Jesus

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Glücksfall Armut

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Montag, 8.8.2016. Eifel.

Viele Menschen klagen derweil über die Armut, die seit einigen Jahren – oder Jahrzehnten –  mit großen Schritten auch nach Deutschland gekommen ist. Gut – es wird darüber gestritten, was Armut nun wirklich ist. Ich denke, man kann es einfach beschreiben: wenn Kinder an den überall vorhandenen Eis-Geschäften – die speziell ihnen eine große Freude bereiten sollten – gesenkten Hauptes vorbegehen müssen, weil der Preis für drei Kugeln Eis höher liegt als ihr staatlich beschlossenes Ernährungsbudget für den ganzen Tag, dann kann man von Armut sprechen. Oder – wie ich erst letzte Woche wieder erleben musste: wenn gut gekleidete ältere Menschen in den Müllkörben vor dem Kino – erfolgreich –  nach Essensresten suchen und eine halbe Tüte Popcorn als großen Gewinn begreifen.

Diese Form von Armut war lange unbekannt in Deutschland (wie ich munkeln höre, sogar im Krieg – jedenfalls entnehme ich das Götz Alys Werk „Hitlers Volksstaat“), dann kam – ungefragt und unbeschlossen – die „Globalisierung“ wir eine Naturkatastrophe über die entwickelten Länder.

Heute verstehen auch die, für die Globalisierung immer ein seltsames Fremdwort war, was damit beschrieben werden sollte: die Verbreitung der Armut auch in jenen (Staats-)Gemeinschaften, die sie durch große Anstrengungen vergangener Generationen aus ihrem Leben weitgehend verbannt hatten. Und das geschah gezielt, absichtlich, mit festem Willen – immerhin ging es darum, wieder Ausbeutung möglich zu machen, wenn nicht hier, dann eben in China, wo der Kommunismus den Arbeiter mit harter Hand regiert – oder überall dort, wo Gewehre Arbeitsleistung erzwingen –  seien sie nun sichtbar oder unsichtbar.

Es steckte ein Plan dahinter – wie immer und überall, wo „Wirtschaft“ agiert. Ganze Planungsstäbe haben sich damit befasst – immerhin geht es um Geld, viel Geld, um „Investitionen“, die man sich vom Staat gerne absichern läßt. Dort sind es nur kleine Gruppen von Spinnern und Idioten, die beständig vor großen Gefahren warnen, während „die Wirtschaft“ das ganz große Rad dreht – und Armut zum Importgut macht.

Wie konnte es eigentlich so weit kommen, dass wir uns unser gemütliches Leben – für das wir immerhin Revolution gemacht und Könige geköpft haben – so haben madig machen lassen? Und das noch in einer Demokratie, in der wir – eigentlich – der Boss sein sollten? Jedenfalls – sagt man uns das alle vier Jahre so.

Indirekt haben wir vieles vielleicht dem alten Epikur zu verdanken. Dem Glücklichen verkauft man nichts, so seine Erkenntnis, und das hatte zur Folge, dass eine gigantische Industrie ins Leben gerufen wurde, um an diesem Zustand mit allen nur erdenklichen Mitteln etwas zu ändern. Wir wissen das. Dauerhaftes Glück hat mit materiellem Reichtum nichts zu tun (siehe Spiegel), Glück steht dem Kapitalismus sogar extrem im Weg: der Kapitalismus braucht Mangelbewusstsein, das er mit Waren zu füllen gedenkt – jener Mensch, der – bärtig und langhaarig – mit billigem Rotwein auf seinem alten Stuhl sitzt, der schon Opa Halt gab und träumend auf das sonnige Meer hinausschaut, womöglich noch billigsten Tabak rauchend, ist sein größter Feind. Er braucht Armut – vor allem geistiger Art – um die Menschen durchs Leben peitschen zu können, immer mit der Hoffnung versehen, dass sich das wahre Glück mit dem nächsten Kauf einstellen wird.

Mit den finanziellen Mitteln, die aufgewandt und aufgewendet wurden, um dem aufgeklärten Mitteleuropäer überzeugend Bedürfnisse einzureden, hätte man Krankheit, Hunger und Not für immer aus allen Ländern der Erde verbannen können, „Smartphone tötet“ – wäre eine wahre Parole, all´ das, was auf Zigarettenschachteln steht, könnte man auch auf alle anderen Waren kleben. Statt einer besseren Welt wurde eine Gesellschaftsform geschaffen, in der Reichtum, Konsum und Glück in einem Atemzug genannt und als gleich anerkannt werden. Eine historisch unvergleichliche Flut an Gütern ergoß sich über den Erdball, erstickte Natur, Kreativität und Menschlichkeit im Gewande des Glücks- und Heilsbringers. Doch dann zeigte sich …. es war nicht genug für alle da. Die Massen wurden „auf Pump“ produziert … und irgendwann war die Kohle alle – genau wie die Ressourcen des Planeten – und zwar genau jetzt.

Unvorbereitet und mit voller Wucht trifft die Armut (inklusive eines schon fast religiös anmutenden Beigeschmacks von Schuld und Sünde, die der Arme gefälligst in Bezug auf die Gesellschaft zu empfinden hat) nun auf eine Kultur, die Reichtum und Glück gleichsetzt. Die natürliche Folge: es herrscht großes Elend im Land. Flachbildschirme, elektrische Zahnbürsten, Fernreisen nach Dubai und Orangen im Winter sind nicht mehr für jeden erschwinglich.

Angst macht sich breit. Angst vor lebenslangem Unglück, verbunden mit einer tiefen Hoffnungslosigkeit – außer bei religiösen Menschen, denen der ganze Zinnober am Allerwertesten vorbei geht, weil sie einen zusätzlichen – transzendenten – Lebensschwerpunkt haben, der nicht von dieser Welt ist: auch Sie sind Staatsfeind Nummer 1 der Wirtschaft … jedenfalls, wenn sie ihren Lebensansatz ernst meinen (und dazu gehören schon Kornkreisforscher, Ufologen und Menschen, die indianische Heilkünste praktizieren) und so die Aufmerksamkeit ihrer Mitbürger vom Konsum (unserem religös zu deutenden „Goldenen Kalb“) ablenken. Wir sind da inzwischen – bei der Verehrung dieses Kalbes – so weit fortgeschritten, dass wir Geld verschenken und Sparsamkeit bestrafen um den Kult fortsetzen zu können (einfach mal Herrn Draghi von der EZB fragen). Das Geld – eigentlich ja knapp, wegen „Armut“  – wird halt neu gedruckt – in Massen.

Glück gibt es nur durch Konsum. Wer arm ist und keinen Konsumdienst leisten kann – wird unglücklich, landet in den finstersten Höllen des Gemüts. Jedenfalls sagen das alle, zum Beweis werden täglich Arme im Privatfernsehen vorgeführt – als abschreckendes Beispiel.

Aber muß das so sein?

In religiösen Kontexten war Armut oft eine unverzichtbare Vorraussetzung für Glück – in Ost und West.

Das überrascht jetzt, oder?

Den Schleier der Maya (in modernen Mythen die „Matrix“ … die Trilosgie sollte ursprünglich auch kein SF-Märchen werden, aber das war den Produzenten wohl zu heikel – man hätte die Grundfesten des Konsumkultes angegriffen) zu durchdringen, ist für Buddha die zentrale Aufgabe des Menschen. Buddha war kein armer Mann – er war schrecklich reich, doch erkannte schon vor Jahrtausenden die Bedeutungslosigkeit des goldenen Kalbes (vor dem schon die alten Juden warnten – vielleicht mit ein Grund, sie alle vergasen zu wollen).

Als Jesus in der Wüste war, bot ihm der Teufel die ganze Welt an (gut das Ackermann und Konsorten nicht in der Nähe waren…sie wären wohl dankbarere Kunden geworden)… er lehnte dankend ab, schmiß die Händler mit festen Schlägen aus dem Tempel und sprach die weisen Worte, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen würde, als dass ein Reicher ins Himmelreich käme. Für seinen Gefolgsmann Franz von Assisi war Armut eine der zentralen Tugenden – Geld und Kot hatten für ihn den gleichen Stellenwert.

Doch es ist nicht nur die Religion, die ein Lob der Armut ausspricht – und sie ist auch nicht unbedingt der glaubwürdigste Zeuge in dieser Hinsicht,  greifen ihre Priester doch auch nur all zu oft in Goldsäckel, sehr zum Ärger der Gründer jener Weltanschauungen.

Auch die Philosophie hält nicht viel vom materiellen Reichtum – erst recht nicht, wenn es um das Glück geht. Epikur, dem man nachsagte, dass er sich üblicherweise von altem Brot ernährte, um ab und zu an einem Stück Käse himmlischen Genuss empfinden zu können. Diogenes, dem seine Tonne in der Sonne so wertvoll war, das er den großmächtigen Alexander nicht um Säcke von Gold anhielt, sondern ihn nur bat, aus der Sonne zu gehen. Sokrates, dem es ein Genuß war, durch die Märkte zu spazieren und darüber glücklich zu werden, dass es so vieles gab, was er überhaupt nicht brauchte.

Ja – Glücksgefühle entstehen ganz einfach aus Verzicht. Trinken Sie einfach mal drei Tage lang nichts – und normales Leistungswasser wird zur Krönung ihres Lebens. Essen Sie mal eine Woche nichts – ein Stück Schokolade wird zur Offenbarung. Kommen Sie einfach mal einen Monat ohne Sonne aus – nein, das war ein falsches Beispiel. Dies ist ja dieses Jahr Alltag – und ein verständlicher Grund für Urlaub.

Jedenfalls scheint es so, als gäbe es auch noch eine andere Seite der Armut. Und eine dunkle Seite des Reichtums. Die dunkle Seite des Reichtums kennen wir schon: die Welt verödet, die Verwüstung schreitet voran – im Süden durch Absterben des Lebens (war ich eine konkretere Formulierung finde als „das Vordringen der Wüste“), im Norden durch Beton und Müll (den wir aber lieber in den Süden verschicken). Die seelisch dunkle Seite ist: maßlose Gier. Sowas kennen alte Märchen nur als Fluch, der Unglück bringt – weil man immer mehr und mehr und mehr vom Selben braucht, ein Nimmersatt wird – und so immer von Mangel gepeinigt ist, selbst auf der größten Yacht im Hafen. Und die andere Seite der Armut?

Provokant gesagt: Armut ist Vorraussetzung zu seelischem Reichtum und Glück – schon seit Jahrtausenden. Armut – ist die gelebte Herrschaft und Souveränität über die eigenen Bedürfnisse. Hat man die im Griff, bekommt man eine Ahnung, was Freiheit wirklich ist – jedenfalls nicht die Freiheit, sich frei zwischen einer Million nutzlosen, die Erde sinnlos zumüllenden Waren entscheiden zu können.

Vielleicht ist nun der Zeitpunkt gekommen, dass wir uns von den Irrfahrten des modernen Kapitalismus und seines unbändigen Konsumterrors verabschieden und uns auf eine Reise begeben, unser eigenes persönliches Glück für uns zurückzuerobern – auch ohne eine Chance auf die modernste Kaffeemaschine, den raffiniertesten Likör oder das neueste Handymodell.

Es wird Zeit, dass wir die Priester des Kosumgötzen bitten, sie mögen uns aus dem Wege gehen, weil sie uns den Blick auf die Sonne verstellen.

Denn Glück entsteht im Kopf. Und nur da. Wenn wir den erstmal wieder frei haben … ist der Weg möglicherweise nicht mehr weit.

Es wäre wohl für viele Arme eine gute Botschaft, dass sie den ersten Schritt zum Glück gemacht haben – doch sie werden überschüttet mit Bildern, die belegen, dass der Kauf einer elektrischen Zahnbürste zu orgiastischem Grinsen führt. Alles Lüge, weiß jeder – die Grinser sind bezahlte Schauspieler, in deren Köpfen andere Dinge zum Grinsen führen als gerade Zahnpasta (und deren Techniken allein erlauben ihnen schon, mit Not gelassener umzugehen – wenn sie wollen). Was wäre das auch für eine Welt, wo wir stolze, selbstbewusste Arme haben, deren größte Lust das philosophische Zwiegespräch ist? Nun – eine Welt ohne Umweltprobleme, ohne Kriege, ohne Hunger, ohne Burnout, ohne Angst, ohne Leistungsdruck … und eine Welt, die erkennt, dass „shopping“ enorme Verschwendung kostbarer Lebenszeit ist.

Zeit also, mal daran zu erinnern, dass Armut … ein Glücksfall sein kann, der zu wahrem Leben führt. Wer jedoch weiterhin dem Goldenen Kalb anhängt – nun, der wird leiden. Ganz sicher.

Sie wirken irritiert?

Ich werde es Ihnen einfach machen. Wo möchten Sie lieber ihr Leben verbringen: auf einer einsamen, stetig sonnigen Insel im Pazifik, begleitet von einem wunderschönen Seelengefährten im Schatten der Palmen, dem Rauschen des Meeres lauschend oder leicht bist gar nicht bekleidet Wasser und Wärme genießend … oder im Lager bei Amazon, wo es all die guten Güter gibt? Sie brauchen gar nicht zu antworten, ich kenne die Reisestatistiken – und weiß, dass die meisten von Ihnen ihren Urlaub unter Umständen verbringen, die man „arm“ nennen würde, am liebsten an Orten, wo es so gut wie gar nichts zu kaufen gibt.

Träumer fordern Krieg gegen das Auto: Aufstand gegen Rom

Träumer fordern Krieg gegen das Auto: Aufstand gegen Rom

Sonntag, 17.11.213. Eifel. Schon gehört? Entgegen ihrer anderslautenden Beteuerungen setzen die USA doch Drohnen über Deutschland ein. Ich verzichte mal auf den Link – Selbstverständlichkeiten sind es nicht wert, besonders belegt zu werden. Außerdem ist heute Sonntag, seit alters her der Tag für Dinge, die jenseits des Alltags liegen. Solche Tage gibt es weltweit, die religiöse, spirituelle, geistige Anbindung an Existenzen, Dimensionen, Anschauungsformen, die in krassem Gegensatz zum genormten Wirklichkeitsbild des Imperators stehen, findet man in allen menschlichen Kulturen … außer in der des weißen Mannes, der sich eine Kirche hält, um diesen Zustand der menschlichen Existenz zu kanalisieren und unter Kontrolle zu halten. Ein anderes leises Echo finden wir im Feiern von Karneval – eigentlich jener Tag, an dem jene Anderweltkräfte die Herrschaft über die Alltagswirklichkeit erlangen. Aus früheren Zeiten – wo das Narrenschiff noch durch die Aachener Lande gezogen wurde – liegen Berichte über ekstatische Orgien vor, die das Volk an die Grenzen der Raserei brachte aber außerordentlich glücklich machte. Ja, sicher, wir haben heute auch Sex – überall und an jeder Ecke – doch auch hier hinkt der Vergleich gewaltig. Wir gleichen Menschen, die einem fünf-Sterne-Koch entgegnen, man würde auch essen, weil man sich jeden Tag eine Hand voll in Mehl getauchten Reis gönnt – was auch Essen genannt werden kann. Schnell hat man vergessen, wie wenig Essenz vorhanden ist, wenn die Seele nicht daran beteiligt wird.

Aber wir haben ja keine Seele mehr, wir gelten als aufgeklärt, jede Form von Religion gilt uns als Krankheit des Geistes, die geheilt werden sollte, eine starke Front wohlhabender Aktivisten will auch jedes Denken über „Gott“ (eine von der Kirche vorgegebene Form des Redens über Transzendenz) verbieten, gerade bei „Linken“ hat man manchmal den Eindruck, dass die Auslöschung der Kirche der höchste Triumph sozialer Bewegungen ist – völlig verdrängend, dass der soziale Gedanke erst duch Jesus Christus in unser Bewusstsein gedrungen ist. In meinen Augen wäre die Entfernung dieses letzten moralischen Impulses aus der westlichen Welt ein gewagtes Experiment, dessen Ende ich schon voraussehen kann. Das ist nicht schwer: einfach mal ins alte Rom schauen, der Mutter unserer imperialen, westlichen Kultur, die heute noch von vielen verehrt wird, weshalb sie auf die tote lateinische Sprache nicht verzichten wollen – gerade Naturwissenschaftler und Ärzte sind völlig begeistert vom Lateinischen und verneigen sich tagtäglich durch ihren Gebrauch vor dem Geist des alten Imperiums.

Wir wollen jetzt nicht die linke Kritik an Imperium generell wiederholen, sondern heute einfach mal beim Alltag bleiben – einem Alltag, der durch massiven Einsatz aus den Räumen des „Jenseits“ (oder der keltischen „Anderswelt“) aufgehalten wurde.

Der römische Alltag ist ein Spiegel unseres modernen Alltags, die Großstadt mit Mietskasernen ist eine Erfindung Roms – ebenso die Autobahnen (auf denen früher nur Legionen marschierten). Wichtiger Bestandteil dieses Alltages war, Menschen zu tödlichen Kämpfen in die Arena zu schicken, Menschen massenhaft zu versklaven (sonst ließe sich ja auch gar kein Reichtum produzieren), sie mit Öl anzustreichen und öffentlich als menschliche Fackeln zu präsentieren. Gerne hat man sie auch an wilde Tiere verfüttert – zur Unterhaltung des Pöbels, der in Massen in die Arena strömte.

Wie gut, dass die Goten kamen und dem Treiben ein Ende bereiteten.

Streichen wir Jesus Christus aus der Genese der moralischen Vorstellungen der Menschheit, dann sind wir sofort wieder im alten Rom … man schaue nur, wie zunehmend entwürdigend Menschen in der aktuellen Milliardärspresse vorgeführt werden, dann hat man schnell eine Ahnung davon, wo das enden würde, wenn man hier die natürliche Entwicklung nicht stoppen würde. Je leerer die Kirchen, umso niedriger die Hemmschwelle zu Gewalt und Kriminalität – könnte man jedenfalls aufgrund der Erfahrungen der letzten hundert Jahre meinen, in denen zivilisierte Staaten Gewalt in einem Ausmaß anwendeten, das jedem Goten die Sprache verschlagen hätte.

Nun möchte ich keine Werbung für Kirchen machen: Christus selber hätte sie nicht gewollt. Man sollte ja leise zu hause beten: das bringt´s, nicht das laute Getöse der Kleriker.

So leise sind auch die Schamanen, denen John Perkins begegnet ist. Sie kennen ihn hoffentlich? Er ist ein „Economic Hit Man“. Hat das neue Imperium ein Problem mit Ihnen, kommt erst der EHM, redet freundlich mit Ihnen, bietet Geld. So hat man in Deutschland die Grünen umgedreht – doch das ist eine andere Geschichte. Nehmen Sie das Geld nicht, hat man schon mal schnell einen Unfall mit Auto oder Fallschirm, auch die Suizidneigung in schweizer Badewannen nimmt zu. Ist auch das erfolglos, kommt das Militär – wobei wir wieder bei den US-Drohnen in Deutschland sind, die heute kein Thema sein sollen.

Perkins hatte Begegnungen mit Schamanen in Ecuador, organisiert Reisen und Vorträge zu ihnen, um ihre Botschaft in die Welt zu tragen. Er hat die Botschaft der noch lebenden Propheten des Jenseits verstanden und akzeptiert, dass  sie die einzige Möglichkeit sind, die völlige Vernichtung der Menschheit auf diesem Planeten zu verhindern. Die Menschen, die am Rande der Transzendenz leben, führen ein äußerst diszipliniertes, folgerichtiges und konsequentes Leben, was jene Europäer deutlich erfuhren, die den Regenwald durch Einnahmen aus Pornofilmen retten wollten: was waren die Gesichter lang, als die eingeborenen Regenwaldbewohner das solcherart gewonnene Geld nicht wollten. Wir wollen auch gar nicht weiterdenken, merkt doch gerade Alice Schwarzer, welche Hemmungen in diesem Lande alle fallen, wenn man unsere tatsächlich gelebte römische Dekadenz anprangert: es öffnen sich Abgründe menschlicher Abartigkeit, wenn man mit Menschen für Geld nicht alles tun kann, was man will – da tritt der alte römische Geist wieder an die Öffentlichkeit, der seinen Anspruch auf die Benutzung von Sklavenmenschen in Gefahr sieht.

Überraschend ist die Botschaft des Schamanen für die westliche Welt: sie handeln von Träumen. Träume werden von unserer Kultur der perfektionierten römischen Dekadenz, die in der Tat dem Wahn verfallen ist, man könne eine Volkswirtschaft erfolgreich betreiben, in dem man „sein Geld für sich arbeiten läßt“, als „nicht real“ definiert, schlichtweg als bedeutungslos. Das einige der erfolgreichsten Erfindungen und tiefgreifendsten Erkenntnisse durch Träume vermittelt wurden, ignorieren wir im Rahmen der vorgegebenen Definition, dass jeder Erfindung, jeder Expedition, jeder gesellschaftlichen Utopie (oder – wie im Falle des Nationalsozialismus – gelebten Dystopie) ein Tagtraum zugrunde liegt, wissen wir zwar, wir verdrängen es aber.

Dass unsere gesamte Kultur nur die Verwirklichung der Träume mächtiger oder wirkmächtiger Menschen darstellt, ist eine Wahrheit, die unsere mittelmäßige Elite schon gar nicht hören will – es stört den schönen Traum der auf ewig perfekt verwalteten Welt, die das Höchstmaß ihrer Phantasie darstellt.

Es sind Entscheidungen, genau diese Träume zu verwirklichen. Das unterscheidet unsere Kultur von anderen. China kannte das Schwarzpulver schon zuvor, hat sich aber dagegen entschieden, es zu Vernichtungszwecken zu perfektionieren. China war mal absolut überlegene Weltmacht … hat sich aber dagegen entschieden, weltweil Kolonien zu gründen. Sie hatten andere Träume – Träume, die die ´68er sehr inspirierten und motivierten.

Es gab aber auch eine ganz konkrete Botschaft der Schamanen: den ersten Dämon, den wir zu besiegen haben, ist das Auto.

Welch´ ungeheurer Frevel!

Nicht der Geist des römischen Imperium, nicht die Pervertierung der christlichen Botschaft durch Kirchenpolitiker, nicht der unmenschliche Kapitalismus mit seinen vernichtenden Nebenwirkungen für Mensch, Tier und Natur sind der Feind, sondern … das Auto.

Andererseits auch schön: der Kampf gegen große, böse Geister gelingt nur selten gut, aber ihre Tentakel, die sich zerstörend in unseren Alltag schieben: denen können wir begegnen.

Wie sehr sind wir eigentlich dem Auto schon hörig? Fällt nur ein Wolf ein Kind an, rufen wir sofort nach der Polizei, den Jägern und den Hubschraubern der Bundeswehr zur Jagd – vernichten aber Autos tausende von Leben und zehntausende von Existenzen im Jahr, bemühen wir uns zwar, den Schaden zu verringern – aber mit 4000 Toten im Jahr können wir gut leben. Schon längst dienen wir dem Auto, dessen Garage in der Regel mehr Platz verbraucht als wir Kindern in ihren Zimmern gönnen. Nahezu unsere gesamtes natürliches Umfeld wurde durch Autos vernichtet, in Landbereichen ist ein Leben ohne Gefährt nahezu undenkbar.

Wie einfach wäre es, alle Autos aus dem Alltag zu verbannen: man könnte sofort jährlich mehr Menschenleben retten, als die Anschläge vom 11.9.2001 vernichtet haben. Was wäre das für ein kultureller Impuls: unsere Lebensstruktur würde automatisch wieder regionaler werden, die Menschen würden wieder Nahversorungsstrukturen aufbauen müssen und könnten die Zeit, die sie für Autopflege aufwenden, für ihre Kinder verwenden: die würden dankbar sein. Vielleicht hätten wir auch wieder mehr Kinder: wir müßten nicht mehr für das Auto und seinen Unterhalt leben.

Was wäre das für ein Aufstand gegen Rom! Wir würden tausende von kleinen unbeugsamen gallischen Dörfern gestalten, jedes für sich einzigartig und völlig individuell. Deutschland würde sehr schön werden – überall. Nein?

Doch. Ich habe einen seltenen Reisebildband von 1926 bei mir stehen: keine einzige Autobahn zerschneidet dort Landschaften. Deutschland war mal wunderschön – und was wäre das für ein mächtiger Traum, wenn wir für uns diese Schönheit zurückerobern würden.

Leider …. haben wir zu wenig Träumer unter uns.

Die großen Erfinder, Gestalter, Abenteuerer und Entdecker von einst gelten unserem perfektioniertem Mittelmaß als unerwünschte Konkurrenz, wir bekämpfen sie schon in der Schule, sortieren sie in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gründlich aus um die Arbeit an der Neueinführung des römischen Systems nicht gefährden.

Na, es ist Sonntag. An einem solchen Tag sollten wilde Gedanken erlaubt sein, dafür ist er seit hunderttausenden von  Jahren da – in verschiedener Form. Natürlich weiß ich, dass alle Träume vom Kampf gegen das wiederkehrende römische Imperium albern und vergebens sind – ebenso der Kampf gegen das Auto als gefährlichstes Raubtier der Neuzeit: nichts ist uns so heilig wie unsere mörderische Blechkuh.

Aber am Sonntag sollten solche Gedanken doch wenigstens mal gedacht werden dürfen – oder?

Zumal sie in Wirklichkeit zutiefst politische Gedanken sind …. Gedanken darüber, welchen Sinn wir unserem kurzem  Leben auf diesem Planeten eigentlich geben wollen.

PS: die Geschichte von John Perkins in den Schamanen findet man in seinen Buch „Und der Traum wird Welt“. Ich habe es vor ein paar Monaten in einem meiner Bücherregale gefunden, deutsche Erstausgabe von 1995 von Integral. Mit absoluter Sicherheit kann ich sagen: diese Buch habe ich nie gekauft. Ich weiß nicht, wie das in meine Sammlung gelangt ist – aber es kam gerade richtig. Aber: auf genau solche Art sollen sie ja wirken, die guten Geister der Welt, die dem Menschen so wohlgesonnen sind … sagen jedenfalls die Schamanen.

 

Gott und Tod: die besten Freunde der Menschheit

Gott und Tod: die besten Freunde der Menschheit

Mittwoch, 8.Oktober 2013. Eifel. Als wir dieses Nachdenkmagazin konzipiert hatten, war eine etwas andere Dimension angedacht. Ich selbst habe einen Schwerpunkt in politischer Philosophie, Erkenntnistheorie und Religionsphilosophie. Letzterer ergab sich aus meiner absoluten Unfähigkeit, religiöse Dinge zu verstehen. Ich denke, man wird dann Philosoph (auch außerhalb jeder universitären Bildung), wenn man versucht, Dinge zu verstehen, die man nicht versteht. Geschieht dann ganz automatisch. Inzwischen sind wir eher ein politisches Nachdenkmagazin – was aber eher der Politik geschuldet ist: sie entwickelt sich in eine düstere. lebensbedrohende Richtung, die aller Aufmerksamkeit bedarf, um den Kindern noch eine Zukunft bieten zu können, die nicht nur aus Trümmern und Wüste besteht. Dabei geraten die ersten und letzten Dinge im Leben leider völlig aus dem Gesichtsfeld, ebenso die vielen unglaublichen Wunder, die das Leben zu bieten hat. Gestern nun habe ich eine sehr ernste Frage bekommen, die ich zuerst gar nicht beantworten wollte: die Frage, wie es kommt, dass ich den Bereich „Religion“ so verteidige, ja, selbst zu den religiösen Menschen zu gehören scheine. Die Antwort auf diese Frage hat mehrere Ebenen. Da ich denke, dass diese Gedanken vielleicht für andere auch von Interesse sind, möchte ich sie  öffentlich machen.

Zuerst einmal die Antwort aus der persönlichen Erfahrung heraus. Sie ist einfach. Nach Carlos Castaneda liegt die Stärke des weißen Mannes darin, dass er von einem undurchdringlichen Panzer umgeben ist, der ihn vor jeglicher Erfahrung, die über das rein materielle hinausgeht, schützt. Das ist seine Besonderheit – und seine Schwäche, wie John Perkins in seinem Erfahrungsbericht mit den Schamanen Ecuadors beschreibt. Wo Chinesen, Indianer, Maya, Griechen und Araber innehielten, entschied er anders: er wollte die absolute Macht über die Materie. Die hat er innerhalb von 500 Jahren erhalten – mit erschreckenden Nebenwirkungen, die die gesamte Menschheit an den Rand des Abgrundes gebracht haben. Begleitet wurde dieser Griff zur Macht durch eine Vernichtungsoffensive gegen jene Menschen, die weiterhin Erfahrungen über den materiellen Bereich der Existenz hinaus machten: die Hexenverbrennungen waren nicht der Kirche geschuldet, sondern dem neuen wissenschaftlichem Denken. Der Vernichtungsfeldzug gegen magisches Denken setzte sich fort, als die US-Armee die Medizinmänner der Indianer in den Lagern ermordete – aber nicht die gefährlichen Kriegshäuptlinge. Er setzt sich auch heute in breiter Front fort, erreicht inzwischen die Kirchen und Religionen und wird nicht eher ruhen, bis alle Menschen ausgerottet sind, die über Erfahrungen verfügen, die über das, was Kapitalismus und Kommunismus erlauben hinausgeht. Ich gehöre zu diesen Menschen. Über die Erfahrungen kann man nicht mit Menschen reden, weil die Wahrnehmungen jenseits der sprachlichen Dimension stattfindet.

Eben Alexander – der atheistische Neurologe mit der Nahtodeserfahrung – beschrieb diesen für ihn überraschenden Zustand deutlich: in der jenseitigen Welt (wie wir sie jetzt mal der Not halber nennen wollen) gibt es keine Sprache, aber trotzdem perfekte Kommunikation. Künstler wird das jetzt nicht überraschen, sie verfügen über die Fähigkeit, Kommunikation außerhalb der sprachlichen Welt zu gestalten. Es ist mir deshalb unmöglich, über diese Erfahrungen zu reden (weshalb ich es auch unterlasse), weil es der Versuch wäre, einem Farbenblinden die Farbe Rot zu erklären. Ich kann nur versichern, dass ich sie ohne Drogeneinfluss gemacht habe, bei klarem Bewusstein – und dass sie alle Bedingungen eines wissenschaftlichen Experimentes entsprachen und wiederholbar sind.

Ich schätze einmal, dass es einer von hundert ist, der mit solchen Erfahrungen leben muss. Da sie eindrucksvoller, beglückender und intensiver sind als alle Empfindungsqualitäten im visuellen, auditiven, kinästhetischem, gustatorischem oder olfaktorischem Bereich, haben sie ein höheres Anrecht darauf, „Wirklichkeit“ genannt zu werden als die sinnlichen Eindrücke, die aus materiellen Erfahrungen resultieren. Nur jemand, der sie nicht kennt, kann sie als „Wahnvorstellungen“ kategorisieren – die so Wahrnehmenden erfahren eine Welt, deren Eindrücke qualitativ hochwertiger sind. Vielleicht funktioniert ein Vergleich mit dem Fernseher: die Alltagserfahrungen gleichen einem schwarz-weiß-Bild, das von starkem Rauschen begleitet wird und ziemlich unscharf ist. Die Jenseitserfahrung hingegen sind ein Blick aus dem Fenster – nur von der rein sinnlichen Qualität her. Mit welchem Recht also sollte ich den schwächeren Eindruck „wahr“ nennen und den stärkeren Eindruck „falsch“?

Es ist der Bereich der Empirie, den ich hier für mich in Anspruch nehme: einen Bereich, der ebenso wissenschaftlich ist wie der der Ratio. Nur endet hier die Diskussion. Um noch einmal ein Beispiel anzuführen: wenn jemand mal ein UFO gesehen bzw. erlebt hat (ein echtes, unterstellen wir mal), kann er nie wieder theoretisch darüber diskutieren, ob es das gibt oder nicht.

Schaut man sich nun die Religionsgeschichte an – vom primitiven Schamanismus (der mir am Liebsten ist, weil er der „Wahrheit“ am respektvollsten begegnet) bis hin zur hochgradig differenzierten Schriftreligion, so zeigt sich durchgängig: über Erfahrung lässt sich nicht diskutieren. Man kann nicht einfach die Bibel lesen und die christliche Religion verstehen. Hat man Erfahrungen („Gottes Antlitz geschaut“) so findet man in der Bibel viele „Kollegen“. Hat man keine Erfahrungen, findet man – erst recht nach den diversen komplizierten Übersetzungen – ein unverständliches Kauderwelsch vor, das sich dem normalen Verstand entzieht.

Nehmen wir Jesus als Beispiel. Ich selbst habe das Reden über ihn erst Ostern 2011 begriffen, vorher konnte ich die Welt auch gut ohne ihn verstehen. Lesen Sie mal das Neue Testament unter Berücksichtigung der Kategorien der Aussagelogik – sie verstehen gar nichts, erst recht nicht, wenn Sie nicht wenigstens den Text im Altgriechischen lesen können und auf die vielen holprigen deutschen Übersetzungen angewiesen sind.

Zum Vergleich: Lesen Sie einmal das Vaterunser in der Übersetzung aus dem aramäischen (z.B bei Bunkahle). Oder die Übersetzungsfehler, die Pinchas Lapide beschreibt: da wird schnell aus einem „prüfenden“ ein „heimsuchender“ Gott, weil man das Zeitwort pakad zuungunsten der jüdischen Religion ausgelegt hat (siehe Pinchas Lapide, Ist die Bibel richtig übersetzt, Bd. 1 u. 2. Bechtermünz 1999, Seite 62-63) – ein Fehler, der gerade im deutschen Sprachraum gerne gemacht wird, weil wir ja wissen, wie der „Jude“ ist.

Hier betreten wir jetzt aber den weiten Bereich der Religion, in dem wir vor allem eins finden: den Hunger nach Macht.

Das ist nun ein eher hässliches Thema. Leider sind die Mitglieder organisierter Religionen keine Heiligen. Zumeist sind es Händler, Halsabschneider und Betrüger, die etwas ganz besonders Tolles gefunden haben: eine Ware, die unsichtbar ist, leicht zu transportieren und nicht zu kritisieren. Im Mittelalter hat der Adel seine Zweitgeborenen in die Kirche geschickt, um dort mit ihrer Hilfe Macht ausüben zu können: „Halt Du sie dumm, ich halt sie arm“ ist ein Spruch, der sich auf eine Familie bezieht – was heute gerne vergessen wird. Findige Geschäftsleute können halt überall alles verkaufen – sie machen vor Kirchentüren so wenig halt wie vor Parlamenten oder Sterbezimmern. Der Griff zur Macht wurde auch dort konsequent durchgeführt, die Kirche wurde zum Instrument des Adels, das gegen alle ethischen Maximen des Christentums verstieß. Mit Religion hat das alles nicht mehr viel zu tun – es sei denn, man hat ein politisches Interesse daran, diese Tatsachen zu verschleiern.

Das hat man – und hier betreten wir eine neue Ebene der Betrachtung.

Zuerst jedoch: ein Blick in die Welt der Physik.

Wie Sie wissen, bestehen sie aus Atomen. Ich hoffe jedenfalls, dass Sie das schon mal gehört haben. Schauen Sie sich Atome näher an, so zerfallen sie in ihre Einzelteile, vor allem aber wird eins deutlich: überwiegend bestehen Sie als Mensch aus der Leere zwischen den Elementen der Atome, wo sich vielleicht noch „Felder“ befinden, die verhindern, dass sie einfach so durch den Boden rutschen. Es liegen enorme Distanzen zwischen Atomen, Elektronen und Neutronen – und diese Elemente selbst sind nach neueren Theorien selbst weniger materiell. Das Universum des Materialismus hat erstaunlich wenig Substanz, aber die enorme Frechheit, den menschlichen Geist als Illusion zu beschreiben, als spukhafte Nebenwirkung, die das Gehirn zum Schutze der DNS erzeugt.

Das ein illusionäres Subjekt niemals die Erkenntnis treffen kann, dass es selbst nur eine Illusion ist, haben schon ältere Denker erkannt: die Propagandisten des Materialismus scheinen dies zu können – was nur geht, wenn man für sich beansprucht, eine höhere Erkenntnis zu haben, als Menschen sie erlangen können: quasi Übermensch zu sein.

Bringen wir uns dies zu Bewußtsein, so ist eher der Schritt naheliegend zu sagen: dass Bewußtsein ist an sich das Realste, was wir als Menschen erkennen können. Illusionär ist eher die Welt der Materie – nur leider können wir das als Normalbürger nicht nachvollziehen, weil die Physik sich hier schnell in der Sprache der Mathematik verliert – wie die Kirche im Mittelalter sich hinter dem Latein verschanzte, verschanzen sich die Naturwissenschaften hinter der Sprache „Mathematik“ – die schnell zu kompliziert für die Mitmenschen wird, die deshalb die bahnbrechenden Veränderungen, die das Doppelspaltexperiment mit sich bringt, erst in hundert Jahren zum Tragen kommen werden. Kurz und frech gesagt (als ungläubiger Laie): Materie scheint nur dann fest zu sein, wenn sie jemand wahr nimmt. „Information“ scheint womöglich die einzige Form von Realität zu sein, die wir definitiv beobachten können.

Schön blöd, oder? Dabei haben wir uns auf der Scheibe so wohl gefühlt, die Erde als Kugel ist schon gedanklich schwer zu begreifen, weil man ja auf der anderen Seite herunterfallen müsste: jahrhundertelang DAS Argument gegen die Kugelform der Erde, dass jeder wissenschaftlich denkende Mensch sofort verstanden hat.

Was hat das nun mit Gott zu tun? Hier verlassen wir endgültig die persönliche Ebene und wenden uns der Wissenschaft zu. Gibt es ein Bewußtsein von Gott, eine Information vom höchsten Buddhageist oder dem Großen Geist der Indianer, dann ist dieses Element Teil der menschlichen Realität – erst recht, wenn wir dieses Bewußtsein rund um den Globus in sämtlichen Kulturen wiederfinden.

Streng abgrenzen muss man hier jedoch das eher instinktive Wissen um die Realität einer geistigen Welt (zu welcher wir als Bewußtsein primär gehören) von den Ausformungen, die Menschen aus unterschiedlichen Gründen (unter anderem zum Zwecke der Machtgewinnung) daraus gemacht haben. Erkenntnistheoretisch können wir – nach bestem Wissen und Gewissen – hier nur die Existenz einer jenseitigen Welt (auch dieser Begriff ist aus sprachlicher Not geboren), einer „Anderwelt“ oder „geistigen Welt“ formulieren, müssen uns jedoch dem Faktum beugen, dass wir über sie kaum Aussagen machen können.

Auch hier muss gelten: die Vielfalt der Beobachtungen ist womöglich nur der Vielfalt der beobachtenden Bewußtseine geschuldet, hieraus ein Lehrsystem gleich einer Religion zu machen, ist im Prinzip immer zu weit gegriffen – und es ist auch gar nicht notwendig. Die christliche Religion akzeptiert dies, siehe Bibel-online:

Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten öffentlich. 

(der Vater – das sei in Erinnerung gerufen – löst sich auf, wenn man aramäisch denkt … wie Jesus es getan haben muss. Dort wird aus „Vater unser im Himmel“ Oh Du, atmendes Leben in allem, Ursprung des schimmernden Klanges. Du scheinst in uns und um uns, selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern – siehe Omkara, eine Formulierung, die an die Beobachtungen gemahnt, die Eben Alexander nach seinem Tode gemacht hatte: „Gott“ als reiner Klang, als „Omm“).

Wieso wir nun Kirchen haben, öffentlich beten, hüpfen und singen, hat mit der Geschichte zu tun. Notwendig ist das nicht, Begegnungen mit dem „Jenseitigen“ hat man grundsätzlich NUR in der Stille – womit wir den kurzen Ausflug in den Bereich der Ratio verlassen und wieder im Bereich der Empirie sind, wo ein dritter Punkt auf uns wartet: der Tod.

Gott (den Begriff mag ich gar nicht, er ist schon falsch, wenn man ihn niederschreibt) und der Tod (als personifizierter Prozess auch eine Lüge) gehören eng zusammen. Kurz gefasst ist das indianische Mythologie: nach dem Tode betreten wir die ewigen Jagdgründe und sind nahe beim Großen Geist. Mehr an Religion braucht im Übrigen kein Mensch, das ist so der kleinste, gemeinsame Nenner, den das Erleben des jenseitigen Bereiches aufzeigt. Alle Beschreibungen, die darüber hinaus gehen, kann man getrost ignorieren – meist geht es dann sowieso schon um Geld: Ablassbriefe, Kirchensteuern, Rechnungen für Heilungen oder besonders kräftige Gebete … schauderhaft.

Bei aller Relativierung der Erlebnisse unserer Umwelt, die uns unser Verstand erlaubt (wie die Rationalisten Descartes und Kant aufgezeigt haben, deren Erkenntnisse von den Priestern des Materialismus gerne großräumig ignoriert werden), ist dies eine Tatsache, die auch mit noch so vielen Worten nicht ungeschehen gemacht werden kann: wir sterben.

Die Alternative zum religiösen Denken (das an sich erstmal keine andere Hölle kennt, als die, die man sich selbst bereitet – doch das ist eine andere und ebenfalls sehr lange Geschichte) bietet hier (unter völliger Ignoranz des Energieerhaltungssatzes) die Version „völlig Auslöschung einer Illlusion, die zufällig aus dem Blumenkohl entsprangen, den wir Gehirn nennen“.

Das könnte man als Theorie stehen lassen (ungeachtet der Sünden, die wir dann gegen die Vernunft bzw. die Erkenntnistheorie begehen), gäbe es nicht Menschen, die von „drüben“ zurückgekehrt sind. Da gibt es nicht einen, sondern tausende. Ein einziger hätte ausgereicht.

Diese tausenden von Zeugen berichten im Prinzip alle dasselbe – und belegen mit ihren Erfahrungen jene, die ihrerseits in der Geschichte des religiösen Denkens ähnliche Erfahrungen geschildert haben. Es läßt sich hier eine durchgängige Linie gleichartiger Erfahrungen in allen menschlichen Kulturen zeichnen – immer dadurch eingeschränkt, dass es sich hier um Wahrheiten handelt, die sich in allen Sprachen des sprachlichen Ausdrucks entziehen (und deshalb im Laufe der Tradition zu ganz unterschiedlichen Dogmen führen können), aber gleich erlebt werden – die gleiche emotionale Resonanz erzeugen.

Ist man nun ein emotional eingeschränkter Mensch (was nicht unnormal ist und in der Regel durch andere Fähigkeiten ausgeglichen wird) hat man wenig Zugang zu diesen Themen, hat man keine eigenen Erlebnisse, wird es noch schwieriger, das Sprechen von Religion zu verstehen – es bleibt wenig anderes übrig, als die anderen für verrückt zu halten – im Prinzip hat man gar keine andere Wahl.

Man bräuchte diese Diskussion auch gar  nicht führen, wenn es nicht noch eine handfeste politische Dimension geben würde, die gerade heute deutlich zu Tage tritt.

Das sichere, instinktive Wissen um die Realität des Jenseitigen führt zu einer großen Sicherheit im Umgang mit den Mächten dieser Welt: weil man eine andere (nicht kontrollierbare) Heimat hat, kann man nur sehr schwer im Sinne der Mächtigen manipuliert werden: hier droht katastrophaler Umsatzverlust durch Konsumverzicht, hier droht unkontrollierbare Bewusstseinsbildung gegen die herrschende Klasse. Gegen alles Ungemach, das die Welt gegen die Menschheit auffahren kann (und auffährt), ist hier eine sichere Zuflucht vorhanden, die Widerstand erlaubt: das „Opium für das Volk“ entzieht Kapitalismus und Kommunismus radikal die Deutungshoheit über die Wirklichkeit – und ist deshalb so verhasst.

Darum werden jene, die über Erfahrungen verfügen, gejagt, gefoltert, verbrannt, ausgelöscht oder auf ewig mit Drogen vollgestopft und weggesperrt: das Kapital fordert Allmacht – in letzter Konsequenz will es selber Gott werden … und gerade in den heutigen Tagen erleben wir, wie das Kapital die Regierungen vorführt, als wären es Tagelöhner und Leibeigene.

Doch gehen wir weiter: selbst wenn es Gott und Tod nicht „gäbe“, täten wir gut daran, sie als gedankliche Konstruktionen lebendig zu erhalten, Gott in Form des Großen Geistes, der alles durchdringt (das war im Prinzip die Lehre des Giordano Bruno, den heute viele Atheisten als Helden feiern – wobei sie gar nicht verstehen, was sie da eigentlich tun) und des Jenseits in Form der ewigen Jagdgründe. Diese Konstruktionen können uns effektiv helfen, frei zu werden von den Indoktrinationen des Kapitals – selbst wenn es nur Hilfskonstruktionen sein sollten.

Dafür jedoch dies anzunehmen, gibt es keinen Grund. Weder Empirie noch Ratio legen nahe, dass wir hier unserem Urteil (und dem Urteil der absoluten Mehrheit der Menschheit) nicht trauen dürfen. Natürlich behalten auch die Reflexionen des Atheismus seine Gültigkeit, sie sind sogar ein wesentlicher Bestandteil des Bewußtwerdens und hemmen gut jene schädliche Einflüsse, die von den Händlern in den Kirchen und Religionen kommen.

Wo jedoch Urteile über Wahrheit und Wirklichkeit gefordert sind, versagt die Philosophie des Atheismus (die nie dazu entworfen wurde, hierüber Aussagen zu machen: sie ist eine gezielt antiklerikale Erfindung mit gezielt antiklerikaler Ausrichtung und völlig bedeutungslos für Menschen, die mit Kirche überhaupt nichts am Hut haben – wie z.B. die Schamanen der Vorzeit).

Gott und Tod sind aktuell die besten Freunde der Menschheit, deren erster Ausbruchsversuch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit fürchterlich in die Hose gegangen ist: umgeben von künstlichen Umweltgiften, regiert von unsichtbaren Märkten (deren Tyrannei der Regentschaft übelster Schurken nahekommt), bedroht von atomarer Vernichtung oder der Auslöschung durch aus ganz vernünftigen Gründen erschaffenen Konzentrationslagern (was „die Märkte“ als effektivste Lösung des Problems der „Kosten auf zwei Beinen“ täglich fordern – nur merken das viel zu wenige) hat er es innerhalb weniger Jahre geschafft, das ganze mühevoll ausbalancierte Gleichgewicht der Natur aus dem Takt zu bringen … mit Folgen, die ganz fürchterliche Auswirkungen haben könnten und schon jetzt dafür sorgen, dass wir das schlimmste Artensterben in der bekannten Geschichte der Menschheit erleben.

Gut, dass es den Tod gibt, der uns sicher aus dieser selbst geschaffenen Hölle herausholt.

Gut, dass es Gott gibt, der vielleicht noch einiges gerade biegen kann – oder die Täter jenseits der Kreise dieser Welt zur Rechenschaft zieht. Wie es aussieht, geschieht genau dies – aber unglaublich freundlich und liebevoll.

Kommen wir zum Schluss.

Ohne empirische Erfahrungen in dem Bereich (und ohne sicheren Zugriff auf die Instinkte, die uns zu allererst in dieser Welt überlebensfähig machen) hat man keine andere Chance, als das Gegenüber für geistig krank zu  halten. Man kann aber akzeptieren und respektieren, dass manche Menschen anders sind – sogar die absolute Mehrheit der Menschen, die je gelebt haben. Sie haben auch rational gute Gründe, ihre geistige Heimat nicht im Materialismus zu suchen, der die Menschheit als Solche an den Rand ihrer Existenz gebracht hat – und deshalb schon gelegentlich von den nachfolgenden Arten phantasiert, die den Menschen ersetzen werden (insgeheim halten sich wohl die Prediger dieser Antireligion selbst für diese auserlesenen, überlegenen Wesen: auch Hitler hat gerne davon schwadroniert – doch das ist ein anderes Thema).

Man merkt vielleicht, dass ich die Trostfunktion der Religion (die zentrale Wirkung des Opiums im Sinne von Marx) gar nicht erwähnt habe.

Sie ist auch irrelevant. Für diejenigen, die auf der Basis ihrer Erfahrungen „glauben müssen“ (aber nicht das, was „die Religion“ ihnen erzählt), tritt im Trauer- oder Notfall gar kein Notfall ein, ihr  Lebensschwerpunkt liegt auf einer Metaebene.  Für dienigen, die keine Erfahrung haben, aber aus ihren Instinkten heraus am Wissen vom „Jenseitigen“ festhalten, gibt es keine Trost, weil es kein Wissen und kein Bewußtsein gibt, das Trost vermitteln könnte – die Metaebene wird nur erahnt, aber nicht wahrgenommen, was wenig Trost spenden dürfte.

Was der Kapitalismus (und der Kommunismus) an der „Religion“ wirklich fürchten?

Das sie Erfolg hat und Menschen wie den Mönch Anselm Grün hervorbringt: seine Lebensart beglückt ihn derart, dass er nur fünfzig Euro im Monat für sich selbst ausgibt, während er die Millionen, die er mit seinen Büchern macht, der Gemeinschaft zur Verfügung stellt.

Wo kämen wir nur hin, wenn alle so wären?

Und weil mich das sehr interessiert, wenn wir dann hin kämen, verteidige ich die freie Entfaltung von Religion in einer Gesellschaft – und zwar aller Religionen, nicht der der des dogmatischen Materialismus (auch, wenn die im ersten Moment so schön antireligiös daherkommt).

Darüber hinaus habe ich in meinem Leben genug Erfahrungen gesammelt, die darauf hinweisen, dass sich in jenem Bereich mehr Wahrheit befindet, als  uns lieb ist. Die jedoch spielen im großen Rahmen keine Rolle – ich wäre auch Verteidiger der Religionen (und zwar ALLER), wenn ich keine eigenen Erlebnisse hätte: die generelle Relativität menschlicher Erkenntnis und die begrenzte Fähigkeit menschlicher Wahrnehmung läßt demokratischen und humanen Gesellschaftsformen keine andere Möglichkeit, als so zu verfahren.

Das die aktuelle Entwicklung aber nur eine Religion übrig läßt, nur ein dogmatisches Deutungssystem als „wahr“ anerkennen will, zeigt, wohin die Reise politisch gehen soll – und bei dem, was sich dort anbahnt, sind halt Gott und Tod die besten Freunde der Menschheit, egal, welche Religion nun das Wissen über sie transportiert.

Bevor nun aber alle freiwillig vor den Zug springen, sei erwähnt, dass Selbstmord von vielen Kulturen abgelehnt wird – es sei denn, als letzter Ausweg, um seine Ehre zu behalten. Und selbst dann gibt es Berichte von „zurückgeholten“, die ratsam erscheinen lassen, die Kreise des Lebens nicht freiwillig zu verlassen – der selbst geschaffenen Hölle kann man so scheinbar nicht entkommen.

Aber wer will das schon?

Ich könnte nun noch über gesellschaftliche und zivilisatorische Nützlichkeit eines für die Gültigkeit der Moralgesetze garantierenden Gottes reden, doch das wirkt leicht, als wäre Religion nur ein Trick der Vernunft, das Tier im Menschen zu bändigen. Das mag sein – entspräche aber nicht meinen Erfahrungen, die ich mit vielen anderen Menschen teile.

Außerdem … ist das jetzt hier sowieso schon wieder viel zu lang fürs Internet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Hartz IV als Chance“ – die teuflische Botschaft des Robert Betz und die unglaubliche göttliche Kraft des NEIN.

"Hartz IV als Chance" - die teuflische Botschaft des Robert Betz und die unglaubliche göttliche Kraft des NEIN.

Donnerstag, 26.9.2013. Eifel. Heute morgen hat es mich gegruselt. Wo und warum  – dass soll mal egal sein. Mir liegt nichts daran, Menschen zu verletzen – allerdings gehöre ich zu den Menschen, die laut „Vorsicht!“ rufen, wenn jemand unaufmerksam auf die Hauptstraße läuft. Gerade bei Kindern hat sich das schon mal als lebensrettend erwiesen, obwohl ich natürlich etwas ganz Schlimmes getan habe: ich haben laut „NEIN“ gesagt, habe in das Schicksal eingegriffen und dem jungen Menschen eine einzigartige Erfahrung vermasselt. Ja – so kann man denken. Es gibt Menschen, die denken so. Es gibt sogar ganze Schulen, die lehren dieses Denken. Es ist eine der erfolgreichsten Philosophien des letzten Jahrhunderts – sogar „DIE“ klassische US-Philosophie. Sie hat viele Namen – ich nenne sie hier mal die Kunst des positiven Denkens, die solche wundersamen Sätze gebiert wie „Hartz IV als Chance“.

Ich bin auch persönlich dazu berufen, über diese Philosophie zu sprechen: sie hat mich ein Haus gekostet, zwei Eigentumswohnungen und vier Baugrundstücke; außerdem wurde meine Familie dadurch zerstört … und in Folge dessen auch meine Gesundheit. Natürlich ist das eine interessante Erfahrung – sie hat sechs Kindern Heimat und Familie genommen, sie völlig aus der Bahn geworfen und ihnen ein Leben mit deutlich geringeren Chancen auf eine selbstbestimmte Existenz beschert – was nur als gut anzusehen ist, denn: was wäre wohl geschehen, wenn dies nicht so geworden wäre? Also danken wir der Person, die das Desaster angerichtet hat – jene Person, die die Finanzen der Familie dem Positiven Denken überantwortet hat. Ja, natürlich, es gab ein paar Nebenwirkungen. Sie sind allgemein bekannt, siehe Wikipedia:

Aufgrund unreifer Ziele und mangelnder Fähigkeiten kann das willentlich aufgesetzte, zwanghafte Positive Denken nicht nur nutzlos sein, sondern auch erheblichen Schaden für die Psyche des (fanatischen) „Positiv-Denkers“ anrichten. Zugleich zeigt sich nach Scheich auch, dass viele Menschen, die bewusst positiv denken wollen, noch nie so stark negativ gedacht haben. Es ist ein Paradoxon der „entgegengesetzten Wirkung“ von Abschottung, Realitätsverlust und Bewusstseinsspaltung in das „positiv denkende Ich“ und den „übermächtigen Rest der Seele“

Auch so etwas habe ich beobachten können – bis hin zu einem „Lottokult“, der alle real angerichteten Schäden (und die ganze Lebensplanung der Kinder) dem „heiligen Lotto“ übergibt, dessen Millionen irgendwann „ganz sicher fließen werden“.

Ich habe mir dazu mal Rat geholt bei einem der Prediger dieser Philosophie – obwohl ich mir nicht sicher bin, ob er sich selbst genügend reflektiert, dass er sich bewusst ist, was er da tut. Er heißt Robert Betz und veröffentlicht regelmäßig Sprüche bei Facebook, heute vor zwei Stunden kam dieser hier:

Der zweite Schritt der Veränderung ist es zu sagen: „Alles in mir/in meinem Leben darf jetzt da sein! Ich bin bereit, es mir anzuschauen bzw. zu fühlen, was es in mir auslöst.“ 1. Wahrnehmen, 2. Annehmen. Dein JA! zu dem, was jetzt da ist und deine mit innerem Abstand beobachtende und bejahend fühlende Haltung öffnet den Weg zur Veränderung. Dein „Nein!“ blockiert den Weg zur Veränderung und hält dich im Bewusstsein eines armen Opfers anderer Menschen oder des vermeintlichen Schicksals.

Schreibe einmal alles auf, wozu du jetzt in deinem Leben, in deinem Körper, deiner Partnerschaft, an deinem Arbeitsplatz „Nein“ sagst. Unsere „Neins“ verstärken unsere Mangel- und Leidenszustände und machen unser Leben so anstrengend. In der Natur gibt es kein „Nein“, der Fluss fließt nicht rückwärts und die Eiche ist nicht neidisch auf den weißen Stamm der Birke.

Ja … dieses unglaubliche, übermächtige, positive JA. Wenn demnächst meine Tochter mit dem Dreirad auf die Bundesstraße fährt, werde ich dieses überwältigende JA aussprechen – und ruhig zuschauen, was passiert. Mein Nein würde den Weg zur Veränderung versperren – das sehe ich jetzt ein.

Nun – wozu ich alles NEIN sage, findet man zuhauf in diesem Nachdenkmagazin. Es ist ziemlich viel: Ausbeutung, Dummheit, Egoismus, Arroganz, Unmenschlichkeit, Folter, Mord, Sadismus, Lüge, Diebstahl, Betrug, Verrat, Hass, Neid – schon einfach soziale Gleichgültigkeit ist mir zuwider. Und ich weiß auch, dass es in der Natur ein starkes, kräftiges NEIN gibt: das deutliche, energische, kraftvolle NEIN des Ebers, der den Wolf daran hindert, die Frischlinge zu fressen, das NEIN der Fuchsmutter, die ihren Kinder eine Höhle besorgt, um sie vor dem Kältetod zu schützen, das NEIN des Sklaven, der sich eine Stadt baut, um den Feudalherren zu entkommen.

Überraschend oft funktioniert dieses NEIN ganz wunderbar – es ist die Quelle jedes realen Erfolges. Ich sollte Seminare geben über die zauberhafte Kraft des NEIN – nur leider habe ich auch NEIN zur Ausbeutung gesagt, was mich daran hindert, jetzt so richtig materiell erfolgreich zu sein. Die Eiche ist natürlich nicht neidisch auf den Stamm der Birke – aber schmettert dem Sturm, der sie fällen will, ein energisches NEIN entgegen. Nur deshalb ist sie so kräftig gewachsen: aus Erfahrung wird man halt klug.

Mir persönlich geht es mit meinem NEIN übrigens sehr gut. Ich bin oft sehr glücklich – weil ich NEIN sagen kann. Ich bin chronisch krank – multimorbide, unheilbar und zur ewigen Armut verdammt – aber mir geht es oft phantastisch. Ich fühle mich sehr wohl als Fels in einer Brandung des Unheils und denke mir gern: „na, irgendjemand muss das halt machen“. Man erfährt so viel über seine Kraft, seine Lebendigkeit, seine Fähigkeit zur aktiven Gestaltung des Lebens und merkt, dass es eigentlich nichts gibt, was einem das Glück vermiesen kann – außer natürlich solche Prediger des Bösen wie Robert Betz.

Prediger des Bösen?

Ja – ich habe da einen ganz klaren Begriff des Bösen. Der ist nicht sonderlich moralisch, ethisch oder religiös hergeleitet, sondern ergibt sich mehr aus der Anschauung heraus – vor allem aus der Anschauung der Folgen von Lebensphilosophien … und ich sehe da einen Robert Betz mit leuchtenden Augen vor den Toren des Vernichtungslagers Ausschwitz, wie er den Insassen zuruft: „Genießt Eure Erfahrung“.

Man merkt: diese Philosophie hat nur eine begrenzte Tüchtigkeit – sie wirkt nicht außerhalb des Wohlstandes der westlichen Welt. Innerhalb wirkt sie eine Zeit lang betäubend wie Opium, vermittelt sie doch dem Individuum die Illusion, es könnte mit ein wenig Veränderung des Denkens selbst zum Gott werden: für Egoisten eine unglaubliche Verlockung: kraft der eigenen Gedanken seine eigene Welt erschaffen – ohne Rücksicht auf Folgen für den Rest der Welt … wie wunderbar.

Die Verheerungen, die der Egoismus in die Welt gerufen hat, lassen sich in den täglichen Nachrichten detaliert studieren, Frank Schirrmacher hat ein ganzes Buch darüber geschrieben. Ich nenne den Egoismus böse, weil er entgegengesetzte Werte zu den traditionell „guten“ Werten unserer Kultur predigt: Nächstenliebe, Mitleid, Fürsorge – Werte, die viel anstrengender sind als die passive Beobachterkultur des positiven „Wunsch“denkens.

Diese Werte gehen auf einen Prediger zurück, der die Menschheit nachhaltig beeindruckt hat – wir nennen ihn Jesus Christus. Er hat vor 2000 Jahren ein gewaltiges NEIN gesprochen: sein Reich ist nicht von dieser Welt. Diese Welt ist für ihn eine gefallene Welt, eine üble Welt, die beständig von Dämonen belauert wird, die den Menschen quälen und in ihre Gewalt bringen wollen – einer der Dämonen ist der Mammon, heute gerne „Erfolg“, „Leistung“ und „Reichtum“ genannt. Wie sehr er den Charakter deformiert, kann man täglich in den Medien studieren. In dieser Welt ist Leiden kein selbstverursachter Zustand, für den das eigene mangelnde Denken die Schuld trägt, sondern einfach das alltägliche Standardprogramm, dem man sich nur entziehen kann, wenn man deutlich und energisch NEIN sagt. Oft genug ist das Leiden sogar ganz unnötig von Menschen verursacht worden, die sich selbst für unglaublich toll (ja … fast göttlich …) halten und meinen, deshalb stünden ihnen von den Gütern der Welt viel mehr zu als den anderen Menschen. Ohne diese Leute … wären wir fast schon im Paradies.

Huch – Robert Betz als Antichrist?

Wir wollen ihn mal nicht so sehr aufwerten. Er ist einer von 100 000 Predigern, die ihre eigene Luxusexistenz auf Lesbos durch das Leid vieler unschuldiger Menschen finanzieren (und ihnen eine gewaltige Schuld aufbürden) – es sind die armen, kranken und schwachen Menschen, die zu ihm finden. Die anderen wähnen sich im Sinne des (ebenso teuflischen) „Wohlstandsevangeliums“ als gottgewollte Sieger in einem Universum, dass nur den Starken möchte, den Menschen, der Gott werden möchte.

Es gab schon mal einen ganz großen Engel, der daran gescheitert ist: der höchste, strahlendste, edelste von ihnen – Luzifer, auch Satan genannt, heute das Urbild des Bösen.

Manchmal kann man aus alten Mythen viel lernen – vor allem: sich vor neuen Legenden zu schützen.

Ich kenne aber auch die Rede der Prediger des Bösen und ihre Versuchungen. „Was ist mit Gott“ fragen sie. „Ist es etwas nicht sein WILLE, der sich in der Welt manifestiert?“

Nun – begebe ich mich in dieses System, dann sollte ich das konsequent tun. Wenn Gott das NEIN nicht gewollt hätte, dann hätte er kein Immunsystem geschaffen, dass uns täglich vor tödlichen Angriffen unserer Umwelt (Viren und Bakterien) bewahrt. Dieses Immunsystem – und jetzt kommen wir in die Welt der Zauberei – reagiert in der Tat auf optimistisches Denken. Spontanheilungen von Krebs sind hier denkbar, denn Krebs ist nichts anderes als ein Zustand, in dem das Immunsystem sein NEIN vergessen hat: jeder von uns hat Krebs, doch das Immunsystem erledigt ihn … tagtäglich. Sagt es aber JA zur Krankheit … ist die Heilung vergeblich.  Die Psychoneuroimmunologie hat hier erstaunliche Erkenntnisse zu Tage gefördert.

Wo aber das Immunsystem keinen Einfluss hat, versagt auch der Optimismus: das amputierte Bein wächst nicht nach, das erschossene Kind steht nicht mehr auf, das Trauma nach Vergewaltigung verschwindet nicht von selbst.

Viel wichtiger im religiösen Kontext (in den sich die Prediger des Bösen immer schnell flüchten, wenn es ihnen zu heiß wird) ist das Gebot, das wir uns über Gott kein Bild, keine Gedanken und keine Vorstellungen machen sollen. „Keine Macht den Priestern“ – steht gleich ganz vorne in der Bibel. Es sein denn, sie wirken Wunder und legitimieren sich so: über Wasser laufen, wundersame Brotvermehrung, Heilung von Kranken und Toten – so etwas sollte ein korrekter Prediger Gottes schon bringen. Bringt es das nicht (wie Herr Betz und die 100 000 anderen, die durch böse Worte der Täuschung unsägliches Leid verbreiten), sollte man ihn als das bezichtigen, was er ist: ein Scharlatan. Ein Betrüger. Ein Feind Gottes.

Leid in jeder Form ist Preis des Lebens – nicht Schuld von „schlechtem Denken“. Es ist ein Preis, den wir für Freiheit zahlen müssen – Freiheit, die zum Bösen führen kann. Wenn man nicht aufmerksam ist, nicht aufrichtig, nicht wach und gedanklich klar gehört man schnell selbst zu den Menschen, die Gutes wollen und Böses tun.

Spricht hier nun ein tumber Materialist? Jemand, der – ganz unwissenschaftlich – die geistige Welt ablehnt und ihre Botschaften verschmäht?

Nein – hier spricht ein Pragmat.

Wenn jemand mit der geistigen Welt spricht, dann will ich Ergebnisse sehen – und nicht nur bloßes  Wortgeklingel.

Die Gemeinschaft von Findhorn zum Beispiel (heute nicht unbedingt empfehlenswert) hatte durch ihre Praktiken Kohlköpfe im nährstoffarmen Sand großgezogen, die wegen ihrer erstaunlichen Größe Biologen aus der ganzen Welt begeisterten – und Theologen ebenso. Die Botschaften ihrer „Stimmen“ waren von einem hohen ethischen Niveau und erstaunlicher gedanklicher Klarheit … über Jahrzehnte hinweg.

Von diesen Menschen weiß ich auch, dass sie – wie Christus – neben der Stimme Gottes viele andere Stimmen vernahmen, die von Geistern kamen, die übler Natur waren.

Einer spricht hier – für 149 Euro pro Person – und verspricht ein gesundes Leben – lebenslang:

Schmerzen und Krankheiten sind absolut nichts Natürliches. Sie sind hausgemacht und vom Träger des Körpers in aller Regel unbewusst erschaffen. Aber der Normalmensch will davon nichts hören, dass er selbst seine Krankheiten erschafft. Diesen Gedanken zuzulassen, wäre ihm peinlich.

Schmerzen – sind nur eine übersteigerte Form von Gefühlen – von Nervenenden produziert, wenn was falsch läuft. Die gleichen Nerven, die die positive Wirkung von Wärme melden, melden die vernichtende Kraft des Feuers. Sie sind keine Krankheit. Die folgt, wenn man die Schmerzen ignoriert und die Hand weiter ins Feuer hält.

Aber wie schön, welch´ schöne Botschaft wird hier versprochen: ewiges Leben. Und wie bequem sie ist: kümmere Dich nicht um Deinen Nebenmann – er trägt selber die Schuld für sein Leid. Wenn er jammert: sage ihm, dass er selbst Schuld ist an seiner Arbeitslosigkeit – das enthebt jeden jederzeit aller Verantwortung, jeder kann dann auch tun, was er will und möchte. Steche ich ein Messer in Dein Herz, vergifte ich Dein Wasser, übergieße Dich mit Säure – DEINE SCHULD, WENN ES WIRKT.

Und MICH – MICH LIEBT GOTT, WEIL ICH REICH BIN. Ich habe PORSCHE, OMEGA und BOSS – was kann ich anderes sein als Gottes Sohn?

Und weil das so ist – ist jeder materielle Reichtum göttlich, ja, jeder Reiche ein wahrer Sohn Gottes.

Anders als der arme Zimmermannssohn mit seiner Sozialromantik können die „wirklichen“ Söhne Gottes, die jederzeit mit der „Geistigen Welt“ kommunizieren können, ihren Anspruch durch GELD legitimieren. Ihm – dem LOOSER – hatte Satan die ganze Welt angeboten … und der Trottel hat sie abgelehnt. Kein Wunder, das man ihn gefoltert, entwürdigt und gekreuzigt hat!

Im religiösen Bereich bewegen wir uns hier in der Sphäre des absolut Bösen – und so sind letztlich auch die Wirkungen (oder „Nebenwirkungen“) zu erklären, wenn der Rausch der Selbstvergötterung verflogen ist und man immer noch in seinem armen, kranken, einsamen und fremdbestimmten Leben aufwacht, in dem einem die gebratenen Tauben nicht wie im Schlaraffenland in den Mund fliegen – obwohl man ständig „richtig“ gedacht und es allen 100 000 Predigern des Bösen recht machen wollte.

Im nichtreligiösen Bereich haben wir es hier mit einer unglaublichen Scharlatanerei zu tun, dem Denksystem einer äußerst schädlichen soziopathischen Psychosekte, die jede Perversion menschlichen Seins heilig spricht – und so erfolgreich auf Dummenfang geht.

Und ich nun – als von der Welt gebeutelter Mensch, dessen Bandscheiben nur noch Trümmer sind … eine natürliche Folge von einer Million Kilometern in Kraftfahrzeugen?

Ich gebe jetzt Seminare über die unglaubliche Kraft des NEIN. Sicher – weltliche Werte habe ich nur wenig, Gesundheit ebenso … aber ich habe gelernt, dass dort kein Glück zu finden ist. Glück gibt es im NEIN. Das NEIN ist der Sinn des Lebens, es macht stark, gibt Kraft – und letztlich überwindet es auch den Tod.

Wieso?

Nun – das lehren alle Kulturen, die Lehren des Todes entwickelt haben. Jene Momente, wo die Seele gewogen wird, wo geprüft wird, ob sie stark genug geworden ist – oder zu jenen Früchten gehört, die ins Nichts gehören. Dort wird der Moment sein, wo man in die Hölle blickt – oder in den Abgrund des NICHTS. Wer dazu JA sagt: gute Reise und angenehmen Aufenthalt.

Wer jedoch seinen Charakter durch das NEIN gestärkt hat – über Jahre hinweg durch alles Elend – wird einfach weiter gehen und den Tod ignorieren.

Das lehrt das tibetanische Totenbuch, das Totenbuch der Maya und das Totenbuch der Ägypter, das lehrt der Glauben der Germanen und Griechen – und das predigt auch die Bibel.

Das NEIN gibt ewiges Leben, wenn es kräftig genug ist, auch dem Tode NEIN zu sagen. Wer das nicht schafft, stirbt eben den Zweiten Tod – wie es der Apostel Johannes oder der Zauberer Don Juan Matus (bei Carlos Castaneda nachzulesen) dargestellt haben.

Natürlich wird der Tod nicht angenehm: der Körper wird seine Arbeit tun und Warnsignale über den Tod der Zellen ausschicken – das ist sein Job. Aber auch zu diesen Schmerzen kann man NEIN sagen. Niemand kann einen zwingen, sie zu begrüßen.

Bevor ich aber jetzt Anmeldungen für die Seminare bekomme: ich werde sie nicht halten. Ich könnte Bücher über die revolutionäre und evolutionäre Kraft des NEIN schreiben, die sehr erfolgreich sein könnten. Man würde mich mit Geld überschütten – und mein Lebensglück zerstören.

Ich bin froh, dass ich das gefunden habe und möchte es mir nicht durch bloßen Materialismus vermiesen lassen – obwohl die Kraft des NEIN etwas Wesentliches im Menschen bewirkt: die Erfahrung der Selbstwirksamkeit. Die schützt vor Krebs – das ist bewiesen. Das JA zu allem und jedem … macht unglaublich schwach.

Und obwohl ich diese Zeilen mit ironischem Lächeln schrieb, könnten sie doch einen realen, metaphysischen Hintergrund haben.

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ein Reicher in das Reich Gottes gelangt„.

Man sollte Herrn Betz mal fragen, warum er wohl möchte, dass so wenig Menschen in das Reich Gottes gelangen – und aus welchen abgründigen Gefilden wohl seine Geister zu ihm sprechen.  Die Botschaft seiner Geister ist klar:

Und das ist das nächste Thema das ihr kennt auf der Achse der Transformationszeit.

Wer zieht mir Energie ab? Wer geht mit mir und wer nimmt mir Energie? Und mit wem gehe ich und es ist Erhöhung und es ist Kraft und es ist Schönheit, Leben, Tanz und Gesang? 

Schönheit, Tanz und Gesang findet man nicht bei den Armen und Kranken dieser Welt – Not und Elend ist ihr täglich Brot – fernab von jeder „Erhöhung“, die die Jünger des Bösen so sehr ersehnen. Und was ist das – „Energie“?

Na: Geld. Und dazu gibt es klare Aussagen:

Liebe das Geld!

Wie denkst du über Geld? Geld ist weder gut noch schlecht. Geld ist. Und es hilft uns, unser Leben zu organisieren. Wenn du das Geld nicht liebst, gibt es keinen Grund, warum es dir zufließen und bei dir bleiben sollte. Wenn du Schulden hast, kümmere dich um deine Schuldgefühle, deine Selbstabwertung und dein Mangeldenken.

Tja – ich habe weder Schulden noch Geld. Dafür die unglaubliche Kraft des NEIN.

Und die führt mich direkt in das Reich Gottes – was will ich mehr?

Und die kurze irdische Durststrecke überstehe ich locker – und habe soviel Kraft, noch anderen dabei zu helfen. Ganz ohne Geld – will mir ja nicht das Reich Gottes versauen.


 

 

 

 

 

Was würde JESUS wählen?

Was würde JESUS wählen?

Sonntag, 1.September 2013. Eifel. Ein wichtiger Tag. Er erinnert uns an den deutschen Überfall auf Polen – und daran, dass wir jetzt wählen dürfen, um ähnliche Entwicklungen zu verhindern. In drei Wochen ist es so weit: der Souverän entscheidet wieder, wo es langgeht. So jedenfalls sollte es sein, in Wirklichkeit darf der Souverän nur noch den Kellner wählen, der die Rechnung des Großkapitals präsentiert – aber solche Feinheiten wollen wir heute mal gar nicht ins Auge nehmen, dass ist zuviel für den heutigen Tag. Immerhin ist Sonntag, ein Tag der Erbauung, ein Tag für religiöse Übungen, für Gedanken, die über den trüben Alltag weit hinaus gehen, ein Tag, der wie geschaffen dafür ist, sich einmal mit den höchsten, je von Menschen gedachten Gedanken auseinanderzusetzen – und darüber, was sie wohl für die Wahl bedeuten. Nehmen wir zum Beispiel Jesus. Gott hatte ja einen Bund mit den Israeliten geschlossen, die haben mehrfach versagt – trotz Sintflut und Propheten, so dass er sich genötigt sah, seinen Sohn zu schicken, um persönlich klar zu machen, dass ihm der Lebensstil des römischen Imperiums überhaupt nicht zusagte. Nochmal Sintflut war ausgeschlossen (deshalb hängt ja der Regenbogen am Himmel), aber die Entwicklungen, die Gedanken, die Gesetze, die durch ein gigantisches Sklavenimperiums in die Welt kamen, konnten nicht übersehen werden.  Radikale Maßnahmen waren notwendig. Also kam sein Sohn herunter, wanderte etwas herum und sorgte für Wunder und Hoffnung, bis sein Job getan war. 2000 Jahre später (ist nicht ganz korrekt, aber wir wollen heute nicht pingelig sein) ist Wahl in Deutschland – und wir wollen uns heute einmal die Frage stellen, was denn dieser Jesus hier und heute wählen würde. Wir schauen mal darüber hinweg, dass er „dem Kaiser geben würde, was dem Kaiser gehört“, weil „sein Reich nicht von dieser Welt ist“. Diese Ausflucht wollen wir ihm heute nicht gönnen, erhoffen wir uns von seinem Verhalten doch Hilfe dabei, wo wir das Kreuz machen würden.

Die Antwort schallt einem natürlich sofort entgegen: CDU/CSU. Natürlich wählt der Sohn Gottes christlich, meinen Priester, Lehrer und Philosophen. Nicht unwichtig, denn 48 Millionen Menschen in Deutschland gehören noch dieser Religion an.  Begleiten wir ihn erstmal auf seiner Reise zur CDU: „Deutschland ist stark und soll es bleiben; Weil jeder zählt, das ganze im Blick„.  Nun – mit „Deutschland“ kann unser Jesus nicht viel anfangen – im Gegenteil, das Nationale bereitet ihm Magenschmerzen. Auch die Obdachlosen, an denen er auf dem Weg zur Wahlurne vorbeiging, irritieren ihn: offensichtlich sind sie nicht „jeder“ und zählen deshalb nicht.  Doch nicht das ist, was ihm Sorge bereitet.

Er hat ein wenig mehr gelernt, dort, wo sein Reich ist, und vermag nun (wie dereinst Franz Josef Strauß) Stimmen im Wind zu hören, die ihm ein Liedchen singen – und was er dort vernimmt, verstört ihn sehr. Lauschen wir auch diesem Winde:

1962 bilanzierte Ralf Dahrendorf als Soziologieprofessor in Tübingen:

„Die unbekannteste Führungsgruppe in der deutschen Gesellschaft der Bundesrepublik ist die, die ihr zugleich mindestens äußerlich das Gepräge gibt: die wirtschaftliche Oberschicht, die als Schöpfer und Nutznießer des Wirtschaftswunders die neue Gesellschaft vor allem kennzeichnet“

(Aus:  Die Elefantenmacher, Lambrecht/Müller, Eichborn 2010, Seite 43)

Diese Gruppe hatte die Geschicke Deutschlands schon lange im Voraus geplant – aus sicheren Positionen im NS-Staat heraus:

„Schon während des Krieges hatten Planungen für die Ordnung nach der totalen Niederlage begonnen. Ludwig Ehrhard hatte bereits im März 1944 eine Studie mit dem Titel Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung vorgelegt“. 

(Elefantenmacher, a.a.O., Seite 42).

Es war nur eine kleine Gruppe, 12 bis maximal 20 Wirtschaftsfunktionäre, Hitlers gute Helfer im Hintergrund, die ein neues Deutschland entwarfen – ein Deutschland, dass ihnen die unbegrenzte Macht der Vergangenheit erhalten sollte, ein starkes Deutschland, dass Hitlers Hinterbänklern die Macht geben sollte, die sich nach eigener Ansicht verdient hatten (siehe auch Grunenberg, zititiert bei Elefantenmacher, Seite 43).

Ihr Mittel dazu? Die CDU.

Gegen den Willen der Alliierten wurde von Hermann Josef Abs das Großbankensystem des Deutschen Reiches wieder aufgebaut – und wahrscheinlich wird Deutschland aufgrund dieser Entwicklung direkt nach dem Krieg heute noch von den USA als Feindland eingestuft … die Demokratie war nur dünne Tünche über einem ganz anderen Machtapparat.

Der Wind flüstert unserem Jesus noch viel mehr zu – es geht um „Parteienfinanzierung“ und einem enormen Ausmaß an krimineller Energie, dass sich dort bis hin zur Kanzlerschaft des Helmut Kohl zeigte, dessen Ziehkind Angela Merkel gerade das Land regiert.

Angeekelt wendet sich unser Jesus von diesem Sumpf an Betrug, Täuschung, Lüge und verlängerter Macht des Dritten Reiches ab. Was soll er auch anderes tun, gilt doch Adolf Hitler in weiten Kreisen sogar als „Antichrist“.

Entgegen der Meinung der Pfarrer, Lehrer und Philosophen wählt unser Jesus keine CDU. Wäre auch nie gegangen, wäre zu viel Lüge im Spiel – und Lüge ist eine Spähre Satans, das ist in Jesu´ Reich allen klar.

Im Rahmen der Parteispendenaffäre erfuhr unser Jesus nun von der SPD. Das Wort „sozial“ hat es ihm angetan. Doch sofort beginnt der Wind zu flüstern Er erfuhr von den Geldwaschanlagen der Sozialdemokratie (Elefantenmacher, Seite 54), die in Folge der Geldwaschanlagen der CDU und FDP geschaffen wurden, er sah Bilder von Kanzlern in feinsten Anzügen, die angeblich dem Schutz der Armen verpflichtet waren, lange Schlangen vor Geschäften mit vergammelter Ware und Menschen, die den Industrieabfall noch für gutes Geld vertilgen sollten, er sah staatlich gewollte Armut und Sanktionen, die den Tod bringen konnten und wandte sich angeekelt ab. Das war ja Rom in Reinkultur.

Aber es gab ja noch die FDP. Viel kleiner als die Großen. Doch was flüstert der Wind?

Anfang der fünfziger Jahre wandten sich die Konstrukteure Deutschlands mit ihren Geldsäcken der FDP zu, um den linken Flügel der CDU auszulöschen – die FDP griff gnadenlos zu, worauf hin Adenauer die gesamte hessische CDU zum Arbeitsamt schicken wollte (Elefantenmacher, a.a.O., Seite 54). In Folge waren CDU und FDP durch die gleichen Eliten gesteuert – und selbst heute noch fällt da mal eine Steuersenkung für Hoteliers auf … natürlich nur nach angemessener Parteispende.

Jesus ist ein nun ein wenig ernüchtert und hält das ganze für einen schlechten Scherz. Ihm hatte der Teufel die ganze Welt angeboten – und die Mächtigen der Republik springen schon für kleines Geld durch Feuerreifen? Das nennt sich „christlich“? „Sozial“?“Frei“?.

Nun – unser Christus steht etwas irritiert im Park herum. Fast hält der die Veranstaltung für einen großen Ulk. Räuber, wohin das Auge blickt. Er zeigt sich gewillt, die irdischen Spähren wieder zu verlassen, „heulen und wehklagen“ herrschen immer noch hernieden. Doch sein Gang zur Urne blieb nicht unentdeckt. 48,4 Millionen deutsche Christen stehen hinter ihm, schauen zu ihm auf und warten auf  sein Urteil.

Also macht sich der Heiland auf den Weg, weitere Parteien in Augenschein zu nehmen. Noch ist die Hoffnung nicht gestorben – es gibt ja noch Grüne. Bilder von blühenden Landschaften erscheinen vor dem geistigen Auge, in dem friedliche Schafe ein behütetes Leben führen. Unserem Jesus gefallen diese Bilder – doch wieder kommt der Wind und flüstert ein Lied – und bombenbeladene Düsenjäger donnern über den Himmel, erschrecken das Vieh, verpesten die Luft und bringen Tod und Leid über fremde Völker. Wie der Wind weiter flüstert, war das kein Versehen, siehe Spiegel:

Cohn-Bendit: Eine Strafaktion ohne politische Strategie wäre falsch. Aber der Westen muss militärisch mobilmachen. Als Voraussetzung – entweder für einen Militärschlag oder um einen Waffenstillstand zu erzwingen und das Blutvergießen zu beenden.

Ja, die Bundesregierung müsste sich zusammen mit anderen EU-Ländern an der Vorbereitung einer militärischen Aktion beteiligen.

Jesus erschaudert. So dachte die Welt, bevor er kam. Wollen Grüne Frieden nur für Tiere, doch der Mensch darf geschlachtet werden? Lüge, Täuschung, Betrug – der alte Geruch weht ihm um die Nase – und leise flüstert der Wind noch ein Wort, das schmeckt wie blutige Erde: „Hartz IV“ heißt es – so grün kann Leben sein.

Warum nur nehmen sich alle ein Beispiel an Judas – aber keiner an ihm?

Doch diese Frage wollen wir ihm nicht gestatten. Es ist Wahl in Deutschland – und irgendwo muss das Kreuzchen hin. Darum haben wie ihn ja eingeladen, dass er uns hilft, unser Kreuz zu tragen – seins hat er schon hinter sich.

Doch uns gehen langsam die Vorschläge aus. Mehr als zwei Dutzend Kleinparteien wollen wir ihm nicht vorlegen, noch mehr Lüge, Täuschung und Verrat nur in kleinerem Formen – das wollen wir keinem zumuten.

Aber es gibt ja noch die Piraten. Sie haben kein Profil, aber gute Sprüche. Schauen wir doch mal hin, was die so treiben.

„Polizeischikane auf Schalke“ ist dort Thema. „Was machen die mit Armen?“ will unser Jesus auf einmal wissen. Das Bunte dort gefällt ihm, auch tragen viel weniger diese „Krawatten“, die ihm – zuvor völlig unbekannt – langsam als Ankerband des Satans erscheinen: wo immer Lug und Trug, Täuschung und Betrug ihr Unwesen treiben, da sind sie zu finden. Wir folgen der Seite und stoßen auf „Gesellschaftliche Teilhabe“ … wo uns zuerst die Forderung nach mehr Rechten für „Gamer“ ins Auge fällt. Nur eine Spaßpartei?

Doch bevor wir unseren Jesus zu einem Urteil bewegen können, noch bevor der Wind ein wenig über Johannes Ponader erzählen können – und dem Umgang der Partei mit einem Armen – eilt der Heiland fort. Ein Plakat ist ihm ins Auge gefallen.

„100% sozial“ steht da drauf.

„Umfairteilen“ … so heißt es da. „Gehe hin, verkaufe alles was du hast und gib es den Armen“ … so murmelt er vor sich hin, während er weiter liest:

„Nein zum Krieg“.

Das gefällt ihm. Der Wind flüstert unheimliche Dinge über ein „Ministerium für Staatssicherheit“, über „SED-Vermögen“ und Arbeitslose, die in der Partei schikaniert wurden, er erzählt von Kommunismus, Karl Marx und seinem aussortierten Lumpenproletariat … den Ärmsten der Armen, von Mauerschützen und Terroristen, doch der Herr antwortet: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ … und es wird auf einmal ruhig in den Reihen der CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen.

Während es dies spricht, zeigt auf nochmal auf das Schild: „100% sozial“ und spricht dabei: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst„.

Dann verläßt er diese Welt, um sich weiter auf seine große, endgültige Rückkehr zu besinnen.

Die Christen bleiben verwirrt zurück. Kann das denn sein: der Herr würde die Linke wählen? Ja, weiß er denn nicht, dass die die Kirchen abschaffen wollten, die Priester nicht mögen und Religion als Droge ansehen, die es zu verbieten gilt? Doch vom Himmel herab fällt ein kleines Blatt Papier, dass der Herr in seiner unermesslichen Güte der Würdigung wert fand. Es stammt gerade von jenen „Linken“ – und es geht um Ostern:

Ja, Linke oder scheinbar Linke verhielten sich  in der Vergangenheit oft unsachlich und verletzend gegenüber Gläubigen und Kirchen, folgten Vereinfachungen, wonach religiöser Glaube nur Opium oder ein „Fremdkörper“ in der Gesellschaft sei. Die PDS erachtete es daher bereits im März 1990 für erforderlich, ihr Verhältnis zu Gläubigen, Religionen, Kirchen und Religionsgemeinschaften zu bestimmen. Sie bekannte sich zu ihrer Mitverantwortung an einer Politik, die tragische Schicksale, Benachteiligung, Verdächtigung und ohnmächtige Betroffenheit auslöste, und bat um Versöhnung.(1) In der Bundessatzung der LINKEN stehen bei den politischen Zielen Begriffe wie menschenwürdige Arbeit und soziale Gerechtigkeit, Frieden und Nachhaltigkeit. Die Partei, heißt es da, „… ist plural und offen für jede und jeden, die oder der gleiche Ziele mit demokratischen Mitteln erreichen will.“ Also: Die Mitgliedschaft in unserer Partei ist an keine Weltanschauung gebunden, in ihr haben Menschen einen Platz, die sich selbst als Sozialdemokraten oder Kommunisten, als demokratische Sozialisten oder Freidenker verstehen. Ganz selbstverständlich können Christen und Juden, Muslime und Hindus, können Gläubige verschiedener Couleur ihren Platz in unserer Partei finden und politisch aktiv sein.

Die Christen stehen dort … und staunen. Es gibt viel Gemurre unter ihnen – „Sozial ist auch die SPD“, „Christliche Union ist christlich, sonst nichts“, „CSU ist sozial“, „so ein wenig sozial sind wir alle, dass gibt doch nicht den Ausschlag“ … doch alles wird unterbrochen von einem enormen Getöse aus den himmlichen Gefilden, einem donnernden Abschiedsgruß und mit großen Lettern an den Himmel geschrieben erscheint noch einmal der Wunsch des Herrn:

„100 % sozial … EINHUNDERT PROZENT!!!“ –  und Wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Tja – so sprach der Herr – und lässt uns verwirrt zurück.

Gerne hätten wir noch mehr Parteien vorgestellt, doch der König der Sozialromantiker hatte gefunden, was er wollte – und wir trauten uns nicht, ihm zu widersprechen. Gerne hätten wir ihn auch auf die vielen Krawatten bei den Linken aufmerksam gemacht … aber was das Soziale angeht, da versteht der Herr keinen Spaß, da hat er einen klaren Kurs: 100 % sozial.

Alles andere … scheint nur Schall und Rauch in seinen Augen zu sein.

Man merkt aber langsam, warum das Christentum immer mehr an Boden verliert – so bald man seine Botschaft versteht, wird die Wahl alternativlos. Deshalb wählen wir lieber Judas als Christus. Den gibt es in vielen Farben.

 

Osteransprache: Nahtodeserfahrungen und das Imperium des Antichristen

Ostersonntag, 31.3.2013. Eifel. Aktuelle politische Ereignisse zwingen die Philosophie schnell dazu, eine Art Feuermelder zu werden und immer dann aufzuheulen, wenn Rauch in der Luft ist. Es gibt gerade viel Rauch: Korea erklärt den Kriegszustand, die Eurozone fliegt uns mit Wucht um die Ohren, Gerechtigkeit wird zunehmend ein Fremdwort, die Gesellschaft beginnt den Sozialdarwinismus als Leitbild für soziales Miteinander zu akzeptieren und ein Imperium der Superreichen etabliert sich weltweit in einem nie dagewesenem Ausmaß, vernichtet dabei Demokratie und Sozialstaat gleichermaßen: Material genug, um damit sein Leben zu verbringen. Doch ist es nicht nur die Aufgabe der Philosophie, Feuermelder zu sein, vielmehr hat sie Scoutfunktion, ist der Teil der Menschheit, der mutig über den Tellerrand hinausschauen soll ... einen Tellerrand, der seit dem Zeitalter der Aufklärung viel enger geworden ist - und nicht etwa weiter, wie man hätte annehmen können. Zugleich hat sich ein Weltbild breit gemacht, das sehr dunkel ist - dunkler als alle anderen Weltbilder, die Menschen je entworfen haben. In der Gegenwart ist der Mensch ein zufällig entstandener Zellklumpen - der einzige im Universum - der gleich einem Dynamo so etwas wie "Bewußtsein" erzeugt, das nach seinem Tode völlig verlischt: man nennt dieses Zeitalter zurecht das Dunkle Zeitalter, möchte man meinen.

Ostersonntag, 31.3.2013. Eifel. Aktuelle politische Ereignisse zwingen die Philosophie schnell dazu, eine Art Feuermelder zu werden und immer dann aufzuheulen, wenn Rauch in der Luft ist. Es gibt gerade viel Rauch: Korea erklärt den Kriegszustand, die Eurozone fliegt uns mit Wucht um die Ohren, Gerechtigkeit wird zunehmend ein Fremdwort, die Gesellschaft beginnt den Sozialdarwinismus als Leitbild für soziales Miteinander zu akzeptieren und ein Imperium der Superreichen etabliert sich weltweit in einem nie dagewesenem Ausmaß, vernichtet dabei Demokratie und Sozialstaat gleichermaßen: Material genug, um damit sein Leben zu verbringen. Doch ist es nicht nur die Aufgabe der Philosophie, Feuermelder zu sein, vielmehr hat sie Scoutfunktion, ist der Teil der Menschheit, der mutig über den Tellerrand hinausschauen soll … einen Tellerrand, der seit dem Zeitalter der Aufklärung viel enger geworden ist – und nicht etwa weiter, wie man hätte annehmen können. Zugleich hat sich ein Weltbild breit gemacht, das sehr dunkel ist – dunkler als alle anderen Weltbilder, die Menschen je entworfen haben. In der Gegenwart ist der Mensch ein zufällig entstandener Zellklumpen – der einzige im Universum – der gleich einem Dynamo so etwas wie „Bewußtsein“ erzeugt, das nach seinem Tode völlig verlischt: man nennt dieses Zeitalter zurecht das Dunkle Zeitalter, möchte man meinen.

Schon das Bild des Dynamos hinkt – wann hat schon mal das Licht der Fahrradlampe die Fahrtrichtung des Fahrrades bestimmt, oder, anders gefragt: wann hat sich ihr Körper schon mal ohne ihren bewußten Willen in Bewegung gesetzt, um auf die Toilette zu gehen oder sich etwas zu essen zu holen? Während dramatischer Fußballspiele können wir sogar die Bedürfnisse drastisch zurückdrücken, um ja nicht den entscheidenden Moment zu verpassen – von außen betrachtet, hat die untergeordnete Funktion „Bewußtsein“ schon eine erstaunliche Dominanz über den Knochensack, in dem sie sich eingenistet hat.

Nun – wir bewegen uns hier in sehr gefährlichen Gebieten – in politisch gefährlichen Gebieten. Würde ich an der Universität arbeiten, hätte ich die ungeschriebenen Gesetze der Moderne zu beachten: schaue nicht über den Tellerrand, sonst entziehen wir dir die Lehrbefugnis und … das Geld. Das Imperium der Superreichen hält seine Schafe gerne sehr eng angeleint, sehr nützlich ist da eine Philosophie, die ihnen mitteilt, das es nichts außerhalb der hohen Gatter des Schlachthauses gibt … weshalb ohne, das ich je ein bezahlter Wissenschaftler darüber verwundert – Nahtodeserfahrungen, Religion, Telepathie, Fernwahrnehmung, Ufos und das Monster von Loch Ness in die gleiche Kategorie fallen … in die Kategorie des verbotenen Wissens.

Eine letzte Bastion des verbotenen Wissens wird gerade geschliffen: die katholische Kirche. Ihre Vernichtung ist extrem wichtig, denn sie steht dem neuen moralischen Dogma mitten im Wege – einem Dogma, das den ewig jungen, ewig gesunden, blendend aussehenden Leistungsträger als Idealbild menschlicher Existenz propagiert – ein Bild, das eine offensichtliche Lüge ist aber mit Gewalt auf allen Medienkanälen verbreitet wird … und Angst macht.

Angst?

Ja. Wir werden alle älter, wir werden alle mal krank – und wir sehen auch nicht immer super aus, manche hatten schon von Geburt an Pech: wir werden also mit Sicherheit irgendwann mal zum Kreis der „unerwünschten Personen“ gehörden … mit entsprechenden Konsequenzen.

Ostern ist nun einer jener Tage, an denen man sich mal zurücklehnen und sich befreien kann von all jenen Zwängen, die das Imperium der Superreichen über uns ausübt – durch eine Vielzahl hoch bezahlter Experten.

Was wir heute feiern? Den Sieg eines Menschen über den Tod. Jesus soll er geheißen haben – und seine Geschichte ist (mal abgesehen von dem Zank über sein unerklärliches Grabtuch) ein kleines Wunder: wie hat es dieser kleine, unscheinbare Wanderprediger mit seinen oft verworrenen und unverständlichen „Gleichnissen“ es geschafft, über hundert Jahre im Bewußtsein einer breiten Masse von Menschen zu bleiben? Es hat immerhin gut hundert Jahre gedauert, bis die Evangelien aufgeschrieben worden sind – alle anderen Wanderprediger (die damals ein normales Erscheinungsbild des Alltages darstellten) waren schon längst vergessen, aber an den einen konnte man sich noch gut erinnern. So gut, das sehr ähnliche Geschichten kursierten.

Meine recht frische Meinung dazu ist: die Wunder waren echt. Okhams Rasiermesser gebietet mir die „Wahrheit“ mit den wenigsten Hypothesen – die erhalte ich, wenn ich nur eine Hypothese annehme: die Zeugen Jesu´ haben in der Tat äußerst beeindruckende Dinge erlebt, so etwas bleibt im Gedächtnis.

Natürlich könnte man fragen: was geht uns das an? Wir haben unsere eigenen Probleme. Ja, sicher, es gibt am Rande des erlaubten Wissens Beobachtungen von Zauberern, der erstaunliche Kunststücke bewerkstelligen können – deshalb wurde Jesus ja schon mal in den Kreis der Huna-Magier aufgenommen, andere sehen in ihm einen Zen-Buddhisten, der einfach erstaunlich bewußtseinsverändernde Tricks beherrschte. Aber was sollen wir heute mit solchen Geschichten anfangen?

Nun – zum einen steht Jesus in unserem Kulturkreis für eine ethische Maxime der Nächstenliebe. Viele erschöpfen sich in Klagen über die Kirche und übersehen dabei, das nie jemand behauptet hat, das das Personal der Kirche aus Engeln besteht. Alles, was an Kritik an „der Kirche“ vorgebracht werden kann (Bereicherung, Korruption, Kindesmißbrauch, Betrug, Heuchelei und was es sonst noch alles gibt) kann man eins zu eins als Kritik am Menschen selbst vorbringen – es ist nicht die Kirche, die den Menschen schlecht macht, Sauereien hat er schon vor Christi Geburt vollbracht – Völkermord, Massenvergewaltigungen, grausame Brandopfer von Kindern inklusive … sogar „Dschungelcamp“ und „DSDS“ fanden im römischen Kolosseum schon ihre Vorgänger – allerdings noch ohne die christliche Bremse, die in den letzten zweitausend Jahren die Entwicklung der Kultur verändert hatte.

Hier brauchen wir aber nicht weiter spekulieren – wir erleben gerade die Geburt der antichristlichen Kultur, die ihre alten Fesseln mit Gewalt abwirft und sich bereit macht für ein neues Zeitalter, in dem das hemmungslose Ausleben der eigenen Triebe oberstes Gebot werden wird: weltweite Foltercamps, Vernichtung des Sozialstaates (und wahrscheinlich auch des Staates als solchem), Angriffskriege nach Lust und Laune, gezielte Destabilisierung von Ländern, Massenausbeutung der Arbeitskraft, systematisierter Kindesmissbrauch, weltweite Verarmung der Menschheit, Rückkehr der Seuchen (in Griechenland schon jetzt ein Riesenthema) und des absolutistischen Feudalstaates sind einige der Schatten, die das neue Zeitalter vorauswirft, während sich unsere „linke Elite“ das Maul über die Kirche zerreist.

Nun – eine Gemeinschaft, die der Nächstenliebe verpflichtet ist, haut einem nicht aufs Maul, wenn man sie diffamiert: man geht bei dieser Menschenjagd überhaupt kein Risiko ein während man ganz schnell seinen Job verliert, wenn man Dinge erzählt, die zum verbotenem Wissen gehören – ich denke da immer noch an den Fall des Herrn Wisnewski (siehe Heise), der aus der Gemeinschaft herausgeworfen wurde, weil er in Shanksville weder Wrack noch Leichen fand, wie die oberste Behörde für Wahrheitsgestaltung angeordnet hatte – die Legende, die zur Ermordung hunderttausender (oder Millionen) Iraker, Afghanen, Lybier und Pakistani geführt hat, darf unter keinen Umständen angetastet werden … jedenfalls nicht, bevor die neue antichristliche Kultur sich nicht fest im Herzen aller machtvoller Menschen etabliert hat. Man will ja bei dem angestrebtem Paradigmenwechsel (der anders als von „Esoterikern“ erwartet leider zu einem dunklen Paradigma führt) kein unnötiges Risiko eingehen.

Ja, darum geht es: um einen Paradigmenwechsel, einen Wechsel der grundlegenden Rahmenbedingungen unserer Kultur, die wir im Westen mit christlichen Begriffen beschreiben: die Kultur, die Nächstenliebe als Ideal propagierte (daraus – und nur daraus – erwuchs die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte), wird ersetzt durch eine Kultur der Eigenliebe, die den Nächsten als Störfaktor, als Feind, als Schmarotzer, als „Kosten auf zwei Beinen“ begreift … wir werden in den nächsten Jahrhunderten noch erleben, zu welchen außerordentlichen Exzessen eine solche Kultur in der Lage sein wird, eine Kultur, die aus „Menschenrechten“ „Menschenpflichten“ macht: die Pflicht, dem Reichen in jeder Hinsicht unentgeldlich zur Verfügung zu stehen – als Arbeitskraft, als Lustobjekt, als Organspender.

Paradigmenwechsel haben halt ihren Preis – und dieser wird den höchsten Preis fordern, den die Menschheit je gezahlt hat.

Zurück zu Jesus, dessen Einfluss auf unsere Kultur sich nicht nur in einem geforderten (und bis heute nie konsequent durchgesetztem) Paradigmenwechsel bestand, sondern auch in einer Botschaft, derer wir am heutigen Tage eigentlich besonders gedenken sollten: die Botschaft, das der Tod nicht das Ende ist.

Diese Botschaft ist für die Herren des Imperiums die tödlichste Botschaft, ist doch die Angst vor dem Tode (und dem darauffolgendem NICHTS) eine wichtige Peitsche, mit der die Herde im Zaum gehalten wird. Mehr als diese kleine bisschen Elend gibt es nicht für euch im ganzen Universum – paßt bloß auf, das wir euch nicht auch das noch nehmen!

Nun – Jesus wurde diese bisschen genommen: nicht von der Kirche, sondern vom römischen Imperium, das sich heute in anderer Form wieder erhebt. Er ging den Weg – so die Legende – sogar absichtlich, um zu demonstrieren: das ist nicht das Ende.

Nun – wir brauchen keinen Jesus, um wissen zu können, das der Tod nicht das Ende ist. Immerhin präsentiert uns die moderne Medizin eine Vielzahl von „Wiederkehrern“ … Menschen, die nach dem Tode die Erfahrung gemacht haben, dass das Bewußtsein nicht erlischt. Ihre Erfahrungen gleichen verblüffend jenen Vorstellungen, die man im (völlig unchristlichem) tibetanischen Totenbuch findet – oder im ägyptischen Totenbuch – wobei man vorsichtig sein muss, deren Deutungen des Nachtodeszustandes nicht unkritisch zu übernehmen. Es kann auch nicht Sinn der Erörterung sein, hier alle Facetten der Nahtodeserfahrungen zu beleuchten – es reicht vielleicht kurz der Blick eines Mediziners, hier bei „die Oberpfalz„:

Der Mediziner M. Schröter-Kunhardt dagegen kam im Rahmen seiner Untersuchung von hunderten von Betroffenen zu der Überzeugung, dass dieses Programm auf ein Leben nach dem Tod vorbereitet, wobei das Gehirn das eigene Sterben ganz im Gegenteil überaus bewusst durchlebt. Die Nah-Toderlebenden berichten von einem göttlichen Licht, Kontakten mit Verstorbenen und einem kurzen Einblick in eine andere Realität. Sie machen auch Beobachtungen aus einer außerkörperlichen Perspektive, die die These einer Fehlfunktion im Gehirn eindeutig widerlegen!

Mit seinen Forschungen provoziert Schröter-Kunhardt oft, weil das Thema für viele seiner Kollegen zu esoterisch erscheint, als dass man es wissenschaftlich angehen möchte. Aber genau das Letztere ist seine Motivation. Zu viele selbsternannte Sterbeforscher ohne Fachkompetenz verbreiten nur halbe Wahrheiten oder subjektive Deutungen. Dr. Schröter Kunhardt belegt, dass die Nahtoderfahrungen nur auf einen Übergang ins Jenseits vorbereiten; und in manchen Schilderungen lassen sich aber sogar erste Bilder davon erkennen. Dabei gibt es aber auch negative Nah-Toderfahrungen, die in der Esoterik gern verschwiegen werden. Diese treten vor allem bei Selbstmördern und bei Menschen auf, die ihr rationalistisches Weltbild durch diese Erfahrungen erschüttert sehen. Umso wichtiger ist die Aufklärung von seriöser, fachlicher Seite, sagt Dr. Schröter Kunhardt.

Wer Zeit und Muße hat, kann sich mit der Apologetik der Büttel des Imperiums auseinandersetzen, mir selbst reicht mein Ockham´sches Rasiermesser, um für mich zu erkennen: ich brauche viel mehr Hypothesen, um die Erfahrungen der Verstorbenen rational zu erklären, als ich brauche, wenn ich eine einfache Tatsache anerkenne: der Tod ist nicht das Ende des Bewußtseins.

Arbeiten von Pim van Lommel, Raymond A. Moody, Kenneth Ring sowie Sam Parnia unterstützen diese Sicht der Dinge, die persönlichen Erfahrungen eines „ungläubigen“ Neurochirugen (siehe u.a. Focus) bestätigen auf verblüffende Weise die Erkenntnisse Schröter-Kunhardts.

Nun – eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Phänomen muss an anderer Stelle erfolgen … wenn überhaupt, denn für uns als normale Menschen reicht der Blick über den Tellerrand und das Wissen, das mit einiger Wahrscheinlichkeit der Tod nicht das Ende ist … und somit das Imperium eigentlich nichts in der Hand hat, um mich zu devotem Verhalten zu zwingen … es sei denn, ich habe Spaß daran.

Uns Menschen reicht ein kurzer Seitenblick auf das Phänomen, um uns dann gestärkt und mit neuer Kraft dem Leben vor dem Tode zu widmen, einem Leben, das zusehends von einem neuen Paradigma bestimmt wird: dem Paradigma der Unmenschlichkeit, das erstaunlich konsequente Menschentypen produziert, siehe Yahoo:

„Diese Hand, die den Auslöser betätigt hat, um eure Söhne zu töten, masturbiert nun auf die Erinnerung. F**** euch alle.“

Nur einer von vielen „Amokläufern“, die das neue Zeitalter einläuten, jenes Zeitalter, in dem das hemmungslose Ausleben der eigenen dämonischen Triebe Alltag wird.

Zu hart formuliert?

Ich möchte ein kleines Beispiel aus dem bundesdeutschen Alltag hinzufügen, das deutlich illustriert, welche Folgen der Paradigmenwechsel schon jetzt in der Kultur hinterlassen hat – gefunden von unserem Leser Falbrand auf Facebook:

Ernährungspauschale Hartz IV: 4,32 Euro am Tag.

Ernährungspauschale Polizeihund: 6,80 Euro am Tag. 

Kinder schneiden da noch schlechter ab: mit einer Pauschale von 2,55 Euro pro Tag wird sichergestellt, das wir ein Millionenheer von Fehlernährten bekommen, das in Zukunft keine andere Wahl hat, als im Hartz-Ghetto zu verbleiben.

Schön auch die Kommentare zu diesem Vergleich: Irgendwie hat der Hund mehr Nutzen oder der Hund tut wenigstens was für sein Geld: der Geist des Antichristen offenbart sich immer deutlicher. 

Tod dem unwerten Leben wird schon bald die nächste Forderung sein, die offen ausgesprochen wird – was heißt bald: die Definition des Menschen als „Kosten auf zwei Beinen“ wurde von der deutschen Wirtschaft schon vorgenommen, die Politik sekundierte mit der Definition des „Schmarotzers“ und „Parasiten“, ohne das der gewaltige Paradigmenwechsel groß in den Medien reflektiert wurde.

Ostern ist nun der Tag im Jahr, wo wir uns diese Geschichte vor Augen führen können und wo wir aufgerufen sind, eine Entscheidung zu treffen, die Entscheidung, wem wir folgen wollen: dem Gebot der Nächstenliebe oder dem Gebot des Antichristen (den man sich hier wirklich nicht als Teufel in Menschengestalt vorzustellen braucht, sondern als Symbolfigur für ein neues Wertesystem, das Hunde mehr schätzt als Kinder).

Kein Wissenschaftler oder Politiker kann uns diese Entscheidung abnehmen, sie treffen wir ganz allein – und ganz persönlich. Viele entscheiden sich für das Imperium des Antichristen, für blinde Gefolgschaft gegenüber den neuen superreichen Feudalherrschern, in der Hoffnung, den anstehenden Orgien der Ausbeutung und Entwürdigung durch möglichst devotes Verhalten entkommen zu können: ein Ergebnis der deutschen „Jobangst“ und gezielter „Sozialpolitik“.

Wir dürfen uns aber auch anders entscheiden. Die Tatsache, das wir unser Bewußtsein (samt der Erinnerung an die Unterwerfung) für alle Ewigkeiten mit unser herumtragen, sollte uns vielleicht kurz mal innehalten lassen, ob wir uns nicht doch lieber im Sinne der Nächstenliebe und der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte zu der Forderung hinreißen lassen sollten, deutsche Kinder besser zu versorgen als deutsche Hunde – die Wahrheit der Unsterblichkeit menschlichen Bewußtseins kann auch mehr Warnung als Trost darstellen … und das Leben auf einmal sehr unbequem werden lassen.

Vielleicht ist es auch gerade diese Erkenntnis, die die Diener des antichristlichen Paradigmas der Menschenfeindlichkeit Sturm gegen solche „Wahrheiten“ laufen läßt: für sie selbst wäre es die Hölle, mit ihren eigenen asozialen Entscheidungen, ihrer eigenen sozial deformierten Seele auf ewig leben zu müssen – vielleicht die einzige Hölle, die es wirklich gibt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern des Nachrichtenspiegels ein frohes Osterfest – ein besinnliches, nachdenkliches Fest, das vielleicht zu der Erkenntnis führt, das es schlimmere Dinge im Leben als unsere eigene Sterblichkeit gibt.

Und was ist nun mit der Kirche, jener Gemeinschaft von Menschen, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, die Botschaft der Nächstenliebe durch die Wirren der Geschichte zu tragen?

Um die muss man sich keine Sorgen machen, die löst sich selbst auf, siehe den Theologen Georg Schwickhart im Spiegel:

Wissen Sie, Jesus hat mit zwölf Männern zusammengelebt, als armer Wanderprediger. Das war radikal, aber dahin will und kann keiner zurück.

Auch dort ist die Botschaft des Antichristen schon längst angekommen – weshalb man aus dieser Ecke auch keine Hilfe erwarten darf. Jesus war denen viel zu radikal … und zu arm. Auch die folgen heute … anderen … „Werten“.

Aber dabei muss man ihnen nicht folgen.

 

 

 

 

 

 

Ostern

Sonntag, 8.4.2012. Ostern. Glaube ich jedenfalls, ich bin mir nicht mehr sicher. Der Kalender sagt, es sei Ostern, aber die Medien sagen etwas anderes. Schauen wir uns doch heute mal um: im Spiegel fordert der Westen die Schließung iranischer Atomanlagen. Das ist nichts Besonderes. Im Handelsblatt ist das erste Thema Wutbürger, die das Wachstum ausbremsen. Ist auch nichts Neues: wie schön wäre die Welt ohne Bürger, was hätten wir für ein tolles Wachstum, wenn wir nicht noch zwischendurch Menschen mit durchfüttern müssen - vor Allem Arme, Alte, Kranke, Kinder und Behinderte stören da enorm. Wenn die dann noch anfangen, die tollen Großprojekte zu blockieren, an denen so viele Leistungsträger so gut verdienen, dann gehören die erst recht abgeschafft, diese Bürger. Die Welt präsentiert gerade eine Auseinandersetzung zweier "Literaten" ganz oben - kaum jemand weiß, worum es eigentlich geht, das Manager-Magazin informiert über den Neubeginn der Wettkultur auf dem US-Häusermarkt. Das ist schlimm, weil es die nächste Krise ahnen lässt - aber was hat das alles mit Ostern zu tun? Immerhin: wir leben in einer christlichen Gesellschaft, wir sind so christlich, wie wir demokratisch sind.

Sonntag, 8.4.2012. Ostern. Glaube ich jedenfalls, ich bin mir nicht mehr sicher. Der Kalender sagt, es sei Ostern, aber die Medien sagen etwas anderes. Schauen wir uns doch heute mal um: imSpiegel fordert der Westen die Schließung iranischer Atomanlagen. Das ist nichts Besonderes. Im Handelsblatt ist das erste Thema Wutbürger, die das Wachstum ausbremsen. Ist auch nichts Neues: wie schön wäre die Welt ohne Bürger, was hätten wir für ein tolles Wachstum, wenn wir nicht noch zwischendurch Menschen mit durchfüttern müssen – vor Allem Arme, Alte, Kranke, Kinder und Behinderte stören da enorm. Wenn die dann noch anfangen, die tollen Großprojekte zu blockieren, an denen so viele Leistungsträger so gut verdienen, dann gehören die erst recht abgeschafft, diese Bürger. Die Welt präsentiert gerade eine Auseinandersetzung zweier „Literaten“ ganz oben – kaum jemand weiß, worum es eigentlich geht, das Manager-Magazin informiert über den Neubeginn der Wettkultur auf dem US-Häusermarkt. Das ist schlimm, weil es die nächste Krise ahnen lässt – aber was hat das alles mit Ostern zu tun? Immerhin: wir leben in einer christlichen Gesellschaft, wir sind so christlich, wie wir demokratisch sind.

Vor einem Jahr hatte ich etwas mehr Zeit und mir erlaubt, zu Ostern die vier Evangelien zu lesen, die apokryphen Texte hatte ich mir für später aufgehoben – nächstes Jahr hätte ich da wieder etwas mehr Zeit. Es war eine überraschende Erfahrung – diesmal las ich sie aus einem Blickwinkel, den C. S. Lewis vorgab.  Wunderbar – auf einmal ergab alles einen Sinn … ich fragte mich nur, warum ich diese Form von Christentum niemals von der Kirche zu hören bekam. So viele Jahre hatte ich christliche Texte gelesen und nicht verstanden, was sie eigentlich von mir wollten – nun wurde alles klarer.

Die überraschendste Erfahrung war allerdings die Erkenntnis, das ohne Wunder nichts läuft. Schaut man sich die evangelischen Texte in ihrer historischen Einbettung an, so gibt es für mich nur eine Erklärung: die Geschichte funktioniert nur mit Wundern. Die Sprüche an sich sind wirr, die Gleichnisse oft eine Zumutung und die Konkurrenz Christi war damals sehr groß. An jeder Ecke gab es „erleuchtete Prediger“ – genau wie heute, wo sich generell unter dem falschen Etikett „Esoterik“ verkauft werden … was ja auch ihr ganzer Sinn ist: gut verkauft zu werden. Zusätzlich zu diesen Predigern gab es die gesamte Schule der griechischen Philosophie, sprachlich angenehm und von einer bis heute unübertroffenen gedanklichen Schärfe. Wer sich zu dieser Zeit für Transzendenz interessierte, für das, was im Alltag manchmal an Jenseitigem hindurchschimmert, hätte viele interessante und verständliche Angebote gehabt – und angenehmere Wahrheiten als die, die dieser Christus von sich gab.

Christus selber gibt es zu: die Wunder waren nötig, um die Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Ohne Wunder wäre er einer von tausend Wanderpredigern und selbsternannten Gottessöhnen geblieben, mit Wundern jedoch fiel seine Geschichte auf einen sehr fruchtbaren Boden, weil es schon tausende von Zeugen gab, die durch die Wunder auf seine Botschaft aufmerksam gemacht wurden.  So war es möglich, hundert Jahre nach seiner Auferstehung seine Geschichte niederzuschreiben – eine Ehre, die keinem anderen jener Wanderprediger im römischen Reich zuteil wurde, die allesamt vergessen worden sind.

Kürzt man seine Botschaft auf ein Minimum zurecht, so wird sie sehr phantastisch: er behauptet nicht weniger, als das diese Welt ziemlich im Eimer ist und das man gut daran täte, sich nicht all zu sehr mit ihr einzulassen. Würden wir dieser Aussage wirklich aufrichtig widersprechen können, in einer Welt, in der chinesische Studenten ihre Nieren für ein Ipad verkaufen, deutsche „Hilfspakete“ bzw. deren Auflagen Volkswirtschaften vernichten und die Kirche Christi vor allem ein renditefreundlicher Großkonzern ist? Es scheint verständlich, das der „König der Welt“ deutlich macht, das sein Reich nicht von dieser Welt ist und man gut daran tut, leise und heimlich in seinem stillen Kämmerlein zu beten:

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Hören wir kirchliche Verlautbarungen zum Christentum, fehlt dieser Aspekt völlig. Die machen heute Osteransprache des Papstes, obwohl eigentlich etwas anderes gilt:

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.

Das hätte er mal dem Papst und seinen Bischöfen erzählen sollen. Die haben wohl auch andere Anweisungen nicht verstanden:

Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Nun, wir als der „Westen“, der heute dem Iran wieder einmal mit Krieg gedroht hat, haben diesen Satz sehr ernst genommen und uns für einen Gott entschieden: Mammon. Die Kirche findet den wohl auch gut: ohne Mammon keine Kirchensteuer.

Pünktlich zu Ostern findet der Spiegel auch jemanden, der uns das deutlich vor Augen führt, damit bloß keiner einem falschen Glauben anhängen möge:

Geld macht leider glücklich. Jedenfalls in einem Maße, in dem es ein von Existenzängsten freies Leben garantiert, und wo ein Mehr immer noch möglich ist. Die Hoffnung auf mehr Geld ist also ein Garant auf Zufriedenheit, gemeinsam mit den Basisfaktoren Autonomie und Kompetenz, Verbundenheit mit anderen und Selbstwertgefühl.

Was für ein erbärmliches, armseliges Leben – gehalten in Hoffnung auf Geld. Und so etwas kann man heutzutage offen schreiben, ohne das man merkt, was man damit anrichtet: wo wären wir, wenn Luther, Kant, Marx, Eddison, Kolumbus, Gandhi, Albert Schweitzer, die Helden der französischen Revolution sich mit der „Hoffnung auf mehr Geld“ zufrieden gegeben hätten?

Oder … Jesus selbst?

Was hier kräht, ist der erbärmliche Geist des Biedermeier, dessen Krönung in einem neuen Kaffee-Service auf der Oster-Speisetafel zu finden ist.  Dabei gäbe es doch mal eine Alternative zu der endlosen Feierei des eigenen Selbst: einfach mal ein paar Tage der Besinnung einlegen – zu Ostern zum Beispiel. Das Fest selbst ist weniger christlich als man glaubt – der Hase, die Eier, der Zeitpunkt: alles deutet auf ein altes Fruchtbarkeitsfest hin. Was aber gefeiert werden sollte, ist: die Überwindung des Todes … durch ein ökologisch und ökonomisch sinnvolles Leben in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit und großer Freude.

Sei ein Gewinn für die Menschlichkeit in Deinem Leben und das morphologische Feld der Erde wird Dich speichern, denke nur an Dein Geld, Dein Haus, Deine Rendite und Deinen Ruhm – und Du wirst gelöscht, wenn Dein Lebensweg vorbei ist – das wäre ein Teil der Botschaft, übersetzt in Esosprech.

Netterweise hat uns das morphologische Feld extra diesen Jesus geschickt, um darauf hinzuweisen, das unsere Taten hier Folgen haben – in erster Linie Folgen für unsere eigene Seele, die unter dem Einfluss von Mammon so degenerieren und entmenschlichen kann, das für sie kein Platz mehr im Paradies ist, dem Reich der Ideen, den ewigen Jagdgründen. Die christliche Kirche selbst ist, wie sie heute dasteht (und eigentlich schon immer da stand) ein gutes Beispiel dafür, wie Mammon selbst jene in Besitz nehmen kann, die es eigentlich viel besser wissen müssten.

Was aber jetzt – wenn diese Geschichten „wahr“ sind? Wenn da jemand geschickt wurde, zu uns gefallenen Menschen in eine verdorbene Welt hinein, der uns zeigt, wie wir uns das nachtodliche Leben verdienen können … oder jedenfalls eine bessere Version davon? Sogar einen vergleichsweise einfachen Weg?  Was ist eigentlich so falsch daran, sie wenigstens an diesen Tagen einmal darüber Gedanken zu machen? Eine Wissenschaft, die uns klar gemacht hat, das wir eigentlich – berücksichtigt man die Entfernungen zwischen Atomkern und Elektronen – größtenteils aus „nichts“ bestehen, in einem Universum, dessen realer Materieanteil möglicherweise in einen Fussball passt, will uns verbieten, über „Seele“ zu reden und denken – wobei diese „Seele“  gerade jene Kraft sein könnte, die dieses „nichts“ für eine Zeit lang zu einer sinnvollen Erscheinung zusammenfügen kann.

Wir leben ganz real in einer Welt, in der Materie zum großen Teil nur eine Illusion ist. Das wissen wir und können es mit unseren begrenzten Mitteln auch wahrnehmen. Und vor diesem Hintergrund wollen wir allen Ernstes die Möglichkeit ignorieren, das wir in einem Universum leben, das Wunder bereithält, die weit über die menschliche Erkenntnisfähigkeit hinausgeht – wie zum Beispiel Seelen, die mal locker demonstrieren, wie einfach man die menschliche Sterblichkeit überwinden kann?

Wir haben doch schon Probleme damit, zu erklären, warum dieses humanoiden „Nichtse“ nicht einfach durch den Fußboden zum Erdkern hin versinken.

Nun – vielleicht machen die das auch manchmal. Wenn sie nach dem Tode immer noch zu sehr an dieser Erde hängen, immer noch auf noch mehr Geld warten,  werden sie vielleicht einfach vom feurigen Erdkern angezogen, während andere mit Lichtgeschwindigkeit ihrem Ursprung entgegeneilen.  Da ist dann aber kein finsterer strafender Gott im Spiel, sondern nur menschliche Blödheit – und deren Existenz können wir leider nicht in Zweifel ziehen.

Man merkt – wir sind im Prinzip wenig christlich. In einer Gesellschaft, die genauso christlich wie demokratisch ist, hätte man sich das aber auch denken können. Mammon und Demokratie passen halt auch nicht gut zusammen – auch hier muss man sich für einen Herren entscheiden: das heißt dann „marktkonforme Demokratie„.

Fast könnte man meinen, „Mammon“ wäre kein Sinnbild, sondern ein echter böser Geist, der die Herzen der Menschen versteinern lassen kann. Das würde nun zu weit führen – aber mir reicht schon der Hinweis, das Ostern eigentlich ein schöner Tag ist, um über Dinge nachzudenken, die über den Alltag hinausreichen.

Immerhin: extra dafür hat die Kirche ja diese Tage dem Mammon bzw. den „weltlichen Herren“ dereinst entrissen und sie zu Feiertagen erklären lassen.

Wenn euch Biedermeier da draussen also sonst schon nichts zum Nachdenken anhält, dann vielleicht die Tatsache, das eine Entwürdigung der christlichen Feiertage ganz schnell zur Abschaffung derselben führen kann: Mammon selbst drängt schon lange darauf.  Da kann sich jetzt jeder selbst entscheiden, wie „cool“ er das finden würde, Ostermontag wieder arbeiten zu müssen.

Man sieht: es gäbe ganz unesoterische Gründe, sich an diesem Tag mit anderen Themen zu beschäftigen. Warum sich die Presse in breiter Front anders entschieden hat – nun, das kann man sich jetzt selber denken. Es sind halt diese Menschen, die sagen: ich will nicht ewig im Paradies leben, ich will mehr Geld, immer mehr und mehr.

Und wie das Manager-Magazin (siehe oben) zeigt, arbeiten die ja gerade wieder sehr aktiv daran, für sich ganz viel mehr Geld zu kriegen – die hoffen nicht nur, die handeln einfach.

Und das Geld kriegen die dann von denen, die jetzt noch auf mehr hoffen.

Ganz ehrlich: ich würde da lieber auf etwas anderes hoffen.

Gerechtigkeit auf Erden, zum Beispiel.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit geht auch.

Oder einfach den Nächsten lieben wie sich selbst – dafür soll man ja nach dem Tode sogar weiterleben können … in angenehmster Atmosphäre.

Soll geradezu himmlisch sein.

 

 

 

Die Kirche, die Reichen und der Zorn des HERRN

Wir hier in Deutschland sollen ja jetzt alle mehr Insekten essen. Viel mehr. Meint jedenfalls der Herr Arno van Huis von der Welternährungsorganisation FAO.

Geht es nach dem für die UNO-Welternährungsorganisation (FAO) tätigen Experten Arnold van Huis, sollen künftig auch in den westlichen Industrienationen Insekten verstärkt auf den Speiseplänen zu finden sein. Angesichts der sprunghaft steigenden Weltbevölkerung stehe laut einer aktuellen Studie demnach außer Frage, dass es künftig ressourcenfreundlichere Alternativen zu Fleisch geben müsse.

Quelle ORF

Leider erfährt man nicht, ob dieser freundliche Herr selbst schon mal gekostet hat und mit gutem Beispiel vorangeht, auf jeden Fall hat er schon mal ausgerechnet, das für uns hundert Gramm Würmer am Tag reichen werden.  Ich weiß nun nicht, ob diese Nachricht absichtlich lanciert wurde, während wir intensiv über die Hartz IV-Regelsätze diskutieren, gehe aber erstmal nicht davon aus, da es sich um eine Nachricht des ORF handelt.

Im Zusammhang mit der Diskussion um die Regelsätze versucht sich ja jetzt auch die Kirche sich  in einem neuen Licht darzustellen:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article8788648/SPD-und-Kirchen-setzen-von-der-Leyen-unter-Druck.html

Zollitsch begründete seine Forderung nach höheren Hartz-IV-Sätzen mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Regierung zu der nun anstehenden Reform verpflichtet hatte. „Es hat uns wieder neu ins Bewusstsein gerufen, dass der Staat aus Verfassungsgründen ein Existenzminimum zu gewährleisten hat“, sagte er. „Eine Anhebung des Regelsatzes ist hierzu ein wichtiger Schritt. Wir haben eine Verpflichtung, uns für ein menschenwürdiges Leben einzusetzen. Ich warne vor sozialem Kahlschlag und fordere soziale Ausgewogenheit.“

Gibt es denn so was? Da hatte der Bischof … und alle anderen auch … doch glatt vergessen, das wir eine Verfassung haben,  die die allgemeinen Menschenrechte schützt.  Wie gut, das das Verfassungsgericht uns an diese für viele Bürger vollkommen unbedeutende und unbekannte Tatsache erinnert  hat: wie sind keine Sado-Maso-Bude, obwohl ich bei vielen Journalisten von Vier-Buchstaben-Blättern schon den Eindruck habe, das so ein bischen Sadismus gern gesehen werden würde.  Schwache quälen … ist inzwischen gesellschaftlich akzeptabel, wenn die arm sind.

Das der Bischof so etwas vergessen hat, wundert mich besonders, da die Geschäftsbedingungen seines Unternehmens weit über die allgemeinen Menschenrechte hinausgehen: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Na, das hatte er wohl auch vergessen. Darum sage ich das jetzt hier nochmal: Gott liebt die Armen besonders und sein Bodenpersonal tut gut daran, dies nicht nur mit Worten zu achten:

Die Option für die Armen ist ein theologisches Prinzip, das eine besondere Parteinahme für die Armen betont und in den 1960er und 70er Jahren in den von der Theologie der Befreiung geprägtenlateinamerikanischen Kirchen wiederentdeckt wurde.

Das Prinzip wird auf biblische Wurzeln bezogen, z.B. die Seligpreisungen der Bergpredigt und das Welt- und Heilsethos, welches in Jesu Worten und Handlungen zum Ausdruck kommt. Gott selbst hat demnach eine Entscheidung zugunsten der Armen getroffen.

Die klassische katholische Soziallehre kennt das Prinzip der Solidarität, formuliert aber keinen expliziten Vorrang der Armen. Stärker der Fall ist dies in einzigen Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils, u.a. in Gaudium et Spes 1 und Lumen gentium 8. Diese Texte wurden in Lateinamerika spezifischer ausgelegt. Ausgangspunkt ist die reale Erfahrung des Lebens der Armen in einer von Ausbeutung und Ungerechtigkeit geprägten Gesellschaft. Darauf reagiert die Gestaltung christlicher Praxis in den Basisgemeinden, wobei eine direkte Parteinahme für die Armen sichtbar wird.

Quelle: Wikipedia

Sehe ich den Einsatz von Ein-Euro-Jobbern in kirchlichen Bereichen, so frage ich mich, ob DER HERR das so gerne sieht. Zum Beispiel hier, in Bergisch-Gladbach, da wird richtig angepackt:

Die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach will Zeichen setzen und geht deshalb richtig ran: Für insgesamt 60 Arbeitslose schafft sie 1-Euro-Jobs in fast allen Arbeitsfeldern von Kirche und Diakonie. „Mensch & Arbeit – Förderinitiative RheinBerg“ heißt das Projekt, das seit 25. Oktober läuft und sich durchaus noch personell ausweiten könnte.

Schauen wir genauer hin, was denn die Kirche so antreibt, diese Leute einzustellen:

„Es ist erschreckend, wie viele qualifizierte Leute auf der Straße stehen“, sagt Thomas Werner.

Stimmt, da ist viel Berufserfahrung und Engagement vorhanden … und das kriegt man jetzt total billig!

Die Überzeugung: „Je größer und gründlicher man die Maßnahme anlegt, desto stabiler läuft sie.“ Nicht kleckern, sondern klotzen. Wenn schon, denn schon. „Wir würden auch 300 nehmen.“ Gemeinsam mit der Bergisch Gladbacher Agentur für Arbeit wurde ein Konzept gestrickt, das 20 Jugendliche, 20 Frauen und 20 weitere Erwachsene im Rahmen der 1-Euro-Jobs in den Gemeindedienst stellt. Das Willkommen mit Kaffee und belegten Brötchen war Ehrensache und das Team stellte fest: „Die Leute sind total motiviert.“  Etwa die Hälfte der neuen Kräfte arbeitet im Evangelischen Krankenhaus (EVK) Bergisch Gladbach in den Bereichen Betreuung, Pflege, Garten und Hausmeistertätigkeiten. Die übrigen 30 sind an verschiedenen Standorten tätig: Die sechs Kindereinrichtungen der Kirchengemeinde können auf je zwei Mitarbeiter zählen, das Q1 Jugend-Kulturzentrum sowie die Gnadenkirche mit Friedhof und altem denkmalgeschützten Gräberareal auf je vier.

Ganz viele arme Menschen, die billig helfen, kirchliche Vermögen aufzubauen und aufgebautes Vermögen zu schonen. Nein, was sind das edle und gute Menschen. So selbstlos. Ganz im Sinne des HERRN.

Es handelt sich dabei wohl um neue Protestanten, die sich wieder von der Linie des Karl Barth entfernen:

Die evangelische Theologie hält eine Soziallehre aber nicht mehr mit Hinweis auf die Fortwirkung der Ursünde in allen gesellschaftlichen Sphären für unmöglich. Sie hat also sowohl ihren Quietismus als auch das Bündnis von Thron und Altar verlassen. Vor dem Ende des 1. Weltkriegs galt der Protestantismus in Deutschland nämlich als strikt monarchistisch, also in diesem Sinne als politisch ungefährlich, im Gegensatz zum Katholizismus wandten sich nur Minderheiten der sozialen Frage und den Problemen der Arbeiterklasse zu.

Der Begründer des Christlichen Sozialismus in Deutschland war der evangelische Theologe Christoph Blumhardt (1842-1919), in der Schweiz Leonhard Ragaz. Auch der Schweizer Theologe Karl Barth, wohl der bedeutendste Erneuerer des Protestantismus im 20. Jahrhundert, vertrat einen religiösen Sozialismus, er wies auch auf Gemeinsamkeiten zwischen der biblischen Überlieferung der Lehre Jesu Christi und dem den meisten Kirchenleuten verhassten Marxismus hin.

Quelle: Wikipedia

Womöglich wird hier das Bündnis von Thron und Altar erneuert. Natürlich war Gerhard Schröder NICHT Beifahrer von Margot Kässmann, denn wäre das so gewesen, würden sich hier Abgründe auftun, die für das Gemüt des Deutschen unerträglich wären. Wie gut, das der Anwalt, der dies aus vertraulicher Quelle erfahren haben will, seine Aussage nun zurückgenommen hat:

Die hier befindliche Passage wurde durch eine am 06.04.2010 zugestellte einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg, 325 O 100/10, untersagt.

Da wurde ja ziemlich viel Wind gemacht, der – wie üblich – den Verdacht erst nochmal richtig anheizt, erst recht, wenn man sieht, wie sonst noch gegen den Geheimnisverrat vorgegangen wird. So berichtet der Fokus über Ermittlungen gegen Polizeibeamte:

Nach der Alkoholfahrt von Margot Käßmann sind bei der Staatsanwaltschaft Hannover drei Strafanzeigen wegen Geheimnisverrats eingegangen. Unter Verdacht stehen offenbar Polizeibeamte.

Die Justiz soll klären, wie die Alkoholkontrolle der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche (EKD) binnen kurzer Zeit an die Öffentlichkeit gelangte und ob Polizisten vertrauliche Informationen weitergegeben haben.

Das Ziel dieser Anzeige bleibt mir schleierhaft.  Soll in Zukunft die Prominenz unerkannt besoffen durch Hannover fahren dürfen? Bei aller Liebe zum Datenschutz: als Person des öffentlichen Lebens sollte man da auch gegen Polizisten tolerant sein.

Aber … so ist sie halt, die deutsche Oberschicht. Man bleibt gerne unerkannt unter sich. Da läßt sich auch besser mauscheln, so jedenfalls die Aussage einer „Sinus-Studie“, zitiert im Manager-Magazin:

Neben allen Unterschieden gibt es auch einige Gemeinsamkeiten, die die Sinus-Forscher in allen Oberschichtmilieus ausgemacht haben. Da wäre zum Beispiel die ungewohnt starke Familienorientierung aller reichen Deutschen. Die Oberschicht denkt in geradezu dynastischen Kriterien: Es gehört zu ihren wichtigsten Anliegen, das Unternehmen, den Immobilienbesitz oder die Kunstsammlung wohlbehalten an die nächste Generation zu übergeben. Eigene, zahlreiche und möglichst wohlgeratene Kinder zählen deshalb zu den wichtigsten Statussymbolen.

Eine weitere Besonderheit: Alle Reichen verkehren am liebsten in Netzwerken mit ihresgleichen oder aber mit alten Freunden. Dieses Netzwerk mag für manche der Golfclub sein, die Nachbarschaft in einem elitären Villenviertel oder aber der Kreis alter Schulkameraden, die einen schon mochten, als man noch kein Geld hatte. Ob bewusst oder unbewusst: So wollen sich viele Reiche davor schützen, dass andere Menschen sie um ihres Geldes willen ausnutzen. Eine Urangst, die bekanntlich schon Dagobert Duck zu schaffen machte.

Und wie man reich wird? Ganz einfach: man nimmt von vielen wenig und hat dann selbst viel zu verteilen. Einige tausend Helfer bezahlt – schon läuft der Geldspeicher über.

Die Stromkonzerne werden ihren Kunden in diesem Jahr einer Studie zufolge rund eine Milliarde Euro zu viel in Rechnung stellen. Die Preise im Stromeinkauf seien zuletzt um 30 bis 40 Prozent gesunken, die Preise für Stromkunden aber im Schnitt um sieben Prozent gestiegen, heißt es in der Untersuchung der Grünen-Bundestagsfraktion. Laut Strombranche steigen die Preise voraussichtlich auch 2011 weiter.

Quelle: Yahoo

Irgendwann akkumuliert die Beute natürlich, die in der Familie gehortet wird.  Während man dem Volk das Glück des konsumfreudigen Singledaseins predigt und jene, die auf die Predigten hereingefallen sind als alleinerziehende  Ein-Euro-Jobber weiter ausbeutet, achtet man selber fein darauf, mehr und mehr und mehr zu machen – über Generationen hinweg.

Für die Erben als solche … auch kein Zuckerschlecken, denn anstatt ein eigenes Leben kriegen sie mit Geburt den Beruf  „Sohn“  selbst  wenn sie lieber Koch geworden wären. Auch bei der Wahl des Ehepartners reden die Eltern gerne schon mal ein Wörtchen mit, STATUS ist weit wichtiger als LIEBE. Für das Volk …. der Anfang vom Ende, denn irgendwann gibt es nichts mehr zu verteilen, es sei denn, der Staat vertuscht diese Tatsache durch steigende Verschuldung.

Darf ich den geneigten Kirchenmenschen noch etwas erzählen? Jenseits des Opiums, das sie ans Volk verteilen? Zwei kleine Dinge nur, damit es später nicht wieder heißt: Ach, hätten wir das nur gewußt … das haben wir ja TOTAL VERGESSEN!

Jesus kritische Haltung gegenüber den Reichen findet sich auch an anderen Bibelstellen wie jene über den Mammon:

Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“

– Mt 6,24 EU

14Er fand dort im Tempel die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler sitzen. 15Da flocht er sich eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle samt ihren Schafen und Rindern aus dem Tempel hinaus, verschüttete den Wechslern das Geld und stieß ihre Tische um 16und rief den Taubenhändlern zu: ‚Schafft das weg von hier! Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhause!‘“

– ‚Die Heilsbotschaft nach Johannes‘ 2,13-16 übersetzt von Hermann Menge[1] (Einheitsübersetzung siehe: Joh 2,13-16 EU)

Quelle: Wikipedia

Und ich persönlich kann nur sagen: wenn da mal der HERR wirklich wiederkommt – was die ja glauben  – gibt das richtig dicken Stunk. Aber mal ehrlich. so wie die leben, glauben die doch selber nicht dran.  Sie leben von ihrem Gott wie andere von der Philosophie. Wie tröstlich zu wissen, das er trotz aller Unkenrufe … doch wiederkommen könnte.  Das wird dann ein lustiges Geschrei geben:  auf einmal sind alle so schwach und menschlich gewesen, auf einmal wird nach Gnade geschrieen … die sie den Ärmsten unter sich nicht gewähren wollten – weil sie es einfach vergessen hatten.  Hat der aber nicht auch gesagt: was ihr den Ärmsten unter euren Brüdern antut, das …. ach, lassen wir das. Man will ja keinem Angst machen in der Spaßgesellschaft, sonst ist ja schnell Schluß mit lustig und Frau Käßmann wird ganz nüchtern.

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