Hunde

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Deutschland, Hort der Grausamkeit

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Mittwoch, 25.5.2016. Eifel. „Schreibe doch mal was über Grausamkeit“ – hieß es neulich. Gut gesagt – doch ich denke, ich bin der völlig falsche Mensch dafür. Ich verstehe das Konzept von Grausamkeit nicht, ich bin als Kind schon an „Schadenfreude“ gescheitert. Während mein Vater sich bei „Dick und Doof“ richtig kringelig lachen konnte, bin ich – das seltsame Kind – ruhig und traurig: zwei eher arme Menschen erlitten viel Unheil und taten sich gegenseitig weh … was soll daran lustig sein? Wahrscheinlich mein erster Schritt in die Philosophie mit elf Jahren. Auch heute noch halte ich Schadenfreude für einen Defekt. Ich vermute, dass er bei Menschen auftritt, die selbst viel Übel als Kind erlebt haben, viel Überheblichkeit und Grausamkeit im Leben erdulden mussten und dann erleichtert darüber sind, dass nicht nur ihnen so etwas widerfährt, sondern auch Stan und Olli.

Soviel zur Schadenfreude, die spontan auftritt.

Aber Grausamkeit?

Begegnete mir erst letztens wieder – allerdings immer öfter, seit dem ich die Welten der „Tierschützer“ tangiert habe. Neulich erst: irgendwo auf der Welt verbrennen Menschen einen an einen Baum gehängten Hund bei lebendigem Leibe: eine äußerst grausame Tat. Ich stehe Hunden nicht gerade positiv gegenüber, frage mich manchmal, ob dieses „Bussi-Bussi-Hasi-Mausi“ nicht eine Vorstufe von emotionaler Sodomie ist – aber da hat der Hund ja nichts mit zu tun. Womit er zu tun hat: er ist Waffe gegen Tier und Mensch. Nicht selten hatte der Adel früher den Sport, mit Hunden Menschen zu Tode zu hetzen (Tiere sowieso), auch heute noch wird er als Werkzeug der beständigen und gezielten Provokation seiner Umwelt eingesetzt: durch Verkotung der Umwelt oder ständiges Ankläffen der Bewohner menschlicher Siedlungen, von denen immer wieder welche zu Tode kommen, vor allem Kinder. Seltsam, dass wir diese Haustiere immer noch in menschlichen Siedlungen dulden, wo sie doch den Tod bringen können. Seltsam, dass Menschen sich solche Haustiere anschaffen – und sich dann noch für „gut“ halten. Und da begegnet uns schon Grausamkeit: wenn Herrchen (und ich denke, in diesem Wort steckt viel Wahrheit drin: jemand, der gerne HERR geworden wäre, aber mangels irgendwelcher persönlicher Qualifikationen reichte es nur zum „Herrchen“ – mangels Anhängern wurde eben ein Hund gekauft, der nicht widersprechen kann und dem Führerchen brav folgen muss) sein Hundchen Kinder ankläffen läßt und sich über ihre Ängste freut (und sich in einem wohligen Gefühl von Macht badet, die er dank „Bussi-Bussi-Hasi-Mausi“ hat).

Selbst schlimmere Vorfälle lassen den deutschen Hundewahn nicht abschwellen: es kommen in Deutschland mehr Kinder durch Hunde zu Schaden als durch islamischen Terrorismus, für dessen Bekämpfung wir Milliarden ausgeben. Ja: ohne Herrchen frisst Hundchen gern Gesichtchen (siehe zum Beispiel eine ältere Sammlung bei t-online). Ich hoffe hier sehr auf Aktionen von Veganern, die dafür sorgen, dass diese unnützen und gefährlichen Fleischfresser aus der Öffentlichkeit (und vom Erdboden) verschwinden: ich mag nämlich Menschen und vor allem hilflose kleine Kinder, die ihr Leben noch vor sich haben.

Ich weiß nun nicht, was jener Hund getan hat, der mit dem Flammenwerfer geröstet wird. Vielleicht vorher auch einem Baby den Kopf abgebissen? Sowas kann schon Zorn erzeugen – aber Zorn allein erklärt doch noch keine Grausamkeit. Ein schneller Schuss in den Kopf, ein Schlag mit der Machete und die Bedrohung der menschlichen Zivilgesellschaft ist aus dem Weg – aber gezielt und bewusst Schmerzen in größtmöglichem Ausmaß zufügen? Vielleicht ist dort aber auch lebendig gerösteter Hund eine Delikatesse – wie bei uns der lebendig gekochte Hummer?

Ich denke, wir sind uns klar darüber: das gezielte, absichtliche und oft genussvolle Zufügen einer größmöglichen Menge Schmerzen können wir doch als „grausam“ bezeichnen? Nicht besser waren übrigens die Kommentare der hundeliebenden Tierschützer: sie verlangten allen Ernstes, dass die Täter ebenso bei lebendigem Leibe gegrillt werden sollten – halten sich aber „ethisch“ für enorm überlegen, dabei sind sie wegen Verrat an der eigenen Art und erwiesener absichtlicher Grausamkeit unterste Schublade im Rahmen der gesammten Natur. Ethisch betrachtet. Die übliche Argumentation „ich habe mal einen Hund gerettet, deshalb in ich gottähnlich“ lassen wir mal außer Acht.

Braucht man Zorn für Grausamkeit? Und: sollten wir die Antwort auf diese Frage nicht lieber der Psychologie überlassen? Auf keinen Fall: Psychologie ohne Philosophie führt nicht weit: ohne Beschreibung von Welt und Menschenbild werden die Deutungen beliebig – aber man kann endlos lange diskutieren und Steuer- und Beitragsgelder verprassen … und erst recht ewig „behandeln“. Was war der Aufschrei groß, als die erste philosophische Praxis von Gerd Achenbach drohte, die ganze Pychoindustrie auszuhebeln: drei Besuche bei ihm und eine zehn-Jahres-Patienten konnte ihre teuren Therapien gesund und lebensfroh abbrechen: es war nur der Rahmen (das Weltbild) falsch, nicht der Inhalt (der Mensch). Es ist schon ein Unterschied, ob Sie mit ihrer Geistersichtung zu Sigmund Freud gehen (für den Sie dann ordentlich einen an der Waffel haben) oder zu Carl Gustav Jung (dessen eigene gruselige Erfahrung in Fanny Mosers Werk „Spuk“ Anfang der fünfziger Jahre beschrieben wurde – eine exzellente wissenschaftliche Arbeit des hoch angesehenen Wissenschaftlers).

Wir haben ja gerade wieder einen Fall von Grausamkeit in Deutschland  – sogar einen Fall weltweit äußerst seltener Grausamkeit (siehe Spiegel):

„Seel habe nach außen ein ganz normales Leben gelebt, angepasst, berufstätig, musisch begabt. „Ein völlig unbescholtener Bürger““.

Und Sie haben Angst vor Asylanten? Also – ich mache mir eher Sorgen um die „normalen“, „angepassten“, „berufstätigen“, „völlig unbescholtenen“ „musisch begabten“, denn die schlachten gerne mal ihre Mitbürger, sogar so, dass es ins Guinessbuch der Rekorde passt (siehe Spiegel):

„Der Täter hatte Tristan im Bachbett die Kehle durchgeschnitten, ihn ausbluten lassen, ihn regelrecht geschächtet, ihn im Anschluss in den Tunnel gezogen und ihn dort verstümmelt. Das dokumentierte Verletzungsbild ist weltweit einmalig.“

Wer sich übrigens auch Gedanken über die normalen, angepassten, berufstätigen, völlig unbescholtenen und musisch begabten Mitbürger macht, ist Georg Diez (siehe Spiegel), der beunruhigt auf eine kippende Gesellschaft schaut, die mit „feinem Schweigen“ auf die zunehmende Grausamkeit reagiert. Ach – Grausamkeit erwähnt er ja gar nicht, das habe ich dazu gedichtet – weil es gemeint war. Er beklagt ja den Rechtsruck in Deutschland – wieder einmal – und fürchtet die Folgen. Wissen Sie noch, welche Folgen das waren? Nun: es war staatlich perfektionierte und systematisierte Grausamkeit. Lesen Sie sich ruhig mal den Artikel über Ärzte im Nationalsozialismus durch (siehe Spiegel), zum Beispiel die Meerwasserexperimente von Wilhelm Beigelböck oder die Vivisektionsexperimente von Aribert Heim:

„Für seine sadistischen Anwandlungen ersann er auch eine Forschungsreihe: Wie lange überlebt ein Mensch ohne Leber, ohne Nieren, ohne Herz? Der „Schlächter von Mauthausen“ holte sich schwache und kranke Häftlinge und entfernte ohne Betäubung lebenswichtige Organe.“

Der Facharzt für Meerwasserexperimente leitete nach dem Krieg eine Klinikabteilung in der Bundesrepublik und bildete weitere Monster aus. Sorry – Ärzte. Nicht  Monster.

Ich denke: Sadismus gehört zum Themenfeld Grausamkeit dazu, was meinen Sie? Da sind wir auch gleich wieder bei der Schadenfreude, die … weit verbreitet ist. Ich denke, um Grausamkeit auszuführen, braucht man eine gewissen Lust – sonst kostet sie nur unnötig Zeit.

Es gibt Synonyme für Grausamkeit: diabolisch, entmenscht, gewalttätig, hart, gefühlskalt, erbarmungslos – um nur einige zu nennen (siehe wiktionary). Gilt für Tierquäler wie für Tierschützer, die gerne Menschen quälen möchten. Machen Sie sich mal die Freude, bei Facebook die „Tierschützerseiten“ aufzusuchen: ich verspreche unangenehmen, gefühlskalten, erbarmungslosen, gewalttägien entmenschten Grusel. Da sind die angepassten und normalen, die Menschen zum Foltern suchen. Noch haben sie nicht den richtigen politischen Rahmen dazu – aber wenn ich Georg Diez trauen darf, sind wir ja gerade wieder auf dem Weg dahin. Habe ich vor 14 Jahren schon gesagt, als ich die ersten öffentlichen Artikel gegen Hartz IV schrieb (das man damals „Workfare“ nannte), damals wurde ich noch als Düsterseher ausgelacht – 14 Jahre später ist das Thema beim Spiegel.

Lacht noch jemand?

Klar: die Grausamen. Gibt Millionen davon – schauen Sie sich nur die Reaktionen auf „Arbeitslose“ an, sogar der Spiegel respektiert, dass die nicht beim Namen genannt werden wollen, weil sonst Verfolgung droht (siehe Spiegel). Sicher, man formuliert es fein (so fein wie das von Georg Diez beschriebene Schweigen), spricht von „Stigma“: aber es ist allen klar, es geht wieder darum, Ziel von Grausamkeit zu werden, wie bei jenen 40 Roma, denen der feine Arzt Meerwasser zu trinken gab, damit sie wirklich auf elendigste Weise verrecken. Ja: sowas durfte in Deutschland dann weiter praktizieren und sich dumm und dämlich verdienen.

Das ist Ihnen zu übertrieben? Ich empfehle Ihnen: schauen Sie bitte ganz genau hin; lesen Sie die folgenden Zeilen bitte mit Bedacht (siehe 3sat):

„Ein disqualifizierter Konsument hat einen ganz anderen sozialen Status als die industrielle Reservearmee. Ein disqualifizierter Konsument ist völlig nutzlos“, so Baumann weiter. „Ein hoffnungsloser Fall für die Gesellschaft. Wenn man absolut zynisch ist, würde man sagen, unserer Gesellschaft ginge es viel besser, wenn diese armen Menschen, die keine richtigen Konsumenten sein können, einfach verschwinden würden.“

Oder wenigstens noch als Versuchskaninchen für die Ärzteschaft dienen, wie aktuell  die Demenzkranken.

Es geht dort um „Abfallmenschen“ … um Menschenabfall. Was das mit Grausamkeit zu tun hat? Nun – eine Voraussetzung für Grausamkeit ist mangelnde Empathie – sagt Wikipedia. Der Artikel ist auch deshalb interessant, weil wir wieder auf den Hund zurückkommen – in der Erläuterung des Begriffes „bestialisch“, der als „Steigerungsform von Grausamkeit“ gilt:

„bestialisch aus dem Lateinischen: Bestia – das wilde Tier, fusst historisch auf der Beobachtung von carnivoren Prädatorn, fleischfressenden Beutejägern, die ihre Beute nach dem Schlagen mit Zähnen und Krallen aufbrechen und stückweise ausweiden“

Ja, das sieht nicht schön aus, sowas. Ich durfte das mal erleben – im alten Löwenpark von Westerholt in Westfalen, als Löwen Wölfe gerissen hatten. War ein Riesenskandal damals. Davon finde ich allerdings nichts im Internet. Sah grausam aus. Ich könnte dazu jetzt auch wieder ein paar Geschichten von Ärzten im Dritten Reich erzählen, die das mit Abfallmenschen gemacht haben, die zu nichts mehr Nutze waren – aber lassen wir das. Bleiben wir in der Gegenwart, wo „Lebensmittelretter“ hohe Strafen drohen, weil sie weggeworfene Lebensmittel aus Containern retteten (siehe Netzfrauen). Auch grausam, oder? Im Sinne von kalt, empathielos, vernunftlos, erbarmungslos. Da hungern Menschen in Deutschland, werden selbst zu „Abfall“ – aber wer wertvolle Lebensmittel aus dem Abfall retten will, wird bestraft. Gilt vielleicht auch bald für jene, die wertvolle Menschen aus dem Menschenabfallkorb herausholen wollen.

Eine Gesellschaft im Vernichtungswahn: 82 Kilo Lebensmittel werden pro Bürger pro Jahr weggeworfen (siehe Spiegel), dass sind 18,4 Millionen Tonnen im Jahr (siehe Spiegel), während jeden Tag 18000 Kinder unter fünf Jahren verhungern (siehe Zeit):

„Diese Zahlen sind alarmierend, aber man liest und hört wenig darüber. Oder man hört darüber hinweg.“

Grausam, oder? Wie wir das ignorieren, gleichzeitig aber die Lösung des Problems sabotieren, in dem wir Lebensmittel an uns saugen, um sie zu vernichten. Ganz kalt, emotionlos. Aber 20 Millionen fleischfressende Haustiere halten: das geht. Darf ich das jetzt eine systematisch menschenfeindliche Kultur nennen? Mit langer Tradition? Man könnte glatt antideutsch werden, wenn man das liest.

Ach ja – die fehlende Empathie. Klassisches Merkmal eines Psychopathen, eines „sozialen Raubtieres“. Jene „Wölfe im Schafspelz“ (oder Hunde mit Krawatte) wandeln unter uns:

„Sie sind skrupellos und ohne jedes Mitgefühl. Ihre Persönlichkeit zeichnet sich durch egozentrisches, selbstherrliches Verhalten aus. Sie betrügen, demütigen, verletzen und töten. Ohne Emotionen, aber mit vollem Bewusstsein. Psychopathen. Soziale Raubtiere, von denen nicht wenige in unserer Gesellschaft leben.“ (siehe Deutschlandradio. )

Und fahren SUV. Oder Porsche.

Diesen Verhalten kennen Sie, in der Wirtschaft gebraucht man dafür das Wort „professionell“. Achten Sie mal drauf: immer, wenn jemand einen Mangel ein Psychopathie hat, kritisiert der Chef, er handle nicht „professionell“.

Ach ja: Wirtschaft – sie werden wahrscheinlich nicht überrascht sein, dass sich da ein Kreis schließt: Psychopathen schaffen es auffällig oft ins höchste Management (siehe Zeit). Jetzt verstehen Sie vielleicht, wie man fette Boni kassieren kann, obwohl der Betrieb fast pleite ist: wir haben es mit Hunden in Menschengestalt zu tun. Also: Raubtieren. Sie schaffen es wohl auch in höchste Regierungsämter, wo sie gar nicht verstehen, warum ihr Handeln – als „alternativlose Sozialreform“ getarnt – von so vielen Menschen als grausam empfunden wird. Ich vermute mal: suchen Sie einen Menschen, der andere wegen ihrer „Sozialromantik“ lächerlich macht, und Sie haben einen Psychopathen gefunden.

Das wir hier in der Menschheitsgeschichte äußerst schräg laufen, haben schon andere gemerkt. Aus Zeitgründen zitiere ich mal nicht das mir vorliegende Original, sondern Wikipedia:

„Forbes stellt demnach die weltweit bestehenden gesellschaftlichen Probleme wie Armut und Obdachlosigkeit, Hunger und Leid sowie die Zerstörung der Umwelt in den Kontext der westlichen Gesellschaftsform, die sich selbst „zivilisiert“ und „kultiviert“, „frei“ und „sozial“ nennt. Tatsächlich würde der Kapitalist jedoch – wenngleich in der Regel nicht direkt, sondern über eine Wirkungskette im System – rücksichtslos das Eigentum, die Gesundheit und das Leben Anderer konsumieren, um gut zu leben, ohne selber viel dafür tun zu müssen. Dies sei alles andere als zivilisiert und eher vergleichbar mit einer entarteten Form des Kannibalismus. Die negativen Aspekte der modernen Welt haben nach Forbes‘ Ansicht global gesehen ein enormes Ausmaß angenommen und zeigten eine Tendenz zu weiterer Verschärfung. Daraus schließt er auf die Krankhaftigkeit des Systems beziehungsweise der Menschen als verantwortlich handelnder Subjekte.“

Forbes ist Indianer. Mit Doktortitel. Er greift in die Kiste indiansischer Mythen und Legenden, wo er den Wétiko oder Wi´tiko findet (anderen als „Wendigo“ bekannt), einen bösen Geist, der – wenn er in Menschen fährt – zu Kannibalismus verleitet (das erwähnt Wikipedia leider nicht, weshalb ich das hier mal ergänze) … womit wir wieder bei dem grausamen Massenmörder von Tristan sind, auf dessen Rechner man unter 30000 verstörenden Bildern auch welche von Kannibalismus gefunden hat (… ich denke jetzt mal nicht darüber nach, wie die produziert worden sind).

Forbes’ Weltanschauung geht hart mit der westlichen Zivilisation ins Gericht. Seiner schonungslosen Analyse zufolge ist die Geschichte der Europäer untrennbar mit der Faszination für das Böse verbunden, die er als „Mátchi-Syndrom“ (Cree-Dialekt für teuflische Verdorbenheit) bezeichnete. Dies führe zu einem Mangel an Empathie und in logischer Konsequenz zu Egoismus, Habgier und Gewalt.

Gut – wir verachten Forbes´ Philosophie als „Anarchoprimitivismus“ – wohl wissend, dass wir für unsere Kapitalismus 1,5 Planeten bräuchten, aber nur einen haben – was noch sehr grausam für viele Menschen werden wird, uns aber egal ist. Er schrieb sein Werk 1981 – rot-grün setze es 2005 in die Tat um, wir taten uns am Eigentum der Arbeitslosen gütlich wie zuvor an dem der Juden. Er würde das für grausam halten – ebenso grausam wie die Tatsache, den Armen täglich die Warenflut vor Augen zu führen, die niemals niemals niemals mehr für sie gedacht ist.

Oder das wir die so selektierten Menschen entwürdigend und demütigend unsere Abfälle an den „Tafeln“ präsentieren, wo sie lange anstehen müssen, um Abfall essen zu dürfen, den sie auch noch bezahlen müssen – weshalb ja „Containern“ verboten ist, denn daran kann man nicht verdienen. Die „primitiven“ Indianer würden so nie mit ihren Mitmenschen umgehen. Aber die jagen und essen auch Tiere, können also nur böse sein und nicht so gut wie „wir“.

Wo sind wir nur gelandet? Nur ein paar Gedanken über „Grausamkeit“ – und schon stecken wir in tiefster Gesellschaftskritik, ja, sind Anhänger und Protagonisten eine Kultur, die als die böseste der Menschheitsgeschichte angesehen werden kann (auch jene, die sich nur „vegan“ ernähren): obwohl wir so lieb zu unseren Hunden sind. Und zu den Katzen, nicht zu vergessen, die laut Captain Paul Watson von Sea Sheppard inzwischen mit die gefräßigsten Meeresräuber sind – weil ihre Herrchen und Frauchen sie mit Massen an Fisch füttern, mehr, als alle großen Seeraubtiere zusammen vertilgen(siehe Facebook).

Auch grausam, oder? Die Vernichtung der Meere im Dienste der Hauskatze. Früher – diente das Haustier uns, lebte von unseren Abfällen. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher – manche Menschen leben schon von Hundefutter, Millionen wären froh, wenn sie wenigstens das kriegen würden. Auch: grausam.

Kein Wunder, dass wir so oft auf die Philosophie treffen, dass der Mensch schlecht und grausam ist – als gäbe es schon nur noch den weißen Mann auf der Welt, wie viele es gerne hätten. Die Indianer hatten es da leichter: der grausame Mensch – als eine ganz seltene Spezies – war nur in der Gewalt des Wendigo, eines bösen Geistes, den der Schamane vertreiben konnte. Vielleicht hätten wir die nicht auch ausrotten sollen … aber sie hätten den herrschenden Wendigos ja auch fürchterlich im Wege gestanden, diese friedlichen, sozialen, ökologisch nachhaltigen „Anarchoprimitiven“ mit ihrem „Aberglauben“.

Unser grausamer Mensch ist nicht mehr selten – er ist Norm geworden, Handlanger eines kannibalistischen Systems, dass Milliarden Menschen und den ganzen Planeten zu vertilgen droht.

Und viele Menschen merken das: nicht umsonst sind Zombie-Filme so beliebt – sie entsprechen unsere emotionalen Wahrnehmung in einer gefühllosen und damit leblosen Menschenfresserkultur. Und in jener Zombiekultur ist Grausamkeit (also: „Professionalität“) erste Bürgerpflicht, will man nicht selbst zu den abfallfressenden Abfallmenschen gehören.

Merke schon: ich hätte mir keine Gedanken über dieses Thema machen sollen.

Schaue jetzt eigenartig beunruhigt auf die Häuser unter mir.

Ob da auch schon Leichenteile in den Garagen liegen?

Hunde haben die. Höre ich bis hier oben bellen, jeden Tag. Meistens – kläffen die Menschen an, die friedlich ihres Weges ziehen … aber trotzdem immer etwas mehr Adrenalin als sonst ausschütten (oder einfach Angst haben), wenn sie den Lärmattacken ausgesetzt werden.

Interessiert aber auch keinen.

 

Der Feind der Menschheit: der deutsche Spießer. Innenansichten einer Bestie.

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Donnerstag, 19.5.2016. Eifel. Erst kürzlich habe ich eine kleine Umfrage gemacht, einfach mal ein paar Leser gefragt, welche Themen sie noch interessieren würden. Ich war überrascht, was für ein vielfältiges Interessenbild sich dort abbildete. Einer – kam sogar direkt mit dem Feind der Menschheit an. Nein: nicht Dr. No oder Ernst Stavro Bloefeld (nur original mit Katze), nicht Putin oder Hitler, nicht Weganer (also: Invasoren von der Wega) oder Islamisten, sondern den absoluten Frontkämpfer der Weltvernichtung, den Feind allen Lebens und aller Lebendigkeit. Ich zitiere mal:

„Erklärbäreltern. „nein jason-kevin, mach bitte die Motorsäge aus. “ Hurra-der -Wolf -ist-wieder -da-schreier mit Reihenhausbiotop in Recklinghausen-mitte….“

Nun: das ist recht einfach, weil – aufgrund der inneren Logik der Vernichtung – die Erklärbäreltern dieselben sind, die auch den Wolf lieben -und ein Reihenhausbiotop in Recklinghausen-Mitte haben.

Ich möchte über die beiden mal ein wenig erzählen. Wie sie heißen? Dieter und Daniela Biermann. Daniela ist medizinische Fachkraft in einer urologischen Praxis (also: Arzthelferin). Dieter arbeitet im Großraumbüro einer Versicherung. Sie haben zwei Kinder: Jason-Kevin (den kennen wir schon) und die bezaubernde Diana.

Was beide auszeichnet, ist ihr gemeinsamer Geschmack, was Musik, Filme und Fernsehen angeht: als sie sich darüber austauschten, hatte es sofort gefunkt. Dieter und Daniela schauen und hören nur das Beste, nur das Beste ist für sie gut genug. Zu Hause und im Auto haben sie jederzeit die Top Ten der aktuellen Charts griffbereit, in ihrer privaten Videothek finden wir den Gesamtbestand der meistverkauften Filme der letzten zehn Jahre, Filme, die sich Dieter und Daniela jedes Wochenende anschauen.

Ja: sie gehen nicht ´raus am Wochenende. Es ist nicht sicher da draußen, das ist ihnen klar. Ungern erinnern sie sich an die Zeiten, als sie noch Untermenschen waren, „Mieter“, und gezwungen waren, mit Fremden in einem Haus zu leben. Es waren einmal sogar Ausländer darunter. Türken. Dieter und Daniela haben nichts gegen Ausländer, sie sind – wie die Kanzlerin es angeordnet hat – öffentlich „für Flüchtlinge“ – aber doch bitte nicht im eigenen Haus. Oder der eigenen Straße.

Mit der Straße haben sie Glück gehabt: es ist eine kleine Seitenstraße in der Innenstadt von Recklinghausen, direkt in den Siedlungen am Kuniberg, hinter dem Bahnhof. Nur Deutsche dort, die türkische Enklave beginnt weiter nördlich, wo die alten Zechenhäuser stehen. Alles ordentliche Leute dort – so erzählt Dieter gerne im Büro. Was war das für ein Triumph, als sie dort endlich ihr Reihenhäuschen beziehen konnten: 700 qm2 Garten, Carport, Gerätehäuschen, ein kleines Beet, dass Daniela in ihrer Freizeit bearbeitet. Sie haben so ein wenig den Traum vom Selbstversorgertum, fernab der Zivilisation, eine große Ranch mit endlosen Weiden – aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg und solange muss das Beet den Traum von großer Freiheit auffangen.

Letztes Jahr haben sie drei Sonnenkollektoren angebracht – mehr gab das schmale Dach nicht her. „Für die Umwelt“, meinte Dieter und erzählte jedem im Büro, dass er jetzt auch Unternehmer ist, „Stromproduzent“. Er war sehr stolz darauf.

Dieter spricht nicht gern über seine Arbeit. Er ist Sachbearbeiter einer Versicherung – und dicht dran an einer Beförderung. Seine Spezialgebiet, seine herausragende Fähigkeit: Ansprüche gegen die Versicherung abwehren. Da läuft er zur Hochform auf, das hat ihm schon einige Boni und Gehaltserhöhungen eingebracht. Da ist er schon ein Spezialist – und besonders stolz darauf, dass er sogar erst letzte Woche einen Akademiker „geknackt“ hat, der seinen Wasserschaden durch seine Hausratsversicherung bezahlt haben wollte. Da kam er bei Dieter gleich an den Richtigen, schnell war klar, dass die Firma nicht für menschliches Versagen zahlen konnte. Es war sein erster Akademiker, daraufhin gab es gleich ein großes Grillfest für die engere Nachbarschaft – nur die Bonnermanns, die Hofmeisters und die von Grüneburgs, die angeblich adelige Vorfahren in der Tschechei hatten (was auch der eigentlich Grund war, weshalb man mit ihnen Beziehungen pflegte: es war immer gut, den Adel an seiner Seite zu wissen).

Akademiker mochte Dieter nicht, die konnten sogar die mühsam verklausulierten Standardverträge lesen und verstehen und kamen oft genug mit ihren überzogenen Ansprüchen durch, weil sie gleich zum Anwalt rannten. Gott sei Dank gab es genug alte Leute, die die Pleiten bei den Akademikern wieder ausbügelten, denen konnte man noch klar machen, dass sie nur Zahlvieh waren – und Dieter ihr Meister.

Ja: so sah er sich. Als Meister. Er – an der Spitze der Nahrungskette, ganz dicht vor der Abteilungsleitung. Und wenn er die erstmal bekommen würde, dann würden einige in der Abteilung ganz schön dumm aus der Wäsche schauen. Immerhin: er tat alles, um an die Spitze zu kommen, das war schon harte Arbeit. Dieter – und selbstverständlich auch Daniela – taten alles, was angesagt war. In allem teilten sie die Meinung der Mehrheit und aus Themen, wo die Mehrheit noch keine Meinung hatte, hielten sie sich einfach heraus.

Dieter deckte im Small-Talk alle männlichen Themen ab: Fussball, Investment, Auto und das Grill-Event während Daniela sich in den weiblichen Themen vorarbeitete, um hier die ethische Überlegenheit der Biermanns zu demonstrieren: Tierschutz, Yoga und Ernährung. Dieter war sehr stolz auf Daniela: seit vier Monaten war sie Veganerin, was den Bonnermanns, Hofmeisters und von Grüneburgs ordentlich Respekt einflößte. Sie kaufte ihr Gemüse nur in edelsten Bioläden, vermittelte Hunde aus der Tötung über Facebook und beschäftigte sich intensiv mit Tarotkarten. Letzteres schien nur im ersten Zug etwas seltsam zu sein, aber da Daniela die ganze Nachbarschaft mit ihrer Tarotarbeit beglückte (vor allem jene Frauen, die ihren Yogakurs besuchten), bekamen die Biermanns so detallierten Einblick über privateste Dinge – was gelegentlich von unschätzbarem Vorteil im Streitfall war.

Sie waren  natürlich emanzipiert, sogar schon weit über die Emanzipation hinaus: bei den Fahrradausflügen fuhr Dieter natürlich immer vorne weg, dann Daniela, dann die Kinder. Im Auto saß Daniela immer auf dem Beifahrersitz – und bei Wanderungen ging sie immer hinter Dieter her. Immerhin war er der Mann – und man selbst war ja aufgeklärt darüber, welche Fehler die Emanzen immer gemacht hatten, weshalb die auch keinen so tollen Mann wie Dieter abbekommen haben.

Sie hatten zwei Kinder – und besonderes Glück mit ihnen: einer war ein Junge und sollte ein kleiner Dieter werden, das andere ein Mädchen, perfekt geschaffen für eine kleine Daniela. Der Junge hatte Montags Fussball, Dienstag Ergotherapie, Mittwoch Tennis, Donnerstags Nachhilfe, Freitags war er bei der Jugendgruppe des technischen Hilfswerkes, Samstag half er im Flüchtlingsheim und Sonntags trug er Zeitung aus, beides mit seiner Schwester, die Montags beim Ballet war, Dienstag Klavierunterricht hatte, Mittwoch einen Nähkursus besuchte, Donnerstag zum Hiphop in die Tanzwerkstatt ging und Freitag bei Danielas Yogakurs assistierte. Perfekte Kinder eben. Die allerbesten. Natürlich beide auf dem Gymnasium. Sie waren die besten Freunde ihrer Eltern und liebten sie heiß und innig – jedenfalls wurde das von ihnen erwartet, immerhin ließ man ihnen ja alle Freiheiten, die möglich waren. In den Ferien bekamen sie sechs Stunden Nachhilfe täglich, Dieter hatte eine Lehrerin angestellt – eine von jenen, die in den Ferien bei Hartz IV landete, weil sie nur befristete Verträge bekam. Natürlich zahlte er ihr den Mindeslohn, da ließ er sich nicht lumpen.

Dreimal im Jahr ging es in den Urlaub. Frühjahr: Wanderung in den Alpen. Österreich. Herbst: Wattwanderung an der Nordsee, Holland. Sommer: Türkei. So wie man es halt macht.

Ihr ganzer Stolz war Herrmann, der Hund. Daniela hatte ihn gerettet, ein Mischling von der Größe eines Schäferhundes. Dieter war ihr sehr dankbar dafür und führte ihn am Wochenende aus. Es gab ein unglaubliches Gefühl von Macht, mit Herrmann eine Einheit zu bilden: der Herr und sein Hund waren als Team unschlagbar. Herrmann konnte viel erledigen, was Dieter untersagt war: die Kinder der Schönfelds ankläffen (die hatten fünf Kinder – sowas von asozial; was die an Kindergeld und Zulagen bekamen, war unerträglich: Schönfeld war Beamter) – einmal hatte Herrmann fast den alten Schönfeld selbst gebissen. Natürlich hatte sich Dieter dafür entschuldigt – aber es hatte Dieter noch monatelang ein Triumphgefühl der Extraklasse beschert. Zudem half Herrmann seinem Herren beim Nachbarschaftsrating: jene Nachbarn, die nach einer Sanktion verlangten, bekamen – in Häufigkeit fein abgestuft nach Grad der Sanktionsgrundes – Herrmanns Häufchen auf ihr Grundstück verpasst. Am häufigsten waren jene dran, die keinen Zaun hatten und nicht oft genug den Rasen mähten. Das … ging gar nicht. Diese Langhaarigen, zwei Straßen weiter. Surfer, Autoschrauber, Musiker – arbeitsloses Gesindel, das dem Steuerzahler auf der Tasche lag: die bekamen eigentlich bei jeder Runde eine Ladung ab.

Die Biermanns hatten auch eine Katze – „Bärchen“. Allerliebst. Sie brachte oft Vögel und Mäuse an, die sich auf die kleine Terrasse ablegte, was ihr immer ein Extraleckerli von Frauchen einbrachte: erfolgreiche Jagd musste belohnt werden – jedenfalls, wenn es im Dienste der Biermanns war, die keine Mäuse im Haus duldeten und keinen Vogelschiss auf ihren Sonnenkollektoren wünschten.

Ein Aquarium rundete Dieters Reich ab. Natürlich Seewasser. Ausgewählte Exoten tummelten sich da drin, deren lateinische Namen er gerne auswendig wüsste.

Ja: sein Reich. Wie sehr genoss es Dieter, wenn sie zusammen im Wohnzimmer saßen und den erfolgreichsten Film der Saison sahen: die Biermanns – bei allen ganz vorn, mit ihm an der Spitze, die Tiere zu Füßen. Natürlich sahen sie auch alle Ratingshows, in denen junge „Talente“ um ihren künstlich geschaffenen Platz kämpften und sich überall anbiedern mussten – und jene Talksendungen, in denen die Untermenschen aus ihrem Leben erzählten: herrlich war das, einfach herrlich, täglich sehen zu können, wie weit oben man war – und wie tief unten die anderen.

Das Leben war fast perfekt – es fehlte nur noch eins. Ein Makel hatte das Leben noch: der SUV war von einer koreanischen Firma. Es musste natürlich ein SUV sein: groß, bullig, mächtig, herrschend, triumphierend, jederzeit bereit, den Gegner zu zermalmen, während man selber unbehelligt blieb – die Rüstung des modernen Raubritters, der der Menschheit zeigte, wo der Hammer hing. Doch das Budget erlaubte nur einen Koreaner. Dieter schauderte bei dem Gedanken, dass die Bonnermanns vielleicht bald einen Deutschen hätten. Er wusste auf jeden Fall, was SEIN Wagen war – der neue Audi. Allein schon die Beschreibung erzeugt bei Dieter Gänsehaut (siehe Spiegel):

„Den rechten Fuß nur ein paar Millimeter bewegt, schon beschleunigt der wuchtige SUV explosionsartig, der 435 PS starke SQ7 rennt davon wie von Sinnen. Weil schon bei 1000 Touren ein maximales Drehmoment von 900 Nm an den Rädern reißt und den Schotter beim unbedachten Start auf losem Grund meterweit spritzen lässt, werden die 2,2 Tonnen Gewicht zu einer virtuellen Größe. Herkömmliche Dieselmotoren erreichen kaum mehr als die Hälfte dieses Wertes und brauchen dafür deutlich mehr Drehzahl.“

Mit diesem Wagen – wäre Dieter der König der Straße. So in drei- bis fünf Jahren wäre er möglich, vorausgesetzt, die Akademiker versauen ihm nicht die Abteilungsleitung. Natürlich nur gebraucht. Dieter hatte die Hoffnung, dass vielleicht Danielas Chef – der Arzt – sich einen neuen SQ7 kauft, den er dann nach ein paar Jahren übernehmen könnte: das war sein großer Traum, die Krönung seines ganzen Lebens.

Es gibt vieles, was Dieter und Daniela nicht interessiert. Umwelt – zum Beispiel. Die weltweit großen Fischsterben, die immer beunruhigendere Ausmaße annehmen (siehe konjunktio) und auch vor Fischteichen nicht Halt machen (siehe Nordkurier) ignoriert er mit festem Blick auf sein Aquarium, wo nur selten ein Fisch verendet. Dass die Türkei gegen Flüchtlinge Selbstschußanlagen installiert (siehe FAZ), interessiert ihn nicht – sie haben Kinderkleidung für Flüchtlinge gespendet, ganz, wie von der Regierung gewünscht – da ist man ganz auf einer Linie mit der Kanzlerin. Dass in den USA Mitarbeiter in der Geflügelindustrie Windeln tragen, um ihre Arbeit nicht unterbrechen zu müssen (siehe Zeit), ändert nichts an seiner Überzeugung, dass die Kanzlerin TTIP jetzt schnell durchpauken muss (was sie vorhat, siehe Spiegel), denn: „von den USA lernen heißt siegen lernen“ – und da bald jeder zweite Arbeitsplatz in Deutschland durch Technik ersetzt wird (erst recht in Dienstleistung und Verwaltung, siehe Welt), braucht man dringend neue Hoffnung aus Übersee.

Dieter ist nicht beunruhigt von den  Nachrichten einer schrumpfenden und vom endlos wachsenden Kapital zerquetschten Mittelschicht (siehe Zeit), erstmal bilden er und Herrmann ein Superteam, zweitens sind sie die Biermanns, die immer ganz vorne sind und drittens hätten sie gerne selbst mehr Kapital. Er liebt Nachrichten wie die über „Mesut T“, „der sich mit den Falschen angelegt hat und durch eine Autobombe im fließenden Verkehr  zerfetzt wurde (siehe Berliner Zeitung): so sollte es allen gehen, die sich mit den Falschen anlegen – das hat er auch im Büro erzählt.

Das in England Jugendämter gegen Prämie Adoptionsquoten zu erfüllen haben (siehe Muttis Blog), findet er gut: man kann das Pack nicht früh genug zerschlagen, dem Pöbel nicht früh genug zeigen, wo der Hammer hängt. Es beruhigt ihn, dass von jedem Internetnutzer ein Dossier existiert (siehe thema.voralberg.at), so kann man rechtzeitig erkennen, wenn einer anfängt, aus der Reihe zu tanzen, er findet Schäuble gut, der die Leistungsträger dieses Landes schützt, in dem er Informaten über Briefkastenfirmen abblitzen läßt (siehe Spiegel). Es ist ihm egal, dass Adenauer seinerzeit die Naziopfer aus den Ämtern drängte, um der Funktionselite des Nationalsozialismus breiten Zugang zu Schaltstellen der Macht in der jungen Bundesrepublik zu geben (siehe Zeit), dass führende Genomforscher im Geheimen über die Schaffung künstlicher Menschen diskutieren, berührt ihn nicht (siehe nytimes) noch versteht er, was das für ihn bedeuten kann: warum auch – Herrmann und Dieter sind zusammen unschlagbar und bilden den unzerstörbaren Kern der herrlichen Biermanns.

Ja – das  mit der Kettensäge, letztes Jahr im Baumarkt. Da haben sich ein paar Spießer drüber aufgeregt, weil Jason-Kevin sie ausprobierte, aber kaum halten konnte. Aber Dieter ist souverän eingeschritten und wies Jason-Kevin aus der Ferne an, die Säge wieder hin zu legen: nicht zu streng jedoch, denn Jason-Kevin war ein Biermann – und er sollte schon früh lernen, dass er auserkoren war, zu herrschen – so, wie es Dieter.

Der Wolf jedoch – das war das geheime Totems der Biermanns – und auch ein geheimer Grund für die symbiotische Beziehung von Dieter und Herrmann. Der Wolf – hing als großes Poster im Wohnzimmer, heulend vor dem Vollmond. Der Wolf – war heilig. Der Wolf – war Natur, war Kraft, war List, war Verschlagenheit, war … GOTT. Die Biermanns liebten den Wolf, wären gerne wie er: frei und wild durch die Wälder streifend, im Biermannrudel, unbesiegbar, schneller als der stärkere Bär, stärker als der listige Fuchs und hinterhältiger als die verschlagene Wildkatze – allem Überlegen, was beim Kampf um die Beute Konkurrenz bedeutet. Was wäre das für ein Leben: als Herren der Wälder über alles zu herrschen, was da kreucht und fleucht, frei, unabhängig, unbesiegbar.

Und vielleicht – kommt ja noch einmal eine Zeit des Wolfes, vielleicht bekommt des große Rudel aller Biermanns der Republik bald wieder einen Führer, der Vegetarier ist und Hunde liebt, erste Zeichen kündigen ihn schon an (siehe Kopfumkrone.at):

„Die Tendenz in diese Richtung wächst deutlich. Ich glaube, dass wir momentan eine zu kurzsichtige Diskussion führen – nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland. Die Frage lautet: Wie schaut es um den Bestand unseres demokratischen Systems, so wie wir es seit 1945 kennen, überhaupt aus? Ich befürchte, dass dieses System sich gerade in aktuer Lebensgefahr befindet. Ob man daran noch etwas ändern kann, weiß ich nicht. Derzeit sprechen alle Indikatoren dagegen. Immer mehr Menschen hinterfragen unser demokratisches System an sich – insbesondere in Zeiten wie diesen, in denen wir immer größer werdenden politischen Herausforderungen, ökonomischen Verwerfungen und gesellschaftlichen Problemen gegenüberstehen. In Österreich, europaweit, ja weltweit. Sei es nun die aktuelle Flüchtlingskrise oder die in Wahrheit bis heute ungelöste Finanzkrise – all das sind die großen Probleme, die große Entscheidungen abverlangen. Es stehen mitunter bahnbrechende Weichenstellungen und nötige große Umwälzungen an, die uns regelrecht dazu zwingen werden, unser gesamtes kapitalistisches und schuldenbasiertes Wirtschaftssystem auf den Kopf zu stellen. Denn es funktioniert schlichtweg nicht mehr. Obwohl wir das wissen, wollen wir es nicht wahrhaben. Vor allem unsere Politiker nicht. Es zweifeln immer mehr Menschen daran, ob unser derzeitiges demokratisches Parteiensystem all diese großen Umbrüche schultern kann. Diesen Zweifeln müssen wir uns stellen.“

Und dann wird man endlich wieder Wolf sein können und sich den Schafen im Land mit aller Aufmerksamkeit unter dem Schutz des großen Rudelführers artgerecht widmen können.

Doch solange der Führer noch im Dunklen ruht, bleibt noch der Weg zur Abteilungsleitung, zur Verbesserung der Chancen beim Straßenüberlebenskampf und der Ausbildung der Biermann-Jugend zum omnipotenten Werkzeug der Elite.

Dass die Biermanns mit ihrer Lebensweise zu jenen Gestalten gehören, die ganz vorne bei der allgemeinen Ressourcenvergeudung dieses Planeten mitmischen, wird fein von Sonnenkollektoren und veganen Würstchen verdeckt – doch in ihrer selbstverliebten Herrlichkeit werden sie wahrscheinlich nie etwas davon merken, dass wir 1,5 Planeten verheizen, aber nur einen haben. Sie haben halt die Gnade, direkt am Königshof zu wohnen (dem „Westen“), wo man erst ganz zuletzt merkt, dass es gewaltig brennt.

Und außerdem: sind ja die Biermanns, eine Sekte für sich, die alles richtig machen und immer tun, was angesagt ist. Und wer sie nervt, kann schnell ihren Herrmann richtig kennen lernen – so wie jene hassenswerten Arschlöcher, die gegen den Wolf sind, wie der Wolfsmonitor aktuell berichtet (siehe Wolfsmonitor). Die – kommen als erste dran, denn der Wolf, der Schafe und Ziegen reißt, Pferde und Schweine anfällt und auch vor dem Hirsch, dem König der Wälder nicht zurückweicht, ist der Biermanns großer Liebling – und ihr Idol … dessen Wiederkehr sie orgiastisch feiern.

(PS: sollte es wirklich ein Paar mit Namen Dieter und Daniela Biermann geben: ihr seid nicht gemeint. Entschuldigung – aber irgendwelche Namen brauchte ich ja. Ansonsten – ist alles eine erfundene Geschichte. Fast … jedenfalls).

(PS2: Dieter geht wirklich nur zu Weihnachten mit den Kollegen ins Bordell, sonst nicht. Und nur zu freien Sexarbeiterinnen. Von den Behauptungen der Aussteigerinnen, dass Prostitution immer Missbrauch ist und meistens chronisch kranke Menschen zurück läßt, hält er nichts (siehe linksunten.indymedia.org).

 

 

 

 

Nachrichten am Freitag – 2012.03.30

Die letzte Nachrichtenüberblicksimulation vor den Ferien. Weiter gehts bei Schulanfang.

Die Antwort auf den Brief der 51 Tatort Autoren – von 51 CCC Mitgliedern:

Wir sollen also die Finger von den Schutzfristen lassen. Oh bitte, es bluten einem die Ohren bei diesem ewiggestrigen Singsang, den wir uns seit Jahren anhören müssen, während alle paar Jahre die Fristen verlängert werden. Wir sind jetzt bald bei einer Länge von einem Jahrhundert angekommen, und da bringt Ihr echt das Argument, man dürfe die Schutzfristen nicht anrühren? Wir glauben, es hackt. Das ist das Digitalzeitalter, Freunde, wir wissen nicht mal, wie wir digitale Daten ein ganzes Jahrhundert lang bewahren sollen. Die Archive und Bibliotheken haben noch nicht mal annähernd ein Konzept dafür. Und diese DRM-Grütze und der Mangel an offenen Formaten, das sind die Probleme, und beides hat einen Zusammenhang zu Schutzfristen. Nicht nur deswegen müssen sie radikal verkürzt werden, sondern auch, weil selbst Ihr auf den Schultern von Riesen steht, denen Ihr gefälligst Tribut zu zahlen habt.

Alternativen zur Bekämpfung des Gasaustritts in der Nordsee. Zum Beispiel:

Eine „kontrollierte Explosion“ auslösen

Impfen scheint vom Teufel zu sein, obwohl auch hier mit der Tatsache, daß mehrere Impfungen kombiniert wurden, abgewiegelt wird. Einzeln geimpft wirds dann bestimmt nicht soo schlimm sein…:

Im Jahr 2011 mehrten sich die Berichte darüber, dass Impfstoffe in Japan verheerende Auswirkungen zeigen. Das Gesundheitsministerium in Japan hatte damals die Verwendung der Produkte “Prevenar” und “ActHIB” der Konzerne Pfizer und Sanofi-Aventis ausgesetzt, nachdem vier Kinder kurz nach der Impfung gestorben waren. Die Impfstoffe sollten die Kinder eigentlich vor Hirnhaut- und Lungenentzündung schützen.

Alle vier verstorbenen Kinder erhielten eine kombinierte Impfung, bei der mehrere Präparate in einer hochwirksamen Injektion zusammengefasst wurden. Es gibt viele Hinweise dafür, dass Impfstoffe noch weitaus gefährlicher sind, wenn sie kombiniert und nicht etwa nacheinander verabreicht werden. Auch bei den japanischen Kindern wurde vermutet, dass die Kombination mehrerer Präparate für den Tod der Kinder verantwortlich war.

Hihi, die Engländer haben keinen Sprit mehr. Aber die City of London. Schade, daß man virtuelles Geld nicht tanken kann.

 The Petrol Retailers Association, which represents about 5,500 garages, has blamed the government for causing panic buying.

„This is exactly what we didn’t want – people panic-buying. Deliveries are still being made to garages and we are advising people to continue with their normal buying habits,“ a spokesman told PA.
(Gefunden bei Fefe)

Warum Hundebesitzer nicht Heiraten sollten:

Wenn “wilde Ehen” in die Brüche gehen, wird am besten fair geteilt. Du den Kühlschrank, ich die Playstation. Und so weiter. Aber was ist zum Beispiel mit dem gemeinsamen Hund, an dem nach wie vor die Herzen beider Partner hängen?

 Das ist eher eine schlechte Idee:

Mehr als die Hälfte der Türken befürwortet einer Umfrage zufolge die Entwicklung eigener Atomwaffen als Reaktion auf eine mögliche atomare Gefahr durch den Iran. Im Falle einer atomaren Bedrohung aus dem Nachbarland sprachen sich 53,9 Prozent der türkischen Bevölkerung eher für den Bau von eigenen Atomwaffen aus, als sich auf den Schutz der NATO zu verlassen, wie aus einer vom in Istanbul ansässigen Center for Economics and Foreign Policy Studies veröffentlichten Umfrage hervorgeht.

 Und das klingt auch Übel:

Angesichts fortdauernder Kriegsgefahr am Persischen Golf analysieren Berliner Regierungsberater die mutmaßlichen Folgen einer Blockade der Straße von Hormuz durch Iran. Es sei nicht nur mit gravierenden ökonomischen Konsequenzen zu rechnen, heißt es: Fachleute schließen einen Ölpreis-Anstieg auf mehr als 200 US-Dollar pro Barrel nicht aus. Auch werde eine Sperrung des Seeweges mit Sicherheit zu einem militärischen Konflikt mit den USA führen. Zwar sei sich das iranische Regime klar darüber, dass es einen derartigen Konflikt nicht gewinnen könne. Allerdings sei die iranische Verteidigungsstrategie so angelegt, dass Teheran selbst eine militärische Niederlage in politisches Kapital ummünzen könne, weshalb eine Blockade der Meerenge nicht auszuschließen sei.

 Manchmal denke ich, die („Sie™“ wollte ich hier nicht schreiben, weil dazu sind sie dann doch zu kleine Lichter) haben zuviele der falschen Pillen geschluckt. . Vom Rauchen kommt das jedenfalls nicht:

In aller Stille versuchen SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, CDU und CSU Artikel 93 Grundgesetz zu ändern. Es geht um das Klagerecht der Deutschen vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Der Antrag wird morgen im Bundestag behandelt, ist aber auf der Parlamentsseite nicht eingestellt worden.

Die Piraten (nein, ein Pirat) über die angeblichen 400 Euro Grundeinkommen:

Zum anderen muss festgestellt werden, dass in dem vorgeschlagenen Modell selbstverständlich kein Sozialabbau betrieben wird. Die Piratenpartei hat auf ihrem letzen Parteitag ein Positionspapier zum SGB II verabschiedet, das klarstellt, dass die heutigen Regelsätze in ihrer Höhe zu niedrig sind. Daran fühlen sich auch die Sozialpiraten gebunden. Die Aussage, das Modell bewege sich deutlich unter dem Niveau anderer Modelle oder liege sogar unter dem Niveau des heutigen Hartz-IV-Systems, ist schlichtweg falsch.

Und zum Abschluß: Andreas aus dem Entenhaus mit vielen kommentierten Nachrichten. Ein Beispiel:

Hans-Peter Uhl (CSU): Ermittlung des Attentäters von Toulouse ist Beleg für Vorratsdatenspeicherung
Nicht nur würde die (verfassungswidrige) Vorratsdatenspeicherung Privatsphärenspeicherung überhaupt erst die Ermittlung ermöglichen, sondern sogar Leben retten. Soweit jedenfalls die gewohnt realitätsfremden Ansichten des CDU/CSU-Innenexperten Hans-Peter Uhl.
Aber kommen wir mal zur Realität: Der Attentäter von Toulouse wurde vom französischen Geheimdienst und der französischen Polizei bereits lange überwacht. Bei den Amis stand er sogar auf der No-Fly-Liste. Und nicht einmal diese Vollüberwachungen hat die Morde verhindert. Ja nicht einmal die Ermittlungen hat diese Datenflut wirklich erleichtert, denn der entscheidende Hinweis entstand aus der Aussage eines Motorradhändlers – und nicht etwa aus den gesammelten Datenbergen.
„Wat den einen sin Uhl, is den andern sin Nachtigal“, lautet ein altes plattdeutsches Sprichwort. Denn während die Nachtigall die Menschen mit ihrem schönen Gesang erfreut, lässt der geöffnete Schnabel eines Uhl nur sämtliche Zornesadern der Menschen anschwellen.
Andererseits erfüllt Hans-Peter Uhl aber auch nur seine Lobbyarbeit zugunsten der German European Security Association, in dessen Vorstand er abhängt. Eine Lobbyklitsche übrigens, in der zahlreiche Überwachungskonzerne beheimatet sind und aus dessen abschmierenden Sumpf die Lobbymarionette Hans-Peter Uhl sein Luxusleben finanziert.
Es wäre also falsch, Hans-Peter Uhl als lernresistenten Internetausdrucker zu bezeichnen. Alles was Hans-Peter Uhl macht und sagt, macht er mit Vorsatz. Deshalb instrumentalisiert er mit Vorliebe derartige hochemotionale Ereignisse wie dieses Attentat, um völlig schamlos die Betroffenheit der Menschen zugunsten seiner Lobbyarbeit auszuschlachten.

Und es wäre eigentlich die Aufgabe von Journalisten, derartige Verfilzungen aufzudecken, die selbst ein Hobbyblogger wie ich innerhalb weniger Klicks recherchieren kann.

Bewegte Bilder:

Bedenklich:

Nach einer Empfehlung von Naja in den gestrigen Kommentaren:

Eher was zum abschalten am Wochenende. Mit vielen gruseligen Monstern die es mal gegeben haben soll:

FNORD

Im Dreierpack

ImDreierpack_thumb.jpg

Im Dreierpack

© Jotha

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