Hartz IV

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Sanktionen gegen herzkranken Hartz IV Empfänger

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Deutschland geht es gut wie nie! Elli ist erfroren…

Freitag, 27.Januar 2017. Eifel. Es ist kalt in der Eifel. Und in Deutschland. Minus 19 Grad beträgt die Temperatur auf den Höhen der Eifel, wo eine uns nahestehende Bauersfamilie ums Überleben kämpft. Minus 25 Grad beträgt die Temperatur in den Herzen der Bevölkerung – Minus 40 Grad die in den Seelen der „Entscheider“. Es geht um Geld – für die eigene Tasche.

Was machen Sie eigentlich bei den Temperaturen? Klar, warm anziehen. Wintersport vielleicht? Sicher Schlitten fahren mit den Kindern – das macht Spaß und erfreut die Seele. Vielleicht auch mal auf Skiern unterwegs? Gut, ist etwas teurer – aber man gönnt sich ja sonst nichts. Sie und ich wissen, dass das gelogen ist: wir gönnen uns eine ganze Menge, zum Beispiel gigantische Kühltheken für Veggieschnitzel im Winter, die gegen die Heizungen der Supermärkte ankämpfen. Irre oder? Wir haben große Kühlschränke, die irrsinnig viel Strom verbrauchen, aber auf unseren Straßen erfrieren Menschen.

Am 28. Dezember erfror Elli – ganz in der Nähe des Düsseldorfer Komödchens. Kennen Sie das Komödchen? Ein feiner Ort für den Widerstand. Dort darf über Witze gelacht werden – heimlich und unerkannt – für die man, wenn man sie öffentlich machen würde, bestraft werden würde. Beleidigung des Staatsoberhauptes – oder so. Ja – Verunglimpfung des Bundespräsidenten ist strafbar – wobei ich nicht genau weiß, wann der sich jetzt verunglimpft fühlt. Wissen Sie, wer das ist, dieser „Bundespräsident“? Nun – unser Angestellter. So einer, der nur von Steuergeldern lebt. Oh – hoffentlich habe ich jetzt nicht schon was verunglimpft. Weiß auch gar nicht, wie glimpfen geht. Aber es ist strafbar. Man muss also außerordentlich vorsichtig sein. Nachher glimpft man versehentlich jemanden an – und schon ist man im Gefängnis. Oder ist glimpfen gut und nur unglimpfen schlecht. Was weiß ich.

Kennen Sie Elli? Meine Ex-Frau hieß so. Jedenfalls – nannte ihre Mutter sie so. Sie – hat das gehasst. Ich mag meine Ex-Frau immer noch – trotz aller Katastrophen, die ihre Trennung verursacht hat. Die Nachricht, dass sie neben dem Komödchen – in dem ich oft Gäste für die Industrie empfing – erfroren wäre, würde mich schwer treffen. Da wären ja auch noch unsere Kinder. Ja – das ist was anderes, wenn die Familienangehörigen wegsterben, oder? Seien Sie ehrlich: für jeden Kaputten in der Familie gibt es doch ein Riesendrama, zig-tausend Euro werden ausgegeben, um alle zu beköstigen, tausende Euro für das Grab (vor allem für den Grabstein), tausende für die Grabpflege. Auch ehrlich: wenn meine alte Mutter stirbt, weiß ich nicht, wie ich das bezahlen soll. Vielleicht verkaufe ich alles, was ich habe, damit sie ein würdiges Begräbnis hat? Und lebe dann auf der Straße?

Unsere Elli – also: nicht meine Frau – ist erfroren. Am 28.12.2016. Weihnachtszeit. Die Christbaumkugeln glitzerten noch, die Fenster umher waren weihnachtlich geschmückt. So was geht jetzt in Deutschland.

Was an Elli besonders war? Nun – sie hat ein Tagebuch geführt (siehe DerWesten). Das hat alle fasziniert. Das Ende wurde dokumentiert! Schau mal: die konnte lesen und schreiben! Wie erstaunlich! Da war wohl in ihrer Jugend jemand gütig zur Unterschicht. Ihr Tagebuch berichtet von ihrer inneren Kälte, die schlimmer war als die Äußere. Sie machte sie kraftlos und schwach. Schauen Sie sich mal die Fotos an: eine hübsche Frau von 48 Jahren – die ihren Leidensgenossen immer was aus ihrem Tagebuch vorgelesen hatte.

Ein Horrorleben, oder? Scheint einem düsteren Zukunftsthriller zu entstammen: unheimliche Aliens haben den Planeten erobert, die letzten empfindsamen Menschen leben wie Ratten auf der Straße, teilen sich den Rest innerer Wärme, der einem Tagebuch entspringt. Die Zeitungen sind natürlich voll Beteuerungen, dass allen Obdachlosen überall geholfen wird, auch Elli hat man immer wieder versucht, von der Straße weg zu holen. Wissen Sie, wie lange die obdachlos war? Nur drei Monate. So schnell geht sterben – in Deutschland.

Ihre Geschichte? Nun – sie hat den Tod ihrer Mutter nicht überwunden, heißt es. Hat Alkohol getrunken. Nur – ist das eigentlich wichtig? Seltsam wie wir uns daran gewöhnt haben, nach dem Lebensberechtigungsschein zu fragen, bevor wir Mitleid zulassen. Unglaublich, oder? Erstmal sucht der moderne Mensch – der Alien – eine Ausrede, bevor er hilft. Sind sicherlich viele moderne Menschen an ihr vorbeigegangen. Viele vielleicht auch ins Kommödchen? Ich habe mal versucht, welche Komiker da Programm machte – aber das war nicht mehr auffindbar. Knapp 30 Euro kostet so ein Abend. Wäre doch cool gewesen, für den Abend Elli aus der Kälte zu holen. Elli? Denken Sie einfach mal daran, es wäre ihre Tochter gewesen. Oder ihre Mutter. Wann haben Sie sie das letzte mal gesehen? Scherz – ich wollte sie nur erschrecken.

Könnte auch ihr Sohn sein. Viele Söhne (und Töchter) werden gerade auf die Straße gesetzt, jetzt, in diesem Moment, bei dieser Kälte. Viele überleben das nicht. Vor Elli sind ja auch schon 18 in Düsseldorf gestorben – aber die hatten keinen Nachrichtenwert – also: kein Tagebuch. Erzählen Sie das doch mal das nächste Mal dem nächsten Obdachlosen: für einen coolen Nachruf sollte er Tagebuch führen, dann kommen auch die Reporter. Ansonsten ist leise sterben angesagt. Das glauben Sie nicht, dass Kinder auf deutschen Straßen sterben? Deutsche Kinder?

Ja. Das ist so. Das hat auch … System. Lesen Sie doch mal die „Junge Welt„:

„Sie gehen nicht zur Schule, halten sich mit Bettelei, Kleinkriminalität oder gar Prostitution über Wasser: Auf deutschen Straßen leben Zehntausende obdachlose Jugendliche. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) schätzte 2015 die Zahl der Minderjährigen unter ihnen auf 21.000 – Tendenz steigend. Der Staat habe sie abgeschrieben, beklagen Vereine und Streetworker seit langem. »Starre Hilfesysteme« setzten auf absolutes Wohlverhalten und würden damit individuellen Problemen nicht gerecht, kritisierte damals Jörg Richert vom Verein KARUNA im Gespräch mit jW. Er geht sogar von einer weit höheren Dunkelziffer aus. Die Stiftung »Off Road Kids« warnte kürzlich zum wiederholten Mal vor dem Anstieg des Elends.“

Wahnsinn, oder? Eine Kleinstadt von Kindern – bei minus 19 Grad auf den unfruchtbaren Betonböden unserer Städte. Ein interessantes Sozialexperiment, oder? Nein – der Grund ist ein anderer:

„Das Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) lebt in einer anderen Realität. Auf seiner Internetseite geht es auf obdachlose Jugendliche nicht ein. Statt dessen lobt es Jugendschutz und Kinderrechte.“

Ja – Eigenlob kommt immer gut. Die haben ja jetzt sogar einen eigenen Bundespräsidenten, diesen Steinmeier. Ja – die wählen sich jetzt gegenseitig selbst in die Ämter. Leistung muss sich wieder lohnen. Steinmeier war ein starker Fürsprecher für Hartz IV – und die Hartz-Maschine setzt auf „absolutes Wohlverhalten“, sonst fliegt man auf die Straße. Gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Zu wenig Bewerbungen geschrieben, Job abgelehnt, frech geworden: schon wird geschossen (siehe Junge Welt). Bald eine halbe Million werden so entsorgt. Ab auf die Straße – Väterchen Frost erledigt den Rest. Ja – Gas nimmt man nicht mehr. Wir sind heute weiter, fortschrittlicher, die Fehler von früher würden wir nie wiederholen: Gas war einfach zu teuer.

Wer wird da sanktioniert? Können doch nur „bildungsferne Schichten“ sein. Asoziale. so jedenfalls … stellen unsere Medien es gerne da. Muss ja auch so sein, denn die Regierung, der Staat: das sind ja wir alle, und wir alle sind ganz toll gut und gerecht. Böse ist, wer daran zweifelt. So wie die Taz: zunehmend werden Akademiker, Selbstständige, ganz normale Angehörige der Mittelschicht obdachlos. Die Hartz-Maschine frisst täglich mehr. Bald auch Sie, glauben Sie mir.

Da geht auch kein Weg mehr daran vorbei: die Zinsansprüche der Supervermögen müssen irgendwie gewonnen werden – das geht nur, wenn man überall „unten“ was wegnimmt. 8 Milliardäre haben inzwischen mehr Geld wie die  3,6 Milliarden Ärmsten dieses Planeten: Sie sehen, das Problem ist global.

Bleiben wir in Deutschland. Versuchen ehrliche Steuerbeamte das Geld von Steuerlumpen einzutreiben, werden sie in die Psychiatrie geschickt – wie unter Stalin. Gut, das kostet uns jetzt viel Entschädigung, aber Sie haben es ja. Ja … das zahlen alles Sie (siehe Spiegel). Dafür wird keiner sanktioniert, noch kommt man auf die Idee, alle Arbeitslosen zu Steuerfahndern umzuschulen. Bei den Summen, die hinterzogen werden, könnten die sich leicht selbst finanzieren. Allerdings: schummeln ist systemrelevant. Hören Sie dazu mal einen ehrlichen Schüler (siehe Spiegel):

„In der Schule habe ich es verachtet, wenn Klassenkameraden gespickt haben und nicht durch eigene Leistung eine Arbeit absolvierten. Bis zum Abschluss meines Abiturs habe ich kein Mal geschummelt. Das Resultat war ein deutlich schlechteres Abi als das meiner Klassenkameraden. Es war meine Eigenleistung. Darauf konnte ich mir etwas einbilden, aber kaufen konnte ich mir davon nichts. Auch an die guten Universitäten in den beliebten Städten kam ich nicht. Ich musste mich mit dem zufriedengeben, was meiner Abiturnote entsprach, während meine Kumpels freie Wahl hatten.“

Jetzt schummelt der wie verrückt – und wird mal zu unserer Elite gehören. Wie auch die anderen, die vorher schummelten. Wer nicht schummelt, wird nichts.

„Deutschland geht es gut – und das ist ein Grund zur Freude“. Hat Angela Merkel mal gesagt (siehe z.B. Stern).

Die lebt scheinbar auch in einer anderen Realität- wie ihre Ministerien. In einer Realität, in der Geld in Unmengen da ist, Geld, dass man den Stromkonzernen schenkt, damit die nicht für ihre verstrahlten Altmeiler zahlen müssen. Die – dürfen wir jetzt selbst abbrechen und die Konzerntöchter werden noch reicher (siehe WDR).

„Deutschland geht es gut wie nie – und das ist ein Grund zur Freude“. Kriegen Sie jetzt das Gefühl, dass Sie irgendwie nicht mehr zu diesem „Deutschland“ gehören?

Keine Sorge – die Regierung ergreift Maßnahmen, die Realität ihren Vorstellungen anzupassen. Nein – nicht Ihren Vorstellungen. Die haben ganz andere, in denen Sie nicht vorkommen, wenn Sie obdachlos werden. In der Schweiz sperrte Wikipedia unlängst Regierungscomputer, weil von denen aus 5500 Wikipediaartikel geändert wurden (siehe Tagensanzeiger). In Deutschland hilft die Journalistenband von „Correktiv“ bei der Disziplinierung der Wahrheit bei Facebook (siehe Zeit). Warum ich die Bande nenne? Nun – die leben auch in einer anderen Realität: Correctiv meldete bei den US-Wahlen den Sieg von Clinton, während der Rest der Welt schon Trump gratulierte (siehe Meedia). Die Realität ist in guten Händen. Darf ich noch mal?

„Deutschland geht es gut wie nie – und das ist ein Grund zur Freude“. Hoffentlich glimpfe ich damit nicht wieder.

Oxfam hält die extreme Ungleichheit für Sprengstoff des sozialen Zusammenhaltes – haben die jetzt in Davos gesagt (siehe Oxfam). Wissen Sie, was das heißt? Der nächste LKW, der in eine Menschenmenge rast, wird möglicherweise von Deutschen gefahren. Jenen, die in einer anderen Realität leben. Die falschen Artikel lesen. Die mit den „Fakenews“, die jetzt gekennzeichnet werden. So wie den über Elli, den Sie oben gelesen haben – aus in der Regel gut informierten Kreisen ist zu vernehmen, dass ihre Todesursache unklar ist (siehe hinzundkunzt) … sagt ein Sprecher der Polizei. Aber toll, jetzt brauchen wir uns nicht mehr damit beschäftigen, denn:

„Deutschland geht es gut wie nie und das ist ein Grund zur Freude“.

Wissen Sie, was sozialer Sprengstoff ist? Nun – wir haben gerade einen entschärft. Sozialer Sprengstoff ist das Gefühl, nicht mehr dazu zu gehören, zu dem guten Deutschland der Freude. Das hat Folgen (siehe Spiegel):

„Die Opfer sind nicht nur sehr verzweifelt, hilflos und verspüren ein Gefühl von Ohnmacht. Sie entwickeln auch Rachegedanken und Hass. Wer Mobbing nicht selbst hat erfahren müssen, kann kaum nachvollziehen, was das mit einem Menschen macht. Das wird von außen, auch von den Lehrern, kleingeredet als harmlose Auseinandersetzungen zwischen Kindern. Es wird oft nicht erkannt, wie intensiv dieser Psychoterror tatsächlich ist.“

Mobbing? Kann ich Ihnen erklären. „Kleine Gemeinheiten, große Schikanen, gezielte Demütigungen“ (siehe Spiegel). Wie die erneute … und verschleierte … Senkung der Hartz IV-Sätze (siehe lokalkompass). Die Arbeitspflicht in Minijobs. Leiharbeit. Im Niedriglohnsektor. Daraus entwickeln sich … Rachegedanken und Hass. Ja: daher stammt jener Hass auf Facebook, gegen den man jetzt mit Staats- und Löschgewalt vorgehen will. Er gefährdet als solcher die Realität der Ministerien. Man fragt sich nicht, wo er herkommt … man ignoriert ihn einfach, bis seine Protagonisten schweigen … oder erfrieren. Aus der Physik wissen wir, was mit einem Gefäß geschieht, wenn es zu großem Druck ausgesetzt wird … man also die Hassventile der Gesellschaft schließt. Denke da an … Amokläufe. LKW´s.

Wissen Sie, was die Fürstin Gloria von Turn und Taxis dazu sagt? Superreiche Societydame, von adeligem Geblüt – ganz anders als Elli. Ob die auch Tagebuch führt, weiß ich nicht, aber sie gibt Interviews … und sieht eine neue Diktatur in Deutschland entstehen (siehe Epochtimes), eine Wohlstandsdiktatur, die unter anderem auch „Religion, Kunst, Liebe, Familie, freies Denken und Emotionen überflüssig“ werden lassen.

Emotionen? Ja … die sind „postfaktisch“ – und „postfaktisch“ ist in der Regierungsrealität das neue Böse. Wie Fakenews. Also: lesen Sie das schnell alles, bevor Correctiv das alles korrigiert. Erwarten Sie Überraschungen – wie die Nachricht, dass Donald Trump gar nicht der Präsident der USA ist, weil dies den Realitätsvorstellungen der Kanzlerin widerspricht. Die Nachricht, dass es in Deutschland keine Armut mehr gibt, niemand mehr denken möchte, Familie und Liebe sozialromantischer Schwachsinn sind, Religion Opium fürs Volk ist und Kunst grundsätzlich entartet. Es sei denn, sie wird von Experten ausgeführt, die handverlesen sind. So wie bei der Eröffnung der Elbphilharmonie. Da waren sie alle, unsere „Mächtigen“, die gerade in Davos die „neue Weltordnung“ der Globalisierung entwerfen, im festen Marschtritt mit China (siehe WEF).

Die Realität? Spielball der Mächtigen. Wie die Elbphilharmonie, die einst hauptsächlich durch private Spenden gebaut werden sollte, dann aber zum Kostenmoloch wurde. Für Sie. Aber Sie waren glaube ich zur Eröffnung nicht eingeladen. Elli auch nicht, die war da schon tot.

Wissen Sie, was das bedeutet – die neue Weltordnung der Reichen und Mächtigen? Noch mehr Reichtum für „oben“, noch mehr Elli für unten. Machen Sie sich mal flott Gedanken darüber, wie sie mit jenen Menschen konkurrieren wollen, die im Jahr das kriegen, was Sie im Monat verbraten. Einfach mal nachschauen, was in China so gezahlt wird. 2040 Euro … im Jahr. Weniger als die Hälfte von Hartz IV. Das ist der Standard der globalisierten Zukunft.

Wissen Sie, was die Fürstin dazu sagt:

„Diese Angst und Verunsicherung sei auch politisch gewollt. „Menschen, die Angst haben, sind leichter zu manipulieren – das scheint auch politisches Ziel zu sein“, so die Fürstin.

Ob die auch Fürstinnen löschen? Nun – diese Ansicht steht auch im Focus und der Welt.

Dürfen wir uns jetzt fragen, warum man uns manipulieren will?

Nein.

Denn die Regierung hat eine Wahrheit gesetzt, gegen die nur finsterste, hässliche und hasserfüllt stinkende Rechtsnazifratzen protestieren würden – und wer will freiwillig schon so ein Etikett? Und wie lautet die Wahrheit?

„Deutschland geht es gut wie nie … und das ist ein Grund zur Freude“.

Also freuen Sie sich. Ist eine Anordnung der herrschenden Klasse. Elli ist tot. Und vielleicht gar nicht erfroren.

Willkommen … in der Regierungsrealität.

 

 

 

Fake News – Elite baut Wahrheitsministerium

Freitag, 16.12.2016. Eifel. Wissen Sie, wie Kriege beginnen? Immer und überall? Mit Worten. Eine Wahrheit, die man nicht so gerne hört, eine Wahrheit, die man sicher schnell zu den „Fake News“ zählen wird – denn wir haben eine andere Wahrheit zu Kriegen verordnet bekommen: Kriege …. „brechen aus“. Wie Naturgewalten. Sicher – es gibt im Gedankenraum der nordamerikanischen Indianer die Deutung, dass Krieg ein Dämon ist, der ganze Völker besessen machen und sie ausrotten kann, der wie ansteckender Wahnsinn übers Land tobt und alle mit sich reißt: aber das soll ja jetzt wohl nicht Grundlage unseres westlichen Denkens werden: wir sind der Gipfel der rationalen Menschheit, erfinden Atombomben, Dioxin, Contergan und verseuchen den ganzen Planeten mit Plastik – hoch vernünftig, so was. Ausgenommen natürlich der Krieg: der „bricht aus“, „bricht über uns herein“ – da sind wir vom Denken der Indianer nicht ganz so weit entfernt – haben nur die Illusion, wir könnten den Dämon stoppen.

Ein Krieg beginnt durch Worte – zumeist ganz einfache. Ein Mensch erklärt einem anderen, wer böse ist (also: wer der Putin ist). Hat der Mensch genug Gefolgsleute zusammen, ist das Böse fein genug beschrieben, folgt die Kriegserklärung. Oder Putin schlägt gegen das Lügenimperium zurück, um nicht in die Defensive zu geraten, sozusagen ein Präventivkrieg gegen die Panzerarmeen der Nato, die gerade – trotz Trumps angeblichen Anti-Kriegs-Kurs – an die russische Grenze verlegt werden (siehe Lausitzer Rundschau). Und weil Krieg mit Worten beginnt – man nennt sie im Krieg „Propaganda“ – ist die Herrschaft über Worte absolut wichtig: die Herrschaft über Worte und über „Wahrheit“.

Ich habe Ihnen mal ein paar News mitgebracht. Zum Beispiel die über den Physiker John A. Brandenburg, der demnächst öffentlich seine Theorie vorstellen wird, dass die frühe Marszivilisation durch gezielte Kernwaffenangriffe aus dem All ausgelöscht wurde (siehe Grenzwissenschaften). Irre? So geht Wissenschaft: man formuliert eine Theorie, belegt sie mit Beweisen (die hat der Herr Brandenburg – immerhin ist er ein „Experte“) und stellt sie zur Diskussion, dann wird das für und wieder fein und sauber abgewogen – und dann zur Wahrheit ernannt oder verworfen. Das sie zur Wahrheit ernannt wird, heißt nicht, dass sie wahr ist – das zeigen die Irrtümer der Wissenschaft. Kernwaffenangriffe auf dem Mars? Brächte unser ganzes menschenzentriertes Weltbild durcheinander: Herr Brandenburg wird massive Probleme aus ganz ungewöhnlichen Richtungen bekommen, fürchte ich: aus der Politik. Er bringt Menschen auf dumme Gedanken über außerirdischen Zivilisationen, das kann ihre Produktivität hemmen, nachher meditieren die alle nur noch herum und suchen telepathischen Kontakt zu den Seelen der alten Marsianer – und keiner malocht mehr für den Mindestlohn, damit oben in der Hierarchie die Amerikareise gesichert ist.

Telepathie? Ja – Neuropsychologen haben eine im EEG messbare „soziale Fernwirkung“ ausgemacht – jedenfalls zwischen Freunden und Verwandten (siehe Grenzwissenschaften). Spannend, oder? Sicher wird Ihnen jetzt schon mulmig: ich denke, nach 70 Jahren „Umerziehung“ zu perfekten Drohnen der kapitalitischen Religion haben Sie auch ein Gefühl dafür entwickelt, was „erlaubte“, konsumfördernde Wahrheiten sind und was nicht. Das Gefühl wollen wir jetzt noch verstärken (siehe Stern):

Das World Trade Center stürzte nicht wegen der starken Feuer in sich zusammen, sondern wurde kontrolliert gesprengt, behaupten vier Wissenschaftler kurz vor dem 15. Jahrestag der Anschläge. Das Erstaunliche: Die waghalsige These wurde in einem renommierten Physik-Fachmagazin veröffentlicht.

Trauen Sie sich jetzt, noch weiter zu lesen? Mutig. So leicht ist es im Jahre 2016, „verbotenes“ Wissen anzusprechen – und dieses Wissen bekommt jetzt ein Wort, einen Kampfbegriff, einen ersten Schritt zum Krieg – Bürgerkrieg in diesem Fall. „Fake News“ lautet dieser Begriff, nach postfaktisch (siehe Nachrichtenspiegel) der nächste Begriff aus der Wörterküche der politischen Manipulateure. Wir können ihn auch aus anderer Perspektive beleuchten: aus jener des laufenden Krieges reich gegen arm, eines Krieges, von dem Sie nichts wissen dürfen, aber ihm bald zum Opfer fallen, wenn der Zinsdurst der Elite ihre Rente frisst.

Schauen wir in die Zeitung: da wird in der Tat das Weihnachtsgeld für Behinderte einfach mal so einkassiert, um die Diäten der Bundestagsabgeordneten zu finanzieren (siehe NW). Wir wissen, dass solche Ungerechtigkeit den Rechtspopulismus fördert (siehe Deutschlandfunk), arme Menschen wählen nicht nur hier Menschen mit großer Macht, die es denkbar machen, das etablierte System der Umverteilung von arm nach reich zu zerschlagen – schon längst glaubt kaum noch jemand, dass der seit siebzig Jahren gewachsene Filz noch friedlich beseitigt werden kann. Die Renten des reichsten Landes Europas liegen unter dem OECD-Durchschnitt (siehe wann-in-Rente), etablierte Wirtschaftsmagazine berichten von einer neuen Sklavenhalterideologie, etabliert von rot-grün durch die Agenda 2010 (siehe Wiwo). Ja – nun schauen Sie nicht so: um Ihnen Reihenhaus, prallen Weihnachtstisch und drei Urlaube im Jahr zu ermöglichen, müssen irgendwo auf der Welt Menschen unter Wert bezahlt werden, möglichst umsonst arbeiten. Geld ist ein geschlossener Kreislauf (auf wenn die Druckfreudigkeit der Notenbanken dies gerade verwässert), Sie „verdienen“ es nicht – sie bekommen es zugeteilt, so wie jeder, überall auf der Welt. Ob Sie Hartz IV bekommen oder 100 Millionen Euro Prämie ist eine Entscheidung von Menschen, geschönt durch das Märchen von „leistungsgerechtem Lohn“. Ein Märchen? Nun – Feuerwehrleute, Polizisten und Krankenschwestern leisten sehr viel, riskieren täglich ihr Leben (die einen durch direkte Gefahren, die anderen durch Dauerberieselung von resistenten Krankenhauskeimen, die jährlich 15000 Menschen töten – siehe Spiegel): trotzdem müssten die tausend Jahre arbeiten, um an die Prämie eines Industriefunktionärs heran zu kommen.

Gerecht – ist anders.

Diese wachsende Ungleichheit im Lande – zwischen Fernreisenden und Niedriglöhnern – schmälert unser Bruttoinlandsprodukt um 40 Milliarden Euro (siehe Spiegel). Geld, das wir gut gebrauchen könnten.

Doch was macht die Regierung? Streicht erst mal „heikle Passagen“ aus dem Armutsbericht (siehe Süddeutsche). Welche das wahren? Nun – jene, die über den großen Einfluss der Reichen auf die Politik informieren. Dazu braucht man aber keinen Armutsbericht: dass „Goldman-Sachs die Welt regiert“, wissen einflussreiche deutsche Eliteblätter  (siehe FAZ), dass nur eine Hand voll „Entscheider“ mit Hilfe gigantischer Billionensummen die Gestaltung des gesellschaftlichen Rahmens bestimmen, weiß auch der deutsche Staatsfunk (siehe ZDF), dass der Zinsdruck dieser Ultra-hyper-super-vermögen direkt zu Ihren Rentenkürzungen führt – und zu einer unaufhaltsamen Preisspirale – können Sie sich selber denken. Lesen Sie das schnell: bald werden das Fake-News sein, denn: „Deutschland geht es gut“.

Was heißt bald – das sind sie ja schon jetzt. All diese Studien, Erkenntnisse, Informationen versickern doch schnell im Nichts, weil „die Elite“ einen spannenden Trick angewendet hat: während die Leistungen für Arbeitslose massiv gekürzt wurden (obwohl es Studien gibt, die zeigen, dass durch Investitionen in diesen Bereich für Staat und Gesellschaft der meiste finanzielle Gewinn zu holen ist), wurden die Diäten der Abgeordneten – die zuvor fünf Jahre lang stabil waren – um 33 Prozent angehoben und mit einem Automatismus versehen, der sie schnell „reich“ werden läßt … wozu jeder von ihnen automatisch zu der herrschenden Finanzkaste gehört. Die ING Diba hat Kunden, die unter 17 Jahre alt sind – und über ein Aktienpakekt mit einem Durchschnittswert von 33000 Euro verfügen (siehe FAZ), während die Zahl der Obdachlosen in die Höhe schnellt.

Diese Fakten führen zum eigentlichen Kern der Empörung, sie haben im Mutterland des Kapitalismus Trump zum Sieg verholfen … nicht jene „Fake News“, die jetzt als Sündenbock durchs Dorf getrieben und unter Strafe gestellt werden sollen (siehe Spiegel) womit die Regierung und ihre „Freunde“ die Definitionsgewalt über Wahrheit erhalten- was hilft, das Sterben der sozialen Marktwirtschaft noch ein wenig weiter zu vertuschen.

Bleiben wir fair: Lügen zum Zwecke des persönlichen Machterwerbs sind auch in Ihrem Alltag normal (denken Sie einfach in ihr letztes Bewerbungsgespräch – oder ihren letzten Geschäftsbericht) – und die Medienwelt … gerade auch die „alternative“ … ist voll von unsauberen Arbeiten, die – ausgehend von einer berechtigten Frage über verstörende Beobachtungen – gallopierenden Hypothesenketten weit jenseits jeglicher Empirie oder Rationalität bilden, die am Ende in Märchen von jüdischen Reptilienmonstern auf der flachen Erde enden, die nur durch reichsdeutsche Naziufos vom Mond bekämpft werden können. Das man Hypothesen mit der gleichen Vorsicht behandeln muss, wie man ein Moor durchquert … immer einen Schritt nach dem anderen, mit Pausen zur ruhigen Reflexion und Sicherung des bisher erreichten festen Untergrunds … ist halt nicht jedem bekannt: viele stürmen wie Blücher voran und wundern sich, wie schnell sie dann im Matsch versinken.

Ein Beispiel dafür? Nun – Pizzagate – ist ein Beispiel für gallopierende Hypothesenketten. Googeln Sie selbst. Superschlagzeilen – doch bei näherem Hinsehen verflüchtigt sich jeder Verdacht schnell ins Nichts – und am Ende der Kette schießt jemand in der benannten Pizzeria wild um sich, um die Welt zu retten. Noch ein Beispiel? Norbert Blüm: „Die Rente ist sicher“. Angela Merkel: „Deutschand geht es gut“. George W. Bush: „Saddam Hussein besitzt Massenvernichtungswaffen“. Alles galoppierende Hypothesenketten, denen es enorm an Beweiskraft und Realitätsgehalt mangelt – und die unter anderem Millionen Menschen töteten. Die Liste der Fake-News der „Wahrheitsmedien“ kann endlos verlängert werden („Riester Rente“, „Sozial ist, was Arbeit schafft“, „Umweltzonen reduzieren Schadstoffe“, auch ein Fake – siehe https://kommunal.de/artikel/umweltzone/), oder der ganze Anti-Putin-Feldzug. Hierzu auch ein Beispiel?

Wissen Sie, was Gerhard Schröder, Lutz Bachmann, Alexander Gauland, Sarah Wagenknecht, Sigmar Gabriel, Jürgen Elsässer, Ronald Pofalla, Matthias Platzeck und den Chef der Linde AG eint? Sie sind alle Mitglieder einer großen, pro-russischen Verschwörung, „trojanische Pferde des Kreml“ … meint das äußerst einflussreiche „Atlantic-Council„, dass 2009 in Berlin unter Führung von Hillary Clinton Freiheitspreise an europäische Völker verlieh und nebenbei bekannt gab, dass Politik in Europa mit vielen US-Steuergeldern manipuliert wurde (man nennt das natürlich anders – siehe Tagesspiegel).

Geschichten wie aus der Fakenewsmottenkiste, oder? In etwa so seriös wie die Meldungen über die befürchteten Wahlmanipulationen in Deutschland (siehe Berliner Zeitung) oder die angeblichen Wahlkampfmanipulationen in den USA (siehe Berliner Zeitung), die alle nach dem gleichen Muster gestrickt sind: interne Geheimdienstberichte, unbestätigte Quellen, ungenannte Insider oder namenlose Experten … achten Sie mal drauf, wie oft diese Masche in den Medien angewendet wird: allein der Ifo-Geschäftsklimaindex ist so ein Dauerfake – ebenso wie die getürkten Arbeitslosenzahlen.

Und doch … werden wir nun Instanzen bekommen, die erklären, was Wahrheit ist und was nicht.

Wer das ist? „Externe Spezialisten mit dem Fachgebiet Faktencheck“ werden es bei Facbook sein (siehe http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-so-will-der-konzern-vor-fake-news-schuetzen-a-1126133.html, sorry: PC nimmt mal wieder den Link nicht an), wird ein Beitrag von Nutzern nicht geteilt, wenn sie ihn gelesen haben (mache ich persönlich nie), wird das als „dislike“ gewertet und die Nachricht wird zum Fake. Kann schnell dazu führen, dass gelesene aber nicht geteilte Reden der Bundeskanzlerin bei Facebook im Firmenmülleimer landen … wie die drohende Neujahrsansprache.

Wer sind diese externen Spezialisten? Die werden …. wie für Fakenews üblich … nicht genannt. Alles bleibt im Nebel hängen, der sich auch gerade über die Eroberung Aleppos ausbreitet – auch dort haben wir die „in der Regel gut unterrichteten Kreise“, die alle Fakenews in die Welt setzen können, die sie nur wollen – sogar über die Tagebücher von Adolf Hitler oder die Wirksamkeit der Dieselfilter. Zu vermuten ist, dass jene Experten vor allem durch gefakte Doktortitel in Rang und Würde gekommen sind.

Nun – Großbritannien könnte da eine ganze Brigade bieten, die – wir berichteten – speziell Facebook mit „gewogenen“ Beiträgen füttern soll … eine Fakebrigade also, über deren Arbeit und Erfolge wir nicht informiert sind … wir wissen aber, dass sie da ist – und irgendwo irgendetwas publizieren. Vielleicht sogar die Pizza-Gate-Blase … um alle Kritik zu diffamieren. Dabei hat „Pizza-Gate“ reale Grundlagen, ohne die es niemals hätte wirken können: die verschwundenen Zeugen im Fall Detroux, die auf Verwicklungen höchster Kreise in Missbrauchsskandalen hindeuteten, die Verwicklung eben jener Kreise in Missbrauchsskandale in Großbritannien und Portugal (wir berichteten) – das ist der Stoff, der Pizzagate erstmal glaubwürdig macht: nicht die geklauten E-Mails von Clinton und die vorschnell angefertigten Hypothesenketten … wiewohl ich schon ankenne, dass der Code der Pizzabesteller merkwürdig war.

Brauchen wir diese Spezialisten?

Als umerzogene Arbeitsdrohnen schon. Als mündige Bürger – überhaupt nicht.

Fordern Sie einfach ein, was Ihr gutes Recht ist: eindeutige Beweise, klare Namen, nachprüfbare Quellen, die Ihnen ermöglichen, eine eigene Meinung zu bilden. Sie sind der Soverän des Landes – und brauchen niemanden, der Ihre Weltsicht vorformt.  Sie haben das Recht auf freie Meinungsbildung … auch über Ufonazis. Das kann man in aller Regel auch gut hinbekommen – allerdings wird es zunehmend schwerer mit einem Schulsystem, dass eifrige Konsumenten produziert – und nebenbei 7,5 Millionen Analphabeten schafft (siehe Zeit). Nimmt Ihnen jemand das Recht auf eigene Meinungsbildung … nimmt er Ihnen den Status als Souverän des Landes.

Was Sie für wahr halten, wie Ihre Wahrheit aussieht – bestimmen Sie selber. Das ist kein Problem in einer sozialen Marktwirtschaft, bestehend aus gebildeten Menschen, die schnell merken, wenn Worte zum Krieg führen – zum Beispiel das beliebte „Putin-bashing“, ohne das die Woche für deutsche Chefredakteure wohl nicht erfolgreich war.

Nun – es werden in Zukunft mehrere Konzerne Wahrheit vorformatieren (siehe Heise). Ob die Bildzeitung dann bei Facebook und Twitter ´rausfliegt, stand bis zum Redaktionsschluss noch nicht fest. Geschieht nur im Namen des „Guten“ – begründet durch eine Flut von Falschzitaten, die sich durch FB ergießt und die … sicher ärgerlich sind. Doch ist ein falsches Zitat über eine Grünen-Abgeordnete Grund genug für flächendeckende Zensur? Wir haben schon längst Gesetze zum Personenschutz – und auch Gesetze, die Gegendarstellungen verlangen. Würden die Konzerne die durchsetzen: es gäbe keinen Grund für den Begriff „Fake News“.

Aber der Begriff zielt ja auch auf etwas ganz anderes ab: auf Zensur, die neuerdings auch durch Schwarze Listen durchgeführt wird: getroffen hat es die „Achse des Guten“ (siehe dort): die waren eben „irgendwie rechts“ und bekommen keine Werbung mehr. Das wird die wohlsituierten Schreiber dort wohl nur um ein kleines Zubrot bringen, aber es ist hilfreich, von der Existenz dieser „blacklist“ zu erfahren. Und Facebook hat sowieso schon ganz andere Maßnahmen ergriffen, um politische Aktivität zu unterbinden: ohne Geld ist die Reichweite – die sogenannte organische Reichweite – der Beiträge eingeschränkt (online-marketing).

Die Hoffnung, dass im Kampf gegen Fakenews jegliche Werbung verboten wird, wird sich wohl nicht erfüllen.

Was bleibt – außer der Erkenntnis, dass sogar Trump selber, als Vorteilsnehmer, die Pizzagate-Fans aus seinem Team geschmissen hat (siehe Zeit), weil außer einem vagen Anfangsverdacht nur heiße Luft übrig blieb?

Eine Elite, die sich ein Wahrheitsministerium zimmert. Ganz offen. Welche Wahrheiten in Zukunft akzeptabel sein werden, bleibt abzuwarten – vielleicht hilft ja beten, um die in jeder Demokratie konkurrierenden Wahrheiten vor ihrer Einnordung zu schützen.

Und das ist insgesamt schlimmer als Pizzagate – und garantiert kein Fake.

Oder wir stehen in Zukunft in Reih und Glied vor unseren jeweiligen Firmen und zitieren laut und  einstimmig vor Arbeitsbeginn bedeutsame Worte aus der Neujahrsansprache Angela Merkels.

Und Kriege … werden wieder plötzlich hereinbrechen, weil die Worte, die zu ihnen führen, nicht mehr erkannt werden – und die Warnungen vor Kriegen im Fake-Eimer verschwinden.

 

 

 

 

 

Hartz IV: die kalte Vernichtung der Kikki W. Geiß

Digital StillCamera

Montag, 5.12.2016. Eifel. Warum machen wir das eigentlich? Uns in unserer Freizeit hinsetzen und ein Nachdenkmagazin aufbauen? Was viel Arbeit und etwas Geld kostet, einen angreifbar macht und die Chance auf einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz deutlich senkt? Nun – ich kann da nicht für andere sprechen, nur für mich selbst: weil mir eine kritische Stimme im Chor des Millionärs- und Parteimedien fehlt. Und da sie mir fehlt, nehme ich eben selbst ihre Stelle ein, anfangs noch unter dem Motto „even the worst case“ – weil auch das mal mein Job war. In der von uns so hochgejubelten „freien Wirtschaft“ – dem Nonplusultra westlicher Existenz – ist diese Perspekive Bestandteil jeder Planung, kehrt man aber dann aus der Wirtschaft in die Welt von Medien und Politik zurück muss man feststellen: dort herrschen ganz andere Gesetze, wahnsinnige Gesetze: ein blindwütiger Ignoranzoptimismus, der an Autismus in schlimmsten Zügen erinnert und immer wieder in dem geistlosen Satz echohaft durchs Land tönt: „Deutschland geht es gut“ – was letztlich den Geschmack von Durchhalteparolen aus dem April 1945 hat. Kein Unternehmen würde sich mit dieser mangelhaften Selbsteinschätzung an den Markt trauen – es sei denn, es wird von kompletten Idioten geführt.

Nun – auch diese innovative, disziplinierte und verantwortungsbewusste Arbeitsweise von Unternehmen wird seltener: je größer das Unternehmen wird, um so mehr gleicht es einer Behörde: Trägheit, Verantwortungslosigkeit, Nachlässigkeit und asoziales Verhalten breiten sich aus, die Folgen jener „inneren Kündigung“ richten jährlich Schäden bis zu 250 Milliarden Euro an – wenn man alle Faktoren zusammenfasst. „Deutschland geht es gut“ – kann man getrost ersetzen durch „Deutschland könnte es wesentlich besser gehen“.

Manche meinen nun – ich selbst gehöre dazu – meine Texte seien zu lang, übersehen wird dabei Sinn und Absicht der Schriften: sie sollen nicht nur eine gründliche Durchleuchtung aktueller Probleme bieten, ein stabiles „Refraiming“ ermöglichen (also: unterschiedliche Betrachtungen der Deutungsrahmen, die für ein Problem denkbar sind), sondern auch kleine Vorlesungen im Bereich praktischer Philosophie sein, die den Lesern im Denken schult, ihn mit Argumentationen ausrüsten, ihm Munition bieten im Kampf der Worte, der dem Kampf der Waffen immer und überall vorausgeht. Drei Fragen stellt sich die Philosophie – so einfach ist sie in ihrem Ursprung: wo komme ich her, wo gehe ich hin, wo bin ich hier. Man kann die Fragen auch unverständlicher formulieren – was oft und vielfältig in der akademischen Philosophie getan wird – stößt aber im Prinzip immer wieder auf diese Urfragen, die die Altväter der Philosophie noch in einfache Worte kleiden konnten, damit sie auf dem Markt auch jeder ohne Studium verstehen kann.

In Bezug auf Deutschland wären diese Fragen einfach zu beantworten: wir kommen aus einer Vergangenheit, die die größtmögliche soziale Katastrophe (Vernichtungsfabriken für Menschen) Gestalt annehmen lies, wir leben in einer Gegenwart, die sich zunehmend wieder an den Prinzipien der Vernichtung „unwerten Lebens“ orientiert und werden in Zukunft wieder die Vernichtung unwerten Lebens erfahren: gesteuert und definiert wie früher nach der Höhe des Profites, die bei systematischer Ausbeutung aus dem Individuum gezogen werden kann. Das galt schon für Sklavenhalterstaaten, jeder der „Geld für sich arbeiten lassen“ möchte, teilt diese Ideologie- auch wenn es den meisten gar nicht mehr bewusst ist.

Dieser Deutungsrahmen – der etwas differenzierter ist als der unserer Kanzlerin und ihrer Wähler – zeigt, worauf wir aktuell den Schwerpunkt der Beobachtung legen müssen: immerhin sollte Philosophie nicht nur freie Schöngeisterei sein (was auch einen deutlichen Gewinn an Lebensqualität bedeuten könnte – mehr als der Konsum von Sondermüll in allen Formen auf jeden Fall), sondern auch konkret und praktisch sein, Orientierung geben, die vom Grundgesetz vorgegeben ist: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es dort – und dieser Satz wurde nicht umsonst als Richtungsweiser ganz an den Anfang gesetzt. Doch wer kann „Würde“ heute noch definieren? Ich kann Ihnen da mal einen Vorschlag machen: „Würde“ ist das vollkommene, nicht mehr hinterfragbare Recht eines jeden Menschen, von seinen Mitmenschen im Geiste der Werte „Freiheit“, „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“ behandelt zu werden. Machen Sie einfach mal den Umkehrschluss: ein Mensch, der so behandelt wird, darf sich seines Menschseins gewürdigt fühlen.

Und dann schauen Sie mal, wie Ihr Chef mit Ihnen umspringt.

Es ist Arbeit im Sinne der Aufklärung, die hier geschieht, Arbeit daran, dem Menschen zu helfen, aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu entkommen – wobei man sagen muss: in Zeiten, wo Staat, Wirtschaft, Medien und Geheimdienste raffinierteste Manipulationsmethoden anwenden, um die Unmündigkeit zum Zwecke der besseren Steuerbarkeit mit immenser Übermacht auszuweiten, kann von „selbst verschuldet“ immer weniger die Rede sein: nur wenige Menschen haben noch Zeitreserven, sich in dieser Flut von Manipulation Freiräume für eigenes Denken zu erarbeiten – und Zeit braucht man vor allem dafür. Nun können Sie auch verstehen, warum es so wichtig ist, dass alle „beschäftigt“ sind.

Jetzt schauen Sie wahrscheinlich verwundert drein: es sollte doch um Kikki W. Geiß gehen – und wir reden die ganze Zeit über Philosophie. Nun – Sie werden sehen: es ist wichtig, den Rahmen zu erkennen, in dem sich das Drama abspielt – nur dann kann man verstehen, dass es sich hier nicht um einen „bedauerlichen Einzelfall“ handelt, sondern um die gezielte Vernichtung einer Person, deren eigene Qualitäten genau jene innovative, disziplinierte und verantwortungsbewusste Arbeitsweise erkennen lassen, an der es in Behörden und Konzernen so mangelt.

Unsere Leser kennen den Fall, wer ihn noch nicht kennt, darf nun eine Suchmaschine mit dem Namen und dem zusätzlichen Suchbegriff „Nachrichtenspiegel“ bedienen und sich so zusätzliche Internetkompetenz erarbeiten. Viele Leser haben sich entschlossen, das stille Sterben der Kikki W. Geiß zu verhindern – und haben gespendet. Wie kam es dazu? Nun – kurz gesagt hatte sich Kikki auf freundliche Worte von „Tierschützern“ verlassen, die ihr ein Paradies im Norden versprachen – und sie dort fürchterlich hängen ließen. Ja – so etwas ist mir schon öfter begegnet, manchmal schien es mir, als ob sich Hundehalter (die sich hauptsächlich in finanziell gehobenen Kreisen befinden) deshalb so sehr ihrem Hündchen widmen, weil sie hier einen Ausgleich zu ihrer ausgeprägten Asozialität gegenüber Menschen suchen, frei nach dem  Motto: „Meinen Mitarbeitern kürze ich ständig ihr Gehalt und steigere die Arbeitszeit, aber das mache ich durch eine dicke Fleischwurst für Wauzi wieder wett: hach, was der sich freuen wird“. Moderner Ablasshandel also.

Zu kurz gefasst? Anders kann ich mir die Notlage von Kikki nicht erklären – weder die, noch die Tatsache, dass sie von ihren ehemaligen Förderinnen aktiv verfolgt wurde, die völlig ihren Anteil an der sozialen Katastrophe ignorieren … dafür aber ihrem Köter einen Extrabatzen Rindfleisch servieren. Neun Milliarden geben unsere reicheren Menschen jedes Jahr für Haustiere aus … 22 Milliarden für 6 Millionen Arbeitslose (inkl. fast zwei Millionen Kinder). Das entspricht in etwa den Umsätzen des deutschen Buchmarktes.

Auch Kikki ist eine Tierschützerin – jedoch eine, die es ernst meint und sich um jene Hunde kümmert, die ihren ehemaligen Besitzern zu lästig geworden sind. Darum hat sie sich ja verführen lassen, in den fernen Norden zu ziehen, wo es mehr Platz gab – eine ganze Weide … die jedoch nie freigegeben wurde: auch ihre Vermieter haben ihren Teil zur Katastrophe beigetragen.

Warum rede ich eigentlich von „Vernichtung“? Nun – ich benutze hier einen etwas älteren Begriff von „Tod“. Wir modernen Menschen definieren nur die Leiche als „Tod“ – dazu hat man uns dressiert. Ältere Kulturen kannten den Begriff „Todesnähe“, sie hatten noch ein Verständnis dafür, dass es Zustände gibt, die den Menschen noch mitten im Leben in die Nähe des Todes rücken: Armut, Verachtung durch Mitmenschen, Isolation von der Gemeinschaft, Krankheit, Hunger – all dass waren für den jüdischen Menschen Todeserfahrungen – Erfahrungen, die den Tod ins Leben brachten, lange bevor man Leiche wurde. Solche Sichtweisen entwickeln Völker, die noch ganz direkt mit den Herausforderungen des Lebens konfrontiert sind und so genau wissen, wann Gefahr droht; die Bürodrohnen der modernen Bürokratien … die unverblümt die Hungerwaffe in Form von Sanktionen gegen jene einsetzen, auf deren Kosten sie leben … kennen diese Zusammenhänge nicht mehr.

Warum beschäftigen wir uns – als kleines Nachdenkmagazin – mit solchen „Einzelfällen“? Nun – aus einem einfachen Grund: weil es die anderen nicht mehr tun. Ich zittiere aus einem Schreiben von Kikki an die Redaktion des Nachrichtenspiegel:

Ich habem ich an
sämtliche stellen und medien gewandt niemand will es bringen. Redakteuere sind
heiß drauf , werden dann aber gestoppt.namen der redakteuere werde ich nucht
nennen es sind aber leute von monitor, frintal21, akte 2016 , report ,
ostfriesenzeitung , focus und spiegel. 
Nun brauche ich menschen mit cheid, die helfen indem sie es verbreiten.

Merken Sie was? Hier agiert ein Mensch mit hohem Leistungsniveau, ein Mensch, der nicht aufgibt, der hartnäckig und stringend die notwendigen Schritte einleitet und seine Ziele konsequent verfolgt: Qualitäten, die nur noch wenige Mitarbeiter, Beamte und Angestellte vorweisen können. Die begegnen hier einer Welt, die weit weg ist von „innerer Kündigung“.

Doch zuerst möchte ich Sie bitten, die Fehler in Kikkis Text zu entschuldigen. Sie ist krank, kann sich manchmal kaum noch artikulieren, wird verfolgt von dutzenden hartnäckigen Mobbern,  hat kaum noch die technischen Möglichkeiten, sich zu artikulieren.

Und das nächste: Kikkis Erfahrungen werden vom Autor dieser Zeilen geteilt – auch hier lagen mal Interviewanfragen vor … von freien Journalisten im Auftrag großer staatlicher Medien … die von der oberen Ebene blockiert wurden: gesucht wurden Menschen mit Erfahrungen im Bereich Hartz IV, die auch in der Lage waren, die Vorgänge in größeren politischen Rahmen einzuordnen, zu kommentieren und öffentlich Stellung dazu zu beziehen – was wir hier ja oft genug zelebrieren. Nur … kommt man hier plötzlich in Sphären, die „nicht mehr genannt werden dürfen“ … der geschlossene Verein deutscher Chefredakteure sorgt hier mutmaßlich für Linientreue. Hinter dem kleinen, strahlenden „Deutschland geht es gut“ lauert ein gewaltiger Todesschatten … den wir aber nicht mehr so nennen, weil wir ja so „fortschrittlich“ sind … und gerne so tun, als seien wir unsterblich und nur dazu auf der Welt, ewig alles zu konsumieren, was sich die Industrie gerade ausdenkt.

Wie erging es Kikki eigentlich im Laufe diesen Jahres? Hören wir sie selbst:

Vorab   Ich habe bis heute keinen namen und keine kontonummer dritter preis
gegeben. Bis heute habe ich auch keinen weiterbewilligungsantrag gestellt und
keine leistungen nach sgb 2 . Ich habe gestern meinen einen schriftsatz bzw.
Klageschrift veröffentlich. Ich beantrage grundsätzlich grund und
menschenrechte und unveräußerliche passive leistungen. Das verfahren wurde auf
meinen antrag mit zustimmung der gegenseite ruhend gestellt. Nun plötzlich hat
das gericht die mündliche verhandlung anberaumt, dabei wurden die verfahren
durch gerichtsbeschluss zuvor ruhend gestellt. Hintergrund kann ich nur vermuten,


Dem richter scheint bewusst geworden zu sein, was er durch seine stetige
verweigerung effektiven rechtschutzes verursacht hat und ich eben nicht wie
andere zerbreche und kleinlaut werde sondern nach vorne gehe. 

So nun mal was im groben passierte. Im feb. Konnte ich dank der spenden
überleben . März stellte der richter im eilverfahren zwar fest ich sei
bedürftig, aber nicht gehorsam, weil ich zwar die beträge offen legte, aber
nicht   Namen von helfern preis geben wollte. Also bekam ich gar nichts. Der
richter wollte mit allen mitteln, dass ich alleine zu gericht komme in einer
gedchlossenen verhandlung ohne rechtsbeistand ohne jede vertraute person. Man
kann vermuten was das sollte. Ich weigerte mich, erhielt strafgelder die später
aufgehoben wurden in der nächsten instanz, warum wohl 

Die verweigerung mir existenzsicherung zu geben ging weiter genau gesagt bis
21.7.2016 

Eingeschaltet wurden , staatsanwaltschaft, BKA was zum LKA übergeben hat,
sämtliche >ministerien und die bundeskanzlerin selber. Diese ließ erklären,
dass frau nahles für mich und die sozialgerichte zuständig sein. Frau
nahles,verweigert bis heute ihre zuständigkeit in meinem fall. 

Thema datenschutz, den gibt es nicht. Wir haben wochen gebraucht um den
datenschutzbeauftragten huer im landkreis zu ermitteln. Heute steht er zumindest
auf der seite. Hintergrund, plötzlich hatte das jobcenter die daten meines
vermieters. Mir wurde bis heute nicht klar gesagt woher, denn man staune  es gibt
zwei versionen . Die vom landrat lautet, die anwältin meines vermieters habe am
31.8.2016 einen antrag das er meine miete 8die ich bis dan´hin selber
verweigerte bekommen habe) bitte direkt an den vermieter zu zahlen sei. Was auch
umgehend einen tag später vollzogen wurde. Dazuspäter mehr. Die richter version
lautet nun , dass das jobcenter sich die daten selber beim vermieter erfragte und
es vom jobcenter aus ging. Ich veröffentoichte den ausschnitt seiner darlegung. 

Kikki selbst bittet die vielen Rechtschreibfehler zu entschuldigen, die in dieser Schilderung auftauchen: ihr gesundheitlicher Zustand ist sehr angegriffen. Und Sie lesen richtig: irgendwo gibt es da Datenlecks – oder eine gezielte Zusammenarbeit verschiedener Behörden unter mehrfacher Brechung gültigen Rechts. Und Sie lesen ebenfalls richtig: das Gericht wollte unbedingt die Namen der Spender – sonst gäbe es kein Geld. Erschließt sich nicht jedermann, warum es hier zu einer Verfolgung der Helfer kommt – noch wozu man diese Daten überhaupt braucht. Will man Dateien anlegen über Menschen, die sich noch nicht grenzenlos der staatlich gewünschten und praktizierten Asozialität ergeben haben? Nachher noch Listen für Säuberungen erstellen? Ach – da geht meine Phantasie mit mir durch. Aber ich sagte ja: „even the worst case“ ist in der Wirtschaft Grundlage jeder seriösen Planung – und ich komme halt auch da her.

Wieso spreche ich aber von der Vernichtung Kikkis? Nun – unterm Strich hat man dafür gesorgt, dass der Vermieter Geld bekommt, wie es das Gesetz vorsieht – nur halt zu wenig. Das führte direkt zu einer fristlosen Kündigung seitens des Vermieters, der zu keinem Zeitpunkt dem Mietvertrag nachkam – weil er Kikki die Weideflächen vorenthielt, wegen derer sie überhaupt in den Norden gezogen war. Jetzt ist die Zwangsräumung beschlossen, mangels angemessenen Wohnraums in der Heimatgemeinde wird Kikki in ein Obdachlosenasyl deportiert – so ihre eigenen Worte. Ihre Tiere wird sie da wohl nicht mitnehmen dürfen. Ein Fall von vielen – nicht umsonst steigen die Fälle von Obdachlosigkeit in Deutschland massiv an – um 50 Prozent allein von 2013 auf 2015. Zu der Hungerwaffe gesellt sich nun auch die Kältewaffe.

Ich merke: dieser Artikel ist jetzt schon wieder zu lang geworden. Nun – er könnte ein Buch werden. Die Geschichte, wie man Kikkis Auto lahmgelegt hat, wie ihr Haus von Jägern belagert wurde, wie man sie mit Giftködern und Sachbeschädigung zur Aufgabe zwingen wollte: wer kann das noch alles in Worte fassen? Allein die uns vorliegenden Dokumente könnten ein Buch füllen, zeigen das Wirken eines Menschen im Kampf um die sozialen Menschenrechte – und zeugen davon, dass dieser Mensch ganz weit entfernt davon ist, als „faul“ eingestuft zu werden.

Kikki hat heute Geburtstag. Sie wird heute 49 Jahre alt. Wir möchten ihr mit diesen Worten herzlichst gratulieren.

Wer die Dokumente einsehen möchte, kann dies tun: Kikki hat sie alle bei Facebook veröffentlicht. Wer will, kann ihr Schicksal kleinschrittig nachverfolgen.

Ich habe immer ein wenig die Hoffnung, dass solche Arbeiten wie die hier professionelle Journalisten anregen- und es gibt Leser von uns, die der Meinung sind, regelmäßig Gedanken und Anregungen des Nachrichtenspiegels Tage später in großen Medien wieder zu finden – und ihre Macht zu nutzen, die Angriffe von dunklen Kräften auf die Menschen dieses Landes zu offenbaren und den grundgesetzlich verankerten Schutz der Menschenwürde einzufordern …  aber hier oute ich mich wohl als grenzenloser Optimist.

Und was macht Kikki nun?

Der landkreis versagt
100 % leistungen weil ich nucht zum verräter der helferdaten werde, begstigt
ohne rechtsgrundlage den vermieter, so bekommt man mich aus der wohnung. Denn der
amtsleiter der jobcenters erklärte einem zeugen egenüber, dass man mich anders
rechtlich huer nucht rausbekommen würde. Ja liest richtig. Ich stelle nun erneut
strafanzeigen und werde auch den schaden einklagen. Kostet alles geld und nerven
aber mir bleibt keine andere wahl, mein auto darf ncuht mehr gefahren werden
wegen fehlenden tüv, kann es nciht mal abmelden weil keine möglichkeit dahin zu
kommen .

Die Exekution eines ungehorsamen Bürgers.

Darf ich als Steuer- und Beitragszahler mal meine Meinung dazu kundtun? Als jemand, der das ganze Theater durch Zwangsabgaben finanzieren muss? Ich zahle jeden einzelnen Cent Abgaben gerne – zur Verhinderung von Not. Das ist unser Gesellschaftsvertrag, darum haben wir eine  Republik, eine Demokratie, ja, überhaupt „Staatswesen“. Und für dieses Geld verlange ich auch LEISTUNG, da muss dann auch mal GELIEFERT WERDEN …. und nicht nur kassiert. Geschieht dies aber nicht, wird kassiert, ohne zu leisten: dann ist es Betrug. Betrügt „Staat“ seine Bürger – hat er die Bereiche verlassen, in dem  ihm die Definition „Demokratie“ gerechterweise noch zustehen würde. Setzt der Staat Hunger und Kälte als Waffe gegen seine eigenen Bürger ein, so verwandelt sich die Republik schleichend in etwas anderes. Etwas, dass wir schon  mal hatten.

Und dafür reicht ein Fall – EIN EINZIGER. In der Philosophie orientiert man sich halt an der Qualität, nicht an der Quantität. Wir haben aber nicht nur diesen einen Fall … sondern hunderttausende, wenn nicht gar Millionen.

Was zu tun wäre?

Ich verlange eine Prüfung der verschiedenen Unternehmens- und Zukunftskonzepte von Frau Geiß. Dies entspricht dem Grundsatz des „Förderns und Forderns“. Vom Obdachlosenasyl aus kann die Selbständigkeit nicht gestartet, die erwogenen Qualifizierungen nicht durchgeführt werden – erst recht nicht, wenn sie nun ihr Betriebskapital dazu verliert. Ich verlange eine Urteilsfindung, die möglichst wenig Kosten für den Sozialstaat verursacht – also die Möglichkeit zur Selbständigkeit von Frau Geiß konkret ins Auge fasst, anstatt diese mögliche Zukunft komplett zu vernichten. Ich verlange – als Finanzierer des Theaters – das bis zur Klärung des Sachverhaltes (also: bis zur anstehenden Berufung) keine Räumung durchgeführt wird, weil Frau Geiß Schadensersatzansprüche geltend machen kann, die – nach anwaltlicher Auskunft – durchaus gerechtfertigt sind.

Ich verlange als Souverän dieses Staates, dass mir solche Fälle nie wieder unterkommen und dass die Finanzverwalter dieser Regierung (und ihrer Ableger und Land, Kreis und Gemeinde) so wirtschaften, dass zur Behebung existenzieller Notlagen immer etwas von meinem Geld übrig ist – denn nur dafür zahle ich es.

Und ein Vermieter, der durch eigenes Verschulden die Grundlage einer erfolgreichen Selbständigkeit bewusst und gezielt unter Vortäuschung falscher Tatsachen verhindert (was rechtlich unstrittig ist), sollte meines Erachtens nach an dem durch sein Verhalten entstandenen Schaden beteiligt werden. Ich kann auch nicht Siemens zur Errichtung von Produktionsstätten große Gelände versprechen aber dann, wenn sie vor Ort sind, vertragsbrüchig darauf hinweisen, dass nur die Hundehütte am Eingang zu benutzen wäre. Siemens könnte sich dagegen auch schnell wehren  – und würde große Schadensersatzforderungen wegen Produktionsausfall zugewiesen bekommen. Warum also nicht auch Frau Geiß?

Revolution in Deutschland 2018

Digital StillCamera

Freitag, 2.12.2016. Eifel. Ja – da stutzen Sie, oder? Revolution in Deutschland 2018. Dann, ja dann endlich kommt die Erlösung: die Erlösung von einem durch und durch korrupten, verblödeten Selbstbedienerstaat, die Erlösung von der elendigen Last der sozialen Ungleichheit und der Verfolgung der Armen durch staatliche Behörden, die Erlösung von der erdrückenden Macht raffinierter Lobbyisten und die Erlösung von einer Politik, die uns an den Rand eines atomaren Krieges mit Russland brachte und vielen Ländern dieser Welt Tote durch deutsche Soldaten bescherte. Ja: 2016 wandern wieder deutsche Soldaten durch fremde Länder und töten ihre Bewohner – soweit sind wir schon. Die Resultate aus den Erkenntnissen des zweiten Weltkrieges, dass dies nie wieder geschehen soll, sind lang vergessen, Blutdurst zieht durchs fremdbestimmte Parlament, in dem Fraktionsführer kommandieren, wann der Arm gehoben werden soll. Aber schauen wir erstmal: ist das überhaupt notwendig, so eine Revolution? Schauen wir erst mal nach.

Zum Beispiel bei der CSU. Die bläst ja jetzt wieder ins alte Angsthorn: „die Roten kommen“. Und was machen diese „Roten“? Nun – sie wollen die Sanktionen gegen Hartz IV-Empfänger lockern. Unglaublich! Und wie bezeichnet man jene Menschen, die durch die Globalisierung (also: durch die inhumane und asoziale Ausbeutungspolitik gewissenloser Kreise Wirtschaft – um das Wort mal auf Deutsch zu übersetzen) ihre Arbeit, ihre Familie, ihre Würde verloren haben: nun – als „Schmarotzer“ (siehe Erwerbslosenforum)… womit die endlich auf SPD-Niveau herabgestiegen sind. Wollen wir uns das gefallen lassen? Dass unsere armen, alten und kranken Brüder, deren größter Fehler es war, nicht schnell genug beim Staat untergekrochen zu sein, um für das Arbeitsamt Arbeitslose zu knechten und viele Papiere hin- und her zu schieben, deren Fehler es war,  zu altern oder krank zu werden, die im gnadenlosen Konkurrenzkampf jeder gegen jeden vielleicht einfach nur verloren haben, weil es ihnen an „Ellbogen“ fehlte, so gedemütigt werden? Bei den Erfahrungen, die wir in diesem Land mit dem Umgang mit „Ballastexistenzen“ gemacht haben? Jeder dritte von ihnen muss „erhebliche materielle Entbehrungen“ in Kauf nehmen – nach Definition der EU (siehe Der Westen); dazu gehört u.a. dass man seine Stromrechnung nicht bezahlen kann – oder die Heizkosten. Vernichtung durch Armut.

Vernichtung durch Armut? Das hat mir von Intellektuellen schon mal harsche Kritik eingebracht: wie kann man das denn vergleichen? Ja – das ist die bequeme Definition der Sofa-Linken: Faschismus, dass war mal in der Vergangenheit und kommt auch nie mehr wieder! So kann man gemütlich bei Kaffee und Kuchen sitzen und sich enorm wichtig machen mit überzogenen Warnungen vor „den Rechten“, an deren wirkliche Wiederkehr jedoch niemand wirklich glaubt … obwohl sie wieder Listen mit jüdischen Geschäften in Umlauf bringen – geschehen am Jahrestag der Progromnacht (siehe Spiegel). Wenn schon normale Arbeitslose erhebliche materielle Entbehrungen hinnehmen müssen – obwohl der Grundgedanke des Sozialstaates war, dass nie wieder Menschen in einem reichen, demokratischen Land nur aufgrund ihrer geringeren Ausbeutbarkeit aus dem normalen Alltagsleben herausfallen sollten, weil man damals noch genau wusste, wie das enden wird – wie wird es dann erst jenen gehen, die mit einer Million Sanktionen gequält werden – bis hin zu Strafzahlungen in Höhe von 5000 Euro (siehe n-tv). Die erheblichem Psychoterror (Verhör durch vier SA-Mitarbeiter … äh, nein: BA Mitarbeiter) ausgesetzt werden, wenn sie es wagen, sich einen Anwalt zu nehmen (siehe Gegen-Hartz)? Sie erleben etwas, was in reichsdeutschem Nazidenken die erste Stufe der Vernichtung war, jene Stufe, mit der man zig-Millionen Polen und Russen vernichten wollte und vernichtet hat: durch den kalten gnadenlosen Entzug der materiellen Lebensgrundlage. Einfach mal nachlesen, Götz Aly hat ein ganzes, dickes Buch über die „Vordenker der Vernichtung“ geschrieben, die alles andere waren als verblendete Vollidioten, die Hitler für Gott hielten: sie waren eiskalte, akademisch gebildete Bürokraten, die auch nach dem Krieg ihre Karrieren in Deutschland fortsetzen – echte Nazis waren sie ja … trotz Planung der Vernichtung – nie gewesen.

Wissen Sie, wie Aly sein Werk abschließt? Ich möchte es mal zitieren:

„Den Planern einer neuen europäischen Ordnung wurde nach dem Krieg so wenig der Prozeß gemacht, wie ihre Methoden Gegenstand von Analyse und Aufarbeitung waren. Nachhaltig aber durchaus nicht irreversibel verändert haben sich seit 1945 die äußeren Bedingungen. Die historische Konstellation, in der solche mörderischen Pläne realisierbar waren, ist hier und heute nicht gegeben. Vielleicht ist sie einmalig. Das konzeptionelle Denken aber, in dem der Massenmord zum „sinnvollen“ Mittel struktur- und entwicklungspolitischer Planungen wurde, ist nach wie vor aktuell.“ (Götz Aly, Vordenker der Vernichtung, Hoffmann und Campe, 5. Auflage 2004, Seite 492).

Das schrieb er 2004. 2005 setzten dann skrupel- und gewissenlose Kräfte innerhalb der Republik die alte Vernichtungsmaschine wieder in Gang … erstmal im Low-Level-Modus, weil man ja die faulen Arbeitslosen erziehen musste – wie schon früher die Regimegegner in Konzentrationslagern erzogen werden mussten? Wehret den Anfängen? Schon längst vergessen. Hunger wird als Waffe gegen das eigene Volk eingesetzt – und niemand schreit auf, weil man wieder alles in schöne Worte verpackt. Selbst in Dokumenten führender Nazis wurde nicht von Vernichtung durch Gas gesprochen … sondern fein von „Umsiedlung“ schwadroniert, obwohl jeder wusste, was gemeint war. Ja: einfach mal Aly lesen – die konnten fein reden, diese Nazis. Als ob sie gewusst hätten, dass der Endsieg ausbleiben wird … und eine Zeit kommen wird, wo man sagen kann, man hätte von allem nichts gewusst.

Und was ist das Ergebnis der glorrreichen Agenda 2010? Ein paar verschwiegene Tote – und eine wachsende Zahl von Unterstützungsempfängern jeder Art, inzwischen 8 Millionen … anstatt der 5 Millionen, über die man sich früher immer aufregte (siehe Spiegel). Und selbst diese Zahlen täuschen – aber wir wollten ja über Revolution reden, nicht über dämliche Arbeitsmarktpolitik … wie man – mögliche – Vernichtung durch Hunger heute nennt.

Wie toll ist eigentlich unser „Kapitalismus“? Ja – ich gehe mal davon aus, dass man hier gebildet genug ist, um zu begreifen, dass „Merkel muss weg“ eine äußerst dämliche, wahrscheinlich vom Verfassungsschutz implementierte Forderung ist, auch niemand die Demokratie weg haben will, aber gewaltige Änderungen in der Wirtschaftsordnung als unverzichtbar begreift – bevor uns die nächste, sich schon jetzt anbahnende Bankenkrise in den Ruin treibt (an der aber alle „Entscheider“ wieder vorzüglich verdienen werden) oder wir für die Benutzung unserer eigenen Autobahnen Banken und Versicherungen Maut zahlen müssen, damit die ihre fürstlichen Traumgehälter weiter zahlen können.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft – schon im Dritten Reich an der Planung der Vernichtung beteiligt – weist schon heute darauf hin, dass die neuen Rekordsubventionen für „Wirtschaft“ eine Katastrophe sind: über 168 Milliarden pumpen wir da hinein. Kritisiert werden aber nicht die vielen Schenkungen an „die Wirtschaft“ (z.B. für die Entwicklung einer Software zum Innenausbau von Luxusyachten – siehe Spiegel), sondern Gelder für Straßen und Kranke, da bleibt man alten Konzepten treu verbunden.

Jetzt habe ich wieder so viele Worte gemacht – dabei wollten Sie doch was über Revolution lesen. Ich könnte noch mehr Gründe aufführen, die dafür sprechen … die schleichende Degeneration unsere westlichen Kinderschutzwerte durch in Kaufnahme von Kinderehen (siehe Spiegel) oder die gezielte Züchtung von Spezialmenschen durch Crispr (siehe Zeit), die den ganzen Homo Sapiens überflüssig machen werden oder noch viel mehr – doch das würde ein Buch werden. Ich hoffe, Sie akzeptieren durch die bisherigen Ausführungen, dass gewaltige Änderungen in unserem System notwendig sind? Dass die rücksichtlose Achtung der sozialen Menschenrechte in Deutschland Ziel sein muss – und der schleichende Übergang in eine neue Form der Vernichtungsgesellschaft aufgehalten werden soll – einer Gesellschaft, die 10 Prozent alles schenkt und 90 Prozent dafür schuften läßt?

Gut – jetzt zu Ihrem Traum: der Revolution.

Wir hatten ja schon ein paar in Deutschland. 1848 zum Beispiel – da gab es viel Hunger, der zum Aufstand rief. Oder November 1918 … ein kaum gefeiertes Datum, das auch kaum zu Spielfilmen inspirierte (obwohl wir mehr und mehr historische „Heldendramen“ verfilmen – über Stauffenberg zum Beispiel). Da hatte sich die deutsche Nordseeflotte geweigert, zu einem letzten Gefecht mit der überlegenen Royal Navy auszulaufen, um im Auftrag des Adels noch ein paar tausend Briten zu töten – aus Rache für den verlorenen Krieg. Da man Matrosen in schwerst bewaffneten Kriegsschiffen nicht mit Polizeigewalt bezwingen kann, wurde aus diesem Aufstand eine reichsweite Revolution …. die aber mit Hilfe der SPD (Friedrich Ebert) zerschlagen wurde: dort arbeitete man lieber mit Feudalismus und faschistischen Freikorps zusammen, die später einen Adolf Hitler gebaren.

Auch die russische Revolution kam erst in Gange, als sich bedeutende Armeeeinheiten anschlossen: Revolution heißt halt Krieg – und zwar im eigenen Lande. Äußerst unbequem, äußerst blutig, schlecht für geregelte Mahlzeiten und flächendeckenden Konsum der aktuellen Freizeitangebote. Ist echt nichts für Veganer weil: äußerst blutig für Mensch und Tier. Was treibt Revolutionen an? Ungerechtigkeit? Nein, das ist nur oberflächlich. Ungerechtigkeiten stören selten jemanden – nur wenn es ein Objekt trifft, dem man sich in Liebe verbunden fühlt, bricht jener Zorn und jene Wut aus, die zum Waffengebrauch verleitet. Liebe ist die Grundlage jeder Revolution – ein Begriff, der heute mit „Sex“ übersetzt wird – was die Liebe völlig entwaffnet: aus Liebe zu seinen Kindern, seiner Familie, seinem Dorf kann man bereit sein, sein Leben zur Rettung der anderen zu opfern – was das komplette Ende von „Sex“ bedeuten würde, weshalb es ja blöde wäre, sein Leben zu opfern. Doch kommen wir erst mal nicht zum Personal, bleiben wir bei den strategischen Grundlagen.

Hier erkennen wir, dass die Regierung Merkel der Revolution einen enscheidenden Nachteil verpasst hat: aus der Bürgerarmee Bundeswehr ist eine Privatarmee von freiwilligen Gesinnungsbrüdern geworden, die eher am rechten politischen Rand siedeln (siehe z.B Focus) – was man gerne toleriert, während man „Mahnwachen für den Frieden“ mit aller Gewalt stigmatisiert. Woher nehmen wir also die kampfbereiten Einheiten für diese Revolution? Geht auch friedlich – wie bei Gandhi, meinen Sie? Gandhi kämpfte gegen Fremde, die sowieso gerne nach Hause wollten. Und welche Gesellschaft hat er hinterlassen? Eine kampfbereite Atommacht, die mehrere brutale Kriege geführt hat. Ich weiß: das zerstört jetzt Träume, die auch ich gerne träume – aber fahren Sie mal nach Indien und schauen sich das Land an! Gut – die Briten sind weg. Aber die Ausbeuter – auch viele Deutsche – sind immer noch da.

Ich will Sie aber nicht völlig entmutigen. Denken wir uns einfach, wir hätten unsere Revolutionsarmee, mit der wir gegen Berlin marschieren können. Wissen Sie, wie lange Sie diese Armee versorgen können? Fünf Lebensmitteldienstleister haben die gesamte Versorgung des ganzen Landes in der Hand. Nein – das Land ist nicht mehr voller Felder und Nutztiere, aus denen sich die Revolutionsarmee jederzeit versorgen ließe (gäbe auch massiven Ärger mit Veganern): und wie lange man Fidel und Ché bei Aldi und Lidl einkaufen ließe, um die Truppen zu versorgen, können Sie sich selber denken. Bleiben die Flotten der Konzern-LKW´s in den Zentralen der Versorger, muss die Armee rennen, um nicht zu verhungern. Und Sprit? Ganz gefährlich – wollen Sie gar nicht wissen. Der wird ebenfalls schnell knapp, wenn nicht täglich der Nachschub läuft. Was glauben Sie, warum man davon ausgeht, dass ein nicht-atomarer Weltkrieg in Europa nach drei Tagen vorbei wäre? Ganz einfach: Sprit ist alle, Straßen zerstört, Nachschub kommt nicht mehr durch.

Und jetzt: mal Schluss mit der Träumerei. Sicher, es gäbe Möglichkeiten des Widerstandes – auch ohne Waffengewalt. Es gibt Pläne für den waffenlosen Widerstand gegen hochgerüstete Armeen, die auch im Bereich des zivilen Ungehorsams funktionieren könnten – und wir sind ja zivilisiert genug, dass wir ja auch gar keine Köpfe rollen sehen wollen. Es gibt auch Pläne für den schleichenden friedlichen Umbau des Kapitalismus zu einer kooperativen Gemeinwirtschaft im Sinne von Genossenschaften – aber welche Pläne man auch andenkt, sie haben alle ein Problem: es fehlt an Personal. Wir haben reichlich Häuptlinge, die Veränderungen durchführen könnten – dazu braucht man nicht viel. Wenn sich jene 60 Prozent der Deutschen, denen die Dominanz von Hinterzimmernetzwerken über die demokratische Politik bewusst geworden sind, sich Montag morgen in ihre Autos setzen würden und die auf den Autobahnen abstellen … dann hat man schon mal eine Diskussionsgrundlage – ohne einen einzigen Schuss. Sicher: die Bundeswehr würde mit Panzern kommen, um die lebenswichtigen Versorgungslinien wieder frei zu schaufeln … aber wenn jeder in seinem Auto sitzen bleibt, könnte man hoffen, Gespräche in Gang setzen zu können.

„Wir“ – würden ja auch nicht viel wollen. Entprivatisierung der Energieversorgung, Etablierung einer preisgerechten Grundsicherung, Löhne, von denen man leben kann, Abschaffung der Hinterzimmerpolitik, eine Marktwirtschaft, die auch dem inhabergeführten Einzelhandel wieder Überlebensfähigkeiten sichert – und die Teilhabe der Reichen an den Kosten des Landes. Volker Pispers hat mal ausgerechnet, wie billig das für Reiche wäre: gibt man allein 10 Prozent ab einem Barvermögen von 5 Millionen Euro – unsere finanzielle Staatsmisere wäre im Nu gelöst. Nur … sind diese Reichen moralisch inzwischen wieder soweit degeneriert, dass sie nur noch danach sinnen, noch mehr Geld aus den Menschen zu pressen – und zwar mit ordentlichen Steigerungsraten. Wer nicht spurt, wird sanktioniert – wie in einer mittelalterlichen Leibeigenengesellschaft, wo man Ernten kleiner Höfe niederbrannte, wenn der „Zehnte“ nicht pünktlich kam.

Hört sich schlimm an, diese Gegenwartsbeschreibung – oder? Schaut man nur auf die Prinzipien – ist es auch schlimm. Ab dem Moment, wo „Regierung“ sich anmaßt, die Hungerwaffe gegen unbotmäßige Bürger einzusetzen – nichts anderes ist Hartz IV – ist die Demokratie vorbei und wurde durch etwas anderes ersetzt … für das es noch nicht mal einen Namen gibt. Laufen diese Prinzipien so weiter, werden wir sehen, ob Moral und Ethik im Land noch in ausreichendem Maße vorhanden sind, um neue Massenvernichtungen unmöglich zu machen. Mir wäre es lieber … wir bräuchten diese Risiken nicht eingehen, ging schon mal schief.

Doch was ist nun mit der Revolution? Oder der friedlichen Evolution?

Nun – was damit ist, erklärt uns ein alter Indianer, der seinem Stamm ein paar Zweige hinhält: einzeln sind sie leicht zu brechen, doch im Bündel unzerstörbar. Kann jeder mal im Wald selbst ausprobieren. Uns jedoch … wird seit 1950 etwas anderes gepredigt: dass nur der einzelne Zweig stark und überlebensfähig ist. Ein leider verstorbener Konservativer hat versucht, uns darüber aufzuklären (siehe Jakob Augstein über Frank Schirrmacher im Spiegel):

„Im Kalten Krieg haben amerikanische Militärs und Physiker die Sowjets mit den Instrumenten der Spieltheorie in die Knie gezwungen. Als es keine Sowjets mehr gab, sind die Physiker an die Wall Street gegangen und zwingen seitdem mit ihrer Theorie die Welt in die Knie. Wir alle sind Opfer einer Ideologie des Egoismus. Sie wurde für eine Welt des Krieges entwickelt und verheert heute den Frieden. Eine Ideologie der Kälte und des Autismus. Eine Ideologie von Psychopathen für Psychopathen.“

Das geht 2016 soweit, dass die allerletzte Bastion der „Liebe“ (die man früher auch für Heimat, Kinder, Frauen, Musik, Kunst, Literatur oder Natur empfinden durfte – und nicht nur für Sex), die einfache Beziehung zwischen Junge und Mädchen gefallen ist und jetzt die unverbindliche „Nicht-Beziehung“ gelebt wird: die letzte Grenze, die aus uns ein Heer von einzelnen, „flexiblen“, isolierten „Wanderarbeitern“ macht, die jederzeit überall verfügbar und einsetzbar sind. Wer sich diesem Nazi-Wahn widersetzt – wird einfach Nazi genannt und ist ´raus. So einfach ist das.

Wo sollen also die Revolutionäre herkommen – die aus Liebe zu den Armen, den Einfachen, den Geknechteten ihr Leben geben, um ihren Kriegshäuptlingen, ihrem Ché oder Fidel den Sieg zu ermöglichen?

Ich merke: es wird immer leiser in dem Saal der Revolutionsbegeisterten … viele verlassen schon frühzeitig den Raum.

Darf ich Ihnen, die geblieben sind, noch mal ein Beispiel für die Gesellschaft geben, in der wir leben? Jener Gesellschaft, die sich so fürchterlich sozial für die Aufnahme von Flüchtlingen engagiert hat und alle kritischen Stimmen als „Nazis“ verunglimpfte? Hat nur ein Jahr gedauert – dann haben sie ihre Masken ganz offiziell fallen gelassen (siehe Spiegel):

„Aufregung um eine Publikation der Bundespressekonferenz: In einem „Almanach“ veröffentlicht die Journalisten-Vereinigung einen satirisch gemeinten Beitrag mit dem Titel „Schwimmkurs für Flüchtlinge“.“

Ja – schauen Sie sich das ruhig mal im Detail an:

„Dann folgen verschiedene „Kursangebote“, darunter „Baby-Flüchtlingsschwimmen“ („dient der motorischen, geistigen und sozialen Entwicklung des Flüchtlingskindes“) und „Einzelunterricht für erwachsene Flüchtlinge („Es ist nie zu spät, das richtige Schwimmen und die richtigen Techniken zu lernen, die ihren Fluchtstil optimieren“).“

Alter Nazi-Witz: „Wie kommt ein Jude aus dem KZ? Durch den Schornstein!“ Merken Sie, wie ähnlich der Grad der Verrohung bei unserem Führungspersonal schon ist? Weder AfD noch Pegida sind so weit gegangen – aber auf dem Bundespresseball ist das Realität, ohne dass einer „Nazi“ schreit. Ich hoffe für die zu uns geflüchteten Menschen sehr, dass sie schnell den erwarteten Profit einfahren … sonst sehe ich schwarz für sie.

Sie sollten – wenn Sie immer noch von sozialer Revolution träumen – aber auch wissen, wer wirklich ihr Gegner sein wird:

„Der amerikanische Journalist Arthur Rowse behauptete in seinem Artikel über Gladio, dass „eine geheime Klausel im ersten Nato-Übereinkommen von 1949 forderte, dass ein Land, bevor es dem Bündnis beitreten konnte, schon eine nationale Sicherheitsbehörde eingerichtet haben musste, um Kommunisten durch geheime zivile Kader zu bekämpfen.“ (aus: Ganser, Nato-Geheimarmeen in Europa, Orell Füssli Verlag, 7. Auflage 2014, Seite 64)

Lesen Sie an der Stelle weiter, hören sie von Geheimabkommen der BRD zum speziellen Schutz von Rechtsradikalen in Deutschland aus dem Jahre 1955 – und die Ungereimtheiten über die NSU-Morde werden auf einmal überraschend plausibel: die alten Freikorps, die die Novemberrevolution niederschossen, sind immer noch eine besonders geschützte Art.

Dieses … nennen wir es mal: Bündnis zur Verhinderung jeglicher sozialer Reformen … ging angeblich sogar der Natogründung voraus. Jetzt können Sie auch verstehen, warum wir wählen können, was wir wollen, aber nichts ändern werden: die Nato selbst garantiert das Bestehen der sozialen Ungleichheit so wie die römischen Legionen den Erhalt des römischen Sklavenhalterstaates garantierten … sie und die lieblosen Idioten, die sich in den Gladiatorenarenen an dem Leid der anderen ergötzten – am Kampf jeder gegen jeden.

Revolution in Deutschand 2018?

War nur ein Scherz.

Kann man denn da gar nichts tun?

Nun – was für eine blöde Frage. Sehr viel sogar. Lesen Sie den hier geschriebenen Text noch mal – und Sie haben die Antwort auf Ihre Frage. Mehrere sogar. Und diese Antworten werde ich Ihnen auch nicht vorkauen … diese Leistung selbst zu erbringen, ist der erste Schritt zur nächsten Revolution –  und Ihr erster persönlicher Beitrag dazu.

 

 

 

 

 

 

Brief eines besorgten Bürgers an einen unbesorgten Bürger

Digital StillCamera

Freitag, 25.11.2016. Eifel. Sehr geehrter Herr Gommel. Mit großem Zorn hatte ich Ihren Brief gelesen, der sich gerade inflationär im Internet verbreitet. Kein Wunder, Populismus verbreitet sich immer schnell und gut. Im ersten Moment dachte ich: das schreit nach einer geharnischten Antwort. Es muss endlich Schluss gemacht werden mit diesem schleichenden Faschismus, der im Gewand eines „Gutmenschen“ daherkommt und die demokratischen Grundlagen dieses Landes mit Füßen tritt. Dann las ich, dass Sie seit frühester Jugend unter schweren Depressionen leiden – und strich dieses Schreiben wieder aus meiner to-do-Liste. Man tritt nicht auf Menschen, die auf dem Boden liegen. Depressionen sind ein ernsthafter, ja höllischer Zustand, ein Krebs des Geistes, der alles helle, gute, lichte im Inneren auslöscht. Man sollte sich dafür nicht schämen noch schimpfen: angesichts dessen, wie sich unsere humane Umwelt und unsere natürliche Umwelt die letzten Jahre entwickelt haben, sind Depressionen der natürliche Zustand liebender Geister -und ich habe deshalb Verständnis dafür, dass immer mehr Menschen in ihren Wohungen bleiben und dort eine fein vorgekaute Traumwelt vorgesetzt bekommen – auch in der Tagesschau – in die sie sich flüchten können angesichts einer Welt, die an allen Ecken und Enden aus den Fugen gerät: vom kleinsten sozialen Element – den persönlichen Beziehungen – bis zu den größten sozialen Elementen: den Kriegen.

Eine Freundin hatte sich für Sie stark gemacht, für Sie mit Leidenschaft gekämpft, Sie seien ein „guter“, hatte sie mir versichtert – und meinte, Sie und ich stünden auf derselben Seite. Meinte, Sie hätten mehr Leid auf der Welt gesehen, als wir beide zusammen – nun, was mich angeht, muss ich sagen: über das Leid, das ich erlebt habe, schreibe ich so gut wie gar nicht – daher wohl der Eindruck. Einen Teil meiner Jugend habe ich im Umfeld von Mord, Prostitution und Vergewaltigung verbracht, meinen Zivildienst, um genau zu sein: ich war der einzige „Zivi“ im Resozialisierungsheim, der nicht von den Bewohnern zusammengeschlagen wurde – aber auch nur, weil ich schneller war als die. Gleichzeitig starben mir meine Freunde weg – verschmutzte Drogen waren der Hauptgrund. War unangenehm. Im Studium hatte ich wieder Pech – unangenehme, beruflich bedingte Begegnungen mit „Satanismus“, in Zusammenarbeit mit kirchlichen Kreisen und Sektenberatungen rutschte ich wieder einmal hinein in eine Wirklichkeit, die nie in die Tagesschau findet, weil sie das Hobby höchster, wohletablierter Kreise betrifft. Von den konkreten Erfahrungen vor Ort habe ich nie berichtet, ich kann nur sagen: ich kann mir seit dem übelste Splatterfilme anschauen: sie sind harmlos gegen das, was meine Augen live sehen mussten.

Später musste ich im Auftrag der Pharmaindustrie um die Welt reisen – und durfte noch mehr abscheuliches Elend betrachten, was mich gelegentlich in Lebensgefahr brachte: ging ich doch dort hin, wo Weiße nicht hin dürfen (ja, es gibt auch diesen, wohl „guten“ Rassismus), doch haben mich diese Ausflüge sehr bereichert. Was ich nur nie tat: meine Kamera zücken. Nicht ein Bild habe ich davon gemacht – obwohl man damit gut Geld hätte verdienen können. Ich wollte den Menschen nicht auch noch ihre Würde nehmen. Ich erzähle das, damit Ihnen klar ist, dass ich generell ein gewisses Ressentiment gegen Fotojournalisten habe (und inzwischen auch gegen Bezahlmedien insgesamt, doch das ist eine andere Geschichte), die „Aasgeier des Leids“, wie ein Freund sie mal genannt hatte. Menschen, die in den entscheidenden Momenten des Lebens hinter der Linse verschwinden, um Sensationsgier zu befriedigen. Am spannendsten waren übrigens die Ausflüge in der Hauptstadt der USA, wo ich wohl behütet im Zentrum wohnte, aber irgendwann mitten in der Nacht in Randgebieten landete, die aussahen wie Deutschland nach dem Krieg: ich war nicht allein, aber es waren hunderte, die uns jagten, es waren Szenen wie aus einem Horrorfilm. Ich hatte – das war mir bewusst – einen Blick auf die Zukunft der Menschheit geworfen, auf jene Zeit, die bald nach Deutschland kommt, weil auch wir neoliberalistischen Kapitalismus als höchstes Ziel anbeten. Dreißig, vierzig Jahre gibt uns Volker Pispers noch, bis das unsere Realität geworden ist, wie er könnte auch ich noch andere Ecken in den USA nennen, wo man studieren kann, wohin wir uns gerade entwickeln – allerdings würde man sie lebend nie verlassen. Und ich kenne auch Menschen, die sagen: wir werden schon nächstes Jahr mit Lagern für Arbeitslose in Deutschland rechnen müssen – die Zeit wird möglicherweise knapp.

Ich habe viel Elend gesehen – sogar schon als Kind. Wir schlachteten noch selbst. Erwähne ich nur, um mich vor der Unterstellung meiner Freundin zu schützen, ich sei so ein Schöngeist, der sein Zimmer nie verlassen hat. Aktuell erlebe ich beruflich wieder Elend, arbeite mit Sonderschülern und Hauptschülern: deren Lebensgeschichten stellen unsere Erfahrungen weit in den Schatten, das können Sie mir glauben – doch die bleiben der Öffentlichkeit verborgen. Schaue ich aus dem Fenster, so sehe ich sanfte Hügel, stille Seen, strahlenden Sonnenschein – doch ich weiß genau, was dort noch alles lauert. Kommt nur nicht in die Tagesschau – und wenn, dann verzerrt, als abschreckendes Beispiel von „Unterschicht“, von „Prekariat“. Wunderbare Menschen finde ich dort, mit hohem Potenzial und feinen Seelen – doch schon in jungen Jahren mit Erfahrungen konfrontiert, die ihren Geist gebrochen haben, die sie hilflos und nackt mit einer grauenvollen Realität konfrontierten. Mitten in Deutschland, dem Land, dem es so gut geht: Grausamkeiten, die nicht über meine Lippen kommen werden, weil sie den sensiblen, feingeistigen Lesern Alpträume bescheren würden, die nie enden. Ich selbst – nun, bin da härter geworden mit der Zeit. Mache da auch keine Fotos.

Nun – nachdem meine Freundin so sehr intervenierte, las ich Ihre Zeilen nochmal und nochmal, um zu verstehen, wie sie Sie wahrnahm – und erkannte, dass es da auch andere Perspektiven gibt, dass man fairer urteilen sollte. Aber ich denke: ich werde Ihnen einfach mal erzählen, warum ich so erzürnt war – es beginnt gleich zu Anfang:

„Denn neben meinen Kämpfen mit mir selbst bin ich sehr verärgert, und zwar wegen Dir. Dabei weiß ich, dass das keinem Menschen hilft – und mein Gewissen sagt mir, dass ein neuer Rant nur neuen Hass schürt. Ich werde es dennoch versuchen.“

Erstmal: „Rant“. Ihnen ist kaum bewusst, dass viele der „besorgten Bürger“ gar kein Englisch können: in der DDR wurde eher Russisch gelernt. Sie hätten auch „schimpfen“ sagen können – ist lieblicher und kann von allen verstanden werden. Sie hätten auch einfach jetzt aufhören können zu schreiben, Sie hätten Ihrem Gewissen lauschen können, das sagt: du schürst gerade wieder Hass. Doch obwohl Sie wissen, dass Sie gerade Hass säen (was sie ja „besorgten Bürgern“ vorwerfen, wie die ganze andere selbstverliebte, selbstgefällige Bande, die scheinbar gern von sich auf andere schließen und das dann für die Realität halten), machen Sie weiter. Hilft keinem, bringt nur Hass, aber: egal! So fangen Kriege an.

„In den letzten 2 Jahren bin ich Dir immer wieder begegnet. Auf Geburtstagsfeiern (nicht auf meiner), in der Bahn, auf Pegida-Demos und auf der Bank im Park. Ich höre Dein Lästern, Deine Abneigung gegen Andersartige und ich höre auch: Deine Angst.“

Ja – dieser kleine, feine Moment, den andere gern überlesen: „nicht auf meiner“. Das ist der Moment, der mich an die Masse der Mitläufer im europäischem Hasskreuzzug gegen Juden erinnert (nein, da waren nicht nur Deutsche dran beteiligt – und der endete auch nicht 1945), wo man sich selbst – bei allem „Verständnis für die Eigenarten jüdischer Kultur“ – fein und säuberlich von „denen“ abgrenzte. Das stößt gleich sauer auf – denn da fängt es an, die ersten Schritte zur Selektion: ganz leise, harmlos, schlicht. Es ginge auch anders: dass man zuerst den Menschen schätzt, respektiert und liebt, den anderen, den Fremden, den schrecklich dummen, weißen Pegidamann, erst recht dann, wenn man weiß, dass die Angst ihn regiert – und das säuberlich trennt von seiner politischen Überzeugung, die er aufgrund seiner Lebenserfahrung mit sich herumträgt: was sein gutes Recht in einer Demokratie ist.  Wissen Sie eigentlich, was Angst ist? Der Vorläufer von Panik. Bekommen Sie Angst nicht in den Griff … ja, dann war es das mit der Rationalität, Sie werden überschwemmt mit chemischen Botenstoffen, die Sie in ein Wesen verwandeln, das weit jenseits der Rationalität lebt und unmenschliche Dinge tun kann: da regiert dann das Tier: flüchtet … oder greift an. Angst – ist keine schicke Spielerei, sondern ein schlimmer, bemitleidenswerter Ausnahmezustand des Gehirns … ganz unabhängig davon, ob die Umwelt – also: Sie! – diese Angst rational für gerechtfertigt halten oder nicht.

Vollends vorbei war es dann bei mir vorbei, als ich diesen Satz las, der vor Menschenfeindlichkeit nur so triefte und die Linie komplettierte, die sich zuvor abzeichnete:

„Ich höre des Öfteren, dass Du Angst um Deinen Arbeitsplatz hast. Ich merke dazu an: Wenn ein Mensch einer komplett anderen Kultur und Sprache es schafft, Dir Deinen Arbeitsplatz wegzunehmen, warst Du nicht besonders gut.“

Ja: genau davor haben die Menschen Angst: dass ihnen ihre Lebensgrundlage weggenommen wird. Darf ich „geklaut“ sagen? Ist deutlicher als „weggenommen“. Wüßten Sie, was diese Armut, die aus dem Verlust des Arbeitsplatzes resultiert, den Menschen antun kann – und vor allem ihren Kindern: Sie hätten mehr Respekt vor dieser Angst, würden sie nicht klein reden oder verächtlich auf sie herunterschauen. Damit sind Sie im Herzen des Faschismus angelangt, im Zentrum jener Kultur, die Leistungsfähigkeit über Menschlichkeit stellt – und ich glaube, das ist Ihnen gar nicht bewusst. Das habe ich aber erst gemerkt, als ich Ihren Brief mehrfach gelesen habe.

Ich gestehe: ich bin auch ein besorgter Bürger. Habe ja 2700 Aufsätze darüber geschrieben, kann man also leicht nachlesen. Ich verstehe auch ganz leicht, dass Menschen, die wenig in der Welt herumgekommen sind, Ängste entwickeln, wenn die Welt zu ihnen kommt, erst recht, wenn zuvor in den Medien genau vor diesen Menschen gewarnt wurde, ja: wir führen sogar aktiv einen heißen Krieg gegen sie: in Afghanistan und in Mali ist bzw. war die Bundeswehr im Einsatz gegen den „radikalen Islam“ – und wie gefährlich er ist, mussten man sich in tausenden von Nachrichten anhören. Ich kenne auch viele besorgte Bürger – meine Leser gehören zum überwiegenden Teil dazu. Hat da jemand was gegen Ausländer? Nein. Nur ein Bruchteil der Sorge stammt aus der Angst vor jenen, deren Länder wir bombadieren (wir Deutschen, wir Europäer und wir Natovölker), überwiegend ist es Angst vor … irrationalem Regierungshandeln, vor selbstherrlicher, unbedachter Politik nach Gutsherrenart. Das geht aber im Regierungspopulismus schnell unter der – voll auf DDR-Linie – alles zu „Rechtsradikalen“ erklärt, was nicht regierungskonform ist. Wir wissen aber schon noch, wie wir solche Regierungsformen nennen, die so vorgehen, oder? Und dass unsere Regierungsparteien weit davon entfernt sind, „links“ zu sein?

Wissen Sie, wer das letzte Mal mit grober Hand Völker in Europa umsortiert hat? Wer die „guten“ an die richtigen Plätze setzte, weit über Europa verteilt – und die „schlechten“ verhungern ließ? Einfach mal ins Geschichtsbuch schauen, ich denke, vielen besorgten Bürgern ist das noch in Erinnerung geblieben (sind ja meist ältere Semester) – und da ging es nicht nur um Juden, wie uns unser Spar-Geschichtsunterricht gerne weiß machen will, sondern um Millionen Esten, Letten, Polen und vor allem: Russen. Ich habe erst gestern noch in einer Runde mit Polen gesessen, die sich heute noch gut daran erinnern können, wie es damals war … während unsere Jugend das völlig vergessen haben – Polen übrigens, die mir ausführlich von der Feindschaft erzählten, die ihnen und ihren Kindern hier und heute im „guten“ Deutschland tagtäglich entgegen tritt. Knippst nur keiner. Sind halt Polen.

Ich erzähle Ihnen einmal etwas über dieses Land. Sollte man wissen, bevor man über die Ängste der Menschen urteilt (siehe HuffingtonPost):

Denn obwohl es dem Land so gut wie lange nicht geht, wird die Ungerechtigkeit immer größer. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Geld immer ungleicher verteilt. Sehr, sehr wenige Deutsche haben mehr als die Hälfte davon. Und ALLE anderen müssen mit dem Rest auskommen.

Diese Entwicklung ist laut einer internationalen Studie von 2011 sogar so stark wie in keinem anderen der 34 untersuchten Länder. Das muss man sich einmal vorstellen! Diese Ergebnisse sind seit Jahren bekannt und trotzdem spricht kaum jemand davon. Und eine aktuelle Untersuchung von 2015 zeigt, dass es noch schlimmer geworden ist.

Unsere Kinderarmut ist inzwischen größer als die von Tschechien und Ungarn: und da erwarten Sie, dass man es begrüßt, wenn Millionen neuer Menschen in diesen dicht bevölkerten Siedlungsraum kommen, in dem die Armut immer weiter fortschreitet? Wenn – ohne die Bürger zu fragen – nicht mehr von „Asyl“ gesprochen wird, sondern von oben herab nach altbekannter Gutsherrenart unsere demokratische Solidargemeinschaft zum „Einwanderungsland“ erklärt wird? Obwohl wir gegen diese Einwanderer seit Jahrzehnten Krieg führen … in ihren Heimatländern?

Noch mehr aus diesem Land, das per Gesetz jedes Jahr mehr Obdachlose produziert? In Hamburg stehen Asylunterkünfte leer, in die Obdachlose aber nicht hinein dürfen (siehe kritischepresseschau), und obdachlos wird man in diesem Land, das Arme mit harter Hand verfolgt, schnell: monatlich erhalten (Achtung: Neusprech) 132000 Hartz IV-Bezieher „Sanktionen“ (siehe Neues Deutschland): auf deutsch gesagt: werden zur Vernichtung freigegeben. So hatte man sich schon früher „unerwünschter Personen“ entledigt – bis man merkte, dass es zu lange dauerte, bis sie verhungerten (in Leningrad hielten die sogar Jahre durch) und man zum Gas griff. Alles schon mal dagewesen – und auch damals schon mit feinsten Worten umschrieben (hierzu: Götz Aly, Vordenker der Vernichtung – ein sehr aufschlussreiches Werk).

Häßlich, oder? Ja – es wird jetzt sehr ernst. Die Spaßgesellschaft, in der sich ohne harte Arbeit so gut leben läßt, hat tödliche Schattenseiten. Knippst man nur, wenn sie aus Syrien stammen. Hinterläßt auch Spuren bei denen, die nicht so gesegnet sind.

Wie sollen Bürger reagieren, die erleben müssen, dass ihre Mitmenschen draußen frieren müssen, während die Gäste der Bundeskanzlerin von allen hoffiert werden? Mal ehrlich: wer knippst denn schon gerne das Elend des „White Trash“? Wer interessiert sich dann schon für ihre Gefühle, ihre Wünsche, ihre Träume, ihre Ängste, ja, die werden doch schon gescholten dafür, dass sie überhaupt Ängste haben: der moderne Mensch ist da weiter, er hat gar keine Gefühle mehr. Die stören beim „business“. Der moderne Mensch gehorcht den Anweisungen der Bundeskanzlerin und ihren reichen Medienfreundinnen – und wehe, es tanzt einer aus der Reihe.

Und jenen aufgrund ihrer beschränkten Leistungsfähigkeit kurz vor der Aussortierung stehenden Bürgern sagen Sie, es ist ok, wenn Syrer ihnen Ihre Arbeitsplätze wegnehmen – und dass in einem der dichtbevölkertsten Ländern der Erde ein zusätzlicher Bevölkerungsdruck aufgebaut wird, der den Kampf ums Überleben zusätzlich verstärken wird? Lesen Sie mal diese Arbeit von Wolfgang Lieb aus dem Jahre 2010 – über unsere „Intellektuellen“, die wieder aktive Vernichtungsgedanken gegenüber der Unterschicht hegen: 5 Jahre Hartz IV – und dann: Hungertod, wenn der Frost einen nicht vorher erwischt! (siehe Nachdenkseiten)

Gut – Sie schauen nur durch die Linse einer Kamera, sehen nur das Elend, das direkt vor Ihrer Nase ist.

Wie gesagt: ich bin auch ein besorgter Bürger. Einer, der für Flüchtlingslager im Libanon Geld gesammelt hat, jene Lager mit unbeschreiblichem Elend, in dem jetzt gerade zur Winterzeit wieder gestorben wird, ohne dass ein Hahn danach kräht. 1,3 Millionen Geflüchtete leben dort – in einem Land mit vier Millionen Einwohnern. Schon mal in West-Aleppo gewesen? Das schweizer Fernsehen schockierte unlängst seine Zuschauer mit Bildern von auserlesenem Luxus in dieser „umkämpften“ Stadt (siehe swr), einem Luxus, von dem jene 14 Millionen Deutsche nur träumen können, die in den letzten Jahren „Kunden“ deutscher Jobcenter gewesen sind: täglich bedroht von Sanktionen, die sie an den Rand des Todes führen können – und auch einige getötet haben.

Will ich keine Flüchtlinge – als besorgter Bürger? Ich finde schon das Wort gräßlich – aber es ist Norm, und darum verwende ich es erstmal. Ich sage ganz klar: ich will keine Flüchtlinge. Ich finde es zum Kotzen, dass Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Und äußerst besorgt bin ich über die Methoden von Regierung und Millionärspresse, die ich im Rahmen dieser Aktionen erleben durfte. Sie werden dazu führen, dass das dringend notwendige Asylrecht abgeschafft wird. Sollen wir jetzt alle ausweisen? Du meine Güte – da fängt es an. Natürlich nicht – und ich glaube auch, dass kaum einer der „besorgten Bürger“ (außer den immer vorhandenen Altrechten, die schon vorher immer dabei waren, wenn es darum ging, Macht zu bekommen) so inhuman ist. Habe ja schon mit einigen gesprochen – schaut man näher hin, dann haben die Ängste kaum was mit Islam zu tun (den auch ich ganz in Ordnung finde, weil ich persönlich viele Muslime kenne, die ganz feine, ethisch hoch stehende Menschen sind – obwohl ich keine saudische Justiz auf europäischem Boden sehen möchte: finde Köpfen widerlich, Hände abhacken auch), aber viel mit Angst vor „Selektion“, die in Deutschland schon jetzt wieder hoch aktiv ist – aber um das zu erkennen, muss man sich in den Kreisen jener bewegen, die schon jetzt davon betroffen sind. Nun gut: nicht mehr lange, dann wird „Industrie 4.0“ nochmal 18 Millionen Deutsche zusätzlich „frei setzen“ – dann können wir weiter reden. Und wenn Sie mal über vierzig sind und nicht reich durch Fotos geworden … dann können Sie auch die Wertschätzung des Sozialfaschismus am eigenen Leib erleben.

Was ich lieber sehen würde? Wenn wir die Kinder aus dem Libanon holen würden, bevor die jetzt wieder erfrieren. Tut aber keiner. Wir schicken noch nicht mal Geld. Oder die Millionen Schwarzafrikaner. Klar – das würde hier bald zu eng werden … weshalb ja auch spontane Kurzschlüsse a´la Merkel keine Lösung der Probleme bieten – sondern sie langfristig nur verschlimmern.

Vielleicht helfen Ihnen die Worte von Sybille Berg ein wenig, die Situation der besorgten Bürger zu verstehen, jener weniger priviligierten Menschen, die wir direkt neben uns im Regen stehen lassen … oder auch im Hagel (siehe Spiegel):

Wie konnte es nur dazu kommen? Wo wir doch so tolle Theaterstücke gegen Fremdenhass gemacht haben, die wir uns auf die Schulter klopfend angeschaut haben. Und all die Luftballons. Die Medien waren sich so einig in der Beschimpfung von ein paar Deppen. Aber, verdammt, die Deppen können lesen, und was macht man, wenn man dauernd als Idiot bezeichnet wird, als Honk, als ungebildet, primitiv? Wenn ein falsches Wort im Netz einen Shitstorm statt einen Dialog hervorruft? Nach der US-Wahl überbieten sich die Medien in Weltuntergangs-Headlines und Analysen über die Abgehängten, die Ungebildeten, die Arbeitslosen.

„Erst die Arroganz der Linken macht Populisten möglich“ – so ihre Quintessenz.

Meine auch.

Und die zunehmende Tendenz, diese Gesellschaft, diese Solidargemeinschaft zu spalten: in „gut“ und … „anders“. Mal wieder.

Wo der wirkliche Skandal ist? Wir geben 7,4 Milliarden Euro für Entwicklungshilfe aus (siehe Tagesschau). Dreimal soviel für neue Autobahnen (siehe Spiegel), bald sechsmal soviel für Waffen (siehe n-tv). Wäre das anders: wir hätten mehr Menschen hier, die nicht vor Not flüchten müssen, sondern unsere Kultur studieren wollen – und bereichern können. Und ich will mich auch nicht zufrieden geben damit, dass wir Not nur noch sehr selektiv betrachten, Humanität reservieren für einen kleinen Kreis von Menschen (meist jungen, gesunden Männern), die von der Regierung bevorzugt selektiert wurden – während man ihre Frauen und Kinder, ihre Eltern und Großeltern in der Ferne verrotten läßt.

Und dies alles – macht mich zu einem äußerst besorgten Bürger, dem erst kürzlich von engagierten Menschen, die schon „gegen Rechts“ kämpften, als es noch nicht modern war, eine Warnung zugeflüstert wurde: ich müsse aufpassen, dass man mich nicht falsch verstehe …. sonst würde man mich noch als „rechts“ etikettieren.

Dieses Etikett ist heute so gefährlich wie ehedem der „Judenfreund“ (der ich auch bin: großartige Kultur, feine Menschen).

Und das – macht mich umso besorgter.

Nun – Herr Gommel – Sie hatten um ein Gespräch gebeten. Um eine Antwort. Hier ist sie. Nun können wir den Dialog beginnen. Ein PS: noch: den Natostacheldraht, der jetzt um Europa gezogen wird, habe ich – im Gegensatz zu Ihnen – anfassen müssen. Er hat mir Haut und Kleidung zerrissen: Sie haben Recht – der ist super scharf. War im Kampf um „Mehr Demokratie wagen“ unabänderlich, mit ihm in Berührung zu kommen. Man kann es aber überleben.

Und wenn Sie nicht reden wollen – dann lade ich Sie zum Denken ein. Gesehen haben Sie genug dafür – nur an den Schlussfolgerungen hapert es meines Erachtens noch:

„Wenn ich so über das bisher Geschriebene nachdenke, fällt mir auf, dass nicht nur Neonazis von der »Überfremdung« oder »Deutschland wird überrannt« sprechen. Der Einsatz von NATO-Draht (und Kriegsschiffen im Mittelmeer), spricht exakt die gleiche Sprache. Fremdenfeindlichkeit spielt sich nicht nur in den Reihen der AfD, dem Front National oder um Geert Wilders ab. 

Im Gegenteil: Die EU selbst setzt Xenophobie und Rassismus voraus, um sich vor »Eindringlichen« zu schützen.“

Jetzt brauchen Sie nur noch der Frage nachgehen, was man angesichts dieser Ausgangslage damit bezweckt, für einen kurzen Moment Ängste im Volk zu schüren..und die Grenzen für einen Moment weit auf zu machen: schon sind sie in der Realität der besorgten Bürger angekommen.

 

 

Autobahnprivatisierung, Raubzüge der Lumpenelite und die Degeneration der Demokratie

Digital StillCamera

Montag, 14.11.2016. Eifel. Na, lieber Mitbürger: auch so glücklich, dass wieder Montag ist? Wieder glücklich, mit Millionen anderer Menschen eng gedrängt zum nächsten Bullshit-Job zu fahren, der sie nervlich zerrüttet, körperlich auslaugt, ihr Freundes- und Familienleben auf ein Minimum reduziert, politische Arbeit nahezu unmöglich macht und ihnen sogar schon die einfache, in einer Demokratie unverzichtbare Information über politisches Geschehen kaum noch erlaubt … auch weil wichtige Informationen in einem Meer von Unterhaltungsgülle günstig versteckt sind?

Während Sie schaffen, schaffen, schaffen haben andere Zeit für Pläne – und kriegen das gut bezahlt. Werden Sie doch einfach auch mal Chef einer Versicherung, einer jener urdemokratischen Einrichtungen, in der sich Menschen zusammen schließen, um Einzelnen Elend zu ersparen. Ja: Versicherungen waren mal eine Idee der Arbeiterschaft, deren Kinder durch einfachste Krankheiten ausgelöscht wurden, deren durch Arbeit verstümmelte Kollegen in den Gossen dahinvegetierten und deren Familien keine Chance auf Überleben hatten, wenn der „Ernährer“ einem der vielen tödlichen Arbeitsunfälle des Maschinenzeitalters zum Opfer fiel: Menschen, die gern und voller Begeisterung für Rendite geopfert wurden. Eine feine, soziale Einrichtung, gelebte Solidarität pur. Heute bekommen Sie dafür 6,2 Millionen Euro im Jahr – wenn Sie so eine Versicherung verwalten (Beispiel Allianz, siehe Handelsblatt). Viel Geld für jemanden, der keinerlei körperliches Risiko eingeht, sich den Tag weitgehend selbst gestalten kann und viele Sorgen, mit denen Sie sich herumplagen, noch nicht mal im Ansatz kennt: er bekommt beste medizinische Versorgung, seine Kinder können in teuerste Privatschulen, er bekommt Kontakte zu allen politischen Entscheidungsbereichen, wird hofiert von Film und Fernsehen, lebt in gesündestem Umfeld während andere ihr einzigartiges Leben im Großraumbüro versickern lassen müssen, um die ständig steigenden Beiträge bezahlen zu können.

Ja – es sind Ihre Beitragsgelder, die dort fürstlich verschleudert werden: ebenso wie bei den Krankenkassen (dort aber deutlich niedriger, weniger  noch als Ärztefunktionäre verdienen, siehe Tagesspiegel) – mal abgesehen von den Privaten Krankenkassen, wo 3,1 Millionen drin sind (siehe widge.de). Sie können gerne mal ausrechnen, wie viel Sie selbst davon bezahlen – oder es mit Ihrem Gehalt vergleichen: denken Sie daran: das sind alles nur bezahlten Angestellte, keine Firmeneigentümer, die auf eigenes Risiko arbeiten. Machen die Mist – heuern sie eben woanders an. Es ist nur eine kleine Gruppe von Menschen, ein paar Hundert, die regelmäßig diese Pöstchen besetzen, über sie wird selten geschrieben (man findet sie z.B. in Günther Oggers Buch „Nieten in Nadelstreifen“, das viel erklärt und wie üblich nichts verändert hat), weil sie die absolute Macht über Deutschland haben – einfach, weil sie Unmengen an Geld verwalten, „Gewinne erwirtschaften“ – was auf Deutsch heißt: immer mehr Arbeit auf immer weniger Angestellte zu verteilen, die sich dann kaputt malochen, während ihre Kollegen beim Jobcenter gegängelt werden.

Welche Pläne die machen – hintenrum und geheim, ist bekannt – obwohl es geheim ist: Sie wollen mehr Geld machen, damit sie noch tiefer in die großen Haufen greifen können. Ja – je mehr Geld auf einem Haufen liegt, umso mehr kann man unbemerkt für sich abzweigen. Aber was soll´s: ist ja Ihr Geld. Sie scheinen genug zu  haben.

Ein wichtiger Bereich der Selbstbereicherung ist die Privatisierung, an der Privatisierung der DDR haben sich tausende eine goldene Nase verdient, während Millionen arbeitslos und den Jobcentern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert wurden. Was Jobcenter bedeuten, möchte ich Ihnen kurz darstellen, hier hat Susan Bonath ein paar Worte gefunden, die ich nicht besser formulieren könnte (siehe Nachdenkseiten):

„Das alles hat natürlich mit Freiheit und Demokratie nichts zu tun. Angesichts dessen, dass Arbeitsplätze aufgrund von Maschinisierung und Automatisierung mehr abgebaut als neugeschaffen werden, ist es Irrsinn. Es geht hier einfach darum, Lohnabhängige zu knechten, zu entmündigen und als ein Heer billigster Arbeitskräfte den profitierenden Privatunternehmen verfügbar zu machen. Denn halbwegs frei kann ja nur sein, wer ohne Zwang seine Grundbedürfnisse befriedigen kann. Hartz IV aber erpresst nach dem Motto: Wenn Du nicht verhungern und erfrieren willst, musst Du dich dem Markt vollständig unterwerfen.“

Unterwerfen mussten sich zum Beispiel 50000 Mitarbeiter der Telefonsparte der Deutschen Post, die im Rahmen der Privatisierung abgebaut wurden. Ja: das war ja der große Plan der großen Männer in Deutschland: wir privatisieren alle Staatsunternehmen (d.h. wir verkaufen unser lebensnotwendiges Volkseigentum an Privatleute), dann wird alles gut. Nun – zumindestens eins wurde gut: man konnte bei der Telekom auf einmal super verdienen: aktuell sind 4,24 Millionen Euro im Jahr drin (siehe Statista), d.h. für Entscheider war das ein gutes Geschäft – die Aktien alldings lagen zeitweise unter Ausgabeniveau. Ist der Service verbessert worden? Entscheiden Sie selbst. Insgesamt waren es hunderttausende, die beim großen Postraub (siehe Aufsatz von Tim Engarter) verloren haben: die einen ihren Job (ich komme bei Engarter auf über 300000), die anderen ihre Arbeitsplatzqualität: unbezahlte Mehrarbeit, unsichere Verträge, unterirdische Gehälter – die Liste ist lang. Arbeitspätze wurden in  Bullshitjobs verwandelt: das ist die eigentliche Strategie der „Leistungsträger“. Einige wenige skurpellose Psychopathen (genau die braucht man für solche asozialen Aktionen – ist wie bei der Fremdenlegion, eine gewisse Grundausrichtung muss man schon mitbringen) verdienen sich dumm und dämlich, während für Millionen alles schlechter wird: zum Beispiel für Sie.

Jeder Dummkopf könnte so „Leistungsträger“ werden – wenn er Zugang zur verschworenen Kaste der Leistungsträger bekommen würde, doch dieser Zugang ist eng begrentz, die Räuberbarone sind gerne unter sich – und kennen sich schon seit Jahrhunderten. Ja – das ist eine der Botschaften der Wissenschaft: der Kreis der „oberen Zehntausend“ ist ziemlich stabil – auch in Deutschland (siehe Welt), trotz Weltkriegen und unterschiedlichen politischen Systemen. Die selben Namen über 600 Jahren – erstaunlich, oder? Aber Obacht: wir nähern uns „Verschwörungstheorie“ – darum machen wir uns lieber keine Gedanken, welche politische Macht solche Familien haben. Hier finden wir jene, die ganz hinten die Strippen ziehen – und die bestimmen, wer Zugang zu den Exekutivkreisen bekommt. Reden wir nicht über die, reden wir über ihre neuen Pläne.

Die deutschen Autobahnen – durch Mineralölsteuer, KFZ-Steuer und Ökosteuer vom deutschen Autofahrer bezahlt, ja, überzahlt (siehe Focus) sollen wie die Post privatisiert werden. Bei den Raststätten hatte man das ja schon mal vorgemacht, nach dem üblichen Prinzip: Preise hoch, Qualität ´runter, Mitarbeiter reduziert. Federführend: ein Allianzkonsortium (siehe FAZ). Ja – es geht um die Autobahnen, die lebensnotwendigen Adern unserer modernen Gesellschaft, ohne die – auch wegen mangelnder Planung und effektiver Organisation im Güterverkehr – nichts geht. Wir wissen schon jetzt, was uns erwartet: mehr kaputte Autobahnen, schlechterer Service und … höhere Preise. Ja – anders geht „Gewinn“ nicht. Irgendwer muss umsonst arbeiten, damit irgendwo Gewinn angehäuft werden kann – je mehr umsonst arbeiten (also: auch SIE!) umso mehr bleibt oben über. Gut – ganz umsonst geht nicht, aber man kann ja auch durch „Niedriglohnsektor“ einen Umsonst-Anteil auf die Masse umlegen, das merkt dann der Einzelne nicht so sehr.

Beleuchten wir mal dieses neue Projekt für ein neues deutsches Jahrhundert (siehe Spiegel):

„Die Pläne der Bundesregierung, das Autobahnnetz zu privatisieren, werden konkreter. Verdienen sollen daran die Versicherungskonzerne. Bezahlen wird es am Ende womöglich der Autofahrer – per Maut.“

Ja – Sie lesen richtig. Der Schäuble will Ihre Autobahnen verkaufen – jedenfalls erstmal die Hälfte – und dann sollen Sie Maut abdrücken … neben allen anderen Kosten, die Sie noch so bezahlen – damit die Allianz ihre exorbitanten Vorstandsgehälter weiter bezahlen kann. Für viele Arbeitslose bedeutet das eine weitere Einschränkung der Mobilität. Und natürlich: mehr Arbeitslose, mehr Bullshitjobs.

Stellen Sie sich das mal in kleinerem Rahmen vor, nehmen wir ein Dorf in Bayern – und einen Bürgermeister, der alle Straßen des Dorfes an die Allianz verkauft. Geht gar nicht, ich weiß. Die Autobahnen können ja auch nicht ohne Grundgesetzänderung verkauft werden – aber dann ändern wir eben die Gesetze: was soll´s! Armhochheber gibt es im Parlament genug, mit denen kann man das komplette Grundgesetz neu gestalten, bis es keiner mehr wieder erkennt. Dass es mal aus guten Gründen gründlich durchdacht und deshalb fein ausformuliert wurde: wen interessiert das schon. Es gibt eine neue Betreibergesellschaft – und in der neue Pöstchen für den Sohn, den Schwager, drei eifrige Lieblingsabgeordnete … und möglicherweise sogar einen für den „Hände-Hoch-Koordinator im Bundestag“, der die Grundgesetzänderung durchs Parlament „peitscht“. Ja – hört man doch oft, dass was durchs Parlament gepeitscht wird … als wäre dieser Kern der Demokratie ein Sklavenhalterhof. Wo gepeitscht wird, ist auch keine Demokratie mehr da – dort wird nämlich ruhig und sachlich debattiert – oder eifrig gestritten … und zwar so, dass  man gerne zuschaut. Ja: und unser fiktives Bayerndorf? Da müssen die Bürger auf einmal für die Benutzung jener Wege bezahlen, die sie seit 1000 Jahren angelegt, gepflegt, ausgebaut und benutzt haben: wird jetzt klar, wie vollkommen absurd das ist? Und wie man „Gewinne“ durch nackten Raub machen kann?

Hat es uns übrigens was gebracht – diese Privatisierung? Also – dem Land? Der Republik? Wir sollten doch einen Riesenreibach machen, in dem wir so einen Megakonzern schaffen! Nun – seit der Privatisierung hat sich die Staatsverschuldung verdoppelt (siehe Statista). Die Post ist trotzdem weg. Da verhält sich die Regierung wie jemand, der seine Wohnungseinrichtung verkauft, um die Miete zahlen zu können. Man kann sich vorstellen, wo das endet. Mit acht Milliarden subventionieren wir noch die Post jedes Jahr … für 5 Millionen Arbeitslose geben wir 22 Milliarden aus – um mal die Verhältnisse richtig zu stellen.

Gut: Sie werden sich jetzt wahrscheinlich entspannt zurücklehnen, weil ja die SPD gegen die Privatisierung der Autobahnen ist (siehe Zeit). Sie sollten nicht vergessen: nächstes Jahr ist Wahljahr. So ein Protest heißt unterm Strich nur eins: wir wollen auch was von den Pöstchen ab haben, die dort neu geschaffen werden, auch wir haben brave Parteisoldaten, die ihre Wähler verraten haben und ständig fein das Händchen heben, sich der Fraktonsdisziplin unterwerfern und damit ihren Job als freie Abgeordnete verraten und für diesen Verrat einen Ausgleich wollen.

Unglaublich? Sowas macht die SPD nicht?

Raten Sie mal, wer zuerst auf die tolle Idee von der Privatisierung kam: der Sigmar Gabriel (siehe Taz):

Sigmar Gabriel ist nicht für seinen Großmut bekannt. Ungewohnt klang daher die Offerte des Wirtschaftsministers und SPD-Vorsitzenden, als er sagte, er wolle den „Lebensversicherungskonzernen attraktive Angebote machen, sich an der Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur zu beteiligen“. Nur zwei Wochen später – Ende August 2014 – stellte er eine Expertenkommission zur „Stärkung von Investitionen“ vor, in der nun auch die Vorstände der Ergo-Versicherung und der Allianz SE sitzen.

Und im November 2016 führt der Schäuble dass dann durch – unter Protest von Sigmar Gabriel.

So läuft „Deutschland“.

Dafür arbeiten 15 Millionen Menschen am Abgrund von Hartz IV, schaffen es gerade, diesem Moloch der Vernichtung von Qualifikation, Lebensqualität, Würde und Selbstbewusstsein zu entgehen, immer im Bewusstsein, dass es einen jederzeit erwischen kann, wenn eine „Heuschrecke“ mal wieder Arbeitsplätze abbaut und die Arbeit auf die Verbliebenen verteilt. Ja – wann geht es endlich in Ihren Schädel hinein: „Gewinne“ gehen nur, wenn da jemand für umsonst arbeitet. Geld allein „erarbeitet“ nämlich gar nichts.

Natürlich investieren wir erstmal 260 Milliarden Euro in Ausbau und Erhalt der Autobahnen (siehe Spiegel), damit der Gewinn der Konzerne sicher bleibt: die wollen ja kein Risiko eingehen … obwohl sie gerade mit diesen „Risiken“ ihre exorbitant hohen Gehälter rechtfertigen: Wahnsinn pur, aber Sie schlucken das ja als „alternativlos“ und unvermeidlich.

Widerstand gegen dieses System der Räuber und Abkassierer? Schon längst undenkbar. Darüber informieren – frecherweise, muss man schon sagen – die „Systemmedien“ ganz offen (siehe FAZ):

„Hinter alledem steht ein politisches System von opaker Geschlossenheit, zusammengehalten durch eine Unzahl von Sprech-, Denk- und Frageverboten, verteidigt von „allen demokratischen Kräften“ und zu sich selbst gekommen in einem zehnjährigen Reifungsprozess als „System Merkel“. Sein Herzstück bildet die Herrschaftstechnik der „asymmetrischen Demobilisierung“ und die Transformation des Amtes des Bundeskanzlers in eine Art persönlicher Präsidentschaft. Während asymmetrische Demobilisierung die Wähler anderer Parteien durch Vermeidung einer öffentlichen Auseinandersetzung mit deren Zielen vom Wählen abhalten soll, stützt sich personalisierte Herrschaft auf die Darstellung postideologischer politischer Wendemanöver als persönlicher Bekehrungserlebnisse, die die Bürger unter Anleitung der regierungsamtlichen PR-Maschinerie und mit Hilfe der mehr oder weniger regierungsamtlichen Medien mitfühlend verfolgen und diskutieren dürfen.“

Klingt kompliziert, läßt sich aber einfach beschreiben: wie in Nordkorea, China und der DDR werden Sie zum Mitjubeln erzogen, dürfen sich über ihre eigene Entmündigung und Ausplünderung freuen und sie als alternativlos Leistung selbstloser Leistungsträger erkennen, deren Leistung in Frage zu stellen im Rahmen der aktuellen Sprech- Denk- und Frageverbote schlichtweg untersagt ist.

Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum viele Trump für alternativlos halten.

Wird gegen das System Merkel demonstriert, so bekennen sich deutsche Leitmedienschreiber gerne dazu, Volksverräter zu sein (siehe Spiegel), ganz offen bekennt man sich dazu, dass „Volk“ – also die Gemeinschaft aller Bürger in einem demokratischen Rechtsstaat – ein „Unbegriff“ ist: wer gegen alternativlose Politik protestiert, wird öffentlich mit ehrabscheindenden Unterstellungen überzogen und zum Glatzennazi ernannt – die internationale Gemeinschaft der Absahner hingegen wird nicht weiter hinterfragt.

Um ganz sicher zu gehen, bekommt die Polizei aber schon mal Panzer mit MG-Lafetten (siehe Mopo) – als würden Terroristen in Horden gleich der Roten Armee den Reichstag stürmen wollen. MG´s sind außerordentlich unpräzise – aber sehr effektiv im Einsatz gegen Menschenmassen. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. Im großen Namen des „alternativlosen Kampfes gegen den Terror“ wird jetzt auch zunehmend die Bundeswehr bewaffnet im Inneren eingesetzt – ungeachtet der Tatsache, dass sie dafür gar nicht hinreichend ausgebildet ist (siehe Zeit):

„Die Gewerkschaft der Polizei dagegen kritisierte die geplante Antiterror-Übung. Der GdP-Vorsitzende Oliver Malchow wandte sich am Mittwoch im SWR gegen den Versuch, rein polizeiliche Aufgaben in militärische Hand zu geben. Für das, was bei der Übung Bundeswehrfeldjägern zugedacht sei, hätten ausschließlich Polizistinnen und Polizisten die notwendige „hochqualifizierte“ Ausbildung.“

Was also bezweckt man mit diesen Übungen?

Nun – es ist auf jeden Fall eine Machtdemonstration der „Entscheider“ gegen das „Volk“ – wie im Falle des Einsatzes von Jagdbombern beim G-7-Gipfel in Heiligendamm (siehe hierzu: Zeit).

Und die Looser? Jene, die den Monstergehältern und der Rendite der „Anleger“ skrupellos geopfert werden? Leiden im Land mit privaten Goldreserven in Höhe von 330 Milliarden Euro (siehe Spiegel) an Erfrierungen wie einst deutsche Soldaten im Russlandkrieg (siehe Zeit):

„Dann kommt die Polizei. Die beiden Beamten sind zu meiner Erleichterung sehr freundlich zu dem Obdachlosen. Sie rufen sofort einen Krankenwagen. Der Mann jammert wieder laut und schreit: „Meine Füße brennen, das tut so weh.“ Einer der Polizisten sagt: „Er hat sich die Füße erfroren.“ Ich bin erschrocken.

Dann verabschiede ich mich von ihm: „Jetzt kommen Sie ins Warme. Lassen Sie sich gesund pflegen. Ich wünsche Ihnen alles Gute.“ Der Polizist flüstert mir zu: „Das wird eher nichts mit dem Gesundpflegen, in Deutschland ist das nicht mehr so einfach.““

Erklärt uns, warum wir langsam die schlecht ausgebildeten Soldaten im Inland brauchen.

Und der Mann hatte noch Glück – andere werden von ihren verrohten Mitmenschen einfach angezündet (siehe Focus), der Scheiterhaufen für Arme wird in privater Selbstjustiz wieder eingeführt: auch in Alsdorf (siehe n-tv), Celle (siehe az) oder Essen (siehe Der Westen).

Wir wissen also, was uns erwartet, wenn wir die laufenden Raubzüge nicht aufhalten. Und halten wir sie auf … kommen dann Jagdbomber und Panzer  mit Maschinengewehren zur Beutesicherung der Raubzüge?

Ich fürchte das schlimmste.

(Bild: Autor, Kuhplastik in Konzen, Grundschule, NRW).

 

Jobcenter verlangt Informationen über Sexleben

„Eigentlich rechnet man bei der täglichen Anwaltsarbeit im Bereich Sozialrecht nicht unbedingt mit skandalträchtigen Storys. Was einer Mandantin von uns jetzt widerfahren ist, kann getrost als Skandal bezeichnet werden. Die Überschreitung der eigenen Kompetenzen wäre eigentlich schon Grund genug für einen handfesten Eklat, in diesem Fall wird es allerdings noch besser: Das Jobcenter forderte unsere Mandantin auf, detailliert über ihr Sexleben zu informieren. Aber lest selbst…
Wir haben in unserer Praxis schon einiges gesehen. Häufig verlangt das Jobcenter von unseren Mandanten Auskünfte, die wohl nicht notwendig sind um die Höhe der Leistungen zu bestimmen. Aber ein aktueller Fall macht uns sprachlos…..“

Aktion T4 – Aktion Hartz IV – die Wiederkehr der sozialen Pest

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Sonntag, 9.10.2016. Eifel. Wir müssen noch mal über Faschismus reden. Ich denke: sogar dringend. Obwohl es nichts helfen wird: folge ich dem Kabaretisten Volker Pispers in seinen Ausführungen, finden 70 Prozent Angela Merkel toll – ein entsprechend großes Zahl dürfte das aktuelle System also toll finden, dem entsprechend werden wir nur 30 Prozent haben, die überhaupt für Alternativen zu begeistern wären.

Über Faschismus reden ist langweilig. Die meisten von uns kennen die tradierte Geschichte zur Genüge. Vielen Deutschen ist es extrem peinlich, über diese Zeit zu reden – immerhin hat fast jede Familie irgendwo einen Täter stecken … wenn man genauer hinschaut. Es ist wohl auch ein Grund, weshalb viele „Deutsche“ so unbedingt „gut“ sein wollen, nicht nur „gut“, sondern „besser“, um der ganzen Welt zu demonstrieren, dass es jetzt „andere Deutsche“ gibt, „bessere“, edle, reine und hilfreiche Deutsche … ohne zu merken, dass mit der Aufteilung der Menschheit in „gut“ und „böse“ der erste Schritt zur Wiederkehr der sozialen Pest gemacht wurde: jedes klar definierte „gut“ verlangt geradezu die Bösen, jene unwerten, schlechten, niederträchtigen Menschen, die einfach an und für sich in ihrem tiefsten Lebenskern völlig falsch sind.

Vizekanzler Gabriel hatte dies mal in einem Interview erwähnt: es gäbe – so zitiere ich aus dem Gedächtnis – Deutsche, die eher „Pack“ sind, „Mob“, Deutsche, die weniger nach Deutschland passen als die Flüchtlinge, die nun zu uns kommen auf der Flucht vor den Bomben der Herren der Welt. Fragen Sie sich auch manchmal, was denn so ein guter Mensch in seinem tiefsten inneren Lebenskern für Maßnahmen gegen jenes Pack ersinnt, das als Deutsche überhaupt nicht nach Deutschland passt? Irgendwie werden wir dieses Problem doch lösen müssen? Was ist das Fernziel dieser Aussage? Alle deportieren, die der Regierung unbequem sind?

Nun – ich möchte auch über die Wiederkehr der sozialen Pest reden, ein Begriff, den ich aus der Philosophie des Wilhelm Reich entlehnt habt – er macht die „emotionale Pest“ für die Horrorjahre zwischen 1933 und 1945 für die Ausfallerscheinungen der modernen, demokratischen Zivilkultur verantwortlich. Ich möchte hier nur von einer sozialen – oder besser: asozialen – Pest reden – ein Ansatz, der sich etwas von der bisherigen Geschichtserzählung unterscheidet. „In“ ist, die Geschichte wie folgt zu erzählen: es kam ein böser Mann aus Österreich, der ein finsterer Zauberer des Wortes war und so ein ganzes Volk verführte, es zu unglaublichen Gräueln gegen ihre jüdischen Mitmenschen anstachelte und es letztlich in den Abgrund des Weltkrieges führte. Eine schöne, bequeme Geschichte: wer kann schon für seine Entscheidungen und Taten verantwortlich gemacht werden, wenn er einer völlig dunklen Macht gegenübersteht, die seinen ganzen Willen lähmt? Normalerweise akzeptieren wir solche Mythen nur in modernen Märchen wie der „Star-Wars“-Saga, wo ein einziger dunkler Sithlord mit ihm völlig unterworfenen Mitstreitern die gesamte Republik in eine Diktatur verwandelt, für die Massenmord Volkssport wird.

Sicher – es gibt viele Vorbehalte, diese Version der Geschichte anzuzweifeln. Die Gräuel könnten verharmlost werden, Hitlers Anhänger könnten wieder auferstehen – „Lord Voldemort“ wird wieder lebendig. Es könnte zu unglaublichen Verzerrungen der Wirklichkeit führen – bis hin zur aberwitzigen Leugnung des Holocaust durch einige Sofahistoriker in der Mietskaserne, die sich nie die Mühe gemacht haben, die überwältigenden Berge von Dokumente zu studieren, die im Umfeld des Holocaust zu dessen Durchführung produziert wurden. Es ist zwar richtig, dass Geschichte immer von Siegern geschrieben wird, es ist auch richtig, dass Geschichte manipulierbar ist und von der Perspektive des Betrachters abhängig ist – trotzdem bleiben Fakten über: der Untergang der Bismark, die Schlacht um Stalingrad, die Bombadierung von Coventry und der Holocaust. Können wir uns auf solche Wahrheiten nicht einigen, können wir reden und denken einstellen und das Projekt „demokratische Zivilgesellschaft“ einstellen und uns auf eine Welt freuen, in der der Mond Dienstags eine Scheibe ist und Sonntags aus grünem Käse.

Ich möchte auch mal wieder über Hartz IV reden. Noch ein langweiliges Thema, das die Mehrheit der Deutschen gar nicht mehr hören kann, weshalb man leichtfertig und bequem den Regierungsparolen glaubt: da lungern faule, degenerierte, unbeschul- und unbelehrbare Untermenschen im Bodensatz der Gesellschaft herum, die man mit aller Härte zur Arbeit zwingen muss. Warum man die zwingen muss, warum man nicht andere Möglichkeiten der Motivation wählt, von denen die Wirtschaft viele kennt? Nun – es sind degenerierte Untermenschen, halbe Tiere: da hilft nur der Zwang. Oder irre ich da?

Und die Regierung hat auch Recht! Das wird Sie jetzt verblüffen – aber Menschen, denen man per Gesetz ihre Würde nimmt, verlieren in der Tat einen Teil ihrer Menschlichkeit – die Hartz-Mühle produziert ein enormes Maß an geistigen Krankheiten, an Demotivation, an zerstörtem Selbstwertgefühl und vernichteter Achtung durch die Gesellschaft … lesen Sie einfach mal ein paar einschlägige Fachzeitschriften der deutschen Hochkultur , „Bild“ – zum Beispiel, oder gewisse „Aufklärungsschriften“ aus dem Ministerium für Wirtschaft. Ja – so etwas wurde 2005 in deutschen Ministerien formuliert (siehe Kopie der Broschüre bei Harald Thomé):

Biologen verwenden für „Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten– leben“, übereinstimmend die Bezeichnung„Parasiten“.

Die soziale Pest – jener Gemütszustand, der die Vernichtung des Lebens und der Lebendigkeit seines Mitmenschen billigend in Kauf nimmt – steht nicht vor der Tür: sie hat schon längst wieder Fuß gefasst in der Mitte unserer Gesellschaft. Studien dazu gibt es genug – doch sie kommen zu spät, „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ schreitet unaufhaltsam voran – nicht nur in Bezug auf Arbeitslose.

Bleiben wir aber erstmal bei denen. Wissen Sie, was ein Arbeitsvermittler über den Zweck seiner Arbeit äußerte? Er brachte den Sinn und Zweck der ganzen „Reform“ auf einen Punkt (siehe Süddeutsche):

„Wir statten Arbeitgeber mit billigem Menschenmaterial aus“, kommentiert Meisner das, was seine Behörde tut. Als Beispiel nennt er das Weihnachtsgeschäft. „Da ruft ein großes Versandunternehmen aus dem Norden Berlins an: Hey, wir brauchen Leute. Dann trommelt die Agentur in Infoveranstaltungen Leute zusammen, schiebt sie in diese Jobs – obwohl völlig klar ist, dass sie nach dem Weihnachtsgeschäft wieder arbeitslos sein werden.“

Aus dem demokratischen Bürger ist „Menschenmaterial“ geworden. Billiges Menschenmaterial, das systematisch produziert wird. Lesen Sie mal den Aufsatz einer Akademikerin mit Doktortitel über ihre „exzellente Dequalifizierung“ (siehe Blätter), einer Dequalifizierung, mit der der Staat einen weiteren Nutzen einfährt:

„Mit ihnen entledigt sich der demokratische Staat auch eines guten Teils seiner eigenen gesellschaftspolitischen Reflexion und der kritischen Distanz zu sich selbst. Und dies gerade in Zeiten, da die Grenzen des neoliberal-enthemmten Umverteilens von unten nach oben nicht nur von Wissenschaftlerinnen (außerhalb Deutschlands, etwa von Thomas Piketty) eindrücklich nachgewiesen, sondern sogar vom Internationalen Währungsfonds wiederholt eingestanden worden sind,“

Die kritische Intelligenz wird auf dem Weihnachtsmarkt verheizt. Nun: „Deutschland geht es gut“ – so die Parole – was brauchen wir da noch Kritiker? Besser als gut geht nicht. Hartz IV ist auch erblich – selbst wenn man einen Studienabschluss mit der Note 1,6 erzielt (siehe Süddeutsche) entkommt man dem Prekariat nicht … und wird nach einem Jahr wieder zur Hilfsarbeiterin herabgestuft, für die es natürlich keine Arbeit mehr gibt, die Maschinen nicht besser und billiger machen können. Deutschland geht es gut – Millionen von Kindern können nicht in den Urlaub fahren (siehe NTV), die Zahl der armen Kinder steigt beständig (siehe Spiegel) – ebenso die Zahl der vom Jugendamt „in Obhut“ genommenen Kinder (siehe Spiegel), worunter wohl bald auch mehr Kinder von „sanktionierten“ Eltern fallen – wer eine Sanktion von mehr als 30 Prozent erdulden muss, wird dem Jugendamt gemeldet: Kindeswohl ist in Gefahr (siehe Kindesentzug 24). Dass die größte Gefahr für Kinder von der „Inobhutnahme“ selbst ausgeht (wie auch von jeder anderen frühen Fremdbetreuung: siehe Welt) wird billigend in Kauf genommen … trotz der drohenden „innerseelischen Katastrophen„.

2008 gab es ein Gutachten im Finanzministerium (siehe Bundesfinanzministerium), das sich mit der Problematik befasste, dass die Superreform einfach keine Ergebnisse  zeitigte. Die Lösungsvorschläge sind gruselig und reichen bis zur Versteigerung der Arbeitslosen an die Privatwirtschaft: das sozial völlig enthemmte Denken findet in den Bereichen jener Leute, die nur auf Kosten anderer Leben (Beamte und Professoren) keinerlei Grenzen mehr – man mag gar nicht wissen wollen, was da derzeit noch in den Schubladen schlummert.

Geht es uns eigentlich so schlecht, dass wir zu solchen Maßnahmen gezwungen sind? Lauschen wir mal der Presse (siehe Spiegel):

„In den sieben Jahren seit der großen Finanzkrise ist das private Geldvermögen weltweit um 61 Prozent gestiegen – beinahe doppelt so schnell wie die Wirtschaftsleistung.“

Die Welt stinkt vor Geld. Deutschland erst recht: aber es profitieren nicht die, die die Arbeit machen, sondern jene, denen der Staat per Staatsgewalt mit Zwang billigstes, degradiertes, entmenschtes Menschenmaterial zur Verfügung stellt. Hört sich schaurig an, wenn man das so formuliert, oder? Keine Sorge: es wird noch schlimmer.

Zu einem demokratischen Rechtsstaat gehört unbedingt auch die Gewaltenteilung zwischen dem Gesetzgeber, der durchführenden Polizeigewalt und dem Richteramt, das unabhängig die Maßnahmen auf Legalität überprüft. Funktioniert noch nicht immer überall perfekt, aber wir arbeiten dran.

Anderes Recht gilt für die Parasiten und Schmarotzer. Die „Junge Welt“ berichtet über neue Maßnahmen gegen die Verbrecherkaste der Arbeitslosen – und enthüllt interessante Aspekte (siehe Junge Welt):

„Die BA stellt in ihrer Dienstanweisung klar: »Die in einem OWi-Fall ermittelnden Sachbearbeiter besitzen weitgehend dieselben Rechte und Pflichten wie die Staatsanwaltschaft bei der Verfolgung von Straftaten.« Sie sollen sich an deren Vorschriften, etwa der Strafprozessordnung, orientieren. Ausgenommen seien »lediglich schwere Eingriffe, wie freiheitsentziehende Maßnahmen«. Selbst wenn am Ende das Bußgeldverfahren eingestellt wird, so geht weiter aus der Weisung hervor, habe der Betroffene, obwohl »rehabilitiert«, seine Auslagen, etwa für einen Rechtsanwalt, selbst zu tragen. Nur auf Antrag könne das Jobcenter nach eigenem Gutdünken entscheiden, ob die Staatskasse doch dafür aufkommen könnte.“

Wir werden eines Tages uns selbst verfluchen, dass wir des Emporkommen solch einer Monsterbehörde nicht umgehend verhindert haben – denn hinter der Philosophie von Hartz IV steckt noch viel mehr als die Anmaßung von Staatsgewalt durch schlecht ausgebildetes Personal aus ehemaligen Bahn-, Post- und Friedhofsbeamten.  Es ist eine einzige Behörde, die nach Gutdünken „Sanktionen“ verhängt – jene Sanktionen, die auch die Mehrheit der oben zitierten Gutachter des Bundesfinanzministeriums für unverzichtbar hält. Jene Sanktionen, die das Lebensminimun an Geld jederzeit ohne Gerichtsurteil auf Null fahren können – ein Umstand, den kein Massenmörder, Vergewaltiger oder Kinderschänder im Knast zu befürchten bräuchte. Die Behörde bestimmt die „Gesetze“ allein (also: den Sanktionsgrund), beurteilt ihre Legitimität allein und führt ihn auch allein durch: ein Staat im Staate. In einer demokratischen Zivilgesellschaft gehörte eine solche Behörde umgehend aufgelöst, weil sie sich von dem Boden der demokratischen Grundordnung entfernt – da sie aber Millionen Menschen Gewinne beschert, schert sich keiner darum. Jedenfalls keiner von denen, die Entscheidungsgewalt haben und an den so produzierten Reichtümern Gewinn machen … und das sind bis zu 70 Prozent der Bevölkerung.

Die soziale Pest schreitet immer weiter fort, wird Jahr für Jahr schlimmer: die Verlierer der Globalisierung werden Opfer der Verfolgung, als hätten sie selbst es zu verantworten, dass Arbeitsplatzabbau zum probaten Mittel zwecks Steigerung der Aktiengewinne geworden ist. Darf ich jetzt mal ein Zitat bringen?

„In den vielen Pflegeanstalten des Reiches sind unendlich viele unheilbare Kranke jeder Art untergebracht, die der Menschheit überhaupt nichts nützen vielmehr nur zur Last fallen, unendliche Kosten für die Verpflegung verursachen, und dabei ist keinerlei Aussicht vorhanden, daß diese Menschen je wieder gesund und nützliche Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft werden können. Sie vegetieren dahin, wie die Tiere, sind asoziale, lebensunwerte Menschen, dabei sonst in den inneren Organen gesund und können noch viele Jahrzehnte leben. Sie nehmen nur anderen Menschen die Nahrung weg und bedürfen oft der zwei- und dreifachen Pflege. Vor diesen Menschen müssen die übrigen geschützt werden.“

Dieser Text, der ganz und gar den Geist moderner Broschüren aus dem Wirtschaftsministerium atmet, stammt aus dem Jahre 1940 – und beschreibt den Vorlauf zur Aktion T 4: der Vernichtung der Geisteskranken in den deutschen Pflegeheimen (aus: Götz Aly/Susanne Heim, Die Vordenker der Vernichtung, Hoffman und Campe, 4. Auflage 2004, Seite 268). Die Autoren sehen diese Aktion sogar als Test an, als Vorbereitung zur Massenvernichtung des Holocaust: ein Test, unter welchen Bedinungen das Volk solche „Maßnahmen“ aktzeptiert. Und die Vernichtung fing ganz langsam an:

„Als dann in den letzten Jahren vor 1939 der Ausbruch des Krieges in immer greifbarere Nähe rückte wurde uns bekannt, daß im Reichsinnenminiserium erwogen würde, im Kriegsfall die Insassen der Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke, Epileptische und Schwachsinnige auf eine stark verkürzte Lebensmittelration zu setzen“ … was bedeutet, „sie einem langsamen, aber sicheren Hungertode auszusetzen“

Erst in Folge dieser Erwägungen wurde dann „vorsichtig vorgefühlt, wie die Innere Mission sich dazu stellte, wenn der Staat die Vernichtung bestimmter Kategorien von Kranken im Krieg … in Erwägung zöge“. (Aly, Heim, a.a.O., Seite 271).

Aly fasst die Quintessenz der Aktion T 4 wie folgt zusammen:

„Im Mittelpunkt des ersten, systematischen NS-Massenmordes stand die Definition der ökonomischen „Nützlichkeit“ eines Menschen.“ (Aly, a.a.O., Seite 268)

Der Kern des Holocaustes: die Reduktion des Wertes eines Menschen auf seine betriebswirtschaftliche Ausbeutbarkeit. Oder: die Verdrängung christlicher Urwerte durch die Betriebswirtschaft. Nicht mehr der Mensch steht im Mittelpunkt staatlichen Handelns, sondern der effektive Betrieb. Das Ziel?

„Daß der soziale Status Quo für die breite Mehrheit erhalten oder sogar verbessert werden sollte, indem eine als unbrauchbar definierte Minderheit ermordet oder wenigstens vertrieben wurde“. (Aly, a.a.O., Seite 270). 

Damit es 70 Prozent besser geht, müssen 30 Prozent weg. Alte faschistische Lebensweisheit. 70 Prozent fanden die damals gut – und heute wohl auch. Diese Facette des Faschimus wird eher am Rande der Geschichtsschreibung erwähnt, wir mögen lieber die düstere Geschichte vom übermächtigen Lord Voldemort.

Wie liest sich das im Detail?

Nun – ein späterer Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums „verfaßt 1942 einen statistischen Bericht über die erste Phase dieser Morde unter dem Titel „Was ist bisher in den einzelnen Anstalten geleistet, bzw. desinfiziert worden“- „Desinfizieren bedeutet die Ermordung durch Gas.“ Großzügig berechnet er die Einsparungen bis ins Jahr 1951 – durch „Tötung der nicht arbeitsfähigen Kranken (der Statistiker bezeichnet das als „Leistung“) kommen die Einsparungen „an toten Kosten“ bezüglich Essen, Wohnungen, Kleidungen „auf mehr als 880 Millionen Reichsmark“ (Aly, a.a.O., Seite 269″).

Erstaunlich, wer alles der Entnazifizierung entkommen konnte. Außer den „Stars“ der Bewegung wohl fast alle.

Wird Ihnen jetzt unheimlich?

Nun – wahrscheinlich nicht, wenn Sie zu den gesegneten 70 Prozent gehören, die vom System mit einem unkündbaren Arbeitsvertrag verpflichet wurden – oder wenigstens noch einen Vollzeitarbeitsplatz mit lebensfähigem Gehalt haben. Sie gehören ja zu den Gewinnern. Den „Guten“ – wie auch der Autor dieser Zeilen hier.

Die anderen jedoch müssen sich die Frage stellen: wann greift die soziale Pest wieder soweit um sich, dass wieder „desinfiziert“ wird?

Wann das sein wird?

Nun – die Vorarbeiten zur Aktion T 4 stammen aus den zwanziger Jahren.

„Im Sommer 1939 schrieb der Leibarzt Hitlers, Theo Morell, für seinen mächtigen Patienten ein kleines Gutachten. Er bezog sich auf eine Umfrage, die in den frühen 20er Jahren unter den Eltern schwerbehinderter Kinder in Sachsen durchgeführt wurde. Die Eltern hatten die „rein theoretisch“ gestellte Frage, ob sie „in eine schmerzlose Abkürzung des Lebens ihres Kindes einwilligen“ würden, weit überwiegend mit „ja“ beantwortet“. (Aly/Heim a.a.O., Seite 273)

Ab 1933 kam dann eine politische Bewegung, die dieses kleine „ja“ in die Tat umsetzte.

Was ist also Faschismus?

Die Bewertung des Menschen nach seiner rein ökonomischen Nützlichkeit … mit allen Folgen. Faschismus – ist Betriebswirtschaft ohne Menschlichkeit. Etwas, das ich gerne als „soziale Pest“ bezeichnen möchte.

Kommt Ihnen das bekannt vor – aus den Entlassungswellen der letzten Jahrzehnte?

Wo stehen wir da jetzt gerade? Wann werden wir die Entsorgung unnützen Menschenmaterials intensivieren?

Das möchte ich nun Ihrer eigenen Einschätzung überlassen. Ich möchte dem Souverän dieses Landes nicht in seine Meinungsbildung hineinreden…

 

Der Kampf der feinen Gesellschaft gegen das arme Opfer oder: ein hohes Lob des Jammerns

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Montag, 19.9.2016. Eifel. Haben ja viele meinen Abschiedsbrief nicht zu Ende gelesen und deshalb so reagiert, als sei ich gestorben. Nun, der Brief war für heute gedacht, aber der Blitzkrieg gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung läuft halt blitzschnell – uns läuft die Zeit davon. Vielleicht hätten manche erwartet, dass heute etwas über Berlin kommt, die tolle Wahl – und ich bin versucht, etwas darüber zu schreiben, andererseits … werden bei Wahlen nur die Kellner aufgestellt, die uns die ultrarechte Wirtschaftspolitik servieren darf, wir dürfen also wählen, ob wir den miesen Brei gerne mit einem freundlichen oder einem passenden Gesicht serviert bekommen möchten, eigentlich ein Thema, das keiner weiteren Erläuterung bedarf.

Darum möchte ich mich heute einem wichtigeren Thema zuwenden: der zunehmenden massiven Verrohung breiter bürgerlicher Schichten, die bei ihrer Verachtung gegenüber Armen streng antichristliche Züge annimmt – aber natürlich … wie alle Verbrecher … im Namen Gottes handeln. Bevor wir uns aber diesem schleichenden Gift nähern, sollten wir zuerst mal einen Blick auf die Welt richten. Ja, auf die ganze Welt. Das hat zuletzt Arthur Schopenhauer getan, der alle Wissenschaften in sein Weltbild einbeziehen wollte, was seitdem kein Philosoph mehr versucht hat. Kaum zu glauben, aber wahr: während wir einerseits große Erklärbärwissenschaften haben, die via TV alles und jedes bis ins Detail beschreiben, hat die Philosophie aufgegeben, dies zu tun: die Welt ist einfach zu komplex geworden (was Sie vielleicht schon mal gehört haben). Wie kann das sein? Nun: die Verblödungswissenschaften (ich nenne sie mal so, weil es das ist, was sie tun) verkaufen einfach ihre Theorien als Wahrheit. So einfach ist das. Der Philosoph weiß: es sind nur Theorien. Nur … Schatten an der Wand.

Nun – was ist die Welt? Wie stehen wir in ihr?

Ich habe da letztens eine interessante Passage in einem Werk von Wilhelm Reich gefunden – eine Passage, die sich heute niemand mehr trauen würde zu formulieren, weil sie einfach nicht „positiv“ ist. Lauschen wir einfach mal – sie ist sicher nicht positiv, aber stattdessen ja vielleicht endlich mal realistisch. Reich zitiert dort seinen Lehrer Sigmund Freud, der ein Weltbild hat, das für Milliarden Menschen auch 80 Jahre später – allem Fortschritt  an Produktivität zum Trotz – immer noch Alltag ist:

„Glück wäre eine Illusion, meinte er, denn von drei Seiten drohte das Leiden unweigerlich. „Vom eigenen Körper her, der zu Verfall und Auflösung bestimmt ist“; „Von der Außenwelt, die mit übermächtigen, unerbittlichen, zerstörenden Kräften gegen uns wüten kann“ und dem dritten großen Leidkomplex „Das Leiden, dass aus den Beziehungen zu anderen Menschen stammt, wäre, meinte Freud, schmerzlicher als jedes andere“ (aus: Wilhelm Reich, Die Entdeckung des Orgons, Die Funktion des Orgasmus, Kiepenheuer und Witsch, 10. Auflage 2014, Seite 163).

Nun – Reich ist natürlich anderer Meinung, verwischt jedoch das Leid der Außenwelt mit dem Leid, das durch Menschen verursacht wird – ein zentraler Fehler, wie wir noch sehen werden.

Gehen wir diese Punkte doch mal durch. Als Mensch mit 56 Lebensjahren kann ich sagen: ja, die Theorie vom Verfall des Körpers ist beobachtbar, das erfuhr ich am eigenen Leib. Ab vierzig geht es nur noch bergab, erklärte mir ein damals Vierzigjähriger – mit 44 konnte ich darüber nur die Nase rümpfen, fühlte ich mich doch kerngesund. Mit 45 war es dann vorbei: mit einem großen Knall gab die Lendenwirbelsäule nach, was zu einem Beckenschiefstand führte, der wiederum eine Arthrose im Knie nach sich zog: Jahr für Jahr wird die Beweglichkeit geringer. Auch wenn Freuds Ansicht allen Botschaften der vernunftlosen Konsum- und Freizeitindustrie widerspricht, jener Industrie, die heute die Philosophie nahtlos ersetzt hat, so kann ihre Wahrheit jeder am eigenen Leib erfahren.

Und die Außenwelt? Hier brauchen wir uns gar nicht weit von unserer eigenen Haustür entfernen: dieses Jahr haben viele Bundesbürger erlebt, was kleine Bäche, die hundert Jahre lang friedvoll schlummerten, anrichten können: ganze Heime wurden mitten im Frieden vernichtet. Die Zahl der klimabedingten Katastrophen nehmen weltweit zu, 45 000 Menschen fallen ihnen pro Jahr zum Opfer (siehe Deutschlandfunk), auch für uns in Europa ist die Zeit vorbei, wo wir in „gemäßigten“ Breiten lebten. Nach wie vor kann die Welt jederzeit brutal zuschlagen – sei es durch Meteoriten, durch Ernteausfälle oder durch Erdbeben und Vulkanausbrüche … mit denen wir hier in der Eifel wieder rechnen müssen, haben wir doch noch aktive Vulkane in engster Nachbarschaft.

Und die Menschen? Jene Gattung, die es durch Gemeinsinn und Kooperation geschafft hat, Eiszeiten und Säbelzahntiger zu überstehen, ist zur größte Bedrohung der gesamten Menschheit geworden: nuklearer Holocaust, sozialer Holocaust, ökologischer Holocaust – wir brauchen schon längst keine Naturkatastrophen mehr, um Massensterben einzuleiten: das machen entartete Regierungen und wirtschaftliche Machtballungen inzwischen selbst. Auch im Kleinen haben wir einen Siegeszug der Asozialität zu verzeichnen, der gerade jene Grundfesten menschlicher Macht angreift, ohne die wir dieses Jahrtausend nicht lebend erreicht hätten: Kooperation, Gemeinsinn und Solidarität weichen zunehmend einer asozialen Philosophie, die nur eins im Sinn hat: die künstlich aber außerordentlich professionell vom Marketing erzeugten Luxusbedürfnisse auf Kosten aller Umweltelemente des egomanen Individuums zu befriedigen – auf Kosten seiner natürlichen Umwelt, seiner sozialen Umwelt und seiner humanen Umwelt.

Die letzte Bastion in dieser düsteren Welt: das arme Ich, das unter den Umständen leidet und sie in die Welt hinausposaunt, eine Fähigkeit, die wir im zarten Alter von einem Tag schon beherrschen. Was immer auch an Ungemach aus der Welt auf uns einstürzt: wir können dagegen anplärren und damit die Nerven der Mächtigen zerrütten – auch wenn wir sonst nichts tun können. Meine Kinder konnten das alle. Die letzte Hoffnung des Planeten – gerade in Bezug auf menschengemachtes Leid – ist die Klage, das Jammern, das Notgeschrei. Wie anders will man auch seine Umwelt erreichen, um sie zur Umkehr zu bewegen? Wir machen das seit tausenden von Jahren: fällt der Säbelzahntiger über uns her, beißt uns einen Arm ab, dann senden wir Notsignale in die Welt. Das machen sogar alle Tiere … und, wenn ich mich recht entsinne, auch Pflanzen.

Diese düstere Welt entspricht der Erfahrung von Tausenden von Generationen – und das stört die menschlichen Soziopathen in ihrem Siegeszug gegen die Menschheit enorm. Immerhin könnten die Notsignale mal wieder dazu führen, dass sich Solidarität breit macht, dass sich die Starken an ihre edelste Aufgabe erinnen: die Schwachen zu schützen … anstatt sie auszuplündern, wie es in unseren „modernen“ „aufgeklärten“ Zeiten zunehmend Alltag wird; ebenso könnten die Schwachen sich solidarisieren und merken, dass sie zusammen viel stärker als die Starken sind: das könnte zu Zuständen führen, in denen der hemmungslose Konsum von heute auf einmal völlig unwichtig wird – eine Katastrophe für jene, die ihn organisieren und so ein völlig leistungsloses Leben auf Kosten der Gemeinschaft führen.

Was ist also zu tun – im Sinne der Soziopathen?

Nun … streng im Sinne des Sozialdarwinismus muss man das Notgeschrei, die Sendung von Notsignalen unterbinden, es entwerten, es umdeuten – und dazu hat man eine Waffe entwickelt, die man … sicherheitshalber … im Reich der „Esoterik“ ansiedelte, um sich Gottes Hilfe zu sichern. Ihre Botschaft ist eine andere – und sie wird seit hundert Jahren mit großem Druck in die Menschheit gepreßt, versehen mit Gottes Segen, den sich auch die deutsche Wehrmacht auf die Fahnen schrieb.

Die Welt ist toll und heil, so ihre Aussage. Weitab von den Aussagen der großen Weltreligionen, die die Leidhaftigkeit der Welt noch gezielt beschrieben (das Christentum als „gefallene Welt“ jenseits des Paradieses, der Buddhismus mit seinem verführerischen „Schleier der Maya“, der heute via TV noch dichter gewebt wird als zuvor, oder Krishnas „Asuras“, die die Menschheit gern mit Leid plagen) oder der uralten „schamanischen“ Naturreligionen (die in einer Welt voller böser Geister leben, die auch ursächlich für Kriege und Aggressionen verantwortlich sind) behaupten sie, dass die Welt völlig perfekt ist, ja, geradezu paradisiesch – nur jene Menschen, die das nicht sehen können sind … ja, fehlerhaft, mangelhaft, blind …. kurz gesagt: unwert.

Ich habe da mal ein paar Aussagen gefunden, die das beispielhaft illustrieren sollen – Sie werden problemlos hunderte von „Trainern“, „Coaches“ und „Unternehmensberatern“ finden, die diese Botschaft in verschiedenster Form in das Bewusstsein der Menschheit pumpen. Hier jetzt mal einer der führenden Protagonisten jener inhumanen Denkungsart (siehe: SpiritualWiki):

„Tief eingeschliffenes Täter-Opfer (TO)-Denkmodell

Das TäterOpfer-Denkmodell ist so tief in die existierende Weltanschauung des Massenbewusstseins eingegraben, dass es als Perspektive nur selten in Frage gestellt wird. Eine einfache Netz-Recherche ergibt, dass sich in Suchmaschinen fast ausschließlich Quellen finden lassen, die das Täter-Opfer-Modell bestätigen, indem sie ihre Argumentation darauf stützen. Sein Realitätsbezug wird nur von wenigen abgesprochen.“

Das „Täter-Opfer-Modell“? Eine andere Formulierung für „Ursache und Wirkung“. Ein Beispiel? Gern. Beschließt die Bundesregierung, die Arbeitslosenversicherung zu enteignen und stattdessen ein repressives System a´la Hartz IV einzuführen, dann werden Millionen Menschen arm, beschließen die Konzernmedien dann, diese Menschen als „unwertes Leben“ anzugreifen, dann sind sie sozial richtig im Eimer, können nur noch daheim bleiben und nur noch das TV als letztes Fenster ins Leben nutzen. Es gibt einen klar definierten Täter (Bundesregierung und Konzernmedien) und klar definierbare Opfer (die Beitragszahler der Arbeitslosenversicherung).  Sie können gerne andere Beispiele nehmen: Auschwitz wäre so eins – oder die Vergewaltigung in Ihrem Vorgarten gestern Abend.

Ja – bleiben wir bei der Vergewaltigung – wo wir in der Rechtsprechung ja schon hanebüchene Urteile erleben durften … und peinlichste Prozesse. Was ist denn so schlimm daran, hier eindeutig Opfer und Täter auseinander zu definieren?

Das TO-Modell beruht auf dualistischem Spaltdenken und trifft nicht zu. Die TäterOpfer-Betrachtungsweise wirkt sich wie ein gesellschaftlicher Virus aus, da sie bewusstseinsmäßig lediglich auf BW 135 schwingt. Sie befindet sich zwischen den Notstandsgefühlen Angst und Wut.

BW 135? Nun – wir haben es hier mit den Äußerungen von D. R. Hawkins zu tun, einem New Yorker Psychiater, der am Ende seiner Karriere gottgleich wurde. Er hat einen Maßstab für Bewusstseinsebenen entwickelt, der von Null bis Tausend reicht. BW 135 ist nicht viel, sein eigenes Buch jedoch liegt in seiner eigenen Einschätzung bei BW 999, Christus, Buddha und Krishna liegen bei 1000. Beinahe … wäre er also ein neuer Sohn Gottes geworden. Auf jeden Fall ist seine Lehre geeignet, ein umfassendes Täterschutzprogramm zu etablieren (und es gibt noch gut hundert weitere moderne Lehren, die ins gleiche Horn stoßen).

Die vergewaltigte Frau – um bei diesem Beispiel zu bleiben – soll sich halt mal selbst fragen, wie sie in diese Situation gekommen ist. Sie soll bei sich schauen. Gut, wenn sie die Vergewaltigung überlebt hat – ich frage mich, wie Mordofper ihre Schuld an der Tat verarbeiten sollen. „Dualistisches Spaltdenken“? Nun – setze ich den Glaubenssatz in die Welt „die Welt ist perfekt“ – was Freud zur Raserei treiben würde – so ist natürlich jede Kritik an diesen Zuständen ein Sakrileg. Die Reichen freuen sich über eine solche Welt: immerhin legitimiert sie absolut ihren Reichtum. Die Armen jedoch – nun den muss man das Jammern abgewöhnen:

„Eine Opferhaltung einzunehmen, ist nicht integer. Sie entzieht dem Großen Ganzen Energie einschließlich dem „Opfer“ selbst.

Die an Tätern und (gewalttätigen) Tatkräftigen orientierte Kultur hat eine punitive Rechtsauffassung und -sprechung hervorgebracht.“

Merken Sie, wie langsam und schleichend das Opfer einfach zum Täter gemacht wird – und der Täter zum Opfer eines Jammerlappens? Das böse Opfer entzieht dem Großen Ganzen Energie … was für eine Sauerei! Zudem erfahren wir, dass Menschen, die „im Opfersein verhaftet“ sind, nicht mehr ändern kann. Fragen Sie sich auch gerade, was wir denn politisch und gesellschaftlich mit jenen machen sollen, die dem Großen Ganzen Energie entziehen und nicht änderbar sind? Ja: da sind sie wieder, die „Ballastexistenzen“ des Dritten Reiches, jener Form der Gesellschaftsgestaltung, die maximale Ausbeutbarkeit von Leibeigenen garantiert, die sich für freie Helden der Geschichte halten.

Wir erfahren auch was über die Werkzeuge der Opfer, die … auch alle nicht „integer“ sind:

„Beschämen
Beschuldigen
Ausreden / Rechtfertigen
Klagen / Jammern „

Beschämd die vergewaltigte Frau ihren Täter, so ist das von Übel. Beschuldigt sie ihn: übel. Übt sie sich in Ausreden und rechtfertigt sie sich, warum sie im Dunkeln im Minirock durch die Stadt geht: übel. Klagt sie über die Folgen, jammert sie über die Schmerzen: übel. Was bleibt ihr übrig? Still zu Hause zu leiden. Und sich bei dem Täter zu entschuldigen.

Nun – eine weitere Auseinandersetzung mit Hawkins würde zu weit führen … er dient ja auch nur als Illustration einer globalen Bewegung des Täterschutzes, die vermögende Kreise sehr erfreut, einer angeblich „hochgeisten“ und „gottnahen“ Bewegung, die sich durch ein außerordentlich niedriges Niveau an Mitleid und Empathie auszeichnet, einer bislang kaum dagewesen Degeneration jeglicher humanintären Ethik, die wieder direkt in die Gaskammer führt, weil Opfer einfach nichts anderes verdient haben und man ihnen sowieso nicht helfen kann.

Doch halt: ich höre da eine Gegenstimme. Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross scheint in das gleiche Horn zu stoßen (siehe „Erfüllte Leben – würdiges Sterben“, Sonderausgabe Gütersloh 2004). Auch ihr bietet sich die Welt nach ihrer Arbeit mit sterbenden Menschen eher als eine Art Schule an, in der die Seele kurz lehrreiche Erfahrungen sammeln kann – doch sie kommt zu ganz anderen Ergebnissen:

„Wenn Sie Ihre Kinder nur mit den natürlichen Gefühlen groß werden ließen und ihnen gestatteten, ihrem Schmerz, ihren Zorn und ihrem Kummer Ausdruck zu geben, würden Ihre Sprößlinge leidenschaftlich gern zur Schule gehen. Lernen wäre für sie nichts anderes als ein aufregendes, herausforderndes und aufregendes Abenteuer…“ (Seite 116).

Das Weltbild der Frau Kübler-Ross ist etwas größer als das des Herrn Freud oder des Herrn Hawkins. Sicher, es enthält Elemente, die der aktuellen Konsum- und Geldreligion enorm im Wege steht: die aus vielen Beobachtungen resultierende Erfahrung, dass der Tod das Heraustreten des Schmetterlings aus der Verpuppung darstellt, die ihn in eine weitere Existenzform führt, die ihm alle Konsequenzen der eigenen Entscheidungen vor Augen hält … allerdings nicht in Form von Höllenqualen (die man sich allenfalls selbst zufügt), sondern in einer sehr liebevollen Umgebung. Sicher nur Wunschdenken von Opfern – doch aufgrund der großen, gesicherten Datenlage ein Aspekt, den undogmatische Wissenschaft nicht einfach ignorieren kann. Ich würde mich sogar in den Satz versteigen, dass wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit damit rechnen müssen (auch wenn wir nicht wollen), dass ihre Weltsicht eine erlebbare Realität beschreibt, die alle Menschen erreicht – wie es Hoch- und Niederreligionen seit Jahrtausenden beschreiben.

Wo liegt aber der Unterschied? Wie kann Gott (dem Hawkins nach eigener Meinung ja sehr nahe kommt) das Leid der Menschen so einfach akzeptieren?

Nun – das tut er ja nicht. Er hat klare Grenzen gesetzt, innerhalb derer er sich das Miteinander vorstellt: nicht töten, nicht stehlen, nicht ehebrechen, nicht verleumden – und der Sonntag ist arbeitsfrei, auch für Sklaven. Außerdem sollten andere Götter (modern: „Staat“, „Konzern“, „die Wirtschaft“, „die Partei“, „der Markt“, „die Kirche“, „der Fortschritt“) nicht verehrt werden – und niemand sollte sich anmaßen, im Namen Gottes zu reden oder klar zu definieren, was das denn eigentlich ist, dieser „Gott“.

Was wäre das für eine Welt … in der die dritte Komponente menschlichen Leidens nach Freud völlig verschwinden würde (und auch alles Reden über „Gott“), weil sie in einer eh´ schon feindseligen Welt völlig unnütz und kontraproduktiv ist: das von Menschen verursachte Leid. Wenn wir also jene, die sich im Mäntelchen der Esoterik anschleichen, diese zu üblen Zwecken der Entwertung von Menschen missbrauchen, stellen wollen, so müssen wir Ihnen klar sagen: es gibt eine eiserne Grenze, die nicht überschritten werden darf: jegliches von Menschen geschaffenes Leid ist unnatürlich, hat keinen Nährwert, ist keine Lehre, sondern einfach nur schrecklich überflüssig – und eindeutig widergöttlich. Jene große, überweltliche Kraft (das Große Ganze) auf die sie sich berufen, würde sie zum Teufel jagen. Jeder empathische, atheistische Humanist auch.

Trotzdem durchziehen diese Botschaften gerade die „feine“ Gesellschaft, der sie effektiv zuarbeiten. Nicht ungerechte Verteilung von Gütern oder Ausbeutung von Arbeitskraft ist die Ursache allen Leidens … sondern die erbärmliche Schwäche der Opfer. Schön bequem, diese Haltung – und sie befreit auch jeden Täter wunderbar von jeder Verantwortung. Solche Sichtweisen schleichen sich auch zunehmend in die Rechtsprechung ein, vergiften den Glauben an Gerechtigkeit, jedoch sollte man sich klar werden, dass sie durch nichts – aber auch wirklich durch gar nichts – zu rechtfertigen sind.

Was bedeutet das nun für Sie? Mal politisch betrachtet?

Schreien Sie Ihr Leid gefälligst in die Welt hinaus! Jede kleinste Ungerechtigkeit gehört offen auf den Tisch! Es ist IHR Leben, sie dürfen damit tun, was Sie wollen (ausgenommen eben … die eisernen Grenzen überschreiten, die weltweite Gültigkeit haben – auch in gänzlich unreligiösen Werken wie der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte, die direkt aus den Erfahrungen resultierten, die wir in Auschwitz gemacht haben). Und wenn Sie jemand daran hindert, Ihr Leben zu leben: schreien Sie die Klage in die Welt hinaus. Lassen Sie sich von den Priestern der Geldreligion nicht zu Tätern machen, weil Sie üble Taten anprangern – lassen Sie sich Ihren Zorn, Ihre Wut, Ihren Kummer und Ihren Schmerz nicht verbieten – erst recht nicht im Namen Gottes!

Dass Täter auch unter den Unbillen der Welt leiden – darf berücksichtigt werden. Das macht sogar unsere Rechtsprechung, weil sie ein ziemlich weises Element enthält. Nicht alle Täter sind Psychopathen – manche sind nur selbst Opfer, die Schmerz, Wut, Kummer, Zorn, Trauer lange Zeit unterdrückten, bis der Kessel eben platzte und in einem Amoklauf endete. Ja: man darf auch aus solchen Taten lernen, das ist erlaubt und möglich – aber dies ist nur ein sekundärer Lerneffekt. Besser wäre: wir schaffen Bedingungen für Menschen, menschengerecht zu leben, die solche Taten überflüssig machen. Umwelt und der eigene Körper machen einem ohnehin schon genug zu schaffen.

Und was ist nun mit „Gott“ – auf den sich alle Verführer immer berufen? Nun – er hat uns mit beschränkten Sinnen in eine Welt gesetzt – so beschränkt, dass wir ihn gar nicht konkret erfassen – höchstens erahnen – können. Vergessen sie ihn – seine Gebote sind in den Menschenrechten erhalten, mehr brauchen wir von ihm nicht, um unser Leben zu leben. Und wie es scheint (hier verweise ich auf Kübler-Ross, a.a.O.), ist genau das seine Absicht. Und setzten Sie anstatt des „positiven Denkens“ lieber „realistisches Denken“ – es entlastet ihr Gehirn, das befreit wird von der Arbeit, eine bedrohliche Welt in ein Paradies umzudeuten und versetzt Sie in der Lage, „Herausforderungen“ effektiv zu begegnen.

Und bitte: beschämen Sie die Täter. Beschuldigen Sie sie. Rechtfertigen Sie sich … und reklamieren so Gerechtigkeit. Und jammern Sie, was das Zeug hält! Solche Menschen brauchen wir, wenn wir das Paradies neu errichten wollen – und nicht jene, die die Täter der feinen Gesellschaft zu hilfreichen Heiligen machen wollen, die uns unbegrenze Lernerfahrungen anhand widergöttlicher Asozialität liefern.

 

 

2016: Deutschlands Ruck nach Rechts. Über AfD, Hartz IV und Heinrich Himmler.

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Montag, 5.9.2016. Eifel. Kennen Sie Himmler? Heinrich. Heinrich Himmler, ja genau. Reizender Mann. So sensibel.  Gymnasiast, Burschenschaftler (Apollo München, die existiert heute – nach Fusion mit zwei anderen Burschenschaften – als Burschenschaft Franco Bavaria). Erinnere mich noch heute an eine Geschichte aus dem Geschichtsfernsehen über ihn. Er besuchte Massenexekutionen in Polen oder Russland (oder sonstwo, die gab es damals überall) und – wirklich – etwas Hirn von einem Erschossenen fiel auf Heinrichs frisch gewichste Stiefel. Was hat der gekotzt. Säuberungsaktionen organisieren, Massenmord verwirklichen: kein Problem für Heinrich – aber Hirn auf dem Stiefel: da hört der Spaß auf. Wie kam ich jetzt auf Himmler? Ach ja, richtig, in Deutschland wurde wieder einmal gewählt. Diesmal in Mecklenburg-Vorpommern. Das Bild ist klar: es gibt nur Verlierer – und einen Gewinner – die AfD. Leider gibt es Blog.de nicht mehr, dort hatte ich 2009 geschrieben, dass dies die logische Folge eines Sozialstaatsabbaus ist – und ebenso hatte Otto Graf Lambsdorff (FDP – nicht etwa „Kommunistischer Bund Westdeutschland) argumentiert. Ja – es gab damals häßliche Beschimpfungen … ich würde doch wohl nicht alle Arbeitslosen für „rechts“ halten. Nein, das tat ich auch nicht, aber mir war klar, dass sie – nach ihrer Enteignung und der Aberkennung zentraler Bürgerrechte – nach Gerechtigkeit in einem Land rufen, das versprach, Demokratie zu sein; und mir war klar, dass es Gestalten geben wird, die ihren Zorn, ihre Frustration, ihre Enttäuschung missbrauchen werden.

Akutell ist es der Armutsforscher Christoph Butterwege, der klare Zusammenhänge zwischen den Erfolgen der AfD und der „Agenda 2010“ erkennt – jenem Gesetzeswerk, das aktuell eher als „Hartz IV“ bekannt ist (siehe Deutschlandfunk).

Was man selbst heute noch kaum glauben kann: nur ein Bruchteil der Arbeitslosen hat ihren Arbeitsplatz selbst abgebaut, das machten die Konzerne (und der Staat selbst – mit einem Stellenabbau in Millionenhöhe) ganz ohne Rückfrage, weil sie lieber in China (dem alten, kommunistischen Klassenfeind) produzieren ließen als in Krefeld. Bestraft für diesen Stellenabbau wurden dann die, die ihre Stelle verloren hatten, was zu der absurden Situation führte, dass Erwin Schulz (fiktiver Charakter ohne Ähnlichkeit mit lebenden Menschen), 48, Einkaufsleiter für Stoffe eines mittelständischen Bekleidungsunternehmens nach dem Auflösen seiner Firma auf der Straße stand – mit Millionen anderen – und hauptverantwortlich für die Folgen der Globalisierung gemacht wurde. Der Sozialstaat, die Gemeinschaft der Versicherten, für die er dreißig Jahre lang bezahlt hatte, lies ihn im Regen stehen – aufgrund staatlicher Anweisung. Angeführt wurde dieser Griff nach den Versicherungsleistungen von Sozialdemokraten und Grünen, ein klassischer Verrat an ihren Wählergruppen (wie auch die Bombenangriffe auf Jugoslawien).

Vielleicht haben sich einige Wähler sogar erst kurz umentschlossen: es gab ja wieder neue Gesetze, die während der sportlichen Ablenkungsevents durchgewunken wurden. Es gibt nun einen neuen Straftatbestand (ja – modern heißt das „Sanktionen“), der nennt sich „sozialwidriges Verhalten“ (siehe Spiegel)- und ist so schwammig definiert, dass er schlichtweg alles beschreiben kann, was dem Fallmanager gerade nicht passt. Die Folge einer Bestrafungsaktion? Das Opfer muss seine Versicherungsleistung für drei Jahre zurückzahlen. Gestattet sind Ratenzahlungen, die seinen Lebensunterhalt 30 Prozent unter das Existenzminimum senken. Ein spannender Feldversuch: welche Krankheit wird wohl aufgrund welcher Mangelernährung zuerst durchbrechen, da der Delinquent erstmal drei Jahre durchhalten muss, wird man auch Daten darüber erhalten, ab wann er zur Selbstentleibung neigt. Gilt auch – wie der Spiegel explizit beschreibt – für alleinerziehende Mütter mit Kindern.

Man denke sich mal folgenden Fall: Jobvermittler vermittelt Frau ins Rotlichtmillieu (z.B. in Aachen schon geschehen, jener Stadt, in der Graf Lambsdorff geboren wurde), die sagt „Nein, igitt!“ – und wird für drei Jahre dem Feldversuch „Unterversorgung“ zugeordnet … samt ihrer Kinder. Gleiches kann Erwin Schulz geschehen, der infolge des Jugendwahns in deutschen Unternehmen keine Anstellung bekommt und mit seinem Bandscheibenvorfall zum Straßenbau geschickt wurde … wie jener Einarmige, den man in Dortmund zum Müllsammeln geschickt hatte und der den Müllsack halt mit den Zähnen halten sollte. Sagt er „Nein!“ – darf er hungern. Ja – auch Lebensmittelgutscheine müssen dann zurückbezahlt werden … von Menschen, die man schon bis aufs Hemd ausgeplündert hat. Die Politik mag Spaß und Freude an solchen Aktionen haben – der Bürger jedoch sieht Unmenschlichkeit, Asozialität und Ungerechtigkeit wie eine giftige Fäulnis durch den Staatskörper wachsen und will auf jeden Fall, dass das wegkommt – egal durch wen. Immerhin steht „Demokratie“ und „Sozialstaat“ auf der Produktbeschreibung.

Mehr und mehr bricht sich ein Denken Bahn, das „Vermarktbarkeit“ als höchste Qualität eines Menschen beschreibt. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – das wurde uns von den Vätern des Grundgesetzes mit auf den Weg gegeben, nicht als inhaltsleeres Geschwätz und lebensferne Philosophie sondern als Resultat einer historischen Epoche, die die Würde des Menschen maximal in den Schmutz getreten hat. Gerne verweise ich auf Götz Aly´s „Hitlers Volksstaat“ (Fischer Verlag, Taschenbuchausgabe, 2.Auflage Frankfurt 2011), um noch mal die Methoden zu erinnern: erst wurden die Juden enteignet und entlassen, ihre Geschäfte wurden geschlossen, ihre Vermögen von einem Fond verwaltet, der den deutschen Staat finanzierte. Dann, nach dem man ihnen alles genommen hatte außer das nackte Leben, wurden sie auf einmal lästig, weil sie sich ja nicht länger selbst finanzieren konnten – ohne Job ist das in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung mit gewissen Problemen verbunden. Schnell kam das Wort von „Parasiten“ auf (nein, damals nicht von der SPD, deren „Superminister“ hat das nur wieder neu auf den Tisch gebracht – siehe z.B. Stern), weil sie als „unnütze Esser“ ja „allen nur auf der Tasche lagen“ – so dass man sie letztlich still und heimlich komplett entsorgte, ohne dass jemand sich groß darüber beschwerte – wieso auch, es gab Häuser, Grundstücke, Geschäfte, Möbel, Kleidung und Geschmeide zum Schnäppchenpreis.

Ja, ich weiß: man soll nicht die heutige Zeit mit der NS-Zeit vergleichen – so jedenfalls argumentieren führende Juden. Und ich gestehe ja: ich bin ein Judenfreund, schätze ihre Musik, ihre Kultur, ihre geistige Größe und den gewaltigen Impuls, den ihre Religion vor 3000 Jahren in die Weltgeschichte getragen hatte, als die griechische Philosophie noch verzweifelt gegen eine im Alltag enorm belastende und beängstigende Vielgötterei ankämpfte … eine Angst, die auch im Katholizismus noch fortlebte und erst langsam überwunden wird. Nur … auch als Judenfreund muss ich sagen: wir dürfen nur aus Angst vor einer Verharmlosung des Holocaust nicht den neuen wieder möglich machen – und unsere neue Wirtschaftsordnung hat nun mal die „Ballastexistenzen“ wieder eingeführt … und das macht Angst, dass sie halt logischerweise ebenso entsorgt werden könnten wie frühere „Ballastexistenzen.“

Genau – so kam ich auf Himmler.

Deutschland hatte ja viele Pläne mit den eroberten Gebieten im Ausland. Alles stand unter dem Gebot der absoluten Effizienz und Nützlichkeit des Menschenmaterials. Es gab „Richtlinien für die Eindeutschung polnischer Familien des SS-Führers im Rasse- und Siedlungswesen beim Höheren SS- und Polizeiführer/Südost“, die erklärten, was für die Eindeutschung verlangt wurden (siehe Götz Aly, Vordenker der Vernichtung, Fischer Taschenbuchverlag, 5. Auflage 2004, Seite 139):

„Die Famillie muss durch Haltung, Fleiß, Sauberkeit und Gesundheit, auch bei ärmlichen Verhältnissen, aus der übrigen polnischen und volksdeutschen Bevölkerung hervorstechen“.

Ja – die Hervorhebung des „und“ steht im Original. Schon damals ein Akt der Globalisierung: deutsche Arme mussten mit polnischen Armen um die Wette putzen, um den Führerpreis für Sauberkeit (und die deutsche Reichsbürgerschaft) zu bekommen.

„Entscheidend bewerte der RKF Aufstiegswillen und Anpassungsbereitschaft, nicht etwa Merkmale der nationalen Herkunft. Dazu sagen die Richtlinien ausdrücklich: „Fehlende Deutsche Sprachkenntnisse oder politische Vergangenheit sind keine Hinderungsgründe““

RKF? „Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums“. Name? Heinrich Himmler. Aufstiegswille und Anpassungsbereitschaft? 2016 Grundforderung jedes Personalverantwortlichen.

Das Ziel: der Versuch, „eine in ihrem sozialen, infrastrukturellen und wirtschaftlichen Gefüge möglichst effiziente Gesellschaft mit Gewalt und auf Kosten anderer Menschen zu verwirklichen.“ (siehe Aly, Vordenker, Seite 126-127).

Eine Aufgabe, der heute führende Unternehmensberatungen nachkommen. Erstaunlich – jedenfalls für mich – wie wenig Rassismus, Hass, Wahn oder reine Idiotie in der Planung der Umorganisation der europäischen Gesellschaften zu finden sind – dafür aber klassische, moderne Maßstäbe für die gewinnoptimierende Organisation von Arbeit und Staat. Kein Wunder, dass die RKF-Zentrale in Berlin von einem erfolgreichen Unternehmer geleitet wurde. Lauschen wir dem Herrn Aly noch etwas weiter:

„Im Mittelpunkt der Arbeit des RKF stand also Bevölkerungspolitik – positive und negative, ihre Opfer wurden diskriminiert und „ausgemerzt“, ihre Nutznießer priviligiert und gefördert.“ (Aly, Vordenker, Seite 127)

Also – nicht fanatischer Rassenwahn … sondern nüchterne betriebswirtschaftliche Kalkulation.

Der Reichskommissar hatte eine gewaltige Macht inne, RKF hatte direkte Befehlsgewalt über Polizei, SS und allen Hauptämtern (Aly, Vordenker, Seite 129). Er betrieb eine Politik der „Eindeutschung“ im besetzten Polen, bei der „wertvolles Menschenmaterial“ „abgeschöpft“werden sollte.

„Der RKF orientierte sich dabei weit eher am ökonomischen Nutzen als an einem fundamentalistischen Verständnis der Nazi-Ideologie“ (Aly, Vordenker, Seite 135) – wobei man meines Erachtens nach nicht vergessen sollte, dass die Reduzierung des Menschen auf seine reine Nützlichkeit (auch als Goldzahn- und Haarlieferant) jenes Moment war, dem wir den ersten Absatz unseres Grundgesetzes über die unantastbare Würde zu verdanken haben.

Wer konnte kein Deutscher werden?

„Geisteskranke, soziale Schwache, noch aktive Kommunisten, in Mischehe lebende oder sonstwie Unangepasste“ (Aly, Vordenker, Seite 139), wobei man „sonstwie Unangepasste“ auch wie folgt übersetzen kann: „Menschen mit sozialwidrigem Verhalten“.

Also – ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir läuft es kalt den Rücken herunter, wenn ich diese Passagen lese. Warum? Nun – ich bin 56 Jahre alt, chronisch krank und nicht mehr sonderlich effizent einsetzbar.

Extra für mich gibt es da einen Passus aus den Jahren 1942/43 – für Menschen über 45.

„Das deutsche Volk belastet sich mit derartigen Personen, nicht nur in bevölkerungspolitischer Beziehung (Hypothek des Todes nach Burgdörfer), sondern auch rein sozial. Die betreffenden Perosnen sind in den wenigsten Fällen voll arbeitseinatzfähig, und, da sie fast keine Nachkommen mehr erwarten lassen, nur eine überflüssige Belastung des Volkskörpers“. (Aly, Vordenker, Seite 140).

Ja – Menschen über 45 sind „Kosten auf zwei Beinen“. Das haben viele Arbeitslose schon am eigenen Leib erfahren.

Himmlers Kriterien und Karteien für die Eindeutschung (auch: „Bekenntnis zum deutschen Volkstum) werden übrigens heute noch bei Imigranten angewandt, dazu gibt es ein Arbeitsbuch für Behörden, Gerichte und Verbände geschrieben von einem Vizepräsident des Bundesverwaltungsamtes (siehe Aly, Vordenker, Seite 146). Er erhiel 2004 das Bundesverdienstkreuz. Damit kann man leben – so etwas fällt den staatsfinanzierten, modernen „Kämpfern gegen Rechts“ nicht auf, die „kümmern“ sich lieber um Friedensfreunde, Kapitalismuskritiker, Impfskeptiker und Gegner der Genmanipulation, sogar die Verwendung des Begriffes „Ukraine-Krise“ soll einen schon als „Nazi“ entlarven (siehe Amadeu-Antonio-Stiftung). Da ist sie wieder: die Hetzjagd auf „sonstwie Unangepasste“.

Und ich soll mir Sorgen um die AfD machen?

Wissen Sie, was mir wirklich Sorgen macht? Das in unserem Land eine Behörde existiert, die Menschen selektiert, Menschen, wie jene schwerbehinderte, dreiundfünfzigjährige, einarmige Frau, die nach Operation der verbliebenen Hand nicht mehr genügend Bewerbungen zwecks Arbeisaufnahme schreiben konnte. Das Jobcenter sanktionierte sie zu 100 Prozent. Das Sozialgericht Karlsruhe rettete ihr dann das Leben (siehe juris). Noch wirken die Mechanismen, die die Siegermächte in Deutschland installiert haben, um einen neuen Horror zu vermeiden – doch der Wille des Gesetzgebers verheißt da nichts Gutes für die Zukunft, „sozialwidriges Verhalten“ ist so schwammig und beliebig auslegbar wie „sonstwie Unangepasste“.

Die Effektivität der Jobcenter bezüglich der Integration in den Arbeitsmarkt wurde übrigens aktuell im Rahmen einer Doktorarbeit untersucht. Das Ergebnis? Niederschmetternd. Jobcenter behandeln ihre Kunden (also: den Einkaufsleiter Erwin Schulz) wie kleine Kinder (siehe Zeit)

„So wie die Hilfe derzeit angelegt ist, richten die Jobcenter großen Schaden an. Sie machen mehr kaputt, als dass sie helfen. Das ist ein ganz zentrales Ergebnis meiner Arbeit.“

„Ihre komplette bisherige Berufsbiografie wird vom Amt entwertet. Das sind ja alles Erwachsene, mit einer eigenen Lebens- und Berufserfahrung. Man könnte diese Erfahrung als Basis nutzen, aus der sich etwas Neues entwickeln kann. Aber in der standardisierten Fallbearbeitung der Jobcenter findet sie gar nicht mehr statt. Die Erfahrungen der Leute werden als Defizit angesehen, als etwas, das es zu beheben gilt.“

Mag man den Fall der einarmigen Frau noch als Ausrutscher ansehen, so erkennt der Experte hier System. Keine Boshaftigkeit – aber serielle Unfähigkeit. Möchten Sie mal etwas über diese „Defizite“ hören? Eine Akademikerin hat sie aufgelistet (siehe Blätter):

„Dann kündigt er an, ohne mir in die Augen schauen zu können, dass ich entweder eine der angebotenen Hilfstätigkeiten annehmen oder an einer „Maßnahme“ (sein Vorschlag lautet auf Umschulung zur kaufmännischen Fachkraft, sprich: Sekretärin) teilnehmen müsse (womit ich prompt aus der Statistik fiele), damit wir die „Eingliederungsvereinbarung“ unterschreiben könnten. Ich frage, in was ich eingegliedert werden soll. Wie er meinem Lebenslauf entnehmen könne, sei ich bereits vollständig in das akademische Leben eingegliedert, werbe immer wieder erfolgreich Forschungsgelder ein, habe lange an verschiedenen Hochschulen unterrichtet, publiziere regelmäßig, halte international Vorträge, arbeite an einem Buch, organisiere aktuell eine internationale Konferenz. Nur eben immer wieder ohne einen Cent Gehalt. Nicht weil ich beschäftigungslos sei, sondern weil ich selbstständig, das heißt nicht als Mitarbeiterin eines professoral geführten Teams, Projekte einwerbe, der Kampf um Drittmittel in der Abwesenheit von Stellen und der anständigen Bezahlung für Lehre immer absurder werde, und damit die Abstände zwischen bewilligten Projekten immer länger, säße ich hier. Was er mir vorschlage, sei faktisch eine Zwangsausgliederung aus dem wissenschaftlichen Leben.“

Geschichten einer Fachkraft im Landes des Fachkräftemangels. Fachkraft mit Doktortitel: mit Steuergeldern hochqualifiziert, um im Anschluss mit Steuergeldern zur Erdbeerpflückerin dequalifiziert zu werden – wie sie selbst schildert. Arbeitet regelmäßig – nur zahlt der Staat pro Halbjahr nur noch 280 – 700 Euro für den Lehrauftrag. Die Verantwortung für diese fachkräftefeindliche Politik schiebt man der zukünftigen Sekretärin zu.

Auch in den Gerichten ändert sich einiges. Kennen Sie Jan Robert von Renesse? Er ist Richter. Wollte Holocaustüberlebenden Renten zuerkennen – und reiste persönlich zu den alten Menschen, um ihre Geschichen anzuhören. Das Bundessozialgericht gab ihm Recht – immerhin gab es jede Woche Tote, die keine Rente mehr bekommen konnten – und mit der deutschen Bürokratie nicht zurecht kamen. Seine engagierte Arbeit brachte ihm einen negativen Vermerk in die Personalakte und aktuell eine Anklage wegen „Rufschädigung der Sozialgerichtsbarkeit“ (der ganze Fall: siehe Zeit). Das macht Sorge, wenn man in die Zukunft schaut: ein Drittel der Jurastudenten einer Uni waren nach einer Befragung für die Todesstrafe. Grund für diese – weit außerhalb unserer Verfassung liegender – Verrohung? Die Medien (siehe Spiegel):

„Ein Grund ist sicher, dass in den Medien sehr viel und mit oft drastischen Bildern über schwere Verbrechen berichtet wird und auch in TV-Serien oder Filmen Kriminalität eine inzwischen übergroße Rolle spielt. So etwas löst in vielen Zuschauern Mitleid mit den Opfern aus – und daran anknüpfend oft Wut und Vergeltungswünsche gegen die Täter.“

So argumentiert jedenfalls ein Kriminologe.

Zurück zur AfD. Zurück zum „Ruck nach Rechts“. Augenblicklich werden die Erfolge dieser Partei auf das Thema „Flüchtlinge“ reduziert – obwohl Merkel schon drastisch zurückgerudert ist und diese Menschen bald übel im Regen stehen werden (dazu später mehr … möchte dazu noch ein paar Wochen die Entwicklung beobachten). Was völlig ausgeblendet wird: dass es immer mehr Menschen gibt, denen egal ist, wer die Verhältnisse mit welchen Mitteln ändert – Hauptsache ist: sie werden geändert. So erklärt sich auch der Erfolg eines Donald Trump in den USA. Für viele Menschen ist die Lage so übel, dass sie alles in Kauf nehmen würden, um „das System“ zu verändern – und die Jobcentermitarbeiter müssen per Gesetz täglich daran arbeiten, dass es immer mehr werden – sonst landen sie umgehend auf der anderen Seite des Schreibtisches.

Darf ich nochmal daran erinnern, wie groß die Reichweite dieser Behörde inzwischen ist? 2012 waren es 42 Millionen Datensätze (halt nicht nur Arbeitslose, sondern auch alle, die in ihrem Umfeld standen – zur Zahl siehe Welt). Das macht keinem Sorge?

Hätte man noch etwas Empathie – man würde Erwin Schulz verstehen, erkennen, wie er sein Land erlebt, jenes Land, in dem Leute, die auf Steuerkosten leben, mit 56 in Rente gehen und bestimmen, dass jene, die nicht auf Kosten des Steuerzahlers leben, bis 70 Steuern erwirtschaften müssen (siehe Epochtimes).  „Es muss erst alles anders werden, bis es besser werden kann“ – und treu diesem Spruche (zugeschrieben Georg Christoph Lichtenberg) wurde in Mecklenburg Vorpommern gewählt. Und wäre auch ohne „Flüchtlinge“ gewählt werden, denn: was die AfD hauptsächlich verspricht ist: sie fegen die alten Säcke weg. Und wenn wir nicht bald zu klassischen westlichen Werten wie Vernunft, Nächstenliebe und Verantwortung zurückkehren, werden wir bald 50 Prozent für diese Partei erleben – dazu braucht die sich weiterhin nur opportunistisch verhalten und den Zeitgeist richtig erkennen.

Und den über die Wirtschaft einsickernden Altfaschismus („Kosten auf zwei Beinen“) können die dann perfekt ausleben. Und wenn es die AfD nicht macht … dann eben eine andere Gruppierung. Wir säen mit unserer „Sozialpolitik“ täglich genug Hass, dass die Saat irgendwann aufgehen wird.

 

 

 

 

Hartz IV soll 2017 steigen – Die Erhöhung ist eigentlich eine Kürzung

Bürgerkrieg und Hexenjagd in Deutschland: die unaufhaltsame Dämmerung der totalitären Kultur

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Freitag, 29.7.2017. Eifel. Willy Wimmer hat mir ein Buch geschenkt. Sein Buch. Akte Moskau heißt es, erschienen dieses Jahr im Zeitgeistverlag. Ich habe spontan meine Lesepläne umgebaut und muss sagen: es hat sich gelohnt. Willy Wimmer? 33 Jahre im Deutschen Bundestag – für die CDU. Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verteidigung und Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der KSZE/OSZE. Was machen die? Mit 57 Mitgliedstaaten daran arbeiten, dass eine Milliarde Menschen in Frieden leben können (siehe osce.org). War auch für den Mittelmeerraum/Nordafrika angedacht – doch die USA hatten daran kein Interesse … dabei sieht man heute, wie dringend das gebraucht worden wäre, um Kriege zu verhindern.

Schon jetzt kann ich sagen: es lohnt sich, das  Buch zu lesen. Man erfährt nebenbei von einem kleinen Eklat: während einer militärischen Großübung wurde von unseren Verbündeten der Atomangriff auf Dresden und Potsdam simuliert, fester Bestandteil der militärischen Abwehrplanung – Willy Wimmer bewog die Bundesregierung zum Ausstieg. Man erfährt, dass schon damals die Bundesregierung nicht erfreut davon war, wenn Bundestagsabgeordnete zu viel wussten (was damals noch üblich war) und lieber „Regierungswissen“ für sich behalten hätte (was man auch „Herrschaftswissen“ nennt und in einer Demokratie nichts zu suchen hat). Wie das heute ist: einfach mal die Interviews zu Abgeordneten angesichts der Bankenrettung anschauen – die wissen nichts mehr, stimmen dafür für alles.

Es ist sehr entspannend, wenn man im Plauderton erfährt, was für ein bescheidener Charakter der viel gehasste Putin ist – der einen ganz anderen Auftritt hinlegt als seine westlichen Kollegen: menschennah, bescheiden, freundlich und verbindlich. Es wundert ein wenig, dass nicht ganz breit in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, dass die USA sich aus allen Friedensprozessen verabschiedet hatten (die Folgen davon sieht man in Nordafrika, dem Balkan und der Ukraine) und auch 1990 die enge Zusammenarbeit mit der BRD aufkündigten – was erklärt, warum wir nun wie Irak und Nordkorea abgehört werden, ohne dass die Bundesregierung sich aufregt: unser Atompapa hat uns aus der Familie herausgeschmissen, schickt uns aber Privatdetektive hintereher.

Es ist erfreulich, einen Mann zu lesen, der Ahnung hat – und nicht nur Meinung. So etwas macht ihn heute schon verdächtig. Früher hätte man ihn „links“ geschimpft, heute „rechts“. Das passt auch, wenn man sich den USA anbiedern will: neben dem Kampf gegen den Sozialismus haben die sich den Kampf gegen Nazis auf die Fahne geschrieben, Filme, Bücher, Theaterstücke formen einen gigantischen Mythos des heldenhaften Kampfes der kleinen US-Kavallerie gegen die überlegenen, unmenschlichen, sadistischen Schlächter der Waffen-SS – einen Feind, den man insgeheim bewundert und dessen Kriegsstrategien noch heutzutage an allen militärischen Akademien gelehrt werden: „Blitzkrieg“ hatte gezeigt, wie eine unterlegene Armee mit durchschnittlichem Material unglaubliche Erfolge erzielen konnte – das lernt jeder US-Offizier und ist voller Bewunderung. Doch davon lesen wir selten in unseren Medien.

Ein Satz von Willy Wimmer ist mir besonders hängengeblieben … bzw eine Frage (a.a.O., Seite 58):

„Was hat sich in unserem Land eigentlich so verändert, dass die Bundeskanzlerin die Motive für ihr Handeln oder Nichthandeln nicht öffentlich darlegen muss? Rede und Antwort stehen: das zeichnet ein demokratisches Gemeinwesen schließlich aus.“

Ganz richtig – und deshalb darf es auch keine geheimen TTIP-Verhandlungen geben, keine vier-Augen-Gespräche mit dem US-Präsidenten, über deren Inhalt wir nichts erfahren, keine geheimen Bundeswehroperationen in der Ukraine, keine privaten Geburtstagsfeiern im Kanzleramt mit dem Hochadel der Wirtschaftsverbrecher und Steuerhinterzieher.

Und doch gibt es das alles.

Wir wissen, dass Deutschland lückenlos von der NSA überwacht wird: hier macht niemand auch nur ein Telefonat, ohne dass ein Geheimdienst mit nicht immer ehrbaren Absichten davon erfährt. Wir wissen von dem wahnhaften Mythos der USA, einen ewigen Krieg gegen den Nazi zu führen (den man insgeheim bewundert und dessen Methoden zur Bevölkerungskontrolle man – neben dem Blitzkrieg – auch gerne nachahmt – aber über die „Homeland-Security“ dürfen wir ja ebenfalls kaum reden).

Was hat sich eigentlich in unserem Land so verändert … seit 1990?

Nun – wir haben eine Bundeskanzlerin und einen Bundespräsidenten aus den neuen Bundesländern, die einen frischen Wind in die Politik gebracht haben. Darf ich vermuten, dass hier auch ein großer Einfluss aus den USA eine Rolle spielte – jenen USA, die viel diktiert haben, um ihre Zustimmung zur Wiedervereinigung zu erhalten? Verschwörungstheorie? Ich bitte Sie: da die Regierung immer mehr privates Herrschaftswissen anhäuft und die offene Kommunikation mit dem Volk zugunsten der Austeilung von Parolen und Sprechblasen aufgegeben hat, bleibt mir auf dem Weg zur Wahrheitsfindung gar nichts anderes übrig, als Theorien zu bilden – und Willy Wimmer zu lesen.

Wir haben uns von der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet und uns in Richtung US-System auf den Weg gemacht: der deutsche Sozialstaat war dem Bankenclan schon immer ein Dorn im Auge, er schützte die Deutschen vor der Ausbeutung ihrer Lebenskraft durch skrupellose Geschäftemacher. Statt Sozialstaat haben wir nun eine eigene „Homeland-Arbeits-Security“, die pauschal Hausarrest verhängt, allgemeine Reiseverbote erteilt und verdeckte Todesurteile (vornehm: Sanktionen genannt) aussprechen kann, um die Masse der Bevölkerung zu disziplinieren. Absolute Befehlsgewalt wegen Leistungsverweigerung – als ob nicht jeder von denen gerne ein Jahresgehalt von 100 000 Euro hätte. Wissen Sie eigentlich, wie viele Deutsche 2012 in den Archiven der ARGE erfasst waren? Schade, dass wir uns nicht live sehen, ich würde sie gerne raten lassen. 42 Millionen waren es 2012. Nicht alle sind arbeitslos – aber existieren in ihrem Lebensumfeld. 42 Millionen absolut gläserner Bürger – weil die Kinder Hartz IV beantragen. Macht Ihnen keine Sorge? (die Zahl entstammt einem Artikel von Alan Posener über Beamte, von einem Beamten im Jobcenter, der die Zwangsenteignungen von Arbeitlosen „pervers“ nennt, siehe Welt).

Was hat sich noch geändert?

Nun – wir dulden seit Jahrzehnten subersive Lobbyorganisationen, die ungehemmten Zugriff auf höchste Regierungsämter haben und deren Aktivitäten … wie üblich … geheim sind. Sie sind öffentlich bekannt – doch nichts kann sie dazu zwingen, ihre Aktivitäten öffentlich zu erklären. Trilaterale Kommission, Atlantikbrücke, Bilderbergertagung: unsere politische Welt ist völlig durchsetzt von undurchschaubaren Netzwerken höchster staatlicher, militärischer, politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Macht, die die absolute Kontrolle über die Geschicke der Völker ermöglichen … weshalb wir es fraglos hinnehmen, wenn Fußballer und Sangeskünstler eine breite mediale Front bekommen, um politische Urteile zu fällen (oder für Konsumartikel Reklame machen) … obwohl sie von der Thematik keine Ahnung haben. Da könnte man besser meine Kinder fragen, die werden vom System nicht fürstlich für ihre Meinung belohnt. Es wird doch wohl nicht einen unter Ihnen geben, der die Märchen glaubt, dass all´ diese teuren Treffen nur aus Jux und Dollerei finanziert werden (mal abgesehen davon, das wir unsere Politiker nicht dafür bezahlen, dass sie mit unbekannten Gruppen aus unbekannten Gründen unbekannte Themen behandeln – aus völlig unbekannten Motiven heraus). Nein: das ist noch keine Verschwörungstheorie – ich kritisiere nur allgemein den Rahmen, der ist schon daneben, selbst wenn die nur über die Qualität der gereichten Buttercremetorte diskutieren.

Wir wissen über die „Plutonomie“ Bescheid. Wir wissen, dass z.B. die Atlantikbrücke sich als Agenten dieser Plutonomie verstehen (ja- ich drehe den Spieß hier mal um … und frage mich nebenbei, wo denn unsere Moskau- und Pekingbrücken bleiben), die die Interessen der zweihundert reichsten Familien der USA in Deutschland vertreten – und eine enormen, ja, beherrschenden Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausüben, so sehr, dass unsere „soziale Marktwirtschaft“ in einem Putsch (oder Blitzkrieg) einfach hinweg gefegt werden konnte. Als ausführendes Organ dieser Macht braucht ein Bundeskanzler wirklich nicht mehr mit dem verhartzen Volk zu reden – im Gegenteil, Zug um Zug wird der Bürger in die Enge getrieben, von Agenten der Plutonomie an der Nase herumgeführt, einfach mit dem Ziel, an sein Geld zu kommen – was schon großflächig gut gelungen ist. Übrigens – nicht dass wir uns falsch verstehen (ich muss mich hier gegen aufdringliche Leser von Rechts schützen, die hier gerne mal herumwildern): „Plutonomie“ ist ein Begriff, den amerikanische Banken (Citybank) erfunden haben – er hat nichts mit dem Märchen der großen jüdischen Weltverschwörung zu tun, das Kapital in den USA (und die politische Macht) ist WASP: white anglo-saxon Protestant … und somit nicht jüdisch. Doof für eure Märchen, aber das ist halt Fakt.

Zurück zu Deutschland, zurück zu der Frage, was sich hier geändert hat.

Ich finde, die Antwort ist einfach: wir fallen – diesmal unter dem großen Banner des Kampfes „gegen Rechts“ – wieder zurück in urfaschistische Verhaltensweisen. Es gibt nur noch „gut“ (der Gutmensch) und „böse“ (der Nazi), wir haben ein Konfliktlösungsniveau und soziales Klima wie zu Zeiten der Hexenverbrennungen: es reicht ein Ruf – „die ist eine Hexe“ – und der Mob marschiert los, Folter, heiße Glut und gellende Schreie im Sinn. Ja, hört sich hart an: aber so endet Hysterie, wenn man sie nicht frühzeitig bremst, brennen lebendige Menschen an Laternenpfählen (oder in Gaskammern). Ein Grund, weshalb ich den „Gutmenschen“ sehr skeptisch betrachte, weil er ohne Selbstreflektion irgenwelchen Parolen hemmungslos und voller Inbrunst hinterher rennt – wie den Befehlen seines Führers. Demokratie aber – ist anders. Demokratie ist das harte Ringen um eine für alle tragbare und lebensfähige Wahrheit, eine Wahrheit, die auch den politischen Gegner einschließt; Demokratie ist Erörterung – und kein Parolenbrüllen.

Beispiele für die Hexenjagd?

Gern. Ich bleibe bei der Linkspartei – normalerweise sollte man dort eine Bastion der Vernunft, des Verständnisses und der Menschenliebe vorfinden – erst recht, wenn man schaut, was einst Basis dieser Bewegung war. Da haben wir aktuell eine Sarah Wagenknecht (diese Frau habe ich mal live erlebt – ich finde ihre Reden aber nicht so zündend), die „Hexe“ geworden ist. Bevor wir jetzt alle wieder in den Hysteriemodus verfallen („verbrennt die Hexe!!!!“), will ich ganz kurz auf der Metaebene bleiben. Was ist geschehen? Frau Wagenknecht hat die Allmacht Angela Merkels öffenlicht angezweifelt – und wird dafür von einer breiten Front ihrer eigenen Parteigenossen und einer breiten Front merkeltreuer Medien angegriffen (siehe Spiegel) … dabei sollten diese Lumpenluschen doch eigentlich Opposition sein. Was hat sie eigentlich gesagt, diese Sarah Wagenknecht, die das erstaunliche Potential hat, durch nüchterne Faktenanalyse auch Unternehmer und politische Gegner zu beieinflussen (siehe Spiegel):

„Die Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass die Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen und Zuwanderern mit erheblichen Problemen verbunden und schwieriger ist, als Merkels leichtfertiges ‚Wir schaffen das‘ uns im letzten Herbst einreden wollte.“

Die Aufnahme und Integration von 1,5 Millionen Menschen – viele traumatisiert, einige hochfanatisch, einge mit völlig überzogener Anspruchshaltung – soll irgendetwas anders sein als hochproblematisch? Dieses Mammutprojekt soll durch eine einzige Parole „wir schaffen das“ zu lösen sein? Ich kenne Menschen, die arbeiten – leidenschaftlich und mit hoher Motivation – vor Ort an der Integration im Rahmen der Erwachsenenbildung … und sind verzweifelt, weil die jungen Männer von Frauen keine Anweisungen entgegennehmen. Man ist hoch geachtet als Lehrer – aber halt „Frau“. Also: vier Kamele wert. Zudem … haben wir hier eine Million pubertierender Jünglinge ohne Aufsicht, weitab von ihren Eltern, denen sie Respekt schulden – völlig ohne Blick auf Religion, Herkunft, Hautfarbe muss man sagen: jeder Pädagoge, jeder Lehrer auf Klassenfahrt weiß, wie brisant so eine Mischung ist – selbst wenn es eine Million Biodeutscher wären. Und machen wir eigentlich wirklich viel anderes, als sie in ein Lager zu sperren und sich allein zu überlassen? Dieses „wir schaffen das“ reicht noch nichtmal aus, den neuen Bürgern die Benutzung einer mitteleuropäischen Toillette zu erklären … weshalb sie dann aus reiner Not die Duschrinne dafür benutzen, worüber sich dann gleich jeder aufregt (ja: das erlebt man in der Eifel). So – schaffen wir gar nichts.

Aber vielleicht will man ja auch gar nichts schaffen – bis heute hält Angela Merkel geheim, welche Absichten ihr spontaner Entschluss, geltendes Recht zu brechen, verfolgte. Dafür aber … bereitet man sich gezielt auf einen Bürgerkrieg vor, der … Reichen einen ungeheuren Vorteil verschafft, wenn das Volk wirklich völlig ausrastet. Einerseits – wird eine Privatarmee geplant (siehe NTV):

„Laut Grundgesetz darf die Bundeswehr nicht im Inneren eingesetzt werden. Um im Krisenfall trotzdem schnell reagieren zu können, hat die Bundesregierung offenbar Pläne zur Aufstellung einer Reservisten-Armee in der Schublade.“

Begründet wird dieser Schritt durch „islamistisch motivierte Anschläge“… die man auch als Ausraster von Pubertierenden interpretieren könnte – wenn man wollte.

Doch man will noch mehr (siehe NTV):

„Die Bundeswehr will sich künftig für Flüchtlinge öffnen. Diese sollten in zivilen Fähigkeiten ausgebildet werden, so Verteidigungsministerin von der Leyen.“

Eine deutsch-syrische Brigade wurde von Jochen Bittner schon vor über acht Monaten gefordert (siehe Zeit) – ja, jener Bittner, dessen Vernetzungen die ZDF-Sendung „Die Anstalt“ so unvorteilhaft dargestellt hatte, dass Aussagen darüber nun verboten sind.

Wissen Sie, was ein anderes Wort für diese Armee aus Syrern ist, die im Inneren eingesetzt werden? „Fremdenlegion“. Junge Menschen ohne Verankerung in einem fremden Land an der Waffe auszubilden und gezielt Einheiten aus ihnen zu machen, stellt eine gewaltige Bedrohung der Bevölkerung dar, die in dieser besonderen Brigade keine Brüder, Onkel, Vettern oder Cousins hat, vom Idealbild des „Bürgers in Uniform“ verabschieden wir uns damit völlig, denn: diese Rekruten sind gar keine Bürger.

Umso mehr beunruhigen mich dann Wimmers Worte, dass bei strategischen Planungen auch Flüchtlingsströme genauestens eingeplant werden. Diese Flüchtlinge – und die Art, wie sie als heilige Kühe behandelt werden – werden das Gesicht des Landes verändern, das wurde ja schon gesagt. Aber vielleicht ganz anders, als man sich das vorstellt. Heilige Kühe? Ja – wer etwas „gegen Flüchtlinge“ sagt, ist eine Hexe. Es reicht sogar schon, wenn man „Flüchtling“ sagt. Soviel Politikunterricht hat hier wohl niemand mehr, um sofort umsetzen zu können, zu welcher Form von Politik Denk- und Sprechverbote gehören – völlig unabhängig, welches Thema es betrifft. Da soll wieder stramm im Gleichschritt marschiert werden – und Linke sorgen für Disziplin in Reih´ und Glied.

Das Ziel ist klar und wird auch offen formuliert: Bürgerkrieg. Das jedenfalls will der „IS“ in Europa erreichen (siehe Spiegel). Es ist jedoch nicht der IS, der den Irak destabilisierte – und Syrien oder Libyen. Es ist auch nicht der IS, der den Ausnahmezustand für Frankreich erklärte. Es ist auch nicht der IS, der wegen 1000 Putschisten (viele davon Wehrpflichtige ohne Ahnung) 10000 Soldaten und 50000 „sonstige“ verhaften läßt – verhaften und foltern (siehe Spiegel).

Ach ja: heilige Kühe. Als Antifaschist habe ich etwas gegen die Implementierung von Herrenmenschen – denn damit fängt der ganze Wahnsinn an: mit den „besseren“ Menschen. Wenn sich eine Sprecherin der Linksjugend bei ihren Vergewaltigern bedankt (siehe z.B. mmnews) und so Vergewaltigung als nebensächliches Kaverliersdelikt darstellt, dann haben wir wieder Herrenmenschen im Land – und die waren schon als „groß-blond-blauäugig“ eine absolute Seuche – ich nehme nicht an, dass die in anderen Farben besser sind.

Wir erleben die Widergeburt eines abscheulichen Totalitarismus im Land, der „Refugees“ nur als willkommens Mittel missbraucht, eine ganz neue Staatsform durchzusetzen, eine „urdeutsche“ Staatsform. Urdeutsch? Ja, das habe ich von einem Syrer gelernt, der unseren Wahn – akademisch geschult – etwas von außen beobachtet (siehe audiatur-online.ch):

„Ich lebe seit 54 Jahren unter Deutschen und auf der Basis dieser Erfahrung glaube ich, ein Urteil fällen zu können. Ich beobachte, dass die Deutschen unausgeglichen sind. Entweder sie sind für etwas oder dagegen. Ein Mittelmass gibt es nicht. Das sage aber nicht nur ich. Zwei deutsch-jüdische Philosophen haben dasselbe beobachtet. Helmuth Plessner schrieb, dass die Deutschen immer wieder «dem Zauber extremer Anschauungen verfallen». Theodor W. Adorno spricht von einer deutschen Krankheit, die er «Pathos des Absoluten» nennt.“

Der neue „Jude“, die neue „Hexe“ wird als „rechts“ bezeichnet (war früher gleichbedeuend mit „Kommunist“) – ohne ihm die Chance zu geben, seine politische Position zu erklären, ohne ihm einen Prozess zu gestatten, in dem er seine Meinung differenziert darlegen kann, ohne Erörterung des für- und widers seiner Ansichten: eine totalitäre Kommandowirtschaft etabliert sich, die nun bald auch ihre eigene Privatarmee im Inneren einsetzen kann … wenn sie will.  Es läuft auf einen Bürgerkrieg hinaus – für den sich die „Elite“ jetzt schon rüstet (siehe hierzu auch: Informationsstelle für Militarisierung zur laufenden flächendeckenden Militarisierung der zivilen Bereiche der bundesrepublikanischen Zivilverwaltungen).

Was charakterisiert den Feind?

Die Ablehnung des totalitären Führungsanspruches der Bundeskanzlerin. Völliger Irrsinn, oder? Wird – so sieht man an der Kritik der Linken an Frau Wagenknecht – auch von führenden Linken getragen, die sich hemmungslos hinter die Bundeskanzlerin stellen. Soviel zu unserer „Opposition“.

Da nun der Autor dieser Zeilen auch unter Verdacht gerät, eine jüdisch-kommunistisch-rechte Hexe zu sein, ein paar persönliche Worte über meine Erfahrungen vor Ort. Mein privater Park (das Freibad in dem Dorf Rurberg, wo ich meinen Sommerurlaub verbringe) ist voller Menschen aus Kriegsgebieten. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, die Frauen und Kinder zu sehen, die hier Sonne und Natur genießen können – fernab der Bomben der durchgeknallten Großmächte. Es ist unterhaltsam zu sehen, wie die Refugee-Jungmannen splitternackt (nein, ist hier nicht erlaubt) in den See springen und sich mit den gleichen pubertären Allüren gebärden wie ihre biodeutschen Altersgenossen (was in meinen Augen das wirkliche Problem ist – wäre Mama in der Nähe, würden sie sich anders verhalten – aber Mama ist ja in Syrien, dem Irak oder Afghanistan … wird also Zeit, sie einzuladen, um nach ihren Kindern zu schauen). Gleichsam macht es sehr nachdenklich, dass völlig irritierte Verhalten von gläubigen Familien beobachten zu müssen, die züchtig gekleidet neben fast völlig nackten deutschen Badenixen lagern und keine Sprache finden, das ihren ebenfalls sehr züchtig gekleideten Kindern erklären zu können. Seltsam ist die Erfahrung, dass die Flüchtlingshilfe vor Ort (CDU-Mitglieder und ihr nahestehende bürgerliche Kreise) meine Mitarbeit bei der Sprachschulung ablehnen und keinen Bedarf für meine Kleiderspenden sehen … dafür war ich wohl zu links, Flüchtlingshilfe soll von der CDU besetzt werden.

Dabei denke ich dann an die Kinder, die immer noch im Mittelmeer ertrinken – und die ich lieber ausgelassen mit ihren deutschen Freunden im Park spielen sehen würde: da geschieht Integration ganz automatisch. Das weiß auch die Regierung (siehe Zeit):

„Hundert Familien ließen sich besser integrieren, als hundert allein reisende Männer. „Die Kinder haben eine hohe Integrationskraft“, betonte Schwesig. „Sie leben sich schnell in Kita und Schule ein und bauen ihren Familien Brücken.““ – so Frau Schleswig, deren Meinung nicht als rechtsradikal gilt, obwohl man sie leicht „gegen Flüchtlinge“ interpretieren könnte. Nun – Minister dürfen das vielleicht, trotzdem hat die Regierung beschlossen, den Familiennachzug auszusetzen … was deutlicher als alles andere zeigt, dass hier keine humanitären Absichten im Spiel sind, allen Propagandasprüchen zum Trotz.

Im Park erlebe ich einen alten Traum – den Sieg der Vernunft, die Etablierung einer planetaren Zivilgesellschaft, die Gestaltung eines „ewigen Friedens“.

Doch in den Medien erlebe ich die Etablierung eines (urdeutschen?) Wahns, die Herrschaft des Irrsinns, des willkürlichen Aburteilens, die Rückkehr des Kadavergehorsams und der öffentlichen Hexenjagd auf Andersdenkende.

Das dies nicht durch Zufall geschieht, sondern Teil eines größeren strategischen Planes des US-Militärs und staatstragender Kreise ist, ist eine Vermutung, die sich durch die Lektüre von Willy Wimmer nahezu aufdrängt. Ob es wahr ist, wäre zu erörtern.

Aber … das dürfen wir ausch schon nicht mehr.

Was wir nun brauchen, ist ein Aufstand der Anständigen (die gerne aus jeder Partei kommen können – außer NPD, dort gibt es keine Anständigen, meiner Meinung nach) – gegen den Putsch der kriegslüsternen Irren und ihrer treudoofen Mitläufer.

Aber dafür haben die Menschen jetzt schon zuviel Angst….was sehr bezeichnend ist.

Der Marschtritt der totalitären Kultur schüchtert halt alle ein … weshalb nun aktuell ein Buch über islamischen Faschismus nicht veröffentlicht wird. Aus Angst (siehe Spiegel).

Die Wahrheit über den Holocaust. Den alten – und den neuen.

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Donnerstag, 30.6.2016. Eifel. Wahrscheinlich werden Sie sich jetzt angewidert abwenden. Schon wieder Holocaust – man kann es doch nicht mehr hören. Wir wissen ja auch genug darüber: Adolf Hitler kam aus Österreich nach Deutschland, hat das Land erobert, die Juden gehasst und deshalb alle umgebracht, die er kriegen konnte. So hört man das in jedem Schulunterricht, das ich das, was von der historischen Wahrheit übrig geblieben ist. Vielen reicht das – und daran erinnert zu werden, ist ihnen schon zuviel. Irgendwann muss man ja auch vergessen können – hört man dann und vergisst dabei, dass jene, die die Geschichte vergessen, gezwungen sind, sie zu wiederholen. Wichtiger scheint einem da – gerade in diesen Tagen, wo wieder dem Götzen Fußball gehuldigt wird, wo viel Zeit, Energie und Aufmerksamkeit in Ballspiele investiert wird, die wir im Prinzip für viele wichtigere Dinge bräuchten – dass man wieder stolzer Deutscher sein darf, stolz sein Auto mit Deutschlandlappen verzieren kann, ebenso seinen Balkon und seinen Körper. Ein Unhold, wer daran drehen will – und hier schon wieder einen Nationalismus aufkeimen sieht, der andere Nationen vertilgen will.

Ja, es ist nur ein Spiel, dieses „Fußball“ – ein beliebiges Spiel. Ich würde ja nachfragen, warum man nicht auch Schach mit ebensolchen immensen Finanzmitteln ausstattet – oder Golf. Halma – das wäre doch auch mal nett. Oder „Mensch-ärgere-Dich-nicht“. Ich weiß auch nicht, warum die Industrie gerade Fussball ausgesucht hat, um dort immense Millionen zu investieren, ich weiß nur eins – als Mensch und deutscher Bürger: man kommt auch ganz ohne aus. Es gibt keine Notwendigkeit, sich für irgendeine Mannschaft zu entscheiden, mit aller produzierbaren Leidenschaft für ihren Sieg zu agieren – es gibt aber eine ganze Reihe von Gründen, die dagegen sprechen: sinnvoller Umgang mit begrenzter Lebenszeit ist nur einer davon. Nichts gegen „Spiel“ – um Gottes Willen – kaum etwas ist wichtiger für die Freude der Menschen (Freude – nicht Spaß. Wir werden darüber noch mal reden müssen) – aber anderen Menschen beim Spiel zuzuschauen und so zu tun, als gewänne man selbst, wenn andere gewinnen, deutet eher auf Mangelerscheinungen im Selbst hin denn auf gesunde Freude an eigener spielerischer Leichtigkeit – oder dem Bewusstsein der eigenen, unabänderlichen Wichtigkeit, die völlig unabhängig davon ist, wer wo welches Spiel gerade wie gewonnen hat.

Fort vom Sport – hin zum Holocaust. Der fand in Deutschland statt. Doch was war es eigentlich, das ihn so unverblümt als Maximum des Horrors erscheinen läßt? Eine Frage, die keiner beantworten will, weil man im „Vergessen“ Zuflucht sucht. Massenmorde – gab es öfter. Gibt es immer noch. Kümmert kaum einen. Niemand sieht sich an der Spitze eines Heeres, das – einem Kreuzzug gleich – Massenmorde verhindern will, im Gegenteil: Ruanda hat gezeigt, dass auch die UN lieber dem Wahnsinn weicht. als in die aufgebrachte Mördermenge zu schießen. Ruanda – war sehr grausam. Die Todesarten, das Schlachten – schlichtweg bestialisch. Solche Verstümmelungen von „anderen“ hat es im öffentlichen Raum des Dritten Reiches nicht gegeben – soweit ich weiß. Muss schlimm sein, wenn Horden von wütenden Menschen mit Feuer und Macheten durch die Gassen ziehen, jedermann aus seinen Häusern zerren, ihm Arme und Beine abhacken und den Rest lebendig für die Hunde liegen lassen. Dies ist dem Bruder einer Frau passiert, die heute für die UN arbeitet. Gibt es deshalb ein großes Drama um Ruanda? Nein, hat keinen groß interessiert. Waren ja auch „Neger“. In Westafrika werden gerade jetzt, wo Sie diese Zielen lesen, wieder „Hexen“ bei lebendigem Leibe verbrannt – die schmerzhafteste Art zu sterben. Man macht da trotzdem gerne Urlaub, das kommt nicht groß in die Tagesschau (das Video dazu – mit allen Liveaufnahmen – möchte ich nicht verlinken).

Außerhalb der kurzen Parole „Hitlers Hass macht Juden tot“ empfängt man … Schweigen.

Ja, dieser Hitler. Fährt im offenen Wagen durch die Menschenmengen, ein leichtes Ziel für jeden Attentäter. So bewegt sich ein Diktator. Unsere Bundeskanzler jedoch – ofiziell keine Diktatoren – ziehen schwer gepanzerte Sonderanfertigungen  vor – auch von Mercedes. Stimmt da was nicht an dem Bild? Bloß nicht drüber nachdenken. Wir wollen ja … vergessen. Vergessen, wie sehr die Menschen ihm zugejubelt haben. Erst die Beatles haben wieder so eine Begeisterung ausgelöst – man könnte fast den Verdacht haben, da kam der erste Popstar. Für eine entsprechende „Show“ hat er ja gezielt gesorgt. Aber war das alles?

Nun – es gab noch den religiösen Aspekt. Den halte ich für ziemlich unterbewertet – aber was weiß ich schon. Da schickt das „Schicksal“ einen „Führer“ um das „auserwählte Volk“ vor „den Bösen“ zu retten – das erinnert schon an Moses. Oder Jesus (dessen Volk allerdings keine Nationalität mehr hatte – auch Erlöser lernen dazu). Und hoch gebildete Leute glauben diesen Mythos heute noch – ich denke da an den RAF-Anwalt Horst Mahler – nun überzeugte Neonazi mit dem Glauben an den ewigen Krieg der edlen Gutmenschen (äh – Arier) gegen das Prekariat (… früher: Juden. Reiche Juden. Hinterhältige, verschlagene, verseuchte Juden. Links-grün versiffte Juden, um es genau zu sagen).

Hach – schon sind wie in der Gegenwart.

Da wollte ich aber gar nicht hin.

Noch nicht.

Es gibt nun ein neues Buch darüber, das die Fachwelt erschüttert hat – und nahelegt, die primitiven Holocaust-Parolen neu zu schreiben. Götz Aly hat es geschrieben, „Hitlers Volksstaat“ heißt es (Fischer Verlag, 2. Auflage 2011). Es verblüfft selbst Menschen, die sich schon länger durch die Materie gearbeitet haben. Mich persönlich hat zum Beispiel überrascht, wie klein der Sicherheitsapparat war: 7000 Leute hatte die Gestapo (1937, im Krieg wurden es mehr). Mehr brauchten sie nicht – sie mussten ja nur abholen. Die Ermittlungen – übernahmen ja die Nachbarn.

Lange hat es die Geisteswissenschaftler gewurmt – weshalb sie wenigstens einmal die Woche „Holocaust“ sagen, damit sie es selbst nicht auch noch vergessen – wie konnte es sein, dass das deutsche Volk, die deutsche Bildungsnation, so ein Ungeheuer aus sich gebar, ohne dass die Wände wackelten? Das Volk, das mit Luther, Kant und Marx (um nur einige zu nennen) mutige, rebellische Geistesgrößen hervorgebracht hatte (und gelegentlich zu Bauernaufständen neigte), deren Ideen die ganze Welt umwarfen, pervertiert die von ihm geschaffene Größe ins Gegenteil, in dem sie Massenvernichtungsanlagen für Nachbarn Gestalt annehmen lies. Ja – nicht nur für Juden. All´ jenen, die sagen, das jüdische Leid darf nicht heruntergeredet werden, kann ich nur zustimmen und ergänzend hinzufügen: das der Opfer der T 4 Aktion auch nicht – und die waren größtenteils nicht jüdisch. T 4? Ja – da wurden „unnütze Esser“ entsorgt. Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Würtemberg hat dazu noch einen Meldebogen im Internet stehen (siehe lpb-bw), dort finden Sie das wichtigste Kriterium für der Vergasung: Beschäftigung. Wer nicht mehr arbeiten konnte (oder nur noch einfache, mechanische Arbeiten wie „zupfen“ schaffte), sollte auch nicht mehr essen. Und damit der beim Sterben nicht so einen Krach machte und der ganze Dreck nicht so lange dauerte (und sich niemand selbst die Hände dreckig machen wollte), wurde er eben vergast. Betriebswirtschaft macht Staatspolitik.

Zurück zu Götz Aly … der uns eine bemerkenswerte Geschichte erzählt, eine Geschichte von einem Führer, der Angst hatte, Angst vor dem Volk und Angst vor den Frauen. Es überrascht, das zu lesen, ist aber sehr gut dokumentiert: die Führungsriege achtete genau auf „des Volkes Stimme“ – vor allem auf die Gemütslage der Frauen. Drohte sie zu kippen, griff „der Führer“ hart durch – und verteilte wieder Sonderrationen, die er sich gar nicht leisten konnte.

Und er konnte sich vieles nicht leisten – er hatte einfach kein Geld. Der Staat war arm. Aber – Privatbesitz war da. Nun konnte er nicht gegen jeden einzelnen Reichen vorgehen – aber man konnte ja ein paar absondern, ein paar, die ein unverwechselbares Nebenmerkmal hatten, anhand dessen man sie von anderen Reichen selektieren konnten: mal wieder – wie so oft in den letzten Jahrhunderten in Europa – traf es die Juden (und bis heute kann keiner genau sagen, warum eigentlich immer die – und die Zigeuner natürlich, wie man sie früher nannte). Was für ein Diktator – überlebte nur dank „Gefälligkeitsdiktatur“ (so Aly) – denn nicht nur er raubte das jüdische Vermögen: er lies auch das Volk daran teilhaben. Immobilien, Schmuck, Pelze, Teppiche – alles zu Schleuderpreisen.  Wer fragt da noch nach Ausschwitz. Ja – schauen Sie mal genau in die Erbmasse Ihrer Großeltern hinein … ich vermute, Sie werden dort ehedem jüdisches Eigentum finden können. Es waren ja Millionen – in ganz Europa, die bei diesem „Deal“ Begeistertung gegen Bares mitmachten. Oder denken Sie nur an die Autobahnen: erbaut mit geraubtem jüdischem Geld, erbaut mit dem Blut und dem Leben von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen? Schon mal daran gedacht, sie abreißen zu lassen? Weil sie Nazidreck sind? Nein – ich denke, Sie fahren mit Genuss über das Leiden der Naziopfer – und haben diese ja auch schon vergessen. Aber keine Lederschuhe von Opa tragen, weil da das Tierleid drin steckt … doch das wollen wir hier lieber nicht vertiefen. Außerdem wurden die Autobahnen ja vorher ersonnen, es gab nur kein Geld dafür.

Götz Aly beschreibt detailfreudig den Raubzug der edlen Deutschen durch Europa – auch Heinrich Böll war dabei. Skeptisch, kritisch, aber immer wieder Beute nach Hause schickend. Früher waren „Reichskreditkassenscheine“ die Grundlage für den „Handel“ – manche würden die heute „den Euro“ nennen. Wertloses Papier, ungebremst nachdruckbar, per Gesetz als Zahlungsmittel eingeführt, nur leider … nichts wert, weil man sie nicht in ordentliche Währung umtauschen konnte. Darum sind die Deutschen im europäischen Ausland so unbeliebt: die Urgroßeltern wurden regelrecht ausgeplündert – aber zivilisiert, mit echten Geldersatzstoffen, nicht durch wilde Plünderung, die man bewusst vermeiden wollte, um die Disziplin der Truppe nicht zu gefährden.

Dank der Juden konnte man endlich „Schnäppchen“ machen – und da waren fast alle dabei.

„Die einfachen Hausfrauen auf der Veddel trugen plötzlich Pelzmäntel, handelten mit Kaffee und Schmuck, hatten alte Teppiche und Möbel aus dem Hafen, aus Holland, aus Frankreich. Einige meiner Leser forderten auch mich auf, mich im Hafen mit Teppichen, Schmuck, Möbeln und Pelzen einzudecken. Es war das geraubte Eigentum holländischer Juden, die – wie ich nach dem Krieg erfahren sollte – schon in die Gaskammer abtransportiert waren“ (Aly zitiert hier die Biblithekarin Seydelmann, a.a.O., Seite 154). 

So leicht wäre antifaschistische Arbeit gewesen: einfach die Waren am Hafen verrotten lassen. Doch der Führer war klug und weise (oder gerissen und hinterhältig, was dasselbe mit anderen Absichten ist) – das konfiszierte jüdische Vermögen verschaffte den Staat soviel Geld, dass die Steuern niedrig bleiben konnten – man erkaufte sich sogar Freunde dadurch, dass man die Gerichtsvollzieher zu großer Milde anhielt – unser Sozialstaat wurde schon da begonnen. Außerdem … waren die Juden ja böse. „Wir – gut; die anderen – böse“. Ein ganz wichtiger Schachzug, der die Moral aushebelt (und weshalb einem mit entsprechender historischer Bildung ein „Gutmensch“ leicht unheimlich ist).

Und während ich diese Zeilen so las, kam mir eine Broschüre unseres neuen, flotten, frischen Sozialstaates in den Sinn. Sie wurde vor drei Jahren im Kreis Pinneberg erstellt …  und empfahl unseren selektierten ganz besondere Maßnahmen … und ganz besondere Perspektiven. Hartz IV als Chance …. (siehe N-TV):

Die Fischers nehmen die Hürde jedenfalls mit viel Fassung: Als die Familie beschließt, eine Woche auf Fleisch zu verzichten, jubelt die Tochter: „Ich wollte sowieso Vegetarierin werden.“ Um etwas Geld zu verdienen, verkauft die Familie im Internet zwei elf Jahre alte Möbelstücke für 350 Euro. Denn: „Der Erlös aus dem Verkauf von Möbeln“ wird Hartz-IV-Empfängern nicht angerechnet. Doch damit nicht genug: Ebenso rät die Broschüre dazu, Leitungswasser zu trinken statt Getränke zu kaufen, zu duschen statt ein Vollbad zu nehmen und Steine in die WC-Spülkästen zu legen, um Wasser zu sparen. „Vielleicht müsst ihr euch nur daran gewöhnen“, sagt eine Freundin.

Infolge des Hartz-IV-Bescheids ziehen die Fischers um. Denn die alte Wohnung ist größer, als das Amt erlaubt. Doch auch diese Zumutung meistert die Familie mit bewundernswerter Heiterkeit. Dass sie selbst renovieren müssen – kein Problem. Denn Mama Sylvia „streicht für ihr Leben gern“. Ebenso unbeeindruckt lässt die Familie, dass das neue Zuhause viel kleiner ist als das alte. Fazit: Alle sind froh. Die Wohnung ist perfekt. Beide Kinder haben ein eigenes Zimmer. Und endlich hat Papa Knut einen eigenen Garten. Er wollte schon „so lange eigenes Gemüse anbauen“. So schön ist wohl nur Hartz IV.

Es müssen teure Möbel gewesen sein, die sich nach elf Jahren noch für so viel Geld verkaufen lassen. Möbel, an denen man hing. Die miterlebten, wie die Kinder groß wurden. Vielleicht – der Stolz der ganzen Familie, ganz besondere Stücke, für die man ehedem viel Geld bezahlt hatte – und deren ideeller Wert unbezahlbar war. Was mich nun interessiert … wer kauft diese Möbel? Wer ersteigert die Eigenheime? Wer kauft sich den Schmuck der Selektierten? Machen wir uns doch nichts vor: die Maßnahmen, die der Gesetzgeber eingerichtet hat, gehen nicht von einer vorübergehenden Notsituation aus – hier wird umgehend auf Dauer eine Existenz vernichtet (auch wenn man das für die Betroffenen als Abenteuerurlaub hinstellt – so wie die Gaskammeropfer ja auch „umgesiedelt“ wurden), also auf Dauer geplant. Die Möbel (mit den kleinen Kunstwerken der frühen Tochter) kann man nie wieder kaufen, die Heime sind auf immer weg – zu Spottpreisen verkauft. Wo sind eigentlich die Studien, die aufzeigen, wer sich alles an dem so per Gesetz freigesetzen Vermögen bereichert hat? Bei den vorzeitig gekündigten Versicherungen, Sparverträgen (pervers: sogar die für die Ausbildung der Kinder, die – ähnlich der Sippenhaft – ewig in Hartz IV verbleiben sollen) und anderen Geldanlagen kann man es sich denken: die Konzerne, große Freunde der Berliner Politik.

Aber wer noch?

Nun – einfach mal in den Spiegel schauen. Was den so gescholtenen „Hartzern“ fehlt, wird zum „mehr“ für die anderen. Das Selektionsmerkmal hat sich geändert. „Jude“ – war alle, gab keine mehr. „Hartzer“ heißt das jetzt – denn das sind Millionen, da gab es noch was zu holen.

Ja, ich weiß: die werden noch nicht vergast. Sie werden noch „beschäftigt“. Aber so weit waren wir schon mal. Als die Butter dann knapp wurde, beschleunigte dies den Mord an europäischen Juden (Aly verweist hier auf die Arbeiten von Christian Gerlach, siehe Seite 200).

Was geschieht, wenn hier die Butter knapp wird? Nicht wegen horrenden Kriegskosten, sondern wegen überhöhter Betriebskosten für Zinsen, Diäten und Pensionen sowie öffentlicher Aufträge wie den Ausbau der Autobahnen für 235 Milliarden Euro – oder die Aufrüstung der Bundesehr? Wobei zu erwähnen ist, dass wir schon jetzt so hoch verschuldet sind wie das Dritte Reich in Kriegszeiten – wir sind von dem Zeitpunkt also gar nicht so weit entfernt. Was macht das zunehmend verrohte Bürgertum dann  – mit Fähnchen in der Hand?

Wir wissen, was sie damals gemacht haben.

„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Franz Müntefering.

„“Biologen verwenden für ‚Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben‘, übereinstimmend die Bezeichnung ‚Parasiten'“ – so eine Broschüre des Arbeitsministeriums (siehe Stern).

Welche gesellschaftlichen Sicherheitssysteme haben wir aufgebaut, um Wiederholung zu verhindern?

Nun – wir bauen ständig weiter welche ab. Dieses Jahr – so wurde gemunkelt – sollen weitere verschärfte Sanktionen beschlossen werden, die noch mehr Ressourcen freisetzen. Da freut sich die Hausfrau auf der Veddel (… was immer das auch sein mag).

Und dafür braucht man keinen Hass – nur Gier.

Und die ist weit verbreitet.

 

 

 

Margarete Bause, DIE GRÜNEN – Rufmord gegen den Nachrichtenspiegel. Oder die Frage: was ist eigentlich „links“?

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Mittwoch, 15. Juni 2016. Eifel. Ja, es gab hier keine kleine ungewollte Pause meinerseits. Ein Jahrzehnt nach den „rot-grünen“ Reformen entwickelt sich Deutschland – streng nach Maßgabe von McKinsey – zurück zu einem Dritte-Welt-Land: zum ersten Mal seit 56 Jahren durfte ich erleben, wie es ist, eine Woche ohne Telefon und Internet zu sein. Hat es so etwas je gegeben in diesem Land? Klar – das gibt es immer häufiger: wird erstmal der Strom abgestellt, wird es auch mit der elektronischen Kommunikation schwierig, das erleben immer mehr Menschen in Deutschland. Nicht nur ich war betroffen: über 1000 Haushalte im Umkreis durften erleben, was „Krisenmanagement“ in einem dank McKinsey und Renditewahn maximal verschlankten Privatkonzern bedeutet – da geht dann eben gar nichts mehr. Schuld war – vielleicht ein Gewitter. Nun – es bedurfte mehr als ein Dutzend Telefonate (mit Prepaidhandy), bis ich überhaupt die Auskunft bekam, dass eine „Massenstörung“ vorlag, über die „die Techniker nicht gerne reden“. Wer redet denn auch gerne darüber, dass auch die Telekom sich wie jeder andere Privatkonzern (oder der Staat bei der Arbeitslosenversicherung) verhält – renditemaximierend, was heißt: fleißig kassieren, aber nicht liefern.

Es ist viel geschehen in der Zeit, viel, zu dem ich gerne etwas geschrieben hätte. Einiges wird hier noch nachzuarbeiten sein, allein die Anschläge in Orlando zeigen, das ultrarechtes Politikverständnis wieder zu Taten motiviert, die grauenvoll sind: der „Andere“, der „Fremde“, der „Außenseiter“ wird wieder radikal ausgemerzt, weil er kein Recht auf Leben hat – jedenfalls nicht in den Augen seiner selbsternannten Feinde.

Was aber noch geschah: es gab einen Rufmordangriff gegen den Nachrichtenspiegel, er bezog sich auch einen älteren Artikel von mir:

„Wir freuen uns über eine aktive und lebhafte Diskussion. Verlinkungen auf Blogs der neuen Rechten, die gegen unsere Netiquette verstoßen, werden jedoch nicht geduldet und wurden dementsprechend entfernt.“ 

Zu finden beim Facebookauftritt von Margarete Bausem, Fraktonsvorsitzender der Grünen im Bayrischen Landtag (siehe Facebook). Ein Leser hatte ihn dort verlinkt. Zugegeben, der Titel des Artikels „Die Grünen – der letzte Dreck“ (siehe Nachrichtenspiegel) ist wie üblich etwas drastisch gewählt. Da ich mir Gehör verschaffen möchte im Meinungsbildungsprozess der Republik und dies nicht dank der Arbeit meiner Vorväter erhalten kann (die haben mir leider keine Zeitung hinterlassen, dafür selbst gebaute Möbel), wähle ich lieber aufregende Titel als langweilige, gerne auch mit Emotionen untermalt – und als einer jener, die im DFG/VK, in der Bürgerintiative Umweltschutz, in der alternativen Zeitschrift Holzwurm (die „Zeit“ hat uns 1982 mal erwähnt: als „Hinterwäldler“ und „Plärrer“, siehe Zeit – wobei ich doch merke, dass der Eifelphilosoph einer gewissen Tradition treu geblieben ist), im antifaschistischen Aktionsbündnis und diversen anderen alternativen Projekten aktiv war und somit zu den Aktiven jener Bewegung gehörte, aus denen später die „Grünen“ wurde, erlaube ich mir auch das Recht, hier drastisch zu formulieren.

Was enthielt der Artikel?

Nun – einfach nur eine Sammlung von Fakten zu den „Grünen“, wie üblich aus „deutschen Qualitätsmedien“. Es ging um Grüne, die zur AKW-Lobby gewechselt sind, als Lobbyisten bei „Mars incorporated“ landeten, als Berater bei Siemens, BMW, RWE aktiv sind oder sich vom deutschen Zigarettenverband bzw. der Pharmaindustrie anwerben ließen – Menschen, die ihr politisches Mandat zum persönlichen Vorteil gebrauchten und so die „Basis“ verrieten. Nun – mit Verrat an der Basis haben die Grünen Erfahrung. Nur langsam sickert die Erkenntnis durch, dass die Friedensbewegung mit den Grünen eine bellizistische – also kriegstreiberische – Partei geschaffen hat – dank ganz besonderem „Personal“. Der Artikel zitiert eine Studie, die ich hier gerne noch mal bringe, weil sie aktuell bleibt (siehe Matthias Künzel):

Auf der einen Seite ist die Faktenlage über Deutschlands Rolle im Vorfeld dieses Krieges ganz eindeutig. Hier kommen Brigadegeneral Loquai, der kürzlich vom IPPNW für seine Studie über den Kosovo-Krieg geehrt wurde und und der aus dem Inneren des OSZE-Apparats heraus analysierte und mein Buch, dass von außen an diesen Konflikt heranging und besonders die einschlägigen englisch-sprachigen Publiktionen rezipierte, zu ein und demselben Schluß: „Zu einer Zeit“, schreibt General Loquai und ich stimme ihm darin zu, „als die anderen Nato-Mitgliedsländer noch nicht daran dachten, machte sich die deutsche Politik zu einer Speerspitze für einen direkten militärischen Einsatz im Kosovo.“

Ja – „rot-grün“ ist nicht „nur in den Krieg hineingezogen worden“ – sie waren die treibende Kraft hinter dem ersten Auslandseinsatz deutscher Soldaten seit Hitler.

Im Weiteren schrieb ich über den Herrn Kretschmann: ein begeisterter Fan der „Löwendivision“ und Freund der Bundeswehr, deren Jugendoffiziere er gerne in Schulen sieht, wo er erstmal 11600 Lehrer abgeschafft hat. Dafür will er satellitengestützte PKW-Maut – wodurch man jedes Auto gezielt überwachen kann. Ja: so ein echer Grüner ist ein professioneller Wendehals. Dies zu verlinken, verstößt jedoch gegen die „Netiquette“. Habe mir die mal angeschaut (siehe Bause/Facbook): bin weder fremdenfeindlich, noch rassistisch, noch diskriminierend, noch persönlich beleidigend (gut – „der letzte Dreck“ – ist nicht gerade freundlich – aber nichts im Vergleich zu den Leichen, die der Bombenfischer im Kosovo hinterlassen hat – oder der Hartzfischer in dem von ihm selbst erstmal definierten, geschaffenem und in Szene gesetzten „Prekariat“). Der Link hatte einen eindeutigen Bezug zur grünen Partei (die man als solche wohl nicht beleidigen kann), wurde nicht penetrant wiederholt und mir war klar, dass ihn alle lesen können. Sehe da also keinen Verstoß gegen die Netiquette – es sein denn, es gibt noch eine geheime: wer nicht die Grünen und ihre Funktionäre bejubelt, soll draußen bleiben.

Was aber diskriminierend ist: die öffentliche Beschreibung dieses Blogs (und seines Autors sowie die anderen frei schaffenden Akteure) als Teil der (ominösen) „neuen Rechten“. Gut – es war nicht Frau Bause selbst, es war ihr „Team“ – nehme mal an, die üblichen teilgebildeten Praktikanten der „Generation Y“, die gerne mehr Flüchtlinge aufnehmen, damit die Regierung endlich echte Jobs für sie schafft.

Ja, der Autor dieses Artikels wird von dem Herrn Ströbele zu Pressekonferenzen eingeladen, seine Artikel erscheinen unter anderem im „Freidenker“, dem Magazin des deutschen Freidenkerverbandes, in dem Erich Honecker bis zu seinem Lebensende Mitglied war. Wir haben schon für Flüchtlingscamps im Libanon Geld gesammelt, Jahre bevor dieses Thema „in“ wurde, weil arbeitlose Sozialarbeiter im Flüchtling eine günstige Beschäftigungsmöglichkeit und renditegierige Unternehmer in ihnen eine gute Verdienstmöglichkeit sahen – und sammeln auch für jene, die dank „rot-grüner“ Politik in einem der reichsten Länder der Welt vom Hungertod bedroht sind.

Ja: dieser Blog wird im Sinne der alten, antifaschistischen Freidenker geführt: sozial, human, ökologisch, orientiert an Gerechtigkeit und Frieden – und damit sind wir natürlich ein Dorn im Auge der selbstverliebten Pseudolinken, die außen chemisch grün, innen aber eher verwesend bräunlich sind und vor allem dem von McKinsey und Konsorten unterstützten „Putsch von oben“ (siehe hierzu Arno Luik über die „rot-grünen Sozialreformen“ im Stern vom 21.10.2004) treu ergeben. In dem Artikel (im Netz kaum noch zu finden, also: bei Bürgerwelle schauen) warnt Luik:

„Werden die Reformen umgesetzt – und die politisch Handelnden sind dazu verbissen entschlossen -, wird diese Republik eine radikal andere Gesellschaft sein: ein entkernter Staat ohne Gemeinsinn, eine entzivilisierte Gesellschaft. Anfällig für individuelle Aggressionen und für Rechtsextremismus.“

Und was haben wir heute, 2016? Genau das, was er prophezeit hat: eine entzivilisierte Gesellschaft mit starkem Trend Richtung vollbraun, die ihre „Werte“ durch Kindermord in Afghanistan verteidigt und die „Diäten“ ihrer Abgeordneten durch industrielle Massenproduktion von Sondermüll auf vier Rädern erwirtschaften. Ja – unsere Kernindustrie „Auto“ ist vor allem eins: hochgiftig. Man weiß es seit 1989 (siehe Spiegel). Notwendige Konsequenz: die Forderung nach der kompletten Abschaffung des Problems „Auto“. Tatsächliche Konsequenz? Massive Steuererleichterungen für Großkonzerne, die Gemeinden massive Probleme bescheren (aktuell: den Standort Sindelfingen (siehe die Linke BW, auch eine Folge von „rot-grün“, die augenscheinlich ihre „Politik“ wohl als Bewerbungsschreiben für Pöstchen in der Industrie verstanden – und immer noch verstehen).

Jenseits des großen, von Politikberatern anempfohlenen Wortgeklingels offenbart sich grüne Politik als „rechts vom CDU-Mainstream“ – so schreibt jedenfalls Mariam Lau über Winfried Kretschmann (siehe Zeit), der Ex-Chemielehrer und Ex-Kommunist ist neuer „Genosse der Bosse“ (siehe FAZ) und fährt selbstverständlich Mercedes (siehe Abendblatt), „rollenden Luxus“ für 109 677 Euro (minimal, mit Extras kommt man auch über 150 000) und einem Verbrauch von über 10 Litern auf 100 Kilometer (siehe FAZ, wo man auch erfährt, dass man mit dem Elektroantrieb nur 33 Kilometer weit fahren kann – kein Wunder: der Wagen wiegt über zwei Tonnen). Ein Arbeitsloser müßte mit dem Geld für Kretschmanns Auto 22 Jahre auskommen.

Und was finden wir politisch rechts von der CDU? Früher mal nur die NPD, heute auch die Grünen (die schon mal – wie die Piratenpartei – enorme Probleme mit braunen Gesellen in der Gründungsphase in Berlin hatten. Leider – finde ich da im Netz nichts. Sollte man mal eingeben – bevor es ganz vergessen wird).

30 Jahre Grüne – was hat es uns gebracht? Schauen wir uns das Thema „Frauen“ an, ein Schwerpunkt von Frau Bause. Dazu finde ich etwas aus dem Jahre 2013 (siehe Süddeutsche):

„Aus Japan, den USA und Arabien reisen Männer mittlerweile nach Deutschland, ins Bordell Europas. Wie schlimm es um die Sexindustrie hierzulande tatsächlich steht, beleuchtet ein großartiger Film im Ersten. Ohne Pathos und ohne Anklage zeigt er eine Welt, die sich eine Gesellschaft nicht wünschen kann.“

Aber wir haben Dosenpfand. Und sehr problematisch zu entsorgende Energiesparlampen. Eine Frau als Kanzlerin? Kam von der CDU. Ein homosexueller Außenminister? FDP.  Ein Minister mit Migrationshintergund? FDP. Ein Behinderter als Finanzminister? CDU. Ja, schwarz-gelb erfüllte die Forderungen der grünen Basis aus den achtziger Jahren, ohne großes Wortgeklingel, das überließ man lieber den Grünen, der Speerspitze der „verrohten verrohten Bürgerlichkeit“, deren Wählerschaft vor allem aus jenen älteren Herrschaften besteht, die im Bildungs- und Dienstleistungsbereich überdurchschnittlich gut verdienen (siehe Bundeszentrale für politische Bildung) und inzwischen gut ausgebildete Fachkräfte für Lippenbekenntnisse jeder Art sind.

Wie geht es der Umwelt – dank der „grünen Bewegung“? Schlechter denn je. Ökostrom schützt nicht vor Artensterben – oder Klimakatastrophen (siehe aktuell: Spiegel), jedenfalls nicht, wenn man sich dafür ein Automonster gönnt, dessen Umweltschäden sich im Preis überhaupt nicht mehr abbilden lassen. Die grüne Partei: eine Gemeinschaft von Trittbrettfahrern zur Optimierung des eigenen Kontostandes – man lebt „von“ dem Thema Umwelt – nicht „für“ das Thema Umwelt, strebt an, zu jenen „Besserverdienern“ zu gehören, die hauptverantwortlich für die Zunahme der Menschenfeindlichkeit in Deutschland sind (siehe schwäbisches Tagblatt, erläuternd dazu das Handout der „Deutschen Zustände“, Uni Bielefeld).

Ach ja: Thema Frauen. Wie weit die Emanzipation vorangeschritten ist, erlebe ich in unserem Urlaubsort jeden Tag: beim Radfahren fährt der Mann vorne weg, die Frau folgt, im Automobil sitzt das Weibchen still und fügsam auf dem Beifahrersitz – gerade bei kostspieligen Sondermüllderivaten auf vier Rädern. Zustände wie – in Anatolien.

Die Liste des Wählerverrates ließe sich noch ziemlich weit fortsetzen, bleiben wir aber erstmal bei einem Punkt, wegen dem einer unserer Leser (und Gelegenheitsautor) unseren Artikel verlinkt hatte: die Preisverleihung an Joschka Fischer, dessen eigene Firma dank der strategischen Partnerschaft mit Madeline Albright gut floriert, jener Frau, die – roh, wie diese Leute nun mal sind – den Tod von Millionen Kindern billigend in Kauf nimmt (siehe AG-Friedensforschung, Stand 2012):

„Im Mai 1996 wurde die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright im US-TV-Magazin »60 Minutes« zu den Folgen der auf Druck Washingtons verhängten UN-Sanktionen gegen den Irak befragt. 500000 Kinder seien gestorben, »mehr als in Hiroschima«, hieß es in der Moderation. »Glauben Sie, daß es den Preis wert ist?« Es sei eine »sehr schwere Entscheidung«, meinte Albright und bekräftigte dann: »Wir denken, es ist den Preis wert.« Bis heute sterben jedes Jahr mehr als 300000 Kinder im Irak.“

Ja – das ist das Umfeld, in dem sich grüne Helden bewegen. Wer genauer hinschaut, den wundert es nicht (siehe den Artikel über Joschka Fischer im Stern). Jutta Dithfuhrt hielt ihn für ihren „historischen Fehler“ (siehe Frankfurter Rundschau).

Doch bleiben wir beim Thema: dem „neurechten“ Nachrichtenspiegel. Geübt in linker Selbstkritik (ja: sowas machen „Linke“ – auch wenn sie wissen, dass es sie erstmal schwächt) habe ich schnell mal zwei Tests gemacht. Einen in der FAZ („Glückwunsch, Sie sind ein Linker aus altem Schrot und Korn! Sie sind sich treu geblieben und können stolz darauf sein.“) und einen bei Metronaut („Gratulation! Du hast 88% erreicht. Ab 50% bist du linksradikal, ab 75% bist du linksextrem“) … Ergebnisse, die mich erschrecken: offenbar sind ganz normale, humane Ansichten einer demokratischen Bürgergesellschaft schon „linksextrem“ – was zeigt, wie rechtsradikal unsere Wirklichkeit geworden ist (ganz entgegen den verdrehten Annahmen gewisser Strömungen, die unter jahrzehntelanger CDU-Herrschaft eine „links-grün-versiffte“ Republik erkannt haben wollen – was man nur mangelnder Bildung zuschreiben kann).

Meine Ansichten? Nun – habe 2700 Aufsätze darüber geschrieben, die will ich jetzt hier nicht wiederholen. Sie decken sich mit denen des José Pepe Mujica (siehe Netzfrauen):

Schmeißt die Reichen aus der Politik„.

Die Demokratie – hat keinen Platz für Kapitalmacht, die eine repräsentative Demokratie sinnentleert. Demokratie hat auch keinen Platz für Dauerplatzhalter und Berufspolitiker – weshalb es bei den Grünen mal „Rotation“ gab – aus guten Gründen.

Wenn man unter „links sein“ allerdings versteht, dass man so lange Krach macht und „Mollys“ wirft, bis man selber einen Beraterposten geschenkt bekommt – dann bin ich gerne was anderes. Vielleicht gerne so, wie es mal die Piratenpartei sein wollte: nicht links, nicht rechts, sondern: vorne. Da, wo wir 239 Milliarden Euro nicht in den Ausbau von Autobahnen investieren (auch wenn das 50000 „Spiegel“-Leser so wollen, siehe Spiegel), sondern – gemäß den Ausführungen des IBM-Mannes Prof. Dr. Gunter Dueck in seinem Werk „Aufbrechen“ – für eine „Exzellenzgesellschaft“, die Zukunft hat. Eine Zukunft, die unseren – immer mehr werdenden – rot-grün „verhartzten“ Kinder nicht mehr haben.

Für die diskriminierende und rufschädigende Äußerung des „Team Margaret“ hätten wir gerne eine Enschuldigung.

Ich persönlich habe übrigens drei grüne Freunde, eine war Bundestagsabgeordnete der ersten Stunde, hat sich aus der Politik verabschiedet, ein weiterer ging angeekelt von den „Jünglingen, die nur Karriere machen wollten“, eine dritte hadert mit der Partei und hängt noch alten grünen Träumen nach – jenen alternativen Träumen, die die „Realos“ ihrer eigenen Karriere wegen geopfert haben.

Zu den Träumen gehört, dass eine wirkliche Demokratie nur mit einem starken Staat ohne kapitalistische Gegenmacht möglich ist, die Erkenntnis, das Kapitalismus immer und überall in seinem Entstadium faschistische Züge annimmt (diese Entwicklung begleiten wir ja seit sieben Jahren, weshalb wir staatliche „Sanktionspolitik“ als Anfang der Endlösung ansehen) und das eine demokratische Gesellschaft Meinungsfreiheit braucht – und keine Löschaktionen.

In dem Sinne würde ich mir wünschen, dass auch die Aussagen des „Team Margaret“ konkretisiert werden:

„Wir freuen uns auf aktive und  lebhafte Diskussionen … die voller Lob und Begeisterung für unsere Führer sind. Kritik jeder Art verstehen wir als Beleidigung, auch wenn sie noch so gut fundiert ist. Sie wird mit Auslöschung der virtuellen Meinungsäußerung bestraft … bis wir Mehrheiten für Säuberungsaktionen anderer Qualität zusammen haben…“

Da weiß man dann, wo man „rechts von der CDU“ dran ist und bräuchte keine Mogelpackung mehr wählen.

Und erzählt mir nicht, dass man 2 Billionen Euro Staatsschulden nicht mit 5,3 Billionen Euro Privatvermögen in den Griff bekommen kann – wenn man nur will. Nur: da müßten auch Grüne was abgeben, will man den Abwärtstrend im Land aufhalten.

 

Merkels große Lüge: Deutschland geht es schlecht

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Montag 30.5.2016. Eifel. Was antworten Sie eigentlich, wenn man Sie fragt, wie es Ihnen geht? Ich weiß: „gut“ steht im Verhaltenskodex für Normbürger. Versuchen Sie es mal mit „schlecht“ als Antwort, ich kann ihnen sagen: äußerst unterhaltsam, was man da an Hilflosigkeit im Gesicht des Gegenübers erleben kann. So schön eingespielt sind die öffentlich zulässigen Verhaltensnormen, dass schon Kleinigkeiten genügen, um aus einem Nachbarn einen Staatsfeind zu machen. „Deutschland geht es gut“ – so tönt die deutsche Bundeskanzlerin, weit oben thronend über dem Volk, das zu blöd ist, sich selbst die Schnürsenkel zu binden oder eine Tiefkühlpizza ordentlich aufzubereiten. Pack geradezu, dem man immer erklären muss, wie es sich gerade fühlt – sonst fühlt es nachher wieder falsch.

Ich antworte oft „schlecht“ – es sei denn, mir tut mein Gegenüber leid, weil es einer solchen Antwort nicht gewachsen ist: oft reichen schon Kleinigkeiten, um einen aus der Fassung zu bringen – und man selbst ist schnell im Verdacht, rechtsradikaler arbeitsloser islamistischer Terrorist zu sein … oder wie „der Jude“ heute heißt.  Nicht, dass es mir selber schlecht ginge, im Gegenteil: ich lüge da einfach immer – aus erzieherischen Gründen. Mache ich ja auch bei meinen Kindern, muss ich machen: die haben ein Recht auf positive Zukunftsaussichten – da bleibt nur die Lüge, also muss ich hier die Merkel machen. Mir selbst – also persönlich, in meinen Kreisen – geht es sehr gut. Ich habe ausreichend Zeit, mein eigenes Leben zu leben, habe meine Bedürfnisse schon während des Studiums so weit herunterreguliert, dass sie mir ein Maximum an Freiheit geben, sehe viel Sinn in meinem Leben. Würde morgen der Sensenmann vor der Tür stehen: ich könnte erhobenen Hauptes meinen Platz in der Welt verlassen. Es war ein gutes Leben: turbulent, mit Höhen und Tiefen, reich an persönlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Eindrücken, reich an intensiven menschlichen Kontakten und Bildung. Geld und Gesundheit habe ich seit zehn Jahren nicht mehr – aber wer braucht das schon zum Glück.

Die Antwort „mir geht es schlecht“ ist trotzdem nicht falsch – und ich erläutere sie auch gern, wenn überhaupt noch Nachfragen kommen. In den letzten 15 Jahren haben wir „70 – 80 % der Biomasse an Fluginsekten“ verloren (siehe Nabu). Das haben Sie wahrscheinlich schon selbst gemerkt: wir Naturfreunde merken das schon länger (Bremsen zum Beispiel – waren in unserem kleinen Tal von einem Jahr aufs andere verschwunden), aber Sie als Autofahrer dürften auch gemerkt haben, dass Sie die Scheibe nur noch extrem selten von Insekten befreien müssen – das war früher anders.

Doch es ist nicht nur die Natur, die versagt. Auch unser Wirtschaftssystem ist gestorben, komplett zusammengebrochen. Wir merken es nur noch nicht, weil man uns die Informationen nur noch häppchenweise gibt – und kaum noch einer das notwendige geisteswissenschaftliche Rüstzeug dazu vermittelt bekommt, diese Häppchen wieder zu einer vollwertigen Mahlzeit zusammen zu fügen.

Ich will Ihnen mal eins dieser Häppchen aufzeigen: man findet es in den Kommentaren über den G-7-Gipfel in Japan, wo demokratische Politiker mit zehntausenden Polizisten vor den gemeinen Japanern geschützt werden mussten, ohne dass sich auch nur einer fragte, was denn da nicht stimmt. Hören Sie mal dazu Deutschlands wichtigstes Nachrichtenmagazin (siehe Spiegel):

„Überall grassiert die Unzufriedenheit, und sie wird genährt durch die Tatsache, dass die Wirtschaft in den G7-Staaten seit der schweren Finanzkrise vor acht Jahren noch nicht wieder auf Touren gekommen ist. Das geringe Wachstum kommt nahezu ausschließlich einer kleinen Oberschicht an der Spitze der Einkommensskala zugute, während die Einkünfte der Durchschnittsverdiener stagnieren. Als Folge der weltweiten Niedrigzinspolitik schrumpfen die Vermögen der Kleinsparer.“

Von wegen „Lügenmedien“. Die berichten schon noch die Wahrheit – nur verschleierter als früher. Man ist gezwungen, mehr als die Überschrift zu lesen. Wagt man das, erfährt man erstaunliches. Ich hoffe, Sie haben in den letzten Jahren die Jubelmeldungen über den Triumph des Kapitalismus über die Krise mitbekommen, die gerade in Deutschland ja wöchentlich ausgeschüttet wurden – alles gelogen. Man weiß ganz genau, welche Probleme die Bevölkerung hat:

„die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Auszehrung der Demokratie durch den Einfluss der Interessengruppen, das wachsende Gefühl ihrer Wähler, vor den Risiken der Globalisierung nicht mehr ausreichend gesichert zu sein.“

Nur – wie der Artikel im Weiteren darlegt – gibt es keine Lösung dafür. Die Spitzenkräfte unserer Politik und Intelligenz haben nur eins im Sinn: die Parole vom Endsieg auszugeben: „Deutschland geht es gut“. Die Wahrheit würden die seit Monaten stagnierenden Aktienmärkte nicht ertragen: die Titanic hat den Eisberg gerammt, unten steht immer mehr Bürgern das Wasser bis zum Hals, während man oben Kaviar und Champagner in die Rettungsboote packt … und Musikinstrumente zur Unterhaltung, man erinnere sich, den Porsche-SUV nicht zu vergessen.

Die Politik packt Parolen aus, Parolen vom Endsieg der deutschen Wirtschaft: „Deutschland geht es gut“. Die Erfahrung zeigt das Gegenteil. Wir werden darauf vorbereitet, dass auch Einheimische bald in Zeltstädten leben könnten (siehe Focus):

„Laut den Schätzungen der BAG Wohnungslosenhilfe hat die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland im Jahr 2014 mit 335.000 einen neuen Höchststand erreicht, darunter 29.000 Kinder. Bis zum Jahr 2018 könnten weitere 200.000 Menschen dazukommen, befürchtet die BAG W.“

Ein Grund, warum immer mehr Menschen ihre Miete nicht bezahlen können: die hohen Strompreise (siehe theintelligence):

„Aufgrund unbezahlter Rechnungen, wurde in Deutschland zuletzt in über 300.000 Haushalten von verschiedenen Energieversorgern der Strom abgestellt, das entsprach rund 800.000 Menschen. Die Betroffenen haben somit von einem Moment auf den anderen weder Warmwasser, Heizung noch Licht. Dabei ist im modernen Zeitalter ein Leben ohne Strom unzumutbar.“

Was da geschieht? Die Ärmsten finanzieren den grünen Häuslebauern die Solarzellen auf dem Dach und die Subventionen fürs Elektromobil: eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Die starken (oft steuer- oder beitragsfinanzierten) Schultern lassen sich von den schwächsten (auch von Kindern) zum Olymp tragen: perverser geht es kaum noch.

Das gilt auch für andere gesellschaftliche Sphären, die geschickt verschleiert werden. Versuchen Sie mal den Suchbegriff „Arbeitslosenindustrie“ zu googeln – sie werden so gut wie gar nichts finden. Aber „Armutsindustrie“ – das füllt den Rechner aus. Nur: es ist gar keine Armutsindustrie, an Armut läßt sich schlichtweg nichts verdienen, denn … die haben ja nichts, die Armen. An Arbeitslosen jedoch: da verdient man sich eine goldene Nase. Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten verdient daran mit, weil sie Pöstchen in Firmen haben, die die staatliche Ruhigstellung der Arbeitslosen besorgen (siehe freiewelt.net). Für diese Industrie geben wir mehr aus als für die Arbeitslosen selbst (siehe Spiegel):

„49 Milliarden Euro haben der Bund und die Kommunen 2010 für Hartz-IV-Empfänger ausgegeben, etwa drei Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Doch nur ein Teil des Geldes, 24 Milliarden Euro, ist unmittelbar für die Betroffenen bestimmt.“

Kaum zu glauben, oder? Diejenigen, die die Gesetze beschließen, verdienen daran, dass sie umgesetzt werden: da ist jedem Wahnsinn Tür und Tor geöffnet. Einfach mal die Regelsätze verdoppeln und die Arbeitslosenindustrie austrocknen: schon steigt der Binnenkonsum, Arbeitsplätze werden geschaffen, Deutschland wird wieder attraktiv für Investoren, die Jugend bekommt wieder Zukunft. Doch wir: entscheiden uns lieber für das Aufsagen von Durchhalteparolen.

Es ist kein Zufall, dass der Begriff „Arbeitslosenindustrie“ durch den Begriff „Armutsindustrie“ ersetzt wurde: für den armen Rentner interessiert sich nämlich niemand, an dem kann man auch nicht verdienen – es sei denn, man arbeitet in dem überzogenen Gesundheitssegment, verkauft Therapien, die nichts bringen gegen Krankheiten, die frei erfunden sind.

Schon längst ist klar, woran unsere Gesellschaft krankt – und weshalb die „Lügenpresse“ deutlich die Wahrheit sagen kann, ohne dass es jemand merkt (siehe Nachdenkseiten):

„Daher hat in jeder Gesellschaft und in jedem Bereich einer Gesellschaft das Establishment ein Interesse daran, dass Ausbildungsinstitutionen und Medien die Möglichkeiten eines Erkennens von Sinnzusammenhängen in geeigneten Grenzen halten. Fragmentierung – ob durch bildungsbürgerliches Wissen, durch eine PISA-orientierte Schulausbildung, durch ein “kompetenzorientiertes“ Studium oder durch Medien – ist also in diesem Sinne keineswegs Zufall, sondern ein beabsichtigter Prozess, eine Art Herrschaftsinstrument.“

Fragmentierung von Wissen – gäbe es das nicht, Sie wüssten sofort, dass der islamische Terror in der Tat rechtsradikal zu nennen wäre und bekämen Probleme damit, antiislamistische Strömungen als rechtsradikal zu definieren. Wir werden uns diesem Thema ein andermal widmen müssen – wenn es überhaupt noch erlaubt ist:

„Zu einem solchen “Hinterfragen“ sind wir alle von Natur aus befähigt, man muss sich nur entschließen, von dieser Befähigung auch Gebrauch zu machen – das war ja gerade die Leitidee der Aufklärung. Das ist oft mühsam und bedarf der Übung, doch empfinden wir häufig ein Gefühl der Befriedigung, wenn wir den Sinnzusammenhang der Dinge besser verstehen.“

Nur ist diese „Leitidee der Aufklärung“ heute „Verschwörungstheorie“ und de facto verboten – die Gesetze dazu werden sicher noch kommen. Die Titanic sinkt – und in der Dritten Klasse zeigt man Pornos, um für Ablenkung zu sorgen. Wer von Rissen im Rumpf faselt, ist ein Verschwörungstheoretiker. Wer dem Kapitän misstraut, ist rechtsradikal – oder geisteskrank. Immerhin ist die Titanic unsinkbar.

„Das große Versprechen an individuellen Lebensmöglichkeiten hat sich in sein Gegenteil verkehrt. Es ist Moore, der hier spricht und der einst im Thatcherismus alter Prägung die größtmögliche Erfahrung gesellschaftlicher Perfektion erblickte: „Ihre Chancen für einen Job, für ein eigenes Haus, eine anständige Pension, einen guten Start für Ihre Kinder, werden immer kleiner. Es ist, als ob man in einem Raum lebt, der immer mehr schrumpft. Für Menschen, die nach 1940 geboren wurden, ist dies eine völlig neue Erfahrung. Wenn es noch länger so weiter geht, wird sie ziemlich schrecklich werden.“

Das sagt der Vordenker von Margret Thatcher, dem langsam die Erkenntnis kommt, „das die Linke recht hat“ (siehe FAZ). Der Artikel ist fünf Jahr alt, fünf Jahre, in denen sich nichts geändert hat  – außer dass der Top-Politiker der CDU Friedrich Merz jetzt Lobbyist für den Investmentriesen Blackrock ist (siehe Manager Magazin) – mit einer klaren Aufgabenbeschreibung:

„in der er „die Beziehungen mit wesentlichen Kunden, Regulierern und Regierungsbehörden in Deutschland für Blackrock fördern wird„. Was macht er sonst noch so?

„Aufsichtsrat der Deutschen Börse, Aufsichtsrat bei IVG Immobilien, dazu Beirat der Commerzbank sowie von Borussia Dortmund und Vorsitzender der Atlantik-Brücke“ – viel zu tun, gäbe es da echte Arbeit. Viel Einfluss für einen einzigen Menschen. Fürsten hätte man sie früher genannt. Heute – spricht man einfach nicht mehr von ihnen, hinterfragt nicht die seltsamen Machtzusammenballungen und Ämterhäufungen bei einzelnen Personen … während Millionen immer ärmer werden. Er macht jetzt mit bei der „Auszehrung der Demokratie durch Interessengruppen“ (siehe oben) – und der Steuerzahler hat viel investiert, damit Herr Merz diesen Job machen kann.

Verrückt, oder? Denen darf ich überhaupt nicht mit Insekten kommen – die kaufen keine Aktien, sind also nicht existent: wie Arbeitslose, nur billiger.

Ach ja: Arbeitslose. Zehn Jahre nach Einführung der Hartz IV-Gesetzgebung ist einem Richter etwas seltsames aufgefallen. Ja: wirklich – schon nach zehn Jahren. Die deutsche Intelligenz ist nach wie vor auf dem Damm, muss man sagen. Man stellte in der Tat fest, dass Sanktionen das zuvor mühsam klein gerechnete Existenzminimum unterschreiten – und somit möglicherweise gegen enorm viele fundamentale Gesetze verstoßen (siehe Süddeutsche):

„Eine Million Leistungsberechtigte werden jährlich sanktioniert. Eine Million! Womöglich sind Sanktionen schlicht eine einfallslose Reaktion darauf, dass sich die Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose weiter verschlechtern. Sie werden von den Jobcentern als Kunden bezeichnet – aber oft wie Penner behandelt.“

Hier haben Interessensgruppen die Grundlage von Demokratie und Menschenrechten schon ziemlich ausgehölt: der Staat wird zum Feind der Bürger, die den Folgen der Globalisierung erlegen sind – verliert man seinen Arbeitsplatz, weil Blackrock seinen Firmensitz aus steuerlichen Gründen nach Irland verlegt, wird man prompt als Täter vom Staat verfolgt – nicht nur als Penner. Gipfel der rot-grünen Idiotie war in der Tat, dass man von den Arbeitslosen verlangte, sie sollten die Folgen der Globalisierung für den bundesdeutschen Wirtschaftsraum von jetzt auf gleich ganz allein bewältigen und sich selbst quasi aus dem Nichts einen Ersatzarbeisplatz erschaffen, mit dem sie die Abzocker des Landes weiter subventionieren können.

So etwas wirkt halt auch auf die jungen Leute, von denen sich gerade einer in der Zeit sehr echauffiert – zurecht, wie ich sehe. Man erfährt dort auch nebenbei etwas über die Hintergründe der „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge – etwas, dass man vielleicht gar nicht hören will (siehe Zeit):

„Es sind vor allem die jungen Menschen gewesen, die an Bahnhöfen die Flüchtlinge willkommen geheißen haben.“

„Wie wäre es mit einer Art New Deal für die Flüchtlinge? Wenn wir einen anständigen Batzen Geld, so einen, wie ihn sonst nur Banken und Rentner kriegen, in die Hand nähmen, um damit Integrationsprogramme zu boosten, damit die Flüchtlinge hier ankommen, anpacken können, und in diesen Programmen fände unsereins, die Jungen, unbefristete, vernünftig bezahlte, steuerpflichtige Arbeit. Das wäre doch für alle gut, selbst für die Alten?“

Da hat die prekäre Jugend die Botschaft der „Hartz IV“-Gesetze verstanden und sich selbst Arbeit beschafft – und aus der Traum vom neuen empathischen Deutschland. Die Willkommenskultur war geprägt von Verdienstaussichten im sozialen Bereich für jene, die noch nicht in der „Armutsindustrie“ Fuß gefasst haben. Darum interessiert sich auch niemand groß dafür, dass weiterhin Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken – was wir recht schnell stoppen könnten, wenn „wir“ es wollen würden. Lesen Sie sich den Artikel in der Zeit ruhig mal durch: sie lesen dort von einem jungen Mann die Nöte seiner Leidesgenossen, er macht uns klar, dass bei der nächsten Bundestagswahl 50 Prozent der Wahlberechtigten über 50 sind … und seine Generation schon bei der letzten Wahl nur 15 Prozent der Wähler stellte.

Kein Wunder, dass sich keiner mehr für das Insektensterben interessiert – obwohl diese kleinen Kollegen eine unverzichtbare Grundlage für das Ökosystem bilden.

Und darum geht es mir schlecht – obwohl es mir selber gut geht. Jenseits meines Tellerrandes gibt es keine Zukunft mehr – dafür aber steigenden Wahnsinn … wie kürzlich im Wiener Theater (siehe orf):

„Diese Akkuratesse braucht es auch, wenn auf der Bühne gekotzt wird, wenn Frauen stehend in Glasgefäße urinieren, Pornoszenen nachgestellt werden und 20 Personen wild um sich schlagen, kreischen und schluchzen, wenn rohes Fleisch und Eingeweide geworfen werden, wenn echtes menschliches Blut fließt und Tragödie und Komödie einander abwechseln, wenn mehr als 20 griechische Heldinnen, Helden, Göttinnen und Götter auftreten: Denn 24 Stunden Chaos – das würde rasch langweilig. Es braucht also eine strenge Dramaturgie – und höchste Konzentration.“

Ja, Sie lesen richtig: da wird mit rohem Fleisch und menschlichen Eingeweide geworfen – sie nennen es „Unterhaltung“.

„Fabre teilt seine Erfahrung des Schlafentzugs und er teilt seine körperliche Interpretation dessen, was dem menschlichen Handeln zugrunde liegt: Status wollen. Bestimmen wollen. Und gleichzeitig: alle Zügel fahren lassen wollen, mit jedem ficken wollen, vor Schmerz losschreien wollen, jemandem die Gedärme herausreißen wollen, mit dem man eine Rechnung offen hat. Er zeigt das ganze Spektrum des Scheiterns und Reüssierens in einer Welt, die nur vermeintlich auf Vernunft aufgebaut ist.“

Wollten Sie schon mal jemandem die Gedärme herausreißen, weil Sie … „mit ihm eine Rechnung offen hatten“? Ich hoffe – sie wären angesichts dieser Gelüste sofort zum Arzt gegangen. Was unser Freund Parkwächter dort in seiner genialen Schrift aufgedeckt hat (siehe Nachrichtenspiegel) mag unsere Zukunft sein – eine Zukunft, die hier schon mal spielerisch vorweg genommen wurde. Wie gesagt: „es wird ziemlich schrecklich werden“ – wenn es so weitergeht.

Sagen selbst schon die Konservativen.

Und darum geht es auch mir öffentlich schlecht.

Alles andere hielte ich für verantwortungslos und dumm.

Sie doch auch, oder?

Dann wissen Sie ja, wie Sie ab morgen zu antworten haben.

Die systematische Vernichtung der Jugend im Westen – und der Verlust der Zukunft

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Montag, 16.5.2016 Kennen Sie Woodstock? Nein, nicht den kleinen Vogel der „Peanuts“, der dem Hund Snoopy ein treuer Begleiter ist, sondern das Festival: „3 Days of Love und Peace“. Es fand vom 15. – 18. August 1969 statt. 60000 Besucher waren erwartet worden, 400 000 kamen. Ein Alptraum für jeden bürgerlichen Organisator – doch das Festival zeigte, das große Mengen junger „Normalbürger“ sich völlig ohne Polizei oder Regierung effektiv organisieren können – ein Alptraum für alle Parteien in allen Ländern, demonstrierte es doch deutlich, wie überflüssig sie in Wirklichkeit sind. Die große Menge erlebte friedliche Tage -und räumte danach ihren Müll selber weg. Sind Sie deshalb für uns Helden? Sie sollten es sein: sie haben gezeigt, wie Menschen auch leben können – ohne gleich den ganzen Planeten zu vernichten. Die Hippies stellten die größte Gefahr da, die das Establishment des Westens je gesehen hatte: sie lösten es einfach friedlich von innen heraus auf, lebten ein produktives, kreatives, nachhaltiges Miteinander unter völlig freier Entfaltung der eigenen Person – das Paradies war für kurze Zeit Realität geworden.

Der Indianer und Jurist Vine Delore Jr. sprach in seinem Werk „Nur Stämme werden überleben“ sehr huldvoll von der „Woodstock-Nation“, von der Jugend, die als Minderheit ihren eigenen Stamm bildet, der sich an den Werten indianischer Stämme organisiert und eine Wahl getroffen hat: sie hat sich fürs Tipi entschieden, anstatt für das Schloss (Nur Stämme werden überleben, Vine Deloria jr., Hrsg. von der Arbeitsgruppe für Nordamerikanische Indianer, München, Schätzungsweise 1970?), eine Entscheidung, die für die Gesellschaft als solche lebenswichtig gewesen wäre: „Schloss“ ist einfach nicht zu finanzieren, dafür hat der Planet zu wenig Ressourcen – jedenfalls, wenn alle eins wollten.

Man stelle sich vor: „Woodstock-Nation“ hätte sich durchgesetzt. Wir hätten fünzig Jahre später (also: fast genau JETZT) einen friedlichen Planeten voller Ökodörfer, die ihren eigenen Strom produzieren, wir hätten 365 Days of Peace. Love and Freedom – jedes Jahr. Wir hätten keine Umweltprobleme, keine Energieprobleme, keine Kriege, bräuchten nicht vor der wachsenden Häßlichkeit unseres eigenen Lebensumfeldes jedes Jahr dreimal in ferne Länder fliegen (und auch dort die Umwelt zu ruinieren – was die Anreise schon genüngend tat), um dort für ein paar Tage „Woodstock-Nation“ zu leben – also jenes Leben, das sich für eine einfache aber zutiefst glückliche Existenz in der Natur entschieden hat. „Woodstock-Nation“ war der kulturelle Counterpart zu Auschwitz – und deshalb schon in dem von echten Nazis durchsetzten Deutschland der sechziger Jahre überhaupt nicht gern gesehen.

Die besondere Gefährlichkeit an der Hippiebewegung war: viele ihrer Protagonisten kamen aus reichen Häusern. Sie kannten den Lebensstil ihrer Eltern in den Villen (also: den modernen Schlössern), jenen Lebensstil, der geprägt war von Heuchelei, Anpassung, Gewalt und Unterdrückung und ohne Alkohol überhaupt nicht auszuhalten gewesen wäre. Und sie kannten die Folgen dieses Lebensstiles: der ewige Krieg. 2016 können wir sagen: in der Tat, der hört nie auf. Das heißt: sie sprachen aus Erfahrung, hatten die höchsten Höhen des Konsums kennengelernt … und sich angeekelt von der Hohlheit und Leere abgewandt.

Nun: Vine Delore jr. hatte sich geirrt. Es war nicht der Beginn einer neuen Stammeskultur, die dem Systems des geisteskranken Wachstums- und Leistungswahns eine lebbare Alternative entgegenstellte, es war vielmehr das letzte Aufflackern der Jugend, bevor sie von der Maschinerie des Todes überrollt wurde. Die Konzernwelt wusste ganz genau, welche Gefahr von diesen genügsamen, langhaarigen, bunten Gestalten ausging, die LEBEN vor KONSUM stellten: die ganze Wirtschaftsordnung war in Gefahr, ja: die ganze Kriegsmaschine konnte zum erliegen kommen. Also: produzierte man zukünftig seine eigene Konzernmusik, spielte die in allen Konzernsendern, schummelte sie duch Konzenmedien an die „Spitze“ der „Charts“, die man eigens geschaffen hatte, um den Menschen zu zeigen, was „gute“ Musik ist – und was „schlechte“. Die „gute“ brachte viel Geld in die Kassen der Konzerne und machte die Konzernmusiker unendlich reich: so zog man sie automatisch auf die Seite des superreichen Establishment. Dann noch schnell John Lennon erschießen (und das auch noch an meinem Geburtstag): schon war der friedliche Aufstand vorbei.

Das Ergebnis sehen wir heute: Menschen, deren größte Angst es ist, ein „Nichtsnichts“ im Lebenslauf zu haben (siehe Zeit). Dabei hat niemand wirklich ein „Nichts“ im Lebenslauf, jeder lebt ja die ganze Zeit, nur: unsere Gesellschaft hat wieder „unwertes Leben“ eingeführt – und davor muss man wirklich Angst haben, denn es wird mit Arbeitslosigkeit bestraft, die über Sanktionen, Hunger und Obdachlosigkeit langsam zum Tode in einem der reichsten Länder der Welt führen kann. Das ist eine Realität, die die Jugend von Heute schon am Beispiel von Klassenkameraden sehen kann – auch an jenen, die vom Jugendamt mitten aus dem gymnasialen Unterricht hinausgeschossen und ins ferne Ungarn transportiert werden, um dort allein unter Fremden auf einem heruntergekommenen Hof ohne Schulunterricht zu leben (den Fall finden Sie in der WDR-Dokumentation „Mit Kindern Kasse machen“ – wo man offen ausspricht, dass Kinder im Deutschland des 21. Jahrhundert längst „handelbare Ware“ geworden sind – dank „Jugendamt“, 3,5 Milliarden kann man damit im Jahr verdienen. Steuergelder, wohlgemerkt). Wie ein solches Leben in Angst die Jugend prägt, erfahren wir aktuell aus einer Studie (siehe Spiegel):

Am Anfang der großen Jugendkulturen stand fast immer Provokation und das Bedürfnis, sich von den Eltern abzugrenzen. Die Jugend im Jahr 2016 tickt da anders. Das geht aus der Sinus-Jugendstudie hervor, die heute in Berlin veröffentlicht wurde. Provokante Subkulturen gebe es heute kaum mehr, fassen die Autoren der Studie zusammen: „Eine Mehrheit der Jugendlichen ist sich einig, dass gerade in der heutigen Zeit ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten muss, weil nur er das ‚gute Leben‘, das man in diesem Land hat, garantieren kann.“

Was sehr auffällig ist: die Klasse der „kulturell Kreativen“ – die wichtigste Klasse für die Gestaltung der Zukunft – existiert gar nicht mehr in dieser Studie. Dafür finde ich die „Prekären“ – als wäre das ein Lebensentwurf, den man sich selber aussucht … und zusätzlich noch eine „freizeit – und familienorientierte Unterschicht mit ausgesprochen markenorientiertem Konsumbewusstsein“ … als ob Familienorientierung schon ein Unterschichtsmerkmal ist.

Was der Spiegel nicht so deutlich beschreibt: dieses Ergebnis ist eine absolute Sensation in 5000 Jahren Menschheitsgeschichte. Ja: seit 5000 Jahren meckern die Eltern über die „Jugend von Heute“. Lauschen wir mal den alten Sumerern (siehe Bildungswissenschaftler.de):

Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte“ (Keller, 1989, ca. 3000 v. Chr., Tontafel der Sumerer).

Schon die Sumerer hatten Hippies. 2500 Jahre später: immer noch keine Besserung:

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. (Sokrates, 470-399 v.Chr.)

Doch im 21. Jahrhundert ist auf einmal alles anders. Eine Sensation. Sogar das faschistische Deutschland brachte mit der „Weißen Rose“ noch aktiven systematischen Widerstand gegen das bösartige System hervor – heute jedoch … liegen die Interessen anders. Heute – gibt es auch spezielle Nachrichtenmagazine für die Jugend (die früher schon allein durch strenge Observation der Tagesschau rebellisch wurde), wie „bento“ von Spiegel-Online (siehe Spiegel), so eine Art vorgekaute Nachrichten für Kinder. Meistens findet man dort nur Mumpitz einer wohlstandsverblödeten Hedonistenklasse, einmal jedoch bin ich etwas aufmerksam geworden: da merkte doch in der Tat ein Jugendlicher, dass etwas nicht stimmte in dem Land (siehe bento):

„Ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören: Dieses ewige Gerede über die „blasse, angepasste“ Jugend von heute. Das ständige Gejammer über diese ach so egoistischen, jungen Menschen, die sich nicht mehr engagieren würden, denen Politik egal sei und deren orgiastischste Glücksvorstellung in einem Reihenhaus läge, vor dem ein frisch geputzter Volvo steht und ein angeleinter Dackel die Stare im Kirschbaum ankläfft.“

Ein zorniger junger Mann, will man meinen. Einer, der die Beine übereinander legt und die Lehrer tyrannisiert. Weit gefehlt: auch hier mangelt es an Bildung in den Fächern Geschichte und politische Philosopie, denn er hat die „Schuldigen“ schon längst ausgemacht: die Eltern.

„Die Wahrheit ist: Dieses Land gibt seinen jungen Menschen gar keine Chance mehr, Träume zu entwickeln. Schon sehr früh nämlich machen Jugendliche in Deutschland Bekanntschaft mit dem allgegenwärtigen Leistungs- und Konkurrenzdruck. Und vielen macht das schon zu schaffen, bevor sie überhaupt erwachsen werden können.“

Die Wahrheit ist: das liegt nicht an „diesem Land“. Der Leistungs- und Konkurrenzdruck kommt direkt aus den desaströsen Totalversagerfinanzmärkten, die mit „Senkung des Ratings“ ganze Volkswirtschaften ruinieren können und ruinieren, ohne das die Regierungen der Länder überhaupt nur irgendetwas dagegen tun können – oder wollen. Das sind die Gesetze der Lebensform „Schloss“ – weshalb die Hippies das Tipi wählten. Die so mit absoluter Macht ausgestatteten Ratingagenturen werden selbst nicht kontrolliert, sind bewiesenermaßen komplett fehlerhaft (haben zum Beispiel den letzen Megacrash nicht im Mindesten vorausgesehen), werden aber weiter mit großen Ehren überzogen, weil sie ihren Job gut machen. Gut im Sinne einer absoluten Machtausübung.

Womit er Recht hat: der Leistungsdruck beginnt bei uns schon im Kindergarten. Da, wo der Indianer noch Körper und Geist entfalten darf, um in seine Kraft  zu kommen, üben wir schon Geige und Chinesisch um zu gefallen, um vermarktbar zu werden und verwertbar zu bleiben. Wir lernen von klein auf, dass wir selbst überhaupt nichts Wert sind, nur unser Nutzen für das Kapital zählt, nur das, was wir für andere als „Leistung“ (also: Rendite) bringt. Die Dressur beginnt bei uns schon im Kleinkindalter (siehe Spiegel):

„Von wegen Rabeneltern! Wer seine Dreijährigen über die Ziellinie eines Spaßlaufs schleift, bereitet sie damit bestens auf das Leben in einer Gesellschaft vor, in der kaum jemand ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper hat.“

Das sind die Erfahrungen, die unsere Jugend mit ihren Eltern macht. Erfahrungen, die prägen – wie auch die Erfahrungen mit dem Thema „Familie“, die immer mehr zum aussterbenden Model gehört – und das dies Folgen für das ganze Leben der betroffenen Kinder hat (siehe Zeit):

„Kann die Scheidung der Eltern noch im Erwachsenenleben schaden? Eine Langzeitstudie deutet darauf hin, dass frühe Traumata Gesundheit und Status beeinflussen.“

Solche gescheiterten Leben werden durch unsere Gesellschaft gezielt gezüchtet: Familien, die von Hartz IV leben, erhalten eine Prämie, wenn sie sich trennen, den sogenannten „Alleinerziehendenzuschlag“ – der es den Eltern nach der Trennung dann möglich macht, ihre Kinder (deren Tagessätze ungefähr bei dem Gegenwert von drei Kugeln Eis liegen) etwas besser zu versorgen.  Aus diesem Pool fischen sich dann andere ihre Rekruten heraus, wie man aktuell erfahren kann (siehe Spiegel):

„Besonders gefährdet sind demnach Jugendliche aus schwierigen, familiären Verhältnissen. Mindestens zwei Drittel der von Mücke betreuten jungen Männer wuchsen ohne Vaterfigur auf. Daraus resultiert oft ein übersteigertes Bedürfnis nach männlicher Identifikation. Und genau das nutzen Salafisten aus: Werber und Prediger übernehmen als charismatische Autorität eine neue Vaterrolle für den Jugendlichen.“

Das läßt tief blicken – auf die Zukunft, die uns bei steigenden Scheidungsraten noch erwarten wird. Die Gesellschaft wird für den Selbstoptimierungswahn der Eltern (die auch ihre Beziehungsqualität durch ständigen Partnerwechsel optimieren wollen) noch einen hohen Preis zahlen müssen – in anderen Ländern zahlt man ihn jetzt schon: hier jedoch sind die Väter nicht durch Jugendamt „entsorgt“ sondern durch die Bomben des Westens einfach umgebracht worden.

Doch bleiben wir bei der Kritik des jungen Mannes. Wissen Sie, was Vine Deloria vor knapp fünfzig Jahren schrieb? (a.a.O., Seite 91)

„Die Kinder werden von Klassenstufe zu Klassenstufe gehetzt, egal, ob sie den Stoff verstehen oder nicht. Tests trennen in bestimmten Zeitabständen die Talentierten von den Untalentierten und dieser Selektionsprozess setzt sich bis ins College und die Graduiertenseminare hinein fort. Es wird ein einfacher, aber effektiver intellektueller Hinderniskurs aufgebaut, der sich zum Ende hin verengt“.

Daran hat sich seit heute nichts geändert – obwohl man weiß, dass man dadurch die bei allen Kindern vorhandene Hochbegabung vernichtet (siehe hierzu die Forschungen von Gerald Hüther).

„Selektion“ – erinnert wieder an Auschwitz – und ist geprägt vom selben Geist: wer noch Nutzen hat, kommt nach rechts, wer nicht, nach links. Das trifft im Übrigen auch jene, die wirklich alles richtig machen. Jene, die die Selektionsprozesse überleben und die besten Abschlüsse erreichen und die höchsten Höhen akademischen Lebens erreicht haben (siehe Tagesspiegel):

„Ich bin nach fast drei Jahren und fast 300 Bewerbungen noch immer arbeitslos. Auf außerwissenschaftliche Stellen hatte ich nur eine Einladung. Nachdem ich ein DAAD-Stipendium hatte, in einer Ivy-League-Uni geforscht habe und vom Bundesministerium und der EU insgesamt eine Millionen Euro Forschungsmittel eingeworben habe, steht als Nächstes Hartz IV an.“

Und Hartz IV vernichtet binnen eines Jahres alle Berufsabschlüsse und verpflichtet fortan zu Tätigkeiten auf Hilfsarbeiterniveau. Das weiß auch unsere Jugend – und diese Perspektivlosigkeit (von der kollabierenden Umwelt mal ganz abgesehen) prägt ihr Leben – wenn sie intelligent und gebildet sind. Ja – es rutschen immer noch welche durch. Es gibt immer noch Einzelfälle, die es schaffen – wundersamerweise. Aber andere – die realitätsnäheren, will mir scheinen – können lesen und wissen, dass die laufende vierte industrielle Revolution jeden zweiten Arbeitsplatz vernichten wird (siehe Welt).

Sie sehen sich einer Welt gegenüber, die viel kassieren aber nicht liefern will: nur so ist das Schloss zu finanzieren. Hören wir dazu unseren Indianer (a.a.O., Seite 15):

„Ein besserer Weg, Ereignisse zu verstehen, ist, vorhandene Ähnlichkeiten in der Struktur zu finden. Bei der Beachtung der philosophischen Unterschiede können Verallgemeinerungen dieser Art sehr nützlich sein. Es scheint mir, dass die moderne Gesellschaft vor zwei Alternativen steht. Die Amerikaner werden aufgrund der Kompliziertheit moderner Kommunikations- und Verkehrsmittel in neue soziale Formen gezwungen. Das neue Stammestum konkurriert dabei mit dem Neo-Feudalismus. Der Kampf der Zukunft geht um die Rückkehr – zum Schloss oder ins Tipi!“

Wir haben uns entschlossen: wir wollten ins Tipi. Aber der Fürst wollte sein Schloss. „Neo-Feudalismus“ ist heute Alltag, wie nennen es „Neoliberalismus“ und meinen damit nicht weiter als die Freiheit des Stärkeren, das hemmungslose Ausleben eines grenzenlosen Sozialdarwinismus. Doch diesmal: steht keine Jugend auf, um dem Wahnsinn die Stirn zu bieten. Unser junger Autor von „bento“ hat viel verbale Prügel für seine Aufmüpfigkeit bekommen – aus den Reihen der Elterngeneration, die ihren Weg vehement verteidigen. Es ist ein Weg, der 1,5 Planeten braucht – aber egal. Hauptsache: Arbeitsplatz und Wachstum.

Es ist ein Weg des vollkommenen Wahnsinns, der drohenden – ach was, der sicheren Vernichtung unserer natürlichen Lebensgrundlage, damit wir immer mehr Schlösser bauen können … und die neufeudalen Schlossherren haben dafür gesorgt, dass Kinder keine Träume mehr haben, keine Familie, keinen Stamm, kein Land, keine Heimat – und keine Zukunft.

Und wo die Kinder keine Zukunft mehr haben – haben wir auch keine mehr.

Zum ersten Mal seit 5000 Jahren.

Hören wir nochmal Sebastian Christ, den letzten aufmüpfigen jungen Mann:

„Unsere Eltern glauben doch selbst nicht mehr an Visionen für eine bessere Zukunft. Und dann erwarten sie, dass die nächste Generation dann wie aus dem Nichts mit neuen Ideen die Welt verändert? So lange es nicht gelingt, Kinder in diesem Land zu Freiheit und Individualität zu erziehen, ist der Rock’n’Roll tot.“

Der Tod des Rock´n´Roll war auch gewollt. Selbst der war zu rebellisch.

Aber dafür haben wir: Helene Fischer.

 

 

Faschismus in Deutschland im Jahre 2016

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Montag, 25.4.2016. Eifel. Wahrscheinlich kennen Sie den Begriff Nazi? Er wird ja momentan in Deutschland inflationär verwendet. Zuerst tauchte er ganz harmlos auf: als „Gartennazi“. Auch „Blechnazi“ fand mal Verwendung – ich hatte das in den neunziger Jahren mal für Mercedesfahrer verwendet, als ich in einer Werbebroschüre für Firmenwagen den Begriff „Restverkehr“ fand, womit alle Fahrzeuge betitelt wurden, die eben kein Mercedes waren … mir hatte das ausgereicht, um die Wiederkehr des Herrenmenschendenkens in der Automobilbranche zu diagnostizieren. Heute ist Nazi ein Begriff, der in allererster Linie den Regierungskritiker bezeichnet. Da „Nazi“ politisch als äußerst rechter Rand anerkannt wird, kann man nur schließen, dass es sich bei der kritisierten Bundeskanzlerin Angela Merkel um eine radikale Kommunistin handelt. So verrückt sind wir heute.

Eng verwandt mit dem Nazi – fast synonym verwendet – ist der italienische Begriff Faschist … von dem wir eine klare Vorstellung haben (siehe Bundeszentrale für politische Bildung):

„Wesentliche Voraussetzung für den Aufschwung des F. (wie des Nationalsozialismus) waren die ökonomische Verelendung großer Teile der Bevölkerung und die Auflösung der traditionellen (auch politischen) Wertordnung. Faschistische Bewegungen gab es in fast allen europäischen Staaten; sie waren in verschiedenen südamerikanischen Staaten auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch von Bedeutung.“

Der Nazi als Untergruppe mit Schwerpunkt Judenhass einer internationalen Bewegung, lediglich eine Sonderform einer historischen Erscheinung.

Sucht man nun Definitionen für „Nazi“ (oder Faschismus), so wird man überschüttet mit Analysen, die jeweils andere Aspekte berücksichtigen. Lesen Sie dazu ruhig Wikipedia (ja: wir können einen Brockhaus im Internet gut gebrauchen, dazu wird er aber nur, wenn man ihn benutzt – die Zeiten, als ich über Wikipedia lächelte, sind lange vorbei – die sind besser geworden, jedenfalls was allgemeine, nicht akut politische Themen angeht). Es sind tausende von Büchern, die sich mit dem Begriff auseinandergesetzt haben, tausende von Facetten, die den real existierenden Faschismus beschrieben haben – aus organisatorischer Sicht, aus soziologischer Sicht, aus politischer Sicht, aus religiöser Sicht, aus psychologischer Sicht … so viele Facetten, dass der korrekte Gebrauch des Wortes „Faschismus“ den Abschluss mehrere geisteswissenschaftlicher Doktorgrade voraussetzt. Horkheimers Schrift über den autoritären Staat, Wilhelm Reichs Abhandlungen über die Massenpsychologie des Faschismus, Adornos Arbeit über die Freudsche Theorie und die faschistische Propaganda – es wurde sehr viel gedacht zu diesem Thema, viele Erklärungen dafür gesucht, warum ein geistig so hoch stehendes Land wie Deutschland mit führenden Köpfen in geisteswissenschaftlichen Disziplinen so ein Ungeheuer gebären konnte.

Andere Länder hatten es da einfacher: Militärputsch – schon war der Faschismus da. Auch wenn ich diese Arbeiten sehr schätze, so haben sie alle zusammen doch einen Mangel: sie erlauben den Bürgern dieses Landes im Jahre 2016 nicht, kurz, knapp und eindeutig faschistische Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft zu entdecken und sich darüber zu verständigen, wie sie entfernt werden sollen.

Eine andere Definition von Faschismus entnahm ich einem CIA-Bericht aus dem Jahre 1953. Es ging um Said Ramadan und die Muslimbruderschaft. Wer war Said Ramadan? Ein muslimischer Aktivist der Muslimbruderschaft – von der ja auch heutzutage viel die Rede ist. Er war auch in Deutschland aktiv – in illustrer Runde (siehe Wikipedia):

„Der US-amerikanische Autor Ian Johnson hat die Planungen für den Bau einer Münchner Moschee, die ab 1957 auf bayrische staatliche Initiative hin erfolgte, ausführlich dargestellt. Zunächst wurde der usbekische SS-Führer Nureddin Namangani zum Vorsitzenden der Moscheebau-Kommission bestimmt, ein „Oberimam“ aus dem Gefolge der islamischen SS-Truppen unter dem ideologischen Kommando des Mufti, nämlich der SS-Division „Osttürkischer Waffenverband“. Namangani war auch bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstands aktiv gewesen. Bei seiner Wahl saß Said Ramadan, als damals bekanntester Führer der Muslimbruderschaft, im Raum. Die CIA hatte diesen prominenten Muslimbruder als einen Kämpfer gegen den Kommunismus nach München geholt; dass Ramadan daneben auch die westliche Ordnung abschaffen wollte, wollten seine Unterstützer nicht sehen. Damals wie heute wurde das Ziel der Bruderschaft, die Rückkehr zu einem ursprünglichen mythischen Zustand des „reinen Islam“, durch die äußerliche Verwendung moderner Symbole, z.B. westliche Kleidung und Rhetorik, camoufliert.“

Da klingelt es jetzt sicher in den Ohren, wenn man sieht, wie der CIA schon in den fünfziger Jahren SS-Verbände instrumentalisiert und ihnen eine Heimat auf deutschem Boden gegeben hat – und man kann erahnen, welche Wurzeln die Muslimbruderschaft unter anderem hatte. Mir geht es aber um einen unbekannten CIA-Mann, der 1953 einen Bericht geschrieben hatte:

Nach meinem Gefühl war Ramadan ein politischer Reaktionär, vom Typ eines Falangisten oder Faschisten, nicht reaktionär im religiösen Sinne, wie die drei Scheichs, die auch an der Tagung teilnehmen. (…) Ramadan scheint ein Faschist zu sein, der Leute um der Macht willen um sich schart.“ (Aus: Ian Johnson, Die Vierte Moschee, Nazis, CIA und der islamische Fundamentalismus, Klett-Kotta 2010, Seite 149).

1953 – nur acht Jahre nach der Niederschlagung des Faschismus in Europa – hatte ein CIA-Agent eine klare Vorstellung vom Faschismus: Menschen, die sich vereinen, um Macht zu erlangen. Pure Macht – ohne Ziel und Zweck. Darum klappt das ja auch so gut mit einem Militärputsch – wozu politische Programme, wenn man schon Panzer hat?

Wer sich mit der NSDAP beschäftigt, wird überraschende Beobachtungen machen können. Eins der erfolgreichsten Bücher der Nazizeit wirkt fast als Vorläufer der Revolution der ´68´er (siehe Spiegel), die SS tat sich im KZ Dachau als Heilkräuterzüchter unter strenger Aufsicht von Heinrich Himmler hervor (siehe FAZ), Göring, Himmler und Hitler kümmerten sich besonders um den Tierschutz (siehe Zeit), zu Beginn der Bewegung bestand die SA-Führung aus Homosexuellen – und trotzdem wurde hieraus die größte Massenvernichtungsorganisation der Menschheitsgeschichte.

Warum? Weil es nur um Macht ging. Die Themen waren eigentlich völlig egal: Hauptsache, sie brachten Stimmen (zum Beispiel aus der alternativen Reformbewegung), die man brauchte, um die Macht im Staat zu übernehmen. Vegetarier, Rohköstler, Fruktarier, Reformpädagogen: alles, was nicht ausgesprochen antifaschistisch war, wurde mit ins Boot geholt – und lies sich gerne holen, immerhin war „der Führer“ ja für gute Sachen. Man merkt: wer heute gegenüber „Gutmenschen“ kritisch eingestellt ist, hat gewissen historische Erfahrungen nicht vergessen.

Halten wir fest: der Faschist ist ein Mensch, dem es nur um Macht geht. Macht über Menschen. Er braucht keine Ziele, keine Programme, keine Ideale – nur die pure, brutale Macht ist ihm wichtig – Macht über Menschen, selbstverständlich. Und Umwelt.

Wir haben einen ganzen Wissenschaftszweig, dem es nur um Macht geht: die „Naturwissenschaften“, die beständig neue Maschinen erfinden, die „Macht“ potenzieren können – mit Millionen von Toten im Gefolge. Fleißige Diener einer jeden faschistischen Kultur, meist mit großem Hass auf „Gott“ verbunden – der einzigen Instanz, die menschliche Macht relativieren könnte, in dem sie (in der Theorie, aber das reicht schon) per Sintflut die Schöpfung wieder auf Null fährt … nur mal nebenbei erwähnt. Die Apostel der Macht wollen keinen Gott neben sich haben – obwohl ihre „Technik“ für die komplette Umweltzerstörung, den drohenden atomaren Holocaust und die Verkümmerung sozialer Instinkte des Menschen (wie „Mitleid“) direkt verantwortlich ist.

Kehren wir zurück ins Jahr 2016, wo hochidealistische Politiker mit ausgefeilten Positionen um den richtigen Weg für die Zukunft ringen. Quatsch – war ein Scherz. Nennen Sie mal drei Charakterstika für SPD, CDU/CSU oder FDP. Bitte nicht in der Erinnerung kramen sondern im Hier und Jetzt bleiben. SPD steht für: erstens, zweitens, drittens. Da fällt Ihnen wahrscheinlich nichts ein. Gilt übrigens auch für Grüne (ausgenommen: „Umwelt“), Linke (ausgenommen … seht begrenzt … Hartz IV), AfD (ausgenommen: muslimische Flüchtlinge – wodurch die aus CIA-Sicht der fünfziger Jahre eine antifaschistische Partei wären – ein besonderer Scherz der Geschichte). Die Zeiten, wo Parteien eine klar erkennbare Kontur hatten, sind vorbei – seit Helmut Kohl. Seit Helmut Kohl ist wieder klar: es geht um MACHT – und sonst gar nichts.

Das haben besonders die innerparteilichen Kritiker erfahren dürfen, die Kohl einfach kaltgestellt hat. Erinnert an die großen Kritiker von Angela Merkel, die sich trotz markanter Drohungen dann doch lieber im großen Schweigen üben. Sie wissen, worauf ich hinaus will, oder? Auf die Wiederkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten – eine Befürchtung von Theodor W. Adorno, die allein heute schon ausreicht, den Staatsanwalt zu alarmieren, wenn ein Bürger sie als Motto im Banner führt (siehe Gulli) – was sehr befremdlich wirkt in einem Land, dass sich Demokratie nennt.

Ja – ich folge auch nicht der Definition der Bundeszentrale für politische Bildung, die fremdenfeindliche oder offen rassistische Elemente in einer Ideologie braucht, um sie faschistisch zu nennen (wiewohl die Definiton des „parasitären Minderleisters“ durch SPD-Minister offen rassistisch war und man den Arbeitslosen als „fremd“ identifizierte – als undeutsch, sozusagen), weil eben Militärdiktaturen faschistisch genannt werden (von der Bundeszentrale für politische Bildung, siehe oben), ohne fremdenfeindlich oder rassistisch sein zu müssen. Es reicht, dass sie die Macht um ihrer selbst willen erstreben und nach purer Lust ausüben – gegen das eigene Volk.

Wikipedia hat da andere allgemeine Kennzeichen. Zum Beispiel … das „Führerprinzip“. Wie lange haben wir schon Köpfe statt Inhalten auf den Wahlplakaten? Warum haben wir überhaupt noch einen übermächtigen Bundeskanzler der allein (nach Absprache mit Washington) die Richtung vorgeben darf – gegen Partei und Volk (wie bei Schröder und Merkel geschehen)?

Oder der Totalitätsanspruch – der sich unter anderem darin wiederspiegelt, dass ein Bundespräsident das eigene Volk für zu blöde hält, komplexe Themen politisch mit zu entscheiden – ein Volk mit einem der höchsten Bildungsniveaus der Welt.

Oder die am Militär organisierte Parteiorganisation. Fragen Sie mal die „Sozialdemokraten in der SPD„, wie demokratisch dort noch gearbeitet wird – ach, fragen Sie doch einfach mal jeden Abgeordneten des deutschen Bundestages nach dem „Fraktionszwang“: die Tagesschau berichtet ganz offen darüber, dass das Grundgesetz hier schon lange außer Kraft gesetzt wurde (siehe Tagesschau): praktisch haben wir hier Führerkult in jeder Partei – und eine Kommandostruktur von oben nach unten. So hat auch Kanzler Schröder Hartz IV durchgeboxt – und Angela Merkel ihre Flüchtlingspolitik.

Oder die eine „kulturstiftende, auf Mythen, Riten und Symbolen basierende, irrationale weltliche Ersatzreligion“ (alles immer noch: Wikipedia): schon mal von der „unsichtbaren Hand des Marktes“ und ihrem Götzen „Wachstum“ gehört? Und sich gefragt, warum Statussymbole wie der „SUV“ eine solche Bedeutung gewonnen haben?

Oder die korporative, hierarchische Wirtschaftsorganisation – die konzerndominierte Kommandowirtschaft, zu der ich erst kürzlich eine treffende Beschreibung fand (siehe Sybille Berg im Spiegel):

„Soll Frau Petry uns retten, die gegen den falschen Feind loszieht, um Wähler zu gewinnen, weil sie Macht will, weil sie nicht verstanden hat, dass politische Macht ein Scheiß ist gegenüber der Macht der Großkonzerne.“

Ja – Staatsmacht ist im Jahre 2016 nicht mehr der Mittelpunkt, der Staat hat nicht mehr das Machtmonopol – das liegt bei einer Hand voll Ratingagenturen in den USA, die allein bestimmen, wieviel Geld die Völker der einzelnen Länder als Tribut an ihre wahren Herren zahlen müssen.

Und der letzte Punkt der Faschismusdefinition?

ein totalitäres, in Funktionshierarchien gegliedertes Gesamtmodell der Gesellschaft“ … das sozusagen Mittelpunkt der gesellschaftlichen Entwicklung seit 2005 ist, wo jeder Bürger, der sich der wirtschaftlichen Kommandostruktur (dem „Chef“) durch Arbeitslosigkeit entziehen konnte, einen staatlichen Chef bekam – einen ARGE-Sachbearbeiter, womit die letzten herrschaftsfreien Räume im Land geschlossen wurde. Es konnte „durchregiert“ werden, ein „Tu-Wort“, das durch Kanzler Schröder in die Welt gesetzt und von Angela Merkel aufgegriffen wurde – ein Wort, dass dem Führerprinzip freie Bahn verschaffen soll.

Ist Ihnen das jetzt unheimlich? Können Sie der Argumentation inhaltlich überzeugend entgegentreten? Kehren wir nochmal zurück ins Jahr 1935, als sich die KPdSU Gedanken über ihren Feind gemacht hat (siehe Zeit):

„Nach kommunistischer Lehre wird am Ende folglich eine Gleichsetzung von „Kapitalismus“ und „Faschismus“ vorgenommen. Zumindest enthält demnach jede kapitalistische Gesellschaft nicht nur die Möglichkeit zum Faschismus, sondern neigt in ihrer letzten Entwicklungsstufe mit Notwendigkeit zu dieser „Entartung“.“

Diese Entartung erfolgt automatisch. Es wird auch erkärt, warum: siehe

die berühmte Definition des Faschismus als die „offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.

Demnach würden mit Fortschreiten des Kapitalismus dessen Monopolisierungstendenzen immer weiter zunehmen. Gleichzeitig würde jedoch der dem Kapitalismus innewohnende Mechanismus der Verdrängung menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen nicht nur Massenverelendung in den kapitalistischen Staaten hervorrufen, sondern auch für ein Absinken der Profitrate des Kapitals sorgen“

Kommt uns das im Jahre 2016 nicht bekannt vor – jenem Jahr, in dem uns bekannt wurde, dass wir bald jeden zweiten Arbeitsplatz durch Automatisierung verlieren werden?

Die herrschende Bourgeoisie sucht immer mehr ihre Rettung im Faschismus, um die schlimmsten Ausplünderungsmaßnahmen gegen die Werktätigen durchzuführen“ … wie zum Beispiel Ein-Euro-Jobs und lebenslange Gratispraktika.

Keine Sorge: ich plädiere jetzt nicht für das Wiederauferstehen des Kommunismus – der ist auch daran gescheitert, dass es seinen Funktionären nur noch im Macht ging, weshalb das Elend im Volke blieb. Wer will, kann das heute gern in China studieren, wo man sich  hemmungslos dem Kapitalismus hingibt und mit 200 Millionen Wanderarbeitern gut leben kann: Hauptsache, die Partei bleibt an der Macht. Und doch eignet sich der Kommunist dazu, eine interessanten Blick auf den Faschisten zu werden – und sei es nur der „Sozialfaschist“ (siehe MLPD):

„1930 sprach auch die Sowjetunion von „Sozialfaschisten“: „Nach den Erfahrungen mit den Regierungen der Sozialdemokraten, die Streiks abwürgen, Aussperrungen organisieren und Arbeiter niederschießen, klingen die lügnerischen Versprechungen einer ‚Wirtschaftsdemokratie‘, eines ‚Industriefriedens‘ und ‚friedlicher Methoden‘ des Kampfes in den Ohren der Arbeiter wie ein böser Hohn. Ob man jetzt noch viele Arbeiter finden wird, die willens sind, den verlogenen Predigten der Sozialfaschisten zu glauben?““

Nun wird Ihnen langsam mulmig zumute, oder? Schauen Sie sich mal die Liste der NSDAP-Mitglieder in politischen Ämtern der Bundesrepublik an (siehe Wikipedia): da wird einem schwindelig ob der großen Zahl. Kommunisten bekamen Berufsverbot, Nazis nicht. Dank SPD. Und dank der SPD wurde die linke Mehrheit von Grünen, Linken und SPD im Land verhindert: seit 85 Jahrenist diese Partei konsequenter Feind des kleinen Mannes – und lebt nur noch dadurch, dass die Alternativen verboten wurden.

Faschismus in Deutschland und Europa im Jahre 2016 – experimentieren wir ein wenig mit den Begriffen, nehmen den Blick eines CIA-Mitarbeiters aus den fünfziger Jahren an: er ist wieder aktuell. Und überall sichtbar.

Sie glauben nicht? Weil wir so fremdenfreundlich sind, eine Willkommenskultur haben, fleißig Flüchtlings aufnehmen? Schauen Sie doch einfach mal genau hin, was wirklich passiert (siehe Spiegel):

„Das Resettlement-Programm, mithilfe dessen 70.000 Flüchtlinge aus der Türkei nach Europa umgesiedelt werden sollen, ist ausdrücklich auf Syrer beschränkt. Für alle anderen hat die EU das Grundrecht auf Asyl faktisch abgeschafft. Iraker etwa, die vor dem „Islamischen Staat“ fliehen und in Europa Schutz suchen, müssen künftig damit rechnen, in einer Kettenabschiebung aus Griechenland in die Türkei und von dort weiter in ihre Heimat abgeschoben zu werden“

Kurzum: alle politisch Verfolgten in der Welt werden in Europa keine Heimat mehr finden – entgegen den Weisungen des deutschen Grundgesetzes. Ach ja: Faschismus kommt in dem Zusammenhang auch zur Sprache:

„Was, zur Hölle, geschieht in Griechenland?“, fragt Franck Düvell, Migrationsforscher an der Universität Oxford . „Kehrt der Faschismus zurück?“

Die Antwort ist: ja. Wir müssen nur den Blick ändern, weniger auf Sekundärqualitäten wie Antisemitismus und Militarismus achten, sondern auf Konformismus, Gleichschaltung und der puren Lust nach Macht um ihrer Selbst willen.

Und was wartet dann auf uns – den Bürger? Arbeiten bis 67 (siehe Spiegel) oder 85 (siehe Wiw0), unterstützt durch den militärischen Einsatz einer inzwischen „privatisierten“ Bundeswehr im Inneren (siehe Tagesschau), zunehmende Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung zugunsten einer Überfinanzierung der Büttel der Finanzelite (siehe Spiegel oder die OECD-Studie in der FAZ) und ein gezielter, weiterer Machtzuwachs der korporativen Konzernwirtschaft durch TTIP (hier argumentativ vorgetragen von der Multimilliardärin und Handelministerin der USA, siehe Spiegel).

Die herrschende Bourgeoisie sucht immer mehr ihre Rettung im Faschismus, um die schlimmsten Ausplünderungsmaßnahmen gegen die Werktätigen durchzuführen

Oder: Faschismus ist die Sucht nach Macht um ihrer selbst willen zwecks Optimierung und Erhalt des eigenen Vermögens. Und er hat klar beobachtbare Folgen – bis in den Alltag hinein (siehe NZZ):

„Wir sitzen auf Rattan in überdekorierten Wohnzimmern, streicheln Apple, grillieren auf Weber-Fabrikaten von der Grösse eines Kleinwagens und ergehen uns sonst noch in Selbstbestätigung, gegenseitiger Anerkennung für Einrichtungsgegenstände und leicht dosierten Distinktionsgesten – so viel Bourdieu hat noch jeder internalisiert. Das Gesprächsniveau am Tisch verhält sich dabei oft indirekt proportional zur Höhe des Durchschnittseinkommens. Der klassische Bildungsbürger wird langsam abgelöst durch ein akademisch zertifiziertes, aber intellektuell desinteressiertes Diplom-Proletariat aus Ärzten, Juristen, Lehrern, Bankern und Ingenieuren.“

Man isst auch gern vegan und therapiert mit Heilkräutern, denkt positiv, ist für Flüchtlinge und gegen Sozialabgaben für Besserverdienende.

Sollen die Schwachen doch verrecken, Hauptsache uns geht´s Bombe – und wir bleiben an der Macht.

Faschismus in Deutschland 2016?

Reloaded.

Hoffentlich nicht … unaufhaltsam. Wäre ganz übel für unsere Rentner … die das Geld der unter vierzigjährigen verprassen und deshalb entschieden bekämpft werden müssen (siehe Focus).

 

Hartz IV: Von der „Tagesschau“ zur Vogelfreiheit – die unglaubliche Reise der Meike Deutschmann

Hartz IV: Von der "Tagesschau" zur Vogelfreiheit - die unglaubliche Reise der Meike Deutschmann

Montag, 10.4.2016. Eifel. Kennen Sie das? Immer wenn man glaubt, es kann gar nicht mehr schlimmer kommen, kommt es schlimmer. Zum Beispiel für diese junge Frau hier oben. Freudig, ausgelassen, voller Hoffnung und Zuversicht. Sie kann sich an dieses Foto (das ich mit ihrer Erlaubnis veröffentliche) noch erinnern, hören Sie sie selbst:

„Kurz vor „Abflug“ zu 10 Jahre STERN-TV Party, Balloni-Säle in Köln.
Da ich als Selbstchauffeuse unterwegs war, hielt ich mich an der Kaffeebar auf und rauchte eine Zigarre. Dietrich Genscher sah mich und bot mir einen freien Platz neben ihm an. Wir unterhielten uns lange, tranken Kaffee und rauchten zusammen Zigarre. Es wird Jahr 2000 gewesen sein.“

Ja: wir haben hier jemanden aus den „oberen Kreisen“. Jedenfalls würde das der Normalbürger sich so denken: wer mit Dietrich Genscher Kaffee trinkt und auf superfeine Partys eingeladen wird, dem kann es doch nicht schlecht gehen. Es gibt heute Millionen Menschen wie Meike Deutschmann, denen es gut geht, die sich sicher fühlen und die nicht ahnen, was ihnen droht, weil der Oberst vom Arbeitsamt steif und fest behauptet, Arbeitslosigkeit sei nur ein Problem für bildungsferne Schichten, die den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen und Bier trinken.

Nun – Frau Deutschmann hat nicht vor dem Fernseher gesessen, sondern für den Inhalt gesorgt: mit eigener Firma. Und ganz gut verdient. Nicht so sehr wie Jauch und Gottschalk, aber: man kam über die Runden. Ich weiß nicht, ob Sie das wissen: ein Job in den Medien ist Streß pur. Nichts ist langweiliger als veraltete Nachrichten, nichts für die Quote schädlicher, als wenn andere schneller sind. Ja, ich denke: Sie merken gerade, warum die Kaffee trank. Ist halt wie ein Job bei der Feuerwehr: jederzeit kann es losgehen, jederzeit die große Story in die Welt einbrechen: dann muss man reagieren. Rennen. Und schon mal zwei Tage ohne Schlaf auskommen, damit im TV nicht nur noch Nachrichten aus der Konserve erscheinen.

Ich denke, Sie werden mir beipflichten: Frau Deutschmann gehört wohl eindeutig zu der Kategorie „Leistungsträger“ im Sinne der Bundeskanzler der letzten Jahre, jener viel umworbenen Kaste von Menschen, die die edle Elite unserer Leistungsgesellschaft ausmachen sollen, unsere „Helden der Arbeit“. Arbeit, dass wissen wir, soll sich ja auch wieder lohnen – so das Versprechen der Politik. Ich kenne in meinem Umfeld eigentlich niemanden, für den sich Arbeit wirklich lohnt, aber ein paar Hedgefonds, wo sich der Einsatz gut rentiert. Ok – es gibt ein paar Vorstände und Aufsichtsräte, die sich dumm und dusselig verdienen – doch deren Job würde ich nicht das Prädikat „Arbeit“ verleihen. Am großen Tisch sitzen, wichtig aussehen, Kaffee und Kekse genießen und dabei Aufmerksamkeit vorspielend nach vorne gucken: schon hat man das Geld in der Tasche. Also: Millionen, von deren Zinsen man allein gut leben könnte.

Nun: Frau Deutschmann machte Sendungen für die „Tagesschau“ – und gehört zu den Menschen, die noch wissen, was ein „Beruf“ ist, eine Berufung. Wahrscheinlich haben Sie schon ein paar Sendungen gesehen, die sie für die ARD produziert hat.

2016 jedenfalls – ist Frau Deutschmann kein Leistungsträger mehr (jedenfalls nicht im Sinne der Kanzlerin, in einem anderen Sinne sicher schon). 2016 ist sie ein Mensch, der nicht mehr krank werden darf – nie mehr krank werden darf: sie ist seit drei Jahren ohne Krankenversicherung. Sie denken, Hartz IV ist schlimm? Sie werden merken: es gibt schon längst ganz andere Schicksale in Deutschland, die froh wären, wenn sie Hartz IV bekämen, denn Deutschland hat neuerdings auch des Modell „Vogelfreiheit“ zu bieten.

Doch greifen wir nicht vor: was war geschehen?

Nun: Frau Deutschman  hat einen Fehler. Nein, zwei. Ein mitfühlendes Herz – und eine schwer kranke Mutter. Nun – eigentlich sind beide Dinge keine Fehler, doch aus der Sicht der neoliberalen Oberschicht dieses Landes schon. Wer ein mitfühlendes Herz ist, ist „Sozialromantiker“ und somit in der Nähe von „geistig behindert“ anzusiedeln, weil er nie fit genug für „Panama-Papers“ sein wird – und familiäre Beziehungen zu Eltern sind in dieser kalten, kriminellen Schicht gar nicht vorgesehen. Keine Sorge: ich werde mich jetzt nicht groß über diese Briefkastenfirmen auslassen, die uns Jahr für Jahr ein Drittel unserer Steuereinnahmen kosten, mit denen wir „Pflege“ menschlich gestalten könnten, doch einen kleinen Hinweis, wie gut das Leben in Deutschland ohne seine Leistungsverbrecher wäre, möchte ich mir schon erlauben.

Eine schwer kranke Mutter zu haben, ist nun auch im Prinzip kein Fehler: doch so etwas entsorgt der gute Deutsche ja inzwischen gerne in Heime nach Polen oder der Slowakei, wo es kostengünstig ist und man weder Pfleger noch Ärzte versteht, aber den eigenen Kindern finanziell nicht so zur Last fällt. Immerhin kosten Heimplätze zwischen 4000 und 6000 Euro im MONAT (nicht im Jahr, Sie lesen richtig): da muss man schon eine Riesenrente haben, damit noch Geld für eine Flasche Bier am Wochenende übrig bleibt. Nicht nur dass: jeder hat eine Mutter (und einen Vater), und die Chance, dass die kerngesund in den Sarg steigen, sind eher gering (obwohl uns eine gigantische Werbeindustrie gerade dies vorgaukelt, um ihre „Anti-Aging-Produkte“ absetzen zu können).

Es war nicht nur eine kranke Mutter, es war auch eine Mutter mit Problemen. Rita Deutschmann – so ihr Name – ist an den Rollstohl gefesselt, halbseitig gelähmt, zu hundert Prozent erblindet und braucht täglich Insulinspritzen. Ohne Pflege würde sie einfach sterben. Außerdem – ein Fall, über den andernorts berichtet werden muss, weil er ebenso unglaublich ist – war sie wegen Eigenbedarf gekündigt: aus ihrer Wohnung wollten die fest in der Gemeinde etablierten Eigentümer (die noch mehr Wohnungen und Häuser hatten) ein Büro machen.  Über den Ausgang des Urteils wussten Angestellte der Gemeinde schon neun Tage VOR dem Urteil, wie es ausgehen würde. Gruselig, oder? Ich dachte immer: das gibt es nur in Sizilien.

So wurde Meike Deutschmann mehr und mehr in die Auseinandersetzungen um ihre Mutter hineingezogen … und mehr und mehr in die Rolle der Pflegeperson gebracht. Eine Rolle, die jahrtausendelang völlig natürlich war: im Alter sorgen die starken und jungen Menschen für die alten und kranken. Dafür erben die Jungen den Hof … den es schon lange nicht mehr gibt.

Sie können sich selbst ausmalen, wie lange man unter diesen Umständen für die Tagesschau arbeiten kann: mit zunehmender Pflege wurde die Zeit knapper, die Flexibilität geringer, die Erschöpfung größer; der Mutter jedoch ging es den Umständen entsprechend gut. Es gab Zeiten, da galt dies mal als Heldentat: auch heute noch gelten die ehrenamtlichen Helfer als „Stille Stars“ – die viel Arbeit für wenig Geld machen. Oder für gar kein Geld, wie im Falle von Meike Deutschmann.

Das Thema „Pflege durch Familienangehörige“ ist ein weites Problemfeld, das schon mal vor dem Bundesverfassungsgericht landete, denn: für Familienangehörige gibt es eine Beistandspflicht – und ziemlich wenig Geld. Es ist ein „Ehrenamt“. Und dieses Ehrenamt gehört umsonst ausgeübt – gegebenenfalls können die Angehörigen (zusätzlich zu ihren eigenen Einnahmen) ein Taschengeld von der Pflegeperson bekommen, zu Zeiten des Urteils waren das 665 Euro (siehe n-tv) – für „schwerst pflegebedürftige Fälle“ wie Rita Deutschmann.

Wo es einen gut verdienende Ehemann gibt, der für die Grundversorgung der Pflegenden sorgt, mag dies noch praktizierbar sein – doch Meike Deutschmann gehört zu den Frauen ohne „Versorger“, zu jenen, die für ihren Unterhalt ständig selbst gesorgt hatten – und dabei gut Steuern gezahlt haben. Was macht also Frau Deutschmann: zieht in die Wohnung ihrer Mutter, um die Pflege gewährleisten zu können und beantragt Hartz IV – wie alle Unternehmer, deren Geschäft gerade mal nicht läuft. Sie bekam es auch – für ein halbes Jahr. Dann jedoch – geschahen die Wunder.

Der Folgeantrag wurde abgelehnt, Leistungen gestrichen, ja: sogar eine Rückforderung stand im Raum.

Der Grund: irgendwer hatte behauptet, Frau Deutschmann bekäme regelmäßig Bargeldeinzahlungen auf ihr Konto, ihr Konto hätte einen hohen Dispokredit und außerdem würde sie eine „American Express“ – Karte besitzen. Ja – das reicht für „mangelnde Mitwirkung“ und komplette Streichung der Leistungen. Ich war schon ziemlich baff, als ich von diesem Fall hörte, denn: Pflegegeld, das Angehörige erhalten, darf NICHT auf Hartz IV angerechnet werden. Darüber informiert die deutsche Anwaltshotline:

„Grundsätzlich dürfen zweckbestimmte Einnahmen, wie z. B. Pflegegeld aus der Pflegeversicherung nicht als Einnahme berücksichtigt werden. Das gilt sowohl für den zu pflegenden als auch, wenn das Pflegegeld an einen Angehörigen zum Zweck der Pflege weitergegeben wird, für den Angehörigen. Das ergibt sich aus § 11 SGB II in Verbindung mit der ALG II Verordnung, dort § 1 Absatz 1 Nr. 4. Wenn also die Arge einfach das Pflegegeld als ihr Einkommen anrechnen sollte, dann müssen Sie unbedingt Widerspruch einlegen und Notfall auch klagen, denn die Anrechnung ist nicht rechtens. Das gilt aber nur dann, solange Sie auch wirklich Ihre Mutter pflegen.“

Nur: Frau Deutschmann bekam von ihrer Mutter kein Pflegegeld. Dieses Geld brauchen die beiden, um Miete zu bezahlen und die Kosten, die durch die Krankheit entstehen, ebenso muss ja der Haushalt finanziert werden: da bleibt nichts übrig. Sie bekam auch kein Hartz IV.

Die Bargeldeinzahlungen auf ihr Konto? Hat es nie gegeben. 130 Seiten lang wurde das letzte Schreiben ans Landessozialgericht, dass lückenlos alle Kontobewegungen auflistete. Es gab auch keine „American Express“-Karte. Es gab den Dispo – weil Frau Deutschmann mal sehr gut verdient hatte (nein, nicht so gut, dass man ein Kapital hätte bilden können, um von Zinsen zu leben), aber sonst: alles gelogen.

Sie lesen richtig: die Vorwürfe waren einfach nur gelogen. Zwei Strafanzeigen gegen Unbekannt wurden erstattet, um die Täter dieser Verleumdung ausfindig zu machen – doch von Strafanzeigen kann man nicht leben. Für das zuständige Jobcenter reichte das aus, um „mangelnde Mitwirkung“ zu erkennen – und die Leistungen einzustellen.

Keine Sorge: es kommt noch besser. Frau Deutschmann klagt gegen den Beschluss des Jobcenters – und erfährt dort erstaunliches. Das zuständige Jobcenter hatte eine Medienfirma angeschrieben, ob denn Frau Deutschmann dort vielleicht im betreffenden Zeitraum gearbeitet hätte. Die Antwort war: „Nein“. Das Urteil des Sozialgerichtes: „Es ist nicht auszuschließen, dass das Konto der Mutter benutzt wird, um Einnahmen der Frau Deutschmann zu verbuchen“. Gemeint sind die vom Jobcenter vorgetragenen „Bareinzahlungen“, die es NIE GEGEBEN HAT! Ebenso wenig wie die AmEx-Karte. Zudem kommen aus dem Umkreis des Jobcenters weiterer Behauptungen: Frau Deutschmann hätte noch eine andere Adresse (ist gelogen und einfach nachweisbar falsch) und würde dort mit unbekannen Personen zusammenleben (auch gelogen – ist ja klar: eine weitere Wohnung existiert nicht!).

Stellen Sie sich vor, Sie würden in einer Notlage Hartz IV beantragen – und bekämen einen abschließenden Bescheid, dass Ihnen keine Leistungen zuständen, weil nicht auszuschließen sei, dass Sie mal im Lotto gewonnen haben und in Wahrheit ein Schloss auf den Bermudainseln besitzen. Ich würde gerne Ihr Gesicht sehen, wenn Sie den Bescheid lesen.

Natürlich zieht Frau Deutschmann vor das Landessozialgericht: und erlebt dort Überraschungen, denn: während des Prozesses übernimmt der Pressesprecher des Gerichtes (selbst Vorsitzender und nebenbei Lehrbeauftragter an einer Universität, deren Stiftungslehrstuhl Studiengänge für Medizinmanagement und  Gesundheitsökonomie anbietet) den Prozess selbst – und sorgt mit klaren Drohungen, ein nicht berufungsfähiges Urteil ergehen zu lassen, für ein Ende der Auseinandersetzung zu Gunsten des Jobcenters (Zeugnis: Meike Deutschmann).

Das Gericht unterstellt, dass es eine Vereinbarung zwischen Mutter und Tochter gäbe, „dass die Tochter die Mutter pflegt und dafür Gegenleistungen erhält“. Ja: diese Leistungen gibt es – da Frau Deutschmann keine Einnahmen hat, wäre sie verhungert, würde ihre Mutter ihr nicht aushelfen. Der Bedarf ist eindeutig zu beziffern: 399 Euro Hartz IV plus 420 Euro Warmmiete … deutliche mehr, als überhaupt Pflegegeld bezahlt wird. Dazu kämen dann noch Kosten für die Krankenversicherung für Meike Deutschmann … viel zu viel für die schwerstkranke Mutter, der vorgeschlagen wurde, sie solle doch offiziell „Arbeitgeberin“ werden, damit die Tochter wieder krankenversichert ist.

Das Bundessozialgericht wies den Fall wieder an das Landessozialgericht zurück. Der Fall Meike Deutschmann ist entschieden: die Mutter wurde dazu verurteilt, von ihrer Rente die Tochter zu finanzieren. Frau Rita Deutschmann ist blind – und völlig hilflos. Sie möchte nicht von Fremden gepflegt werden. Braucht sie auch nicht: sie hat noch eine Tochter, die ihre Mutter nicht allein läßt. Sie fühlt sich auch wohl dabei: nur reicht das Pflegegeld (über das sie per Gesetz eigentlich frei verfügen darf und dass sie nicht zur Subvention ortsansässiger Jobcenter gebrauchen möchte) nicht aus, um der Tochter einen Vollzeitarbeitsplatz zu finanzieren – ja, selbst ein „Minijob“ wäre kaum zu realisieren. Trotzdem soll sie Arbeitgeberin werden: sie, die nicht mehr lesen kann und unmöglich alle Pflichten eines Arbeitgebers erfüllen könnte.

Natürlich gab es – anwaltlicherseits – auch den Vorschlag, sich doch eine eigene Wohnung zu  nehmen. Meike Deutschmann ist eine Tochter über 25, da stünde ihr das zu. Dann gäbe es vielleicht Hartz IV – jedoch nur, falls das Jobcenter sich nicht neue Einnahmen herbeiphantasiert. Und: die Pflege – wäre nicht mehr so leicht zu bewältigen. Es müsste eine Pflegekraft eingestellt werden (die bekäme 1425 Euro im Monat – aktuellste Zahlen siehe Pflegestufe.info). Die eigene Tochter jedoch: wird vogelfrei, weil sie ihre eigene Mutter pflegt … und dadurch der Gemeinschaft der Versicherten Heimkosten von 4000 – 6000 Euro im Monat erspart. Ja, nochmal: IM MONAT!

Wissen Sie übrigens, was „Gesundheitsökonomie“ bedeutet? Fiel mir gerade nur so ein, weil der Richter ja in diesen Gefilden als Lehrbeauftragter nebenbei arbeitet. Ich habe da bei Wikipedia einen schönen Satz gefunden: „Die optimale Verwendung begrenzter Gesundheitsbudgets steht im Vordergrund“.  Mir wäre mulmig dabei, am Sozialgericht einen Richter zu wissen, der in diesem Umfeld unterrichtet … und richtet.

Für den Staat ist das Opfer der Meike Deutschmann sicher optimal: dadurch, dass sie mit Lügen und Verleumdungen aus Hartz IV gedrängt und in ein nicht vorhandenes Arbeitsverhältnis gepresst wird, kostet sie gar nichts mehr. Und darf nie wieder krank werden, weil das niemand bezahlt. Die Mutter Rita Deutschmann ist übrigens geistig völlig fit. Sie will nicht den Staat mit ihrer Rente subventionieren, gewährt Zahlungen an ihre Tochter also als Darlehen.

Das ist Deutschland im Jahre 2016.

Das war nun die Geschichte der Meike Deutschmann – und ich merke, Sie haben noch eine Frage: wieso kommt dieser Fall nicht in „Monitor“ oder „Panorama“ … oder gar der „Tagesschau“ selbst. Das sind doch Entwicklungen, die uns alle angehen!

Nun – dazu kann der Autor dieser Zeilen aus eigener Erfahrung sprechen. Auch ich wurde mal von einem Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angesprochen, ob ich wohl an einer Sendung über „Hartz IV“ teilnehmen würde. Nur ich. Wir telefonierten lange – und kamen überein, dass ich das machen würde. Bedingung war: ich sollte auch die politische Dimension dieses „Sozialgesetzes“ ansprechen – was ich ja schon in ein paar hundert Artikeln getan habe. Er wollte nur noch schnell mit seinem Chefredakteuer sprechen, dann könnten wir loslegen.

Ich habe nie wieder von ihm gehört … das Gespräch mit dem Chefradakteur war mutmaßlich … enttäuschend.

Und doch habe ich die Hoffnung, dass – da die Geschichte ja nun mal in der Öffentlichkeit ist – auch professionelle Stellen sich damit beschäftigen werden. Immerhin traf es diesmal eine Kollegin.

 

 

 

 

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