Groko

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Zurechtgerückt am falschen Platz

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Antonio Gramsci meinte: „Die alte Welt liegt im Sterben. Die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster.“

Der „Freitag“ titelte in seiner letzten Ausgabe: „Da draußen sind Monster: GroKo – Diese Regierung ist der letzte Gruß einer untergehenden Zeit“.

Dass heute freilaufende Monster unterwegs sind, muss aber nun nicht unbedingt bedeuten, dass wir auch dumm genug sind, uns von diesen an die Wand drücken und erwürgen zu lassen. Wären wir nicht digital umnachtet und hätten noch alle Tassen im Schrank, dann würden wir den umherstreunenden Monstern ganz einfach einen Platz geben, wo sie nicht viel Schaden anrichten und sogar eine nützliche Arbeit für die Gesellschaft verrichten könnten. Aber wir würden sie um Gottes Willen nicht an die obersten Schalthebel der Macht setzen, wo sie nach rein technokratisch-nihilistischen Kriterien über das Schicksal ganzer Länder entscheiden und die Gleise unserer Zukunft in den Grand Canyon legen.

Man braucht diesbezüglich gar nicht nur auf Soros, Trump & Co. schauen – wobei sogar fraglich ist, ob Trump wirklich ein Monster ist, nur weil unsere Leitmedien ihn ständig als solches an die Wand malen. Immerhin hat er, von den Medien wenig berichtet, zum Kampf gegen die pädophilen Eliten geblasen (siehe epochtimes), ist also womöglich sogar ein Monsterjäger. Kehren wir also lieber vor unserer eigenen Tür. Da wir den Ball in Sonntagsfeiertagslaune unbedachterweise aus der Hand gegeben haben, steht nämlich auch in unserem Land mittlerweile alles Kopf und könnte uns schon demnächst Kopf und Kragen kosten. Hätten wir alle Tassen im Schrank, dann würden wir der gelernten Physikerin Angela Merkel z.B. einen Job als Laborantin in einem Labor für zerstörende Werkstoffprüfung geben oder meinetwegen auch als Prokuristin in einer Nudelfabrik – aber um Gottes Willen doch nicht viermal in Serie das allerhöchste Amt des Landes, das auch für das Gesamtschicksal von Europa maßgeblich verantwortlich ist. Oder Finanzminister Olaf Scholz und seiner Goldman-Sachs Gefolgschaft: man sollte den Mann wegen seiner physiognomischen Ähnlichkeit mit den Panzerknackern aus einem Donald-Duck Comic nicht vorschnell aburteilen. Obwohl ich feist grinsenden Kerlchen wie ihm nicht einmal meinen (nicht vorhandenen) Hund übers Wochenende anvertrauen würde, so könnten auch Prototypen wie er gemeinsam mit den anderen Panzerknackern von Goldman Sachs und Freshfields durchaus nützliche Dienste verrichten: z.B. indem man sie Sudoku-Kreuzworträtsel für die Bild-Zeitung austüfteln lässt. Als Spieltheoretiker der Chicagoer Schule wären sie prädestiniert für das Zusammenbasteln orthogonaler Denkstrukturen, bei denen sich die Katze letzlich in den Schwanz beißt.

Auch für Ursula Von der Leyen wäre gesorgt: Als mondäne Dame mit sportivem Flair könnte sie ohne weiteres die Grinsekatzenshow der bereits abgetakelten Heidi Klum übernehmen (siehe „Wunderkinder am Catwalk“). In der Disziplin des kalten Kampfgrinsens steht sie der Catwalk-Königin ja um nichts nach. Gäbe man der oft schmählich als „Flintenuschi“ bezeichneten Russlandfeindin auf diese Weise die Möglichkeit, aus allen Medienkanälen zu strahlen, dann würde das ihr transatlantisches Selbstbewusstsein gewiss befriedigen und die offensichtlich in einem Barbiehaus und in einer Videospielrealität groß gewordene Dame müsste sich nicht unnötig echauffieren, indem sie über unsere Leitmedien ständig für ein Armageddon gegen Russland wirbt.

Oder Mario Draghi: Der Mann könnte als Kassier an der Kino-Abendkasse gute Dienste versehen, aber um Gottes Willen sollte man dem Goldman Sachs Agenten doch nicht gleich die Europäische Zentralbank in die Hände geben, an deren Zapfhahn doch auf Gedeih und Verderben ein ganzer Kontinent hängt, wo er mit einer ruinösen Nullzinspolitik gerade all unsere Liquidität einem nimmersatten Finanzmoloch in den Rachen schaufelt und Europa vor die Wand zu fahren droht – siehe dazu ein recht informatives Interview mit Markus Krall, dem Autor des neuen Buches „Der Draghi-Crash“. Auf die Idee, ein Buch über Draghi und die EZB zu schreiben, ist Krall gekommen, als er bei der EZB vorbeispazierte und ihm aus einem offenen Fenster Cannabisrauch entgegengekommen ist. Angesichts der Geisterfahrt, auf der sich die EZB gerade befindet, steht jedoch zu befürchten, dass in den höheren Etagen des EZB-Turms noch durchaus härtere Substanzen konsumiert werden. Aber hören Sie selbst, was der gute Mann zu sagen hat:

(Warnung:  So sehr der Unternehmensberater Dr. Markus Krall mit seiner Diagnose des derzeitigen Finanzsystems und auch mit seiner Prognose über das, was wir demnächst zu erwarten haben, weitgehend richtig liegt, so toxisch sind leider die Vorschläge, die der Mann ganz am Ende des Interviews als Lösung präsentiert: Kapitalisierung der maroden Banken noch vor dem Crash mittels Staatsgeldern etc. Auch seine beiläufig ins Interview eingeflochtene – darwinistische – Theorie, wonach es in jedem Falle schlecht sei, Betriebe, die am freien Markt aufgrund mangelnder Profitabilität „nicht überlebensfähig“ seien, durch günstige Kredite am Leben zu erhalten [und damit nur Hitech-Konzernen eine Existenzberechtigung zuzugestehen, die besonders viele Umweltressourcen vernichten], ist m.E. eine sehr gefährliche und genuin neoliberale Position – woraus Krall aber auch kein Hehl macht: Im Interview bezeichnet er sich selbst mit glatter Selbstverständlichkeit als neoliberal. Da das Interview ein Schlaglicht auf Sachverhalte wirft, die in den Wirtschaftsrubriken unserer DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien i.d.R. keinen Platz finden und der Zuhörer zumindest ein Bild davon bekommt, auf welches brisante Szenario wir mit der Geldpolitik der EZB gerade zusteuern, veröffentlichen wir diesen Link trotz der tückischen Angelhaken, die darin enthalten sind. Aber so kann das Ansehen des Interviews auch gleichzeitig als Schulung der eigenen Medienkompetenz dienen. Der Teufel liegt eben wie immer im Detail.)

Shit happens … GroKo und was nun?

Foto: cc by Parkwaechter 

Es hätte die historische Stunde der SPD-Mitglieder sein können: Mit einer vergleichsweise kleinen Hebelwirkung von 450.000 Stimmen hätten sie 80 Millionen Bundesbürger vor einer weiteren Merkel-Regierung und damit vor Niedergang und Siechtum bewahren können. Stattdessen haben sich die SPD-Genossen nun doch für ein „Weiter so“ entschieden. Viele raufen sich gerade die Haare und fragen: Wie war eine solche Entscheidung möglich, da doch der reine Wahnsinn diesmal bereits demaskiert vor uns stand?

Hat das Wahlergebnis schlichte demografische Gründe und war der SPD-Mitgliederentscheid etwa gar nicht repräsentativ, obwohl wir doch in einer repräsentativen Demokratie leben? Immerhin beträgt das Durchschnittsalter der stimmberechtigten SPD-Mitglieder 62 Jahre. Hierbei sind 42% der stimmberechtigten Mitglieder im öffentlichen Dienst angestellt und damit fest verankert in einer Welt der Hochglanzprospekte, in denen man Sonntags ganz entspannt nach dem neuen SUV seiner Wahl und den kommenden Urlaub in Thailand gustieren kann.

Vielleicht ist am Wahlausgang aber eben auch nur das schuld, was uns unsere Medien schon bei dem von deutschen Soldaten begangenen Massaker in Kunduz 2009 als offizielle Erklärung präsentiert haben: „Eine Mischung aus Dummheit, Feigheit und Unfähigkeit“. Dass bei dem Massaker über hundert Zivilisten, darunter auch Kinder getötet wurden, war immerhin noch Grund genug, dass die Bundesanwaltschaft gegen Oberst Klein, der den  Luftangriff angeordnet hat, wegen möglichem Kriegsverbrechen ermittelte. Welche rechtsstaatliche Instanz ermittelt heute, wenn die Bundeskanzlerin ein 80 Millionen Einwohner zählendes demokratisches Land entgegen dem Willen der Bürgermehrheit mit dem verheerenden Umweltgift Glyphosat besprühen lässt, als willfähriges Vehikel einer inzwischen halsbrecherischen NATO-Politik an der Eskalationsschraube dreht und deutsche Panzertruppen wieder auf ehemals sowjetischen Boden schickt – mit einer Regierung, die laut Ulrich Mies „auf alle Grundsätze spuckt, die für ein halbwegs funktionierendes demokratisches Gemeinwesen konstitutiv sind, die der Öffentlichkeit täglich ihre Verachtung zeigt, Amtseide, Recht und Gesetz beiseite schiebt, die Gewaltenteilung massakriert und sich längst als rechtsnihilistisches, machiavellistisches und sozialdarwinistisches Regime etabliert hat“?

Wie auch immer, jedenfalls hat sich die SPD-Basis nun doch für Wohlschand, SUV und Weitersumpfen entschieden, nicht realisierend, dass wir bereits mit einem Fuß im Grand Canyon stehen und ein „Weiter so“ unweigerlich in den Abgrund führen wird, in dem es sich dann endgültig ausgesuvt hat (siehe Steve Cutts: „The Final Handshake“). Der Spiegel titelt gerade: „SPD-Mitglieder retten Angela Merkel vor dem Untergang“ – Ja, wahrlich: Auch wenn wir selbst dabei untergehen, aber es darf kein Preis zu hoch sein, um diese einzigartige alternativlose Frau, die uns gerade wie ein Senkblei Richtung Meeresgrund zieht, an den Hebeln der Macht zu halten.

In einem spontanen Kommentar zur Pro-GroKo Entscheidung der SPD erzählt Florian Ernst Kirner von einer Betriebsversammlung, bei der ein an sich gutmütiger, netter Mitarbeiter der städtischen Werkstoffsammlung  meinte, wenn er jetzt nach Berlin führe, mit einem Knüppel, und Politiker totschlage, dann könne man ihn dafür nicht einmal in den Knast schicken. Denn der Notwehrparagraph erlaube nämlich gewaltsame Selbstverteidigung bei Gefahr für Leib und Leben. Und alles, was diese Politiker da an ihm verbrochen hätten, erfülle schon längst den Tatbestand, Leib und Leben zu gefährden (Quelle: Rubikon). Kirner findet diese Wut durchaus angemessen und vernünftig und meint, dass er viel mehr Probleme mit der „vollgefressenen Wurschtigkeit in den mittelständischen Milieus der Speckgürtel von München, Stuttgart, Frankfurt am Main“ habe, bevor er Robert Lapuente zitiert: „Die Rechte gewinnt – weil die Linke versagt!“

So, ich begebe mich jetzt ins Darknet und mach‘ mich dort auf die Suche nach einer passenden Verschwörungstheorie. Denn alle meine rationalen Maßstäbe reichen nicht mehr aus, um den nackten Wahnsinn zu erklären, dessen Zeugen wir gerade sind. Wie es möglich ist, sogar dem eigenen Überlebenstrieb zu spotten, die Zukunft der eigenen Kinder, unsere Umwelt und den Weltfrieden zu opfern und sehenden Auges „Ja“ zum Niedergang zu sagen – das übersteigt einfach mein Fassungsvermögen.

Vielleicht ist es ja wirklich systematische Gehirnerweichung durch schleichende Vergiftung, unsichtbare Strahlen oder Massensuggestion von Machthabern mit reptiloiden Gehirnen … wenn ich mir die Gesichter des neuen Regierungskabinetts – und ihre Politik der Aufrüstung und militärischen Eskalation, des besinnungslosen Marktradikalismus, der hemmungslosen Umweltvergiftung, der Demontage von Grundrechten und Rechtsstaat, ihrem Anspruch auf Bürgerüberwachung und Meinungsdiktatur – so ansehe, dann muss ich gestehen, dass ich der Reptiloiden-Theorie tatsächlich etwas abgewinnen kann.

Vielleicht ist die Theorie der Reptiloiden (die ich ehrlich gesagt nur als Schlagwort kenne und noch nie gelesen habe) ja einfach nur fälschlicherweise ins Physische projiziert, aber auf psychischer Ebene tatsächlich eine grausame Wahrheit: Dass eine zunehmende Anzahl an Menschen eine reptiloid-fossile Denkweise entwickelt hat, genauer gesagt: eben überhaupt nicht mehr denkt, sondern nur noch von dumpfen – durchaus hochintelligenten! – vegetativen Impulsen gesteuert ist. Immerhin hat letzte Woche sogar der Präsident der Europäischen Akademie der Wissenschaften die Schulen des deutschen Bildungssystems schlichtweg als „Vertrottelungsanstalten“ bezeichnet, deren Absoventen nicht mehr in der Lage sind, sinnerfassend zu lesen und zu schreiben und denen die Verbindung zwischen Wissen und Leben geraubt wird (Quelle: Welt). Anstatt dieser fatalen Entwicklung gegenzusteuern und die kreativen humanen Fähigkeiten der Kinder zu stärken, schreitet man nun daran, den Unterricht vollends zu robotisieren und unsere Kinder auf schematisch-binäres Denken abzurichten (siehe dazu die erschütternden Schilderungen des Medientheorie-Professors Ralf Lankau auf studis-online: )

In vollautomatisierten „Lernfabriken 4.0“ wird das „Werkstück Mensch“ von der Kita über Schule und Hochschule bis zur Erwachsenenbildung automatisch von Lernstation zu Lernstation geführt, wo von Algorithmen berechnete Lerneinheiten und Übungen die gewünschten Kompetenzen vermitteln und umgehend abprüfen. Die Lernenden an Bildschirm oder Display werden dafür kleinteilig psychometrisch mit Kamera und Mikrofon aufgezeichnet, vermessen und ausgewertet. Algorithmen bestimmen aufgrund der Leistungsfähigkeit, Geschwindigkeit, Fehlerquote, Frustrationstoleranz und anderer Parameter die zu erreichenden Lernziele. Die Software prüft, ob die angestrebten Kompetenzstufen erreicht werden, und „empfiehlt“ einen Beruf, ein Studienfach – oder steuert die Lerninhalte nach dem aktuellen Bedarf an Arbeitnehmern.

…die Softwareanbieter gerade Feldversuche zur Automatisierung des Unterrichts machen, ohne es zu sagen. In Phase eins werden Lehrkräfte geschult, die Kindern beibringen, am Rechner zu arbeiten. In Phase zwei läuft die Beschulung automatisch per Rechner und synthetischer Computerstimme. Lehrerinnen und Lehrer verschwinden einfach – das ist das Ziel. Sie werden ersetzt durch billigere Sozialarbeiter oder Sozialcoaches, ein paar Psychologen für ausrastende Kinder und ansonsten Systemtechniker, die die IT-Systeme am Laufen halten und optimieren. Das lässt sich nachlesen bei Jose Ferreira und seinem System „Knewton“ oder bei Fritz Breithaupt und seiner „Talking Method“: Kinder, Jugendliche, Erwachsene sitzen in Fabrikhallen vor Displays, den Kopfhörer auf und eine synthetische Computerstimme in den Ohren.“

Wenn man sich das jüngste Statement von Angela Merkels neuer „Überraschungskandidatin“, der Groko-Bildungsministerin Anja Karliczek / CDU zu Gemüte führt (siehe unten), einer gelernten Hotelfachfrau, die vor laufender Kamera ganz freimütig zugibt, dass sie von dem ihr anvertrauten Fachgebiet Pädagogik, Kultur und Wissenschaft keinen blassen Tau habe, aber sehr darauf  hoffe, dass die Experten „sie an der Stelle unterstützen und ihr ein bisschen Einblick in ihre Arbeit gewähren“, dann kann man sich lebhaft vorstellen, wie sich die Industrie 4.0-Lobbyisten gerade ins Fäustchen lachen: Einer solch unterstützungsbedürftigen Frau werden sie die notwendigen Krücken schon liefern. Mit dieser hochqualifizierten Bildungsministerin werden sie demnächst mit ihrem „Schule 4.0“-Schrott Milliarden scheffeln.

Denn genauso wie unsere Gesundheit für die Pharmakonzerne nur noch ein Geschäft ist (weshalb der Pharmalobbyist Jens Spahn auch der ideale Gesundheitsminister ist), so sind auch unsere Kinder für die IT-Industrie schon längst nur noch ein Geschäft: man will sie so schnell wie möglich an den Flachbildschirm anstöpseln, ihnen einen Bluetooth ins Ohr und einen Quadcore-Prozessor in den Hintern schieben. Dass ausnahmslos alle pädagogischen und neurophysiologischen Studien eine verheerende Wirkung der Frühdigitalisierung belegen – und die Chefs von Apple, Google & Co. in Silicon Valley das auch ganz genau wissen und ihre eigenen Kinder deshalb in Waldorf-Privatschulen geben, in denen Computer in den ersten Klassen aus guten Gründen verboten sind (siehe Interview mit Dr. Manfred Spitzer auf KenFM): Wurst, es wird Kassa gemacht. Und von den Lehrern wird es vermutlich wenig Widerstand geben – wer will sich heute schon als „fortschrittsfeindlich“ ansehen lassen?

„Fortschrittsfeindlich“ … das wäre ja gleichbedeutend mit „wehrmachtszersetzend“ – Wehrmachtzersetzung, auf welche der Führer 4.0, dem wir gerade bedingungslos folgen, bekanntlich sehr unduldsam reagiert. Angesichts des Fatalismus dieses Führers täten wir gut daran, uns z.B. wieder an die Courage der Weißen Rose rund um Sophie Scholl zu erinnern und zivilgesellschaftlichen Widerstand zu organisieren. So wie das auch Florian Kirner in seinem oben zitierten Artikel umgehend gelobt: „Als guter Demokrat gelobe ich, diese neue Regierung Merkel von Tag 1 an mit beißender Kritik und fundamentaler Gegnerschaft zu … begleiten. Ich betrachte es sogar als meine Pflicht als Staatsbürger, einer Regierung, die keinerlei Anstalten machen wird, drohenden Gefahren existenzieller Dimension von uns abzuwenden, von vornherein meiner erbitterten Gegnerschaft zu versichern.“

– Wobei ein solcher Widerstand sich nicht nur im äußeren Kampf gegen eine in transatlantische Lobbynetzwerke verstrickte Katastrophenkanzlerin verausgaben sollte (denn an Ersatzmännchen mangelt es im transatlantischen Wachsfigurenkabinett nicht). Es ist auch ein innerer Kampf, der nicht nur in kleinen Gruppen wie  jüngst unter den SPD-Mitgliedern ausgefochten wird, sondern der im Herzen jedes einzelnen von uns stattfindet – und bei dem jeder höchstpersönlich zu Sieg oder Niederlage beitragen kann:

“Der wahre Schaden entsteht durch jene Millionen, die überleben wollen. Jene ehrenwerten Menschen, die nur in Ruhe gelassen werden möchten; die nicht wollen, dass ihr kleines Leben von etwas Größerem als ihnen selbst durcheinander gebracht wird. Jene ohne Ecken und Kanten. Jene, die nie aus eigener Willenskraft handeln, aus Angst davor, über ihren Schatten zu springen. Jene, die keine Unruhe stiften, sich keine Feinde schaffen wollen. Jene, für die Leidenschaft, Wahrheit, Freiheit, Ehre, Prinzipien nur Literatur sind. Jene, für die alles relativ ist, die Entschuldigung eines Menschen ohne Werte. Jene, die das Absolute nicht kennen, weil ihre Seele es nicht erfassen kann. Jene, die ein bescheidenes Leben führen, sich bescheiden vereinen und bescheiden sterben. Der gemäßigte Mensch geht so an das Leben heran: Hält man es klein, verliert man auch nicht die Kontrolle darüber. Wenn man keinen Lärm macht, findet der Schwarze Mann einen nicht. Und das ist eine trügerische Hoffnung, denn auch sie werden sterben, jene Menschen, die all ihren Mut zusammennehmen, um sich hinter ihrem kläglichen Dasein zu verstecken, nur um sicher zu sein. Sicher? – Wovor? Leben bewegt sich immer an der Grenze zum Tod. Die engen Straßen führen wie die großen Alleen zum selben Ort, und kleine Kerzen brennen genauso ab wie lodernde Fackeln. Ich wähle meinen eigenen Weg zu verlöschen. Ich liebe den frühen Morgen. Ich liebe es, mit einem Mann Wange an Wange zu tanzen.”
(Quelle: Sophie Scholl – Die letzten Tage)

Video des Monats: „Wieder einmal Zwerg sein“ (im Schatten der Rautenkönigin)

Nachdem Martin Schulz in selbstlosem Freitod für Ihre Hoheit seinen Geist ausgehaucht hat und die von Andrea Nahles am SPD-Parteitag niedergebrüllten Groko-Gegner immer noch im Keller zittern (siehe „Wollt ihr die totale Groko?“), scheint es die Rautenkönigin nun tatsächlich wieder in den Sattel zu schaffen – wild entschlossen, uns auch noch auf der letzten Etappe am Weg in den Grand Canyon zu führen. Dass uns Sigmar Gabriel auf der Münchner Sicherheitskonferenz „am Abgrund“ sieht (siehe nzz) und „an einer Wegscheide, wie sie die Welt nur alle paar Jahrhunderte“ erlebe, kann sie von ihrem unbeirrbaren transatlantischen Kurs nicht abbringen. Auch dass sich auf den Straßen Protest regt und immer mehr Menschen realisieren, dass die bei der letzten Wahl von der stylishen Agentur „Jung von Matt“ als Herzdame plakatierte Rautenkönigin in Wirklichkeit die Pik Ass (die Todeskarte) ist, die uns wie ein Senkblei Richtung Meeresgrund zieht, lässt sie unberührt – denn die SPD hält ihr auf Biegen und Brechen die Stange.

Das Ganze droht nun zu einer dermaßen grotesken Camouflage zu werden, dass man gerade nicht mehr weiß, ob man sich die Augen reiben, den Bauch halten, lachen oder weinen soll. Die SPD demontiert sich selbst in einer Weise, dass sie den letzten Rest an Glaubwürdigkeit, Inhalt und Würde verspielt – nur um derjenigen alternativlosen Rautenkönigin die Steigbügel der Macht zu halten, vor deren tödlicher Umarmung eigentlich allen graut.

Christoph Sieber hat dieser bizarren Tragikomödie ein akustisches Denkmal gesetzt und lässt die legendäre Elektropop-Band „Kraftwerk“ aus den 1970ern wiederauferstehen, um 2018 das Unsagbare in Worte zu kleiden:

Wollt ihr die totale GroKo? – Martin Schulz bereit zum politischen Freitod und Kevin Kühnert unterwegs in der Zeitmaschine …


Foto: Crocodilus acutus/Tomás Castelazo/CC BY SA 3.0

Man ist sprachlos, kopfschüttelnd, weiß nicht, ob man schallend loslachen oder verzagen soll ob der Chuzpe, die einem ins Gesicht schlägt – Martin Chu[l]zpe („In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nie eintreten“) hat es also entgegen aller Beteuerungen wieder getan und sich ins transatlantische Bett mit derjenigen alternativlosen Kanzlerin gelegt, vor deren tödlicher Umarmung ihm eigentlich graut.

Zuletzt verlautbarten unsere Leitmedien noch, dass es der Punkt „internationale Verlässlichkeit“ wäre, über den CDU und SPD bei ihren Koalitionsverhandlungen noch in Kontroverse stünden. „Internationale Verlässlichkeit“ – was für eine nette Verklausulierung der Frage, ob man Merkels „verlässlichen Freunden“ von jenseits der Atlantikbrücke weiterhin bedingungslosen Kadavergehorsam leisten soll, obwohl der schwarze Schlund des Grand Canyon, auf den wir am Gleis dieser verlässlichen Freunde zufahren, bereits in Sichtweite ist und die Passagiere des Zuges schon panisch zu schreien beginnen.

Nachdem SPD-Außenminister Sigmar Gabriel unlängst eine Abkehr von der desaströsen – und mittlerweile offenkundig Europa-feindlichen – US-Politik gefordert hatte (siehe Tagesspiegel), war kurz Feuer auf der Atlantikbrücke. Dieses wurde jedoch sogleich wieder gelöscht, indem führende Außenpolitik-Experten mit der Veröffentlichung eines „transatlantischen Manifests“ konterten, in dem uns die „Gefährlichkeit jeder Abkehr von dieser transatlantischen Bindung“ vor Augen geführt wird. Die im transatlantischen Manifest vorgebrachten Argumente für eine weitere Anbindung an die US-Interessen sind in der Tat erdrückend (Quelle: trotzdem-amerika.de):

„Eine Abkoppelung von den USA würde eine der wichtigsten politisch-kulturellen Errungenschaften der vergangenen 70 Jahre in Frage stellen: Deutschlands Westbindung.

(…) Der Westen ist auch heute ohne die USA weder ideell noch als politisches Subjekt existent. Er ist und bleibt der Ankerpunkt des liberalen Universalismus und der offenen Ordnung der Welt.

(…) An der NATO festzuhalten, ist zugleich eine Möglichkeit, die USA in multilaterale Sicherheitspolitik einzubinden … Das gilt auch für die Frage der „nuklearen Teilhabe“, also der Beteiligung des nicht atomar bewaffneten Deutschlands an der nuklearen Abschreckung der Vereinigten Staaten.

(…) Noch besser wäre es, die Bundesrepublik würde ein weiteres Prozent des Bruttoinlandsprodukt aufwenden und damit auch mehr für Entwicklungszusammenarbeit, internationale Polizeieinsätze, Uno-Missionen, Konfliktpräventionen und Diplomatie ausgeben.“

Dass nicht nur Michail Gorbatschow, sondern auch viele westlichen Militärexperten zu bedenken geben, dass wir die nächsten Jahre nicht überleben werden, wenn die von der NATO für notwendig befundene „Abschreckung“ an der russischen Grenze weiter voranschreitet – wen bekümmert’s im Land, in dem wir gut und gerne leben?

Stop, ich weiß, es reicht. – Um nicht weiter Übelkeit zu erregen, zur Abwechslung also etwas Erheiterndes: Der Postillon berichtet, was der ausschlaggebende Grund für die hauchdünne 54%-Mehrheit am SPD-Parteikonvent Ende Jänner war: Angst vor Andrea Nahles, die mit einer nichtigen, aber umso lautstärkeren Rede alle GroKo-Skeptiker niedergebrüllt hat:

„Ich wollte definitiv gegen eine Fortführung der Großen Koalition stimmen“, erklärt etwa ein Delegierter aus dem Ruhrgebiet, der aus Angst vor Andrea Nahles anonym bleiben will. „Aber dann kam diese Furie aufs Podest und schrie mich sieben Minuten lang an. Keine Ahnung, was sie da brüllte, aber mir war klar, wenn ich jetzt nicht tu, was sie will, dann war’s das.“ Er stimmte anschließend für eine Fortführung der Großen Koalition. „Ja, das war feige. Aber ich habe Frau und Kinder. Die brauchen mich.“

Kurz bevor Nahles am SPD-Konvent allen Widerstand gegen Merkel 4.0 weggebrüllt hat, konnte zumindest auch der SPD-Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert das Redepodest betreten und vor der GroKo warnen. Während der junge Kevin von vielen als Nachwuchshoffnung gehandelt wird, winkt der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier ab: „Wenn man Kevin Kühnert in eine Zeitmaschine setzen würde und nach 40 Jahren die Tür öffnet, würde einem Martin Schulz entgegenkommen“ (Quelle: Deutschlandfunk). Heinzlmaier spricht von einer „post 68er-Kultur“, die sich nicht mehr über die Rebellion definiere, sondern über das geschickte Sich-Durchlavieren bis an die Spitze der Hierarchie: „Das heißt, dieses Rebellentum ist nur ein vordergründiges, ästhetisches, aber man ist gut integriert und ist konform, konformistisch.“

Also auch unter den Jusos keine Hoffnung in Sicht? Dabei wurde der junge Kevin sogar von unseren sonst immer kritischen Leitmedien für seine Umgangsformen und seine Vernünftigkeit ausdrücklich gelobt. – Und in der Tat, vergleicht man das Gedankengut Kevins mit dem von politischen Revolutionären der 68er wie Rudi Dutschke oder Joseph Beuys, dann muss man dem jungen Kevin zweifellos attestieren, dass er mehr Vernünftigkeit an den Tag legt. Eine sachzwängliche Vernunft, die uns zwar bereits an den Rand des Abgrunds gebracht hat, aber die heute das fraglose Maß aller Dinge ist. Eine systemische Vernunft, die laut dem Philosophen Patrick Zimmerschied zwar orientierungslos Amok läuft (siehe Rubikon), aber der man Lobesworte streuen muss, wo immer man ihr begegnet.

Denn wehe, jemand spricht Worte, die diese Vernunft hinterfragen: Sofort hagelt es in hochmittelalterlicher Manier empörte Vorwürfe der Ketzerei bis hin zur Forderung nach Exkommunikation und Deportation von denjenigen, die sich der herrschenden Lehre und ihren glänzenden Zukunftsaussichten widersetzen (siehe auch Prof. Mausfeld: „Der leise Tod der öffentlichen Debatte“). Exekutiv tätig bei der neuen Hexenjagd: Die Vertreter unserer sogenannten Wissenschaft, deren aufgeklärte Institution sich bei näherer Betrachtung in Wirklichkeit auch nur als zutiefst kirchlich organisiertes System mit eigener Inquisitionshierarchie, roten Linien und entsprechenden Denkverboten entpuppt (siehe auch Noam Chomsky: „Die Wachhunde der Machtelite“)

Der Jurist Wolfgang Bittner spricht in diesem Zusammenhang von einer Politik der Lüge, Ablenkung und Gewalt und warnt, dass bei Fortsetzung einer solchen Politik schon demnächst die Lichter ausgehen könnten (siehe sein aktuelles Essay „Inquisition, Kriegshetze und Dekadenz“):

„Denunziation und Intrigen haben Konjunktur, Blockwartmentalität und Hexenjagd. Es wird gehetzt und gespalten, bis in die Parteien hinein. Offensichtlich gibt es Organisationen – von wem auch immer begründet und gesponsert –, die auf Rufmord und Unterwanderung spezialisiert sind, weltweit.

(…) Es ist unglaublich! Unfassbar! Zu registrieren ist eine fortschreitende zielgerichtete Entwicklung der Verrohung, Verdummung und Gewaltanwendung unter der Dominanz der USA. Viele nehmen das als selbstverständlich hin oder wenden sich ab ins Private. Die Jugend kennt nichts anderes, aber die Älteren wissen, dass es in den siebziger und achtziger Jahren in Deutschland und zahlreichen anderen Staaten besser war, demokratischer, friedlicher, menschenfreundlicher. Jetzt stehen Raketen, Panzer, Kampflugzeuge und zigtausend Soldaten einsatzbereit an den Grenzen zu Russland.

Wer gegen diese Aggressionspolitik und die damit einhergehenden Hetze aufsteht, wird als Antiamerikaner, Russenfreund, Antisemit oder Verschwörungstheoretiker diffamiert. Aber den weitaus überwiegenden Teil der Bevölkerung interessiert das nicht. Der Fokus wird auf Belanglosigkeiten gelenkt, Politiker beschäftigen sich mit Ämtergeschacher und Albernheiten. Tralala geht weiter. Wie lange noch? Wahrscheinlich bis irgendwann in absehbarer Zeit das Licht ausgeht. Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert. Informationen und Vorschläge dazu bieten seit Längerem die alternativen Medien, die immer mehr Enttäuschte, Desillusionierte und an der menschenverachtenden Politik Verzweifelnde erreichen. Sie könnten die Mehrheit werden, das ist die Hoffnung!“

Trotz des Pro-GroKo-Votums am SPD-Parteikonvent ist das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Sollten die 450.000 einfachen Mitglieder an der SPD-Basis die Angst vor Nahles – und der transatlantischen Autorität – abschütteln und sich mehrheitlich gegen den Koalitionsvertrag aussprechen, dann platzt die GroKo doch noch.

Fast 25.000 neue Mitglieder sind alleine in den letzten Wochen unter dem Motto «Tritt ein, sag nein» in die SPD eingetreten, um die Große Depression in letzter Minute doch noch zu verhindern (siehe tagesanzeiger). Helfer der SPD-Landesverbände mussten Sonderschichten einlegen, um die Masse an neuen Mitgliedsanträgen bearbeiten zu können.

Allerdings hat der merklophile Flügel der SPD bereits mehrere Abwehrtorpedos losgeschickt, um den Widerstand gegen die GroKo zu versenken: Beim Bundesverfassungsgericht wurden gleich fünf Eilanträge eingebracht, um das Votum zu untersagen. Zwei dieser Torpedos wurden mittlerweile entschärft bzw. vom Gericht abgelehnt, drei weitere sind jedoch noch auf hoher See auf Kurs.

Begründet werden die Anträge damit, dass ein basisdemokratisches Mitgliedervotum die Grundsätze der repräsentativen Demokratie unterlaufen und die Freiheit der Abgeordneten, die Kanzlerin zu wählen gefährden würde (sic!) – Wer also bisher ruhig Blut bewahrt hat, der darf sich diese Chuzpe einmal auf der Zunge zergehen lassen: Man geniert sich nicht mehr, vor aller Öffentlichkeit ein demokratiesicherndes Instrumentarium des Rechtsstaats – den Bundesverfassungsgerichtshof – zu instrumentalisieren, um den demokratischen Willen auszuschalten. Die Katze beißt sich also in den Schwanz … und das GroKo frisst dann die Katze – außer: der rettende Kasper taucht auf und zieht dem Kroko eins über die Rübe … und das Vieh muss zurück ins Körbchen.

Wie die Geschichte enden wird – liegt also wieder einmal an uns selbst.

Deutschland – Räuberland

Dienstag. 16.1.2017. Eifel. Haben Sie es schon gemerkt? Das große Drama? Die ganz große, existentielle Krise, in der sich dieses Land befindet? Nein? Noch nichts aufgefallen? Wirklich? Nun – wir werden seit  einhundert Tagen nicht mehr regiert! Fühlen Sie sich nicht hilflos? Verängstigt? Allein gelassen – ohne das tägliche „Nudging“ der Bundeskanzlerin? Ach ja – dieses Nudging. Haben Sie wahrscheinlich schon vergessen. So, wie sie wahrscheinlich den Aufbau der britischen Facebookbrigade vor drei Jahren vergessen haben (siehe Spiegel). Haben Sie schon mal bei Facebook nachgeschaut, wo die Beiträge dieser Brigade zu sehen sind – mit dem Zusatz: „mit freundlichen Grüßen: Ihre Royal Army!“? Mir sind die Beiträge auch noch nicht aufgefallen – und ich zweifle auch daran, dass die da so offen auftreten. 1500 Mann schreiben in Facebook die Realität zu ihren Gunsten um: aber Sie fühlen sich immer noch gut informiert? Ja – und dann das Nudging. Irgendwo mal gelesen: „dies ist ein handlungssteuernder Impuls im Auftrag der Bundesregierung“? Nein, natürlich nicht. Es geht um Manipulation, massenhaft gesteuerte Meinungsbildung – manchmal zu einem guten Ziel: die Rettung der Ökosphäre (siehe Zeit). Gut – die haben wir jetzt offiziell aufgegeben: bei den Sondierungsgesprächen zur nächsten Groko wurden schon mal die Klimaziele abgeschafft (siehe Welt) während die gleiche Groko 2015 noch stolz verkünden ließ, dass Deutschland sein Klimaziel schafft (siehe Bundesregierung). Die Tagessschau informiert uns wenigstens, warum wir diese Ziele sowieso nicht schaffen (siehe Tagesschau):

1. Wir haben einen Wirtschaftsboom. Ja: Wirtschaft vernichtet Klima. Wenn die die Leute dazu animieren können (ja: Werbung ist auch Nudging, dass können nicht nur Regierungen – sind ja die gleichen Berater, die das organisieren), noch mehr SUV zu kaufen, ja, dafür sorgen, dass jeder, der kein SUV besitzt als vogelfreier Aussätziger anzusehen ist, dann ist´s aus mit dem Klima. Ja – es schafft Arbeitsplätze – aber nur jene, von denen keiner leben kann. Um die Arbeitsplätze zu erreichen braucht man – dank ziemlich eingestampften öffentlichen Nahverkehr – ein Auto, Jobcenter finanzieren die mit 1000 Euro – und was für eine Dreckschleuder man sich dafür nur kaufen kann, kann sich jeder selbst vorstellen. Nebenher gibt es noch einen anderen Grund, warum wir die Klimaziele nicht erreichen: wir fahren zu wenig Diesel, Diesel ist deutlich klimafreundlicher als Benzin – aber die Politik hat sich den Diesel gerade als Feind ausgedacht (jedenfalls: wenn Sie den fahren; die Megaproduzenten von Dieselabgasen in der Schifffahrt produzieren natürlich nur guten Feinstaub): deshalb wird er weniger gekauft, wer will schon riskieren, wegen Fahrverboten seinen Arbeitsplatz zu riskieren?

2. Wir haben zu niedrigen Kraftstoffpreise. Nun – sagt jedenfalls die Tagesschau, ich kann mich noch an Horrorschlagzeilen der Bildzeitung aus den neunziger Jahren erinnern (1991, wenn ich mich recht entsinne): KOSTET BENZIN BALD ZWEI MARK!??!?? … wir würden vor Freude tanzen, wenn wir diese Preise noch hätten. Gut – wir hätten schon längst das drei-Liter-Auto haben können … aber produziert, beworben und verkauft wird: der 16-Liter-Porsche-SUV, der im Stadtverkehr schon mal auf 66 Liter kommt. Nähme man die Werbeanzeigen der Klimakiller gar nicht mehr an, würde sie öffentlich ächten wie Arbeitslose: wir hätten das Problem nicht – und müssten nicht den Millionen Armen in Deutschland noch mehr Kosten aufbürden.

3. Wir haben eine Bevölkerungszunahme. Nun – sagt jedenfalls die Tagesschau. Auf einmal … sind wir doch wieder das dicht bevölkerte Land, in das die Regierung gerade noch mehr Menschen importieren will, damit die Wirtschaft weiter boomt – will heißen: der Niedriglohnsektor noch mehr Ausbeuter reich macht. Mehr Menschen – mehr Verbrauch, so die Gleichung. Denke, es dauert nur noch ein paar Wochen, bis die ersten Schreihälse durchs Land reisen und messerscharf schließen, dass der Flüchtling uns die Umwelt kaputt macht.

4. Wir haben zu viele zu alte Kohlekraftwerke, die keiner mehr braucht – nun, jedenfalls keiner ausserhalb der Groko, die SPD braucht ihre Kohlekumpels weiterhin, denn sie sind die letzten Stammwähler, die ihnen noch geblieben sind – die wählen SPD, im Ausgleich dazu wollen die weiter Umwelt in großem Umfang zerstören.

Gut: das war jetzt Tagesschau, in Wirklichkeit nicht unbedingt die neutralste Quelle, die wir hierzulande haben. Regierungsnahe, extrem verkürzte Wahrheiten zum Mitschreiben – wie in der Schule, meist ohne die Zusammenhänge, die zu jeder Information dazu gehören.

Die Klimaziele haben wir übrigens nicht geschafft, während wir voll stark regiert wurden: Sie merken vielleicht, woher ich meinen Optimismus beziehe, dass nun nicht mehr regiert wird und deshalb vielleicht alles nicht viel schlimmer wird.

Gehen wir mal weg vom Klima, nach dem wir im Dezember den dunkelsten Monat hatten, der je aufgezeichnet wurde und Schnee sogar in der Eifel ein ganz seltener Gast geworden ist, scheinen wir ja zu verstehen, dass sich da was ändert. Warum man dann die Klimaziele fallen läßt anstatt Autos über 90 PS und über fünf Liter Verbrauch auf deutschen Straßen einfach zu verbieten, wird uns sowieso niemand beantworten können … weil wir da an den Wurzeln realer Macht angelangt sind, die unsere Regierungen regiert, damit die uns regieren.

Gehen wir doch mal zur Rente – ein Thema, das immer alle interessiert. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum wir – trotz „Regierung“ – 60 Prozent weniger Rente bekommen als die Österreicher (siehe Telepolis)? Nun: die haben eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen. Und wir … haben einen Räuberstaat, der aus der Rentenkasse herausnimmt, was er kann, die Rentenkasse für einen Selbstbedienungsladen hält (siehe Stern). Wie viel das insgesamt war? Nun – einer Berechnung zufolge seit 1957 700 Milliarden Euro (siehe Epochtimes). Ganz schön viel, oder? Und: raten Sie mal, wer die 1000 Milliarden für den Aufbau Ost bezahlt hat … jene Wiedervereinigung, die für viele Ostdeutsche wie eine feindliche Übernahmen daherkam? Ja genau: Sie.

Oder schauen wir doch mal auf die große Arbeitsmarktreform, Agenda 2010 oder auch einfach: Hartz IV genannt, jene Reform, die Grundsätze in Frage stellte, die seit Bismark (das war noch: knallhartes Kaiserreich und keine Demokratie) Konsens waren: die Wirtschaft und die Gemeinschaft muss einen Ausgleich dafür zahlen – und zwar ewig – dass die Menschen von den Höfen in die Fabriken gelockt wurden und somit noch nicht mal eine kleine Chance darauf hatten, ein eigenes, selbst bestimmtes Leben aufzubauen, wie es Jahrtausende lang alle Menschen mit ihren kleinen Höfen hatten. Diese gigantische Enteignung (zugunsten einiger Großgrundbesitzer, deren Erben bis heute die Früchte dieser Enteignung genießen) ist die Ursache vielfältiger Probleme unserer Demokratie, da sie die ganze Bevölkerung in Abhängigkeit getrieben hat …weshalb ein bedingungsloses Grundeinkommen nur jenem Raub Rechnung tragen würde.

Ja, Hartz IV. Sogar die Friedrich-Ebert-Stiftung fordert jetzt, dass es weg muss – weil es den Aufstieg der Rechten befördert hat (siehe junge Welt). Schöne wäre es, man würde sich dazu bekennen, dass Hartz IV elementare Gerechtigkeitsgrundsätze massiv beschränkt hat, die Zwangsarbeit wieder gesellschaftsfähig gemacht hat (zu Zwangsarbeit in Form von Ein-Euro-Jobs siehe Gegen-Hartz) anstatt sich nur darüber aufzuregen, dass neue Räuberbanden sich aufmachen, die alten Räuberbanden zu ersetzen. Und Räuberbanden – plündern sogar die Arbeitslosen aus, ein Milliardengeschäft wuchs dort über Jahre, in dem Geld für sinnlose Maßnahmen gezahlt wird, nur damit die Arbeitslosen aus der Statistik herausfallen, was der Karriere des einzelnen Mitarbeiters ebenfalls nützlich ist (siehe Tagesspiegel).

Ja – das ist aus unserem Land geworden: ein Räuberland. Darüber – muss mal gesprochen werden. Das ist auch nicht vom Himmel gefallen: wir wurden als Gemeinschaft von Menschen gezielt dazu hingeführt, eine Gesellschaft des Gegeneinander zu schaffen, eine Gesellschaft, die das tausend Jahre alte „wir“ durch das neumodische „ich“ ersetzte – gezielt seit den fünfziger Jahren (siehe hierzu – bitte ganz lesen – EGO von Frank Schirrmacher).

Kennen Sie noch diese Geschichte vom alten Indianerhäuptling? Wie er seinen Söhnen klar machte, warum das Miteinander den Stamm überleben läßt? Er nahm Reisigstöckchen und zerbrach sie einzeln: das war die Gesellschaft des EGO. Dann nahm er ein ganzes Bündel und forderte seine Söhne auf, sie zu zerbrechen: die starken, zornigen, leidenschaftlichen und ständig wetteifernden Krieger scheiterten alle. Wir – sind das Land der Reisigstöckchen geworden – und deshalb haben die Räuberbanden leichtes Spiel. Andere Kulturen, die hier aufwachsen, haben die Umerziehung der fünfziger Jahre nicht mitmachen müssen, haben noch Begriffe wie Ehre, Treue, Familie … und merken schnell, wie viel Macht man bekommen kann – selbst nur mit einer Handvoll entschlossener Krieger … wenn man zusammenhält und entschlossen auftritt, so kann man ganze Stadtteile beherrschen. Das hat nun überhaupt nichts mit ihrer Nationalität zu tun – sondern mit der Schwäche des Umfeldes, wo jeder nur für sich selbst vor sich hinkramt, wo jeder nur geistlos für sich selber durch die Welt wieselt auf der Suche nach dem nächsten Euro, jenes seltsame Spiel spielt, also ob derjenige Gewinner des Lebens wäre, der die meisten Euro gesammelt hat (und damit – nicht vergessen bitte – den größten Schaden an der Ökosphäre anrichtete).

Gefährliche Themen? Könnte Ausländerfeindlichkeit schüren? Nein: die verhalten sich nur logisch in einer schwachen Umwelt, in der sie allein – aufgrund einer massiven Ausländerfeindlichkeit vor Ort, die vorhanden ist, aber nie thematisiert wird – aufgeschmissen wären, aber zusammen … Macht entfalten können, die ihnen Sicherheit gewährt und ihre Versorgung sichert. Könnten die Eingeborenen auch, wären sie nicht zu überlebensuntüchtigen Egomanen erzogen worden, die glauben, dass an ihrem Wesen die Welt genesen soll. Es gibt keinen Grund, jene wegen ihrer Nationalität zu verdammen, die als Gestrandete in einem fremden Land erfolgreich Überlebensstrategien anwenden, die der Menschheit seit Jahrtausenden bekannt sind.

Und wenn Sie meinen: nein, dass ist jetzt zu harter Stoff für mich – dann hören Sie mal genau hin, was der leitende Redakteur des konservativen Tagesspiegels von sich gibt (siehe Tagesspiegel):

„Eine solche Gesellschaft braucht vor allem junge, tatkräftige, durchsetzungsfähige, agile Menschen, um das psychologische Gesamtgefüge auszugleichen. Ein Volk, das schnurstracks in die Seniorenrepublik der Schneeköpfe tapst, schafft sich in der Tat selbst ab. Zu Recht beklagen wir die Kriminalität vieler ausländischer Jugendgangs. Aber das Maß an Phantasie, Mut und Vitalität, was deren Mitglieder oft aufbringen, zeigt auch: In diesen Menschen steckt, im Gegensatz zu den mentalen Altersheimern, noch ein Wille, ein Drang. Das sollten wir zu würdigen lernen – und uns fragen, wie wir die positiven Eigenschaften der Jugendlichen trennen können von den negativen Zielen, auf die sie sich richten. Wenn Deutschland nicht einmal mehr Jugendbanden hat, ist alles zu spät.“

Der Text ist von 2010 – und erklärt uns vieles, was in der Politik der letzten Jahre vielleicht sonderbar ´rüberkam. Heute gibt es dazu noch eine Erläuterung, warum der Autor immer noch der Meinung ist, dass wir die Jugendbanden brauchen. Einfach gesagt: die Räuberbanden brauchen Personal – und der Deutsche selbst wird denen zu friedlich.

Wir – nun wir nennen Räuberbanden nicht mehr Räuberbanden – obwohl sie sich inflationär im Bundesgebiet breit machen und sich voll saugen, seit Jahrzehnten schon. Da sind auch keine Jugendbanden das Problem – sondern Banken, Versicherungen, Autokonzerne, Chemiegiganten, Energieriesen … jene Gruppen, die durch pure Wirtschaftsmacht in Märkte einbrechen und sich dort bedienen können – und auch nur zu diesem Zweck geschaffen wurden. Demokratische Gesellschaften kennen das Problem: wenn der Viehzüchter der Gemeinde sehr erfolgreich ist und sich hundert Cowboys leisten kann, die andere Farmer … indirekt oder direkt … zur Aufgabe und zum Landverkauf zwingen, damit der Rancher wachsen kann, dann hat die Gemeinde ein gigantisches Problem – und nicht immer ist ein Wyatt Earp und ein Doc Holiday zur Stelle, um die Angelegenheit wieder ins Lot  zu bringen. Wenn wir erkennen würden, ab wann eine Wirtschaftseinheit zum Krebsgeschwür wird (die Wachstumsraten von Krebs würden jeden Aktienanalysten begeistern!) , ab wann sie nur noch Werte aus dem Wirtschaftskreislauf saugt ohne adäquate Gegenleistungen zu bringen … wir würden ganz anders dastehen. Ich empfehle zu dem Thema immer wieder gerne mal einen Film, der jeden Tag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendet werden sollte – zur besten Sendezeit – anstelle der Flut von Krimis, die uns vor allem eins einbläuen: das wir Angst vor Menschen haben sollen, vor jedem, immer und überall … weil der Mensch der Feind ist; der Film heißt „The Corporation“ … und hat erstaunliche Resonanzen hervorgerufen (siehe Wikipedia):

„Das als sehr wirtschaftsfreundlich bekannte Magazin The Economist schrieb über den Film: „Beide Lager der Globalisierungsdebatte sollten aufmerken. The Corporation ist ein überraschend rationaler und intelligenter Angriff auf die wichtigste Institution des Kapitalismus.“

Wir regen uns groß darüber auf, wenn die Zulieferer von VW streiken und keine Autos mehr vom Band laufen (siehe z.B. FAZ) … aber wir schlucken begeistert Jahre vorher die Nachricht, dass der knallharte Sanierer Lopez Gewinne vor allem durch massiven, „knallharten“ Druck auf die kleinen, abhängigen Zulieferer erzielte (vertiefende Gedanken dazu: siehe Print.de). Als Dank dafür hat uns die Räuberbande einen Skandal nach dem anderen präsentiert – erfreut sich aber großer Begeisterung bei der Regierung.

Mal abgesehen davon, dass das Wort „knallhart“ in einer Demokratie im Prinzip überhaupt keinen Platz haben und erst Recht keine Begeisterung hervorrufen sollte … es gilt ja nur im Gefälle von „Oben“ nach „Unten“. „Unten“ … sollte nie knallhart sein. „Unten“ – ist sogar Schwarzfahren ein Straftatbestand (auch wenn diese Blamage jetzt endlich angegangen wird – siehe Zeit), saniert der Kunde sein persönliches Budget knallhart dadurch, dass er ohne Bezahlung einen Fahrplatz benutzt, der sowieso leer gewesen wäre, ist er ein Straftäter. Manipuliert ein Konglomerat von Konzernen Abgaswerte zum Schaden der Wirtschaft, der Verbraucher, der Klimaziele der Regierung … greift man nicht knallhart durch. Knallhart ist man gegen alleinerziehende Frauen, deren Sexleben detalliert vom Amt erfragt wird (siehe Süddeutsche), knallhart ist man bei der Reduktion der Renten (die aktuell zur lebensrettenden Flucht von Rentnern ins Ausland führt – siehe Welt), knallhart ist man – durch lebensbedrohenden Geldentzug – bei Arbeitslosen, die ausbeuterische Arbeitsverhältnisse verweigern oder mal einen Termin verpasst haben.

Sicher, wir regen uns auf über China, dessen neues Bonitätssystem eine absolut konforme Gesellschaft schaffen soll … wie ähnlich das aber, was die Chinesen für die Zukunft planen, dem ist, was wir schon lange leben, wird nicht diskutiert (siehe NZZ):

„Was wäre, wenn jeder Bürger vom Staat eine Punktzahl zugeteilt bekäme, die sein Verhalten bewertet? Jene mit guter Bewertung geniessen Vorteile im System, jene mit schlechter Bewertung werden zu Bürgern zweiter Klasse herabgestuft und flächendeckend benachteiligt. Was nach Dystopie klingt, könnte in China bald zur Realität werden. Seit 2014 arbeitet die chinesische Regierung intensiv am Aufbau eines sogenannten «gesellschaftlichen Bonitätssystems». Ziel ist unter anderem, das Verhalten aller Bürger umfassend zu bewerten und zu steuern.“

Diese Dystopie ist ein Deutschland, den USA und in Europa schon lange Realität: wer knallhart gegen Schwächere ist, wird extra belohnt, wer seine Bande die größte Rendite bringt (auf Kosten der Allgemeinheit, selbstverständlich) wird zum Helden, bekommt die Villa mit Fernblick, die Vorzeigefrau, die Yacht und den Porsche. Wer jedoch verliert, sich verweigert, sich ziert … bekommt einen Schufaeintrag, eine Sanktion und später einen Freifahrtschein in die ständig steigende Obdachlosigkeit (siehe Süddeutsche).

Möglicherweise ist deshalb die Abwesenheit jeder Regierung so entspannend: es werden aktuell keine neuen, knallharten Maßnahmen zugunsten der Gewinne der Räuberbarone beschlossen. Keine Sorge – die kommen noch.

Zu dunkel?

Wenn uns erstmal bewusst wird, dass dieses Land Räuberland geworden ist, in dem die Regierung mit Überschüssen prahlt, als wäre sie irgendein Unternehmen der Fast-Food-Branche mit einem guten Jahr (siehe destasis.de) anstatt sich der Wahrheit zu stellen, dass sie einfach in diesem Jahr zuviel abkassiert haben, dann werden wir die Chance haben, knallhart gegen jene Missstände vorzugehen, die die Menschen knallhart aussaugen: finanziell, gesundheitlich und seelisch. Und dann klappt es auch mit den Klimazielen. Später dann … wenn das Gleichgewicht wieder hergestellt ist … können wir dann daran arbeiten, dass Wort knallhart wieder aus dem Sprachgebrauch zu verbannen – wo es nie hingehört hat.

Und wie soll das aussehen?

Nun – das Denken darüber hat Ihnen schon Kanzler Schmidt verboten: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ – ein Satz von Helmut Schmidt, der heute modernen Managern ein Vorbild sein soll (siehe Manager-Magazin), die sich vor allem ihre Arroganz bewahren sollen. Das Knallharte eben.

Und dazu … brauchen wir Regierungen. Echte Regierungen. Regierungen, die ein „Wir“ visionieren können – statt eines „Ich“ der Parteien. Es darf ruhig ein planetares „wir“ sein, um das wir in einer globalisierten Welt sowieso nicht herumkommen. Und eine Regierung, die aus der Geschichte gelernt hat – der echten Geschichte, die eher in der Wissenschaft diskutiert wird denn in den Medien, eine Geschichte, die uns lehrt, dass die Arbeiter aller Welt sich in der Tat vereinigt haben und immer wieder vereinigen – auf den Schlachtfeldern der Welt. Eine Geschichte, die uns erzählt, dass Feudalismus nicht vom Titel, sondern von der Machtballung um eine Person abhängt. Und das Faschismus die logische Antwort auf die Systemfehler des Kapitalismus ist … und sich deshalb immer wieder wiederholen wird, solange wir glauben, ums Goldene Kalb tanzen zu müssen.

Und da – gibt es viel zu tun. Und wer uns da erzählt, wir sollten wegen Visionen zum Arzt gehen – den müssen wir knallhart selbst dorthin schicken, denn ohne Visionen einer besseren Welt würden wir heute noch als Molch im Ozean schwimmen … oder hätten als Affen die Bäume nicht verlassen. Wenn wir erstmal erkennen, dass die gigantische Industrie uns vor allem zu 90 Prozent mit Luxus versorgt, der als Krücke gilt, weil wir den menschlichen Zusammenhalt verloren haben … ja, dann werden wir auch sehen, dass wir ohne Krücken gut auskommen – und sparen uns 90 Prozent der apokalyptischen Unsinnsproduktion.

Nutzen wir also die regierungsfreie Zeit aus … anstatt sie sinnlos zu verplempern.

Dschungelcamp Jamaika: Abgeblasen! – Weiter angesagt: Die Glyphosat-Kanzlerin und die Große Depression … und das Puff für alle

„Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.“

(Reinhard Mey, Das Narrenschiff)

Deutschland am Highway to Hell

Obwohl bereits eine Wiederauflage der Großen Depression – pardon: der Großen Koalition droht, so konnte man zumindest kurz aufatmen: Immerhin ist die Jamaika-Koalition gescheitert. Nicht nur die Rautenkanzlerin war empört, vor allem die Grünen toben, haben sie sich doch bereits an Muttis Futtertrog und an den Pfründen der Macht gesehen, zu denen Young Leaders wie Cem Özdemir ja eingehend geschult wurden, und nun das: Der FDP-Chef schmeißt das Handtuch, da er meint, es sei „besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren“. Als „unverantwortlich, unseriös, berechnend“ bezeichnet Grünen-Chefin Simone Peter diesen Rückzug. Auch der PNAC-Bruder Cem Özdemir ist stinksauer (nein, ich habe nicht Penner gesagt, ich habe PNAC gesagt – dazu unten gleich mehr). Die deutschen Leitmedien stimmen in das Wehklagen mit ein: vor „historischer Instabilität“ wird gewarnt und gar an „Weimar“ erinnert.

Schauen wir uns also kurz einmal an, welche grandiose Kapazität und Zukunftshoffnung mit Jamaika verlorengegangen ist. Nicht, weil es Freude macht, im Unrat zu wühlen, sondern um an die abgründige Gefahr zu gemahnen, die Deutschland und Europa immer noch droht – denn die alternativlose Dauerkanzlerin ist wild entschlossen, weiterzuregieren, notfalls auch in Form einer Minderheitsregierung. Das fest in transatlantischer Hand befindliche Zepter abgeben – nein, das geht gar nicht.

Fangen wir gleich bei Ihrer Majestät höchstpersönlich an, der zu Ehren der US-Konzern Mattel sogar eine eigene Barbiepuppe im drolligen Merkel-Look anfertigen ließ (ich setzte dazu jetzt keinen Link, will schließlich keinem Leser den Appetit zum Abendessen verderben). Peter Sloterdijk bezeichnet sie als bloße „Hohlraumfigur in einer Lethargokratie“ und diagnostiziert: „Wo Politik war, wird betreutes Dahindämmern“ (Quelle: Handelsblatt).


(Bild: Jacques Prilleau CC BY)

Mancher mag jetzt zu „Dahindämmern“ schnuckelige Assoziationen haben wie z.B. Oktoberfestbierstimmung auf der Wies’n oder ein Lala-Land, „in dem wir gut und gerne leben“. Leider wird der Merkel‘sche Dämmerschlaf von anderen Global Playern, die im Gegenzug umso schärfer wach sind, eiskalt ausgenutzt.  In der zur marktkonformen Demokratie umgebauten Bundesrepublik spielen sich daher inzwischen gespenstische Szenen ab, bei denen sich Willy Brandt im Grab umdrehen würde. Erstmals seit Ende des zweiten Weltkriegs liegen wieder deutsche Panzertruppen nur 120 km vor St. Petersburg und harren dort der ihnen erteilten Befehle aus der NATO-Kommandozentrale. In dieser Zentrale hat man den Businessplan für einen Krieg gegen Russland indes bereits allen Ernstes auf den Tisch gelegt. Das von den führenden Generälen von US Army, Marine und Air Force verkündete Ergebnis war positiv:  Die USA werden gewinnen, es würde nur etwas länger dauern und ein bisschen mehr kosten als erwartet (Quelle: New Eastern Outlook). Um diesen Businessplan der Generäle auch zügig umsetzen zu können, fordert die NATO nun, dass deutsche Straßen und Schienennetze für einen zügigen Transport von Panzern und Truppen Richtung Russland auf militärisch taugliche Weise ausgebaut werden (siehe jungewelt). Während hierzulande der Highway to Hell gebaut wird, fliegen entlang der russischen Grenze NATO-Jets und üben Atombombenabwürfe.

Überhaupt scheut Mutti für ihre „verlässlichen Freunde“ keine Kosten und Mühen. Die USA wollen das Atomwaffenarsenal in Europa erneuern und unter anderem in der Eifel 20 neue Atombomben vom Typ B 61-12 stationieren. Laut Spiegel-Bericht sollen erste Bomben ab 2020 in Europa verfügbar sein. Zum Ausbau der Nuklearwaffenlager seien 154 Millionen Dollar vorgesehen, Deutschland trage ein Fünftel der Kosten, das sind 30 Millionen (Quelle: Zeit). Laut einem weiteren Bericht in der Zeit sollte 2015 damit begonnen werden, die Software deutscher Tornado-Jagdbomber auf die neuen Atomwaffen einzustellen. Die Programmierung ist dann nun vermutlich bald abgeschlossen und Muttis Tornados erstschlagsfähig – sollten sie aufgrund eines alternativlosen Befehls aus Washington wirklich losschlagen, dann steht jedenfalls eines fest: Dann wird die Lüge der Rautenmuhme tatsächlich Wahrheit werden: Dann werden wir alle, samt Kind, Katz, Hund und SUV, in ein Land befördert, in dem wir „gut und gerne leben“ – für immer.

Während es unsere MinisterInnen voll lustig finden, anlässlich der kommenden WM „auf jeden Fall schießendes Personal nach Russland zu schicken“ (o-Ton von der Leyen), so findet man das atomare Hazardspiel auf Seiten Russlands mittlerweile nicht mehr zum Lachen. In einem Spiegel-Interview bringt Kreml-Berater Sergej Karaganow unmissverständlich zum Ausdruck, was eine Eskalation im momentanen NATO-Säbelrasseln für Deutschland bedeutete: Es würde ins offene Messer laufen. Russland wäre nicht bereit, sich auf eigenem Territorium in Scharmützel verwickeln zu lassen, sondern würde uns in solchem Falle einfach per Knopfdruck verdampfen (siehe Spiegel):

„Russland wird nie wieder auf seinem eigenen Territorium kämpfen (…) Im Falle einer Krise werden genau diese Waffen vernichtet (…) Wenn die NATO eine Aggression beginnt – gegen eine Atommacht wie uns -, wird sie bestraft werden.“

Als Martin Schulz während des Wahlkampfs forderte, alle US-Atomwaffen und damit Primärziele aus Deutschland abzuziehen (siehe Spiegel),  war Mutti Merkel diesem Vorschlag sogleich sehr abhold und drückte die US- Atombomben fest an ihre Brust. Keine Atombomben mehr in Deutschland? – Nein, das geht gar nicht!

Sonst bekommt Mutti beim Cocktail-Dinner im Atlantikbrücke-Verein womöglich nicht mehr das wohlwollende Schulterklopfen ihrer „verlässlichen Freunde“ (wie sehr auf diese Freunde Verlass ist, hat Peter Frey in einem historischen Psychogramm kurz zusammengefasst – samt dem Szenario, auf das wir mit diesen geistesverlassenen  Freunden am Steuer gerade zusteuern). In dieser vom Journalisten T. Pritzl als eine der mächtigsten Pressuregroups der BRD bezeichneten Organisation (siehe free21: „Wie die Atlantik-Brücke die BRD lenkt“) ist jedoch nicht nur die Kanzlerin fest inkorporiert, auch die anderen Jamaika-Piraten, die sich Mutti ins Regierungsboot holen wollte, sind im Club der Alternativlosen und Unipolaren. Albrecht Müller bezeichnet hierbei die Grünen Spitzenkandidaten Özdemir und Göring-Eckardt als „eingefleischte Atlantiker und Russenhasser“, mit denen es am Kabinettstisch schlimmer gewesen wäre als mit Außenminister Gabriel, bei dem Müller zumindest noch ein Stück Vernunft und Friedfertigkeit gegenüber Russland verortete (siehe Nachdenkseiten).

Das Russische Roulette der Ramstein-Kanzlerin


Foto: Public domain / Wikimedia Commons

Was bei der Atlantikbrücken-Doktrin besonders alternativlos ist: Die „Abschreckung“ und Konfrontation mit Russland. Da soll noch jemand behaupten, dass Angela Merkel eine biedere Frau ohne Eigenschaften sei, die keine Lust am frivolen Exzess und am russischen Roulette hätte. Sechs Patronenkammern hat der an unsere eigene Schläfe angesetzte Revolver. Dreimal haben wir die unsichtbare Hand des militärisch-industriellen Marktes, dem sich unsere PNAC-Abgeordneten bedingungslos anheimgegeben haben, bereits abdrücken lassen (siehe Spiegel 1 und Spiegel 2 und Spiegel 3). – Da es  Fortuna bisher mit uns gut gemeint hat, ging der Schlaghahn des Revolvers jedesmal ins Leere und es machte nur „Klack“, die Oktoberfeste konnten weitergehen, während sich die NATO entgegen der Vereinbarung mit Michail Gorbatschow ein Ostland nach dem anderen einverleibte und nun mit Atomraketenbasen direkt an die russische Grenze herangerückt ist. – Klasse, dachten  sich die atlantikverbrückten Rhinozeren in den deutschen Politbüros und ihre Claqueure in den Schreibstuben der DIN-ISO-zertifizierten deutschen Qualitätsmedien: Die von den PNAC-Brüdern angestrebte „Full Spectrum Dominance“ schreitet planmäßig voran, die Rüstungs- und Zulieferindustrie brummt, alle haben gut bezahlte Pöstchen und dürfen auf abendlichen Gala-Diners das wohlwollende Schulterklopfen der ganz Mächtigen ernten. Und wem drei Landsitze mit zehn verschiedenen Sportwägen und SUVs nicht reichen, der kann sich in Brüssel eventuell noch ein paar Geldkoffer in die Hand drücken lassen, so wie etwa der hier mit einer versteckten Kamera gefilmte österreichische Innenminister (!) Ernst Strasser (siehe YouTube), der im Europäischen Parlament derselben  Fraktion angehört wie die Merkel’sche CDU: der  in der Europapolitik tonangebenden „Europäischen Volkspartei“. Wobei solch plumpe Korruptionäre wie im obigen Video ersichtlich ja eigentlich ins Museum gehören. Welcher Politiker ist heute schon noch so dumm und lässt sich wirklich Schmiergeld bar auf die Hand geben? – wo man im All-Inclusive-Club der VIPs doch bereits durch schlichtes Wohlverhalten viel mehr Benefits lukrieren kann: Wer im Parlament zur rechten Zeit nickt und zur rechten Zeit seinen Kopf still hält, dem winken in der Folge lukrative Versorgungspöstchen und Beraterverträge.

Wie das Merkel’sche Kabinett diese Kunst des Nickens und Stillhaltens praktiziert, schildert uns Jean Ziegler anhand eines jüngsten Erlebnisses im UN-Menschenrechtsrat (siehe Interview). Hierbei wurde vorgeschlagen, auch Konzerne der Menschenrechtskontrolle zu unterstellen, sodass etwa Bayer in Deutschland geklagt werden kann, wenn es mit seinen Pestiziden bei Menschen in Südindien Krebs verursacht. Kurz vor der Abstimmung kam aus dem Kanzleramt in Berlin die Anweisung, dass die neue Menschenrechtskonvention zu Fall gebracht werden muss. – Ganz nach der von Werner Rügemer verbalisierten Merkel’schen Parole: „Mir geht es gut, sonst ist mir alles scheißegal“.

Zwerge und Schweine

Die Kunst des Nickens und Stillhaltens wurde von Merkels transatlantischer Flachmannschaft jüngst auch in der Glyphosat-Causa unter Beweis gestellt. Während unsere GWUP-Wissenschaftler in ihren Labors angeblich „keine wissenschaftliche Konvergenz“ zur Schädlichkeit des Monansto-Gifts festgestellt haben, so bekommt man in der ARTE-Doku „Chronisch vergiftet“ Bilder aus der realen Welt  zu sehen, die einem den Magen umdrehen und Tränen in die Augen treiben können: Ein Schweinezüchter zeigt, wie innerhalb seiner Ferkelpopulation Missbildungen in Abhängigkeit des von ihm akribisch protokollierten Glyphosat-Gehalts im Futter direkt proportional zunehmen (siehe Minute 19:20). Ab Minute 41:25 bekommt man dann Bilder aus Kinderkliniken Argentiniens zu sehen, in welchen neugeborene Menschen die gleichen grässlichen Missbildungen aufweisen wie man sie bereits von den Schweinen kennt. Am Ende der Doku (42:50) resümiert der Schweinezüchter, dass es unter diesen Babyfotos nicht eine Missbildung gebe, die er nicht schon bei seinen glyphosatgeschädigten Ferkeln gesehen habe, es also nur noch eine Frage der Zeit sei, bis auch das menschliche Erbgut durch den Glyphosat-Einsatz irreversibel geschädigt werde. Damit der Hosenanzug der Kanzlerin inmitten dieser Schweinerei sauber bleibt, hat man nun auf EU-Ebene Landwirtschaftsminister Schmidt vorgeschoben, der angeblich „allein für sich entschieden“ und pro Monsanto gestimmt hat. Schmidt habe sich dafür „eine Rüge der Kanzlerin“ eingefangen, verlautbarten unsere Leitmedien in der Folge – eine Schmierenkomödie der besonders grotesken Art, die nur zeigt, für dumm man uns inzwischen hält und zu der sich eigentlich jeder Kommentar erübrigt. Als ob in einer Partei, in der seit jeher eiserner Fraktionszwang herrscht, ein dritter Zwerg von links unten es wagen würde, entgegen der Weisung der Bundespanzlerin zu entscheiden und damit seine Karriere zu ruinieren. Im Übrigen hat sich Merkel laut Aktenvermerk der Leitungsebene des Landwirtschaftsministeriums vom 24.08.2017 auf dem letzten Großagrariertag dezidiert für den Einsatz von Glyphosat ausgesprochen, warum „rügt“ sie also jetzt ihren Landwirtschaftsminister, der sich doch nur ihrem Willen angeschlossen hat?

In einem Kommentar auf Rubikon platzt auch Ulrich Mies, dem Mitautor des aktuellen Bestellers „Lügen die Medien?“ der Kragen. Er spricht von organisierter Politkriminalität und wirft die Frage auf, wie man eine Regierung bezeichnen soll, die „auf alle Grundsätze spuckt, die für ein halbwegs funktionierendes demokratisches Gemeinwesen konstitutiv sind, die der Öffentlichkeit täglich ihre Verachtung zeigt, Amtseide, Recht und Gesetz beiseite schiebt, die Gewaltenteilung massakriert und sich längst als rechtsnihilistisches, machiavellistisches und sozialdarwinistisches Regime etabliert hat?“ In seiner Analyse kommt er nicht umhin, die Merkel‘sche Regierung mit einem Krebsgeschwür zu vergleichen, „das alle maßgeblichen Positionen in Parteien, Regierungsinstitutionen und Medien kontaminiert. Sie hält das Land im Zangengriff und metastasiert ihren widerwärtigen marktradikalen Ungeist — als Ökonomisierung — in alle Bereiche der Gesellschaft.“

Kehren wir aber vom dampfenden Schweinebraten zurück zur ausgekühlten Jamaika-Melange. Was ist uns denn außer der Schwerkraft der Rautenkönigin noch entgangen, was nach Ansicht unserer Leitmedien so beklagenswert ist?

Ungenierte Verschwörungen und Grünes Fracking

Die Grünen mit ihren Taktgebern Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt wären mit von der Partie gewesen, beide natürlich eingefleischte Mitglieder bei – der Atlantik-Brücke. Özdemir geht sogar noch eine Stufe weiter. Ihm reicht das dort praktizierte Swinger-Treiben nicht, er hat Lust auf Hardcore und sich deshalb auch beim PNAC eingeschrieben (siehe Deutsch-Türkische Nachrichten). Die PNAC-Brüder – das sind keineswegs Penner, sondern ganz im Gegenteil sehr ausgeschlafene Kerlchen, die seit Jahren höchst erfolgreich eine politische Agenda in die Realität umsetzen, die eigentlich wie der Plot eines schlechten Psycho-Thrillers klingt. Sogar im Spiegel gab man sich seinerzeit, als die transatlantische Direktive die Schreibstuben noch nicht ganz übernommen hatte, fassungslos über die PNAC-Pläne, die dermaßen bizarr klingen, dass man sie zunächst als „Hirngespinste“ abtun wollte. Das Problem: Diese Hirngespinste des 1997 von Dick Cheney und ande­ren Neo­­­kon­­­ser­­va­­tiven ge­gründeten PNAC werden seit der Ära von George W. Bush, der die PNAC-Brüder in höchste Regierungsstellen hievte, konsequent in die Realität umgesetzt. Das erklärte Ziel des PNAC: die un­ein­ge­schränkte US-Welt­­herr­­schaf‌t in einem „neuen amerikanischen Jahrhundert“. In einem öffentlich einsehbaren Stra­tegie­­papier antizipiert der PNAC bereits im Jahre 2000 ein »neues Pearl Harbor« als Legi­ti­ma­tion für eine US-Offensive zur globalen Dominanz.

Siehe dazu einen Spiegel Artikel aus März 2003 – ein Artikel, der heute undenkbar wäre (sich mit den Plänen der Reichen und Mächtigen beschäftigen – nein, das geht gar nicht mehr, das wäre ja Verschwörungstheorie):

„Konzepte für eine solche Politik existieren in der Tat. Sie wurden bereits in den neunziger Jahren in ultrarechten „Think Tanks“ entwickelt – Denkfabriken, in denen Kalte Krieger aus dem Dunstkreis von Geheimdiensten und Erweckungskirchen, von Rüstungs- und Ölkonzernen gespenstisch anmutende Pläne für eine neue Weltordnung schmiedeten.

In den Visionen der Falken wird das Völkerrecht durch das Recht des Stärkeren ersetzt. Am allerstärksten soll, natürlich, stets die einzig verbliebene Supermacht sein.

Zu diesem Zweck müssten die USA dauerhaft in der Lage sein, die Rohstoffvorräte des Planeten zu kontrollieren und jeden möglichen Konkurrenten klein zu kriegen und klein zu halten – mit allen Mitteln diplomatischer und publizistischer, ökonomischer und militärischer Macht, notfalls auch per Präventivkrieg.

Was immer in den Neunzigern in den Think Tanks ausgeheckt wurde, von einer Entmachtung der Uno bis hin zu Serien künftiger Unterwerfungskriege – es war das glatte Gegenteil einer Verschwörung: Fast alle dieser Weltmachtsvisionen sind veröffentlicht worden, einige per Internet zugänglich.

Lange Zeit freilich wurden die Elaborate als Hirngespinste abgetan, verfasst von intellektuellen Außenseitern, erzkonservativen Relikten aus der Reagan-Ära, kaltgestellten Kalten Kriegern, die, finanziell unterstützt von Lobby-Organisationen, in irgendwelchen Studierstuben politisch überwinterten, während in Washington Bill Clinton und sein Vize Al Gore regierten …“ 

Im Ausland stationierte US-Streitkräfte bezeichneten die Autoren in der kernigen Sprache des Wilden Westens als „Kavallerie im neuen amerikanischen Grenzland“ („the cavalry on the new American frontier“)

(…)

Mit atemberaubendem Tempo setzten die neuen Herren die PNAC-Strategie um. Bush kündigte reihenweise internationale Verträge aus der Clinton-Ära, brüskierte die Uno und behandelte Verbündete wie Vasallen. Und als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die blanke Angst in Amerika regierte und im Land Milzbrandbriefe kursierten, war aus Sicht der Bushisten offenbar die Zeit reif dafür, auch die alten Irak-Pläne aus der PNAC-Schublade zu holen. Bereits sechs Tage nach dem Anschlag auf das World Trade Center unterzeichnete Bush einen Exekutivbefehl, in dem er nicht nur Order gab, einen Krieg gegen das Terrornetzwerk und gegen die Taliban vorzubereiten. Ein zunächst geheim gehaltener zweiter Absatz befahl den Militärs, Szenarien für einen Irakkrieg zu erarbeiten.“

In Teil 2 des Spiegel-Artikels aus 2003 werden die Washingtoner Machteliten sogar als Bellizisten, also als Kriegstreiber bezeichnet. Heute, 15 Jahre später unter der Ägide Merkel würde umgehend der Kopf des Journalisten rollen – sind solche Betrachtungen doch ein klarer Fall von Antiamerikanismus:

„Die Anmaßung der Washingtoner Bellizisten, am amerikanischen Wesen die Welt genesen zu lassen und ganz allein über Krieg und Frieden zu entscheiden, schockiert Experten …

Allzu lange, kritisiert der hessische Friedens- und Konfliktforscher Harald Müller, habe auch die Berliner Regierung die 2001 vollzogene radikale Kehrtwendung der US-Außenpolitik unter Bush „geflissentlich übersehen, verschwiegen, heruntergespielt“.

Dabei sei das Programm der Bush-Administration unverkennbar: „Amerika tut, was es will. Internationale Regeln gelten, wenn es den eigenen Interessen nutzt, werden gebrochen, ignoriert oder gar nicht erst akzeptiert, wenn sie irgendwelche Opfer abfordern.“ Kurzum: „Die USA wollen totale Handlungsfähigkeit für sich: Weltpolitik nach Gutsherrenart.“

„Verliebt in die Idee des Krieges“

Schon als voriges Jahr die PNAC-Studie der Bushisten publik wurde, wetterte der Labour-Abgeordnete Tam Dalyell, eines der dienstältesten Mitglieder des britischen Unterhauses: „Das ist Schund aus rechten Denkfabriken, in denen Falken mit Spatzenhirnen hocken – Leute, die nie den Schrecken des Krieges erlebt haben, aber verliebt sind in die Idee des Krieges.“ Und mit einem Seitenhieb auf Tony Blair: „Ich bin entsetzt, dass ein britischer Labour-Premier mit einer Bande von solcherart moralischer Statur ins Bett steigt.“

Nun ja, wenn schon Tony Blair keine Hemmungen gezeigt hat, mit einer „Bande von solcherart moralischer Statur ins Bett zu steigen“, warum sollten dann Cem Özdemir oder Angela Merkel welche haben? Und warum sollten Spiegel-Redakteure im Jahre 2017 Hemmungen haben, der transatlatischen Direktive und den PNAC-Brüdern  den Mund zu leihen? Leben sie doch prächtig in ihren ledergepolsterten Etablissements, in deren Tiefgarage es laut Bericht von Jens Berger (siehe Der rote Tisch) eine Porsche-Dichte gibt, die man nirgendwo sonst findet.

Und während Michail Gorbatschow warnt, dass wir die nächsten Jahre nicht überleben werden, wenn wir die NATO-Konfrontation an der Grenze zu  Russland nicht entschärfen, wird in den Schreibstuben unserer Leitmedien mit bisher unbekannter Leichtfertigkeit über die Möglichkeit eines atomaren Erstschlags diskutiert und zu noch mehr „Abschreckung“ gegen Russland getrommelt. Der ehemalige Welt-Journalist Dirk C. Fleck findet für diese Art von suizidalen Lohnschreibern gar keine passenden Worte mehr:

„Wie gesagt, da fehlen mir die Worte. Vielleicht sollte ich für diese Leute einen völlig neuen Begriff kreieren. Griegrumpf zum Beispiel. Ja, das ist gut, sie sind Griegrümpfe! Der Begriff wurde zwar eben erst von mir erfunden, ist aber schrecklicher als alles, was Menschen je in den Mund zu nehmen wagten.“

In seinem Essay „Wenn die Fetzen fliegen“ hält er den transatlantischen Claqueuren die mögliche Realität vor Augen, die sie gerade selbst herbeischreiben:

„Und dann liebe Kollegen, könnte tatsächlich etwas passieren, das Euer Zeitempfinden für den Bruchteil einer Sekunde bis in alle Ewigkeit auf den Kopf stellen wird: der atomare Alptraum. Josef Joffe könnte beim Putten zu einem Birdie fünfzig Meter weit über das gepflegte Grün in  den nächsten Bunker geschleudert werden. An der Ericusspitze 1 würden die beim Mittagstisch sitzenden Spiegel-Redakteure, von den Scheiben ihres Glaspalastes geköpft, zuckend übereinander herfallen. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt bestiege  vielleicht gerade seinen Audi A8 in der Tiefgarage des Konzerns und findet sich plötzlich im Freien wieder, weil das Gebäude über ihm mitsamt seinem Büro auf magische Weise verschwunden ist. Andere Kollegen, die sich in den letzten Jahren die Finger wund geschrieben haben, um die Herzen der Menschen abzustumpfen, sehen ihre Kinder mit vor Schreck geweiteten Augen an sich vorbeifliegen, während ihnen selbst die Haut in Fetzen von den Knochen fällt. In der Elbphilharmonie hängt der Himmel voller Geigen und aus einem Flieger, der in zehn Kilometer über Hamburg hinweg Richtung Kopenhagen unterwegs ist, registrieren die Fluggäste erschrocken einen in rasender Geschwindigkeit aufsteigenden Pilz, der ihnen fast bis unter die Flügel reicht, während sich darunter die brennende Elbe ihren Weg durch ein gigantisches Trümmerfeld bahnt…

Hallo, Ihr Griegrümpfe, die Ihr uns zu Bewohnern eines anderen Planeten machen wollt. Eure wie unsere Zeit ist bald um, wenn Ihr so weiter macht wie bisher. Aber natürlich wollt Ihr so weiter machen. Na gut, dann hätte ich hier noch etwas für Euch: Der US-Oberst Leutnant Steven Gventer bestätigte die Dringlichkeit des NATO-Aufmarsches an der russischen Grenze. Wörtlich sagte er: „WIR SIND BEREIT, TÖDLICH ZU WERDEN!“ Wie findet Ihr das? Ist doch okay, oder?“

Vorausgesetzt, man besitzt einigen Galgenhumor, dann kann die kommende Zeit also nur heiter werden. Angela Merkel hat alle Vorarbeit Willy Brandts um eine Ost-West Entspannung zum Teufel geschickt und auch uns die Rutsche zu diesem Herren gelegt. Die Rutsche ist nun gebohnert und gut eingeseift, nur noch einen kleinen Ruck braucht es, und die Höllenfahrt kann beginnen. Scheinbar ist auf der Politbühe niemand da, der gewillt ist, uns vor dieser Fahrt zu bewahren. Sogar die Wurzeln der Grünen als ehemaliger Friedenspartei sind heute de facto vertrocknet. Wie im Mosaik Blog angemerkt, sind „das Spitzenpersonal und die eigentlichen Machtstrukturen in der Partei vollkommen vom Realo-Flügel geprägt“. Es sind dort jetzt also „Realos“ am Ruder, d.h. Personen, die bereits alle Ideale aufgegeben und vor den transatlantischen Sachzwängen bedingungslos kapituliert haben. Realos, die sich sogar als Erfüllungsgehilfen des Fracking-Prinzips verdingen („Put in poison, get out money“) und aktiv für ein „neues amerikanisches Jahrhundert“ , also für die restlose Ausschlachtung und Verödung unseres bereits großflächig in Brand gesetzten blauen Planeten arbeiten. Über den Skandal, dass dieser Planet nicht nur aufgrund vielfältiger Umweltgifte darniederliegt, sondern auch durch den sinnlosen Einsatz von Uran-Munition unserer verlässlichen Freunde irreversibel geschädigt wird, herrscht in unseren Qualitätsmedien eisernes Schweigen. Lediglich einige Ärzte, die ihre Laufbahn bereits hinter sich haben, wagen darüber zu reden, wer dies in seiner aktiven Zeit tut, wird umgehend weggemobbt (siehe Nachdenkseiten). Der Wille der Grünen zum Widerstand gegen solch himmelschreienden Wahnsinn (siehe auch Frieder Wagners Dokumentarfilm „Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra“) ist gleich Null. Dann lieber mit aller Verve für ein viertes Geschlecht im Pass kämpfen. Der Grüne 4.0 liebt nicht mehr den Wald, sondern die Wüste und hat Todessehnsucht nach dem digitalen Nirvana, da ihn die quälenden Schatten seiner verratenen Ideale nicht mehr ruhig schlafen lassen.

Digital First – Bedenken Second.

Ich weiß, der Artikel wird schon wieder viel zu lang und der Ekelpegel erreicht die Decke. Ich komme beim Thema Jamaika trotzdem nicht umhin, auch noch kurz das Thema FDP und Christian Lindner abzuhaken. Mit einer stylishen Werbekampagne konnte er auf Anhieb satte 10,7% der Wählerstimmen einfahren. Die Plakate, in denen er unter schwacher Beleuchtung in der Pose eines Rasierwasssermodels von Hugo Boss auftritt, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Das umwerfende Programm seiner von der Industrie durchfinanzierten Partei? Nicht nur eine Aufweichung der Arbeitszeitgesetze im Sinne der Arbeitgeberlobby war angesagt (siehe Freitag), man hatte sich auch einen markigen Slogan ausgedacht, der von bedingungslosem Fortschrittswillen kündet: „DIGITAL FIRST. BEDENKEN SECOND.“ Obwohl ausnahmslos alle pädagogischen und neurophysiologischen Studien eine verheerende Wirkung der Digitaltechniken bei Kindern attestieren, plädiert Lindner für noch mehr und noch frühere Digitalisierung unserer Kinder.

Foto: flickr/Aris Gionis/CC BY-NC 2.0

Ralf Lankau, Professor für Mediengestaltung und Medientheorie, kommentiert das Ansinnen Lindners wie folgt:

„Würde er sein Plädoyer wirklich ernst meinen, müsste man sich in der Tat um seine geistige Gesundheit sorgen und ihn postwendend als nicht zurechnungsfähig aus dem Verkehr ziehen. Wer die notwendige Reflexion über die Folgen von Digitaltechnik, also die klassische Technikfolgenabschätzung ausblenden will, kann weder politisch noch als Person ernst genommen werden. Andererseits passt das ins Bild.  (…) Lindner ist nicht dumm. Es geht ihm um Aufmerksamkeit und darum, sich als Politmarke aufzubauen, getreu dem neoliberalen Selbstvermarktungsmotto: Mein Wahlkampf, mein Mandat, meine Karriere. Das Ego und die Karriere Einzelner stehen im Mittelpunkt, nicht politische Fragen und sozialverträgliche Lösungen. Und das heißt dann eben auch: Für das Erreichen der eigenen Ziele, darf man gerne auch das politische System beschädigen, koste es, was es wolle.“ (Quelle: studis online)

Lindner findet die neuen digitalen Werkzeuge natürlich fantastisch: Dank digitalem Marketing und Social Engineering kann man es heute sogar als absolute Null in eine Spitzenposition schaffen, in der man ausgesorgt hat. Obwohl man eigentlich nichts kann, stellen sich Lobbyisten und Journalisten reihenweise um Termine an, als ob das eigene Büro der Nabel der Welt wäre – ist das nicht wunderbar? Kein Wunder, dass Charaktere, die den Segen des digitalen „manufacturing consent“ am eigenen Leib erfahren haben, gar nicht genug von solcher Digitalisierung bekommen können. Wenn man Kindern schon von klein auf ein digitales Endgerät vor den Kopf schnallt, wer weiß – vielleicht sind dann für eine eingängig durchdesignte Marketingkampagne nicht  bloß 10% Wählerstimmen drinnen, sondern in Zukunft sogar 50% oder mehr?

Ein Steinmeier im Dienste Ihrer Majestät

Obwohl der tiefschwarz-giftgrün-eitergelbe Jamaika-Kelch nun also zum Glück an uns vorübergeht und in den Gulli geschüttet wird, kann leider noch in keiner Weise Entwarnung gegeben werden. Denn wie es derzeit aussieht, hat sich Martin Schulz bereit erklärt, als Lückenbüßer herzuhalten, damit das Projekt Merkel weitergehen kann. Obwohl zunächst fest entschlossen, sich mit der SPD in die Opposition zurückzuziehen, hat ihn Bundespräsident Steinmeier nach einem Vier-Augen Gespräch offensichtlich zum Umdenken bewegt. Worin Steinmeier die primäre Aufgabe des  deutschen Bundespräsidenten sieht, hat er bereits bei seinem Amtsantritt unmissverständlich bekundet (Quelle: bilanz.ch) :

«Der Bundespräsident, vor allem die Mitglieder der Bundesregierung müssen Überzeugungsarbeit leisten, dass das transatlantische Fundament nicht infrage gestellt wird.»

Schulz hat scheinbar verstanden, was ihm Steinmeier als Angstszenario ausgemalt hat, falls sich die SPD nicht für Merkel opfern will: Dann würde die transatlantische Ramstein-Kanzlerin nach dem Platzen des Jamaika-Dschungelcamps ihre letzte sichere Regierungsoption verlieren und den verlässlichen Freunden jenseits des Atlantik würden in Europa womöglich ihre Felle davonschwimmen. Sollen die Milliardeninvestitionen der PNAC-Brüder und CFR-Freunde so kurz vorm Endsieg etwa umsonst gewesen sein?

Obwohl ihm selbst vor der tödlichen Umarmung durch die Glyphosat-Kanzlerin graut („In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nie eintreten“), hat Steinmeiers Appell scheinbar gegriffen und Martin Schulz ist nun selbstlos zum politischen Freitod bereit. Er bzw. seine SPD werde zwar „nicht billig zu haben sein“ verkündete er kurz nach dem Steinmeier-Rapport – was aber impliziert, dass er eben zu haben sei, und darum geht es ja in der Hauptsache (dass er nicht ganz billig zu haben sei, sondern noch ein bisschen Kleingeld rausschlagen wolle, wird jenseits des Atlantiks nur ein mitleidiges Lächeln bewirken –  als ob man bisher Kosten und Mühe gescheut hätte, um das in die Wege zu leiten, was den eigenen geostrategischen Zielen dient). Wie die Zeit vorgestern berichtete, scheint bereits alles auf Schiene zu sein:  CDU-Politiker Mohring diktierte den wartenden Journalisten folgenden Satz in die Blöcke: „Der Weg für eine große Koalition ist bereitet.“ Die Regierung werde bis März stehen.


Der Buntbarsch im Gurkenglas hat angebissen (Bild: Jacques Prilleau CC BY)

Auf Sicht fahren? – Nein, das geht gar nicht

Wer übrigens meint, dass Martin Schulz allzuviel zur Deeskalation beitragen wird, da er im Wahlkampffinale immerhin versucht hat, mit dem Verbannen von US Atombomben von deutschem Boden zu punkten, der wird wohl leider enttäuscht werden. Auf einem SPD-Parteikonvent verkündete auch Schulz aus vollem Hals seine bedingungslose Kapitulation vor dem Fortschritt und fordert, dass man in Deutschland keinesfalls „auf Sicht fahren“ dürfe, wenn man mit dem globalen Fortschritt mithalten wolle (siehe aufwachen-podcast). Die Losung lautet also „nicht auf Sicht fahren“ sollen sondern volle Pulle voraus, d.h. Schulz nimmt ganz bewusst in Kauf, dass wir, wenn wir im derzeitigen Nebel nochmals voll aufs Gas steigen, gegen die bereits in Sichtweite befindliche Wand bzw. in den Grand Canyon fahren. Ist das nicht vollkommen abgefahren, dass man so etwas heute ungestraft sagen kann? – Ich meine, jeder Lokführer, der mit dieser Devise unterwegs ist, würde wegen Gemeingefährlichkeit sofort fristlos entlassen werden.

Und wenn Schulz meint, dass bei der nebelschwangeren Hochgeschwindigkeitsfahrt über die Atlantikbrücke auf der rechten Spur ohnehin freie Bahn sei, dann hat er leider seine Rechnung ohne die Geisterfahrer von PNAC & Co. gemacht, die als „Kings oft he road“ einen feuchten Kehricht auf Verkehrsregeln und Rechtsfahrgebote geben.

Ein Puff für alle

Falls es nicht durch einen unerwarteten Tsunami doch noch zu Neuwahlen kommt, wird also die halsbrecherische Konfrontation mit Russland ebenso voranschreiten wie die schleichende Vergiftung unserer Lebengrundlagen durch Glyphosat und durch suizidalen SpiegelBildjournalismus. Und damit wir vor den Herausforderungen der Zukunft dann auch wirklich vollkommen nackt und kahlrasiert dastehen, soll unserer nachkommenden Generation durch frühkindliche Digitalisierung das Gehirn flachgebügelt und das Nervensystem sklerotisiert werden. Was dann oben im Kopf fehlt, soll im Gegenzug von Richtung der Genitalien angeschoben werden, um den vollkommen entgrenzten, zu allem bereiten Wettbewerbsbürger neoliberalen Zuschnitts zu züchten: Aufgepeppt durch grün-rotes Gender Madstreaming und „dekonstruktivistische Sexualpädagogik“ baumeln in Klassenzimmern bereits Dildos und Vaginalkugeln, werden unsere Kleinen im Unterricht darüber in Kenntnis gesetzt, dass man auch mit Sado-Maso in der Dunkelkammer Spaß haben kann (siehe welt.de). Durch frühkindliche Masturbation für 0-4jährige laut transatlantischer WHO-Richtlinie vorbereitet, sollen die Kinder im Unterricht ein „Puff für alle“ bauen und Analverkehr simulieren. Man frägt sich, was für ein Puff die fortschrittlichen Gender-Ideologen im Sinn haben, wo man doch in einer jüngsten ZDF-Doku erfährt, dass Deutschland bereits das größte Bordell Europas und zum Paradies für Sextouristen aus der ganzen Welt geworden ist (siehe  ZDFinfo: „Bordell Deutschland“ – abrufbar nur zwischen 22.00 und 6.00 Uhr).

Inzwischen gibt es bereits Erfahrungen mit den praktischen Auswirkungen der neuen Frühsexualisierung, die unsere Bundesregierung aber genauso kalt lassen wie sämtliche wissenschaftlichen Studien über die fatale Wirkung digitaler Medien auf Kinder. Im Deutschlandfunk erfährt man etwa über eine Mainzer Kita, die geschlossen werden musste, nachdem sich Kinder mit sexuellen sadistischen Gewalthandlungen gegenseitig quälten, ihre Kameraden unter Zwang entblößten und ihnen Gegenstände in die Anusöffnungen steckten. Zurück bleibt ein Scherbenhaufen von über 50 schwer traumatisierten Kleinkindern. Michael Huss, Chefarzt der Kinder- und Jugend-Psychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik zögert noch mit der Schlussfolgerung,  ob die fortschrittlichen sexualpädagogischen Materialien wie etwa die „Pimmelpuppe Lutz“, deren Plastikpenis die Kleinkinder in die Vulva einer entsprechenden weiblichen Puppe stecken können, denn etwa womöglich doch „altersunangemessen“ gewesen sein könnten:

„Gar nicht so klassisch jetzt im sexuellen Missbrauchssinn zu verstehen, sondern eher eine stark sexuell getönte sadistische Gewalthandlung, die da zwischen den Kindern vollzogen wurde mit Erpressung, Unterdrückung, Demütigung. Das sind sehr sadistisch gewaltgeprägte Impulse, da muss man tatsächlich davon ausgehen, dass sich die Kinder das mit dieser Tönung nicht selbst ausdenken. Und ob das nun pornografisches Material ist, dem die altersunangemessen ausgesetzt waren, oder ob an ihnen selbst auch sexueller Missbrauch verübt wurde, das sind Spekulationen, aber in diese beiden Richtungen geht natürlich unser denken.“

Auch die Mainzer Staatsanwaltschaft war bei den Ermittlungen in der Kita ratlos und wusste nicht, „wie die Beteiligung von handelnden und betroffenen Kindern zu gewichten ist (…) Wer konkret von den sieben fristlos gekündigten Mitarbeitern und der Leitung als mutmaßliche Beschuldigte in Frage kommt, steht noch nicht fest.“ – am Ende wird es also wieder einmal niemand gewesen sein.

Wenn uns der nukleare Holocaust erspart bleibt, dann dürfen wir uns jedenfalls auf den sexuellen Overkill freuen, in einer Gesellschaft, in der viele Menschen unfähig sein werden für eine wirkliche partnerschaftliche Beziehung, da sie von klein auf dahingehend konditioniert wurden, in ihren Mitmenschen nur ein Lustobjekt für die eigene Triebbefriedigung zu sehen.


Foto: Fetish street festival – CC BY-SA 2.0/Wikimedia commons/Franco Folini

Apokalypse Now

Kommen wir jetzt aber zum Ende. Was soll man denn noch sagen angesichts des politischen Tagesgeschehens und der sich täglich auf Neue übertreffenden Nachrichten über immerzu noch absurderen Wahnsinn, bei dem man sich die Augen reiben muss und sich nicht mehr gewiss ist, ob man nun wacht oder das Ganze nur träumt? Nicht wenige resignieren und meinen, es sei ohnehin vergeblich, sich der mit normalem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbaren Eskalationsdynamik (siehe auch „Die Götterdämmerung 2017 und die kollektive Lust am Untergang“) entgegenzustellen. Ich weigere mich nach wie vor vehement, zu resignieren, denn es bräuchte bloß den Willen, aus der Unterhaltungsnarkose aufzuwachen und der ganze Spuk müsste sich in kurzer Zeit verziehen wie die Auspuffgase eines softwaremanipulierten VW-Motors im Wind.

Der große Trugschluss ist allerdings, dass der Merkel’sche Mummenschanz immerzu so weitergehen könnte. Wir haben nämlich aktuell einen Punkt erreicht, an dem wir auf Messers Schneide stehen. Niemand hätte gedacht, dass dann, wenn das transatlantische Hasardspiel wirklich ans existenziell Eingemachte geht, auf Regierungsebene ein derartiges Aussetzen der Vernunft und des Überlebenstriebes stattfindet. Als notorischer Zweckoptimist würde ich es zwar gerne anders sehen, aber bei nüchterner Betrachtung kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Verhältnisse bereits dermaßen unerträglich und unser soziopolitisch-mediales System durch ein teerartiges Konvolut an Lügen und Manipulationen dermaßen verfilzt und ebenso wie die Gesprächskultur vergiftet ist, dass es naiv wäre, anzunehmen, dass es auf diese Weise noch allzulange weitergehen könnte. Der Breakdown könnte sogar relativ schnell kommen – falls man die Ägide Merkels bzw. Sloterdijks „Lethargokratie“ tatsächlich unbeirrt fortschreiben möchte, dann womöglich schon in den ersten Monaten des kommenden Jahres.

Ich rede nicht leichtfertig von Zusammenbruch, habe mich bisher auch immer gegen schnellfertige Untergangsphantasien gewehrt, aber man muss beim derzeitigen Stand der Dinge kein Hellseher sein, um Schlimmes kommen zu sehen. Selbst ein kurzsichtiger Mensch mit dicker Brille wie ich kann dies bereits absehen. Nicht weil ich in eine Kristallkugel geblickt habe, sondern schlichtweg bereits aufgrund elementarer physikalischer Gesetzmäßigkeiten: Entgegen dem Bekunden der Kanzlerin ist es nämlich nicht möglich, weichen Kuh-Dung 100 Meter hoch zu stapeln. – Auch dann nicht, wenn man diesem Misthaufen als Bindemittel Glyphosat beimischt und unseren Kindern möglichst früh ein Tablet vor den Kopf schnallt und sie zu Neanderdigitalen erzieht. Wenn der bis zur Rotglut erhitzte Motor unseres Wagens kurz vorm Kolbenreiber steht, dann wird es auch nichts nützen, die rot blinkenden Warnlämpchen aus dem Armaturenbrett zu schrauben, indem man Maaslose Maulkorbgesetze erlässt und auf „Verschwörungstheoretiker“ und „Querfrontler“ eindrischt. Das Blinde-Kuh-Spiel der Kanzlerin wird dann nur umso schneller in den Grand Canyon führen.

Unsere letzte Hoffnung: Herkules, Kastalien und die Kleeblattpartei

Trotzdem möchte ich nicht mit dem schwarzen Treibsand der Tagespolitik enden, sondern mit etwas Erbaulichem. Immerhin ist der apokalyptische Reiter Jamaika vorerst am Bundestag vorbeigeritten und wir haben eine Atempause. Der schwarz-grün-gelbe Jamaika-Cocktail wäre zweifellos der endgültige Schierling für unsere ohnehin bereits darniederliegende Kultur gewesen und hätte aus dem ehemaligen Land der Dichter und Denker ein Bassin für Lemuren und Kriechlurche gemacht. Derzeit sind auf der Politbühne zwar noch keine hoffnungsvollen Alternativen zum reinen Wahnsinn ersichtlich, aber wer weiß: vielleicht haben die Bürger im Falle von Neuwahlen ja nun endgültig die Schnauze voll vom Wahnsinn und wählen die Kleeblattpartei. Diese noch nicht gegründete Partei könnte schon nächste Woche die Bühne betreten und müsste eigentlich auf Anhieb auf mindestens 80% der Stimmen kommen, wenn uns unser Überleben lieb ist.

Während meiner Recherchen zum PNAC bin ich zufällig auch auf ein ganz anderes Thema gestoßen, das zunächst off topic erscheint, in Wirklichkeit jedoch aktuell ist wie noch niemals zuvor: Hermann Hesses „Kastalien“. In der ARTE-Doku „Hermann Hesse – Der Weg nach innen“ (siehe YouTube) wird Hesse kurz vor Ausbruch des Weltkriegs mit den Worten zitiert: „Wenn wenigsten die paar denkfähigen Menschen sich zu Vernunft und Friedensliebe bekennten statt blind und besessen auf einen neuen Krieg loszusteuern.“

Am Ende der Hesse-Doku kommt der Schweizer Literaturwissenschaftler Adolf Muschg zu Wort, der uns an „Kastalien“ erinnert, dem Entwurf einer auf dem Geist und nicht auf Macht und Technizismus beruhenden Gesellschaft, wie sie Hesse in seinem Hauptwerk „Das Glasperlenspiel“ skizziert. Im Deutschland von damals war diese Buch, das Hesse später den Nobelpreis einbringen sollte, streng verboten. Die Vorstellung eines an Kastalien orientierten Systems sei laut Adolf Muschg heute wieder von größter Aktualität, an die wir seines Erachtens anknüpfen sollten.


Hermann Hesse (Foto: PD)

Vielleicht würde es uns ja helfen, den Blick vom heillosen Treiben der sogenannten „Realos“ auf der politisch-ökonomischen Bühne loszureißen  und uns stattdessen wieder in Hesses Glasperlenspiel zu vertiefen. Ich kann mich an den Inhalt dieses Buches, das ich als Achtzehnjähriger zum ersten Mal gelesen habe, nur vage erinnern, weiß aber noch, dass Hesse darin, wie eigentlich in allen seinen Werken, auf die Quellen hinweist, die uns als Kindern des mitteleuropäischen Abendlandes eigentlich reichlich fließen, die wir im szientistisch-technokratischen Fortschrittstaumel aber unbedachterweise vergessen und zugeschüttet haben. Stattdessen haben wir uns elektronischen Surrogaten und Illusionen zugewendet, die uns aber nicht nur leer ausgehen lassen, sondern uns sogar sukzessive aushöhlen.

Wenn wir aber fähig sind, in geologisch schwierigem Boden ein Tunnelbau-Mammutprojekt wie Stuttgart 21 durchzuführen, dessen Kosten sich laut neuesten Schätzungen auf bis zu 10 Milliarden Euro auswachsen werden, nun, dann sind wir vielleicht auch fähig, die von Hermann Hesse angedeuteten Quellen wieder freizulegen. Es wird uns zwar gewiss einigen Schweiß kosten, diese Quellen zu erschließen, da ihre Flussrichtung in eine diametral andere Richtung geht, als dies unseren Gehirnwindungen durch Schule, Uni und Medien aufgeprägt wurde, aber wenn wir es schaffen, sie zum Fließen zu bringen, dann können wir dasselbe machen wie seinerzeit Herkules, als er vor der Aufgabe stand, die hoffnungslos verdreckten Ställe des Königs von Augias auszumisten. Was für Menschenhand schier unmöglich erschien, hat Herkules schließlich dadurch bewältigt, indem er einen kräftigen Fluss in die Ställe umgeleitet und sie dadurch saubergespült hat.

Nachsatz:

Wie schon erwähnt, war Hermann Hesses Glasperlenspiel  in Deutschland seinerzeit streng verboten. Merkels Massmännchen hätten das Werk auch heute zweifellos wieder auf die Indexliste gesetzt, besitzt es doch eindeutig wehrmachtzersetzende Wirkung. Die Gefahr, dass solche Bücher in größerem Umfang gelesen werden, wurde durch die oben ausgeführte Politagenda mit frühkindlicher Digitalisierung und Animalisierung jedoch bereits wirkungsvoll eingedämmt. Dschungelcamp, Heidi Klums Grinsekatzenshow und 24h-Nonstop-Entertainment leisten diesbezüglich ganze Arbeit. Das darf uns jedoch nicht entmutigen, sondern soll uns nur noch mehr anspornen. Denn im Gegensatz zu früheren Generationen können wir uns heute nicht mehr auf die kommende Generation verlassen, die den Dingen eine Wende geben wird und die alte, unbrauchbare Strukturen durch neue, menschenwürdige ersetzt – ihr wird schlichtweg die Substanz dazu fehlen. Wir können diese Aufgabe also nicht so wie die Staatsschulden einfach der kommenden Generation aufbürden, sondern wir müssen sie jetzt selbst bewerkstelligen (siehe auch Edward Snowden: „Niemand wird Dich retten – Sei Dein eigener Held!“).

Das soll uns jetzt aber nicht unnötig Stress machen. Denn auch wenn es natürlich notwendig ist, dass wir durch Wachheit und rege Beteiligung am aktuellen Diskurs dazu beitragen, das Schlimmste zu verhindern, so muss man die Situation doch so realistisch sehen, dass das etablierte politisch-ökonomisch-mediale System eigentlich kaum reformierbar ist und es daher auch nicht unbedingt sinnvoll ist, sich durch politischen Aktivismus allzusehr zu verausgaben. Dazu hat dieses System bereit vielzuviel Masse akkumuliert und besitzt nun ähnlich wie ein schwarzes Loch eine gewaltige Gravitationskraft, die geneigt ist, alles zu verschlingen. Das schwarze Loch agiert hier vollkommen indifferent: Konstruktives wird ebenso in einem bodenlosen Nichts verschlungen wie Destruktives.

Auch wenn unser Aktionsradius also momentan scheinbar gering ist, so können wir trotzdem etwas außerordentlich Wichtiges tun: wir können ein paar Samen für die Zukunft säen. – Denn dass es in Zukunft solche Samen gibt, darauf wird es ankommen, auch wenn die aktuelle Zeit – zumindest was die makropolitische Ebene betrifft – relativ verloren erscheint. Gibt es zumindest ein paar solcher Samen, dann kann man sie gießen und wieder zum Blühen bringen. Wenn man seinen Samen aufbewahrt, dann kann man sogar einen Mammutbrotbaum durch eine Eiszeit bringen und ihn später wiedererstehen lassen. Vielleicht ist das Kultivieren winziger Samen mit umso höherer Qualität heute daher sogar als weitaus wichtiger zu erachten als das, was sich auf der großen Polit- und Wirtschaftsbühne abspielt, auf die gerade alle Scheinwerfer und Kameras gerichtet sind. Lassen wir also den Mut nicht sinken und verausgaben wir uns nicht allzusehr für die relativ heillose Gegenwart bzw. für ein eigentlich kaputtes System, sondern arbeiten wir für die Zukunft … und kultivieren wir zumindest ein paar winzig erscheinende Samen – ich denke, das sind wir unseren Kindern schuldig. Und in Wirklichkeit hilft das Samen-Erzeugen nicht nur der Zukunft, sondern auch einem selbst: Es bewahrt vor der Großen Depression, die laut WHO-Prognose auf uns zukommt.

Wie man solche Samen erzeugt? – Nun, jedes konstruktive Wort, jeder konstruktive Gedanke, der nicht auf dem egoistischen Nutzprinzip und auf nackten Tatsachen beruht, sondern aus dem Reich humanistischer Poesie wie eben z.B. Hesses Glasperlenspiel geschöpft ist, IST bereits ein solcher Same. In Wirklichkeit sind genau diese Samen die einzige wirkliche Revolution und gewissermaßen der Sand im Getriebe, der das von Jean Ziegler als „kannibalische Weltordnung“ bezeichnete System in Zukunft einmal überwinden wird.

Die Regierung Deutschlands – Staatsfeind Nr. 1

Digital StillCamera

Donnerstag, 7.5.2015. Eifel. Heute morgen lag eine Geschichte auf dem Schreibtisch, die zornig macht. Ein deutsches Schicksal:

„Ich bin gelernte Kauffrau im Einzelhandel und arbeite in einer Baeckerei. Seit Januar bekomme ich diesen Mindestlohn( vorher 7,80). Gerade suchte ich einen Lohnschein vom letzten Jahr und musste dabei entsetzt erkennen, dass damals bei 110h Netto 757,00 bekam. Nun mit Mindestlohn bei 110h nur noch 748,00 Netto??!!!!! Na toll ich danke den Steuern.

Ich habe drei Jahre gelernt bin nun fast 40, habe bis auf ein Erziehungsjahr und ein Jahr Hartz4( da hatte ich mehr Geld wie sonst) durchgearbeitet. Meine Arbeitskraft war wichtig, nicht das ich mich weiterbilde oder qualifiziere. Die Quittung habe ich nun. Von meinem Gehalt bezahlen wir die Miete, das war es. Ich kann mir privat auch keine Wieterbildung finanzieren.

Also werde ich weiter arbeiten für nichts am Ende des Monats und aus diesem Kreislauf nie rauskommen. Ergaenzendes Hartz4, das immer falsch berechnet wird, meistens muss ich noch zurückzahlen, obwohl es schon wenig ist. Meine Kinder werde ich weiterhin unter der Woche bei Oma und Opa „parken“, da ich ja Schicht arbeite und morgens um fünf beginne und im Spaetdienst bis 21.00. Sie gleiten mir jetzt schon aus den Haenden. Zusaetzlich arbeite ich ja noch taeglich eine Stunde umsonst, da mein Chef nur die reinen Öffnungszeiten entlohnt, nicht aber Vor( alles backen, Tresen einraeumen) und Nacharbeiten( alles ausraeumen und putzen).

Klar ich kann mich woanders bewerben, habe ich, aber mit zwei Kindergartenkindern steht man gleich aussen vor…

Oder aber ich lande komplett beim Jobcenter, dann habe ich mehr Geld und gebe auch keine 200 Euro Benzinkosten aus um zur Arbeit zu kommen, habe meine Kinder wieder bei mir und erspaere mir laestige Nachberechnungen meiner mickrigen Lohnnachweise.

Schlage mich nicht mehr mit schlecht gelaunten Kunden rum, aerger mich nicht über die linken Anweisungen meines Chefs und über nicht 4 Jobs( Verkaeuferin, Bürohilfe, Putzfrau und Baeckerin) gleichzeitig aus.

Ich stehe mittlerweile am Rande eines Burnouts und wenn ich dann höre ich könnte ja über Qualifizierung den 8,50 entkommen, kann ich nur noch sarkastisch werden.“

Diese Frau ist der Souverän Deutschlands. Sein Herrscher. Wieviel Zeit bleibt eigentlich bei einem solchen Leben für hinreichende politische Bildung, um bei einer Wahl differenzierter und beusster zu wählen – anstatt nur zwischen GrokoC und GrokoS – wobei letzteres (SPD) aufgrund von gezieltem Wählerverrat immer seltener vorkommt und deshalb gerade Tochterfirma von GrokoC (für Cdu/Csu) ist. Wieviel Kraft und Muße bleibt da eigentlich für die Schaffung eines günstigen Lebensumfeldes für die eigenen Kinder, um sie auf eine Welt vorzubereiten, die beständig Höchstleistung zu Niedrigstlöhnen fordert und gnadenlos alles für schwach gehaltene aussortiert? Wieviel Zeit – und vor allem: Muße – bleibt für die Ausgestaltung des eigenen Charakters durch Literatur, Musik und Malerei, wieviel Zeit für die Optimierung der eigenen Fähigkeiten und die selbstbestimmte Zukunftsplanung … und wieviel Kraft für die Inanspruchnahme der Herrschaftswürde, die dem Souverän zusteht.

Die Antwort auf die Frage ist einfach: KEINE.

Ein Schicksal, dass für Millionen Deutscher steht, für Menschen, die aufgrund gesetzlich geschaffener Rahmenbedingungen in einen sozialen Abgrund gestoßen werden, um die Gelüste und Launen einer weit im Verborgenen arbeitenden Elite zu befriedigen, einer sich selbst in höchsten Tönen lobenden Elite, die nur eins im Sinn hat: die Entmachtung des Souveräns mit allen Mitteln wirtschaftlicher, medialer und politischer Macht.

Dabei hat der Souverän sich extra einige Instrumente geschaffen, um sich vor der Rückkehr des Feudalismus, vor dem wieder Aufblühen der „Bessermenschen“ zu schützen, er schuf die Bundeswehr, die Polizei, die Gerichte, die Verwaltungen in Gemeinde, Land und Republik, die ein Auge auf die großen Strukturen haben sollten um – mit der Macht von 80 Millionen Menschen ausgestattet – für den ruhigen, sicheren, geborgenen Ablauf des Alltags zu sorgen. Diese Regierung sollte dafür sorgen, dass sich keine Macht im Staate bildet, die wieder anfängt, andere mit List und Tücke hereinzulegen, sich auf unfaire Art und Weise Vorteile zu verschaffen, um als Einzelpersonen mehr Macht auszuüben, als ihnen in einem demokratischen System zusteht.

Bis gestern hätte ich noch gesagt: da hat die aber ordentlich versagt, die Regierung. Selbst in Berlin wird man überrascht sein, dass die Kaste der Superreichen (die es im Prinzip in einer reinen Demokratie gar nicht geben darf: ihre wirtschaftliche Macht ist zu groß, als dass man sie wirken lassen dürfte) noch viel reicher ist als angenommen (siehe Süddeutsche), wenige Monate später durfte man in der Welt nachlesen, dass Deutschland im Prinzip von ein paar Familiendynastien beherrscht wird: das Mittelalter war zurückgekommen (siehe Welt). Völlig regungslos – und folgenlos – blieb das Ergebnis einer Studie, die besagte, dass 60 % der Deutschen die realpolitischen Zustände in der Deutschen Schein-Demokratie richtig erkannt haben und sich nicht mehr den Predigten der politischen Kaste beugen (siehe Handelsblatt):

„Einer Studie zufolge glauben mehr als 60 Prozent der Bürger, dass in Deutschland keine echte Demokratie herrscht. Schuld sei der starke Einfluss der Wirtschaft auf die Politik, die mehr zu sagen habe als der Wähler.“

Eine solche Studie hätte vor dreissig Jahren noch alle demokratischen Kräfte in dem Land wachgerufen, Massenstreiks währen die Folge gewesen …. doch stattdessen herrscht eine tödliche Ruhe im Land – wie in jeder Diktatur. Es wäre die Aufgabe der Regierung gewesen sofort – ohne auch nur einen Moment zu zögern – den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik auszumerzen, die Freundschaft der Kanzlerin mit der Wirtschaftselite und den Medienmogulinnen umgehend zu beenden und die Glaubwürdigkeit des demokratischen Rechtsstaates wieder her zu stellen, doch was geschah stattdessen? Sie beschützten die Lobbyisten, die Agenten der Wirtschaftsmacht und hießen ihre Geschenke doppelt und dreifach wilkommen (siehe Süddeutsche).

Das – ist nicht mehr nur als Versagen zu deuten, da hatte sich schon ein erstaunliches Ausmaß an krimineller Energie offenbart – ähnlich dem, als ein deutscher Bundeskanzler es wagte und wagen konnte, sich öffentlich und offen gegen das demokratische System zu stellen und sich lieber als Büttel einer anonymen Geldgeberkaste zu produzieren: das war wohl der Moment, wo man am deutlichsten sehen konnte, auf welcher Seite die Regierung im Notfall wirklich steht: auf der Seite „anonymer Geldgeber“, die sich politische Macht einfach kaufen – mit großem Einsatz von Geldmitteln.

Der kleine Mann hingegen … der HERRSCHER DES LANDES … wird zunehmend enteignet, zuerst durch die völlige Auslöschung der Arbeitslosenhilfe und der Überstellung der Arbeitslosen in ein System, dass ihn durch Einschränkung der Bürgerrechte nach der kompletten Vernichtung seines mühevoll angesparten Vermögens zum völlig abhängigen, vogelfreien Habenichts machte (unter fleißiger Mitarbeit der bezahlten Schreiberlinge jener Mogulinnen, die beste Freundinnen der Bundeskanzlerin sind), zum Paria, zum Ausgestoßenen: einem Schicksal, dass in Deutschland jedem droht, der nicht von den Banken mit einem leistungslosen Grundeinkommen in Millionenhöhe ausgestattet wird. Und dann sorgt die Zinspolitik der EZB dafür, dass „Vermögensbildung“ für die niederen Schichten (das sind die, die noch hinreichend Arbeitsersatzleistungen in Form von „Beschäftigungsverhältnissen“ ergattern konnten) unmöglich wird: „Deutschlands Sparer steuern auf eine Katastrophe zu“ – so warnt das Handelsblatt (siehe Handelsblatt) vor einem Zustand, der nichts weiter bedeutet als die kalten Enteignung breitester Schichten der Bevölkerung durch Vernichtung ihrer Sparvermögen, für die man derzeit sogar mit Negativzinsen experimentiert – allen voran die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (siehe Wiwo): der Souverän – schon durch den Teuro arg gebeutelt – wird wirtschaftlich  komplett entmachtet.

Glauben Sie, dass trifft nur Arme? Schauen Sie mal in den Spiegel (nein, nicht in die Zeitung) oder lauschen Sie den Worten eines Topmanagers von IBM, Professor Gunter Dueck (siehe Omnisophie)

„So etwa bis 1990 arbeiteten wir echt nur 35 Stunden und hatten es gemütlich dabei. Heute arbeiten wir ungemütlich stressig unsere bald 50 Stunden und mehr und leisten in dieser Zeit wie früher in 70 Stunden. Da haben wir unseren Output doch fast verdoppelt? Bekommen wir mehr Geld? Nein, nur die Inflation wird ausgeglichen.“

Da sprechen wir jetzt über die Elite der Deutschen … die ebenso wenig Zeit haben wie die durch staatliche Weisung zum „Prekariat“ verdammten – aber mit einem viel größeren Auto aus einem viel größeren Heim zu ihrem viel größerem Arbeitsplatz fahren dürfen. Man merkt, warum das Wort „Lebensqualität“ in Deutschland kaum noch in den Mund genommen wird.

Harte Fakten – bei denen man bislang immer noch … bei äußert wohlmeinender Auslegung der Phänomene der politischen Kultur … von Versagen sprechen konnte.

Doch das ist seit gestern vorbei.

Seit gestern wird man sich den nackten Tatsachen stellen müssen, dass die Regierung – oder besser gesagt: der mafiöse Filz zwischen Wirtschaft und Regierung – zum Staatsfeind Nr. 1 geworden ist – ohne dass man diese jetzt dringend notwendige Formulierung in den Medien der Superreichen wiederfinden wird.

Was ist geschehen?

Das, was Professor Gunter Dueck als logische Konsequen betriebswirtschaftlichen Renditewahns in dem oben zitierten Artikel treffend beschrieben hat:

„Wir arbeiten mehr, verdienen eher weniger, die Produkte werden auf Mindestqualität heruntergedimmt.“ 

Diese „Mindesqualität“ als „Maximalleistung“ zur Maximierung der Profite von Superreichen hat nun auch die Bundeswehr erreicht – das neue Wundergewehr G 36 schießt nur noch daneben, wenn es mal für längere Zeit benutzt wird – was viele ärgert, weil weite Kreise der deutschen Elite einen neuen Krieg und neue Einsätze in Kolonien sehnsüchtig herbeiwünschen: da braucht man schon ein tüchtiges Schießgewehr.

Die produzierende Firma – Heckler und Koch, auch schon mal als „tödlichste Firma Deutschlands“ bezeichnet – mit seltsamen Geschäftsgebahren der privaten Inhaber (siehe Wiwo), verstörenden Geschäftskontakten zu privaten Söldnerhaufen (siehe Report Mainz) und fast schon zu erwartenden Korruptionsvorwürfen (siehe Report Mainz) – stört diese Ramschflinte nicht sonderlich, ihre Eigentümer wissen, wie man die Klaviatur der Macht in Deutschland bedient und gehen virtous mit ihr um (siehe Spiegel):

Geheime Akten über das G36 beschreiben eine brisante Kumpanei: Verteidigungsministerium und Hersteller wollten den Geheimdienst MAD dazu bringen, negative Berichte über das Bundeswehrgewehr zu verhindern. Im Visier waren auch Journalisten von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE.

Das ging selbst dem feudalsystemtreuen SPIEGEL zu weit: er veröffentlichte die Verschwörung zwischen Regierung und Hersteller und den gescheiterten Versuch der Regierung, den Militärischen Abschirmdienst zum Einsatz gegen deutsche Medien zu instrumentalisieren.

Wären wir nicht so „beschäftigt“ damit, dem Sklavendasein (so Prof. Dueck, siehe oben) zu entkommen, wüßten wir, was sich da offenbart hat:

Die Regierung ist Staatsfeind Nr. 1 geworden.

Mit welcher arroganten Selbstverständlichkeit die Geheimdienste des Souveräns als Privatarmee einer im Dunste der Kumpanei agierenden Netzwerkmafia als Waffe gegen ihn angesetzt werden sollte, läßt keine andere Formulierung zu. Die Degenerierung einer politischen Kaste bzw. der Funktionselite des Staates zu einer Bande von Elitelumpen hat damit ein Ausmaß erreicht, wie es sich wohl kühnste Verschwörungstheoretiker (oder die investigativen Journalisten des SPIEGEL) sich nicht vorzustellen vermochten – als ob die Erkenntnis, dass unser Nachrichtendienst nicht mehr unser Nachrichtendienst sondern nur noch die outgesorcte Tochter eines fremden Staates ist nicht ausreichte, zu erkennen, dass Regierungsstrukturen sich zunehmend als Feind des Bürgers – des Souveräns – erweisen: als Feind seiner bürgerlichen Rechte, als Feind seiner wirtschaftlichen Souveränität und nun auch als Feind seiner Aufgeklärtheit.

Es ist Zeit für solch´ deutlichen – anklagenden – Worte, denn wenn die Entwicklung so weiter geht, dann werden wir von dem nächsten Versuch der Einflussnahme gar nichts mehr erfahren. Es waren Beamte des MAD, die sich diesmal noch erfolgreich gegen die Einflussnahme gewehrt haben, dabei eher ihrem Diensteid als ihrem Geldbeutel gehorchend, es waren Redakteure des SPIEGEL, die gemerkt haben, dass die Entwicklung nun auch für sie „brisant“ wird.

Knicken diese Stellen das nächste Mal ein, müssen wir damit rechnen, das eine US-Söldnerfirma über ihre „strategische Zusammenarbeit“ mit Heckler und Koch den MAD gegen Journalisten in Deutschland ins Feld schicken kann – und da ist es verantwortungslos, nur von Versagen zu sprechen: das Entstehen dieser glatt laufenden Strukturen kann man nur verhindern, in dem man klare Worte spricht, sind sie erstmal etablabiert, wird aus der schleichenden wirtschaftlichen Dikatur schnell eine offen politische Diktatur.

2015 ist die deutsche Bundesregierung Staatsfeind Nr. 1, direkt verantwortlich für den Niedergang der Lebensqualität der Mehrheit der Bevölkerung, für die Entrechtung breiter, zuvor enteigneter Schichten unserer Mitbürger, für die Vorbereitung von Kriegen gegen europäische Nachbarländer (wir berichteten) und für die geheime Übergabe der Regierungsmacht an ominöse private Kreise.

Wird Zeit, dass Frau Merkel einschreitet und von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch macht … falls ihre superreichen Freundinnen sie nicht eines Besseren belehren.

Was konkret zu tun wäre?

Beförderung jener MAD-Mitarbeiter, die sich den Übergrifflichkeiten in den Weg stellten, Verhaftung der degenerierten Regierungsbeamten wegen Hochverrat und Verstaatlichung des übergrifflichen Privatunternehmens, dem man deutlich seine Grenzen aufzeigen muss.

Ein Putin kann so etwas, habe ich gehört.

Und dann gilt es ein Deutschland wieder herzurichten, in dem Mütter noch Zeit für ihre Kinder hatten, die 35 Stunden-Woche einem Luft zum Leben lies und Arbeit sich noch finanziell lohnte, ein Deutschland, in dem die Regierung DIENER des Volkes war … und nicht selbstherrlicher Regent.

Frau Merkel: das ist IHR Job, dafür werden sie bezahlt.

Und was bleibt uns Bürgern übrig – angesichts dieser sich krebsartig ausbreitenden mafiösen Strukturen in unsere Verwaltung?

Beten. Beten, dass die Zahl verfassungstreuer Beamter in den verwaltenden Organen unsere Landes noch größer ist als die Zahl der Mafiabüttel. Und die Erkenntnis, dass für die Wahrung der deutschen Demokratie auf der Basis jener Verfassung, die dem deutschen Volk geschenkt wurde, noch eine Menge Arbeit nötig ist.

Arbeit … und der eine oder andere Streik.

Politische Arbeit … für die uns jene, die die Sklaverei asiatischer Wanderarbeiter nach Europa importieren (siehe Artikel von Professor Dueck), kaum noch Zeit lassen wollen.

 

 

 

Nationalsozialismus – das alternativlose politische System der Zukunft? Über NS 2.0.

Nationalsozialismus - das alternativlose politische System der Zukunft? Über NS 2.0.

Freitag, 6.12.2013. Eifel. Ich rechne nicht groß damit, dass diese Zeilen jetzt jemand lesen wird – in der Überschrift steht ein deutsches Tabuwort. Nein, nicht das Wort an und für sich ist tabu, sondern die Beschäftigung mit dem Thema. Die NS-Zeit wurde in Deutschland als Unfall verbucht und zu den Akten gelegt. Was wissen wir darüber? Es gab einen Führer – Hitler – der von der Vorsehung geschickt wurde, um das deutsche Volk zu erlösen: eine gelungene Kopie des christlichen Erlösermythos, aber endlich mal ein Erlöser mit robustem Mandat, der die bösen Menschen effektiv in die Schranken weist. Viele Tierversuchsgegner haben ihn gewählt, weil er so tierlieb war.

Was wissen wir noch? Er hat durch seinen Überfall auf Polen einen Krieg angezettelt, das größte Menschenschlachten der Weltgeschichte. Na – mal aufzeigen: wer weiß noch, dass Polen zum gleichen Zeitpunkt im Osten von Russland angegriffen wurde? Wird nicht so oft diskutiert, passt nicht ins Erklärungsschema der Siegermächte, die seltsamerweise im Rahmen ihres Bündnisses mit Polen nur Hitler den Krieg erklärten – nicht aber der mächtigen Sowjetunion. Hatte man wohl einfach vergessen – oder hoffte, man würde den Krieg gegen Deutschland schnell gewinnen. Ich fand: für werteorientierte Demokratien waren solche Entscheidungen sehr seltsam. Für die kapitalistischen Kreise waren sie allerdings schon recht nützlich, erst recht, als Hitler – wie in Mein Kampf versprochen – die Sowjetunion angriff, mit der er eigentlich verbündet war. Auch so eine seltsame Entscheidung, die die Generalität verzweifeln lies: der Zwei-Fronten-Krieg war nicht zu gewinnen – auch nicht für eine solch leistungsfähige Industrie, die bis zum Ende des Krieges (trotz Bombenangriffen, die hauptsächlich die Zivilbevölkerung trafen) immer mehr Waffen produziert hat, die immer schneller vernichtet wurden (siehe weltkrieg.2).

Was noch? Nun – er hat die Juden ermordet. Millionenfach. Kürzlich wurden mir neue Zahlen angeboten (deutlich weniger): ich habe dankend abgelehnt. Ich kenne den Alltag im Dritten Reich durch viele Erzählungen aus der Familie – das reicht mir.  Selbst wenn nie ein Jude im Gas gestorben ist: diese Zeit war auch so grauenvoll. Wer nicht mitmarschierte, wurde abgeholt. Manche gingen ins KZ, manche kamen ziemlich ramponiert wieder, andere verschwanden für immer – und man durfte nicht drüber reden, sonst wurde man selber abgeholt.

Was wir nicht wissen? So gut wie gar nichts. Wir wissen alles über diese Zeit, sie ist exzellent dokumentiert. Wir dürfen nur nicht darüber reden. Erinnert an früher. Eine Folge der Weltraumkomödie „Star Trek“ wurde in Deutschland verboten, weil ein Mister Spock sich positiv über die Arbeitsleistung des Volkes unter Hitler ausgesprochen hatte. Heute freuen wir uns wirklich über die Arbeitsleistung, beständig werden neue Rekordzahlen an Beschäftigten verkündet – verschwiegen wird, dass sie immer wenigern verdienen und der Konsum in Folge in Zehn Jahren um 15 % eingebrochen ist, was man mühsam mit massiven Preissteigerungen vertuscht, damit wenigstens die Bruttozahlen beim Binnenkonsum steigen.

Wir wissen, dass Adolf Hitler Förderer hatte: die Thule Gesellschaft, ein illustrer Kreis, der bei der Nominierung des Führerkandidaten einen enormen Einfluss hatte. Sie brachten auch das Hakenkreuz in die Bewegung ein.

Auch hierüber dürfen wir nicht mehr reden. Hitler ist – so unser Schulwissen – vom Himmel gefallen und konnte aufgrund seiner brillanten Reden das ganze dumme Volk verführen.

Andere Beobachtungen dürfen wir nicht diskutieren, andere Perspektiven werden gar nicht erwogen. Folgt man den staatlich legitimierten Auslegungen der Geschichte (die immer und überall von den Siegern der Schlachten geschrieben wird), handelt es sich hier nur um einen dummen Unfall der Geschichte, der nur mit Deutschen funktioniert und über den man am Besten gar nicht spricht.

Das hier eine Religion praktiziert wurde, wird überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Das es Hintermänner gab, die gezielt nach einer Gestalt suchten, die die verbale Kraft hatte, die Rolle des Erlösers glaubhaft zu spielen, auch nicht. Woher der kleine, unbedeutende Gefreite und verhinderter Aktmaler überhaupt seine rhetorische Kraft bekam, wird ebenfalls nicht weiter hinterfragt. Es wird eine Interpretationsschablone genommen und die Geschichte wird mit aller Kraft hineingepresst – und wehe, man zweifelt daran: sofort ist man selbst ein Nazi.

Nun – ich zweifle nicht an der offiziell erzählten Geschichte. Ich habe nur gelegentlich einen anderen Rahmen – hier einen religiösen. Wo uns eine Vorsehung einen Führer zur Erlösung des deutschen Volkes schickt, ist religiöser Glaube am Werk, ein Glaube, der geschickt aufgebaut wurde. Hier waren Profis am Werk, die die Gestalt eines Erlösers – nach alten mythischen Mustern – fabrizierten, der das tat, was er wie alle vor ihm tun mußte: den Heldentod sterben, sich opfern für seine Idee, damit sie glaubhaft wird.

Hat – so gesehen – perfekt funktioniert.

So erklärt sich, wie selbst heute noch gebildetet Menschen der Faszination des „Vorsehungssohnes“ erliegen können – sogar … wie im Dritten Reich oft erfahren … seine politischen Gegner.

Es ist schlimm, dass wir so wenig über die Zeit reden – so können wir auch nichts aus ihr lernen, ihre Bedeutung nicht vollständig erfassen und ihre Warnungen nicht verstehen, ja, wir verbieten sogar amerikanische Filme, die zum Nachdenken anregen könnten.

Das dieses System eine Höchstleistung aus Arbeitern und Angestellten herausgepreßt hatte, war nicht unbemerkt geblieben. Die Methode war denkbar einfach: Arbeitslosigkeit wurde als Straftat, noch besser: als Sünde darstellt, als Sünde am Volk, das gerade dicht davor war, erlöst zu werden. Eine Einheitspartei, die viele moderne gesellschaftliche Strömungen in sich vereinte (auch – neben vielen anderen – Nudisten und Vegetarier, denen man Judenmord auf den ersten Blick gar nicht zutrauen würde), die eine Zukunft versprach neben den versagenden Systemen Kommunismus und Kapitalismus, eine Zukunft, in der jeder ein Auto und ein Radio bekam.

Dazu gab es die absolute Kontrolle: die Partei war überall präsent. Presse, Behörde, Polizei, Schule, Regierung – ein Staat im Staate mit eigenen Sicherheitskräften. Undenkbar sollte werden, dass die Bürger sich ohne Aufsicht des örtlichen Priesters – Entschuldigung – Gauleiters – über ihre eigenen Ansichten austauschten, was zu glauben war, wurde über das Radio mitgeteilt. Wer anderes als das erlaubte Radio hörte, wurde verhaftet und verschwand für immer. Die große Koalition der Bessermenschen duldete keine Kritik: das geht bei Gut- und Bessermenschen ja auch schon vom Prinzip her nicht – kritisiert man „Gute“ kann man ja selbst nur „Böse“ sein, das ist zwingend logisch; und mit Bösen sollte man besser nicht reden, das bringt sowieso nichts.

Merke ich jeden Tag.

Ich rede oft über den Nationalsozialismus, weil ich ihn für die große kopernikanische Wende in der Menschheitsgeschichte halte: für die konsequente Umwertung aller Werte, die das Christentum mit Mühe aufgebaut hat, für die Vernichtung aller Werte, die die Aufklärung sich in mühsamen Diskurs erarbeitet hatte, für einen groß angelegten Versuch, die Wertedebatte der Menschheit ein für alle mal zu vernichten: der Gegenschlag der Aristokratie, die Rache der Entmachteten. Sie haben auch nicht verloren – sie haben gewonnen. Im vom Krieg geschundenen Deutschland gelang es  – wie in einem riesigen Feldversuch – jenen Strukturen Leben zu schenken, die ansonsten in „Schöne neue Welt“ oder – später – in „1984“ als Horrorvisionen in der Literatur erschienen.

Er hat alle Träume einer besseren Welt durch Aufklärung, Bildung und Demokratie zunichte gemacht – mit einem großen Schlag.

Der Mensch – zuvor noch Gottes Ebenbild – wurde zur bösen Masse, die nur durch vom Vorsehungsgott auserwählte Bessermenschen in Zaum gehalten werden konnte. Er wurde – wie schon zuvor zu Zeiten des Adels – in Kategorien der Nützlichkeit gemessen und im Rahmen der vorherrschenden Philosophie der organisierten Vernichtung zugeführt, wenn seine Rendite zu  niedrig war.  Alle schauen immer auf die Juden, die Hitlers Wahn und dem in Europa immer gern gesehenen Antisemitismus zum Opfer gefallen waren – dabei fallen die anderen völlig heraus: die Aktion T4 keine Kleinigkeit, der brutale Kampf gegen kranke Menschen begann schon 1933 mit dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das 400 000 Zwangssterilisierungen nach sich zog.

Instrument dazu war „die Partei“ – ein Politikkonzern, gegliedert und mit eindeutigen Emblemen versehen wie alle modernen Konzerne. Faschismus sei die opitmale Kooperation von Konzernmacht und politischer Macht,habe ich mal gehört. Vielleicht ist aber „Partei“ nur ein Ableger von Konzernmacht zur Kontrolle der Bevölkerung?

Natürlich wird es keinen neuen Hitler geben: der ist tot und hat seinen Zweck erfüllt. Es wird auch keine neue NSDAP geben – so blöd sind wir nicht. Die haben wir sofort verboten – und viele glauben, damit ist der Faschismus ein für alle mal aus der Welt.

Dabei haben wir schon wieder eine zentral gesteuerte Bewegung, die Arbeitslosigkeit als Sünde begreift. Wir haben Parteien, die durch „Fraktionszwang“ im Bundestag die einst so wichtige Unabhängigkeit der Abgeordneten gezielt aushebeln und so die Macht im Staate nur einer Hand voll Politikdarstellern überläßt, die schalten und walten können wie sie wollen – sogar völlig gegen ihre eigenen Wahlaussagen.

Damit nicht genug. Im europäischen Rahmen erdulden wir, dass ungewählte Kommissare (mit superguten Absichten) bis in unser Wohnzimmer hineinregieren und bestimmen, welche Glühbirne dort hängt, wie krumm die Gurke ist und wie viel Salz im Brot sein darf: diese Macht hätte den Führer glücklich gemacht. Demokratien sind da eigentlich toleranter, vielfältiger, bunter. Manche Dinge erreichen uns allerdings so gut wie gar nicht, siehe Telegraph:

Exclusive: Essex social services have obtained a court order against a woman that allowed her to be forcibly sedated and for her child to be taken from her womb by caesarean section

Dürfen wir eigentlich Arbeitlosen erlauben, sich hemmungslos zu vermehren? Wie viel Sozialromantik kann der Staat eigentlich finanzieren?

Wissen Sie eigentlich, dass der Nationalsozialismus durch den inflationären Gebrauch des Begriffes Sozialromantik schon wieder einen Stiefel in der Tür der Gesellschaft hat – für eine neue Aktion T4?.

Wussten Sie, dass Hitler die Aktion T 4 aufgrund kirchlichen Protestes abbrechen lies – und zwar auf dem Höhepunkt seiner Macht?

Was hat man daraus gelernt?

Für die Errichtung des perfekten feudalkapitalistischen Gesellschaftssystem (das wir jetzt zum Zwecke der Warnung „Nationalsozialistisch“ nennen, weil der Feudalismus durch „Goldene Blätter“ tagtäglich enorm verharmlost wird) müssen die Kirche eliminiert werden, ein gezielter Atheismus ist da unvermeidbar, sonst kann man die Sozialromantik nicht ausrotten. Damit die Aktion T4 weiterlaufen kann, brauchen wir ein besonderes Weltbild – das eine private Stiftung den Mächtigen der Republik bei den Salzburger Festspielen erklärt, siehe Giordano-Bruno-Stiftung:

So wissen wir heute, dass das „Ich“, das uns so ungeheuer wichtig erscheint, bloß ein virtuelles Theaterstück ist, das von einem blumenkohlförmigen Organ in unseren Köpfen inszeniert wird. Diese Inszenierung ist so überzeugend, weil sie sich im Verlauf der Evolution als nützliches Instrument für das Überleben des Individuums in komplexen Gruppen erweisen hat, weshalb es kein Wunder ist, dass das, was wir unser „Ich“ nennen,  wesentlich durch die Zuschreibungen der Gruppe bestimmt ist, in der wir leben.

Gibt es kein Ich, gibt es keine Menschenwürde, die es zu schützen gilt. Gibt es keine Menschenwürde, gibt es keinen Grund, die unnützen Esser weiter durchzufüttern. Ist ja auch nicht weiter schlimm, so der Redner weiter, weil wir unsere Atome ja ewig existieren. Aber die Gruppe, die bestimmt unser Ich. Wie die Partei.

So wird langsam, Baustein für Baustein, das alte System neu errichet – diesmal aber größer, perfekter, tödlicher. Das nächste Mal fangen wir mit ganz Europa an – oder vielleicht sogar der ganzen Welt.

Wir geben dem Volk „Nationales“ – mit „Fussball“ als Ersatz für Politik und Religion. Wir geben ihnen was „Soziales“ – das unbeschreibliche Gefühl, Mitglied der Gemeinschaft zu sein, die den Exportweltmeisters stellt.

Und hinten herum basteln wir an NS 2.0, wo die Partei das Volk im Namen der Lobbyisten völlig im Griff hat. Wer nicht gehorcht, wird nicht mehr abgeholt, sondern einfach entlassen. Die Pathologisierungsmaschine der Jobcenter besorgen den Rest – bis der Mann zerrüttet in der Anstalt sitzt.

Zu weit hergeholt?

Es gibt sogar eine weltweit tätige Verschwörergruppe, die gezielt an den notwenidgen geisten Grundlagen des Systems arbeitet: die „Brights“, die den hellen, blonden Arier ersetzen. Erstmal führen sie einen Kampf gegen die „Religioten“, damit niemand die nächste Aktion T 4 vermasselt. Einfach mal nachlesen: in einhundert Jahren – nach den Aktionen T5, T6 und T7 – wird man diese offenen Worte mit anderen Augen lesen, hier die Ziele dieses Kampfbundes, zu finden auf ihrer eigenen Website:

  1. Das Verständnis und die gesellschaftliche Anerkennung des naturalistischen Weltbilds, das frei von übernatürlichen und mystischen Elementen ist, zu fördern.
  2. Die öffentliche Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass Personen mit einem solchen Weltbild wichtige gesellschaftliche Entscheidungen mit positiven Aktionen beeinflussen können.
  3. Die Gesellschaft dazu zu bewegen, dass sie die vollständige und gleichberechtigte Teilhabe solcher Individuen eintritt

Ein offenes Programm seelischer Arier zur Machtergreifung – und keinen störts.

Sucht man den Grund dafür, warum eine aufgeklärte grüne Bewegung wie in Deutschland auf einmal Bomben auf Zivilisten wirft, Renten streicht, Märkte dereguliert oder Arbeitslose kriminalisiert, so wird man hier fündig.

Natürlich sind diese Bewegungen immer „gut“. Der Nationalsozialismus war auch „gut“ – nach eigenen Aussagen. Schaut man genauer hin, so sieht man, wie perfekt der Naturalismus in die Ideologie des NS-Staates passt – und von diesem auch befördert wurde.

Der Naturalismus ist die Auffassung, dass die Welt als rein naturhaftes Geschehen zu begreifen ist. Diese Annahme, die oft auch durch den Spruch Alles ist Natur pointiert wird, lässt für sich genommen offen, wie der Begriff der Natur zu umgrenzen ist. Versteht man unter „Natur“ allein die physische Natur, so ergibt sich aus dem Spruch Alles ist Natur eine materialistische oder physikalistische Position. Derartige Theorien vertreten, dass auch der Geist oder das Bewusstsein Teil der physischen Natur sei oder, alternativ, gar nicht oder höchstens als Illusion existiere.

Als Naturalismus kann seit dem frühen 17. Jahrhundert jede Lehre bezeichnet werden, die allein die Natur zum Grund und zur Norm aller Erscheinungen erklärt.

Da hätte der Führer gejubelt: die allmächtige Natur (auch Vorsehung genannt) gibt den Menschen die Gesetze, nach denen er leben soll. Das allgegenwärtige Recht des Stärkeren, des Gesunden, des genetisch optimalen Menschen schlägt christliche Sozialromantik, die jedem Rollstuhlfahrer einen Platz an Gottes Seite verspricht.

Auch die Methodik der „Brights“ erinnert an den „Stürmer“ und gebärdet sich weit jenseits jeglicher Wissenschaftlichkeit – wie alle zielgerichtete Dogmatik, siehe Wikipedia:

Der Philosoph Peter Strasser kritisiert die Brights von einem agnostischen Standpunkt aus: Mit Kant macht er auf die Grenzen unseres metaphysischen Wissens aufmerksam. Naiv findet er die Bibellektüre der Brights; sie würden nämlich die Bibel lesen, wie ein Fundamentalist dies tun würde, nämlich wörtlich.

„Gott ist doof, weil ich die Bibel wörtlich nehme“ – kurz gefasst.

Es geht aber auch nicht um jene schönen Worte, die öffentlich gemacht werden.

Es geht um NS 2.0, welches unaufhaltsam und alternativlos kommen wird, weil wir den Nationalsozialismus verdrängen, statt ihn zu verstehen. Er kommt wieder – mit großen Schritten. Er bringt auf Geschenke für viele Auserwählte mit: Autos, Radios, Fernseher und Urlaubsreisen für jedermann. Und je mächtiger er wird, um so mehr fängt er an zu normieren – und zu selektieren. Alle Jahre wieder ein großer Schlag: Parteienfinanzierung, Extremistenerlass, Hartz IV: geht alles in die gleiche Richtung. Erst Maximierung der Macht der Partei, dann Ausschaltung der politischen Gegner, dann Selektion des unwerten Lebens.

Man wird vieles anders machen als 1933 – doch das Ergebnis wird das gleiche sein.

Ich schätze mal: der Begriff „Vorsehung“ wird durch den Begriff „Natur“ ersetzt werden, die „Bewegung“ wird ihre Heimat in den „Naturwissenschaften“ haben, die Lager werden an Fabrikhallen erinnern – die Leichenzahlen jedoch werden vergleichbar sein.

Ob die „Brights“ wirklich eine der Keimzellen von NS 2.0 werden, kann ich nicht sagen – ich sehe noch weitere, die gesät werden und auf ihr Aufblühen warten.

Das wir aber zwangsläufig ohne Kurskorrektur wieder dort landen werden, halte ich langsam für alternativlos, weil wir die Grundzüge der NS-Diktatur nur noch höchst oberflächlich in Schule und Medien vermitteln: der Führer hat das Volk mit Lügen und vorgehaltener Waffe zum Massenmord gezwungen.

Wenn ich mich recht erinnere, war Adolf Hitler einer der wenigen Deutschen (oder eingedeutschten), die im Krieg überhaupt niemanden getötet hatten … und warum das dann so viele andere getan haben, wollen wir gar nicht wissen, oder?

Ich weiß, das klingt jetzt hart. Aber man erkläre mir einmal, vor welchem Hintergrund eine demokratisch und pluralistische Gesellschaft im Namen von „Wissenschaft“ eine der vier Säulen der Freiheit einer demokratischen Gesellschaft (Religionsfreiheit) verbieten will … und wie ich glauben soll, dass sie die anderen drei Säulen nach Erfolg nicht auch noch anstasten werden (zu den vier Säulen siehe Erklärung zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Menschenrechte, Friedrich-Ebert-Stiftung).

Wieviel Religionsfreiheit übrig bleibt, wenn eine dogmatische Stelle sowohl das Subjekt der Religion (den Menschen) als auch das Objekt (Götter) als Illusionen beschreibt, kann sich jeder selbst ausrechnen, welche politischen Konsequenzen sich daraus ergeben, wenn sich „Eingeweihte“ dogmatisch über die Menschheit erheben, auch.

 

 

 

 

 

 

 

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