Gutmensch

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Hartz IV, der Gutmensch und die Kultur des Bösen

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Samstag, 26.3.2016. Eifel. Wir leben ja gerade in ganz besonderen Zeiten. Ganz konkret, meine ich. Gestern ist ein ganz wichtiger Mensch gestorben, eine zentrale Sagengestalt des christlichen Mythos, ein Gotteskind und Wundertäter, bald steht er wieder von den Toten auf. Das wichtigste Fest der christlichen Sekte, die noch unter uns lebt, aber tagtäglich ein Einfluss verliert. Für sie: der heiligste Tag des Jahres, der Triumph der Menschheit über den Tod, ausgeführt durch einen großen Huna-Magier, der auch Kranke heilen, Tote wiedererwecken und Brot vermehren konnte  – und dadurch auch so lange im Gespräch blieb, dass siebzig Jahre später sich eine Reihe von Evangelisten hinsetzen konnten, um aus den überlieferten Fragmenten der Erzählungen ein großes Werk zu verfassen: die Evangelien, die ihren Namen von dem altgriechischen Wort evangelos haben – was soviel wie „gute Botschaft“ bedeutet. Drei sind bekannt (Markus, Mattheus und Lukas – Johannes ist da aus gewissen Gründen ein Sonderfall), eins ist in der Geschichte verschollen – wir kennen noch nicht mal seinen Namen.

Der Wundertäter hatte sich – soviel ist bekannt – bei den römischen Besatzern unbeliebt gemacht, er predigte wirres Zeug: alles solle man verkaufen und es den Armen geben, „den Markt“ hatte er sogar mit einem Knotenseil aus dem Tempel vertrieben – überhaupt hat er sehr viel Geistiges in die Welt gesetzt – so viel, dass Zen-Buddhisten ihn für einen Zenlehrer halten (siehe Kenneth S. Long, Jesus – der Zenlehrer Herder 2000). Fakt ist: es hat ein wundertätiger Mensch in Jerusalem und Umgebung gewirkt, der allerdings die Wunder nur zum Zwecke der Aufmerksamkeit wirkte – nicht, um als großer Zauberer zu jeder Hochzeit eingeladen zu werden, um dort Wasser in Wein zu verwandeln. Fakt ist: als Symbol für ihn wurden fortan von den Reichen und Mächtigen, die seine Lehre schnell aufgriffen und vereinnahmten, überall Folterinstrumente aufgestellt – die ganze Welt ist voll von Bildern eines gequälten, gefolterten Kindes Gottes (was wir ja aus christlich-jüdischer Sicht alle sind).

Haben Sie schon mal daran gedacht, dass wir auch andere Bilder sehen könnten? Zum Beispiel, wie er als Friedenskönig in Jerusalem einritt? Oder wie er als strahlende Gestalt aus dem Grab trat? Oder einen Toten zum Leben erweckt? Oder auf den Wellen steht und weise Worte spricht?

Entschieden hat man sich für das Kreuz. Seien Sie mal ehrlich: wie wirkt dieses Kreuz auf Sie? Vergessen Sie alle Interpretationen aus dem Religionsunterricht – und diese ganze Sühne- und Schuldgeschichte, schauen Sie einfach nur hin. Was sehen Sie? Den edelsten Boten Gottes, sein eigenes Kind, hingerichtet von den Mächten der Welt. „Vater, Vater, warum hast Du mich verlassen …“ sprach er am Kreuz: so lernen wir das im Religionsunterricht. Das dies der Beginn eines Psalmes ist, wollen wir für einen Moment ausblenden – es fehlt der Beweis, dass er in der Tat diesen Psalm aufsagen wollte. Bleiben wir bei dem Moment: jener Heroe, der mit dem Teufel in der Wüste gerungen hat und Herrscher der Welt hätte werden können: gefoltert und hingerichtet vom Imperium. Damals: dem römischen. Ein Akt, der Jahrtausendelang allen Menschen vor Augen gehalten worden ist – als Symbol des gekreuzigten Jesus.

Eine gute Gelegenheit, mal über Gut und Böse zu reden. Viel zu oft lauschen wir dem endlosen Geschnatter der Talker, Sprecher und Redner, viel zu selten haben wir noch Ruhe, die großen Gedanken des menschlichen Lebens zu denken und für uns zu entscheiden. Keine Sorge: ich rede jetzt nicht von Moral. Moral wird es, wenn wir aus den Reflexionen über Gut und Böse Lehrsätze bilden und diese als Gesetz befolgen lassen. Wer treu dem Gesetz ist, gilt dann als moralisch gut, wer dem Gesetz widerspricht und gegen es verstößt, ist böse. Laufen Sie bitte jetzt nicht fort, wenn ich den Namen Hitler erwähne, aber er illustriert gut, was Moral ist. Moral bedeutet: den Feind des Volkes ausfindig zu machen und ihn den staatlichen Folter- und Vernichtungsbehörden zu übergeben – selbst wenn es die eigenen Eltern sind. Viele Gutmenschen haben damals geholfen – ganz im Geiste des „Mainstream“ – das ganze jüdische Volk auszurotten … und viele andere „böse“ gleich mit. Schaurig, oder? Bis 1945 waren die sehr moralisch, danach böse.

Wir trauen deshalb dieser Moral nicht, die heutzutage junge Männer dazu bringt, Frauen zu verkaufen, wie Vieh zu halten und ihre Gegner zu köpfen. Ja: die viel gefürchtete IS hält sich für gnadenlos gut. Gutmenschen halt. Es ist ihr gemeinsamer Nenner, dass sie sich immer für gnadenlos gut halten, ergo ihre Widersacher für böse. Scheint ziemlich blöde zu sein, dass Gerede über gut und böse.

Ich möchte jetzt nicht vom Gewissen reden, jenem Beweis eines ewigen, übergeordneten Naturgesetzes im Inneren des Menschen, denn das 21. Jahrhundert liefert uns in den Beobachtungen des Alltages zu wenig Belege für die Existenz eines solchen, sondern bei der Vernunft bleiben – und aufzeigen, dass es trotz allem das Böse gibt. Hierzu wenden wir den Blick ab vom Menschenreich, schauen ins Tierreich, wo noch nie Gewissen vermutet wurde. Dort finden wir: den mächtigen Löwen und sein Opfer, die flinke Gazelle. Hässlich, was diese Bestie dem schlanken Läufer antun wird, wenn man sie läßt – aber wollen wir das Hässliche deshalb Böse nennen? Der Löwe nimmt seinen Platz in der Natur ein, in der Ordnung, die ihn überleben läßt. Ebenso die Gazelle. Jeder füllt den Platz aus, den er zum Leben braucht, jeder nimmt die Ressourcen, die er zum Überleben braucht – mehr nicht. Mit gutem Recht können wir dies „gut“ nennen, es ist wenig Willkür in dem Bezugsrahmen – der ist eigentlich vorgegeben.

Was wäre dann „böse“?

Wenn ein Wesen mehr Platz, Raum, Ressourcen für sich in Anspruch nimmt, als es zum Überleben braucht. Dieses würde man mit Fug und Recht böse nennen, wie ein Löwenrudel, dass blindwütig durch Afrika streift und alles tötet, was es in die Klauen bekommt – nur um des Tötens willen. Würde dieses Löwenrudel gar Maschinen bauen, um seine Macht ins Unendliche auszudehnen und alle anderen Tiere ins Gas schicken zu können: wir hätten alles Recht, das Wort „Böse“ zu gebrauchen.

Sie wissen, worauf ich hinaus will, nicht wahr? Das Wesen, dass ich wesentlich mehr von dem Planeten raubt, als ihm zustehen würde – dass sind SIE. Eine Kultur, die ewiges Wachstum auf ihren Standarten trägt, kann gar nicht anders als irgendwann alle Ressourcen des Planeten in Plastiktüten umzuwandeln, mit denen eitler Tand in die künstlichen Höhlen, den Tempeln des eigenen kleinen Ego, geschaufelt wird, damit sie sich zum Bersten füllen. Schauen Sie nicht so blöd: wir haben mehr Plastik als Plankton im Meer und brauchen – bei gleichbleibendem Verbrauch – einen ganzen zweiten Planeten …. ob es nun einen menschengemachten Klimawandel gibt oder nicht, ist da ein völlig nebensächliches Thema, ein Problem, das nur obendrauf kommt (siehe Zeit):

„Jedes Jahr im Sommer errechnen Umweltexperten den sogenannten Earth Overshoot Day: Das ist der Tag des Jahres, an dem alles verbraucht ist, was die Natur binnen zwölf Monaten erneuern kann – dazu gehört Trinkwasser, Brennmaterial oder Bauholz, aber auch Getreide oder bestimmte Fischarten. Im Jahr 1970 war das am 23. Dezember. Seitdem ist dieser Tag immer weiter nach vorne gerückt: Im vergangenen Jahr bereits auf den 13. August.

Ökonomisch betrachtet ist der Earth Overshoot Day jener Tag, ab dem die Menschheit auf Kredit lebt. Die Schulden zeigen sich in Form von Klimawandel, Artensterben oder Wassermangel.Einen solchen Tag dürfte es eigentlich gar nicht geben.“

Interessante Informtionen. Eindeutig ist die Menschheit hier böse, sie nimmt mehr – viel mehr – als sie zum Überleben braucht: das irrsinnige, dem ultimativen, mörderischen Wahn verfallene Löwenrudel ist Realität geworden – samt seiner Maschinen, die seine Macht schier endloc ausdehnen.

Die Menschheit? Bitte, fallen Sie auf die Lügen der Prediger des Reichtums nicht herein. Es ist nicht „die Menschheit“. Die Stämme in Asien, Australien, Afrika und Nord- oder Südamerika sind auch Menschen. Ja – so leicht versteckt sich Rassismus in allgemeinen Aussagen. Jene Stämme kannten keinen „Earth Overshot Day“. Sie nahmen, was ihnen zustand, was sie zum Überleben brauchten. Lesen Sie ruhig diesen Artikel in der „Zeit“, ich zitiere noch ein wenig:

„20 Prozent der Menschheit verbrauchen 80 Prozent der weltweiten Rohstoffe und verursachen 70 Prozent der globalen Emissionen – das ist die Bilanz der wirtschaftlichen Dominanz des Westens, deren Fundament mit der industriellen Revolution gelegt wurde. Und darauf folgt im Umkehrschluss: Wir verbauen den anderen den Weg zum Wohlstand, denn wir haben uns bereits einen so großen Anteil am Reichtum des Planeten genommen, dass den Menschen in den ärmeren Gegenden kaum etwas bleibt. Die Erde würde es schlicht nicht verkraften, wenn auch in Nigeria oder in Pakistan vor jeder Haustür ein Auto stünde.“

Das ist die häßliche Fratze „des Westens“, deren Werte die Bomber der Nato weltweit mit Feuer und Schwert verteidigen … jenes Westens, der den Sohn Gottes nicht als barfüßigen Wanderprediger darstellt, der bekannt für seine Menschenliebe ist, sondern als gequälte, gefolterte, ermordete Person, hingerichtet durch die Schergen des mächtigsten Imperiums der damaligen Menschheitsgeschichte. Heute würde er Waterboarding in Guantanamo hinnehmen müssen – und wer weiß: vielleicht ist er schon gemäß der Prophezeiung zurückgekommen, sah etwas zu „arabisch“ aus und sitzt genau dort.

Sie wissen, worauf ich hinaus will? Denken wir gründlich über „gut und böse“ nach – wie bewiesen, eine sehr relative Frage, denn die Propheten des Westens halten ihre Kultur für hemmungslos gut, obwohl noch keine Kultur eine so große Vernichtung über die Artenvielfalt des Planeten gebracht hat, wie sie. Nehmen wir jedoch den Rahmen, der bedinungslos und alternativlos unsere Dasein begleitet – die Natur – so ist jene Kultur, die voller Stolz den Mord am Sohne Gottes illustriert, das Maximum an denkbarem Bösen.

Das es anders ginge, zeigen die Aborigines in Australien, die sich lieber in der magischen „Traumzeit“ bewegen, um dort realistischere, ansprechendere und bewegendere „Unterhaltung“ bekommen als wir mit unseren „sprechenden Bildern“ (hier realisierte unsere Kultur mit ihrem „Flatscreen“ ein finsteres Bild aus der Apokalypse des Johannes) und ihrer Flut an Seichtigkeit, die jeder Bürger im Schnitt vier Stunden am Tag geist- und gedankenlos konsumiert. Diese Form des Lebens – die ein Christus predigte – könnte Millionen von Jahren auf der Erde existieren, im Einklang mit dem vorgegebenem Betriebssystem. Die Kultur, die Christus kreuzigte, nicht. Ihr – dem römischen Imperium – haben wir überhaupt erst die Wüsten Nordafrikas und die Verwüstung Spaniens zu verdanken. dort schlugen sie das Holz für ihre Kriegsgaleeren.

Verfolgen wir nun jenen Gedanken weiter, der uns vom „relativen“ Gutem zum „absoluten“ Guten geführt hat, so können wir ihn auch auf die Gesellschaft des Westens übertragen und ihn dort weiterbenutzen, um über Gut und Böse zu richten. Je mehr ein Mensch dem absoluten Bösen untertan ist, ihm zuarbeitet, ihm zu Diensten ist, umso mehr Geld hat her. Wir können den Grad der Bösartigkeit direkt am Kontostand ablesen – unabhängig von der eigenen Sicht des eigenen Verhaltens, die – das können wir wohl voraussetzen – immer „gut“ ist. Auch ein Hitler fühlte sich – von der „Vorsehung“ auserwählt – als hemmungslos gut, als: „Gutmensch“ (im eigentlichen Sinne, nicht im flachen Sprachgebrauch der Rechtsradikalen, die hier vor allem lobenswerte soziale Aktivitäten entwerten und als „links-grün-versifft“ entlarven wollen).

Das Gegenteil vom Gutmenschen (der auch als Henker des Sohnes Gottes seine „gute“ Arbeit im Dienste des Imperiums tat) ist – so können wir jetzt erkennen – nicht der böse Mensch, sondern der weise Mensch. Oder ein Kind Gottes, das sich um die Bewertung von Gut und Böse im Rahmen seiner Nächstenliebe gar keine Gedanken macht und dafür von den „Guten“ gekreuzigt wird.

Andererseits dürfen wir jene Menschen zurecht „gut“ nennen, die von Hartz IV leben – jenem Zustand, den der „Gutmensch“ (neben plakativen Flüchtlingsrettungsaktionen zu Werbezwecken für das eigene „gutsein“, dass den Kontostand verkleiden und das eigene Ego preisen soll) als Parasitentum brandmarkt. Sie leben zwar im Reich des ultimativen, kannibalistischen Bösen, trachten jedoch den Grad der Weltvernichtung möglichst gering zu halten. Leider nicht freiwillig, weshalb es nur ein relatives „gut“ ist – und kein absolutes, welchem dem freien Willen entspringt.

Es ist – denke ich – für jene wachsende Zahl an Armen wichtig und heilsam zu wissen, dass sie nicht böse sind, schlecht, minderwertig, Abfall, schmarotzend oder parasitär sondern in einer Kultur des Bösen lebend, die sie – wie sie es mit Christus taten – gerne aus dem Wege räumen würden. Sie sind nicht krank, schlecht oder „zu wenig in Resonanz mit dem Universum“, sondern einfach nur Menschen in einer bösartigen Umwelt, die sich nicht nur parasitär in die Welt frisst sondern gleiches auch mit der eigenen Volkswirtschaft betreibt: Vernichtung zum Ruhme des ultimativen Bösen – also: des größtmöglichen Kontostand in Privathand.

Faszinierend, oder? Erinnert uns an Adorno, welcher uns lehrte, dass es kein richtiges Leben im falschen gäbe: er ist hier sehr rigoros – ich würde den Widerstand der „Weißen Rose“ gegen Hitler aber trotzdem richtig nennen, obwohl es „Leben im falschen“ wahr

Bleiben wir zu Ostern – weil es ein heiliges Fest ist – aber gleich bei den neuen Lehren des Bösen, dem „Gesetz der Resonanz“, welches uns „der Westen“ schenkte und das uns sagt, dass jeder gute Mensch soviel Reichtum bekommt, wie es seinem „gutsein“ entspricht. Kennen Sie den Witz über den Reichen und die beiden Armen – einer davon kann auch Flüchtling oder Arbeitsloser sein? Sitzen drei Mann an einem Tisch, auf dem 12 Kekse liegen. Der Reiche nimmt 11 Kekse und sagt einem der Armen: „Pass auf, der Flüchtling will Deinen Keks!“. Dieses Beispiel zeigt uns die Wirkung des Gesetzes der Resonanz, dass die Passivität der Menschen noch verstärkt (und von nahmhaften Unternehmensberatern deshalb in den Führungsetagen gepredigt wird): hier wird der Arme aufgefordert, seine Kekslosigkeit durch endlose Suche nach der Ursache in sich selbst zu finden (wo auch alle Quellen gesellschaftlichen Ungleichgewichtes zu suchen sein sollen) …. anstatt bei dem Reichen, der gerade dick und fett wird.

Es sind häufig „Gutmenschen“, die dieses Gesetz anbeten, das den Grad der Gutartigkeit am Kontostand ablesbar macht (je höher, umso mehr „Resonanz“, ergo umso besser das Leben. Außerdem hat man ja einfach mehr Geld, was auch als schön empfunden wird, weil man den Zusammenhang zwischen Geld und bösartiger Vernichtung der Natur ausblendet und mit Spenden für Greenpeace auszugleichen hofft), dabei zeigt sich an dem Kontostand nur, wie erfolgreich man der Kultur des Bösen dient: jenem Bösen, das die ganze Welt tagtäglich weiter vernichtet … zum Wohle des Konsums der Spaßgesellschaft.

Und diese Kultur hat zur Warnung an die wirklich guten Menschen – die glücklich und in Frieden im natürlichen Paradies leben – das Kreuz als Warnung errichtet: Widerstand ist zwecklos, wir kriegen euch alle – auch Gottes eigenen Sohn.

Verwirrt? Nun – fing nicht das Problem schon damit an, dass die Menschen sich anmaßten, selbst darüber zu entscheiden, was „gut“ und „böse“ ist – damals, im Paradies, mit diesem Apfel? Anstatt sich mit dem Platz zufrieden zu geben, den sie für ihr Überleben brauchten … jenen Platz, den sie heute im Urlaub als Krönung ihres Lebens immer noch aufsuchen: die paradiesische Natur.

Oder kennen Sie einen Menschen, der Urlaub neben Hochöfen, Autobahnen oder in Gelsenkirchen macht?

Damit – möchte ich die Erwägungen abschließen und unseren Lesern ein frohes Osterfest wünschen!

Bitte – nutzen Sie es zur Besinnung uns lassen Sie die Fresserei sein.

Deutschlands alternativloser Ruck nach Rechts

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Montag, 25.1.2015. Eifel. Bevor Sie sich diesen Zeilen widmen, möchte ich Sie warnen: hier schreibt ein „Nazi“. Ja – ich bin eindeutig identifiziert worden: man hat meinen Artikel über die Alpha- und Omegakinder der Welt „analysiert“, mir unterstellt, ich würde Flüchtlingskinder nichts zu essen geben wollen und deshalb geschlussfolgert, dass ich ein Nazi sein müsse. Lesen Sie selbst: vielleicht in ich ja ein Nazi und merke es nur nicht, meine Intention jedenfalls war, aufzuzeigen dass es zwei verschiedene Arten von Kindern in der Welt gibt, dass meiner Meinung nach die täglich sterbenden Omegakinder in Afrika ebenfalls bei der Lösung der Flüchtlingskrise bedacht werden sollten (die kommen nämlich nie hier an, die sterben schon zuhause). An den Alphakindern – den Pflegekindern in Deutschland – kann man jedoch sehen, dass der Staat manchmal für Kinder sehr viel Geld ausgibt – das meiner Meinung nach alle Kinder in Deutschland brauchen. Aus meiner Sicht also: ein sehr unfaires Urteil. Man hat mir geraten, dagegen vorzugehen, doch die Autorin ist arbeitslos, zu 150% sanktioniert und ohne festen Wohnsitz – das rührt mich schon so an, dass ich hier wegen mangelndem Textverständnis keinen Aufstand mache. Wenn Sie aber nun Probleme damit haben, dass es Menschen gibt, die mir unbemerkt einen „Nazi“Aufkleber auf den Rücken gepappt haben: lesen Sie bitte woanders.

Ich mache mir auch eher über andere Dinge Gedanken, die aber mit solchen Ausfällen zu tun haben. Ich weiß: man darf das Wort nicht mehr benutzen, ebenso wie bei dem Gebrauch des Wortes „Flüchtling“ macht man sich verdächtig, man könnte gleich was Falsches sagen, ich muss aber nochmal darauf eingehen, weil ich dieses Wort seit 30 Jahren mit Verweis auf Nitzsche benutze, er war ebenfalls von dieser urdeutschen moralisierenden Biedermeierspießigkeit angewiedert, die Feind jeder Ehrlichkeit war, jedes wahren Guten und Schönen, ein Hort der Heuchelei und Verlogenheit, Vorläufer der faschistischen Tendenzen im Land (und das im 19. Jahrhundert – da scheinen wir in der Tat auf der Spur von etwas richtig Deutschem zu sein): dieses Wort lautet „Gutmensch“.

„Der Gutmensch glaubt, dass er, im Kampf für das, was er für ,das Gute‘ hält, von jeder zwischenmenschlichen Rücksicht und zivilisatorischen Regel entpflichtet ist.“

So zitiert die Welt Harald Martenstein (siehe Welt) – und für diesen Satz hat er einen „Shitstorm“ über sich ergehen lassen müssen. Was ein „Shitstorm“ ist? So etwas wie die Reichskristallnacht, wo der Mob ungebremst seine niedersten Gelüste ausgießt – mit staatlicher Genehmigung, jener Mob, der jederzeit eine hervorragende Rekrutierungsquelle für SA und SS war, viele davon mit „linken“ Parolen auf den Lippen – und rechtem Hass im Herzen.

Es ist – meiner Meinung nach – ein ganz zentrales Kennzeichen rechter Politik – und Kennzeichen einer rechten Gesellschaft – dass man das Zwischenmenschliche und jede Form von Zivilisation im Namen des „Guten“ mit Füßen treten kann: jeder Eroberer, jeder Diktator, jedes Imperium der Weltgeschichte, jeder König, Fürst und Landgraf kämpfte immer nur für das „Gute“ – für das „Böse“ stritten in der bekannten Geschichte der Menschheit nur eine winzig kleine Hand voll „Satanisten“, der Rest war immer und überall hemmungslos „gut“.

Das Gute – ist eigentlich schnell beschrieben, wir haben eine Religion und eine durch sie inspirierte Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte – was Rechte für „Sozialromantik“ halten, die abgeschafft gehört. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ – das könnte auch Kernsatz jedweder echter „linker“ Politik sein, die über alle Länder- Rassen- und Klassengrenzen hinweg zu einer maximal möglichen Menschlichkeit aufruft; „Hasse Deinen Nächsten wie Dich selbst“ wäre dann der faschistische Gegenpart (wobei ich in der Tat voraussetze, dass „Faschismus“ der logische Endpunkt einer jeden rechten Bewegung ist, wenn sie nicht durch Gesetz und Opposition gebremst wird) – ein Satz, der gut zu einer Gesellschaft passt, deren Mitglieder zur beständigen Selbstoptimierung aufgerufen werden (was heißt: sie sind immer aktuell nicht gut genug – ergo: hassenswert) und deren Wirtschaft durch die Konkurrenz aller gegen alle geprägt ist (anstatt den vernünftigen Weg der Kooperation zu wählen, der uns überhaupt erstmal Reichtum und Wohlstand gebracht hat). Überall wo es „Herrenmenschen“ gibt, ein klar definiertes „Oben“ und „Unten“ existieren rechte Gesellschaften: tauscht man den (guten) Grafen durch den (guten) Kommissar aus, hat man noch nicht unbedingt viel gewonnen, wenn man es bei dieser Übergangslösung beläßt (was dem Kommissar, der alle Macht innehat, in der Regel gut gefällt).

Nun haben wir eine lange Vorrede über uns ergehen lassen müssen, doch soll es heute ja nicht um eine große Bestimmung wahrhaft linker Politik gehen, sondern um die Zukunft Deutschlands – nicht als Nation gedacht (auch dieses Denken ist schon ziemlich „rechts“, weil hier das „wir“ und „die anderen“ verankert ist), sondern als zufällig zusammengewürfelte Lebens- und Sprachgemeinschaft.

Dieses Deutschland befindet sich auf einem stramm rechten Kurs, der alternativlos ist – und mir kam da die Idee, dass dies vielleicht wirklich von langer Hand vorbereitet worden ist. 2014 veröffentlichte die Bundesregierung ein Werbevideo, dass in der arabischen Welt darüber aufklären sollte, wie leicht es ist, sich in Deutschland anzusiedeln (siehe Welt). Verschwiegen wurde, dass Deutschland ein dicht bevölkertes Land ist, das jetzt schon kaum Wohnraum für arme Menschen hat, das hoch verschuldet ist (und wirtschaftlich sehr angeschlagen, aktuell wird vor der Pleite von 50000 Geschäften gewarnt  – siehe N-TV) und in dem es im Winter für viele Monate bitter kalt werden kann – eigentlich völlig unverantwortlich, dieses Land als Zielland für eine große Auswanderungswelle zu präsentieren. Nun gut, aktuell steuert man dagegen, tausende von Flüchtlingen verlassen nach Angaben des „Spiegel“ schon jetzt wieder das gelobte Land, weil es kalt, unfreundlich und arm ist (siehe Video „Lieber sterbe ich in meinem Land“).

Können Sie sich noch an die Bundestagswahl 2013 erinnern? Die CDU/CSU hatten 311 Sitze im Parlament, die SPD/GRÜNE/LINKE 320. Bei jedem CDU-Parteistratetegen mussten da die Alarmglocken klingeln: eine „rote“ Mehrheit im Land – undenkbar. Gut, dass die SPD schon immer Wolf im Schafspelz war und regelmäßig rechte Politik gesellschaftsfähig macht, wenn die Unternehmer das mal allein nicht schaffen – sonst hätte es für die Rechten (ja, CDU/CSU sind auch „rechte“ Parteien. Echte Linke wissen das noch – Gutmenschen leider nicht) übel ausgesehen. Aber da musste eine Lösung her: die Dauerherrschaft der rechten Minderheitspartei CDU war in Gefahr. Die Idee hätte sein können: macht die Grenzen wieder auf – man hatte schon mal sehr gute Erfahrungen mit 1,7 Millionen Russlanddeutschen gemacht (siehe Spiegel):

„Aus purer Dankbarkeit hatten die Rußlanddeutschen stets CDU oder CSU gewählt – ein verläßliches Stimmenreservoir für Helmut Kohl.“

Ich verfüge in meinem Archiv noch über Briefe der NRW-CDU, die genau diese Dankbarkeit eingefordert hat. Später hat man die „Spätaussiedler“ wieder fallen gelassen, ganz übel diskriminiert, womöglich der Grund dafür, dass ihre gründlich „verarschten“ Kinder die Gewaltstatistiken anführten – und zwar „auffallend brutal“ (siehe Zeit).

Ist der Gedanke wirklich zu gewagt, zu folgern, dass „gewisse Kreise“ in der CDU sich an den großen Wahlerfolg durch Russlanddeutsche erinnerten – und sich eine neue Klientel aufbauen wollen? Nun- bis „Flüchtlinge“ Wahlrecht haben, dauert es sicher eine Weile, aber „Parteistrategen“ werden auch dafür bezahlt, dass sie sehr weit nach vorne schauen, weiter, als es die Millionärspresse dem Bürger erlaubt.

Nun – zuvor ein paar Gedanken zur Flüchtlingspolitik … wie ich sie gelegentlich immer wieder einfließen lasse. Man hätte – da man ja schon entsprechende Werbevideos geschaltet hatte – schon 2014 mit einem Ansturm von Asylbewerbern rechnen können. Als mutmaßlicher Initiator dieses Sturmes hätte man sich umgehend an das Volk wenden können, ganz nach dem Motto „da herrscht Not, nächstes Jahr kommen viele Menschen zu uns, denen es fürchterlich geht, wir wollen helfen, was sollen wir tun?“ Man hätte einen Aufruf starten können, wer alles bereit ist, privat einen Flüchtling bei sich aufzunehmen, wo überall Geld zuviel ist, um Unterkünfte bereit zu stellen und vor allem: wie man die Anreise der Flüchtlinge ohne Risiko für Leib und Leben hätte organisieren können, ja, man hätte sogar dafür sorgen können, dass sie die Reise gar nicht hätten unternehmen brauchen – wie zum Beispiel durch Umverteilung des immer obszöner werdenden Reichtums der Reichen und Superreichen (siehe Süddeutsche oder Spiegel): damit hätte man Millionen von Menschenleben retten können – und auch all´ jene, die momentan wieder im Mittelmeer ersaufen.

Das hat man aber nicht gemacht, stattdessen … hat man sich für „Nötigung“ entschieden und den Deutschen spontan eine Million Flüchtlinge vor die Nase gesetzt und daraus eine Kampagne mit deutlich nationalistischen Untertönen gemacht: “ wir tollen, perfekten Deutschen schaffen das“ (die doofen Franzosen natürlich nicht). Aktuell wird offen von 4 Millionen Flüchtlingen gesprochen – und langsam kommen die ersten Gedanken, was das eigentlich für unsere Wirtschaft bedeutet (siehe Spiegel): es ist ein Schock für den deutschen Arbeitsmarkt mit unkalkulierbaren Folgen. Es ist auch ein Schock für den deutschen Wohnungsmarkt im Niedrigpreisbereich. Angst macht sich breit: Angst um den Arbeitsplatz, Angst um die Wohnung, auch Angst vor Obdachlosigkeit. Und auch Zorn breitet sich aus: wie kann es sein, dass die deutsche Regierung, die für ihre eigenen Kinder und Arbeitslosen kein Geld übrig hat auf einmal viele Milliarden investieren kann? Hatte man vorher etwa falsch gerechnet?

Nun – Armut in Deutschland ist politisch gewollt, dass wurde damit nochmal deutlich – und ich denke: genau das sollte noch mehr Zorn provizieren – allerdings auf die Falschen. Nachdem lange Zeit gezielt vor dem schrecklichen Islam gewarnt wurde (ja: wie die Heute-Show – ein Komödienstadel des ZDF – in ihrer Sendung vom 22.1.2016 nachwies, gab es kein „Schweigekartell“ des „öffentlich rechtlichen“, sondern eher eine – heute als „faschistisch“ deklarierte – antimuslimische Stimmungsmache über Jahrzehnte hinweg). Ich glaube, es reicht ein Hauptschulabschluss, um zu erkennen, was in der Gemeinschaft geschehen wird, wenn man erst einen „bösen, kulturell abartigen“ Feind detalliert beschreibt und dann überraschend eine (oder vier) Millionen dieser „Barbaren“ ins Land läßt: da wird es eine breite Gegenbewegung geben, die zusätzlich auf eine stabile Ausländerfeindlichkeit in Deutschland setzen kann (wobei ich jetzt gelernt habe, dass „Polenwitze“ „gute Ausländerfeindlichkeit“ sind, gegen die „Gutmenschen“ nichts haben), ich verweise hierzu mal auf die Erfahrungen eines Journalisten in Schalke (siehe Der Westen).

Nun ist „doof stellen“ und die damit einhergehende Verantwortungslosigkeit ein politisches Erfolgsrezept einer ganzen verunsicherten Generation, weshalb man der Bundeskanzlerin eine massive Verkürzung der Realität auf die spotane und unerwartete Einreise Millionen neuer Mitbürger erlaubte und gar nicht mitbekam, wie das „Recht auf Asyl“ zur „Pflicht zur Einwanderung“ wurde – eine Wendung, die die gesamte Situation zusehends verschärfte und die kaum diskutiert worden ist: aber ohne diesen Schritt wäre der „Schock“ zu gering gewesen.

Was nun geschehen wird? Aktuell ist die AfD drittstärkste Partei in Deutschland – und je kopfloser sich die Politik der Groko darstellt, um so sicherer werden ihre Wahlergebnisse. 2017 werden wir also eine stabile rechte Mehrheit in Deutschland haben: CDU/CSU/AfD werden deutliche stärker sein als SPD/GRÜNE/LINKE – welch´ Zufall. Die CDU hat eine Alternative zur FDP (die eigentlich keiner mehr will) – und natürlich wird man den Willen des Wählers akzeptieren. Schon zuvor hatte man spekuliert, dass Angela Merkel sich auf ihr Altenteil zurückziehen wird  – weshalb man jetzt auch alles auf ihre Schultern abladen kann. Man kann sich nach den Erfahrungen mit „Russlanddeutschen“ darauf verlassen, dass auch „Araber“ sich zunehmend daneben benehmen werden, wenn für sie offenbar wird, wie sehr man sie mit falschen Versprechungen hinters Licht geführt hat: ihre Taten werden Öl ins Feuer der Ultrarechten gießen.

Wem das zu utopisch ist: schon jetzt zeigt die CDU Solidarität mit der AfD (siehe Tagesschau) oder fordert öffentlich eine Annäherung (siehe FAZ).

Das ist dann der parlamentarische Rechtsruck in Deutschland, und er wird für deusche Arme (und  nicht regierungstreue „Linke“) fürchterliche Konsequenzen haben – bis hin zur völligen Abschaffung der meisten Sozialleistungen, die dann „leider“ unbezahlbar geworden sind. Dabei bleibt es aber nicht.

Dazu kommt auch ein schon jetzt erkennbarer gesellschaftlicher Rechtsruck, der sich nicht auf die Parolen bezieht, sondern – ganz im Sinne von Martensteins Kritik der Gutmenschen – auf den zwischenmenschlichen und zivilisatorischen Bereich. Rufmord, Denunziation, Diffamierungen, Ausgrenzungen, Zensur gehören wieder zum guten Ton, die politischen Kontrahenten aller Seiten pflegen eine brutale Hasskultur, die immer bedrohlichere Konsequenzen hat – und damit meine ich nicht nur die beinahe tödlichen Schüsse auf einen AfD-Plakatekleber (siehe swr).

Es ist eine Jüdin, die in der jüdischen Allgemeine ihre Sorgen schildert (siehe Jüdische Allgemeine), und eine „Diktatur des Guten“ aufziehen sieht – und was „gut“ ist, bestimmt die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Zur Erinnerung: jede Diktatur in der Geschichte der Menschheit hielt sich für grenzenlos überwältigend „gut“ – nur ihre Opfer sahen das anders. Vergessen scheint, dass Diktaturen immer und überall böse sind. Unsere Jüdin wird auf jeden Fall von ihren deutschen Freunden geschnitten – wer weniger als völlige Begeisterung für Angela Merkel empfindet, macht sich schon verdächtig. Soweit sind wir schon.

Doch es geht noch weiter – fast unbemerkt werden Allianzen mit alten SED-Spitzeln geschlossen um Zensur in Deutschland durchzusetzen: eine Allianz zwischen Facebook und einer Stiftung, die den Rahmen, was „böse“ sein soll, beständig (und nahezu unbemerkt) erweitert (siehe Focus). Alle klingt vollmundig „gut“, niemand nimmt Anstoß daran, dass es eine Bertelsmanntochter ist, die jetzt die Zensurmacht ausüben soll – wieso auch: hier geht es ja um den ultimativen Kampf des „Guten“ gegen „das Böse“ – wer könnte das besser als Inoffizielle Mitarbeiter des Stasi, die dereinst den Antifaschistischen Schutzwall („die Mauer“) verteidigt haben (siehe Annete Kahane bei Wikipedia). Was für die Frau und den Verein zum Kampf gegen „rechts“ gehört, habe  ich schon mal erwähnt (siehe Nachrichtenspiegel): die Signalworte „TTIP“, „MONSANTO“, „GENTECHNIK“, „CIA“, „ATLANTIKBRÜCKE“, „BILDERBERGER“, „FREIMAURER“, „ZINSKNECHTSCHAFT“, „ÜBERWACHUNGSSTAAT“, „DRITTER WELTKRIEG“, „GEHEIMDIENSTE“, „UKRAINEKRISE“, „INTERNATIONALE HOCHFINANZ“ werden völlig kritiklos in einen Topf mit echtem braunen Gedankengut geworfen und zu „antisemitischen“ und „antidemokratischen“ Begriffen erklärt (siehe Amadeu-Antonio-Stiftung). Das solche Tabusetzungen und Zensurrichtlinien mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung nichts mehr zu tun haben, brauche ich – so steht zu hoffen – nicht näher zu erklären. „Links“  ist an solchen Tabus überhaupt nichts mehr.

Es ist aber nicht nur dieser staatlich legitimierte Meinungsterror der „Diktatur der Guten“, die eine Kultur des Hasses befördert, sondern auch die zunehmende Zurückdrängung des Staates aus ganz zentralen Positionen, die den Rechtsruck im deutschen Alltag bemerkbar macht: man muss damit leben, dass eine Scharia-Polizei zum deutschen Alltag gehört (siehe Spiegel) und dass Rockerbanden anbieten, die Polizei zu ersetzen (siehe z.B. Blastingnews): hier wird das staatliche Gewaltmonopol in seiner Substanz angegriffen, jede andere Form von „Bürgerwehr“ ist da nicht besser – und die wachsen gerade wie Pilze aus dem Boden (siehe Süddeutsche).

So hat man mit einem einzigen Zug (Grenzen offen) den eher liberalen und linken Charakter der deutschen Bevölkerung ins Gegenteil verkehrt – und kaum einer merkts, im Gegenteil: viele, die sich für fleißig links halten, helfen nach Kräften am Umbau der ganzen Gesellschaft mit (manche vielleicht, weil sie sich ein paar Gnadeneuro dadurch versprechen, dass man ja so toll gegen „die Bösen“ kämpft, was – nach Definition – immer „gut“ ist).

So wird Deutschland 2017 eine stramm rechte Regierung bekommen, die auf ein stramm rechtes Volk trifft, das bereit ist, die unerwünschten und unbequemen Elemente zu isolieren und aus dem Weg zu räumen – was ganz nebenbei die Kritiker des Neoliberalismus und seiner Lobbyorganistion betrifft. Das es auch noch Reste echter linker Gesinnung in Deutschland gibt, wird großflächig übersehen, weil es enorm unbequem ist: die machen, was vernünftig ist und bauen Kobane wieder auf – ohne große Worte. Leider werden sie dabei durch einen Nato-Partner massiv behindert (siehe Tagesthemen bei MLPD).

Und währenddessen wird das Zukunft, vor dem „Verschwörungstheoretiker“ seit Jahrzehnten warnen: die Menschheit wird „gechipt“ – oder macht es freiwillig selbst (siehe FAZ). Doch um über die Gefahren dieser Entwicklung zu reden, müsste ich jetzt „Signalwörter“ gebrauchen, die mich als „bösen“ Menschen indentifizieren – was in einer Diktatur sehr ungesund werden kann: öffentlicher Rufmord wurde an mir ja schon vollzogen, die nächste Stufe davon brauche ich nicht – habe Kinder, auf die ich Rücksicht nehmen muss.

Aber: sich Gedanken über Verschwörungen von „Rechten“ zu machen, ist ja nun ebenfalls „rechts“ – dank einer Mitarbeiterin des Stasi.

2018 wird sich Deutschland dann einreihen in die Front ultrarechter Nationen, die momentan von Polen angeführt wird. Und dann wird man sich wieder fragen: wie konnte das nur geschehen?

PS: nur zur Sicherheit: ich bin dafür, dass alle Flüchtlingskinder sich kugelrund essen dürfen. Noch mehr: das gilt auch für alle Flüchtlinge. Noch mehr sogar: ich bin dafür, dass alle Menschen dieser Welt sich kugelrund essen dürfen – sogar Leute aus südlicheren Gefilden Afrikas, um die sich alle einen Dreck scheren. Und – um allen noch die Krone auszusetzen: ich bin sogar dafür, dass deutsche Arbeitslose genug zu essen bekommen -und erst recht ihre Kinder. Auch die aus Italien, Griechenland, der Türkei und Spanien. Und wenn das „rechts“ ist – dann bin ich das gerne. Ich setze noch einen oben drauf: ich halte folgendes Plakat für extrem rassistisch. Weiß noch jemand, wieso? Es darf keine Sünde sein, „weiß“ zu sein – ebensowenig, wie es falsch sein darf, „farbig“ zu sein. Und erst recht darf es keine staatliche Politik werden, gegen irgendeine Hautfarbe vorzugehen, sie gering zu schätzen und zu verordnen, dass man ab sofort noch mehr andere Farbe braucht, weil die vorhandene Farbe nicht gefällt.

PS2: der Autor bekennt sich dazu, dass er die Organisation „Eifel gegen Rechts“ unterstützt und einem Verein angehört, der Flüchtlingen in der Eifel hilft. Fühle mich da sehr wohl – auch wenn niemand die von mir organisierten Kleiderspenden brauchen konnte. Ich bin auch jederzeit bereit, eine Patenschaft für ein Flüchtlingskind zu übernehmen – wenn es mit meinen Ressourcen machbar ist, die schon für meine eigenen Kinder ziemlich knapp sind. 

PS3: ja – ich halte die SED und ihre Mitarbeiter nicht für links. Sie ist linker als der Neoliberalismus – aber das heißt noch nicht viel. 

 

 

Hitler kommt zurück. Auschwitz auch.

Digital StillCamera
Donnerstag, 21.1.2016. Eifel. Ich weiß: viele mögen Facebook nicht. Es ist halt „was amerikanisches“. Und ein Konzern. Beides Sachen, die bei nachdenklichen Menschen nicht gut ankommen. Amerika macht nun seit Jahren mit Rechtsbrüchen besonderer Art von sich reden, Konzerne sind die Erzfeinde der Menschheit: man sollte beides meiden. Ich meide es nicht. Gut – ich bin überredet worden, dort eine Filiale einzurichten., bin also nicht voller Eigenmotivation da. Mitlerweile habe ich dort auch einige nette Menschen kennen gelernt, mit denen man auf diese Weise locker Kontakt halten kann. Zudem ist das Protestpotential des Internet sehr groß, es stellt insgesamt einen weiteren Schritt zu einer planetaren Zivilgesellschaft da – einer Gesellschaft der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Und andererseits – kann man da schauen, was so gedacht wird. Dieses fand ich bei einem Betriebsrat, mit dem ich selbst keine Verbindungen habt:

„Traut euch für 5 Minuten vor zu stellen, wir hätten den Krieg gewonnen… gesund essen, kein Landverlust, keine Besetzer, keine Aliierten, keine Lügen, keine Unterdrückung, keine Versklavung, jeder könnte in Frieden leben, keine Massentierhaltung, keine Tierquälerei… vor was haben denn Deutsche Angst? Arbeit? Was machen alle heute über 50 Jahre lang unter Zwang? Mit ca. 15 Jahren kommt man aus der Schule und geht zur Arbeit bis 67. Aktuell… und ich denke, es wird noch höher gesetzt werden… oder haben sie Angst, weil sie homosexuell sind? Ist uns doch egal, wer mit wem ins Bett geht, solange man Kinder in Ruhe lässt… diese sollten sich bitte alleine entwickeln dürfen, was sie mögen… denkt mal wirklich für ein paar Minuten darüber nach! Wäre das wirklich schlimm gewesen? Auch für andere? Hitler sprach nicht nur mit Deutschen, möchte auch Menschen, die sich uns anschlossen… komisch, dass jeder denkt, Deutsche wären Rassisten… die gibt es in jedem Land, Franzosen und Engländer sind bekannt dafür und auch Italiener mögen ihre Rasse… ist das falsch? Wenn man niemandem etwas böses tut, aber sein Land mag und es für sich und sein Volk gut meint? Ich hab gelernt beim Erste-Hilfe-Kurs: zuerst muss ich mich schützen, mit Warnweste und Warndreieck… dann sehe ich erst nach dem Unfallopfer… Sicherung, damit mir nichts passiert und ich dem Hilfsbedürftigen helfen kann… liegt in unserer Natur… was sollen wir gerade lernen? Unseren Instinkt zu überleben, einfach ablegen? Idiotisch diese links Denker… idiotisch…“

Ja – denken wir mal eine Minute drüber nach. Es hätte Millionen Tote unter der slawischen Bevölkerung gegeben: die waren Untermenschen. Wären die tot, hätte man bei den Biodeutschen nachgeschaut, wer da Vorfahren aus Polen hat. Ja – Polenfeindlichkeit ist noch heute groß in Deutschland – und Hitler hätte sie als „niedere Rasse“ einfach aussortiert und vergast. Die höhere Rasse – nun, die wäre selbst gezüchtet worden: Ärzte und Naturwissenschaftler waren begeistert vom Nationalsozialismus, er gab ihnen ungeahnte Möglichkeiten, an Menschen herum zu experimentieren.

Ich möchte nun den Namen dieser Person nicht preisgeben – es geht mir nicht um persönliche Hetzjagden zur Befriedigung der eigenen Menschenjagdlust, mir geht es darum, was inzwischen in Deutschland wieder gedacht wird – und welche Exzesse die Dummheit der Generation Doof gerade feiert. Sie sind ja auch nicht selbst Schuld an diesem Meinungschaos: die Schulen versagen da auf breiter Front. Wir setzen auf MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik – dort lernt man nichts über die Gräuel des Faschismus, seine sozialen Ursachen und seine wirtschaftlichen Grundlagen aber viel darüber, wie man ihn mit besseren Waffen und tödlichem Gas ausrüstet, wie man Atomsprengköpfe und Interkontinentalraketen baut, Massen von Menschen elektronisch erfasst und kategorisiert, effektive Vernichtungslager in Szene setzt und gegen alles Geistige im Land ein Maximum an Ignoranz hervorbringt. Zu politisch oder philosophisch differenzierteren Gedanken ist man in jenen Fächern gar nicht mehr in der Lage, es gilt, Wirklichkeit zu vereinfachen und zu vergewaltigen, um an der Absolutheit von Macht zu arbeiten, einer Macht, die man im Prinzip vergöttert und er der man gerne teil hätte.

Im Internet findet man ein angebliches Mussolini-Zitat (eine Originalquelle konnte ich dazu noch nie finden, dieses stammt von Radio Utopie):

„Der Faschismus sollte Korporatismus heißen, weil er die perfekte Verschmelzung der Macht von Regierung und Konzernen ist.“

Unabhängig, ob dieses Zitat wirklich von Mussolini stammt, sollte uns der Gedanke interessieren, da die Alliierten die deutschen Konzerne komplett zerschlagen haben: sie wurden als ursächliche Basis des Nationalsozialismus und des faschistischen Staates definiert. Bei den Montagdemos fand ich hierzu Informationen (siehe lokalkompass):

„Im Industrieclub von Düsseldorf wurde Hitler der Weg zur Macht geebnet. Im Januar 1932 trafen sich die NS-Führung und Industrie zu einer Versammlung. Die Industriellen wie z. B. Krupp-Thyssen, Persil deren Chef Jost Henkel lud Hitler und Co. zu diesem Vortrag im Industrie-Club ein. Insgesamt ca. 650 Industrielle und Bankiers kamen zu diesem Treffen, um Hitlers Programm kennen zu lernen. Hitler kam gerne und brachte Hermann Göring und den damaligen Führer der Terrortruppe SA, Ernst Röhm, mit.

Sie wissen ja: Montagsdemos: dass sind die Bösen. Das sagt jedenfalls Jutta D aus F. – und viele folgen ihr bequemerweise da. Stimmt – die sind böse. Dort ist noch bekannt, was Hitler noch so alles anrichtete:

„Die Verfolgung der Juden war ein Alibi, in erster Linie ging es den Nazis um die Vernichtung von Kommunisten oder allen Andersdenkenden gegen deren Terrorpolitik. Das beweist das Verbot sämtlicher Gewerkschaften und Verfolgung aller „nichtarischer“ Gruppen wie der Romas, Sintis, aber auch Antifaschisten, Behinderte und wie schon genannt der Juden“, hieß es in einer Wortmeldung.

Hätte Hitler den Krieg gewonnen, wären heute die Brillenträger dran … ach was, die wären schon längst vergast, sind halt auch minderwertig. Wir merken aber, warum die Montagsdemos böse (also: „NAZI“) sein müssen: hier wird noch Wissen tradiert, dass in der breiten Bevölkerung gar nicht mehr vorhanden ist. Ach ja: auch zum Thema Flüchtlinge hatten diese Montagsdemonstranten eine einstimmige Meinung:

„Alle Montagsdemonstranten waren sich einig, dass nicht zwischen politischen und wirtschaftlichen Flüchtlingen unterschieden werden darf. „Diese Menschen verlassen nicht aus Lust und Laune ihre Heimat, sondern weil ein Überleben in ihrem Staate durch Krieg, Verfolgung oder Unbewohnbarkeit des Landes nicht mehr möglich ist“, argumentierte einer der Moderatoren.“

Nun – diese Andersdenkenden wurden von einer breiten Front politischer Aktivisten in Deutschland verfolgt, die Person, die so laut nach Hitler rief, wurde völlig ignoriert. Keine Massentierhaltung, keine Tierquälerei: für dieses Paradies kann man schon mal ein paar Millionen Andersdenkender vergasen, die mir ihren wirren Ansichten sowieso nur zu politischen Diskussionen aufrufen, was wertvolle Arbeitszeit kostet.

Nun – gegen die Andersdenkenden wird ja jetzt vorgegangen, damit endlich wieder Ruhe im Land ist. Nachdem ein Professor für Kommunikationswissenschaften die Bundesregierung vor der Unberechenbarkeit der demokratischen Mehrheitsbildung im Internet gewarnt hatte, war es ja nur eine Frage der Zeit, bis die „Etablierten“ eine Polizei auf den Plan riefen. Zwar wird das solche Kommentare wie den obigen nicht stören (der ist ja nicht voller Hass, sondern nur voller Liebe für den guten Hitler, der uns das Paradies bringen wird), aber man hat ein effektives Werkzeug, mit dem man missliebige Meinungen breitflächig vergasen – quatsch – auslöschen kann. (Entschuldigung – ich bin da gerade sehr im Thema).

Verantwortlich für diese Arbeit ist nicht etwa die Polizei – die schon jetzt politisch bedenkliche Hasskommentare jederzeit ahnden kann – sondern eine Konzerntochter von Bertelsmann: jenem Konzern, der hinter den Kulissen (zum Beispiel durch Bertelsmannpartys, in denen man sich gezielt Netzwerke zur gesellschaftlichen Einflussnahme aufbaut) viele Fäden zieht und massiv Einfluss auf die gesellschaftliche Wirklichkeit nimmt (siehe z.B. Handelsblatt) – unter anderem haben wir diesem Konzern Hartz IV zu verdanken. Hartz IV? Hören wir mal eine erfahrende Schauspielerin, diese Berufsgruppe hat regelmäßig mit Hartz IV zu tun (siehe Süddeutsche):

„In gewisser Weise ist Hartz IV schlimmer als offener Strafvollzug: Kein Krimineller darf vor seiner Verurteilung bestraft werden, und die Lebensgrundlage (ein Bürger- und Menschenrecht!) wird nicht einmal einem Mörder genommen, „Hartzern“ dagegen schon, denn der „Entzug des Lebensminimums“ wird unter dem Schönsprechtitel „Sanktion“ gern und oft auch grundlos verhängt. „Widerspruch“ oder Klage haben keine aufschiebende Wirkung; doch wer nach dem (oft mehrjährigen) Prozess noch Obdach hat und lebt, hat gute Chancen, ihn zu gewinnen.“

Und das geschieht unter dem Banner der Demokratie, unter dem Siegel von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Nein, natürlich nicht. Das Banner ist ein anderes, wie schon vor 84 Jahren, als die deutsche Lumpenelite einen „Führer“ an die Macht brachte, der zu dem Zeitpunkt politisch wegen verlorener Wahlen schon längst erledigt war.

Hartz IV scheint das Äquivalent zu den ersten Konzentrationslagern (nicht zu den Vernichtungslagern – da bestehen noch Unterschiede), allerdings hat man gelernt: man setzt auf kostengünstige und renditefreundliche Freilandhaltung. „Arbeit macht frei“ ist allerdings schon wieder Leitspruch für die Opfer.

Nun löscht eine private Firma „Hasspostings“. Die Behauptung von „Mimikama.at“ – einer Plattform, die von sich behauptet, über Internetmythen aufzuklären, dass Bertelsmann und Facebook überhaupt nichts miteinander zu tun haben, ist schlichtweg falsch (siehe Mimikama.at):

„Zwischen dem Springer Konzern und Facebook besteht keinerlei Zusammenhang“

Den Zusammenhang stellen die Leute von „Mimikama“ zwei Sätze später selber her:

„Jene Task-Force wird von „avarto“ organisiert, ein Tochterunternehmen von Bertelsmann, welches sich weltweit als Outsourcing-Dienstleister anbietet.“

Zurück zur Realität: hier unternimmt nun ein privater Konzern hoheitliche Aufgaben. Welche politische Ausbildung haben diese Leute eigentlich, um unterscheiden zu können, was ein „hetzender Hasskommentar“ ist – und was regierungskritische Meinung? Ich denke schon, dass man hierfür ein hohes Maß an Differenzierungsfähigkeit braucht – oder einfach ein Blatt Papier, auf dem der Supervisor notiert hat, welche Wortkombinationen gelöscht werden – ohne dass sich je irgendeiner mit Ziel, Absicht und Inhalt der Botschaft auseinandergesetzt hat. Was wann wie und wo gelöscht wird: das wird man nur mühsam rekonstruieren können.

Nun: obiger Post ist – wie gesagt – kein Hasskommentar, sondern eine ganz einfach Meinung. Sie steht auch nicht allein im Raum. Die Zeitschrift „Die Gießkanne“ hatte 2014 eine Umfrage veröffentlicht, bei der deutsche Schüler sich zu Adolf Hitler äußern konnten – hier ein Beispiel aus einem Gymnasium (siehe jan causa.de):

„er hat arbeit für deutsche vaterland geleistet, bruder, und hat nie Drogen genommen oder Tiere verletzt bruder deshalb war guter mann eh“

60,6 Prozent der befragten 2000 Schüler zeigten mangelhaftes Wissen über diese Zeit – und kommen deshalb auf lustige, aber in letzter Konsequenz gruselige Gedanken. „War ja nicht alles schlecht unter Hitler“ ist wieder absolut gesellschaftsfähig, aber Montagsdemos für den Frieden sind faschistisch … soweit sind wir schon. Der Schritt wieder einen Hitler zu bauen, ist nur noch winzig klein. Andere faschistische Aktionen laufen schon seit Jahren parallel, wieder einmal getragen vom Kapital und seinen MINT-Bütteln, zu denen wir auch die deutsche Ärzteschaft zählen dürfen.

Überrascht? Die träumten schon lange vor Hitler von der reinrassigen Gesellschaft und fanden in ihm den idealen Erfüllungsgehilfen für ihre lang gehegten Horrorphantasien – und in den Konzentrationslagern ideale Forschungsbedingungen, die sie weidlich ausnutzen. Heute träumt man in diesen Kreisen wieder den Traum vom „reinen Herrenmenschen“, der rein genetisch definiert wird, aber nicht mehr wie bei Hitler durch Zuchtauslese geschaffen, sondern gleich von vornherein als Herrenmensch konstruiert wird – mit politisch gravierenden Folgen:

„James D. Watson, einer der Initiatoren und für kurze Zeit Direktor des Humangenomprojektes“ hält „Menschenrechte“ für „leeres Gewäsch“, das „völlig daneben“ sei“. (aus: Stefan Rehder, Gott spielen, Pattloch 2007, Seite 23).

Eine typische MINT-Meinung: bildungsfern, menschenfern, ohne das geringste geistige Reflexionsvermögen – fehlt nur noch die SS-Uniform, um das Drama zu vervollständigen.

Unsere guten Ärzte machen da nicht mit? Schön wäre es. Hören wir dazu den Bonner Strafrechtler Günther Jakobs, der sich über die unaufhaltsam kommende Euthanasie äußerte:

„Die Ärzte machen das schon. Eine Profession, die keine Probleme damit hat, jährlich 200000 Embryos zu töten, wird auch mit der Tötung auf Verlangen keine unüberwindbaren Probleme haben – vorausgesetzt, die Gebührenordnung stimmt“. (Gott spielen, a.a.O., Seite 33).

Was dieser Jurist fordert, ist nicht weniger als die Lösung des Problems der Gesundheitskosten, die vor allem in den letzten Lebensjahren des Patienten explodieren: wie schön wäre es, wenn man sich dies ersparen könnte. Die christliche Ethik, die dem im Wege steht, ist von gestern – nicht umsonst sind MINT-Büttel streng materialistisch geprägte Atheisten:

„Meine Generation wird sich jedenfalls nicht gefallen lassen, dass eine religiöse Minderheit der Gesellschaft vorschreiben will, was sie tun und lassen darf“ (Gott spielen, ebd.)

Naturwissenschaft ohne Geist findet im Faschismus ihre ideale Grundlage. Dort, wo der Mensch nur ein Zellhaufen ist, kann er bei mangelndem Nutzen jederzeit kostengünstig entsorgt werden: wir stoßen hier in Abgründe menschlichen Denkens vor, die allen anderen Menschengenerationen völlig fremd waren und die selbst den größten Barbaren abartig vorgekommen wären, von den MINT-Nazis aber mit Wollust in die Tat umgesetzt werden – aber nicht nur von denen.

Die rot-grüne Bundesregierung – der wir Hartz-IV zu verdanken haben, ein Gesetz, dass die Nutzbarkeit von Menschenmaterial per Staatsgewalt optimieren soll – hat durch die Deregulierung des Finanzsektors den Menschenausschlachtern der Finanzbranche Tür und Tor geöffnet, niemand findet den Mut, sich den „Märkten“ entgegen zu stemmen. Das führt zu Erscheinungen seltsamster Art, die jeden Bürger direkt betreffen – wenn er mal nicht mehr leistungsoptimiert werden kann. So ist es möglich, dass „Investoren“ Altenheimketten aufkaufen können und mit ihren Mathematikern deren Rentabilität optimieren. Was geschieht dann vor Ort?

„Ich habe kaum Zeit für die Bewohner, vor allem Nachts nicht, weil ich da allein für über 30 Senioren zuständig bin. Außerdem wird an Reinigungskräften gespart. Ich muss nachts die Bäder putzen, Wäsche austeilen, Rollstühle abwaschen und die Dokumentationen machen“,“Nach außen wird betrogen: auf den Dienstplänen stehen Mitarbeiter, die gar nicht mehr da arbeiten“ es wird berichet „dass Wäsche und Windeln gespart würden und die Heimbewohner oft im Nassen lägen. Andere Senioren würden – ohne ärztliche Versorgung – mit Tabletten ruhiggestellt“. (Aus: Jürgen Roth, Gangsterwirtschaft, Heyne, aktualisierte Taschenbuchausgabe 10/2012, Seite 293-294)

Wenn die im Nassen liegen, verfaulen die bei lebendigem Leib, kommt noch Kot dazu, werden sie bei lebendigem Leib verdaut – ein Grauen, dass Konzentrationslagern nahe kommt und das für die meisten von uns Zukunft sein wird, weil der Faschismus halt regelmäßig jene Probleme löst, die der Kapitalismus allein nicht lösen kann: zum Beispiel die Vernichtung der wachsenden Armut durch Massenvernichtung der Armen, gerne auch durch Arbeit.

Und hier kommt die Masse ins Spiel, die – wie der oben zitierte Hitler-Fan – vor allem strikt gegen „links“ ist. Ja – links ist böse, dass haben wir gelernt. Rechts ist auch böse – das hören wir gerade überall. Aber da ist ja noch der goldene Mittelweg offen, jener Weg, der früher – ausgeklügelt und perfekt berechnet – als „Nationalsozialismus“ verkauft wurde, demnächst aber sicher einen anderen Namen hat … „die Mitte“ klingt da ganz gut. Was war das doch für eine wunderbare Zeit damals: der Gutmensch hatte absolute Regierungsgewalt, die Arbeitslosen wurden von der Straße gejagt, der Führer wer tierlieb, kinderlieb, war Vegetarier und nahm keine Drogen, außerdem fuhr er immer in einem offenen Auto durch die Menge, die ihm zujubelte – ganz anders als der Merkel. Und seine Hetzreden gegen die vom Kapital unterwanderte und degenerierte Demokratie werden heute wieder gern gehört.

Ich habe übrigens auch noch andere hetzende Hasssätze im Internet gefunden.

„Aber es hat sich – eher unabhängig von politischen Überzeugungen – insgesamt eine Netzöffentlichkeit erhoben, die in irritierend großen Teilen eine Fratze ist.“

„Denn intensiv diskutierte Ereignisse sind für viele Millionen Menschen in diesem Land eine fantastische Gelegenheit zum Schnauzehalten, die sie sämtlich verpassen. Es ist ein Segen, dass sich alle öffentlich äußern können, und eine Ernüchterung, auf welche Weise dieses Recht wahrgenommen wird.“

„Und meine Güte, was für ausgedehnte Ödsümpfe der Stumpfheit, die in der Kommentarlandschaft sichtbar werden.“

„“Es regnet, weil die Straße nass ist“, in den digitalen Fußgängerzonen fände man Aberhunderttausende, die diesen Satz nicht nur unterschreiben, sondern gleich zur Bundestagspetition ausformulieren würden, inklusive der Forderung, Regen zu verbieten und die Straße abzuschieben.“

„Besonders absonderlich ist dabei die fragmentierte Partialdumpfheit, bei der jemand zu Kultur oder Unterhaltung Kluges oder wenigstens Unterhaltsames äußert, nur um anschließend maximal hanebüchene Gedanken zum Weltgeschehen herauszututen.“

„Mit den sozialen Medien ist dabei eine nationale Größenordnung erreicht: Hättet ihr geschwiegen, wäret ihr weiter für potenziell zurechnungsfähig gehalten worden.“

Solche Sätze werden wohl nicht gelöscht, obwohl sie vor Verachtung triefen – einer Verachtung, die geradezu nach Vernichtung der unzurechnungsfähigen Fratzen schreit. Sie stammt von … Sascha Lobo, einem der hauptamtlichen Kommentatoren im Spiegel (siehe Spiegel-online).  Und diese Sätze sind noch mit einer Drohung versehen:

„Um so bitterer, weil man im Hintergrund bereits hämisch antidemokratische Elitisten lachen hört, die noch nie Vertrauen in die Zurechnungsfähigkeit der Vielen haben wollten.“

Der arme Herr Lobo: wir können nur bedauern, dass er gezwungen ist, sich den antidemokratischen Elitisten zuzuwenden, weil wir Bürger halt einfach viel zu „stumpf“ sind – im Vergleich zu ihm.

Und was sagen die Bürger?

Nun: Hitler kommt zurück – als Ikone des veganen antikapitalistischen Widerstandes … und als Exekutor der Rassenhygiene der genetisch optimierten Maximalleister. Auschwitz kommt auch zurück: als mathematisch zwingend logische Lösung finanzieller Probleme, die sich aus dem Gebot der Renditemaximierung ergeben (ist also nicht persönlich gemeint, wie es so schön heist).

Wenn ich nun daran erinnere, dass der NS-Staat auch eine SS-Division aus muslimischen Freiwilligen schuf, die mit „exzessiver Grausamkeit“ gegen „Kommunisten“ und „Partisanen“ vorging (siehe Wikipedia): sind dann endlich alle durcheinander … und verstehen, welchen Nutzen die „Elitisten“ spontan aus vielen jungen Männern schöpfen könnten, die hier keinerlei Wurzeln haben und völlig in der Hand des Staates sind, der ihre Versorgung jederzeit – per Sanktion – einstellen kann?

Ich denke: wäre ich ein „Elitist“ – von deren Existenz wir ja dank Herrn Lobo jetzt wissen – ich würde diese Gelegenheit erkennen … und im Notfall auch nutzen, gerade jetzt, wo der Kommunismus zeigt, wie leicht man allen Menschen zu großen Eigenheimen für 15 Euro im Monat verhelfen kann, welche Lebensqualität ein Leben unter der Parole „Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit“ erreichen kann: ganz fernab jeglicher Ausbeutung und Leistungsoptimierung (siehe die Erfahrungen im Dorf Marinaleda, einer demokratischen und antikapitalistischen, genossenschaftlich organisierten Gemeinde in Spanien, z.B. bei erhöhtesbewusstsein).

Wenn „die Vielen“ merken, dass es eine Alternative gibt, von der 99 Prozent der Menschen profitieren können, was dann? Dann hat jenes Prozent der Besserverdiener ein Problem, das man mit Hilfe kampferprobter und kriegserfahrener Söldner in den Griff kriegen kann.

Aber so schlimm denken die Elitisten ja nicht, oder?

 

Gutmenschen und Weltretter: über die Liebe

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Mittwoch, 1.10.2014. Eifel. Man kommt um dieses Thema nicht herum – und es ärgert mich etwas, das ich nicht einfach drum herum komme. Das hat auch einen Grund: ich halte mich nämlich für den Erfinder des Begriffes „Gutmensch“.  Ich kann das auch Belegen, denn mir sind die leibhaftig begegnet, ich habe sie wachsen und groß werden sehen, mich haben sie vom ersten Augenblick angeekelt und ich kannte sie schon von früher: in Kirche und staatlicher Philosophie gibt es sie zu Hauf – mit riesigen Schäden für die „frohe Botschaft“ (man schaue sich mal die Herren im Vatikan genauer an, dann sieht man, wie froh die Botschaft macht) oder auch die Kunst des Denkens (die in alten Zeiten die Menschen so fasziniert hatte, das sie gerne ihre Freizeit damit verbrachten).

Uns war nämlich klar, dass sich etwas ändern musste in der Welt. 1975 sah es noch übel aus: Terroristen zerbombten das Land, die Wirtschaft begann ihre endlos lange Talfahrt, Atomraketen aller Art zielten auf Deutschland (ja – zum Beispiel die 120 atomaren französischen Gefechtsfeldraketen, die nur bis Deutschland reichten), das Atom erwies sich als zunehmend unbeherrschbar und vor allem merkte man an allen Ecken, dass die Umwelt starb: langsam, aber unaufhaltsam. Allein die Dunstglocke über dem Ruhrgebiet hätte zu den sieben Weltwundern zählen sollen – und den Rhein hätte man so wie er war zur Sondermülldeponie umleiten können.

Es gab also einiges zu tun – und wir haben getan, was zu tun war: Krach auf den Straßen machen, damit auch die Pennbrüder aus der Nachbarschaft merkten, dass hier was nicht in Ordnung war. Versammlungen veranstalten, auf denen man sich informieren konnte, Flugblätter und Zeitungen drucken, um den Meinungsbildungsprozess anzustoßen. Zudem wurden gemeinschaftliche Pläne für gewaltslosen Widerstand entworfen und Utopien entwickelt, die den Menschen Kraft zum anreizlosen Arbeiten gaben und Sinn stifteten, der zu außerordenlichen Arbeitsleistungen verführte.

Es gab auch Sympathien bei der politischen Konkurrenz für den Aktionismus – auch bei Sozialdemokraten und Unionspolitikern war das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer demokratischen Kultur noch da, die Erinnerung an andere Zeiten noch frisch. Man mochte sich politisch zwar nicht – aber das gelebte Unternehmertum forderte auch konservativen Menschen Respekt ab … und klammheimlich freuten die sich auch über die Freiheiten, die die Bewegung ins bürgerliche Leben brachte.

Dann jedoch – kamen die Gutmenschen. Sie waren anders – sahen auch anders aus. Erst kamen Lehrer mit Karottenhosen und ordentlicher Kurzhaarfrisur, 1979 schon voll aufs Parlament gepolt. Garniert wurden sie mit einer Prise Rechtsanwälten, die ebenfalls eine gute Chance auf leistungsloses Einkommen sahen, das sich auf dem Rücken der Arbeit einer Million unbezahlter Aktivisten gut abgreifen lassen konnte. In ihrem Gefolge kamen dann die ersten Voll-Gutmenschen: ihre Ehefrauen. Ganz undemokratisches Gesochse, das vor allem eins wollte: Vorschriften machen. Das richtige Essen, die richtige Kleidung, die richtige Meinung, das richtige Benehmen, der richtige sprachliche Ausdruck, die richtigen Urlaubsziele, die richtige Musik – sie waren groß im Ansagen von dem was angesagt war.

Mein kleiner Einwurf, ob man denn zur Rettung der Welt eigentlich auch mal etwas persönliche Einschränkungen in Kauf nehmen würde – immerhin schien doch der überbordene Verbrauch der westlichen Zivilisation ein klein bischen für einige Probleme verantwortlich zu sein – wurde, gönnerhaft zur Kenntnis genommen: solange man Vorschriften daraus machen konnte, waren solche Einwürfe gerne gesehen – aber klar war: die Vorschriften galten auf JEDEN FALL nur für die anderen. Man selbst war nämlich … anders. Besser. Für einen selbst galten andere Regeln, weil man ja ein Vorschriftenmacher und Ansager war – und ich merkte: der alte Herrenmensch war wieder zurück – in aller Pracht und Herrlichkeit.

Ich nannte sie „Gutmenschen“ – und zwar das erste Mal 1984. Das jetzt dass strohdoofe rechtsradikale Gesochs diesen Begriff für sich vereinnahmt, ist mir zutiefst zuwieder – und megapeinlich. Ich bestehe aber darauf, dass es MEIN Begriff ist – und lasse ihn mir nicht nehmen.

Was zeichnet solche Gutmenschen aus? Schon Arthur Schopenhauer hatte sie unter den staatliche alimentierten Philosophen ausfindig gemacht: sie leben VON der Philosophie, nicht FÜR sie … ebenso wie die Kirchen VON der Religion leben, und nicht für sie.

Sie greifen sich Themen, die Macht, Einfluss und freien Griff in die Staatskasse versprechen und machen sie zu den ihrigen – haben aber nicht im Ansatz begriffen, WARUM man eigentlich diese Themen vertritt. Wozu auch? Wichtig ist, dass die Themen im Sinne der eigenen Machtergreifung funktionieren. Wer sich etwas Mühe gegeben hätte, hätte 1984 schon sehen können, wo die Grünen dreissig Jahre später stehen: eine Partei der Neureichen dank Staatsgeldern, die üppig verteilt und üppig ausgegeben werden.

Die andere Seite ist jedoch nicht besser, das sei gleich gesagt.

Der humanistische Pöbel, der heute in Wirtschaftskreisen verkehrt und sich über „Gutmenschen“ echauffiert, hat vor allem eins im Sinn: die letzten Spuren des ethischen Formates des christlichen Abendlandes zu verwischen, um die dekadente (und wirtschaftlich erfolglose) Form der spätrömischen Sklavenhaltergesellschaft im Namen einer Maximierung der Rendite für Kapitalanleger erst schleichend und dann gallopierend wieder einzuführen. Menschen ohne Charakter, Menschen ohne Verantwortungsgefühl und Gemeinschaftssinn, Menschen, die aus dem ehrbaren Kaufmannstum eine Abart der Straßenräuberei gemacht haben und die bürgerliche Gemeinschaft samt ihrer lebensnotwendigen Umwelt zugunsten perverser Neureichenphantasien in ihrer Substanz zerstören wollen, regen sich über „Sozialromantiker“ und „Gutmenschen“ auf, ohne zu merken, was sie mit dieser Begrifflichkeit preisgeben:

ihre eigene Offenbarung als degenerierte Raubmenschen, als asoziale „Bösmenschen“, als Barbaren, Lügner, Blender, Heuchler, Schwindler, als Schlitzohren erste Güte und kriminelle Soziopathen der Sonderklasse, die man in anständigen Gemeinschaften umgehend geteert und gefedert zum Stadttor herausgejagt hätte … falle ihnen der Galgen erspart worden wäre.

Ein Beispiel? Denken Sie mal an die Finanzkrise. Ich hätte da ein Zitat, dass sie interessieren wird – aus dem damaligen Nr. 1 – Bestseller in den USA „The BIG SHORT“ von Michael Lewis (Goldmann, Dezember 2011, Fussnote Seite 276):

„Das Geschick von Wallstreet-Händlern, Erfolge für sich zu verbuchen und für Misserfolge ihr Management verantwortlich zu machen, spiegelt sich später bei ihren Firmen wider, die in guten Zeiten die Notwendigkeit der staatlichen Regulierung verächtlich  ablehnen, in schlechten Zeiten aber darauf bestanden, dass der Staat sie rettete. Erfolg war eine individuelle Leistung, Scheitern ein gesellschaftliches Problem“.

Wir haben es hier mit einer ganz besonderen Abart menschlicher Schmeißfliegen zu tun, die den bequemsten aller Wege gehen: Geschäfte machen auf Kosten anderer. Es geht hier nicht um kreative, leistungsstarke Unternehmertypen, der aus dem Nichts heraus ein kräftiges Unternehmen aufbaut, sondern um den Kapitalsöldner (den es auch als Journalisten, Nachrichtenmoderator, Anwalt, Lehrer, Professor und in sonstigen, vielfältigen Erscheinungsformen als Schmarotzer einer zuvor gesunden Volkswirtschaft gibt), dessen größte Leistung darin besteht, andere zu übervorteilen. Gelingt es – spielt der den Held. Misslingt es, ist er schnell das arme Opfer böser Umstände, jammert in seinem 10000 Dollar-Anzug über die Schlechtigkeit der Welt, die Bösartigkeit der Gutmenschen, denen sauberes Trinkwasser lieber war als sein Profit.

Natürlich sind ihm die „Gutmenschen“ ein Dorn im Auge – und zwar beide Typen, die einen, die so tun als ob, weil Klima gerade Fördergelder bringt – und die anderen, die aus einem urmenschlichen Gefühl heraus handeln – einem Gefühl, dass uns geholfen hat, die Welt jenseits der Baumwipfel zu erobern: Mitleid.

Ja – ist heute schon fast ein Fremdwort, oder?

Die Existenz von Mitleid sicherte dem mutigen Jäger den geschützen Stammeshafen, in dem er sich von seiner Jagd ausruhen konnte (und lieb bekocht wurde, bevor alle Beute vergammelte), es sicherte der Mutter die Versorgung des Kindes auch im Falle des Todes des Kindsvaters, es gab alten und kranken Menschen die Sicherheit, Geborgenheit auch in Zeiten der Not zu erhalten: aus dieser gemeinschaftlichen Basis, aus dieser humanen Sicherheit heraus konnten starke Charaktere hervorgehen, die Enormes zu leisten in der Lage waren, was über die Kräfte normaler Menschen weit hinaus ging: Albert Schweizer, Ganhdi oder Mutter Theresa sind nur ein paar bekanntere Beispiele, die sogar in unseren modernen Zeiten überleben konnten – im Prinzip brauchen aber alle Forscher, Händler, Entdecker und Erfinder solche Häfen, weil sie sonst vor lauter Beeren und Bären sammeln zu nichts kommen würden.

Ja – auch diese bekannten guten Menschen sind den Bösmenschen ein Dorn im Auge – weil sie durch ihre TAT demonstrieren, dass ein Leben im Guten Sinn macht und Freude verbreitet – vor allem Freude bei den Mitmenschen, und dadurch auch bei einem selbst – sofern man überhaupt noch empfindungsfähig für die Freude anderer Menschen ist.

Was unterscheidet nun die beiden Arten von Gutmenschen voneinander?

Gott sei dank ein einfaches Faktum: Liebe.

Ein Leben im Guten ergibt sich allein aus der Liebe heraus, sie läßt uns aufmerksam werden, sie sorgt dafür, dass wir faire Preise anbieten, volkswirtschaftliche gesunde Löhne zahlen, die Produkte so solide und zuverlässig wie möglich gestalten (anstatt Müll mit vorprogrammiertem Verfallsdatum zu konstruieren), hier hat die gute Kaufmannsehre ihren Platz: für die Raubritter der ungezügelten Marktwirtschaft ein Fremdwort – und ein Beutehemmnis.

Am meisten Gewinn macht man halt immer noch, wenn man für Arbeit nichts zahlt und die Produkte so minderwertig wir möglich gestaltet, aber die Preise anstronomisch in die Höhe treibt – oder?

Das ist äußerst asozial, wird aber von Sozio- und Psychopathen als geil empfunden.

Liebe bringt uns dazu, mit Kunden und Mitarbeitern ein optimales Kommunikationsverhältnis zu gestalten, unser Bestes bei der Produktion und Perfektion der produzierten Güter und der geleisteten Arbeit zu geben – und selbstverständlich immer ein Auge auf den ökologischen und ökonomischen Gesamtrahmen zu werfen, in denen wir uns perfekt zum Wohle des Ganzen einfügen.

Der Soziopath handelt anders (siehe DiePresse):

An der Stelle ihrer Seele klafft ein Loch: „Was Soziopathen fehlt, das ist etwas, das ihr Leben mit Sinn und Herzenswärme erfüllt“, schreibt die amerikanische Psychologin Martha Stout in ihrem Buch „Der Soziopath von nebenan“.
Soziopathen sind Menschen, die ihr Spiel mit anderen Menschen treiben. Als Kinder quälen sie Tiere und als Erwachsene schrecken sie vor sexuellen Übergriffen nicht zurück. So berichtet Stout etwa über einen skrupellosen Geschäftsmann, der Familie wie Geschäftspartner gleichermaßen hintergeht und ausnützt

Und wer ist heutzutage ein Soziopath?

Jemand, der einen Gutmenschen für ein Geschäftshemmnis hält – und einen liebenden Menschen für krank.

Und was war das, was uns damals auf die Straße getrieben hat?

Liebe.

Die Liebe zur demokratischen Gesellschaft, die Liebe zur gesunden, unverdorbenen, blühenden Natur, zu klarem, sauberem Wasser, zum konstruktiven Miteinander, die Liebe zum Menschen und zur Menschheit, zur Kultur und Kunst,  die Liebe zu Wohlstand, Sicherheit, Freiheit und Gerechtigkeit … und zum Frieden.

Ganz normale menschliche Werte, ohne die wir den ersten strengen Winter der Eiszeit nicht überlebt hätten.

Ohne Nächstenliebe würden wir noch als Schimpansen auf dem Baum sitzen und uns gegenseitig mit Kot bewerfen … und wenn ich mich so umschaue, dann fürchte ich: wir nähern uns diesem Zustand wieder an..

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