Italien

This tag is associated with 24 posts

Die Niemandsregierung – Ein Albtraum

Die Niemandsregierung – Ein Albtraum

Die «technischen» Regierungen in Griechenland und Italien sind ein Experiment mit Modellcharakter. Amador Fernández-Savater, ein spanischer Journalist und Chronist der spanischen Protestbewegung, ortet in diesen «Niemandsregierungen» eine anonyme, kaum angreifbare bürokratische Macht im Dienste der Finanzindustrie. In seinen «Notizen eines Albtraums» begründet er seine Befürchtungen und zeigt Gegenstrategien auf. Übersetzung: Walter B.

(mehr …)

Italien braucht keine Demokratie

In einem Kommentar zum eilfertigen Ersatz der Regierungschefs in Griechenland und Italien durch Technokraten bringt der Schriftsteller Isaac Rosa auf den Punkt, was quer durch Europa für einiges Aufsehen sorgen sollte und doch nur ein verlegenes Hüsteln auslöst: Demokratie ist angesichts der geplanten Reformen eher lästig. Hier die Übersetzung des pointierten Kommentars: (mehr …)

Tag der deutschen Einheit – wir feiern den „Restbürger“ und die Einführung von Volkswirtschaftsausschlachtungen

Sonntag, 2.102010. Eifel. Morgen feiern wir alle ein Ereignis, das uns als normalen Bürgern vor Ort übergestülpt wurde wie der Euro und die EU. Wir müssen das feiern, weil die Politik das so beschlossen hat. Ich war privat mehrfach in der DDR, hatte dort mit systemkritischen Eingeborenen gesprochen: die meisten hatten keine Ahnung, was sich hinter der glitzernden Warenwelt verbarg - und welchen Preis sie für diese Waren zu zahlen hatten. Das Erwachen war böse - man sieht es heute noch an den Wahlerfolgen der Linken im Osten. Der Westen musste einen ähnlich hohen Preis zahlen: die Auflösung der Bonner Republik zwecks kostenintensiver Neuinstallierung der Ministerien in Berlin - eine Maßnahme, die man später durch Zerschlagung des Sozialstaates finanzierte. Die Massen an orientierungslosen jungen Männern aus dem Osten, die in einer militarisierten Gesellschaft aufgewachsen waren, in der am Wochenende gerne mal die "Betriebskampfgruppen" den Klassenkampf übten, waren ein willkommenes Geschenk für die Kriegstreiber in der Berliner Republik: auf einmal hatte man die nötige Anzahl "harter Kerle", mit denen man wieder weltweit die Untermenschen aufmischen konnte. Wenn wir morgen den deutschen Einheitsbrei feiern, sollte uns bewußt werden, das nicht nur die DDR untergegangen ist - auch die alte BRD existiert nicht mehr, jenes Land, das man noch lieben konnte. Nun - nicht umsonst verlassen immer mehr Menschen das "neue Deutschland", das noch die alten Etiketten trägt aber für ganz andere Inhalte steht.

Sonntag, 2.102010. Eifel. Morgen feiern wir alle ein Ereignis, das uns als normalen Bürgern vor Ort übergestülpt wurde wie der Euro und die EU. Wir müssen das feiern, weil die Politik das so beschlossen hat. Ich war privat mehrfach in der DDR, hatte dort mit systemkritischen Eingeborenen gesprochen: die meisten hatten keine Ahnung, was sich hinter der glitzernden Warenwelt verbarg – und welchen Preis sie für diese Waren zu zahlen hatten. Das Erwachen war böse – man sieht es heute noch an den Wahlerfolgen der Linken im Osten. Der Westen musste einen ähnlich hohen Preis zahlen: die Auflösung der Bonner Republik zwecks kostenintensiver Neuinstallierung der Ministerien in Berlin – eine Maßnahme, die man später durch Zerschlagung des Sozialstaates finanzierte. Die Massen an orientierungslosen jungen Männern aus dem Osten, die in einer militarisierten Gesellschaft aufgewachsen waren, in der am Wochenende gerne mal die „Betriebskampfgruppen“ den Klassenkampf übten, waren ein willkommenes Geschenk für die Kriegstreiber in der Berliner Republik: auf einmal hatte man die nötige Anzahl „harter Kerle“, mit denen man wieder weltweit die Untermenschen aufmischen konnte. Wenn wir morgen den deutschen Einheitsbrei feiern, sollte uns bewußt werden, das nicht nur die DDR untergegangen ist – auch die alte BRD existiert nicht mehr, jenes Land, das man noch lieben konnte. Nun – nicht umsonst verlassen immer mehr Menschen das „neue Deutschland“, das noch die alten Etiketten trägt aber für ganz andere Inhalte steht.

Das „neue Deutschland“ ist kein Sozialstaat mehr, es hat die sozialen Menschenrechte einfach mal in die Schranken gewiesen. Es ist treuer Hilfstruppenlieferant bei illegalen Angriffskriegen der Nato – oder hält sich getreu der Methode „guter Cop“/“böser Cop“ – als Scheinalternative vornehm im Hintergrund. Es hat auch seine nationale Souveräntität an „die Märkte“ abgegeben, weiß nur noch nicht, wie man das dem Volk verkaufen kann. Die Griechen bekommen aktuell einen Eindruck davon, was auch uns Deutschen in Zukunft blühen wird: Beamte werden entlassen, Renten gekürzt, lebenswichtige Arbeitsplätze gestrichen, die Wirtschaft kaputt gespart.

In dieser Krise wird der 1.10.2011 in die Geschichte eingehen können – es war jener Tag, an dem einer der mächtigsten Politiker in Deutschland und potentieller Kanzlerkandidat der SPD offen zu Ausschlachtung der griechischen Wirtschaft aufgerufen hatte, siehe Welt:

Im Ringen um eine Rettung Griechenlands schlägt SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier die Einrichtung einer europäischen Treuhandanstalt vor. Diese könnte griechisches Staatsvermögen privatisieren, sagte Steinmeier der „Rheinischen Post“.

Merkt man nun, wohin der Hase läuft? Nachdem bisher immer nur drittrangige EU-Marionetten den Spruch bringen durften, kommt jetzt das erste Mal ein Mann mit Macht daher, die Ausschlachtung der europäischen Volkswirtschaften wieder in konzentrierten Bahnen laufen zu lassen. Mit der Treuhand hatten wir ja auch gute Erfahrungen gemacht, siehe Wikipedia:

Eine effizient arbeitende Privatisierungsagentur, in der nach transparenten Kriterien entschieden wird, war die Treuhand nie. Angesichts des Zeitdrucks, unter dem sie agierte, konnte sie dies auch nicht sein. Die weitreichenden Entscheidungsspielräume, die ihr die Bundesregierung konzedierte, gab sie an ihre Mitarbeiter weiter. Nur so ließ sich innerhalb von vier Jahren eine ganze Volkswirtschaft privatisieren.

Eigentlich kein Grund, das „Modell Treuhand“ nochmal weiter fortzuspinnen, gäbe es da nicht gewisse „Nebenwirkungen“, die Begehrlichkeiten bei tausenden skrupelloser Krimineller wecken:

Im Jahr 1998 schätzte der Untersuchungsausschuss des Bundestages DDR-Vermögen den Schaden, der durch Veruntreuung, Betrug und andere kriminelle Handlungen im Zusammenhang mit der Privatisierung der DDR-Volkswirtschaft verursacht wurde, auf drei bis zehn Milliarden DM.

Die Zerschlagung der Volkswirtschaft der DDR hat viele „Leistungsträger“ überhaupt erst zu dem gemacht, was sie heute sind: Partner des US-amerikanischen Großkapitals. Auf einmal konnte man richtig gut abräumen … und das ist vielen, die nicht soviel abbekommen haben, noch gut in Erinnerung. Wie schön wäre das, wenn man auch so mit Griechenland verfahren könnte. Viele Deutsche, die noch keine Millionäre sind, hätten eine gute Chance, dort billig an Werte zu kommen, die den Griechen noch ärmer und den Deutschen noch reicher machen.

Zeitgleich berichtet die Welt über den nächsten Schlag:

Der EU-Kommissionspräsident fordert eine mächtige Brüsseler Zentrale mit weniger nationalen Einfluss. Barroso nennt das Verhalten einiger Staaten „schlampig“. 

Und diesen schlampigen Staaten sollte eine Treuhand mal zeigen, wo der Hammer hängt. Und nicht nur Griechenland: Portugal gehört ebenfalls eingedeutscht, siehe Manager-Magazin:

Die Reihe der Hiobsbotschaften im Zuge der Euro-Krise reißt nicht ab. Jetzt räumt die portugiesische Regierung ein, mehr Schulden zu machen als zugesagt. Ein Grund: Defizite der autonomen Insel Madeira wurden bislang nicht eingerechnet.

Hier wird aber schon mal schnell Kasse gemacht: Arbeitsplätze, Arbeitsqualität und Einkommen der Bürger werden massiv abgebaut, ihre wirtschaftliche Souveränität wird vernichtet, die Infrastruktur ihres Gemeinwesens in fremde Hände gelegt:

Für Pedro Passos Coelho wird die Zeit knapp. Nur noch drei Monate, dann muss die von ihm geführte portugiesische Regierung ihre wichtigsten Aktienbeteiligungen verkauft haben: den Energieversorger EDP, den Netzbetreiber REN, die Fluggesellschaft Tap.

Portugiesen können sich auf eine Zeit wachsender Preise, sinkender Einkommen inklusive schrumpfender Produktqualität freuen. So etwas geschieht immer, wenn fremde Mächte das eigene Land übernehmen: die Lebensqualität sinkt drastisch. Einfach mal die Bewohner der alten DDR fragen, wie toll denn das bundesdeutsche Paradies jetzt wirklich ist – aber bitte nur die alten Bürger fragen, nicht die RTL-Brut „Generation Doof“.

Neben Portugal ist ja auch bald Italien im Angebot – auch wenn der Wert des Staatseigentums nicht ausreichen würde, die Schulden zu decken. Darüber reden wir nur nicht gern, weil wir schon Griechenland kaum stemmen können.

Die Folgen für uns sind absehbar – auch wenn sie sich etwas verzögern werden, so wie die BRD durch die Ausschlachtung der DDR eine Zeit lang vor den Folgen der Globalisierung geschützt wurde.  Auch wir werden irgendwann „schlampig“ sein und eine Treuhand brauchen, bis dahin aber hat die CDU schon eigenen Pläne mit uns, siehe Norbert Rüttgers in der Welt:

 Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Rüttgers fordert eine Abschaffung des gesetzlichen Rentenalters.

„Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes ist Arbeit, Arbeit, Arbeit“, sagte er.

Arbeit macht frei – von Zukunftssorgen. Und keiner macht sich Gedanken, wohin die Reise gehen soll? Nun – schon. All jene, die die Macht hatten, die Einheit Deutschlands, den Euro und die Rettungsschirme völlig an der Bevölkerung vorbei zu organisieren, um sich selbst mit Pöstchen und Boni zu versorgen. Davon gibt es in der Privatwirtschaft reichlich, dort, wo die Steuergelder letztlich landen, mit denen wir die Griechen in die Arbeitslosigkeit treiben und ihr Staatsvermögen verschleudern. Ein Kommentar in der FTD zum Thema Eigenkapitalbildung durch Boniverzicht bei Banken zeigt, worum es geht:

Die Deutsche Bank hatte 2009 ca. 77.000 Mitarbeiter, der Durchschnittsverdienst betrug 147.000€. Würde der unter gleichzeitigem Abbau der Exzesse, also oben mehr und unten weniger, reduziert, z.B. auf immer noch respektable 60.000€, würden irgendwo um die 5 Milliarden € pro Jahr zur Stärkung des Eigenkapitals freigesetzt. Allein bei dieser einen Bank. Und das, ganz ohne den Steuerzahler zu bestehlen.

So werden Leistungsträger geschaffen, treue Gefolgsleute der Volkswirtschaftsausschlachtungen, die für simple Bürotätigkeiten in wenigen Jahren zu Millionären werden – völlig ohne Nutzen für die Allgemeinheit.

In einer Broschüre von Mercedes aus den neunziger Jahren fand ich mal die putzige Vokabel „Restverkehr“, womit jedes Auto gemeint war, das eben kein Mercedes war. Wäre Zeit, jetzt die Vokabel des „Restebürgers“ einzuführen, für den andere Bedingungen gelten: er darf von den Resten leben, die die Plünderer übrig lassen, er darf den Luxus des Bankenclans mit seinen Steuergeldern finanzieren, denn die leben letztlich gut von den willkürlich festgesetzten Zinsen für Griechenland, Italien und Portugal.

Hier wird – wie in der DDR – ein Riesengewinn gemacht, der sich für jeden Bankmitarbeiter auszahlt, während für den Restbürger die Fettsteuer oder die 42-Stunden-Woche kommt:

Tschütscher lobte zugleich die „gute Führungsrolle“ der Bundesregierung bei der Bewältigung der Euro-Krise. Die Bundestagsabstimmung zur Ausweitung des Euro-Rettungsschirms habe das bestätigt. Es sei „im Interesse Deutschlands, Griechenland und andere Schuldenstaaten zu retten“. Im Gegenzug müssten die hoch verschuldeten Länder alles tun, um ihre Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Beispielsweise sollten sie ihre Wochenarbeitszeit erhöhen und sich dabei an Liechtenstein orientieren, wo „mindestens 42 Stunden in der Woche“ gearbeitet werde.

Arbeit, Arbeit, Arbeit – aber natürlich ohne Geld.

So bringt man die Volkswirtschaftsgaleere so auf Fahrt, das der Bankenclan Wasserski fahren kann.

42-Stundenwoche, Renteneintritt ab Todesdatum, Massenentlassungen von unkündbaren Beamten, Ausschlachtungsorgien von Volkswirtschaften, Sondersteuern für Milch, Kotelett, Pizza, Butter und Pommes bald vielleicht auch für Zimmerpflanzen, Atemluft und Stuhlgang, Sex, lange Haare und Gesang.

Soweit haben uns die Politiker mit ihren „alternativlosen“ „Rahmenbedingungen“ im Jahre 2011 herabgewirtschaftet – Hand in Hand mit Banken und Verbänden.

Der Dax hat aktuell den größten Quartalsverlust seit 2002 produziert – da muss man zeitig sehen, wie man anders an Geld kommt: durch Beteiligung am Wachstum der Realwirtschaft ist da nicht mehr viel zu holen. Kein Wunder, das auch gerade aus der Realwirtschaft kritische Stimmen gegen den aktuellen Trend kommen wie hier in der FTD von einem italienischen Schuhfabrikanten:

„Das unanständige und unverantwortliche Spektakel, dass viele von euch veranstalten, ist für einen Großteil der Italiener unerträglich geworden“, schreibt Della Valle. „Euer Handeln, dass sich nur noch nach persönlichen Interessen oder denen der Partei richtet, treibt uns in eine Katastrophe und hat dem Ruf Italiens in der Welt irreparablen Schaden zugefügt.“

Also – wenn es nach mir geht, gilt das auch für die deutschen Politiker des „Hartz-Blocks“, jenes Gesetzes, das als erste zeigte, das die Installation des  „Restbürgers“ einem brutalen Willen der deutschen Politik entspringt, einer Hinwendung zur skrupellosen Asozialität und gezielter Produktion von Massenarmut, die jetzt auch den Rest Europas erreicht.

In seiner Anzeige verzichtet Della Valle darauf, Namen zu nennen. Seiner Ansicht nach hat sich „die politische Klasse bis auf wenige Ausnahmen vollkommen von der Realität und den wahren Bedürfnissen der Bürger entfremdet“. Auch viele Unternehmer trügen eine Mitschuld, weil sie die Politiker zu lange unterstützt hätten, „ohne sie an ihre Pflichten und die Interessen Italiens zu eriinnern“.

Der Mann kennt auch die Lösung der Probleme:

Della Valles Abrechnung mit der herrschenden Klasse ist gleichzeitig ein Appell an die Zivilgesellschaft, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. „Die ernste Lage macht es notwendig, dass die ernsthafteren und verantwortlicheren Teile der Gesellschaft, denen das Schicksal des Landes wirklich am Herzen liegt, zusammenarbeiten“

Und was geschieht mit den ernsthafteren und verantwortungsbewußten Bürgern, wenn sie es wirklich mal wagen, die Zentralen der Volkswirtschaftskiller zu belagern?

Sie werden verhaftet, siehe Handelsblatt:

Bei einer Kundgebung in New York gegen zunehmende Armut und die Macht der Banken hat die Polizei mehr als 700 Demonstranten festgenommen. Zuvor hatten die Demonstranten im Rahmen der seit zwei Wochen andauernden Protestaktion im New Yorker Finanzviertel am Samstag den Verkehr auf der Brooklyn Bridge teilweise lahmgelegt. 

So sieht ernsthafter ziviler Widerstand aus – und so wird damit umgegangen. Der Restbürger wird einfach abgeräumt. Für Demokratie ist kein Geld mehr da. Das sieht auch der CSU-Abgeordnete Gauweiler so, siehe Welt:

Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Euro-Skeptiker Peter Gauweiler hält dagegen den Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone für unausweichlich. „Wenn die Griechen ihre Demokratie nicht verkaufen wollen, müssen sie sich vom Euro trennen, zumindest auf Zeit“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Die Griechen werden aber ihre Demokratie verkaufen müssen, ebenso wie die Italiener, Portugiesen, Spanier, Franzosen und … zuletzt … die Deutschen, die seit der Widervereinigung eine ganz neue Rolle als europäische Zentralmacht innehaben – auf Kosten ihrer Bürger, die mal wieder niemand gefragt hat, ob sie nicht mit der bescheidenen kleinen wirtschaftlich kerngesunden Bonner Republik nicht viel zufriedener gewesen wären.

Aber – politische Willensbildung ist hat nichts für den „Restbürger“.

Für den gilt: „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ – 42 Stunden die Woche bis weit über die Siebzig hinaus, fallls er nicht das Pech hat, schon mit fünfzig im Hartz-Bezug zu enden.

Und das soll ich wirklich feiern?

Der 3. Oktober als Feiertag verdrängte den 17. Juni, an dem wir den Volksaufstand in der DDR feierten. Weiß noch jemand, warum das Volk dort rebellierte?

Dieser erste antistalinistische Aufstand hatte zahlreiche Ursachen, zum Beispiel die Ignoranz der DDR-Führung gegenüber den Bedürfnissen derArbeiterklasse einschließlich ihres Beschlusses, die Arbeitsnormen übermäßig zu erhöhen, sowie Fehler der SED.

Gegen Fehler der BRD-Führung, die Ignoranz der Regierung gegenüber den Bedürfnissen der Bürger und die übermäßige Erhöhung der Arbeitsnormen hierzulande gibt es keinen Widerstand.

Unser Stalinismus ist halt raffinierter.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die heimliche Hinrichtung Griechenlands als Vorspiel der deutschen Pleite – und der Entmachtung des deutschen Volkes

Die heimliche Hinrichtung Griechenlands als Vorspiel der deutschen Pleite - und der Entmachtung des deutschen Volkes

Dienstag, 20. 9.2011. Nach den deutschen Arbeitslosen und Angestellten kommen jetzt ganz Länder unter die Räder – doch niemand scheint sich darum zu kümmern. In Griechenland werden unsere europäischen Brüder und Schwestern hingerichtet – doch man muss lange suchen, um die Folgen der Exekution aufdecken zu können. Vor allem in den großen „kritischen“ Medienformaten sucht man vergeblich nach den Folgen des ausufernden Krieges der leistungsfeindlichen Kapitalvermehrer gegen die Realwirtschaft. Fündig wird man aber in der Tagesschau:

Der griechische Staat zahlt Arbeitslosen maximal ein Jahr lang einige Hundert Euro pro Monat Unterstützung. Danach ist Schluss. Eine Grundsicherung, eine Art Hartz IV gibt es in Griechenland nicht. Auch das ist ein Grund, warum im Zuge der Krise zigtausende Menschen landesweit auf der Straße gelandet sind.

Nach den medialen Propagandalügen vom faulen Arbeitslosen haben wir also jetzt die Propagandalügen vom verschwenderischen Griechen gehabt, der noch nicht mal eine ordentliche Arbeitslosenversicherung hatte. Morgen werden wir sicher wieder hören, das es unseren Arbeitslosen viel zu gut geht – sollen die mal nach Griechenland schauen!

Währenddessen geht der Wahn weiter. Sicher gibt es mahnende Stimmen, zum Beispiel im Manager-Magazin:

Es reicht. Die Diskussion über eine Pleite Griechenlands ist so dermaßen verkürzt und falsch, dass sie dem Thema nicht gerecht wird. So werden Bürger und Wähler in die Irre geleitet. Schlimmer noch: In der deutschen Debatte hat sich eine verstörende Emotionalität breit gemacht, eine moralische Entrüstung gegenüber den „Pleite-Griechen“ („Bild“) – nach dem Motto: Die haben schlecht gewirtschaftet, geprasst und sogar betrogen; jetzt sollen sie sehen, wie sie klarkommen.

Also – an den griechischen Arbeitslosen kann es schon mal nicht liegen. Die nächsten, die es jetzt erwischen wird, sind die griechischen Beamten.

Unterdessen sagte IWF-Vertreter Bob Traa, in Griechenland dürften auch Entlassungen kein Tabu sein. Athens Kreditgeber fordern, dass die Regierung in Athen von gut 700.000 Beamten und weiteren bis zu 600.000 Angestellten vorwiegend verlustbringender Staatsunternehmen mindestens 100.000 Mitarbeiter entlässt oder in einen so genannten Reservepool schickt: Dort sollen sie 60 Prozent des bisherigen Gehaltes beziehen und nach Umschulungen aus dem Staatsdienst entlassen werden können.

Warum sagt man eigentlich nicht endlich mal, worum es wirklich geht? Es geht darum, die Menschen aus ihren Häusern zu vertreiben und sie im Winter auf der Straße verrecken zu lassen, weil die Regierung die ständig steigenden Zinsen der Banken nicht mehr bezahlen kann. Es geht darum, das der Verlust von Menschenleben billigend in Kauf genommen wird, um die willentliche Organisation von Massenarbeits- und Obdachlosigkeit.

Ich weiß nicht, wie ihr da draussen an den Monitoren das nennen würdet – ich nenne das verantwortungslos, skrupellos und kriminell und denke zudem, man hätte langsam auch das Recht, das Militär einzusetzen, weil die Forderungen des IWF die Souveränität des griechischen Staates vollständig eleminieren:

Griechenland steht nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Pleite bevor, wenn es nicht den Verkauf von Staatsbesitz vorantreibt. Mit harten Worten warnte der ständige IWF-Vertreter in Griechenland, Bob Traa, am Montag in Vouliagmeni vor weiteren Versäumnissen.

Man spricht hier zurecht von Griechenland als dem „Kardiogramm eines Toten“, weil ein schwacher Staat bald nur noch ein toter Staat ist.

Natürlich rekeln wir uns noch in deutscher Gemütlichkeit, hängen unseren Aufschwungphantasien noch und träumen von Zeiten, die aber niemals wieder besser werden:

Trotz des Wirtschaftsaufschwungs sind die Reallöhne in Deutschland im vergangenen Jahr offenbar nur leicht gestiegen. Vor allem in Osteuropa fielen die Zuwächse deutlich höher aus. Zudem hat sich hierzulande die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen wieder vergrößert.

Schaut man genauer hin,  wird es sogar noch schlimmer:

Wie teuer könnte die Euro-Schuldenkrise den deutschen Steuerzahler kommen? Das Ifo-Institut macht eine umfängliche Rechnung auf. Das Ergebnis: die Haftungssumme liegt bei bis zu 465 Milliarden Euro. Die Märkte sähen dies mit wachsender Nervosität, sagt Ifo-Chef Sinn.

465 Milliarden Euro – bis jetzt. Und während wir noch  hoffen, mit diesem Batzen Geld die Krise des kleinen Griechenland aufhalten zu können, marschieren die Horden der Finanzindustrie schon längst zu neuen Zielen: Italien ist fällig. Man will Blut und Fleisch einer der großen Volkswirtschaften schmecken. All das künstliche wertlose abstrakte Buchgeld soll so in konkrete Werte umgewandelt werden: Flughäfen, Seehäfen, Inseln, Ländereien, Wasserwerke – der ganz große Coup der Privatisierung ganzer Staaten rückt in greifbare Nähe, der größte Raubzug in der Geschichte der Menschheit wird Wirklichkeit.

Und was machen wir? Wir Bürger und unsere gewählten Politiker? Verschwenden unsere Zeit mit Theater. Wir spenden einem Polizisten, der mit einer Hand zwei Flummis fängt, 1,5 Millionen Euro. Für so ein Theater haben wir Geld und Zeit, während die grassierende Obdachlosigkeit griechischer Bürger gerade mal eine Randnotiz wert ist.

Schon mal überlegt, warum die Folgen der „Euro-Krise“ medial nicht näher beleuchtet werden? Weil es Sinn macht, den Bürger nicht aufzuwecken, sondern ihn ganz im Sinne spätrömischer Dekadanz bei Brot und Spielen dahinvegetieren zu lassen, während die Regierungsgewalt heute ganz offiziell an eine Ratingagentur übergeben wurde.

Bitte?

Die Macht im Staate wurde … abgegeben?

Und wir erfahren nichts davon?

Natürlich erfahren wir davon. Da wir nichts mehr dagegen unternehmen können, können wir ganz offen darüber reden. Wie heute im Handelsblatt:

Es ist nur ein Satz und er ist eigentlich auf Italien gemünzt. Doch er hat Sprengkraft, weit über das Land hinaus. „Aus unserer Sicht wird die zerbrechliche Regierungskoalition und der Richtungsstreit innerhalb des Parlaments weiterhin die Möglichkeiten der Regierung beschränken, die entscheidenden Antworten auf die innenpolitischen und die externen makroökonomischen Herausforderungen zu finden.“

Mit diesem Statement begründet die Ratingagentur Standard & Poor’s die Herabstufung der Bonität Italiens um eine Stufe von A+ auf A und die Beibehaltung des „negativ watch“, also des schwachen Ausblicks. Doch mit den gleichen Argumenten könnte man auch die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf „negative watch“ setzen.

Mit dem gleichen Argument könnte man auch ganz direkt die Übertragung der Regierungsgewalt auf die Ratingagenturen fordern – das würde uns viel Geld sparen, das wir momentan noch für die Demokratiefassade ausgeben.

Das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: öffentliche Erpressung von Regierungen durch … Ratingagenturen.

Wieder mal ein Fall für das Militär. Dafür hat man so etwas doch: zum Schutze der staatlichen Souveränität vor fremden Mächten. Jedenfalls hatte man mir das in der Schule so beigebracht.

Wir können den Tag heute feiern. Heute haben wir das erste mal öffentlich zu hören bekommen, das die Eigentumsrechte der deutschen Bevölkerung an den deutschen Werten und Errungenschaften sowie sein Selbstbestimmungsrecht genauso in Gefahr sind wie die Rechte der Griechen an ihrem Leben.

Dieser Tag könnte der „1.September 1939“ des neuen Jahrtausends werden, jener Tag, an dem offensichtlich wurde, das sich in Zukunft ganz ganz ganz viel ändern wird, ohne das wir auch nur die geringste Chance haben, etwas daran zu verändern, weil wir nicht im mindesten verstehen, was da gerade um uns herum eigentlich los ist.

Wenn wir dann auch neben den Griechen und unseren Arbeitslosen auf der Straße stehen, werden wir das vielleicht endlich bemerken. Das wird dann auch der Zeitpunkt sein, wo man für 1,5 Millionen Euro noch nicht mal mehr einen Flummi kaufen kann … geschweige denn zwei.

 

 

 

 

Mediterraner Catwalk

MediteranerCatWalk_thumb.jpg

Mediteraner Cat-Walk

Die letzten 100 Artikel