete hat, hat kein Geld mehr, die Horrorpreise zu bezahlen, die dem Chefredakteur die Pferdezucht sichern sollen. Vierte industrielle Revolution ist kein Mythos – und hat nicht nur Folgen für Lidl-Regalreinräumer auf 450-Euro-Basis.

Ganz doof dieses Jahr: der Stern. Plumpe Kriegspropaganda mit einer aufgeblasenen Meldung über einen neuen, russischen Superpanzer a´la Star Wars. Kann fliegen, tauchen, den Mond umkreisen und wird von Jedirittern gesteuert. Zwei Mann sollen einen super High-Tech-Panzer steuern, der nahezu unbesiegbar ist – einige sollen schon nahe Bielefeld gesichtet worden sein. Gut – da übertreibe ich, aber wer das nicht als Aprilscherz erkannt hat, muss wirklich hinterm Mond leben. Als ob der doofe, böse, geistig zurückgebliebene Russe wirklich Supertechnik produzieren kann – das würde ja unser ganze Weltbild auf den Kopf stellen. Zudem wird behauptet, dass besonderen Wert auf den Schutz der Besatzung gelegt wird … da scheint ein Putin-Versteher durch.

Der schlechteste Aprilscherz jedoch kam aus dem Haus „Süddeutsche„. Völlig geschmacklos, bitter böse und ohne jedes Niveau wurde die Gründung einer neuen Partei angekündigt – ein Scherz, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt:

„Die Deutsche-Europäische – PhilosophInnen-Partei will die Philosophie als Liebe zur Weisheit wieder rehabilitieren, jenseits des Elfenbeinturms für alle nutzbar machen und die Gesellschaft durch mehr Weisheit in der Politik wieder lebenswerter machen. Das Motto der Partei: „Geist ist geil!“

DEPP will Weisheit und größtmögliches Glück für die größtmögliche Zahl als Staatsziel, Philosophie-Kurse in Kindergärten, Schulen, und auch nach dem Vorbild Frankreichs Philosophie als Pflichtfach im Abitur einführen. Ein neues Steuersystem soll eingeführt werden mit Bonuspunkten für geisteswissenschaftliches Studium, Belegung von Meditationskursen oder Arbeiten für das Gemeinwohl.

Glück – das sollte auch in der Politik im Mittelpunkt stehen. Bislang bedeuten die meisten politischen Entscheidungen doch mehr Bestimmungen, weniger Geld, weniger Freiheit. Das wollen wir ändern.“

Weisheit in der Politik? Ja, die könnte Frieden und Wohlstand sichern.

Größtmögliches Glück für eine größtmögliche Zahl an Menschen? War mal Ziel jeder demokratischen Bewegung.

Resistenzgewinn gegen jede Form von Medienmanipulation durch profunde Ausbildung in philosophischer Reflexion? Grundbaustein für einen jeden souveränen Charakter.

Weniger Bestimmungen, mehr Geld, mehr Freiheit – mehr Glück? Die würde ich sofort wählen.

Merken Sie, wie bösartig das ist? Ein Angriff auf die selbstbestimmte Meinungsbildung des Souveräns – sowie eine endgültige Abkehr von jeglicher für ihn vorgesehenen Lebensqualität?

Pelletheizungen für Renditepöbel, aber Dummheit als Pflichtzustand für die Masse?

Klar – nur so kann man erklären, wie der Spiegel Philosophie als „Genie-Fach“ darstellt, die Süddeutsche sich aber über die Ausbildung des Deutschen zum Genie öffentlich lustig machen darf.

DEPP … Deutsch-Europäische Philosophen-Partei … das bringt mich auf eine „geniale“ Idee. Nur ein Volk von Genies kann sich auf dem globalen Markt nach dem Ausbruch der vierten industriellen Revolution noch halten … so jedenfalls die Meinung des IBM-Managers Gunter Dueck („Aufbrechen – Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen“. Eichborn 2010). Der Amazon-Knopf zeigt, dass der Abbau der Dienstleistungsgesellschaft gerade beginnt … und bewusst als Aprilscherz getarnt wird.

Wie leicht könnte man dafür sorgen, dass dieser einzig echte Aprilscherz unter den Meldungen keiner mehr ist – und wir anfangen, ein Volk von glücklichen Genies zu züchten … anstatt von arbeitlsosen Frackingopfern, die sich aus lauter Angst vor russischen Star-Wars-Panzern weiter hemmungslos verschulden?

Immerhin: wer glücklich ist, konsumiert nicht – und braucht auch keine Schulden.

Und wie es scheint, brauchen wir mehr geniale, glückliche Deppen, um den Slums der Zukunft zu entkommen.

Konsumieren … können wir dann eh´ nicht mehr.

Die „Lügenpresse“ und ihre natürlichen Feinde: die Leser

Digital StillCamera

Dienstag, 17.2.2015. Eifel. Wieder einmal Karneval. Vor sechs Jahren wurde zu einem solchen Zeitpunkt der „Eifelphilosoph“ erfunden – aus purer Langeweile. Nicht im Mindesten war die Absicht, daraus ein Medienportal zu machen oder sich mit den Großen dieser Branche anzulegen, eher war es der Tatsache geschuldet, dass ich aus gesundheitlichen Gründen morgens ein paar Stunden Ruhe brauche, um mein Tagwerk verrichten zu können. Journalist zu werden: welch´ unmögliche Vorstellung – zu nah war noch die Erinnerung an den Blick in Prüfungsunterlagen von Fernschulen, deren geforderte Testantworten schlichtweg unlogisch und sachlich falsch waren … keine Ahnung, was da ausgebildet werden soll. Nach meinem Eindruck: Wesen, die extrem hörig sind und selber nicht mehr denken. Wer seinen Kopf noch zum Denken benutzt, hätte andere Antworten auf die Prüfungsfragen gewählt: stringend logisch, aber im Sinne der Prüfer falsch – was für ein Unfug.

Sechs Jahre später schauen meine Freunde und ich auf eine verblüffende Story: die Geschichte das Nachrichtenspiegels, der von einem guten Dutzend ehrenamtlicher Schreiber und Informationsliferanten betrieben wird – aus Spaß an der Freude. Ja, auch die Politik nimmt uns wahr: regelmäßig erhalte ich persönliche Einladungen zu Pressekonferenzen nach Berlin, ZDF und rtdeutsch wollten mich auf den Bildschirm bringen – und auch einige Journalisten hatten schon mal nach Interviews gefragt … einige wenige sogar mit Erfolg.

Eine davon hat nun einen Artikel geschrieben. Wir hatten vereinbart, dass ich über den Artikel informiert werde, wenn ich zitiert werde – doch ich wurde nicht zitiert, was mich nicht weiter verwunderte. Die Gesprächsführung verlief schon erstaunlich tendenziös – was keine Absicht gewesen sein muss, war die Journalistin doch noch ziemlich jung. Es ist schwierig, in solchen Gesprächen seine eigene Meinung über den bösen Putin und die schrecklichen Russen zurück zu stellen, um den Argumenten des anderen zu lauschen – aber das macht einen guten Journalisten aus. Das würde auch einen guten Diplomaten ausmachen – aber die sind momentan scheinbar völlig in der Versenkung verschwunden.

„Nichts ist wahr, alles ist möglich“ – so lautet die Überschrift des Artikels, im „Falter“ erschienen (siehe „Falter“).  Der Satz ist schon fantastisch: die Autorin scheint die Prämissen altgriechischer Philosophie vollständig erfasst zu haben, ebenso scheint vollumfänglich die aus den Ergebnissen der Forschung über Wahrheits – und Erkenntnistheorie stammenden Erwägungen umgesetzt worden zu sein, man ist zum Kernpunkt des urdemokratischen Skeptizismus angelangt …. ja: der Demokrat MUSS immer extrem skeptisch sein, damit er nicht durch eine Informationsdiktatur auf die seichte Art gesteuert und beherrscht werden kann. So etwas stört auch niemanden im demokratischen System: im Gegenteil – es hält den Alltag lustig und lebendig. Leider befasst sich der Artikel nicht mit der absoluten Relativität menschlichen Denkens und Empfindens, sondern mit den alternativen Medien – also mit jenen Lesern, die jetzt selbst zum Stift (bzw. zur Tastatur) griffen, um – ganz demokratisch – ihren eigenen Senf dazu zu geben.

„Wissenschaftler beobachten seit Jahren eine steigende Medienverdrossenheit – nur wird über diese, im Gegensatz zur Politikverdrossenheit, so gut wie nie gesprochen. Was Pegida auf den Straßen ist, ist die „alternative Szene“ im Netz: digitale Wutbürger, die sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen. Alles im Dienste der Demokratie, versteht sich.“

Ein kleiner, feiner Seitenhieb, ein billiger Trick im Kampf um Marktanteile (und um nichts anderes geht es hier): im Internet schreiben nur Wutbürger mit rechtsradikalem, latent ausländerfeindlichem Hintergrund. Wir erfahren auch, was das für Leute sind, die es wagen, ihre Meinung, ihre Gedanken, ihre Schlußfolgerungen öffentlich zu äußern:

„Keller ist ein fülliger Mann Anfang 40, Taxifahrer und gelernter Elektriker.“

Ich übersetze das mal in die Sprache von Personalchefs: ein dicker, ungebildeter Versager (merke: nur Versager fahren Taxi und arbeiten nicht in ihrem Beruf). Kann man erwähnen, muss man aber nicht.

„Die meisten Artikel dazu stammen aus der Feder von Marco Maier, einem schüchtern wirkenden Bäcker aus Purkersdorf.“

Wie der Herr Maier auf die Autorin wirkt, dürfte eigentlich keine Rolle spielen – aber der aufmerksame Leser bemerkt gleich die weitere, versteckte Diskriminierung: da schreibt nebem dem dicken Versager auch noch ein verklemmter.

Der dritte im Bunde – der Gründer von Neopresse, ausnahmesweise mal nicht dick oder verklemmt, sondern ein Tiroler mitte dreißig, der „Neopresse in seiner Freizeit betreibt“ und im „IT-Sektor“ arbeitet. Möchte man meinen, dass hier noch mit Respekt agiert wird, verschwindet das sofort im nächsten Satz:

„In den Außenpolitik-Redaktionen der etablierten Medien würden durchwegs „Hardliner“ sitzen, die in puncto Ukraine eine klare Linie vorgäben, so Hofbauer. Wie hält „NEOPresse“ da dagegen? „Wir haben einen Autor, der Russisch kann“, ist Hofbauers Antwort.“

Das einfach mal so  in den Raum gestellt, wirkt Herr Hofbauer äußert grenzdebil – was wohl Absicht ist. So naiv kann doch nur ein hirnloser IT-Schrauber sein.

So wundert es mich nicht, dass die Autorin mit mir selber nichts anfangen konnte – „weit gereister Akademiker mit Führungserfahrung in der Wirtschaft“: das passt nicht ins Programm. Man will ja Stimmung machen, zeigen, dass man auf „Linie“ ist … und sich so für eine Festanstellung bewerben.

Das soll kein Vorwurf sein.

Die Tatsache, dass Menschen, die sich um das hohe Gut der Information bemühen, um ihr tägliches Brot mit gefälligem Geschreibsel buhlen müssen, ist ein gesonderter Skandal der Moderne, der den demokratischen Staat an seiner Wurzel angreift: ist der Bürger schlecht, falsch oder einseitig informiert, ist seine Meinungsbildung in Gefahr. In so fern machen ALLE „alternativen“ Medien einen guten Job, in dem sie einen Kontrapunkt setzen.

In der Tat: für uns demokratische Bürger ist es nicht so wichtig, dass wir alle in ein Anti-Putin-Gestöhne verfallen, sondern das wir uns unsere eigene Meinung bilden können … und das wir das zarte Pflänzchen Demokratie retten, das in Mitteleuropa noch blüht.

Was ist denn die größte Sünde der medialen „Versager und Volltrottel“?

Sie unterwerfen sich nicht der Deutungshoheit einer akademisch (d.h. von Staatsbeamten ausgebildeten) geprägten Elite, sondern machen sich ihre eigenen Gedanken. Das geht heute, denn dank Internet steht jedem Menschen ein Wissen zur Verfügung, dass einer gut ausgestatteten Universitätsbibliothek gleich kommt. Nun – sicher ist nicht alles so wunderbar wahr und heil, was im Internet steht: das gilt aber auch für Universitätsbibliotheken. Ich selbst war seinerzeit überrascht, als ich in der Universitätbibliothek der Ruhriniversität Bochum Beschwörungsrituale für den von H.P.Lovecraft erfundenen Gott „Nyarlathotep“ fand – oder … von einem renommierte Autor des 19. Jahrunderts … eine Abhandlung darüber, warum der Mond aus grünem Käse sei.

Aber – so die berechtigte Frage: ist es denn überhaupt angesagt, den „Mainstremmedien“ zu misstrauen? Berichten die nicht immer und überall objektiv und stichhaltig, nach bestem Wissen und Gewissen? Haben wir nicht hinreichend Grund zur Annahme, dass sich der etablierte Journalist mit all seinern Qualifikationen einzig und allein in den Dienst der Wahrheit stellt?

Es wäre billig, jetzt auf die Hitler-Tagebücher zu verweisen, denn man muss jedem Journalisten zubilligen, auch mal irren zu können – genauso wie man jedem Leser zubilligen muss, die gelieferten Informationen kritisch zu hinterfragen: geschähe dies nicht – Hitlers Tagebücher wären heute Standardlektüre im Geschichtsunterricht.

Wir Leser haben in den letzten Jahren viel schlimmere Zumutungen erleben müssen, haben erleben müssen, wie leicht und widerstandslos weite Teile der „etablierten Medien“ vorgegebenen Marschrouten folgen. Was sollen sie auch anderes tun – immerhin produzieren sie Nachrichten nicht selber, sondern sind auf Informanten aus der Politik angewiesen … und den Informationen einer Hand voll Nachrichtenagenturen im Privatbesitz. So war es kein Problem – noch hatte es irgendwelche Folgen – eine dreiste „Brutkastenlüge“ in die Welt zu setzen, der viele – auch kritische NGO´s – lange Zeit brav gefolgt sind.

Ebenso dreist war die Lüge über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak – einer Lüge, der mindestens 500 00o Menschen zum Opfer gefallen sind – auch Frauen und Kinder (siehe Süddeutsche). Alle etablierten Journalisten haben diese Lügen kritiklos weitergetragen – auch die großen, öffentlichen Medien, die aktuell durch gezielte, bewusste Manipulationen der öffentlichen Meinung von sich reden machen (siehe Zeit), ein Umstand, der umso bedrohlicher wirkt, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass sich die Täter der Wirkung der „Schweigespirale“ sehr wohl bewusst sein dürften und somit einen brutalen Akt der politischen Manipulation begangen haben, der die Demokratie in seiner Substanz gefährdet.

Folgen?

Keine.

Jedenfalls keine, die „das System“ gefährden, jene Netzwerke etablierten Absahnertums in der deutschen Gesellschaft, zu der viele gerne dazu gehören wollen – auch viele Journalisten. Das System? Ein Begriff, den ich von dem Universitätsprofessor Hans-Herbert von Arnim geliehen habe (gleichnamiges Buch siehe dhv-Speyer) – also nichts aus den Kreisen der von unserer Journalistin so geschmähten dicken Versager.

Aber wer liest heutzutage schon dicke Bücher, wenn es doch so einfach ist, Merkels Parole „Deutschland geht es gut“ in breiter Front zu folgen – oder dem Aufruf „Stoppt Putin“, der an Qualität dem Satz „Kauft nicht bei Juden“ erschreckend nahe kommt.

Wissen Sie, was sich die britische Regierung und die britische Marine gefragt haben, als das deutsche Schlachschiff „Bismark“ mit wenigen Schüssen die Hood – den Stolz der britischen Marine – versenkte? Sie fragten sich: „was können die sonst noch, wenn sie das schon vermögen“. Die gleiche Frage dürfen sich doch wohl auch deutsche Leser angesichts der bisherigen Erfahrungen mit deutschen (und nicht nur denen) Medien seit dem 11.9.2001 stellen – jenem Datum, das der Weltgeschichte einen ganz neuen Kurs verpasste.

Das Schöne ist: wir bekommen auch gleich eine Antwort (siehe Spiegel):

Das britische Militär hat ein neues Schlachtfeld identifiziert: das Internet. Eine neue Brigade mit 1500 Soldaten soll auf Facebook und Twitter die „Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen“.

Die Aufgabe der 77. Brigade sei die Kriegsführung im Informationszeitalter, sagte Armeegeneral Nick Carter der BBC. Er wird die Truppe leiten, die aus regulären Soldaten und Reservisten bestehen soll. Seine Untergebenen sollen über Facebook, Twitter und andere soziale Medien dafür sorgen, dass die britische Armee in bestem Licht erscheint.

Während führende deutsche Printmedien massiven Stellenabbau im redaktionellen Bereich betreiben (z.B. aktuell die FAZ mit 200 Mitarbeitern, siehe Welt), springt das Militär in die Bresche, die dort hinterlassen worden ist. Wo bleibt der Aufschrei der deutschen Medien? Wo bleibt das Entsetzen der Friedensbewegung?

Dürfen wir uns nicht die Frage stellen, die sich die britische Admiralität damals stellte: „was können die sonst noch?“

Nein – denn das führt uns ja in den Bereich der „Verschwörungstheorien“ … d.h. den Bereich der kritischen Intelligenz, die heute nicht mehr erwünscht ist.

„Kritische Intelligenz“?

Ja – in den Kreisen jener verpönten, ja fast schon verbotenen Denker, findet sich jene Vernunft, die der Philosoph schon im alten Griechenland so schätzte und die Grundlage all´ unserer westlichen Kultur darstellt (siehe Forschung und Wissen)

Eine Forschergruppe aus den U.S.A. und Großbritannien, hauptsächlich bestehend aus Psychologen und Gesellschaftswissenschaftlern, haben eine neue Studie vorgestellt, welche darauf schließt, dass Verschwörungstheoretiker entgegen allen Mainstream-Stereotypen vernünftiger sind als Menschen, welche die offizielle Version nicht hinterfragen und umstrittene oder beschrittene Ereignisse einfach akzeptieren.

Das sollte verwundern – und gehört eigentlich auf die Titelseite jedes Mainstreammediums: immerhin geht es hier um die Grundlage unserer westlichen Zivilisation, die sich aufmachte, das Licht der Vernunft in die Welt zu tragen … eine Vernunft, für die „das System“ keinen Platz mehr hat, weil sie die systematische Steuerung der Bevölkerung (ja – darum geht es bei der Benutzung der „Schweigespirale“) nachhaltig stört.

Wundert es da, dass der Begriff „Lügenpresse“ seitens der Leser wieder Relevanz bekommt? Wundert es da, dass jene, die dieses Wort benutzen, leichtfertig in die braune Ecke gestellt werden, die als taktisches Mittel der Verunglimpfung den „Kommunisten“ seit dem Ende der Sowjetunion nahtlos ersetzt hat? Das man die vernünftigen Menschen als Kranke darstellt (siehe Spiegel):

Es braucht nur ein paar Klicks, um in einen merkwürdigen, dunklen Fiebertraum abzudriften, eine schweißnasse Angstfantasie, die von einer Medienverschwörung handelt und einer dämonischen Gewalt, die uns alle manipuliert und systematisch belügt.

Dem Autor – ein Universitätsprofessor – hätte hier in der Tat mit einem einzigen Klick zur 77. Brigade geholfen werden können … wenn er die denn wahrnehmen wollte.

Dunkle Fieberträume, schweißnasse Angstfantasien, dämonische Gewalten? Seltsame Sprache. Ich merke: nicht nur ich habe die Beschwörungsrituale von Nyarlathotep in der Universitätsbibliothek gefunden.

So leicht lassen sich kritische Stimmen als kranke Geister abstempeln … wie soll es da wundern, dass der Leser irgendwann zu einem einfachen Urteil kommt und die gesamte Medienlandschaft als „Lügenpresse“ diffarmiert … einfach, weil er es satt hat, mit billigen, verzerrenden, die Vernunft verhöhnenden Dummkopfparolen hinters Licht geführt zu werden und weil er einen „Sicherheitsabstand“ wahren möchte – ganz nach dem Motto „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“.

Wer die – inzwischen zunehmend streng zensierten – Kommentarspalten etablierter Medien durchforstet, wird schnell sehen, dass es keine Minderheit ist, die dort ihren Unmut über fortschreitende Verblödung der „Qualitätsmedien“ kund tut – es sind Menschen, die sich allein auf Grund ihrer eigenen Stellung im Leben der Gewalten bewusst sind, auf die Medien Rücksicht zu nehmen haben: die Anzeigenkunden, die Parteien, die Politiker, die „Stars“ – denn nur, wer sich den Gewalten als würdig erweist, kann mit dem seltenen Segen einer Festanstellung rechnen – sei es nun als Journalist, als Pressesprecher einer Partei, eines Konzerns oder eines Verbandes: die Verwendung journalistischen Personals ist inzwischen recht beliebig geworden – wie die des politischen Personals.

Darf man da etwa nicht mehr die Frage stellen, wem das nutzt?

Nein.

Es reicht völlig, wenn man das etablierte Medium kauft – und möglichst von seinem Inhalt keine Kenntnis nimmt.

Soweit sind wir inzwischen.

So hätte man uns Leser gern.

Leider sind wir nur nicht so- und kontern auf die Verblödungsoffensive der „Generatiof doof“ mit einem einzigen Wort: „Lügenpresse“.

Über den Motivationshintergrund jener Menschen informieren die Mainstreammedien gleich mit (siehe Spiegel):

Ernüchterndes Ergebnis einer bislang unveröffentlichten Studie der Bundesregierung: Deutsche Studenten sind demnach eine konservative Gruppe, der finanzielle Sicherheit wichtiger ist als politisches Engagement. „Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer stark ichbezogenen Studentengeneration. Berufliches Vorankommen sowie materielle Werte sind für sie sehr wichtig“

Da wird konzentriert neues Absahnerpersonal erzogen – auch im journalistischen Bereich.

Und die können keine Leser gebrauchen, die ihre minderbemittelten Ergüsse nicht klaglos über sich ergehen lassen, dann das stört enorm beim beruflichen Vorankommen und dem Gewinn materieller Werte.

Die Vertreibung des Philosophen aus dem Paradies – Teil 2 und Schluss.

Digital StillCamera

Freitag, 30.1.2015. Eifel. Ich weiß nicht, ob Sie das Nachempfinden können – aber man fühlt sich als mitleidener Mensch der schreibenden Gattung  nicht wirklich wohl, wenn man das Elend der Menschheit beobachtet, beschreibt, analysiert und in die Zukunft verlängert. Der Grund ist einfach: man selber sitzt im Warmen und Trockenen, hat genug zu Essen, durch den PC Zugriff auf Milliarden von Daten und Aufnahmen aus allen Teilen der Welt, sogar live, wenn man möchte – oder auch per Satellit .. einem unglaublichen Superreichtum für einen aufmerksamen, dem Denken und Schauen zugetanen Menschen. Man hat Freunde rund um den Globus – dank Facebook, das aktuell seine Geschäftsbedingungen geändert hat.

Ja – darüber gab es viel Geschrei, manche haben den Laden schon verlassen – ohne daran zu denken, was der Laden bislang für Millionen Menschen umsonst getan hat … dass die mal nachschauen, ob man aus den Gratisgaben nicht auch mal Gewinn ziehen kann, halte ich für legitim, ja geradezu notwendig. Nicht überall finanziert die deutsche Rentenkasse einen intensiv gepflegten Internetauftritt wie bei uns – noch wäre sie dazu in der Lage. Ich bleibe bei Facebook – obwohl ich da nie hinwollte, aber das ist eine andere Geschichte.

Weshalb man sich nicht gut fühlt als reiner Schreiber? Nun – das Elend wird nur durch TATEN vermindert, nicht durch Affirmationen, Worte oder Gebete – auch wenn dieses Schlaraffenlandwunschdenken aufgrund tief empfundener Hilflosigkeit aktuell wieder hoch im Kurs steht. Schreibt man nur darüber und bleibt aufrechten Geistes merkt man schnell, dass man in einer Aasgeierposition ist: andere Menschen leiden dafür, dass man selber dank Werbeeinnahmen weit entfernt ist von der Lebenswirklichkeit des kleinen Mannes, man lebt selbst davon, dass man sein Leiden ausschlachtet – nicht immer ein angenehmes Gefühl. Eigentlich sogar: gar kein angenehmes Gefühl.

Darum habe ich die Gelegenheit begrüßt, selbst endlich mal wieder aktiv werden zu können, ohne durch gesundheitliche Einschränkungen gehindert zu werden: WOHNEN kann ich noch, längere Zeit stehen, gehen und sitzen fällt schwer. Was wäre das für eine Geschichte gewesen – arme Familien mit Kindern vertrieben vom Großkapital (oder von anderen Familien mit Kindern, die noch die Hoffnung haben, am Ende ihres Lebens auf der „Gewinnerseite“ des Gottes Geld zu stehen): hier hätte der per Grundgesetz zum Sozialstaat bestimmt Staat zeigen können, wie sozial er noch ist – zumal der Autor dieser Zeilen aufgrund vielfältiger Umstände zu jenem Personenkreis gehört, die er selber nicht als Mieter hätte haben wollen. Quatsch – das muss ich sofort korrigieren: ich war mal Vermieter, habe an sogenannte Sozialfälle vermietet – in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Gemeinde Roetgen und habe dadurch insgesamt 20 000 Euro verloren … letztlich sogar alles, was ich für meine Familie, Freunde und Verwandte aufgebaut hatte.

Ja – ich nannte einen großen Hof mein Eigen – mit viel Potential für viel mehr. Ein Paradies für Kinder – mit dem Potential, ein sicherer Ort zu werden, der vielen Menschen Zuflucht, Obdach und Schutz bieten konnte – ich hatte da schon einige Pläne und Geld genug, sie zu verwirklichen, immerhin vermeinte ich zu sehen, dass ich die politische und soziale Wirklichkeit in unglaublicher Art und Weise verfinstern wird … was sie auch tat. Wer hätte schon im Jahre 1998 geglaubt, dass wir nochmal eine Feindschaft Russland/Nato bekommen, dass eine Supermacht Krieg gegen eine Religion führt – oder der Deutsche Sozialstaat einen Vernichtungsfeldzug gegen Arbeitslose?

Ach – das ist Ihnen wieder zu hart? Da kann ich Ihnen helfen: bei meinem ersten Kontakt mit der „Arge“ – wohin man als gekündigte chronisch kranke Führungskraft zwangsläufig kommt, wenn das Arbeitslosengeld ausgelaufen ist (den Trick mit der Krankenkasse kannte ich da noch nicht – bin aber auch froh darum. Krankenkassen werden schon genug geplündert) wurde mir nahegelegt, meinen ganzen Besitz zu verkaufen (Bücher, Regale, Schränke, Schallplatten, Filme, Teppiche), damit meine Familie in eine Winzwohnung passt. Einmal so etwas erlebt und man weiß sofort, wohin die Reise geht: es geht nicht darum, wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden: es geht darum, für immer und ewig aussortiert zu werden: Vernichtung durch Mangel.

Nun – ich erwähne das manchmal: das Ende für meinen Hof kam schnell, unerwartet und völlig überraschend, der Ort, an dem sich schon viele Menschen gelegentlich im großen Garten zum Lagerfeuer trafen, war zerstört … und ich wurde ein Vertriebener, der darob auch krank wurde, chronisch und unheilbar. Umsonst der Verkauf der Seele, die Arbeitswochen, die bis zu 120 Stunden dauerten (und von denen ich heute noch Träume), umsonst das Verputzen, Mauern, Schleifen, Steine schleppen um ein 200 Jahre altes Haus am Leben zu halten: der Begriff „Heimat“ wurde für mich auf einmal sehr bedeutsam … weil sie fort war.

Das war eigentlich die erste Vertreibung aus dem Paradies, das ich für meine Kinder geschaffen hatte – und die Erfahrung hat Spuren in meiner Seele hinterlassen, die es mir ermöglicht, mit Vertriebenen mit zu empfinden. „Heimat“ – ist ja heute schon ein verpönter Begriff, weil kackbraune Scharen zwischen 1933-1945 ihn und viele andere Begriffe missbraucht und für immer zerstört hatten – dabei ist „Heimat“ für einen Menschen was Wichtigste, was es gibt: Heimat gibt Obdach, Wärme, Schutz und Geborgenheit. Manche finden ihre Heimat in Gott, andere in der Anderwelt – aber wer das nicht hat, braucht eine Heimat vor Ort, einen Ort, an den man sich zurückziehen kann, wenn draußen schlimme Stürme toben, einen Ort, der vertraut ist – und Urvertrauen in die Welt erzeugt, in das Leben, das Sein, weil er unveränderlich immer da ist und immer Sicherheit und Vertrautheit bietet, wenn man sich mal verlaufen hat.

Mir dünkt, das ein Volk, dass diesen Heimatbegriff verloren hat, zu den Vertriebenen gehört – selbst wenn sie als Deutsche noch in Deutschland wohnen.

Kann Deutschland überhaupt Heimat sein? Aktuell veröffentlicht das ARD neues Bildmaterial zum Holocaust – und ich erfahre mit Erschrecken, dass eine Mehrheit der Deutschen diesen Zeitabschnitt der deutschen Geschichte gerne „in den Skat drücken“ würden … also für immer und ewig vergessen wollen. Ich denke, es ist noch nicht im Mindesten verstanden worden, was hier in Deutschland geschah – auf der Ebene der Prinzipien, die für Philosophen ja so wichtig ist und von Nicht-Philosophen nicht wahrgenommen wird, weil sie im „Dschungelcamp“ (auch eine Verletzung elementarer menschlicher Prinzipien – und Folter für jeden emphatischen Geist, der gezwungen wird, sich dieses Leid hilflos anzusehen) keine Verwendung dafür haben. Kaum jemand hat begriffen, was es bedeutet, dass es wirklich ein Land gab, in dem die industrielle Massenvernichtung Gestalt angenommen hat … und deshalb JEDERZEIT wieder möglich ist, solange wir nicht begreifen, was genau zwischen 1933 und 1945 schief gegangen ist.

Wir wissen schon  ziemlich viel – doch das ist einer kleinen, zumeist akademischen Elite vorbehalten. Wir wissen, dass der Normalbürger in Serienproduktion zum Serienkiller umerzogen werden konnte – in atemberaubender Geschwindigkeit. Wer in Prinzipien denken kann bzw. das noch nicht verlernt hat, der sieht, dass „Dschungelcamp“ und „Hartz IV“ etwas gemeinsam haben: beide Erscheinungsformen der Moderne enthalten den düsteren Schatten der brutalen Verrohung des Normalbürgers – einer Verrohung, die – wenn sie nicht aufgehalten wird – wieder in Vernichtungslagern enden wird.

Wieder wird man sagen: „Wir haben von allem nichts gewusst“ – so wie heute junge Leute, die von ihren Eltern in sichere berufliche Positionen gehieft wurden, erstaunt sind, wenn ich ihnen von Hartz IV erzähle: von Sanktionen, die tödlich enden können, von mitleidlosen Beamten, die sie verhängen, von drastischen Beschneidungen der Reisefreiheit und der völligen Vernichtung jeglicher Zukunftsperspektive … obwohl die Behörde diese eigentlich verbessern sollte. Für eine solche Verbesserung bräuchte man allerdings kreative Unternehmertypen (ein Berufstand, den man heute kaum positiv erwähnen kann, weil er sich durch die flächendeckende Ausbeutung seiner Mitmenschen unmöglich gemacht hat) und keine zwangsversetzten Friedhofsbeamten … wiewohl das mit dem Friedhof langfristig gesehen ja Sinn ergeben mag.

Ja – wer Hartz IV bezieht, stirbt fünf Jahre früher (siehe Heilpraxis.net): als jemand, der noch eine profunde Ausbildung in Ethik und Moral hat, darf ich mir erlauben dies als „bewusste und zielgerichtet durch Mangelversorgung und Entwürdigung herbegeführte Vernichtung“ zu beschreiben – und ich bin mir sicher, dass zukünftige Historiker nach dem nächsten Krieg dies so sehen würden.

In Deutschland wiederholt sich die Nazi-Aktion „Arbeitsscheu Reich“ – und keiner will es merken. Die Aktion heißt ja auch anders. Früher machte ja auch keiner laut Propaganda mit der Massenvernichtung unwerten Lebens (was neben Juden auch Linke, Behinderte, Kriegsversehrte, Roma und sonstwie unbequeme Nachbarn waren), man nannte es „Umsiedlung“ … und alle lauschten weiter glücklich und zufrieden den beruhigenden Klängen aus dem Radio.

Hach – ich merke: ich bin ausschweifend geworden. Das aber … ist der Job des Philosophen: den Schmetterlingsschlag sehen, der später (laut Chaosforschung) zum Tornado wird, in dem man die Vernetzungen aufzeigt, in denen sich der Flattermann befindet.

Bleiben wir bei der Geschichte der Vertreibung des Philosophen aus dem Paradies, die spontan und unerwartet endete. Ja – zu schnell. Was wäre es für ein Werk gewesen, eine dieser Entmietungen mal in aller Öffentlichkeit live kommentieren und beschreiben zu können. Tausende Arme werden so aktuell aus den Städten vertrieben … aber wir nennen das nicht so. Will ja auch keiner gerne mehr öffentlich als Gauleiter auftreten … nur die Funktion würden sehr viele im Geheimen gerne ausüben.

Dem Philosophen wurde neuer Wohnraum angeboten: absolut ideal für meine Bedürfnisse. Endlich keine Gartenarbeit mehr – mit meinem Rücken war das Selbstfolter. Endlich öffentlicher Nahverkehr, der hält, was er verspricht – und hält, anstatt vorher abzubiegen, weil ihm das Minidorf am Ende der Straße zu doof ist. Endlich keine Abhängigkeit mehr vom eigenen PKW – der größte Kostenfaktor meines Lebens.

Ja – es ist eine wunderbare Wendung der Geschehnisse, die die Reihe „Die Vertreibung des Philosophen aus dem Paradies“ schnell enden läßt: er wohnt bald besser als hier, wo beständige Verkaufsabsichten Unruhe ins Leben brachten … eine Unruhe, die nur schon mal Vertriebene in vollem Umfang verstehen können – ebenso, wie nur sie die permanente, irrationale und schleichende Angst vor Obdachlosigkeit nachvollziehen können.

Man landet in Deutschland inzwischen schneller auf der Straße als man denkt.

Nun – was bleibt?

Der Wunsch, in Zukunft mehr die Tat in den Vordergrund zu stellen. Ob der neue Wohnort einen Eifelphilosophen erzeugen kann, wird sich erst noch zeigen. Ja – dieser Philosoph lebte von der Einsamkeit, der Abgeschiedenheit und der Distanz zum Alltagsleben – in Zukunft wohne ich mitten im Dorf. Das Denken von Menschen – so meine Erfahrung – ist direkt abhängig von seinem Umfeld, das wussten schon die US-Philosophen, die der Meinung waren, es seien die tiefen, dunklen deutschen Wälder, die die schwere, gründliche deutsche Philosophie überhaupt erst möglich gemacht haben.

Wer weiß, was das Dorf aus mir macht? Verführt mich vielleicht dazu, das zu machen, was alle machen: Dschungelcamp gucken, Bier trinken, Gehirn eintrüben wo immer es geht, damit man nicht merkt, in welchem Zug man gerade sitzt.

Oder aber es gibt mir die Kraft dazu, etwas ins Leben zurück zu rufen, was wir als Bloggergemeinschaft 2009 ins Leben riefen, wozu mir allerdings die Ressourcen (sprich: Mitarbeiter) fehlten: den Menschenschutzbund, der meiner Meinung nach aktuell notwendiger denn je ist, bevor der Hass die Menschheit ganz auffrisst. Machen – würde ich das sehr gern, doch nicht nochmal fast völlig allein.

Dazu aber später mehr, denn jetzt: wird erstmal umgezogen. Tausende von Büchern (ALLE unverzichtbar!) brauchen ein neues Heim. Blöd wie ich bin, werde ich sie selbst transportieren – es sind gute Freunde, die nicht in fremde Hände gehören … außerdem kann ich so mal wieder Ordnung ins Gewühl bringen

Es mag sein, dass es jetzt etwas ruhiger um den Philosophen wird – jedenfalls hier. Bevor man nun denkt, mir wäre was passiert – oder, noch schlimmer: ich hätte die Lust am Engagement verloren – erzähle ich lieber, dass ich von einem Paradies ins andere ziehe. Welches schöner ist? Urteilen Sie selbst. Oben ist meine neue Arbeitsplatzaussicht – unten meine alte, jetzt frisch zugebaute.

Mal sehen, was die neue Aussicht für Gedanken produziert.

Digital StillCamera

 

Die letzten 100 Artikel