Internet

This tag is associated with 19 posts

Facebook und der Erziehungsauftrag der Medien

Digital StillCamera

Mittwoch. 30.3.2016. Eifel. Ich habe in meinem Leben schon sonderbare Erfahrungen gemacht, eine davon fand in den letzten Tagen statt – ein Fall, über den ich demnächst mal schreiben werde. Der Hintergrund ist einfach: staatlich finanzierte Berater äußersten sich sehr bedenklich über Facebook, über: „die Öffentlichkeit“. Ja, ich weiß: Facebook, Amazon, E-Bay – alles Konzerne, die ich für die größten, nichtmenschlichen Feinde der Menschheit halte. Nicht nur ich allein, habe ja schon oft darüber geschrieben. Kommen die Konzerne aus den USA – dem Mutterland aller Konzerne – wird es noch kritischer: dort nahm die Pest ihren Anfang, als oberste Gerichte entschieden, dass ein Konzern eine Person sei und ihn mit gleichen Rechten wie natürliche Personen ausstattete. Was die Richter damals nicht wissen konnten: diese „Personen“ sind inzwischen mächtiger als die meisten Staaten, unterhalten sogar eigene Privatarmeen und dirigieren weltweit Politik – auf ganz elegante Weise: Gelder und Pöstchen werden später nachgeliefert, nachdem entsprechende politische Entscheidungen erarbeitet worden sind. „Geliefert wird später“ – so ist mir der Ausspruch eines SPD-Abgeordneten im Gedächtnis, der sich über die Pöstchenpraxis im Bundestag äußerte.

Amazon und E-Bay nutze ich jedoch selber gern – neben diversen anderen Portalen. Das mag überraschen, aber ich habe keine Alternative. Ich gehöre zu den „Armen“,  habe Kinder zu versorgen, bin kaum mobil: da müssen harte Entscheidungen getroffen werden. Im Falle von E-Bay heist das: günstige Autos, günstige Häuser, günstige Bücher und andere nützliche Gegenstände, deren Anschaffung von meinem Cash-Flow momentan nicht gedeckt werden könnten. Ich weiß: es gibt auch genug Kritik an diesen Konzernen, die im Innenwesen der Diktatur entarteter Ökonomie unterliegen: auch sie müssen den größten Nutzen für Reichenrendite bringen, nicht den größten Nutzen für Kunden. Trotzdem bringen sie auch Nutzen für den Armen – Amazon, wo gebrauchte Bücher, Filme und Geräte gehandelt werden – oder E-Bay, wo effektiv der Wegwerfgesellschaft entgegen gearbeitet wird, was uns enorme Mengen an Müll spart. Hier wurde – erstmal – Konzern, was später gemeinnützig werden sollte.

Beides wären so gesehen eigentlich auch Initiativen gewesen, die vom Staat hätten ausgehen können und sollen, denn der Nutzen für die Gemeinschaft ist groß; der Staat jedoch: zieht sich lieber zurück, aus allen Lebens- und Verantwortungsbereichen. Steuern nimmt er natürlich trotzdem jedes Jahr mehr ein, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, dass dafür auch etwas geleistet werden sollte, was dem Wert des mit Staatsgewalt eingetriebenen Geldes entspricht. Ja: warum sollte es nicht Aufgabe der Verwaltungsorganisation der Lebens- Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft „Deutschland“ sein, den Handel und die Kommunikation der Bürger untereinander zu fördern? Es entspricht der demokratischen Grundhaltung, Kommunikation der Bürger zu fördern, der Handel der Bürger untereinander hilft, Notzeiten zu überstehen und schont die Umwelt, es entstehen sogar neue Arbeitsplätze – warum muss das ein US-Konzern erledigen.

Kommen wir zu Facebook: dem Hassobjekt der Elite. Ja: es gibt eine Hass- und Hetzkultur auf Facebook – ebenso wie in der Lindenstraße. Wo Menschen zusammen kommen, wird man immer auch sozial auffällige Individuen treffen. Leider. Die sind auch im Verein – ohne dass wir jetzt große Aufreger über das Vereinsleben absondern. Die sind auch in Parteien, Kirchen, Gewerkschaften – selbst bei den allerchristlichsten Betschwestern sollen schon Psychopathen gesichtet worden sein – doch es ist nach den Gesetzen der Logik unzulässig, das Verhalten von Einzelelementen als Symptom für den Gesamtkomplex zu deuten.

Trotzdem wird es gemacht.

Was geschieht dort eigentlich, bei Facebook? Warum wollen die Menschen überhaupt so an die Öffentlichkeit – manchmal sogar mit intimsten Details ihres Lebens. Hat denn das Fernsehen nicht schon längst hinreichend bewiesen, dass DER FEIND vor der eigenen Haustür lauert, beständig darauf bedacht, einzudringen und SCHLIMMES, WIRKLICH SCHLIMMES zu tun? Nachrichten und Krimis arbeiten Tag für Tag an dieser Weltsicht und verkünden die Botschaft: „bleibt zu Hause, rührt auch nicht vom Fleck, es gibt da draußen nichts zu sehen“. Das Ergebnis war: Cocooning:

„Als Cocooning (engl. ‚verpuppen‘, ‚sich einspinnen‘) wird besonders von Trendforschern eine Tendenz bezeichnet, sich vermehrt aus der Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurückzuziehen.“

Wir Deutschen kennen das: wir nennen es Biedermeier – oder innere Emigration. Der stille Tod der aktiven Bürgergesellschaft, der absolut freie Bahn für die Lumpenelite bedeutet, die sich ja auch nach Herzenslust austobt. Mehr und mehr Tauschmittel – also: GELD – wird aus dem Wirtschaftskreislauf der Bürger herausgesogen … das Meiste über den Staat – wo es den Handel der Bürger untereinander garantieren sollte und dazu benutzt, die Arbeitskraft der Bürger möglichst effektiv auszunutzen – zu ihrem gesundheitlichen, seelischen und wirtschaftlichem Schaden.

Ein schönes System. Jedenfalls: für die „Winner“. Die Looser … landen bei Hartz IV, in Rente oder auf dem Friedhof.

Dann kam das Internet – und die ersten Warnungen der Elite ließen nicht auf sich warten. Anders als der Normalbürger wussten die natürlich sofort, welche Gefahr da drohte: unkontrollierte Meinungsbildung. Das System, an dem man so fein gefeilt hatte, drohte ein Loch zu bekommen. Und dann: kam Facebook. Vier Studenten hatten es am 4.2.2004 ins Leben gerufen, einer davon war Marc Zuckerberg. Facebook startet als ganz kleine Intiative von Nonames – aber traf auf großen Wiederhall bei der Menschheit. 1,44 Milliarden Menschen stehen dort miteinander in Kontakt – einigen die sich auf einen Weg, den die Welt in Zukunft gehen sollte, sind die Sonderinteressen der Lumpenelite in Gefahr.

„Cocooning“ entspricht halt nicht der Natur des Menschen. Er ist ein soziales Wesen, das Gemeinschaft sucht und braucht, als Eremit in Luxustempeln (auch: moderne Einfamilienhauswohnkultur genannt) fehlt ihm was – auch wenn er so optimal zu kontrollieren ist. Dabei hatte man soviel aufgewendet, ihn auf seiner Couch zu halten (siehe Antimedien):

Der amerikanische Medizinerverband American Medical Association hat geschätzt, dass ein Kind bis zum Abschluss der Grundschule bereits mehr als 8.000 Morde und mehr als 100.000 Gewalttaten im Fernsehen gesehen hat. Jugendliche, die in Haushalten mit Kabelanschluss und Videorekorder aufwachsen, haben bis zu ihrem 18. Lebensjahr 32.000 Morde und 40.000 versuchte Morde gesehen. Für Deutschland hat sich Helmut Lukesch mit seinen Mitarbeitern um das Thema Gewalt im Fernsehen gekümmert. Dabei untersuchte er zwischen dem 18. März und dem 5. April des Jahres 2002 insgesamt 438,2 Stunden Fern-sehprogramm. Sein Ergebnis: In 78,8 % aller Sendungen kommt Gewalt vor. Noch zu Beginn der 90er Jahre lag dieser Wert bei knapp 48 %. In jeder Stunde Fernsehprogramm werden im Durch-schnitt 4,12 schwerste Gewalttaten (z.B. Morde) und 5,11 schwere Gewalttaten (z.B. Schlägereien) gezeigt.

Ja – die Flut von Krimis hat Folgen – auch wenn man nur zuschaut (siehe arbeitsblaetter.stangl-taller)

„Es zeigte sich, dass innerhalb des Zeitraums von zwei Jahren in der Gemeinde mit eingeführtem Fernsehen das Aggressionsniveau zunahm: Die verbale Aggressivität verdoppelte sich, und die körperliche Aggressivität war nahezu verdreifacht – ein hochsignifikantes Ergebnis. Dies betraf sowohl Jungen als auch Mädchen in allen untersuchten Altersklassen. Man fand weiterhin einen Zusammenhang zwischen der Zeit, die die Kinder und Jugendlichen vor dem Fernseher zubrachten, und der Gewaltbereitschaft.“

Der „Erziehungsauftrag“, den Medien sich selbst gerne geben, erreicht hier ganz seltsame Dimensionen – ohne dass sich die Medien groß drüber aufregen. Kein Wunder: bleiben alle zu Hause, läuft das Geschäft ja rund – jedenfalls für die, die einen Platz an den Fleischtöpfen der Konzernwirtschaft zugeteilt bekamen, während die Mehrheit draußen am Grashalm nagt. Nebenbei werden wichtige soziale Fähigkeiten abgebaut: der chronische Gewaltkonsum läßt das Mitleid – einen zentralen, ja: DEN zentralen sozialen Wert – völlig erlöschen (siehe fernuni.hagen): eine wichtige Voraussetzung für die Durchsetzung von Hartz IV.

Man darf ruhig davon ausgehen, dass der Zustand der sozialen Deprivation gewollt war: immerhin fällt Fernsehprogramm nicht vom Himmel, sondern wird „gemacht“ – mit Absicht, Ziel und Plan. Neben der bösen Außenwelt, in der der Mörder droht, gibt es natürlich auch die heile Innenwelt, die präsentiert wird: der gute Jauch verschenkt im Auftrag von RTL Geld an ausgewählte Bürger, die brav Männchen machen – also sinn- und zwecklos angehäuftes Einzelwissen spontan abrufbar parat haben, der gute Bohlen hilft jungen Sängern dazu, Supertalente zu werden, andere züchten bildhübsche Modells, der Gottschalk läßt sich  vom braven Bürger mit tollen Tricks verblüffen – schon mal überlegt, warum solche Moderatoren zu Millionären gemacht werden, während Deutschlands Schauspieler von Hartz IV leben müssen – so wie auch Deutschlands angestellte Lehrer in den Ferien oder Deutschlands Juristen nach Abschluss ihrer Staatsexamen?

Hier wäre übrigens auch mal der Begriff „Lügenpresse“ richtig gewählt (aber in ganz anderem Zusammenhang): in Deutschland ist die Zahl der Morde deutliche rückläufig. 497 waren es noch im Jahre 2000, 2014 nur noch 298 (siehe Statista). Diese Morde hätte die deutsche Krimiszene spätestens nach einer Wocher abgearbeitet, 51 weitere Wochen wären für schöne heile Welt da – wenn es die denn gäbe. Die virtuelle Wirklichkeit, die uns in den Sessel presst, spiegelt die friedliche Wirklichkeit noch nicht mal im Ansatz wieder.

Und dann: kommt Marc Zuckerberg mit einer einfachen Idee – die überwältigende Folgen hat. Ja – was man nicht vergessen darf: der Erfolg von Facebook ist nicht der Erfolg des Marc Zuckerberg, er ist der Erfolg der Nutzer – wie auch bei Amazon und E-Bay. Die Menschen treten heraus aus der Deprivation – und stürzen sich ins dörfliche Leben: auch dort weiß jeder alles über jeden. Aber dort: ist man auch wer. Eine Person, ein echter, lebendiger Mensch mit Ecken und Kanten, Sorgen und Nöten, Gefühlen und Meinungen. Man hat einen Platz, so wie man ist – und nicht, weil man alle Gebote der Werbeindustrie möglichst perfekt erfüllt. Anstatt dass die Menschen den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen und sie Meinungen des „Experten“ studieren, reden sie wieder miteinander – statt übereinander. Nur: da es Konzern wurde und nicht Staat war, was das organisiert hatte (also: die Gemeinschaft der Bürger), wurde hier wieder private Macht geschaffen. Da muss man mal wieder beten, dass das nicht missbraucht wird.

Natürlich sind es gerade auch die „Experten“, die hier Sturm laufen: ihre arbeitslosen Kollegen haben hier die Möglichkeit, ihre geisteswissenschaftlichen Qualitäten zu kostenlosen Beraterzwecken preis zu geben – jeder hat auf einmal in Sekundenbruchteilen die Möglichkeit, hundert Menschen zu fragen, ob ihm die blaue oder die gelbe Krawatte besser steht – oder ob sie sich endgültig von ihrem Mann trennen soll, ohne dass man für seinen Rat Gebühren bekommt. Und alles sonst stille Leid kann schnell eine ungeahnte Öffentlichkeit bekommen, die man – zur Auszüchtung von Mitleid – lieber nicht gehabt hätte.

Natürlich gilt das insgesamt fürs ganze „Internet“ – nur: bei Facebook wird es sehr persönlich, weil hier 1,4 Milliarden Menschen in Kontakt stehen, ständig neue, unkontrollierte Verbindungen eingehen, Lügen entlarven und – gelegentlich – sogar mal der Wissenschaft helfen (siehe Spiegel):

„Sechs Monate lang versuchte die israelische Altertumsbehörde, ein mysteriöses Objekt zu identifizieren. Dann startete sie einen Facebook-Aufruf – und das Rätsel war innerhalb von Stunden gelöst.“

Das Potential, das die Menschen bei Facebook entfalten können, ist gewaltig. Es ist global, international, eine perfekte Basis für die planetare Zivilgesellschaft, von der ein Kant nur träumen konnte – sich aber sicher war, dass sie sich am Ende der Zeiten – nach Überwindung aller Widerstände- etablieren würde.

Was hier jedoch droht, ist etwas, dass man schon lang im Griff geglaubt hatte: die Selbstorganisation der Menschheit hat wieder eine reale, dörfliche Grundlage. Es ist ja der Grund für alle „Regierung“ und „Expertentum“, dass wir uns angeblich nicht selbst organisieren können – so, wie wir es hundertausend Jahre lang zuvor gemacht haben. Wir brauchen Könige, Fürsten, Priester, Chefs – sonst sind wir zu blöde um auf zwei Beinen zu stehen. Entscheiden Sie selbst, mit wem sie nach dem Absturz ihres Urlaubsfliegers auf eine einsame Insel neu starten wollen: mit einer Ladung von Königen, Priestern, Fürsten und Chefs (oder Fernsehmoderatoren) – oder ihren Facebookfreunden, unter denen höchstwahrscheinlich auch Menschen sind, die es noch gewöhnt sind, echte Arbeit zu tun – und nicht nur anderen vorzuschreiben, wann die wie und wo zu machen ist.

Und was ist mit den Warnungen vor „Facebook“? Nun – wir könnten es dabei belassen, zu sagen: die kommen halt von „Experten“, die wissen, dass ihnen gerade das Wasser abgegraben wird – von der selbstorganisierenden sozialen Zivilgesellschaft. Das bringt nun mal Elitegehälter in Gefahr – bzw. könnte sie auf Normalmaß zurückschrauben. Wir müssen aber nur genau hinschauen, dann wissen wir, was es mit den Warnungen auf sich hat, hier vor allen Dingen Jugendliche betreffend (siehe Frankfurter Rundschau):

„Viele versuchen, über die virtuellen Kontakte all das zu bekommen, was man nur in der risikoreichen Welt da draußen bekommen kann.“

Und wieso ist die Welt da draußen risikoreich? Weil die Jugendlichen durch Fernsehen roher und aggressiver werden – dank der Erziehung durch Medien. Darum bleiben die friedlichen lieber zu Hause – und nehmen die sichereren Wege … bis  man dann merkt, dass eigentlich Milliarden normaler, im Prinzip lebensfroher Menschen nur einer kleinen Clique von Psychopathen gegenüber stehen.

Diese Gefahr – und die überwältigenden Möglichkeiten, die sich für die reine, nicht zweckgebundene Wissenschaft daraus ergeben, werden schon heute gesehen (siehe: Zeitgeschichte-online)

„Die Kommunikation in den Sozialen Netzen geschieht – und das macht es für die traditionelle Wissenschaft teilweise schwierig – in einem eher lockeren Ton und auf Augenhöhe, wie es so schön heißt. Eines der Heilsversprechen der sozialen Medien liegt im einfachen Zugang dazu und im Abbau von Hierarchien: Es ist möglich, wissenschaftliche Diskussionen selbst offen anzustoßen oder daran teilzunehmen, was zu einer begrüßenswerten Pluralisierung der Diskurse führt.“

Abbau von Hierarchien … wen könnte das wohl stören?

 

 

 

 

 

Europawahl 2014: Europa abgewählt. Menschlichkeit auch. Vernunft ebenfalls.

Europawahl 2014: Europa abgewählt. Menschlichkeit auch. Vernunft ebenfalls.

Montag, 26.5.2014. Eifel. Europa hat gewählt … alle triumphieren, wie nach jeder Wahl. Das Ergebnis ist – zumindest in Deutschland – eindeutig: Europa wurde abgewählt. 52 % der Wähler gingen gar nicht hin, die Antieuropaparteien erzielten Rekordgewinne. Die ersten Stimmen, die eine reale Machtverschiebung auch in Deutschland vorschlagen, sind schon da: der erste CDU-Politiker kommt aus der Deckung heraus und träumt von Koalitionen mit den Ultrarechten (siehe Spiegel). Ultrarechte? Meine Meinung zur AfD wird den Herrn Lucke überraschen, der sich sichtbar Mühe gibt, auf dem Boden der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte zu bleiben – doch im Umfeld der AfD erblicken wir Forderungen, die selbst Adolf Hitler in den Schatten stellen … wie die Abschaffung des Wahlrechtes für Arme und Staatsangestellte: Deutschland wird zum Staat von Reichen für Reiche nach ukrainischem Vorbild. Nicht vergessen werden sollte Professor Oberender, der Mann, der einen schwunghaften Organhandel favorisiert – Augenverkauf statt Hartz IV. Da wird auf Deutsche einiges zukommen, wenn die steuerfinanzierten Oberschichtsfantasten ihre Träume wahr werden lassen (siehe Deutschlandradio).

Schlimmer noch als in Deutschland ist die Situation in England und Frankreich. In Frankreich wird die „rechtsextreme“ Front Nationale stärkste Kraft und stellt die größte Truppe der Franzosen in Europa. 29,5 % erzielten die Eurogegener in Großbritannien (siehe Spiegel). Spiegelredakteur Blome jubelt: das waren „Denkzettelwahlen“, die Europa „demokratischer“ gemacht haben (siehe Spiegel): da lebt jemand in seiner ganz persönlichen Traumwelt.

In der Realität sieht es anders aus: Europa wurde abgewählt. Mehr als fünfzig Prozent der Wähler interessieren sich nicht für dieses künstliche Gebilde – im Prinzip müsste die Wahl für ungültig erklärt werden, weil kaum jemand da war. Nur gilt dieses Prinzip nicht: die Diätenverteilung ist auch gesichert, wenn nur zwei Leute wählen gehen: so demokratisch ist Europa.

Die alten Demokratien des Westens haben sich von Europa verabschiedet – von Europa und auch von den traditionellen Werten der Allgemeinen Menschenrechte: so erfolgreich war die gesellschaftliche Diskussion der letzten Jahre.

Wen wundert das wirklich?

Europa regiert – für Tagungsgeld von 300 Euro täglich – direkt in alle Wohnzimmer und Kühlschränke hinein, weder Glühbirne noch Banane ist vor der Regelwut der überbezahlten Verwaltung sicher – dafür entpuppt es sich als Sozialamt für Banken und Großkonzerne, die sich auf seine Kosten so gut wie alles erlauben können: inklusive GenMais und Bankerboni, die den Gewinn der Firma übertreffen. Europa heißt: gelebte Irrationalität fernab der Menschlichkeit – und da werden immer mehr Menschen unsicher, ob für sie selbst überhaut noch Platz ist.

Diese Irrationalität sehen wir auch im deutschen Alltag. Aktuell dürfen wir uns darüber verwundern, das es eine breite Anti-Friedensfront von Medien und politisch aktiven Personen gegen friedliche Montagsdemonstranten gibt: kleine Grüppchen von engagierten Menschen, deren „Rechtsradikalität“ immer mehr verschwindet, je näher man hinschaut: hier finden wir auch Beispiele, die im Prinzip niemand mehr mitdenken kann, der nicht zum Oberschichtszirkus gehört, was „rechts“ ist, was „rechts“ zu sein hat, wird immer wilder und irrationaler definiert.

Ein Beispiel?

Nehmen wir den Vorwurf der „Homophobie“, mit den auch Russlands Premier Putin konfrontiert wird. Bevor jetzt gleich die ersten Ausraster kommen: lassen Sie uns erstmal beim Wort bleiben, das Wort verstehen. Kennen sie „Arachnophobie“? Das ist eine unkontrollierbare Angst vor Spinnen (siehe Wikipedia) – eine Angsterkrankung. Wer das hat, will nicht im Umkehrschluss alle Spinnenvölker der Welt ausrotten, sondern nur keine Spinnen in seiner Wohnung oder seinem Bett haben: nicht aufgrund einer POLITISCHEN ENTSCHEIDUNG sondern aufgrund einer UNKONTROLLIERBAREN ANGST. Diese Ängste können durch verschiedene „Objekte“ ausgelöst werden – bei manchen eben auch durch Homosexuelle. Dahinter steckt nicht die Aussage: „ich will alle Schwulen der Welt vergasen“ sondern nur die Aussage: „ich habe Angst vor schwulen Männern in meinem Bett – und will sie da nicht haben“.

Wenige können altgriechisch: aber Arachnophobie ist ein bekanntes Wort – ich vermute mal: „Homophobie“ wird vom Durchschnittsbürger ähnlich verstanden. „Homomysonie“ wäre der passendere Ausdruck für Menschen, die Schwule hassen … nicht Homophobie. Da wo aber einem die persönlichen Existenz von ÄNGSTEN zum Vorwurf gemacht werden, verstehen viele die Welt nicht mehr … und genau betrachtet impliziert der Wortgebrauch die Pflicht, keine Angst mehr vor schwulen Männern im eigenen Bett mehr haben zu dürfen: die Pflicht, selber schwul zu sein. Oder man ist ein Nazi.

„Homophobie“ wird nun Jürgen Elsässer – einer jener Gestalten auf „Montagsdemos“ – vorgeworfen. Womit hat der Mann aber wirklich ein Problem? Mit der Zerstörung der Familie, mit der Homoehe .. und der Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare.

Bevor es auch hier zu Ausrastern kommt: erstmal ruhig nachdenken. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass Homosexuelle Kinder großziehen – manche haben ihr „coming out“ eben später und sind dann schon längst Vater. Es spricht auch im Prinzip nichts dagegen, in seltenen Ausnahmefällen stabilen homosexuellen Paaren die Adoption von Kindern zu ermöglichen. Warum seltene Ausnahmefälle? Die Kinder, nach denen homosexuelle Paare verlangen, müssen immer einer Mutter weggenommen werden.

Wer selber Kinder kriegen kann – dank heterosexueller Einstellung – merkt sofort, dass sich da eine Schieflage abzeichnet: neben einem Markt für Organe deutet sich ein Markt für Kinder an. Für die kaufkräftige Oberschicht kein Problem – für die notleidenden anderen Schichten der Gesellschaft schon: sie werden die Schicht sein, die Kinder liefern muss. Ist das jetzt gleich rechtsradikal? Jetzt mal ganz ruhig bleiben … ohne heterosexuelle Eltern gäbe es gar keine Schwulen, die was zu adoptieren haben. Kinder brauchen nun mal – rein biologisch – Frau und Mann. Davon gibt es auch dankenswerterweise genug – und jeder homosexuelle Mann verdankt seine Existenz diesen nicht homophilen Gestalten, die man bei all diesen Diskussionen aus den Augen verloren hat.

Ich weiß: Kinder kann man heute auch künstlich im Reagenzglas produzieren, man kann sich Leihmütter kaufen, die das Kind für einen austragen … was der Oberschichtsmensch jedoch nicht versteht, ist: für die anderen Schichten ist diese Welt eine Horrorwelt, eine Gestalt gewordene Dystopie, ein feindlicher Griff nach ihren eigenen Kindern … und die gezielte Arbeit an ihrer eigenen Überflüssigkeit: man braucht sie schon nicht mehr als Arbeitskraft, will sie nicht mehr als Wähler – und noch nichtmal ihrer Fähigkeit zur Elternschaft ist noch was wert.

Das man für solche Entwicklungen nicht allerorts mit jubelnden Fähnchen begrüßt, scheint mir verständlich zu sein. Das sich hieraus eine breite Gegenentwicklung ergibt, scheint mir verständlich … und so werden Homosexuelle wieder Opfer, Außenseiter … Feinde.  „Homophob“ im weiteren Sinne (anders gesagt: heterosexuell) sind nämlich die meisten Männer und Frauen – und für die Existenz einer Gemeinschaft ist das auch gut so: Kinder sind Zukunft. Im Umkehrschluss würde es übrigens auch richtig dämlich werden, wenn wir Homosexuellen vorwerfen würden, sie wären „nur“ Heterophob. Normale Menschen merken das.

Wenn aber selbst auf Menschen mit Angststörung die Nazikeule niedersaust … wird der Begriff „rechts“ (der auch für CDU, SPD, FDP und GRÜNE gilt) immer inhaltsloser und gesellschaftsfähiger … während man den wirklich echten Rechten gegenüber wird, sprachlos, die wirklichen Menschenhasser können aktuell ungestört  fröhliche Triumphe feiern.

So fördert Dummheit – oder Unsauberkeit im Umgang mit Begriffen – eine breite, rechtsradikale Bewegung … wobei der Umgang mit dem Wort Homophobie nur EIN Beispiel dafür ist, wie degeneriert die Oberschicht – auch die intellektuelle – im Umgang mit Sprache geworden ist.

Die nächsten Wahlen in Deutschland – so denke ich – werden ähnliche Ergebnisse für die AfD erzielen, wie die FN in Frankreich hatte: kein Wunder, dass sich gleich nach der Wahl CDU-Politiker schon mal in Stellung bringen, um die Seiten wechseln zu können.

Während Deutschlands Edellinke sich mit biegen und brechen „Neue Rechte“ konstruieren, marschieren alte Rechte widerstandslos durch die Parlamente, werden zu stärksten Kräften in den alten Demokratien Europas – eine Entwicklung, die in den heutigen Kommentaren auch „linke“ ignorieren: der moderen Linke kämpft eben lieber gegen eine winzige Hand voll Friedensdemonstranten, die man – siehe den verzweifelten Versuch bei Jungelworld – politisch immer weniger verorten kann: „Antiamerikanismus“ wird als große Gefahr erkannt … nicht jedoch die Einmischung in innere Angelegenheiten fremder Länder, die Führung von völkerrechtswidrigen Angriffskriegen oder die flächendeckende Spionage gegen Verbündete.

Einer Gesellschaft, die amerikanische Esskultur, amerikanische Mode, amerikanische Musik, Literatur und Filmkunst weitgehend übernommen hat „Antiamerikanismus“ vorzuwerfen, ist selten dämlich – aber machen kann man das natürlich. Man darf sich dann aber auch nicht wundern, dass der Wähler die gesamte linke Bewegung für ziemlich weltfremd und dämlich hält … und sich anders orientiert: das ist nur „menschlich“. Von Dummen möchte man halt nicht gern geführt werden – noch sie mit der Verwaltung eines Landes betrauen.

So ist „Menschlichkeit“ der große Verlierer der Wahl – wie auch der Traum von einer friedlichen Gemeinschaft europäischer Menschen. Gewonnen haben die, die Nächstenliebe für Sozialromantik halten, die aus ihren Ländern kleine Festungen gegen den Rest der Welt machen wollen … und aus ihren Häusern kleine Festungen gegen eine völlig aus den Fugen geratene Welt voller Wahn und Dummheit.

Andererseits zeigt die Ukraine die Zukunft des europäischen Kontinents: die Milliardäre übernehmen kraft ihrer Finanzmacht die direkte Regierungsgewalt. Der Feudalisierung Europas durch den Geldadel steht nichts mehr im Wege … was der AfD sehr gefallen dürfte. Na – was macht das schon. Sehen wir uns den Lauf der Geschichte an, so können wir im Jahr 5789 wieder mit einer Revolution und dem Auferstehen des demokratischen Grundgedankens rechnen – so lange dauert es in der Regel, bis feudale Strukturen abgebaut worden sind.

Gibt es auch nur irgendetwas Positives bei er Wahl zu berichten?

Die Familienpartei hat EINEN Sitz. Die Piratenpartei auch. Die Partei, die sich speziell um die existentielle Förderung der Zukunft kümmert (Kinder) und die Partei die das größte Potential an Zukunfstfähigkeit versprach (Internet), können die nächsten vier Jahre zusammen Schach spielen … und sehen, wie Unvernunft Europa ruiniert.

Zum Beispiel die Einschätzung, das Wahlergebnis sei nur ein lustig gemeinter Scherz, eine „Denkzettelwahl“. Bis man merkt, dass die Wähler das ernst meinen, dürfte sich Europa schon in Auflösung befinden.

Unwiederruflich.

Aber gut, dass wir vorher noch eine gemeinsame Front gegen Menschen mit einer Angststörung aufgebaut haben: was wäre nur aus uns geworden, hätten wir das nicht gemacht!

 

 

Internet-Trolle

Wer kennt sie nicht? Die immer-alles-besser-wisser? Die immer-und-überall-denunzierer? Die „das-stimmt-aber-nicht“-Schreiber? Im Internet gibt es sie zuhauf. Theoretisch ist das ja auch gut so, denn so können wir über verschiedene Meinungen diskutieren und von anderen lernen.

Leider gibt es aber auch folgendes: Die EU, Israel & die USA haben Firmen mit professionellen Bloggern gegründet, welche sich als ganz normale Bürger bei Facebook, Twitter & co. anmelden, nur um dann Diskussionen über das bestehende System zu stören und zu beenden.

Wir müssen uns dagegen wehren, sonst sind sinnvolle Diskussionen nicht mehr möglich. Wer also im Netz diskutiert und angegriffen wird, sollte sich fragen wer da gerade stört und diesen Menschen einfach ausblenden. Es bringt nichts wenn wir mit Geheimorganisationen reden die nur den Zweck haben uns zu spalten.

Diese Leute benutzen gerne das Wort „Verschwörungstheorie“. Wisst ihr eigentlich, das das Wort „Verschwörungstheoretiker“ vom CIA erfunden und über die Medien verbreitet wurde? Warum? Damit wir nicht mehr selbständig denken und uns voneinander entfernen. Damit eine Gruppe als irre bezeichnet wird und die andere Gruppe glaubt sie habe recht.

Lasst euch nicht spalten, das machen die Kirche, die Medien und die Politik schon zu genüge. Es ist wichtig zu erkennen wer ein Troll ist und wer nicht. Viele wollen auch einfach nur nicht ihre Matrix aufgeben und fangen an zu stänkern. DAS finde ich noch ok, schließlich ist die Realität nicht leicht zu verdauen.

Wer aber das Wort „Verschwörungstheorie“ in den Mund nimmt, hat entweder wirklich keine Ahnung oder wird von anderer Stelle gut bezahlt. Sie wollen Angst  verbreiten. Angst davor, das man irgendetwas ins Netz stellt. Freunde berichten mir das sie Angst vor der Überwachung haben und deswegen nichts im Internet veröffentlichen.

Dabei ist das Internet im Moment noch unsere große Chance uns zu vernetzen und wissen auszutauschen. Im Bundestag wird schon diskutiert wie man das „Biest“ Internet zähmen kann. Das Internet lässt sich aber nicht zähmen.

Hier hat sich eine Eigendynamik entwickelt sodas das Ganze nur noch durch Trolle oder Zensur gestört werden kann.

Meiner Meinung nach gibt es noch viel zu wenige Leute die sich überhaupt mit Geopolitik beschäftigen. Und dann noch diese bezahlten Trolle. Lasst euch nicht spalten. Haltet zusammen und tauscht euch weiter aus. Und werdet um Gottes willen aktiv (wer kann). Viele meiner Freunde sind schon aktiv. Das macht mir Mut.

Das rockt.

Der Breidi

Im Datenmeer

Im Datenmeer

erstmal ein bisserl drüber schlafen – realitäten in der virtual reality

das internet ist so facettenreich wie der mensch selbst. ehrlich, aufrichtig, edel, hilfreich, gut, verschlagen, verlogen, böse, bekloppt. auffassungen werden kundgetan, dieses propagiert, jenes vermeldet. der surfende liest, ist erstaunt, leidet, meint, redet mit. und läuft dabei gefahr, sich eine eigene realität zu schaffen, indem er fakes aufsitzt – solange sie nur gut (halbwegs gut) gemacht sind und bestehende klischees bedienen. erfolgreich platziert in der vergangenen woche:

eine melange aus sex, vergewaltigung, stalking und dümmlich / hinterlistigen polizeibeamten die nicht wissen was ein blog ist oder wie twitter funktioniert – trifft auf eine unschuldig verfolgte bdsm bloggerin… und über 190 kommentatoren und ungezählte twitterer stimmen ein klageheul an, das seinesgleichen sucht. selbst „netzgrößen“ wie sasha lobo oder johnny (wer?) haeusler oder von mir hochgeschätzte fefe stimmen fallen in diesen gesangmit ein, wenngleich sasha lobo inzwischen eine 404 unter dem eingereichten link liefert und johnny h. seinen eintrag dergestalt updatetete, als das er seinen lesern rät, die kommentare unter dem verlinkten posting zu lesen.

warum ich das schreibe ist schnell erklärt – auch ich wäre fast auf den zug aufgesprungen und hätte mich vom gängig passenden feindbild „einlullen“ lassen. das gewisse quantum an mißtrauen, welches ich pauschal gegenüber dem homo sapiens hege, hielt mich jedoch von einem schnellschuß im brustton der überzeugung ab… und ließ mich erstmal ein bisserl drüber schlafen.

ob zu recht oder unrecht mag dahingestellt sein – wer sich überzeugen will kann hier gerne nachlesen. dieser kommentator ist übrigens der einzige(!) der mal die frage in den raum stellte, ob das überhaupt alles so ist, wie es dort geschrieben steht…

in diesem sinne: vor dem betreten des internets hirn eingeschaltet lassen!

499805_web_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de

 

foto: 1 Gerd Altmann  / pixelio.de

Der wirtschaftliche Kollaps und seine gruseligen Folgen für Europa, das Internet und unsere Organe

Montag, 28.5.2012. Pfingstmontag. Der Heilige Geist ist wieder unterwegs und sagt uns, das das Zeitalter der USA vorbei ist. 2016 werden die von China überholt - jedenfalls hat jemand wieder eine Perspektive entwickelt, die diese Aussagen zuläßt. Denkbar ist dies schon - immerhin erfahren wir jetzt auch mal etwas über die Kosten der Krise, die uns gierige Banken beschert haben: 200 Billionen Dollar soll das letztlich kosten, so Paul Craig Roberts.  Das sind           200 000 Milliarden, 28571 Dollar pro Mensch auf diesem Planeten. Wir sind ein reicher Planet, wenn wir uns so etwas leisten können ... andererseits können wir uns das wahrscheinlich nicht leisten, weshalb der Herr Roberts ja auch empfiehlt, im großen deregulierten Kasino der Bankwirtschaft auf "Kollaps" zu setzen. Wie sieht dieser Kollaps nun eigentlich aus? Können wir uns da überhaupt vorstellen?

Montag, 28.5.2012. Pfingstmontag. Der Heilige Geist ist wieder unterwegs und sagt uns, das das Zeitalter der USA vorbei ist. 2016 werden die von China überholt – jedenfalls hat jemand wieder eine Perspektive entwickelt, die diese Aussagen zuläßt. Denkbar ist dies schon – immerhin erfahren wir jetzt auch mal etwas über die Kosten der Krise, die uns gierige Banken beschert haben: 200 Billionen Dollar soll das letztlich kosten, so Paul Craig Roberts.  Das sind           200 000 Milliarden, 28571 Dollar pro Mensch auf diesem Planeten. Wir sind ein reicher Planet, wenn wir uns so etwas leisten können … andererseits können wir uns das wahrscheinlich nicht leisten, weshalb der Herr Roberts ja auch empfiehlt, im großen deregulierten Kasino der Bankwirtschaft auf „Kollaps“ zu setzen. Wie sieht dieser Kollaps nun eigentlich aus? Können wir uns da überhaupt vorstellen?

Brauchen wir eigentlich nicht, die Welt hat für uns mal nachgeschaut, was die stärkste Wirtschaft der Welt so produziert: mehr und mehr Städte verwahrlosen, driften in einen postzivilisierten Zustand, in dem die  Bewohner ohne Lebensmittelhilfen verhungern würden.  Man fühlt sich an alte Westernfilme erinnert, wo Revolverhelden die Stadt tyrannisieren – glaubt man dem Herrn Roberts, ist allerdings der Sheriff (die Polizei) schon längst zur größten Gefahr für den Bürger geworden.

Wir wähnen uns in Deutschland nun eigentlich sicher vor dieser Entwicklung und können das auch zurecht, weil die Medien grundsätzlich die Folgen der Kriminalisierung unserer Gesellschaft verschweigen und lieber ganz neue Fässer aufmachen. Schauen wir uns zum Beispiel den Drogenbericht der Bundesregierung an, der gerade vor dem Bild der drogenverseuchten verkommenen US-Städte wie Camden einen besonders humoristischen Aspekt aufweist:

Zunehmend verbreitet ist auch der exzessive oder pathologische Computer-spiel- und Internetgebrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Etwa 250.000 der 14- bis 24- Jährigen gelten als internetabhängig, 1,4 Mio. als problematische Internetnutzer.

„Komm, mein Sohn, zieh´ Dir mal ´nen ordentlichen Joint ´rein oder setze Dir mal ´nen guten Schuss – aber mache´bloß diesen Scheißcomputer aus!“ – so wünscht sich Vater Staat die ordentlichen Eltern. Immerhin: wer Haschisch oder Heroin konsumiert, steht im Rahmen der Beschaffungskriminalität dem Bundestagsabgeordneten als Strichjunge oder Prostituierte zur Verfügung, wer aber den ganzen Tag Computerspiele zockt, entzieht sich bewusst und absichtlich den erbaulichen Sprüchen unserer politischen Eintagsfliegen – was könnte es schon Schlimmeres geben? Oder er liest dies hier und fängt an, die täglich gepredigten Beruhigungsbotschaften der Bezahlmedien in Frage zu stellen, denn die sind noch lange nicht so perfekt getürkt, wie sie sein müssten, damit endlich Friedhofsruhe ins Volk einkehrt.

Manchmal dringt noch durch, das wir uns am Rande eines totalen sozialen Zusammenbruchs befinden, weil sich die Eliten der Welt von unserem Geld die Taschen vollstopfen – so wie der griechische Milliardär Spiros Latsis und sein EU-Kumpel Barroso, auf dessen Yacht Alexander sich all jene Menschen treffen, die vom Megacrash noch profitieren und von denen wir nie etwas erfahren sollen.

Eine Krähe hackt halt der anderen kein Auge aus, dafür greifen sie lieber harmlose Passanten an oder denken sich eine Autobahnmaut aus, mit der wir die Benutzung der Autobahnen bezahlen dürfen, die wir mit unseren Steuergeldern zuvor teuer bezahlt haben. Die Griechen dürfen sich gerade anhören, was mit einem Volk geschieht, dessen Vermögen nahezu komplett von den Kumpels der EU-Renegaten in die Schweiz geschafft wurde:sie rangieren für die Herren des Geldes deutlich hinter Afrika. Hören wir Frau Lagarde vom IWF im Spiegel:

„Ich sorge mich mehr um die Kinder in einem kleinen Dorf in Niger, die nur zwei Stunden Unterricht am Tag haben und sich zu dritt einen Stuhl in der Schule teilen. Sie brennen darauf, Bildung zu bekommen“, erwiderte Lagarde. „An diese Kinder denke ich die ganze Zeit. Denn ich glaube, sie brauchen viel mehr unsere Hilfe als die Menschen in Athen.“

Und wie geht es Afrika?

Höllische Abgründe“ offenbaren sich im „fruchtbarsten Kontinent der Welt„, der seinen Bewohnern ein Jahreseinkommen von 300 Dollar zukommen lässt.

Zustände wie in den USA.  Schauen wir mal, das denn die „Elite“ so mit Afrikanern vom Niger im Sinn hat, wenn Sie erstmal in ihren Fängen sind. Afrikanet hat da eine schöne Lebensgeschichte veröffentlicht:

So kam es, dass ich drei Wochen nach meiner Ankunft in England Pornodarstellerin mit Tieren wurde und zwischen Amsterdam, Berlin, Paris und meinem Wohnsitz London hin- und hergereicht wurde. Ein- bis zweimal die Woche ging ich in ein Studio oder zu Privatpersonen, um diese Schweinereien zu drehen. Manchmal gesellte sich auch der Besitzer des Hundes oder der Hunde dazu, und dann wurden Szenen gedreht, von denen einem nur schlecht werden kann. Das Herrl und sein Hund gleichzeitig, und die Frau schaut dabei amüsiert zu, schlürft in aller Ruhe ihren Cocktail.

So stellen sich die Reichen halt die Welt ihrer Träume vor – und verwirklichen sie. Und solche Verhältnisse wollen sie gerne überall – auch in den USA und in Griechenland. Immerhin muss jeder Mensch dieser Welt seine 28 000 Dollar Schulden abbauen (wofür man in Nigeria inzwischen 40 Jahre lang arbeiten müsste), die die Finanzkrise verursacht hat, dafür wollen „die Märkte“ schon was sehen und auch ihren Hunden eine kleine Freude gönnen.

Und wie es immer so ist im Paradies – man will nicht gehen, wenn´ s gerade am Schönsten ist. Leider sterben Reiche genauso wie Arme (nur zwanzig Jahre später) und begeben sich auf eine Reise, die ein unbekanntes Ende hat. Der deutsche Bundestag hilft dabei, in dem er schon jetzt die Weichen für eine schöne neue Welt gestellt hat, siehe Yahoo:

SPD-Chef Steinmeier will den Menschen „mehr auf die Pelle rücken“ und zwar „regelmässig“ ab dem 16. Lebensjahr. Schon dieses Jahr werden wir gefragt, ob wir denn wirklich so „unmenschlich und unsolidarisch“ sein wollen, unsere Organe nicht umgehend der Transplantationsmafia zu schenken, die sich davon ein gutes Leben ermöglichen, siehe Freitag:

In einem anonymen Schreiben an Bundestagsabgeordnete und das Gesundheitsministerium bezichtigten Mitarbeiter den DSO-Vorstand der „Selbstbedienungsmentalität“ und „Vetternwirtschaft“. So soll er sich großzügig Dienstwagen genehmigt, Immobilien privat genutzt und lukrative Aufträge an Personen aus dem privaten Umfeld vergeben haben. Auch der „Führungsstil nach Gutsherrenart“ wird beklagt: Kritische Mitarbeiter würden mundtot gemacht, gemobbt oder entlassen.

Nun – wo der Mensch Ware und Rohstoffquelle wird, sollte man sich überhaupt nicht wundern, das auch der letzte Rest von Ethik, Moral und Anstand den Bach ´runtergeht – im Sinne des uneingeschränkten  Renditegenußes der „Upperclass“. Immerhin sind Transplantationen teuer – 150 000 bis 200 000 Euro fallen da schon mal für eine neue Leber an, 50 000 für eine Niere, 50150 000 für ein Herz.

Wie lange hält so ein Herz?

Nicht sehr lange, weiß dhm:

Die Ein-Jahres-Überlebensrate nach einer Herztransplantation beträgt ca. 80 %, nach fünf Jahren leben 60-70 % der Patienten und nach zehn Jahren ca. 40-50 % aller Herztransplantierten.

Bei Leber sieht esnoch schlimmer aus, erklärt uns der Pharmariese Novartis

Fünf Jahre nach der Transplantation funktionieren noch 54,8 Prozent der Lebern von Lebendspendern und 55,1 Prozent der postmortal gespendeten Lebern 

„Lebenspenden“ wird mit Sicherheit das Thema der Zukunft werden – erst recht für Pleitegriechen.

So unwahrscheinlich? Ist für deutsche Arbeitslose schon längst gefordert worden.

Man sollte sich klar vor Augen führen, das Transplantationen für jedermann schlichtweg nicht bezahlbar wären – man vergleiche nur mal die pro-Kopf-Kosten von Transplantationen mit den Kosten, die allein die aktuelle Krise verursacht: das ist ein vielfaches davon.  Und brauchen … brauchen könnten wir solche Organe selbst immer mal. Jeder von uns wird mit Sicherheit irgendwann mal Probleme mit Organversagen bekommen – spätestens im Alter.

Zirka vier- bis zehn Transplantationen kann so ein Mensch brauchen, bis er endlich neunzig ist – und manche können sich das sogar leisten. Organe braucht man natürlich noch mehr – nicht jedes Organ überlebt die natürlichen Abstoßungsreaktionen.

Man sollte sich diese Daten mal deutlich vor Augen führen um zu sehen, in welche Gesellschaft unsere „Führer“ uns führen wollen – und was das im Zeichen der weltweiten Krise für unsere Leber bedeutet.

Die wird ganz schnell Volksvermögen, erst recht, wenn der IWF sich auf die Förderung von Nigerianerinnen konzentriert, weil die mehr Profit abwerfen als alte Griechen.

Ich warte nur auf den nächsten Schritt, in dem Lebendorganspender Vorrang bei Jobs, Studienplätzen und verbilligten Krediten haben … das kommt mit Sicherheit als Nächstes.

Und irgendwann … werden wir dann  Bankenkrise und Misswirtschaft mit unserem Herzen bezahlen.

„Ein Herz für die Deutsche Bank“ … wird dann ein gruseliger Slogan für Arbeitslose werden.

Der Zug wird jedenfalls gerade aufs Gleis gesetzt.

Ob er ankommt, hängt von uns allen ab.

Jetzt können wir auch verstehen, warum „Internet“ als „böse Sucht“ Heroin gleichgestellt wird.

„Die“ wissen auch, das es von uns allen abhängt … und man, wenn´s schlecht läuft, nicht an unsere Organe kommt.

Das aber … wäre schlecht für´s Geschäft und könnte „die Märkte“ beunruhigen.

Und darüber, wie 28571 Dollar pro Person die Welt verändert hätten, wenn wir sie den Menschen anstatt den Märkten gegeben hätten, wollen wir gar nicht nachdenken. Würde die Märkte auch beunruhigen. Afrikanerinnen bräuchten sich auf jeden Fall nicht mehr für Geld  mit Hunden paaren – die hätten für viele Jahrzehnte Geld genug.

 

 

 

 

 

Nachrichten vom Wochenende

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff:

im folgenden eine Liste der Banker Ruecktritte…

Ein paar Videos zum Erfolg der Nato in Lybien:

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies nichts mit dem Islam zu tun hat. Diese sogenannten Rebellen sind eine wilde Horde von Verrückten, mit den sich die USA ins Bett legte, um den Anschein eines angeblichen Volksaufstandes zu erzeugen, Gaddafi zu stürzen und so an die Ressourcen Libyens zu gelangen.

Herr Vetter aufgebracht:

Womöglich wird man bald Post von Christian Wulffs Anwalt erhalten, wenn man mit Blick auf den heutigen Tag in Großburgwedel das Wort Hausdurchsuchung in den Mund nimmt. Denn offenbar versuchen alle Seiten geradezu krampfhaft, das Unvermeidliche nicht mit einer richterlich angeordneten Zwangsmaßnahme zu verbinden. Trotzdem passierte heute nachmittag etwas: Freundliche Ermittler besuchten ohne Durchsuchungsbeschluss die Wulffs zu Hause und erhielten nach Medienberichten freiwillig Dokumente, Computer und Festplatten ausgehändigt.

 Karl Weiss fragt sich, ob Ron Paul ein Linker ist:

 Bereits seit geraumer Zeit fällt auf, wie die US-Medien einen grossen Bogen um Ron Paul machen, einer der vier verbliebenen Kandidaten der republikanischen Partei für die Präsidentschaftswahlen Ende des Jahres. Auch in Deutschland wird Ron Paul eher ein wenig von oben herab behandelt. Tatsache ist, er ist bisher noch nicht abgeschlagen im Rennen der vier verbliebenen Präsidentschaftskandidaten der republikanischen Partei der USA. Und besonders beeindruckend ist, wie viel jugendliche Amerikaner sich für die Kampagne Ron Pauls zur Verfügung stellen, der mit 76 Jahren natürlich nicht der automatische Kandidat der Jugend ist.

 Man mischt sich in den Wahlkampf in Frankreich ein:

Bundeskanzlerin Angela Merkel und wichtige EU-Partner haben vereinbart, den französischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande während des Wahlkampfes nicht zu empfangen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Spiegel hervor. Der vertraulichen Absprache zwischen Merkel, Italiens Regierungschef Mario Monti und Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy habe sich auch der britische Premier David Cameron angeschlossen, berichtete das Nachrichtenmagazin.

Mit Kommentar von Herrn Mowitz:

Dennoch ist diese Aktion, unter Führung der ehemaligen Propagandasekretärin aus der untergegangenen DDR, Angela Kasner, heute Merkel, ohne Gegenstück im Nachkriegs-Europa. War man doch bisher immer bemüht so zu tun als seien Wahlen ausschließlich die inneren Angelegenheiten eines Landes sowie seines wählenden Volkes, in die sich das Ausland nicht einzumischen hat. Seit Übernahme der Staaten durch die Banken, nimmt man demokratische Gepflogenheiten sehr viel lockerer und kaum noch zur Kenntnis. In diesem Fall ist der Grund, dass Hollande, falls er gewählt wird, den gerade beschlossenen europäischen Fiskalpakt umverhandeln will. Sogar Großbritannien, obwohl es nicht den europäischen Fiskalpakt unterschrieben hat und auch nicht der Euro-Zone angehört, aber immer im Auftrag der City und US-Wall-Street als Brandstifter unterwegs ist, ließ seinen Premier David Cameron an diesen Affront gegen einen sozialistischen Demokraten gerne teilnehmen.

Hier konnte man sich nicht einmischen, daher ist das Ergebnis unbefriedigend:

Die Wahlbeteiligung im Iran lag laut der iranischen Nachrichtenagentur FARS gestern bei 66 Prozent die von der tendenziösen deutschen Politrukanstalt für Nachrichtenfälschung mit „bei mehr als 60 Prozent“ vermeldet wurde. Schnell schob man noch nach, dass die von der iranischen Regierung angestrebte starke Wahlbeteiligung, wohl doch nicht so toll gewesen sein konnte wie erhofft.

Und auch die Russen haben jemanden gewählt, der mißfällt:

Das Ergebnis ist keine Überraschung, Putins Sieg mit einem Wert, der sich bis zum Montagmorgen noch auf gut 63 Prozent steigerte, war die unspektakulärste und wahrscheinlichste Variante. Weit genug von einem Ergebnis unter 50 Prozent entfernt, das eine Stichwahl nötig gemacht hätte – das wäre eine Sensation gewesen und hätte Putin schmerzhaft geschwächt. Und auch weit genug von den 71 Prozent, die Putin noch bei den Präsidentschaftswahlen im März 2004 erhielt, zu den Hochzeiten seiner Popularität. Das hätte niemand geglaubt.

Ein Bericht über Sitzung der “Coalition of top tech & media companies to make [the] internet [a] better place for our kids“.

Mitglieder sind unter anderem solch ausschließlich am Wohlergehen der Allgemeinheit interessierte Unternehmen wie die Datenfresser und Privatsphärevernichter Facebook und Google. Nebst erklärten Gegnern von Netzneutralität wie der Deutschen Telekom und dem willfährigen Internetzensurgehilfen Vodafone befinden sich noch weitere Provider mit an Bord. Abgerundet wird diese illustre Runde durch die Teilnahme des Blackberry-Herstellers RIM, der bekanntlich repressiven Regierungen zwecks Ausspähung Zugriff auf die Gesprächs- und Datenleitungen seiner Kunden gewährt. Darüber hinaus sitzt mit Microsoft der weltweit schärfste Verfechter von OpenSource (Achtung, Ironie!) mit am Beratungstisch. Und um das Bild perfekt zu machen, darf Apple nicht fehlen. Apple ist ein Unternehmen, welches es für angemessen hält, seinen Kunden den Zugriff auf aus Apples Sicht “anstößige” Inhalte zu verbieten. Wenn es also eine Handvoll Unternehmen gibt, denen man vertrauensvoll Zensur- und Filtertechnologie an die Hand geben kann, dann sicherlich Unternehmen wie die zuvor genannten.
Ich habe mir die nun veröffentlichte Sitzung angehört und für die interessierte Öffentlichkeit meine persönlichen Highlights jeweils mit Zeitmarke herausgearbeitet.

Kunstgriffe, wie ich Gegner platt rede ohne selbst wirklich was zu sagen …

Oder so ähnlich kann ich mir vorstellen, was Politiker von Klein auf Lernen, um sich nach oben zu bekommen und wenn oben angekommen, auch oben zu verbleiben. Und bei wem sie in die Schule gegangen sein könnten? Schopenhauer hatte (vermutlich um 1830) einen Sack voll solcher Regeln zusammengetragen (Quelle), und wenn wir alle diese kennen, sollte ihre Wirkung verpuffen, oder?

So kenne ich das:

Eristische Dialektik (zu altgriechischeristiké téchne) ist der Name eines um 1830 entstandenen Manuskripts von Arthur Schopenhauer, in dem er als Eristik oder Eristische Dialektik eine Kunstlehre beschreibt, um in einem Disput „per fas et nefas“ (lat.; mit erlaubten und unerlaubten Mitteln) als derjenige zu erscheinen, der sich im Recht befindet. Zu diesem Zweck gibt er 38 rhetorischeStrategeme an, die also nicht der Wahrheitsfindung dienen, sondern dem Erfolg in einem Streitgespräch durch bestimmte argumentative Formen. Diesen Zweck haben auch klassische Sophismen. Einige davon werden von Schopenhauer ebenfalls aufgeführt. Er erwähnt das Manuskript 1851 in Parerga und Paralipomena. Dort distanziert er sich aber von diesem polemischen Ansatz.

Wem gehört eigentlich RTL?

Falls Sie schon immer mal wissen wollten, wem RTL „gehört”, empfehlen wir die Lektüre der jüngsten Pressemitteilung der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Dort wird nämlich deutlich, wie bestechend simpel die Zusammenhänge sind…

Und wer noch mehr lesen mag, schaut hier vorbei...

Bewegte Bilder:

Milch ist evtl. doch nicht so Gesund:

Ein Kälbchen, das die Milch seiner Mutter in pasteurisierter Version bekommt, stirbt nach allerspätestens einem halben Jahr, gelegentlich bereits innerhalb von drei Wochen.

 

Der übernächste Bundespräsident über Medien und Manipulation:

(Videos gefunden bei http://www.politaia.org

Nachrichten am Mittwoch

Heute auf die schnelle…

Auf welchem Planeten lebt der denn?

Doch schon das Vorwort zur Studie, welches Gauck noch vor seiner Nominierung schrieb, dürfte bei vielen netzaffinen Bürgern nicht gut ankommen, zu steil sind Gaucks Thesen: „Das weltweite Internet bietet alle Voraussetzungen, um die in den ersten zehn Artikeln unserer Verfassung verankerten Grundrechte aller Bürger in diesem Land auszuhöhlen.“ Aber warum sollte das Internet die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz (Artikel 3) oder die Glaubens- und Gewissensfreiheit (Artikel 4), den Schutz von Ehe und Familie (Artikel 6) oder die Versammlungsfreiheit (Artikel 8) gefährden?

Ein Tip für „Innen“-Hasser, die Firefox nutzen:

This extension is intended for better readability of German webpages which make overextended use of the so called „Binnen-I“. Binnen-Is are a phenomenon in German language, intended to show gender-parity in written texts – however in the eyes of many it is cluttering written language in an unnecessary way & it’s not part of common spelling rules.
(Kommt hier her…)

So viel zum Demokratieverständnis unserer Regierungen:

[…]Dass nämlich die Offenlegung eines Rechtsgutachtens (SJ-0501/11) zur Interpretation eines bereits unterzeichneten Abkommens ACTA die Ratifizierung beeinträchtigen könne, und folglich Beziehungen mit externen Unterzeichnerstaaten. Deshalb muss das geheim bleiben.

Na prima, jetzt dauert es noch länger bis die Ware kommt. Ich hab da bereits Erfahrungen mit machen müssen. Dauerte 1 Woche (!) länger. Und ich will kein Geld zu JPMorgan überweisen. Alternativen?

Die Auktions- und Verkaufsplattform Ebay stellt ihren Zahlungsprozess um. Ab dem Sommer soll Geld für Ware zunächst an Ebay überwiesen werden. Das Unternehmen zahlt die Summen erst nach dem Versand aus – und kassiert dafür höhere Gebühren.

Über Schulen, Schulsysteme und Lehrer:

Woher die Probleme an den Schulen kommen? Was sollte man erwarten von einem Menü, dessen Koch die Zutaten blind in den Topf warf und nur das Umrühren als seine Aufgabe empfand.

Ein weiterer Versuch, die einzige echte Oppositionspartei zu zerstören:

Linken-Chef Klaus Ernst betonte, Klarsfeld werde am 18. März in der Bundesversammlung nicht nur als Kandidatin der Partei antreten. „Alle Demokratinnen und Demokraten, die nicht Herrn Gauck wählen wollen, haben damit eine echte Alternative.“ Die in Paris lebende Journalistin stehe für Antifaschismus, Gerechtigkeit, soziale Verantwortung und Aufbegehren gegen herrschende Verhältnisse.

Was Ernst nicht sagte: Beate Klarsfeld steht auch und vor allem für einen parteiinternen Machtkampf und für die Aufweichung linker Positionen zugunsten einer möglichen zukünftigen Regierungsbeteiligung.

Noch was über ACTA:

Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass das Urheberrecht eine vorgeschobene Begründung für ACTA ist, wobei das Urheberrecht im deutschen Recht ohnehin schon sehr restriktiv gehandhabt wird. Mein Eindruck ist, dass gezielt eine Atmosphäre für die Durchsetzung von ACTA geschaffen wurde, die den Anschein erwecken soll, es ginge bei diesem Vertrag darum, das illegale downloaden von Musik und Filmen im Internet zu unterbinden und so den Sängern, Filmschaffenden, Komponisten usw. zu ihrem Recht zu verhelfen.

Aber ACTA befasst sich nur teilweise mit diesem Thema. ACTA umfasst die gesamte Palette jeglicher Handelserzeugnisse, für die in irgendeiner Form ein Markennamen und/oder -Zeichen oder ein Patent existiert. Wenn sich Monsanto in den USA ein Patent auf Schweine sichert, wird dieses Patent bei der Ratifizierung von ACTA auch in der EU Gültigkeit erlangen. Entsprechende Vorstöße von Monsanto in der EU hat es schon gegeben und wurden bisher abgeblockt. Das würde nach ACTA wohl nicht mehr gehen. Wenn Bauer Schmitz auf seinem Feld Gen-Mais anbaut und das Feld des benachbarten Bauern Müller durch den Wind kontaminiert wird, hätte Monsanto nach ACTA das Recht, von Bauer Müller Schadenersatz zu verlangen und könnte ihn zwingen, nur noch Monsanto-Saatgut zu kaufen und natürlich das hochgiftige Round-Up noch dazu. Das ist keine Phantasie, sondern die Praxis, die Monsanto in den USA, in Kanada, in Mexiko und in Argentinien angewendet hat.

Wird ACTA Wirklichkeit, wäre unser Rechtssystem in dieser Hinsicht dem der USA, Kanada und Mexiko angepasst und Bauer Müller hätte keine Chance mehr, aus dieser Falle zu entfliehen.

Die nächste Phase im EU-Drama:

Die EZB will ab sofort keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit annehmen. Hintergrund ist die Abstufung der Kreditwürdigkeit des Landes am Montag auf “teilweisen Zahlungsausfall”.

Fettes Essen und Rauchen doch nicht so schlimm?

An der 5.000 Jahre alten Gletschermumie ist jedoch nicht nur die genetische Veranlagung nachweisbar, sondern auch bereits ein Symptom der Erkrankung in Form einer Arterienverkalkung. Dabei war Ötzi seinerzeit nicht den Risikofaktoren ausgesetzt, die heute Herzkreislauf-Erkrankungen maßgeblich beeinflussen: Er war nicht übergewichtig, bewegte sich viel.

„Die Bestätigung, dass solche genetischen Veranlagungen schon zu Zeiten des Ötzi vorhanden waren, ist für uns sehr interessant. Denn es zeigt, dass Herz-Kreislauferkrankungen keineswegs moderne Zivilisationskrankheiten sind. Uns liegt nun daran, anhand dieser Daten die Entwicklung dieser Erkrankungen besser zu erforschen“, unterstreichen der Anthropologe Albert Zink und der Bioinformatiker Andreas Keller.

Für diejenigen, die „Neues aus der Anstalt verpasst haben…

Wenn ich alles richtig gemacht habe, sollte der Download der Sendung nach dem Klick sofort beginnen.

Über PPP:

Die ÖPP Deutschland AG, die mit dem Etikett der Staatlichkeit intensiv für die Privatisierung von Gemeingütern in der Form der Public Private Partnership agitiert, ist in einer konzertierten Lobby-Aktion ins Leben gerufen worden. Leichtfertig hatten wir einen unserer Artikel überschrieben: „Regierung arbeitet weiter an der Abschaffung des Staates“. Das war ein Fehler. Es muss heißen: Unter tatkräftiger Mithilfe der Regierungen arbeiten die Großkonzerne … ja, woran? An der Abschaffung des Staates? Mitnichten! Sie werden den Teufel tun; denn der Staat ermöglicht ihnen, vom erarbeiteten Mehrwert einen Löwenanteil für sich abzuzweigen, und zwar einerseits direkt, indem sie Rettungsschirme für systemrelevante Banken aufstellen lassen, andererseits indirekt, indem sie das neue Geschäftsmodell einführen: eben die Public Private Partnership (PPP).

„Auf Nummer sicher?“ erzählt die Geschichte der Journalistin Sandra Harkow, die gerade im Auftrag der Industrie ein Werbevideo für einen neuen Sicherheitschip herstellt. Ein Zeitreisender aus dem Jahr 2020 warnt sie eindringlich davor, dieses Video zu realisieren, da es verheerende Folgen für die Zukunft haben wird…:

Und zum Schluss:

 

 

 

 

Guttenberg – und die kleine deutsche Revolution

Nun ist er fort – für eine Weile. Karl-Theodor zu Guttenberg hat das Handtuch geschmissen, Deutschland ist bewegt. Bewegt in zwei Richtungen: die einen feiern, die anderen trauern. Was mich persönlich anekelt, ist die Häme, die in vielen Kommentaren unverholen auftritt, der Neid der viel-zu-vielen, wie Nietzsche sie genannt hat, Menschen, die eigentlich überhaupt nichts dagegen hätten, wenn sie selbst in der Haut das Barons stecken würden (reich, charmant, gutaussehen, gut verheiratet – einfach eine bessere Art von Mensch) aber es auf den Tod nicht ausstehen können, das es der Baron ist, der den Baron gibt – und nicht sie.

Es ist eine Kultur der Neider … und jene Kultur ist gerade da beheimatet, wo der „Leistungsträger“ haust, nicht dort, wo man versuchen muss, mit fünf Euro Regelsatzerhöhung fünfzig Euro Kostensteigerungen für Strom, Heizung und Lebensmittel zu bewältigen. Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, fehlt einem die Zeit, sich groß um andere zu kümmern. Ein großes Bedrohungspotential für den durchschnittlichen Parteifunktionär erhob sich da, ein Adel, der dem Volk gefiel.

Das Manager-Magazin fängt etwas von dem ein, was die Menschen an dem Baron mochten.

Die Geschichte hatte von Anfang an etwas Märchenhaftes. Von seiner Burg in den fränkischen Wäldern steigt ein Baron in die Niederungen der deutschen Politik herab. Alles an Karl-Theodor zu Guttenberg ist anders. Sein Vermögen macht ihn unabhängig. Er redet gewandt wie kaum ein zweiter im Parlament. Er sieht gut aus, hört AC/DC und hat seine Frau auf der Love Parade kennen gelernt.

Seine Umgangsformen sind perfekt. Seine Worte haben nicht dieses Boshafte, das bei anderen Politikern immer wieder mitschwingt. Das Parteiengezänk scheint ihm zuwider. Seine Popularität verdankt er keiner radikalen Meinung. Seine Ausstrahlung, seine Glaubwürdigkeit wecken Hoffnung in allen Lagern: Der macht das nicht für sich oder eine Klientel. Der macht das wirklich für uns alle. Deshalb vertrauen wir uns ihm an.

Deutlicher dann man die Ausnahme kaum beschreiben: er machte den Eindruck, er macht Politik für alle – nicht nur für sich selbst. Das überzeugte „in allen Lagern“.

Die Opel-Staatsbeihilfen hat er abgelehnt – das war was für uns alle. Das Afghanistan-Desaster endlich mal „Krieg“ genannt – und das als „Rechter“. Wie wohltuend unterschied er sich von Guido Westerwelle, der noch als Aussenminister auf Arbeitslosenjagd geht oder von Angela Merkel, von der man wohl nur aus den zukünftige Geschichtsbüchern erfahren wird, für welche Politik sie eigentlich steht. Sein Strahlen bekam erst Gewalt und hob ihn über den Durchschnitt durch den kriecherischen Niedergang demokratischer Kultur, die aus „Alternativlosigkeit“ ein politisches Konzept gemacht hat – von rechts bis links. Zwischen den ganzen Parteikarrieristen fiel er auf durch den Verdacht, er wäre die große Ausnahme im Bundestag, er wäre wirklich ein Mensch, der es aus eigener Kraft zu etwas gebracht hat und nicht von der Partei als Platzhalter zum Wohle aller Absahner eingesetzt wurde.

Was in dem Moment auffällt: die „Gang“ der „Absahner“, die Deutschland zum Zwecke der eigenen Bereicherung Hartz IV bei gleichzeitiger Bankenderegulierung verordnet hatte, ist bei den sogenannten „Konservativen“ nicht minder anzutreffen als bei SPD und Grünen. So liest man in der Welt:

Ausgerechnet er, der bürgerliche Werte so perfekt zu verkörpern schien, hat gegen sie verstoßen. Es wird der Union in Zukunft noch schwerer als bisher fallen, als Hort traditioneller Tugenden zu gelten. Eben sah es noch so aus, als verklinge allmählich das lange eingeübte Lied von der Bigotterie, Doppelmoral und mangelnden Glaubwürdigkeit der Bürgerlichen und Konservativen.

So werden wir uns also wieder an dieses Lied gewöhnen müssen. Haben wir aber doch schon längst: es macht doch überhaupt keinen Spaß mehr, sich über die Gaunereien der Schwarzen und Gelben zu empören – landesweit sind die doch als verbrecherische antichristliche Vereinigung schon längst akzeptiert, mit Skandalen über rechte Mauscheleien zur gegenseitigen Bereicherung überrascht man doch keinen CDU-Wähler mehr … von denen es auch immer weniger gibt.

Die Affäre Guttenberg erlaubt so einen tiefen Einblick in die ansonsten vernebelte politische Wirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland. Es war etwas sehr Denkwürdiges geschehen: ein adeliger Multimillionär wurde „einer von uns“ – jedenfalls in der Meinung weiter Teile der Bevölkerung.

Umso größer die Enttäuschung, das auch er – der es von Vermögen und Herkunft eigentlich nicht nötig gehabt hätte – ebenfalls zur „Gang“ der „Absahner“ gehörte. Für einen Moment schien es, als ob es wirklich noch Menschen geben könnte, die für das Volk leben können, anstatt von ihm, Regenten, die sich als erste Diener des Staates begreifen und nicht nur als Erste beim Plündern der Staatskasse.

Und – seltsamerweise – klingen gerade in der sonst konservativen Welt auch revolutionäre Töne an:

Die internetgestützte bürgerliche Volkssouveränität hat Guttenberg und Merkel daran gehindert, fünfe gerade sein zu lassen. Und das ist auch gut so.

Nun stoße ich mich gerade an dem Gebrauch des Begriffes „bürgerlich“, der weiter oben noch als Hort konservativer Tugenden beschrieben wurde, besser gesagt: ich störe mich an dem Versuch der Vereinnahmung dieses Begriffes für eine bestimmte Minderheit. „Bürger“ … ist hier jeder. Die „Bürgerlichen“ sind wir alle, auch die Obdachlosen oder die DKP. „Bürgerlichkeit“ in dem Sinne Konservativer leben können allerdings nur Reiche, Obdachlose können schlecht zum Tee einladen, Linke schmecken häufig das Kinderblut im Kaffee.

„Internetgestützte bürgerliche Volkssouveränität“ erinnert an revolutionäre Sprüche: „Wenn Dein starker Arm es will, stehen alle Räder still„, hieß es dazu früher mal – und in der Tat haben wir es hier mit einer kleinen deutschen Revolution zu tun, die auch zeigt, das sich die Machtverhältnisse langsam verschieben, wie auch das Handelsblatt bemerkt:

Jenseits allen Spotts hat die Affäre gezeigt, wie stark das Internet im Zusammenspiel mit den klassischen Medien die Politik beeinflussen kann – wenn das Thema die Nutzer nur genügend interessiert.

Nun – das Ganze hat nicht die Dramatik der arabischen Revolten – hier wurde weniger ein Potentat abgesägt, sondern mehr eine potentielle Lichtgestalt, die als solche auch für weite Kreise der berufsmäßigen Staatskassenplünderer gefährlich werden konnte, weil er so schrecklich beliebt und unabhängig schien. Was wäre, wenn der beim Plündern nicht mitmachen möchte?

Jetzt können sich wieder alle ruhig zurücklehnen: die Gefahr ist gebannt – und hatte real auch nie bestanden.

So langsam verlagert sich die politische Macht von der Wahlurne zum Bildschirm und eine technische Spielerei wird zu einem Feld lebendiger Demokratie – möglicherweise zu unserem Marktplatz, auf dem wir uns versammeln, um Deutschlands Bürgern wieder eine Zukunft geben zu können – jenseits von Parteienfilz und Konzerndiktat.

Vielleicht … war es aber auch nur die Rache der Neider.

 

Hamburger Bürgerschaftswahl, Hartz IV, Nine-Eleven und die Revolutionen in China und den USA

Hartz IV wird eine Zäsur bringen … habe ich früher meinen Arbeitskollegen gesagt, alles gestandene „Leistungsträger“. Alle haben das verstanden. Alle fanden es ungerecht, brutal, destruktiv für Motivation und Identifikation mit dem Gemeinwesen Deutschland. Da aber alle die Taschen voller Geld hatten, war keiner bereit, sich zur Rettung der Republik weit aus dem Fenster zu hängen … die Firma hätte umgehend sanktioniert, der Betriebsrat hätte zugestimmt, da die Arbeitsverträge ein gewisses professionelles Auftreten in der Öffentlichkeit forderten – was ja auch entsprechend honoriert wurde. Da wären sogar Bundestagsabgeordnete neidisch geworden ob der Ausstattung, die man sich vom Geld der Krankenversicherten leisten konnte.

Dabei ist Hartz IV ein historischer Moment, der alle angeht. Hier wird die Frage entschieden: wie geht man mit jenen Menschen um, die man durch Maschinen ersetzt hat, eine Frage, die sich laut Focus nun auch China aktuell stellen muß:

Roboter ersetzen Wanderarbeiter. Dennoch herrscht Fachkräftemangel im Milliardenstaat China. Die rote Industrialisierung beginnt.

Wir kennen dieses Phänomen seit vierzig Jahren.  Wir wissen, das die Maschinen Arbeitskraft in Massen freisetzen, die nicht mehr gebraucht wird. Hier ist ein historischer Moment gewesen, den Weg zur Demokratie mutig weiter zu beschreiten.

Wir waren lieber feige und haben die freigesetzten Arbeitskräfte kriminalisiert, ihnen frech und unfair unterstellt, die Massenarbeitslosigkeit sei einfach nur ihre Schuld, weil sie faul, versoffen und gefrässig sind. Wir schufen eine Arbeitspolizei, die die Kriminellen bestraft, ihre Grundrechte beschneidet und sie zur Not in den Hungertod schickt – schlichtweg amerikanische Verhältnisse, möchte man sagen.

Das war die äußerst bequeme Privatisierung  der Globalisierungsfolgen. Erst reiße ich Dein Haus ein, dann verklage ich Dich wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und mache Obdachlosigkeit zum Verbrechen – so lautet in etwa das Prinzip, ein Prinzip, das in der amerikanischen Raubkultur schon lange gültig ist.

Und es geht hier ganz speziell um den Einfluss gewisser „Think Tanks“ – nicht um die „böse“ US-Kultur an sich. So kommt man von Hartz IV zur Hamburger Bürgerschaftswahl, wo wieder einmal eine personelle Besonderheit greift, wie WiSoPo ausführt:

Was hat der Aufenthalt von Scholz bei der Bilderberg-Konferenz 2010 nun mit dem Wahlsieg der SPD in Hamburg zu tun?
Ein Blick in die jüngere Geschichte dieser Konferenzen gibt Aufschluss darüber, wie eng politischer Erfolg mit einer Teilnahme an diesen Treffen verbunden ist:

Guido Westerwelle nahm 2007 an dieser Konferenz teil, zwei Jahre später ist er Vize-Kanzler.
Angela Merkel nahm 2005 an der Konferenz teil, im selben Jahr wird sie Kanzlerin.
Helmut Kohl nahm 1980 und 1982 an der Konferenz teil, 1982 wird er Kanzler.
Helmut Schmidt nahm 1973 an der Konferenz teil, 1974 wird er Kanzler.

Das die politische Karriere des Herrn Scholz mit dem Ende seiner Arbeit als Bundesminister ebenfalls zu Ende geht, erschien mit seiner Teilnahme an der Konferenz 2010 absurd. Insofern überrascht es doch kaum, dass er ein neues Betätigungsfeld auf politischer Ebene gefunden hat.

Schon wieder wird es unheimlich, schon wieder taucht jenes Netzwerk der superreichen Amerikaner auf, die auf undurchschaubaren Konferenzen geheime Dinge mit unseren Politikern besprechen, die daraufhin erstmal richtig Karriere machen und unheimliche Entscheidungen treffen.  Das ist in etwa so unheimlich wie die Revolutionswelle, die momentan all jene Staaten heimsucht, die den USA geostrategisch im Weg standen und deren Diktatoren den Höhepunkt ihrer Nützlichkeit lange hinter sich gebracht haben. Nun erreicht die Welle auch den neuen Erzfeind China, der in den letzten Monaten immer bedrohlicher geworden ist, hier zitiert bei breakfastpaper:

Die Massenproteste und Unruhen in der Arabischen Welt haben bereit jetzt eine ganze Region verändert. Das hat nun auch chinesische Aktivisten ermutigt, in ihrem eigenen Land für mehr Gerechtigkeit und Freiheit zu kämpfen.

Ein Aufruf im Internet zu einer “Jasmin-Revolution” brachte Demonstrationen in 13 Städten hervor. Hunderte gingen auf die Straße und protestierten gegen das kommunistische Regime, welches umgehend Maßnahmen einleitete: Die Proteste wurden in kurzer Zeit aufgelöst, Internet und SMS zensiert und auf das Wort “Jasmin” gefiltert (Quelle: dpa), Aktivisten festgenommen und unter Hausarrest gestellt.

„Ein Aufruf im Internet“ … jener Ort, von dem aus auch die anderen Revolten koordiniert und nacheinander gestartet wurden. Da kommt mir PNAC in den Sinn. Man erinnert sich kaum noch dran, aber die Welt ordnet sich gerade genau so, wie PNAC es wollte, siehe Wikipedia:

Das Project for the New American Century (PNAC), zu deutsch: Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert, war eine US-amerikanische neokonservative Denkfabrik mit Sitz in Washington, D.C.. Es befand sich im selben Gebäude wie das American Enterprise Institute.

Es wurde im Frühjahr 1997 als nicht-kommerzielle Ausbildungsorganisation mit dem Ziel gegründet, für weltweite Führerschaft der Vereinigten Staaten zu werben. Das PNAC wurde im Jahr 2006 aufgelöst.[1] Die 2009 gegründete Foreign Policy Initiative ist als Nachfolgeorganisation des PNAC zu sehen.[2]

Wenn Diplomatie gescheitert sei, seien Militäraktionen ein akzeptables und nötiges Mittel (Carl von Clausewitz). Das PNAC befürwortet die weltweite Errichtung dauerhafter eigener Militärstützpunkte, um die USA weitestgehend unangreifbar zu machen. Als „Weltpolizist” (bzw. „Welt-Ordnungs-Hüter”) hätten die Vereinigten Staaten die Macht, in einer chaotischen „hobbesianischen” Welt für die Einhaltung von Recht und Gesetz gemäß den von den USA gesetzten Maßstäben zu sorgen – wenn es sein muss, auch ohne Absprache mit oder Rücksichtnahme auf Verbündete und andere supranationale Organisationen, Verträge und sonstige Rechtsverbindlichkeiten (Unilateralismus). Darin sehen alle Kritiker einen klaren geschichtlichen Rückfall hinter die mühselig errungenen Fortschritte im Völkerrecht seit dem Westfälischen Frieden.

Und diese Rückschritte im allgemeinen Rechtswesen gilt nicht nur für die Aussenpolitik, wie wsws berichtet, ist man mitlerweile auch innenpolitisch dabei, andere Methoden aufzuziehen:

Am Mittwoch demonstrierten ca. 30.000 Leute in Madison, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Wisconsin, gegen die Angriffe von Gouverneur Scott Walker auf die Löhne und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Unter anderem nimmt das Gesetz den Beschäftigten das Recht, mit dem Arbeitgeber über Fragen der Renten, Gesundheitsversorgung und Arbeitsbedingungen zu verhandeln. In Tarifverhandlungen dürfte es demnach nur noch um Entlohnung gehen, doch jede Steigerung müsste im Rahmen der durchschnittlichen jährlichen Preissteigerungsrate liegen. Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes müssten fast doppelt so hohe Renten- und Krankenkassenbeiträge bezahlen wie bisher.

Neben diesen einschneidenden Maßnahmen hat Gouverneur Walker die Angestellten durch seine antidemokratischen Methoden erzürnt. Am 11. Februar gab er bekannt, dass er die Nationalgarde in Bereitschaft versetzt habe, um jeden Widerstand der Beschäftigten niederzuschlagen.

Nationalgarde im Einsatz gegen staatliche Angestellte … bekommt eigentlich noch jemand mit, das wir gerade im Sinne von PNAC die Schwelle zur Militärdiktatur in den USA überschritten haben? Eigentlich nicht verwunderlich angesichts der fortschreitenden Verrohung der us-amerikanischen Streitkräfte, die wir in den letzten Jahren im „Kampf gegen den Terror“ und deren ziviles Umfeld erleben durften.

Im Sinne von PNAC ist auch die Zerstörung demokratischer (und somit sozialer) Strukturen in den Bündnisländern, die Unterordnung der gesamten Gesellschaft unter Konzerndirektiven und die Privatisierung des gesamten öffentlichen Beschäftigungssektors, um möglichst viele Menschen unter direkte wirtschaftliche Kontrolle zu bekommen.

Wir dürfen natürlich nicht mehr in diese Richtung denken, weshalb die internationale Politik sich weiter hemmungslos im Interesse von PNAC entwickelt – und entwickeln muß, das die Wirtschaft des Landes am Ende ist. Ein interessantes Detail möchte ich aber dann doch nochmal erwähnen, gefunden bei Arbeiterfotografie.de:

Hier erinnert Ex-Minister Meacher an einen Präzedenzfall aus der US-amerikanischen Geschichte: »Das Nationalarchiv der USA hat enthüllt, dass Präsident Roosevelt in Bezug auf Pearl Harbor am 7. 12. 1941 genau diese Taktik angewandt hat. Warnungen über den bevorstehenden Angriff waren rechtzeitig eingegangen. Die anschließende nationale Entrüstung (über den japanischen Angriff) überzeugte eine widerwillige amerikanische Öffentlichkeit von der Notwendigkeit, sich am Zweiten Weltkrieg zu beteiligen«, schreibt Meacher und schlägt dann den Bogen zum 11. September und der PNAC-Gang: »In der PNAC-Blaupause vom September 2000, in der die Umwandlung der USA in die dominierende Macht von Morgen beschrieben wird, steht zu lesen, dass dieser Prozess ein langwieriger sein wird, es sei denn, es gäbe ein katastrophales und katalysierendes Ereignis – wie ein neues Pearl Harbor« zitiert Mr. Meacher und erklärt, dass erst vor diesem Hintergrund die vielen offenen Fragen und Widersprüche um den 11. September einen Sinn ergäben.

Ein wunderbarer Zufall hatte den Denkern von PNAC jenes Ereignis beschert. Zufällig kamen die Täter auch aus jenem Bereich, den man zuvor schon für den „Kampf der Kulturen“ vorgesehen hatte – und nebenbei konnte man auch … mit krassen Lügen und völlig am Völkerrecht vorbei … den  nützlichen alten Waffenkameraden Saddam Hussein um seine Ölquellen bringen.

Sowas regt zum Nachdenken an. Auch wenn die öffentlichen Verschwörungstabus dies effektiv verhindern, bleibt eine gewisse Skepsis übrig, wie Rainer Rupp in Ossietzky ausführt:

So ist zum Beispiel die Hälfte der Befragten davon überzeugt, daß die deutsche Bundesregierung kriminell ist, ebenso wie der Bundesnachrichtendienst. Über 56 Prozent der Befragten gehen davon aus, daß deutsche Geheimdienste bei den noch nicht aufgeklärten Terrorakten der RAF in der BRD der 1970er und 1980er Jahre ihre Finger im Spiel hatten. Nur 36 Prozent glauben an die Unschuld der Dienste. Auf die Frage, ob die US-Regierung der Weltöffentlichkeit die ganze Wahrheit über die Anschläge des 11. September 2001 gesagt hat, antworteten sogar 89,5 Prozent mit »Nein« und nur 9,2 Prozent mit »Ja«.

Das ist die Überzeugung des Volkes – und so kommt man von der Hamburger Bürgerschaftswahl direkt zu den Unruhen in der arabischen Welt, nine-eleven und Hartz IV. Alles Erscheinungen, die ein neues amerikanisches Jahrhundert einläuten, ein Jahrhundert, das zur Not mit Waffengewalt durchgedrückt wird, für das man auch locker mal ein paar Tausend eigene Leute über die Klinge springen lassen kann … Krieg kostet halt auch mal Leben auf der eigenen Seite. So gesehen kam man – angesichts des Erfolges – eigentlich noch ganz gut davon.

Und wer nun meint: „Ok, ich bin nicht arbeitslos, kein Ausländer, keine Frau, kein Rentner, kein Beamter oder staatlicher Angestellter, mir geht´s gut bei McDonalds“ der kann sich anschauen, was dieses System aus seinen Kindern macht, gefunden bei B.N.D.-Net:

Die Perfektionierung tobt schon in der Kindheit heftig – es ist der Traum vom sozialen Aufstieg. Jedes vierte Kind bis acht Jahre wird mittlerweile zur Fördertherapie geschickt. Nach dem vollen Schultag gehen sie zum Hockey, zum Tennis, zum Segeln, zur Musikschule. Manchmal haben Kinder an einem Nachmittag zwei bis drei Programmpunkte zu absolvieren. Der gesamte Komplex zwischen Geburt und Abitur ist zu einer Mischung aus Wettrüsten und Leistungsschau geworden. Schlimme Krisen drohen für die Eltern, wenn ihr Kind später als andere krabbelt. Dem Druck halten nicht alle Kinder stand. Zunehmend bedürfen schon Grundschüler therapeutischer Behandlung. Erst sind es Bauchschmerzen, später folgt die Leistungsblockade bis hin zur Depression. Bis zu zehn Prozent der 12- bis 17-jährigen haben oder hatten Depressionen. Die Kinder stehen unter Druck: Einfach nur spielen – ist das heute überhaupt noch möglich?

So regiert PNAC über Hartz IV direkt in die Kindheit hinein – ganz einfach und kostengünstig durch die Implementierung von nagelneuen Prinzipien und einer Arbeitspolizei, die Fehlverhalten sanktioniert. Sowas ist billig, effektiv und renditeträchtig. Aber das sind ja gerade die Chancen einer globalisierten Welt: man kann oben was hineingießen und erreicht in der Tat die Grundschulen der Eifel in den hintersten Wäldern.

Damit das funktioniert, muß man nur ein paar Politiker … einladen … die dann zufällig auch immer wieder in Spitzenpositionen gelangen und entsprechende Gesetze verabschieden, die in eine alternativlose Zukunft führen.

Irgendwie scheint langsam der Zeitpunkt zu kommen, wo es heißt: „DIE oder WIR„.

Wie in jedem Western.


Arizona: Blutbadausschlachtung leicht gemacht

Man sollte Blutbäder nicht ausschlachten, dachte ich mir gestern, zumal, wenn es ein so kleines war. Manche dieser Blutbäder sind bedeutend, weil sie auf substantielle Veränderungen in einer Gesellschaft hinweisen, andere aber sind … einfach normal.  Massenmörder gehören in den USA zum Alltag. Rudimentär kann ich mich an ältere Daten erinnern, die von 600 aktiven Serienmördern in den USA sprachen, während man in Deutschland bei einem Drittel der Bevölkerung nur auf ein paar kam … zehn wurden 2004 vermutet.

Im Heimatland das Kapitalismus knallt man die Konkurrenz gerne mal über den Haufen – das schafft den größten Profit. Da US-Konzerne per Gesetz verpflichtet sind, den größtmöglichsten Gewinn ohne Rücksicht auf Verluste zu erwirtschaften (und deshalb eigentlich schon im Prinzip als kriminelle Vereinigung gelten müßten), ist es ein Wunder, das noch so viele amerikanische Bürger irgendwie überleben.

Auf der anderen Seite der Grenze sterben diese Massen schon. Dort gab es die Ciudad Juarez, laut Sächsische Zeitung die „Welthauptstadt der Frauenmorde„.  Schon mal gehört? 28 Frauenmorde im Jahr – kräht kein Hahn nach, erst recht nicht, seitdem die Drogenbarone so mächtig geworden sind, das sie selbst der mexikanischen Armee Paroli bieten können. Das die finanzielle und politische Macht jener Kartelle um ein vielfaches größer ist als die Macht von al Kaida (wie schreibt man das eigentlich momentan, aktuell?) , ist eigentlich kein Geheimnis – aber wen interessiert das schon. Mafia und Massenmörder sind akzeptierte Bestandteile der amerikanischen Kultur, die nicht umsonst auch in Kinofilmen verherrlicht werden … ich denke da an den „Paten“ oder „Natural Born Killers“.

In diesem Kugelhagel sterben zwangsläufig auch mal „Lichtgestalten der Politik“ – sogar einen erlöserhaft präsentierter US-Präsident mußte dran glauben … und auch kam man schnell in den Dunstkreis der Mafia.

Eine solche Kultur färbt natürlich auch auf die Sprache ab, wie man in der Zeit lesen kann:

Sarah Palin arbeitete mit Wahlkreiskarten, auf denen sie demokratische Gegner mit einem Fadenkreuz versah. In Anspielung auf den überraschenden Sieg des Republikaners Scott Brown bei der Senatsnachwahl in Massachusetts im Januar 2010 gab sie die Parole aus, die Kongresswahl im November sei die Gelegenheit „to reload“ – nachzuladen. Giffords republikanischer Herausforderer in Arizona war der 29-jährige Jesse Kelly, Unteroffizier bei der Elitetruppe US Marines. Er bat um „Hilfe, Gabrielle Giffords aus dem Amt zu entfernen“ und lud direkt danach dazu ein, „eine vollautomatische M 16 mit mir leer zu schießen“, das Schnellfeuergewehr der Marines.

So sind die halt, das ist ihre Kultur.  Wenn die was nervt, dann ballern die. Die brauchen auch keinen Grund dafür. Der deutsche Journalist sucht ja schnell nach einem Raster, das zu erkennen gibt, ob der Schütze der CDU oder der SPD nahe gestanden hätte. Das wird hier laut FAZ schwierig:

Der mutmaßliche Mörder Loughner verabschiedete sich vor seiner Bluttat mit einem Eintrag auf seiner Facebook-Seite und kündigte an, er werde „etwas beweisen“. Auf der Internetseite „MySpace“ und auf „YouTube“ gab er zudem weitere Einblicke in sein Innenleben, bezeichnete als eines seiner Lieblingsbücher etwa Hitlers „Mein Kampf“, aber auch das „Kommunistische Manifest“ von Karl Marx. Die meisten Menschen im achten Wahlbezirk von Arozina, den die Abgeordnete Giffords vertrat, bezeichnete er als „Analphabeten“. Außerdem wurde bekannt, dass sich Loughner im September 2008 vergeblich um die Aufnahme in das amerikanische Heer beworben hatte. Die Tatwaffe, eine halbautomatische Glock 19 mit etwa 30 Schuss Neun-Millimeter-Munition, soll Loughner am 30. November offenbar legal bei einem Waffenhändler in Tucson erworben haben.

Laut „Zeit“ las er aber auch gerne Alice im Wunderland.  Paßt aber gerade in unsere neu aufgelegte Kommunistenhatz. Wer das kommunistische Manifest liest, kann ja nur ein Amokläufer wie Hitler sein. In der „Zeit“ erfährt man nebenbei, das das Opfer auch Jüdin war, aber das ist bislang niemandem groß einen Kommentar wert. Das Menschen, die „Mein Kampf“ lesen, schon mal Juden erschiessen, dürfte so bekannt sein, wie die Tatsache, das auch Marx kein Freund dieser Religion war.

Für den Spiegel ist es jetzt schon klar, wer Schuld an der Entwicklung hat: das Internet.

Und über das Internet bahnt sich Hass blitzschnell seinen Weg in Millionen E-Mail-Konten. Nach den Anschlägen in Oklahoma dauerte es Tage, bis die Schuldfrage wirklich in Gang kam. Das Internet war damals noch weitgehend ein Spielzeug für Computerfreaks. Diesmal beginnen die Debatten nach wenigen Minuten.

So kann man den Amoklauf dazu benutzen, nebenbei mal auf die Hassautobahn hinzuweisen, ohne die es möglicherweise die Anschläge ja gar nicht gegeben hätte. So bildet sich das Volk schneller eine Meinung, ohne das ein Chefredakteur sie abgesegnet hat – eine grauenhafte Vorstellung.

So wird dieses Blutbad auch im Internet weidlich ausgeschlachtet, jeder sieht seine Theorie dadurch bestätigt. Cyberweiber.at sieht das Opfer deutlich in seiner Rolle als Frau und kritisiert gleichzeitig einen Artikel von Radio Utopie, die wohl eher das Militär hinter dem Attentat vermuten.

Die Welt erlaubt sich noch eine kleine Extrabreitseite auf … Weltuntergangsfans:

Demnach habe Loughner zuletzt gerne über Prophezeiungen der Maya diskutiert, denen zufolge die Welt 2012 untergehen werde. Parker schrieb weiter, Loughner habe die Punkband „Anti-Flag“ gemocht und linken Sichtweisen zugestimmt.

Der erste Reflex des Menschen der Moderne: wem gehört der Täter und die Tat politisch – und wen kann man mit der Tat so richtig fertig machen.

Liest man einfach einmal quer durch, so kommt einem ein übler Gedanke: der Täter hat vielen einen Gefallen getan. Der Tea-Party und ihren Gegnern, den Demokraten und ihren Gegnern, den Frauen und ihren Feinden, dem Militär und seinen Gegnern, den Esoterikern und ihren Feinden.

Wie langweilig wäre doch die Medienwelt gewesen, wenn der nicht geschossen hätte.

Dabei ist – auch wenn es in manchen Nachrichtenmagazinen ganz tolle neue Statistiken gibt, die anderes andeuten – Amerika ein Land der Gewalt. Da schießt man halt, nur meistens trifft es Unbekannte. Nur in der Statistik wird es friedlicher, was laut Zeit einen besonderen Grund hat:

Während nämlich vor 40 Jahren ein Angeschossener, ein Angestochener oder anderweitig Schwerverletzter kaum eine Überlebenschance gehabt habe, reanimiere die moderne Notfallmedizin heute noch Dreivierteltote.

In Wirklichkeit, sagen die Mordforscher, grassiere in der Welt die Gewalt.

Die Rate schwerwiegender körperlicher Attacken habe in den vergangenen 70 Jahren in den USA um 750 Prozent zugenommen.

Na ja, jetzt habe ich die Tat dann doch auch mal ausgeschlachtet.  War doch mal wieder ein passende Gelegenheit, auf das Phänomen hinzuweisen, das die meisten amerikanischen Großstädte (die jetzt – statistisch gesehen – friedlicher als in den 90´er Jahren sind) jede für sich allein mehr Morde aufweisen als die ganze Bundesrepublik Deutschland. Aus der Antwort auf die Frage, warum das wohl so ist, könnte man vielleicht was lernen – jedenfalls mehr als aus den Versuchen der politischen Amoklaufvermarktung


Julien Assange, der Tod und die Wiedergeburt der Demokratie

Ich bin gerne mal ein Freund deftiger Worte – erst recht in dem Fall Wikileaks, in dem kaum eine Woche vergeht, in dem mir nicht irgendein Medienapostel erklärt, das „Wikileaks“ ganz schlecht ist und der Bürger auf keinen Fall ungefärbte Wahrheiten verträgt. So etwas kann man inzwischen ganz offen in Nachrichtensendungen hören. Schamlos und ohne jede Bedenken entmündigen Pressefürsten die Bevölkerung, der man nur „aufbereitete“ Wahrheiten zumuten möchte. Das eine „aufbereitete“ Nachricht eine deutlich und absichtlich manipulierte Nachricht ist, scheint inzwischen schon selbstverständlich zu sein.

Eine Weltmacht jagt öffentlich einen einzelnen Menschen. Offen diskutieren Journalisten darüber, das es eigentlich gar kein Gesetz gibt, das Julien Assange übertreten hat, offen wird geantwortet, das man schon irgendetwas finden wird – oder man erschießt ihn eigentlich einfach so. Das ist das brutale, arrogante Antlitz einer Diktatur, die sich vor Öffentlichkeit nicht fürchten muß und Konfrontationen der Öffentlichkeit mit Wahrheit mit Gewalt unterdrücken möchte, damit die Fratze der Menschenfeindlichkeit nicht all zu offen zu Tage tritt – und wo bleibt der Aufschrei der Journalisten und Politiker bei dieser Menschenjagd, die inzwischen Wellen schlägt, die bald an Staatsfeind Nr. 1 Osama bin Laden erinnern?

Warum sollten sie auch aufschreien … sie werden von dem System bezahlt und dienen dafür seiner Stabilität, ordnen Tag für Tag Nachrichten so ein, das sie in das öffentlich gewünschte Bild passen – lediglich ein Altkanzler traut sich laut Welt aus der Deckung:

Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat die Verfolgung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange durch amerikanische Firmen und Politiker als „unklug“ verurteilt. „Das wirkt wie Rache, und das ist es auch“, sagte Schmidt im „Zeit“-Magazin.

Natürlich ist der Rachefeldzug gegen einen Journalisten unklug, denn es zeigt, was man von Pressefreiheit hält. Vielleicht muß man  Scharfschütze sein, um die Sicherheit zu haben, sich dem System öfffentlich entgegen zu stellen, so wie jener Mensch, der laut Süddeutscher Zeitung Julien Assange jetzt Obdach gewährt:

Smith betrachtet sich selbst als einen radikalen Liberalen, der konsequent für Bürgerrechte und Meinungsfreiheit eintritt. Politische Parteien sind ihm suspekt. Diese gehören für ihn zum politischen Establishment, und das entfernt sich nach Meinung von Vaughan Smith in den westlichen Staaten immer weiter von den Idealen der Demokratie.

Schön, so etwas auch mal von einem etablierten, mutigen und risikofreudigen Journalisten zu hören. Aber mit einem eigenen Landsitz im Rücken und einer Ausbildung als Scharfschütze lebt es sich schon anders als als alleinerziehende Mutter mit befristetem Angestelltenvertrag und notorischer Dauerflucht vor den Fängen der ARGE, wo man möglicherweise der Willkür gerade jener Menschen ausgesetzt ist, die man durch seine journalistische Arbeit verärgert hat.

„Journalismus“ ist kein Selbstzweck. Informiert er nicht mehr, dann braucht ihn keiner.  Vor drei Jahren gab es einen Artikel in der Welt zum Tag der Pressefreiheit:

Die klassische Bedrohung der Pressefreiheit durch totalitäre Regime ist zurückgegangen. Doch es wächst, auch in Deutschland, eine verdeckte Bedrohung durch fragwürdige Rechtsprechung und politische Maßnahmen. Viele Beispiele mahnen am heutigen Unesco-Tag der Pressefreiheit zu erhöhter Wachsamkeit.

Berührt ein Thema die Machtstellung der Regierenden, endet die Freiheit auf eine Weise, die Leser nicht zwingend als Zensur erkennen. Auf der Seite 1 stehen dann Texte, die Informationen täuschend ähneln. Es sind aber keine. Ihnen fehlen, kaum merklich, verbotene Details, oder verbotene Zusammenhänge. Die Seite 1 sähe vollgeschrieben aus. In Wahrheit aber wäre sie leer.

Es ist, wie Torsten Kraul in der Welt schreibt, eine subtile Bedrohung der Pressefreiheit, die sich nun 2010 ganz offen auslebt. Wer wann was erfährt, das bestimmen anonyme „Mächtige“.  Karl-Hinrich Renner vom „Hamburger Abendblatt“ zeigt auf, worum es wirklich geht:

Denkt man es zu Ende, könnten die Enthüllungen von WikiLeaks der Anfang vom Ende des Herrschaftswissens sein, so wie wir es bisher kennen.

Schön, das es mal jemand ausspricht: „Herrschaftswissen“ ist jener Machtfaktor, den Wikileaks zentral angreift. Mithilfe von Herrschaftswissen können Massen dirigiert werden – und an dieser Diktatur verdienen so viele so gut, das sich kaum ein Widerstand entfalten kann. „Wissen ist Macht“ – und diese Macht des Journalismus, an dem gut verdient wurde, ist in Gefahr, weshalb – nochmal aus dem Abendblatt – Verleger Zeter und Mordio schreien:

Die Rede war rhetorisch brillant, mehr aber auch nicht. Als der Schweizer Verleger Michael Ringier am 18. November auf den Zeitschriftentagen in Berlin über die neue Stärke von Print sprach, arbeitete er sich vor allem am Internet ab. Dort gebe es „den digitalen Mob“. Mit Journalismus hätten die Hervorbringungen des Netzes nichts zu tun, mit preisgekröntem schon mal gar nicht. „Wir brauchen Edelmetall“, sprach der Verleger, „den Schrott finden Sie im Internet.“

„Wir brauchen Edelmetall“ … das stimmt. Darum geht es Verlegern – um Gold, am Besten im eigenen Tresor. Wir Bürger brauchen Wissen, Informationen, Fakten – und gerne auch sehr unterschiedliche Meinungen zum Thema, das erleichtert das Finden der eigenen Position, die wir im Prinzip nicht gerne vom Kommentator der Tagesschau kritiklos übernehmen möchten. Den gesellschaftlichen Sinn reicher Verleger an sich können wir als Bürger nicht auf Anhieb erkennen.

Wird Information Ware und Mittel zum Zweck der Machterhaltung und persönlichen Bereicherung, ist die Pressefreiheit nur noch ein Witz. Es scheint bald sowieso nur noch die Freiheit einiger weniger Reicher zu sein, ihre Meinung auf vielen Kanälen gleichzeitig zu verbreiten, während der gemeine Bürger andächtig lauschen darf.

Wir brauchen deshalb Qualität in Journalismus und Berichterstattung mehr denn je. Aber wer kann das gewährleisten? Es gibt angestellte Journalisten, die ihr Tagewerk verrichten, indem sie Agenturmeldungen verwerten und die eigene Stellungnahme so weit wie möglich ausfallen lassen. Es gibt freie Journalisten, die darauf angewiesen sind, dass jemand ihre Artikel kauft. Gekauft wird oft nur, was stromlinienförmig ist. Und es gibt Blogger, die oft nicht über die Informationen und Mittel verfügen, welche den klassischen Medien zur Verfügung stehen. Genau an dieser Stelle offenbart sich des Pudels Kern: Das klassische Verständnis von Journalismus und Pressefreiheit taugt nicht mehr, um den Bedürfnissen der Informationsgesellschaft zu genügen.

Das schreibt Tobias Kläner in einem Kommentar auf Telemedicus und es bringt unsere Problematik auf den Punkt:  Journalismus alleine reicht nicht mehr – und wehrt sich dagegen mit Gewalt.

Die internationale Hetzjagd auf Julien Assange ist nichts weiter als der endlich öffentlich erfolgende Angriff auf die Pressefreiheit. Hier sieht man, welche heimlichen Allianzen sich in den letzten Jahrzehnten gebildet haben und wer alles gezielt an der Zerstörung der demokratischen Ideale arbeitet. Doch darin liegen ungeahnte Möglichkeiten einer Wiedergeburt des demokratischen Ideals. Klar erkennbar werden auch  notwendige Voraussetzungen, die die Widergeburt des demokratischen Ideals sicherstellen: die absolute Freiheit des Internet, um unbeeinflußte Informationsströme sicherzustellen – und ein bedingungsloses Grundeinkommen, das die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Bürger sicherstellt. Damit endet dann das Zeitalter der Diktatur des Herrschaftswissens und wir können uns aufmachen, wieder mal mehr Demokratie zu wagen. War doch das letzte mal auch ganz ok, oder?

2011 – alles wird teurer, Internet kommt weg und Deutsche sind froh wegen gelungener Beschäftigungstherapie

Was kommt im nächsten Jahr? – eine Frage, die sich jedes Jahr wiederholt. Eigentlich mal Zeit, selbst ein wenig in die Zukunft zu blicken. Der Brüderle von der FDP wagt ja laut Welt einen ganz großen Blick nach vorne:

„Wir sehen einen nachhaltigen Aufschwung, der durchaus über die kommenden Jahre anhalten könnte. Angesichts der rückläufigen Bevölkerung in Deutschland und des Fachkräftemangels in der Wirtschaft könnte es ein Jahrzehnt der Arbeitnehmer werden“, sagte Brüderle der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“.

Als ob nicht schon das letzte Jahrzehnt das Jahrzehnt der Arbeitnehmer war. Immerhin haben sie durch Lohnverzicht und unbezahlten Überstunden dafür gesorgt, das wir in ganz Europa billige Waren verkaufen konnte – man hätte uns „Klein-China“ nennen können, es fehlten eigentlich nur noch die blauen Anzüge. Das wir die Einheitspartei irgendwie schon haben und nur noch ihre Fraktionen sich um ein paar Prozent Wählerstimmen streiten,  könnte man angesichts der aktuellen Politik ja mal denken. Ein Parteinahme wäre auch schon: Neoliberale Einheitspartei der Prominenz – kurz NEPP.  Nun, es wird wohl einer der letzten Auftritte Brüderles geworden sein, die FDP als Partei der Zahnärzte und Hoteliers merkt gerade, das sie die Zahl der reichen Zahnarztpraxen in Deutschland unterschätzt hat, die liegen in ihrer Summe deutlich unter fünf Prozent.

2011 wird auf jeden Fall das Jahr für Arbeitnehmer, wo sie mal wieder das machen können, was sie am liebsten tun, nämlich – laut Manager-Magazin – alles bezahlen:

„Mehr Netto vom Brutto.“ Mit diesem Versprechen war Schwarz-Gelb angetreten. Doch davon ist kaum noch die Rede. Im Gegenteil verheißt der Blick auf die wichtigsten Änderungen in 2011 wenig Erfreuliches. Der Bürger muss sich in vielen Bereichen auf steigende Belastungen einstellen.

Stromkosten steigen rasant, was den Hartz IV-Regelsatz automatisch drastisch kürzt, Beiträge für die Krankenkassen erreichen wie die Honorare niedergelassener Ärzte Rekordhöhen, steigende Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, Luftverkehrssteuer – da kommt mal wieder ganz schön was zusammen.

Der sicher größte Schlag gegen die freie Welt wird jedoch in den USA vorbereitet: die Eleminierung des Störfaktors Internet.  Nach dem Drama mit Wikileaks, das uns zeigte, wie übel die USA über ihre Kollegen denken, welche Kriege angedacht und welche Verschwörungen gestrikt wurden – obwohl es sie nicht geben darf – nach dem ganzen Schmutz auf unserer mulitmedialen Disneybrille holt die Korporatokratie, die Diktatur der Konzerne, laut Handelsblatt zu einem letzten großen Schlag aus, um diese lästige Konkurrenz der ökonomisch und politisch gesteuerten Meinungsbildung zu beseitigen:

Das Internet wird sich wandeln: In den USA wurden am Dienstag die Spielregeln für das weltumspannende Datennetz neu festgelegt. Mobilfunker erhalten danach mehr Macht. Der Datenfluss soll stärker gesteuert werden. Internet-Aktivisten sind damit alles andere als zufrieden.

Es war eigentlich zu erwarten, das die Konzernwelt irgendwann mal darauf hinweist, wem eigentlich die ganzen Netze gehören, mit deren Hilfe ja auch schon mal ganz gute Geschäfte gemacht werden. Ohne Kabel – kein Internet. Und Kabel ist teuer.

Der deutsche Arbeiter jedoch freut sich. Ihm geht es einfach super. Ich weiß nicht, was die ihm ins Trinkwasser geschüttet haben, aber es wirkt laut Focus sehr gut:

Deutschen Arbeitnehmern geht es „hervorragend“

Eurokrise? Staatsverschuldung? Die deutschen Arbeitnehmer lassen diese Probleme kalt. Sie blicken ausgesprochen zuversichtlich in die Zukunft – ein paar versprengte Pessimisten fallen da kaum ins Gewicht.

Den deutschen Arbeitnehmern geht es mitlerweile so gut, das man ihnen die Wahrheit offen ins Gesicht sagen kann – wie zum Beispiel hier die FTD:

Aber wenn man lange nachdenkt, erkennt man: Es geht gar nicht darum, dass gewisse Berufsgruppen unsere Lebensqualität verbessern, sondern darum, dass sie beschäftigt sind und nichts Schlimmeres anstellen.

Denn, und das ist die Ursache des ganzen Problems, es braucht bei Weitem nicht die gesamte Erwerbsbevölkerung, um in einem Industrieland alle Bedürfnisse des täglichen Lebens abzudecken. Die Landwirtschaft ist nur das gängigste Beispiel der Freisetzung menschlicher Arbeitskraft durch Produktivitätssteigerung im letzten Jahrhundert. Wohin aber nun mit dem geballten Arbeitspotenzial? Hier kommt das Paralleluniversum der Banken und Fonds ins Spiel. Denn Hunderttausende hoch bezahlter Investmentprofis, die alle versuchen, irgendeinen Index zu schlagen – bekanntlich insgesamt ein Nullsummenspiel -, oder Banker, die Firmen heute zum Kauf und übermorgen zum Verkauf einer Firma raten – natürlich braucht das kein Mensch. Aber so reguliert, dass die Handlungen dieses Paralleluniversums eine möglichst geringe Wirkung auf die reale Welt haben, und schon sprechen wir von einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit einem gewissen Unterhaltungswert. Vielleicht ist das einfach der Preis, den Industrieländer für den Fortschritt zahlen müssen.

Bleibt einem da nicht erstmal die nächsten zwei Stunden der Mund offen stehen? Das muß man doch mehrmals langsam und genüßlich lesen. Die ganze Bankenkrise nur als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? Der Ruin tausender Menschen … als Beschäftigungstherapie? Hartz IV, Fachkräftemangel, der Kampf ums Überleben in einer globalisierten Welt … alles eine Lüge, um die Wahrheit zu verschleiern, das wir alle gemütlich an einer gerechten, glücklichen Gesellschaft basteln könnten anstatt von einem Herzinfarkt zum nächsten zu rasen? Und das wird immer so weitergehen, weil der Deutsche einfach so wider alle Umstände glücklich vor sich hingluckst?

Na, dann … ist ja alles in Ordnung.

Aber jetzt versteht man auch, warum sich eigentlich niemand mehr drum kümmert, das ein Millionenheer deutscher Bürger durch die Agenda 2010 entwürdigt werden. Für die einen sind das „Asoziale“, für die anderen „Lumpenproletariat“.  So was – muß einfach nur weg. Und das geht ja auch ganz gut, in dem man einfach die Kosten erhöht … und irgendwann entsorgt sich das Problem dann ganz von alleine.

Zu düster?

Einfach mal zu einem Parteitag der Linken gehen und bedingungsloses Grundeinkommen fordern….und dann ganz genau hinhören.

Alpha 07

npc-logo-hellblau-227x99


Stuttgart. 2017.

Deutschland hat sich verändert. Überwachung ist allgegenwärtig und Nacktscanner sind Alltag. Doch darüber regt sich niemand mehr auf. Im Namen der Sicherheit sind alle bereit zurück zu stehen.

Doch die Möglichkeiten, die die Gehirnforschung nun eröffnet und die Politiker zur weiteren Überwachung nutzen wollen, machen den Menschen Angst.

In Stuttgart steht die Entscheidung über den Blick ins Hirn der Bürger an. Flächendeckend. Mit der Einführung der Brainscanner…“

Eine Fernsehserie, die sich kritisch mit dem ausufernden Überwachungsstaat auseinandersetzt. Und das im öffentlich Rechtlichen. Momentan im SWR und auf der Webseite der Serie zu bewundern. Und zusätzlich ein Haufen angeschlossener Webseiten, ein Youtube Channel, Facebook (*brrr*), Blogs der Hauptdarsteller (in ihrer Rolle), Werbung der an der Entwicklung der „Brainscanner“ beteiligten Firma und eine Band der Zukunft, die Musik der 90er Jahre macht.

„“Alpha 0.7 – Der Feind in dir“ ist im Kern eine sechsteilige TV Serie um Johanna Berger, deren Leben nach dem Umzug nach Stuttgart und dem Beginn ihres neuen Jobs aus den Fugen gerät. Doch Alpha 0.7 ist mehr. Im Internet wird über Blogs, Webseiten und Filme die Welt von 2017 lebendig, die Figuren greifbarer. Das Internet wird zur eigenen Erzählung, mit den Figuren, die man in der TV Serie erlebt und deren Geschichten auch im Radio in unterschiedlichen Formen präsent sind. Und auch im Leben kann einem Alpha 0.7 begegnen: Die Band von apollon aus dem Jahr 2017, crash:conspiracy tritt bereits heute als Act der Zukunft auf und ihre Musik ist heute schon präsent…“

Bei dem Werbevideo der „Protecta Society“ musste ich zwar wehmütig an die eigentlichen Höhepunkte der Robocop Serie (die Filme, nicht die unsägliche Fernsehserie) denken: die eingeblendeten Werbungen und Nachrichtenausschnitte, die die Betreiberfirma von Robocop betreffen. Da waren „Profis“ am Werk. Und über die Band mag ich hier nicht sprechen, ist halt wie in der Mode: wenn einem nichts neues mehr einfällt wird halt Kram aus dem letzten Jahrhundert ausgegraben. Aber die Webseite des Neurowissenschaftlichen Pre-Crime-Centers ist toll gemacht (nein, nicht das Aussehen, die Inhalte).

Im Internet kann man sich die Serie anschauen. Oder im Dezember im ZDF, sofern nicht irgendein Politiker geheime Pläne des Bundesinnenministeriums in der Serie entdeckt und die Ausstrahlung verhindert.
Vielleicht bringt es den einen oder anderen dann doch noch zu Nachdenken.

Links:
Alpha 07 – der Feind in dir
Das Neurowissenschaftliche Pre-Crime-Center
Protecta Society

Das Copyright der beiden Logos liegt beim SWR

gedanken zum sonntag…

internet

ich liebe das internet. bist du schlecht drauf oder leidest an schlafstörungen? im netz findest du etwas erheiterndes oder… müde machendes.
e-petitionen die sind ja jetzt groß in mode.  da hat sich unsere weise regierung etwas tolles ausgedacht, mit dem wir (das fußvolk) uns beschäftigen können, es gibt sogar foren, in denen die petition diskutiert werden kann.

weiterlesen… ausnahmsweise mal andersrum…

Frauenhass in Deutschland – 2010

:-D

Wir haben ja jetzt wieder Schwulenhass. Ich dachte eigentlich, Westerwelle zeigt, das die Zeiten endlich vorbei sind.

Das war falsch.

Wir haben auch wieder Ausländerhass. Ich dachte eigentlich, Özdemir hätte gezeigt, das dies vorbei ist.

Das war falsch.

Wir haben auch Arbeitslosenhass. Der ist nicht vorbei – auch wenn die Wirtschaftskrise manchen nachdenklich gemacht hat, ob man nicht selbst irgendwann mal … immerhin, das man Ausländer oder schwul wird, kann man steuern. Was man nicht steuern kann ist … ob man eine Frau ist oder nicht.

Auch dort wird gehasst … und zwar gewaltig.  Zum Beispiel … bei Isi

Meine Kinder und ich sollten ja nun schon mehrfach vergewaltigt werden, in mehreren Sitzungen, übermittelt in verschiedenen PLattformen, von mehreren Tätern, auf viele verschiedene Arten und in viele verschiedene Körperöffnungen. Dass wir alle dabei zu Tode kommen, sollte dabei vorallem das erhängt, erschossen oder vergast werden müssen vermeiden. Darüber soll ich mich dann auch noch freuen. Immerhin blieben mir so aber die Schmerzensschreie meiner Kinder erspart.

Es scheint mir kaum glaublich, das wir … „Tatort Internet“ diskutieren und solche Erscheinungen am Rande liegen lassen. Frauenhass ist ein Thema, von dem ich dachte, es sei abgehakt. Wenigstens das … dachte ich … hätten wir hinter uns. Immerhin ist eine Frau Regierungschefin. Gut, die wird auch gehaßt, aber doch eher wegen des Inhalts und nicht wegen der Verpackung, oder.

Frauenhass ist auch ein Thema, dem man als Mann kaum begegnet … wahrscheinlich, weil einem die notwendige Sensibilität fehlt. Mir wird ja eigentlich schon mulmig, wenn nackte Frauen Reklame für Autoreifen  machen – aber ich habe mir abgewöhnt, das zu thematisieren. Auf die Verurteilung von Pornographie, Prostitution und Abtreibung gehe ich schon gar nicht mehr ein … ich wirke dann wie ein alter Konservativer, der auf dem Weg zum Katholikentag ist. Es gibt Gründe für und gegen Abtreibung (gute Gründe und sehr gute Gründe) aber man sollte sich immer darüber im Klaren sein, das man da eine Grenze überschreitet: Leben wird … verhandelbar. Der Schritt zur Elemination anderen unwerten Lebens wird leichter – trotz der guten und sehr guten Gründe.

Es gibt Gründe für Prostitution (weniger gute, wie ich finde), aber auch dort wird eine Grenze überschritten: der Mensch wird Ware – wie auch in der Pornographie. Massenware. Mensch – Entschuldigung, ich sollte „Frau“ sagen.  Andererseits sind beide Erscheinungen Ausdrucksformen der menschlichen Freiheit – so sagt man mir – und als solche zu akzeptieren. Dem kann und muß ich dann zustimmen, wiewohl die die Berieselung von Menschen mit Bildern paarungswilliger Frauen für an sich problematisch halte … es wird ein recht fragwürdiges Frauenbild transportiert, was zu Problemen führt, wenn die reale Partnerin mal … nicht so gut funktioniert wie die Cellophan- und Mietfrauen und zur Begattungsverweigerung tendiert. Aber gut – was weiß ich schon. Außerdem bin ich ein Mann und deshalb befangen, auch ein Grund, sich aus der Debatte herauszuhalten, die 1991 in der Emma noch einen tödlichen Beigeschmack hatte:

Am 6. Oktober 1991 starb Angelika Bayer, vergewaltigt und erwürgt. Sie ist eine von vermutlich Hunderten von Frauen allein in Deutschland, die Tag für Tag vergewaltigt, gefoltert – und getötet werden. Motiv: FRAUENHASS.

In der Dezember-Emma 1991 fragte Alice Schwarzer: „Warum starb Angelika Bayer?“ und gab die Antwort: „Weil sie eine Frau war!“ Sie schloss: Frauenmorde sind keine Kavaliersdelikte und auch kein Zufall, sie haben System. Sie sind die letzte Konsequenz des tiefen und alltäglichen Frauenhasses. Ihr Ziel ist – ganz wie beim Fremdenhass – die Entwürdigung und Einschüchterung einer bestimmten Menschengruppe: nämlich aller weiblichen Menschen. Damals schrieb Emma, dass wir das nicht länger hinnehmen wollen.

Entwürdigung und Einschüchterung … nun, ich dachte, das sei vielleicht einfach auch nur eine Randerscheinung der Piratenpartei (gibt es die eigentlich noch?), die ja auch ansonsten seltsame Blüten getrieben hatte. Dann jedoch stieß ich auf etwas, das mich über mich selbst ärgerte: ich hatte den Aspekt nicht gesehen. Na ja, ich sagte schon: ich bin ein Mann.  So fand ich in der FAZ einen Artikel mit verstörendem Inhalt:

Auf Empörung ist bei einigen Einwohnern Winnendens ein Beitrag der Feministin Alice Schwarzer in der Zeitung „Welt“ gestoßen. Die Autorin hatte behauptet, der Amoklauf von Tim K. sei das erste Massaker mit dem „Motiv Frauenhass“ in Deutschland gewesen. Zwar hat Tim K. acht Mädchen und nur einen Jungen in der Schule erschossen, vermutlich lässt sich dies aber einfach mit der zufälligen Zusammensetzung der Klassen erklären – im Klassenraum waren mehr Mädchen als Jungen anwesend.

Vermutlich … ja.  Vermuten kann man vieles. Aber bei Alice Schwarzer hört sich das plausibel an:

Was eigentlich wäre los, wenn Tim K. in einer gemischten deutsch-türkischen Klasse zu über 90 Prozent Türken erschossen hätte? Die Hölle wäre los! Im ganzen Land gäbe es Proteste und Demonstrationen gegen die Ausländerfeindlichkeit. Doch in diesem Fall hat es sich ja nur um Frauenfeindlichkeit gehandelt.

Ich denke, es wäre plausibel, was los wäre, oder? Das Getöse höre ich bis in die Eifel hinein, was hätten sich wieder alle aufgeregt. Aber so … ach, ein paar Schlampen erschossen … na ja. Werden wohl selbst Schuld sein.  Liegt ja auch laut Emma international im Trend:

In Amerika gab es allein in den letzten drei Jahren 16 Massaker durch Schüler, immer nur Schüler, mit insgesamt 40 Toten und 83 Schwerverletzten, meist Mädchen und Frauen. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass solche Verhältnisse auch auf uns zukommen. Denn die Jungen leben in derselben Welt zwischen Verunsicherung und Aufrüstung, ihre bewaffneten Väter sind in der Bürgerwehr oder im Schützenverein (und notfalls tut’s auch ein Küchenmesser), und sie spielen dieselben Ballerspiele am Computer, verschärft vom amerikanischen Militär.

Na dann ist ja gut. Da können die Einwohner von Winnenden ja zusätzlich beruhigt sein, selbst wenn Alice Recht behält, so sind sie nicht besonders frauenfeindlich sondern nur guter Durchschnitt, da kann man dann ja die Empörung wieder beruhigt zurückfahren. Es stellt sich natürlich die Frage, ob es sich hier nicht nur um isolierte Phänomen handelt – plus „Zufall“.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Gesundheit („Gedöns“, wie das Ex-Kanzler Schröder mal nannte und damit Kinder- Frauen- und Altenfeindlichkeit einen öffentlichen Segen gab) sieht das anders und kommt nebenbei zu Ergebnissen, die eigentlich verblüffen müßten:

Anders als bei Jugend(gruppen)gewalt und elterlicher Misshandlung von Kindern im Kontext der Erziehung konzentriert sich Gewalt von Männern gegenüber Frauen in Paarbeziehungen nicht auf soziale Brennpunkte, sondern wird überwiegend von Angehörigen der mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten verübt und erlitten. So verfügte mehr als ein Drittel der Frauen und ihrer Partner (37–38 Prozent), die in Mustern schwerer körperlicher,psychischer und sexueller Misshandlungen lebten (Muster 5 und 6), über Abitur/ Fachabitur oder Hochschulabschlüsse, und nur 3–4 Prozent der Betroffenen hatten weder einen qualifizierten Schul-, noch einen qualifizierten Ausbildungsabschluss.

Die Täter schwerer körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt in aktuellen Paarbeziehungen waren zudem mehrheitlich beruflich eingebundenund nicht von Sozialleistungen abhängig, und sie lebten mit ihren Partnerinnen zu etwa zwei Dritteln in Haushalten mit mittleren und gehobenen Einkommenslagen. Darüber hinaus hatte die große Mehrheit der Männer und Frauen keinen Migrationshintergrund. Gewalt, auch schwere Gewalt in Paarbeziehungen ist, wie die Untersuchungaufzeigt, nicht als Problem marginalisierter Randgruppen anzusehen, sondern findet tatsächlich – weitgehend unbemerkt – in der Mitte der Gesellschaft statt.

Täter und Opfer sind …. die wohlgelobten  Leistungsträger. Na ja – bei dem Kanzlerwort kein Wunder. Ebenfalls kein Wunder, das dieses Thema medial kaum in Erscheinung tritt – nur am Rande erkennt man manchmal ein leichtes Aufflackern, aber ansonsten … Stille. Kein Wunder: der vielgelobte Leistungsträger, die vielgelobte Leistungsgesellschaft scheint da eine ganz häßliche Seite zu haben – also doch keine weiterer isolierter Akt der Piratenpartei sondern eine ernste Bedrohung der Zivilgesellschaft. Ernste Bedrohung? Nein. Diese Daten zeigen, das diese Gesellschaft für viele Menschen weiblichen Geschlechts schon längst eine unzivilisierte Gesellschaft geworden ist. Die Formen der Gewalt sind vielfältig, hier beim Bundesverband der Frauen gegen Gewalt:

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter, beispielsweise
– Sexuelle Belästigung
– Demütigung
– Beleidigung
– Prügel
– Bedrohung
– soziale Kontrolle
– sexuelle Nötigung
– Stalking
– Vergewaltigung

Der Frauennotruf Frankfurt bietet da noch mehr Daten:

40% der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder

sexuelle Gewalt erlebt.

• 25% der in Deutschland lebenden Frauen haben Gewalt durch aktuelle oder frühere

Beziehungspartner erlebt (häusliche Gewalt).

• 13% der in Deutschland lebenden Frauen haben seit dem 16. Lebensjahr strafrechtlich

relevante Formen sexueller Gewalt erlebt.

• 42% der in Deutschland lebenden Frauen haben psychische Gewalt erlebt, z.B.

Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror.

Es zeigt: wir hassen nicht nur Kinder, Alte und Arbeitslose. Auch Frauen.  Manche scheinen die Jagd auf Frauen, die sich des Problems annehmen, als Sport zu betreiben, hier bei Piratenweib gefunden (wo man, nebenbei bemerkt, auch viele schöne Beispiele für den Umgang der Piratenpartei mit Piratinnen finden kann).

Was habt ihr denn bisher so an Femis erlegt?

Ich habe real eine Frauenbeauftragte abgeschossen (leider nur beruflich) und eine Feministin völlig fertig gemacht – absolut mundtot :-D

Gibt zwei Kerben und zwar nicht am PC 😛

Greets

Gehts noch schlimmer? Immer. Der Mädchenblog hat eine Artikel und eine Sammlung von Links über Frauenhass im Netz veröffentlicht und zeichnet ein düsteres Bild unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Liebe Ladys,

für Frauen ist Bloggen etwas anderes als für Männer. Denn die machen selten die Erfahrung von sexistischen Kommentaren und frauenfeindlichen Angriffen. Für viele Bloggerinnen dagegen sind diese Alltag.

Es gibt Frauenhass im WWW seit es das Internet gibt. Die meisten Frauen nehmen dies hin, meistens sind die Kommentatoren anonym und es damit schwierig, sie zu belangen. Und so wie einem früher die Mutter riet, abends nicht durch dunkle Gassen zu schleichen, verzichten heute viele Frauen darauf, unter ihrem echten Namen zu schreiben – oder sie verzichten gleich ganz, gesellschaftskritische Ansichten im Netz zu veröffentlichen.

Doch immer mehr Bloggerinnen wollen sich mit diesem Tabu nicht mehr abfinden und schreiben ihre Erfahrungen auf. Deswegen schicke ich heute eine kleine, auf jeden Fall unvollständige Liste von Lese-Empfehlungen rum – mit der Bitte, das Thema auch im eigenen Blog aufzugreifen.

Der Artikel ist aus dem Jahre 2010. 19 Jahre nach dem Artikel in der Emma. Früher hatte ich den Eindruck: man wirft ein Problem auf, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft kümmern sich darum und alles wird gut.

Heute habe ich den Eindruck nicht mehr.  Ich merke selbst an mir, das ich dieses … zahlenmäßig größte tödliche Problem unserer Gesellschaft selber kaum wahrnehme und das sich – außer in der öffentlichen Darstellung – am Grundproblem kaum was geändert hat.

Und für die Maskulisten unter uns: der Autor dieser Zeilen ist Opfer lebensbedrohlicher Gewaltausübung durch Frauen. Ich war stärker. Deshalb weiß ich, wie man sich fühlen muß, wenn es nicht so ist.  Ich weiß also auch das es das auch gibt – eine Freundin von mir hat ihren Mann mit einem Schürhaken verdroschen.  Im Unterschied zu diesen persönlichen Entgleisungen hat Gewalt gegen Frauen allerdings eine strukturelle Komponente – einfach mal nach Frauenwitzen googeln. Da kann einem schlecht werden. Ersetzt man dort „Frauen“ z.b. durch „Juden“ … ist man mitten drin im SA-Stammtisch Braunau am Inn. Und die Frage, mit der ich mich seit Monaten auseinandersetze (können Zustände wie in Ruanda auch bei uns auftreten?) stellt sich eigentlich nicht mehr: wir haben sie schon. Wir reden nur nicht drüber und machen es selten auf offener Straße.


„Ohne eine Revolution sind die Amerikaner nur noch Geschichte.“ Und unser Urlaub auch.

Obiges Zitat stammt nicht von Che Guevarra, nicht von Osama bin Laden oder Fidel Castro, es stammt von:

Paul Craig Roberts, ehemaliger Redakteur des Wall Street Journal und unter Ronald Reagan Staatsekretär im US-Finanzministerium, kommentierte diese Entwicklung am Dienstag so: »Das Wohlergehen der USA und das seiner 300 Millionen Einwohner kann solange nicht wiederhergestellt werden, solange die Neokonservativen, die Wall Street, die Konzerne und ihre servilen Lakaien im Kongreß und im Weißen Haus, nicht besiegt sind. Ohne eine Revolution sind die Amerikaner nur noch Geschichte.«

Ein deutliches Wort … das auch mit Zahlen belegbar ist:

Laut Financial Times vom 30. Juli ist seit 1973 das reale (inflationsbereinigte) Einkommen von 90 Prozent aller US-amerikanischen Familien nur um zehn Prozent gestiegen. Für viele ist der »amerikanische Traum« zum Alptraum geworden. Mehr als der Hälfte geht es heute sogar schlechter als vor 37 Jahren. Die Arbeiterklasse wurde an den Produktivitätszuwächsen nicht mehr beteiligt. Dagegen profitierten die Spitzen der Einkommenshierarchie gewaltig: In derselben Periode verdreifachte sich das reale Einkommen von einem Prozent der Bevölkerung, und das des reichsten Zehntelprozents verzehnfachte sich. Während 1973 ein Konzernchef etwa das 26fache des Durchschnittseinkommens mit nach Hause nahm, kassiert er heute mehr als das 300fache.

Quelle: jungewelt

Die offene Forderung einer Revolution zur Rettung der amerikanischen Nation, der amerikanischen Kultur von einem Wall-Street-Mann sollte einem zu denken geben und in Deutschland auf jeder Zeitung auf Seite 1 stehen,  direkt neben den Aufschwunglegenden.

Denen geht es sehr schlecht, den Amerikanern, und wenn es nach dem Willen der Atlantikbrücke  geht, dann werden diese Verhältnisse auch uns erreichen. Jedenfalls arbeiten wir schon kräftig daran:

So haben etwa die Realeinkommen des obersten Zehntels in den letzten zehn Jahren um 17 Prozent zugenommen – beim ärmsten Zehntel dagegen um zehn Prozent abgenommen. Aber ob Reichtum beim siebten oder erst beim zehnten Zehntel beginnt, das ist nicht eindeutig.

Die zentrale Frage dahinter ist: Wie viel Ungleichheit wollen wir? Mein Eindruck ist, das die amtierende Regierung beschlossen hat, das aktuelle Maß an Ungleichheit reicht nicht aus, sondern sie möchte offenbar durch noch mehr Ungleichheit Leistungs anreize setzen.

Bestes Beispiel ist die letzte Kindergelderhöhung: Hartz-IV-Empfänger bekommen nichts, die Mittelschicht bekommt 20 Euro mehr, und die Bestverdiener erzielen über den Steuerfreibetrag ein sogar noch höheres Plus. Irrwitz.

Quelle: derFreitag

Schaut man sich die Verfilzungen zwischen bundesrepublikanischer Führungselite und US-Kapital-elite an, so kann es nicht verwundern, das auch hier Trends gefördert werden, die revolutionsfördernd sind. Jetzt will man uns sogar den Urlaub streichen:

Deutsche Arbeitnehmer sollen nach dem Willen des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft künftig zwei Wochen Urlaub weniger pro Jahr machen. Sechs Wochen seien zuviel, vier Wochen reichten völlig aus, sagte Vorstandsvorsitzende Ursula Frerichs der „Bild“-Zeitung. Frerichs begründete die Forderung damit, dass Deutschland bei den Urlaubstagen weltweit an der Spitze läge und die Beschäftigten im Verhältnis zu anderen Ländern immer noch doppelt so viele freie Tage hätten. Zudem könnte eine Urlaubskürzung die aktuelle positive konjunkturelle Entwicklung unterstützen.

Quelle: Yahoo

Die Frau war erst kürzlich durch ihre Forderung nach Deopflicht für Deutschland aufgefallen:

Deutschland schwitzt – sie ist dagegen: Ursula Frerichs, Präsidentin des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft, will eine Deopflicht für alle Arbeitnehmer.

Quelle: Focus

Der UMW ist ein Lobbyverband, gegründet 1990:  Endlich war es dann soweit: am 30.Mai 1990 wurde mit der Unterschrift von 33 Unternehmerinnen und Unternehmern abends nach langer, konstruktiver Arbeit um 23.15 Uhr der Unternehmerverband mittelständische Wirtschaft aus der Taufe gehoben. Nicht zu vergessen wo: bei der trigon-Beratungsgesellschaft im Herzen der Koblenzer Altstadt.

Die Trigon-Beratungsgesellschaft gibt es heute noch, sie ihr Aufgabenfeld nun auf Arbeitslosentraining erweitert.  Eigentlich ist die UMW nicht angetreten, um Deoabsatz zu fördern oder Arbeitnehmer noch weiter auszupressen, ihre Ziele sind andere:

Wir unterstützen Sie

•      beim Knüpfen und Pflegen von Geschäftskontakten im In – und Ausland

•      bei Verhandlungen mit Kreditinstituten und Banken

•      im Informationsmanagement

•      bei Kontakten zu lokalen und überregionalen Behörden

Unser Ziel ist es, die Interessen der Selbstständigen und mittelständischen Unternehmen aus Handel, Handwerk, Gewerbe und den freien Berufen in allen Bereichen zu vertreten.


Durch praxisbezogene Informationen und Hilfeleistungen fördern wir die wirtschaftlichen Belange und die Zusammenarbeit der Mitglieder untereinander.

Quelle: UMW

Wie es kommt, das ihre Vorstandsvorsitzende regelmäßig mit kecken Vorschlägen an die Öffentlichkeit kommt, entzieht sich etwas dem Verständnis … aber so kann man auch auf sich aufmerksam machen. Und es ist ein gutes Beispiel für einen Kampf, der schon verloren scheint, trotz der augenscheinlichen Notwendigkeit einer Revolution auch schon verloren ist:

Das Internet-Zentralorgan „Wired“ erklärt das offene Netz für tot – und definiert Kapitalismus als eine Art Naturgesetz, das jede Infrastruktur unweigerlich in eine Matrix zwängt. Doch frisst die Wirtschaft wirklich das Web?

Die Verfechter des Kapitalismus kämpfen um etwas. Um die Kontrolle über das World Wide Web. Um die Hierarchisierung der Angebote und Informationen, darum, dass ihre eigenen Produkte denen der Konkurrenz preislich oder qualitativ überlegen sind. Um Macht über die Aufmerksamkeit des Individuums. Sie kämpfen darum, dass wir uns zurücklehnen, Antworten erhalten, Neues empfohlen bekommen. Darum, dass wir konsumieren. Das Symbol des Kapitalismus sind die Apps, Millionen Mini-Programme, mit denen wir uns – bequem, aber teils gegen Geld – in geschlossene, genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnittene Mini-Räume teleportieren.

Der Fernseher wird in Adornos Überlegungen zum Machtzentrum eines alles durchdringenden Mediendispositivs. Aus seinem Monitor heraus reicht uns die Kulturindustrie ihre Produkte mit dem Löffel, eingeteilt in kleine, wohlgeformte Portionen, die so leicht verdaulich sind, dass wir sie kritiklos herunterschlucken und uns der Kontrolle der Kulturindustrie gern unterwerfen.

Diese Entwicklung soll nun auch das Internet erreichen.

„All das war unvermeidlich“, schreibt Anderson. Denn die Kräfte des Kapitalismus wirkten von zwei Seiten auf das Internet ein: Unternehmen wünschten sich Unfreiheit und Hierarchisierung. Und der Konsument selbst sei nur allzu gern bereit, seine persönliche Freiheit der Bequemlichkeit zu opfern.

Quelle: Spiegel-Online

Geben wir Anderson Recht, dann war es das nicht nur mit den USA sondern auch mit der BRD … auf jeden Fall aber war es das für unseren Urlaub, den gegen das Argument „Aufschwung“ ist kein Kraut gewachsen.  Alles muß sich diesem großen, einzigartigen, alternativlosen Ziel unterordnen, der Leistungskampf der deutschen Unternehmen im Zeitalter der Globalisierung ist vom deutschen Arbeitnehmer in großer Opferbereitschaft vorbehaltlos zu unterstützen:

Seit 1937 wurde im Rahmen des am 29. August 1936 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) ins Leben gerufenen Leistungskampfs der deutschen Betriebe die Auszeichnung „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ verliehen. Den Beschäftigten wurde mit dem Leistungskampf soziale Gerechtigkeit propagiert und damit gleichzeitig für die DAF geworben. Durchgeführt wurde der Wettkampf vom „Amt für soziale Selbstverantwortung“ der DAF. Die Ehrungen durch Adolf Hitler fanden jährlich am 1. Mai, dem „Tag der nationalen Arbeit“, statt. Ein Jahr lang führten die prämierten Betriebe daraufhin die Goldene Fahne der DAF. Die Beschäftigten nahmen die damit verbundenen sozialen Verbesserungen zwar gern an, die Teilnahme an den Leistungskämpfen bedeutete aber oft nur verstärkte Arbeitshetze und nunmehr erhöhten Druck von der Unternehmensleitung und der DAF.

Quelle: DHM

»Brot und Arbeit« hatte Hitler versprochen. Das Geld dafür gab der Staat – ganz wie es die Theorie des englischen Ökonomen John Maynard Keynes vorsah. Zwischen 1933 und 1938 verdreifachten sich die Staatsausgaben auf fast ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts.

Quelle: Zeit

Wir scheinen 2010 wieder die gleichen Antworten auf Weltkrisen zu haben wie schon 1933. Wir arbeiten einfach immer mehr und hoffen, das dann alles gut gehen wird. Wir sind brav und fleissig, oder?

Ansonsten … haben die „hierarchischen Kräfte“, die Kräfte der „Unfreiheit“ gewonnen.  Mal wieder. Weil … wir uns zurücklehnen und uns füttern lassen. Wir könnten alles Wissen, doch dafür müßten wir selbst suchen gehen, das gehört nicht zu den Häppchen, die uns der Fernseher zugesteht. Es geht nicht nur um unseren Urlaub, es geht auch … um unser Essen:

Das Streben vieler Länder nach Nahrungsmittelsicherheit ist der wichtigste Grund für das Interesse an australischem Boden. Beobachter sprechen von einem globalen Trend zum „Land Grabbing“ – dem Horten von Agrarland. Denn qualitativ hochwertige Landflächen werden nicht zuletzt als Folge des Klimawandels weltweit immer rarer. Bisher konzentrierten Firmen und Regierungen – allen voran China – ihre Suche nach produktivem Boden vor allem auf afrikanische Länder. Doch zunehmend finden sie auch im traditionellen Agrarland Australien Alternativen.

Quelle Handelsblatt

Nun, wir haben noch keinen Hitler und wie haben auch noch keine NSDAP. Brauchen wir auch nicht. Wir haben Bilderberger, Atlantik-Brücke, Parteien und Gewerkschaften als hierarchische unterwanderte Massenorganisationen, die jeden Widerstand kanalisieren und in bequeme Bahnen lenken, die ihrererseits Unfreiheit als Dogma auf ihre Fahnen geschrieben haben – auch innerparteilich.  Der Nationalstaat wird in der globalisierten Welt auch keine Rolle mehr spielen. Er ist für den Kapitalismus nicht mehr nützlich, da sind sich alle Kapitalisten und Kommunisten einig, Menschen, die merken, das China doch eigentlich alles richtig macht – politisch gesehen. Und wirtschaftlich holen die ja jetzt auch auf.

Wir … lehnen uns zurück. 9 von 10 Deutschen wollen diesen Wahnsinn nicht mehr … aber sie werden es hinnehmen, das ihr Urlaub gestrichen wird, weil das „Heute-Journal“ uns erklärt, warum Dieter Bohlen immer noch da ist, wo er ist, welcher Promi wie Geburtstag feiert und welcher Politiker sich wo prima profiliert hat, während „Land-Grabbing“ für die meisten ein vollkommen unbekannter Begriff ist.

Im Alter werden wir es merken, was das Land-Grabbing bedeutet: dann kostet das Brot fünfzig Euro.

Kriege … brauchen wir in Europa nicht zu befürchten, denke ich.  Noch sind die Ländereien hier als Wohnzone interessant, auf unseren Autobahnen kann man seinen Maserati so richtig schön ausfahren. Aber langfristig … werden wir Geschichte sein wie die USA.  Die neuen Feudalherren etablieren sich nicht mit Burg und Rüstung, sie etablieren sich mit elektronisch gesicherter Villa und gepanzerter Limousine … und Zugriff auf das Essen.

Eins jedoch ist ihnen gleich, wie immer: die Behauptung, ihnen „gehöre das Land“.  Und sie lassen sich immer neue juristische Kniffe einfallen, um diesen Diebstahl zu legitimieren.

Ach ja, und wie immer … geht der Aufschwung an denen, die arbeiten, spurlos vorbei. Ist ja auch seit Jahrtausenden so:

Arbeitsvertragsfragen und Tarifverhandlungen wurden vielmehr von den im April 1933 ernannten „Treuhändern der Arbeit“ festgesetzt, die direkt dem Reichsarbeitsministerium unterstanden. Da Lohnerhöhungen aus Kostengründen vermieden werden sollten, stieg das durchschnittliche Realeinkommen eines Industriearbeiters kaum und lag bis 1939 deutlich unter dem Niveau von 1928.

Quelle: dhm

Mit Konzentrationslagern ist  wieder zu rechnen. Unwertes Leben muß von der Straße.  Und noch ein wenig mehr … dann werden wir verstehen, das wir im Rahmen der großen Globalisierungsschlachten uns nicht nur keinen Urlaub mehr leisten können, sondern das auch die Rente unbezahlbar ist. Dann werden wir ganz viel unwertes Leben haben, dessen Beseitigung aber große Verdienstchancen eröffnet.

Jedenfalls … wenn alles so weitergeht wie bisher.

ARD: Rentnerfunk probt still und heimlich Massenenteignung, David Michael Hanfeld gegen Goliath Peter Boudgoust

Nun bahnt sich ja wieder mal Ungeheuerliches an.  Die öffentlich-rechtlichen Medien ARD (Alles Richtig Dolle!) und ZDF (Zügle Deine Fantasie!) die uns so berauschende Serienformate wie „Wetten Das“, „Die Schwarzwaldklinik“ oder den „Musikantenstadl“ geschenkt und damit den kulturellen Horizont der Menschheit Ende des 20.Jhd. deutlich erweiterten (allerdings nach unten, aber Hauptsache: Wachstum!) basteln sich hinten herum eine Wirklichkeit zusammen, die ihnen viele zusätzliche Millionen Euro in die schon übervollen Kassen spülen soll.

Was steht an?

„Internet“ soll „Rundfunk“ werden und damit „Eigentum“ des Staates. Und wenn „Internet“ „Eigentum des Staates“ geworden ist, dann kann man es vermieten oder verkaufen wie Sendefrequenzen – und das heißt dann: kleine bescheidene aber unabhängige weil bundespresseballsuchtfreie Medienformate wie dieses hier … wird es dann nicht mehr geben. Dafür wird aber in die Taschen eines jeden Internetnutzers zugunsten eines Weltkonzerns gegriffen.

Weltkonzerns?

Richtig, im Ranking der Medienkonzerne befindet sich die ARD mit einem Umsatz von 6,835 Milliarden Euro auf Platz 18. Sicher, Walt Disney (Platz 1 mit 25,917 Milliarden) macht viel mehr Umsatz, liefert dafür aber auch Sendeformate, die auch für Zuschauer vor der Pensionierung interessant sind.

http://www.mediadb.eu/rankings/rankings.html

In meinen Augen hätte ein öffentlich-rechtliches Medium in dieser Statistik überhaupt nichts verloren, aber da das Institut, das dieses Ranking veröffentlicht,  Hauptpartner der Bundeszentrale für politische Bildung ist, nehme ich an, wissen sie, was sie sich dabei gedacht haben in dem sie privatwirtschaftlich organisierte Konzerne mit Beitragsfunk in einen Topf schmeißen. Das ZDF – nur der Vollständigkeit halber – zügelt auch beim Umsatz seine Phantasie mit nur knapp zwei Milliarden und liegt weit abgeschlagen hinter Burda, Springer, Holtzbrink und erst recht hinter Bertelsmann, der bald mehr Umsatz macht als alle anderen zusammen: 15, 87 Milliarden.

Nun haben ARD und ZDF das Problem, das Zuschauer unter 60 die Programme nicht so toll findet wie die Produzenten selber es tun, auch haben sie keine Lust, ihre Fantasie zu zügeln und bilden sich lieber woanders fort.

Man hätte ja nun einfach die Programme verbessern können: aber wir sind ja beim öffentlichen Rundfunk. Da geht das nicht. Die suchen lieber nach anderen Wegen, die Konkurrenz auszuschalten und sagen einfach: alles Papier ist unser um die Konkurrenz zu beseitigen. Was ihr drauf schreibt, ist uns egal, aber wenn es uns nicht paßt, gibt es eben kein Papier mehr.

Nun, das paßt natürlich nicht zum Förderauftrag des öffentlich rechtlichen Rundfunkes werden jetzt manche einwenden. Gut, sage ich, da habt ihr Recht. Also zeige ich mal, wie der öffentlich rechtliche Rundfunk mit seinen Kritikern umspringt. Vertrauliche Quellen haben uns da nämlich was zugespielt:

http://www.ard.de/intern/-/id=1886/nid=1886/did=1527714/exkc18/index.html

„Offener Brief“ an den Herausgeber der FAZ

Am 21.07.2010 hat die FAZ auf ihrer ersten Seite unter dem Titel „Bestellte Wahrheiten“ einen Leitartikel veröffentlicht, in dem der Autor den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in einer Reihe nennt mit „Herrschaft des Staatsjournalismus“, „totalem Machtanspruch“ und „Ende der freien Presse“. In einem offenen Brief an Frank Schirrmacher verwahrt sich der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust im Namen der ARD vor derartigen Unterstellungen und geschichtsvergessenen Vergleichen.

Wie es scheint, haben also auch andere Medienschaffende von den Umtrieben bei ARD/ZDF erfahren … und sich erlaubt, eine Meinung dazu zu bilden. „Herrschaft des Staatsjournalismus“, „totalem Machtanspruch“ und „Ende der freien Presse“ – das hört sich alles sehr hart an … aber wir wissen, das es so kommen kann. Alle Häßlichkeiten, die den Bürger in seinem Investierrausch bremsen könnten, werden zum Beispiel jetzt schon mit großer Gewalt aufgrund der staatsbürgerlichen Verantwortung des Journalisten nur sehr eingeschränkt veröffentlicht – gerne auch nur in der Fachpresse, denn wie auch in der Medizin so sollte der Bürger auch beim Thema Wirtschaft sehr kurz gehalten werden, damit er sein Geld auch weiterhin den Banken zum Spielen gibt.  Und es war ein geschickter Schachzug des Rentnerfunks, in der Auseinandersetzung um die Lufthoheit im Internet einfach den ganzen Luftraum für sich zu beanspruchen.  Doch schauen wir, wie der Herr Peter Boudgoust mit den Kritikern umgeht: er schreibt dem Chef des Autors einen Brief.

Sehr geehrter Herr Dr. Schirrmacher, 

in der medienpolitischen Berichterstattung der Presse bin ich als ARD-Vorsitzender und SWR-Intendant schmerzerprobt und durchaus einiges gewohnt. Dass verlegerische Interessen dabei mitunter einmal höher gewichtet werden als das Bemühen um journalistische Wahrhaftigkeit – geschenkt.

In der heutigen Ausgabe der FAZ aber stellt der Leitartikler Michael Hanfeld einen Zusammenhang zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland und der „Herrschaft des Staatsjournalismus“ her. Gegen diese Darstellung verwahre ich mich im Namen der ARD entschieden. Dies ist geschichtsvergessen und maßlos. Es macht mich sprachlos, dass Sie dies in einer Qualitätszeitung wie der FAZ zulassen.

Wir haben zwar Meinungsfreiheit, aber wehe jemand äußert eine Meinung, die nicht zuvor abgesegnet wurde. Und selbst dann wird Druck gemacht, der entsprechende Mitarbeiter bekommt seine ARGE-Nummer zugeteilt und man kann in Ruhe weiter über das Feuerwehrfest in Bottrop berichten, das allen so viel gebracht hat.  Es ist schon wirklich sehr weit gekommen in diesem Land, das man so unverfroren drohen kann womit zumindest das  ARD  Ostblockzustände anbahnt (womit nicht gesagt wird, das sie das in aller Konsequenz auch durchziehen werden – sie werden aber jeden Euro Lizenzgebühren einfahren).

„Geschichtsvergessen und maßlos“ sei der Herr Hahnfeld, so tönt der Funktionär des Staatsfunks, ohne es konkret belegen zu können. Aber man kann es ja einfach mal ablassen, auch wenn es keinen Inhalt hat. Welche Geschichte da wer vergessen haben soll, weiß ich nicht. Leider ist der Herr Boudgoust nicht so sprachlos wie er angibt, aber er weiß ja, das journalistische Interessen manchmal anderen Interessen untergeordnet werden müssen.

Selbstverständlich stellen wir uns jeder Kritik. Aber von einem „Ende der freien Presse“ und einem „totalen Machtanspruch“ der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland zu sprechen, nur weil ein unabhängiges Gutachten des ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Hans-Jürgen Papier, nicht den Interessen der Verlage zu entsprechen scheint, ist völlig unverhältnismäßig und einer seriösen Zeitung unwürdig.

Das Wort „seriös“ spielt hier eine wichtige Rolle, weil es der Sprachcode ist, nachdem auch die Lizenzen und die Einladungen zum Bundespresseball vergeben werden, zu dem der Herr Hanfeld nun wohl nicht mehr eingeladen werden wird. Ich möchte diesen Passus des Herrn Boudgoust mal übersetzen: Wenn ihr weiterhin im Medienfilz mitspielen wollt, dann schmeißt den Hanfeld ´raus.

Dass der Kommentator überdies den Eindruck erweckt, die beiden hochgeachteten ehemaligen Verfassungsrichter Papier und Kirchhof hätten „Gefälligkeitsgutachten“ abgegeben, erschreckt mich als Staatsbürger, ohne dass ich es weiter kommentieren will. Ebenso erspare ich es mir, auf die völlig überzogene Darstellung einzugehen, nach der die ARD „viele hundert Millionen Euro“ fürs Internet ausgibt. Die Kosten für alle Online-Angebote der ARD lagen 2009 unter 100 Millionen Euro. Das gilt auch für 2010, nachzulesen im KEF-Bericht, Seite 125/126.

Ich schreibe Sie zum ersten Mal persönlich an, denn mit dem Kommentar von Herrn Hanfeld ist meines Erachtens eine Grenze überschritten. Das wollte ich Ihnen noch heute in einem offenen Brief mitteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Boudgoust

Da wurde also eine Grenze überschritten. Es wurde der Verdacht geäußert, das da nicht alles mit rechten Dingen zu geht, das geht im Bereich von Alles Richtig Dolle und Zügle Deine Fantasie ja nun mal gar nicht, die müssen Rücksicht auf ihre Zuschauer nehmen, denen jederzeit ein Herzinfarkt droht, wenn sie sich zu sehr aufregen. Selten, ja wirklich ganz selten waren Menschen so einfältig, schriftlich in ihrer Verteidigungsrede zu beweisen, das der Ankläger völlig recht hat. Das erschreckt jetzt mich mal als Staatsbürger, denn immerhin zahle ich diesen Boudgoust wie alle anderen Staatsgeldempfänger auch … und das hier in aller Öffentlichkeit ein Journalist durch massive Drohungen gegen seinen Arbeitgeber eingeschüchtert werden soll, zeigt, wie weit es schon gekommen ist und wie sicher diese Staatsjournalismusfunktionäre sich mitlerweile  in ihrem Sattel fühlen.  Als Souverän diese Landes geht da bei mir mehr als nur eine Augenbraue hoch.

Aber schauen wir doch mal was der Herr Hanfeld so schlimmes geschrieben hat:

Bestellte Wahrheiten

Online ist Rundfunk: Plagten sich ARD und ZDF bislang wenigstens pro forma mit der Auflage herum, ihre Angebote im Internet sollten nicht „presseähnlich“ sein, sind sie nach der Vorstellung des früheren Verfassungsrichters Papier nun aller Rechtfertigungszwänge ledig.

Von Michael Hanfeld

21. Juli 2010 

Du bist Rundfunk, ich bin Rundfunk, wir alle sind Rundfunk. Sie betreiben einen Blog im Internet? Dann sind Sie Rundfunk. Sie arbeiten für einen Verlag, bei einer Zeitung, einer Zeitschrift, die einen Online-Auftritt unterhält, mit Texten, Bildern, kurzen Filmen?

Dann arbeiten Sie für den Rundfunk. Eigentlich ist jeder Rundfunk, der eine Website betreibt. Und eigentlich muss sich jeder dafür rechtfertigen, denn für den Rundfunk braucht man entweder eine Lizenz vom Staat oder muss ihn direkt im Auftrag des Staates betreiben, so wie die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF.

Ja, so sehen das viele andere auch. Da hat ein Gutachten eine Tür geöffnet, hinter der sich viele Millionen Euro Lizenzgebühren befinden, weil der Staat den öffentlichen Raum als Privateigentum definieren will.

Und alles andere im Internet ist was? Rundfunk, sagt der von den Rundfunksendern mit Rundfunkgebühren bezahlte Rechtsfachmann. Und wo in Deutschland Rundfunk ist, da gilt der „Grundversorgungsauftrag“ der Öffentlich-Rechtlichen, die auch im Internet die einzig wahre Informationsquelle darstellen.

Mehr gibt es, denke ich, nicht dazu zu sagen. Aber Herr Hanfeld … hat doch noch was dazu gesagt:

http://www.dwdl.de/story/27020/schlagabtausch_zwischen_ard_und_faz/

Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte „FAZ“-Redakteur Hanfeld zu dem offenen Brief Boudgousts: „Wenn der Vorsitzende der ARD an einen Herausgeber der ‚FAZ‘, meinen Chef, einen offenen Brief schreibt, in dem er mich, den Redakteur, angreift, dann verrät mir das viel über den Byzantinismus und das hierarchische Denken, das in den obersten Etagen der ARD herrscht.“
 
Das sieht auch der „Spiegel“ ähnlich:
 
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,707918,00.html
Und so kam irgendwer auf die kreuzdämliche Idee, der ARD-Vorsitzende solle doch an die „FAZ“ schreiben. Doch Peter Boudgoust schrieb nicht etwa an Herrn Hanfeld persönlich. Er schwärzte den nervigen Journalisten öffentlich bei seinem Chef an. Mit einem offenen Brief, veröffentlicht auf ard.de, angekündigt auf der Startseite, gerichtet an „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher.
Vermutlich kennen öffentlich-rechtliche Hierarchen solch eine Vorgehensweise aus ihrem Umgang mit Politikern. Die laufen ja auch gern gleich zum Senderboss, wenn ihnen nicht gefallen hat, was so ein kleiner Fernsehredakteur da wieder mal verbrochen hat. Mag also sein, dass Peter Boudgoust ein solcher Stil vertraut ist. Ein guter Stil ist es dennoch nicht
 
Kreuzdämlich mag die Idee gewesen sein, aber ich finde, sie kam gerade richtig. Es ist auch keine Frage von „Stil“, wie Leute formulieren mögen, die sich die Einladung zum Bundespresseball nicht vermiesen wollen. Es zeigt vor allem, das in den Kreisen des Staatsfunks Menschen ihr Unwesen treiben, die noch ein ziemlich feudales Selbstverständnis ihrer Position und Stellung haben. Als Gebührenzahler kann ich nur sagen: Menschen wie Peter Boudgoust haben in einer Demokratie an solchen Positionen nichts aber auch gar nichts  verloren. Seine Position öffentlich dazu zu benutzen, einen freien Journalisten anzugreifen mit der Absicht ihn über seinen Chef mundtot zu machen, ist ein Umgang wie man ihn von totalitären Staaten gewohnt ist.
Und insofern ist es für alle Bürger und Souveräne dieses Landes wichtig zu sehen, wie „die“ über „uns“ denken, wie „die“ meinen mit „uns“ umspringen zu können … und ich mag nicht darüber nachdenken, wie „die“ wohl über uns reden, wenn … gerade keine Öffentlichkeit vorhanden ist.  Geht man davon aus, der sich der Herr Boudgoust noch gezügelt hat, so fällt es nicht schwer, sich auszumalen, was da hinter verschlossenen Türen geschieht, wenn „die“ ganz und gar keine Rücksicht mehr nehmen brauchen.
Jemand, der zu  solchen Methoden und Formen des Umgangs neigt, sollte sich nicht wundern, das man die Qualität seiner Gutachten anzweifelt, denn es bleibt doch die Frage: mit welchen Druckmitteln hat er denn dieses Ergebnis erzielt?
Und die Absichten, die hinter dem Gutachten stehen, kann man wohl ebenfalls nicht unbedingt „ehrenhaft“ nennen.  Es droht nicht mehr oder weniger als die Enteignung aller Internetschaffenden. Ob es auch gemacht wird, ist die Frage.  Aber wer könnte schon der Versuchung wiederstehen, etliche Millionen Lizenzgebühren zu beziehen und gleichzeitig allen möglichen Druck auf unbeliebsame Meinungen ausüben zu können?
Nun… wie es scheint, könnte der Vorsitzende der ARD nicht widerstehen. Wenn der erst den Finger am Drücker hat, dann warnt der gar nicht mehr – der löscht sofort. Muß er auch, gibt ja keinen Chef hier draußen, den man die Arbeit für sich erledigen lassen kann.
Man weiß letztlich gar nicht, was schlimmer an der Affäre ist: die Tatsache, das Funktionsbürokraten das Internet als Privateigentum beschlagnahmen wollen, oder die Tatsache, das sie sich aufführen wie Adelige im Mittelalter.
Aber ich weiß, welche Konsequenzen man als Bürger daraus ziehen muß: der Saustall muß ausgemistet werden, bevor Menschen wie der Herr Buodgoust unseren Arbeitgebern ebenfalls Briefe schreiben, wenn wir in ihren Augen nicht richtig funktioniert haben.
 
 

Medien und Manipulation: Eifelphilosoph gibt auf, Mickey Mouse gewinnt … das Ende der Blogkultur

Manche werden sich sicher fragen: Gibt es das überhaupt, Manipulation in den Medien? Von diesen Menschen hätte ich gerne die Adresse, denn ich habe da noch einige Versicherungen und todsichere Anlagetips über die ich mit ihnen gerne reden würde.

Es reicht doch heutzutage einfach, die „Tagesschau“ zu gucken um zu merken, das man beständig an der Nase herumgeführt wird. Beispiel? Aghanistan. Plötzlich aus heiterem Himmel sind wir in Afghanistan, deutschen Soldaten sterben und Töten in einer Gegend, in der zuvor „der Russe“ gestorben ist und getötet hat.  Auf einmal sind unsere eigenen Kinder im Fernsehen – und nicht alle von ihnen sind lebendig und könnten uns noch was vorsingen.

Mit Manipulation ist das so eine Sache. Ich folge da jenen Theoretikern die sagen: Jede Kommunikation ist Manipulation.  Solche Aussagen erzürnen den einen oder andern der der Meinung ist, er würde immer alles offen und ehrlich sagen. Häufig kommen solche Aussagen von Menschen, die selber gerne manipulieren und nicht weiter auffallen möchten. Andere stören sich um das Wort „Manipulation“, das erst im Jahre 1985 etwas Übles geworden ist:

1985 heißt es in Knaurs Wörterbuch dann, Manipulation sei entweder ein Gerät etc. geschickt handhaben oder auch etwas oder jemanden in die gewünschte Richtung lenken; beeinflussen; steuern.

(Quelle: Wikipedia)

Einfach mal einen Test machen.  Vor die Tür gehen und warten, bis ein Nachbar kommt. Und dann? Warten Entscheidungen auf einen, die man treffen muß. Grüße ich ihn oder nicht? Stehe ich dazu auf oder nicht? Wieviele Wörter wähle ich? Stimmlage … hoch, tief? Wo schaue ich hin? Gebe ich ihm die Hand? Viele Entscheidungen sind zu treffen und werden getroffen…nicht so überlegt, wie die Entscheidungen einer Werbeabteilung, aber trotzdem zielgerichtet, denn ich habe bei der Kommunikation eigene Interessen, die ich verwirklichen will – und sei es nur, das ich will, das der möglichst schnell geht weil ich meine Ruhe haben will….oder ich will Gesellschaft und ein längeres Gespräch mit ihm.

Bei dem Chefredakteur der Tagesschau geschieht das schon deutlich bewußter. Welche Nachrichten hält er es für Wert, dem Bürger mitzuteilen?

Was ist seiner Meinung nach das wichtigste Thema des Tages? Schauen wir mal, was es da gibt:

http://www.welt.de/finanzen/article8579579/Die-Mafia-waescht-ihr-Geld-so-leicht-wie-nie.html

Die Finanzkrise hat der italienischen Mafia neue Möglichkeiten bei der Geldwäsche eröffnet. Nach Angaben der Zentralbank in Rom nutzte die Mafia die Kreditklemme, als die Banken keine Kredite mehr vergaben, und sprang mit kriminellem Geld ein. „Die Krise hat dem organisierten Verbrechen Raum zur Entfaltung geliefert, weil der Zugang zu Krediten schwieriger geworden ist”, sagte Anna Maria Tarantola, stellvertretende Generaldirektorin bei der Banca d’Italia in einem Interview mit Bloomberg. „Wer über große Summen an Bargeld verfügt, so wie kriminelle Vereinigungen, kann Investments tätigen, die für andere nicht möglich sind. Sie können jetzt in ganz legale Geschäfte investieren.”

Eine ganz wichtige Nachricht. Gehört auf Seite 1.  Was noch?

http://www.welt.de/finanzen/article8582293/Briten-und-Amerikaner-werfen-die-Notenpresse-an.html

Die Welt steht vor einem Experiment mit hohen Risiken: Die US-Notenbank Fed und die Bank of England wollen noch mehr Geld drucken.

Das bedeutet: es gibt mehr Spielgeld für Reiche. Das Geld wird gedruckt … und dann zu den Banken geschickt. Für fast gar nichts. Die nehmen das und geben das (Bonität voraussgesetzt) weiter. Und wer Bonität hat, kauft dafür Dinge, die wenigstens ein ganz klein wenig Gewinn versprechen, zur Not eben einfach Anteilsscheine an Unternehmen, denn wenn das alle machen, steigt der theoretische Wert automatisch.

Auch Aktien könnten in der Inflation eine Renaissance erleben. Schließlich verbriefen die Papiere Anteile am Produktivkapital. Und der Wert von Maschinen, Grundstücken und Gebäuden legt mit der Inflation zu. So erklärt sich vielleicht auch der gestrige Kursanstieg an den Weltbörsen.

Ganz wichtige Nachricht.  Auch Seite 1.  Ebenso die Erwägungen zur „Angst-Industrie“.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/die-suche-nach-sicherheit-wer-mit-der-angst-der-menschen-profit-macht;2620538;2

Der Terror hat die Menschen ängstlicher gemacht. Sie verlangen nach mehr Sicherheit – beim Reisen, beim Essen, beim Geldanlegen. Für die Bevölkerung birgt die Angst nur Negatives – doch für den Markt wird sie zum neuen Milliardengeschäft.

Dank Videoüberwachung kann  mitlerweile jeder gutes Geld verdienen:

Die riesige Masse an Bildern bringt ein Problem mit sich: Wer soll sich die vielen Millionen Stunden Überwachungsvideos, die täglich anfallen, eigentlich anschauen? Jedermann. Diese Lösung hat zumindest der Privatunternehmer Tony Morgan gefunden. Seine Website „Internet Eyes“ belohnt Bürger, die sich in das Überwachungsnetz einschalten und nach Straftaten Ausschau halten. Ein Klick auf den Alarmknopf benachrichtigt die Polizei. Wer die meisten Straftaten pro Monat findet, gewinnt 1 000 Pfund.

Nicht mehr lange, da wird Deutschland auch auf diesem Felde Vorreiter sein.  Millionen von Bürgerarbeitern (zuvor Hartz IV) werden an Millionen von Bildschirmen sitzen (vielleicht sogar in den Büros der ARGEn) und schauen, was die anderen Millionen von Bürgern so machen….und mir kann niemand vormachen, das dieser Schritt nicht von anfang an geplant war.  Erst quält und erniedrigt man eine Menschengruppe … und dann gibt man ihr die Macht, sich zu rächen. Sowas ist ein erstklassiges Motivationsprogramm., da schauen die zuvor Hartz IV-Abhängigen gerne doppelt so lange und doppelt so intensiv.

Darum: diese Meldung auf Seite 1.

Was jedoch bringt die Tagesschau?

Die Deutschen wollen direkte Demokratie.

Wen sollte das interessieren? Aus gutem Grund haben die Väter des Grundgesetzes den Deutschen nicht getraut.

Die Banken erwarten die Ergebnisse des Streßtests … mit dieser Meldung hätte man auch warten können, bis der Test da ist.

Chavez mag Kolumbien nicht. Der ist erstmal weit weg und berührt meinen Geldbeutel nicht.

Was noch?

Sturm über der Ölpest. Weit weg wie Chavez.

Die Tagesschau hat nicht gelogen, noch gewertet. Aber manipuliert in dem sie die Aufmerksamkeit lenkt. Sie kann ja auch nichts anderes, in fünfzehn Minuten über alles  Relevante zu berichten wäre unmöglich…und da man weiß, das Wirtschaft hauptsächlich Psychologie ist, darf man im Namen des Aufschwungs auch  nicht ganz so viel Angst machen – also müssen Wirtschaftsnachrichten eigentlich sowieso vor dem Volk verborgen werden.  Kriegen die Leute Angst, holen sie ihr Geld von der Bank und alles geht den Bach ´runter – wer kann das schon wollen.

Und so manipuliert die Tagesschau doch, handhabt geschickt die Nachrichten so, das der Zuschauer nicht in unerwünschte Richtungen gelenkt wird.  Diese Richtungen zu berücksichtigen war dereinst Aufgabe der „freien Presse“, der vierten vierten Macht des Staates, die in den USA nur noch von fünf Firmen betrieben wird, eine davon ist … DISNEY.

Kaum zu glauben aber wahr: Disney ist inzwischen einer von fünf Konzernen, die bestimmen, was geschaut wird. 1983 waren es noch über fünfzig.  In wenigen Jahren wird dann wohl Mickey Mouse als einziger Nachrichtensprecher übrig bleiben – und man kann jetzt schon sagen, wieviele Nachrichten denn dann wirklich noch gesendet werden:

http://www.infosat.de/Meldungen/?msgID=58544

RTL und Sat 1, die beiden Marktführer im Bereich der privaten Fernsehvollprogramme, unterscheiden sich immer stärker in dem Stellenwert, den sie ihren Nachrichtensendungen einräumen. Während das gesamte Nachrichtenvolumen von RTL relativ konstant bei ca. 60 Minuten pro Tag liegt, ist es bei Sat 1 seit 2007 kontinuierlich abgesunken – auf mittlerweile ca. 30 Minuten pro Tag. Das ist einer der Befunde, die im neuesten Programmbericht der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) am 18. Mai in Berlin vorgestellt wurden.

Nun hat sich ja mitlerweile ein neues Medium etabliert: das Internet. Auf einmal begannen Nachrichten wieder  frei zu zirkulieren, kein freier Journalist war gezwungen, auf Anzeigenkunden, den Parteibüchern des Vorstandes oder der Meinung der Nichte vom Chef Rücksicht zu nehmen. 

Zwar unterscheiden sich die privaten Vollprogramme und Senderfamilien im Umfang ihrer Nachrichtenangebote, so der Programmbericht. Was sie jedoch verbindet, ist der geringe Stellenwert der Politik als potentieller Gegenstand von Nachrichtenbeiträgen. „In der Regel wird in diesen Programmen weniger als ein Drittel der verfügbaren Nachrichtenzeit für die politische Berichterstattung verwendet. Umgekehrt ist die politische Informationsleistung der privaten Vollprogramme weitgehend auf das beschränkt, was im Rahmen von Nachrichtensendungen über Politik berichtet wird. Das gilt besonders für die Vollprogramme der Pro Sieben Sat 1 Media AG“, erläutert der wissenschaftliche Leiter der Göfak Medienforschung GmbH, Potsdam, Hans-Jürgen Weiß. Lediglich bei RTL sind in etwa im gleichen Umfang wie in den Nachrichten weitere politische Beiträge in Magazin-, Reportage- und Dokumentationssendungen zu finden. Gleichzeitig ist der Anteil an Boulevard-Themen bei RTL am höchsten.

Bildungsauftrag der Medien … ist von gestern.  Aber das können die Bürger ja selbst in die Hand nehmen … und das haben sie ja auch. Nachrichtenspiegel-online ist ein Ergebnis dieser Entwicklung.

Doch damit IST JETZT SCHLUSS!

Und das ist die Meldung, die eigentlich ganz nach oben gehört….auf jede Tageszeitung, jeden Blog, jedes Stadtteilmagazin denn der Untergang der vierten Macht als unabhängige Instanz der Gewaltenteilung ist beschlossene Sache:

Ich zitiere mal gleich ARD selbst:

http://www.ard.de/intern/gremienvorsitzendenkonferenz-der-ard/aus-der-arbeit/pressemitteilungen/-/id=1026814/nid=1026814/did=1525850/lh35f/index.html

Laut Gutachten zählt das Internetangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum Kern des öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftrages, da die Meinungsbildung der Öffentlichkeit und des Einzelnen, insbesondere der jüngeren Generation, heute in starkem Maße auf dem Weg des Internets erfolge. Professor Papier ist daher der Ansicht, dass der Gesetzgeber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk schon von Verfassungs wegen einen grundsätzlichen Online-Auftrag erteilen musste.

Im Internet erhalte der öffentlich-rechtliche Funktionsauftrag einen neuen Schwerpunkt:  der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse „die Informationsquelle sein, die Gewähr für Objektivität und Binnenpluralität bietet“ und dem Bürger konzentrierte Orientierung  in dem potentiell unbegrenzten Informationsspektrum ermöglicht.

Zur Realisierung dieses Auftrags dürfen sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aller im Internet üblichen Mittel bedienen, also auch Text-Bild-Seiten verwenden, so das Gutachten. Verfassungsrechtlich seien „Internetangebote, bei denen Texte, Bilder, Töne etc. als Datei vorliegen und über ein Netz abrufbar sind, grundsätzlich als Rundfunk zu qualifizieren“.  Als Presse seien allenfalls im Internet verbreitete Zeitungen, die das Printprodukt 1:1 abbilden, einzustufen. Schon internettypische Elemente wie Verlinkungen, interaktive Funktionen, Kommentarfunktionen und erst recht Multimedia-Angebote zerstörten den Eindruck von Presseähnlichkeit.

Wenn aber …  wie das Gutachten nahelegt … Internet gleich Rundfunk ist, dann hat das Konsequenzen. Lauschen wir mal den Medienfürsten:

Nach Ansicht der Vorsitzenden des NDR-Rundfunkrates Dagmar Gräfin Kerssenbrock sind die Aussagen des Gutachtens vor allem von großem Wert für die Allgemeinheit: „Das Gutachten belegt, dass die Presse sich mit ihren aus Text, Bild und Verknüpfungen bestehenden Internetangeboten auf das Gebiet des Rundfunks begibt und nicht umgekehrt. Das Ergebnis des Gutachtens steht ganz im Interesse des Nutzers, der die ausführlichen und Hintergrund bietenden Informationen z.B. auf tagesschau.de sehr schätzt und der Marke besonderes Vertrauen entgegenbringt.“

Ganz klar: Internet ist Rundfunk. Ebenso klar: Internet ist für die politische Bildung unverzichtbar: 

Ruth Hieronymi, designierte GVK-Vorsitzende und WDR-Rundfunkratsvorsitzende: „Das Gutachten weist auch darauf hin, dass die Meinungsbildung im Internetzeitalter nicht nur durch etablierte Akteure aus dem Bereich der Presse oder des Rundfunks, sondern auch durch Blogs, Chats u. ä. erfolgt.  Dies gilt ganz besonders für die jüngere Generation. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist eindeutig gefordert, attraktiver für Jüngere zu werden. Auch deswegen wird die GVK im Frühjahr 2011 ein zweites Forum zur Erreichbarkeit der Jugend veranstalten.“

Hier sollte man sich jedes Wort langsam und ruhig zweimal durchlesen weil … die Konsequenzen absehbar sind. Fragen wir mal … den Anwalt:

http://www.referendare.net/news.php?news=999&lit_tipp=132

Die Veranstalter privater Rundfunkangebote benötigen eine so genannte Rundfunklizenz, bevor sie ihr Angebot der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Praktisch bedeutet dies, dass sie die Voraussetzungen erfüllen müssen, die der Rundfunkstaatsvertrags und das jeweils anwendbare Landesmediengesetz an den Veranstalter stellen. Neben der persönlichen Eignung gehört dazu vor allem der Nachweis, dass der Veranstalter in der Lage ist, das beantragte Programm wirtschaftlich und finanziell durchzuführen. Für die Erteilung der Lizenz selbst ist eine Gebühr an die zulassende Landesmedienanstalt zu entrichten. Für klassische Rundfunkangebote führt die Notwendigkeit der Antragstellung oft zu einer effektiven Mehrbelastung in fünf- oder sechsstelliger Höhe. Der geringste Posten sind dabei allerdings meist die Gebühren selbst. Aufwendig sind meist die Erstellung des Antrags selbst und die Aufstellung eines tragfähigen Business- und Finanzplans.

 Bei reinen Online-Angeboten ist zu berücksichtigen, dass diese einen vergleichsweise günstigen Distributionsweg nutzen und die Herstellung und Abwicklung des Programms ggf. mit einem sehr kleinen Personal- und Technikbestand realisiert werden kann. Demgemäß fällt auch die Antragstellung sowie die Prüfung des Antrags durch die Landesmedienanstalt oft weniger kompliziert aus. Der Erwerb einer Rundfunkzulassung für reine Online-Angebote ist faktisch damit meist für vergleichsweise „günstiges Geld“ zu bekommen.

Kurz und gut … jeder Blogger wird eine Lizenz beantragen müssen, weil durch die Neudefinition von Internet als „Rundfunk“ wir alle unter die Definition der Rundfunkstaatsverträge fallen. Den Entscheidern bei ARD und ZDF ist inzwischen auch klar, wir groß der Einfluß des Internet auf Meinungsbildung ist und ihr gesetzlicher Auftrag verpflichtet sie dazu, hier einzuschreiten.

Darum ist die Entwicklung unaufhaltsam. Mickey Mouse verdrängt den Eifelphilosophen….und alle andern Blogger auch. Wer in Deutschland seine Meinung sagen möchte, der wird eine Lizenz beantragen  (vielleicht nur ein paar tausend Euro, ist ja nur ein Online-Angebot) und seine „persönliche Eignung“ beweisen müssen.

Was das bedeutet, kann sich jeder ausmalen.

Wer Angst verbreitet oder potentiell angsterzeugende Nachrichten publiziert wird gemäß Wirschaftsaufschwungssicherungsgesetz mit Lizenzentzug nicht unter drei Jahren bestraft.

Bloggen wird bald teuer … jedenfalls wenn es der Meinungsbildung und gelesen wird.

Ein, wenn nicht das entscheidende Kriterium für die Einordnung wird die Anzahl der potentiellen gleichzeitigen Nutzer eines Internetangebots sein. Der 12. RÄStV nennt selbst die Zahl 500 potentielle Nutzer als Orientierung. Heißt dies, wer sein Angebot auf 499 zeitgleiche Nutzer beschränkt, der ist in jedem Falle fein raus?

Klarstellend möchte ich zunächst darauf hinweisen, dass die Möglichkeit 500 zeitgleicher Zugriffe nicht ein positives Kriterium für das Vorliegen von Rundfunk ist. Insofern findet sich diese Voraussetzung auch nicht in § 2 Absatz 1 des neuen RStV. Sie ist ein Ausschlusskriterium für Rundfunk und insoweit im 3. Absatz der geplanten Regelung integriert. Hier wird sie neben anderen Ausschlusskriterien genannt, und zwar in alternativer Aufzählung. Die Frage kann also nur mit „ja“ beantwortet werden.

Der anwaltliche Rat ist älter. Da war noch die Frage zu klären: was ist Rundfunk. Die ist inzwischen geklärt. Wir sind alle … Mitarbeiter des Rundfunkes geworden.  Bald wird man auf uns zukommen und uns sagen unter welchen Bedingungen wir weiter arbeiten dürfen, oder?

Dann wird der Eifelphilosoph wohl zugunsten von Mickey Mouse abtreten müssen. Oder ich schreibe darüber, wann meine Hunde Verdauung hatten. Ich muß meine Leserzahl dringend unter 500/Tag  drücken, sonst wird es sehr teuer.

Die letzten 100 Artikel