Indien

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Die Arbeit: heiligste Kuh Deutschlands … und der tödlichste Kult

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Samstag, 5.11.2016, Eifel. Können Sie sich noch an Indien erinnern? Ja? Also – früher mal? Was haben wir über die Inder gelacht. Kein Wunder, dass die Briten da einmarschieren mussten, um die Demokratie zu bringen. Nein, warten Sie – Demokratie bringen wir ja heute beim Einmarschieren … ach Mensch, was haben wir denn damals noch gebracht? Die Queen? Ach –  nein, jetzt fällt es mir wieder ein: das Christentum. Ja, erst kamen die Mönche, dann wurde irgendwann einer von denen umgebracht – zum Beispiel, weil es schwierig ist, komplexe theologische Systeme miteinander zu verbinden, wenn man der Landessprache, der Sitten und Gebräuche nicht mächtig ist und auf eine Kultur trifft, deren Religion 5000 Jahre alt ist und die selbst meinen, dass  sie schon wissen, wovon sie sprechen – und nachdem dann ein Mönch (ein heiliger Mann! Besonders schützenswert … wenns gerade in den Kram passt) zu Tode gekommen war, kamen die Schutztruppen, die sich mit überlegener Waffentechnik durch das Land schossen. Ja, so war das früher. Heute schicken wir keine Mönche mehr, sondern NGO´s, Geschäftsleute oder economic hit man – und die bringen dann auch gleich ihren neuen Gott mit, der den alten Gott der Mönche nahtlos ersetzt hat.

Aber darüber wollte ich ja gar nicht reden, es ging ja nur um Indien.

Wissen Sie noch, worüber wir uns damals amüsiert haben? Die Zeitungen waren voll von Karikaturen darüber, das müssen Sie doch noch wissen? Die Kühe! Ja – da gibt es einen ganzen Kontinent voller lebendiger Kühe, in dem fürchterliche Hungersnot herrschte, Kühe, die noch nicht mal verscheucht wurden, wenn sie den Verkehr blockierten. Können Sie sich das vorstellen? Gut – die Kuh im Verkehr sorgte für ein enorm entschleunigtes Leben – um das wir heute mühsam kämpfen müssen, aber wir wissen doch, was Kühe bedeuten können: Steaks, Salami, Rinderhack für Hamburger – die dummen Inder lebten im Paradies, ohne es zu merken! Und was sagten die Inder? „Kühe sind heilig“!

Unglaublich für uns, oder? Essen als heilig anzusehen. Würden wir Essen als heilig ansehen – oder es nur respektvoll betrachten: unsere ganze profitable Lebensmittelindustrie könnte dicht machen – da werden größtenteils Abfälle durch viel Chemie zu Massenfutter geformt, ohne das wir es wissen. Aber wir sind trotzdem „Schuld“, wenn wir das kaufen.

Nun – dass die Kuh in Indien heilig war, hat eine lange Geschichte, eine Geschichte, die uns als aufgeklärte westliche Demokraten nicht zu interessieren braucht: wir wissen, dass wir das Herrenvolk der ganzen Welt sind und dass unsere Vorstellungen Wahrheit sind, eine Wahrheit, die wir zur Not mit der Waffe in der Hand verteidigen: weltweit. Was wäre aber wenn … wir selber so eine heilige Kuh hätten? Wenn wir selber völlig irrational werden, unmenschlich, grausam, wenn einer unsere heilige Kuh vom Hof schubst, weil die unter sich macht?

Haben wir nicht, sagen Sie. Blödsinn, sage ich. Schon beim Thema „Kühe essen“ springen mich sektiererische Kultisten des Westens an, die äußerst merkwürdige und seltsame Praktiken zum Standard erheben wollen: die Heiligkeit nicht nur der Kuh sondern aller Tiere, die lieb und knuffig aussehen und im weitesten Sinne dem Kindchenschema entsprechen – also große Kulleraugen haben. Für Spinnen und Skorpione wird da weniger geworben – insgeheim ist man sogar dankbar, wenn ein mutiger Barbar das Problem mit festem Stiefelabsatz grundsätzlich aus der Welt schafft, auch will man nicht manchen Wespenarten verbieten, ihre Eier in lebende Wesen abzulegen: es geht ja auch nur darum, seine Mitmenschen mit „Übergutmensch“-Gehabe zu dominieren, sie zu unterjochen und ihnen den eigenen Willen aufzuzwingen. Früher, als wir noch über heilige Kühe lachten, wussten wir auch noch, dass es sich dabei um eine „Kolonialisierung des Bewusstseins“ handelt, einen unmenschlichen, agressiven Akt der im Ansatz zu ersticken ist, weil es sich dabei um eine der fiesesten Manifestationen des Feudalismus handelt.

Nun – ich will nicht über Veganer sprechen, sie sind nur ein kleiner, unbedeutender Kult, einer von vielen, der versucht, die Zwänge, die wir in den sechziger Jahren abgeschüttelt hatten, neu zu errichten, neue Ketten zu schmieden, neue Zäune zu ziehen – aus bloßer Willkür und – wie für imperiale Lebensformen üblich erstklassigen ethischen Motiven: nur so kann man die Soldaten Gottes dazu bringen, jede Form von Scham, Anstand, Respekt und Toleranz hinter sich zu lassen. In Wirklichkeit – so habe ich jetzt lernen müssen – ist Sojamilch so künstlich wie Coka Cola (siehe Focus), nur dank viel Chemie überhaupt genießbar. Und das vegane Leben? Schlichtweg nicht zu leben ohne die vielen „Supplementangebote“ der Pharmaindustrie (nein, dazu verlinke ich mal nicht, da ich über die lebensgefährdende Wirkung dieses Drecks schon beruflich informiert wurde – siehe z.B. Focus). Ja: „Veganer“ – als selbst definierte Supergutmenschen – sind die heimliche Speerspitze der Pharmaindustrie – und zwar eine tödliche Speerspitze. Das kommt von diesen heiligen Kühen, über die wir nur lachen, wenn wir sie bei anderen sehen.

Das war jetzt aber nur eine unserer kleinen Kühe, ein unbedeutender, düsterer politischer Kult, der bald wieder verschwinden wird – und nicht zu verwechseln mit Menschen, die aus Respekt vor dem Leben selbst keine fleischlichen Produkte essen noch Abfälle von Schlachtungen als Kleidung tragen – das sollte noch gesagt sein. Der gute Mensch und der „Übergutmensch“ sind halt zwei ganz unterschiedliche Seiten einer Medaillie. Kommen wir lieber zu den großen heiligen Kühen.

Kommen wir … zur Arbeit.

Sie wissen, was das ist, nehme ich an? Will ich gar nicht hören. Ich werde Ihnen sagen, was das ist: aufstehen, wenn der Körper noch nach Schlaf verlangt, reisen, wenn er noch zu ruhen wünscht, sich frühmorgens schon in Gedränge und riesigem Lärm von Blechlawinen quälen (Lärm – nach Kübler-Ross eine der beiden bedrohlichsten Urängste des Menschen), ohne genügend Zeit für ein gutes Frühstück zu haben, den ganzen Tag in völlig unnatürlicher, einseitiger, gesundheitsschädlicher Haltung zu verbringen – fern von seinen Lieben, mit denen man das Leben teilen wollte –  und Tätigkeiten in permanenter Dauer zu verrichten, für die der Körper nicht geschaffen ist: und das ganze immer schneller, eifriger, ergebener als noch am Tag zuvor, so sehr, dass man abends erschöpft und geistlos vor flimmernden Schirmen sitzt, die einem sagen, mit welchen Produkten man sich kurz Erleicherung von der Qual erschaffen kann – Produkte, ohne die es die Qual gar nicht gäbe.

Merken Sie schon jetzt, dass wir mit unserer heiligen Kuh in den Augen der alten Inder ziemlich doof dastehen? Und wir haben noch gar nicht darüber gesprochen, dass diese Maschinerie, der wir unser Leben so begeistert hingeben, die Ökosphäre das ganzen Planeten mit vielfältigen Giften verseucht. Alte Kabbalisten – viel jünger als Inder – wüssten sofort, was sie denken sollten, wenn sie unsere „Wirtschaft“ betrachten: Samael, Prinz der Gifte, oberster Herrscher des dunklen kabbalistischen Baumes (jedenfalls nach einfacher Auslegung), hat die Gewalt über die Erde erhalten: der düsterste Kult des mythischen Kosmos ist Realität geworden, hat Macht über alle Menschen erlangt und bringt sie langsam auf tausendfasche Weise zu  Tode (zum Beispiel durch künstliche Vitamine – das sei nochmal erwähnt). Wir lachen über die heilige Kuh der Inder, lassen aber Kali, die finstere Göttin, frei in unserem Lande schalten und walten wie sie will, opfern ihr unsere Bäume, Flüsse, Seen, unsere Luft, unsere Äcker und unseren ganzen Lebensraum.

Doch verlassen wir die Sphäre der alten Weisen, flüchten wir sie schnell: ja, wir müssen sie flüchten, denn unsere Welt ist in ihren Augen der Gipfel der Verkommenheit, während wir uns als gesegnete Genießer der Vollkommenheit betrachten.

Bleiben wir bei der Arbeit, nur so, wie wir sie sehen. Warum machen Sie das eigentlich? Ganz ehrlich jetzt. Klar, um Geld zu verdienen. Warum müssen Sie „Geld verdienen“? In einer Welt, die Gott mit Fülle an Nahrung, Wasser, Luft und Raum gesegnet hat: alles Millionen Jahre lang völlig umsonst? Nun – ganz umsonst war es nicht, drei bis vier Stunden mussten Sie schon täglich investieren – inklusive Hausarbeit. Arbeit in freier Natur, wann Sie wollten, wo Sie wollen, wie Sie wollten. Beeren und Feuerholz sammeln, mit den Jägern auf Fernreisen gehen, Wasser schleppen, Felder bestellen: zu tun gab es genug, aber jeder konnte – je nach persönlicher Verfassung – an der Arbeit teilhaben, die gerade zu ihm passte … während Sie 9 Stunden im Büro hängen (eine davon eine erbärmliche Pause umgeben von Lärm und Häßlichkeit), dann noch zwei Stunden „einkaufen“ und zwei Stunden „Hausputz“ machen, um die letzten vier Stunden mit dem zu verbringen, was ihre Herren für Sie als „Unterhaltung“ vorgesehen haben. Dschungelcamp zum Beispiel, die modernisierte Version des „Löwen fressen Christen“-Spektakels im alten Rom.

Also nochmal: warum müssen Sie „Geld verdienen“ – sich selbst verkaufen, wie es früher nur Sklaven mussten?

Ganz einfach: weil Ihnen jemand den Reichtum der Welt gestohlen hat und Ihnen kleine Bröckchen davon überteuert verkauft, damit Sie nicht so leiden wie die Menschen in Afrika. „Jemand“ hat heute kaum noch ein Gesicht, es gibt kaum noch Köpfe für die Guillotine: man hat aus diesem Unfall der Geschichte gelernt. Kein Feindbild – keine Revolution. Und das Abkassieren kann endlos weitergehen, ohne dass es einer merkt.

Das verstehen Sie nicht?

Nun – ich erkläre Ihnen das mal an einem Beispiel, zitiere hierzu mal die „Lügenpresse“ – um zu zeigen, dass dort noch nicht alles verloren ist (siehe Zeit):

„Nach Informationen der ZEIT beziehen 16 ehemalige EU-Kommissare der Barroso-Kommission noch immer Übergangszahlungen von jährlich mindestens 99.996 Euro pro Kopf. Sie bekommen das Geld aus Brüssel, obwohl viele von ihnen längst neue, gut dotierte Spitzenposten in Wirtschaft und Politik haben. Das geht aus einer Liste hervor, die die EU-Kommission der ZEIT übermitteln musste.“

99996 Euro – zusätzlich. Die wenigsten Deutschen verdienen überhaupt nur die Hälfte davon.

Noch ein Beispiel?

Gern (siehe t-online):

„Ehemalige Minister aus Nordrhein-Westfalen sind mit durchschnittlich mehr als 7600 Euro die bestbezahlten Politiker-Rentner Deutschlands. Ihre Altersbezüge liegen mit 7642 Euro monatlich sogar um zwei Drittel höher als die Pensionen früherer Bundesminister.“

Da wird mit der großen Kelle abgegriffen. Von diesen Menschen haben wir … eine Million im Land. „Leistungsträger“ genannt, was auch Sinn macht: die Vermögen und der Luxus dieser Menschen wird durch die Leistung anderer Menschen getragen: die Hälfte Ihrer Lebenszeit arbeiten Sie für „die“, die man sonst auch gerne einfach nur „Chef“ nennt. Zu hinterfragen, warum der „Chef“ hundertmal soviel verdient wie Sie, der Sie die ganze Arbeit machen, gilt als verpönt, lächerlich, gemeingefährlich, ja: es wurde sogar kürzlich das Wort „sozialistisch“ wieder als Schimpfwort eingeführt – in Bezug auf Sozialdemokraten in der Wallonie, die der Ausweitung der geballten Macht der Leistungsträger kurz im Wege standen.

Wahrscheinlich kommen wir sogar über eine Million, wenn wir alle die zählen, die von Beiträgen, Steuern, Abgaben finanziert werden – ich rede hier aber nur von der Feudalklasse, die sich am elitärsten bei den „Grünen“ manifestiert, seitdem die FDP Schwächen zeigte.

Bleiben wir aber bei dem Grund, der das alles möglich macht: jenen unheimlichen Kult der „Arbeit“, der sich – von außen betrachtet – in nichts unterscheidet vom Kult der anderen heiligen Kühe, außer, dass er viel tiefer, gründlicher, versklavender in unser Alltagsleben eingreift als es andere Kulte bislang getan haben. Ja, ok: die katholische Kirche war da schon sehr weit, der Protestantismus ebenso – aber wo man früher den „Zehnten“ im Jahr gab, gibt man heute sechs „Zehnte“. Man sieht: das Geschäft der Ausplünderung läuft nach wie vor … und zwar mit steigender Geschwindigkeit.

Es gibt eine Million reicher Menschen in Deutschland – viele davon reich geworden, dass der deutsche Staatsbürger ein fleißiger, treuer, gemütlicher Mensch ist, der ordentlich arbeitet. Und weil das System so gut funktioniert, ist der Andrang in die Feudalkaste so groß und vergrößert so auch den Druck auf die, die noch echte Arbeitsleistung erbringen müssen, damit genug zum Verteilen da ist. Damit Ihnen das mal klar ist: die vier Stunden, die Sie mehr arbeiten als als gemäß Naturrecht zu verlangen wäre, arbeiten Sie nur für die immensen Gehälter ihrer Chefs, die hauptsächlich dafür bezahlt werden, Sie täglich zu noch mehr Leistung anzutreiben. Ganz oben in dem System sammeln sich natürlich ungeheure, unglaubliche Summen, die absolut staatsgefährdend sind – aber wer will wirklich dagegen seine Stimme erheben … sind doch alle abhängig vom Fluss des Geldes anstatt von den Früchten des Feldes, die es – relativ neu in der Geschichte der Menschheit – nur noch gegen Bares gibt.

Und der Zugang zu diesem lebensspendenden, perversen, unnatürlichen Fluss des Geldes wird immer weiter beschränkt: die Gier nach immer mehr Geld für die Starken, Mächtigen, Herrschenden werden keine Grenzen mehr gesetzt, der Staat – einst als Schutz gegen den Feudalismus gedacht – wird mehr und mehr zum Inkassounternehmen der Diener des Goldenen Kalbes, um das das ganze Volk zu tanzen hat, wenn es nicht sanktoniert werden möchte und so auf subtile Art und Weise vom Leben zum Tode gebracht, in todesähnliche Zustände genötigt wird.

„Arbeit“ – als widernatürlicher, irrationaler, gottferner Kult? In einer aufgeklärten, christlichen Gesellschaft, deren Erklärung der „Allgemeinen Menschenrechte“ genau auf diesen Weisheiten des christlichen Abendlands gründet – und aus den Erfahrungen der höllischen Jahren des Nationalsozialismus, der diesen Kult öffentlich zum höchsten Gut erhoben hat – weil Gauleiter von den Früchten dieses Kultes ganz herrlich und in Fülle leben konnten? Das kann doch nicht sein!

Arbeit – so wird uns gepredigt in Schule, Erziehungsberatung und Universitäten – ist ein Grundbedürfnis des Menschen! Ohne Arbeit verwahrlost er, verliert Struktur, gerät in jene Spähren des Chaos, die das Alte Testament schon als Reich des Bösen fürchtete. Kann sein, dass die Recht haben, doch die Natur selbst hat uns ein Maß an Arbeit auferlegt, das vier Stunden am Tag beansprucht. Nicht mehr. Inklusive Einkauf und Hausarbeit. Wären wir vermessen, von unseren Herren die Einhaltung dieser Vorraussetzungen zu forden? Dann wäre auch Zeit für die anderen Grundbedürfnisse, Zeit dafür, dass jeder Mensch Gelegenheit hat, seine eigene, individuelle Lebensspur in dem Reich der Geschichte zu ziehen, Zeit, jenes Leben zu leben, für das Gott ihn in die Welt gesetzt hat – anstatt ein Leben zu führen, das völlig von den Nutznießern der „Leistungsgesellschaft“ determiniert wird, die ständig nach mehr und mehr und immer mehr verlangen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen – außer jener, dass sie uns nicht verhungern lassen, wenn wir uns ihren Unwillen zuziehen … was sich in Deutschland seit Einführung der Hartz-IV-Gesetze auch geändert hat.

Fragen wir doch mal die Menschen selbst, was sie von dieser „Arbeit“ halten.

Der „Spiegel“, Haus- und Hofblatt der Leistungsträgergesellschaft, präsentierte kürzlich einen Artikel – ganz im Sinne der „Kolonialisierung des Bewusstseins“ – der uns mit erstaunlichen Erkenntnissen konfrontierte (siehe Spiegel):

„Millionen Deutsche wollen mehr arbeiten“

26757 Leser beteiligten sich an der Umfrage – jene Leser, die ganz gut im Geldfluss stehen, weshalb Spiegel-Online je sehr gut verdient mit Artikeln und Anzeigen über Reisen und Luxusgüter. 21737 Leser (81,24%) gaben eine eindeutige Meinung zu dem Artikel ab … obwohl sie nicht zu den aussätzigen Arbeitslosen gehören (siehe Spiegel):

„Mehr arbeiten? Auf gar keinen Fall!“

Solche Ergebnisse fährt man ein, wenn „Kult“ auf „Mensch“ trifft.

Lachen Sie immer noch über die heiligen Kühe der Inder? Sie haben selbst eine im Zentrum Ihres Lebens stehen, um welche Sie täglich tanzen, ohne wirklich genau zu wissen, warum das so ist. Sie rudern wie ein psychisch kranker Galeerensklave immer weiter und schneller, damit der feiste Sack auf dem Oberdeck einen Geschwindigkeitsrausch bekommt, völlig überwältigt von der „Leistung“ seines Schiffes, für die er alle fürstlich lobt … und gerade mal so am Leben erhält, damit sie nicht tot am Ruder hängen.

Nicht zu ändern, meinen Sie? Alles zu groß und komplex? Vor allem für Sie?

Mumpitz. Wir können so etwas. Schauen Sie sich die Schifffahrt an: weltweit, zentral gesteuert haben wir den gesamten Warentransort von Stückgut auf Container umgestellt – im kommunistischen China, im kapitalistischen Amerika und in allen anderen Ländern der Welt. Stellen Sie sich mal vor, wir würden andere Lebensbereiche mit der gleichen Entschlossenheit, der gleichen Planung und Vernunft modernisieren – zum Beispiel um „Mensch“ von „entfremdeter Arbeit“ zu befreien…

Geschieht ja auch … nur werden Sie davon nichts haben: die Industrialisierung 4.0 wird allein in Deutschland 18 Millionen Arbeitsplätze abbauen und somit den Zugang zum Geldfluss und den Feldfrüchten für nochmal 18 Millionen Menschen versperren: ein Albtraumszenario, das Schritt für Schritt Realität wird (siehe Spiegel). Die Gebetsplätze für das Goldene Kalb werden sehr knapp werden – wenn wir nicht für unser natürliches Lebensrecht kämpfen … und die zentralen Versorgungselemente (Nahrung, Energie, Wasser, Wohnraum, Landbesitz) wieder in die eigene Hand nehmen.

Darf ich mal was biblisches zur Arbeit sagen? Nur, weil wir hier ja in einer christlich-abendländischen Kultur leben?

„Doch ist Arbeit auch der Bereich, in dem die Sünde am stärksten in Erscheinung tritt. Willkür, Gewalttat, Ungerechtigkeit und Raffgier machen die Arbeit zu einer erdrückenden Last für den Menschen und zu einer Quelle des Hasses und der Entzweihung“.

Das eigentlich positive Bild der Arbeit – die schöpferische und damit gottähnliche Tätigkeit, wird durch den fremdorganisierten Arbeitsprozess pervertiert.

„Dadurch, dass der Mensch zu Gott nein gesagt hat, hat er auch zu seiner Schöpfung und Schöpfungsordnung nein gesagt. Er hat sich gerade dort selbst in Frage gestellt, wo er schöpferisch tätig sein will. Er hat sich die Welt der Arbeit verfremdet. Dadurch ist sie unmenschlich geworden oder kann es jederzeit werden. So ist der Mensch gerade dort, wo er durch seine eigene Schöpfung am weitesten über sich hinauswächst, am meisten gefährdet. Er kann sich durch diese radikal in Frage stellen, ja vernichten.“ (aus: Praktisches Bibellexikon, Herder, 8.Auflage 1985, Seite 66).

Das war jetzt nicht Marx oder der böse Sozialismus, sondern … die Weisheit von Ziegenhirten aus dem ersten Jahrtausend vor Christi Geburt.

Und beschreibt unseren Alltag bis ins Detail. Und den Weg der „Minderleister“ nach Dachau.

Ich hoffe, das Lachen über heilige Kühe bleibt Ihnen jetzt im Halse stecken.

Ich fürchte nur: für diesen perversen, vernichtenden Kult gilt das gleiche wie für die Terrororganisation „Islamischer Staat“: mit der Yogamatte unter dem Arm werden wir ihn nicht los. Weiß man auch in den USA … weshalb man dort an gewaltfreiem Widerstand und Aktionen zum zivilen Ungehorsam im Rahmen einer Aktion „Demokratischer Frühling“ arbeitet.

Wann fangen Sie damit an?

Adolf Hitler lebt und erobert die Welt … mit Arbeitslosen.

Montag, 5.November 2012. Kurz vor dem Ende der Welt - wenn man dem Maya-Kalender trauen darf. Bald kommen tausende von UFO´s und klauen unser Gold, die Zeit hört auf zu existieren oder alle Menschen werden weise. Das ist auch gut so. Wir sollten uns beeilen mit dem Weltende, denn wenn wir das nicht tun, werden wir ein Stück Geschichte wiederholen, das zu den widerwärtigsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte gehört. Doch zuerst ein Frage: kennt jemand Adolf Hitler? Nein, nicht den größenwahnsinnigen Aktmaler aus Österreich, sondern den edlen Retter der Menschheit, der es wagte, ganz allein gegen das internationale Kapital aufzustehen und von ihm tief in den Dreck zurückgestoßen wurde? Nein - hier in Deutschland kennen wir den nicht. Hier in Deutschland sind wir sowieso Meister der Verdrängung, wie die konservative Welt heute schreibt:

Montag, 5.November 2012. Kurz vor dem Ende der Welt – wenn man dem Maya-Kalender trauen darf. Bald kommen tausende von UFO´s und klauen unser Gold, die Zeit hört auf zu existieren oder alle Menschen werden weise. Das ist auch gut so. Wir sollten uns beeilen mit dem Weltende, denn wenn wir das nicht tun, werden wir ein Stück Geschichte wiederholen, das zu den widerwärtigsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte gehört. Doch zuerst ein Frage: kennt jemand Adolf Hitler? Nein, nicht den größenwahnsinnigen Aktmaler aus Österreich, sondern den edlen Retter der Menschheit, der es wagte, ganz allein gegen das internationale Kapital aufzustehen und von ihm tief in den Dreck zurückgestoßen wurde? Nein – hier in Deutschland kennen wir den nicht. Hier in Deutschland sind wir sowieso Meister der Verdrängung, wie die konservative Welt heute schreibt:

Viel erschreckender als die Morde an Migranten selbst ist die Art und Weise, in der deutsche Institutionen beim Kampf gegen Neonazis versagen. Auch die Politik tut nicht das, was sie müsste. 

Verdrängung – der Klassiker. Funktioniert auch bei Politikerkorruption, Staatsschulden, Massenarmut bei Kindern oder Eliminierung der Menschenrechte durch Hartz-Gesetze.  So bleibt Deutschland sauber, der Bürger ruhig und die Börse der Täter prall gefüllt. Wenn aber Linke irgendwo zu orten sind, dann werden wir gleich aktiv – so jedenfalls berichtet der Spiegel heute. „Feine Sahne Fischfilet“ – eine Punkband – ist ins Visier des Verfassungsschutzes geraten. Der Chef der Truppe hat etwas ganz Schreckliches gesagt:

„Wenn irgendwelche Nazis verprügelt werden, werde ich mich nicht hinstellen und in Mitleid für so einen Menschen schwelgen.“

Der Mann hat allen Grund, auf Nazis nicht gut zu sprechen zu sein:

Monchi fühlt sich an die mehr als 1000 Aufkleber erinnert, die Rechtsextreme vor Jahren in Umlauf brachten, mit Monchis Konterfei darauf, der Schädel gespalten, eine Portion Kot auf dem Weg ins Gehirn. Noch immer kursieren sie in der Szene. Das mache Angst, das schüchtere ein, sagt er. „Aber noch mehr treibt es einen an, weiterzumachen.“

So ist Deutschland. Der eine wird vom Verfassungsschutz observiert, weil er für Menschen kein Mitleid empfindet, die ihm den Schädel spalten wollen, die Schädelspalter laufen frei herum und ermorden Menschen in Massen. Wir seien auf dem rechten Auge blind, heißt es dann immer schnell. Dabei stimmt das gar nicht: wir schauen genau hin. Nur die Kategorie ist eine andere: Hitler gehört nicht in die Kategorie POLITIK, sondern in die Kategorie WIRTSCHAFT. Er ist ein deutscher Exportschlager, wohin man schaut, steht er hoch im Kurs. Einfach mal genau nachsehen:

Zum Beispiel in Indonesien, siehe TAZ:

„Hitler war mächtig und entscheidungsfreudig.“ Spricht sie von Adolf Hitler, benutzt sie das Wort „beliau“, das Ehrfurcht ausdrückt.

Auch in Russland erfreut sich der Führer wachsender Beliebtheit. 2007 berichtete der Spiegel von 2000 Teilnehmern des „Russischen Marsches“:

Zu Hakenkreuz tragenden Glatzköpfen in schwarzen Ledermänteln, Springerstiefeln, SS-Uniformen oder Bomber-Jacken gesellen sich alte Frauen, die schlecht kopierte Flugzettel ausgeben, junge geschminkte Studentinnen in hochhackigen Stiefeln und Eltern mit ihren kleinen Kindern in bunten Schneeanzügen. Selbst sie strecken schon den Arm zum Hitlergruß aus.

Interessant die Argumentation der Bürger dieses Landes, das wie kein anderes unter der Nazi-Barbarei gelitten hat:

Die Rentnerin Monika Nikolajewa verteilt eifrig Flugblätter, auf denen Oligarchen wie Boris Beresowskij, Wladimir Gusinskij und Michail Chodorkowski als Volksfeinde abgebildet sind. „Diese Milliardäre schicken ihre Kinder im Ausland auf die Schule“, regt sich die Großmutter einer 15-jährigen Enkelin auf: „Für unsere Kinder reicht das Geld nicht einmal, um sie in Russland auf die Universität gehen zu lassen.“

Wir Deutschen dürften so etwas gar nicht sagen: „Sozialneid“ wäre das Totschlagargument, das in unserer ganzen Medienlandschaft anerkannt und angewandt wird.

Dabei geht es nur um Gerechtigkeit – ein Wort, das im deutschen Sprachgebrauch immer seltener Einlass findet.

2012 beteiligen sich am russischen Marsch schon 20000 Leute (siehe TAZ) – die Kinder von früher sind größer geworden. 2011 berichtete „Russland-aktuell“ über Massenmorde durch Neonazis – besonders gern zu Ehren des Führers an seinem Geburtstag – und darüber, das die Regierung Putin locker darüber hinwegsehe. Kommt einem als Deutscher sehr vertraut vor.

Doch halten wir erstmal weiter nach Fans des Führers Ausschau. Fündig werden wir in Italien, GriechenlandMarokko, Thailand (hier sogar als Ronald McDonald-Ersatz), Pakistan, Südkorea oder Saudi-Arabien, wobei die deutsche Zensur auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerne mal zuschlägt um Hitlers Kollaborateure aus dem islamischen Dunstkreis zu verdrängen, siehe den aufschlussreichen Artikel von Karl Rössel – hier in ungekürzter Fassung.

Größere Bedeutung hat die Hitler-Verehrung auch in Indien. Schon 2005 berichtete der Spiegel über Israels Kritik an Indischen Schulbüchern, die ihren Schülern interessante Perspektiven vermittelten:

„Hitler verlieh der deutschen Regierung durch den Aufbau einer starken Verwaltung in kurzer Zeit Würde und Ansehen.“

2012 hat sich der Trend endgültig durchgesetzt. Hitler wird Namensgeber von Geschäften und zur nationalen Kultfigur:

Hitler hat in den vergangenen Jahren durch schnelle Popularität, in Indien an Bedeutung gewonnen. Dieses Phänomen ist ein Paradox, weil es in Indien keinen Antisemitismus gibt. Und obwohl das Land nie Antisemitismus gekannt hat, sind die Verkäufe von Hiltlers Mein Kampf in den letzten zehn Jahren um über 15% gestiegen. Der Name “arisch” ist ein beliebter Vorname in Indien und “Hitler” ist der Name des Protagonisten in vielen Bollywood-Produktionen.

Eine Erklärung für diesen Ruhm ähnelt jener Perspektive, die wir schon aus Russland kennen:

Als Teil dieser Fehlinformation glauben viele Inder, dass die Achsenmächte des Zweiten Weltkrieges, teilweise verantwortlich für die Unabhängigkeit Indiens von den Briten im Jahr 1947 waren. Es wird vermutet, dass Hitlers Krieg Großbritannien dazu gezwungen hat, seine Ressourcen in Europa zu konzentrieren. Un das Großbritannien deshalb ein Gebiet so groß wie Indien nicht mehr steuern konnte, so dass Raum für eine indische Unabhängigkeitsbewegung entstand.

Hitler als Widerstandskämpfer gegen das internationale anglo-amerikanisches Imperium: man hätte sich fast denken können, das es so endet.

Wer nun denkt, die Liste der Hitlerfans ist damit am Ende, der irrt. Auch in China kommt der Führer ganz groß in Mode, siehe SZ:

In China ist Adolf Hitler ein großer Mann. Eindeutig größer als er ist nur einer, ein von chinesischen Nietzsche-Interpretationen geprägter Übermensch, Schutzpatron und Halbgott – Mao Zedong.

Die Begeisterung für Übermenschen, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Rezeption des Genie-Begriffs und des Konzepts „große Männer“ begonnen hat, erschüttert jedoch keine Kritik. Selbst in der Modewelt gilt diktatorische Größe als schick. 2003 brachte der chinesische Bekleidungshersteller Izzue in Hongkong eine mit SS-Abzeichen und Hakenkreuzen bedruckte Sommerkollektion für trendbewusste Jugendliche heraus.

China-intern wird da noch deutlicher:

Die Hitlerverehrung ist in China kein verbotenes Thema, „Mein Kampf“ ist so beliebt, dass viele Chinesen das Buch auf dem Nachttisch stellen, es ist quasi Pflichtlektüre. Das Lied „Die Fahne Hoch“, das hierzulande verboten ist, wird in China immer beliebter. Viele Chinesen geben positive Kommentare über Hitler ab. Eine neue Hitlerverehrung entsteht auf diese Weise nicht in Deutschland, aber in China. Kommentare wie „Der Führer lebe ewig“ oder „Dieser großartige Volksführer hat uns schon lange verlassen. Es gibt immer Menschen, die ihn kritisieren, das deutsche Volk hat aber kein Recht dazu, ihn zu kritisieren. Warum? Wir sollen an ihn glauben und ihn verehren, weil er es nach dem WK I geschafft hatte, das Volk zu einen und es zu einem Volk machte, das das Weltenschicksal steuern konnte.“
Warum informiert eigentlich der Verfassungsschutz nicht über die neue Hitlerwelle, die weltweit immer skurrilere Erfolge feiert? Vielleicht … weil man sich dann mit den wirklichen Herren der Welt anlegen müsste? Schauen wir uns zu diesem Zwecke doch einmal an, wer dafür gesorgt hat, das Hitler an die Macht kommt. Dazu gibt es ganze Bücher – wie dieses hier:
Als Adolf Hitler im Herbst 1919 erstmals zur NSDAP stößt, befinden sich in der Parteikasse gerade mal 7 Mark und 50 Pfennig. „Das war ja eine Vereinsmeierei allerärgster Art“, erinnert sich Hitler. „Außer einigen Leitsätzen war nichts vorhanden, kein Programm, kein Flugblatt, überhaupt nichts Gedrucktes, keine Mitgliedskarten, ja nicht einmal ein armseliger Stempel.“

Das ging ja nun mal gar nicht. Wir erfahren deshalb auch im Weiteren, das man schon früher wusste, mit welchen Mitteln man Gesellschaften auf einen anderen Kurs bringt:

Zu Recht kommentiert das Ministerium des Äußeren im Jahre 1923 über die Nazis: „Wie zum Krieg, so gehört zur Revolution erstens Geld, zweitens Geld, drittens Geld. Ohne Geld keine Revolution.“

Und weil das Geld ausblieb, hätte Hitler beinahe wieder zur Aktmalerei zurückkehren müssen. Diese Schicksal blieb ihm jedoch erspart:

Um das Jahr 1928 hätte die NSDAP genau so gut wieder untergehen können – wenn da nicht auf einmal beträchtliche Parteispenden gewesen wären, die Hitler die Mittel für gewaltige Propagandaschlachten lieferten.

Ohne massive Geldspenden hätte also die NSDAP niemals den Lauf der Weltgeschichte dermaßen beeinflussen können, wie sie es später tat. Hitler wäre ein belächelter Eiferer unter vielen geblieben, eine verkrachte Existenz mit Größenwahn.

Das Geld jedoch floss – und nicht nur aus den Reihen der deutschen Industrie.  Dies findet man in Karl-Heinz Deschners „Der Moloch“, hier bei wahrheitssuche:

Schon ein Prozeß im Sommer 1923 wegen der NSDAP-Finanzierung hatte ergeben, daß der Partei drei mal große Geldbeträge aus dem Saargebiet über die Deutsche Bank zugeflossen waren. Nach Überzeugung des Gerichts stammten sie von amerikanischer Seite, dem Großindustriellen Henry Ford, der lebhaft eine deutsche Aufrüstung wünschte. 

Es war aber nicht nur der Herr Ford, der sein Scheckbuch zückte. Es gab eine breite Allianz der Wallstreet-Größen:

Bei Beratungen der Präsidenten der „Federal Reserve“ Banken, des eigentlichen Finanzzentrums der Wallstreet, der fünf unabhängigen Banken, Vertreter der Royal Dutch, der Standard Oil, Rockefeller jun. und anderen im Sommer 1929 wurde Warburg schließlich gebeten zu prüfen, ob Hitler für amerikanisches Geld zugänglich sei. Als Gegenleistung hätte dieser gegenüber Frankreich eine aggressive Außenpolitik einzuleiten, sollte aber in die wirklichen Motive der amerikanischen Unterstützung nicht eingeweiht werden.

Hitler seinerseits habe bei den Verhandlungen in Berlin betont, daß „er mit den Arbeitslosen alles machen könne, wenn er ihnen nur Uniformen und Verpflegung gebe … Alles hinge vom Geld ab … Die USA-Hochfinanz habe doch sicher ein Interesse daran, daß er, Hitler, an die Macht komme, denn sonst hätte sie ihm nicht bereits 10 Millionen Dollar übergeben … Wenn er von der USA-Hochfinanz 500 Millionen Mark erhalte, sei er in „sechs Monaten fertig“. Hitler habe auch die Kommunisten als erledigt bezeichnet und erklärt, er werde nun die Sozialdemokraten ausschalten, durch Wahlen oder mit Gewalt. Eventuell komme noch eine Verhaftung von Hindenburg, Schleicher, Papen, Brüning in Betracht, aber alles koste Geld, und das bisher aus den USA erhaltene sei verbraucht.

Die wussten genau, was sie für ihr Geld bekamen. Der lästige Konkurrent Frankreich wurde ausgeschaltet. Und Hitler wusste genau, was er ihnen geben konnte:

eine gewaltige Heerschar von Arbeitslosen in Uniformen.

Das scheint überzeugt zu haben.

Auch Hitler war von den USA begeistert, dies zeigt vor allem sein zweites Buch, das – seltsamerweise – nur deshalb der Nachwelt erhalten blieb, weil ein jüdischer Historiker es aus den Archiven der USA ausgrub und ein jüdischer Verleger aus Deutschland es veröffentlichte- siehe Wikipedia:

Dagegen beschreibt Hitler im Zweiten Buch die Vereinigten Staaten als eine dynamische, „rassisch erfolgreiche“ Gesellschaft, die Eugenik und Rassentrennung praktiziere und eine vorbildliche Einwanderungspolitik auf Kosten „minderwertiger“ Einwanderer aus Süd und Osteuropa betreibe. Woher dieser Wandel in Hitlers Einstellung zwischen 1924 und 1928 rühren mag, ist unbekannt.

Eugenik und Rassentrennung – das gefiel dem Führer. Und deshalb gefiel der Führer auch seinen Finanziers von der Wallstreet. Es ist wohl nicht zu weit hergeholt, zu vermuten, das das „Missing Link“ in dieser Argumentationskette darin besteht, das „interessierte Kreise“ mit Geld und guten Worten den Führer auf ihre Seite gebracht haben.

Doch kehren wir zurück in das Jahr 2012, jenem Jahr, in dem man den beachtlichen weltweiten Aufstieg Adolf Hitlers beobachten kann, jenem Jahr, in dem im Handelsblatt erstaunliche Worte zu lesen sind:

Wahr ist: die wachsende Spaltung des Landes in Arme und Reiche, die Schwächung von Gewerkschaften und sozialstaatlicher Strukturen durch die neoliberalen Reformen der letzten Regierungen, haben die Gewichte innerhalb des Landes zugunsten einer zunehmend ruchlosen, ja zum Teil asozialen Elite verschoben, die mit ihrer ganzen finanziellen und politischen Macht die Kandidatur Romneys unterstützt. 

Eine ruchlose, asoziale Elite? Die vielleicht sogar langfristige Pläne verfolgt? Jene Elite, die über die WTO und die Weltbank weltweit jene neoliberalen Reformen unterstützt haben, die uns in Deutschland Hartz IV einbrachten? Die Agenda 2010, die in Deutschland ein nie dagewesenes Maß an Armut und sozialer Ungerechtigkeit eingeführt hat … und aktuell ein Heer von 2,5 Millionen Kinder produziert, die unter erbärmlichsten Umständen am Rande der Gesellschaft dahinvegetieren, während Politik und Wirtschaftsführer sich den Wamst vollschlagen, wo immer es geht? 2,5 Millionen Menschen, die – wenn sie erwachsen werden, nur darauf warten, in Uniformen gesteckt und mit Verpflegung versorgt zu werden, um es der asozialen Gesellschaft heimzahlen zu können, die ihre Eltern schikaniert und ihnen ihre Zukunft genommen hat?

Lauschen wir doch nochmal weiter den Worten amerikanischer Führer:

Der ultrakonservative Aktivist und Finanzier Grover Norquist hat dies wie folgt auf den Punkt gebracht: „Wir wissen was wir wollen, wir brauchen keine Anführer, brauchen lediglich jemanden im Weißen Haus, um die Gesetze, die der Kongress macht zu unterschreiben.“

So denken die: die brauchen nur jemanden, der ihre Arbeit macht. Romney, Obama, Hitler – denen ist es egal, wer den Job macht. Und das geben sie offen zu.

Das Szenario erinnert sehr an des Ende der Weimarer Republik – ein Ende, das – wie wir jetzt sehen – von Hitler ganz bewußt mit Hilfe der Arbeitslosen herbeigeführt worden ist, jener Arbeitslosen, die wir nur Dank der intensiven Wühlarbeit amerikanischer Interessengruppen haben, jener Interessengruppen, für die die Zerschlagung der Sozialstaaten sowie die Deregulierung der Finanzmärkte oberste Priorität hatten.

Jetzt haben sie, was sie wollten – diesmal sogar weltweit.

Was sie jetzt nur noch bräuchten, wäre ein geklonter Hitler. Technisch – glaube ich – kein Problem mehr. Der könnte in Deutschland ungeniert herumwandern, das Verfassungschutz würde schon dafür sorgen, das ihm die bösen Linken nichts tun – und in ganz Asien bräche Jubel aus.

Den USA käme das gerade recht: das Imperium zerbricht – und zelebriert Werte, die dem Führer sehr gefallen würden, siehe Spiegel:

Und tatsächlich: die Fanatiker, von denen Mitt Romney sich abhängig gemacht hat, haben alles über Bord geworfen, was den Westen ausgezeichnet hat: Wissenschaft und Logik, Vernunft und Mäßigung oder einfach Anstand. Sie hassen die Schwulen, die Schwachen und den Staat, sie unterdrücken die Frauen und verfolgen die Einwanderer, und ihr Abtreibungsmoralismus macht auch vor den Opfern von Vergewaltigung nicht halt. Sie sind die Taliban des Westens.

Die brauchen wieder dringend ihren Krieg … und Menschenmaterial dazu produzieren sie gerade in großen Massen, sowohl in den USA selbst, als auch in Europa und Asien.

Wir hatten das schon einmal. Wieder wünscht sich die Welt einen großen Führer, wieder sorgt das Kapital für ein günstiges Klima, einen gut gedünkten Boden, ideale Verhältnisse auf dem die neue Brut sprießen kann.

Und wieder tun wir so, als sei das alles nur Zufall. Dabei ist es einfach „Wirtschaft“ – bzw. jene Form, in der „die Wirtschaft“ oder „die Märkte“ gerne Politik machen: mit Uniformen, Aufmärschen und Todesschwadronen.

Darum steht dieser Artikel auch in der Kategorie „Wirtschaft“.

Vielleicht merken wir ja nach dem nächsten Weltkrieg, das man „Wirtschaft“ aus „Politik“ heraushalten muss, weil man sonst nur weitere Hitlereien produziert.

 

Das Ende der Arbeit? Brennende Manager, Hunger und steuerfreie Millionäre.

Wie gerne würde ich was Schönes schreiben – etwas, das zum Wetter passt. Früher habe ich so Menschen motiviert: Geschichten von der Goldenen Zukunft erzählt, einer Zukunft, in der der Mensch die Möglichkeit hat, sein volles kreatives Potential zu entfalten, weil der „Fluch Arbeit“ durch Maschinen von ihm genommen wurde und so Gelegenheit genug war, das Reich des Ewigen Friedens auf Erden zu etablieren.

Nun – für manche scheint es dieses Reich zu geben, in der SZ lese ich heute von ihnen:

Was für ein Leben: viel Geld verdienen, eine Villa am See besitzen – und die Gewissheit haben, dass das Finanzamt nur selten vorbeikommt. Nach Ansicht der Grünen reduzieren viele Bundesländer absichtlich die Zahl der Steuerprüfungen.

Irgendwie sind manche auf der Reise in die Goldene Zukunft falsch abgebogen. Am Ende der Arbeit wartete nicht das Paradies auf uns, sondern die ARGE, eine Institution, die Armut per Gesetz verordnet und sich der hohen Kunst verschrieben hat, zehn reale Arbeitslose mit einem einzigen (oft auch noch fiktiven) Arbeitsplatz zu beschäftigen. Was dabei herauskommt, kann jeder daheim selbst herausfinden: einfach mal zehn Tomaten in eine Tasse quetschen, in die eigentlich nur eine einzige hineinpassen würde.  Ein Tipp: mit Vernunft hat das Ergebnis nur noch wenig zu tun.

Gegen Hartz informiert vorab aber schon mal, welche Pläne noch so angedacht sind, um das Problem der verschwundenen Arbeit zu  lösen:

So wird ersichtlich, dass Union und FDP langfristig das System der Absicherung und Integration von Arbeitslosen umorganisieren wollen, weg von einem Leistungsanspruch, hin zu mehr Subventionen für Arbeitgeber, dem Ersatz von Pflichtleistungen, auf die Arbeitslose einen Rechtsanspruch haben, in Ermessensleistungen und hin zu einer entlohnungsfreien Arbeitspflicht in der freien Wirtschaft für Arbeitslosengeld II Bezieher (ALG II).

Entlohungsfreie Arbeitspflicht … schönes Synonym für Sklavenarbeit. So errichtet man Imperien – einfach mal Babylonier, Römer oder Mongolen fragen, die haben damit schon Erfahrungen gesammelt.

Nun reagieren Arbeitslose auf diesen Prozess der Integration von zehn Personen auf einen Bürostuhl im Prinzip wie Tomaten: sie gehen kaputt – oft, aber nicht immer. Unsere weichen Westtomaten neigen da besonders schnell zum zerplatzen, die Inder sind da laut Welt schon ganz anders drauf:

Sie waren sauer über anstehende Entlassungen: Mehrere Stahlarbeiter haben einen Manager ihres Konzerns mit Benzin übergossen und verbrannt.

So kann es auch gehen – Kampf um den Arbeitsplatz mal ganz anders.  Sollte sich das Einbürgern, würden Tarifverhandlungen in Zukunft wohl andere Ergebnisse zeitigen, aber man könnte dann wohl nicht mehr darauf verzichten, Millionäre zu besteuern. Ob dieses Modell des Arbeitskampfes sich durchsetzt, wird die Zukunft zeigen – erkennbar ist aber jetzt schon, das am Ende der Arbeit nicht das Paradies auf uns wartet – sondern seltsamerweise der Hunger. In den USA hat man da laut „Querschüsse“ schon Erfahrungen gesammelt:

Laut den Daten des US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture) stieg die Zahl der Food Stamps Bezieher im Dezember 2010, bereits den 26. Monat in Folge, auf 44,082 Millionen an, nach 43,595 Millionen im Vormonat und nach 38,978 Millionen im Vorjahresmonat.

Das riecht verdächtig nach Hunger, kann aber nicht sein, weil es den in den USA nicht mehr gibt. Den haben die USA aber so elegant aus dem Weg geräumt wie die Deutschen ihre Arbeitslosenzahlen, siehe Wikipedia:

Im Jahre 2006 geriet das Ministerium in die Schlagzeilen, weil es in seinem neuesten jährlichen Bericht über die Nahrungsmittelversorgung der US-Bevölkerung den Begriff Hunger entfernte und durch dieeuphemistische Bezeichnung „sehr niedrige Nahrungssicherheit“ (very low food security) ersetzte. Dem Bericht zufolge gehören 12 % der US-Amerikaner, also über 35 Millionen Menschen, zu der durch sehr niedrige Nahrungssicherheit gefährdeten Gruppe.

Super! Einer von acht Amerikanern hungerte schon 2006. Man darf nicht daran denken, was wäre, wenn es heute auch noch Hunger in den USA gäbe, die Zahlen würden wohl sehr unheimlich werden. Wie gut, das die Definitionskünstler unter den wohlversorgten Regierungsbeamten immer erfolgreicher das Sandmändchen für die Bevölkerung spielen, während der Hunger laut Manager Magazin immer weiter vorrückt:

Eskalierende Preise treiben tausende Inder durch die Straßen, in China warnt Premier Wen Jiabao vor Unruhen: Ein Inflations-Tsunami droht das boomende Asien zu überfluten, das Deutschland wie ein Hafenschlepper aus der Rezession ziehen half. Jetzt fürchten Ökonomen Schockwellen bis nach Deutschland.

Auf diese Schockwellen bereiten sich wohl die asozialen Raffgeier und Gierschlünde der Gesellschaft vor – zusammen mit den Verantwortlichen in Regierung und Opposition, alle nach dem Motto: nach mir die Sintflut! Nur so scheint man die steigende Abwesenheit praktischer Vernunft  in Regierungs- und Wirtschaftsgeschäften erklären zu können.

Das haben wir also davon gehabt, das wir uns vor 150 Jahren (eine unglaublich kurze Zeit, wenn man recht bedenkt) mit ein paar glitzernden Perlen von unseren Äckern haben fortlocken lassen. Im Prinzip geht es uns da wie den Indianern, die auch die gleichen Perlen hereingefallen sind. So verlockend, so sicher, geborgen und golden schien die Zukunft in den industrialisierten Städten zu sein, doch am Ende war das alles nur ein Trugschluß und auf Sand gebaut. Am Ende der ganzen Zivilisationsentwicklung zeigt sich, das wir immer noch dem gleichen Urteil unterliegen, dem schon unsere Urväter gehorchen mußten: ohne Arbeit droht der Hunger – nur ist er diesmal künstlich erzeugt, politisch gewollt – oder durch bloße Dummheit in die Welt gekommen.

Diesmal aber haben wir nicht mehr die Kraft, ihn im Notfall zu verbannen. Sollte die Welt uns wirklich mal übel gesonnen sein, so kann dieses Land nur noch einen winzigen Bruchteil seiner Bevölkerung ernähren, die man bei „Freies Wort“ nachlesen kann:

Die regionale Selbstversorgung liegt in Deutschland nur noch bei alarmierenden 10%, in Havanna, Kuba, sind es 70%.

Wer würde also richtig ernste Krisen überleben? Jene Krisen, die unserer Bundeswehr den Ölhahn abdrehen könnten?

Über mangelnden Revolutionswillen in diesem Land sollte man sich anhand dieser Zahlen nicht mehr wundern – hier steht der Hunger schon vor der Tür, obwohl der Tisch noch prall gefüllt scheint. Bricht nur einmal die Lieferkette zusammen – wegen Ölmangel, Krieg, Seuchengefahr … dann haben wir auch kein Problem mehr mit der Arbeitslosigkeit, sondern nur noch eins mit der Leichenentsorgung.

Da müssen die Millionäre und Parteifunktionäre dann aber mal selbst Hand anlegen und zum ersten Mal in ihrem Leben richtig arbeiten. Vielleicht tröstet das ja den einen oder anderen jener Mitbürger, die in ihrem Leben immer nur eins kannten: zuviel Arbeit für zuwenig Geld.

 



 

 

 

 

Fortschritt: wieder mehr Frauen in Indien verbrannt, Todesursache „Mädchen“ im Aufschwung

Heute haben wir ja Aufschwung, früher hatten wir FORTSCHRITT. Der FORTSCHRITT war eine Art Heilslehre, ähnlich dem Katholizismus oder dem Kommunismus, allerdings sollte er wie letzteres PARADIES NOW bringen – also genau das Richtige die schnelllebige Zeit der Moderne.  Wohlstand, Gesundheit, Glück für alle – das war versprochen. Das Zeitalter der Aufklärung fegte Adel und Klerus hinfort (was oft dasselbe war) und eröffnete der Menschheit ganz neue Möglichkeiten.  Krankenversicherungen, Rentenversicherungen, Arbeitslosenversicherungen sollten Freiheit bringen von den Widrigkeiten der menschlichen Existenz.  Es gab noch ein paar Streitigkeiten, mit wem zusammen das Paradies nun noch paradiesiger werden würde, wer die Kommandogewalt über die Produktionsmittel in Händen halten sollte und wie man am effektivsten Volksvertreter wählt, doch der Grundtenor war klar: wir bewegen uns endlich nicht mehr nur von einem sagenhaften goldenen Zeitalter in mystischer Ferne fort, sondern wir bewegen uns auf ein paradiesisches goldenes Zeitalter hin, in dem niemand mehr arbeiten braucht, weil die Maschinen uns von diesem Fluch befreien.

Da hatte man die Rechnung erstmal ohne die SPD gemacht. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ … auf einmal war Arbeitslosigkeit im Prinzip mit dem Tode bestraft worden, was schlimm war zu einer Zeit, in der sie sowieso schon knapp war.  Wo da jetzt der Fortschritt gegenüber der Leibeigenschaft sein soll (außer das man die Partei, die den Fürsten bestimmt, jetzt auch mal wählen kann), bleibt fraglich.

Schaut man sich nun im 21. Jahrhundert um so findet man langsam gehäuft Absonderlichkeiten – nicht nur Chinesinnen, die laut Spiegel Hasen foltern, sondern auch die systematische Ermordung und Verbrennung von Frauen als Geschäftszweig im ansonsten so zivilisierten Indien, hier aus einer Seite, die für indische Patenkinder wirbt:

Heiraten in Indien hat eine traditionelle und eine kommerzielle Seite angenommen. Besonders die Mitgift der Frau ist zu einer wirtschaftlichen Transaktion zwischen den beteiligten Familien geworden. Da Frauen nicht unter Stand heiraten dürfen, müssen sie sich bei einer „höheren“ Familie mit Geschenken an den Bräutigam, dessen Eltern und eventuell anderen Familienmitgliedern „einkaufen“. Dabei übersteigen die Kosten für die Geschenke und die Feier oft das Jahreseinkommen der Brautfamilie. Töchter sind somit eine teure Angelegenheit und o.g. Repressalien beruhen auf Grundlage dieser Entwicklung der Mitgift. Oft werden die Ehefrauen nach ihrer Hochzeit zu Nachzahlungen ihrer Mitgift angehalten. Kann nichts mehr gezahlt werden, fallen die Frauen oft inszenierten Unfällen zum Opfer, sprich sie verbrennen beim Kochen am Kerosinkocher o.ä.: die Schätzungen über die Zahl der Mitgiftmorde gehen bis zu 15 Frauen pro Tag! Jährlich werden mehr als 5.000 Frauen wegen der Mitgift umgebracht (Jahresbericht der Vereinten Nationen). In den meisten Fällen werden die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen.  Auf Grund des Mißbrauchs der Mitgift ist diese zwar gesetzlich verboten, findet aber weiterhin statt.

Nun, lange Zeit sind wir in dem Glauben erzogen worden, das die Unmenschlichkeit eine aussterbende Verhaltensweise ist, so wie man uns auch weiß machen wollte, das Religion nur etwas für verirrte Geister ist und dort nicht gedeien kann, wo der Kommunismus herrscht. Die aktuellen Entwicklungen in den ehemaligen Sowjetrepubliken zeigt, das man sich auch da geirrt hat – der Islam ist dort lebendiger denn je.  Lange Zeit haben wir ja geglaubt, das die Welt beherrscht wird von dem dialektischen Treiben, These aufgestellt, Antithese wahrgenommen, Synthese macht Geschichte – der Markt regiert einfach alles. So dachten wir, es reicht, wenn ein Franz Alt mal einen Bericht über die Situation in Indien macht, dann ist ja der These/Antithesemechanismus angeschoben und die Welt heilt sich von selbst:

Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu gibt es Dörfer, in denen bis zu 80 Prozent aller neugeborenen Mädchen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden. Die Jahresstatistik einer Abtreibungsklinik in Bombay sieht so aus: 100 abgetriebene Jungen, aber 6.900abgetriebene Mädchen. Im Bundesstaat Andhra Pradesh gibt es 25.000 Tempelprostituierte. Die Mädchen werden mit sechs Jahren der Göttin geweiht und müssen ab 13 Jahren Männern sexuell zu Diensten sein. Die Polizeistatistik zählt jährlich 7.000 Mitgiftmorde in Indien. Aber mitten in diesem Elend gibt es auch positive Entwicklungen: Die Deutsche Hilfsorganisation Andheri-Hilfe leistet seit 15 Jahren zusammen mit indischen Frauengruppen effektive Entwicklungsarbeit. Sie drängen zum Beispiel darauf, dass Frauenmörder nun erstmals bestraft werden. Über 140.000 Frauen arbeiten bereits in Frauengruppen mit. Franz Alt berichtet in seiner Reportage, wie sich in Indien im Lauf der Zeit der Umgangmit Mädchen verändert hat. Er zeigt Dörfer, in denen seit drei Jahren kein Mädchen mehr getötet wurde. Dutzende von ehemaligen Tempelprostituierten berichten, wie und warum sie ausgestiegen sind und jetzt andere zum Ausstiegbewegen.

Der weltweite Fortschritt der Humanität ist unaufhaltsam.  Jedenfalls gehört das zum Mythos der Aufklärung, zum Mythos des unaufhaltsamen Sieges der Menschenrechte.

Wir Deutschen waren ganz vorne mit dabei, den Fortschritt in die Welt zu bringen und deshalb auch überall gut angesehen (das war noch vor Afghanistan). Auch heute noch argumentieren wir ja gerne, das wir eigentlich nur in Afghanistan sind, um die Frauen zu retten. Da stellt sich jetzt die Frage, ob wir auch in Indien einmarschieren, denn in Indien wendet sich das Blatt laut Bericht des Ökumenischen Rates gerade wieder:

„Letztes Jahr haben die Mitgiftmorde zugenommen“, sagte Premindha Bannerjee vom Christlichen Verband junger Frauen am Internationalen Gebetstag für den Frieden (21. September) im Zentrum für Integration und Gleichberechtigung in Neu-Delhi.

„Wir rätseln noch immer darüber, welches die wahren Gründe für die Mitgiftmorde sind“, erklärte Bannerjee. „Die Gesetze gegen Mitgiftmorde waren in den 1980er und 1990er Jahren erfolgreich, doch nach einer Reihe von Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof griffen sie dann nicht mehr. Es gibt ungefähr 45 äußerst frauenfreundliche Gesetze in Indien, aber ihre Anwendung ist schwierig. Wir müssen uns auf die Anwendungstechniken konzentrieren.“

Bulu Sarin von Christian Aid sagte, dass sich das Aufkommen von Gewalt gegen Frauen in Indien von physischer Gewalt auf seelische und psychische Gewalt ausgedehnt habe. Frauen, die psychisch schikaniert werden, können nun rechtliche Schritte dagegen unternehmen. Das Gesetz zur Verhütung häuslicher Gewalt ist seit 2005 in Kraft. Allerdings werden nur wenige Täter strafrechtlich belangt, weil die Frauen sich verständnislosen Polizeibeamten und Richtern gegenübersehen.

So etwas liest man selten in den Medien, die mitlerweile hauptsächlich das politisch gewollte „Tittytainment“ produzieren, um die Konsumlaune nicht erlahmen zu lassen. Wir erfahren eher was über das rasante Wirtschaftswachstum in Indien, was dann – als ungewollte Nebenwirkung – wirkliche Hilfe für die Bewohner des Landes erlahmen läßt – so läßt es jedenfalls die Andherihilfe verlauten.

Hinsichtlich der Motive, die zur Ermordung von Frauen führen, haben wir zumindest zu Beginn dieses Jahrtausends auch mal einen Fall in Deutschland verurteilt, hier in der Indien-Newsletter dargestellt:

Gurdev S. lebt seit 15 Jahren in Deutschland und ist mit einer deutschen Frau verheiratet. Trotzdem scheint er im März 2001 die 28-jährige Amarjit K. in Punjab geheiratet zu haben. Ihre Mitgift bestand aus Goldschmuck, Fernsehgerät, Motorroller, Kühlschrank und Kleider für 15 Angehörige des Angeklagten (insgesamt ein Wert von ca. 25.000 Euro.) Dies war für den Angeklagten Gurdev S. nicht genug; er wollte mehr, mehr Schmuck und ein Auto. Um seine materiellen Forderungen durchzusetzen, zündete er seine Braut an.

Durchschnittliches Heiratsalter für indische Frauen: 15, 3 Jahre.

„Todesursache Mädchen“ ist mitlerweile nicht mehr nur ein indisches Problem, wie die Unicef 2004 berichtete:

22.11.04 Weltweit fehlen schätzungsweise 60 Millionen Frauen, weil weibliche Föten gezielt abgetrieben, Mädchen als Babys getötet oder so schlecht versorgt werden, dass sie nicht überleben. Hierauf weist UNICEF anlässlich der heutigen Konferenz „Mädchen stark machen“ in Berlin hin. Besonders ausgeprägt ist die Diskriminierung in Asien: Jedes Jahr sterben allein in Südasien rund eine Million Mädchen kurz nach der Geburt oder in den ersten Lebensjahren. In Pakistan wurden allein 2002 mehr als 450 Frauen bei so genannten Morden aus Ehre von ihrer eigenen Familie umgebracht. In Indien wird alle sechs Stunden eine jung verheiratete Frau lebendig verbrannt, totgeschlagen oder zum Selbstmord getrieben, weil sich die Familien über die Mitgift streiten. In Bangladesch wurden in den vergangenen vier Jahren mindestens 1.156 Mädchen und Frauen von Männern mit Batteriesäure überschüttet. In Südafrika sind Vergewaltigungen an der Tagesordnung, jede dritte Frau wird zum Opfer.

Bevor der „Fortschritt“ sich so richtig ausbreiten konnte, rief man noch: „Frauen und Kinder zuerst“. Frauen sind sehr wichtig für das Überleben eines Stammes. Ein Stamm mit sechzig Männern und einer Frau ist tot, ein Stamm mit einem Mann und sechzig Frauen kann super überleben. Hier scheint der „Fortschritt“ eine Umwertung natürlicher Werte vorgenommen zu haben.

Was wäre … wenn es diesen „Fortschritt“ gar nicht geben würde? Dann wäre unsere Strategie, vor dem Fernseher zu sitzen und uns täglich beruhigen zu lassen, das die Welt immer hübscher wird, nicht ganz so erfolgversprechend, vor allem, weil der Rückfall in die Barbarei irgendwann ja auch uns erreichen wird.

Ach, ich vergaß: Franz Müntefering hat die Barbarei ja schon zurückgebracht: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.

Der Glaube an den natürlichen Fortschritt der Menschheit ins Paradies hat natürlich was Bequemes. Man braucht nichts tun, die gebratenen Tauben fliegen einem einfach so in den Mund – jedenfalls könnte es einem im industriellen Schlaraffenland BRD so vorkommen.

Vielleicht irren wir aber in dieser Hinsicht, und die Aufklärung war nur ein kurzes Aufflackern der griechischen Philosophie und wir marschieren in ein neues dunkles Zeitalter hinein, das jeden Tag auch ein Stück näher an unsere Haustür heranrückt. Wir haben uns ja auch darin geirrt, das die Anbetung der Göttin Kali nicht mehr mit Menschenopfer verbunden ist, so berichtet jedenfalls der Spiegel:

Die indische Polizei hat zwei Kinderleichen gefunden. Die Menschenopfer sollten ersten Erkenntnissen zufolge die Göttin Kali gnädig stimmen. Die Ermittler waren zufällig auf den Ritualmord gestoßen.

Solch ein Ritualmord ist kein Einzelfall: Im März war ein indisches Ehepaar wegen der Ermordung fünf kleiner Jungen verurteilt worden. Ein Wunderheiler hatte der Frau eingeredet, nur mit Hilfe von Menschenopfern würde sie schwanger. Im April wurde in der Nähe eines Kali-Tempels in Ostindien die enthauptete Leiche eines Mannes gefunden. 2006 hatte im Norden des Landes ein Vater gestanden, seinen Sohn für die Hindu-Göttin Kali getötet zu haben.

Dabei waren wir Kolonialmächte doch so stolz, das wir (also, hier mal: die Briten) 1882 den letzten Thug gehängt hatten, siehe „Heiliges Indien„:

Die „Thugs“ existierten seit dem 7. Jahrhundert nach Christus. Der Stamm brachte der Göttin Kali Menschenopfer dar. Dabei wurden die männlichen Opfer (Frauen wurden verschont) ausgezogen und auf körperliche Unversehrtheit untersucht. Die „Thugs“ opferten niemals körperlich unversehrte Menschen. Nach der Überprüfung wurde das Opfer langsam stranguliert, damit die Göttin sich an den Qualen erfreuen konnte. Die „Thugs“ trieben im heutigen Uttar Pradesh und in Zentral Indien ihr Unwesen. Im Jahr 1861 verboten die Briten die Opferungen des Stammes. Nachdem ein britischer Offizier von dem Stamm umgebracht wurde, begannen die Briten mit der Ausrottung. Im Jahre 1882 wurde der letzte „Thug“ gehängt.

Wäre vielleicht besser gewesen, man hätte die Thugs am Leben gelassen. Da hatten die Frauen nichts zu befürchten. Dann brachten wir den Fortschritt – und alles wurde noch schlimmer.

Das alles eher schlimmer als besser wird, merkt man glaube ich auch in Deutschland. Das kleine bundesdeutsche Friedensparadies wurde – ironischerweise gerade durch die Partei, die aus der Friedensbewegung hervorgegangen ist – in eine neue Kolonialmacht verwandelt, die Demokratie ist auf dem besten Wege, den kaiserlichen Sozialstaat (ja, so alt ist der schon) in einen demokratischen Asozialstaat zu verwandeln, die Herrschaft des Volkes (res publica) weicht der Herrschaft der Verbände – was auch irgendwo demokratisch ist aber halt mehr Leute hinten runter fallen läßt.

Aber alle lächeln,  sind modebewußt,  freuen sich auf eine neue Folge ihrer Seifenoper und eine Woche voller Termine.




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