Investment

This tag is associated with 1 posts

Die Eifel, die Börse, die europäische Existenzkrise und die Wiedereinführung der sanften Todesstrafe in England

Wir Eifelbürger sind ja Armut, Kummer und Sorgen gewöhnt.  Aktuell werden unsere Eifelgemeinden mit Landesgeldern versorgt - allerdings ist der Eifelmensch dem Politiker weniger wichtig als der Städter. Unsere Zuteilungen bemessen sich nach dem Faktor 1,0 während Aachen bei Faktor 1,3 und Köln bei 1,54 liegt, das heißt, ein Kölner Bürger ist dem Staat deutlich messbar wichtiger als ein Landei - 54% wichtiger. Dafür, das wir so arm sind, gibt es einen Grund: unsere Talsperren versorgen die umliegenden Städte mit preisgünstigem und hochwertigem Trinkwasser, weshalb unsere Wassergebühren extrem hoch sind - so hoch, das sich sogar in der Eifel Widerstand regte:

Wir Eifelbürger sind ja Armut, Kummer und Sorgen gewöhnt.  Aktuell werden unsere Eifelgemeinden mit Landesgeldern versorgt – allerdings ist der Eifelmensch dem Politiker weniger wichtig als der Städter. Unsere Zuteilungen bemessen sich nach dem Faktor 1,0 während Aachen bei Faktor 1,3 und Köln bei 1,54 liegt, das heißt, ein Kölner Bürger ist dem Staat deutlich messbar wichtiger als ein Landei – 54% wichtiger. Dafür, das wir so arm sind, gibt es einen Grund: unsere Talsperren versorgen die umliegenden Städte mit preisgünstigem und hochwertigem Trinkwasser, weshalb unsere Wassergebühren extrem hoch sind – so hoch, das sich sogar in der Eifel Widerstand regte:

Ein erheblicher Anteil unseres außergewöhnlich hohen Gebührensatzes liegt ja darin
begründet, dass das aus unseren Eifeler Talsperren auch in Ballungsgebiete gelieferte
Trinkwasser einen herausragenden Qualitätsmaßstab erfüllen muss.
Die hierfür aufzuwendenden Investitionen schlagen sich jedoch mit einem hohen Anteil in 
den Abwassergebühren der Eifel nieder.

Wir armen Landmenschen zahlen den reichen Städtern das Luxustrinkwasser. Das war ungerecht, weshalb die Landesregierung einen Zuschuss zahlte – doch damit ist jetzt Schluß:

Die Landesregierung in NRW beabsichtigt, die Abwassergebührenhilfe für besonders stark
betroffene Städte und Gemeinden wieder schrittweise zurückzunehmen und zwar von
rd. 6,0 Mio. € im Jahre 2010 auf zunächst ca. 4,2 Mio. € im Jahre 2011 und dann weiter auf
rd. 1,8 Mio. € im Jahre 2012.

Das ist für uns viel Geld – aber wir werden zahlen müssen, weil wir wenige sind. Die Gemeinde ist hochverschuldet – zwischen 1998 und 2009 mußten aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben das gesamte Gemeindegebiet kanalisiert werden, Ausgaben von 39,3 Millionen Euro waren zu bewältigen. Das waren unsere guten Jahre, in denen wir in „Saus und Braus“ gelebt haben. Reich geworden ist vor Ort dadurch keiner, aber einige Bauunternehmer haben sich da eine goldene Nase verdient -ob es da Zusammenhänge gibt mit der Vergabe von Vorstandsposten an Politikern kann ich nicht sagen.

Zunehmend drängen nun die reichen Städter in unsere Dörfer und suchen dort Raum für ihre Architekturphantasien, beliebt ist momentan das Landhaus in einem grellen Blau – damit es auch ja auffällt. „Schaut, hier wohnt der Mann, der es geschafft hat, der dank eurer Hilfe, eurem Geld, eurer Bescheidenheit nun eure Aussicht verschandeln kann“!

Hier bekommen jetzt unsere armen Witwen Panik. Ihre Männer haben vierzig Jahre lang geschuftet, um ein kleines Haus mit großem Selbstversorgergarten anzulegen, doch nun bekommen sie die Quittung: im Rahmen der „Anliegerbeitragspflicht“ kommen da schnell viele tausend Euro Kosten im Rahmen der Kanalsanierungen auf die Oma zu, weshalb wir neben den Egotempeln der Neureichen auch viele leerstehende kleine alte Häuschen hier haben mit einem Pappschild im Fenster auf dem „zu verkaufen“ steht.

Solche Ungerechtigkeiten machen sauer. Das die Jugend vor Ort „keinen Bock mehr hat“ wird mir verständlich, erst recht, wenn die gymnasialen Zöglinge verächtlich auf die „Bauernkinder“ herabblicken.

Es ist eine Momentaufnahme der Ungerechtigkeiten vor Ort. Man merkt selbst hier, im konservativen, katholischen Land das der Zorn brodelt. Gerne würde mancher wohl den Kölnern mal den preisgünstigen Wasserhahn zudrehen, damit die Bauern sich die Anzeigen von Anlageberatern ersparen, weil ihre Traktoren die Gemeindestraße verschmutzen. Sollen die  Nörgler doch in Köln bleiben. Hier wird noch gearbeitet, da ist es auch mal schmutzig. Man erntet jedoch wenig Verständnis für solche Sprüche, denn der Schmutz der Kühe macht sich nicht gut auf dem frisch gewachsten Nobelmobil, mit dem man dann in der Stadt angeben möchte. Mit Kuhkacke am Lack bekommt das Wort „Kotflügel“ einen ganz anderen Glanz.

Die Abschaffung der Pendlerpauschale wäre ein Segen gewesen, nebenbei bemerkt. Hier wird Raubbau am Land und der Landschaft subventioniert.

Wir müssen vor Ort mit solchen Zuständen leben. Als jemand, der auch einst die Stadt floh um natürlicher leben zu können, merke ich zunehmend, das die Städter uns hier das Leben verteuern: die Mieten liegen deutlich über dem Niveau des Ruhrgebietes. Die Kanalgebühren fordern halt von allen ihren Preis.

Wir haben diese Preise gerne gezahlt, um in der Natur leben zu können, haben zugesehen, wir zunehmend Äcker von Pferdewiesen für Luxusmenschen verdrängt wurden, wie Großkonzerne die regionale Versorgungsstruktur zerstört  haben und wie sich die Armut bei den Witwen ausbreitete.

Wir wußten immer, das das nicht gut gehen kann.  Kein Volk der Welt kann dadurch überleben, das sich ihre Bürger dauernd gegenseitig mit Geldanlagen und Versicherungen übers Ohr hauen, noch bringt es irgendwelche erkennbare Rendite, auf Pump die Landschaft zu verbauen, auch wenn viele „Elite-Netzwerke“ daran gut verdienen.

Dabei sei die Schuldenkrise im Euro-Raum gefährlicher als die „mittel- und langfristigen“ Probleme der USA, die zur Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard and Poor’s geführt hätten.

So schreibt das Handelsblatt heute. In einem Bericht der Untersuchungskommission zur letzten großen Krise vor drei Jahren heißt es:

„Diese Krise auf menschliche Schwächen wie Gier und Hochmut zu schieben wäre zu einfach“, meint die Untersuchungskommission.

„Nicht Mutter Natur oder Computermodelle sind durchgeknallt – die Krise war das Ergebnis menschlicher Entscheidungen und Tatenlosigkeit.“

„Die wichtigsten Firmen und Investoren vertrauten den Ratingagenturen blind. Ihr Versagen war das Zahnrad im Getriebe der finanziellen Vernichtung. Was anderes hätte man auf einer Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und Leitplanken erwarten können?“

„Verantwortlich sind vor allem die Politiker, die unser Finanzsystem schützen sollten, die Aufseher, die für unsere Schutzsysteme verwalteten und die Vorstände – ihr Versagen hat uns diese Krise eingebrockt“, urteilt die Kommission.

Ihre Kritik ist deutlich: „Der Ton an der Spitze macht den Unterschied – und in diesem Fall hat niemand ‚Nein‘ gesagt.“

„Erreicht wurde das durch die Rating-Agenturen mit einiger Alchemie und fahrlässig unrealistischen Korrelationsannahmen. Sie haben Investoren überzeugt, dass 80 Prozent einer Mischung von toxischen Subprime-Krediten so sicher sind wie US-Staatsanleihen.“

Das ist die Welt, in der die Menschen zu Hause sind, die in der Eifel nun ihre Egotempel hinbauen – mit Teich und Pool, versteht sich. Ihre SUV´s brauchen zwei Parkplätze … ich schätze mal, die Gemeinde wird bald per Gesetz dazu verpflichtet, größere Parkplätze zu bauen. Danach kommt dann auch zu uns der Notstandsverwalter, der Bürgermeister und Stadtrat entlässt, weil wir mit Geld nicht umgehen können.

Frankreich kündigt aktuell härtere Sparmaßnahmen an- ich schätze mal, den Dörfern dort wird es nicht besser gehen. Die gleichen Ratingagenturen, die die Finanzkrise überhaupt erst möglich gemacht haben, drängen nun die Staaten dazu, uns die Zuschüsse zu streichen, damit wir die Verluste ihrer Kunden ausgleichen und in Supergewinne verwandeln. Wer zu langsam in die Staatskasse greift, wird abgestraft, siehe „Welt„:

„Es war das deutsche Zögern, das die Griechenland-Krise verstärkte und zu der Ansteckung führte, die sie in eine Existenzkrise für Europa verwandelte“, kritisierte der Investor.

Die Börsenwelt blickt finster auf die Staaten, die Gemeinden unterstützen, deren Bürger die Wassergebühren für die reichen Städter nicht mehr bezahlen können. Dafür haben sich die Bürger aus der Börsenwelt weitgehend verabschiedet, siehe Manager Magazin:

Ein Korrektiv wie eine breite Schicht Privatanleger, die einer Aktie auch langfristig die Treue halten, fehlt. Denn sie haben sich von der Börse verabschiedet. Allein im zweiten Halbjahr 2010 kehrten eine halbe Million von ihnen der Börse den Rücken, verzeichnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI).

Ihre Superverluste werden halt nicht durch die Regierung aufgefangen – und ohne Politiker mit der Spendierhose macht Börse einfach keinen Spaß mehr.

Die Forderung des englischen Ministerpräsidenten bekommen so einen besonderen Sinn, siehe Welt:

Der britische Premierminister David Cameron hat seine Unterstützung für die Forderung geäußert, Randalierern staatliche Hilfen zu entziehen. Wer „seine eigene Gemeinde ausraube und ausplündere“ solle nicht länger das Recht haben, in Sozialwohnungen zu leben, sagte Cameron am Freitag dem Fernsehsender BBC.

Wer seine eigene Gemeinde, seine Mitbürger, sein Land und sogar die Staatskasse ausplündert, soll selbstverständlich nicht in einer Sozialwohnung leben: er bekommt eine Luxusvilla in der Eifel – wir verstehen den Mann, wir erleben das Tag für Tag.

Am Freitag teilte die Stadtverwaltung des Londoner Bezirks Wandsworth mit, sie habe dem Mieter einer ihrer Sozialwohnungen einen Räumungsbescheid zugestellt, nachdem dessen Sohn wegen der Teilnahme an den Unruhen am Montagabend angeklagt worden war. Sie habe einen Richter gebeten, den Bescheid zu bestätigten.

Das nennt man Sippenhaft – und angesichts des nahenden Winters die Wiedereinführung der … sanften … Todesstrafe. Sippenhaft ist verboten – hier werden Unschuldige aufgrund von Verwandtschaftsverhältnissen kriminalisiert – und sanft hingerichtet. Das ist die Ethik der Ratingagenturen und Anlageberater, irgendwo braucht man halt Leichen, um Druck zu erzeugen, anders geht es nicht. Ein paar verweste Rentner im Pflegeheim und schon laufen die privaten Rentenversicherungen wie verrückt.

Doch es kommt noch besser, wie die Welt beschreibt:

Schon jetzt schält sich heraus, dass die Täter keineswegs nur aus den unteren sozialen Schichten und anderen Gettos der Benachteiligung stammen. Auch Angehörige bürgerlicher Familien, teilweise gut situiert, finden sich unter den Angeklagten. Das macht Kommentatoren stutzig, die bei der Suche nach Gründen für die Gewaltausbrüche bisher den Hauptakzent auf verarmte Gruppen am Rande der Gesellschaft legten, wo die Konsumgesellschaft bestenfalls als Abglanz einer nie erfüllten Hoffnung herein scheint und dunkle Gelüste auf rasche Bereicherung weckt.

„Dunkle Gelüste auf rasche Bereicherung“ treiben doch eher die Ratingagenturen an – und die Banker. Darum ist es doch kein Wunder, das ihre Kinder an vorderster Front mitmischen – es geht hier immerhin um Ethik, und die wird immer seltener, je mehr Geld auf dem Konto liegt. Geld ist des Teufels … das wußte jedenfalls noch Jesus Christus, Sohn Gottes (nach Überzeugung vieler meiner Nachbarn) und Frontmann der ganzen deutschen Religionsszene.

Arme Leute stehlen seltener … sie wissen halt genau, wie unangenehm das ist, wenn andere einem was wegnehmen.

Wenn ich also demnächst wieder die Wasserrechnung bekomme, werde ich an die Ratingagenturen denken. Und wenn im Winter Botschaften von einem starken Anstieg erfrorener Obdachloser in England die Eifel erreichen, werde ich überlegen, ob ich der Gemeinde vorschlage, die Wasserlieferungen nach Aachen und Köln zu stoppen. Wasser soll ja bald kostbarer als Öl werden … wir sollten uns rechtzeitig unseres Reichtums bewußt werden, bevor wir hier im Rahmen der Rechtsangleichung in der EU englische Verhältnisse bekommen.

Vielleicht stifte ich dann auch die Dorfjugend an, den Neureichen Kuhkacke vor die Mahagonihaustür zu kippen, direkt auf die Fliesen aus italienischem Marmor – nicht als Beleidigung, als Geschenk, sozusagen. Ist ja hervorragender Dünger – und im Prinzip viel wertvoller als Optionsscheine auf Orangensaftkonzentrat.

 

Die letzten 100 Artikel