Ideologie

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Der Papstrücktritt: das Ende der Kultur der Nächstenliebe und der Triumph der Kultur der Psychopathen.

Dienstag, 12.2.2013. Eifel. Na, gut gefeiert gestern? Gestern war Rosenmontag. Karneval - carne vale, wie der Lateiner sagt. Karneval ist ein katholisches Fest, welches möglicherweise auf alte babylonische Riten zurückgeht. Orgiastische Feierlichkeiten haben allerdings in der Geschichte der Kultur schon immer einen festen Platz gehabt. Ja, ich weiß: den Kölner Sitzungskarneval mit seinen Zwangswitzen und seinem Kommandospaß als orgiastisches Treiben zu bezeichnen, ist etwas übertrieben, außerdem ist er eine Veranstaltung, die nur der Anbahnung und Pflege von Geschäftsbeziehungen dient, aber es muss aktuell mal erlaubt sein, auf diesen Ursprung hinzuweisen. Bei Wikipedia findet man mehr:

Dienstag, 12.2.2013. Eifel. Na, gut gefeiert gestern? Gestern war Rosenmontag. Karneval – carne vale, wie der Lateiner sagt. Karneval ist ein katholisches Fest, welches möglicherweise auf alte babylonische Riten zurückgeht. Orgiastische Feierlichkeiten haben allerdings in der Geschichte der Kultur schon immer einen festen Platz gehabt. Ja, ich weiß: den Kölner Sitzungskarneval mit seinen Zwangswitzen und seinem Kommandospaß als orgiastisches Treiben zu bezeichnen, ist etwas übertrieben, außerdem ist er eine Veranstaltung, die nur der Anbahnung und Pflege von Geschäftsbeziehungen dient, aber es muss aktuell mal erlaubt sein, auf diesen Ursprung hinzuweisen. Bei Wikipedia findet man mehr:

Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren in seinem Werk De civitate Dei zurückgeführt. Die Fastnacht steht daher für die civitas diaboli, den Staat des Teufels. Daher wurde die oftmals ausartende Fastnacht von der Kirche als didaktisches Beispiel geduldet, um zu zeigen, dass die civitas diaboli wie auch der Menschvergänglich ist und am Ende Gott siegreich bleibt. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden Szenen während der Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den Aschermittwoch hinein streng verfolgt.

Wir sehen: dieser Rosenmontag als Höhepunkt närrischen Treibens hat für Katholiken eine ganz besondere Bedeutung, der steht für den Staat des Teufels. Bevor nun jemand meint: „Och, das ist ja nur, weil die Kirche so prüde ist und uns keinen Spaß gönnt“, möchte ich aber daran erinnern, worin der „Spaß“ des Karneval einst bestand. In seinem Buch „Traumzeit“ berichtet Hans Peter Duerr über verschiedene – karnevalistische – Rituale, die grausamen Tod und Verstümmelung hervorriefen und Vernichtung von Haus und Hof mit sich brachten. Der „Staat des Teufels“ hatte damals noch ganz konkrete Erscheinungsformen, die wir säkularen Menschen auch heute eher durch die Polizei bekämpfen als durch Narren feiern lassen würden.

Nun, die FAZ ist sich sicher, das der deutsche Papst bei der Bekanntgabe seines Rücktritts nicht an den katholischen Teufelstanz gedacht hat: offensichtlich haben dort auch Journalisten prophetische Gaben. „Er läuft nicht weg, er gibt ein Beispiel“ heißt es dort. Man fragt sich nur: welches Beispiel?

In der Zeit finden wir die Antwort darauf:

Für Max Seckler, ein langjähriger Freund des Papsts, ist der Rücktritt ein Zeichen der Größe. „Er stärkt damit die Auffassung, dass ein Papst aufhören soll, wenn es ihm die Gesundheit gebietet“, sagte der Tübinger Theologe.

„Er hat sehr gelitten unter manchen Dingen, die dieses Amt mit sich bringt“, fügte der 85-Jährige hinzu. „Man kann sich schwer vorstellen, welche Intrigen es da in Rom gibt, mit denen er sich rumschlagen muss. Das hat ihn sehr belastet, weil er ja ein Theologe ist und ein edler Mensch.“

In der Tat kann man sich die Intrigen schwer vorstellen. Das ist in Deutschland besonders verpönt, denn hier wird jeder Gedanke darüber, das es so etwas wie Intrigen überhaupt geben könnte, gleich mit dem Schandmal „Verschwörungstheorie“ und entsprechendem Diskussionsverbot belegt: wir Deutschen zweifeln nicht an den Angaben und Informationen, die uns die Obrigkeit gönnt. Wir nehmen sie gehorsam auf und befolgen sie.

Alternative Wahrheiten dürfen wir uns höchstens in Romanform zu Gemüte führen, dort findet auch kritische Kost eine Möglichkeit, zum deutschen Leser zu gelangen. Eine dieser Romane ist „Der letzte Papst“ von Malachi Martin, hier in einer Buchsprechung von Josef Spindelböck bei stjosef.at

Der „letzte Papst“ des Romans ist – obwohl er nie mit seinem eigentlichen Namen genannt wird – in Wirklichkeit Johannes Paul II. Dabei bleibt offen, wie der Ausdruck zu verstehen ist: ob er tatsächlich der letzte Papst ist, weil das beschriebene Komplott mächtiger Männer gegen Papsttum und Kirche zu gelingen droht, oder weil er einfach der „letzte Papst der katholischen Epoche“ ist, insofern sich gerade unter seinem Pontifikat ein grundlegender globaler Wandel in Gesellschaft und Kirche ereignet, der diese Charakterisierung zuläßt. Es sind dunkle Gestalten aus dem Milieu von Freimaurerei und Satanismus, die sich verschworen haben gegen die katholische Auffassung und Ausübung des Papsttums und die sich Eintritt verschafft haben auch in die Kirche. So ist es die Auffassung des Autors, die er in dem Roman zum Ausdruck bringt. Auch gutgläubige Personen geraten in den Einfluß dieser Kreise und werden von ihnen ohne ihr Wissen mißbraucht, um die Ziele der Umwandlung der Kirche und des Rücktritts des „letzten Papstes“ durchzusetzen.

Das ist der Kern des Romanes: der Kampf um den ersten freiwilligen Rücktritt eines Papstes seit dem ersten vatikanischen Konzil, das die Unfehlbarkeit des Papstes festgeschrieben hatte. Der Hintergedanke: tritt ein Papst von einem „heiligen“ Amt freiwillig zurück (weist also die von Christus persönlich übergebene Würde von sich), wird aus dem Papsttum ein Verwaltungsjob wie jeder andere auch. Dann ist der Weg frei zur Auflösung der katholischen Kirche, im Roman betrieben von satanischen Kräften innerhalb (und außerhalb) der Kirche, die sich von dem „Schwächling“ Christus lossagen wollen um weltweit ungehindert eine Politik der Stärke durchsetzen zu können – auf deutsch: Hartz IV bei halbiertem Regelsatz für maximal fünf Jahre anstelle des ständigen Gewinnsels der Sozialromantiker, die einfach nicht einsehen wollen, das diese Welt nur den Starken gehört.

Bevor wir aber darüber urteilen, in wie fern die von Malachi Martin geschilderten Intrigen denen entsprechen könnten, die Max Seckler erwähnte, müssen wir einen Blick auf den Autor selbst werfen. Wer ist also dieser Malachi Martin? Hören wir nochmal den Herrn Spindelböck:

Doch wie ist der Standpunkt des Autors, eines römisch-katholischen Priesters, der ursprünglich dem Jesuitenorden angehörte, Berater und Mitarbeiter mehrer Päpste war und dann von Papst Paul VI. von seinen Gelübden entbunden wurde, aber in seinem Priesteramt verblieben ist, näher zu bestimmen? Er vertritt eine traditionalistische Position, die das Wirken der Konzilspäpste Johannes XXIII. und Pauls VI. negativ wertet und in der nachkonziliaren Erneuerung der Liturgie ihre Zerstörung erblickt. Aufgrund der meisterhaft durchgeführten Dramatik des Romans kann der Leser sich dieser Sichtweise kaum entziehen. Die Botschaft ist klar: Die Kirche Christi ist in höchster Gefahr, und überall lauern die Verschwörer. Sie werden auch benannt, meist mit einem Pseudonym, und manche Leser haben sich bereits einen Sport daraus gemacht, die realen Personen dahinter auszumachen, was durchaus nicht unproblematisch ist …

Leider existiert die Seite nicht mehr, die quasi ein „Who is Who“ der in dem Roman vorkommenden Personen darstellen soll. Ich vermag mich noch daran erinnern, das die Leser hinter der Gestalt des „Preußen mit Brille“ (eine Person, die maßgeblich an der angeblichen Inthronisation Satans mitgearbeitet hat) gerade jenen Kardinal Ratzinger vermuteten, der jetzt durch seinen Rücktritt das vollendet hat, was die Verschwörer im Vatikan seit den sechziger Jahren versucht haben: die Destabilisierung, Verwässerung und letztlich die Vernichtung der katholischen Kirche als Hüterin der Lehre Christi und Garant für jenen moralischen Satz, um dessen Verwirklichung wir seit zweitausend Jahren kämpfen: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. 

In Zeiten, in denen eine solche Einstellung als „Sozialromantik“ gebrandmarkt wird, kann man verstehen, wie lästig eine 2000 Jahre alte Institution geworden ist, die die Diskussion um die Notwendigkeit von Nächstenliebe grundsätzlich mit dem Hinweis auf „Gottes Gebot“ verweigert: das ultimative „BASTA!“.

Das stört politische Kreise enorm, die allen Lesern namentlich wohl bekannt sein dürften. Zur Durchsetzung einer marktkonformen Demokratie braucht man einen großen gesellschaftlichen Konsens für den Neoliberalismus, der alles andere als christlich daherkommt. Der jetzt zurückgetretene Papst hat vor dem deutschen Bundestag eine beeindruckende Rede gehalten, die im Spiegel vollständig abgedruckt wurde. Hören wir einmal ganz genau hin, was er gesagt hat:

Lassen Sie mich meine Überlegungen über die Grundlagen des Rechts mit einer kleinen Geschichte aus der Heiligen Schrift beginnen. Im ersten Buch der Könige wird erzählt, dass Gott dem jungen König Salomon bei seiner Thronbesteigung eine Bitte freistellte. Was wird sich der junge Herrscher in diesem wichtigen Augenblick erbitten? Erfolg – Reichtum – langes Leben – Vernichtung der Feinde? Nicht um diese Dinge bittet er. Er bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ (1 Kön 3,9).

Die Bibel will uns mit dieser Erzählung sagen, worauf es für einen Politiker letztlich ankommen muss. Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen.

Natürlich wird ein Politiker den Erfolg suchen, der ihm überhaupt die Möglichkeit politischer Gestaltung eröffnet. Aber der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet. Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“, hat der heilige Augustinus einmal gesagt.

Maßstab für die politische Arbeit soll nicht der Erfolg oder der materielle Gewinn sein? Kennt der etwa keine SPD-Politiker? Der Papst ging im Bundestag sogar noch einen Schritt weiter:

Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung, dass diese Worte nicht ein leeres Schreckgespenst sind. Wir haben erlebt, dass Macht von Recht getrennt wurde, dass Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und dass der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte.

Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich. Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen.

„Historische Zeiten“ – in der Tat. Durch seinen Rücktritt wurden die in der Tat historisch – aber wenigstens ist er noch am Leben. Die angekündigte Ermordung ist nicht eingetreten (siehe Spiegel) – oder gehörte mit zu jenen „Intrigen“, wegen der der Papst zurückgetreten ist.

Liest man genau, so kann man hier eine ganz finstere Warnung für Deutschland hören: der deutsche Staat wird wieder zur großen Räuberbande. Jeder Steuerzahler, jeder Autofahrer, jeder Arbeitslose, viele Rentner, Schüler und Studenten erleben das Tag für Tag, auch ganz weltliche Menschen merken, was die Warnungen des Papstes an die Generation Facebook bedeuten: Egoismus, Neid und Aggression als Formen des Bösen (siehe Welt zur Papstrede in Freiburg) werden inzwischen auf in anderen Zusammenhängen wahrgenommen, sie Jakob Augstein zu Frank Schirrmachers Buch „Ego“ im Spiegel:

Im Kalten Krieg haben amerikanische Militärs und Physiker die Sowjets mit den Instrumenten der Spieltheorie in die Knie gezwungen. Als es keine Sowjets mehr gab, sind die Physiker an die Wall Street gegangen und zwingen seitdem mit ihrer Theorie die Welt in die Knie. Wir alle sind Opfer einer Ideologie des Egoismus. Sie wurde für eine Welt des Krieges entwickelt und verheert heute den Frieden. Eine Ideologie der Kälte und des Autismus. Eine Ideologie von Psychopathen für Psychopathen.

An dieser Stelle wird es egal, ob wir Malachi Martin und seinem  Intrigengemälde folgen wollen: die Ideologie von Psychopathen für Psychopathen zwingt die ganze menschliche Gesellschaft automatisch auf einen Weg, den satanische Verschwörer nicht besser hätten gestalten können, insofern ist es fast müßig, über den Realitätsgehalt des Romanes „Der letzte Papst“ zu diskutieren. Was aber bleibt, ist die Tatsache, das mit Ratzingers Rücktritt eine moralische Instanz vernichtet wurde. Durch diesen Rücktritt war Johannes Paul II wirklich der letzte Papst – die letzte Instanz, die dem Gebot der Nächstenliebe eine Heiligkeit zusicherte, die der Psychopathenkult des Egoismus zu zerstören trachtet, denn was nach Ratzinger kommt, kann man jetzt schon sagen: auf jeden Fall ein schwacher Papst.

Hören wir den Spiegel dazu:

Manche Beobachter warnen bereits vor Verhältnissen wie zuletzt in der Renaissance, als sogenannte Gegenpäpste die Kirche vor eine Zerreißprobe stellten. „Es könnte die Situation eintreten, dass ein Nachfolger einen anderen Kurs einschlägt als Benedikt“, spekuliert Papst-Biograf Andreas Englisch. „Was passiert, wenn Ratzinger sich einschaltet und sagt: ‚Ich bin immer noch Papst, und ich sehe das ganz anders‘?“ Im schlimmsten Fall sei eine Spaltung der Kirche möglich.

Ganz genau. Jeder neue Papst hat einen alten, lebendigen Papst im Genick. Das ist auch der Augsburger Allgemeinen bewußt:

Unter Kirchenexperten herrscht Einigkeit, dass sich der Papst im Fall eines Rücktritts sofort und vollständig aus allen Ämtern und aus dem öffentlichen Leben der Kirche zurückziehen müsste. Nur so könne gewährt werden, dass der Zurückgetretene nicht die Wahl seines Nachfolgers beeinflusst. Papst Johannes Paul II. hatte einmal gesagt, er könne sich einen «emeritierten Papst» nicht vorstellen.

Was sich der „letzte Papst“ noch nicht vorstellen konnte, hat der deutsche Papst mal eben als Realität in die Welt gesetzt – und diese Realität wird eine neue Tradition begründen, weil hier ein Exempel statuiert wurde. Ab dem 11.2.2013 können „kirchliche Kreise“ jeden Papst in den Ruhestand schicken, der unbequem wird – und brauchen noch nicht mal Gift dazu. Sollte nochmal ein Papst auf die Idee kommen, ein Ende des Kirchensteuersystems zu fordern (siehe katholisch.info) um „missionarisches Handeln wieder glaubhaft zu machen“, kann man ihn schnell auf Ratzinger verweisen, der im senilen Alter ebenfalls solche Phantasien hatte, aber … dann eben auch die notwendigen Konsequenzen zog, bevor er noch mehr Schaden anrichten konnte.

Damit hat die Kultur der Nächstenliebe einen weiteren, festen Anker verloren. Der nächste Papst wird nicht mehr so deutlich um Bundestag vor einer Wiedergeburt das nationalsozialistischen Räuberstaates warnen können.

Vielleicht … sollten wir dem Papst zugute halten, das er am Rosenmontag zurückgetreten ist. Immerhin ist das für deutsche Katholiken ein sehr bedeutsamer Tag. Es mag uns helfen, die Warnungen ernst zu nehmen, Warnungen über einen Staat des Teufels, den man früher anschaulich am Rosenmontag studieren konnte, um letztlich sagen zu können: „nein, danke, das ist nichts für mich“.

Heutzutage haben wir andere Bilder, die den Staat des Teufels illustrieren: Auschwitz, Dachau, Bergen-Belsen – dort konnte „man“ sich richtig austoben, ganz, wie es einem gefiel.

Das es wirklich psychopatische Kräfte geben sollte, die die menschliche Gesellschaft mit List und Tücke in ein großes Lager umbauen wollen, in dem jeder seinen fest zugefügten Platz hat, seine Nummer, seine Arbeitsverpflichtung und jeder Wärter die Möglichkeit hat, den Lagerinsassen jederzeit anzutun, was immer ihm gerade in den Sinn kommt, wollen wir hier mal nicht behaupten.

Wir müssten einen Roman darüber schreiben, weil es – wie im Falle Malachi Martins – der einzige gangbare Weg wäre, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dafür bleibt aber keine Zeit mehr, weil die Kultur der Psychopathen eigentlich erst jetzt richtig durchstartet.

Ich denke, vielen, die heute noch laut über den Papstrücktritt lachen, wird jenes Lachen im Halse stecken bleiben, wenn die marktkonforme Demokratie in Zukunft weiter den alten, klassischen, christlich legitimierten Sozialstaaat abbaut zugunsten eines … ewigen Rosenmontages – den wir eigentlich schon haben, wenn ich mir das Fernsehprogramm so anschaue.

Die Legende vom Sohne Gottes, der unter Armen geboren wurde, um für die Armen zu leben und einen Nachfolger gewählt hat, der durch die Jahrtausende hinweg die Anbindung des sozialen Gedankens an höchste denkbare Gewalten behütet, wird in Zukunft immer weniger erzählt werden – dafür umso mehr die Geschichte eines Religionskonzerns, der sich nahtlos einreiht in die Reihen der anderen „Herren der Welt“ und deren Leitspruch schon immer lautete: Jeder ist ersetzbar.

Seit gestern sogar ein Papst, der noch lebt.

Papst ängstigt Deutsche: GOTT ist SOZIALROMANTIKER, Hartz IV ist böse, Krieg ist schlecht.

Es reizt einen ja schon ... dieses "Papstbashing". Allein - wie der schon aussieht - die Klamotten sind doch wohl wirklich ein Lacher schlechthin. Und dann das Auto. Kann sich noch einer erinnern an jenen denkwürdigen Satz, den niemand im großen katholischen Weltreich jemals ernst genommen hat? "Gehe hin, verkaufe alles was Du hast, gib es den Armen und folge mit nach!" So sprach Gott selbst, bzw. sein Sohn - für genaue Differenzierungen bitte den ortsansässigen Himmelskomiker fragen.  Und wenn man gerade dabei ist, könnte man auch mal fragen, ob man sich eigentlich niemals darüber Gedanken gemacht hat, das "Rom" für den Sohn Gottes immer das Sinnbild der feindlichen widergöttlichen Mächte war, die Kirche aber gerade dort ihr Hauptquartier bezogen hat und ein ähnliches "Imperium" aufgebaut hat - mit viel "imperialer Symbolik" in ihrem Alltag.

Es reizt einen ja schon … dieses „Papstbashing“. Allein – wie der schon aussieht – die Klamotten sind doch wohl wirklich ein Lacher schlechthin. Und dann das Auto. Kann sich noch einer erinnern an jenen denkwürdigen Satz, den niemand im großen katholischen Weltreich jemals ernst genommen hat? „Gehe hin, verkaufe alles was Du hast, gib es den Armen und folge mit nach!“ So sprach Gott selbst, bzw. sein Sohn – für genaue Differenzierungen bitte den ortsansässigen Himmelskomiker fragen.  Und wenn man gerade dabei ist, könnte man auch mal fragen, ob man sich eigentlich niemals darüber Gedanken gemacht hat, das „Rom“ für den Sohn Gottes immer das Sinnbild der feindlichen widergöttlichen Mächte war, die Kirche aber gerade dort ihr Hauptquartier bezogen hat und ein ähnliches „Imperium“ aufgebaut hat – mit viel „imperialer Symbolik“ in ihrem Alltag.

Man merkt – es ist leicht, diese Gruppierung von Menschen in Bausch und Bogen zu verdammen….und dann missbrauchen die noch Kinder. Die Nato oder die Bundeswehr haben nicht mit so einer Ablehnung zu rechnen, dabei missbrauchen sie nicht nur Kinder, in dem sie sie zum Töten (oder Morden – je nach juristischer Auslegung der Tat) ausbilden, sie bringen im Ausland auch noch regelmässig Kinder um – wie jetzt gerade in Libyen. Obwohl die „guten Demokraten“ dort jetzt gewonnen haben, hört man von 36 Bombenangriffen am Freitag, die Stadt Sirte soll unter heftigem Artilleriefeuer liegen.

Kinder missbrauchen ist sehr böse, da besteht kein Zweifel. Sie zu töten aber nicht?

Ach so – die missbrauchten Kinder waren ordentliche deutsche Arier, die zerfetzten Kinder dreckige Araber. Da differenziert der kirchenkritische Linke schon im Vorfeld sehr sorgfältig ohne es explizit zu nennen. Dabei fällt mir ein: die Katholiken haben es eigentlich gut. Die haben nur einen Papst. Nehme ich an einer Strategiedebatte der Linken teil, habe ich den Eindruck: da ist jeder Papst – oder möchte es gern werden. Vielleicht ist das die Quelle der Papstkritik.

In „Kirchenkritik“ treffen sich ja auch rechts und links und marschieren gemeinsam – wie übrigens auch zum Marsch „Vernichtet Israel“ (als ob die Vernichtung eines Staates eine völlig bedenkenlose Sache wäre, unblutig wie eine Abstimmung im Provinzrathaus).  Ob es da Zusammenhänge gibt, möchte ich momentan nicht weiter untersuchen, denn mich interessieren auf einmal Inhalte – mich interessiert (und ich meine nach Lektüre der vielen Artikel zu dem Thema, das ich wohl der einzige Mensch mit Tastatur bin, den das interessiert): wie sieht der Papst gerade die Welt?

Ich nehmen an, düster – nicht umsonst stockt der seine Exorzistenbataillone auf.

Was die Kommentatoren oft nicht berücksichtigen, ist: der Papst nimmt seine Weltsicht so ernst wie wir die unsere. Für ihn ist das Böse real und bleibt es auch, selbst wenn Spiegel, Blogger, das Handelsblatt und all die selbsternannten „Gegenpäpste“ dagegen sind – siehe Welt:

Im Schein unzähliger Lichter, als Vorfreude auf die sonntägliche Messe mit dem Papst ganz in der Nähe, geißelt er Egoismus, Neid und Aggression. Er mahnt die Jugend, das Böse in sich selbst zu suchen, wobei die Liste aller Übel in der Welt „draußen“ auch für ihn schon unerträglich lang ist.

„Das Böse in sich selbst suchen“ – wäre ja noch schöner. Egoismus, Neid und Aggression sind Standard und Bürgerpflicht in unserem Land. Wo kämen wir denn immerhin hin, wenn die stinkenden, faulen Arbeitslosen neben der vielen Lebenszeit, die sie sinnlos verplempern dürfen, auch noch GELD bekommen würden?

Wo kämen wir hin, wenn wir politische Probleme nicht mehr mit Bomben sondern mit Diplomatie lösen würden? Wo kämen wir hin, wenn wir unsere Super-Top-Kultur mal mit kritischen Augen beobachten würden – so wie hier:

Es ist der „American Way of Life“, die einzige räuberische Ideologie, die bestreitet, eine Ideologie zu sein. Die mit mächtigen Fangarmen weltweit operierenden Konzerne, die diktatorisch nach eigenen Gesetzen herrschen, das Militär, das zu einem Staat im Staate geworden ist, die hinter der Fassade der (angeblich) besten Demokratie der Welt in Washington agierenden 35.000 Lobbyisten, die Politiker kaufen, und eine Popkultur, die nur ablenken und verdummen soll, prägen ein System, das es so bisher nicht gab. Es mag differenzierter (als der Faschismus) sein, aber es hat eindeutig die gleichen Folgen. Denis Halliday und Hans von Sponeck, die beiden führenden UN-Beauftragten, die während der unter Führung der USA und Großbritanniens durchgeführten Blockade für den Irak zuständig waren, sind sich einig, dass damit ein Genozid begangen wurde. Sie fanden zwar keine Gaskammern. Aber schleichend, unerklärt und trotzdem offen in Gang gesetzt, begann auch der Dritte Weltkrieg mit einem Völkermord, der immer mehr Menschen das Leben kostet.

Wo sind eigentlich die großen Demonstrationen gegen die Ideologie dieses „American Way of Life“? Kann es sein, das „rechts“ und „links“ sich hier wieder einmal friedlich zusammen bei Coke und BigMac zu einem Disneyfilm treffen?

Norman Mailer sagte einmal, er glaube, die USA seien mit ihren endlosen Kriegen und ihrem Drang nach Weltherrschaft in eine „präfaschistische Ära“ eingetreten. Mailer unternahm den Versuch, vor einer Entwicklung zu warnen, die er nicht genau definieren konnte. „Faschismus“ ist eigentlich nicht der richtige Terminus, weil er an unpassende historische Präzedenzfälle erinnert und erneut die Bilder der deutschen und der italienischen Terrorherrschaft beschwört. Denn das autoritäre Herrschaftssystem der USA ist, wie kürzlich der Kulturkritiker Henry Giroux aufzeigte, „nuancenreicher, weniger theatralisch und durchtriebener, und es arbeitet weniger mit repressiven Kontrollmethoden als mit durch Manipulation erzeugter Zustimmung“.

Ich hätte gerne mal den Papst gefragt, was er eigentlich zu einer Kultur sagt, die Egoismus, Neid und Aggression in großem Umfang in alle Schichten der Gesellschaft trägt und deren führende männliche Köpfe von Wirtschaft, Politik und Show-Bizz sich regelmässig zu Ritualen vor einer großen Eule treffen (u.a. ist die Eule das Symbol der kinderfressenden Dämonin Lillith) und dort ein symbolisches Menschenopfer bringen – ja, ich meine wieder einmal den Bohemian Grove, jenen lustigen Ort in den USA, wo Weltpolitik gemacht und Atombomben geplant werden, ohne das wir etwas davon erfahren dürfen … oder jemals erfahren werden.

Proteste gegen die Grover? Bislang nur von den „weißen Hexen“ in den USA, aus politischen Kreisen (dort, wo man gedankenlos am Burger und am Bürger nagt) hört man da keine große Kritik – eher verspürt man den Wunsch, auch mal dort eingeladen zu werden, wo die wirklichen Herren der Welt tagen. Keine Kritik an den Kutten, der Symbolik, an dem Verschwörungscharakter der Veranstaltung, keine Kritik an der Straffälligkeit der Teilnehmer – ja, man nimmt es sogar gerne einfach nicht wahr, was dort geschieht.

Dann lieber nochmal „Star Wars“ gucken … obwohl dort genauso das Heraufdämmern einer bösen Kultur beschrieben wird, wie es der Papst beschreibt: wie der Bankenclan die Republik vernichtet, erleben wir gerade am eigenen Leib, ebenso wie die Technologieunion das Volk verstrahlt oder die Handelsgilde den letzten Cent aus uns herauspresst – aktuell wächst die Lücke auf unserem Konto in gigantischem Ausmaß:

Vor allem die Finanzierung der Pflegeversicherung drohe angesichts der ungünstigen demografischen Entwicklung die aktiv Beschäftigten zu überfordern, warnt er. Diese sogenannte implizite Staatsverschuldung kommt zur amtlichen, also expliziten Schuldenlast hinzu. Zusammen ergeben sich dann fast sieben Billionen Euro, die Raffelhüschen „Nachhaltigkeitslücke“ nennt.

Dabei wird die Bankenrettung noch teurer als befürchtet:

Die europäischen Banken stehen nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich einer «Finanzierungslücke» gegenüber, die bis zu knapp 4 Billionen Dollar betragen könnte.

Wir stehen vor dem Nichts – praktisch gesehen gehört unser ganzes Geld schon jemand anderem.

Warum wir nichts davon erfahren?

Weil die Macht der neuen Ideologie bis in die Tastatur der „unabhängigen“ Nachrichtensender reicht:

Der Chefredakteur des arabischen Nachrichtensenders „Al Jazeera“ trat vergangene Woche zurück , nachdem herausgekommen war, dass er Berichte über den Irak-Krieg auf Druck der USA hin manipuliert hatte. 

Wer hätte das gedacht, das sogar diese unabhängige Nachrichtenagentur nur eine Aussenstelle des CIA war – und was heißt das eigentlich für unsere Medien vor Ort?

Aber hier sind wir ja jetzt wieder ganz weit weg vom Papstbesuch in Deutschland – und wieder bei dem Übel da draußen, das für ihn“unerträglich“ ist. Jedenfalls für einen Papst, Politiker und Journalisten kommen offenbar klar damit, sie folgen gern der „durch Manipulation erzeugten Zustimmung“ und peitschen deshalb auch den ESM-Vertrag – das neue Ermächtigungsgesetz – im Eiltempo durch die Instanzen: noch nicht einmal mehr ein Jahr bleibt uns, bis wir unsere Souveränität an einen anonymen, undemokratischen Koloss abgegeben haben:

Der Druck auf die europäischen Regierungen steigt: Deshalb wird nun ernsthaft erwogen, den dauerhaften Rettungsschirm (ESM) bereits ein Jahr früher als geplant einzuführen, konkret im Juli 2012. Damit wäre die Transferunion im Eilverfahren ins Leben gerufen.

Unsere „Übel“ sind zwar auch unerträglich – aber für uns sind sie einfach „alternativlos“.

Unser Gott ist ja auch tot, habe ich mir sagen lassen.

Man stelle sich mal vor, jeder der „Entscheider“ würde das Böse zuerst in sich selbst suchen. Man stelle sich kurz mal vor, jeder Mensch würde ebenso verfahren. Was das Böse ist? Nur ein paar unheimliche Gefühle: Egoismus, Neid, Aggression. Ob da wirklich noch Dämonen zu kommen, ist wohl Anschauungssache.

Man stelle sich nur mal kurz vor, wie leicht der Umgang mit Arbeitslosen wäre, wenn es den Neid nicht gäbe, wenn man einfach locker sagen könnte: „Hey, ihr habt schon keinen Job mehr, langweilt euch zu Tode, zerfleischt euch wegen der Sinnlosigkeit eurer Existenz – da könntet ihr doch auch gut 2000 Euro im Monat gebrauchen, damit ihr wenigstens konsumieren könnt!“

Wäre doch fair, oder? Immerhin haben die ihre Jobs nicht nach China exportiert, das waren andere.

Warum wir das nicht machen?

Nur aus Neid, Egoismus und weil man an Arbeitslosen so schön seine Aggressionen ausleben kann.

In der katholischen Welt nennt man das schlichtweg „Böse“ – weil Gott ein Sozialromantiker ist, der gemäß katholischem Mythos seinen eigenen Sohn zur Erde sandte, um deutlich zu machen, was er von dem Theater hier unten hält:

„Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst“ war seine Botschaft. 

 

 

„Liebe Dich selbst ist die Botschaft, auf die die neue Ideologie den Satz verkürzt hat und die auch jeder Politiker in sich trägt – wie zum Beispiel Rezzo Schlauch, der unlängst bewies, das er wie Gerhard Schröder die Nähe zu Milliardendeals mit Gas-Prom sucht.

Wenn ein Papst so offen zu Parlament und Jugend spricht, müssen ihn große Sorgen umtreiben, denke ich mir. Oder aber er faselt einfach undurchdachten Mist durch den Raum.

Gut, das er sich nicht in die Politik einmischt – das hat sein Chef verboten. Sonst müsste er sagen, das mit Hartz IV das Reich des Bösen in Deutschland Fuß gefasst hat.

Genau genommen hat er das auch gesagt, sowohl im Parlament als auch gegenüber der Jugend. Aber so sehen … will das keiner. Wer will schon wirklich Ärger mit den wahren Herren der Welt?

Dann doch lieber ein bischen Papstbashing, das macht Spaß, beruhigt die Nerven und bringt den Arbeitsplatz nicht in Gefahr.

„Denke nur an Dich selbst, klau´ Deinem Nächsten das Butterbrot und hau´ ihm eine ´rein“ – das ist die Devise unserer modernen Kultur und der Leitsatz jeden Leistungsträgers – von rechts bis links.

Ratet mal, welche Devise mehr Sicherheit, Wohlstand und Lebensglück für die Gemeinschaft der Menschen bringt?

Lese ich dann, das der Papst überhaupt keinen Beitrag zur Lösung der Probleme der Welt gebracht hat, dann wird mir ganz seltsam zumute, denn genau das hat er getan:

Meidet Egoismus, Neid und Aggression, lebt als Politiker für Gerechtigkeit und nicht für Bargeld – und schon sind wir einen gigantischen Schritt weiter.

Warum man das jedoch nicht sehen will … sollte vielleicht jeder mit der Stimme des Bösen in sich selbst ausfechten und sich klar machen, warum er ihr eigentlich folgt.

 

 

 

 

 

 

 

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