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2012: Alpträume werden Wirklichkeit … und Träume möglich.

2012: Alpträume werden Wirklichkeit ... und Träume möglich.

Mittwoch, 30.5.2012. Eifel. Mir fallen manchmal kleine Nachrichten ins Auge, die seltsam „niedrig“ gehandelt werden. Kannibalismus zum Beispiel. Jahrhundertelang DAS Horrorbild des zivilisierten Menschen, mit dessen Hilfe er sich – als christlicher „Kolonisator“ – deutlich von den „primitiven Barbaren“ unterschied – zum Beispiel von Holländern. Dort hatten sich ja zwei Moderatoren gegenseitig aufgegessen – obwohl vom jeweils anderem noch genug übrigblieb, das sie das Ergebnis der Speisung ausführlich diskutieren konnten. Ein Riesenthema eigentlich … doch bleibt es seltsam ruhig darum, so als wäre es schrecklich normal, das die Menschen schon mal anfangen, sich selbst als Konsumobjekt und Nahrungsmittel zu testen. Benjamin R. Barber, ein „Professor für Zivilgesellschaft“ an der Universität Maryland warnte uns dereinst ausdrücklich vor den verheerenden Wirkungen und Auswirkungen der modernen Wirtschaft (McWorld genannt) – das es so enden könnte, hat wohl auch er nicht geahnt.

Das Thema Kannibalismus ist damit aber nicht erschöpft. Andernorts gab es Berichte über mehrere chinesische Fabriken, die Babyfleisch verarbeiten und es den Südkoreanern in Kapseln liefern. Die Chinesen sind über solche Meldungen empört – man weiß nicht so Recht, ob man es mit einer neuen Dimension der Barbarei zu tun hat (die in meinen Augen an die Horror-Qualität von Konzentrationslagern heranreicht – oder diese sogar übertrifft), oder nur mit einem geschickten Propagandafeldzug gegen China, um den neuen großen (und vielleicht sogar finalen) Weltkrieg NATO gegen SOZ medial vorzubereiten. Wer würde nicht gerne gegen Babyschlächter und Menschenfresser in den Krieg ziehen?

Oder die neue Meldung aus den USA: dort hat ein Mann einen anderen aufgefressen – eine Szene wie aus einem Zombiefilm. Nase, Auge – alles weg. Und wie es sich für einen richtigen Zombiefilm gehört, waren mehrere Kugeln nötig, um die Bestie zu stoppen. Und wie es sich ebenfalls für einen richtigen Zombiefilm gehört, sind die Erklärungsmuster der Polizei sehr verwirrend: Obdachlose sollen es gewesen sein – in einer Kokainpsychose. Bei den Preisen für Kokain passt das eigentlich nicht zusammen – und die Erscheinungsformen einer Kokainpsychose sind auch deutlich passiver als das, was man uns dort präsentiert hat. Schauen wir mal, was das Psychosezentrum Ruhrgebiet dazu sagt:

Eine weitere gravierende Folge kann die „Kokain – Psychose“ sein. Hier treten unabhängig von einer Substanzeinnahme optische, akustische und taktile Halluzinationen, Unruhe, Wahnerlebnisse, und Trübungen des Bewußtseins auf. Die Symptome ähneln denen einerSchizophrenie.

Von der Verwandlung in agressive Menschenfresser steht da nichts, eher hat man so ein verängstigtes Suchtkneuel vor Augen, das sich zitternd in der Ecke seiner Gummizelle befindet. Wäre auch gut so, denn bei der Menge Koks, die in Deutschland konsumiert wird, sollten wir uns in Zukunft wohl nur noch schwer bewaffnet aus der Wohnung wagen.

Fügt man die drei Informationen zusammen und legt die beschwichtigenden Kommentare dazu erstmal zur Seite, wird das Bild unheimlich: auf einmal entsteht vor unserem geistigen Auge das Bild einer neuen Menschheit, die frei ist von alten Zwängen und Einschränkungen, einer Menschheit, die sich über ihre Grenzen erhebt und sich des alten Ballastes entledigt, der sie jahrtausendelang niedergedrückt hatte. In Romanen gab es das schon mal:

„Dieser Zeitpunkt sei leicht zu erkennen, denn der Mensch sei dann wie die Großen Alten geworden, wild und frei jenseits von Gut und Böse, Gesetze und Moral wären dann niedergerissen, und alle Menschen brüllten, töteten und schwelgten in Lust. Dann würden ihnen die Großen Alten neue Wege zu brüllen, zu töten, zu schwelgen und zu genießen zeigen, und die Erde würde in Vernichtung, Ekstase und Freiheit flammen. In der Zwischenzeit müßte der Kult durch angemessene Riten die Erinnerung wachhalten und IHRE sichere Rückkehr prophezeien.“
(H.P.Lovecraft, Cthulhu Geistergschichten, Suhrkamp 1979, Seite 218)

Gut, das das nur eine Gruselgeschichte aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts ist.

„1984“ war auch nur eine Gruselgeschichte – aber auch die wird jetzt wahr. Wie es aussieht, haben freundliche Regierungsstellen („Regierung“ ist seit dem 11.9.2001 immer „freundlich“, wer des Gegenteil behauptet, ist ein Terrorist – oder ein Verschwörungstheoretiker, was so etwas ähnliches wie ein „Sympathisant“ ist) diese Gruselgeschichte jetzt eine gewisse Realität verliehen – sie haben eine Cyberwaffe entwickelt (genau so eine, vor der sie schon immer gewarnt haben), die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. „Big Brother“ gibt es nicht nur im Fernsehen – sondern auch auf jedem Rechner. Dem vorgestylten Konsumzombie der Neuzeit stört das nicht – immerhin sammelt auch seine X-Box-360 via „Kinect“-Sensor Bilder aus seiner Wohnung sowie Sprachmuster und – wie nützlich – auch Kreditkarteninformationen. Und das alles wird als harmlose Spielkonsole verkauft.

Endgültig in der Realität der James-Bond-Romane sind wir durch die Meldung in der Welt gelangt, wonach US-Fallschirmtruppen in Nordkorea geheime Tunnelanlagen untersucht hatten. Na ja – Nordkorea richtet Kannibalen kompromislos hin – offensichtlich eine Gefahr für unsere westliche Kultur. Durch diese Nachricht werden aber Meldungen aus dem Jahre 2003 wieder aktueller, wonach in Nordkorea in der Tat Menschenfleisch gehandelt wird.

Das Romane Realitäten vorwegnehmen können, ist natürlich völliger Quatsch. Das dachte ich zum Beispiel im Jahre 1983, als der Roman „Der dritte Weltkrieg“ in Deutschland erschien. Geschrieben von General Sir John Hacket beschreibt er den Beginn des dritten Weltkrieges, der überraschend mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion endet – für viele Friedensaktivisten ein Wunschdenken politischer Wirrköpfe.

Sechs Jahre später war der Zusammenbruch der Sowjetunion politische Realität, die politischen Wirrköpfe knallharte Realisten und die Friedensaktivisten als ahnungslose Träumer enttarnt.

Nur gut, das es keine Romane über den Zusammenbruch der USA gibt.

Wirklich?

Nun – wir lesen nicht mehr soviel: wir gucken lieber. Zum Beispiel „Star Wars“ … deren letzte verfilmte Episoden uns eine Geschichte erzählen, in der mächtige  Interessengruppen aus Industrie, Banken und Handel mittels geschickter Intrigen die Republik vernichten. Die Filme wurden 1999 bis 2005 gedreht – und 2012 scheinen sie Realität geworden zu sein. Begriffe wie „marktkonforme Demokratie“ sind gesellschaftsfähig geworden sind, die Macht der „Märkte“ verdrängt alternativlos weltweit demokratisch gewachsene Strukturen. Die Bürger schauen drein wie die Iren : voller Zorn auf die Banken beugt man sich einem scheinbar über Nacht gewachsenem neuen System, in dem Bankvorstände Sozialpolitik diktieren und sich die alten Republiken, Demokratien und Volksherrschaften in etwas Neues verwandeln.

Im Star-Wars-Märchen übernehmen „Regionalgouverneure“ die Macht … im Euro-Märchen sind es Goldman-Sachs-Mitarbeiter.

Im Prinzip – ein absoluter Horrorstoff, in dem wir leben. Gruselig wie das Schicksal unserer „High-Potentials“, unserer Wissenschaftler, die von 40 Stunden in der Wochen noch 19 bezahlt bekommen.  Wenn die erstmal mit ihrem Studium fertig sind, werden die keine Verständnis mehr dafür haben, das Arbeitslose überhaupt noch Geld bekommen.

Welche Zukunft eine Gesellschaft noch hat, die ihre Elite so verheizt, will ich jetzt gar nicht überlegen.  Möglicherweise erleben wir gerade eine Phase, in der sich wirklich zeigt, das Regierungen an sich die „Schlimmste Seuche aller Zeiten“ sind – mit sechsmal soviel Todesopfern wie die spanische Grippe.

Da macht es Hoffnung, das aktuell gemutmaßt wird, das die USA ebenso zusammenbrechen können wie die Sowjetunion … ihr wirtschaftlicher Zusammenbruch scheint eh´ kurz bevor zu stehen. 

Merkt man nun, wie wichtig es in Zukunft werden könnte, das wir uns daran erinnern, das es nicht gut ist, Menschen zu essen? Das es auch nicht notwendig ist, schon mal den Geschmack zu testen, weil unsere Wirtschaft bald so derangiert ist wie die in Nordkorea – und schon längst so unmoralisch wie die in den Babyfleischfabriken Nordchinas?

Merkt man nun, das es vielleicht dringend nötig ist, die Lösungen der aktuellen Krise nicht der koksenden Oberschicht zu überlassen, weil man nie genau weiß, wann die ihre Kokain-Psychose bekommen? Vielleicht haben wir die aktuelle kannibalistische Wirtschaftsform genau jenen Kokain-Psychosen zu verdanken, die nun in Miami schon zu öffentlichen Kannibalenattacken führen.

Benjamin R. Barber hat da schon eine Idee, wie die neue Gesellschaft funktionieren könnte, zitiert bei  Wikipedia:

„Die Zivilgesellschaft, der bürgerliche Raum, besetzt die Mitte zwischen Politik und privatem Sektor. Dort geben wir weder unsere Stimme ab, noch kaufen und verkaufen wir; dort sprechen wir mit unseren Nachbarn über die Einstellung eines Schülerlotsen, planen eine Benefizaktion für die örtliche Schule, diskutieren darüber, wie unsere Kirche oder Synagoge Obdachlosen eine Unterkunft schaffen kann, oder wir organisieren ein Softball-Sommerturnier für unsere Kinder. In diesem Bereich sind wir ,öffentliche‘ Wesen, wie eine Regierung haben wir einen Sinn für öffentliche Aufgaben und Achtung vor dem Gemeinwohl; aber anders als eine Regierung erheben wir keinen Anspruch auf die Ausübung eines Gewaltmonopols. […] Wie der Privatsektor hat auch dieser nachbarschaftliche, kooperative Bereich der Zivilgesellschaft teil am ,Geschenk der Freiheit‘, […] aber anders als der Privatsektor, strebt er Gemeinsamkeit und konsensuelle […] Handlungsweisen an. Die Zivilgesellschaft ist somit öffentlich-politisch, ohne Zwangscharakter zu haben; sie ist freiwillig-voluntaristisch, ohne privatisiert zu sein“ (S. 281).

Wir als Bürger zeigen uns jeder Regierung überlegen. Wir als Bürger bräuchten kein Hartz IV. Wir wüssten genau, wo in unsere Gemeinschaft Menschen mit Leistungsdefiziten einen würdigen Platz bekommen können. Arbeit gibt es genug. Wir bräuchten auch kein Zinssystem, das uns leistungsloses Einkommen garantiert – wir wissen, das das langfristig nie gut gehen kann, weil niemand mehr die Zinseszinsen erarbeiten könnte. Wir haben schon längst bewiesen, das wir viel effektiver, menschlicher, realistischer, vernünftiger und wirtschaftlicher arbeiten als es Regierungen, Banken oder Konzerne je tun könnten.

Und darum könnten die Alpträume der Gegenwart genau jener Startschuss sein, den wir brauchen, um unsere Gesellschaft eine neue Richtung vorzugeben … ohne Banken, ohne Staatsmacht, ohne Profitgier und verschiedene Formen von Kannibalismus (unter die ich auch Hartz IV sehe, wo sich der Staat die Lebensarbeitsleistung von Menschen aneignet, die die Wirtschaft als unnütz ausgespuckt hat – oder die Diätenkultur unserer Abgeordneten).

Leider finde ich solche Überlegungen in den Medien nicht.

Die predigen mir hauptsächlich vom DAX – und wie schön man mit seiner Hilfe ohne Arbeit reich werden kann … reich von der Arbeit anderer, wohlgemerkt.

Auch so ein Kannibalenakt.

Und in letzter Konsequenz so blutig wie der in Miami.

 

 

 

 

 

 

 

Das Goldkettchen des Anlageberaters als Triebfeder des deutschen Gesundheitswesens

Manche Nachrichten entfalten erst durch ihre Kombination Brisanz, manche Formulierungen werden erst dann bedenklich, wenn man sie mit anderen zusammenbringt – das ist eigentlich das erste Geschäft des Systemveränderers: aufwiegeln durch Tatsachen. Demgegenüber stehen die Pressesprecher und bezahlten Journalisten, deren Geschäft es ist, breiflächig abzuwiegeln.

Solche Erscheinungen sind sogar in Bereichen zu beobachten, die äußerst intim sind und jeden Menschen betreffen: bei der Gesundheit. Wer denkt, er sei hier durch die Medien optimal informiert, lebt noch auf einer Scheibe, wie Epoch Times zu entnehmen ist:

„Die Tendenz, den Einsatz eines Medikaments zu empfehlen, hängt von der Finanzquelle einer Zeitschrift ab“, schreiben die Mediziner um Annette Becker von der Universität Marburg im „Canadian Medical Association Journal“.

„Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. „Eine Hand wäscht die andere“ – so funktioniert Wirtschaft.

Geht auch ohne Brot, zum Beispiel mit Reisen, hier pressetext.at:

„Einige Journalistenkollegen lassen sich gerne an exotische Plätze einladen. Durch dementsprechende Berichterstattung sorgen sie dafür, dass sie auch in Zukunft wieder eingeladen werden“, berichtet der Medizinjournalist Hans Weiss gegenüber pressetext.

Es lohnt sich also, selber zu denken – das kann ungeahnte postive Effekte auf die Gesundheit haben.

Natürlich kann man nie genau sagen, welches Geld nun gerade wofür geflossen ist und wer wem aus welchen Gründen etwas zukommen läßt. Zum Beispiel der Hartz-Kanzler Schröder und der Deal mit dem Maschmeyer, über den der Spiegel aktuell berichtet:

Der frühere AWD-Chef Carsten Maschmeyer pflegte zu Gerhard Schröder engere Beziehungen als bislang bekannt: Er hat dem Ex-Kanzler nach SPIEGEL-Informationen rund eine Million Euro gezahlt – für dessen Memoiren.

Spannend auch, wo das Geld herkam, das jetzt in Schröders Taschen steckt:

Der Finanzvermittler AWD hat unter Carsten Maschmeyer seinen Kunden in bisher nicht bekanntem Ausmaß riskante Finanzprodukte verkauft, für die er gleichzeitig die höchsten Provisionen kassiert hat. So hat der Bereich „Immobilien/steueroptimierte Anlagen“ in einem Jahr mit 31 Prozent so viel Umsatz gebracht wie kein anderer Bereich im AWD-Konzern. Dabei wurden in diesem Bereich neben Immobilien vor allem geschlossene Fonds verkauft, die Anleger in dieser Form in vielen europäischen Ländern gar nicht kaufen können. So hat der AWD rund 47.000 Kunden allein in die verlustreichen Dreiländerfonds und die IMF-Medienfonds vermittelt.

Es hört sich nicht gut an, was man da weiter erfährt:

Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert: „Das Gros der Bevölkerung kann weder die Risiken einschätzen noch kontrollieren, ob die Versprechungen überhaupt eingehalten werden.“

So etwas hört sich überhaupt nicht gut an. Klingt nach einer Betrügerbande, die durch die Lande zieht, um an Omas Erspartes zu kommen und davon dem Kanzler großzügig etwas in die Tasche zu stecken, vielleicht sogar als kleiner Dank dafür, das die Regierung ein schönes Umfeld für Anlageberater geschaffen hat. In Irland war das genauso, wie „Der Freitag“ berichtet:

Bald aber verselbstständigte sich der Boom. Banken, Bauunternehmer und Immobilien-Makler witterten ein riesiges Geschäft und warfen mit geborgtem Geld um sich. Innerhalb weniger Jahre stiegen die Hauspreise um das Vierfache. Und die Banken offerierten noch immer billige Kredite, als längst absehbar war, dass es mehr Häuser als Haushalte gab. Joyce: „Selbst intelligente Leute glaubten, der Immobilienboom würde ewig anhalten. ‚Lass doch dein Geld für dich arbeiten’, bekamen sie auf der Bank zu hören, so dass sich mancher ein zweites oder drittes Haus kaufte, um es zu vermieten.“

„Lass doch dein Geld für dich arbeiten“ … den kumpelhaften Rat haben sicher viele vernommen, auch in Deutschland. Eine wichtige Quelle in Deutschland ist dazu das Sozialwesen, genauer genommen: das Gesundheitsbudget, über das transparency.de schon vor sechs Jahren klagte:

Ein besonders anfälliges Gebiet für Korruption ist das öffentliche Gesundheitswesen, weil es intransparent und komplex ist. Die Verantwortlichkeiten verteilen sich auf ein Bundesministerium, 16 Ländersozialministerien, pro Bundesland mindestens eine öffentlich-rechtliche Körperschaft von Ärzte- und Apothekerkammern, kassen(zahn)ärztliche Vereinigungen und deren Spitzenverbände, sowie mehr als 250 gesetzliche Krankenkassen. Dazu kommen unzählige Fachverbände und Interessengruppen jeglicher Art.  Mehr als elf Prozent des Bruttosozialprodukts fließen in das deutsche Gesundheitswesen. Damit ist das Gesundheitsbudget annähernd so groß wie der Bundeshaushalt (mehr als 240 Mrd. Euro 2005).

Missbräuchliches Ausnutzen der Intransparenz im Gesundheitswesen geschieht durch alle Beteiligten. Warenanbieter von Pharmazeutika und Medizingeräten, Leistungserbringer jeder Art, Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen, Versicherte und deren Arbeitgeber – alle machen sich die Schwächen des Systems zunutze.

Ein wichtiger Umverteilungsmotor in diesem System ist der Arzt. Ärzte sind in der Regel menschenfreundliche Wesen – und selber oft auch sehr menschlich. Sie arbeiten hart, oft rund um die Uhr … man kann sich bei ihnen darauf verlassen, das sie kaum Zeit dazu haben, Geld in großem Umfang auszugeben. Das weiß auch die Politik. Kippt man also ganz viel Gesundheitsbudget in die Arzthonorare, fließen automatisch Unsummen an Steuern und Versicherungsgeldern zu den Banken und Anlageberatern – letztere kaufen sich davon die Goldkettchen, mit denen sie dann weniger gut verdienende Schichten der Bevölkerung blenden und ihnen die Ramschpapiere andrehen, die irgendwer ja letztendlich bezahlen muß. Hierfür hat man immer gute Argumente „Gesundheit“ zum einen, „harte Arbeit“ zum anderen.

Warum aber ein Hausarzt für zweimal Händeschütteln und ein Rezept reich werden muß, während der Altenpfleger Patienten für ein Taschengeld vom Kot befreien soll, erklärt man uns nicht. Leistung soll sich halt nur da lohnen, wo ganz viel Geld wieder zurück in die Hände der Finanzmafia fließt, die alle Beteiligten an ihrem Ruhm teilhaben läßt – und damit das geschieht, brauchen wir ganz viel Geld in den Händen ganz weniger Leute, die möglichst zu beschäftigt sind, um selber was damit anzufangen. Ärzte eignen sich dafür ideal – und sich nur allzu menschlich genug, um nicht versehentlich ins Asketentum abzudriften und alles Geld den Armen zu spenden.

Das Gesundheitsbudget insgesamt frisst den Staat auf – bei fragwürdiger Leistung. Bezahlen sollen es dann die Arbeitslosen, ausbaden sowieso. Aber die Paten des Systems sitzen am Ende und füllen sich die Taschen ohne jegliche Arbeit, was – wie in Irland – nicht lange gut gehen kann. Irgendwann ist der Krug leer und wir müssen die Schulden bezahlen, denn letztlich, ganz am Schluß landen die Rechnungen für die Goldkettchen der Anlageberater bei uns – Stichwort „Bankenkrise“.

Man muß nicht lange suchen, um die Schatten der nächsten Krise zu sehen,  zum Beispiel hier beim br:

Das Gesundheitssystem krankt, und das spüren auch die insgesamt 212 gesetzlichen und privaten Krankenversicherer. Einigen droht schon jetzt das Geld auszugehen. Die Branche sorgt sich, dass sich dieser Trend fortsetzt. Fachleute rechnen für 2011 mit einem Defizit von elf Milliarden Euro. Doch wofür braucht es eigentlich derart viele Kassen?

Wofür so viele Kassen, wofür so viele Leistungen, warum so viele Patienten … so wird die Fragerei weitergehen und am Ende dieser Fragekette wird der Kranke so dastehen wie der Arbeitslose: als böser Täter, ohne den es uns allen viel besser gehen würde.

Wozu das alles?

Für das Goldkettchen.

Ich bin mir sicher: wenn das alle wüßten, wenn es bekannt wäre, das das Märchen vom leistungslosen Einkommen, mit dem der Anlageberater sein Kettchen verdient, nichts weiter bedeutet als die Privatisierung des Gemeinschaftsvermögens und das Aufblähen der Staatsschulden auf Kosten (erstmal) der Ärmsten der Armen, dann würden sehr viele Menschen davon Abstand nehmen und neue Investitionsmöglichkeiten für ihr Geld und ihre Schaffenskraft suchen.

Wer nun meint, sich in Ruhe zurücklehnen zu können, weil sich das System schon von selbst eliminieren wird, der übersieht die Zeichen am Horizont, wo die Frontkämpfer des Märchensystems neue Ziele setzen und unsere Demokratie zu Grabe tragen wollen, siehe le Monde diplomatique

Als der deutsche Architekt Gerhard Starzetz in Peking seine Olympiabauten vorstellte, lobte er das zügige Verfahren: „Ein solches Vorhaben wäre in Europa undenkbar – aber hier geht alles schnell und ohne große Diskussion.“ Auch der BASF-Chef Jürgen Hambrecht verlangt mehr Respekt dafür, dass die Chinesen und Russen in Sachen Freiheit und Demokratie anders denken.

Noch mag die autoritäre Versuchung eines aggressiven Durchregierens im Westen so fern liegen wie Peking. Aber der Ruf der Eliten nach einem Ende von Diskussion und Protest wird lauter.

Natürlich wird dieses System irgendwann zusammenbrechen. Goldkettchen an sich sind halt kein echter zivilisationserhaltender Wert. Aber mit einer schönen straffen Führung könnte man noch ein paar Jahre bzw. Jahrzehnte länger das Volk ausplündern, tolle Bauten ins Gelände stellen, noch mehr sinnlose Pillen in den Himmel loben oder schädliche Operationen befördern und vor allem:  die Beute aus Anlagebetrug sichern.

Man sieht ja jetzt, das sogar der Kanzler Schröder möglicherweise Betrugsgelder in der Tasche hat. Wenn der das wüßte … würde er sich wahrscheinlich ganz viel schämen, oder?

 

 

 

 

 

Wikileaks-Veröffentlichungen, Irlandhilfe und Schweigen in Korea

Nun ist es geschehen: Wikileaks hat wieder Dokumente veröffentlicht – so viele, das man hundert dicke Bücher damit füllen könnte. Wer große Sensationen erwartet hat, dürfte enttäuscht sein, von dem, was bei den Veröffentlichungen herauskam – oder war wirklich noch jemand der Meinung, das Guido Westerwelle im Ausland nicht auch als Knallcharge wahrgenommen wird? Die sind doch nicht blind oder taub.

Die Veröffentlichungen sind natürlich ein fulminantes Medienereignis. Für dieses Ereignis geht jetzt jemand laut FAZ bis zu 52 Jahre ins Gefängnis:

Bradley Manning war im Irak, er war einsam und frustriert. Er soll hinter den Veröffentlichungen der Website Wikileaks stecken, die Amerika und die Welt nun umtreiben. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 52 Jahre Haft.

Ich gehe mal davon aus, das die Medienimperien ihm von dem Gewinn, den sie mit dieser Aktion machen, etwas zukommen lassen. Dabei fällt mir ein, das die Verantwortlichen für das irakische Foltergefängnis Abu Ghuraib mit einem „Verweis“ davongekommen sind, die Täter zehn bzw. drei Jahre Haft bekamen. Da merkt man, wo die Prioritäten liegen.

Auffällig ist, das das zentrale Thema Wirtschaft laut Zeit scheinbar nicht vorkommt.

Interessant ist auch, was fehlt. Keine der genannten Zeitungen berichtete bislang über ökonomische Zusammenhänge. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise ihres Landes, nach einer weltweiten Bankenkrise und noch nicht ausgestandenen Schuldenkrisen von Ländern wie Irland oder Griechenland haben Amerikas Diplomaten dazu nichts zu sagen. Oder die entsprechenden Dokumente sind noch nicht öffentlich. Es könnte aber auch sein, dass die Daten nicht vollständig sind und wichtige Themenfelder deshalb fehlen.

Dabei ist Wirtschaft doch das zentrale Thema in den USA – und immerhin kann man davon ausgehen, das einige unserer Euro, die jetzt nach Irland fließen, in den USA landen werden … was hierzulande nicht jedem gefällt. Auf diese Weise bekommen sie indirekt den deutschen Sozialetat, was unsere Aussortierten Hartz IV-Abhängigen persönlich zu spüren bekommen. Jeder Bürger ist (mal nur auf Deutschland umgerechnet, dafür lassen wir Griechenland aussen vor) mit 1000 Euro an der Rettung der irischen Banken (bzw. der Renditen ihrer amerikanischen Kunden) beteiligt.  Das heißt für den Hartz-IV-Abhängigen, das er seine 5-Euro Erhöhung 16 Jahre ansparen müßte, um seinen Beitrag zu leisten … wobei nicht berücksichtig ist, das sein Beitrag bei einem Rettungsschirm von nun angedachten 1, 5 Billionen Euro und 500 Millionen Bürger, auf die das verteilt wird, dreimal so hoch wäre und er 48 Jahre lang sparen müßte.

Da kann schon mal Zorn aufkommen – und das wäre ja nicht uninteressant für den Botschafter.

Ist man kein Verschwörungsphobiker, hat keine Heile-Welt-Neurosen, dann hätte man sich viele Kommentare schon denken können. Da sprechen immerhin die Vertreter einer Nation, die zwei freie Nationen angegriffen und vernichtet hat. Das sind nicht mehr die USA, die als Leuchtturm der Freiheit und Vorkämpfer der Menschenrechte Gerechtigkeit in die Welt bringen – das ist ein aggressives mafiöses Imperium … zutreffender wäre allerdings: eine aggressive imperiale Mafia … weshalb es nicht wundern sollte, der der Tonfall, die Perspektive der Enthüllungen immer gleich ist: wir super, die doof.

Momentan sucht man vergeblich nach ganz aktuellen Meldungen aus Korea. Während zumindest die Welt gestern noch die Entwicklung im Minutentakt beschrieb, herrscht heute Ruhe. Dabei heißt es in der Zeit weiter:

Spannender angesichts des aktuellen Konflikts auf der koreanischen Halbinsel ist da schon, wie sich die USA ein Korea nach einem Sturz des Regimes in Pjönjang vorstellen. Vor allem solle das Land nach einer Wiedervereinigung weiterhin eng mit Amerika verbündet bleiben. Chinas Zustimmung würde man durch finanzielle und wirtschaftliche Kooperation erreichen wollen.

Wenn man von einer Zeit nach dem Sturz des Regimes spricht … dann hat man sich doch wohl auch schon konkrete Vorstellungen über sein Ende gemacht, einem Ende, dessen Anfang wir möglicherweise jetzt gerade erleben.

Gar nicht vorzustellen, was man als Feind der USA ertragen muß (obwohl … Saddam Hussein wird da wohl keiner so schnell vergessen), wenn schon – laut Welt – Freunde wie Deutschland mit offenen Drohungen überzogen werden:

Der Amerikaner erinnerte Nikel, den stellvertretenden Abteilungsleiter für Außen- und Sicherheitspolitik, an ähnliche Erschütterungen des amerikanisch-italienischen Verhältnisses im Jahr zuvor in einem ähnlichen Fall, heißt es in der Depesche. Schließlich versicherte er dem deutschen Ministerialdirigenten noch, es gehe ihm nicht darum, der Bundesregierung „zu drohen“, sondern ihr nur dringlich zu empfehlen, „jeden Schritt auf dem Weg hinsichtlich der Auswirkungen auf das Verhältnis zu den USA vorsichtig abzuwägen“.

Nikel wies seinen zudringlichen Gesprächspartner auf die Unabhängigkeit der deutschen Justiz hin. Die Kanzlerin sei sich aber der „politischen Implikationen des Falles“ bewusst. Sie versuche deshalb „so konstruktiv wie möglich“ zu agieren. Wegen des Drucks des Parlaments und der Presse werde dies aber nicht einfach, und er, Nikel, könne daher nicht versprechen, „dass sich alles zum Guten wenden“ werde.

Paßt zu dem mafiösen Geschäftsgebaren, das hinreichend in vielen Büchern beschrieben worden ist. Wie in dem Mafiafilm „Der Pate“ … man macht Angebote, die das Gegenüber nicht ablehnen kann….es dürfte dann auch überraschen, das man dem amerikanischen Gast umständlich erklären muß, das man in Deutschland Gerichte noch nicht kaufen kann. Das wird für den eine ganz neue Erfahrung sein.

Das hier eine Supermacht offen die Weltherrschaft anstrebt und in Anspruch nimmt, die Welt nach ihren Vorstellungen zu ordnen, scheint keinen sonderlich zu stören. Was von unseren „Freunden“ zu halten ist, bemerkt die TAZ deutlich:

„Die geheimen Dokumente zeichnen (…) das Bild einer politischen Landschaft in Deutschland, die überzogen ist von einem Informantennetz der amerikanischen Botschaft, das bis hinein in die Bundesländer reicht“, schreibt das Magazin. In den Dokumenten geht es nicht nur darum, was US-Diplomaten von deutschen Politikern halten. Das Magazin berichtet unter anderem auch, wie Interna der schwarz-gelben Koalitionsabsprachen 2009 an die Amerikaner gingen.

Wenn …. der Iran, Russland oder China ein solches Netz in Deutschland aufgebaut hätte, dann wären wir – zurecht – etwas verstimmt. Vor allem würden wir viel unternehmen, dieses Netz trocken zu legen, denke ich mir. Wie reagiert man aber wenn … „Freunde“ ein so umfangreiches Denunziantennetz über einen ausspannen.

Wie würden wir reagieren, wenn wir … sagen wir mal …  die Mutter einer befreundeten Familie dabei ertappen würden, wie sie aus unseren Kindern sensible Informationen über uns herausholen will – über unseren Kontostand, Streitereien zwischen Mutti und Vati, Freizeitverhalten, Essgewohnheiten und was sonst noch alles so interessant sein könnte um es später mal verwenden zu können.

Ich denke, so schnell würden wir solche komischen Typen nicht mehr einladen – und als Freunde würden wir sie sicher nicht bezeichnen. Mal sehen, wie die UN darauf reagiert, das ihre Mitarbeiter laut Zeit systematisch ausspioniert wurden:

Den Vereinten Nationen wird die US-Regierung allerhand erklären müssen. Angeblich hat Außenministerin Hillary Clinton eine Direktive abgezeichnet, die dreißig Botschaften in aller Welt anweist, Informationen über Mitarbeiter und Diplomaten der UN zu sammeln. Offenbar geht es um biometrische Daten, Passwörter, Kreditkarteninformationen.

Und vielleicht macht man sich auch mal Gedanken darüber, was unsere Freunde genau wann und wo mit diesen Informationen bewirken wollen …. und wieviel deutsche Politik inzwischen von Geheimdiensten und ihren Informaten gesteuert wird.

Das man in einem solchen Klima auf die Idee kommt, das „die“ „nine-eleven“ selbst gebaut haben, verwundert mich nicht. Der Grad an Hinterhältigkeit in dem politischen Gebaren gibt einem hinreichend Grund für eine solche Vermutung … dabei kratzen die Dokumente allesamt nur seicht an der Oberfläche.  Man will glaube ich gar nicht wissen, was in den „Top Secret“ – Dokumenten drinsteht – könnte einem die Verdauung durcheinanderbringen.

Hilfspakete als Schuldenmultiplikator

Nach Griechenland und Irland braucht nun also Portugal keine Hilfe. Da sind wir aber alle sehr beruhigt. Natürlich denkt auch Spanien nicht im Traum daran unter den Rettungsschirm zu flüchten und bei sämtlichen anderen Ländern des Euro Wirtschaftsraumes ist diese Idee so abwegig, das es schon fast an eine Verschwörungstheorie erinnert. Wusstet Ihr eigentlich das Italien eine höhere Bruttoverschuldung aufweist als Deutschland? Ich finde es schon erstaunlich, das die Italiener bei 1,8 Billionen Euro Staatsschulden so ruhig bleiben, immerhin müssen Die zur Zeit 4,5 Prozent Zinsen zahlen, zum Vergleich Deutschland bringt zur Zeit 2,7 Prozent, Irland  9,2 und Griechenland erstaunliche 11 Prozent.

Vielleicht habe ich ja das Prinzip des Rettungsschirms nicht verstanden und ich lasse mich gerne in der Richtung belehren, schließlich bin ich nur ein kleiner Handwerker und muß mir die große Finanzpolitik für meinen kleinen Kopf irgendwie begreiflich machen, außerdem finde ich Buchhaltung zum Kotzen, aber ich will Euch mal auseinander dröseln, wie ich das Ganze verstanden habe:

Der Rettungsschirm sorgt dafür, das die Länder deren Regierungen sich Ihre Pleite eingestehen für billigere Aufschläge Geld bekommen, allerdings sind es immer noch 5 Prozent. Das bedeutet also, das sich die Banken bei der Europäischen Zentralbank Geld für ein Prozent leihen, es an Deutschland für 2,7 Prozent weiter verleihen und wir es dann den Griechen oder Iren für 5 Prozent weiter verleihen. Diese geben es dann Zinslos an Ihre Banken weiter, Die es dafür nutzen Ihren Gläubigern deren Zinsen für Ihre Anlagen zu zahlen. Blöd ist nur, das dadurch keine Schulden abgebaut sondern verdoppelt werden, denn am Ende haben wir die Schulden z.B. der Iren nicht übernommen, sondern nur deren Bilanz verlängert, es wurde ja nichts zurück gezahlt sondern nur weiter gereicht. Außerdem wird so weder ein Land noch deren Banken gerettet, denn es ist ja schon ab zu sehen, wann die Banken wieder betteln kommen.

Damit ein Land Geld aus dem Rettungsschirm bekommt, muß Es einen Sanierungsplan vorlegen, der komischer Weise immer nach extremen Sozialabbau und Kürzungen bei den Ärmsten aussieht. So kann ich überhaupt nicht verstehen, das es in Irland zum Sparpaket gehört, den Mindestlohn um einen Euro pro Stunde zu senken und die Studiengebühren zu erhöhen. Das man die Unternehmenssteuern nicht erhöht kann ich irgendwo noch verstehen, denn was hätten ausländische Firmen sonst für eine Motivation ausgerechnet nach Irland zu gehen, aber auch von einer Kapitalertragssteuer, einer Bankenabgabe oder irgend was Anderem um Reichere zu belasten kann ich nichts finden. Das es nicht klappt, wenn man die kleinen Leute immer weiter enteignet, weil dann die Wirtschaft in sich zusammen fällt sehen wir gerade in Griechenland. Man gibt zwar weniger aus, aber dafür nimmt man auch viel weniger ein, also werden deren Schulden auch nicht weniger, sondern immer höher.

Nun dürfen wir schon lesen, das die 750 Milliarden des Rettungsschirms nicht reichen könnten und man darüber nach denkt auf 1,5 Billionen Euro zu verdoppeln. Für mich klingt das ganz logisch, denn schließlich ist schon Ende mit den 750 Milliarden, wenn ich nur die Schulden von Griechenland, Irland, Portugal und Spanien zusammen rechne und wer sagt eigentlich, das die Griechen oder die Iren nicht noch mal einen Nachschlag brauchen? Dazu kommen noch andere Länder, die zwar nicht in der Eurozone sind, aber über den IWF, in den wir ja schließlich auch einzahlen Hilfen beantragen könnten. Ungarn re-verstaatlicht gerade seine privaten Renten, ist also auch im Stress und Rumänien hat gerade beteuert nicht Pleite zu sein. Außerdem wird es wieder kalt und in den letzten beiden Wintern konnten wir uns die lustige Show um das russische Gas für die Ukraine ansehen.

Was mich auch wundert ist, das wir ja im Zuge der Predigten über den stabilen Euro und den Nutzen für Deutschland immer anhören durften, das wir einen Großteil unserer Waren in die Eurozone exportieren, aber keiner der Prediger einen gewissen Umkehrschluss zieht. Wer kauft eigentlich unseren Krempel, wenn es fast im gesamten Euroraum Sparpakete oder zumindest erstaunliche Neuverschuldungen gibt? Nicht nur wir machen schließlich trotz Brüderles Wirtschaftswunder fast 50 Milliarden Euro neue Schulden, die Franzosen haben es geschafft im ersten Halbjahr 102,4 Milliarden neue Schulden zu machen und Besserung ist nicht in Sicht.

Ich hoffe, das ich einen grundsätzlichen Fehler in meiner Analyse habe und sich die ganze Sache völlig anders verhält, denn sonst müsste ich von Sorge in echte Panik verfallen, da so ein Ende des Finanzsystems abzusehen ist und ich nicht wissen möchte was hier los ist, wenn ganz plötzlich fast alle größeren Staaten in Europa und ein Großteil der Industrie auf einen Schlag Pleite wären.

Irland und die Wirtschaftskrise: der Putsch der Krämerseelen und das Versagen der Medien

Wenn ich an Irland denke, dann muß ich zuerst an die Predigten denken, die uns jahrelang über die hervorragende Wirtschaftskraft des „keltischen Tigers“ gehalten wurden.  Sowas findet man heutzutage noch im „Irlandguide“:

Wirtschaftlich war die Republik Irland lange Zeit sehr rückständig, die Wirtschaft stagnierte, die Inflationsraten stiegen. Das hat sich aber mit dem EG-Beitritt 1973 und den damit verbundenen Förderprogrammen zunächst langsam geändert. Seit Mitte der Neunziger Jahre erlebt Irland nun einen regelrechten Wirtschaftsboom, so wurde etwa das Wirtschaftswachstum 2003 mit 4,8 Prozent veranschlagt, weit über EU-Durchschnitt. Dieser Aufschwung hat Irland auch den Namen „keltischer Tiger” eingebracht, in Anlehnung an die „Tigerstaaten” Südostasiens.

Momentan wird klar: aus dem keltischen Tiger wird ein verschuldeter Dackel. Liest man mal konkret, wie dieser Tiger seinen Aufschwung geschafft hat, kann einem schon übel werden, so schreibt diePresse:

Irlands Wirtschaftswunder sei eine Illusion gewesen, behauptet Peter Boone von der London School of Economics. Die Basis dafür seien der clevere Gebrauch einer Steueroasen-Gesetzgebung und ein enormer Kreditboom gewesen.

Die eindrucksvollen Wachstumsraten über die letzte Dekade seien teilweise auf die aggressiven Versuche zurückzuführen, großen US-Konzernen bei ihren steuerschonenden Abrechnungen zu helfen. Rund 20 Prozent des irischen BIPs sei auf solche Gewinn-Transfers zurückzuführen, die kaum Steuereinnahmen gebracht hätten. Würde man die irischen Zahlen diesem Faktum anpassen, sehe es für Irland noch fataler aus.

Irland ist schon jetzt das EU-Land mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Das hoch verschuldete Land droht seine Sparziele weiterhin zu verfehlen. Die Regierung werde ihre Haushaltspläne für die kommenden Jahre wohl bald an die holprige Entwicklung der Konjunktur anpassen müssen, sagte der irische Zentralbankchef Patrick Honohan kürzlich.

Auf den Finanzmärkten kursieren bereits Gerüchte, dass die Iren auf die Hilfe des Rettungsschirms der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgreifen müssen. Dublin und der IWF beeilten sich, die angebliche Notwendigkeit milliardenschwerer Hilfen mit Nachdruck zu dementieren.

Das Geheimnis des irischen Wirtschaftswunders? Sie haben sich der Korporatokratie als willige Prostituierte angedient und ihr beim Kampf gegen die sterbenden staatlichen Strukturen, bei dem laufenden Vernichtungsfeldzug gegen die Sozialstaaten, Gewerkschaften und parlamentarischen Demokratien und beim Raubzug auf die Steuerbillionen volle Unterstützung zugesagt.

Zuerst sollte man angesichts dieser Entwicklung vor allem eins anmerken: wieder einmal haben Politik und Experten auf breiter Front versagt, ebenso die Medien. Eine Aufklärung über den Seifenblasencharakter des irischen Tigers hätte ich mir von führenden deutschen Wirtschaftsmagazinen jeden Tag erwartet – und nicht erst dann, wenn der Tiger in den Brunnen gefallen ist und sich als Frosch erwies, als Kröte, die wir jetzt wieder zu schlucken haben.

Wozu lese ich eigentlich noch Zeitung, wozu konsumiere ich überhaupt noch Nachrichten, wenn ein so offensichtliches Scheinwirtschaftswunder jahrelang als vorbildlich für die ganze EU dargestellt wird? Kristallkugel und Tarotkarten scheinen mir da hilfreicher zu sein als die Lektüre von Handelsblatt, Financiell Times und Manager Magazin – erstere haben wenigstens die Chance auf einen Zufallstreffer.

Schaut man ins Detail, verblüfft wieder mal die kriminelle Energie, mit der früher mal scheinbar seriöse Geldinstitute in Irland agieren – hier ein irischer Ökonom im Manager-Magazin:

Davies führt an, dass ein gutes Fünftel der Direktinvestitionen im Finanzbereich angefallen sei, dem Zentrum der irischen Krise – und auch Ausgangspunkt für manche Probleme in den Finanzsystemen anderer Länder; so waren die Zweckgesellschaften und Tochterbanken, die deutsche Problembanken wie IKB, SachsenLB oder Hypo Real Estate in die Malaise brachten, steuergünstig in Dublin angesiedelt. Zudem sind diese Investitionen so schnell wieder verschwunden, wie sie kamen.

So schnell wie die Konzerne, die nur mal schnell zum Zwecke des Steuernsparens vorbeigeschaut haben, verschwinden laut FTD auch die „Werte“ des Landes:

Die Irland-Hilfen können den Kollaps des Immobilienmarkts auf der grünen Insel nicht eindämmen. Seit 2008 haben Immobilien zwischen 50 und 60 Prozent ihres Wertes verloren. Und die Preise fallen weiter.

Wer also ein Haus für 200000 Euro gekauft hat, muß feststellen, das es nur noch 100000 Euro Wert ist, seine Hypothek aber gleichbleibend hoch ist. Da hilft nur noch eins: Mieten erhöhen, Preise erhöhen, noch mehr Geld aus dem Markt pressen im verzweifelten Versuch, die Verluste auszugleichen. Und in der neuen virtuellen Welt der Geldadelshöfe  freut man sich über noch mehr virtuelle Zahlenhaufen, die in Sekundenschnelle ungebändigt um den Globus rasen und dabei immer mehr realen Schaden anrichten.

Die Gefahren des Turokapitalismus waren bekannt. Das er zum Krieg gegen die Zivilgesellschaft aufruft und diese bis in ihre Grundfesten erschüttern und zersetzen wird ebenfalls. Man braucht kein Wirtschaftsexperte zu sein um zu verstehen, welche Wirkung Konzerne haben, die immer mehr Geld (bzw. „Leistung“) aus Ländern saugen um es in Steuerparadiesen vor der Menschheit zu verstecken.  Das ist die geschichtliche Aufgabe, vor der wir wohl im Moment stehen: nachdem Staaten gelernt haben, das militärische Macht gebändigt und kontrolliert werden muß, weil sie sonst dazu tendiert, Regierungsmacht mit Gewalt an sich zu reißen, müssen Staaten jetzt lernen, das auch wirtschaftliche Macht gebändigt und kontrolliert werden muß.  Nach den Generälen ist es nun die Managerkaste, die Krämerseelenelite, die nach der Allmacht im Staate greift … und in Deutschland schon so weit gekommen ist, das man von einer Regierung der „Leistungsträger“-Netzwerke reden kann. Ein Witz eigentlich,  da diese „Leistungsträger“ eigentlich Leistungsvernichter sind.  Die enorme Wirtschaftsleistung unseres Landes resultiert in immer größeren Schulden – und die Unsummen finden sich nicht auf den Konten der Arbeitslosen, den Sparbüchern der Kinder oder unter den Betten der Minirentner wieder.

Der Geldkreislauf eines Landes ist immer ein geschlossenes System – sonst hat er keinen Wert. Und wenn ich Verteilungsmechanismen konstruiere, die auf der einen Seite immensen Reichtum anhäufen, dann hat das viele Nebenwirkungen – national wie international. Da bleibt nämlich weniger für irgendwen übrig, meistens für jene, die keine Verwandten im Verteilungsmechanismuskonstruktionsbüro haben. Wer also persönlich auf einem großen Geldhaufen sitzt, sollte sich immer im klaren sein, das die pure Größe dieses Haufens irgendwo auf der Welt einen Schatten von Leid, Hunger und Tod wirft.

Ich denke jedoch, das der Putsch der Wirtschaft zeigt, das sich die Krämerseelen längst weit jenseits jeglicher Menschlichkeit bewegen, wie ein aktueller Einblick im Spiegel in eins der gesellschaftlich konstruierten Geldverteilungsmechanismen zeigt:

Der Wall Street droht der größte Insider-Skandal ihrer Geschichte. Dutzende Firmen sollen sich illegal Spekulationsvorteile verschafft haben. Manche Branchenvertreter halten die Vorwürfe für überzogen – der Handel mit geheimen Informationen gehöre nun mal zum Geschäft.

Und was machen die Medien in diesem Tohuwabohu, in dem man sich als Durchschnittsbürger nur noch mühsam durchwursteln kann?

Ein Blick in die Presseschau des  Handelsblattes zeigt ihre Rolle im System deutlich.

Die Wirtschaftsagentur Reuters sieht Portugal als nächsten Anwärter auf EU-Hilfe, sollte nicht bald eine umfassende Lösung gefunden werden. Irlands Rettung dürfte zwar die Märkte etwas beruhigen, doch der Effekt werde nicht lange anhalten. Die Gründe für die Misere Irlands und Portugals seien zwar verschieden – während Irland sich an der Rettung der Banken übernommen habe, leide Portugal an mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und geringem Wachstum –, das Ergebnis sei jedoch gleich: „Eine Schuldenlast, die Märkte als kaum tragbar ansehen“.

Irland hat sich bei der Bankenrettung übernommen.

Die Börsen-Zeitung räumt in ihrem Kommentar mit falschen Behauptungen der Politiker von Angela Merkel bis Wolfgang Schäuble zu der Euro-Krise auf. Bei der Rettung Irlands und Griechenlands sei angeblich jedes Mal die Zukunft des Eurolands auf dem Spiel gestanden. Damit streuten Politiker Sand in die Augen von Europas Bürgern. Falsch sei etwa, dass es um die Stabilität des Euro gehe. „Fakt ist, dass es sich nicht um eine Krise der Währung, sondern der Staatsfinanzen handelt“, kommentiert die Zeitung. Falschbehauptung Nummer zwei sei, dass die Märkte durch Ausweitung der Risikoaufschläge die Refinanzierungsmöglichkeiten Irlands verschlechtert und die Hilfen so erzwungen hätten. „Fakt ist, dass für Irland aktuell keine Refinanzierungen anstehen“, so das Blatt. Irland sei der Rettungsschirm aufgedrängt worden. Als falsch habe sich ebenfalls die Behauptung erwiesen, alleine die Existenz eines 750 Milliarden Euro Rettungsfonds werde Märkte beruhigen. Die vierte Falschbehauptung sei, dass Irland vor allem wegen des angeschlagenen Bankensektors geholfen werden müsse. Tatsächlich habe die EZB den irischen Bankensektor längst gerettet.

Irland hat sich bei der Bankenrettung nicht übernommen.

In Zeiten, wo die Banken selber kaum wissen, was in ihren Geschäftsräumen vor sich geht (weshalb ja Bankenexperten unverzichtbar geworden sind, wie wir im Rahmen der Krise gelernt haben), hat der normale Bürger da – neben der Bewältigung des Alltagsterrors – noch ziemlich viel zu tun, sich in den Spannungsfeldern von These und Antithese zurechtzufinden….eine Aufgabe, bei der ihm die Medien eigentlich helfen sollten. Stattdessen vernebeln sie fleissig weiter.

Arbeitet Berlin den Banken zu oder will man den Euro kippen?

Auch wenn sich unsere großartige Regierung gerade in allen Zeitungen für Ihre vorausschauende und legendär hervorragende Krisen und Wirtschaftspolitik selber in den höchsten Tönen lobt und für diese Werbeaktion gleich mal fast 3 Millionen Euro Steuergelder zum Fenster heraus schmeißt finde ich ehrlich gesagt, das genau das Gegenteil der Fall ist. Nicht nur ist das Management im Ergebnis schlecht, sondern auch das Timing ist so fürchterlich, das ich schon fast einen Vorsatz vermute. Ich bin mir ziemlich sicher, das die Währungsunion und damit der Euro auf Dauer nicht zu halten sein wird, dafür sind für meinen Geschmack die Volkswirtschaften der Euroländer viel zu unterschiedlich, aber so wie unsere Bundesregierung und da speziell der Hosenanzug agiert scheint man überhaupt kein Interesse daran zu haben die wirklichen Probleme zu lösen, eher im Gegenteil.

Wie sich bestimmt noch alle erinnern, wurde von unserer geliebten Führerin bis ganz kurz vor Schluss behauptet, das Griechenland keine Hilfe braucht und keinerlei Zahlungen von der Eu geschweige denn von Deutschland zu erwarten wären. Natürlich war unsere Schmierenpresse, allen voran Springer mit Seiner „Pleite Griechen“ Kampagne voll auf Merkels Linie. Dieses Spielchen wurde so lange betrieben, bis die Griechen mit dem Rücken zur Wand standen, die Zinsaufschläge für diverse „kippligen“ Volkswirtschaften sämtliche Rekorde gerissen hatten und man das Rettungspaket für die Griechen und dazu gleich noch den extremen 750 Milliarden Euro Rettungsschirm gebastelt hatte. Hätte unsere verblödete Regierung einfach nur das Maul gehalten wäre die ganze Aktion wohl nicht mal halb so teuer geworden.

Genau das selbe Spielchen läuft zur Zeit mit Irland. Obwohl mittlerweile jeder weiß, das die Rettung 100 Milliarden Euro kosten wird und wir davon ausgehen können, das die Zahlungen mal wieder Alternativlos sind, kommen unsere Spitzenkräfte gerade jetzt mit dem glorreichen Vorschlag die Gläubiger zu beteiligen. Auf den ersten Blick ist das natürlich ein guter Vorschlag, schließlich werden mit der Zahlung nicht die Iren gerettet, sondern wieder mal die Banken bedient, aber ich kann mir einfach kein schlechteres Timing vorstellen. Hätte man den Vorschlag schon 2008 gemacht, wäre es wohl für Jeden einzusehen gewesen, aber da durften wir uns die Sprüche anhören, das wenn es brennt man die Feuerwehr rufen muß. Also wurde die HRE, die sich über die Depfa grandios in Irland verzockt hatte verstaatlicht, die Commerzbank tonnenweise mit Geld beworfen, für das die immer noch keine Zinsen bezahlt und die Deutsche Bank konnte weiterhin Ihre 25 Prozent Rendite halten.

Bei den Gründen für das taktische Fehlverhalten bin ich mir allerdings noch unschlüssig. Könnte es sein, das man sich in Berlin bei jeder neuen Krise denkt, die Gelegenheit ist günstig und vielleicht schaffen wir es dieses Mal den Euro als Ganzes über die Klinge springen zu lassen?

Da bei jeder komischen Aktion und dem blöden Gelaber aus Berlin die Zinsen sprunghaft ansteigen könnte ich mir auch vorstellen, das man den Banken zuliebe so merkwürdig agiert. Schließlich machen Die mehr Gewinn, je höher die Zinsen für die Staatsanleihen der „kippligen“ Länder sind und so kommt man vielleicht um das eine oder Andere zusätzliche Rettungspaket für die Deutschen Banken herum. Vielleicht erzählt der nette Josef der lieben Angela ja beim Kaffeetrinken, was Seinem Laden am meisten nutzen würde.

Die dritte Möglichkeit wäre, das man einfach zu blöde ist und nicht merkt, was man mit seinem dummen Gequatsche anrichtet, aber da ich die meisten Politiker zwar für korrupt und den Lobbys verpflichtet, aber nicht unbedingt für dumm halte, finde ich das doch eher unwahrscheinlich.

Triumph der Idiotenkultur – und das chinesische Jahrhundert

„Triumph der Idiotenkultur“ so äußerte sich der amerikanische Journalist Carl Bernstein in einem Stern-Interview:

Wir haben ein ganz anderes Problem: Die wachsende Sensationsgier der US-Medien führt dazu, dass es fast keine angemessene Berichterstattung mehr gibt. Statt ihr Publikum über die Lage im Irak und andere wirklich wichtige Dinge zu informieren, kümmern sich unsere Medien lieber um Klatsch und Tratsch. Ich habe diese Entwicklung einmal als „Triumph der Idiotenkultur“ bezeichnet.

Nun wäre es schön, wenn man sich da entspannt zurücklehnen könnte, weil man ja nicht in den USA wohnt, sondern in dem seriösen Deutschland … wo ein Spiegelredakteur schon mal das ganz Blatt zum Kampf gegen Windkraft mobilisiert hatte, weil die Windkraftanlagen seine eigene Pferdezucht bedroht hätten – so jedenfall Harald Schuhmann, zu finden in einer Sammlung zum Informationsdiktat in deutschen Medienredaktionen bei unserem Blogfreund Grilleau.

Wir können nur dankbar sein, das die Wirtschaft bei uns noch so breit gestreut ist, das der Mittelstand sich nicht ständig eigene Unternehmensberater leisten kann und noch auf unmanipulierte Nachrichten angewiesen ist – man muß halt informiert sein, um Anlagechancen für sein Geld richtig einschätzen zu können.  So findet man die ersten Hinweise auf ein Ende Europas nicht in den führenden deutschen Zeitungen, sondern im Manager Magazin:

Mit deutlichen Worten kritisierte Schulz die derzeitige Situation auf den Rohstoffmärkten. „Die Minenriesen diktieren uns die Preise, die Chinesen kaufen den Weltmarkt leer, und auf den Rohstoffmärkten tummeln sich die Spekulanten – der Begriff bedrohlich ist mir für dieses Szenario noch zu harmlos.“

Dringend mahnt Schulz eine gesamteuropäische Rohstoffstrategie an. Die EU habe es versäumt, dem Rohstoffimperialismus der Chinesen (Schulz: „Das ist für uns eine Katastrophe“) etwas entgegenzusetzen und zum Beispiel rechtzeitig politische Beziehungen zu Afrika aufzubauen: „Wir überlassen den Chinesen einfach das Terrain“, so Schulz.

Seit vielen Jahren ist diese Entwicklung zu beobachten. Wir pumpen Geld in China hinein und die – kaufen dafür Ackerland und vor allem Rohstoffe, während wir uns damit vergnügen, virtuelles Geld in den Himmel wachsen zu lassen. Erinnert so ein wenig an einen Bauern, der sich über seine Gewinne bei „Monopoly“ fürchterlich freut, während die Kühe der Nachbarn gerade seine Felder leerfressen.

Unsere ach so tollen Wirtschaft gehen die Rohstoffe aus – und auf einmal bekommt man ein Gespür dafür, wie arm man gegenüber einem Land aussieht, das konsequente Geopolitik betreibt.  Man merkt, das die Idiotenkultur der chinesischen Kultur deutlich unterlegen ist – aber die haben ja schon Imperien gegründet, als wir noch in Höhlen wohnten. Nun scheint es, das die auch Imperien gründen werden, wenn wir wieder in Höhlen wohnen.

Auf einmal merkt man, warum es der Regierung so wichtig ist, aus der Bundeswehr eine weltweite Einsatztruppe zum Rohstoffklau zu machen – bei uns gehen schlichtweg die Öfen aus, wenn wir das nicht machen.

Es wäre Zeit, sich mal ernsthaft Gedanken über die Rettung unserer Kultur zu machen – Coka Cola, MacDonalds und Disney, die Säulen unserer deutschen Kultur – sind ernsthaft in Gefahr. Da wird auch ein gesetzlich garantierter Schutz, wie ihn die SPD wollte, nicht ausreichen. Die kinder“freundliche“ Politik der Regierungen der letzten Jahrzehnte zeitigt immer neue Erfolge, wie die die Zeit berichtet:

Die Zahl der Geburten in Deutschland ist demnach auf ein Rekordtief gesunken. 2009 kamen rund 665.000 Kinder zur Welt, etwa 17.000 weniger als im Vorjahr und nicht einmal halb so viele wie 1964. In Deutschland leben derzeit gut 82 Millionen Menschen – 1964 waren es um die 75 Millionen.

Für Leute, die ohne Taschenrechner bis drei zählen können, eine klare Rechnung: ein aussterbendes Volk feiert sich in sein Ende. Ein weiterer Triumph der Idiotenkultur.

ABER: wenigstens sind alle beschäftigt, wenn auch nur noch für einen Euro, da bleibt auch gar keine Zeit für Nachwuchs. Maschinenkultur frißt Bevölkerung, (Idioten)Kultur geht unter – wie man es von einer Kultur von Idioten auch erwarten würde.

Schon 2006 erschien ein Artikel in der FAZ, in dem die nüchterne Machtpolitik Chinas auf der Basis einer Fernsehserie zum Aufstieg der großen Mächte reflektiert wurde:

Im November 2003 hatte eine Studiensitzung des Politbüros stattgefunden, die ebendieses Thema hatte: Welche Faktoren führten zum „Aufstieg und Fall der großen Mächte“?

Die Perspektive der Serie unterscheidet sich von der hergebrachten marxistisch-nationalistischen Geschichtsphilosophie erheblich.

Die meisten der neun behandelten Länder Portugal, Spanien, Holland, Frankreich, Japan, England, Deutschland, Rußland und Amerika haben China irgendwann einmal übel mitgespielt. Doch dieser Umstand wird kaum erwähnt. Auch der Klassenkampf kommt nicht mehr vor. Statt dessen richtet sich der ausgekühlte Blick auf das Geflecht von ökonomischen, technischen, politischen und militärischen Faktoren, in dem auch Kennedy ein Erklärungsmuster für das wechselnde Schicksal der Mächte sucht. Die Perspektive ist nicht mehr die des Proletariats oder eines kolonialisierten Landes, nicht das Ressentiment einer geknechteten Klasse oder Kultur, sondern die einer Macht, diesine ira et studio den Bauplan der Geschichte entschlüsseln will, bevor sie in selbige wiedereintritt. „Vom Westen lernen“ bedeutet anders als bei den früheren, den Westen rückhaltlos bewundernden Reformern, auch aus dessen Fehlern klug zu werden.

Ein Freundin von mit berichtet in den achtziger Jahren von einem Studienaufenthalt aus China über chinesische Schulbücher, in denen unsere Kultur als nicht sonderlich erstrebenswert angesehen wurde – Umweltverschmutzung, Industrieballungen, Lärmterror … man sah uns nicht so freundlich, wie wir gedacht hatten. An diese Erzählung muß ich denken, wenn ich Nachrichten von China höre, denn die Menschen, die diese Bilder in der Schule aufgenommen haben, kommen jetzt in Machtpositionen.  Der Wiedereintritt Chinas auf die Bühne der Weltpolitik erfolgt gezielt – und nicht mehr als Land, das sich als Erfüllungsgehilfe der marxistischen Weltrevolution versteht – auch ein Triumph der Idiotenkultur.

Währenddessen erlaubt sich der glorreiche Westen noch einen Folterskandal in Griechenland, einen eventuell desaströsen Euro und – gerade in Deutschland – einen konsequenten Kampf gegen die Arbeitslosen und ihre Kinder anstelle eines Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit.

Das man sich angesichts dieser Informationslage wundert, das ein gestandenes SPD-Mitglied und langjähriger Bürgermeister mit der NPD sympathisiert, sollte eigentlich nicht wundern, sondern Angst machen. Aber anstatt das man sich mit den Argumenten auseinandersetzt, mokiert man sich über die Person, wie hier im Spiegel:

„Für eine Überraschung war Hans Püschel immer gut“, sagt sein Kreischef Erben. Zuletzt sah er sich „entmachtet“, weil durch die Gemeindegebietsreform Krauschwitz in der nächstgrößeren Kommune aufgeht. Püschel polterte: „Das widerspricht für mich jedem Demokratieverständnis.“ Ist der Sozialdemokrat also, wie manche Genossen vermuten, vielleicht nur sauer auf die etablierte Politik, weil sie ihm das Bürgermeisteramt nimmt?

Hören wie den NPD-Sympathiesanten selbst:

„Ich denke, wenn die (nur noch formale) Demokratie die existenziellen Probleme der Menschen und des Landes nicht löst, dann müssen es ja diejenigen versuchen, die eine vielleicht etwas andere Demokratie bzw. Volksherrschaft installieren wollen.“

„In jedem Sachgebiet, mit dem ich mich befassen muss, merke ich, dass wohl das Volk am wenigsten regiert – schon eher die großen und Finanz- und Wirtschaftsgruppen.“

Damit hat er keine andere Meinung als viele seiner politikverdrossenen Mitmenschen. Aber das zu ignorieren gehört ja auch zur Idiotenkultur, die mehr an dem Kachelmannprozess als an der Rohstofffrage interessiert ist. Was der Kachelmann tut ist ja auch so viel wichtiger als die Frage, woher wir und unsere Kinder in Zukunft Erze, seltene Erden oder einfach nur Weizen herbekommen.

Aber der NPD zu unterstellen, sie wolle „eine etwas andere Demokratie“, ist schon so als würde man behaupten, das im KZ Ausschwitz eine etwas andere Form von Sozialarbeit praktiziert wird.  Auch hier: Triumph der Idiotenkultur.  Vielleicht das treffende Schlußwort, das in Zukunft in chinesischen Geschichtsbüchern den Zusammenbruch der westlichen Räuberkultur beschreibt, die es nicht geschafft hat, eine große Kultur aufzubauen.


Stirbt Europa … aus? Kinderfeindlichkeit, Aufschwunglügen, Maschinenkultur und Länderpleiten

Im Zuge unseres unglaublichen Aufschwungs kam es zu einem nie dagewesenen Fachkräftemangel … jedenfalls konnte man gerade diesen Eindruck bekommen, wenn man dem Getöse der Wirtschaft glaubte. Der Fachkräftemangel jedoch war eine dreiste Lüge, wie der Spiegel heute berichtet.

Die deutsche Industrie klagt seit Jahren über den Mangel an Fachkräften und vermeintlich fatale Folgen für die Wirtschaft. Forscher haben sich die populäre These genauer angeguckt – und sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: Sie ist falsch.

Man sollte davon ausgehen, das unsere Experten und Fachleute in der Regierung über diese Lüge unterrichtet waren. Immerhin sind es Experten und Fachleute, die wegen ihres immensen Wissens sehr gut bezahlt werden – und zwar vom Steuerzahler. Da wird man doch wohl mal Ansprüche an die Arbeitsleistung stellen und sich so seine Gedanken machen dürfen, warum diese nicht erbracht wurde. Entweder – wußte man wirklich von nichts, weil die Anzahl der Sektfrühstücke in dem signifikanten Zeitraum zwecks Dauerfeier der Konjunkturdaten normale Arbeit unmöglich machte …. oder man wollte davon nichts wissen.

Pro Jahr werden nach der Schätzung des Experten allenfalls rund 9000 Jobs im Maschinenbau frei, weil ältere Arbeitnehmer in den Ruhestand gingen. Demgegenüber machten allein im Wintersemester 2009/2010 mehr als 23.000 Studenten erfolgreich ihr Examen.

Kein Fachkräftemangel – was ältere oder kranke ARGE-Kunden auch hätten bestätigen können, die nun für einen Euro die Stunde China Konkurrenz machen.

Warum also diese Offensive für Einwanderung? Zumal wir uns ja gleichzeitig auch gerne darüber beschweren, das die Eingewanderten plötzlich und überraschend einen Migrationshintergrund haben?

Der Bürger bleibt verzweifelt auf der Strecke auf der Suche nach Logik, was allerdings in erster Linie daran liegt, das man ihm mit Beruhigungsfunk eine Rosa Welt gebaut hat, in der ewiger Friede und Wohlstand und bald – dank Fortschritt – auf ewiges Leben auf ihn wartet. Alle Paradiesverheißungen der katholischen Kirche erfüllt: Ihre Maschinenkultur.

Andere Leute sehen das anders. Schauen nüchterner, skrupelloser über den Tellerrand hinweg und sehen eine sterbende Kultur, die wie alle sterbenden Kulturen von anderen Kulturen übernommen wird. Die Natur mag keinen leeren Raum.

Mit dieser Sichtweise wird der Wunsch nach kontrollierter Zuwanderung schon verständlicher, denn die Fakten zeigen nur eins: das Land stirbt, hier laut Welt:

Heute bleibt jede dritte Frau in Deutschland kinderlos. Die Geburtenrate sinkt, die Wohnbevölkerung geht bis 2050 um 16 Millionen Einwohner zurück, ein Ende dieses Schrumpfungsprozesses ist auch danach nicht in Sicht. Schon in 30 Jahren lösen die Deutschen die Japaner als ältestes Volk der Welt ab. Immer weniger Kinder bekommen später wiederum immer weniger Kinder. Deutschland steckt in einer Art demographischer Falle.

Laut Tagesspiegel sieht es im übrigen Europa nicht besser aus:

In allen europäischen Ländern sind die Geburtenraten zu niedrig, um die gegenwärtige Bevölkerungszahl zu halten. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Analyse des Max- Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock.

Über Kinderfeindlichkeit habe ich schon mal geschrieben – da liegen wir laut UN an der Spitze, wie auch beim Anstieg der Kinderarmut. Wie unlängst berichtet, ist es ja bei uns mitlerweile Gesetz, das behinderte Kinder die Sonderernährung brauchen sehen müssen, wo sie bleiben. Essen bekommt nur noch der, der arbeiten kann und da die Sozialromantiker Kinderarbeit unbedingt verbieten mußten müssen die Kinder jetzt selbst zusehen, wo sie bleiben.

Ein deutliches Signal an Eltern: setze Dich bloß nicht diesem Risiko aus! Unsere ach so tolle Maschinenkultur hat als Nebenwirkung das Aussterben des Wirtskörpers zur Folge – so sehen das vielleicht Historiker der Zukunft.

Wer aber nun denkt: ja gut, die Maschinen haben die soziale Kultur zerstört, den dörflichen Zusammenhalt vernichtet, das kommunikative Miteinander reduziert, die Landschaft verschandelt, die Natur vernichtet – aber sie haben uns Gesundheit und Wohlstand gebracht! – der scheint auch zu irren.

Nie zuvor gab es so viele Gifte in der Umwelt wie momentan. Und die Zeiten, wo wir um unser Leben fürchten mußten, wenn wir das Haus verließen, sollten wir eigentlich schon längst hinter uns gelassen haben – wer jedoch vergißt, Aufmerksam zu sein wie der Bauer im mittelalterlichen Wald endet wie mein Nachbar mit 35 unter einem Lkw.

So wie wir durchs Leben hetzen müssen (falls wir nicht reich oder Rentner sind), haben sich früher Menschen nur auf der Flucht vor der Goldenen Horde bewegt, da kommt schon mal einer (oder einige Tausend) unter die Räder.

Frieden, Ruhe und Geborgenheit – ist anders.

Und Wohlstand?

Den gab es wohl nur auf Pump … und so langsam wir die Rechnung unbezahlbar – mit unangenehmen Konsequenzen für den Euro-Raum, hier laut Standard:

Das machte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, an deren Regierung die gesamte Europolitik entscheidend hängt, in Karlsruhe mehr als deutlich.

Beim CDU-Parteitag warnte sie eindringlich vor einem Scheitern des Euro: „Es geht um alles: Denn scheitert der Euro, dann scheitert Europa“, sagte Merkel.

Und scheitert Europa …  werden wir sehr schwach gegenüber anderen Kulturen. Das sind wir aber jetzt schon. Unser ehemals „großer Bruder“ USA nimmt nicht sonderlich viel Rücksicht auf unsere Befindlichkeiten, Europa ist allenfalls noch als Söldnerlieferant interessant, ansonsten … freut man sich insgeheim auf die Pleiten der Euroländer, denn in der Auseinandersetzung mit dem Giganten China, mit den Schellenländern Brasilien und Indien sowie mit der islamischen Welt steht die Weltmacht Nr. 1 ziemlich arm dar – nicht nur, weil sie selber pleite ist.

Da wäre es doch schön, wenn man Europa einfach mit frisch gedruckten Dollars dazukaufen kann … und genau das wird laut dem Ökonomen Daniel Gros in der Zeit erwartet:

Der IWF hat zuletzt eine Kapitalerhöhung abgeschlossen und ist finanziell gut aufgestellt. Ich halte es für wahrscheinlich, dass der Währungsfonds an einem größeren Engagement in Europa interessiert ist – allein schon deshalb, um mehr Einfluss auf die Politik nehmen zu können.

Bislang hörte man solche Worte immer aus der Richtung der vielgescholtenen „Verschwörungstheoretiker“: das man mit Dollars Einfluß auf europäische Politik nehmen kann, ist doch unter uns demokratischen Brüdern undenkbar und paßt nicht in die rosa Welt, die uns die Medien darstellen  – ebensowenig wie der Fachkräfteüberfluss, der auf eine nicht ganz so prickelnde Wirtschaftslage hindeutet.

Aber so langsam läßt sich die Wirklichkeit nicht mehr aussperren – und die ist ziemlich brutal und teuer. Und somit wissen wir, wofür wir die Rente mit 67 (Tendenz steigend) bekommen: damit der IWF nicht offiziell unsere Innenpolitik befehlen kann.

Und so schön die Vorstellung von einem europäischen Wirtschaftsraum (der insgesamt größer ist als die größte Volkswirtschaft der Welt) auch ist – aussterbende Völker mußten schon immer weichen … auf die eine oder andere Art.

Da hilft auch nicht die neue Forderung, nachdem auch die Gläubiger sich an den Länderpleiten beteiligen sollen, denn laut NZZ zahlt das hauptsächlich auch … der Steuerzahler, nicht nur für Griechenland, sondern auch für Portugal, Irland, Spanien … und er da sonst noch Bedarf hat:

Wenn die Schuldenlast peripherer Euro-Länder von ihren stratosphärischen Höhen heruntergebracht werden soll, bestehe keine Alternative zur einer umfassenden Restrukturierung einschliesslich eines signifikanten Schuldenerlasses, der alle Anleihen und ihre Besitzer umfasse.

Dies heisst, muss man hinzufügen, dass neben Banken und anderen privaten Anlegern auch die Europäische Zentralbank, die in letzter Zeit als einzige Käuferin irischer Staatsanleihen aufgetreten war, Verluste erleiden wird.

Vielleicht sollte man sich langsam mit der Vorstellung anfreunden, das nicht alle gesellschaftlich relevanten Kräfte in den USA glücklich darüber sind, das wir uns eine goldene Nase an Geschäften mit China verdienen, während die USA immer weiter beiseite gedrängt wird.

Und erst recht sollten wir uns darüber Gedanken machen, das wir es uns überhaupt nicht erlauben können, Millionen von Bürgern sinnlos im künstlich geschaffenem Hartz-Ghetto verfaulen zu lassen.

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