Ibiza-Affäre

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Just gimme one night in Ibiza

„Wir haben Orwell bereits hinter uns und sind nun in Van Vogts ‚Space Wildlife‘ angekommen, wo niemand mehr etwas versteht.“
(Gerard Depardieu)

Na das war ja Rettung in letzter Sekunde: Zwei Wochen vor der Europawahl platzt in Österreich, der bisher stärksten europäischen Hochburg der Rechten, eine politische Bombe: Vizekanzler Heinz-Christian Strache, verdeckt gefilmt vor zwei Jahren auf der Partyinsel Ibiza. Die Szenerie mutet an wie in einer schmierigen Folge von „Kottan ermittelt“ … Strache im Unterhemd, bedusselt mit Vodka, auf der Couch neben einem blonden, langbeinigen, natürlich russischen Lockvogel, der ihm illegale Parteispenden in Aussicht stellt. Und Strache, der medienwirksame Partner der Achse des Bösen (AfD, Orban, Le Pen) und Fürsprecher einer Entspannungspolitik mit Russland, beißt an … und baumelt nun, aus dem Fischteich gezogen, am Haken im Blitzlichtgewitter der Wahrheitspresse.

Die SZ und der Spiegel haben das ihnen zugespielte, mutmaßlich von Geheimdiensten erstellte Skandalvideo zeitgleich am Freitagabend veröffentlicht und der Öffentlichkeit damit den finalen Beweis vorgelegt, mit welch korrupten Halunken es der gutgläubige Wähler doch mit diesen Rechtspopulisten zu tun hat. Politiker, die im Hinterzimmer mit Wirtschafts- und Medienoligarchen um Parteispenden und Macht feixen und als Gegengeschäft die Vergabe öffentlicher Bauaufträge in Aussicht stellen? Potzblitz, wo gibt es denn sowas? Womöglich irgendwo am Balkan oder in den USA, aber doch nicht im Europa, in dem der aufgeklärte Spiegelbildbürger und Wikipedialeser gut und gerne lebt. Nein, das geht gar nicht.

Zerknirscht musste also der fiese Populist, der Angela Merkel (laut ZDF-Politbarometer wieder die beliebteste Politikerin des Landes) als „gefährlichste Frau Europas“ bezeichnet hat, seinen Rücktritt bekanntgeben, die Regierungskoalition wird aufgelöst. Die von FPÖ-Innenminister Kickl gegründeten „Ausreisezentren“ für abgelehnte Asylwerber können nun wieder aufgelöst bzw. in Einreisezentren umgewandelt werden und Außenministerin Kneissl, die sich erdreistet hat, Putin zu ihrer Hochzeit nach Österreich einzuladen, wird die westliche Wertegemeinschaft nicht mehr mit ähnlichen Fauxpas schockieren können.

Die Gefahr von Rechts ist damit gesprengt, das Gute (Merkel, Habeck, Weber, Timmermanns, Correctiv, Amadeu Antonio Stiftung & Co.) können uns nun in eine grenzenlos strahlende Zukunft und in die digitale Transformation führen …

Mit einem Wort: Wir sind gerettet. Wenn man da nicht vor Jubel durch die Decke gehen möchte …

War echt knapp, dass wir in der derzeitigen Lage (mittlerweile sogar ganz offen in Massenmedien wie dem Focus ausgesprochen) noch die Kurve gekriegt haben. Aber wie sagt man so schön: Ende gut, alles gut.
Let’s party. Ibiza, I love you.


siehe auch Nachtrag 1: Über bluttriefende Kaffeekränzchen im Hosenanzug

und Nachtrag 2: Ibiza-Gate: Die Auflösung des Kreuzworträtsels

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