Insolvenzen

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DIE FABRIK – ALLTAG IN DEUTSCHLAND DEMNÄCHST IN BOCHUM

Erinnert ihr euch noch an das Plakat „Danke, Deutschland“, hieß es darauf in großen Lettern.

„So viele Menschen in Arbeit wie nie zuvor“. „Wirtschaft. Wachstum. Wohlstand.“, so wurde es hinaus getragen, weit über die Grenzen von Deutschland. Bei diesen „guten Nachrichten“ stören die Schleifspuren von Insolvenzen die Regierung natürlich nicht, sie kommen einfach nicht vor. Großpleiten wie Schlecker und Neckermann (nur zwei von vielen), nicht mehr als ein  Kollateralschaden kapitalistischer Gier und Größenwahn. Keine Rede von den bis Ende des Jahres erwartenden 29.500 von einer Insolvenz betroffenen Betrieben. Und es wird weiter Berg ab gehen, Kurierdienste, Abbruchunternehmen, Discotheken, Videotheken und Eckkneipen, kleine Handwerksbetriebe sollen laut Creditreform am  anfälligsten für Pleiten sein. Auch die Schuldenkrise in der Eurozone ist ein Risiko für Unternehmen, in die Insolvenz zu geraten. Und was viele Menschen schon hinter sich haben, steht Opel noch bevor, mit all den Konsequenzen für eine ganze Region. Da kann man doch mal „Danke, Deutschland“ sagen, weil die Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand nur noch für EINIGE WENIGE zutreffen wird, die Werktätigen, welche noch Arbeit haben, müssen sich wohl oder übel auf griechische Verhältnisse einstellen.  Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die europäischen Wohlfahrts-Staaten(!!!!) für nicht dauerhaft finanzierbar. Weil die Bevölkerung in Europa immer älter werde, müsse die staatliche Rundumversorgung (!!!!!) ein Ende haben, sagte Merkel einst der FT.

Das lässt nichts Gutes ahnen für den „Wohlstand“ der Menschen und deshalb sollte man „Danke, Deutschland“ sagen.

Und hier noch ein Video zum Thema

 

 

 

Bankenterror: Taliban … ker nehmen Deutschland als Geisel

Wir wissen ja, wo der Feind steht. Gott sei Dank recht fern von hier. Früher war er näher dran, Frankreich im Westen, Russland im Osten. Gegen Frankreich haben wir 1914-1918 ganz ordentlich verloren, gegen Russland 1941 – 1945 ordentlich aufs Maul bekommen. Daraus hat die Bundeswehr gelernt. Wer nicht gerade als Frau auf der Gorch Fock Dienst tut, riskiert sein Leben sonst nur noch im fernen Hindukusch gegen Feinde ohne Panzer, Luftwaffe und Artillerie. Der Partisanenabwehrkampf gegen einen technisch weit unterlegenen Feind scheint das Metier des deutschen Soldaten, allerdings hatte man in Jugoslawien gegen Tito auch schon mal schlimm einstecken müssen … und ich sage nicht, das SPD und Grüne deshalb Bomben auf Serben geworfen haben.

Dabei ist der Feind der dort steht nichts gegen den Feind im Inneren. Dort sind es Taliban, hier sind es Talibanker, die in beispielloser Unverfrorenheit ihren Herrschaftsanspruch durchsetzen, wie der Spiegel berichtet:

Es geht um Hunderttausende Euro Schadensersatz – da wird mit harten Bandagen gekämpft: Im Prozess zwischen einem Mittelständler und derDeutschen Bank um den Verkauf von riskanten Zinswetten hat der Rechtsvertreter des Kreditinstituts mit einer harschen Aussage für Aufsehen gesorgt. Im Falle einer Niederlage für die Deutsche Bank vor dem Bundesgerichtshof (BGH) warnte Anwalt Reiner Hall vor einer „zweiten Finanzkrise“.

Dieser kleine Prozess am Rande der Aufmerksamkeit der Medien versinnbildlicht ein brandgefährliches Prinzip: den Kampf der Finanzwirtschaft mit ihren Schummelprodukten gegen die Realwirtschaft, die keine Löhne mehr zahlen kann, weil sie die Gelüste der Anlageberater befriedigen muß.

Im Kampf gegen die Banker, ihrem Finanzterror und ihrer Renditediktatur haben schon etliche Menschen Haus und Hof verloren, viele Kommunen sind nahe an der Pleite – und nun klagt erstmal ein Unternehmer:

Im konkreten Fall verlangt der hessische Hygienebedarfs-Hersteller Ille von der Deutschen Bank Schadenersatz nebst Zinsen für Einbußen von rund 540.000 Euro. Der Mittelständler hatte im Jahr 2005 ein Swap-Geschäft abgeschlossen – und war damit reingefallen, weil sich die Zinsen anders entwickelten als erhofft. Das Unternehmen fühlt sich falsch beraten und arglistig über Chancen und Risiken getäuscht. Der Seniorchef der Firma Ille, Willi Blatz, sagte dem SPIEGEL, er sei davon ausgegangen, sein Risiko bei dem Geschäft betrage höchstens 15.000 Euro. Er fühle sich „eiskalt über den Tisch gezogen“.

Man sollte mal eine Umfrage unter deutschen privaten Anlegern starten, wer sich von seinem Anlageberater nicht eiskalt über den Tisch gezogen fühlt. Vielleicht fangen wir bei denen an, die heute noch ihre Lehmanbrothersanteile als Hygieneartikel verbrauchen, um  nicht ganz leer auszugehen.

Nun scheint das Gericht eher dem Opfer zu folgen. Das veranlaßt den Vertreter der Bank zu deutlichen Warnungen:

Der Rechtsvertreter der Deutschen Bank, Reiner Hall, griff zu drastischen Worten, als er vor der Tragweite eines für das Institut negativen Urteils warnte. „Dann lösen Sie eine zweite Finanzkrise aus“, sagte Hall an das Gericht gewandt. Seine Begründung: Damit schaffe der BGH eine neue Pflicht für die Banken zur Aufklärung über ihre Renditen, auf die sich alle Kunden berufen könnten, deren Spekulationen schiefgegangen seien. „Da kämen Milliardenforderungen auf die Banken zu“, sagte Hall.

Auf Deutsch: Wenn wir die Kunden nicht mehr eiskalt über den Tisch ziehen dürfen, machen wir Euch alle platt!

„Deutsche Bank gegen Mittelstand“ – so lautet deshalb auch der Titel der Printausgabe des heutigen Handelsblattes.

Auch die Welt übt sich in Kritik:

Die Fundamentalkritik des BGH an dieser Vertriebspraxis ist nur zu berechtigt. Die Banker versprachen den Kämmerern eine „Optimierung“ ihrer Zinszahlungen – in Wirklichkeit verkauften sie Wetten auf die Entwicklung des Zinsmarktes, die mit den Kreditverpflichtungen der Städte nichts zu tun hatten. Zockerprodukte Kommunen anzubieten ist dreist und trägt zum Bild des gierigen Bankers bei.

Nun weist der Autor auch auf die Verantwortung der kommunalen Mitarbeiter hin, vergißt jedoch zu erwähnen, das dieser Mitarbeiter den in allen Manipulationspraktiken geschulten Verkäufern der Banken erstmal hilflos ausgeliefert ist – und eigentlich keinen Grund hatte, zu vermuten, das ihn seriöse Bankangestellte brutal hinters Licht führen. „Arglistige Täuschung“ – so nannte man das früher. Heute ist das „business“, das skrupellosen, verantwortungsscheuen asozialen Charakteren aller Branchen die Chance gibt, auf Kosten anderer gigantische Vermögen anzuhäufen – und das bislang ganz legal.

Da der Geldkreislauf ein geschlossenes System ist, muß der „Stoff“ für die großen Haufen oben irgendwo herkommen. Gigantische Vermögen auf der einen Seite haben „Nebenwirkungen“ für andere Seiten, Nebenwirkungen, die gerne billigend in Kauf genommen werden. Von einer Nebenwirkung berichtet aktuell die „Welt“:

Der Anstieg der privaten Insolvenzen liegt in Deutschland über dem europäischen Schnitt. Schuld sind Experten zufolge niedrige Löhne.

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs mussten im vergangenen Jahr mehr Privatpersonen Insolvenz anmelden als im Vorjahr. Ihre Zahl stieg hierzulande um 7,6 Prozent auf fast 140.000 Personen. Das sind 19.000 mehr als 2009. In ganz Westeuropa stieg die Zahl der Privatinsolvenzen um 5,2 Prozent. „Wir beobachten seit 2005 einen permanenten Anstieg der Privatinsolvenzen“, sagt Helmut Rödl, Vorstandsvorsitzender des Inkassounternehmens Creditreform, das diese Zahlen zusammengetragen hat.

Der deutsche Bürger geht Pleite, während professionell geschulte Anlagebetrüger Berge von Geld anhäufen, das als Schmiermittel für den Betrieb der Wirtschaft dringend gebraucht würde. Und wenn man sich mit rechtsstaatlichen Mitteln dagegen wehrt … droht der Talibanker mit Totalkollaps.

Um so etwas äußern zu dürfen, muß man sich seiner Macht im Staate schon sehr sicher sein, fürchte ich.

Dabei sollte die Meinung des Gerichtes nicht verwundern. Im letzten Jahr gab es schon mal Urteile, die die Qualität der „Beratung“ berücksichtigten, hier zitiert bei daily paragraph:

Das Landgericht Bonn hat Bankkunden beim Streit um Verluste mit Lehman-Zertifikaten den Rücken gestärkt. Die in Targobank umgetaufte Citibank muss einer Kundin den Totalverlust mit Lehman-Zertifikaten ersetzen und zusätzlich Zinsen zahlen (Aktenzeichen: 2 O 221/09). “Der Fall zeigt, dass die Citibank Kunden für das eigene Gewinnstreben missbraucht hat”, erklärt Hartmut Göddecke, Fachanwalt für Bank und Kapitalmarktrecht in Siegburg. Die Kanzlei Göddecke hat im Urteilsfall die Anlegerin erfolgreich gegen die Citibank vertreten. Vor Gericht wurde deutlich, dass die Citibank ihre Anlageberater angewiesen hatte, die Anlageziele von Kunden zu ignorieren, um provisionsträchtige Produkte in den Markt zu drücken. Die Citibank heißt seit Anfang 2010 Targobank.

Schaue ich mir die Geschäfte der Deutschen Bank an, scheint mir das Ignorieren der Anlageziele der Kunden System zu haben, es sei denn, der Kunde wünscht ausdrücklich ein „Glücksspiel“. Aber dafür könnte man ihn doch auch an den Roulettetisch setzen, dann wäre ihm auch ganz deutlich klar, wofür er gerade sein Vermögen aufs Spiel setzt. Um alles auf rot zu setzen, braucht er nicht noch zusätzlich hohe Provisionen an die Bank zu zahlen.

Das Bild des „dreisten und gierigen Bankers“ ändert sich auch nicht dadurch, das man den „dummen Kunden“ auf die andere Seite setzt. Der Fehler des Kunden war nur, nicht zu sehen, das in dem teuren Anzug ein … Talibanker sitzt und kein vertrauenswürdiger Geschäftspartner. Ein Feind der demokratischen Wertegemeinschaft und zivilisierter Geschäftspraktiken im Nadelstreifenanzug, ohne Bart und Turban.

Aber bekämpft werden andere: Arbeitslose und ihre Kinder, siehe Spiegel:

Ursula von der Leyen und Manuela Schwesig haben es nicht geschafft: Die Verhandlungen über die Neuberechnung des Hartv-IV-Regelsatzes sind in der Nacht gescheitert.

Genau vor einem Jahr, am 9. Februar 2010, hatte das Bundesverfassungsgericht eine transparente Neuberechnung der Hartz-Sätze verlangt. Von der Leyen will eine Erhöhung des Regelsatzes für Erwachsene um 5 auf 364 Euro und ein Bildungspaket für bedürftige Kinder mit Zuschüssen für Schulmaterial, Freizeitaktivitäten und warmes Mittagessen in Schule und Kita.

Über Bonuszahlungen für Pleitebanker möchte ich in diesem Zusammenhang jetzt nicht reden – ich habe gerade gefrühstückt. Die Investition möchte ich nicht umsonst getätigt haben.


Deutschland bankrott, USA in Auflösung, China schmutzig

Der Aufschwung fetzt uns ja gerade nur so um die Ohren, das es kracht. Besonders kracht es bei den Schuldnerberatungen, den Insolvenzgerichten und den Inkassounternehmen.  Wir wissen ja alle, das das nicht sein kann, es muß sich also bei dieser Beobachtung um eine kollektive aufschwunggefährdende Massenpsychose handeln. Ein Wunder, das dafür noch nicht harte Strafen verhängt worden sind:

Damit könnte es dieses Jahr noch mehr Verbraucher treffen als im bisherigen Rekordjahr 2007. Damals mussten 137.000 Personen ihre Zahlungsunfähigkeit erklären. In den ersten sechs Monaten habe es fast 69.500 Fälle gegeben, teilte der Finanzdienstleister mit – ein Zuwachs von knapp 13 Prozent. Hauptursache sei unter anderem Arbeitslosigkeit, die krisenbedingt noch immer hoch sei, sagte ein Bürgel-Sprecher.

Quelle: Spiegel-online

Das es sich bei dieser Studie des Finanzdienstleisters Bürgel um eine krasse Fälschung und unverschämte Lüge handelt, ist jedem aufrechten Bürger gleich offensichtlich: wir haben Jobwunder und die sprechen von unverschämt von Arbeitslosigkeit und sogar – das schlägt dem Faß den Boden aus – von KRISE.  Die haben wohl die Aufschwungberichte der Medien nicht gelesen.

Leider machen auch andere Unternehmen die unangenehme Erfahrung, das arbeitslose Verbraucher, die in die Privatinsolvenz rutschen, nicht mehr bezahlen:

Deutsche Unternehmen müssen laut einer Studie in diesem Jahr durchschnittlich 2,8 Prozent ihrer Forderungen abschreiben. 2009 waren es danach 2,1 Prozent nicht bezahlter Rechnungen. Der Anteil der Zahlungsausfälle in 2010 liege bei Geschäftskunden (2,8 Prozent) und Privatkunden (2,6 Prozent) fast auf gleichem Niveau. Für die Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“ hat die internationale EOS Gruppe gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos nach eigenen Angaben 2200 Unternehmen in zehn europäischen Ländern zu den Zahlungsgewohnheiten befragt.

Damit liegen die Zahlungsausfälle höher als der Aufschwung, was praktisch heißt: wir haben zwar volle Auftragsbücher und die Leute kaufen unsere Waren, sie bezahlen aber nicht mehr. Besonders schlimm sind die Firmen, denen es ja angeblich noch besser geht:

Besonders stark von Forderungsausfällen betroffen sind laut Studie süddeutsche Unternehmen mit Geschäftskunden. Hier fielen 4,2 Prozent der Forderungen aus.

Quelle: Welt

Da wir ja Aufschwung und Jobwunder haben, können wir aber auch diese sehr beunruhigenden Berichte in das Reich der Phantasie verweisen.  Es bleibt ein Rätsel, wie diese aufschwunghemmenden Nachrichten überhaupt die Schreibtische verantwortungsbewußter Redakteure passieren konnten.

Da lieben wir doch die Nachrichten vom Handelsblatt:

Nach Ansicht des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) sind die Verbraucher die Verlierer des Kompromisses. Die Atomlobby habe sich „mit ihren dreisten Forderungen auf ganzer Linie durchgesetzt“. Der Bundesverband WindEnergie sprach von einer „Rolle rückwärts zur Energietechnologie von gestern“. Kernkraftwerke würden noch Jahrzehnte „die Stromnetze verstopfen“ und so den möglichen Ausbau der Windenergie blockieren.

Geht es den Konzernen gut, geht es auch der Wirtschaft gut und wir kriegen schöne Statistiken.  Was interessiert uns da der „Verbraucher“. Überhaupt … was ist das eigentlich für ein moralisch minderwertiges Wesen: „der Verbraucher“? Wie der sich schon anhört: ein Schmarotzer in Person. Während die edle Elite produziert, nimmt er sich die Frechheit heraus, einfach zu verbrauchen, was diese erschaffen haben. Man muß sich da wirklich mal überleben, wieviele Verbraucher sich so ein Land noch leisten kann. Amerika macht das jetzt ja mal konsequent vor, die entsorgen ihre Verbraucher frühzeitig. Das Handelsblatt berichtet von einem:

Paul Berardino ist kein typischer Arbeitsloser. Der 46-Jährige New Yorker ist studierter Politikwissenschaftler, Vertriebsmanager, Medienexperte, Buchautor. Als am 11. September 2001 in Downtown Manhattan zwei Flugzeuge ins World Trade Center krachen, arbeitet er im Gebäude schräg gegenüber für Thomson Financial – und kommt mit dem Schrecken davon.

Der eigentliche Anschlag auf Berardinos Leben folgt sechs Jahre später. Investcorp., eine Private-Equity-Firma mit Sitz in Bahrein, übernimmt die Sparte Thomson Media und setzt den Vertriebsmann aus Manhattan vor die Tür: „Ohne Vorwarnung, ohne einen Cent Abfindung, eiskalt“, schimpft Berardino. Fortan schickt er pausenlos Bewerbungen, doch nachdem im September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbricht, kommt von all den Arbeitgebern, die er anschreibt, kaum mehr eine Notiz: „Die meisten“, sagt er mit rauer Stimme, „schicken nicht mal eine Absage.“ Aus Berardino, dem Multitalent, wird einer von vielen Millionen Langzeitarbeitslosen in den USA.

Solche Geschichten hört man nicht gerne, wenn man in Deutschland wohl situierte Grünenwähler ist. Doch haben die gleichen Strukturen, die uns den „Energiekompromis“ aufgezwungen haben, den amerikanischen Verhältnissen mit der Agenda 2010 schon mal die Tür geöffnet, auch wenn bei uns die Folgen nicht so drastisch sind:

„99ers“ werden sie im Volksmund genannt, weil sie die maximale Dauer der Arbeitslosenunterstützung von 99 Wochen überschritten haben. Unter ihnen sind Millionen Menschen, die erst ihren Job verloren haben, dann ihr Haus. Die in ihren schlimmsten Träumen nicht daran dachten, dass sie einmal so abstürzen könnten. Die nun ihr letztes Hab und Gut auf Flohmärkten verscherbeln und bei Verwandten oder Freunden Übernachtungsmöglichkeiten anfragen. Wenn nicht, schlafen sie im Auto. Ein Teil der amerikanischen Mittelklasse, einst Grundstein des reichsten Landes der Erde, verabschiedet sich in die Obdachlosigkeit.

Nun, wenn die neue Reform der Hartz-IV-Gesetze steht und die Kommunen über den Wohnraum entscheiden, dann werden wohl … auch bei uns sich zunehmen Arbeitslose in die Obdachlosigkeit verabschieden.  Aber was interessiert das schon die Politik – die geht ganz andere Wege, zunehmend fern vom Bürger und seinen Interessen.

Eine Kleinstadt im US-Staat Michigan hat aus Kostengründen ihre kommunale Polizei abgeschafft. Clarkstown hatte bislang einen Polizeichef, einen Vollzeit- und acht Teilzeitbeamte, die in dem Ort nach dem Rechten sahen. Es ist nicht der erste Fall in den USA.

Quelle: Handelsblatt

Das Gewaltmonopol ist eine der Grundlagen staatlicher Souveränität.  Die Bürger verzichten auf Schußwaffengebrauch und vertrauen darauf, das der Staat notfalls schießt.  Polizei und Militär bilden die ausführenden Organe des staatlichen Gewaltmonopols – wo sie abgeschafft oder privatisiert werden, ist der demokratische Rechtsstaat am Ende:

Blackwater hat nach Informationen der «New York Times» 31 Firmen gegründet. Mehrere davon waren in Steueroasen angesiedelt. Unter neuen Namen hatte die US-Söldnerfirma Grosses vor.

Alleine die CIA hat Blackwater und seinen Töchtern seit 2001 Aufträge für 600 Millionen Dollar erteilt. Darunter ist ein neuer Auftrag über 100 Millionen Dollar für Einsätze in Afghanistan.

Quelle: Basler Zeitung

Wen wunderts?  Niemanden. Die USA werden für die wirklichen Machthaber dieser Welt immer uninteressanter. Sie haben Bürgerrechte, eine häßliche Justiz, die viel Schadensersatz fordert und einen ständig steigenden Widerstand gegen die Macht der Konzerne – auf kommunaler Basis. Entzieht man der kommunalen Basis aber die wirtschaftliche Basis, kann man (theoretisch) mit Blackwater ganze Staaten beherrschen, ohne sich um die lästigen Verbraucher kümmern zu müssen.

Für die Konzernwolken, die unseren Planeten belagern, gibt es ein anderes Land, dessen politische Kultur derjenigen entspricht, die sie auch in ihren Unternehmen pflegen:

Nicht weit entfernt von Peking fliesst ein schwarzer Fluss ins Gelbe Meer. Das Meer heisst nur so; der Fluss aber ist wirklich schwarz. «Er ist total verdreckt, weil die Fabriken dort ihre Abwässer völlig ungeklärt in den Fluss leiten», sagt der chinesische Umweltfotograf Lu Guang. Die Rede ist vom Ziya-Fluss, der sich rund 130 Kilometer Luftlinie von Peking entfernt wie eine Kloake ins Meer entleert.

Nun gibt es in China ein Umweltministerium, es gibt Umweltgesetze, die mit Geldstrafen drohen, und es gibt eine Parteiführung, die immer häufiger die Worte «Umweltschutz» und «Nachhaltigkeit» im Munde führt. Wie kann dann gleichzeitig ein natürlicher Wasserlauf so zugerichtet werden? Fotograf Lu machte kürzlich eine Entdeckung. «Mehr als 100 Firmen hatten zusammengelegt und ein 15 Kilometer langes Rohr verlegt.» Ihr Dreck fliesst noch immer ungeklärt in den Fluss. Aber man sieht es nicht mehr, und es lässt sich auch nicht mehr fotografieren.

Quelle: Basler Zeitung

Die verstehen, wie man Politik macht, diese Chinesen. Einfach mal eine Röhre bauen, um die Umwelt weiter zu vernichten: da findet man gleich hundert Firmen, die sich daran beteiligen. So werden Konzerne geboren.  Das imponiert auch in den USA. Ein neues Land der unbegrenzten Möglichkeiten zieht die Räuberhorden an, die einst aus Europa nach Amerika auswanderten um dort ihr neues Imperium zu errichten, während die Regierung Merkel noch in den Traumlanden von Aufschwung und Wohlstand dümpelt.

Nur sieht die Realität anders aus:

Auch nach den jetzt von Eurostat veröffentlichten Juli-Werten rangiert Deutschland weit unten bei der Einzelhandelsentwicklung seit dem Jahr 2005. Zwar hat es die letzten Positionen an drei andere Länder abtreten müssen, zwei davon unter den angeschlagenen Euro-Süd-Ländern, doch bleibt der Abstand zu den normal konsumierenden Ländern, wie Großbritannien, Frankreich, Schweden und Österreich sehr groß (Abb. 15169). Während letztere zwischen 12 % und 14 % zugelegt haben, ist der deutsche Einzelhandelsumsatz seit 2005 um 2 % gefallen.

Quelle: Jahnke.net

Die zahlen nicht nur nicht mehr, die Deutschen, die kaufen auch nichts. Aber Aufschwung gibt es trotzdem. China zieht uns mit.

Heil China.

Alles wird gut.

Und wenn man jetzt noch die Bundeswehr zur Freiwilligenarmee macht und nur noch „seine“ Leute aufnimmt, ist man für die Zukunft auch gut gerüstet, wenn auch die Verbraucher in Deutschland merken, das sie so heißen, weil sie nur noch verbraucht werden und völlig überflüssig sind, wenn sie verbraucht wurden.

Aber vielleicht hilft uns dann ja eine Blackwatertochter mit chinesischen Todesbussen.

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