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Deutschland, Hort der Grausamkeit

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Mittwoch, 25.5.2016. Eifel. „Schreibe doch mal was über Grausamkeit“ – hieß es neulich. Gut gesagt – doch ich denke, ich bin der völlig falsche Mensch dafür. Ich verstehe das Konzept von Grausamkeit nicht, ich bin als Kind schon an „Schadenfreude“ gescheitert. Während mein Vater sich bei „Dick und Doof“ richtig kringelig lachen konnte, bin ich – das seltsame Kind – ruhig und traurig: zwei eher arme Menschen erlitten viel Unheil und taten sich gegenseitig weh … was soll daran lustig sein? Wahrscheinlich mein erster Schritt in die Philosophie mit elf Jahren. Auch heute noch halte ich Schadenfreude für einen Defekt. Ich vermute, dass er bei Menschen auftritt, die selbst viel Übel als Kind erlebt haben, viel Überheblichkeit und Grausamkeit im Leben erdulden mussten und dann erleichtert darüber sind, dass nicht nur ihnen so etwas widerfährt, sondern auch Stan und Olli.

Soviel zur Schadenfreude, die spontan auftritt.

Aber Grausamkeit?

Begegnete mir erst letztens wieder – allerdings immer öfter, seit dem ich die Welten der „Tierschützer“ tangiert habe. Neulich erst: irgendwo auf der Welt verbrennen Menschen einen an einen Baum gehängten Hund bei lebendigem Leibe: eine äußerst grausame Tat. Ich stehe Hunden nicht gerade positiv gegenüber, frage mich manchmal, ob dieses „Bussi-Bussi-Hasi-Mausi“ nicht eine Vorstufe von emotionaler Sodomie ist – aber da hat der Hund ja nichts mit zu tun. Womit er zu tun hat: er ist Waffe gegen Tier und Mensch. Nicht selten hatte der Adel früher den Sport, mit Hunden Menschen zu Tode zu hetzen (Tiere sowieso), auch heute noch wird er als Werkzeug der beständigen und gezielten Provokation seiner Umwelt eingesetzt: durch Verkotung der Umwelt oder ständiges Ankläffen der Bewohner menschlicher Siedlungen, von denen immer wieder welche zu Tode kommen, vor allem Kinder. Seltsam, dass wir diese Haustiere immer noch in menschlichen Siedlungen dulden, wo sie doch den Tod bringen können. Seltsam, dass Menschen sich solche Haustiere anschaffen – und sich dann noch für „gut“ halten. Und da begegnet uns schon Grausamkeit: wenn Herrchen (und ich denke, in diesem Wort steckt viel Wahrheit drin: jemand, der gerne HERR geworden wäre, aber mangels irgendwelcher persönlicher Qualifikationen reichte es nur zum „Herrchen“ – mangels Anhängern wurde eben ein Hund gekauft, der nicht widersprechen kann und dem Führerchen brav folgen muss) sein Hundchen Kinder ankläffen läßt und sich über ihre Ängste freut (und sich in einem wohligen Gefühl von Macht badet, die er dank „Bussi-Bussi-Hasi-Mausi“ hat).

Selbst schlimmere Vorfälle lassen den deutschen Hundewahn nicht abschwellen: es kommen in Deutschland mehr Kinder durch Hunde zu Schaden als durch islamischen Terrorismus, für dessen Bekämpfung wir Milliarden ausgeben. Ja: ohne Herrchen frisst Hundchen gern Gesichtchen (siehe zum Beispiel eine ältere Sammlung bei t-online). Ich hoffe hier sehr auf Aktionen von Veganern, die dafür sorgen, dass diese unnützen und gefährlichen Fleischfresser aus der Öffentlichkeit (und vom Erdboden) verschwinden: ich mag nämlich Menschen und vor allem hilflose kleine Kinder, die ihr Leben noch vor sich haben.

Ich weiß nun nicht, was jener Hund getan hat, der mit dem Flammenwerfer geröstet wird. Vielleicht vorher auch einem Baby den Kopf abgebissen? Sowas kann schon Zorn erzeugen – aber Zorn allein erklärt doch noch keine Grausamkeit. Ein schneller Schuss in den Kopf, ein Schlag mit der Machete und die Bedrohung der menschlichen Zivilgesellschaft ist aus dem Weg – aber gezielt und bewusst Schmerzen in größtmöglichem Ausmaß zufügen? Vielleicht ist dort aber auch lebendig gerösteter Hund eine Delikatesse – wie bei uns der lebendig gekochte Hummer?

Ich denke, wir sind uns klar darüber: das gezielte, absichtliche und oft genussvolle Zufügen einer größmöglichen Menge Schmerzen können wir doch als „grausam“ bezeichnen? Nicht besser waren übrigens die Kommentare der hundeliebenden Tierschützer: sie verlangten allen Ernstes, dass die Täter ebenso bei lebendigem Leibe gegrillt werden sollten – halten sich aber „ethisch“ für enorm überlegen, dabei sind sie wegen Verrat an der eigenen Art und erwiesener absichtlicher Grausamkeit unterste Schublade im Rahmen der gesammten Natur. Ethisch betrachtet. Die übliche Argumentation „ich habe mal einen Hund gerettet, deshalb in ich gottähnlich“ lassen wir mal außer Acht.

Braucht man Zorn für Grausamkeit? Und: sollten wir die Antwort auf diese Frage nicht lieber der Psychologie überlassen? Auf keinen Fall: Psychologie ohne Philosophie führt nicht weit: ohne Beschreibung von Welt und Menschenbild werden die Deutungen beliebig – aber man kann endlos lange diskutieren und Steuer- und Beitragsgelder verprassen … und erst recht ewig „behandeln“. Was war der Aufschrei groß, als die erste philosophische Praxis von Gerd Achenbach drohte, die ganze Pychoindustrie auszuhebeln: drei Besuche bei ihm und eine zehn-Jahres-Patienten konnte ihre teuren Therapien gesund und lebensfroh abbrechen: es war nur der Rahmen (das Weltbild) falsch, nicht der Inhalt (der Mensch). Es ist schon ein Unterschied, ob Sie mit ihrer Geistersichtung zu Sigmund Freud gehen (für den Sie dann ordentlich einen an der Waffel haben) oder zu Carl Gustav Jung (dessen eigene gruselige Erfahrung in Fanny Mosers Werk „Spuk“ Anfang der fünfziger Jahre beschrieben wurde – eine exzellente wissenschaftliche Arbeit des hoch angesehenen Wissenschaftlers).

Wir haben ja gerade wieder einen Fall von Grausamkeit in Deutschland  – sogar einen Fall weltweit äußerst seltener Grausamkeit (siehe Spiegel):

„Seel habe nach außen ein ganz normales Leben gelebt, angepasst, berufstätig, musisch begabt. „Ein völlig unbescholtener Bürger““.

Und Sie haben Angst vor Asylanten? Also – ich mache mir eher Sorgen um die „normalen“, „angepassten“, „berufstätigen“, „völlig unbescholtenen“ „musisch begabten“, denn die schlachten gerne mal ihre Mitbürger, sogar so, dass es ins Guinessbuch der Rekorde passt (siehe Spiegel):

„Der Täter hatte Tristan im Bachbett die Kehle durchgeschnitten, ihn ausbluten lassen, ihn regelrecht geschächtet, ihn im Anschluss in den Tunnel gezogen und ihn dort verstümmelt. Das dokumentierte Verletzungsbild ist weltweit einmalig.“

Wer sich übrigens auch Gedanken über die normalen, angepassten, berufstätigen, völlig unbescholtenen und musisch begabten Mitbürger macht, ist Georg Diez (siehe Spiegel), der beunruhigt auf eine kippende Gesellschaft schaut, die mit „feinem Schweigen“ auf die zunehmende Grausamkeit reagiert. Ach – Grausamkeit erwähnt er ja gar nicht, das habe ich dazu gedichtet – weil es gemeint war. Er beklagt ja den Rechtsruck in Deutschland – wieder einmal – und fürchtet die Folgen. Wissen Sie noch, welche Folgen das waren? Nun: es war staatlich perfektionierte und systematisierte Grausamkeit. Lesen Sie sich ruhig mal den Artikel über Ärzte im Nationalsozialismus durch (siehe Spiegel), zum Beispiel die Meerwasserexperimente von Wilhelm Beigelböck oder die Vivisektionsexperimente von Aribert Heim:

„Für seine sadistischen Anwandlungen ersann er auch eine Forschungsreihe: Wie lange überlebt ein Mensch ohne Leber, ohne Nieren, ohne Herz? Der „Schlächter von Mauthausen“ holte sich schwache und kranke Häftlinge und entfernte ohne Betäubung lebenswichtige Organe.“

Der Facharzt für Meerwasserexperimente leitete nach dem Krieg eine Klinikabteilung in der Bundesrepublik und bildete weitere Monster aus. Sorry – Ärzte. Nicht  Monster.

Ich denke: Sadismus gehört zum Themenfeld Grausamkeit dazu, was meinen Sie? Da sind wir auch gleich wieder bei der Schadenfreude, die … weit verbreitet ist. Ich denke, um Grausamkeit auszuführen, braucht man eine gewissen Lust – sonst kostet sie nur unnötig Zeit.

Es gibt Synonyme für Grausamkeit: diabolisch, entmenscht, gewalttätig, hart, gefühlskalt, erbarmungslos – um nur einige zu nennen (siehe wiktionary). Gilt für Tierquäler wie für Tierschützer, die gerne Menschen quälen möchten. Machen Sie sich mal die Freude, bei Facebook die „Tierschützerseiten“ aufzusuchen: ich verspreche unangenehmen, gefühlskalten, erbarmungslosen, gewalttägien entmenschten Grusel. Da sind die angepassten und normalen, die Menschen zum Foltern suchen. Noch haben sie nicht den richtigen politischen Rahmen dazu – aber wenn ich Georg Diez trauen darf, sind wir ja gerade wieder auf dem Weg dahin. Habe ich vor 14 Jahren schon gesagt, als ich die ersten öffentlichen Artikel gegen Hartz IV schrieb (das man damals „Workfare“ nannte), damals wurde ich noch als Düsterseher ausgelacht – 14 Jahre später ist das Thema beim Spiegel.

Lacht noch jemand?

Klar: die Grausamen. Gibt Millionen davon – schauen Sie sich nur die Reaktionen auf „Arbeitslose“ an, sogar der Spiegel respektiert, dass die nicht beim Namen genannt werden wollen, weil sonst Verfolgung droht (siehe Spiegel). Sicher, man formuliert es fein (so fein wie das von Georg Diez beschriebene Schweigen), spricht von „Stigma“: aber es ist allen klar, es geht wieder darum, Ziel von Grausamkeit zu werden, wie bei jenen 40 Roma, denen der feine Arzt Meerwasser zu trinken gab, damit sie wirklich auf elendigste Weise verrecken. Ja: sowas durfte in Deutschland dann weiter praktizieren und sich dumm und dämlich verdienen.

Das ist Ihnen zu übertrieben? Ich empfehle Ihnen: schauen Sie bitte ganz genau hin; lesen Sie die folgenden Zeilen bitte mit Bedacht (siehe 3sat):

„Ein disqualifizierter Konsument hat einen ganz anderen sozialen Status als die industrielle Reservearmee. Ein disqualifizierter Konsument ist völlig nutzlos“, so Baumann weiter. „Ein hoffnungsloser Fall für die Gesellschaft. Wenn man absolut zynisch ist, würde man sagen, unserer Gesellschaft ginge es viel besser, wenn diese armen Menschen, die keine richtigen Konsumenten sein können, einfach verschwinden würden.“

Oder wenigstens noch als Versuchskaninchen für die Ärzteschaft dienen, wie aktuell  die Demenzkranken.

Es geht dort um „Abfallmenschen“ … um Menschenabfall. Was das mit Grausamkeit zu tun hat? Nun – eine Voraussetzung für Grausamkeit ist mangelnde Empathie – sagt Wikipedia. Der Artikel ist auch deshalb interessant, weil wir wieder auf den Hund zurückkommen – in der Erläuterung des Begriffes „bestialisch“, der als „Steigerungsform von Grausamkeit“ gilt:

„bestialisch aus dem Lateinischen: Bestia – das wilde Tier, fusst historisch auf der Beobachtung von carnivoren Prädatorn, fleischfressenden Beutejägern, die ihre Beute nach dem Schlagen mit Zähnen und Krallen aufbrechen und stückweise ausweiden“

Ja, das sieht nicht schön aus, sowas. Ich durfte das mal erleben – im alten Löwenpark von Westerholt in Westfalen, als Löwen Wölfe gerissen hatten. War ein Riesenskandal damals. Davon finde ich allerdings nichts im Internet. Sah grausam aus. Ich könnte dazu jetzt auch wieder ein paar Geschichten von Ärzten im Dritten Reich erzählen, die das mit Abfallmenschen gemacht haben, die zu nichts mehr Nutze waren – aber lassen wir das. Bleiben wir in der Gegenwart, wo „Lebensmittelretter“ hohe Strafen drohen, weil sie weggeworfene Lebensmittel aus Containern retteten (siehe Netzfrauen). Auch grausam, oder? Im Sinne von kalt, empathielos, vernunftlos, erbarmungslos. Da hungern Menschen in Deutschland, werden selbst zu „Abfall“ – aber wer wertvolle Lebensmittel aus dem Abfall retten will, wird bestraft. Gilt vielleicht auch bald für jene, die wertvolle Menschen aus dem Menschenabfallkorb herausholen wollen.

Eine Gesellschaft im Vernichtungswahn: 82 Kilo Lebensmittel werden pro Bürger pro Jahr weggeworfen (siehe Spiegel), dass sind 18,4 Millionen Tonnen im Jahr (siehe Spiegel), während jeden Tag 18000 Kinder unter fünf Jahren verhungern (siehe Zeit):

„Diese Zahlen sind alarmierend, aber man liest und hört wenig darüber. Oder man hört darüber hinweg.“

Grausam, oder? Wie wir das ignorieren, gleichzeitig aber die Lösung des Problems sabotieren, in dem wir Lebensmittel an uns saugen, um sie zu vernichten. Ganz kalt, emotionlos. Aber 20 Millionen fleischfressende Haustiere halten: das geht. Darf ich das jetzt eine systematisch menschenfeindliche Kultur nennen? Mit langer Tradition? Man könnte glatt antideutsch werden, wenn man das liest.

Ach ja – die fehlende Empathie. Klassisches Merkmal eines Psychopathen, eines „sozialen Raubtieres“. Jene „Wölfe im Schafspelz“ (oder Hunde mit Krawatte) wandeln unter uns:

„Sie sind skrupellos und ohne jedes Mitgefühl. Ihre Persönlichkeit zeichnet sich durch egozentrisches, selbstherrliches Verhalten aus. Sie betrügen, demütigen, verletzen und töten. Ohne Emotionen, aber mit vollem Bewusstsein. Psychopathen. Soziale Raubtiere, von denen nicht wenige in unserer Gesellschaft leben.“ (siehe Deutschlandradio. )

Und fahren SUV. Oder Porsche.

Diesen Verhalten kennen Sie, in der Wirtschaft gebraucht man dafür das Wort „professionell“. Achten Sie mal drauf: immer, wenn jemand einen Mangel ein Psychopathie hat, kritisiert der Chef, er handle nicht „professionell“.

Ach ja: Wirtschaft – sie werden wahrscheinlich nicht überrascht sein, dass sich da ein Kreis schließt: Psychopathen schaffen es auffällig oft ins höchste Management (siehe Zeit). Jetzt verstehen Sie vielleicht, wie man fette Boni kassieren kann, obwohl der Betrieb fast pleite ist: wir haben es mit Hunden in Menschengestalt zu tun. Also: Raubtieren. Sie schaffen es wohl auch in höchste Regierungsämter, wo sie gar nicht verstehen, warum ihr Handeln – als „alternativlose Sozialreform“ getarnt – von so vielen Menschen als grausam empfunden wird. Ich vermute mal: suchen Sie einen Menschen, der andere wegen ihrer „Sozialromantik“ lächerlich macht, und Sie haben einen Psychopathen gefunden.

Das wir hier in der Menschheitsgeschichte äußerst schräg laufen, haben schon andere gemerkt. Aus Zeitgründen zitiere ich mal nicht das mir vorliegende Original, sondern Wikipedia:

„Forbes stellt demnach die weltweit bestehenden gesellschaftlichen Probleme wie Armut und Obdachlosigkeit, Hunger und Leid sowie die Zerstörung der Umwelt in den Kontext der westlichen Gesellschaftsform, die sich selbst „zivilisiert“ und „kultiviert“, „frei“ und „sozial“ nennt. Tatsächlich würde der Kapitalist jedoch – wenngleich in der Regel nicht direkt, sondern über eine Wirkungskette im System – rücksichtslos das Eigentum, die Gesundheit und das Leben Anderer konsumieren, um gut zu leben, ohne selber viel dafür tun zu müssen. Dies sei alles andere als zivilisiert und eher vergleichbar mit einer entarteten Form des Kannibalismus. Die negativen Aspekte der modernen Welt haben nach Forbes‘ Ansicht global gesehen ein enormes Ausmaß angenommen und zeigten eine Tendenz zu weiterer Verschärfung. Daraus schließt er auf die Krankhaftigkeit des Systems beziehungsweise der Menschen als verantwortlich handelnder Subjekte.“

Forbes ist Indianer. Mit Doktortitel. Er greift in die Kiste indiansischer Mythen und Legenden, wo er den Wétiko oder Wi´tiko findet (anderen als „Wendigo“ bekannt), einen bösen Geist, der – wenn er in Menschen fährt – zu Kannibalismus verleitet (das erwähnt Wikipedia leider nicht, weshalb ich das hier mal ergänze) … womit wir wieder bei dem grausamen Massenmörder von Tristan sind, auf dessen Rechner man unter 30000 verstörenden Bildern auch welche von Kannibalismus gefunden hat (… ich denke jetzt mal nicht darüber nach, wie die produziert worden sind).

Forbes’ Weltanschauung geht hart mit der westlichen Zivilisation ins Gericht. Seiner schonungslosen Analyse zufolge ist die Geschichte der Europäer untrennbar mit der Faszination für das Böse verbunden, die er als „Mátchi-Syndrom“ (Cree-Dialekt für teuflische Verdorbenheit) bezeichnete. Dies führe zu einem Mangel an Empathie und in logischer Konsequenz zu Egoismus, Habgier und Gewalt.

Gut – wir verachten Forbes´ Philosophie als „Anarchoprimitivismus“ – wohl wissend, dass wir für unsere Kapitalismus 1,5 Planeten bräuchten, aber nur einen haben – was noch sehr grausam für viele Menschen werden wird, uns aber egal ist. Er schrieb sein Werk 1981 – rot-grün setze es 2005 in die Tat um, wir taten uns am Eigentum der Arbeitslosen gütlich wie zuvor an dem der Juden. Er würde das für grausam halten – ebenso grausam wie die Tatsache, den Armen täglich die Warenflut vor Augen zu führen, die niemals niemals niemals mehr für sie gedacht ist.

Oder das wir die so selektierten Menschen entwürdigend und demütigend unsere Abfälle an den „Tafeln“ präsentieren, wo sie lange anstehen müssen, um Abfall essen zu dürfen, den sie auch noch bezahlen müssen – weshalb ja „Containern“ verboten ist, denn daran kann man nicht verdienen. Die „primitiven“ Indianer würden so nie mit ihren Mitmenschen umgehen. Aber die jagen und essen auch Tiere, können also nur böse sein und nicht so gut wie „wir“.

Wo sind wir nur gelandet? Nur ein paar Gedanken über „Grausamkeit“ – und schon stecken wir in tiefster Gesellschaftskritik, ja, sind Anhänger und Protagonisten eine Kultur, die als die böseste der Menschheitsgeschichte angesehen werden kann (auch jene, die sich nur „vegan“ ernähren): obwohl wir so lieb zu unseren Hunden sind. Und zu den Katzen, nicht zu vergessen, die laut Captain Paul Watson von Sea Sheppard inzwischen mit die gefräßigsten Meeresräuber sind – weil ihre Herrchen und Frauchen sie mit Massen an Fisch füttern, mehr, als alle großen Seeraubtiere zusammen vertilgen(siehe Facebook).

Auch grausam, oder? Die Vernichtung der Meere im Dienste der Hauskatze. Früher – diente das Haustier uns, lebte von unseren Abfällen. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher – manche Menschen leben schon von Hundefutter, Millionen wären froh, wenn sie wenigstens das kriegen würden. Auch: grausam.

Kein Wunder, dass wir so oft auf die Philosophie treffen, dass der Mensch schlecht und grausam ist – als gäbe es schon nur noch den weißen Mann auf der Welt, wie viele es gerne hätten. Die Indianer hatten es da leichter: der grausame Mensch – als eine ganz seltene Spezies – war nur in der Gewalt des Wendigo, eines bösen Geistes, den der Schamane vertreiben konnte. Vielleicht hätten wir die nicht auch ausrotten sollen … aber sie hätten den herrschenden Wendigos ja auch fürchterlich im Wege gestanden, diese friedlichen, sozialen, ökologisch nachhaltigen „Anarchoprimitiven“ mit ihrem „Aberglauben“.

Unser grausamer Mensch ist nicht mehr selten – er ist Norm geworden, Handlanger eines kannibalistischen Systems, dass Milliarden Menschen und den ganzen Planeten zu vertilgen droht.

Und viele Menschen merken das: nicht umsonst sind Zombie-Filme so beliebt – sie entsprechen unsere emotionalen Wahrnehmung in einer gefühllosen und damit leblosen Menschenfresserkultur. Und in jener Zombiekultur ist Grausamkeit (also: „Professionalität“) erste Bürgerpflicht, will man nicht selbst zu den abfallfressenden Abfallmenschen gehören.

Merke schon: ich hätte mir keine Gedanken über dieses Thema machen sollen.

Schaue jetzt eigenartig beunruhigt auf die Häuser unter mir.

Ob da auch schon Leichenteile in den Garagen liegen?

Hunde haben die. Höre ich bis hier oben bellen, jeden Tag. Meistens – kläffen die Menschen an, die friedlich ihres Weges ziehen … aber trotzdem immer etwas mehr Adrenalin als sonst ausschütten (oder einfach Angst haben), wenn sie den Lärmattacken ausgesetzt werden.

Interessiert aber auch keinen.

 

Die systematische Vernichtung der Jugend im Westen – und der Verlust der Zukunft

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Montag, 16.5.2016 Kennen Sie Woodstock? Nein, nicht den kleinen Vogel der „Peanuts“, der dem Hund Snoopy ein treuer Begleiter ist, sondern das Festival: „3 Days of Love und Peace“. Es fand vom 15. – 18. August 1969 statt. 60000 Besucher waren erwartet worden, 400 000 kamen. Ein Alptraum für jeden bürgerlichen Organisator – doch das Festival zeigte, das große Mengen junger „Normalbürger“ sich völlig ohne Polizei oder Regierung effektiv organisieren können – ein Alptraum für alle Parteien in allen Ländern, demonstrierte es doch deutlich, wie überflüssig sie in Wirklichkeit sind. Die große Menge erlebte friedliche Tage -und räumte danach ihren Müll selber weg. Sind Sie deshalb für uns Helden? Sie sollten es sein: sie haben gezeigt, wie Menschen auch leben können – ohne gleich den ganzen Planeten zu vernichten. Die Hippies stellten die größte Gefahr da, die das Establishment des Westens je gesehen hatte: sie lösten es einfach friedlich von innen heraus auf, lebten ein produktives, kreatives, nachhaltiges Miteinander unter völlig freier Entfaltung der eigenen Person – das Paradies war für kurze Zeit Realität geworden.

Der Indianer und Jurist Vine Delore Jr. sprach in seinem Werk „Nur Stämme werden überleben“ sehr huldvoll von der „Woodstock-Nation“, von der Jugend, die als Minderheit ihren eigenen Stamm bildet, der sich an den Werten indianischer Stämme organisiert und eine Wahl getroffen hat: sie hat sich fürs Tipi entschieden, anstatt für das Schloss (Nur Stämme werden überleben, Vine Deloria jr., Hrsg. von der Arbeitsgruppe für Nordamerikanische Indianer, München, Schätzungsweise 1970?), eine Entscheidung, die für die Gesellschaft als solche lebenswichtig gewesen wäre: „Schloss“ ist einfach nicht zu finanzieren, dafür hat der Planet zu wenig Ressourcen – jedenfalls, wenn alle eins wollten.

Man stelle sich vor: „Woodstock-Nation“ hätte sich durchgesetzt. Wir hätten fünzig Jahre später (also: fast genau JETZT) einen friedlichen Planeten voller Ökodörfer, die ihren eigenen Strom produzieren, wir hätten 365 Days of Peace. Love and Freedom – jedes Jahr. Wir hätten keine Umweltprobleme, keine Energieprobleme, keine Kriege, bräuchten nicht vor der wachsenden Häßlichkeit unseres eigenen Lebensumfeldes jedes Jahr dreimal in ferne Länder fliegen (und auch dort die Umwelt zu ruinieren – was die Anreise schon genüngend tat), um dort für ein paar Tage „Woodstock-Nation“ zu leben – also jenes Leben, das sich für eine einfache aber zutiefst glückliche Existenz in der Natur entschieden hat. „Woodstock-Nation“ war der kulturelle Counterpart zu Auschwitz – und deshalb schon in dem von echten Nazis durchsetzten Deutschland der sechziger Jahre überhaupt nicht gern gesehen.

Die besondere Gefährlichkeit an der Hippiebewegung war: viele ihrer Protagonisten kamen aus reichen Häusern. Sie kannten den Lebensstil ihrer Eltern in den Villen (also: den modernen Schlössern), jenen Lebensstil, der geprägt war von Heuchelei, Anpassung, Gewalt und Unterdrückung und ohne Alkohol überhaupt nicht auszuhalten gewesen wäre. Und sie kannten die Folgen dieses Lebensstiles: der ewige Krieg. 2016 können wir sagen: in der Tat, der hört nie auf. Das heißt: sie sprachen aus Erfahrung, hatten die höchsten Höhen des Konsums kennengelernt … und sich angeekelt von der Hohlheit und Leere abgewandt.

Nun: Vine Delore jr. hatte sich geirrt. Es war nicht der Beginn einer neuen Stammeskultur, die dem Systems des geisteskranken Wachstums- und Leistungswahns eine lebbare Alternative entgegenstellte, es war vielmehr das letzte Aufflackern der Jugend, bevor sie von der Maschinerie des Todes überrollt wurde. Die Konzernwelt wusste ganz genau, welche Gefahr von diesen genügsamen, langhaarigen, bunten Gestalten ausging, die LEBEN vor KONSUM stellten: die ganze Wirtschaftsordnung war in Gefahr, ja: die ganze Kriegsmaschine konnte zum erliegen kommen. Also: produzierte man zukünftig seine eigene Konzernmusik, spielte die in allen Konzernsendern, schummelte sie duch Konzenmedien an die „Spitze“ der „Charts“, die man eigens geschaffen hatte, um den Menschen zu zeigen, was „gute“ Musik ist – und was „schlechte“. Die „gute“ brachte viel Geld in die Kassen der Konzerne und machte die Konzernmusiker unendlich reich: so zog man sie automatisch auf die Seite des superreichen Establishment. Dann noch schnell John Lennon erschießen (und das auch noch an meinem Geburtstag): schon war der friedliche Aufstand vorbei.

Das Ergebnis sehen wir heute: Menschen, deren größte Angst es ist, ein „Nichtsnichts“ im Lebenslauf zu haben (siehe Zeit). Dabei hat niemand wirklich ein „Nichts“ im Lebenslauf, jeder lebt ja die ganze Zeit, nur: unsere Gesellschaft hat wieder „unwertes Leben“ eingeführt – und davor muss man wirklich Angst haben, denn es wird mit Arbeitslosigkeit bestraft, die über Sanktionen, Hunger und Obdachlosigkeit langsam zum Tode in einem der reichsten Länder der Welt führen kann. Das ist eine Realität, die die Jugend von Heute schon am Beispiel von Klassenkameraden sehen kann – auch an jenen, die vom Jugendamt mitten aus dem gymnasialen Unterricht hinausgeschossen und ins ferne Ungarn transportiert werden, um dort allein unter Fremden auf einem heruntergekommenen Hof ohne Schulunterricht zu leben (den Fall finden Sie in der WDR-Dokumentation „Mit Kindern Kasse machen“ – wo man offen ausspricht, dass Kinder im Deutschland des 21. Jahrhundert längst „handelbare Ware“ geworden sind – dank „Jugendamt“, 3,5 Milliarden kann man damit im Jahr verdienen. Steuergelder, wohlgemerkt). Wie ein solches Leben in Angst die Jugend prägt, erfahren wir aktuell aus einer Studie (siehe Spiegel):

Am Anfang der großen Jugendkulturen stand fast immer Provokation und das Bedürfnis, sich von den Eltern abzugrenzen. Die Jugend im Jahr 2016 tickt da anders. Das geht aus der Sinus-Jugendstudie hervor, die heute in Berlin veröffentlicht wurde. Provokante Subkulturen gebe es heute kaum mehr, fassen die Autoren der Studie zusammen: „Eine Mehrheit der Jugendlichen ist sich einig, dass gerade in der heutigen Zeit ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten muss, weil nur er das ‚gute Leben‘, das man in diesem Land hat, garantieren kann.“

Was sehr auffällig ist: die Klasse der „kulturell Kreativen“ – die wichtigste Klasse für die Gestaltung der Zukunft – existiert gar nicht mehr in dieser Studie. Dafür finde ich die „Prekären“ – als wäre das ein Lebensentwurf, den man sich selber aussucht … und zusätzlich noch eine „freizeit – und familienorientierte Unterschicht mit ausgesprochen markenorientiertem Konsumbewusstsein“ … als ob Familienorientierung schon ein Unterschichtsmerkmal ist.

Was der Spiegel nicht so deutlich beschreibt: dieses Ergebnis ist eine absolute Sensation in 5000 Jahren Menschheitsgeschichte. Ja: seit 5000 Jahren meckern die Eltern über die „Jugend von Heute“. Lauschen wir mal den alten Sumerern (siehe Bildungswissenschaftler.de):

Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte“ (Keller, 1989, ca. 3000 v. Chr., Tontafel der Sumerer).

Schon die Sumerer hatten Hippies. 2500 Jahre später: immer noch keine Besserung:

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. (Sokrates, 470-399 v.Chr.)

Doch im 21. Jahrhundert ist auf einmal alles anders. Eine Sensation. Sogar das faschistische Deutschland brachte mit der „Weißen Rose“ noch aktiven systematischen Widerstand gegen das bösartige System hervor – heute jedoch … liegen die Interessen anders. Heute – gibt es auch spezielle Nachrichtenmagazine für die Jugend (die früher schon allein durch strenge Observation der Tagesschau rebellisch wurde), wie „bento“ von Spiegel-Online (siehe Spiegel), so eine Art vorgekaute Nachrichten für Kinder. Meistens findet man dort nur Mumpitz einer wohlstandsverblödeten Hedonistenklasse, einmal jedoch bin ich etwas aufmerksam geworden: da merkte doch in der Tat ein Jugendlicher, dass etwas nicht stimmte in dem Land (siehe bento):

„Ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören: Dieses ewige Gerede über die „blasse, angepasste“ Jugend von heute. Das ständige Gejammer über diese ach so egoistischen, jungen Menschen, die sich nicht mehr engagieren würden, denen Politik egal sei und deren orgiastischste Glücksvorstellung in einem Reihenhaus läge, vor dem ein frisch geputzter Volvo steht und ein angeleinter Dackel die Stare im Kirschbaum ankläfft.“

Ein zorniger junger Mann, will man meinen. Einer, der die Beine übereinander legt und die Lehrer tyrannisiert. Weit gefehlt: auch hier mangelt es an Bildung in den Fächern Geschichte und politische Philosopie, denn er hat die „Schuldigen“ schon längst ausgemacht: die Eltern.

„Die Wahrheit ist: Dieses Land gibt seinen jungen Menschen gar keine Chance mehr, Träume zu entwickeln. Schon sehr früh nämlich machen Jugendliche in Deutschland Bekanntschaft mit dem allgegenwärtigen Leistungs- und Konkurrenzdruck. Und vielen macht das schon zu schaffen, bevor sie überhaupt erwachsen werden können.“

Die Wahrheit ist: das liegt nicht an „diesem Land“. Der Leistungs- und Konkurrenzdruck kommt direkt aus den desaströsen Totalversagerfinanzmärkten, die mit „Senkung des Ratings“ ganze Volkswirtschaften ruinieren können und ruinieren, ohne das die Regierungen der Länder überhaupt nur irgendetwas dagegen tun können – oder wollen. Das sind die Gesetze der Lebensform „Schloss“ – weshalb die Hippies das Tipi wählten. Die so mit absoluter Macht ausgestatteten Ratingagenturen werden selbst nicht kontrolliert, sind bewiesenermaßen komplett fehlerhaft (haben zum Beispiel den letzen Megacrash nicht im Mindesten vorausgesehen), werden aber weiter mit großen Ehren überzogen, weil sie ihren Job gut machen. Gut im Sinne einer absoluten Machtausübung.

Womit er Recht hat: der Leistungsdruck beginnt bei uns schon im Kindergarten. Da, wo der Indianer noch Körper und Geist entfalten darf, um in seine Kraft  zu kommen, üben wir schon Geige und Chinesisch um zu gefallen, um vermarktbar zu werden und verwertbar zu bleiben. Wir lernen von klein auf, dass wir selbst überhaupt nichts Wert sind, nur unser Nutzen für das Kapital zählt, nur das, was wir für andere als „Leistung“ (also: Rendite) bringt. Die Dressur beginnt bei uns schon im Kleinkindalter (siehe Spiegel):

„Von wegen Rabeneltern! Wer seine Dreijährigen über die Ziellinie eines Spaßlaufs schleift, bereitet sie damit bestens auf das Leben in einer Gesellschaft vor, in der kaum jemand ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper hat.“

Das sind die Erfahrungen, die unsere Jugend mit ihren Eltern macht. Erfahrungen, die prägen – wie auch die Erfahrungen mit dem Thema „Familie“, die immer mehr zum aussterbenden Model gehört – und das dies Folgen für das ganze Leben der betroffenen Kinder hat (siehe Zeit):

„Kann die Scheidung der Eltern noch im Erwachsenenleben schaden? Eine Langzeitstudie deutet darauf hin, dass frühe Traumata Gesundheit und Status beeinflussen.“

Solche gescheiterten Leben werden durch unsere Gesellschaft gezielt gezüchtet: Familien, die von Hartz IV leben, erhalten eine Prämie, wenn sie sich trennen, den sogenannten „Alleinerziehendenzuschlag“ – der es den Eltern nach der Trennung dann möglich macht, ihre Kinder (deren Tagessätze ungefähr bei dem Gegenwert von drei Kugeln Eis liegen) etwas besser zu versorgen.  Aus diesem Pool fischen sich dann andere ihre Rekruten heraus, wie man aktuell erfahren kann (siehe Spiegel):

„Besonders gefährdet sind demnach Jugendliche aus schwierigen, familiären Verhältnissen. Mindestens zwei Drittel der von Mücke betreuten jungen Männer wuchsen ohne Vaterfigur auf. Daraus resultiert oft ein übersteigertes Bedürfnis nach männlicher Identifikation. Und genau das nutzen Salafisten aus: Werber und Prediger übernehmen als charismatische Autorität eine neue Vaterrolle für den Jugendlichen.“

Das läßt tief blicken – auf die Zukunft, die uns bei steigenden Scheidungsraten noch erwarten wird. Die Gesellschaft wird für den Selbstoptimierungswahn der Eltern (die auch ihre Beziehungsqualität durch ständigen Partnerwechsel optimieren wollen) noch einen hohen Preis zahlen müssen – in anderen Ländern zahlt man ihn jetzt schon: hier jedoch sind die Väter nicht durch Jugendamt „entsorgt“ sondern durch die Bomben des Westens einfach umgebracht worden.

Doch bleiben wir bei der Kritik des jungen Mannes. Wissen Sie, was Vine Deloria vor knapp fünfzig Jahren schrieb? (a.a.O., Seite 91)

„Die Kinder werden von Klassenstufe zu Klassenstufe gehetzt, egal, ob sie den Stoff verstehen oder nicht. Tests trennen in bestimmten Zeitabständen die Talentierten von den Untalentierten und dieser Selektionsprozess setzt sich bis ins College und die Graduiertenseminare hinein fort. Es wird ein einfacher, aber effektiver intellektueller Hinderniskurs aufgebaut, der sich zum Ende hin verengt“.

Daran hat sich seit heute nichts geändert – obwohl man weiß, dass man dadurch die bei allen Kindern vorhandene Hochbegabung vernichtet (siehe hierzu die Forschungen von Gerald Hüther).

„Selektion“ – erinnert wieder an Auschwitz – und ist geprägt vom selben Geist: wer noch Nutzen hat, kommt nach rechts, wer nicht, nach links. Das trifft im Übrigen auch jene, die wirklich alles richtig machen. Jene, die die Selektionsprozesse überleben und die besten Abschlüsse erreichen und die höchsten Höhen akademischen Lebens erreicht haben (siehe Tagesspiegel):

„Ich bin nach fast drei Jahren und fast 300 Bewerbungen noch immer arbeitslos. Auf außerwissenschaftliche Stellen hatte ich nur eine Einladung. Nachdem ich ein DAAD-Stipendium hatte, in einer Ivy-League-Uni geforscht habe und vom Bundesministerium und der EU insgesamt eine Millionen Euro Forschungsmittel eingeworben habe, steht als Nächstes Hartz IV an.“

Und Hartz IV vernichtet binnen eines Jahres alle Berufsabschlüsse und verpflichtet fortan zu Tätigkeiten auf Hilfsarbeiterniveau. Das weiß auch unsere Jugend – und diese Perspektivlosigkeit (von der kollabierenden Umwelt mal ganz abgesehen) prägt ihr Leben – wenn sie intelligent und gebildet sind. Ja – es rutschen immer noch welche durch. Es gibt immer noch Einzelfälle, die es schaffen – wundersamerweise. Aber andere – die realitätsnäheren, will mir scheinen – können lesen und wissen, dass die laufende vierte industrielle Revolution jeden zweiten Arbeitsplatz vernichten wird (siehe Welt).

Sie sehen sich einer Welt gegenüber, die viel kassieren aber nicht liefern will: nur so ist das Schloss zu finanzieren. Hören wir dazu unseren Indianer (a.a.O., Seite 15):

„Ein besserer Weg, Ereignisse zu verstehen, ist, vorhandene Ähnlichkeiten in der Struktur zu finden. Bei der Beachtung der philosophischen Unterschiede können Verallgemeinerungen dieser Art sehr nützlich sein. Es scheint mir, dass die moderne Gesellschaft vor zwei Alternativen steht. Die Amerikaner werden aufgrund der Kompliziertheit moderner Kommunikations- und Verkehrsmittel in neue soziale Formen gezwungen. Das neue Stammestum konkurriert dabei mit dem Neo-Feudalismus. Der Kampf der Zukunft geht um die Rückkehr – zum Schloss oder ins Tipi!“

Wir haben uns entschlossen: wir wollten ins Tipi. Aber der Fürst wollte sein Schloss. „Neo-Feudalismus“ ist heute Alltag, wie nennen es „Neoliberalismus“ und meinen damit nicht weiter als die Freiheit des Stärkeren, das hemmungslose Ausleben eines grenzenlosen Sozialdarwinismus. Doch diesmal: steht keine Jugend auf, um dem Wahnsinn die Stirn zu bieten. Unser junger Autor von „bento“ hat viel verbale Prügel für seine Aufmüpfigkeit bekommen – aus den Reihen der Elterngeneration, die ihren Weg vehement verteidigen. Es ist ein Weg, der 1,5 Planeten braucht – aber egal. Hauptsache: Arbeitsplatz und Wachstum.

Es ist ein Weg des vollkommenen Wahnsinns, der drohenden – ach was, der sicheren Vernichtung unserer natürlichen Lebensgrundlage, damit wir immer mehr Schlösser bauen können … und die neufeudalen Schlossherren haben dafür gesorgt, dass Kinder keine Träume mehr haben, keine Familie, keinen Stamm, kein Land, keine Heimat – und keine Zukunft.

Und wo die Kinder keine Zukunft mehr haben – haben wir auch keine mehr.

Zum ersten Mal seit 5000 Jahren.

Hören wir nochmal Sebastian Christ, den letzten aufmüpfigen jungen Mann:

„Unsere Eltern glauben doch selbst nicht mehr an Visionen für eine bessere Zukunft. Und dann erwarten sie, dass die nächste Generation dann wie aus dem Nichts mit neuen Ideen die Welt verändert? So lange es nicht gelingt, Kinder in diesem Land zu Freiheit und Individualität zu erziehen, ist der Rock’n’Roll tot.“

Der Tod des Rock´n´Roll war auch gewollt. Selbst der war zu rebellisch.

Aber dafür haben wir: Helene Fischer.

 

 

Die grausame Lüge der „freien Wahl“

Die grausame Lüge der "freien Wahl"

Dienstag, 24.6.2014, Eifel. Wir sind frei, ja? Ich meine: wir haben die Wahl, oder? Jedenfalls wird uns das gepredigt. Kolonnen von esoterisch angehauchten und philosophisch ungebildeten „Trainern“ und „Coaches“ hämmern uns dies ein. Wir hören das gerne. Warum? Es gibt uns ein Gefühl der MACHT. Wir haben ja die Wahl, wir sind SELBST verantwortlich für unser Schicksal. Hört sich ja auch gut an. Frei und stark. Vorbei die Zeiten wo die Ikonen der linken Philosophie von einem „in-die-Welt-geworfen-werden“ sprechen durften und klar war, dass man eigentlich was an den Verhältnissen ändern muss, in denen der Mensch eingebettet ist.

Der moderne Mensch jedoch – ist Gott. Endlich Gott geworden. Jedenfalls … hält er sich dafür.

Das ist neu. Sehr neu. Früher – als es noch keine Coaches und Trainer gab – flochten noch Nornen und Moiren an den Fäden des Schicksals, das als unentrinnbar empfunden wurde, Sokrates, der große Urgeist der Philosopie, hat uns durch seinen Schüler Platon mitteilen lassen, dass das ganze Leben vorbestimmt sei – anders konnte man sich das Chaos nicht erklären. Dem animistischen Modell, dass böse Geister in einer perfekten Welt für Unheil sorgen, wollte man sich nicht anschließen – man war Städter geworden und stolz darauf.

Freiheit … ja … Freiheit erträumte man sich später erst wieder – nach Imperialismus und Feudalismus. Zuvor regierte die Angst: Missernten rotteten ganze Landstriche auch. Die Pest besorgte den Rest. Was überlebte, schuftete als Leibeigener für den „Herrn“. Was man aber hatte: keinen Krebs. Nach einem dreissigjährigen Krieg war aber ein Befreiungsschlag unabwendbar – in ganz Europa begann es zu gären. Das ein Gott dies Drama ersonnen haben sollte, glaubten immer weniger – vor allem jene nicht, die wussten, wovon sie redeten. Das Kirche sich zum Instrument der Herrschenden hat machen lassen, wurde immer deutlicher, dass hier Weltbilder zu Unrecht im Auftrag des Adels verbreitet wurden, wurde immer klarer.

Es war die Rede vom Auszug des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit … damit war aber die Menschheit an sich gemeint, nicht das Individuum. Niemand wäre auf die Idee gekommen, zum Köhler in den Wald zu gehen und ihm zu sagen, er solle jetzt mal frei werden – und sich nicht mehr so dämlich anstellen.

Legt man Kant zugrunde, scheint es logisch zu sein, dass wir jetzt endlich frei sind. Die Kirche ist wieder im Dorf, der Adel scheint fort, die Pest ist ausgerottet, Kriege scheinen der Vergangenheit anzugehören: das Paradies scheint nah!

Endlich sind wir FREI und HABEN DIE WAHL – jeden morgen!

Mal abgesehen von … der Notwendigkeit des Trinkens. Des Essens. Der Wärme.

Ja – unser „Freiheit der Wahl-Philosophie“ funktioniert erst im Wohlstand. Vorher kann man das keinem verkaufen. Vorher ist „Freiheit“ auch ein sehr untergeordneter Wert. Durst, Hunger und Kälte zwingen den Unachtsamen schnell in die Knie. So etwas erlebt man nicht in den Etagenwohnungen mit fließend Wasser, Heizung und Kühlschrank. Darum gibt es ja auch „soziale Menschenrechte“ – dem Joch des Körpers muss man schon entkommen können, die Wahl beginnt erst nach dem Schlafen, dem Essen und dem Trinken … es sei denn, man will den frühen Tod.

Gehen wir einfach mal hinein in dieses tolle, moderne Leben der Wahlfreiheit. Ziehen Sie einfach hinaus in die Welt, stecken sich ihren Claim ab und beginnen Sie mit dem Aufbau ihrer Existenz, leben Sie den amerikanischen Traum!

Scheitert in Deutschland daran, dass alles Land schon vergeben ist. Kleinere Parzellen werden zwar noch gehandelt, aber da gibt es hohe Nutzungsauflagen – und Steuern, die man bezahlen muss. Landwirte können nur noch als Großindustrielle überleben, ansonsten werden sie von Steuern und Strompreisen aufgefressen. Ach ja – Trinken ist noch umsonst, aber Essen und vor allem Wärme sind sehr teuer. Im Wald zelten ist verboten, jagen dürfen dort nur die Reichen – wie früher. Sie brauchen also eine „Unterkunft“, die oft von vielen gewählte Freiheit der Eremitage gibt es in diesem Land nicht mehr.

Natürlich gibt ihnen der Staat etwas Geld, damit sie überhaupt überleben können. Jahrzehntelang war das auch selbstverständlich: man kann nicht gleichzeitig den Zugang zu allen natürlichen Ressourcen verbauen UND vom Menschen gelebte Freiheit verlangen – das ist geradezu pervers. Ein Sartre hätte das noch verstanden, im degenerierten Wunderland des Neoliberalismus ist das ein völlig fremder Gedankengang geworden: „Sozialromantik“ pur. Ja – das natürlich Existenzrecht des Menschen, sein Anspruch auf die existentiellen Güter des Planeten, die VÖLLIG UMSONST geliefert werden, gilt nicht mehr, ist dumme Träumerei: die Raubgesellschaft teilt die Menschheit wieder in Adel und Pöbel – und alle klatschen, weil: man hat ja die FREIE WAHL.

Zehn Jahre lang „schult“ der Staat die junge Generation. Früher gab es da klare Erziehungsziele: „Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung“ – man roch Werte wie „Demokratie“, „Gemeinschaft“, „Freiheit“, „Respekt“. Heute ist das anders. Der adelige Wehrmachtsoffizier Hartmut von Henting (der sich im Falle des Kindesmissbrauches an der Odenwaldschule ordentlich daneben benommen hatte) wird momentan in Ausbildungsseminaren für Lehrer zitiert. Ob das so ganz in seinem Sinne ist, mag ich nicht beurteilen, aber die Zitate können auch für sich sprechen, siehe „Studienseminar Koblenz„:

Da Pädagogen keine Menschen „machen“ und ihnen die Verbesserung der Welt weder aufgetragen noch möglich ist, müssen sie sich auch nicht mit Entwürfen einer anderen oder besseren gesellschaftlichen Ordnung abgeben. Sie haben den Auftrag, den jungen Menschen in die gewordene teils gewollte, teils ungewollte Kultur einzuführen, so dass er in ihr bestehen kann und sie nicht behindert oder beschädigt oder zerstört.

Zur Erläuterung: In „Studienseminaren“ werden Lehrer „erzogen“, die frisch von der Universität kommen. Das obige Zitat ist Satz drei in dem Vortrag und definiert so nebenbei die Auslegung der übrigen Sätze … unter denen wir ganz weit hinten auch noch die Schulgesetzgebung und die „Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung“ finden.

Das „Pädagogik“ eigentlich nur Sinn macht, wenn sie Menschen „macht“, dass die Investition des Steuerzahlers in „Schule“ einzig und allein der fortschreitenden Verbesserung der Welt durch Schulung der nächsten Generation gilt und sonst kaum zu verantworten ist, ist in Vergessenheit geraten. Der Mensch soll kritiklos in eine bestehende, offen als dysfunktional erklärte Kultur eingeführt werden – und zwar so, dass er sie nicht behindert, beschädigt oder zerstört: das ist ein Leitsatz für Arbeitsameisen.

Freie Wahl? Nicht gewünscht. Wollen Eltern sich diesem System entziehen, reagiert der Staat mit exekutiver Gewalt: die Bildung von alternativen Gesellschaften wird mit Waffengewalt unterbunden (siehe gestrigen Artikel) – obwohl man (wie Schopenhauer schon vermutete) eigentlich weiß, dass unterschiedliche Gesellschaftsmodelle im Nebeneinander ohne weiteres sehr fruchtbar sein können … und vor allem die Wahl überhaupt erst möglich machen!

Nach der Schule wird die Freiheit erstmal von Rechnungen diktiert – und das bleibt so bis ans Lebensende. Rechnungen für Wärme, Speise und Trank. Das gibt es nicht mehr „einfach so“, das gibt es „von jemandem“, „dem das gehört“. So unfrei war noch nie eine Gesellschaft vor uns …. doch diese Unfreiheit bemerkt man erst, wenn man aus der Konsumkultur vollständig heraustritt, sich in jene aussterbenden Kulturen begibt, die  – noch – anders leben können, drei Stunden am Tag arbeiten und 21 Stunden Spaß und Schlaf haben, indigene Kulturen, die uns vorleben, wie die Welt seit Anbeginn der Zeiten angedacht war … oder wie wir sie als Menschheit vorgefunden haben: mit sehr wenig sinnvoller und nicht entfremdeter Arbeit beherrschbar.

„Entfremdete Arbeit“? Inzwischen ein unbekanntes Wort. 99 % der Tätigkeiten in unserer Gesellschaft sind „entfremdet“, sogar Pflegetätigkeiten werden durch die Stopuhr so reglementiert, dass keine humane Beziehung zur Tätigkeit mehr aufkommt, „Dienstleistung“ ist da Zauberwort … und wieviel Freiheit in „Dienst“ ist, kann sich eigentlich jeder selbst denken. „Freiheit“ – ist Herrschaft. Auch Herrschaft über das eigene Leben. Was will ich anziehen? Was essen? Wie wohnen? Wie lang möchte ich meine Haare wachsen lassen, wie wild soll mein Bart sein, wie außerordentlich meine Kleidung?

Rektoren in Sonderschulen höre ich klagen, dass gerade jene Kinder bei ihnen landen, die den ausufernden Konformismus nicht mehr ertragen oder ihm entsprechen können. Ein Gegenbeispiel? Gehen sie mal auf ein Fest der „Rainbow Family„, auf ein „Gathering“ – und schauen sich an, wie frei dort die Mode ist: jeder zieht an, was ihm gefällt. Jeder ist ok mit dem, was er an hat – Schulungen in „Ich bin ok, Du bist ok“ braucht man dort nicht … das ist allgemeiner Grundkonsens. Gut, Alkohol und Nikotin sind dort nicht erwünscht, auch Waffen und raffinierten Zucker sieht man dort nicht gern – aber Heiterkeit, Gesang und gute Laune sind dafür gern gesehen. Schauen Sie sich die Reste der Hippiekultur an … und dann einfach mal Ruckzuck hinein ins konforme Gewühl einer deutschen Einkaufspassage: erkennen Sie den Unterschied?

Freiheit? Freie Wahl?

Gönnen Sie sich doch einfach mal eine ganz besondere Freiheit, die Freiheit auf körperliche Unversehrtheit, ein gewichtiges, naturgegebenes Menschenrecht: schneiden Sie sich nicht mehr die Haare. Denken Sie daran: lange Haare bei Männern sind Zeichen des Königtums (siehe Christus), nur der Sklave ist zur Schur verpflichtet. Ach – ist gar nicht mehr bekannt? In Haaren liegt Zaubermacht – alte biblische Geschichte. Auch die Germanen, Kelten, Franken und Wikinger sahen dass so. Die Indianer erst recht … und nach einem Märchen bei Sott.net (Wissenschaft des Geistes, „Die Wahrheit über Haare und warum Indianer ihr Haar lang trugen“) brauchen Menschen diese langen Haare, die wie Antennen die Wahrnehmung verfeinern.

Gut, ich möchte sie nicht überfordern. Bleiben wir bei der zweiten Haut des Menschen – der Kleidung. Sie sind frei – also: ziehen Sie doch morgen mal an was sie wollen! Fesch sehen zum Beispiel die Uniformen napoleonischer Husaren aus. Klassisch ist die gediegene Toga – über Jahrtausende hinweg ein Vorbild für Stil und Eleganz. Oder einfach mal … gar nichts, außer Tatoo – und vielleicht ein winziges Schürzchen. Ist ebenfalls seit Jahrtausenden der Hit. 5000 Jahre Kleidungsgeschichte stehen uns zur freien Verfügung! Aber was sehe ich in den Supermärkten der Stadt? Na?

Einfach mal selber schauen.

Freie Wahl der Nahrung? Es sind eine Hand voll Konzerne, die unsere Nahrungsversorung kontrollieren. Was an Zusatzstoffen drin ist, was sie bewirken, weiß kein Mensch. Als „Insider“ kann ich Ihnen sagen: das gilt auch für die Zusatzstoffe in Medikamenten – habe ich gelernt bei Dr. med. Arno Heinen. Was an Giften in Nahrung, Wasser und Luft seit der Geburt wirkt, merken wir an den rapide ansteigenden Krebsraten – und an dem rapiden Anstieg aller möglichen Arten von Krankheit.

Gehen wir weiter. „Freie Wahl“ wird gesucht. Gehen wir über zur Dritten Sphäre räumlicher Existenz: dem Wohnraum. Es gibt hunderttausend spannende, kreative, lebendige und beflügelnde architektonische Entwürfe für Wohnraum – vom Baumhaus über den Zigeunerwagen bis hin zum Traumschloß … jetzt lassen Sie ihrer Phantasie mal freien Lauf und denken sich ihr eigenes Traumhaus aus! Gut – Sie haben gar kein Grundstück. Das ist doof – aber das ignorieren wir mal. Sie haben auch kein Geld – das ignorieren wir auch mal … sie scheitern nämlich schon an den Bauvorschriften. Jedenfalls in Deutschland – in den USA sieht das noch anders aus.

Was bleibt übrig von der freien Wahl?

Die Pippi-Langstumpf-Methode: ich denke mir die Welt, wie sie mir gefällt. „Neuro-linguistische Programmierung“ ist hier das Zauberwort, die Techniken sind aber schon im klassischen Wohlstandssatanismus bekannt und wurden intensiv im Kommunismus und Nationalsozialismus angewandt: man wiederholt eine Botschaft so lange und kritiklos, bis sie das ganze Bewusstsein erfüllt: „Ich bin glücklich, mir geht es gut, ich bin frei!“. Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute – ein religiöses Mantra. Mönche kennen so etwas auch, die Technik ist in Wirklichkeit tausende von Jahren alt und dient der Konzentration auf Gott … bzw. der gezielten Konditionierung des Denkens an sich. Mit „Freiheit“ hat dies nichts zu tun – eher mit der Erzeugung von biologischen Robotern.

Das kann übrigens Glücksgefühle produzieren – keine Frage.

Gleichzeitig erzeugt es aber eine völlige Ignoranz von allem, was dem Mantra entgegensteht: wie im Wahn wird „Realität“ ausgeblendet … jene Realität, die gerade uns moderne Menschen einen schauerlichen Rahmen vorgibt: Massenvernichtungswaffen, Massenvernichtungslager, Massenverblödungsmedien. Aus Mitleid wird alternativlos „Sozialromantik“: der so konditionierte Mensch braucht diese Sicht, weil er durch die Konditionierung den Anderen schon gar nicht mehr sehen kann … geschweige denn mit ihm leiden – oder ihm helfen. Er wird nicht nur von „Arbeit“ entfremdet, sondern in der nächsten Stufe sogar von der Menschlichkeit selbst. Einbildung durch einhämmern von Glaubenssätzen („mir geht es gut, ich fühl mich wohl, ich bin soooo frei!“) ersetzt Bildung. Was sagt man dazu im Lehrerseminar: „Maßstab ist weniger ein definierter Moralkodex, sondern Kriterien des Miteinander-Auskommens“.

Oder: konfliktscheue Anpassung an das, was man so vorfindet, in das man – nach Sartre – so „hineingeworfen“ wurde.

Haare, Kleidung, Wohnung … hatten wir schon. Alles streng genormt und vorgegeben. Jetzt kommen wir … zum DENKEN.

Wie frei sind Sie im Denken?

So unfrei wie nie zuvor. Die Gedanken sind nicht mehr frei – und äußern darf man sie schon gar nicht mehr. Erzählen Sie doch einfach mal Ihrem Nachbarn vor Ihrer UFO-Sichtung letzter Woche! Keine Scheu: solche Beobachtung begleiten die ganze Geschichte der bekannten Menschheit. Oder davon, wie sie Christus getroffen haben! Buddha geht auch! Oder wie sie dem grenzenlosen Nichts in der ZEN-Meditation begegnet sind – und seine Liebe gespürt haben!

Schon Angst bekommen? Noch Bombergeneral Harris hang dem uralten Feenglauben der britischen Inseln an – ist noch nicht so lange her, dass das Bestandteil normaler Alltagskultur war.

Gehen Sie mal zu Ihrem Nachbarn und erzählen Sie ihm, dass Sie an der Verschwörungstherorie der US-Regierung zu den Anschlägen vom 11.9.2001 zweifeln, wonach Osama und seine 19 Räuber die gesamte Verteidigung der mächtigsten Nation der Erde mit Teppichmessern unterwandert haben … und gerade der Ausweis des Hauptverdächtigen eine Explosion überstand, die ein gigantisches Hochhaus zum Einsturz brachte. Zufällig landete gerade dieser Ausweis vor den Füßen eines Regierungsbeamten – um nur eine von hundert Ungereimtheiten dieses Anschlags zu nennen, dessen offizielle Erklärung wir schon aus rein wissenschaftlicher Sicht ablehen müssen: zu viele Hypothesen.

Kommt jetzt langsam Panik auf? Gehen Sie mit dieser Geschichte mal auf den Marktplatz und erzählen sie vor vielen Leuten – dies ist ein freies Land, Rede und Denken sind frei! Na – noch Freiwillige übrig für diese Experiment?

Ja – ein paar. Die lassen gerade als „Montagsdemos“ den Hass von Rechts und Links über sich ergehen, weil sie … nonkonforme Gedanken äußern. Ja – das ist der kleinste gemeinsame ideologische Nenner der sogenannten „Spinner“ – sie äußern nonkonforme Gedanken. Nicht alle sind von hinreichender Qualität …. aber nonkonforme Gedanken haben in der Regel weder soviel Zeit zu wachsen, noch einen ganzen Planungsstab, der sie ausformuliert.

Zwang und Konformismus bis ins Innerste hinein: aber wir tanzen dazu mit dem fröhlichen Lied der Freiheit auf den Lippen … eine Lied, dass wir auch den Insassen von Auschwitz, den Opfern von Hiroshima oder den Toten von nine-eleven vorsingen: ihr hattet die FREIE WAHL.

Das ist schön bequem …. denn dadurch sind sie nicht nut tot (oder im Elend), sondern auch noch selbst Schuld, d.h.: man kann diese Opfer zurecht völlig vergessen … und ist dadurch mit einem Schlag auch die Notleidenden der eigenen Kultur los.

Was für ein Paradies …. für Egomanen und Soziopathen.

Gut, dass allein schon Elternschaft vor diesem Wahn schützt … da wird man schnell mit allen Normen konfrontiert, die von einem erwartet werden – und deren Nichterfüllung sofortige Konsequenzen hat … bis hin zum Kindesentzug.

Schade nur, dass immer wenige Menschen Eltern werden … in dieser ach so freien Welt. Aber das ist eine Bedingung, um den Wahn von der freien Wahl noch leben zu können.

Krank, arm, alt, einsam? Liegt im Rahmen der „Tun-Ergehens“-Philosophie des nordamerikanischen Protestantismus allein im Bereich der Selbstverantwortung des Individuums! Der „gute“ Mensch ist ewig reich, ewig gesund, ewig jung und immer überall hoch beliebt … bis die Realität ihn einholt und er merkt, dass er doch kein Gott war.

So bleibt am Ende ziemlich wenig Freiheit übrig … und ich habe noch nicht einmal angefangen, über die Zwänge der Seele zu spreche, über familiäre Muster, die sich Wege bahnen, über archaische Instinkte, die nach Herrschaft gieren – und über dunkle Gefühle, die sich Bahn brechen wollen.

Aber wir wollen heute die Selbstherrlichkeit der Wohlstandsblasen nicht zu tief erschüttern, ihr träumerischer Wahn vom völlig selbstbestimmten, freien Leben ist ja sowieso nur für ein Prozent der Menschheit lebbar: für Reiche.

Und davon hat Deutschland immer mehr, die sich gerne aus der Verantwortung für ihre Mitmenschen stehlen wollen, nachdem sie deren Leistung gerne mitgenommen haben: dazu ist die Lüge der „freien Wahl“ allerdings sehr nützlich.

Nur – den „Verlierern“ gegenüber ist sie sehr grausam, gemein, hinterhältig …. und zudem zutiefst FALSCH.

 

 

 

 

 

Gott und Tod: die besten Freunde der Menschheit

Gott und Tod: die besten Freunde der Menschheit

Mittwoch, 8.Oktober 2013. Eifel. Als wir dieses Nachdenkmagazin konzipiert hatten, war eine etwas andere Dimension angedacht. Ich selbst habe einen Schwerpunkt in politischer Philosophie, Erkenntnistheorie und Religionsphilosophie. Letzterer ergab sich aus meiner absoluten Unfähigkeit, religiöse Dinge zu verstehen. Ich denke, man wird dann Philosoph (auch außerhalb jeder universitären Bildung), wenn man versucht, Dinge zu verstehen, die man nicht versteht. Geschieht dann ganz automatisch. Inzwischen sind wir eher ein politisches Nachdenkmagazin – was aber eher der Politik geschuldet ist: sie entwickelt sich in eine düstere. lebensbedrohende Richtung, die aller Aufmerksamkeit bedarf, um den Kindern noch eine Zukunft bieten zu können, die nicht nur aus Trümmern und Wüste besteht. Dabei geraten die ersten und letzten Dinge im Leben leider völlig aus dem Gesichtsfeld, ebenso die vielen unglaublichen Wunder, die das Leben zu bieten hat. Gestern nun habe ich eine sehr ernste Frage bekommen, die ich zuerst gar nicht beantworten wollte: die Frage, wie es kommt, dass ich den Bereich „Religion“ so verteidige, ja, selbst zu den religiösen Menschen zu gehören scheine. Die Antwort auf diese Frage hat mehrere Ebenen. Da ich denke, dass diese Gedanken vielleicht für andere auch von Interesse sind, möchte ich sie  öffentlich machen.

Zuerst einmal die Antwort aus der persönlichen Erfahrung heraus. Sie ist einfach. Nach Carlos Castaneda liegt die Stärke des weißen Mannes darin, dass er von einem undurchdringlichen Panzer umgeben ist, der ihn vor jeglicher Erfahrung, die über das rein materielle hinausgeht, schützt. Das ist seine Besonderheit – und seine Schwäche, wie John Perkins in seinem Erfahrungsbericht mit den Schamanen Ecuadors beschreibt. Wo Chinesen, Indianer, Maya, Griechen und Araber innehielten, entschied er anders: er wollte die absolute Macht über die Materie. Die hat er innerhalb von 500 Jahren erhalten – mit erschreckenden Nebenwirkungen, die die gesamte Menschheit an den Rand des Abgrundes gebracht haben. Begleitet wurde dieser Griff zur Macht durch eine Vernichtungsoffensive gegen jene Menschen, die weiterhin Erfahrungen über den materiellen Bereich der Existenz hinaus machten: die Hexenverbrennungen waren nicht der Kirche geschuldet, sondern dem neuen wissenschaftlichem Denken. Der Vernichtungsfeldzug gegen magisches Denken setzte sich fort, als die US-Armee die Medizinmänner der Indianer in den Lagern ermordete – aber nicht die gefährlichen Kriegshäuptlinge. Er setzt sich auch heute in breiter Front fort, erreicht inzwischen die Kirchen und Religionen und wird nicht eher ruhen, bis alle Menschen ausgerottet sind, die über Erfahrungen verfügen, die über das, was Kapitalismus und Kommunismus erlauben hinausgeht. Ich gehöre zu diesen Menschen. Über die Erfahrungen kann man nicht mit Menschen reden, weil die Wahrnehmungen jenseits der sprachlichen Dimension stattfindet.

Eben Alexander – der atheistische Neurologe mit der Nahtodeserfahrung – beschrieb diesen für ihn überraschenden Zustand deutlich: in der jenseitigen Welt (wie wir sie jetzt mal der Not halber nennen wollen) gibt es keine Sprache, aber trotzdem perfekte Kommunikation. Künstler wird das jetzt nicht überraschen, sie verfügen über die Fähigkeit, Kommunikation außerhalb der sprachlichen Welt zu gestalten. Es ist mir deshalb unmöglich, über diese Erfahrungen zu reden (weshalb ich es auch unterlasse), weil es der Versuch wäre, einem Farbenblinden die Farbe Rot zu erklären. Ich kann nur versichern, dass ich sie ohne Drogeneinfluss gemacht habe, bei klarem Bewusstein – und dass sie alle Bedingungen eines wissenschaftlichen Experimentes entsprachen und wiederholbar sind.

Ich schätze einmal, dass es einer von hundert ist, der mit solchen Erfahrungen leben muss. Da sie eindrucksvoller, beglückender und intensiver sind als alle Empfindungsqualitäten im visuellen, auditiven, kinästhetischem, gustatorischem oder olfaktorischem Bereich, haben sie ein höheres Anrecht darauf, „Wirklichkeit“ genannt zu werden als die sinnlichen Eindrücke, die aus materiellen Erfahrungen resultieren. Nur jemand, der sie nicht kennt, kann sie als „Wahnvorstellungen“ kategorisieren – die so Wahrnehmenden erfahren eine Welt, deren Eindrücke qualitativ hochwertiger sind. Vielleicht funktioniert ein Vergleich mit dem Fernseher: die Alltagserfahrungen gleichen einem schwarz-weiß-Bild, das von starkem Rauschen begleitet wird und ziemlich unscharf ist. Die Jenseitserfahrung hingegen sind ein Blick aus dem Fenster – nur von der rein sinnlichen Qualität her. Mit welchem Recht also sollte ich den schwächeren Eindruck „wahr“ nennen und den stärkeren Eindruck „falsch“?

Es ist der Bereich der Empirie, den ich hier für mich in Anspruch nehme: einen Bereich, der ebenso wissenschaftlich ist wie der der Ratio. Nur endet hier die Diskussion. Um noch einmal ein Beispiel anzuführen: wenn jemand mal ein UFO gesehen bzw. erlebt hat (ein echtes, unterstellen wir mal), kann er nie wieder theoretisch darüber diskutieren, ob es das gibt oder nicht.

Schaut man sich nun die Religionsgeschichte an – vom primitiven Schamanismus (der mir am Liebsten ist, weil er der „Wahrheit“ am respektvollsten begegnet) bis hin zur hochgradig differenzierten Schriftreligion, so zeigt sich durchgängig: über Erfahrung lässt sich nicht diskutieren. Man kann nicht einfach die Bibel lesen und die christliche Religion verstehen. Hat man Erfahrungen („Gottes Antlitz geschaut“) so findet man in der Bibel viele „Kollegen“. Hat man keine Erfahrungen, findet man – erst recht nach den diversen komplizierten Übersetzungen – ein unverständliches Kauderwelsch vor, das sich dem normalen Verstand entzieht.

Nehmen wir Jesus als Beispiel. Ich selbst habe das Reden über ihn erst Ostern 2011 begriffen, vorher konnte ich die Welt auch gut ohne ihn verstehen. Lesen Sie mal das Neue Testament unter Berücksichtigung der Kategorien der Aussagelogik – sie verstehen gar nichts, erst recht nicht, wenn Sie nicht wenigstens den Text im Altgriechischen lesen können und auf die vielen holprigen deutschen Übersetzungen angewiesen sind.

Zum Vergleich: Lesen Sie einmal das Vaterunser in der Übersetzung aus dem aramäischen (z.B bei Bunkahle). Oder die Übersetzungsfehler, die Pinchas Lapide beschreibt: da wird schnell aus einem „prüfenden“ ein „heimsuchender“ Gott, weil man das Zeitwort pakad zuungunsten der jüdischen Religion ausgelegt hat (siehe Pinchas Lapide, Ist die Bibel richtig übersetzt, Bd. 1 u. 2. Bechtermünz 1999, Seite 62-63) – ein Fehler, der gerade im deutschen Sprachraum gerne gemacht wird, weil wir ja wissen, wie der „Jude“ ist.

Hier betreten wir jetzt aber den weiten Bereich der Religion, in dem wir vor allem eins finden: den Hunger nach Macht.

Das ist nun ein eher hässliches Thema. Leider sind die Mitglieder organisierter Religionen keine Heiligen. Zumeist sind es Händler, Halsabschneider und Betrüger, die etwas ganz besonders Tolles gefunden haben: eine Ware, die unsichtbar ist, leicht zu transportieren und nicht zu kritisieren. Im Mittelalter hat der Adel seine Zweitgeborenen in die Kirche geschickt, um dort mit ihrer Hilfe Macht ausüben zu können: „Halt Du sie dumm, ich halt sie arm“ ist ein Spruch, der sich auf eine Familie bezieht – was heute gerne vergessen wird. Findige Geschäftsleute können halt überall alles verkaufen – sie machen vor Kirchentüren so wenig halt wie vor Parlamenten oder Sterbezimmern. Der Griff zur Macht wurde auch dort konsequent durchgeführt, die Kirche wurde zum Instrument des Adels, das gegen alle ethischen Maximen des Christentums verstieß. Mit Religion hat das alles nicht mehr viel zu tun – es sei denn, man hat ein politisches Interesse daran, diese Tatsachen zu verschleiern.

Das hat man – und hier betreten wir eine neue Ebene der Betrachtung.

Zuerst jedoch: ein Blick in die Welt der Physik.

Wie Sie wissen, bestehen sie aus Atomen. Ich hoffe jedenfalls, dass Sie das schon mal gehört haben. Schauen Sie sich Atome näher an, so zerfallen sie in ihre Einzelteile, vor allem aber wird eins deutlich: überwiegend bestehen Sie als Mensch aus der Leere zwischen den Elementen der Atome, wo sich vielleicht noch „Felder“ befinden, die verhindern, dass sie einfach so durch den Boden rutschen. Es liegen enorme Distanzen zwischen Atomen, Elektronen und Neutronen – und diese Elemente selbst sind nach neueren Theorien selbst weniger materiell. Das Universum des Materialismus hat erstaunlich wenig Substanz, aber die enorme Frechheit, den menschlichen Geist als Illusion zu beschreiben, als spukhafte Nebenwirkung, die das Gehirn zum Schutze der DNS erzeugt.

Das ein illusionäres Subjekt niemals die Erkenntnis treffen kann, dass es selbst nur eine Illusion ist, haben schon ältere Denker erkannt: die Propagandisten des Materialismus scheinen dies zu können – was nur geht, wenn man für sich beansprucht, eine höhere Erkenntnis zu haben, als Menschen sie erlangen können: quasi Übermensch zu sein.

Bringen wir uns dies zu Bewußtsein, so ist eher der Schritt naheliegend zu sagen: dass Bewußtsein ist an sich das Realste, was wir als Menschen erkennen können. Illusionär ist eher die Welt der Materie – nur leider können wir das als Normalbürger nicht nachvollziehen, weil die Physik sich hier schnell in der Sprache der Mathematik verliert – wie die Kirche im Mittelalter sich hinter dem Latein verschanzte, verschanzen sich die Naturwissenschaften hinter der Sprache „Mathematik“ – die schnell zu kompliziert für die Mitmenschen wird, die deshalb die bahnbrechenden Veränderungen, die das Doppelspaltexperiment mit sich bringt, erst in hundert Jahren zum Tragen kommen werden. Kurz und frech gesagt (als ungläubiger Laie): Materie scheint nur dann fest zu sein, wenn sie jemand wahr nimmt. „Information“ scheint womöglich die einzige Form von Realität zu sein, die wir definitiv beobachten können.

Schön blöd, oder? Dabei haben wir uns auf der Scheibe so wohl gefühlt, die Erde als Kugel ist schon gedanklich schwer zu begreifen, weil man ja auf der anderen Seite herunterfallen müsste: jahrhundertelang DAS Argument gegen die Kugelform der Erde, dass jeder wissenschaftlich denkende Mensch sofort verstanden hat.

Was hat das nun mit Gott zu tun? Hier verlassen wir endgültig die persönliche Ebene und wenden uns der Wissenschaft zu. Gibt es ein Bewußtsein von Gott, eine Information vom höchsten Buddhageist oder dem Großen Geist der Indianer, dann ist dieses Element Teil der menschlichen Realität – erst recht, wenn wir dieses Bewußtsein rund um den Globus in sämtlichen Kulturen wiederfinden.

Streng abgrenzen muss man hier jedoch das eher instinktive Wissen um die Realität einer geistigen Welt (zu welcher wir als Bewußtsein primär gehören) von den Ausformungen, die Menschen aus unterschiedlichen Gründen (unter anderem zum Zwecke der Machtgewinnung) daraus gemacht haben. Erkenntnistheoretisch können wir – nach bestem Wissen und Gewissen – hier nur die Existenz einer jenseitigen Welt (auch dieser Begriff ist aus sprachlicher Not geboren), einer „Anderwelt“ oder „geistigen Welt“ formulieren, müssen uns jedoch dem Faktum beugen, dass wir über sie kaum Aussagen machen können.

Auch hier muss gelten: die Vielfalt der Beobachtungen ist womöglich nur der Vielfalt der beobachtenden Bewußtseine geschuldet, hieraus ein Lehrsystem gleich einer Religion zu machen, ist im Prinzip immer zu weit gegriffen – und es ist auch gar nicht notwendig. Die christliche Religion akzeptiert dies, siehe Bibel-online:

Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten öffentlich. 

(der Vater – das sei in Erinnerung gerufen – löst sich auf, wenn man aramäisch denkt … wie Jesus es getan haben muss. Dort wird aus „Vater unser im Himmel“ Oh Du, atmendes Leben in allem, Ursprung des schimmernden Klanges. Du scheinst in uns und um uns, selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern – siehe Omkara, eine Formulierung, die an die Beobachtungen gemahnt, die Eben Alexander nach seinem Tode gemacht hatte: „Gott“ als reiner Klang, als „Omm“).

Wieso wir nun Kirchen haben, öffentlich beten, hüpfen und singen, hat mit der Geschichte zu tun. Notwendig ist das nicht, Begegnungen mit dem „Jenseitigen“ hat man grundsätzlich NUR in der Stille – womit wir den kurzen Ausflug in den Bereich der Ratio verlassen und wieder im Bereich der Empirie sind, wo ein dritter Punkt auf uns wartet: der Tod.

Gott (den Begriff mag ich gar nicht, er ist schon falsch, wenn man ihn niederschreibt) und der Tod (als personifizierter Prozess auch eine Lüge) gehören eng zusammen. Kurz gefasst ist das indianische Mythologie: nach dem Tode betreten wir die ewigen Jagdgründe und sind nahe beim Großen Geist. Mehr an Religion braucht im Übrigen kein Mensch, das ist so der kleinste, gemeinsame Nenner, den das Erleben des jenseitigen Bereiches aufzeigt. Alle Beschreibungen, die darüber hinaus gehen, kann man getrost ignorieren – meist geht es dann sowieso schon um Geld: Ablassbriefe, Kirchensteuern, Rechnungen für Heilungen oder besonders kräftige Gebete … schauderhaft.

Bei aller Relativierung der Erlebnisse unserer Umwelt, die uns unser Verstand erlaubt (wie die Rationalisten Descartes und Kant aufgezeigt haben, deren Erkenntnisse von den Priestern des Materialismus gerne großräumig ignoriert werden), ist dies eine Tatsache, die auch mit noch so vielen Worten nicht ungeschehen gemacht werden kann: wir sterben.

Die Alternative zum religiösen Denken (das an sich erstmal keine andere Hölle kennt, als die, die man sich selbst bereitet – doch das ist eine andere und ebenfalls sehr lange Geschichte) bietet hier (unter völliger Ignoranz des Energieerhaltungssatzes) die Version „völlig Auslöschung einer Illlusion, die zufällig aus dem Blumenkohl entsprangen, den wir Gehirn nennen“.

Das könnte man als Theorie stehen lassen (ungeachtet der Sünden, die wir dann gegen die Vernunft bzw. die Erkenntnistheorie begehen), gäbe es nicht Menschen, die von „drüben“ zurückgekehrt sind. Da gibt es nicht einen, sondern tausende. Ein einziger hätte ausgereicht.

Diese tausenden von Zeugen berichten im Prinzip alle dasselbe – und belegen mit ihren Erfahrungen jene, die ihrerseits in der Geschichte des religiösen Denkens ähnliche Erfahrungen geschildert haben. Es läßt sich hier eine durchgängige Linie gleichartiger Erfahrungen in allen menschlichen Kulturen zeichnen – immer dadurch eingeschränkt, dass es sich hier um Wahrheiten handelt, die sich in allen Sprachen des sprachlichen Ausdrucks entziehen (und deshalb im Laufe der Tradition zu ganz unterschiedlichen Dogmen führen können), aber gleich erlebt werden – die gleiche emotionale Resonanz erzeugen.

Ist man nun ein emotional eingeschränkter Mensch (was nicht unnormal ist und in der Regel durch andere Fähigkeiten ausgeglichen wird) hat man wenig Zugang zu diesen Themen, hat man keine eigenen Erlebnisse, wird es noch schwieriger, das Sprechen von Religion zu verstehen – es bleibt wenig anderes übrig, als die anderen für verrückt zu halten – im Prinzip hat man gar keine andere Wahl.

Man bräuchte diese Diskussion auch gar  nicht führen, wenn es nicht noch eine handfeste politische Dimension geben würde, die gerade heute deutlich zu Tage tritt.

Das sichere, instinktive Wissen um die Realität des Jenseitigen führt zu einer großen Sicherheit im Umgang mit den Mächten dieser Welt: weil man eine andere (nicht kontrollierbare) Heimat hat, kann man nur sehr schwer im Sinne der Mächtigen manipuliert werden: hier droht katastrophaler Umsatzverlust durch Konsumverzicht, hier droht unkontrollierbare Bewusstseinsbildung gegen die herrschende Klasse. Gegen alles Ungemach, das die Welt gegen die Menschheit auffahren kann (und auffährt), ist hier eine sichere Zuflucht vorhanden, die Widerstand erlaubt: das „Opium für das Volk“ entzieht Kapitalismus und Kommunismus radikal die Deutungshoheit über die Wirklichkeit – und ist deshalb so verhasst.

Darum werden jene, die über Erfahrungen verfügen, gejagt, gefoltert, verbrannt, ausgelöscht oder auf ewig mit Drogen vollgestopft und weggesperrt: das Kapital fordert Allmacht – in letzter Konsequenz will es selber Gott werden … und gerade in den heutigen Tagen erleben wir, wie das Kapital die Regierungen vorführt, als wären es Tagelöhner und Leibeigene.

Doch gehen wir weiter: selbst wenn es Gott und Tod nicht „gäbe“, täten wir gut daran, sie als gedankliche Konstruktionen lebendig zu erhalten, Gott in Form des Großen Geistes, der alles durchdringt (das war im Prinzip die Lehre des Giordano Bruno, den heute viele Atheisten als Helden feiern – wobei sie gar nicht verstehen, was sie da eigentlich tun) und des Jenseits in Form der ewigen Jagdgründe. Diese Konstruktionen können uns effektiv helfen, frei zu werden von den Indoktrinationen des Kapitals – selbst wenn es nur Hilfskonstruktionen sein sollten.

Dafür jedoch dies anzunehmen, gibt es keinen Grund. Weder Empirie noch Ratio legen nahe, dass wir hier unserem Urteil (und dem Urteil der absoluten Mehrheit der Menschheit) nicht trauen dürfen. Natürlich behalten auch die Reflexionen des Atheismus seine Gültigkeit, sie sind sogar ein wesentlicher Bestandteil des Bewußtwerdens und hemmen gut jene schädliche Einflüsse, die von den Händlern in den Kirchen und Religionen kommen.

Wo jedoch Urteile über Wahrheit und Wirklichkeit gefordert sind, versagt die Philosophie des Atheismus (die nie dazu entworfen wurde, hierüber Aussagen zu machen: sie ist eine gezielt antiklerikale Erfindung mit gezielt antiklerikaler Ausrichtung und völlig bedeutungslos für Menschen, die mit Kirche überhaupt nichts am Hut haben – wie z.B. die Schamanen der Vorzeit).

Gott und Tod sind aktuell die besten Freunde der Menschheit, deren erster Ausbruchsversuch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit fürchterlich in die Hose gegangen ist: umgeben von künstlichen Umweltgiften, regiert von unsichtbaren Märkten (deren Tyrannei der Regentschaft übelster Schurken nahekommt), bedroht von atomarer Vernichtung oder der Auslöschung durch aus ganz vernünftigen Gründen erschaffenen Konzentrationslagern (was „die Märkte“ als effektivste Lösung des Problems der „Kosten auf zwei Beinen“ täglich fordern – nur merken das viel zu wenige) hat er es innerhalb weniger Jahre geschafft, das ganze mühevoll ausbalancierte Gleichgewicht der Natur aus dem Takt zu bringen … mit Folgen, die ganz fürchterliche Auswirkungen haben könnten und schon jetzt dafür sorgen, dass wir das schlimmste Artensterben in der bekannten Geschichte der Menschheit erleben.

Gut, dass es den Tod gibt, der uns sicher aus dieser selbst geschaffenen Hölle herausholt.

Gut, dass es Gott gibt, der vielleicht noch einiges gerade biegen kann – oder die Täter jenseits der Kreise dieser Welt zur Rechenschaft zieht. Wie es aussieht, geschieht genau dies – aber unglaublich freundlich und liebevoll.

Kommen wir zum Schluss.

Ohne empirische Erfahrungen in dem Bereich (und ohne sicheren Zugriff auf die Instinkte, die uns zu allererst in dieser Welt überlebensfähig machen) hat man keine andere Chance, als das Gegenüber für geistig krank zu  halten. Man kann aber akzeptieren und respektieren, dass manche Menschen anders sind – sogar die absolute Mehrheit der Menschen, die je gelebt haben. Sie haben auch rational gute Gründe, ihre geistige Heimat nicht im Materialismus zu suchen, der die Menschheit als Solche an den Rand ihrer Existenz gebracht hat – und deshalb schon gelegentlich von den nachfolgenden Arten phantasiert, die den Menschen ersetzen werden (insgeheim halten sich wohl die Prediger dieser Antireligion selbst für diese auserlesenen, überlegenen Wesen: auch Hitler hat gerne davon schwadroniert – doch das ist ein anderes Thema).

Man merkt vielleicht, dass ich die Trostfunktion der Religion (die zentrale Wirkung des Opiums im Sinne von Marx) gar nicht erwähnt habe.

Sie ist auch irrelevant. Für diejenigen, die auf der Basis ihrer Erfahrungen „glauben müssen“ (aber nicht das, was „die Religion“ ihnen erzählt), tritt im Trauer- oder Notfall gar kein Notfall ein, ihr  Lebensschwerpunkt liegt auf einer Metaebene.  Für dienigen, die keine Erfahrung haben, aber aus ihren Instinkten heraus am Wissen vom „Jenseitigen“ festhalten, gibt es keine Trost, weil es kein Wissen und kein Bewußtsein gibt, das Trost vermitteln könnte – die Metaebene wird nur erahnt, aber nicht wahrgenommen, was wenig Trost spenden dürfte.

Was der Kapitalismus (und der Kommunismus) an der „Religion“ wirklich fürchten?

Das sie Erfolg hat und Menschen wie den Mönch Anselm Grün hervorbringt: seine Lebensart beglückt ihn derart, dass er nur fünfzig Euro im Monat für sich selbst ausgibt, während er die Millionen, die er mit seinen Büchern macht, der Gemeinschaft zur Verfügung stellt.

Wo kämen wir nur hin, wenn alle so wären?

Und weil mich das sehr interessiert, wenn wir dann hin kämen, verteidige ich die freie Entfaltung von Religion in einer Gesellschaft – und zwar aller Religionen, nicht der der des dogmatischen Materialismus (auch, wenn die im ersten Moment so schön antireligiös daherkommt).

Darüber hinaus habe ich in meinem Leben genug Erfahrungen gesammelt, die darauf hinweisen, dass sich in jenem Bereich mehr Wahrheit befindet, als  uns lieb ist. Die jedoch spielen im großen Rahmen keine Rolle – ich wäre auch Verteidiger der Religionen (und zwar ALLER), wenn ich keine eigenen Erlebnisse hätte: die generelle Relativität menschlicher Erkenntnis und die begrenzte Fähigkeit menschlicher Wahrnehmung läßt demokratischen und humanen Gesellschaftsformen keine andere Möglichkeit, als so zu verfahren.

Das die aktuelle Entwicklung aber nur eine Religion übrig läßt, nur ein dogmatisches Deutungssystem als „wahr“ anerkennen will, zeigt, wohin die Reise politisch gehen soll – und bei dem, was sich dort anbahnt, sind halt Gott und Tod die besten Freunde der Menschheit, egal, welche Religion nun das Wissen über sie transportiert.

Bevor nun aber alle freiwillig vor den Zug springen, sei erwähnt, dass Selbstmord von vielen Kulturen abgelehnt wird – es sei denn, als letzter Ausweg, um seine Ehre zu behalten. Und selbst dann gibt es Berichte von „zurückgeholten“, die ratsam erscheinen lassen, die Kreise des Lebens nicht freiwillig zu verlassen – der selbst geschaffenen Hölle kann man so scheinbar nicht entkommen.

Aber wer will das schon?

Ich könnte nun noch über gesellschaftliche und zivilisatorische Nützlichkeit eines für die Gültigkeit der Moralgesetze garantierenden Gottes reden, doch das wirkt leicht, als wäre Religion nur ein Trick der Vernunft, das Tier im Menschen zu bändigen. Das mag sein – entspräche aber nicht meinen Erfahrungen, die ich mit vielen anderen Menschen teile.

Außerdem … ist das jetzt hier sowieso schon wieder viel zu lang fürs Internet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Esoterik, Geisterspuk, Marx und die Gesundbeter

Kaum ein Feld betrete ich ungerner als das der Esoterik. Und kaum ein Feld ist nötiger zu betreten als gerade dies. Gerne würde ich dem Religionswissenschaftler Harmut Zinser folgen, hier bei Wikipedia zitiert:

So schreibt der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser in einer Aufklärungs-Broschüre der Hamburger Innenbehörde: „Über ein Verborgenes können eigentlich keine Aussagen gemacht werden, dann wäre es kein Verborgenes mehr. Anhänger des Okkultismus und der Esoterik aber machen genau dies. Sie schreiben dem Unbekannten und Verborgenen bestimmte Eigenschaften zu, beispielsweise die Wirkung von Geistern, Toten, anderen Lebenden oder eines Weltbewusstseins usw. zu sein. Es ist dies der Grundfehler der Esoterik und des Okkultismus, dass er über ein tatsächliches oder angenommenes Unbekanntes Aussagen macht. Wenn immer es möglich ist, diese Aussagen zu überprüfen, stellt sich heraus, dass die esoterischen Aussagen über ein Unbekanntes und Verborgenes falsch, unnötig und irreführend sind. Esoteriker wie Okkultisten ertragen offensichtlich die Tatsache nicht, dass uns Menschen vieles unbekannt und verborgen ist und schreiben sich ein Wissen und auch Macht über das Unbekannte und Verborgene zu. Dies mag ihren Wünschen entsprechen, nicht aber der Wirklichkeit.“[70]

Genauso gut könnte er diese Zeilen aber den Naturwissenschaften ins Heft schreiben, die auch dem Unbekannten und Verborgenen bestimmte Eigenschaften zuschreiben, nämlich NICHT die Wirkung von Geistern, Toten, anderen Lebenden oder eines Weltbewußtseins zu sein. Wann immer es möglich ist, diese Aussagen zu überprüfen, stellt sich heraus, da die naturwissenschaftlichen Aussagen über ein Unbekanntes oder Verborgenes falsch, unnötig und irreführend sind. Naturwissenschaftler wie Materialisten ertragen offensichtlich die Tatsache nicht, das uns Menschen vieles unbekannt und verborgen ist und schreiben sich ein Wissen und auch Macht über das Unbekannte und Verborgene zu. Dies mag ihren Wünschen entsprechen, nicht aber der Wirklichkeit.

Wenn man in einer Kritik die Hauptworte austauschen und durch ihr Gegenteil ersetzen kann, ist die Kritik gegenstandslos. Das hätte auch die Hamburger Innenbehörde merken müssen, die mit dem Geld der Steuerzahler eine somit dogmatische und den Grundsätzen menschlicher Freiheit (und auch der staatliche garantierten Religionsfreiheit) zuwiderlaufende Schrift finanziert hat.  Dabei gäbe es eine Kritik, die fundiert wäre – und auch bei Wikipedia genannt wird – eine Kritik, die auch die Variationen und Dimensionen von Esoterik begiffen hat:

Viele Kritiker, aber auch manche Esoteriker selber beklagen einen „Supermarkt der Spiritualität“:[72] Verschiedene, teils widersprüchliche spirituelle Traditionen, die über Jahrhunderte in unterschiedlichen Kulturen der Welt entstanden, würden in der Konsumgesellschaft zur Ware, wobei sich verschiedene Trends und Moden schnell abwechselten („gestern Yoga, heute Reiki, morgen Kabbala) und als Produkt auf dem Marktihres eigentlichen Inhalts beraubt würden (Lifestyle). Dieser Umgang sei oberflächlich, reduziere Spiritualität auf Klischees und beraube sie ihres eigentlichen Sinnes.

Dabei ist aber wiederum auch verblüffend, was alles in einen Topf geworfen wird. Yoga empfiehlt auch mein Orthopäde, es ist die Königsdisziplin der Rückengymnastik. Das jetzt Staat und Kirche Yoga verbieten wollen, verwundert mich aber nicht: an Schmerzen verdienen beide. Reiki kenne ich nicht (und möchte es auch nicht kennenlernen), die Kabbala ist ein komplexe Farben- und Formenlehre, die den Ausfluß Gottes in die Welt beschreibt – ein elementarer Bestandteil jüdischer Mystik. Das zu verbieten lohnt sich auch, wer sich damit beschäftigt, konsumiert nicht mehr und zahlt vielleicht auch keine Kirchensteuer.

Kein Wunder, das auch die Kirche gegen Esoterik wettert (nach Wikipedia, gleicher Ort):

Gott kann seinen Propheten und anderen Heiligen die Zukunft offenbaren. Die christliche Haltung besteht jedoch darin, die Zukunft vertrauensvoll der Vorsehung anheimzustellen und sich jeglicher ungesunder Neugier zu enthalten. (…) Sämtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen: Indienstnahme von Satan und Dämonen, Totenbeschwörung oder andere Handlungen, von denen man zu Unrecht annimmt, sie könnten die Zukunft „entschleiern“. Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht über die Zeit, die Geschichte und letztlich über die Menschen, sowie der Wunsch, sich die geheimen Mächte geneigt zu machen. Dies widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfüllten Hochachtung, die wir allein Gott schulden. Sämtliche Praktiken der Magie und Zauberei, mit denen man sich geheime Mächte untertan machen will, um sie in seinen Dienst zu stellen und eine übernatürliche Macht über andere zu gewinnen – sei es auch, um ihnen Gesundheit zu verschaffen –‚ verstoßen schwer gegen die Tugend der Gottesverehrung.[64]

Also die „guten“ Esoteriker gegen die „bösen“ Esoteriker. Der Wille zur Macht über die Zeit, über die Geschichte und letztlich über die Menschen ist doch auch Antrieb der Kichenpolitik der letzten zweitausen Jahre gewesen – warum sollte man sie anderen vorwerfen? Nun – aus einem einfachen Grund. Wer Macht will, braucht Menschen. Viele Menschen. Der Sucht nach Macht entspringt auch die Religionskritik von Marx, die in erster Linie Kritik gegen die „Tugend der Gottesverehrung“ ist:

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. “

Quelle: Wikipedia

Dabei bedient sich Marx der gleichen Prinzipien, mit der auch die Kirche ihre Schäfchen im Stall hält: Folgt mir und ich werde Euch ins Paradies führen. Sein Paradies ist die klassenlose Gesellschaft, die im Detail der Paradiesvorstellung der Kirche entspricht – beide liegen im Jenseits, das marxistische Paradies in unerreichbarer Zukunft, das kirchliche Paradies im unerreichbaren Himmel hinter den Himmeln, beide gelten aber mit viel Arbeit auch auf Erden als erreichbar, wobei der christliche Weg der einfachere ist:

Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen,

Quelle: Bibeltext

Das darf man keinem Christen in diesem Land ernsthaft vorschlagen, weshalb das Christentum an der gleichen Krankheit leidet wie der revolutionäre Marxismus, hören wir dazu mal Trotzki, einen Revolutionär der ersten Stunde:

Die durch und durch philisterhafte, unwissende und einfach dumme Hetze gegen die Theorie der permanenten Revolution entsprang gerade diesen psychologischen Quellen. Bei einer Flasche Wein oder auf dem Heimweg vom Ballett sprach ein selbstzufriedener Bürokrat zu dem anderen: „Der hat immer nur die permanente Revolution im Kopfe.“ Eng damit verbunden sind die Anschuldigungen wegen meiner Ungeselligkeit, wegen meines Individualismus, Aristokratismus und so weiter. „Aber doch nicht immer und nicht alles nur für die Revolution, man muß auch an sich denken“ – diese Stimmung wurde übersetzt mit: „Nieder mit der permanenten Revolution“ Der Widerstand gegen die theoretischen Ansprüche des Marxismus und die politischen Ansprüche der Revolution nahm für diese Menschen allmählich die Form des Kampfes gegen den „Trotzkismus“ an. Unter dieser Flagge vollzog sich die Entfesselung des Kleinbürgers im Bolschewik. Darin eben bestand mein Verlust der Macht, und das ergab die Form, in der dieser Verlust erfolgte.

Quelle: marxists.org

Das hier Religion als Opium des Volkes empfunden wird, ist klar: wie bei der Esoterik geht es um Macht über Menschen. Aber da tun sich Christen, Esoteriker und Marxisten überhaupt nichts, in ihren Zielen sind sie sich da einig: alle wollen ins Ballett. Die einen sind schon drin, die anderen wollen auch hinein, weshalb das Proletariat die Diktatur ausrufen muß:

Das Proletariat (ursprünglich im nicht-marxistisch vom lat. proletarius „der untersten Volksschicht angehörend“) bezeichnet die mit der Entwicklung des Kapitalismus und der Industrialisierung entstandene neue Klasse von abhängig Beschäftigten in den aufkommendenManufakturen und Fabriken. Marx definiert den Proleten als doppelt freien Lohnarbeiter: Frei von Leibeigenschaft, also im Besitz seiner selbst und „frei“ von Produktionsmitteln, die ihm ein Überleben durch Arbeit sichern könnten.

Quelle: Wikipedia

Heute, mit der Erfahrung der Korporatokratie, der weltweiten Diktatur der Konzerninteressen im Hintergrund, sehen wir die Fronten noch deutlicher, die sich im 19.Jahrhundert schon abzeichnen: alle Revolution führte nur dazu (und sollte einzig diesem Zwecke dienen) dem Intellektuellen einen besseren Platz am Fleischtopf der Konzerne zu sichern. Hatte er den inne, baute er auch den Ford in Lizenz. War Religion Opium fürs Volk, so war es der Marxismus erst recht. Der Marxist braucht den Konzernarbeiter um einen Sitz im Vorstand zu bekommen – und nur darum geht es. Marxismus gegen Kapitalismus war eine Lüge – von Anfang an. Es ging nur um eins: die Ausbreitung der Konzernherrschaft und die Mobilisierung der Massen zu diesem Zweck, weil die Konzernherrschaft eine weltweite Ausbreitung des westlichen Feudalismus versprach, der sich „der Arbeiter“ gerne anschloß. Sein Engagement (und das der Gewerkschaften)  gegen die Agenda 2010 war dementsprechend … entlarvend.

Und doch hatten alle drei Großmächte und Fangarme der Korporatokratie einen gemeinsamen Feind, gegen den sie heute noch vorgehen: die Esoterik. Der friedliche meditierende Zen-Buddhist auf der Bergspitze läßt sich nicht in revolutionäre Masse umwandeln, noch in Produktivkapital, noch in Kirchensteuer, der Medizinmann der Sioux führt den Kampf gegen die Eisenbahn und die Fabriken des weißen Mannes nicht aus territorialen Ansprüchen heraus, sondern weil nach seiner Überzeugung die Kultur des weißen Mannes zur Vernichtung der Welt führt, die Indianer des Amazonasbeckens führen ihren Krieg, weil ihnen das Leben des Waldes heilig ist.  Darum brachte die US-Armee gezielt die Medizinmänner um – nicht die Kriegshäuptlinge, darum sterben auch heute noch weltweit die „heiligen“ Männer des Volkes – und darum führen in der Eifel die Gesundbeter und dörflichen Heiler ein Leben im Verborgenen.

Was können die Gesundbeter? Schmerzen nehmen – gerade die Schmerzen von Brandwunden. Sie können Blutungen stillen, gerade bei schweren Verletzungen. Ärzte schwören darauf, schicken ihre Patienten lieber zum Heiler als ins Krankenhaus. Überraschend für mich war, das ich die einige der Ärzte persönlich von früher kenne – und jetzt ihre andere Seite kennenlerne. Überraschend ist auch, das ich – nach zwanzig Jahren – ein Fremder bin, dem man mit Zurückhaltung begegnet. Die Angst ist groß – vor der Kirche, vor dem Staat, vor den Medien – kurz: vor den Herrschern der Welt.

Mitten in Deutschland (und dann noch in der Eifel) solcher Angst zu begegnen, betrübt. Man berichtet mir von Heilern, gibt mir sogar Daten zu Kontaktpersonen (wenn ich mal persönlich was brauchen sollte) … aber jene Plätze, die Migräne heilen, verrät man mir nicht.  Überraschend ist – in unserer ach so freien, ach so aufgeklärten Gesellschaft gibt es schon viel Literatur über diese Phänomene – doch keine Konsequenzen hinsichtlich ihrer Nutzbarmachung für die Menschen.

Stattdessen überschwemmt man den Markt mit US-amerikanischer Wischi-Waschi-Esoterik, die die Menschen immer weiter in die Fangarme der Korporatokratie führt.

Nun – ich halte mein Versprechen, erzähle nichts über Gesundbeter…. nur etwas über ihr Weltbild. Grob und unpersönlich.  Es ist das älteste Weltbild der Menschheit, dem man dort begegnet, es ist die Welt der Hindu, der Buddhisten, der alten Juden, der Urchristen. In ihr ist Gott keine durch die Bibel vermittelte Annahme, sondern eine lebendige, erfahrbare Realität – wie auch die Dämonen. Es ist das alte, schamanische Weltbild, das sich hier offenbart – weil es Wirklichkeit ist. Keine Wahrheit – nur Wirklichkeit. Es ist ein Weltbild, das der Realität von Menschen sehr gerecht wird, denn wir Menschen sind alle auf einer „esoterischen“ Reise. Sie beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod – wir kommen aus der Welt der Rästel und gegen in eine Welt der Rätsel, was uns eine gewissen Gelassenheit angesichts der aktuellen Politik verleihen kann, eine Gelassenheit, die man gut gebrauchen kann, um angesichts des Wahns nicht selbst zur Bestie zu werden. Es ist die Aufgabe des Heilers, den Menschen auf dieser Reise vor Schaden zu bewahren,  wie es die Aufgabe des Philosophen sein sollte, ihn vor der Manipulation zu schützen … und die Frage zu stellen: wo ist der Platz der Vegetarier beim Kampf um die Fleischtöpfe?

Wenn wir Fronten in dieser Welt ziehen wollen, wenn wir die Welt als Kampf von Ideen verstehen wollen, so verläuft die Front der Auseinandersetzung anders. Es ist der Kampf des Indianervolkes am Amazonasbecken gegen die Ölindustrie.

Auf der einen Seite Menschen, die glücklich und zufrieden mit drei Stunden Arbeit am Tag im Paradies leben, auf der anderen Seite eine gigantische Maschinerie, die das Paradies verspricht … in Zukunft, im Jenseits, im Himmel, in der Utopie, mit einem zehn-Stunden-Arbeitstag in der Betonwüste am Stadtrand von Bitterfeld.  Die einen leben nachhaltig, gesund, umweltverträglich und schützen sich erfolgreich vor bösen Geistern, die anderen schützen sich nicht … und werden selbst zu bösen Geistern, die die Welt ausplündern und vernichten.

Es ist letztendlich der Mythos des Kampfes des Zauberers gegen die seelenlosen Ungeheuer – und er erscheint aktueller denn je.

Dort, wo Esoterik Wirklichkeit wird, wird sie zur Gefahr für die herrschenden Kasten … von denen es halt nicht nur eine gibt.  Sie ist geeignet, den Mob zu demobilisieren, den Menschen zu sensibilisieren, seine Aufmerksamkeit zu schärfen, seinen Horizont flexibel zu erweitern und ihn unabhängig zu machen von den Heilsversprechen der Kosmokraten aller Art …. und das stört den Kirchenmann, den Revolutionär und den Kapitalisten – man braucht ja den Mob, um ins Ballett zu kommen.

Und was den Geisterspuk generell angeht: den Luxus, nicht an ihn zu glauben, kann man sich nur erlauben, wenn man noch keinem begegnet ist. Das unterscheidet Kant von Goethe, Darwin von Jung. Allerdings hatte Kant einen gewissen Respekt davor, er meinte nur: das geht uns nichts an. Auch das ist eine Grundüberzeugung der Medizinmänner und zauberkundigen Heiler.

Es gibt übrigens eine möglicherweise hilfreiche Richtschnur im Umgang mit Esoterik, falls man nun doch dem Rat von Kant (und Castaneda – doch das ist ein anderes Thema) nicht folgen möchte: Esoterik im ursprünglichen Sinne ist kostenlos und ideologiefrei. Wer Geld nimmt oder Führerschaft beansprucht, ist ein Heuchler. Todsicher. Wer Reklame für sich macht, auch. Darum darf man ruhigen Gewissens die Abteilung „Esoterik“ in der Buchhandlung meiden, alles, was relevant ist, findet sich bei Platon – und mehr braucht kein Mensch.

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