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Corona-Roadmap to Hell

Corona-Roadmap to Hell

Es ist das erste Mal, dass ich ein Video verlinke, das ich selbst noch nicht gesehen habe. Doch in Zeiten, wo uns die Gaslightmedien („Leitmedien“) nur noch karges Brot bzw. Schnaps und Rattenköder vorsetzen, sollte man nahrhafte Hausmannskost, wie sie Ullrich Mies aufdeckt, nicht zu lange zurückhalten. Sonst setzt womöglich Skorbut sein.

Mancher mag monieren, warum denn der Herr Mies ein solch ernstes Gesicht aufsetzt und nicht diesen smarten Obamacronrezotilo-Smile, mit dem uns unsere Influenzer und Superspreader vor Augen führen, dass doch eigentlich eh alles ja ey lol mann ist, sofern man es nur versteht, auf der Shitwave des guten, gernen & alternativlosen Lebens zu surfen. Dirk C. Fleck hat „Das Geheimnis um das neue Gesicht von Ullrich Mies“ bereits gelüftet:

„Es ist nicht so sehr das Gesagte, was mich an dem Gespräch zwischen Ullrich Mies und Ken Jebsen fasziniert. Es ist die Art und Weise, in der Ullrich Mies erklärt und Antwort gibt, es ist vor allem sein Gesicht, das seine Ausführungen begleitet und in dem sich kaum noch Empörung zeigen will. Es nistet auch kein Anflug von Stolz oder Zufriedenheit über die geleistete aufklärerische Arbeit darin, keine Leidenschaft, wie noch im Gespräch an gleicher Stelle, als sein Buch „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“ vorgestellt wurde. Nein, dieses Gesicht ist in gewisser Weise verstummt, es ist ohne Regung auf sich selbst reduziert und dadurch von unglaublicher Klarheit. Es akzeptiert das Ungeheuerliche, weil Ullrich Mies inzwischen weiß, dass die Ungeheuerlichkeiten einer geistesgestörten Finanz- und Politelite bis zur Totalkatastrophe ungestraft durchgewinkt werden. Widerstand scheint zwecklos. Was ich sehe, wenn ich mir den Mann in dem besagten Gespräch bei KenFM ansehe, ist vor allem dies: hinter seinem Gesicht verbirgt sich eine unumstößliche Traurigkeit und Melancholie, als würde man auf den Grund eines stillen Sees schauen. So sehen früher oder später alle aus, die durch ihre erlittene Müdigkeit geneigt sind, die Waffen zu strecken.

Verkehrt ist das nicht, wie ich finde. Diejenigen unter uns, die sich von den Propagandainstrumenten der Mächtigen nicht die Sinne haben vernebeln lassen, haben inzwischen nämlich das untrügliche Gefühl, dass man ihnen mit jeder politischen Entscheidung, die den Frieden, den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft, ja sogar unser aller Überleben betreffen, beständig in die Fresse haut. Und die Lämmer schweigen dazu. Kein Wunder: die Unbewussten gehören immer zur Mehrheit und dieses Wissen reicht aus, damit sie ihrer Arroganz und ihrem Zynismus lustvoll freien Lauf lassen können. Würde man sie auch nur für einen Tag aus ihrer fürchterlichen „Solidargemeinschaft“ reißen und sie unter sensible, mitfühlende Menschen stecken, sie würden vor Angst zerbröseln.

Genau hier liegt unsere Chance. Waschen wir uns den Schmutz von der Seele, den wir in dieser ruhig gestellten Gesellschaft angesammelt haben. Lernen wir uns zu wundern …“

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich auch ganz persönlich bei Ullrich Mies bedanken. In jener Zeit des Corona-Lockdowns, als der wissenschaftlich-evidenzbasierte Schwefel, den man jahrzehntelang in unsere Köpfe gestreut hat, unversehens durchgezündet wurde, war er so etwas wie ein intellektueller Rettungsanker, an den man sich halten konnte, um nicht vom massenmedialen Tsunami mitgerissen zu werden. Während ich unter den Menschen mit „einfacher“ Bildung, dafür aber mit Herz und Hausverstand, glücklicherweise eine große Anzahl an Personen beobachten konnte, die den Corona-Hype von Beginn an als „irre“ bezeichnet haben und sich auch von der viertelstündlich in unsere Köpfe gezimmerten Nachrichtenpropaganda nicht beeindrucken ließen, so musste ich bei der intellektuellen Avantgarde erstaunlicherweise eine umgekehrte Proportionalität feststellen. Kaum einer war es, welcher sich dem Zahlenkurvenstrickwerk der regierungsnahen („öffentlich-rechtlichen“) und konzernwirtschaftlichen („privaten“) Excelakrobaten entziehen konnte. Der mediale Strudel war sowohl hinsichtlich Quantität als auch des Raffinements so gewaltig, dass sogar ein großer Teil der kritischen Intellektuellen davon einfach mitgerissen bzw. aufgesogen wurde.

Inmitten dieses kollektiven Drehschwindels, in dem sich der größte Teil der akademischen Intelligenzia unzickernd unter dem Hashtag #DrowningInTheLauterbach unter dem Tisch zusammenkauerte und sich umstandslos zu Risikopatienten degradieren ließ, die nun auf Hilfe von Mutti und ihren Experten harren müssen, wollte auch mich kurz die Verzweiflung packen: Es kann doch nicht sein, dass jetzt bei allen ehemals kritisch denkenden Köpfen Schicht im Schacht ist. Köpfe, von denen ich bislang geglaubt habe, dass ich alles blind unterschreiben könne, was diese sagen. Lag ich womöglich selbst falsch und war die Corona-Nummer etwa doch das, was uns Söder, Merkel & Co. erklärten?

In meinem Taumel schoss mir dann spätabends der Name von Ullrich Mies ein. Eilends tippte ich ihn in die Suchmaschine. Zumindest er, der soeben das akribisch recherchierte Buch „Der tiefe Staat schlägt zu“ geschrieben hatte und daher wissen musste, zu was dieser globale Kahlschlag genützt werden wird, sollte sich doch auch zu Corona geäußert haben. Und tatsächlich: Auf der Plattform Rubikon wurde ich fündig – und fand meine Hoffnung an die menschliche Vernunft wieder. Zu einem Zeitpunkt, als dies noch als reine Häresie und äußerst gewagt galt, vollführte Ullrich Mies in gewohnt abgeklärt-souveräner Art mit wenigen Schwertstreichen  eine Demaskierung des Corona-Lockdowns als das, was heute für jedermann sichtbar ist: Als willkommenes Vehikel zu einer brutalen und kompromisslosen Umsetzung der bereits seit Jahren unbändig in den Startlöchern scharrenden Digitalisierung und Instrumentalisierung von Welt und Mensch. Eine entsprechende „Corona Roadmap“ zur Umsetzung dieses in den sogenannten Transhumanismus mündenden Menschheitsverbrechens gibt es auf der Website des World Economic Forum nachzulesen.

Doch genug des Vorworts. Wer am full-spectrum-dominance Highway dieser Corona-Roadmap nicht unter die Räder kommen möchte, dem steht es frei, sich bei Ullrich Mies eine Ampulle Gegengift abzuholen. Er wird dann auch keine genverändernde Impfung mehr benötigen. Und bereits das könnte ihm und seinen Kindern vorerst den Kragen retten.

Er wird dann nicht zu denen zählen, die sich zum „Homo Caninus“ (von lat. caninus – Hund)  transformieren lassen, so wie das Elias Davidsson ausführt: zum folgsamen, gefügigen Menschen, der sich seiner eigenständigen Denkfähigkeit begibt … und der diesen Zustand ebenso wie echte Canini als „vollkommen natürlich“ erleben wird.

Bild: Jo Frighting („Der Psiram-Lehrmeister“)

Die Hexenjagd von Darth Vaders Humanisten


Evidenzbasierter Humanist 4.0  (Foto: Pixabay CCO)

Scheiterhaufen für die Pogrome der Zukunft

Der UN-Sonderberichterstatter für Folter hat vor Kurzem ein Essay über die Diffamierung unerwünschter Personen wie Julian Assange verfasst. Er spricht hierbei von einer Entwicklung, die „das Schicksal der westlichen Demokratie besiegeln“ und uns einer „ungezügelten Tyrannei“ überlassen könnte. Bemerkenswert ist, dass der UN-Sonderberichterstatter zugibt, dass er sich zunächst selbst von der medialen Kampagne gegen Julian Assange habe vereinnahmen lassen: 

“Wie die meisten Bürger war ich unterbewusst durch die unerbittliche Schmutzkampagne, die jahrelang gegen ihn geführt wurde, vergiftet worden.“

In seinen realen Wirkungen auf Psyche und Physis wäre ein solches Dirty Campagning direkt mit Folter gleichzusetzen. Existenziell bedrohlich wäre das Kesseltreiben insbesondere, wenn der Staat selbst daran beteiligt ist:

„Nachdem er [Assange] durch Isolation, Spott und Schande entmenschlicht worden war, wie die Hexen, die wir auf dem Scheiterhaufen verbrannt haben, war es leicht, ihm seine grundlegendsten Rechte zu entziehen.   (…)   Was in der öffentlichen Debatte wie bloßes „Schlammschleudern“ aussieht, wird schnell zu “Mobbing”, wenn es gegen einen Wehrlosen eingesetzt wird, und sogar zur “Verfolgung”, wenn der Staat beteiligt ist.“

Ja, man hat heute wirklich den Eindruck, dass gerade wieder Scheiterhaufen für die Pogrome der Zukunft geschlichtet werden. Und an Bütteln, die eifrig Scheitholz herbeitragen, fehlt es auch heute nicht. Nicht nur die „Leitmedien“ (siehe “Über Südtäusche Wasserleichen im Relotius-Narrenspiegel“), die mit dem Staat, seinen Geheimdiensten und special denunciation forces wie der JTRIG Hand in Hand arbeiten, treiben die Sabotage zivilgesellschaftlichen Engagements und freien Denkens systematisch voran. Auch ganze Rudel an Hobbydenunzianten sind mittlerweile regelrecht besessen davon, Andersdenkende zu beseitigen. Whistleblower, diese lästigen Störenfriede des süßen Konsumfriedens, werden für vogelfrei erklärt. Menschen, die anders denken als man selbst, werden – derzeit noch digital – geteert und gefedert bzw. bekommen einen „Aluhut“ aufgesetzt.

Und gleich allen bisherigen Anhängern absolutistischer Ideologien wie Faschismus, Bolschewismus, Maoismus, Trotzkismus, Dschihadismus etc. haben natürlich auch die neuzeitlichen Saubermacher nicht die geringsten Bedenken daran, dass sie im Recht sind und ihre eth(n)ischen Säuberungen für den „Fortschritt“ unabdingbar.

Multiplikation mit Null

Die Hobby-Inquisitoren und Hexenjäger formieren jetzt sogar als eigene politische Partei namens „Die Humanisten“. Bei der jüngsten EU-Wahl haben sie mit über 62.000 Stimmen fast den Sprung ins EU-Parlament geschafft, um uns von dort den Scihad zu erklären. Man darf sich hierbei von Worten nicht ins Bockshorn jagen lassen. Denn in Zeiten, in denen laut Frank Schirrmacher alle hehren Worte wie Freiheit, Demokratie und Humanismus „mit Null multipliziert“ und „der Menschheit geraubt“ wurden, besitzen freilich auch die Gwup-Skeptiker genügend Chuzpe, um ihren Scihad-Kreuzzug nicht unter einer Totenkopfflagge, sondern unter dem Parteinamen „Die Humanisten“ anzutreten.

Die ins Gewand streng wissenschaftlicher „Humanisten“ gehüllten neoliberalen Nihilisten rühren nicht nur verbissen die Trommel für die transhumanistische Robotisierung („Wir ebnen den Weg zum Körper 2.0“), Gentechnik, Glyphosat und Kernkraft (siehe unten), sondern auch zur „evidenzbasierten“ Ausmerzung aller Fortschrittsfeinde – siehe dazu auch die „Unvereinbarkeitsliste“ dieser smarten Partei auf webarchive.org: Darin versichern die „Humanisten“, dass sie in die gleiche Stoßrichtung arbeiten werden, die auch Bundespräsident Steinmeier jüngst angekündigt hat: Allen „verschwörungstheoretischen Bewegungen und Medien“ werden die (Trans-)Humanisten entgegenarbeiten, ausdrücklich genannt sind dabei unter anderen: Attac, Die Nachdenkseiten, Rubikon und KenFM. „Aufgrund der großen Vielfalt an teils gegensätzlichen Verschwörungstheorien und der unüberschaubaren Fülle an Akteuren“ sei jedoch das Aufstellen einer abschließenden Liste „schwerlich möglich … und ist daher auf die Onlineplattform PSIRAM zu verweisen“.  Na ist das nicht fabelhaft? Da haben wir sie also wieder: Die Listen … die dann demnächst von kundigen Experten abgearbeitet werden.

Aber die Liste der (Trans-)Humanisten ist endlos … man sieht daran wieder einmal, wie groß die Welt der Andersdenkenden ist. Aber dank Künstlicher Intelligenz und lückenloser Bürgerüberwachung in Gwupsmart Cities sind die Gwupper zuversichtlich, dass es erstmals in der Geschichte möglich sein wird, auch wirklich alle Andersgläubigen und Fortschrittsfeinde zu beseitigen.

 (Screenshot Twitter /Account „Partei der Humanisten“, https://twitter.com/diehumanisten/status/1114833081037459457?lang=de, 08.07.2019)

Nun ja, wenn es dann keine Andersdenkenden mehr gibt, dann wird unter den Gwupern womöglich große Ratlosigkeit ausbrechen … und sie werden sich dann selbst auffressen müssen (so wie das Dostojewskij in Raskolnikoffs Traum von der szientistischen Pest ja vorausgesehen hat).

Obwohl sich die Freunde Sheldon Coopers auf eine streng wissenschaftliche, rein naturalistische Weltsicht berufen, haben sie nicht verstanden, dass Ökosysteme einer möglichst großen Diversität und Artenreichtums bedürfen, um stabil zu bleiben. Auch dass Monokulturen nur zum Preis der totalen Erosion und Vergiftung des Bodens aufrechtzuerhalten sind, aber trotz allen gigantomanischen Technologie- und Pesizideinsatzes letztlich doch kippen (inklusive massenhafter Suizide der Landbevölkerung aufgrund der Segnungen des von der Gwup propagierten Gentechnik-Saatguts), kann man in Ländern wie Indien, die als Monsanto/Gwup-Versuchslaboratorien dienen, zwar bereits sehen, aber who cares about reality, wo der feuchte neoliberale Smart City Science Buster Traum doch so süß ist?

Auch dass es in einem mit szientistischem Urin gefüllten Biotop – selbst wenn dieser Urin von Monsanto/Bayer nach streng „evidenzbasierten“ Kriterien synthetisiert wurde –  keine Fische, keine Libellen und keine Schmetterlinge mehr geben wird, sondern sich dort allenfalls ein paar Würmer und Blutegel tummeln werden: Who cares? Dass am Todesstern die geilsten Parties abgehen und Darth Vader der unschlagbarste DJ des Universums ist, kann doch keiner, der Star Wars gesehen hat, bestreiten. Warum sollen wir uns von diesem coolen Schwarzhelm also nicht auch zum Tanz aufspielen lassen? It’s market-conform democracy, stupid!

Pink Panther goes nuclear

Der im obigen Humanisten-Tweet genannte Kernkraft-Schwärmer und „Humanisten“-Beirat @sapinker ist übrigens der Harvard-Professor Steven Pinker. Mit eloquenter akademischer Sprache, aber zugleich fast surrealer Naivität singt Pinker in seinen Büchern ein Loblied auf das System des neoliberalen Kapitalismus. Anhand von „evidenzbasierten“ Statistiken beweist er dem kleinen Mann, dass freie Märkte und Globalisierung allen zu mehr Wohlstand verholfen hätten. Nach der Lektüre seines Buches könnte man der Meinung sein, dass es den Menschen dieses kurz vorm Ökozid stehenden Globus, die gerade vermeinen die Hölle durchzumachen, in  Wirklichkeit so gut geht wie noch niemals zuvor (Pinker: Heute leben wir länger, gesünder, sicherer, glücklicher, friedlicher und wohlhabender denn je, und nicht nur in der westlichen Welt. Der Grund: … Aufklärung und Wissenschaft“).

Ich will jetzt nicht näher auf die fortschrittseuphemistische Pinkerei eingehen. Zum Glück existieren im Netz ja bereits einige Rezensionen wie z.B. im New Statesman („Unenlightened thinking“), in denen die Absurdität von Pinkers Gedankenluftschloss demaskiert wird. Zumindest Bill Gates findet Pinkers Buch weiterhin großartig: »Mein absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten.« Auch in Kreisen der Gwup-/Psiram-/Skeptiker-Bewegung genießt Pinker quasi Guru-Status. Liefert er doch auf bestem akademischen Niveau den Stoff, an den die Freunde Sheldon Coopers ihre technizistischen Träume hängen.

Doch man will nicht unter sich bleiben und drängt nun an die breite Öffentlichkeit. Nach Ansicht von Pinker und seinen nuklearen Anhängern müsse man den unaufgeklärten Menschen die noch vorhandenen Reste an „Mythen“ austreiben, sodass sie nur noch an „Fakten“ glauben … – die bekanntlich alternativlos sind. Zum Glück sind die Skeptizisten mit akademischen Institutionen, konzernwirtschaftlichen Lobbies und großen Verlagen bestens vernetzt. Pinkers Bücher erscheinen im renommierten S. Fischer Verlag, der ebenso wie Springer, Piper und die anderen großen deutschen Verlage gerade ganz begierig darauf sind, szientistisch-nihilistische Literatur wie von Dawkins, Hitchens, Schmidt-Salomon & Co.  zu publizieren. Pinkers jüngstes Buch trägt den nicht unbescheidenen Titel „Enlightenment Now“. Der Fischer Verlag transkribierte diesen Titel  für den deutschen Markt etwas bescheidener mit „Aufklärung jetzt“ (Untertitel: „Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt“). Ich meine: Wer gegen diese salbungsvollen Schlagworte etwas einzuwenden hat, der kann ja nur ein unverbesserlicher Fortschrittsfeind oder Unmensch sein.

Ein Antidot zu Dantes Eishölle

Angesichts des gerade boomenden technizistischen Traums hätte ein Schritsteller wie Hermann Hesse heute wohl kaum noch eine Chance, den Literaturnobelpreis zu erhalten. Darth Vaders Stormtrooper würden ihm stattdessen den Aluhut aufsetzen und ihn am digitalen Scheiterhaufen verbrennen – natürlich mit evidenzbasierten, rationalen Argumenten, denen jeder Touchdisplaybürger, der mit der Milchflasche des Science Edutainments (wörtl. „erziehende Unterhaltung“, so die Gwuper selbst über ihre mediale Propaganda) aufgezogen wurde, unweigerlich zustimmen muss. Die Partei der Humanisten ist ja „Die Partei der Moderne: rational, liberal und fortschrittlich“. Und die Weltanschauung, die Hermann Hesse vertritt, ist da eindeutig inkompatibel mit dem, was die rationale, evidenzbasierte Wissenschaft heute unter „Fortschritt“ versteht und daher brandgefährlich  … also ein Fall für die Inquisition und den Scheiterhaufen.

Nachfolgende Worte von Hermann Hesse, für die er noch vor wenigen Jahrzehnten – in analogen Zeiten – den Nobelpreis erhalten hat und von denen sich fast eine ganze Generation in ihrem tiefsten Inneren angesprochen fühlte, sind also nicht ganz ungefährlich. Wer sie in sein Herz hereinlässt, den machen sie zum Ketzer wider den heute herrschenden Zeitgeist – den Geist eines nach außen hin smarten Systems, das Jean Ziegler als „kannibalisch“ bezeichnet. Es ist also durchaus möglich, dass wir mit diesen Worten am digitalen Scheiterhaufen landen. Auf der anderen Seite können uns diese Worte vor demjenigen Schicksal bewahren, das bei derzeitigem Kurs ansonsten unausweichlich ist: dem Weg in Dantes Eishölle.

Hier also Hesses Worte, die sich für jeden waschechten Skeptiker wohl ebenso anfühlen müssen wie ein in den Rachen gerichteter Lanzenstoß des Ritters Georg für den Lindwurm:

„Ich habe an vielen Dingen keine Freude und glaube an viele Dinge nicht, die der Stolz der heutigen Menschheit sind: Ich glaube nicht an die Technik, ich glaube nicht an die Idee des Fortschritts, ja nicht einmal an die Demokratie, ich glaube weder an die Herrlichkeit und Unübertrefflichkeit unserer Zeit, noch an irgendeinen ihrer hochbezahlten Führer, während ich vor dem, was man so ‚Natur‘ nennt, eine unbegrenzte Hochachtung habe.“
(Hermann Hesse)

             Hermann Hesse (Foto: PD)

Vielleicht ermuntern uns diese Worte ja dazu, vom toten Pferd, auf dem wir gerade reiten, noch rechtzeitig abzusteigen … – bevor es uns digital wiehernd in den Grand Canyon befördert. Und wer so wie Hermann Hesse das Staunen über das uns umgebende Wunderwerk der Natur übt, der wird erleben, welch belebende Kraftquelle er in der Bewunderung der Natur, ihrer Fauna, Flora, Farben und Formen finden kann – einer Natur, die nicht tot ist so wie von den Skeptizisten behauptet, sondern die zutiefst lebendig und in allen ihren Aspekten nach einer unerfasslichen Genialität gegliedert ist und miteinander in Verbindung steht. Er wird dann womöglich auch zur überraschenden Erkenntnis kommen, dass die heute vielgeschmähten „Mythen“ sehr viel mehr mit der wahren Natur des Menschen und der Welt zu tun haben als die nukleare Pinkerei mit ihren „Fakten“.

 


Nachsatz:

Ein Professor an der technischen Hochschule, der entgegen der Mehrzahl seiner Kollegen zeitlebens vehement gegen Atomkraftwerke gekämpft hat, hat uns Studenten einmal erklärt, dass es relativ vergeblich sei, Kernkraftbefürworter durch gut gemeinte Erklärungen zu überzeugen. Man müsse den nuklearen Pinkey Boys die Konsequenzen der von ihnen propagierten Technologie am eigenen Leib spüren lassen – indem man sie dann, wenn gerade wieder irgendwo ein Kernkraftwerk hochgeht, wie z.B. in Tschernobyl oder Fukushima, zum „Aufräumen helfen“ hinschickt. Eventuell könnte man auch diejenigen strammen CDU-Politiker*Innen mit zum Aufräumen schicken, die seinerzeit ganze Schulklassen zum Kindergeburtstagsfeiern in unterirdische Atomülllager wie die Asse eingeladen haben, um zu demonstrieren, wie unbedenklich solche Atomüllendlager seien und wie gut und gerne es sich zwischen 102 Tonnen Uran, 87 Tonnen Thorium, 28 Kilogramm Plutonium (das bereits in Staubkorngröße tödlich ist) sowie einem Berg an sonstigen chemotoxischen Mitteln lebt und feiert. Nun droht nach massivem Wassereinbruch von täglich 13.000 Liter in der einsturzgefährdeten Asse eine Verseuchung des Grundwassers (siehe Deutschlandfunk).

Da in unserer Zeit nicht nur die Bienen, Schmetterlinge und Vögel verschwinden, sondern auch manches, was man in den letzten Generationen eigentlich bereits als solides zivilgesellschaftliches Bewusstsein verankert gemeint hat, hier vielleicht kurz eine Auffrischungsimpfung für die ansonsten ja so impffreudige und „evidenzbasierte“ Generation Pinker: Ein 20-minütiger Zusammenschnitt der über drei Stunden gehenden Originalversion von Holger Strohms Kernkraft-Dokumentation „Friedlich in die Katastrophe“:

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zum Weiterlesen:

Der Psiram Lehrmeister – Massentaugliches Infotainment und marktkonformer Brainfuck

 

Hartz 4 war gestern, jetzt kommt Hartz 4.0 ! – Siemens-Chef Joe Kaeser über die demnächst „über uns hereinbrechende Hölle“

Während derzeit viele – zu meiner Verwunderung als Techniker meist diejenigen, die von Technik am wenigsten Ahnung haben – mit einer geradezu kindlichen Naivität darüber schwärmen, erklärt Siemens-Chef Joe Kaeser ganz nüchtern, zu was die vielbesungene Digitalisierung wirklich führen werde: „Die Digitalisierung wird die Mittelklasse vernichten. (…) Von zehn Menschen der Mittelklasse steigt einer auf und neun gehen unter.“

Kaeser weiter: „Eine untergehende Klasse hat nichts, von dem sie profitieren kann.“ Er plädiert daher für Ehrlichkeit im Umgang mit der Digitalisierung. Man müsse vielen Leuten sagen: „Du, das wird dir gar nichts bringen!“

Sollten wir diese Ehrlichkeit im Umgang mit der Digitalisierung nicht aufbringen, dann werde nach Überzeugung des Siemens-Chefs „die Hölle über uns hereinbrechen“.

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zum Weiterlesen:

Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake

Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da … und der Kampf um die Zukunft hat begonnen

Welcome to the final Show: „Hör endlich auf mit deinem Weinen … die Salami ist jetzt zuende!“

Die Hard 4.0: Arma5Geddon

Gut und Böse – letzte Worte eines Ketzers vor seiner Enthauptung

Miesepeter des Universums oder freie und liebesfähige Menschen? – Teil 1: Über den drohenden Overkill und den Ausweg

 

Pharaonen im Learjet und Freiherren im Forstgut -Teil 1: Jenseits der Schwerkraft und doch eisern angekettet

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Christoph Gröner (Bild aus Doku „Ungleichland“ / ARD / Youtube)

Über den Wolken in seinem Learjet sitzend, erzählt der Selfmademan Christoph Gröner über eine verblüffende Erfahrung, die er macht, seitdem er in die Riege der Superreichen aufgestiegen ist: Sein Geld sei einfach nicht kaputtzukriegen.

„Wenn Sie 215 Millionen haben und schmeißen das Geld zum Fenster raus, dann kommt’s zur Tür wieder herein. Sie kriegen es nicht kaputt. Sie kaufen Autos? Das Auto kriegt mehr Wert. Sie kaufen Häuser? Die Immobilien kriegen mehr Wert. Sie gehen in Gold? Das Gold wird mehr wert. Sie können’s nicht durch Konsum zerstören, das Geld.“

Die jüngst ausgestrahlte ARD-Reportage „Ungleichland – Wie aus Reichtum Macht wird“, in der solche Lebensweisheiten zum Besten gegeben werden, berührt zwar nicht einmal ansatzweise die wirklich zugrundeliegenden Probleme unserer heutigen Zeit und kratzt lieber an oberflächlichen Klischees, aber dennoch gibt sie einige interessante Streiflichter und macht uns bekannt mit Prachtexemplaren unserer Leistungsgesellschaft, denen man beim Einkaufen im Aldi in der Regel nicht begegnet.

So etwa Christian Lothar Ludwig Hugo Wilhelm Maria Reichsfreiherr von Mauchenheim, genannt Baron von Bechtolsheim. Der selbstbewusste Mann gehört zu jener Erblinie aus der Handelsdynastie der Fugger, die sich bis ins 21. Jahrhundert durchgefuggt haben und beim großen Festessen auch heute noch ganz vorne mit an der Tafel sitzen. Sein Brot verdient der Freiherr selbstverständlich nicht als Kühlregalschlichter bei Lidl, sondern ganz standesgemäß mit Private Banking für betuchtes Klientel: „Wir helfen dabei, das Vermögen von Familien über Generationen zu erhalten, das ist unser Anspruch.“ Die Frage des Reporterteams, ob er denn diese Art von Arbeit nicht als Teil des Problems [der zunehmenden Ungleichheit unserer Gesellschaft] sehe, bezeichnet der Freiherr als „frech“ – worauf er das feiste Lachen der mit ihm zu Tische sitzenden Finanzexperten erntet.


Schallendes Lachen nach der „frechen“ Frage des Reporterteams; ganz re.: Baron Bechtolsheim
(Bild aus Doku „Ungleichland“ / ARD / Youtube)

Emotionsfreie Freiherren

Dass es für das Geschäft nicht förderlich ist, wenn man zu viele Fragen stellt, erfährt man auch während einer Konversation des Freiherren mit einem Team an Finanztradern, denen er das Geld seines Fonds zur Weitervermehrung anvertraut hat. Die Private Equity Fondsmanager agieren  vollkommen emotionsfrei: Ein Computeralgorithmus, der die Weltwirtschaftslage scannt, entscheidet nach einem Rot-Gelb-Grün-Ampelschema, wann ein Wertpapier gekauft und verkauft wird: „Wir sind emotionslos gesteuert, wir haben keine Emotionen. Unser gesamtes Setup, unser Algorithmus ist rein quantitativ.“

Der Freiherr nimmt dieses emotionsfreie Geschäftsmodell seinerseits emotionsfrei zur Kenntnis, solange die Rendite stimmt. Da ihm die City Boys über 9% Rendite liefern, frägt der Fugger nicht näher nach, ob diese Rendite ohne Kinderarbeit und mit ökologisch nachhaltigen Produkten erwirtschaftet wurde oder mit krisensicheren Produkten, die etwa der „US Barrier / Vice Fund“ in seinem Portfolio hat: Waffen, Glückspiel, Alkohol und Pornografie. Dieses Portfolio ist krisensicher: „Selbst in schlechten Zeiten wollen die Leute noch trinken, rauchen oder wetten“, erklärte Fondsmanager Dan Ahrens bei der Gründung des Vice Fund (Quelle: FAZ).

Wenn man die Naturgesetze außer Kraft setzen will, dann darf man bei der Renditejagd nicht zimperlich sein. Immerhin weiß Baron Bechtolsheim aufgrund einer Studie, dass es weltweit nur vier Prozent der Unternehmerfamilien gelingt, das Vermögen länger als drei Generationen zu erhalten. Spätestens der Enkel setzt dann das erworbene Vermögen wieder in den Sand – wie gewonnen, so zerronnen. Die Focam AG des Fuggers will nun helfen, dieses eherne Gesetz zu durchbrechen, sodass auch noch so wohlstandsverwahrloste Kinder in Zukunft unbeschwert im selbstfahrenden  Auto auf ihrem Smartphone herumwischen und Spaß haben können.

Philosophie vs. Basic Instinct

Nachdem der mit Karl-Theodor zu Guttenberg verwandte Freiherr in seinem exklusiven Frankfurter Büro die fein säuberlich durch Trennblätter vorbereitete Aktenmappe durchgeblättert und alle Kontrakte signiert hat – freilich ohne sie durchzulesen, er kann seinen Fachanwälten offensichtlich blind vertrauen – geht’s mit dem Reporterteam ab in sein Waldgut, in dem sich der Freiherr nach getaner Arbeit dann so richtig frei fühlen kann. Bedingung an das Journalistenteam für das Mitkommen: Diskretion. Das Fernsehpublikum dürfe nicht erfahren, wo sich das Paradies befindet, in dem der Freiherr nach Feierabend seine fröhlichen Urstände feiert. In seinem Forstgut stellt der Freiherr dann vor laufenden Kameras unter Beweis, dass er nicht nur Chef spielen, sondern nötigenfalls auch anpacken kann:  Ganz ohne Nadelstreif und diesmal ohne Hilfe seiner Assistenz erlegt er einen morschen Baumstamm, der nach einem in Lederhose erbrachten Kraftakt des Freiherrn krachend zu Boden fällt. Sich kurz die Hände schüttelnd, erzählt der Freiherr alsdann frei von der Leber weg, wie er es in seinem Leben mit dem Thema „Besitz“ halte: Er könne die Frage, ob man denn immer alles auch besitzen müsse, was man liebt, gut verstehen. Wenn man diese Frage jedoch nicht in philosophischer Hinsicht [A.d.V.: wörtl. griech.: aus-Liebe-zur-Weisheit], sondern aus seinen natürlichen Instinkten heraus beantworte, dann könne er nicht umhin, als sie einfach mit „Ja“ zu beantworten.

Die im adeligen Blut liegenden Instinkte des Barons haben sich also noch nicht verwässert, obwohl der Baron laut eigenem Bekunden der erste Familienspross seit 900 Jahren ist, der aus nicht beiderseitig adeliger Linie, sondern aus der Ehe mit einer Bürgerlichen hervorgegangen ist (Quelle: sueddeutsche). Der halbbürgerliche Baron selbst setzt jedoch den traditionell blaublütigen Blutstrom seiner Familie wieder fort: Laut Wikipedia ist als seine Gattin eine ‚Annabel geborene Freiin Huber von Gleichenstein‘ verzeichnet, also eine Adelige. Wie auch immer, wir dürfen im Sinne der Chancengleichheit jedenfalls beruhigt zur Kenntnis nehmen, dass es in unseren neoliberalisierten Forsten nicht nur Freiherren, sondern auch Freiinnen gibt. In Zeiten von Gender Mainstream wäre es ja auch unerträglich rückschrittlich, wenn es keine Freiinnen gäbe, gab es doch sogar im alten Ägypten Pharaoninnen.

Eine Frage der Ehre

Der bei der Bayerischen Vereinsbank, HypoVereinsbank und Dresdner Bank in die Lehre gegangene Freiherr ist auch keinesfalls realitätsfremd. Im vorgenannten Interview mit der Süddeutschen zeigt er, dass er die heutige Realität, in der er selbst mit am Rad dreht, messerscharf erfasst: „Die soziale Marktwirtschaft wurde durch das angelsächsische Modell abgelöst, das einen brutalen Kapitalismus praktiziert.“ Über Bankmanager, die sich in dieses angelsächsische Fahrwasser hineinziehen haben lassen und damit ihre Banken wie Hypo Real Estate oder Dresdner Bank in den Ruin geführt haben, kann Baron Bechtolsheim nur den Kopf schütteln: „Die Zeiten haben sich geändert. Vor 100 Jahren hätte sich jeder von den Managern erschossen, der seine Firma zugrundegerichtet hat. Das war eine Frage der Ehre.“

Abstocker

Als Kontrastprogramm schwenkt die ARD-Doku auch immer wieder mal von den Freiherren weg hin zu gemeinen Unfreibürgern, die in prämerkelschen Zeiten, in denen die Demokratie noch nicht marktkonform war, einmal zu dem zählten, was man Mittelschicht nannte: Eine junge Familie aus Leipzig, die sich nach dem zweiten Kind nach einer größeren Wohnung sehnt, diesen Traum nach Sichtung des Immobilienmarktes jedoch schnell aufgeben muss. Obwohl der Vater einen an sich gut bezahlten Job bei Siemens hat und die Familie abends alle möglichen Finanzierungsvarianten durchspielt, erweist sich der Erwerb eines Eigenheims als unerreichbare Utopie. Am Ende der Dreharbeiten erfährt man, dass die Familie anstatt aufzustocken nun sogar abstocken muss: Das Siemens-Werk, in dem der Vater arbeitet, wird geschlossen und aus Rentabilitätsgründen nach Osten verlegt, die Miete in der derzeitigen Wohnung damit nicht mehr leistbar. Die Familie wird sich jetzt um eine noch kleinere Wohnung umsehen müssen, der ehemalige Siemens-Betriebsrat nach einem neuen Job.

„Wie blöd seid ihr denn?“

Doch genug der Alltagstristesse, sonst zappen die auf die Welt der Reichen und Schönen geeichten Fernseher während der Doku womöglich weg. Zurück zum Story-Aufhänger Christoph Gröner, dem strahlenden Vorstandsvorsitzenden und 100%-Eigentümer der CG Gruppe AG, Deutschlands führendem Bauprojektentwickler mit einem Projektvolumen von 2,5 Milliarden Euro. Mit unermüdlichem Ehrgeiz – der heute 50jährige war während seiner gesamten Berufszeit nur dreimal krankgemeldet und schleppt sich auch mit 40° Fieber und mit Bandscheibenvorfällen in die Arbeit –  hat sich Gröner in der Immobilienbranche innerhalb von 20 Jahren zu einer Art Minitrump emporgearbeitet, der heute in Berlin jede dritte Wohnung baut.

Gröners Spezialität: Die Sanierung von Altbauten. Dass nach erfolgter Sanierung und Steigerung der Energieeffizienzklasse zwar die Heizkosten etwas geringer ausfallen, dafür aber die Kaltmiete deutlich angehoben wird (siehe auch NDR-Doku „Wahnsinn Wärmedämmung“), sorgt bei den Mietern nicht immer für Begeisterung. Inzwischen ist die Wut auf Gröner mitunter so groß, dass er seine Baustellen nur noch mit Polizeischutz betreten kann. Der Baulöwe weiß, dass man bildungsferne Schichten manchmal eben zu ihrem Glück zwingen muss. So etwa in der Berliner Rigaer Straße, wo die Anrainer einfach nicht verstehen wollen, dass sein neues Bauprojekt keine Abzocke, sondern ein „äußerst soziales Projekt“ ist. Nachdem alles gute Zureden nichts genützt hat und sich die versammelten Bürger uneinsichtig zeigen, reicht es dem Baulöwen – in die Knie gehend und mit in die Horizontale vorgerecktem Oberkörper brüllt er in die Menge: „Wie blöd seid ihr denn? Wie dumm seid ihr denn?!“ (siehe Minute 13:25 der Doku).

Mit vier Stunden Schlaf 10 Tage lang die Tube drücken

Bei einer abendlichen Charity-Veranstaltung der „Laughing Hearts Stiftung” in Berlin ist der Baulöwe dann allerdings wieder in bester Partylaune zu sehen. Obwohl der gute Mann einen harten Arbeitstag hat und neben seiner Geschäftsführertätigkeit täglich durchschnittlich vier Termine mit hohen kommunalen Amtswürdenträgern hat, um „auf die Tube zu drücken“ und die Projekte der CG-Group durchzuboxen, so läuft er im abendlichen Smoking nochmals zu seiner Hochform auf. „Ich habe heute vier Stunden geschlafen, habe daher Energie für 10 Tage“, erklärt Gröner selbstbewusst in die laufende Kamera. Dass es Energiebündel gibt, die mit 24 Minuten Schlaf pro Tag auskommen, mag einen in Zeiten kollektiver Erschöpfung neidisch machen, aber so ist es nun mal: In den oberen Etagen gelten eben andere Gravitationsverhältnisse (siehe auch „Freshfields – ganz oben in der wunderbaren Welt der Schwerkraft“).

Digital first. Bedenken second.

Durch die Kameraschwenks bekommt man Einblick in das Ambiente der Reichen und Schönen, in dem sich auch FDP-Chef Christian Lindner abends herumtreibt und in dem er alleine im Monat Januar für ganze zwei Reden zwischen 14.000 und 30.000 Euro an Zusatzhonoraren eingestreift hat –zusammen mit sieben weiteren Redeauftritten seit den Jamaika-Verhandlungen kam Lindner damit bereits im Februar dieses Jahres auf bis zu 111.000 Euro Zusatzeinkommen (Quelle: Tagesspiegel). Veranschlagte man eine Stunde Redezeit, dann ergäbe dies einen Stundensatz von bis zu 12.000.- Euro. Der „Bild“-Zeitung erklärt Lindners Sprecher auch, wie Redehonorare in solch stattlicher Höhe zustandekommen: „Wenn ein Unternehmen gewinnorientiert ist, ist ein Honorar üblich und angemessen.“

Wer also meint, dass der aus dem neoliberalen Thinktank der Hayek-Gesellschaft hervorgegangene Lindner nur deswegen die Werbetrommel für die totale Wirtschaftseffizienz, die digitale Transformation, eine „neue Generation“, die zuerst einmal Industriewünsche umsetzt und dann erst nachdenkt („Digital first. Bedenken second.“) und für bundesweiten Impfzwang unserer Kinder rührt (siehe Focus), weil er damit seinen gewinnorientierten Freunden aus der IT- und Pharmaindustrie einen Gefallen tun möchte, der ist ein unverbesserlicher Verschwörungstheoretiker.

Dass Impfungen mitunter fatale unerwünschte Nebenwirkungen haben können, so wie bei hunderten jungen Skandinaviern, die seit ihrer Impfung an der unheilbaren Nervenkrankheit der Narkolepsie / Schlafkrankheit leiden und nun „nicht einmal mehr Kraft haben, die Weihnachtsgeschenke zu öffnen“ (Quelle: Die Presse), stört aber nicht weiter, mag sogar regelrecht erwünscht sein – lassen sich doch bei schlaftrunkenen oder zumindest geistig herabgedämpften Bürgern selbst mit einem vollkommenen Nonsens-Programm bestimmt noch mehr als 10% der Wählerstimmen einfahren, wenn man bloß eine hippe Werbekampagne fährt.

Lassen wir aber solche schmuddeligen Verschwörungstheorierealitäten wieder beiseite. Wollen doch die Reichen und Schönen, die sich bei den erwähnten Gala-Diners ihr Stelldichein geben, nur das Beste für uns: „Wir, die wir Zeit und Geld haben, müssen Chancengleichheit auch für arme Kinder ermöglichen!“, verkündet Baulöwe Gröner im Smoking am Rednerpult der millionenschweren Charity-Veranstaltung – die er, so erfährt man auf Nachfrage, als Werbeausgabe steuerlich absetzen kann.

An dem Gala-Abend werden neben Rolex-Uhren und anderen Luxus-Accessoires auch der goldene Schuh des Fußballstars Messi versteigert, um „chancenlosen Kindern“ zu helfen. Die Berliner Senatorin für Gesundheit und Gleichstellung bedankt sich mit „vielem, vielem herzlichen Dank“ für „das Gute“, das die anwesenden Leistungsträger gleichzeitig tun, während sie „Spaß haben“. Die Senatorin ist zwar als Schirmherrin der Charity-Veranstaltung eingesetzt, mitentscheiden, was mit dem erlösten Geld passiert, darf sie jedoch nicht.

Gesichter sagen mehr als Worte

Es lohnt sich im Übrigen, in der ARD-Doku während der Kameraschwenks durch das Charity-Publikum immer wieder einmal kurz auf die Stop-Taste zu drücken und zu betrachten, welch restlos glückliche und zufriedene Gesichter die vor Geld strotzenden Dinnergäste ausgeprägt haben. Man achte ebenso auf die Gesichter von Gröners Mitarbeitern während der Besprechung des neuen, 350 Millionen Euro schweren Mammutbauprojekts „Cologneo“: Die restlose Begeisterung, die aus diesen Gesichtern spricht, kann jeden, der nicht auch so einen tollen Job hat, nur neidisch machen.

Der einzige, der beim Meeting nicht ganz begeistert ist, ist der Chef: Dem Umstand, dass sich die Stadtverwaltung mit der Baugenehmigungsprüfung des neuen Kölner Stadtviertels mehr als ein halbes Jahr Zeit lassen will, will er sich nicht fügen. „Nee, das geht nicht“, meint er kopfschüttelnd, und gibt Order, „auf die Tube zu drücken“. Wie man so auf die Tube drückt, demonstriert der Baulöwe dann ganz unbedarft vor laufender Kamera: Seine Mitarbeiter sollen der Kölner Stadtverwaltung androhen, dass die Niederlassung seiner Firma in Nordrhein-Westfalen eben nach Düsseldorf umziehen werde, falls es keine beschleunigte Baugenehmigung gebe. Die skeptischen Stimmen seines Teams wischt Gröner entspannt beiseite: „Wenn die Gewerbesteuerzahlungen der CG Gruppe wegfallen … das wird die schon beeindrucken, da bin ich fest davon überzeugt.“

Unsichtbare Akteure hinter der Bühne

Zu abendlicher Stunde, als das Filmteam den hemdsärmeligen Baulöwen in seine mondäne Wohnung begleitet, wird dieser dann besonders redselig. Entspannt am Sofa sitzend, gibt Gröner einige überraschende Einblicke in sein Selbstverständnis und seine zukünftigen Ambitionen. Die Frage, ob er sich denn mächtig fühle, beantwortet er schlichtweg mit: „Ja!“

Auch die weitere Frage, wer denn heute mächtiger sei: Er bzw. die Wirtschaftseliten oder die Politiker? kann Gröner nonchalant beantworten: „Wir sind schon mächtiger, wir sind deutlich mächtiger“ – und macht zum Schluss noch eine kryptische Andeutung: Er wolle gerne in die Politik gehen und verrät schmunzelnd, dass er gerade eine Partei gründe. „Denn ich glaube, es kommt bald eine Zeit, in der es wichtig ist, dass Akteure auf den Plan treten, die heute noch nicht sichtbar sind.“

Nun denn, wir dürfen uns dann also bereits darauf freuen, dass die dilettantischen PolitikerInnen, die derzeit auf der Bühne stehen und deren Heuchelei man ja kaum noch ertragen kann, endlich ins Wachsfigurenkabinett kommen und der Platz frei gemacht wird für „eine neue Generation“ im Geiste Christian Lindners, die Klartext spricht und die zuerst mal macht und dann eventuell über die Folgen dieses Machens nachdenkt, frei nach dem FDP-Wahlslogan „Digital first. Bedenken second.“ – Eine neue, smarte Generation, die endlich Schluss macht mit allen Querfronten und Fortschrittsverweigerern und die uns in die strahlende Zukunft der digitalen Transformation führen wird (siehe „Pig Business Monkey Events, Global Playboys und bezaubernde Jeannies – Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake“). Wlanfähige Plug-and-Play-Typen, die die bildungsferne Masse trotz deren unfassbarer „Blödheit“ und „Dummheit“, angesichts derer man als leistungsorientierter Unternehmer nur noch brüllen könnte, schon zur Räson führen werden.

Fazit

In der ARD-Doku erklären uns schließlich Experten namhafter Universitäten, was sie nach ihren langjährigen Forschungen herausgefunden haben: „Eine wesentliche Erkenntnis unserer Forschung ist: Ungleichheit sorgt dafür, dass sich die Menschen voneinander entfernen, sie zerrt am sozialen Gefüge, zerfranst es. Ungleichheit treibt uns auseinander.“

– Na wer hätte das gedacht?

Nachsatz:

Nun soll niemand glauben, dass der Geist des Absahnens nur in den Wölfen der Wallstreet und in renditehungrigen Baronen lauert und nicht auch in jedem einzelnen von uns. Wenn der gemeine Kleinbürger bei seiner Schnäppchenjagd durch den Hornbach zum Billigbohrer aus China um 15 Euro greift, dann macht er in Wirklichkeit genau das Gleiche wie die neoliberalen Fondsmanager des Freiherrn im obigen Video, die mit ihren Investitionen „vollkommen emotionsfrei“ einfach nur die maximale Rendite für sich selbst einfahren möchten. Wer auf der anderen Seite des Globus für den Billigbohrer bluten muss, interessiert dabei nicht – könnte aber gleichermaßen zum Bumerang werden (siehe „Wenn aber das Schicksal gerecht ist ?“).

 


zum Weiterlesen:

Pharaonen im Learjet und Freiherren im Forstgut – Teil 2:
Die späte Reue eines merkantilen A-Lochs (Über pornografische Architektur, den Willen zur Macht, den Willen zur Lust und den Willen zum Sinn)

Dummdreist? – Weit gefehlt!

107 gemüsekrokette prilleau


Bild: „Durchschnittsbürger oder 100% Gemüse in der Lammkrokette“, Jacques Prilleau

Wer meint, dass Angela Merkel und ihre von der Leyne gelassenen Maasmännchen ein Blinde-Kuh-Spiel und ‚Management by Chaos‘ betreiben, der übersieht die – womöglich unfreiwillige, aber nicht minder zielführende – Raffinesse dieses Chaos-Managements.

Während der böse russische Präsident Putin in unseren Qualitätsmedien gerade dafür gescholten wird, dass er im Rekordtempo nicht nur eine der längsten Gaspipelines quer durch Sibirien bis nach China baut (siehe orf), sondern soeben auch die größte Brücke Europas zwischen Krim und russischem Festland fertiggestellt hat (siehe ZDF heute), so investiert das Schlamerkelland sein Budget indes mit weitaus mehr Voraussicht. Während Putin durch schnöde Infrastrukturprojekte Arbeit schafft, so setzt man hierzulande auf die Anschaffung von Arbeitskräften: „Jeder Euro Überschuss des Bundes sei per Gesetz vollständig zur Finanzierung der Flüchtlingskrise reserviert … Geld für zusätzliche Wünsche aller Art ist schlicht und ergreifend nicht da“ (Jens Spahn als Finanzstaatssekretär 2016 / Quelle: Süddeutsche). – Wer meint, dass solche Aussagen dummdreist sind, der denkt nicht weit genug voraus: Dank dem durch die Massenimmigration für die Zukunft geschaffenen Niedriglohnsektor wird sich die deutsche Industrie Milliardenbeträge sparen und wettbewerbsfähiger werden. Die bei den Humanressourcen eingesparten Milliarden kann man dann nutzbringender in Industrie 4.0 und automatisierte Fertigung investieren. Wie sonst soll man gegen die rasant wachsende Wirtschaftsmacht China bestehen, die sich soeben den Roboterbauer und deutschen Idustriestolz Kuka einverleibt hat (siehe Focus)?

Lästige europäische Errungenschaften wie Ökologie, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Tierschutz können nun ebenfalls ad acta gelegt werden. Für die neu angekommenen Niedriglöhner wird es egal sein, ob das Schnitzel aus tierquälerischer Massenhaltung und ob das Getreidemehl von Glyphosat-getränkten Feldern stammt. Es geht auf deutschem Boden wieder ums nackte Überleben. Und auf solchem Boden hat man andere Probleme als eine Umstellung auf Bio und eine nachhaltige Wirtschaft  zu fordern. Man muss schauen, dass man die Familie durchbringt und deshalb wird im Supermarktregal schlicht zu dem Produkt gegriffen, das um 10 Cent billiger ist. Wen interessiert dabei noch das – meistens ohnehin nicht vorhandene – Kleingedruckte zu einem Produkt? Deutsche Arbeitskräfte, die nicht mehr bereit waren, sich unter neofeudalistischen Arbeitsbedingungen ausbeuten zu lassen und sinnentleerte Tätigkeiten zu verrichten, müssen nun wieder um Arbeit betteln. – Business as usual kann weitergehen!

Doch das ist nicht alles: Als angenehmer Nebeneffekt kann aufgrund der mit dem Niedriglohnheer mitimportierten Gefährder das schärfste Polizeigesetz seit 1945 verabschiedet und damit das Grundgesetz zu den Akten gelegt werden. Dingfest gemacht und auf unbefristete Zeit eingesperrt oder zwangsumgesiedelt werden kann künftig in Bayern jeder unliebsame Bürger, ohne dass er einen Straftatbestand erfüllt oder ein Gerichtsurteil erhalten haben müsste – die Vermutung bzw. das Bauchgefühl von Verwaltungs- und Exekutivbeamten, dass man ein „gefährlicher“ Zeitgenosse sei, reicht. Mit dem neuen Polizeiaufgabengesetz räumt sich die Regierung nicht nur das Recht ein, unser Privatleben nach Strich und Faden zu überwachen und unsere digitalen Kommunikationsdaten zu ändern (sic!), sondern proklamiert nun auch ihre Intention, den Souverän des Bürgers zu entmündigen und sein Verhalten nach eigener Willkür regelrecht zu steuern. Der ehem. Richter und Staatsanwalt Heribert Prantl spricht von einer „Mollathisierung des Rechts“ (siehe sueddeutsche I  und sueddeutsche II). Ganz im Sinne der marktkonformen Demokratie rüstet auch das deutsche Außenministerium auf und will „kampagnenfähig“ werden (siehe heise). Wer sich in dieser marktkonformen Fleischfaschiermaschine künftig nicht fügt … – dem Gnade die Friedensgöttin Angela und ihre transatlantisch-außerirdischen Neoinquisitoren!

Auch die wackelnde Regierungsmehrheit ist gesichert: Die Bürger sind nun dank der Grenzöffnung hoffnungslos gespalten und zerstritten, brüllen sich an und bewerfen sich sogar mit Steinen. Egal ob im Büro, in der Familie oder auf der Straße: Es sind überall ca. 50% der Bürger für freie Migration, während die anderen 50% dagegen sind. Während wir uns gegenseitig aufreiben, können im Windschatten dieser Debatte die unfassbarsten neoliberalen Machenschaften durchgezogen, der demokratische Rechtsstaat zu einem Orwell‘schen Überwachungssystem umgebaut, transatlantische Freihandelsabkommen durchgewunken, Rüstungsetats angehoben, unsere Brücken für einen Krieg gegen Russland  panzertauglich und Europa kriegsreif gebürstet werden (siehe Spiegel), um dann demnächst für unsere „verlässlichen Freunde“ aus Übersee am geopolitischen Schachbrett das Bauernopfer abgeben zu dürfen, dank dessen ein finanztechnisch und moralisch vollkommen bankrottes System noch ein paar Jährchen weiter vor sich hinsiechen kann.

Kaum jemand demonstriert gegen die wahnwitzig-suizidale Politik der Merkel-Regierung, sondern alle Augen, offenen Münder und Schreibgriffel sind auf den Kampf gegen „Räähchts“ gerichtet – ein inzwischen zahnloses Etikett, das mangels in ausreichender Anzahl verfügbarer echter Nazis mittlerweile jedem Kleinbürger und jeder Hausfrau umgehängt wird, der/die mit der Merkel’schen Regierungsagenda nicht einverstanden ist.

Martin Schulz‘ Ansage: „Was die Flüchtlinge mit zu uns bringen, ist wertvoller als Gold.“ (Quelle: Münchner Abendzeitung) hat sich also als buchstäblich wahr erwiesen.

Was für ein genialer Coup! – Der ehemalige CDU-Sicherheitssprecher Willy Wimmer versucht diesen mit rationalem Verstand kaum erfassbaren Coup in Worte zu fassen: „Eine Republik wird abgewickelt“ – so lautet der Untertitel seines neuen Buchs, das sich wie ein Requiem auf das ausnimmt, was in der Zeit vor der Millenniumswende noch als durchaus hoffnungsvolle und selbstverständliche Ideale mitteleuropäischer Prägung vor uns gestanden hat.

Die grausame Wahrheit: Das Outing des Parkwächters


(Foto: cc by Parkwaechter)

Vor Kurzem erhielt ich als Antwort auf meinen Artikel „Warum überhaupt noch denken?“ eine empörte Zuschrift, in der mir Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit vorgeworfen wird. Als Draufgabe wird mir sogar geistige Nähe zum Unabomber unterstellt.

Den Unabomber kann ich ja gerade noch wegstecken, aber Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit … puh. – Nun, da Wehrmachtzersetzung seit Horst Seehofers jüngstem Polizeiermächtigungsgesetz jetzt wieder unter Ausschluss des Rechtsweges standrechtlich geahndet werden kann und ich keine Lust habe, auf offener Straße gelyncht zu werden, ist es höchste Zeit, um mich von diesen Vorwürfen rein zu waschen und mich selbst zu outen.

Wer ist also der Parkwaechter, der laut Leserzuschrift schöngeistiges „philosophisches Geschwurbel“ betreibt, der so ketzerisch gegen die digitale Transformation / Industrie 4.0 wettert und der die Szientisten und Transhumanisten kritisiert, obwohl uns diese Freunde des Fortschritts doch nur „von der tierischen Natur des Menschen befreien“ wollen?

Nun, wie immer ist die Wahrheit auch diesmal schrecklich. Wenn nach meinem Outing jemand kein Wort mehr mit mir reden will, dann habe ich dafür vollstes Verständnis. Also, dann lassen wir die Katze mal aus dem Sack und enthüllen die nackte Wahrheit, die sich wohl keiner hätte ausmalen können und die dem Parkwaechter womöglich auch keiner glauben wird (aber welchen digital reproduzierten Buchstaben soll man in postfaktischen Zeiten denn auch noch glauben?): Der Parkwaechter ist gar kein Ökophilosoph in Jute-Latzhose und Birkenstock-Patschen, sondern ein knallharter Industrieanwalt und Lobbyist mit Fachgebiet Automatisierungstechnik, der internationale Konzerne berät und in feinem Zwirn und schwarzen Lackschuhen selbst an vorderster Front bei der Umsetzung von „Industrie 4.0“ und damit einhergehender neuer Produkte und Technologien mit das Rad dreht. Seine Spezialität: Amtlichen oder bürgerlichen Widerstand, der gegen neue Produkte und Technologien geleistet wird, durch fachkundige wissenschaftliche Expertisen und anwaltliche Erwiderungen zu entkräften.

Der Parkwaechter ist also keineswegs ein Feind der akademischen Wissenschaft, ganz im Gegenteil: Er hat diese Art von Wissenschaft und szientistischer Denkweise im Zuge dieser Tätigkeit als sein wertvollstes Klemptnerwerkzeug schätzen gelernt. Konnte er doch im Laufe seiner Berufspraxis sehr schnell feststellen, dass man mit szientistischer Argumentation alles – und mit „Alles“ meine ich wirklich: Alles – entweder durchsetzen oder aber entkräften kann. Was übrigens auch der schlichte Grund ist, warum die Herren dieser Welt alles daransetzen, alle sonstigen Kategorien menschlichen Denkens aus der Welt zu schaffen und nur noch die szientistische Weltanschauung gelten lassen wollen.

Sogar Fälle, die von Seiten von Konzernkunden bereits aufgegeben waren, da sie nach Aktenlage und Stand des amtlichen Prüfungsverfahrens de facto aussichtslos waren, konnte die Kanzlei des Parkwaechters erfolgreich für sich entscheiden und die Behörden und NGOs zu einem Umdenken bewegen, wenn die Mandantschaft nur  genügend Jetons auf den Spieltisch legte, auf dem der Croupier bereits „rien ne va plus!“ verlauten ließ.

Da ich wie gesagt selbst beim Club der toten Dichter in der Küche stehe, den digitalen Suppentopf rühre und den Menüplan der Chefköche kenne, kann ich an dieser Stelle allen Technikfreaks versichern: Was uns in den Medien, sogar in den futuristischen Schilderungen der Techie-Fachmagazine, über die umwerfenden Segnungen von Industrie 4.0, Smart Living und der kommenden digitalen Transformation erzählt wird, ist noch gar nichts. – Das, was  Kybernetik, Nano- und Biotechnologie derzeit im Ofenrohr haben und was demnächst ausgebacken sein wird, ist noch sehr viel toller!

Keine Sorge also, meine kritischen Kommentare sollen den Götzen, dem wir derzeit folgen (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“), nicht etwa aus dem Fenster stürzen und köpfen, sondern ihn lediglich auf einen etwas bescheideneren Platz zurechtrücken, sonst wird er nämlich UNS demnächst aus dem Fenster stürzen und köpfen (siehe auch ARTE-Doku „Welt ohne Menschen“), auch wenn uns in den Smart Home Hochglanzprospekten, den Techie-Magazinen und in den vollmundigen Reden der Politiker anderes versprochen und Dantes Eishölle als das Paradies verkauft wird (siehe auch „Pig Business Monkey Events, Global Playboys und bezaubernde Jeannies – Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake“). Wenn wir diesen Füher jedoch von seinem überhöhten Podest herunterholen und so in etwa auf unsere Kniehöhe stellen, dann kann er uns in dieser Position nützliche Dienste leisten, ohne dass er uns allzugefährlich wird.

Hier also nochmals die Antwort, die ich dem Leser „Kalle“ geschrieben habe. Ich kann seine Kritik übrigens zu 100% nachvollziehen. Wenn man als digital native in einer Zeit aufwächst, wo einem von Kindesbeinen an über Schule und Uni sowie über alle medialen Kanäle gepredigt wird, wie großartig doch der Fortschritt sein wird, den uns unser Führer bringt, und dann kommt jemand daher und sagt: „Der Führer ist doof“ – nun, … ich glaube, ich brauche hier nicht weiter ausführen, welche Gefühle dann innerlich aufsteigen und was man mit einem solchen Querulanten am liebsten zu tun gedenkt.

„@Kalle:
Vorneweg: Keine Sorge, ich bin nicht gegen Technik. Wie sollte ich auch, wo ich doch selbst Automatisierungstechniker bin und in der Industrie 4.0-Branche mein Brot verdiene? Die Technisierung, über die ich schreibe, habe ich also selbst am Kerbholz und mitzuverantworten. Bei meiner Arbeit folge ich jedoch einer Devise: Technik soll dem Menschen dienen und nicht der Mensch einer eigenläufig gewordenen Technik. Wenn man das beherzigt, dann kann Technik im Leben des Menschen einen nützlichen Platz einnehmen, ohne dass sie ihn erstickt. Dazu müssen allerdings die Positionen fundamental zurechtgerückt werden: Man muss dann die Technik, die derzeit über uns thront und vor der wir andächtig knien, nach unten rücken und den Menschen wieder nach oben bzw. in die Mitte.

Die Technik wächst sich ja nur deshalb zu einem solch utopischen Mammon aus – sie würde augenblicklich auf eine gesunde Größe zurechtschrumpfen, wenn man wieder den Menschen in die Mitte der Blickrichtung stellte. Dazu muss man aber auch bereit sein, den Menschen als das zu erkennen, was er philosophisch-existenziell ist und wozu er sich entwickeln möchte, und nicht als das was ihn die Szientisten und Transhumanisten sehen: ein geistloses Stück Gammelfleisch.

Ich weiß, das ist Häresie, aber glaub mir: Die Technik wird uns nicht „von der tierischen Natur emanzipieren“, wie Du schreibst, sie wird uns, wenn wir sie nicht in eine humane Richtung lenken, sogar UNTER eine solche tierische Natur zurückwerfen (siehe dazu auch ein ganz nettes Essay von Egon Kreutzer: https://www.rubikon.news/artikel/der-mensch-bleibt-analog )

Und zum Unabomber, den Du erwähnst: Ja, das wäre wirklich vollkommen sinnlos, zu versuchen, den Technikwahn auszubomben. Da müsste der Unabomber heute ja für jeden einzelnen Haushalt eine Bombe basteln, wo ja jeder Bürger heute mit leistungsfähigerem Technikkram umgeben ist als die US Techzentrale, die der Unabomber seinerzeit eliminieren wollte.

Überhaupt halte ich es im Prinzip lediglich wie beim Segeln auf hoher See: Man ist gut beraten, sich entgegen die Seite des Bootes zu lehnen, aus der der Wind bläst, sonst kommt es ganz schnell zum Kentern und man findet sich am Meeresgrund wieder. Hätten wir heute ein Übergewicht an Back-to-the-roots/back to nature und Humanismus, nun, dann würde ich mir womöglich den Spaß machen, mich dagegen lehnen und für unsere Gesellschaft mehr Terminator-Faktor fordern. So aber … kann ich leider nicht anders, als gegenzusteuern. – Nicht für mich, ich bin fein raus, ich steh‘ ja mitten im Epizentrum des Hurricans und treibe die Technisierung selbst mit voran – und im Auge des Hurricans herrscht bekanntlich Windstille … alle anderen, über die unser Ding drüberziehen wird, wird es allerdings umreißen. Hab‘ also eher an die Zukunft von Leuten wie Dich gedacht, wenn ich in meiner knappen Freizeit solche Artikel schreibe, die Dich so sehr aufregen …“

Rette sich wer kann? – Gedenken an den Beginn eines sehr unseligen Zeitalters


Foto: cc by Parkwaechter

Trabanten des Schwarzen Lochs

„Da draußen sind Monster: GroKo – Diese Regierung ist der letzte Gruß einer untergehenden Zeit“ titelt der Freitag in seiner dieswöchigen Ausgabe.

Gestern wurden sie von Bundessteinadler Steinmeier also wieder vereidigt, die Monster. Gruppiert um die erosive Gravitationskraft eines alternativlosen schwarzen Lochs präsentieren sie sich den Kameras allen Umständen zum Trotz als Fleisch gewordenes „Wir schaffen das“ (siehe Foto). Während uns der abgesägte Außenminister Sigmar Gabriel auf der Münchner Sicherheitskonferenz „am Abgrund“ sieht (siehe nzz) und auch die Wissenschaftler und Nobelpreisträger des „Bulletin of the Atomic Scientists“ ihre Doomsday Clock gerade auf 2 Minuten vor Mitternacht gestellt haben (siehe Spiegel), so glauben die Ministranten der Rautenkönigin weiterhin unbeirrt an den Fortschritt von Technik und transatlantischer Demokratisierung – wild entschlossen, das zu tun, was Steinmeier als primäre Aufgabe der Regierung ansieht (Quelle: bilanz.ch) :

«Der Bundespräsident, vor allem die Mitglieder der Bundesregierung müssen Überzeugungsarbeit leisten, dass das transatlantische Fundament nicht infrage gestellt wird.»

Die Trabanten des schwarzen Lochs (siehe auch CDU-Gruppenfoto „Die Mitte“) werden sich nun also an ihr Werk machen und in immer enger werdenden Kreisbewegungen auf ihre gleichzeitig adipöse und nicht-existierende Mitte zusteuern, bis sie vollends im schwarzen Wurmloch verschwinden und vermutlich in den Omega 8-Quadranten jenseits unserer Milchstraße abgesaugt werden, wo sie dann weiterhin ihr Demokratie-Possenspiel betreiben können. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird dieses Spiel zwar womöglich nur halb so viel Spaß machen, aber was soll’s: Vielleicht bekommen sie ja auf einem Raumschiff der Borgs Asyl. Auf gleicher Wellenlänge mit diesen Feinden der Menschheit können Sie womöglich neue Coups schmieden, um technisch rückständige Zivilisationen in den Weiten des Weltalls mit den Segnungen der marktkonformen Demokratie zu beglücken.

Übelkeit beim Mittagessen

Zurück aber von Raumschiff Enterprise zu unserem Gegenwartsdrama: Da ich während eines Skiurlaubs gerade Gelegenheit hatte, in österreichischen Tageszeitungen zu blättern, wurde ich Zeuge einer unheimlich-grotesken Melange: Der Angelobungstag „dieser verfluchten Merkel-Regierung“ (Florian Kirner/Rubikon) fiel zusammen mit dem 80. Gedenktag an den österreichischen Anschluss 1938. In den Tageszeitungen mischten sich daher Reportagen über die neue Merkel-Regierung mit opulenten Berichten und Bildercollagen über den Triumphzug des „Führers“ und seiner historischen Rede am Wiener Heldenplatz, in welcher er einer ihm mit Fähnchen zujubelnden Menschenmasse Fortschritt und Wohlstand versprach – und mit dieser Fortschrittsverheißung die dunkelste Epoche einleitete, die das Land jemals erlebt hat. Die Zeitungsseiten quollen über vor Bildern mit Militärgerät, Nazi-Kohorten und ihren Claqueuren von der gleichgeschalteten Reichspresse, unmittelbar daneben Kolumnen mit Bildern von Angela Merkel während ihrer Angelobungsfeierlichkeiten, mal die Raute ganz klassisch auf Gebärmutterhöhe gefaltet, mal auch beidhändig über Kopf in der Pose, wie man sie sonst nur von Fußballern beim Erhalt der Champions League-Trophäe kennt. Angesichts dieser grotesken Bildercollage während des Mittagstisches verzichtete ich jedenfalls auf die im Hotelmenü inbegriffene Sachertorte ebenso wie auf meinen Mittagsschlaf, sondern suchte stattdessen unter leichtem Drehschwindel den Gang an die frische Luft.

Trotz des milden Frühlingswetters und des Vogelgezwitschers, das mich draußen erwartete, fiel es mir nicht leicht, zu meiner gewohnten Leichtigkeit zurückzufinden. Bisher ungekannte Gedanken gingen mir durch den Kopf: Soll ich am sinkenden Schiff bleiben oder wäre es an der Zeit, es Gerard Depardieu gleichzutun und das Land zu verlassen, bevor es zu spät ist? – Moment mal, bin ich denn vollkommen bekloppt?: Aus einem Land wegziehen, in dem doch alle gut und gerne leben und mit dem gerade halb Afrika als neue Wahlheimat liebäugelt? Nun, nicht wenige Menschen in meinem Umkreis tun dies bereits oder treffen ernsthafte Vorbereitungen zum Auswandern. Was mich dabei bisher verblüffte: es sind ausnahmslos gut situierte und hochintelligente Menschen, die das wohlstandsverwöhnte Schlamerkelland verlassen, viele davon mit kleinen Kindern – ihre Gegenwart wird mir schmerzlich fehlen. Bis vor kurzem dachte ich, dass die von mir beobachteten Abwanderungsfälle wohl einer übertriebenen Furchtsamkeit entspringen und nicht repräsentativ sind. Wie ich in einem gestern veröffentlichten Report des Statistischen Bundesamts erfahren habe, sind dies allerdings ganz und gar keine Einzelfälle: Allein im Jahr 2016 verließen 281.000 Bundesbürger das Land, ein bisheriger Rekord (Quelle: welt.de). Interessant dabei ist, dass bereits seit 2005 ein negativer Wanderungssaldo verzeichnet wird – also exakt ab jenem Jahr, in dem Angela Merkel ihre Regentschaft antrat.

Marktkonformer Migrationssaldo

Angesichts solcher statistischer Daten versteht man eventuell auch, warum sich mittlerweile sogar der beharrliche CSU-Chef Horst Seehofer Merkels Politik der offenen Grenzen angeschlossen hat, obwohl er doch noch vor Kurzem beim politischen Aschermittwoch verlautet hat, dass er sich „bis zur letzten Patrone gegen eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme“ sträuben werde. Was ein Saldo ist, versteht Seehofer schließlich: Mit negativem Saldo macht man’s als Betriebswirt nicht mehr lange. Wenn bei stagnierender Geburtenrate weiterhin jährlich mehrere hunderttausend Leistungsträger – mit derzeit exponentiell steigender Tendenz – aus Deutschland abwandern, dann findet die derzeit im Dreischichtbetrieb florierende deutsche Rüstungsindustrie womöglich nicht mehr genügend willige Arbeitskräfte, um die Sprengsätze, Panzer, Drohnen und Raketen zu produzieren, die unserem Land einen satten Exportüberschuss bescheren. Wenn die in Deutschland verbleibenden jungen Menschen, allesamt im politisch korrekten Gender Madstream auf „Make love, not war“  domestiziert, womöglich keine Lust mehr haben, diese Drecksarbeit zu verrichten, dank deren in die Krisengebiete exportierten Produkten weltweit Häuser, Kinder und wehrlose Menschen zerfetzt werden?  – Schreck lass nach, dann kommt unser solide „brummender“ Wirtschaftsmotor womöglich ins Stottern.

Oder wie ist es auch um die sonstigen ehrbaren Berufe in der gerade aufstrebenden Nanotechnologie-, Gentech-, Biotech- und Robotikindustrie bestellt, die viele Jugendliche bereits als „Bullshitjobs“ ansehen? Na da ist es doch wirklich ein genialer Schachzug, junge Menschen ins Land zu holen, die zu allem bereit sind und bestimmt keine ethischen Bedenken und Motivationsprobleme haben. – Deren Anwesenheit noch dazu den angenehmen Nebeneffekt mit sich bringt, dass sich die Bundesbürger untereinander hoffnungslos zerstreiten und dadurch politisch marginalisieren – so dass die marktkonformen Machtverhältnisse, in denen zumindest das obere 1 % der Gesellschaft gut und gerne lebt, niemals ernsthaft in Frage gestellt werden können.

Die entsprechenden Humanressourcen, die zur Verwertung der noch verbliebenen Umweltressourcen notwendig sind, stehen nun bereit. Laut der bereits erwähnten neuen Bundesstatistik wanderten im Jahr 2016 rund 1.720.000 und 2015 rund 2.016.000 Ausländer in die Bundesrepublik ein. Der starken Auswanderung von Deutschen steht also eine anhaltend hohe Zuwanderung von Ausländern gegenüber. In Westdeutschland inklusive Berlin stammen bereits 42 Prozent der neu geborenen Kinder aus einer Einwandererfamilie. Dass die armen Länder, die gerade um ihre jüngsten und leistungsfähigsten Menschen ausgeblutet werden, dadurch auch ihre eigene Zukunft und Kultur verlieren – egal, es geht um uns und unsere Wirtschaftsbilanz, WIR sind der Nabel der Welt … wenn WIR nicht gerade Fußball-Weltmeister oder Papst sind.

Beileid

Es ist im Übrigen auch lohnenswert, das Stimmungsbild in den über 600 Leserkommentaren zum vorgenannten  welt.de-Artikel zu sichten: Es sind laut eigenem Bekunden hauptsächlich Unternehmer und „Leistungsträger“, die sich hier zu Wort melden und die fast unisono ihren im Inland verbliebenen Landsleuten ihr Mitgefühl und Beileid ausdrücken.

Beileid? Beileid wozu? – Immerhin leben wir im Land, in dem sich die Tafeln vor abgelaufenem Essen biegen, doch so gut und gerne in einem nie gekanntem Wohlstand, der es möglich macht, selbst mit einfachst gestrickten Wahlkampfslogans unsere Stimme für ein „Weiter so!“ zu gewinnen. Wenn es also wahr ist, dass wirklich so viele Unternehmer und Leistungsträger unser Land verlassen – also Menschen, die den vielzitierten „brummenden Motor“ von innen kennen –, muss man dann daraus schließen, dass dieser brummende Motor womöglich eine Macke hat? Steht dieser Motor etwa kurz vorm Kolbenreiber, obwohl das hochglanzpolierte Gefährt, das er unter der Motorhaube antreibt, derzeit noch mit Höchstgeschwindigkeit am Highway über die Atlantikbrücke unterwegs ist?

Scheinbar ist der bereits eingangs erwähnte Gerard Depardieu nicht der einzige, der derzeit für Europa schwarz sieht und sich in Melancholie ergeht. In einem Interview mit dem Figaro spricht er davon, dass in seinem Land die Menschen und die Kultur „verloren gehen“ und er inzwischen Russland als seine neue Wahlheimat erkoren habe, da er „die Katastrophe nicht sehen“ wolle:

„… Wenn ich in Frankreich bin, bleibe ich hier zu Hause mit meinen Büchern: Ich möchte nicht rausgehen und das Desaster sehen. Wir haben Orwell bereits hinter uns und sind nun in Van Vogts ‚Space Wildlife‘ angekommen, wo niemand mehr etwas versteht. Das allgemeine Wahlrecht ist vorbei: Wir werden von Apple und Zuckerberg geführt.

… Deshalb nervt mich dieses Land, es ist zu sehen, dass die Franzosen so traurig sind wie der Tod. Sie wagen es nicht einmal mehr auf ihr Land zu schauen, da sie sich dafür schämen.“

Auch für den vom ihm geliebten Film empfindet Depardieu bloß noch Abscheu. Sehenswert findet er nur noch solche Produktionen, die „von der öffentlichen Kritik vernichtet“ würden.

Am neoliberalen Altar

Aber wir schweifen ab und vergraulen uns womöglich die Lust am strahlenden Fortschritt, der uns doch heute erwartet (siehe auch „Pig Business Monkey Events, Global Playboys und bezaubernde Jeannies – Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake“). Damit der zur Staatsreligion erhobene Fortschrittsglaube nicht kurz vor seinem Endsieg womöglich unerwartet zum Erliegen kommt, wurden in den letzten Wochen auch alle Register gezogen, um auf Biegen und Brechen und unter Ächzen und Stöhnen wiederum das zusammenzuschweißen, was nicht zusammen passt. Was hinter den Kulissen vor sich gegangen ist, um diese unsägliche Zwangsehe zu arrangieren, vor der nicht nur allen Schaulustigen, sondern auch den Brautsleuten selbst graut, hat der langjährige Leiter des ZDF-Parlamentsstudios Wolfgang Herles vor Kurzem ausgesprochen: „Das Chaos in der SPD ist zum Großteil Bundespräsident Steinmeier zu verdanken, der die Große Koalition erzwingen wollte“ (Quelle: focus).

Dem mittlerweile wieder in Würselen verschwundenen Martin Schulz war es dabei natürlich vollkommen klar, dass er sich und seine Partei vollkommen verheizt, wenn er wieder in die Arme der schwarzen Rautenkönigin geht. Um das zu erkennen, ist er als altgedienter EU-Berufspolitiker schlau genug – weshalb er ja nach der Wahl auch sofort in Opposition wollte … hätte nicht Bundespräsident Steinmeier interveniert und ihn in einem Vier-Augen Gespräch mit nicht in den Medien veröffentlichten, aber offensichtlich zwingenden Argumenten zum Fortsetzen des Projekts Merkel gezwungen. Indem Schulz sich und die ganze SPD-Mannschaft dazu als Opferstiere an den Schlachtaltar geführt hat, sind die zornigen Götter auf dem unantatstbaren Olymp der Atlantikbrücke nun hoffentlich befriedet und die transatlantisch-neoliberale Agenda kann in Europa ihrem Endsieg entgegenschreiten.

Aber wer weiß: Vielleicht taucht ja noch Perseus auf und schlägt der Hydra unerwartet das Schlangenhaupt ab.

 


Nachsatz:

So, nach all den demoralisierenden Regierungs-Gruppenfotos und dem schwer verdaulichen Gescholze und Gemerkel auf unserer marktkonform gewordenen Demokratiebühne möchte ich den Leserinnen und Lesern des Nachrichtenspiegel auch ein paar Sätze eines denkwürdigen Zeitgenossen mitgeben, der in unserer postmoderen Touchdisplay-Gesellschaft leider in Vergessenheit zu geraten droht – vermutlich aufgrund seiner nicht mehr ganz fortschrittskompatiblen Gesinnung. Immerhin hat er für diese Gedanken in analogen Zeiten noch den Literaturnobelpreis erhalten:

„Ich habe an vielen Dingen keine Freude und glaube an viele Dinge nicht, die der Stolz der heutigen Menschheit sind: Ich glaube nicht an die Technik, ich glaube nicht an die Idee des Fortschritts, ja nicht einmal an die Demokratie, ich glaube weder an die Herrlichkeit und Unübertrefflichkeit unserer Zeit, noch an irgendeinen ihrer hochbezahlten Führer, während ich vor dem, was man so ‚Natur‘ nennt, eine unbegrenzte Hochachtung habe.“  (Hermann Hesse)

  Hermann Hesse (Foto: PD)

Vielleicht ermuntern uns diese Worte ja dazu, vom toten Pferd, auf dem wir gerade reiten, noch rechtzeitig abzusteigen … – bevor es uns digital wiehernd in den Grand Canyon befördert.

Video des Monats – Steve Cutts uncut: „In This Cold Place“

Gerade frisch aus der Presse – das neueste Video von Steve Cutts. Wie gewohnt zeichnet er mit feiner Feder ein Plädoyer für das Modell der marktkonformen Demokratie und des transatlantischen Fracking-Prinzips („Put in poison, get out money“).

Aus dem Songtext-Refrain: „I’m tired … of feeling like it’s prison without walls …“

Video by Steve Cutts (siehe Galerie)

Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da. Und der Kampf um die Zukunft hat begonnen …

cc-by Parkwaechter

Da ich selbst an vorderer Front der Automatisierungstechnik arbeite, kratze ich mich in letzter Zeit immer öfter am Kopf. Denn auf einschlägigen Kongressen zum Thema „Industrie 4.0“ und „digitale Transformation unserer Gesellschaft“ erlebe ich immer wieder dasselbe Phänomen: Selbst die vorgeblichen „Technologieführer“ und Experten auf diesem Gebiet sehen eigentlich keinen Sinn darin, in einer Welt, die an einem überbordenden Maß an hybrider Technisierung bereits fast zerbricht, noch mehr vom Bereits-Vielzuviel zu fordern und zur Ausmerzung aller noch verbliebenen analogen Bereiche des Menschseins zu blasen. Warum man im eigenen Konzern trotzdem die „vierte industrielle Revolution“ vehement mitvorantreibe, wird lapidar damit begründet, dass es die Anderen eben auch tun. Auch die Politiker argumentieren ähnlich: Die Industrie 4.0-Agenda würde deshalb gefördert, weil man da gegenüber anderen Staaten keinesfalls zurückbleiben wolle. Ein großer Teil der von europäischen Regierungen vergebenen Wirtschafts- und Forschungsförderungen ist daher für Industrie 4.0-Projekte zweckgebunden. Wer mit „normalen“ unternehmerischen Ideen um Subvention ansucht, hat das Nachsehen, Industrie 4.0-affine Unternehmungen haben Vorrang.

Sogar die Technologieexperten selbst wissen zwar nicht, wohin uns die totale Digitalisierung führen wird, und wenn man mit ihnen unter vier Augen redet, gestehen Sie auch, dass ihnen die ganze Sache eigentlich nicht ganz geheuer sei, aber gleichwohl gilt es als absolutes Muss, sich hierbei besonders progressiv und fortschrittswütig zu geben (siehe dazu auch Nachrichtenspiegel: „Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake“). Wer in der Szene keine bedingungslose Begeisterung für die – von unbekannter Seite ausgerufene – digitale Transformation vorgibt, der ist draußen, und zwar schnell. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich im Smalltalk mit Kollegen meine Zunge kontrollieren muss, um nicht das herauszusagen, was ich wirklich von der Sache halte – obwohl ich weiß, dass die meisten Kollegen ähnlich denken wie ich und mir umgehend zustimmen würden. Verrückt, oder? Solches stillschweigende Einvernehmen und Duckmäusertum vermeint man doch sonst nur von totalitären Gesellschaften zu kennen, in denen Personen mit politisch inkorrekter Meinung damit rechnen müssen, im Falle ihrer Enttarnung von einem gut eingespielten Räderwerk von der Bildfläche beseitigt zu werden. Da natürlich keiner von uns Experten von der Bildfläche verschwinden möchte, üben wir uns alle in perfektem Understatement und rühren nach Kräften die Werbetrommel für die digitale Transformation.

Besonders wenn ich auf solchen Technologiekongressen Politiker/innen sehe, muss ich angesichts deren Naivität immer die Augen verdrehen. Ich merke, wie diese Politiker/innen selbst unsicher sind und keine eigene Meinung zu dem Thema haben, sondern sich nervös witternd von uns Experten eine waschechte Expertenhaltung zu diesem Thema abschauen wollen. Wir, die wir im Epizentrum der vierten Revolution stehen, müssen es ja schließlich wissen, sind wir doch, wie Noam Chomsky treffend feststellt, die „säkulare Priesterschaft der Machtelite“, die dem Rest der Bevölkerung „verkündet, was sie glauben soll“. Obwohl also, bis auf wenige Ausnahmen, in Wirklichkeit keiner von uns Automatisierungsexperten so richtig an „Industrie 4.0“ und die digitale Gesellschaftstransformation glaubt, so spielen wir den Politikern bei jeder Gelegenheit einen bedingungslosen Glauben daran vor. „Wer bremst, verliert“, lautet die Devise und wer will im Orchester der Industrie schon als Fortschrittsverweigerer dastehen?

Die Katze beißt sich dann in den Schwanz, wenn die Politiker/innen von den Technologie-Kongressen mit der von uns Technikern vermittelten Erkenntnis im Rucksack heimkehren, dass „Industrie 4.0“ auf jeden Fall etwas ganz Tolles ist, und in der Folge dann ein ganz auf Industrie 4.0 ausgerichtetes Wirtschafts- und Forschungsförderungsprogramm budgetieren – welches uns Techniker wiederum zwingt, das Rad zur digitalen Transformation noch schneller zu drehen. Dass sich die Politiker/innen mit „Industrie 4.0“ ein noch nie dagewesenes Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen und somit ein Heer an Arbeitslosen einhandeln, was unsere Sozialsysteme in der bisher gekannten Form unfinanzierbar machen wird, scheint unsere Volksvertreter nicht zu bekümmern.

Wenn im Zuge der auf Hochdampf forcierten digitalen Transformation vor dem Horrorszenario einer vollkommen mechatronisierten und bürgerüberwachten, rein dem Effizienzprinzip unterworfenen Lebenswelt gewarnt wird und z.B. der Psychologe Götz Eisenberg in einem sehr lesenswerten Essay die Frage aufwirft, „ob eine zur Vernunft gekommene Gesellschaft eine solche Forschung nicht stoppen sollte“, dann kommt von Fortschrittsfreunden umgehend der Vorhalt von „Technikfeindlichkeit“. Milde lächelnd wird man dann belehrt, dass ja die Menschen immer schon Angst vor neuen Technologien gehabt hätten, z.B. bei der Einführung von Eisenbahn, Elektrizität, Fernsehen und Telefon und dass sich diese Technologien dann im Nachhinein doch als halb so wild herausgestellt haben.

Atombomben und Kernkraftwerke fehlen bei dieser Aufzählung meistens. Ich weiß nicht, warum die Fortschrittsfreunde diese Errungenschaften nicht miterwähnen, ist doch Hiroshima der beste Beweis dafür, dass in einer Stadt schon wenige Jahrzehnte nach einem Atombombenabwurf wieder reges urbanes Treiben herrschen kann, wo Menschen Geschäfte machen und Spaß haben. Auch dass ab und zu ein Kernkraftwerk hochgeht, hat bis jetzt noch nicht bewirkt, dass deswegen die Fußball-WM abgesagt oder der Ballermann dichtgemacht werden musste. Im Supermarktregal gibt es weiterhin 45 verschiedene Joghurtsorten und hunderte Softdrinks zur Auswahl, alle paar Wochen eine neue Smartphone-Generation und jedes Wochenende eine Serie an Events, bei denen man voll Spaß haben und sich „das Gurkerl geben“ kann. So what. Was soll also die ganze Aufregung um Hochrisikotechnologien und künstliche Intelligenz? „Every technology has its risks“ – mit diesem knappen Satz hörte ich einen Fracking-Ingenieur antworten, als ihm von einem Journalistenteam die verheerenden ökologischen Folgen dieser Technologie vorgehalten wurden.

Nun, trotz der vorgenannten Schweigespirale artikuliert sich in letzter Zeit doch auch Widerstand gegen die naive Technikgläubigkeit. Z.B. hat der US Milliardär und Chef von Tesla Motors, Elon Musk, vor Kurzem die Befürchtung geäußert, dass wir Menschen angesichts der sprunghaften Entwicklung in der künstlichen Intelligenz und Robotik schon demnächst zu einer Art Haustieren degradiert werden könnten: „Wir werden abgehängt“, meint Musk. Und fügt hinzu: „Ich werde nicht gern eine Hauskatze.“ (Quelle: welt.de)

In einer Rede vor Studenten des MIT mahnt er zur Vorsicht und vertritt die Überzeugung, dass künstliche Intelligenz nichts weniger als die größte existenzielle Bedrohung für die Menschheit darstelle, vor der wir jemals gestanden hätten. Nicht-menschliches Denken zu schaffen sei nach seiner Ansicht wie „Dämonen zu beschwören“ (siehe gulli.com). Mit dieser Meinung ist er inzwischen keineswegs allein. Vor Kurzem haben Hunderte der namhaftesten KI-Forscher einen offenen Brief verfasst, in welchem eindringlich vor einem drohenden technologischen SuperGAU gewarnt wird. Auch Stephen Hawking warnt mit Nachdruck vor einer Apokalypse, die auf uns zurollt und uns auch noch als Fortschritt verkauft wird. Er sorgt sich, dass jedoch kaum jemand ernstzunehmende Nachforschungen zu diesem Thema anstelle. Hawking vergleicht diese Naivität mit einer nahenden Invasion von Außerirdischen:

„Wenn eine fortschrittlichere, außerirdische Zivilisation uns eine Nachricht mit den Worten ‚Wir kommen in ein paar Jahrzehnten an‘ schicken würde, würden wir dann einfach mit ‚OK, ruft kurz an, bevor ihr da seid, wir lassen die Lichter an‘ antworten? Wahrscheinlich nicht – doch genau so wird mehr oder weniger gerade mit der künstlichen Intelligenz verfahren.“(Quelle:gulli.com)

In einem Interview im Independent warnt Hawking: „Es gebe keine Grenzen für die Entwicklung einer KI. Keine physikalischen Gesetze können verhindern, dass Partikel anfangen sich selbst zu organisieren und zu einem fortschrittlicheren Denk-Organismus werden als das menschliche Gehirn. Die Folge könnte eine nicht zu stoppende Selbstvervielfältigung sein …“ Die Erschaffung einer künstlichen Intelligenz (KI) bezeichnete er als „größtes Ereignis in der Geschichte der Menschheit“. Es könne jedoch auch das letzte sein, wenn die Risiken dieser Entwicklung nicht beachtet würden. Das Konzept einer hochintelligenten Maschine als „Science Fiction“ abzutun, könnte sich als schlimmster Fehler der Geschichte herausstellen, so Hawking.

Ich muss gestehen, dass auch mir als Techniker der ausufernde Technikwahn immer unheimlicher wird. Nicht dass ich ein Technikfeind wäre. Ganz im Gegenteil, ich halte es für möglich, dass der Mensch Technik in einer sinnvollen Weise in sein Leben integrieren kann. Dazu müsste man Technik aber in eine Position zurechtrücken, in welcher die Technik dem Menschen dient und nicht so wie derzeit, wo der Mensch einer eigenläufig gewordenen Technik dient. Wenn wir das, was wir an neuen mechatronischen, biotechnologischen, KI-, nuklear-, gen- und nanotechnologischen Möglichkeiten zur Verfügung haben, mit unserer bisherigen (szientistisch-nihilistisch-hedonistischen) Haltung in die Geburt bringen, dann wird uns der überdimensionale Tyrannosaurus Rex, den wir damit erschaffen, zweifellos mit Stumpf und Stiel in einem gähnenden Schlund verschwinden lassen und unsere Evolution ist beendet. Es wäre jedoch auch möglich, die genannten Hochrisikotechnologien mit einer menschengerechten Intention auszusteuern. Dazu müssten wir uns bloß eine humanistisch-philosophische Grundeinstellung zulegen – eine solche meiden unsere derzeit amtierenden Politikern jedoch wie die Teufel das Weihwasser (obwohl eine humanistisch-philosophische Intention eigentlich unser Kulturschatz und die genuin-europäische Wurzel wäre, ohne welche das gute Europa schon demnächst vollkommen vertrocknen und vom Wind davongeblasen würde). Die Karten stehen also derzeit schlecht, und nur deswegen formuliere ich hier einige ketzerische Gedanken gegenüber der anstehenden „vierten industriellen Revolution“ – diese Revolution könnte nämlich in der Tat, wie auch Hawking warnt, unsere letzte sein. Denn wenn durch die geplante Technologieoffensive der Mensch – insbesondere seine Fähigkeiten zum Denken, Fühlen und selbstbestimmten Handeln – aus den bisherigen Lebenszusammenhängen ausgeklammert werden, man die Verantwortung stattdessen an eine „künstliche Intelligenz“, also an ein kaltes Zahlensystem übergibt (siehe dazu auch Peds Ansichten) – was bleibt dann noch vom Menschen übrig?

In einer lesenswerten Analyse (siehe Nachdenkseiten) kommt auch der Philosoph Matthias Burchardt zum Schluss, dass unsere derzeitige, ökonomisch-technokratische Ausrichtung im Grunde „zutiefst nihilistisch und deshalb unfähig ist, eine Sinnfigur hervorzubringen“. Sie mache uns zu „Insassen einer apolitischen, technokratisch-ökonomistischen Untertanenfabrik und Sachzwangdiktatur“ und würde letztlich in nichts anderem enden als in einem barbarischen „Kampf Jeder gegen Jeden“. Nachdem ich das vorbezeichnete System nun schon mehrere Jahrzehnte von innen her kennengelernt habe, kann ich diese Worte Burchhardts leider nur unterschreiben, auch wenn ich damit manch begeistertem MINT-Studenten und IT-Geek nun seine Motivation raube.

Die in Schule und Uni zu fortschritts- und frackinggläubigen Bürgern erzogene Generation an Digital Natives wird mich womöglich nicht verstehen und den folgenden Vergleich für übertrieben halten, aber immer öfter muss ich an die Schilderungen meiner Großeltern über den von ihnen erlebten Führerkult denken. Über den „Fortschritt“, den ihnen der Führer versprochen hatte und der im totalen Krieg geendet hatte. Heute erscheinen uns dieser Führerkult und die damals vorherrschende Ideologie als absolut grotesk und schizophren. Wir können es kaum glauben, wie die Menschen bei solchem Wahnsinn kollektiv begeistert und fröhlich fahnenschwingend mitmachen konnten. Wie war es möglich, dass der Führer auf seine Frage: „Wollt ihr den totalen Krieg?“ frenetische Zustimmung vom Publikum erhalten hat? Ich erwische mich bei einem unerlaubten Gedankengang: Könnte es sein, dass eine spätere Generation einmal über unsere jetzige Generation genauso denken wird? Dass auch wir einem „Führer“ aufsitzen, dem wir naiv zujubeln, der uns aber sukzessive ins Verderben führt? Zumindest kurzfristig habe ich weniger Sorge, dass sich dieser Führer in Form einer konkreten Person manifestieren wird, wovor ja derzeit viele Essayisten warnen, die sich selbst als ‚links‘ verorten. Hingegen habe ich die viel größere Befürchtung, dass wir in der Fortschrittsgläubigkeit selbst bzw. in der inzwischen wahnwitzig gewordenen Technik unseren „Führer 4.0“ finden, vor dem wir stillschweigend in die Knie gehen und dem wir bedingungslosen Gehorsam leisten, obwohl er uns auf einen Marsch ohne Wiederkehr Richtung Grand Canyon schickt. Aktuell stellt dieser Führer an uns die Frage: „Wollt ihr die totale Digitalisierung?“ – Was wird unsere Antwort auf diese in den Raum gestellte Frage sein?

Die blendende Größe und schier unangreifbare Macht dieses Führers bringt uns wie es scheint dazu, diesem Führer bedenkenlos unsere Zukunft, unsere Kinder, unser gesamtes Menschsein in die Hände zu legen. Wer in der glorreichen Zukunft, in die uns dieser Führer führen will, Dantes Eishölle zu erkennen vermeint, läuft Gefahr, umgehend aus der Glaubensgemeinschaft des technokratischen Nihilismus exkommuniziert zu werden. Er ist ein Ketzer. – So einer wie der Widerstandskämpfer Georg Elser, der seinerzeit etwas gegen die schrankenlose Macht des Führers unternehmen wollte, bevor alles zu spät ist.

Voriges Jahr kam ein neuer Film über Georg Elser in die Kinos. Ein Anschauen des ganzen Films ist meiner Meinung nach weniger empfehlenswert, da sich die Filmemacher hauptsächlich auf die Beziehung Elsers zu einer Frau fokussiert haben und ihn als emotionalen Lebemann darstellen – was aber den historischen Tatsachen nicht entspricht (Elser war eher ein stiller, feinsinniger und konzentrierter Geist, der privaten Angelegenheiten zeitlebens keinen besonderen Wert beigemessen hat). Eine im Film ersichtliche Szene – für mich eine Schlüsselszene mit gewaltiger Symbolkraft auch für die Zukunft –  haben die Filmemacher dafür jedoch mit umso größerer Bravour auf die Leinwand gebracht: In einem Bierzelt wird großrednerisch versprochen, dass der „Führer“ schon bald Wohlstand und Fortschritt bis in den letzten Winkel des Deutschen Reiches bringen werde: jedem Bürger  einen Volksempfänger  sowie  die  Asphaltierung  und  Beleuchtung sämtlicher Dorfstraßen – Verheißungen, die das Publikum mit leuchtenden Augen und frenetischem Applaus beantwortet. Besonders eindrücklich hierbei das Gesicht Georg Elsers, wie er inmitten einer fanatisierten, von den NS-Fortschrittsversprechungen mitgerissenen und dem Wahnsinn zujubelnden Menschenmenge klaren Geist bewahrt und sich seine eigenen Gedanken macht. (Im u.a. Trailer sieht man leider nur eine andere, aber ebenfalls eindrückliche Szene von Elser inmitten eines NS-Auditoriums). Wer sich dieses Bild einprägt, dem kann es zu einer Art geistigem Gegengift gegen die schleichende Vermassung und Entindividualisierung werden, mit der auch wir heute wieder in ungeahntem Ausmaß konfrontiert sind.

Wir tun, glaube ich, gut daran, uns heute wieder mit dem Widerstandsgeist Elsers auseinanderzusetzen. Jeder, der sich mit Georg Elser beschäftigt, wird dies nicht ohne Gewinn tun, m.E. ist er ein viel größerer Held als der vielzitierte Graf Stauffenberg – schließlich war Stauffenberg lange Zeit selbst Nazi, der sich erst in der Endphase des Krieges gegen Hitler gewandt hat, als er sah, dass der Führer mit seinen Plänen nicht mehr erfolgreich sein wird. Hingegen hat Georg Elser den drohenden Wahnsinn gleich von Beginn an erkannt und sein Leben geopfert, um dagegen anzukämpfen (siehe hier auch ein PDF zur Lebensgeschichte Elsers).

Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs und nur 20 Tage vor Befreiung des KZ Dachau wurde der inhaftierte Elser durch Genickschuss getötet – auf direkte Anordnung des „Führers“.  Obwohl er ein großer philosophischer Geist gewesen sein dürfte, ist über seine Person heute fast nichts mehr überliefert. Die Nazis hatten relevante Unterlagen vernichtet und über Elser eine Vielzahl von Lügen und Verleumdungen in Umlauf gebracht, die noch bis vor wenigen Jahren verhinderten, dass man offen über diesen Widerstandskämpfer redet und ihn gebührend würdigt (siehe Zeit-Artikel „Den schweigen sie tot!“).

Aus den wenigen Zeilen, die von Georg Elser überliefert sind:

 „Wir gehen alle vor die Hunde. Und das ganze Land mit uns. 

„Irgendjemand muss den Wahnsinn doch aufhalten. – Man kann nicht warten bis es zu spät ist.“

„Ich bin ein freier Mensch gewesen. 

Man muss machen, was richtig ist.

Wenn der Mensch nicht frei ist,

stirbt alles ab.“

                         Georg Elser

 

Die Kinderfresser unter uns oder: Der Wille zur Vernichtung der Menschheit – (K)eine Gutenachtgeschichte

Foto: cc-by Parkwaechter 2017

Ich weiß, es ist eine Zumutung, das im Wonnemonat Mai anzubringen, wo nach langem Winter endlich wieder die ersten Bierzeltfeste und Open Air Konzerte beginnen, wo wir wieder in den Winkepuh-Modus übergehen und am Berliner Kirchtag die Menschenmassen fröhlich Fähnchen schwingen und dem Auftritt von Merkel und Obama zujubeln (siehe dazu Rubikon), aber ich muss es einfach loswerden. Also:

Unlängst bin ich mit einem Bekanntem, von Beruf Psychotherapeut, abends in einer Hotelbar gesessen. Was er mir aus seiner Praxis erzählt hat, lässt mir immer noch die Kinnlade runterhängen – übertrifft es doch die dunkelsten Horrorfilme, die ich bisher kannte. Von einem Klienten erzählte er mir, der seine Erlebnisse in einem Satanisten-Netzwerk aufarbeiten wollte. In diesem Netzwerk würden nicht nur Tiere grausam zu Tode gefoltert, sondern es wäre auch gang und gäbe, Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren rituell hinzurichten. Er erzählte, dass er selbst mehrere Kinder eigenhändig umgebracht habe. Diese Schilderungen stammen nun nicht aus den dunklen Urwäldern Südamerikas, sondern aus dem vermeintlichen Land der Dichter und Denker. Nach Aussage des Klienten existieren zwischen München und Hamburg in fast jeder größeren Stadt Deutschlands derartige Satanisten-Logen. Entgegen dem gängigen Klischee handele es sich hierbei nicht um irgendwelche fernsehverblödeten Spinner, sondern die Dunkelmänner rekrutierten sich aus den einflussreichsten Kreisen unserer Gesellschaft: Politiker, Industrielle, Wissenschaftler, Ärzte, Finanzexperten, hochrangige Juristen und Journalisten. Da viele Leser nicht gewillt sein werden, sich Details dieses Sumpfes zu Gemüte zu führen und hier abbrechen, sei vorab nur kurz das Endziel der elitären Satanisten erwähnt – es könnte ja auch diejenigen bzw. deren Kinder betreffen, die jetzt gerade keine Zeit oder Lust zum Weiterlesen haben. Dieses nicht unbescheidene Ziel ist: eine restlose Mechanisierung der Erde und damit ein Ende der menschlichen Evolution bzw. ein Neubeginn einer rein mechatronischen Evolution sich selbst replizierender Maschinenintelligenzen (auch wenn Sie das genauso grotesk finden wie ich, aber behalten Sie dieses Ziel eventuell im Hinterkopf, wenn Sie in den nächsten Jahren die Veränderungen beobachten, die mit der derzeit auf Hochdruck propagierten „digitalen Transformation / Industrie 4.0 / Schule 4.0 / Gesellschaft 4.0“ einhergehen werden).

Business as usual?

Zurück aber zur Kinderschänderszene. Als ich zu diesem Thema nachrecherchierte, bemerkte ich schnell, dass die Erfahrungen meines Bekannten keineswegs ungewöhnlich sind. Laut einer statistischen Erhebung aus den USA (Bottoms et al 1990) haben 24% der klinischen Psychologen in Ihrer Praxis mit „rituellem Missbrauch“, also mit Kinderschändung in satanistischem Kontext zu tun. Eine Datenerhebung unter kassenärztlichen Psychotherapeuten aus Rheinland-Pfalz (Arbeitskreis „Rituelle Gewalt in NRW“, Kownatzki 2005) kommt immerhin auf 15%.

Ist es zu lebhafte Phantasie oder passt es da dazu, dass in den USA 51.000 Kinder einfach vom Erdboden verschwunden sind (siehe Spiegel) und auch in Deutschland pro Jahr etwa 1000 Kinder für immer verschwinden (siehe vermisste-kinder.de)? Und was ist mit den 9000  minderjährigen Flüchtlingen (siehe Tagesschau), die im letzten Jahr auf Deutschlands Boden verschwunden sind? – Ich merke, wie ich geneigt bin, lieber zu rationaleren Erklärungen für dieses Verschwinden Zuflucht zu nehmen: Vermutlich sind diese Kinder einfach in offene Kanaldeckel marschiert oder wurden von städtischen Laubbläsern versehentlich vom Gehsteig geweht.

Dass Kindesmissbrauch und –mord in den oberen Rängen des öffentlichen Lebens offensichtlich keine Seltenheit ist, erfuhr man zuletzt aus Großbritannien.  Unter dem Titel „Britische Elite versinkt im Abgrund der Schande“ berichtet die Welt von einem Pädophilen-Ring, der bis in die Spitzen des Westminster-Establishments reichte und gedeckt wurde von der Polizei, die auf höhere Weisung hin nicht ermittelte oder Akten gezielt verschwinden ließ.“ Die britische Premierministerin Theresa May meinte zu den bisherigen Untersuchungen, diese seien nur „die Spitze des Eisbergs“ (siehe welt.de). Der Spiegel berichtete: „In Großbritannien laufen derzeit in mehreren Fällen Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs gegen 261 einflussreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter 76 Politiker“. Aus einem weiteren Welt-Artikel „Sex, Lügen, MI5 – und 200 vermisste Kinder“ erfährt man: „…in London gärt ein unfassbarer Pädophilen-Skandal. Darin verwickelt: Politiker, Richter, V.I.P.s. Der Verdacht: Geheimdienste deckten den Kinderschänderring im Regierungsviertel – und auch Morde.“

Obwohl es bei Scotland Yard 114 pralle Aktenordner zur Dokumentation des Kindesmissbrauchs gab, musste der Staatssekretär des Innenministeriums zuletzt zugeben, dass alle brisanten Aktenordner aus seinem Ministerium verschwunden seien. Ein pensionierter Polizeibeamter sagte dazu aus, dass gegenständliche Akten nicht, wie von der Polizei behauptet, verloren gegangen seien, sondern vom Inlandsgeheimdienst MI5 beschlagnahmt wurden (Quelle: welt.de). Auch ein Anschuldigungs-Dossier des 1995 verstorbenen Abgeordneten Geoffrey Dickens, das dieser an den damaligen Innenminister Leon Brittan und den Generalstaatsanwalt Sir Thomas Hetherington überreichte, ist in den Schreibtischläden der Lords versickert.

Verurteilungen gibt es daher ebenso wie im Fall Marc Dutroux bis dato kaum – die wenigen Fälle, in denen Beweise nicht mehr unterdrückt und an die Öffentlichkeit gespielt wurden, betreffen VIPs, die nicht mehr leben und daher nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können. So etwa der ehemalige britische Premierminister (nein, diesmal war’s nicht der Gärtner!) Ted Heath, der langjährige Parlamentsabgeordnete Cyril Smith (hier ein Foto von  „Big Cyril“, wie der ehrenwerte Politiker zu Lebzeiten genannt wurde) oder dessen einflussreicher Freund  Jimmy Savile, der über einen Zeitraum von 50 Jahren über 500 Kinder missbraucht und sich auch noch an Leichen vergangen hat. Was in den Medien weniger erwähnt wurde: Mehrere überlebende Opfer sagten aus, dass BBC-Star Savile ebenso wie Ex-Premierminister Heath sie im Zuge schwarzmagischer Messen vergewaltigt hätten (siehe Sunday Express und The Sun). Laut der Zeugenaussagen wurden während dieser Messen andere Kinder rituell umgebracht.

Wer meint, dass solche dekadenten Zustände nur im kreuzverdorbenen Großbritannien und Belgien zu finden sind aber doch nicht in jenem marktkonformen Land, in dem es allen gut geht, der hat wohl schon den „Sachsensumpf“ und den Fall der minderjährigen Zwangsprostituierten Mandy Kopp vergessen (siehe Zeit). Als sie vor Gericht zog, erkannte sie im Leipziger Staatsanwalt und Chemitzer Gerichtspräsidenten sowie im Vizepräsidenten des Leipziger Landgerichts ihre ehemaligen Peiniger wieder. Kopp und eine ebenfalls missbrauchte Kollegin nennen eine Reihe weiterer hochrangiger Missbrauchstäter, darunter Richter, Justizbeamte, Anwälte und Unternehmer. Aber dann erfolgen Interventionen von ganz oben: Der Chefermittler wird auf direkte Weisung des Innenministers kaltgestellt, der Untersuchungsauftrag vom CDU-Ministerpräsidenten abgelehnt und der Untersuchungsausschuss blockiert (siehe Zeit). Die Opfer werden zu Tätern gemacht und ihrerseits wegen Verleumdung angeklagt, während die wirklichen Täter von höchster Ebene aus gedeckt werden. Der Sachsensumpf  wurde ebenso wenig trockengelegt wie derjenige um Marc Dutroux, obwohl dieser in den ersten Phasen seiner Einvernahme selbst zugegeben hat, Teil eines großen Kinderschänder-Netzwerks zu sein.

Krude Verschwörungstheorien und seriöse Leitmedien

Wenn nun Xavier Naidoo in einem jüngsten Popsong auf das Problem Kindesmissbrauch in elitären Kreisen anspielt und unsere Politiker als „Marionetten“ und als „Tatsachenverdreher, die sich an Unschuldigen vergehen“ kritisiert (siehe Rubikon), was machen dann die Qualitätsjournalisten unserer Wahrheitspresse? – Im Grunde das Gleiche, was man mit Mandy Kopp gemacht hat und was heute eigentlich auf allen Ebenen des Tagesgeschehens zu beobachten ist: Man stellt alles auf den Kopf, macht aus Opfern Täter und stempelt Menschen, die noch den Mut aufbringen, Missstände anzuprangern und 2+2 zusammenzuzählen, zu gefährlichen „Verschwörungstheoretikern“, dem neuzeitlichen Synonym für den „Ketzer“ und die „Hexe“ des Mittelalters.

Systemkritik, nein, das geht heute gar nicht. Korruption, menschliches Leid oder gar böse Intention? – Vielleicht gibt’s das irgendwo am Orion, aber doch nicht auf unserem freudestrahlenden blauen Planeten; schon gar nicht in einer marktkonformen Demokratie. Auch in der FAZ holt daher die Nachwuchsjournalistin Leonie Feuerbach zum Rundumschlag aus und bezeichnet die Anspielung Naidoos als „krude Verschwörungstheorie“ und als „an Absurdität kaum zu überbieten“.

Obwohl viele Internetkommentatoren der Meinung sind, dass es eher der Artikel der Leonie Feuerbach ist, der (an Erbärmlichkeit) nicht zu überbieten ist, so möchte ich an dieser Stelle – wenn schon keine Lanze, so doch einen kleinen Zahnstocher für die junge Leonie brechen. Erwartet man denn ernstlich, dass eine junge Bezahlschreiberin, die eben erst in der FAZ Fuß gefasst hat, gegen den Strom der herrschenden Meinung und ihrer Leitmedien schwimmt? Nimmt man es ihr wirklich krumm, dass sie es vorzieht, sich ein schmuckes Energiesparhäuschen mit SUV, Kind und Hund zu erarbeiten, anstatt den Sumpf von Korruption und Kinderschändung aufzuarbeiten? Dass man in diesem Sumpf nur untergehen kann, wurde uns ja in der ZDF-Doku „Marc Dutroux und die toten Zeugen“ bereits eindrücklich vors Auge gestellt (es reicht, sich die ersten Minuten dieser Doku anzusehen, um zu verstehen: kaum entschließt sich ein Mitwisser zum „Auspacken“, ereilt ihn binnen Tagesfrist ein schneller Tod, genauso wie den ermittelnden Staatsanwalt und mehrere ambitionierte Polizisten; insgesamt sterben 27 Zeugen eines ungeklärten Todes). Erwartet man von der jungen Leonie also wirklich den Mumm einer Laura Poitras, die sich mit Julian Assange und Edward Snowden, die Geheimdienste im Nacken, auf eine Odyssee begeben hat, von der sie nicht wusste, ob sie jemals lebend wieder heimkehren wird (siehe Vimeo: Citizenfour)? Wer soll während dieser Odyssee die Kreditraten fürs Häuschen zahlen, die Leasingraten für den SUV und wer füttert den Hund? Nein, also bitte … da stellt man sich dann doch lieber in eine Reihe mit der herrschenden Meinung des „Rudeljournalismus“ (Jens Wernicke) und macht das, was Peter Sloterdijk bereits charakterisiert hat: „Die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an.“

Into Darkness

Aber schweifen wir nicht ab, kehren wir wieder zurück zu den Erzählungen des vorgenannten Augenzeugens bzw. Täters.  Ich erspare mir detaillierte Schilderungen der Folterungen, möchte jedoch weitergeben, dass der Tod eines auf die Schlachtbank gespannten Opfers möglichst langsam und unter Zufügung größtmöglichen Leides herbeigeführt wird. Nach Ansicht der Dunkelmänner hat dies zweierlei Auswirkungen: eine subjektive und eine objektive. Die subjektive Wirkung bestehe darin, dass durch das bewusste Quälen (Stechen oder Schneiden) eines lebendigen Wesens das eigene Ego in einer Art perversem Machtrausch erkraftet (als ich diese Information erhalten habe, musste ich spontan an das bereits zum Breitensport gewordene Phänomen des ‚Mobbing‘ denken  … sind also vielleicht viele Menschen, ohne es zu wissen, per definitionem praktizierende Satanisten?) Die zweite, objektive Wirkung des vorbezeichneten Quälens bewirke nach Ansicht der Dunkelmänner hingegen eine Zerstörung der menschlichen Atmosphäre und Verhärtung der Welt als Ganzes, sodass die Welt schließlich einmal als unbewohnbarer, mechanisierter (!) Planet zurückbleiben solle und die menschliche Evolution beendet sei. Auch dazu blitzt auf meiner Stirn eine spontane Assoziation auf: Wurde eine solche Mechatronisierung nicht bereits filmisch genial umgesetzt von den Star Trek-Autoren in Form der Spezies der „Borgs“ bzw. des Borg-Kubus (siehe http://de.memory-alpha.wikia.com/wiki/Borg)? Wer hätte gedacht, dass eine solch vollendete Technologieaffinität gleichbedeutend mit dem Endsieg des Dunklen ist, wo uns doch die wissenschaftliche Avantgarde rund um Google-CEO Eric Schmidt und seinen technischen Direktor Ray Kurzweil dies als kommendes Paradies anpreist (zur geplanten „digitalen Transformation“ unserer Gesellschaft siehe auch ein lesenswertes Essay in Peds Ansichten). Das vorgenannte Endziel der Mechanisierung deckt sich jedenfalls mit Aussagen, die ich auch von anderen verlässlichen Quellen erhalten habe.

(Anm.: Nur höhergradige Logenmitglieder sind in Kenntnis dieses Endziels. Neu rekrutierte Mitglieder werden im Glauben gelassen, dass es hier nur um Sex, Macht und Völlerei gehe, also um nicht viel anderes, als was auch durch die Massenmedien flächendeckend als erstrebenswertes Lebensideal angepriesen wird. Erst wenn sich ein Mitglied durch mehrere Morde in den Sumpf des Verbrechens verstrickt hat, also keine Umkehr mehr möglich ist, wird ihm das vorgenannte Endziel mitgeteilt).

Der in psychotherapeutischer Behandlung stehende Dunkelmann berichtete übrigens nicht nur von der Opferung kleiner Kinder, sondern meinte, in seinem Netzwerk würden noch einige andere Dinge betrieben, die aber so schlimm seien, das er keinesfalls darüber reden, sondern sich diese Dinge nur mit sich selbst ausmachen wolle. Ich für meinen Teil kann mir zwar nicht vorstellen, was noch schlimmer sein soll, als das Zutode-Foltern kleiner Kinder, aber was weiß ein Kleinbürger wie ich schon von der großen Welt?

Bevor ich fortfahre: Wer solche Folterungen nicht für möglich hält, der lausche kurz bei Minute 11:55 der N24-Doku „Ritueller Missbrauch“ auf YouTube) den Schilderungen eines heute 15jährigen Mädchens, das bei solchen Kindesopferungen dabei war. Es existiert im Netz eine Vielzahl ähnlicher, von Experten als authentisch bewerteter Zeugenaussagen. Erwähnenswert ist insbesondere eine zu Jahresbeginn in der britischen „Daily Mail“ veröffentlichte Enthüllung der heute 53-jährigen Anneke Lucas, die als Kind fünf Jahre lang von einem elitären Pädophilen-Netzwerk rituell missbraucht und gefoltert wurde. Nach ihrer Aussage gehörten die Mitglieder des Netzwerkes alle der Elite an:

 „Ich erkannte Leute aus dem Fernsehen wieder. Ich stieß auf VIPs, europäische Staatsoberhäupter und sogar ein Mitglied einer königlichen Familie. Ich wurde mit der dunklen Seite ihrer Machtabhängigkeit konfrontiert – jener Seite, von der niemand glaubt, dass sie existiert.“

Gleich nach ihrem ersten Missbrauch in einem aristokratischen Schloss wurde sie in den  Keller geführt, wo man ihr die auf einem Opferbock liegende Leiche eines frisch ermordeten Kindes zeigte mit der Botschaft: „Wenn du redest, stirbst du.“ Lucas hat ausgerechnet, dass sie in ihrem fünfjährigen Martyrium über 1.700 Stunden gefoltert und vergewaltigt wurde.

„… Mädchen wurden häufiger ermordet als Jungs, die wiederum häufiger gefoltert wurden, als die Mädchen. Ich wusste, was mit Mädchen passiert war, die aufgefallen waren … Also versuchte ich, nicht aufzufallen.“ Nach fünf Jahren wäre jedoch auch „ihre Zeit gekommen“: „Mit 11 Jahren sollte ich getötet werden. Ich wurde gefoltert … Ich wurde an einen Metzgerblock geschnallt. Er war schwarz vom Blut all der Kinder vor mir … mein Körper ist voll von Narben und jede Narbe erinnert mich an diesen Moment“.

Ihre Tötung wurde in letzter Sekunde abgewendet, weil ein 20-jähriger Politikersohn, der Sympathie für sie empfand, mit dem Chef des Netzwerks einen „Deal“ aushandelte. Brisantes Detail aus den Erzählungen: Die Verbrechen fanden in Brüssel statt und Lucas gibt an, auch von einem Mann gefoltert worden zu sein, der einer der Angeklagten im Fall Dutroux war. Nach Aussage von Lucas war der Boss des Netzwerks „ein belgischer Kabinettsminister“. Kommt die Einzeltätertheorie im Fall Dutroux also letztlich doch noch ins Wanken? Die belgische Justiz hat daran anscheinend kein Interesse und möchte die neuen Aussagen „nicht kommentieren“. Auch unsere DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien halten sich bedeckt, außer dem bösen Russia Today/RT waren die Enthüllungen hierzulande in keinem größeren Nachrichtenmedium eine Erwähnung wert. In Zeiten von Brexit und Eurokrise kann Brüssel anscheinend kein erneutes Hochkochen seiner Abgründe gebrauchen. Wo kommen wir denn hin, wenn der Hauptsitz der Europäischen Union und Sitz der NATO wieder als Hort moralischer Verkommenheit dasteht? Außerdem, es gibt Wichtigeres zu berichten: Zum Beispiel, dass Uschi Glas wieder einen neuen Lebensgefährten gefunden hat, mit dem sie unheimlich glücklich ist. Oder Interviews, in denen der Torschützenkönig von FC Bayern erzählt, welchen SUV er bevorzugt. Was kümmert es uns da schon, dass Spitzenpolitiker unterwegs sind, die auf schwarzen Fleischerböcken kleine Kinder sezieren? Nein, da greife ich lieber nach meinem rettenden Strohhalm, Leonie Feuerbach: Das ist ja „an Absurdität kaum zu überbieten“.

Wie auch immer, der Leser mag sich selbst einen Eindruck verschaffen, ob die Aussagen des rituellen Missbrauchsopfers Anneke Lucas glaubhaft sind oder nicht – hier nur ein kurzer, mit deutschen Untertiteln versehener Ausschnitt aus ihren umfangreichen Interviews (der persönliche Bericht von Anneke Lucas erschien auf „Global Citizen” und im Youtube-Kanal „Real Women Real Stories“).

Nun, was soll der Leser von den angeführten Fakten halten?  Wem jetzt der Appetit auf sein Bier vergangen ist, der sei beruhigt: das sind nur „alternative Fakten“, die man genauso wenig beachten muss wie das kritische Gerede rund um die Eröffnung des St. Gotthardtunnels vor versammelter europäischer Regierungsmannschaft (siehe RT) oder um die MOCA Gala 2016, bei der sich die High Society an pseudokannibalistischen Ritualen erfreute und sich lebende menschliche Köpfe auf ihre Teller servieren ließ (siehe Youtube). Manche kruden Verschwörungstheoretiker sahen darin die moralische Verderbtheit unserer Eliten und vermeinten zu erkennen, dass in solchen High Society-Events eben „der Mund überfließt, wovon das Herz voll ist“. Nun, ich für meinen Teil halte es da lieber mit den Skeptikern und glaube, dass unsere politischen und ökonomischen Führungskräfte dort einfach ihren Spaß haben und demonstrieren wollten, dass sie keinesfalls Fortschrittsverweigerer, sondern voll am Puls der Zeit sind. So what. Genauso wie das unsere feine Gesellschaft bei den Wiener Festspielen 2017 macht, auf deren Bühne gerade wieder „gekotzt, uriniert, kopuliert, gekreischt“ und mit Eingeweiden und echtem menschlichen Blut um sich geworfen wird (siehe Nachrichtenspiegel). Wer bei solchen Festivitäten nicht Lust auf Mehr bekommt, der ist einfach noch von gestern. Sollte doch eigentlich schon gegessen sein, das Thema. Verstehe nicht, warum es immer wieder aufflackert, wo doch Bundeskanzlerin Merkel bereits unmissverständlich bekundet hat: „Wir werden uns unseren Lebensstil von den Terroristen nicht austreiben lassen!“

Club Hell

Apropos alternative Fakten. Davon gibt es nun ein paar Pfund mehr: Vor wenigen Wochen hat der niederländische Investmentbanker Ronald Bernard über seine Erfahrungen mit den Herren der Welt „ausgepackt“.  Für unsere DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien wiederum: uninteressant. In den alternativen Medien macht sein Interview allerdings gerade Furore und weist Rekordklickzahlen auf. Was Ronald Bernard (dessen Identität von mehreren unabhängigen Rechercheteams bestätigt wurde) zu berichten hat, ist in der Tat starker Tobak. Dass er nach diesen Enthüllungen noch lebt, ist seiner Aussage nach nur dem Umstand geschuldet, dass er keine konkreten Namen nennt.

Man nehme sich auch in diesem Fall die Zeit, selbst zu beurteilen, was der Ex-Banker in seinem Interview vorbringt (ursprünglich veröffentlicht vom niederländischen De Vrije Media TV):

Für diejenigen, die sich nicht die 30 Minuten zum Videogucken nehmen wollen, hier eine kurze Inhaltsangabe:

Bernard erzählt, wie er als junger, ehrgeiziger Unternehmer bis in die Kreise der Finanzelite aufgestiegen ist. Um in dieser Liga mitzuspielen, wurde er von seinem Mentor aufgefordert, sein Gewissen „im Gefrierschrank bei Minus 100 Grad abzulegen und es nie wieder herausholen“. Der frisch rekrutierte Young Leader lachte darüber und willigte ein. Fortan war es sein Job, als Spindoctor die Geldströme der Global Players zu koordinieren und die Interessen von Banken, Regierungen, multinationalen Konzernen, Geheimdiensten, Terrorgruppen und kriminellen Vereinigungen unter einen Hut zu bringen. Bernard erzählt, was man eigentlich schon geahnt hat: Über die mörderischen Hintergründe der Lobby- und Rüstungsmaschinerie und wie die Bürger für dumm verkauft werden. Dass Kriege nicht einfach passieren, sondern von Geheimdiensten gezielt „konstruiert“ und finanziert werden, um Absatzmärkte für die Rüstungsindustrie am Dampfen zu halten. Neu ist bei dieser Schilderung eventuell der Aspekt, dass äußerlich miteinander kämpfende Parteien hinter der Weltbühne einvernehmlich kooperieren, um aus dem menschlichen Desaster für beide Seiten maximal möglichen Profit zu lukrieren. Damit von den Drahtziehern niemand zu kurz kommt, brauche es Finanztransaktionsprofis, die Geldwäsche im großen Stil abwickeln. Bernard schildert, wie er in die Keller von Banken geführt wurde, in denen es aussah wie im Geldspeicher von Dagobert Duck: das in langen Containerreihen gestapelte Schwarzgeld reichte bis zur Decke. Sein Auftrag: die Gelder weißzuwaschen. Um dies durchführen zu können, mussten ihn die Mächtigen in die Architektur des globalen Interessensnetzwerks lückenlos einweihen, denn es durften dabei keine Fehler passieren. Über den Unterschied zwischen Geheimdiensten und kriminellen Vereinigungen kann er daher nur lachen, seiner Ansicht nach „sind alle Geheimdienste kriminelle Vereinigungen“. Auch den Aufruhr um die Panama Papers versteht er nicht. Im Vergleich zu den schmutzigen Machenschaften, die wirklich hinter der Bühne abliefen, „…geht es dabei doch um nichts. Leute, wen wollt ihr damit langweilen?“, so Bernard.

Er erzählt, dass es etwa 8000 bis 8500 Personen seien, die alle relevanten Geldflüsse beherrschen und quasi die Macht über das globale Weltgeschehen in Händen hielten. Der Insider lässt uns auch ins Innenleben dieser Herren der Welt blicken:

„Die Natur, der Planet, alles könnte brennen und kaputt gehen. Eben nur unnütze Parasiten. So lange es mit unseren Zielen zusammen passt, so lange wir wachsen (…)
und dann lachten wir darüber. Hahaha, alle zusammen, jeder von uns. Wir schauten auf diese Leute herunter, verspotteten sie. Es war eben nur ein Produkt, Abfall, alles war wertloser Schund.“

Dass in den oberen Etagen bzw. in den Kellern der Weltmächte weitgehende Amoralität  herrscht, wird die meisten von uns noch nicht allzusehr überraschen. Auch die Zeit hat ja bereits berichtet, dass dort oben bzw. unten die statistische Dichte an Psychopathen erschreckend hoch ist. Ab der Mitte des Interviews wird es dann jedoch wirklich spannend. Bernard schildert, dass der regelrechte Hass, den die vorgenannten Herren der Welt gegenüber Mensch und Umwelt an den Tag legen (hier illustriert von Steve Cutts), nicht bloß auf Profitgier beruhe, sondern die Antriebskraft zur umfassenden globalen Destruktion aus einer ganz eigentümlichen Religion geschöpft wird, die „keinesfalls Mainstream“ sei:

„Um es vorsichtig auszudrücken: Die meisten dieser Leute folgen keiner Mainstream-Religion. Wir haben also Katholiken, Protestanten und alle Arten von Religionen. Die meisten dieser Leute waren aber Luziferianer.“ 

Den Satanismus und die schwarzen Messen, in welche Bernard von den Herren der Welt im Laufe seiner Arbeit eingeführt wurde, habe er anfangs für Humbug gehalten. Er habe darüber gelacht und sich gedacht, dass all die Satanskirchen mit nackten Frauen und dem Zelebrieren des Dunklen und Bösen eben zum dekadenten Lebensstil der Elite dazugehörten.

Er schildert, wie er sich selbst an diesem dekadenten Leben amüsiert habe, bis – an dieser Stelle des Interviews beginnt Bernard zu weinen – die Herren der Welt von ihm erwarteten, dass er während einer Opferzeremonie selbst ein Kind umbringt. Als er diesen Akt vollbringen sollte, brach er schließlich zusammen. Sein „Kühlschrank bekam einen Kurzschluss“ und sein Gewissen begann wieder aufzutauen. Ab diesem Moment beschloss er, auszusteigen.

Bernard schildert, dass die dunkle Kraft, die in den Kreisen der Eliten angebetet wird, keineswegs aus Jux und Tollerei verehrt wird, sondern dass die Herren der Welt diese dunkle Kraft als etwas definitiv Reales ansehen, als eine zwar unsichtbare, aber „wirkmächtige Entität“, der sie sich verpflichtet haben und der sie sich willfährig zur Verfügung stellen. Die Stimmung, die in diesen Kreisen herrsche, schildert er als

eine vernichtende Kraft, die unsere Eingeweide, die Schöpfung und alles Leben hasst und die alles tun wird, um uns völlig zu zerstören (…) Es sind nur Wenige, die die Tragweite davon nicht unterschätzen.“

Egal ob der Leser diesen Glauben der Dunkelmänner für real oder für surreal hält, jedenfalls könnte einem mit diesen Insiderinformationen nun eventuell erklärlich werden, warum unsere globalisierte Welt entgegen aller Vernunft immer mehr aus den Fugen gerät, allerortens Eskalation und Kahlfraß herrschen, unsere Ökosysteme unbarmherzig vergiftet und zerstört, weite Landstriche durch Uranmunition unnötigerweise verseucht und auch die Menschen als bloße Marktware ausgeschlachtet werden.

Anneke Lucas bezeichnet Bernards Schilderungen über die elitären Machtkreise auf Ihrem Facebook-Konto als deckungsgleich mit ihren eigenen Erfahrungen. Erwähnenswert ist auch, dass die Erfahrungen Bernards sich mit Erzählungen von Pascal Roussel, einem anderen Banker und Finanzinsider decken. In seinem Buch ‘The Divine Trap’ versucht er seine Erfahrungen in Romanform darzulegen. In einem begleitenden Interview meinte er, dass er heute aufgrund historischer Studien, der Auswertung umfangreicher Quellen, Begegnungen und Gesprächen mit Superreichen sagen könne, dass okkulte Praktiken in den Reihen der Superreichen Standard sei (wobei man lt. Aussage von Bernard „das Fußvolk auf Abstand halten“ und „nicht wolle, dass da oben zu viel los sei“). Vielleicht ist es dazu gar kein Widerspruch, sondern passt perfekt dazu, dass man heute bemüht ist, in der Bevölkerung ein rein säkulares, „streng wissenschaftliches“ Weltbild zu etablieren. Wenn die Menschen gar keine Begriffe und somit keine Vorstellung von dem haben, was die Herren der Welt so hinter den Kulissen treiben, dann können diese ihre dunklen Machenschaften weiterhin ungestört fortsetzen.  Denn aus schulwissenschaftlicher Sicht machen die perversen Folterungen und Tötungen zwecks Machtakkumulation ja keinen Sinn bzw. kann es so etwas „Krudes“ (Zit. Leonie Feuerbach) gar nicht geben. – Nun, Ronald Bernards Kollegen in ihren schwarzen Roben sehen das offensichtlich ganz anders. Sie selbst frönen indessen ungestört einem Weltbild, das alles andere als „schulwissenschaftlich“ ist – und führen sukzessive eine Welt herbei, die in ihrer äußeren Ausprägung auch nach objektiven Maßstäben immer höllischer wird. Nicht umsonst bezeichnete die New York Times das Jahrzehnt um die Milleniumswende als „wahrhaft höllische Dekade“. Der ehem. UN-Kommissar Jean Ziegler spricht von einer „kannibalistischen Weltordung“, die heute das Tagesgeschehen beherrsche, sogar die Räume der eigentlich für Völkerverständigung und Frieden eingerichteten UNO nennt er „eine erbarmungslose Welt“. Muss man sich in solch erbarmungsloser Welt wirklich darüber wundern, dass man, wie Ilija Trojanow jüngst festgestellt hat, überall Politiker antrifft, die von sich geben: „Wir können nichts tun. Uns sind die Hände gebunden“?

Wie dem auch sei, am Ende seines Interviews gibt sich Ronald Bernard trotz allem zuversichtlich. Er meint, dass der globale Wahnsinn sofort aufhören würde, sobald die Bürger wieder zu ihrer Mündigkeit erwachen („Vereinigt Euch, kommt zusammen, und dieser ganze Scheiß hört auf zu existieren. Das könnte sogar sehr schnell passieren“). Es ist also bloß die Krankheit der „chronischen Ignoranz“ (siehe Wolfgang Herles), die wir überwinden müssen, damit sich die Rauchschwaden lichten und es wieder aufwärts geht. Ronald Bernard selbst macht inzwischen etwas Ähnliches wie der Economic Hitman John Perkins: Er versucht den von ihm angerichteten Schaden wieder gutzumachen, indem er sich für Fair Trade einsetzt und mithilft, ein ethisches Finanzsystem aufzubauen (siehe bofjoy.net).

Global Leaders

Ich habe im Nachgang etwas über Ronald Bernard recherchiert. In einem weiteren (nur auf holländisch verfügbaren, sein neues Bankprojekt betreffenden) Interview erfährt man, dass auch er früher in Brüssel/Belgien stationiert war. Haben sich die von ihm geschilderten Szenen also womöglich ebenfalls in der europäischen Polit-/Lobbymetropole und im Dunstkreis Dutrouxs abgespielt? Fragen über Fragen türmen sich auf.  Auf der Businessplattform Bloomberg war er, sofern das derselbe Ronald Bernard  ist, unter anderem als Managing Director von Alvarez & Marsal gelistet [Anm.: Nach derzeitigem Stand der Recherche verweigert Bernard die Bekanntgabe seines CV und scheint sein Name in offiziellen Firmenhistorien nicht auf. Es ist daher davon auszugehen, dass es sich hier um eine bloße Namensgleichheit handelt. Ich belasse den Link trotzdem im Artikel, da es laut vorgenannter Informationsquelle unter anderem solcherart transnationale Wirtschaftsberatungskonzerne sind, über welche die dunklen Herren ihre Agenda bis in die Gesundheitspolitik und Pädagogik hinein wirksam machen.] Wer auf der Website den Reiter „Industries“ anklickt, erfährt, dass sich die von den USA bis nach Indien über die ganze Welt ausgebreitete Sozietät für ein „Reshaping“ von praktisch allen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen zuständig fühlt. Neben dem Finanz-, Technologie-, Energie-, Umwelt-, Pharmazie-, Sozial- und Mediensektor zählt die Rüstungsindustrie ebenso zum Ackerfeld der Alvarez Marshals wie der „öffentliche & soziale Sektor“ sowie die Erziehung, für die man ambitionierte Ziele hat: „Reshaping K-12 educational performance“ kündet ein entsprechender Header.

Wer die als „GLOBAL LEADERS“ gelisteten (hypothetischen) Kollegen Bernards durchzuscrollen versucht, wird sich dabei nur einen wunden Zeigefinger einhandeln, denn wie hier zu bestaunen, nimmt die Reservearmee an „Managing Directors“ mit hochkarätiger akademischer Bildung schlichtweg kein Ende, sondern es werden ständig neue, smarte Gesichter nachgeladen. Dass der guten Gesellschaft ihr „Experte für alles“, Ronald Bernard, aus moralischen Gründen weggebrochen ist, wird dort also vermutlich kein allzu großes Kompetenzloch hinterlassen.

So, da Sie jetzt wissen, dass nicht nur das komplizierte Räderwerk der Ökonomie, sondern auch die Pädagogik und die Zukunft unserer Kinder bei den streng-wissenschaftlich-akkreditierten Kollegen Ronald Bernards in bester Hand sind, können Sie sich nun beruhigt Ihr gewohntes Feierabendbier aufmachen und vor dem Flachbildschirm entspannen … bevor Montag morgens wieder der Wecker läutet und das Murmeltier grüßt.

In diesem Sinne: Gute Nacht …

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Nachsatz:

Dem Leser, der es geschafft hat, diesen Artikel zu Ende zu lesen, empfehle ich, am kommenden Wochenende ein bisschen raus an die frische Luft zu gehen und sich der Sonne zu erfreuen. Ich weiß, die oben gesetzten Links sind kein leichter Tobak. Bei so einem Blick hinter die Kulissen kann einem ganz schön schummrig werden – dabei hat uns Altbundespräsident Gauck doch erst vor Kurzem Entwarnung gegeben, dass dort hinter der Bühne ohnehin alles in Ordnung sei und wir uns über die Eliten keinen Kopf machen sollten („die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem“ –Quelle: Youtube). Nun, vielleicht hat der gute Mann das gar nicht zynisch gemeint, sondern hat einfach Recht. Vielleicht wird sich das Problem der dekadenten Eliten ganz von selbst verflüchtigen, wenn wir Bürger aufhören, unseren Teletubbie-Schlummer zu schlafen und aus dem Winkepuh-Modus erwachen. Denn in Wirklichkeit verhält es sich mit dem globalen Gleichgewicht so wie mit einer Waage: In dem Moment, wo viele Menschen aufwachen und wieder mündig und aktiv gestaltend werden, müssen im Gegenzug die Machenschaften der Globalisierungseliten und Finanztechnokraten wieder absteigen. So wie es ein japanisches Sprichwort sagt: Wenn die Sonne wieder aufgeht, müssen selbst die mächtigsten Schneemänner schmelzen.

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P.P.S.: Passend zum Thema habe ich in der jüngsten Ausgabe des GEA-brennstoffs gerade ein Essay von Konstantin Wecker gefunden, in dem er unter Bezugnahme auf Erich Fromm feststellt, dass es die „Nekrophilen“ sind, die derzeit das Weltgeschehen bestimmen, stellt dem jedoch den Begriff der „Biophilie“ gegenüber:

1964 schrieb Erich Fromm: »Die Nekrophilie   (…) ist ge­nau jene Antwort auf das Leben, die im völligen Gegensatz zum Leben steht; sie ist die morbideste und gefährlichste unter allen Le­bens­orien­tie­rungen, deren der Mensch fähig ist. Sie ist eine echte Perversion: ob­wohl man lebendig ist, liebt man nicht das Lebendige, sondern das Tote. Nicht Wachs­tum sondern Destruk­tion.«

Fromm stellte der Nekrophilie, dem Angezogensein vom Leblosen und Zerstörerischen, die „Biophilie“, das An­gezogensein vom Lebendigen und die Liebe zum Lebendigen gegenüber. Er fragte generell nach der Eigendynamik alles Leben­den und erkannte, dass diesem über das bloße Streben nach Überleben hinaus eine »Ten­denz zur Integration und Vereinigung« eigentümlich ist.

Konstantin Wecker beendet sein Essay schließlich mit einer nüchternen Feststellung und einem leidenschaftlichen Appell:

„Es sind die Nekrophilen, die derzeit das Weltgeschehen bestimmen. Kriege und Zerstörung der Erde, der Tiere und Pflan­zen, alles Lebendigen eben, sind ihre Werk­zeuge. Lassen wir uns nicht einschüchtern. Preisen wir das Leben, das Irdische wie das Himmlische, dem wir von Urbeginn an angehören.“

In diesem Sinne sollten wir auch inmitten aller schwarzer Rauchwolken niemals unterschätzen, was jeder einzelne von uns in die Waagschale der „Biophilie“ hineinlegen und damit zur Auflösung der „Nekrophilie“ beitragen kann.

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Update v. 12.06.2017: Aufgrund des großen Interesses (das Interview mit Ronald Bernard erzielte in kürzester Zeit mehr als 20 Millionen Klicks) sind vier weitere Interviews des Ex-Bankers geplant. Teil 2 wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht: siehe YouTube 

Zur Agenda des Transhumanismus siehe auch: Auf die Knie vor Gott KI!

Pig Business Monkey Events, Global Playboys und bezaubernde Jeannies – Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake

Bild: Parkwaechter 2017

In einer Studie stellte der US-Unternehmensberater Jeremy Rifkin 150 führenden Managern der  internationalen Konzerne die Frage, ob die Welt, die sie gerade selbst durch ihre Arbeit mitgestalten, für ihre Enkel lebenswert sein werde. Die Frage wurde 150 mal  – also ausnahmslos – schlichtweg verneint.

Gleichwohl hüten sich die Leistungsträger, dieses Bekenntnis in der Öffentlichkeit abzugeben – wäre ja auch schlecht fürs Geschäft und hätte wohl das umgehende Abserviertwerden der eigenen Person von der Showbühne zur Folge. Dabei ist das Glänzen im Scheinwerferlicht der Science-Avantgarde ja etwas ungemein Ekstatisches – dazu unten aber gleich mehr.

Wenn jedenfalls sogar die Vertreter des führenden Establishments innerlich nicht mehr an die Sinnhaftigkeit ihres eigenen Tuns glauben, dann darf sich auch der gemeine Bürger fragen: wohin führt dann eigentlich unsere Reise? Der Astrophysiker Prof. Harald Lesch macht uns darüber keine Illusionen: „Wir sind alle Astronauten auf dem Raumschiff Erde. Wenn wir weiter so Gas geben, dann fahren wir das Ding vor die Wand“ und fügt hinzu, dass wir mit dem naiven Glauben an neue Technologien gerade dabei sind, den letzten Rest dieses Planeten „zu verfahren, zu verbrennen, zu verleben …“ (siehe YouTube).

Man mag Analysen wie die von Lesch und anderen schon kaum noch lesen, die Zeugnis abgeben über ein nie dagewesenes Artensterben, Vergiftung unserer Ökosysteme, unglaubliche Verelendung von Menschen, eine weitgehend sinnentleerte und erschöpfte Gesellschaft … Hingegen auf den Leinwänden der Konzerne … – läuft ein ganz anderer Film. Denn ungeachtet aller Realität haben die von Lesch als „Mammonesen“ bezeichneten Ökonomen aktuell eine neue Schallplatte aufgelegt. Mit den Schlagwörtern „Industrie 4.0“ und „digitale Transformation der Gesellschaft“ wittern sie in ihren bluetoothverzahnten Mausoleen wieder Frischluft und sehen ein neues Ziel am Horizont, für das es sich zu kämpfen lohnt: Die totale Durchtechnisierung von Mensch und Lebensumwelt, deren Umwandlung zu einer hocheffizienten  Technikmaschinerie, mit der der Mensch verschmelzen soll, um schon zu irdischen Lebzeiten in jenem Paradies anzukommen, das uns die Religionen der Menschheit erst im Jenseits anbieten können.

Mit ganzem Herz und bedingungsloser Hingabe sprechen perfekt manierliche Damen, die  noch vor wenigen Jahren  in einer (inzwischen digital gewordenen) Barbiepuppen-Kinderstube den Wert des Glanzes der Oberfläche internalisieren durften und nun mit großen Spielzeugen und gewaltigen Technologien hantieren dürfen, ihr Credo:  „I’m so exited to bring digital transformation to life here…“ (siehe z.B. eine jüngste Microsoft-Technologiekonferenz im u.a. Video).

Über ihren Chef Ken schwärmt sie: „There ist so much energy around him…” und setzt hinzu: “It is so contagious!“ (“Das ist so ansteckend!“) – Der männliche Part der frisch gebackenen Head-of-Marketing-Lady, er heißt eigentlich nicht Ken, sondern Neil, ergänzt nonchalant und breit grinsend auf die Frage, wie es ihm inmitten des futuristischen Gewimmels als General Manager für Microsoft Health Worldwide so gehe:

„I’m havin fun – I’m busyiiii !

Im Video bekennt ein Fachwissenschaftler mit würdevollem Ernst und ganz ohne Scham, worum es sich für ihn dreht: „To get recognition by Microsoft is very, very exiting.“ Auch alle anderen Akteure drücken ihr bedingungsloses Bekenntnis zu Technik und zur digitalen Transformation unserer 4.0 Gesellschaft aus, gegen welche die „Stahler 80“-Zahnpastawerbung ziemlich blass aussieht (Erklärung für Post-Millenials: Strahler 80 war eine bekannte Zahnpasta der 80erJahre. Den mit dieser Pasta geputzen, gebleckten weißen Zähnen ist man in den Jahren vor der Milleniumswende in fast keinem Fernseh-Werbeblock entkommen).

Am Ende des Meetings gibt Microsoft-Abteilungsleiter Ken seinen Appell aus: „Just keep doing it: creating more and more benefit for our customers!“ – woraufhin sein Expertenheer frenetisch ausflippt. Ken hat also die Losung des alten Microsoft CEOs Steve Ballmer geflissentlich internalisiert, wo letzterer mit seinem Monkey Rap schon seinerzeit die Microsoft-Belegschaft in Redmont mantrenartig eingeschworen und zum monotonen Mitklatschen gebracht hat: „Developers, developers, developers … -Developpp !!!“

Dass damals noch gewisse Fragmente des Faktors Mensch mit im Spiel waren, sieht man an dem vielfach kritisierten Achselschweiß, den der Microsoft-Guru während seines fulminanten Auftritts in Massen absondert. So ein unappetitliches Transpirieren wird heute durch porenverschließende Hitech-Sprays mit Aluminiums-Nanopartikeln sicher verhindert und ein CEO kann sogar in Ausnahmezuständen bis kurz vorm Umfallen (so wie der kollabierende BMW-CEO auf der IAA-Messe) vollkommen souverän wirken.

Während globalisierungskritische Menschen mit philosophischer Ader angesichts des umwälzenden derzeitigen Weltgeschehens eher verstört bis hin zu schockiert sind, nach Atem ringen und kaum Worte finden, um das zu formulieren, was gerade wie ein großer Tsunami auf uns zukommt, so haben die wissenschaftlichen Experten, die im Epizentrum des kommenden Tsunamis stehen, nicht das geringste Problem mit dem astreinen Wahn-Sinn, sondern demonstrieren mit all ihrer zu Gebote stehenden Emotion und Überzeugungskraft, wie großartig und paradiesisch die von ihnen vorangetriebene neue Welt sein wird. Mit Wucht, bullig, humorvoll und ohne den geringsten Zweifel an ihrem Tun bringen die Silicon Valley CEOs  ihre Mission und ihr Commitment stringent auf den Punkt. In einem der Microsoft-Vorträge erklärt etwa ein junger Gentechnik- Wissenschaftler dem anwesenden Publikum auf charmante Weise die Kunst der Genmanipulation im menschlichen und tierischen Körpern: Eingängig dargestellt mit lustigen Powerpoint-Cartoons, auf denen man sieht, wie eine Schere einfach mal ein bisschen Schnipp in den von der Naturweisheit über Jahrmillionen der Evolution angelegten Gensequenzketten des Menschen macht … höchste Zeit, dass führende Wissenschaftler eines  globalen Technologieführer-Konzerns der Natur endlich mal auf die Sprünge helfen und ein paar Dinge zurechtrücken … das Paradies naht also… – so wie uns das auch der GWUP-Nerd und „Science Slam Champion“ Martin Moder auf seinem ProGentechnik-Blog GENau unermüdlich klarmachen möchte, sofern er nicht gerade damit beschäftigt ist, rückständigen Menschen den GWUP-Schmähpreis „Das Goldene Brett vorm Kopf“ zu verleihen oder alternative Denker zu diffamieren.

Aber wer immer noch Zweifel daran hat, dass man es in der Welt der Konzerne in himmlische Sphären bis oberhalb der Seraphim und Cherubim schaffen kann, der möge sich kurz nur einen der Höhepunkte der vorgenannten Technologiekonferenz angucken: eine Rede der IBM Chefin Ginni Rometty:

Beim diesem Videolink wollte ich nur auf die perfekte farbliche Komposition zwischen dem Galakleid der IBM-Grandin und dem Bühnenhintergrund hinweisen. Direkt hinter ihr ein Sonnensymbol, wie man es sonst nur von Gravuren in den Säulenhallen und Altaren der alten Pharaonen kannte. Niemand braucht sich die – im Grunde tödlich langweilige – einstündige Rede der bezaubernden Ginni anhören, deren Inhalt im Grunde auf nur drei Buchstaben beruht: I, B und M, genauer gesagt „I and IBM“ bzw. wie die beiden Einrichtungen wechselweise ihre Großartigkeit steigern. Sie sagt damit im Grunde nur auf eine etwas manierlichere Art genau das Gleiche, was Microsoft-Chef Steve Ballmer schon seinerzeit vor versammelter Arbeitsbienen-Mannschaft in seinem legendären Pig Rider-Ausraster bis zum Jupiter hinaufgebrüllt und damit die gesamte Götterwelt erschüttert hat: „I – LOVE – THIS – COMPANY – YEEEEAH …!“

Der Auftritt Ballmers in Strahler 80-Manier, untermalt mit plattem Happysound der 80er Jahre, erscheint heute vergleichsweise dilettantisch.  Obwohl im Kern immer noch dasselbe, legen auf Industrie 4.0 gebürstete CEOs heutigen Zuschnitts eine ganz andere Performance hin. Während man bei Steve Ballmer im obigen Video die brachial nach oben sprudelnden mammonitischen Urgewalten noch relativ unverblümt zu Gesicht bekommt, so haben die smarten Konzernlenker von heute die alte menschliche Eigenheit, dass „der Mund übersprudelt, wovon das Herz voll ist“, längst abtrainiert und sich stattdessen ein bis in die letzte Mundwinkelfalte in perfektem Understatement geschultes Mimikspiel zugelegt, bei dem George Clooney in die Schule gehen könnte.

Wer sich von diesem Mimikspiel bzw. vom Glanz der Oberfläche täuschen lässt, der übersieht, dass selbige Urgewalten, wie sie bei Steve Ballmer kurzfristig einmal zum Vulkanausbruch bzw. ans Tageslicht gekommen sind, immer noch exakt die gleichen sind, wie sie heute die Konzernrealität beseelen bzw. entseelen. Besagte Urgewalten befinden sich heute eben in einem Kernreaktor im Keller bzw. im Bauch des Menschen, wo die radioaktive Strahlung der Kernbrennstäbe das im menschlichen Organismus zirkulierende Wasser bzw. Blut bis zur Weißglut erhitzt und damit die mächtigen Turbinenräder des Kommerzgenerators antreibt. Solcherart als „Schnelle Brüter“ auf zwei Beinen durch die Gegend stolzierenden Kraftwerken sieht man es äußerlich nicht an, welche Urgewalten sie innerlich antreiben. Bluetoothbestöpselt und in feinen grauen Zwirn von Hugo Boss gehüllt, die Visage glatt rasiert und mit Versace-Lotion geölt, fädeln die Global Playboys bei Tag und bei Nacht unermüdlich Deals und Golden Handshakes ein, vernetzen Länder oder melken Cash Cows. Normalsterblichen ist es da ebenso wie jungen Damen aus der Provinz schier unbeschreiblich, dass es Global Playboys, – pardon, Global Players natürlich – gibt, die in unserer Zeit der allgemeinen Erschöpfung und des Burnouts entgegen allem Mainstream „so much energy around them“ haben, dass es einen direkt elektrisiert und man fast andächtig in die Knie gehen muss.

Wer bremst, verliert, ist jedenfalls das fraglose Motto der auf Digitalisierung und „Industrie 4.0“ getrimmten Schnellen Brüter bzw. Global Players. Wer im Rennen auf dem Highway Richtung Grand Canyon gewinnt, darf schließlich zu den ersten gehören, die am Grunde des Grand Canyon ihr zerbröseltes Smartphone wieder aufsammeln und die Champagnerkorken knallen lassen werden (siehe Illustration von Steve Cutts: The Final Handshake).

Zurück aber zu IBMs Ginni. Im Konzern aufstrebende Nachwuchskräfte werden angesichts eines solch strahlenden Auftritts  der bezaubernden Ginni wohl zweifellos attestieren, dass ihre CEO-Frontfrau „eine Wucht ist“  oder darüber schwärmen, dass „so much energy around her“ ist. Laut Forbes Magazine rangiert Ginni auf Rang 15 der Liste der mächtigsten Frauen der Welt. Wie man sieht, gibt es also in der über 7 Milliarden Seelen zählenden Menschheit scheinbar auch noch ein paar andere Bienenköniginnen – was der Beweis ist, dass an der sonnenbeschienenen Spitze der Pyramide nicht nur ein(e), sondern durchaus mehrere Leistungsträger(innen) Platz haben.  In ihrer o.a. Rede drückt Ginni in nähmaschinenartig wiederholenden Rückstichschleifen aus, wie großartig sie es eben findet, es bei IBM bis ganz nach oben geschafft zu haben, sodass am Ende der Rede hoffentlich auch diejenigen, die es nicht bis dorthin nach oben schaffen, sondern IBMs massivem Abbau der immer überflüssiger werdenden Humanressourcen zum Opfer fallen (was im vorigen Jahr ca. 26 Prozent der Belegschaft und damit mehr als 100.000 Mitarbeiter betraf), verstehen, dass ihr Versagen nur daher rührt, dass sie eben nicht ganz so großartige Strahlefrauen, sondern im Hamsterrad nur Minderleister sind – so wie jene heimgekehrte Wiener Betriebswirtin, die ihren vermeintlichen Traumjob in der Apple-Konzernzentrale in Irland mit dem Leben in einer Hühnerbatterie vergleicht und das hochglanzpolierte Arbeitsumfeld  als „furchtbar beklemmend und trostlos“ und sich dort „hilflos und entmenschlicht“ erlebt hat (Quelle: Interview in ZIB24 vom 20.03.2017, siehe auch welt.de).

Die implizite Botschaft der Business-Shows an die nachwachsende Generation der Human Resources lautet also: Legt euch mehr ins Zeug, trainiert euch mehr Barbie-Faktor an, übt vorm Badezimmerspiegel bessere emotionale Business-Statements, sammelt mehr Praktika-Erfahrung in den Kaderschmieden der Konzerne, macht Nachtschichten vor den Flachbildschirmen, lasst euch notfalls einen Chip ins Hirn einbauen, der euch mit ein paar Quadcore-Prozessoren und smarten Algorithmen auf die Sprünge hilft, gebt Einfach Alles für das Große Ziel, … dann dürft auch ihr zumindest ein paar Lenze lang bei der CyberNerd-Party zur digitalen Transformation unserer Gesellschaft mit dabei sein. Und wer besonders emsig in der Tretmühle des Kommerz läuft, der bekommt vielleicht sogar ein Ticket ins Elysium.

Durch GWUP-Edutainment restlos in die Zweidimensionalität des nihilistischen Szientismus plattgehämmert  und zu fortschritts- und frackinggläubigen Teletubbie-Nerds erzogen, dürfen junge fleißige Arbeitsdrohnen auch heute wieder die Blütejahre ihres Lebens dafür opfern, um einer Pharaonin zu dienen, die gewaltige Pyramiden und Obelisken mit vergoldeter Spitze errichten ließ. Wobei die 30 Meter hohen und ca. 300 Tonnen schweren Obelisken, welche die Pharaonin Hatschepsut um ca. 1400 v. Chr. von einem Heer an tausenden fleißigen Ameisen aus den Granitsteinbrüchen von Assuan meißeln ließ, gegen die heute in Arbeit befindlichen 4.0-Obelisken vergleichsweise blass aussehen. Denn die 4.0-Obelisken werden über die gesamte Erdatmosphäre bis durchs Ozonloch hinaufragen und drahtlos mit allen Dingen vernetzt sein („Internet of things“). Und während die goldenen Spitzen der Hatschepsut-Obelisken nur tagsüber im Sonnenlicht weit ins Land strahlten, um die Arbeiter zu ihrer großen gemeinsamen Aufgabe zu motivieren, so werden die digitalen 4.0-Obelisken sogar in der Nacht auf unsere Köpfe einstrahlen.

Ach ja, ich vergaß Ginnis Gehalt zu erwähnen: im letzten Jahr waren das samt Boni 5,2 Millionen Dollar (Quelle: silicon.de), dh. die Dame bekommt pro Tag ein Salär von über fünfzehntausend Dollar. – Nur ein Klacks im Vergleich zu einer ganzen Milliarde, wie sie z.B. der Blackstone-CEO Stephen Schwarzman für ein Jahr Arbeit einstreift (Quelle: welt.de), ich weiß. Aber bei einer solchen Tagesgage würde, glaube ich, sogar manche graue Hartz 4-Maus augenblicklich zur hochglanzpolierten Strahlefrau mutieren, um vor versammeltem Publikum glückshormonüberschwappend einen auf „Strahler 80“ zu machen. Pardon, wir haben ja upgedatet – „Strahler 4.0“ natürlich. Ich bin einfach noch von gestern.

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Nachsatz:
In Assuan/Ägypten kann man heute noch den größten Obelisken besichtigen, an dem Menschen jemals gearbeitet haben – er wiegt über tausend Tonnen und ist 42 m lang (siehe Foto). Der gigantomanische Hinkelstein hat es allerdings nie aus der Horizontalen in die Vertikale geschafft. Nachdem er schon von allen Seiten frei gehauen war, bekam er plötzlich einen Riss und war somit unbrauchbar. Aller Schweiß, Blut und Tränen, die für das Opus Magnum aufgewendet wurden, waren auf einmal für die Katz‘.

 

 

 

 

Video des Monats – Steve Cutts uncut: „Are You Lost In The World Like Me?“

Unter Tauchern ist es bekannt, wie leicht einen in lichtlosen Untiefen der Tiefenrausch packen kann. Das Phänomen des Tiefenrausches ist bis heute nicht abschließend geklärt. Es bleibt ein Rätsel, wie an sich hochintelligente Menschen in einen vollkommen entfremdeten, selbstmörderischen Zustand geraten können, in dem sie wie in Trance von illusorischen  Emotionen ergriffen werden und  darauf vergessen, dass sie eigentlich wieder auftauchen sollten. Viele Taucher, denen in solchem Zustand schleichend der Sauerstoff ausgegangen ist, wurden vom Meeresgrund für immer verschluckt.

Der Tauch-Pionier Hans Hass hat daher bei seinen Tiefsee-Expeditionen stets eine Liste mit dabei gehabt. Darin waren alle Arbeiten notiert, die er sich für den jeweiligen Tauchgang vorgenommen hatte: 1.) Korallenproben nehmen, 2.) Fische fotografieren, 3.) Muscheln sammeln etc. – aber als letzten Punkt hatte er sich stets dazunotiert: AUFTAUCHEN!

Hans Hass hat seine Memo seinerzeit mit wasserfester Kreide auf eine Handtafel gekritzelt, heute würde er vermutlich eine Auftauch-App programmieren. Eine solche App würden wir heute dringend brauchen, denn nicht nur der Zeiger unserer Sauerstoffuhr hat sich bereits bedrohlich weit in die anaerobe Zone gedreht, auch die Doomsday Clock (siehe „Bulletin of the Atomic Scientists„) wurde Anfang dieses Jahres um weitere 30 Sekunden vorgestellt und steht nun auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht – der symbolischen Apokalypse.

Aber vielleicht ist es auch notwendig, dass sich die Dinge bis ins Absurde zuspitzen, bevor wir aufwachen und im Sinne der griechischen Stoiker endlich „Das Notwendige“ (das Not-Wendende) tun. Dazu muss man wissen, dass die Zeiten, in denen „Das Notwendige“ von Außen/der Politik/der Religion etc. verkündet wurde, längst vorbei sind. Heute muss jeder selbst herausfinden, was er auf seine individuelle Weise zum „Notwendigen“ beitragen kann. Nicht jeder braucht dabei ein Held wie Edward Snowden oder Nelson Mandela werden. Oft ist es nichts äußerlich Spektakuläres, was die Not wendet. Bereits ein aufmerksamer Blick, ein verständnisvolles Wort, ein humorvolles Lächeln inmitten einer nervösen Kassenschlange im Supermarkt – kann menschliche Not wenden.

Wir brauchen nur den Blick zu heben, dann wird jeder von uns Gelegenheiten zuhauf finden, um Not zu wenden.

Den Blick zu heben erfordert angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und Unter-Haltung natürlich einen herkulischen Kraftakt – denn wie löst man Augäpfel von einem Matschphone, wenn diese mit Industrie 4.0-Loctite an das LED-Display angeklebt wurden?

Das ist die brennende Frage, die auch den Cartoonisten Steve Cutts in seinem neuesten Video bewegt. Aber sehen Sie selbst – und sehen Sie das Ende des Videos nicht als unausweichliches Fatum, sondern als bloßen Weckruf zum Auftauchen.

Video by Steve Cutts (siehe Galerie)

in memoriam Steve Geshwister

  • aus den Kommentaren zum Video auf Youtube: „Is this a little creepy or is it just me?“

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