Individuum

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Endzeit-Poesie 4.0: Juri Galanskows Hölle 4.0  

175 Juri Galanskow


Juri Galanskow (pw/nachrichtenspiegel.de)

„In eurer Hölle kann ich nicht atmen“

Heute jährt sich der Todestag von Juri Galanskow. Nicht länger als 33 Jahre durfte er sich seines Lebens erfreuen, bevor er in einem Umerziehungslager starb. „Phönix“ hieß die Zeitschrift, in der er seine Gedichte veröffentlichte, die ihm schließlich Haft und Tod einbrachten. Phönix, so wie der gleichnamige  Vogel, der sich aus der Asche erhebt. Juri Galanskows Poesie ist heute so aktuell wie noch nie. In ihr zeigt sich in prototypischer Weise der individuelle Mensch, der sich einem zunehmend zerstörerischen, nicht nur menschenunwürdigen, sondern regelrecht menschenvernichtenden System gegenüber sieht – der aber nicht dem Instinkt der Masse folgt und billigerweise mitmacht, sondern der ein Ideal hat und lieber den physischen Tod wählt als sich mit dem geistigen Tod und der Erstickung des Individuums abzufinden.

Ich habe sein „Manifest des Menschen“ bereits einmal gepostet, doch in den Sanddünen des weltweiten Netzes gerät eben vieles schnell wieder in Vergessenheit. Obwohl dieses Gedicht alle heranwehenden Sandmassen nicht fürchten muss. Denn der individuelle Geist, der in diesem Gedicht lebt, besitzt eine derartige Vertikalität, dass er inmitten aller Sandmassen gleich einem Obelisken immer nach oben ragen und die Sonne reflektieren wird (was wir an den ägyptischen Obelisken heute nicht sehen: Ihre Spitzen waren früher vergoldet und haben unter Sonnenlicht weithin ins Land gestraht).

(Foto: pw/nachrichtenspiegel.de)

Juri Galanskow hat das erlebt, was sich heute unter anderen Vorzeichen wiederholt, sogar mit weitaus zerstörerischer Potenz. Eine mittlerweile perfektionierte PR- und Entertainment-Maschinerie arbeitet zwar mit voller Kraft daran, um uns über diese Zerstörung hinwegzutäuschen und uns das schmackhaft zu machen, was Vaclav Havel als „Lebenslüge“ bezeichnet hat und was in marktkonformen Landstrichen gemeinhin als „Gutes und Gernes Leben“ figuriert. Doch würde man das Ausmaß der täglich stattfindenden Zerstörung menschlicher und zivilisatorischer Substanz prozentuell beziffern – uns packte umgehend der Schwindel. Wer sich vom bunten und glitzernden smart dust-Anstrich nicht täuschen lässt, der sieht heute auch auf allen anderen Ebenen frappante Ähnlichkeiten zu den dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte, die schließlich in einer großskaligen Verelendung und Vernichtung geendet haben. Wieder soll es also eine Masse an Human- und Umweltressourcen geben, die von einem obersten Sowjet, einem zentralistischen Organ, das alles überwacht, „zum Wohle aller“ orchestriert, umerzogen und ausgeschlachtet werden soll. Den obersten Sowjet, der wieder einmal die grandiose Kulturrevolution und den streng wissenschaftlichen Fortschritt bringen soll, nennt man diesmal „Global Governance“, sie soll sitzen auf dem 5G-gestützten Thron der „Künstlichen Intelligenz“ (siehe „Auf die Knie vor Gott KI“). Dass wir mit dieser Art von Intelligenz „gerade schlüsselfertige Tyranneien errichten“, so wie führende Konstrukteure des CIA/NSA-Überwachungssystems in einem offenen Brief warnen, realisieren immer noch die wenigsten – obwohl die große Faschiermaschine inmitten allen schrillfeuchten Oktoberfestgetümmels schon angelaufen ist und man bereits seine eigenen Nachbarn beim Verschlungenwerden beobachten kann. Dass die Doomsday Clock der Atomic Scientists auf zwei Minuten vor Mitternacht steht und Noam Chomsky in einem jüngsten Interview erwartet, dass die Apokalypse-Uhr angesichts der geopolitischen Lage Anfang nächsten Jahres noch weiter vorgestellt wird, quittiert der tagessschauguckende Spiegelbildbürger mit einem Schulterzucken und macht einen auf Farin Urlaub.

Wenn Juri Galanskow diese gespenstische Szenerie heute aus dem Jenseits beobachtet, dann packt ihn womöglich noch viel mehr das Grauen als zu seiner Zeit, die zwar ebenfalls grausam, aber noch vergleichsweise sozialromantisch war. Verzweifelt schreit er uns die Worte aus seinem Phönix wiederum entgegen: „Glaubt nicht den Zeitungen … Sieh nur, wie man die schwarze Lüge auf das weiße Linnen speit … Steht auf! Seht ihr nicht die große Bombe und den Blick des Todes aus den offenen Gräbern … ?“

Er, der sein Leben gegeben hat, um eine Lanze für das Menschsein zu brechen und uns den Weg in eine menschenwürdige Zukunft zu bahnen, muss nun den Kopf schütteln, wenn er sich als Geist über die öffentlichen Plätze bewegt, die erneut zur „marktkonformen“ Zone erklärt wurden und von denen sich neoliberaler Verwesungsgeruch erhebt. Plätze, auf denen unter „Mentalvergiftung“ (Mausfeld) leidende Menschen vor sich hintaumeln, die ihm bei lebendigem Leib wesentlich toter erscheinen als er selbst als Verstorbener es ist. Die Menschen können seine verzweifelten Worte nicht vernehmen, denn ihre Ohren sind mit Apples AirPods bestöpselt. Würden wir abends in einer ruhigen Minute innehalten und lauschen, dann könnten wir seine Worte hören:

„Ich gehe hinaus auf den Platz – und presse ins Ohr der Stadt – den Schrei der Verzweiflung. – Menschen! Tröstet mich nicht! – In eurer Hölle kann ich nicht atmen!“

Gleichzeitig appelliert Galanskow mit seinem Gedicht an die grandiose Fähigkeit des menschlichen Geistes, sich auch inmitten abgründiger gesellschaftlicher Umstände seine Würde zu bewahren, einem individuell gewählten Ideal treu zu bleiben und zu seiner Menschlichkeit zu finden – nicht auch, sondern GERADE im Angesichts des Destruktiven. Insofern wäre es ein kapitaler Fehler, vor dem Negativen lieber die Augen zu verschließen, so wie das von Wellness-Coaches heute vielfach empfohlen wird. Man braucht sogar das Negativbild, das heute ja in jeder Weise kulminiert und anschaulich wird. Denn gerade am Negativen kann man ein Ideal entzünden für ein regelrechtes Gegenbild. Und der Sinn des heutigen Wahnsinns ist nicht, dass wir daran verzweifeln, sondern dass wir gerade daran das wirklich Menschliche entwickeln. Man kann den zur Vermassung tendierenden Wahnsinn also geradewegs als Schwungrad nützen, um uns entgegen allen Erscheinungen von Dekadenz, Ausbeutung, Verrohung, Opportunismus, Unverantwortlichkeit und Nihilismus zum Ideal des individuell gegründeten, selbständig denkenden, empathisch fühlenden und verantwortlich handelnden Menschen zu entwickeln.

In Wirklichkeit braucht es sogar die Konfrontation mit Pogo dem Clown bzw. dem nackten Wahnsinn, der einen mit blutverschmiertem Mund hämisch angrinst, um zu diesem entscheidenden Momentum des Menschseins aufzuwachen. Denn nur wenn wir den drohenden Abgrund in seinem ganzen Schrecken vor uns sehen, sind wir genötigt, dem, was Vaclav Havel das „Leben in der Lebenslüge“ genannt hat bzw. was Angela Merkel das „Gute und Gerne Leben“ nennt, eine Absage zu erteilen und aus dem Marsch der Lemminge in den Grand Canyon eine Kehrtwende zu vollziehen. Man darf sich nichts vormachen, die Bergtour, die wir vor uns haben, wird kein Zuckerschlecken sein. Doch diejenigen, die sich die Mühe machen, den Berg zu erklimmen, haben die Aussicht, wieder klare und sonnendurchflutete Luft zu atmen und kristallklares Gebirgswasser zu trinken … während sich die Zuckerwatte, die in der marktkonformen Schaumparty der Niederungen gesponnen und an die Massen verfüttert wird, als Rattenfutter herausstellen wird, das selbst den robustesten und derzeit noch bestgelaunten Naturen zum Verhängnis werden wird.

Welchen Weg der Einzelne wählt – den mühsamen Weg aufwärts oder den zweifellos bequemeren und anfangs auch durchaus unterhaltsamen Weg der Rutsche ins Bento-Planschbecken, ist natürlich jedem freigestellt. Wieder einmal gilt: In der Wahl ist der Mensch vollkommen frei. Im Tragen der Konsequenzen dieser Wahl dann aber ganz und gar nicht mehr.

Juri Galanskow hat seine Entscheidung getroffen. Er hat dabei sein Leben eingebüßt. Aber das Wertvollste bewahrt, was ein Mensch besitzt: Seine Würde.

 

MANIFEST DES MENSCHEN

(von J. Galanskow)

1
Wieder und wieder
packt mich in nächtlicher Stille ein Weinen.
Denn nicht einmal den Saum der Seele
kann man verschenken.
Niemand braucht
einen Tag lang
nach einem Irren zu suchen.
Aber die Leute gehn nach der Arbeit
dorthin, wo Geld rollt und Huren sind.
Sollen sie´s tun.
Ich aber werde durch die Lawine der Leute
hindurchgehn,
anders als sie, und allein –
wie der Splitter eines Rubins,
der im Eise glüht.
Himmel!
Lasse mich leuchten.
Lasse mich nachts
auf das schwarze Samtkleid
ausschütten die Diamanten der Seele.

2
Glaubt nicht den Führern und Ministern,
Glaubt nicht den Zeitungen!
Erhebt euch, die ihr mit eurem Antlitz die Erde deckt!
Seht ihr die große Bombe
und den Blick des Todes aus den offenen Gräbern?
Steht auf!
Steht auf!
Steht auf!
O Purpurblut des Aufstands!
Steht auf und reißt die morschen Zuchthausmauern
dieses Staates ein!

3
Wo sind sie –
die den Kanonen an die Gurgel fahren,
die mit dem heiligen Messer der Rebellion
die Geschwüre des Krieges herausreißen ?
Wo sind sie?
Wo sind sie?
Wo sind sie?
Oder gibt es sie nicht mehr? –
Dort an den Werkbänken stehen ihre Schatten
angekettet mit einer Handvoll klingender Münzen.

4
Der Mensch ist verlorengegangen.
Unwichtig wie eine Fliege
rührt er sich kaum in den Zeilen der Bücher.
Ich gehe hinaus auf den Platz
und presse ins Ohr der Stadt
den Schrei der Verzweiflung.
Menschen! Tröstet mich nicht!
In eurer Hölle kann ich nicht atmen!

5
O Himmel!
Ein strafendes Messer will ich besitzen!
Sieh nur, wie man die schwarze Lüge
auf das weiße Linnen speit.
Sieh nur,
wie abends die Dunkelheit
am blutbesprengten Banner nagt …
Furchtbares Leben –
wie ein Gefängnis, auf Knochen getürmt.
Ich falle!
Ich falle! …
und fühle wie in meinem Innern tief
der Mensch erblüht.

6
Wir haben uns daran gewöhnt,
in freien Stunden
auf den Straßen Gesichter zu sehen,
die vom Leben besudelt sind –
Gesichter wie eure.
Aber plötzlich –
wie das Grollen eines Gewitters
und wie das Antlitz Christi am Tag der Wiederkunft
aufersteht
die getretene und gekreuzigte
Schönheit des Menschen.
Ich bin es – ich,
der zur Wahrheit ruft und zum Aufstand,
der nicht mehr Diener sein will,
und eure schwarzen
aus Lügen geflochtenen Fesseln zerbricht.
Ich bin es – ich,
der vom Gesetz in Fesseln Geschlagene,
der das Manifest des Menschen verkündet!
Mag mir der Rabe
in den Marmor des Leibes eingraben
das Kreuz.


 

Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Das Endspiel zwischen der menschlichen Individualität und dem Krokodil hat begonnen: Halbzeitstand 0:4 – das Sportwettcafè nimmt trotzdem noch Live-Wetten an!

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Foto: cc by Parkwaechter / nachrichtenspiegel.de

Der Ball rollt – Ein Plädoyer für das Individuum und wider die Vermassung

An sich habe ich mir ja für dieses Jahr vorgenommen, den Schwerpunkt auf aufbauende Gedanken zu richten und die belastenden Aspekte des Gegenwartsgeschehens nicht noch mehr breitzutreten. Nur habe ich eben nicht damit gerechnet, dass „diese verfluchte Merkel-Regierung“ (Florian Kirner), kaum dass sie wieder im Amt ist, sich sofort daranmacht, unser Land mit Benzinkanistern zu übergießen und darüber dann mit einem Feuerzeug herumzufuchteln (siehe „Zwei Minuten vor Mitternacht … Men in Black, eine durchgeknallte Bundeswehr-Chefin und die Friedenstauben-Verschwörung“).

Als „politischen Durchknall“ und als pathologisches Denken bezeichnet auch der Jurist Alexander Unzicker auf heise.de die vom Auswärtigen Amt verlautete Formulierung, es gebe im Fall Skripal “keine andere plausible Erklärung” als die russische Täterschaft. Angesichts der halsbrecherischen Politik der Merkel-Regierung tut sich nicht nur Florian Kirner mittlerweile schwer, ausfälliges Vokabular hintanzuhalten, auf einer jüngsten Osterfriedensdemo in Berlin bezeichnete der Linken-Abgeordnete Diether Dehm Außenminister Heiko Maas in Hinblick auf seine Anti-Russland-Agitation ganz unverblümt als „NATO-Strichjungen, der meint, jede Rechtmäßigkeit und das Grundgesetz mit Füßen treten zu müssen“ (siehe Stern).

Klage des Monats

Ob uns derartige verbale Kragenplatzer in der aktuellen Situation weiterhelfen, sei dahingestellt (womöglich gibt es ihrer auch viel zu wenige). Jedenfalls gibt es auch Stimmen, welche diese nicht mehr zur Unterscheidung zwischen Videospielrealität und echtem Leben und daher offensichtlich nicht mehr ganz zurechnungsfähige  Merkel-Regierung durch nüchterne juristische Handlungen in die Schranken weisen. Rechtsanwalt Schmitz, über den wir schon wegen seiner Syrien-Klage berichtet haben, hat mit gestrigem Datum vom 02.04.2018 beim Generalbundesanwalt Strafanzeige wegen der gleichermaßen haltlosen wie gemeingefährlichen Beschuldigung Russlands für den Giftgasanschlag von Salisbury erstattet (der Schriftsatz liegt dem Nachrichtenspiegel bereits vor, wir werden das Dokument sowie den Link zu einer entsprechenden Bürgerpetition veröffentlichen, sobald diese am Server von RA Schmitz bereit stehen). Darin wird gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Heiko Maas wegen Tatverdachts der Volksverhetzung gem. § 130 StGB, der Aufstachelung zum Verbrechen der Aggression gem. § 13 VStGB, übler Nachrede gem. § 186 StGB, Verleumdung gem. § 187, der Vortäuschung einer Straftat gem. § 145 StGB sowie aller anderen in Betracht kommenden Straftatbestände Anzeige erstattet.

Video des Monats

Manchmal muss man zu einem Kübel kaltem Wasser greifen. Z.B. um jemanden aufzuwecken, der tief schläft und nicht bemerkt, dass sein Haus brennt. Der am Ende dieses Artikels verlinkte, nur 30 Sekunden dauernde Videoclip „Dress for the moment“ mag diese Aufgabe erfüllen, ist jedoch trotzdem nur für Leute mit schwarzem Humor zu empfehlen. Zu meiner Rechtfertigung: Zwar meine ich, dass man den Teufel nicht an die Wand malen sollte. Da sich Mr. Luis Cyfer jedoch ohnehin bereits demaskiert hat und uns mittlerweile von fast allen Seiten und von jedem Flatscreen angrinst, hat sich dieser gut gemeinte Vorsatz inzwischen aber relativiert. Auch der ehemalige Welt-Journalist Dirk C. Fleck würde bestimmt gerne erbaulichere Essays schreiben, sieht sich aufgrund der „Griegümpfe“, die derzeit die politische und mediale Bühne beherrschen, jedoch genötigt, einen alarmierenden Weckruf in die Welt zu senden (siehe free21: „Wenn die Fetzen fliegen“).

Angesichts der Kriegstreiberei gegen Russland hat auch das Gremium des Bulletin of the Atomic Scientists seine „Doomsday Clock“ soeben auf zwei Minuten vor Mitternacht, i.e. der symbolischen Apokalypse gestellt (Quelle: Spiegel). Die diesjährigen Osterfriedensdemonstrationen müssten also eigentlich mindestens hundertmal so viele Menschen mobilisieren wie seinerzeit die Anti-Vietnamkriegsdemonstrationen rund um Rudi Dutschke & Co. Leider haben wir es heute allerdings mit einer dermaßen perfektionierten Leitmedienmaschinerie zu tun, dass man im Gespräch mit seinen (oft auch durchaus „aufgeklärten“) Mitbürgern verblüfft feststellen kann, dass diese nicht die geringste Ahnung haben, vor welcher abgründigen Gefahr wir gerade stehen.

Foto des Monats

Während also bei jeder x-beliebigen Gangbang-Streetparade die Straßen aus allen Nähten platzen und mehr kollektive Energie als in einem Kernkraftwerk mobilisiert wird, so herrschte bei den dieswöchigen Osterfriedensmärschen Flaute – laut Berichten fanden sich zu manchen groß angekündigten Demos nicht einmal hundert Teilnehmer ein.

Da es dank einer halsbrecherisch-willfährigen Eskalationspolitik von Angela Merkels Regierungsmannschaft und ihren „verlässlichen Freunden“ nun sogar für die deutschen Wohlstandsbürger ans Eingemachte geht, hätte man meinen sollen, dass die Wohlstandsbürger dieses Mal ihren Allerwertesten erheben und gemeinsam auf die Straße gehen. Und tatsächlich: Die Bürger sind am Ostersamstag auch auf die Straße gegangen, sogar in Massen – sie haben sich leider nur in der Straße geirrt (siehe Fotos unten):


(Fotos: © mit freundlicher Genehmigung von Markus Gelau/facebook)

Kommentar des Fotografen zu seinem FB-Post:

„// oben: hauptstraße, längste fußgängerzone deutschlands. kein durchkommen dank etlicher tausend konsumfreudiger mitbürger.

// unten: uniplatz, direkt an der hauptstraße. einige verirrte bei der GROSSEN mannheimer/heidelberger osterfriedensdemo.

heute. heidelberg. 16:00: alles, was man über dieses land wissen muss.“

Ich hoffe inständig, dass das im Video „Dress for the moment“ gezeigte Szenario niemals Wirklichkeit wird. Dieses Szenario kann auch verhindert werden – wenn genügend Menschen gegen einen Krieg sind. Wobei das Wort „genügend“ uns keinesfalls demoralisieren, sondern sogar ganz im Gegenteil Anlass zur Hoffnung geben sollte. Ich habe bewusst „genügend“ Menschen gesagt und nicht „Mehrheit“ der Menschen. Denn wir dürfen diesbezüglich nicht in kommerziellen und parlamentarisch-demokratischen Kriterien denken, sonst folgten wird geradewegs den Regeln der „too big to fail“-Liga von Deutsche Bank, Black Rock, Google & Co. Fügt man sich der Logik dieser Dinosaurier, dann empfindet man als Individuum natürlich in etwa dieselben Chancen wie sie eine Ameise hat, die sich einem heranrasenden Zug entgegenstellt.

Lüge des Lebens

In Wirklichkeit ist die vermeintliche Machtlosigkeit des Einzelnen jedoch die größte Lüge, die uns suggeriert wird. Denn genauso wie warme Luft einer anderen Gesetzmäßigkeit folgt als ein Senkblei (erstere steigt auf, letzteres wird nach unten gezogen), so verhält es sich auch mit den unterschiedlichen Gesetzen, denen die Individualität und das Kollektive unterliegen. Und damit sind wir auch schon bei der guten Nachricht: Die Individualität unterliegt nicht der – auch als Alternativlosigkeit bezeichneten und gelegentlich durch Rauten besiegelten – Schwerkraft, sondern sie hat selbst unter den chaotischsten Bedingungen immer eine entscheidende Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit.

Ebenso wie die unausweichliche Gravitationskraft nur im Bereich der Atmosphäre wirkt, jedoch auf Objekte oberhalb der Exosphäre keinen Einfluss mehr hat, so kann sich die Individualität jederzeit aus dem Treibsand der Tagespolitik aufschwingen und vom Bereich der Freiheit aus mutige Entscheidungen im Sinne der Humanität treffen.

Dass wir heute noch leben, haben wir unter anderem Menschen wie dem russischen Offizier Stanislav Petrow zu verdanken, die in entscheidenden Augenblicken der Menschheitsgeschichte Gebrauch von besagter Individualität machten und mutig Befehle verweigerten. Hätte Oberst Petrow zu seiner Zeit etwa stur nach Vorschrift gehandelt und eine Fehlanalyse des nuklearen Frühwarnsystems an die Staatsführung weitergeleitet (siehe Spiegel), dann hätte dies unweigerlich die Auslösung eines nuklearen Gegenschlags und damit Game Over für uns alle bedeutet. Entgegen dem Druck der Dienstordnung hat Petrow aber die Kette der Todesmaschinerie durch eigenen individuellen Entschluss rechtzeitig unterbrochen. Man darf in kritischen Momenten auch nicht zu lange zögern. Wie Erich Kästner schon feststellte:

„Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist.
Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.“

Und diese Macht hat das scheinbar so unbedeutende Individuum: Es kann Schneebälle zertreten und damit Katastrophen verhindern. Oder im Positiven auch umgekehrt: Es kann Schneebälle der Empörung auslösen, die dann zu Lawinen werden und unerträglich gewordene politische Zustände hinwegfegen.

Da für die einzelne Individualität andere Gesetze außerhalb der gewohnten Gravitationskraft  gelten, hat man mit ihr die größten Möglichkeiten: Man kann sogar aus einem Nichts und unter den miserabelsten Bedingungen etwas – einen Gedankeninhalt, ein Gefühl, eine Handlung – erschaffen, die für andere Menschen und unter Umständen sogar für die gesamte Menschheit Übles verhindern und Dinge zum Guten wenden können.

In Wirklichkeit ist es sogar NUR die menschliche Individualität, also die innere Realität (von Viktor Frankl als „spezifisch humaner Faktor“ bezeichnet) die ausschlaggebend und für die Gesamtatmosphäre einer Gesellschaft verantwortlich ist, während die auf der äußeren Ebene scheinbar übermächtigen Institutionen in Wirklichkeit leistungs-träge, substanzlose Hüllen sind, die nur deshalb Bestand haben, da wir ihnen eine eigentlich unrechtmäßige Autorität zugestehen und da wir vielfach auf die Betätigung unserer spezifisch humanen Individualität verzichten. Diese von Jean Ziegler als „kannibalische Systeme“ bezeichneten Institutionen wachsen sich dann zu utopischen Machtapparaten aus, sind aber in Wirklichkeit nur aufgeblasene Gummikrokodile, die man mit wenigen Nadelstichen zum Platzen bringen könnte. Die Krokodile wissen natürlich sehr gut um diese Gefahr und haben auch eine Heidenangst davor, dass wir die Nadel (=unsere Individualität) zücken und bei rechter Gelegenheit zustechen. Die Grokos, – pardon: die Krokos – ziehen deshalb auch alle ihnen zur Verfügung stehenden Register und Hebel, um ihre nicht dem Wohle der Allgemeinheit dienende Macht mit allen nur erdenklichen Tricks abzusichern. Sie investieren gewaltige Ressourcen in die Zementierung machterhaltender Strukturen, mediale Meinungsmache und in ein Lügen-/Manipulations-/Repressionssystem, gegen das Orwells Phantasien mittlerweile verblassen und das die Gesellschaft zu ersticken droht.

Da die solcherart an die Wand gedrückten und um Luft ringenden Bürger bereits beginnen, panisch um sich zu schlagen, ist man auf Seite der Krokos nun sogar gewillt, die Hoheitsgewalt, die man über das Bildungssystem innehat, wider alle neurophysiologischen und pädagogischen Erkenntnisse zu missbrauchen, um an der heranwachsenden Generation dasjenige durchzuführen, was man schon mit Jack Nicholson im Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ praktiziert hat: einen kleinen Schnitt mit dem Skalpell am Zentralnervenstrang, und schon war Schluss mit der leidlichen Aufmüpfigkeit. In den Worten des Kulturpublizisten Prof. Konrad Paul Liessmann:

„… Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es manchen nicht schnell genug gehen kann, bis die jungen Menschen jede Form des Denkens, Fühlens und Handelns, die nicht von den Algorithmen der Internetkonzerne bestimmt ist, nicht nur verlernt, sondern erst gar nicht gelernt haben und dadurch in jeder Hinsicht von ihren Geräten abhängig werden: digitale Drogen, nun auch staatlich verordnet.(…) Immerhin: Für das unmündige Leben in einer postdemokratischen Gesellschaft, deren digitalisierte Kommunikation zunehmend totalitäre Züge annimmt, werden diese jungen Menschen bestens vorbereitet sein. Und nach der Katastrophe wird es wieder einmal niemand gewesen sein.“ (Quelle: nzz)

Wollte man also die menschliche Individualität bzw. den spezifisch humanen Faktor ausschalten oder herabdämpfen, weil er von gewissen politischen und ökonomischen Mächten als lästig empfunden wird, dann stünde unsere Zukunft wahrlich unter sehr trüben Vorzeichen. Wir wären daher gut beraten, diesen Tendenzen rechtzeitig gegenzusteuern und selbst im Rahmen der eigenen individuellen Möglichkeiten die Regie zu ergreifen. In diesem Sinne muss sich jeder Mensch selbst ermächtigen bzw. mündig-machen, denn nach Ansicht gewichtiger Experten erfüllen unsere öffentlich-rechtlichen Bildungsanstalten diesen Auftrag nicht mehr (der Präsident der Europäischen Akademie der Wissenschaften bezeichnet die Schulen des deutschen Bildungssystems  schlichtweg als „Vertrottelungsanstalten“ / Quelle: Welt, der Soziologie-Professor Hartmut  Rosa nennt die heutigen Universitäten „Entfremdungszonen“ / Quelle: Zeit).

Foulspiel des Jahres

Das von Prof. Liessmann beschriebene Szenario rückt zwar näher, noch ist es jedoch nicht soweit. Die derzeitige Generation hat ihre Individualität noch zur Verfügung. Sie ist zwar vielfach etwas zugeschottert, aber man kann sie jederzeit wieder freischaufeln – dazu muss man nur kurz die Ärmel hochkrempeln und in die Hände spucken.

Wir haben also noch nicht nicht die Ausrede, die die kommende Generation haben wird. Während bei dieser uns nachfolgenden Generation dank frühkindlicher Digitalisierung gerade mit  Volldampf an der Auslöschung der Individualität gearbeitet wird, sodass diese Individualität womöglich bei einem Großteil der Bürger erloschen oder zumindest stark herabgedämpft sein wird, so haben wir dieses höchst potente Agens heute noch zur Verfügung.

Zum Ausgang des derzeit stattfindenden Kampfes der Humanität gegen den Wahnsinn kann also jeder Einzelne täglich seine kleinen – übers  Jahr bzw. in Summe gesehen jedoch gewaltigen – Schäuflein beitragen. Wenn er sich abends nach der Arbeit vor dem Flachbildschirm oder von Spiegel/Bild/Hustler mit „Programm“ abfüllen lässt, dann trägt er auch sein individuelles Schäuflein bei, allerdings auf Seiten der Waagschale des Krokodils. Die gute Nachricht wiederum: Die auf die Waagschale der Humanität gelegten Schäuflein wiegen aufgrund ihrer starken Hebelwirkung tausendfach mehr als das Futter, das man dem Kroko zuteil werden lässt.

Es braucht uns also nicht allzusehr zu bekümmern, dass bei den jüngsten Osterdemos so wenige Teilnehmer anwesend waren.  Wer das homöopathische Prinzip kennt, weiß um die Wirkung scheinbar substanzloser Globuli. Er wird aus Erfahrung bestätigen können, dass eine kleine, aber hochpotenzierte Substanzgabe unter Umständen eine sehr viel tiefgreifendere Wirkung auf die Konstitution des Gesamtorganismus hat als eine große allopathische Medikamentendosis. Gerade weil die allopathische Medikamentendosis bzw. die narkotisierenden Schlaftabletten, die man uns auf medialem Wege verabreicht, heute so massiv sind, braucht es also auch ein paar Globuli, die dem Gesellschaftsorganismus zugeführt werden und ihm auf subtile Weise die richtigen Informationen vermitteln.

Der eingangs erwähnte Eingabeschriftsatz von Rechtsanwalt Schmitz mag eine solche Substanzgabe sein. Vielleicht weniger wegen der äußeren Wirkung, die er entfalten wird (obwohl dies auch ein Lackmustest für das Funktionieren unseres Rechtsstaats sein wird), vielmehr jedoch durch den gedanklichen und moralischen Impuls, den er bereits durch das Verfassen eines solchen Schriftsatzes in die Welt gesetzt hat. Angesichts des bedenklichen Zustands unserer Justiz und der nach drei Regierungsperioden Merkel nunmehr in akuter Erosion befindlichen Gewaltenteilung ist bei nüchterner Einschätzung natürlich zu erwarten, dass die Klage trotz offenkundiger Tatbestandserfüllung kaltschnäuzig abgelehnt wird. Die couragierte menschliche Substanz, die mit dieser Klage jedoch freigesetzt wurde, werden die Merkel-Regierung und ihre Maasmännchen nicht abwehren können. Sie wird sich auf untergründigem Wege fortsetzen, in den Köpfen und Herzen vieler Menschen Resonanz finden und insofern zur gesamtgesellschaftlichen Atmosphäre eine Impulskraft beitragen, die in Richtung Aufklärung und politischer Deeskalation führt. Inmitten einer Zeit, in der „der Lügenäther so dicht ist wie zu Zeiten des Kalten Krieges nicht mehr“ (Peter Sloterdijk), ist eine solche Initiative also wohl mit Gold aufzuwiegen. Wenn uns unsere Kinder und Enkel einmal fragen werden, warum wir denn gegen das bereits Offensichtliche nichts getan haben, dann werden wir zumindest nicht ganz in Grund und Boden versinken müssen, sondern können auf solche mutigen Bekundungen des Widerstands gegen den Wahnsinn verweisen.

Auch als in Italien zu Zeiten des Faschismus von allen Universitätsprofessoren gefordert wurde, dass sie sich der herrschenden Meinung anschließen müssten, so hat es immerhin 10 oder 12 Professoren gegeben, die sich widersetzt und das Diktat nicht unterschrieben haben. Der Literat Umberto Eco meint heute, dass es diese 10 oder 12 Menschen gewesen seien, die durch ihre couragierte Haltung die Ehre Italiens gerettet haben.

Hoffnung des Jahres

Wenn wir die heutige Situation nüchtern betrachten, dann muss man natürlich zugestehen, dass die mediale Meinungs-/Manipulationsmaschinerie in ihrem bereits von New York Times-Chefredakteur John Swinton ganz unverbümt beschriebenen Auftrag (siehe Nachrichtenspiegel „Im Griff der Würgeschlange“) maximal erfolgreich war: Die Gesellschaft ist mittlerweile dermaßen gespalten und damit politisch marginalisiert, dass auf politisch wirksame Gruppenbewegungen, Osterderdemos und dgl. derzeit eigentlich kaum zu hoffen ist.

Allerdings kann das INDIVIDUUM aus diesem Trümmerhaufen des weitgehend korrumpierten, von Jean Ziegler als „kannibalisch“ und menschenverachtend bezeichneten Systems umso mehr auferstehen und Wesentliches zum weiteren Verlauf des Geschehens beitragen – jeder auf seine individuelle Weise und mit dem, was im Rahmen seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten liegt. Der eingangs erwähnte Rechtsanwalt Schmitz trägt seine Schäuflein bei, indem er mehrere Klagen verfasst, die gleichzeitig erhellende historische Dokumentationen und Zeugnisse unseres auf seine Anwesenheit pochenden gesunden Menschenverstands sind (siehe Nachrichtenspiegel).

Doch das ist nur sein ganz spezieller Beitrag. Es bräuchte gar nicht einmal viele Rechtsanwälte wie ihn. Wie schon erwähnt, reicht auf einem bestimmten Fachgebiet immer eine genügende Anzahl an Leuten, die Rückgrat behalten und Mut zeigen. Ich behaupte: 20 derartige Anwälte würden genügen. Hätten wir also unter den 164.400 zugelassenen Rechtsanwälten Deutschlands nur 20 Anwälte, die sich hinsichtlich der geostrategischen Machenschaften der Neocons öffentlich klar positionieren und der Wahrheit treu bleiben, dann wäre damit von juristischer Seite eine Atmosphäre geschaffen, in der das abgründige Treiben, das wir momentan auf der Politbühne erleben müssen, von vornherein unmöglich wäre. Ebenso würden 20 Journalisten vom Schlage eines Glenn Greenwald ausreichen oder 20 Universitätslektoren vom Schlage eines Noam Chomsky oder eines Daniele Ganser, um im öffentlichen Diskurs eine ethisch-moralische Atmosphäre zu erschaffen, in der wir nicht „am Abgrund stehen“ müssten, wie dies sogar der scheidende Außenminister Gabriel jüngst charakterisierte (Quelle: nzz), sondern in der wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken könnten.

Nun ist gewiss nicht jeder Rechtsanwalt und des juristischen Lateins kundig, um der immer unverschämter werdenden, durch den demokratischen Willen der Bürgermehrheit gewiss nicht legitimierten Kriegstreiberei gegen Russland einen Riegel vorzuschieben. Jeder kann aber seine individuelle Art von „Riegel“ einschieben und seine Schäuflein zur großen Weltenwaage bzw. zum Ausgang des aktuell laufenden Matches beitragen. Die Möglichkeiten dazu sind tausendfältig und beschränken sich nicht auf bestimmte Berufe oder spektakuläre Aktionen. In Wirklichkeit ist es zunächst ein innerer Kampf, bei dem sich entscheidet, ob man sich vom Krokodil der politisch-medialen Meinungsmache unter Wasser ziehen lässt oder ob man Oberwasser behält, indem man der  politisch-medialen Meinungsmaschinerie die innere Kündigung ausspricht und die Gefolgschaft verweigert. Alles andere wird sich dann zur rechten Zeit bei rechter Gelegenheit wie von selbst ergeben.

Denn hat man sich gegenüber der politisch-medialen Manipulation einmal innerlich emanzipiert, dann wird man schon bei jeder Begegnung, bei jedem Spaziergang am Gehsteig, in jeder Situation am Arbeitsplatz, bei jedem Gespräch, bei jedem Kaufen einer Wurstsemmel, bereits mit jedem Blick etwas vermitteln, das auch bei anderen Menschen etwas Konstruktives, Wahres, Menschliches in Bewegung setzt. Joseph Beuys hat das „Soziale Plastik“ (vom griechischen plastikḗ =formen) genannt. Seiner Meinung nach wirkt jemand z.B. einfach durch die Art, WIE er in einer Schlange an der Supermarktkasse steht, bereits gesellschaftsverändernd.

Man wird sich dann auch keine Minute länger von den Erwartungen an irgendwelche Parteien und Politiker abhängig machen, deren Programme immer schneller zerbröseln – so wie im Leben letztlich alles zerbröselt, was aus der Substanz der Lüge bzw. des Nihilismus und nicht aus der Humanität geschöpft ist (siehe „Was wir heute brauchen wie ein Loch im Knie: „Bodenständige“ Politiker im Maulwurfspelz und AFX-Parteien“).

Hat der Mensch das Selbstbewusstsein errungen, dass das, was sich in seinem Inneren an Gedanken- und Gemütsbewegungen abspielt, wichtig und sogar entscheidend für Gesellschaft und Weltgeschehen ist, dann ist er auch gleichzeitig vor den von der WHO zur kommenden Volkskrankheit erklärten Depression gefeit. Dann kann er sogar in scheinbar ausweglosen Situationen eine unbegreifliche Ruhe und Heiterkeit bewahren. Denn er weiß: Er lebt nicht umsonst, sondern er legt sein höchstpersönliches Gewicht in die Waage. Selbst wenn er im Äußeren tragisch scheitern sollte wie Sokrates oder Rudi Dutschke – innerlich bzw. auf Frankls „spezifisch humaner Ebene“ hat er einen bedeutenden Sieg errungen, dessen Wirkungen nicht aus der Welt zu schaffen sein werden. Auch wenn einem von Kindesbeinen an das Gegenteil erzählt wurde: Der Mensch ist dann nicht mehr ein passiver Konsument bzw. ein  leerer Topf, sondern ein volles, aktives Gefäß mit überfließendem Inhalt. Wenn ein Mensch diese individuellen Möglichkeiten realisiert, dann wird er sich auch gleichzeitig seiner höchstpersönlichen Verantwortung bewusst … und diese nicht mehr an irgendwelche Politiker und Experten abgeben. Er hat dann die wahre Bedeutung des Wortes „Demokratie“ verstanden: Dass man eine Demokratie nicht „hat“, weil dieses Wort eben irgendwann von unseren Urgroßvätern in die Verfassung geschrieben wurde, sondern dass Demokratie immer den demokratisch bewegten, mündigen Bürger braucht, um Bestand zu haben und sich im gesunden Sinne weiterzuentwickeln.

Ein solcher mündig gewordener und zu seinen individuellen Möglichkeiten erwachter Mensch wird dann also quasi das mutige Gegenbild zu dem manifestieren, was derzeit unsere Spitzenpolitiker verkörpern, indem sie aus Willfährigkeit und um des faulen Friedens gegenüber ihren „verlässlichen Freunden“ von jenseits des Atlantik willen den allergrößten Unfrieden heraufbeschwören und uns alle ins offene Messer laufen lassen.

Denn der Kreml-Berater Sergej Karaganow hat in einem Spiegel-Interview bereits klipp und klar gesagt, was eine Eskalation im momentanen NATO-Säbelrasseln für Deutschland bedeutete: Russland wäre nicht bereit, jemals wieder auf  eigenem Territorium zu kämpfen, sondern würde uns in solchem Falle einfach per Knopfdruck verdampfen (siehe Spiegel):

„Russland wird nie wieder auf seinem eigenen Territorium kämpfen (…) Im Falle einer Krise werden genau diese Waffen vernichtet (…) Wenn die NATO eine Aggression beginnt – gegen eine Atommacht wie uns -, wird sie bestraft werden.“

Der bereits erwähnte Jurist Alexander Unzicker macht in seinem jüngsten Telepolis-Essay auch sogleich Gebrauch von seiner Individualität und präsentiert der offensichtlich mit ihren Ämtern überforderten Merkel-Regierung einen adäquaten Lösungsvorschlag für die bellizistische Nötigung seitens gewisser transatlantischer Lobbyisten:

„Die Politik muss irgendwann Farbe bekennen, wie Deutschlands NATO-Mitgliedschaft im Ernstfall zu verstehen ist, zum Beispiel mit einer expliziten Zusicherung im Krisenfall an Russland, von deutschem Boden keine Angriffshandlungen ausgehen zu lassen. Sollte das nicht möglich sein (z.B. Ramstein unter US-Kommando), dann auch bitte der russische Zweitschlag an die richtige Adresse: Washington und London. Eine ganz direkte Umsetzung des Amtseides „Schaden vom Deutschen Volk abwenden“ eben.“

Unser bestes Pferd im Stall: Die Nr. 13 !

Was ich mit diesem wieder einmal viel zu lang gewordenen Aufsatz sagen wollte: Wir dürfen uns nicht vermassen lassen und uns unsere individuelle Gestaltungsfähigkeit absprechen lassen. In Wirklichkeit ist es sogar NUR das Individuum, das im soziopolitischen Geschehen den entscheidenden Ausschlag gibt. Es ist also geradewegs nicht die „unsichtbare Hand des Marktes“, also das kollektive, rein ökonomischen und politischen Sachzwängen entsprechende Getriebe, von dem wir Rettung erwarten dürfen. Im Gegenteil, dieses Getriebe ist mit seiner erbarmungslosen Schwerkraft sogar regelrecht derjenige Funktionsmechanismus, der uns wie ein Senkblei nach unten zieht und – würde nicht immer wieder das Individuum einzelner couragierter Menschen eingreifen –, die Welt in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht sukzessive zerstörte. Der „unsichtbaren Hand des Marktes“ die Regie zu überlassen, wie es derzeit von vielen neoliberalen Apologeten gepredigt wird, würde also keineswegs zu der versprochenen Freiheit, sondern zu einer sukzessiven Erdrosselung des Menschen führen, die schließlich in eine große Katastrophe mündet. Um diese Katastrophengefahr abzuwenden, braucht es daher immer wieder das mutige Aufstehen einzelner Individualitäten, die zur rechten Zeit am rechten Ort dasjenige nicht ungesagt und ungetan lassen, was die griechischen Stoiker als das „Notwendige“ (=das Not-Wendende) bezeichnet haben.

Obwohl wir im Match zwischen Mensch und Krokodil also mit Halbzeitstand von 0:4 scheinbar hoffnungslos im Hintertreffen sind, so haben wir unseren größten Trumpf noch nicht ausgespielt: Unsere Individualität – Viktor Frankls „spezifisch humaner Faktor“:  Die Nr.13, die eigentlich unsere Nr.1 ist. Derzeit sitzt dieser Spieler noch auf der Reservebank und schüttelt den Kopf – nicht nur über die unglaublichen Torchancen und die vergebenen Elfmeter, die seine Mannschaft fortwährend in den Sand setzt, sondern auch über unnötige Eigentore, die auf der Zuschauerbühne zu Recht laute Buh-Rufe und Pfeifkonzerte verursachen. Es wäre höchste Zeit, dass wir diesen Spieler mit der Nr.13 aufwärmen lassen und ins Spiel schicken. Er ist ein absoluter Profi, verfügt über genialen Spielwitz und ist obendrein schnell wie der Blitz, sodass er die gegnerische Abwehr der transatlantischen Krokos im Handumdrehen ausdribbeln und dem Groko-Tormann mit einem Schuss mit links mindestens zwei Gurkerl (*) verpassen könnte.

(*) Anm. für Nicht-Kicker: „Gurkerl“ = blamabler Torschuss durch die offen gegrätschten Beine eines Tormanns

Nr.13 musste bisher nur deshalb  auf der Reservebank sitzen, da er keine Konzern-Sponsoringverträge eingegangen ist und daher ein unscheinbares weißes Trikot ganz ohne Werbereklame trägt. Die transatlantischen Hauptsponsoren unserer Nationalmannschaft wollten ihn daher nicht im Licht der Kameras haben. Nun aber ist seine Stunde gekommen – das wütende Publikum fordert, dass man ihn endlich einwechselt, da sonst Hopfen und Malz verloren wäre.

Der Wassereimer und Worst Case

Wie schon eingangs gesagt, soll der nachfolgende Videoclip also keinesfalls dazu dienen, um diejenigen zu demoralisieren, die ohnehin bereits die Augen aufgemacht haben, die vor dem Wahnsinn, der uns zur Normalität erklärt werden soll, nicht mehr wegschauen und Gebrauch von ihrer Individualität bzw. von Frankls „spezifisch humanem Faktor“ machen. Das Video kann eher als Link genutzt werden, den man bei Gelegenheit als Anti-Narkotikum austeilt, z.B. wenn man ein echtes Weltproblem anspricht, aber nur Gesichtsausdrücke wie diese erntet:


(Bild: Markus Gelau/facebook)

So, hier also nun das Black Friday Shopping Mall-Video:

 

 

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zum Weiterlesen:

„Warum überhaupt noch denken? (Ein Survival-Kit für die Apokalypse)“


Ergänzung 03.04.2018:

Klageschriftsatz von RA Schmitz im Volltext:

2.4.18 Fax.an.Generalbundesanwalt

Auf der Website des Anwalts finden sich in der Rubrik „Aktuelles“ auch lesenswerte Interviews zu weiteren aktuellen Initiativen (darunter auch die Verweigerung von Rundfunkgebühren für öffentlich-rechtliche Medien, die schon seit geraumer Zeit ihren Auftrag nicht mehr erfüllen und durch ihre einseitige Berichterstattung z.B. über die Syrien-, Ukraine- und NATO/Russland-Krise nicht nur eine Beleidigung des gesunden Menschenverstands darstellen, sondern mittlerweile als regelrecht bellizistische Akteure einzustufen sind).

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