Griechenland

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Reflexionen über die Türkei und die Geopolitik: das Ende des Menscheitstraumes von der sauberen Energie

Ostersonntag, 1.4.2018. Eifel. Ostern – eine Zeit für besinnliche Themen. Die liegen mir ja auch, Besinnlichkeit ist die erste gedankliche Voraussetzung für Frieden – und für Frieden gehen derweil viele Menschen in den Ostermärschen auf die Straße. Während die einen auf den Straßen Deutschlands für Frieden marschieren, schicken die anderen die Panzer Deutschlands in den Krieg – und wollen weiter rollen. Ja: gemeint ist die Türkei, die nun die nächste Großstadt angreifen will: Manbidsch, 400 000 Einwohner. Gibt schöne Geschichten aus dieser Stadt (siehe t-online):

„Die Geschäfte sind mit Waren und Kunden gefüllt, in den Straßen flanieren Familien, tollen Kinder herum und genießen Eis und Süßigkeiten. Man könnte glatt vergessen, dass Manbidsch im Bürgerkriegsland Syrien nahe der Grenze zur Türkei liegt.“

Geschäfte, die mir Waren gefüllt sind – da war doch was? Ja – die sind auch in Afrin durch die Verbündeten der türkischen Armee geplündert worden – wie alles andere auch (siehe t-online). Eine absolut barbarische Kriegsführung. Und wir – die Bundesrepublik Deutschland – unterstützen die Kriegsführung, liefern … unter anderem Munition, damit weiter geschossen werden kann (siehe Tagesschau).

Die türkischen Streitkräfte sind inzwischen die Zweitgrößten innerhalb der Nato: deutsche Firmen haben an der Aufrüstung ordentlich verdient. Sie fühlen sich so groß und stark, dass sie sich gerade sogar mit den USA anlegen und ihnen offen drohen (siehe Spiegel): offen droht Erdogan den US-Truppen mit einer „osmanischen Ohrfeige“. Wahrscheinlich ist es nun panische Angst, die Präsident Trump erwägen läßt, alle Truppen ganz schnell aus Syrien abzuziehen.

Die türkischen Streitkräfte sind auch in Reichweite von Atomwaffen: im Rahmen der militärischen Zusammenarbeit mit den USA lagern in Incirlik 60 Atombomben … deren Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist (siehe Atomwaffena-z.info):

„Ein Bericht des US Think Tank Stimson Center hebt die gestiegenen Risiken der Lagerung der US-Atomwaffen in Incirlik seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 hervor. Er kommt zu dem Schluss, dass fraglich sei, ob die USA während eines anhaltenden Konfliktes die Kontrolle über die Atomwaffen behaupten könnte. Gleich nach dem Putschversuch nahm die türkische Regierung mehrere hochrangige Militäroffiziere in Incirlik fest und stellte dem Stützpunkt für fast eine Woche den Strom ab. Seitdem greift der türkische Präsident Erdoğan noch härter gegen oppositionelle Gruppen und unabhängige Medien durch. Daneben nahm die Türkei mehrere ausländische BürgerInnen fest, denen vorgeworfen wurde, den Putschversuch unterstützt zu haben oder TerroristInnen zu sein.“

Ja – da waren die Atombomben der USA für kurze Zeit in Gefahr, von irgendwem mitgenommen zu werden. Schon hätten wir eine absolut irre Atommacht, die sich einen Dreck um das internationale Völkerrecht kümmert und jederzeit an jedem Ort die Hölle auf Erden entfesseln könnte. Irre? Nun – Erdogan hat zwar 3000 Panzer (viele davon aus deutschen Beständen), aber die meisten davon sind veraltete M-48 aus den fünfziger Jahren. Hat ihm wohl noch keiner gesagt: die halten nicht lange im Krieg. Er hat Panzer aus Deutschland, aus Israel (man höre und staune), aus den USA und neuerdings auch aus Südkorea, die „Russen“ verkaufen ihm ein hochmodernes Flugabwehrsystem – was viele beunruhigt (siehe Spiegel):

Das S-400 „Triumf“, von der Nato als SA-21 „Growler“ bezeichnet, gilt als eines der effektivsten Langstrecken-Flugabwehrsysteme der Welt. Es besteht aus mehreren Raketen-Startvorrichtungen, einer Kontrollstation und einem Radar, das Hunderte Ziele zugleich erfassen kann. Mit ihm können Flugzeuge, ballistische Kurz- und Mittelstreckenraketen und Marschflugkörper auf große Entfernung und auch in großen Höhen bekämpft werden.

Alle helfen an der Aufrüstung des irren Türken, der sich mit den USA anlegen will … und auch – bislang unbestätigten Gerüchten einzelner Journalisten zufolge – eine eigene Atombombe anstrebt. Eine „mulitpolare Weltordnung“ soll heraufbeschworen werden … mit der Türkei als einer der Pole, einer Weltmacht, die ein neue osmanisches Reich darstellt, die Demütigungen des ersten Weltkrieges hinter sich läßt und wieder Respekt in der Welt genießt.

Manche Medien im Westen fürchten sogar schon, dass Erdogan das ganze Mittelmeer in Brand steckt: akutell rückt das kleine Griechenland in den Focus – dort eskaliert der Konflikt zwischen Griechen und Türken, der ebenfalls schon seit langer Zeit besteht (siehe Focus):

„Steckt Erdogan das Mittelmeer in Brand?“, fragte vor wenigen Tagen der „Stern“. Den Hintergrund dafür bilden Konfrontationen zwischen türkischen und griechischen Kampfjets im Luftraum des Grenzgebiets zwischen den beiden Staaten.

Dem griechischen Generalstab zufolge haben im vergangenen Jahr solche Vorfälle um 200 Prozent, auf See sogar um 600 Prozent zugenommen. Türkische Kampfjets hätten sogar jüngst versucht, einen Hubschrauber des griechischen Armeechefs abzudrängen.

Völlig irre, der Türke, oder? Nebenbei erfahren wir auch, warum Griechenland so verschuldet ist (siehe Stern):

„Die Spannungen sind also nicht überraschend. Sie waren auch die Grundlage für den Verkauf gebrauchter Leopard II Panzer an beide Seite. So kam es zu der Absurdität, dass das kleine, hoch verschuldete und gebirgige Griechenland sich einer der größten Panzertruppen Europas leistete.“

Ein Riesendeal für Deutschland: die alten Leopard 2 der Bundeswehr für beide Konfliktparteien! Was haben wir gelacht! Und kassiert. Und danach die Troika nach Griechenland geschickt.

Kaum bemerkt wird auch, was Erdogan noch so alles in Syrien unternimmt: er besetzt ganze Landstriche, um … gegen Flüchtlinge vorzugehen (siehe Handelsblatt):

„Die Türkei will mit Militäraktionen in der syrischen Rebellen-Provinz Idlib eine Einwanderungswelle verhindern. Die Türkei will nach eigenen Angaben einen Sicherheitspuffer an der Grenze zu Syrien schaffen.“

Wissen Sie noch, wer da für welche Rebellen war? Oder gegen welche Rebellen? Mal ein Beispiel. Die PKK gilt in Deutschland und den USA als terroristische Vereinigung. In Syrien nennt sich die PKK YPG – jedenfalls denkt das der Erdogan – weshalb er ja unter anderem auch in Syrien einmarschiert (siehe Zeit):

„Westliche Staaten spielen nach Überzeugung der Türkei seit langem ein falsches Spiel in Nordsyrien. Kein Mitglied der US-geführten Koalition – außer der Türkei – wollte Bodentruppen in den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) schicken. Für die Koalition, der auch Deutschland angehört, übernahmen diese lebensgefährliche Aufgabe die kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG). Diese erfuhren dafür nicht nur internationale Anerkennung, sondern sie wurden von den USA sogar mit Waffen ausgerüstet. Waffen, von denen die Türkei befürchtet, sie könnten eines Tages gegen sie gerichtet werden.“

Nun – in Hagen jedenfalls sind die Fahnen der YPG verboten worden (siehe rote-Fahne). YPG sind aktuell wohl böse Kurden, während gute Kurden deutsche Waffen kriegen (siehe Zeit):

„Darunter seien 1.500 G36-Gewehre, 100 Milan-Panzerabwehrraketen und drei gepanzerte Fahrzeuge vom Typ Dingo 1 gewesen.“

Natürlich versprechen die guten Kurden, dass sie den bösen Kurden keine deutschen Waffen geben werden, damit die mit denen die bösen deutschen Panzer der Türken bekämpfen können (siehe Handelsblatt).

Kommen Sie überhaupt noch mit, so im Moment? Oder sollen wie eine kurze Pause machen? Wirklich – es kommt noch mehr, überanstrengen Sie sich nicht, wir kommen immer mehr in die undurchschaubaren Verwicklungen internationaler Politik, wo es normal ist, dass der böse Russe kurz mal nicht böse ist, wenn er der Nato Waffen verkauft: Luftabwehrraketen der Nobel-Klasse an die Türkei, 1000 Schützenpanzer (BMP-3 – einfach mal selber nachschauen) an Griechenland. Oder ist der Russe vielleicht nur deshalb böse, weil er jetzt auch in Europa Waffen verkauft und so den Markt der US-Hersteller stört?

Oh oh oh … wie kommen in den Bereich der Verschwörungstheorien, die für uns normale Bürger völlig tabu sind: großes, megagroßes Tabu. Zwar hätten wir ohne Verschwörungstheorien nie von irgendeiner Sauerrei erfahren, die kriminelle Elemente in Regierung und Konzernen so veranstaltet haben (wie der deutsche Geheimdienst ein Loch in ein deutsches Gefängnis sprengte – oder der französische Geheimdienst ein Greenpeace-Schiff in Neuseeland sprengte … oder der US- Geheimdienst nicht existente Atomwaffen im Irak fand, woraufhin der ganze Irak gesprengt wurde).

Wenn Sie jetzt schon verwirrt sind: was werden Sie dann erst sagen, wenn ich jetzt das ganze umdrehe?

Ja – so verdutzt war ich gestern auch, als ich erfuhr, dass die Türken selbst die Angelegenheiten ganz anders sehen – Türken in Deutschland, die meine Gesprächspartnerin von gestern persönlich kennengelernt hatte … und mich fragte: kann das sein, dass … hier ganz fiese Dinger laufen?

Meine Antwort war klar: natürlich kann das sein, das hier den ganzen Tag fiese Dinger laufen – und erschrocken stellte ich fest, dass ja auch ich mein Bild über die Türkei einfach aus den Alltagsmedien entnommen hatte, die sich momentan bemühen, Erdogan als großen Irren darstellen, als den kleinen Hitler vom Bosporus, der das ganz große Rad drehen will.

Es gibt nämlich auch eine andere Seite (siehe Spiegel):

„Im Westen weitgehend unbemerkt hat die Türkei sich für Pakistan zu einem wichtigen Partner entwickelt. So half die türkische Regierung etwa im Jahr 2005 bei der Annäherung zwischen Pakistan und Israel. Beide Staaten erkennen sich bis heute diplomatisch nicht an, doch weil Israel damals Bereitschaft zeigte, einen Staat Palästina zuzulassen, und der damalige israelische Premierminister Ariel Sharon als Signal in diese Richtung tatsächlich jüdische Siedlungen in Gaza räumen ließ, trafen sich am 1. September 2005 erstmals der pakistanische und der israelische Außenminister zu Gesprächen – dank Vermittlung der türkischen Regierung. Das Treffen in Istanbul war ein historisches Ereignis, wurde in der westlichen Welt jedoch kaum wahrgenommen.“

Nett von denen, oder? Sorgen die einfach mal für mehr Frieden – aber wir erfahren nichts davon. Und Frieden – wäre ja schön. Gerade im Nahen Osten.

Ich möchte dazu mal den Blick auf etwas ganz anderes lenken (siehe Spiegel):

„Ein kleines rotes Quadrat auf einer Karte von Nordafrika, ein Farbtupfer inmitten der Sahara – viel mehr brauchte der kürzlich verstorbene Physiker Gerhard Knies nicht vor zehn Jahren, um Klimaschützer wie Konzerne gleichermaßen in seinen Bann zu ziehen: Eine Wüstenfläche von gerade einmal 300 mal 300 Kilometern reiche aus, um die ganze Welt mit Sonnenstrom zu versorgen.“

Ja – Sie lesen richtig: die ganze Welt mit Sonnenstrom versorgen. Cool, oder? Kohle, Öl, Atom – alles wäre von gestern gewesen. Frieden und Reichtum wären in den nordafrikanischen Staaten eingezogen (vor allem auch dann, wenn Gaddafi noch das Wasser besorgt hätte), die planetare Zivilgesellschaft wäre einen großen Schritt vorangekommen, „der damalige Siemens-Chef Peter Löscher schwärmte vom „Apollo-Projekt des 21. Jahrhunderts“.“

Ein Projekt, dass die Ölmultis der Welt ihre Gewinne gekostet hätte. Man stelle sich mal vor: das Energieproblem der ganze Welt gelöst, der Klimawandel gestoppt, Stromautos wären auf einmal wirklich denkbar gewesen, niemand bräuchte mehr Gas, Öl oder Kohle.

Das war 2009. Dann kam 2010 – und damit der sogenannte arabische Frühling, der viel veränderte – zum Schlechten (siehe bpb):

„Fünf Jahre nach Ausbruch des Arabischen Frühlings ist die Bilanz ernüchternd: Die Hoffnungen auf eine politische Zeitenwende sind vorerst gescheitert, stattdessen prägen Repression, Bürgerkriege und Dschihadismus viele Länder des Nahen Ostens.“

Oder mit einfachen Worten: aus dem Nichts heraus enstanden hochmobile motorisierte Banden, die mich in ihrer Ausrüstung, ihren Erfolgen, ihrer Taktik an etwas erinnerten: ein einen Artikel in der Zeitung Military Technologie (Issue 10, 1984, Seite 53 – 61) aus dem Jahre 1984. Dort wurde eine für die damaligen Verhältnisse sehr merkwürdige Einheit vorgestellt: die leichte Infanteriedivision. Weil sie so merkwürdig war, wurde sie auch dann auch ausser Dienst gestellt: in einem echten Krieg war diese Truppe kaum einsetzbar – trotzdem sammelte man Erfahrungen … speziell für Einsätze in Wüstengebieten (siehe Wikipedia – auch in dem Artikel ist von der Golfregion als möglichem Einsatzort die Rede).

Die Vorteile solcher Einheiten wurden dann auch deutlich demonstriert (siehe Spiegel):

„Noch wichtiger für die IS-Kämpfer sind die gepanzerten Humvee-Geländewagen, die sie in den vergangenen Monaten bei ihrem Vormarsch im Irak erobert haben. Die USA wollten mit den Humvees eigentlich die irakische Armee aufrüsten – nun sind die Fahrzeuge in den Händen ihrer Feinde gelandet.

In den Geländewagen sind die Dschihadisten vor kleineren Sprengsätzen und dem Beschuss durch Maschinengewehre geschützt. Der größte Vorteil der Humvees: Sie sind extrem schnell. In der Ebene Nordsyriens können sich die IS-Kämpfer in den Fahrzeugen mit bis zu 100 Stundenkilometern bewegen – und so rasch Nachschub an die Front bringen.“

Es geht aber nicht nur um die „Humvees“ (und denken wir mal nicht drüber nach, wie die wirklich in den Besitz der IS gekommen sind), sondern auch um den Toyota Hilux, der in großen Mengen im Besitz der Islamisten ist, ohne das klar ist, wo diese Mengen herkommen (siehe Welt), die sie befähigen, nach den strategischen Ideen der „leichten, hochmobilen US-Division“ im Handumdrehen weite Strecken des arabischen Raumes einzunehmen. Es ist die Schnelligkeit, die ihnen im Wüstenkrieg den Vorteil gibt – schwer gepanzerte Einheiten kommen da nicht mit. Darf ich mal fragen, wer dem IS das beigebracht hat? Wer sie mit der Idee der hochmobilen Wüstenkriegsführung vertraut gemacht hat? Vielleicht die, die das Konzept acht Jahre lang in US-Wüsten studierten und ausprobierten? Bis man merkte, dass dieses Konzept für reguläre Armeeeinheiten wenig sinnvoll ist – für Räuberbanden aber schon?

Sie haben hunderte von Namen, aber alle die gleiche Strategie: Räuberbanden im Namen Allahs oder gegen Allah, für dies oder für das machen den ganzen nordarabischen Raum unsicher, sind mit konventionellen Panzerstreitkräften kaum aufzuhalten – zumal deren Treibstoffversorgung durch die hochmobilen Verbände schnell lahmgelegt werden kann. Es sei denn natürlich … man verfügt über eine schlagkräftige Luftwaffe mit Erdkampfflugzeugen …. das wird dann heikel für die Banden. Und das haben wir ja dann auch gesehen: die russische Luftwaffe setzte die Su-25 (Frogfoot) – ein hochgezüchtetes Erdkampfflugzeug – gezielt gegen die Banden ein – vorbei war der Spuk.

Das Ergebnis: nun – alles beim Alten. Lasen wir ja schon bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Abgesehen davon, dass immer mehr Banden durch die Wüsten brettern … und damit Desertec für die nächsten fünfzig Jahre unmöglich machen.

Fände es mal wichtig, gerade auf diese Zusammenhänge einen Blick zu werfen.

Die westlichen – oder sagen wir besser: die deutschen – Medien haben aber lieber andere Themen: den bösen Putin und den irren Türken. Nun – nebenbei wächst in Deutschland die Türkenfeindlichkeit, der alte Ruf „Türken ´raus“ erhält neues Gewicht. Ist ja klar: da wächst ein kleiner Hitler heran, dessen „Agenten“ millionenfach unter uns weilen. Ein kleiner Hitler, der seine Karriere einem Zufall verdankte: ohne den ISKI-Skandal hätte niemand die „Koran-Nachtigal“ (so sein Spitzname) je kennengelernt (siehe Wikipedia),  jener Mann – dessen Töchter in den USA studierten – konnte schon früh als Fanatiker erkannt werden. Geldsorgen im Wahlkampf hatte er keine (siehe Zeit … mit dem tollen Titel: „wird Erdogan der neue Putin“) – auch wenn ich seine Spender momentan nicht herausfinden kann. Wäre aber mal spannend: wer finanziert eigentlich einen Irren? Und wieso interessiert das keinen? In Deutschland wurde auch schon mal ein Irrer finanziert – ein Herr Schicklgruber, der sich später selbst Hitler nannte, was an das Verb to hit = schlagen erinnerte … womit sein Parteiprogramm auch im angelsächsischen Sprachraum schon im Namen verstanden werden konnte.

Was aber … haben denn alle vom irren Türken? Gut – der IS hat Frieden und die Lösung aller Energieprobleme der Menschheit für lange Zeit unmöglich gemacht: aber was will man mit der Türkei?

Nun … wenn man Krieg gegen Russland führen möchte, ohne aber diesmal Europa groß zu beschädigen …. was bietet sich da schöneres an als ein Konflikt zwischen Russland und der Türkei? Da könnte man einen schönen Nato-Russland-Krieg führen, der viel Profit brächte, aber ein geringeres Risiko für einen weltweiten Flächenbrand hat. Er würde auch schon lange dauern, weil man der Türkei ja genug Waffen verkauft hat – auch auf Kredit. Sicher – Russland müsste für diesen Krieg durch Georgien marschieren, um türkisches Gebiet zu erreichen … aber würde die das aufhalten … im Kriegsfalle? Man lockt den irren Türken mit völlig zerrütten arabischen Gebieten, in denen er kurz mal seinen Traum vom Großreich träumen darf – und dann gibt es einen eindeutigen „Vorfall“, den Russland nicht unbeantwortet lassen kann. Die Nato wird sich weitläufig heraushalten können (weil man für den Irren nicht in den Krieg zieht – ihn aber auch nicht allein lassen darf wegen den Bündnisverpflichtungen … aber man kann ja im Norden einen „Sitzkrieg“führen, wie es ihn im 2. Weltkrieg auch lange zwischen Frankreich und Deutschland gegeben hatte), aber die US-Falken haben ihren Krieg, der die Bombenlager wieder leerräumt und für neue Profite sorgt.

In Deutschland wären dann die Konservativen (also: CDU und CSU) endlich ihre Türken los … was möglicherweise auch der wahre Grund für die Spontanöffnung der Grenzen war, die Erdogan jetzt in Syrien verteidigt: der große Rechtsruck im Lande kam nur dadurch zustande, die AfD gibt sich aktuell immer bürgerlicher … so dass die große konservative Koalition in Reichweite ist und man endlich aufräumen kann.

Alle würden gewinnen – und viele sogar aufatmen, das der Krieg gegen Putin … den alle so sehr herbeisehnen … so billig zu haben ist. Natürlich gewinnen die Russen – und kriegen dafür Gebiete in der Türkei, was die wiederum sehr freut, haben sie dann doch die Möglichkeit auf noch mehr Mittelmeerhäfen. Und da der böse Putin den bösen Erdogan beseitigt hat, darf er danach auch ein bischen gut werden. So wie Al Kaida ein bischen gut geworden ist, weil sie gegen den IS kämpften … wobei sich die deutsche Presse nicht ganz sicher ist, ob Al-Kaida und der IS Erzfeinde sind (siehe Tagesspiegel) … oder ein und dasselbe (siehe BR24).

Und die USA? Hätten im „Kampf der Kulturen“ ganz nebenbei viele organisierte hoch entwickelte islamische Staatswesen ausgeschaltet, die bedrohliche Konkurrenz Desertec auf ewig unmöglich gemacht und an einem Dritten Weltkrieg (der zwischen Russland und der übrigen Nato ganz vernünftig – also: gar nicht – abläuft) super viel verdient.

Aber jetzt erstmal: Frohe Ostern.

Heute ist noch Frieden.

Jedenfalls … hier.

Und – wenn man kein Türke ist.

Der Kapitalismus und seine Roll-Back-Offensive: Geld gegen Leben

Montag, 6.3.2017. Eifel. Ich würde heute gerne mal über die Gegenwart reden. Eine Gegenwart, von der ich meine, dass sie nicht vollständig begriffen wurde, beziehungsweise nur unvollständig beschrieben wird. Diese Unvollständigkeit hat natürlich einen Sinn: sie nimmt uns die Kraft zum Handeln, weil unsere Weltbilder mangelhaft – oder eben völlig falsch sind. Es hat alles auch mit Mus zu tun – also mit Brei, aber nicht aus Obst. Sozialismus, Faschismus, Feudalismus, Katholiszimus, Protestantismus, Demokratismus …. nein, den letzteren gibt es gar nicht. Das heißt: es gab ihn lange nicht, weil er keinen Sinn machte. Im Laufe des Niedergangs des demokratischen Gedankens kam auch dieser Begriff auf: abwertend wie die anderen (siehe Duden) als formalistische Übertreibung demokratischer Verfahrensweisen. Macht im ersten Moment wenig Sinn – und scheint somit nur ein Kampfbegriff zu sein, um den demokratischen Begriff zu entwerten, denn: Bürokratismus würde ja die Fehlerstellen demokratischer Systeme schon hinreichend genug beschreiben.

Warum geht es bei dem Mus? Um Herrschaft.

Im Sozialismus herrscht die Arbeiter- und Bauernklasse, unschön für das Lumpenproletariat: jene Sozialschmarotzer gelten als Feind des Sozialismus, Marx beschrieb sie wie folgt (siehe Wikipedia):

„zerrütteten Lebeherren mit zweideutigen Subsistenzmitteln und von zweideutiger Herkunft, verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen ‚la bohème‘ nennen“

Heute wären das: Hartz IV-Empfänger und Niedriglöhner. Menschen, aus denen wahrlich kein Cent mehr herauszupressen ist. Manche … waren nur von den Galeeren geflohen, wurden aber vom Sozialismus gleich als Staatsfeinde angesehen und der Arbeitspflicht unterworfen, um Kapitalerträge zu sichern und zu mehren.

Im Faschismus herrscht die Anbetung der nackten Gewalt, das ungebrochene Recht des Stärkeren über die Schwächeren, die es mit allen Mitteln auszumerzen gilt: wie zum Beispiel die Slawen. Gut – die sind nicht ausgerottet worden wie die Juden, aber auch nur, weil die Faschisten den Krieg haushoch verloren hatten. Sonst wären sie – allein aufgrund ihrer Schwäche, hinreichend Rendite für die Zinserwartungen des Kapitals zu erwirtschaften – auch ausgerottet worden … jedenfalls die Minderleister unter ihnen.

Im Feudalismus herrscht eine auserlesene, von Gott berufene Elite über die Untermenschen, die Kaste der Besitzenden hat sich soweit organisiert, dass sie alle Staatsgewalt im Griff hat und sich ihren Reichtum direkt von den Feldern ihrer Bauern holen kann. Im Katholiszismus – mit dem Feudalismus damals personell eng verbunden – herrscht Gottes Sohn als Papst persönlich. Der Feind sind all´ jene, die keine Kirchensteuer entrichten: die Ungläubigen. Sie werden gerne von den Höfen gejagt.

Und der Kapitalismus? Nun … wie wir jetzt bemerkt haben könnten, steht er als treibende Kraft hinter allem, ist eine eigenständige Regierungsform, die nur als solche nicht ausdrücklich behandelt wird. Ja: gruselig, oder? Die ganzen Mus-Bewegungen der letzten Jahrhunderte hatten alle einen gemeinsamen Meister, einen einzigen Herren, der erst sehr spät – nach der französischen Revolution – offen zu Tage getreten ist und heute die ganze Welt beherrscht – wobei ihm egal ist, welche Religion oder welchen politischen Glauben seine ausführende Dienstklasse hat. Schlimm am Kapitalismus: hier unterwirft sich die Menschheit dem Unmenschlichen, dem Geld (bzw. dem größten Geldhaufen), Geldwerte übertrumpfen Menschenrechte, ein künstlich geschaffenes Ding (Geld) übernimmt die Herrschaft über die Menschheit – und die Menschheit beugt sich. Ein Skandal für die „Aufklärung“ seit den Zeiten der griechischen Philosophie: die Götter, die wir abgeschafft haben, sind wieder zurück: die dunklen, bösen, nutzlosen Idiotengötter, die den finstersten Abgründen des menschlichen Geistes entsprangen.

Hört sich schaurig an, oder?

Ist aber wahr. Ich wage auch die Vermutung – wobei ich ein durchaus positives Menschenbild offenbare – dass Auschwitz ohne Kapitalismus gar nicht denkbar wäre: es braucht schon eine unmenschliche Kraft, die als Herrscher anerkannt wird, um solche kalten Orgien der Massenvernichtung durchzuziehen. Und wer sich in den Werken des Historikers Götz Aly mit der Genese der Massenvernichtung im Nationalsozialismus beschäftigt, wird merken, das Kapitalrendite das zentrale, alternativlose Argument für die Massenvernichtung unwerten Lebens war, die natürlich nicht nur die Juden betraf (treue Diener eines Gottes, der – auf dieser Interpretationsebene – der natürliche Feind des Moloch „Geld“ war, weil er Menschen seiner Herrschaft entriss – und zudem offen forderte, dass es keine anderen Götter neben ihm gab; erst recht kein Goldenes Kalb, um das man den ganzen Tag orgiastisch tanzte), sondern alle, deren Arbeit nicht genug Rendite abwarf – mögen sie auch noch so blond, blauäugig und superarisch gewesen sein: wer nicht schuftet bis zum Untergang, ist wertlos. Kennen Sie vielleicht aktuell aus Ihrer Firma.

Merken Sie langsam, wie es Ihnen kalt den Rücken herunterläuft? Nun – zurecht. Wir hatten Revolutionen, Umstürze, Staatsneugründungen, doch eins blieb über 600 Jahre stabil: die reichen Familien Hierzu gibt es eine Studie aus Florenz (siehe Welt), die Rückschlüsse auf die Verhältnisse in anderen Ländern zuläßt. Mammon hat alle geschichtlichen Turbulenzen unbeschadet überstanden, auch wenn der Reichsgraf mancherorts Politikkommissar oder Gauleiter hieß. Und diese Familien planen langfristig, über Generationen hinweg, wobei Heirat eines der zentralen Mittel der Machtvernetzung ist. Gut: 1789 gab es einen kleinen Rückschlag, 1917 auch, ebenso 1949. Aber Rückschläge spornen die Hohepriester des Mammon ja nur an – und das ist, was wir gerade erleben: die Operation Rollback der Kapitalfürsten, die all die vielen Erfolge wieder zurückdrängen will zugunsten eines Systems, in denen ihre Gefolgsleute die politische Macht ausüben … eine Macht, die sie selber gar nicht haben wollen, weil ihnen jede Form von Arbeit, die nicht auf Partys, Bällen und Empfängen erledigt werden kann zuwieder ist.

Ich weiß: schon wieder viele Worte gemacht. Doch bleiben Sie am Ball, denn jetzt: geht es um Sie. Es geht um die flächendeckende Vernichtung von „Familie“ als solche – ein erster Vorbote der kommenden Vernichtungsorgien, ohne die der Kapitalismus letztlich nicht seine Wachstumsraten erzielen kann. Nein – das sind jetzt keine Geheimnisse von Verschwörungstheoretikern, das sind Fakten, die man bei der Bundeszentrale für politische Bildung findet:

„Die Familienpolitik will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Klingt gut. Doch der Politik geht es nicht um die Familien, sondern um die Wirtschaft, findet der Journalist Rainer Stadler. Die Politik versuche die Familien den Bedingungen des Arbeitsmarktes anzupassen – mit der Folge ganztagsbetreuter Kinder. Das gilt vielen als alternativlos – Kritik daran, gilt rasch als reaktionär.“

Die Familie … das war mal die Keimzelle der Gesellschaft. Noch nicht mal die kann unser Staat noch schützen. Die Familie wird „wirtschaftskompatibel“ gemacht – im Sinne der Rendite:

„Diese Denkweise hat sich bei den Familienpolitikern aller im Bundestag vertretenen Parteien durchgesetzt. Niemand kommt mehr auf die Idee zu fragen: Ist es wirklich familienfreundlich, eine Infrastruktur zu schaffen, deren Zweck vor allem darin besteht, die Familie den ganzen Tag voneinander zu trennen? Ist es wirklich sozial, Betreuungseinrichtungen 24 Stunden am Tag zu öffnen, damit alleinerziehende Mütter spätabends an der Supermarktkasse sitzen oder ihre Nachtschicht als Krankenschwester ableisten können?“

Diese Kinder haben keine Eltern mehr, sie haben Ernährer. Gemeinsames Leben, gemeinsames Lernen, Lachen, Spiel, Spaß, Liebe, Verbundenheit, Verantwortung, füreinander da sein – alles unnütze Beschäftigungen des Lumpenproletariats, der Bohéme, die mit dem Todfeind des Kapitalismus kokettiert: dem Anarchokommunismus, der sich urchristlicher Lehren bedient, um dem Leben jenseits von Macht, Herrschaft und Ausbeutung wieder ein Maximum an Lebensqualität zu verleihen.

Wir marschieren während der Rollbackoffensive des Kapitalismus wieder direkt in die ältesten aller Herrschaftsformen: wo acht Menschen mehr besitzen als die Hälfte der Weltbevölkerung (siehe Spiegel), da sind die alten Gottkönige Ägyptens, die Pharaonen, nicht mehr weit entfernt. Würde mich nicht wundern, wenn es bald Schreine für diese acht Leute gibt, wo man zu ihnen beten kann, um auch ein Stück von ihrem Segen zu erhalten. Die hochachtungsvolle Verehrung von „Promis“ wird ja in unseren Medien schon ausufernd praktiziert – das muss man nur noch weiterdenken.

Es ist wichtig, dass Sie sich das klar machen, denn: ihre Laune hängt direkt davon ab, ihre Resillienz, ihre Widerstandsfähgikeit gegen Propaganda – da liegt der erste Schritt zum Widerstand begründet dass man „Nein“ sagt zum Weltbild des Kapitalimus, „Nein“ zur Vernichtung von Mensch und Umwelt, „Nein“ zu allen Götzen, die sich zum Herrscher über die Menschheit aufschwingen wollen. Ihr persönliches Weltbild hängt direkt mit der Bewertung Ihres Lebens zusammen. Darüber wird wenig gesprochen – weil der Kapitalismus uns ein düsteres Weltbild aufgezwungen hat, das wir kritiklos hinnehmen, ohne zu bemerken, wie sehr uns das den Wind aus den Segeln nimmt.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Christentum (nicht dem Katholizismus – wohlgemerkt). Der Christ – also: Jesus persönlich – lebt in einer „gefallenen Welt“. Passiert da ein Unglück – ist das normal, liegt nicht am Individuum, sondern an der Grundstruktur einer unperfekten Welt, in der es halt Erdbeben, Raubtiere und Schnupfenviren gibt, die nicht nach der Pfeife des Menschen tanzen. Sie regen sich in einem solchen Weltbild nicht sonderlich über Misserfolge auf: die sind die normale Basis einer gefallenen Welt, in der alles schiefgeht, was nur irgendwie schief gehen kann. Was predigt hingegen des Kapitalismus (in verschiedenen, durchaus auch als „Esoterik“ getarnten Philosophien): geht etwas schief in Deinem Leben, dann … bist Du persönlich falsch, denkst falsch, fühlst falsch, lebst falsch, bis minderwertig – ein Minderleister. Die Welt des Kapitalismus ist durchweg superheil. Machen Sie einfach mal ihren TV-Empfänger an: die Botschaft verfolgt sie täglich mehrfach auf allen Kanälen, vor allem in der Werbung. Klar: wenn die Welt superheil ist, dann … nun, dann können bei Misserfolgen ja nur SIE schuld sein. Anstatt also mal über die Umstände nachzudenken, beschäftigen Sie sich nur mit sich selbst und der Kernfrage ihres Lebens: wie absolut ungenügend ihre ganze Existenz doch nur sein kann, weil Sie noch kein Milliardär sind.

Wie der Katholizismus braucht auch der Kapitalismus ein besonderes, beängstigendes Weltbild. Drohte der Katholizismus mit der Hölle, in die die Seele nach dem Leben fallen kann, droht der Kapitalismus mit etwas noch viel schlimmerem: der endgültigen, absoluten Vernichtung am Ende ihres Lebens. „Leben“ … wird dogmatisch begrenzt auf die Zeit zwischen Geburt und Tod – und Sieger ist, wer am Ende des Lebens am meisten Geld zusammengerafft hat. Da der Geldkreislauf ein geschlossenes System ist, kann man es nur von anderen raffen. Das ist jetzt kein Kommunismus, das ist reine Physik. Dieser dogmatische Lehrsatz -„Sinn des Lebens ist, als Milliardär zu sterben“ – ist der Kern des Kapitalismus, die Basis seines Glaubenssystems. Wer es schafft, am Ende seines Lebens Privatjets, einen Park mit Luxussportwagen, große Yachten und private Schlösser vorzuweisen, der … hat es geschafft. Der ist der Gewinner. „Wer wird Millionär“ – ist der zentrale Antriebssatz dieses Systems … „wer wird glücklich“ ist eine Frage, die nur am Rande gestellt wird, „wessen Leben ist sinnvoll“ wird gar nicht mehr gestellt – bzw. im Sinne des Kapitalismus alternativlos beantwortet: sinnvolles Leben ist jenes, dass dem Chef Gewinne in die Kassen spült.

Wie der Katholizismus hat der Kapitalismus auch seine Inqusitoren aufgestellt, deren Hauptaufgabe es ist, Hexen zu verbrennen bzw. das Volk dazu aufzustacheln, dies zu tun. Unsere modernen Inquisitoren nennen sich u.a. GWUP und Psiram, ihre Aufgabe ist klar definiert: alle Abweichler von der Lehre des Kapitalismus (bzw. seiner wissenschaftlichen Basis des dogmatischen Materialismus des 19. Jahrhunderts unter Ausklammerung aller Fortschritte der Physik in den letzten zweihundert Jahren) zu verbrennen – oder zumindest verbal so übel anzugehen, dass niemand mehr mit ihnen zu tun haben möchte, der nicht selbst in den Fokus des Hasses und des vernichtenden Spotts gegen Andersdenkende kommen möchte.

Die Rollbackoffensive des Kapitalismus läuft auf breitester Front, reicht tief in ihr Privatleben hinein – und wird auch in den nächsten Jahren Konsequenzen für Ihre materielle Versorgung haben – sofern Sie nicht das Wunder verbringen, jedes Jahr noch schneller zu rennen, um ihre vom Chef gesetzten Ziele zu erreichen. Schauen wir hierzu mal nach Griechenland, jenem Land, das wir ja unter fürchterlichen Opfern so großzügig gerettet haben. Ganz offen berichtet die Süddeutsche Zeitung von der drohenden völligen Vernichtung Griechenlands, die jedermann kalt läßt, weil es sich nach dem kapitalistischen Weltbild um wertlose Existenzen handelt, die kein Lebensrecht haben – womöglich, weil sie sich auch der völligen ökonomischen Verwertung ihrer Familien entzogen haben. Es findet eine unglaubliche Hatz nach den letzten Resten Bargeld im Lande statt (bzw. eine komplette Entwertung noch versteckter Bargeldreservern, die das Überleben sichern sollten): wer nicht bargeldlos zahlt, wird bestraft (siehe Focus). Sie können sich gerne bei Reuters über die konkreten Auswirkungen der Armut informieren: zwei Packungen Nudeln im Monat müssen reichen. Das ist momentan der Standard in einem EU-Land, das zudem die Wiege der europäischen Kultur war. Und wir reden den ganzen Tag über Trump und Putin, während EU-Bürger nur noch dahinvegetieren.

Wir können in Deutschland noch nicht mal über Armut reden – über unser eigene Armut. Kaum gibt es einen Armutsbericht, der zeigt, wie die griechische Armut nach Deutschland kommt, schon stehen jene auf, die im Schulterschluss die Vernichtung der Familie im Dienste des Kapitals beschlossen haben und stellen den Bericht in Frage (siehe FAZ), dabei ist schon der Tagesschau zu entnehmen, dass die Armen in Deutschland für das zehn Jahre längere Leben der Reichen bezahlen … ja es sogar – wie bei den alten Pharaonen – mit ihrem eigenen Leben bezahlen. Unsere Wirtschaftsform – die, genau genommen, eine Herrschaftsform ist, tötet Menschen – sagt sogar der Papst (siehe Süddeutsche), die große Offensive des Kapitalismus drängt sogar ihre alten Dienstleister an den Rand. Und hören Sie bitte auf, vom „Neoliberalismus“ zu reden – dieser Begriff täuscht nur vor, es gäbe eine schlechte Form von Kapitalismus … und adäquat dazu irgendwo eine gute Form. Neoliberalismus ist nur das Codewort für Kapitalismus in der Offensive, eine Offensive, die ihm wieder – nach 200 Jahren Schmach und Heimlichkeit – die absolute Oberherrschaft über die Menschheit zurückgeben soll.

Ich möchte Ihnen einen Artikel ans Herz legen, der aufzeigt, dass „die Reichen die wahren Sozialschmarotzer“ sind, ein Artikel, der aufzeigt, in welcher Realität wir gerade leben (siehe Heise):

„Die sozialversicherte Arbeit ist zerstört worden und je weniger man für Arbeit bezahlen muss, umso mehr Profit wird gemacht. Das alles wird nebenbei von den Steuerzahlern finanziert – etwa für Subventionen, Steuererleichterungen und die Zahlung von Hartz IV-Regelsätzen für Berufstätige, die nicht von ihrem Lohn leben können. So bezahlen die Arbeitnehmer für den Abbau ihrer eigenen Rechte, damit die Shareholder dann alles, was die anderen geleistet und erarbeitet haben unter sich aufteilen können.“

Das ist unsere Gegenwart: die Vertreibung von unseren Höfen. So herrschte Feudalismus, Sozialismus, Faschismus im Dienste des Kapitalismus, der mit seiner Geldmacht gerade die schwachen Demokratien zerdrückt oder gleich ganz aufkauft: wir werden von unserer Lebensgrundlage abgeschnitten – vom freien Zugang zum Warenfluss mittels Geld, besser gesagt: von der Ernte unserer Höfe. Da ist historisch das finstere Mittelalter nicht weit hinter uns – wir sind mitten drin, als Flüchtlinge, die täglich ängstlich auf den Briefkasten schauen, ob dort nicht jene Rechnung kommt, jene Kündigung, jene finanzielle Forderung, die uns endgültig auf die Straße treibt. Ganz ungünstige Voraussetzungen für eine Revolution, momentan können wir nur flüchten vor jenen „Mächten und Gewalten“, die sich gerade zurückholen, was sie dereinst verloren hatte. Deren Macht ist inzwischen so groß, dass sie – um nur ein Beispiel zu nennen – ihre ehedem profitablen Ölbohrplattformen vom Steuerzahler abreißen lassen (siehe Tagesschau) anstatt ihren Müll selbst zu entsorgen.

Und eigentlich … können Sie sogar froh sein, wenn Sie ihre drei-Zimmer-Wohlstandsblase in der Innenstadt verlieren, denn genau betrachtet, sind diese Zellen die Motoren der Umweltvernichtung … achten Sie einfach mal drauf, wie viel Müll sie monatlich produzieren. Aktuell hat diese Erkenntnis eine Umweltschützerin zur Aufgabe gebracht, sie hat einen lesenswerten Abschiedsbrief geschrieben, der uns zum Kern unserer persönlichen Existenz im Kapitalismus führt (siehe Umwelt-Watchblog):

„Das, was ich als Ausweg sehe, ist nicht populär. Unser Lebensstil, der nur auf exzessiven Verbrauch aller erreichbaren Güter ausgerichtet ist, muss sich ändern. Wir haben nicht so viel Energie zur Verfügung, wie wir brauchen, um weiterhin alles so zu tun wie wir es derzeit tun. Ein Anfang wäre die umfassende, ehrliche Aufklärung und Information über das, was derzeit geschieht und nicht zukunftsfähig ist.“

Und was gerade geschieht, ist: wir sind alle Teil eines Molochs, der unsere Lebensgrundlage vernichtet. Der Moloch heißt Kapitalismus – und er ist in der Offensive. Also bitte nicht groß wundern, wo die großen Demonstrationen für Frieden und Gerechtigkeit bleiben: wo feindliche Offensiven ihre Opfer durchs Land jagen, ihnen die Höfe nehmen, die Würde, die Freude, die Freiheit (auch die, zwischen konkurrierenden Weltbildern das für sich selbst zu wählen, in dem man sich am wohlsten fühlt), sind erstmal zu wenig Ressourcen für effektiven Widerstand vorhanden. Wir müssen erstmal mit der Erkenntnis leben, dass wir selbst Teil der Offensive des Geldes gegen das Leben sind – etwas, was ich immer merke, wenn ich meinen Plastikmüll herausbringe … und mir bewusst werde, dass ich gerade meinen Teil an der Vernichtung der Lebenswelt meiner Kinder und Urenkel beitrage. Ja – schauen Sie sich mal die Studie über PCB-Belastungen in ihren Wohnungen an: da leben Sie vegan, rauchen nicht, treiben regelmäßig Sport … und kehren jeden Abend in eine krebserregende Gifthölle zurück, der sie gar nicht entkommen können (siehe Stuttgarter Zeitung) – an der aber viele andere gut Geld verdienen.

Schlimm, wenn man über Kapitalismus redet und merkt, dass man auch selbst Teil seiner Offensive „Geld gegen Leben“ ist. Aber – um das nochmal zu erwähnen:

Ein Anfang wäre die umfassende, ehrliche Aufklärung und Information über das, was derzeit geschieht und nicht zukunftsfähig ist.

Und wenigstens daran könnten Sie teilhaben.

 

 

 

Hartz IV: „Vernichtung durch Lebensverhältnisse“ – Sanktionen bald strafbar?

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Donnerstag, 18.2.2016. Eifel. Wir müssen noch einmal über die dunklen Zeiten reden. Ja – über das Dritte Reich. Ich weiß: viele mögen nicht, wenn darüber gesprochen wird. Man sollte das doch langsam mal vergessen, irgendwann ist genug damit, man muss das doch auch mal ruhen lassen – Sie kennen die Sprüche. Sie könnten auch stimmen – hätte es jemals eine gründliche Aufarbeitung dieser Zeit gegeben. Noch immer haben wir keine Ahnung, was in diesen Jahren eigentlich geschehen ist, welche Prozesse eigentlich das Volk der Dichter und Denker dazu brachte, seine eigene Vernichtung industriell zu organisieren – dabei wäre die Beantwortung der Frage enorm wichtig, warum das geschehen konnte – ohne eine Antwort auf diese Frage können wir nie ausschließen, dass es sich wiederholt.

Zudem ist die Situation heute noch verschärft: gesellschaftliche Kräfte, die sich als „links“ beschreiben, aber eigentlich nur Büttel eines nach nach extrem rechts abdriftenden Systems sind, verhindern ruhige und systematische Reflexion über diese Zeit: sie wollen die Holocaust als einmaligen Unfall der Geschichte in der Vergangenheit für sich konservieren und hängen jedem eine moralische Anklage an, der Parallelen zur momentanen aktuellen Entwicklung der deutschen Gesellschaft sieht, die noch keine Vernichtungslager hat … aber allmählich wieder mehr und mehr „unwertes Leben“ zu definieren beginnt – jenes Leben, das dann im Laufe der Zeit „teuer“ und „lästig“ wird, weshalb man nach einer „Endlösung“ verlangt, die die Ausgaben betriebswirtschaftlich sinnvoll minimiert und die Gemeinschaft von den ganzen Parasiten und Schmarotzern befreit, wie es schon einmal der Fall war.

Es gibt funktionale Erklärungsversuche (siehe zum Beispiel das Experiment „Die Welle“), wie sich solche Systeme nahezu automatisch auch in demokratisch organisierten Gesellschaftsformen etablieren können, wie allein die Definition eines „wir“ und eines „ihr“, gemischt mit einer strammen Disziplin des „wir“, die keinerlei Reflektion oder Widerspruch ermöglicht, Grundlagen für die Entwicklung von Vernichtungslagern für Andersdenkende (die in diesem geschlossenen System schlichtweg keinen Sinn mehr machen, deren Existenz einfach nur überflüssig und … lästig ist) sind – doch selbst diese Erkenntnisse werden heute angezweifelt, im Verborgenen gehalten, kaum noch erinnert, womöglich, weil einem dann sehr unheimlich werden würde.

Wir haben heute wieder dieses gelebte „Wir“ – es hat sich in der geschlossenen Ablehnung von Arbeitslosen (Codebezeichnung: „Hartzer“) gezeigt, oder aber in der Euphorie über eine Million Flüchtlinge, die nach Deutschland strömen: wehe, es übt jemand an dem „Wir“ Kritik – es drohen ihm übelste Beschimpfungen. Überhaupt steigt der Zorn des „Wir“ auf die anderen unglaublich an – wie viele harmlose Friedensdemonstranten erfahren mussten. Gerade jene, die seit Jahrzehnten als die friedlichsten der Friedfertigen gelten, wurden voller Wut, Hass und Zorn als Nazischlächter diffamiert, ohne das jemanden groß der Irrsinn gestört hätte, der sich in diesen hanebüchenen Aktionen offenbarte. Die „Beweise“, die für die Aburteilung der Friedfertigen geliefert wurden, waren oft an den Haaren herbeigezogen: hat auch nur ein Glatzkopf den Reden gelauscht, wurde daraus gleich eine faschistische Demonstration.

Die Methode kennt man aus dem Dritten Reich: es gilt, ein Wort zu finden, das für alles Böse dieser Welt steht, ja, sogar der Grund für die Existenz des Bösen schlechthin ist. Früher war dieses Wort „Jude“, das Volk wälzte sich vor Vergnügen in den Bildern vom heroischen Kampf der edlen, guten Arier (der „Gutmenschen“) gegen die bösen, schlechten Untermenschen (die „Juden“). Noch heute findet dieser Mythos im deutschsprachigen Raum große Anerkennung, in Wien sogar dergestalt, dass jüdische Eltern ihre Kinder zum Schutz vor antisemitischer Aggitation wieder aus den Schulen nehmen müssen (siehe diepresse). Nur heute ist – dank Disney und Hollywood – des Ersatzwort für das „ultimative Böse“ „Nazi“. Sicher zurecht: Auschwitz offenbart eine Dimension der Bösartigkeit, die sich vorherige Generationen noch nicht einmal denken konnten – durch den inflationären Gebrauch dieses Wortes entwerten wir es jedoch Tag für Tag … und machen es so wieder gesellschaftsfähig … ebenso werden die Maßnahmen zur Kostenreduktion wieder gesellschaftsfähig. Doch doch – schauen Sie nur mal nach Griechenland (siehe Spiegel):

„Mehr Totgeburten, HIV-Neuinfektionen, Tuberkulose- und Depressionsfälle sowie Suizide: Der drastische Sparkurs in Griechenland hat einer Studie zufolge verheerende Auswirkungen. Eine Hilfsorganisation spricht von einer vollständigen Verletzung der Menschenwürde.“

„Verheerende Auswirkungen“ … eine schöne Umschreibung für Massenmord. Ja – Massenmord. Schauen Sie sich die in der renomierten Zeitschrift „Lancet“ veröffentlichten Zahlen mal genau an – zum Beispiel für Kinder:

„Die Autoren der Studie heben besonders die Auswirkungen auf Kinder hervor: Die Zahl der Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht ist allein zwischen 2008 und 2010 um 19 Prozent gestiegen, die Zahl der Totgeburten um mehr als 20 Prozent. Als möglichen Grund führen die Wissenschaftler den – wegen hoher Kosten und geringem Einkommen – schwierigen Zugang zu Ärzten an, die zu Komplikationen in der Schwangerschaft führten. Auch die Säuglingssterblichkeit ist den Zahlen zufolge um 43 Prozent gestiegen.“

Hat da noch irgendjemand Mitleid mit den Griechen? Kaum, denn die Parole ist klar: der Grieche ist böse und muss vernichtet werden. Was war nochmal genau böse am Griechen? Der kostet Geld – und was Geld kostet, muss schnell entsorgt werden. Wie es so schön in dem Artikel heißt: Diabetiker müssen sich entscheiden, ob sie Insulin kaufen oder etwas zu essen … sie haben also nur noch die Wahl, auf welchem Wege sie ihrem Leben ein Ende setzen dürfen. Federführend in dieser Entwicklung: der Deutsche, und zwar wieder mit voller Begeisterung.

Wem nun langsam mulmig wird, weil die Vernichtungslager wieder denkbar werden – als betriebswirtschaftlich ideale und renditefreundliche Entsorgungsmaßnahme für „Minderleister“ und „Kosten auf zwei Beinen“ – der nähert sich langsam einer Realität, die kaum einer wahr haben will: wir wissen zwar nicht genau, weshalb sich diese Exzesse ereignet haben – aber wir wissen genau, dass dieses Volk seine große Freude daran hatte, das „Andere“ zu definieren, zu jagen und zu vernichten. In Deutschland war Hitler möglich – und wie können wir sicher sein, dass er nicht wieder möglich sein wird … erst Recht, weil wir uns nie gründlich um die Ursachen gekümmert  haben und die Verstrickungen „der Wirtschaft“ mit „dem Regime“ gerne übersehen, weil die folgsamen Mitläufer Hitlers die Gründerväter des deutschen Wirtschaftswunders waren und ihre „Werte“ hemmungslos im Betrieb verbreiten konnten: Disziplin und Gemeinschaftsgeist, Grundlage eines jeden uniformierten Faschismus.

Auch sonst zeigt die Gesellschaft bedenkliche Zeichen der Degeneration: die Unfälle auf den Straßen nehmen wieder zu, weil „die Leute immer aggressiver fahren“ (siehe Spiegel) – vielleicht auch ein Grund, weshalb man sich nur noch in einem überdimensionierten Blechungetüm Marke „SUV“ sicher fühlt. Noch schlimmer jedoch scheint der Hass zu sein, die Lust am Totschießen, die sich in Deutschland wieder breit macht: als Gegenteil zu einer gnadenlos gedankenlosen Willkommenskultur, die sich komplett verantwortungslos keine Gedanken über mögliche Folgen und Auswirkungen einer ungesteuerten Völkerwanderung machen formiert sich in Deutschland einer Front von Menschen, die sich ungerührt zum Massenmord bekennen – natürlich mal wieder nur aus lauter hehren und edlen Motiven heraus (siehe wiwo):

„Mehr als jeder vierte Befragte (29 Prozent) hält es einer Umfrage zufolge für gerechtfertigt, unbewaffnete Flüchtlinge mit Waffengewalt am Grenzübertritt zu hindern.“

Merken Sie, warum wir nochmal über das Dritte Reich reden müssen? Ich weiß: sie warten darauf, dass ich zum Thema der Überschrift komme – wir sollten aber zuerstmal das Problem in seiner Gänze verstehen und nicht in der Parolenbrüllerei des Zeitgeistes stecken bleiben. 29 von 100 Bürgern würden ohne mit der Wimper zu zucken auf unbewaffnete Menschen schießen. Wissen Sie, wie viele Menschen die im Visier haben? Der Oxfordforscher Paul Collier hat diese Zahl kürzlich konkretisiert (siehe FAZ):

„Es gebe eine Masse von mehreren hundert Millionen wanderungsbereiten Menschen. Diese sei, „wenn sie sich erst mal in Bewegung setzt, kaum noch steuerbar“.“

Wenn diese mehreren hundert Millionen Menschen sich nach Deutschland aufmachen, dann wird an den Grenzen geschossen werden. Wir werden Leichenberge bekommen, wie wir sie noch nie gesehen haben. Vielleicht wird man sich aber auch an „gute, alte Traditionen“ erinnern und wieder mal feststellen, dass Kugeln viel zu teuer sind: Zyklon B war schon einmal eine kostengünstige Alternative. Über die Gedankenlosigkeit hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik – Folgen, die jeden Tag Menschen das Leben kosten, die sich auf waghalsigste Abenteuer begeben, um in ein Land zu gelangen, das weit von dem Paradies entfernt ist, das man sich ausgemalt hat – werden wir noch gesondert reden müssen: hier muss es reichen, zu erkennen, welche Dimensionen die neuen Vernichtungsorgien erreichen werden, für die wir jetzt schon genug schusswütiges und agressives Potential haben.

Ich weiß: man regt sich über eine Frau Petry auf, die die Schußdebatte angestoßen hatte – doch andere haben da schon wieder ganz andere Perspektiven im Kopf. Es gibt hier eine interessante Diskussion mit dem Chef der Innenministerkonferenz, der ganz offen den Einsatz der Bundeswehr fordert – im Januar diesen Jahres (siehe n-tv):

„Wir brauchen die Bundeswehr schon jetzt. Ohne sie wären viele Landes-Aufnahmestellen nicht funktionsfähig.“

„Wir haben in diesem Jahr schon mehr als 70.000 neue Flüchtlinge gezählt. Dabei ist der Januar ein ruhiger Monat. Wenn man es hochrechnet, wären es am Jahresende wieder eine Million. Das können wir nicht verkraften. Dafür ist gar nicht genügend Wohnraum vorhanden. Wir stehen vor einem schwierigen Jahr.“

Ja – und wie soll die Bundeswehr dann „helfen“? Nun – 13 Prozent der Studenten an Bundeswehrhochschulen befürworten verfassungsfeindliche Ideen aus dem faschistischen Gedankenraum (siehe Süddeutsche Zeitung):

„So sähen sie etwa die „nationale Identität Deutschlands durch die vielen Ausländer bedroht“ und pflichten der Aussage bei, „eine starke Führungselite sollte den Weg Deutschlands“ bestimmen.“

Eine Studie aus dem Jahre 2009 – die Studenten haben nun also alle ihr Kommando. Macht Sinn, sie mit der Lösung der Krise zu beauftragen.

Zudem ist die soziale Lage des deutschen Bürgers von vielen Seiten her bedroht: findige kriminelle Allianzen von Bankern und namhaften Milliardären bereichern sich hemmungslos am Steuervermögen (siehe Süddeutsche), weshalb man jetzt schon von Seiten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ein Renteneintrittsalter von 85 in Erwägung zieht (siehe Focus) anstatt über eine gerechtere Verteilung der Gewinne aus der Industrialisierung und Globalisierung nachzudenken, gleichzeitig werden die Maßnahmen zur Kontrolle immer perfider (siehe Spiegel)

„Sie können durchaus nützlich sein: Mit Schrittzählern, Geschwindigkeits- und Pulsmessern überprüfen viele Sportler ihre Fitness. Die Daten, die sogenannte Wearables erfassen, könnten aber auch für die Krankenkassen interessant sein: Wie gesund lebt ein Versicherter? Wie viel bewegt er sich? Wie fit ist er? Und in letzter Konsequenz: Soll er weniger Leistungen erhalten als andere?“

Verrückt – angesichts einer Gesellschaft, in der 70 Prozent der Jobs gesellschaftlich überflüssig sind und krank machen (siehe Sein.de) über eine Rente ab 85 nachzudenken – wobei zu bedenken ist, dass Männer erst im Jahre 2060 das Durchschnittsalter von 85 erreichen (Frauen schon 2030 – siehe Statista), die meisten also ihre Rente gar nicht mehr erhalten werden. Wenn die Krankenkassen nun auch noch Kontrolle ins Privatleben bringen, ist die 100-Stunden-Woche im Dienste der „Fit-for-Job“-Bewegung bald Realität – kein Wunder, dass die Menschen hier aus dem Ruder laufen.

Machen wir uns nichts vor: wer auf Flüchtlinge schießen will, weil die kosten und wir keinen Platz mehr für sie haben, der schießt auch auf Arbeitslose, Rentner und Behinderte – wir hatten das schon einmal, wir erinnern uns nur nicht gerne daran.

Umso wichtiger ist es jetzt zu sehen, dass ein entscheidender Schritt gemacht wurde – im Rahmen der Verfolgung von Personal in den Vernichtungslagern. In Detmold findet gerade in Prozess gegen einen SS-Wachmann statt, der ein Alter weit jenseits der 85 erreicht hat – anders als die Opfer der NS-Zeit. Ich weiß, viele denken jetzt: was sollen diese Prozesse gegen diese ganz alten Menschen, wäre nier nicht Gnade angesagt? Wer dieser Meinung ist, hat die Dimension der Bösartigkeit und die akute Gefährlichkeit des Faschismus immer noch nicht begriffen und bereitet gerade das neue Massaker mit vor – außerdem verjähren diese Verbrechen laut Gesetz nicht – womit sich die Diskussion schon erübrigt.

Das Besondere an diesem Prozess ist jedoch die Art der Anklage – nicht Mord oder Beihilfe zum Mord steht – wie üblich – im Vordergrund, sondern etwas anderes (siehe Spiegel):

„Sondern es wird erstmals von einer Staatsanwaltschaft auch die „Vernichtung durch Lebensverhältnisse“ benannt und beschrieben. Selbst wer nicht in eine Gaskammer getrieben wurde, war in Auschwitz ein Todgeweihter. Denn keiner der Deportierten sollte das Lager lebend verlassen. Die Menschen sollten zugrunde gehen an Auszehrung, an Seuchen, sie sollten verhungern oder unter der Last schwerster körperlicher Arbeit zusammenbrechen.“

Die hatten echt griechische Verhältnisse in den Lagern, scheint mir.

Hiermit … hat die kleine Staatsanwaltschaft in Detmold im Rahmen der Verfolgung der Verbrechen des NS-Regimes ein zentral wichtiges Moment ins Spiel gebracht: „Vernichtung durch Lebensverhältnisse“ – noch kostengünstiger als die Kugel oder Zyklon B. Arbeiten bis zum Umfallen (oder bis 85), gejagt durch die Funktionseliten des Systems (die Schrittmacher am Handgelenk), bei Befehlsverweigerung sanktioniert wie die Griechen, an denen gerade exemplarisch eine Massenvernichtung vollzogen wird (bzw. eine kostengünstige Entsorgung der Kostenfaktoren „Alte“, „Kranke“, „Kinder“).

Egal welche Ausbildung sie ehedem hatten: nach einem Jahr Hartz IV werden sie auf das Niveau „Hilfsarbeiter“ herabgestuft und zur schweren körperlichen (vernichtenden) Arbeit verdammt. Nehmen Sie diese Arbeit nicht voller Begeisterung (die vor allem für den „Arbeitgeber“ sichtbar werden muss, damit er ihnen Ihre Existenzberechtigung bescheinigt und erklärt, dass Sie sich wirklich angestrengt haben im Job) an, werden sie sanktioniert – ersten Gerüchten zufolge bald vier Jahre (anstatt wie aktuell drei Monate) lang, Obdachlosigkeit, Hunger und Durst sowie fehlende Krankenversicherung inklusive.

Vernichtung durch Lebensverhältnisse … gilt für die, die Arbeit haben ebenso wie für die, die arbeitslos sind – alles zum Zwecke der Maximierung der Rendite der Milliardäre … also der maximalen Steigerung der Ausbeute durch Ausbeutung.

Vernichtung durch Lebensverhältnisse … ist aber auch (neben den vom „Westen“ gesponserten und im Namen der „Demokratie“ gewünschten Kriegen) die Hauptursache für die Flucht der ärmsten Bewohner dieses Planeten Richtung Europa. Dies strafbar zu machen und als neue Dimemsion eines nicht-uniformierten Faschismus zu begreifen, ist ein großer Schritt nach vorn.

Zu weit gedacht? Wir sind nicht vergleichbar mit dem „Dritten Reich“? Vor allem sind wir ja Gutmenschen und nicht böse?

Eine Gegenfrage: können wir es wirklich riskieren, zu glauben, dass die Kräfte, die Hitler überhaupt erst den Weg zur Macht ebneten, für immer im Nichts verschollen wären? Können wir es wirklich riskieren – angesichts der zunehmenden Verrohung Millionen Deutscher, die schon jetzt gerne auf Unbewaffnete schießen würden und bis dahin erstmal ihre Mitmenschen als Blechnazis mit dem Auto terrorisieren?

Machen wir „Vernichtung durch Lebensverhältnisse“ strafbar … erwartet uns ein ganz neues Deutschland – eines, dass sich wieder auf jenen Weg begibt, den es nach 1968 mutig ausprobiert hat: den Weg, mehr Demokratie zu wagen. Ein Deutschland ohne durch Hartz-IV indirekt eingeführte Zwangsarbeit wäre ein Deutschland, in dem Krankheit durch Arbeitslosigkeit und ausbeutende Bullshitjobs wieder auf dem Rückzug wäre, was die Krankenkassen enorm entlasten würde – und die Leute wieder entspannter mit den Herausforderungen des Lebens umgehen läßt.

Es wäre ein Deutschland, das Menschen, die ihre Mitmenschen per Gesetz in Todenähe bringen sowie jene, die diese „Sanktionen“ vor Ort vollziehen, wieder hemmungslos verfolgt … wie die alten KZ-Wächter.

Wird auch Zeit dafür.

 

Griechenland und die mörderische Diktatur der Finanzelite

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Montag, 21.7.2015. Eifel. Kennen Sie Michael Chossudovsky? Wahrscheinlich nicht. Jedenfalls nicht persönlich. Der Mann hat ein Buch geschrieben, Titel: „Global Brutal“, ein Werk, dass zu den wichtigsten Büchern der Menschheit gehört, auch wenn es schon älter ist. In ihm beschreibt er die brutalen Folgen der Neokolonialisierung, die ewig gleichen Methoden, mit denen „Anleger“ ihren Willen durchdrücken. Der Deutschlandfunk hat das mal kurz skizziert (siehe Deutschlandfunk):

„Man zerschlage eine lokale Selbstversorgungsökonomie im Namen des „freien Marktes“, degradiere den Staat zum Empfänger von Weltbankkrediten (die natürlich an strenge Auflagen im Sinne eines globalen Marktliberalismus gebunden sind), zwinge den Staat zu einem permanenten Schuldendienst, der nur mit immer neuen Krediten, also neuer Verschuldung, aufrecht erhalten werden kann, zwinge ihn weiterhin zur Deregulierung staatlicher Daseinsvorsorge und zu deren Privatisierung – und nenne das Ganze „Marktreform“, Demokratisierung und good governance. Chossudovsky spricht angemessenerweise von „Marktkolonialismus“ und „ökonomischem Völkermord“, der nebenbei von enormen Umweltzerstörungen begleitet und im Bedarfsfall – die Ereignisse des 11. September 2001 lieferten den geeigneten Anlass – um den Modus des Krieges ergänzt wird.“

So lange ist die Methode bekannt, doch niemand ist in der Lage, diesem Streben Einhalt zu gebieten. Die Methode ist sehr einfach: man sucht sich eine Regierung, die man mit Geld, Pöstchen und vielen guten Worten davon überzeugt, dass es gut ist, Kredite aufzunehmen. Von diesen „Krediten“ hat die Weltbank unendlich viele, sie – bzw. die Banknoten, die ihnen zugrundeliegen – können jederzeit nachgedruckt werden und führen durch diverse Hebelmaßnahmen (quasi einer Kreditschöpfung aus dem Nichts) so gigantischen Kreditmengen, die man quasi risikofrei unter das Volk mischen kann … unter jedes Volk, also auch unter den Deutschen. Verbunden mit dem Kredit ist die Forderung nach dem Umbau der gesamten Volkswirtschaft … vor allem nach dem Abbau jeglicher Sozialstandards – wir haben das in Deutschland durch die Agenda 2010 erlebt, gleichzeitig wurde das Tafelsilber des Landes verkauft –  z.B. die Post. So verwandelt man erdachtes Geld in harten Besitz – auf Kosten aller Steuerzahler.

Natürlich kann man auch andere Forderungen stellen und durchsetzen: angesichts der Marktmacht der Plutokratie (wie wir die Herrschaft der Superreichen in Anlehnung an Jean Ziegler einmal nennen wollen) ist es ein leichtes, ein paar hundert Abgeordnete in Form zu bringen – immerhin: wozu gibt es Lobbyisten? Die können diskret die Wünsche der Geldgeber überreichen – und noch diskreter die persönlichen Vorteile aufzeigen, die der Gehorsam gegenüber dem Geld mit sich bringt: Aufsichtsratsposten, Karrierechancen für Ehefrau und Kinder, kostenlose Kredite für den Hausbau, regelmäßige Einladungen zu exklusiven Clubs (oder zur Bertelsmannparty) Fluchtwohnraum in den USA – falls mal alles gewaltig schiefgeht – es gibt viele Möglichkeiten, Regierungen gefügig zu schießen.

Dies gilt sogar für äußerst linke Regierungen wie die griechische, die aktuell ein besonderes Tollhausstück aufführt: für viele Millionen Euro wurde das Volk nach seiner Zustimmung zu den Reformplänen der Ausländer befragt – und das Volk lehnte ab. Was gab es für einen Jubel in der Szene der europäischen Linken über diesen Sieg, was wurden dort für Träume vom Sieg des Proletariats geträumt, was wurden Hoffnungen auf diesen überwältigenden Sieg des Volkswillen aufgetürmt … bis die Ernüchterung kam: die Befragung – schon mal von einer Vorgängerregierung angedacht – war nur eine Farce, ein feuchter Traum von Phantasten, die noch nicht verstanden haben, „wo der Hammer hängt“ – also Leute, die weder Chossudovsky noch John Perkins (Bekenntnisse eines Economic Hit Man, siehe Spiegel) lesen und erst recht nicht die dort dargebotenen Informationen wahr haben wollen.

Warum sollte auch mit Griechenland anders verfahren werden als mit jedem anderen, beliebigen Land? Hier ist sogar besonders deutlich, was mit den Krediten angeschafft wurde: hauptsächlich deutsche Waffen für die (relativ) größte Armee Europas (siehe Welt), an der nach Ansage der NATO auf gar keinen Fall gespart werden darf (siehe ZDF). Zusätzlich braucht man jetzt Kredite, um die Zinsen für andere Kredite zu zahlen – d.h. der europäische Steuerzahler zahlt dafür, dass sich viele Konzerne in Griechenland eine goldene Nase verdient haben. Für die Bevölkerung bleibt nichts übrig, sie muss mit einem Anstieg der Kindersterblichkeit um 43 Prozent und einem Anstieg der Suizidrate um 45 Prozent leben (siehe Ärztezeitung) – alles nur, damit die griechische Regierung die von der Nato verlangten Waffenkäufe in Deutschland tätigen kann.

Völliger Wahnsinn, oder? Und doch Alltag in Europa, ein Alltag, der jeden Tag näher an Deutschland heranrückt. 60 Firmenpleiten pro Tag gab es allein in Folge der Bankenschließung in Griechenland (siehe Tagesschau), zusammen mit der massiven Erhöhung der Mehrwertsteuer Faktoren, die die Arbeitslosigkeit und die Armut weiter in die Höhe treiben werden – für den Umsatz deutscher Panzer- und U-Boot-Bauer.

Natürlich sieht das Volk so etwas nicht gern – aber genau deshalb haben sie ja mit NEIN gestimmt … was letztlich zum Austausch aller Linken in der Regierung geführt hat – und zur Demonstration der absoluten Macht der Diktatur der Finanzelite, die sich jetzt erstmal die schönsten griechischen Inseln – etwa 6000 stehen zum Verkauf – privat aneignen (siehe Spiegel). Was wohl den Herrn Tsipras umgestimmt hat? Nun – sein Finanzkollege Varoufakis spricht im Neuen Deutschland ganz offen über seine Erfahrungen mit der „Elite“ (siehe Neues Deutschland):

„Aber die Informationen, die man aus dem inneren Kreis erhält… deine schlimmsten Befürchtungen werden bestätigt… Die Mächtigen sprechen direkt mit dir, und dann ist es so wie man befürchtet – sogar schlimmer als man es sich vorgestellt hat!“

Schlimmer, als man sich vorgestellt hat? Klar – die gehen über Leichen und sprechen das auch deutlich aus.

„Das vollständige Fehlen demokratischer Skrupel unter den angeblichen Verteidigern der europäischen Demokratie. Das ziemlich deutliche Verständnis auf der anderen Seite, dass wir analytisch übereinstimmen – aber das selbstverständlich niemals etwas herauskommen wird. [Und dann] schauen dir sehr mächtige Personen in die Augen und sagen: »Sie haben recht mit dem, was Sie sagen, aber wir werden Sie trotzdem zerquetschen.«“

Braucht man sich da noch Hoffnungen zu machen, dass Wahlen etwas ändern könnten? Die Affäre Tsipras hat gezeigt, dass selbst linke Mehrheiten im Parlament bedeutungslos sind: die Finanzelite hat schon längst die halboffene Diktatur ausgerufen – mit tödlichen Konsequenzen für das griechische Volk, das – wie früher nur „Entwicklungsländer“ – auch in einen permanenten Schuldendienst gezwungen wurde.

Ein wichtiger und wertvoller Blick hinter die Kulissen des Politiktheaters, das für uns aufgeführt wird – ein Blick, der zeigt, wie Weltpolitik gemacht wird … und was eine Angela Merkel sich von einem US-Präsidenten anhören muss, wenn man „unter vier Augen“ spricht, was in den Gängen der Bilderbergertagungen oder in kleinen Gruppen in Davos ausgetauscht wird: „bist Du nicht willig, zerquetschen wir Dich“: da gibt die Nachricht, dass die US-Armee Anthrax in Deutschland eingesetzt hat (siehe Spiegel), gleich einen ganz anderen, düsteren Sinn.

Doch damit nicht genug: man braucht nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie sehr sich diese Finanzeliten gegen einen neuen, großen europäischen Krieg stemmen würden, der ihnen enorme Renditen verspricht: gar nicht. Eher sollte man vermuten, dass sie ihn fördern, wo sie nur können.

Was haben wir aus der Griechenlandkrise gelernt?

Eine Mehrheit von 60 Prozent für „Linke“ …. ändert gar nichts. Der Ton der feinen Herrschaften untereinander gleicht dem Sprachgebrauch im sozialen Brennpunkt … und die Wahrheit hinter der öffentlichen Schmierenkomödie ist schlimmer als erwartet, sprich: die Finanzdiktatur geht immer offener vor – und gerne auch über Leichen, auch über Kinderleichen, gerade jetzt und heute in Griechenland.

Diese Diktatur wieder los zu werden … scheint unmöglich, zumal sie durch den Einsatz gezielter, breitflächiger angesetzter Methoden des Meinungsmanagements die Lufthoheit über den Stammtischen und Kantinentöpfen hat … und die Täter mit großem Wohlstand belohnt – groß jedenfalls im Verhältnis zur Normalbevölkerung. Haus, Auto, Flugzeug, Yacht, dreimal pro Jahr in den Urlaub, Kontakt zu Prominenten – kurz: alles, was das Herz begehrt. Wer möchte da nicht gerne Täter sein?

 

 

 

Die Griechenland-Lüge: Der Faktencheck

Mit Dank an Herrn De Masi.

Die Griechenland-Lüge: Der Faktencheck

„Wir machen Euch ein Angebot, dass Ihr nicht ablehnen könnt!“ (Marlon Brando im Mafia-Film „Der Pate“)

Im Krieg stirbt als erstes die Wahrheit. Gegen die griechische Bevölkerung wird ein Wirtschafts- und Lügenkrieg geführt. Denn hat die griechische Regierung Erfolg und schafft sie es die Wirtschaft wieder aufzubauen, ohne dass die kleinen Leute die Zeche zahlen, könnte sich auch in anderen Ländern wie Spanien oder Irland der Wind gegen die Mächtigen drehen.

Die Verhandlungen mit Griechenland sind (vorerst) gescheitert. Das vom griechischen Minister-präsidenten Alexis Tsipras ausgerufene Referendum über das Angebot der Troika bzw. der „Institutionen“ (EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF)) in Griechenland ist überfällig. Denn die Ex-Troika hat nie ernsthaft verhandelt. Ein „Nein“ der Griechen zu weiteren sinnlosen Kürzungen ist die vielleicht letzte Chance, die Demokratie in Europa gegen die Herrschaft von Banken und Konzernen zu verteidigen. Allerdings schüren die Gläubiger Angst indem die EZB die Kreditversorgung der griechischen Banken einfror. Diese mussten nun vorerst schließen.

Die Institutionen behaupten sie hätten ein großzügiges Angebot vorgelegt. Das ist eine Lüge. Sie wollen die neue griechische Regierung stürzen und die alten korrupten Eliten wieder in den Sattel heben. Wir dokumentieren hier Mythen und Fakten über Griechenland und die Verhandlungen:

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Codenamen Operation Condor

Stella Calloni, argentinische Schriftstellerin und Journalistin.

Unter dem Codenamen Operation Condor operierten in den 70er und 80er Jahren die Sicherheitsdienste von sechs lateinamerikanischen Ländern – Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay, Bolivien und Brasilien mit dem Ziel, linke politische und oppositionelle Kräfte weltweit zu verfolgen, die USA unterstützten, und trainierten die lateinamerikanischen Sicherheitskräfte. Die bekannte argentinische Journalistin Stella Calloni hat jahrelang minutiös recherchiert, wer, wann und wo die Todesschwadronen das verschwinden lassen und die Ermordung von Oppositionellen organisierten.

Transskript (Mitschrift)

Nun werde ich den Europäern einen Gedanken erzählen:

Die Europäer wurden auf eine unglaubliche Weise in die Falle gelockt! Denn, wie ein US-amerikanischer Journalist Paul Harrison gesagt hat, war der Krieg gegen den Irak nicht nur ein Krieg um das irakische Öl, er war gleichzeitig ein Krieg gegen den Euro.

Mit dem Beschluss für eine Europäische Fassung entstand die Gefahr, dass aus einem geeinigt Europa eine neue Weltmacht entsteht. Der Krieg, an dem Europa teilnahm, war daher in Wirklichkeit ein Krieg gegen Europa selbst!

Es war eines der Manöver der USA, weil der Euro sich an vielen Orten als Zahlungsmittel gegen den Dollar ausgebreitet hatte. Der Irak hatte beschlossen, den Handel mit Europa in Euros zu betreiben, Iran und Libyen ebenfalls.

Was sollte mit dem Dollar passieren?

Die USA mussten die OPEC aushebeln und sie mussten Europa aushebeln. Daher wurde das europäische Volk desinformiert und manipuliert. Nicht wissend, dass es den Kapital- und Konzerninteressen ausgeliefert werden soll.

Daher wurden den Europäern verstärkt die neoliberalen Projekte aufgeschwatzt, die bereits im Rest der Welt gescheitert waren, die Lateinamerika zerstört haben, und sogar die Macht der Regierenden selbst zerstört haben, in dem in immer mehr Ländern sich die Bewohner gegen die Regierenden erheben.

Es ist kein Zufall, dass sich Tausende Menschen an die jüngsten Unruhen in London beteiligt haben, es ist kein Zufall, dass wir in Griechenland und in Spanien Massenbewegungen gegen das herrschende System und ihre Kaste sehen.

Was vor kurzem begonnen hat, ist, dass die Menschen den Schaden und die Zerstörung sehen, die dieses Projekt mit sich bringt. Europa braucht dieses Projekt nicht! Warum sollte Europa sein Sozialstaat aufgeben, den es in vielen schwierigen Zeiten errichtet hatte?

Deshalb sagte ich Ihnen, die Kinder zu ihren Eltern sagen, obwohl es eigentlich die Eltern sein sollten, die ihren Kindern guten Rat geben sollten:

Passen Sie auf sich auf! Passen Sie auf sich auf!

Es ist ein neuer “Plan Condor“ im Gange mit all diesen Transfers von Gefangenen und den Bau der Geheimgefängnisse …

In einem Europa, das sich noch für demokratisch und die Menschenrechte respektierend hält, sollen abgebaut werden.

Was wollen sie dann machen?

In den neuen Gesetzen (der Hemisphäre) ist alles verankert, indem Antiterrorgesetzen, im Patriot Act der USA und anderen Beschlüssen, die nicht nur zum “Plan Condor“ gehören.

Sie sind alles, sie sind die Gesamtheit aller Operationen, die sie schon durchgeführt haben, sie sind die Gesamtheit der Erfahrung, die sie im Rahmen ihrer Antiterrorgesetze gesammelt haben, sie zielen darauf ab, die regionalen Polizeien zu zerschlagen, sie schaffen neue Sicherheitseinheiten in ihren Polizeischulen und beim Militär, aber die Völker werden nicht befragt über diese neue Maßnahmen.

Wenn Sie in den Parlamenten verhandelt wurden, können die Völker nicht mehr eingreifen, sie werden Gefangene im Rahmen dieser neuen Gesetze.

Das argentinische Militär hat sie in den 70er und 80er des letzten Jahrhunderts bereits angewendet und Menschen getötet, indem es Geheimgefängnisse errichten ließ. Errungenschaften in den USA rückgängig gemacht hat.

Genau solche, wie sie die USA – dank dem Patriot Act errichten. Der dem Staat erlaubt, das Privatleben aller auszuspionieren und der alle demokratischen Errungenschaften in den USA rückgängig gemacht hat.

Heute gibt es keine Demokratie in den USA!

Die Demokratie wurde aufgehoben durch den Patriot Act. Genauso kann nun interveniert werden, wenn jemand die Wahrheit sagt.

Deshalb denke ich, der Plan Condor, beim Vergleich dazu, noch eine regional beschränkte Operation. Aber er war eine Erfahrung, die uns ermöglicht hat, zu sehen, wie sie benutzt werden sollen. Und die Leute, die sie angewendet haben, sind heute etwas anders, sie sind Unternehmer geworden, wunderbar, sie leben völlig ungestraft.

Welt im Wahn: Afghanistan, Ukraine, Irak, Griechenland, Reebock und politisches Kleinganoventum

Digital StillCamera

Dienstag, 27.1.2015. Eifel. Lohnt es sich überhaupt noch, als normaler Bürger seine Gedanken öffentlich zu machen? Mehr geschieht hier ja nicht. Wir als kleines Nachdenkmagazin verfügen nicht über die Ressourcen, Korrespondenten in die Ukraine zu schicken – oder nach Afghanistan. Oder nach Reebock. Reebock? Ja, eine Addidas-Tochter, die die vor einiger Zeit selbst aufgekauft hatten. Die Meldung erschien im Oktober 2010 im Manager-Magazin – wahrscheinlich hat sie jeder überlesen, der nicht bei Reebock arbeitet . Der Artikel bringt mit einem einzigen Satz Licht in die Welt unserer modernen Wirtschaftsordnung (siehe Manager-Magazin):

Die Investorengruppe, zu der die in Hongkong ansässige Beteiligungsgesellschaft Jynwei Capital sowie Fonds mit Verbindungen zu der Regierung von Abu Dhabi gehören, seien der Ansicht, dass Reebok alleine besser aufgestellt sei, hieß es unter Berufung auf nicht näher genannte Insider.

Erstmal ist es ja schon Wahnsinn, welche Preise für eine Firma gezahlt werden, die Turnschuhe herstellt – aber was soll man machen: die Schlüsselindustrien sind schon alle verkauft. Der nächste Wahnsinn: das eine Gruppe von Geldanlegern (früher hätte man die „Sparer“ genannt – aber das klingt so trivial) sich eine milliardenschwere Firma kaufen kann – ohne auch nur die geringste Ahnung vom Turnschuhbusiness zu haben. Man weiß, wo das endet, hat es oft genug gesehen: Massenentlassungen, Leiharbeitsmaximierung, Qualitätssenkung zum Wohle der Rendite – denn das ist alles, woran Investoren Interesse haben: an leistungslosem Einkommen.

Alles beruht auf einer ganz einfachen Gleichung: Ich gebe Dir heute hundert Euro – und dafür bekomme ich nächsten Monat 125 Euro zurück (wenn ich mal auf die alten Renditeträume von Josef Ackermann zurückgreifen darf). Szenen, aus dem Kleinganovenmillieu, mit denen man heute unsere Wirtschaft beschreiben kann.

Der so erzeugte Druck – der im Übrigen nur aufrecht erhalten werden kann, wenn hinter den Forderungen auch Schlägertrupps stehen, die diese durchsetzen – führt zu erstaunlichen Entgleisungen im Sozialgefüge, zu einem deutlichen Abbau des Gemeinschaftsbewusstseins bei gleichzeitiger hemmungsloser Plünderung der Gemeinschaftskassen (vor allem der Krankenkassen und der Steuerkassen) und zu einer unbeschreiblichen Verrohung der Moral: Zustände, wie man sie sonst nur in kollabierenden Sozialordnungen beobachten kann.

Schlägertrupps? Ja – die Jungs, die einem die Finger brechen, wenn man nicht pünklich zahlt. Die braucht man, sonst hält das ganze Gefüge nicht zusammen. Unsere Schlägertrupps haben sogar einen Namen: NATO – gerade weltweit im Einsatz. Unter dem US-Nuklearschirm kann man sich halt einiges erlauben – zum Beispiel die hemmungslose Ausweitung dieses Kleinganoventums auf alle Länder der Erde – im Namen von Investoren, die schon viele Firmen zugrunde gerichtet haben … und dicht davor sind, mit ihrem Wahn die komplette weltweite Wirtschaftsordnung zu zerstören … und nicht nur Reebock.

Speerspitze dieser Schläger sollen jetzt wir Deutschen werden – die Sachsen sollen jene Truppen anführen, die als erste in die Kampfhandlungen mit russischen Streitkräften eintreten (siehe Spiegel): ja, solche Nachrichten gehen heute fast spurlos an uns vorbei … ebenso wie die Nachrichten über eine Neugestaltung der atomaren Doktrin (siehe Spiegel): ganz offen wird ein thermonuklearer Krieg in Europa angegangen.

Worum geht es in diesem Krieg?

Nun – die Schlägertrupps der Kleinganoven haben noch nicht überall Zugriff, der Zinsterror endet an der russischen Grenze – eine Sünde sondergleichen, denn dort existiert etwas, was Investoren hassen wie die Pest: ein starker Staat, der sich gegen die schleichende politische Machtübernahme durch „Investoren“ durch Enteignung wehrt. Früher war ihre Sünde der Kommunismus (was für ein grausamer und unverständlicher Gedanke auch, dass die Gesamtleistung einer Volkswirtschaft dem Wohle aller – und vor allem der Kinder – zugute kommen sollte, um die Zukunft der Bewohner zu sichern), heute ist es die Nichtaktzeptanz des Kleinganovenbusiness. Ja, ich weiß: das ist jetzt etwas einseitig dargestellt – aber diese Einseitigkeit wird doch vom Kleinganovenjournalismus vorgelebt … was soll ich also anderes tun, als dies nachahmen?

Lange Zeit war das kein Krieg. Lange Zeit gab es da gar nichts – nur Tote. Die Kleinganovenmedien hatten sich noch nicht auf einen Sprachcode geeinigt, 2015 kam dann die Erlösung: der Spiegel erklärte den Krieg für offiziell eröffnet … und beschreibt nebenbei die Zunahme an Grausamkeiten auf beiden Seiten … nebenbei wird lapidar die brutale Ermordung eines russischen Generals in der Ukraine erwähnt, ohne die Quelle kritisch zu prüfgen – so „beweist“ man hintenherum die Präsenz russischer Truppen in der Ukraine (siehe Spiegel). Weniger Beachtung finden Anschläge des ukrainischen Geheimdienstes auf die Pressefreiheit (siehe Ukraine-Nachrichten), wo sich Szenen abspielen wie bei Charlie Hebdo … nur momentan noch ohne Tote; die Frage, ob die ukrainischen „Freiwilligenbattalione“ ihre Foltermethoden (siehe Junge Welt) vom amerikanischen Geheimdienst gelernt haben, wird wohl länger unbeantwortet bleiben – ebenso wie der Einsatz von Streubomben durch die Regierungstruppen ungesühnt bleiben wird (siehe Süddeutsche).

Da tobt inzwischen ein Vernichtungskrieg gegen den politischen Gegner, ein Krieg, der von Deutschland finanziert wird – mit aktuellen Kreditgarantien (siehe FAZ) kann der Finanzoligarch seine Machträume von dem Aufbau einer Riesenarmee verwirklichen (siehe FAZ) obwohl das Land völlig bankrott ist (siehe Spiegel).  Worüber man sich beschwert? Das der neue Zar in Russland das merkt und die ukrainische Armee die „Fremdenlegion“ der Nato nennt, sollte aus der Perspektive nicht verwundern, zumal man im Westen inzwischen ganz offen über private US-Söldnerhaufen berichtet, die in der Ukraine aktiv sind (so der „Nahost-Sicherheitsexperte“ Michael Lüders am 20.1.2015 in einer Sendung von N-TV): was wir Russland vorwerfen, praktizieren wir selbst ganz ungeniert. Wahrscheinlich sind wir deshalb so sicher, dass „DIE“ das auch tun.

Wenden wir unseren Blick mal kurz von dem baldigen Dritten Weltkrieg ab – und bleiben bei den Investoren, die einen starken Staat fürchten wie der Teufel das Weihwasser: immerhin geht er konsequent seinem Job nach und schützt die Bürger vor Räubern und Piraten … auch vor denen in Armani-Anzügen und maßgeschneiderten italienischen Halbschuhen, die Geld genug haben, jeden führenden Politiker und Entscheidungsträger der westliche Welt auf größten Privatjachten durch die Paradiese des Universums zu schippern. Wie gehen wir eigentlich in Deutschland mit denen um? Der Putin sperrt sie ein und enteignet ihre Firmen … und was machen wir? Die Süddeutsche hat da aktuell einen kleinen Skandal aufgedeckt (siehe Süddeutsche):

„Fast die Hälfte der mehr als 2000 Hausausweise für Lobbyisten werden über die Parlamentarischen Geschäftsführern (PGF) der Fraktionen beantragt.
Etwa 900 davon werden über die PGF von Union und SPD beantragt. Zum Vergleich: Der Bundestag hat 613 Abgeordnete.
Die Namen der Lobby-Organisationen wollen weder Bundestagsverwaltung noch die PGF der großen Koalition nennen.“

Ganz offen wird über die Arbeit der Agenten des Kleinganoventums gesprochen:

Lobbyisten, die lieber ganz im Geheimen Abgeordnete beeinflussen wollen, können sich sicher sein, dass ihre Namen und die Namen ihrer Organisationen nirgends auftauchen.

Das .. ist das Ende der Demokratie. Sie starb – offiziell – am 24. Januar 2015. Und so bekommen „Investoren“ direkten Zugriff auf politische Entscheidungen in Deutschland … oder auf die Inhalte der Medien. Da niemand weiß, wer da wann und wo bei wem warum unterwegs ist, ist mit Gegenmaßnahmen, Verhaftungen und Enteignungen nicht zu rechnen.

Irre, oder?

Aber es wirft ein interessantes Licht darauf, woher die negativen Gefühle gegen Putin noch kommen können.

Na ja – Krieg mit Putin ist beschlossene Sache, machen wir uns da mal nichts vor. Der Kapitalismus braucht seine Weltkriege, um überleben zu können: der Zeitpunkt, wo man merkt, dass man auf 100 % Welt nicht noch Zinsen draufpacken kann, ohne einen anderen Planeten hinzu zu fügen, rückt mal wieder näher, bald gehören dem obersten einen Prozent (zu dem auch die Bundestagsabgeordneten gehören) über fünfzig Prozent der ganzen Welt … und in absehbarer Zukunft gehört ihnen alles.

Die Bilanzen der ersten Kriege zur Rettung des leistungslosen Zins-Grundeinkommens auf Fürstenniveau liegen jetzt vor (siehe Deutsche Welle):

„Nach einer Universitätsstudie haben die von den USA im Anschluss an 9/11 geführten Kriege in Afghanistan, Irak und Pakistan 225.000 Menschen das Leben gekostet. Die Kosten der Kriege lägen bei vier Billionen Dollar.“

Interessant auch, was die Präsidenten der von der Eisenhower-Stiftung unterstützten Kriegskostenstudie zur Absicht ihrer Arbeit geäußert hat:

„Wir wollten die Öffentlichkeit mit zusätzlichen Informationen versorgen. Denn vor allem hier in den USA operieren die Teilnehmer der öffentlichen Debatte nicht immer mit den richtigen Zahlen. Sowohl was die budgetären und finanziellen Summen angeht, wie auch bei den Opferzahlen.“

Das …. ist eine „Verschwörungstheorie“ …. so nennt man heute den Versuch, Regierungslügen aufzudecken und an die Öffentlichkeit zu bringen.

Vier Billionen Dollar. Das sind viertausend Milliarden Dollar. Der Irak hat 29 Millionen Einwohner, Afghanistan 30 Millionen. Hätte man die bisherigen Kriegskosten ohne Krieg JEDEM Iraker und Afghanen ausbezahlt, damit sie – wie ein ordentlicher deutscher Bundestagsabgeordneter – im Sinne des Systems funktionieren, dann … hätte JEDER 67000 Dollar erhalten können. Das ist das Durchschnittseinkommen eines Afghanen für 150 Jahre. Iraker haben sechs Mal so viel, wären also nach 25 Jahren wieder pleite (siehe Durchschnittseinkommen).

Irre, oder?

Die Opferzahlen stimmen jedoch jetzt schon nicht, auch dazu gibt es neue Studien (siehe Süddeutsche):

„Die ersten Bomben fielen 2003, acht Jahre später zogen sich die amerikanischen Soldaten aus dem Irak zurück. Einer US-Studie zufolge starben während des Irak-Krieges und der anschließenden Besatzung eine halbe Million Iraker. Und das ist eine „niedrige Schätzung“.

Wie viele wohl letztlich in der Ukraine sterben werden … und im Krieg gegen Russland?

Für die Freiheit, Konzerne wie Reebock aufkaufen zu können, sie auszuschlachten und ihre Reste profitabel zu veräußern – mit riesigen Kosten für die Sozialsysteme der so überfallenen Länder – morden wir weltweit wie die Wahnsinnigen.

Auch übrigens in Griechenland, dessen unverschämter Missbrauch des Wahlrechtes aktuell die Lobbyisten in allen Parlamenten aufschreckt. Über die Folgen der vor allem von Kanzlerin Merkel öffentlich so viel gepriesenen Sanktionen gegen Griechenland berichtete der Spiegel schon vor zwei Jahren (siehe Spiegel):

Die Zahl der Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht ist allein zwischen 2008 und 2010 um 19 Prozent gestiegen, die Zahl der Totgeburten um mehr als 20 Prozent. Als möglichen Grund führen die Wissenschaftler den – wegen hoher Kosten und geringem Einkommen – schwierigen Zugang zu Ärzten an, die zu Komplikationen in der Schwangerschaft führten. Auch die Säuglingssterblichkeit ist den Zahlen zufolge um 43 Prozent gestiegen.

100000 Kinder pro Jahr werden jährlich in Griechenland geboren (siehe Deutschlandfunk). Im selben Jahr starben 4,85 Säuglinge pro tausend Geburten (siehe Länderdaten.de), also 485 im Jahr. Macht: 200 tote Säuglinge mehr dank Sparpolitik.

Was wäre das für eine Überschrift: KAPITAL KILLT TAUSENDE SÄUGLINGE!

Und das sind noch nicht alle, die der Sparpolitik zum Opfer gefallen sind. Schon 2012 schilderte die Süddeutsche Zeitung den Anstieg der Suizidraten in Griechenland (siehe Süddeutsche):

Im Jahr 2008 nahmen sich in Griechenland knapp 300 Menschen das Leben. Laut der Weltgesundheitsorganisation hatte Griechenland damals die niedrigste Selbstmordrate in Europa. Doch seit Beginn der Krise hat sich diese Zahl mehr als verdreifacht. Schätzungen der Hilfsorganisation Klimaka gehen davon aus, dass sich seit Anfang 2010 weit mehr als 2000 Griechen das Leben genommen haben.

So etwas kennt man aus belagerten Burgen im Mittelalter: Säuglinge sterben, Menschen bringen sich um, die Hoffnungslosigkeit grassiert. Über „Krieg gegen Griechenland“ redet allerdings keiner, die „Sanktionen“ – in Deutschland auch Millionenfach gegen eigene Bürger ausgesprochen, in steigendem Maße auch gegen Behinderte (siehe „Gegen Hartz„) – werden auch anders genannt: „Auflagen“. „Tributzahlungen“ … so nannten das die Römer zu Zeiten Christi.

Wer in Deutschland seine Tributzahlungen nicht in erforderlichem Ausmaß entrichten kann, wird zur einkommenslosen Zangsarbeit im Altenheim verdonnert – so jedenfalls die Phantasien der vom Lobbyisten geformten Entscheidungsträger (siehe gegen-Hartz).

Wollen wir mal grob schätze, wie viele Menschenleben die Sanktionen gegen Griechenland gekostet haben? 20o Säuglinge pro Jahr, 600 Selbstmorde pro Jahr? Da kommen wir auf 4000 Tote für fünf Jahre … und haben die Toten durch nicht mehr behandelbare Krankheiten noch gar nicht mitgezählt.

Suchen Sie bitte mal selbst: das dürften wesentlich mehr als 4000 sein. Mehr als im sogenannten „Ukraine-Konflikt“. Wo bleibt da der Aufschrei?

Er bleibt aus – weil in der Welt des Kleinganoventums alles in dunklen Hinterzimmern besprochen wird. Von dort aus wird die Straße regiert, dort wird die Bestechung des Bürgermeisters in Szene gesetzt, werden gezielte Schläge gegen die Konkurrenz ausgeheckt und Mordaufträge vergeben. Der genialste Coup jedoch war: jegliche Ermittlungen gegen das Kleinganoventum im Keim zu ersticken durch den genialen Einsatz des Wortes „Verschwörungstheorie“ … Al Capone gibt die Parole aus „Es gibt keine Verbrechen in der Stadt!“ Wer das nicht glaubt … kriegt Besuch … vom Selbstmordförderverein.

So weit sind wir nun gekommen … durch eine kleine Meldung über eine „Investorengruppe“ – die wahren Herrscher der Welt, die wie blutrünstige Mongolenhorden die zivilisierte Welt überfallen und die Realwirtschaft bei lebendigem Leibe ausschlachten, um traumhafte Zinsgewinne zu regenerieren.

Jetzt weiß ich auch, warum wir kleine Blogger trotzdem weiter schreiben sollten… und vor allem weiter lesen müssen:

„Wir wollten die Öffentlichkeit mit zusätzlichen Informationen versorgen. Denn vor allem hier in den USA operieren die Teilnehmer der öffentlichen Debatte nicht immer mit den richtigen Zahlen. Sowohl was die budgetären und finanziellen Summen angeht, wie auch bei den Opferzahlen.“

Übrigens – eine kleine Anmerkung noch für die Freunde der modernen Medien wie dem Manager Magazin: „unter Berufung auf nicht näher genannte Insider“ kann ich auch behaupten, dass der Mond aus grünem Käse ist.

Und sowas nennen wir „seriöse Medien“.

Ich weiß übrigens nicht, ob die Investorengruppe aus Hongkong mit ihren Kollegen aus dem Königshaus von Abu Dhabi Reebock wirklich gekauft haben – oder lieber woanders Arbeitslose produzieren. Das … ist aber auch unerheblich.

Die Zahl der Toten durch die Politik der letzten Jahre allerdings nicht.

 

 

 

 

 

Argentinien ist pleite – Deutschland und Europa auch?

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Donnerstag, 31.7.2013. Eifel. Nun ist es ´raus: Argentinien ist pleite. Natürlich nicht wirklich. In Wirklichkeit geht es Argentinien noch gut. Es ist ein reiches Land – ähnlich wie die Bundesrepubik Deutschland. Es ist auch kein „Gaucho-Land“ mehr (siehe Wikipedia):

Politisch handelt es sich bei Argentinien um eine präsidiale Bundesrepublik, in der die einzelnen Gliedstaaten, Provinzen genannt, weitreichende Kompetenzen innehaben. Wirtschaftlich wird es traditionell von der Landwirtschaft bestimmt und international oft zu den Schwellenländern gezählt, laut dem von den Vereinten Nationen erhobenen Human Development Index zählt es seit 2011 jedoch zu den sehr hoch entwickelten Staaten.

Ein sehr hoch entwickeltes Land, mit einer – wie  man dem Artikel entnehmen kann – enormen Ungleichheit zwischen arm und reich, einem Zustand, den wir hier in Deutschland gerade anstreben. Das Land hatte schon mehrfach eine Wirtschaftskrise, mehrfach Militärdiktaturen, die für  30 000 „verschwundene“ Menschen“ verantwortlich sind: in der Tat ein „sehr hoch“ entwickeltes Land.

Nun – Argentinien ist nicht wirklich pleite. Das meldet nur der Spiegel.

Im Handelsblatt wird man genauer darüber informiert:

Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicillof betonte, im Falle Argentiniens könne nicht von Zahlungsausfall gesprochen werden, da das Land seinen Schuldenverpflichtungen nachkomme.

Allen … außer einer: sie weigern sich, einem Hedge-Fond eine Rendite von 1680 % zu ermöglichen (siehe Spiegel).

Bei so einer Rendite bekommt natürlich jeder Mensch mit Geld feuchte Augen. 10 Dollar eingesetzt – 168 Dollar herausbekommen: so kommt man einem arbeitslosen Leben deutlich näher. Ja – es gibt Schichten in der Gesellschaft, die streben Arbeitslosigkeit direkt an – ohne jedes Problem mit Ethik und Anstand. Die gleichen Schichten werfen den Arbeitslosen engagiert vor, sie würden nur noch besoffen vor dem Fernseher hängen – dabei ist Neid ihre Triebfeder. Anstatt besoffen vor dem Fernseher findet man sie jedoch im Falle ihrer eigenen Arbeitslosigkeit vollgekokst im Luxusbordell. Fraglich, ob das eine bessere oder sinnvollere Form von Arbeitslosigkeit ist.

Um zu verstehen, warum Argentinien pleite ist, obwohl sie ihre Schulden begleichen könnten und nur aus taktischen Gründen die Terrorrendite nicht begleichen möchten, muss man etwas tiefer in die Materie eindringen, was die Süddeutsche Zeitung schon getan hat:

Der verantwortliche US-Richter Thomas Griesa hatte daraufhin im Juni schon bei Banken bereitgestellte Zinszahlungen Argentiniens an die Halter der restrukturierten Papiere einfrieren lassen. Nach Ablauf einer vierwöchigen Gnadenfrist an diesem Mittwoch, 24 Uhr amerikanischer Ostküsten-Zeit (Donnerstag 6 Uhr europäischer Zeit), hat dies formal einen Zahlungsausfall zur Folge.

Ja – da liegt der Haken. Thomas Poole Griesa – ein kleiner Bezirksrichter – hintert Argentinien daran, den anderen Gläubigern Zinsen zu bezahlen. Die anderen Gläubiger? Nun – das waren die, die fair mit Argentinien umgegangen sind, Deutschland gehört dazu. Kriegen die jetzt nicht ihr Geld – könnten sie auf die Idee  kommen, den Schuldenschnitt rückgängig zu machen, wodurch Argentinien von seiner alten Pleite wieder eingeholt wird. Aufgrund dieser Sachlage DARF Argentinien auch nicht den Terrorfond bedienen, der in voller Absicht die Rettung Argentiniens torpediert: akzeptiert Argentinien seine Forderungen, muss es die Forderungen der anderen auch akzeptieren … und ist dann wirklich wirtschaftlich vernichtet.

Das ein Land mit 40 Millionen Einwohnern vernichtet werden soll, hat nun ein kleines Bezirksgericht in den USA beschlossen und eingeleitet.

Über denselben Weg geschah auch etwas ganz Ungeuerliches, das in den Medien kaum gewürdigt wurde: der Fond hatte ein Kriegsschiff beschlagnahmt – in Ghana (siehe Spiegel). Das muss man sich mal vorstellen: die internationalen Vertragswerke sind inzwischen so ausgerichtet, dass Privatleute mit ethisch zweifelhaften Absichten fremde Regierungen dazu benutzen können, Kriegsschiffe anderer Länder zu beschlagnahmen.

Gut – hier handelt es sich um ein Segelschulschiff. Nur – rein rechtlich gesehen ist auch das ein vollwertiges Kriegsschiff. Muss ich mir nun angesichts von 16 Billionen Dollar Staatsschulden der USA Sorgen darüber machen, dass „Hedgefonds“ bald Atom-U-Boote und nuklear bestückte Flugzeugträger in die Hände bekommen? Wenn es gelingt, Russland durch wirtschaftliche Sanktionen in die Knie zu zwingen … wer kann dann deren Atom-U-Boote ersteigern?

Mit TTIP und TISA bereiten wir übrigens Europa gerade darauf vor, ebenso dem Terror eines jeden US-Bezirksrichters ausgeliefert zu sein, der einem Konzern oder Fond bestätigt, dass Deutschland durch seine Arbeits- oder Umweltschutzrecht für Milliardenverluste in der Konzernbilanz sorgt: so wird dann die Bundesregierung letztlich – wie die Regierung von Ghana, die das Kriegsschiff im Auftrag eines Bezirksgerichtes beschlagnahmen konnte – zur ausführenden Instanz für den Willen der Finanzgiganten.

Das geschieht nun mit Argentinien, einem Land, das militärisch Verbündeter der USA ist, das als Land uneingeschränkte Hoheitsrechte hat – und … mal machtpolitisch gedacht … den Angriff auf seine Kriegsschiffe als Kriegserklärung des Hedgefonds, Ghanas oder des Bezirksgerichtes werten könnte. Ja –  früher hätte Ghana nun mit dem Besuch von Kanonenbooten rechnen können – argentinischen Kanonenbooten. Heute geschieht das nicht, weil hinter allem wüsten und hinterhältigem Finanztreiben die Supermacht USA den Schutz der Geier garantiert. Die können ungestraft ganze Volkswirtschaften ins Elend stürzen – auch die Volkswirtschaften hoch entwickelter Länder.

Solidarität der demokratischen Rechtsstaaten mit verbindlich praktizierter Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte? Fehlanzeige. Viel zu sehr sind die Regierungen der USA auf das Wohlwollen der Märkte angewiesen – wie peinlich wäre es, wenn ein Hedgefondmanager die „Air Force One“ beschlagnahmen ließe – mit dem Präsidenten drin.

Argentinien droht nun doch ein unglaubliches Elend – aus den 1,6 Milliarden Schulden können nun schnell 100 Milliarden werden.

Wir kennen die Gepflogenheiten der Finanzmenschen, ihre Methoden: Sozialabbau, Entstaatlichung staatlicher Betriebe, Massenentlassungen, Eleminierungen des Gesundheitswesens, Abbau demokratischer Errungenschaften. Ich möchte das kurz einfach mal von hinten benennen, von der Wirkung her: Massenmord. Passiver Massenmord durch Entzug der Lebensgrundlage. So etwas könnte keiner wirklich bewusst wollen – aber solange man nicht selbst abdrücken muss: wen stört´s?

Was hat denn nun der Fond von seiner Uneinsichtigkeit?

Gar nichts. Argentinien ist pleite, die Superrendite ist dahin. Ob sich ein Käufer für ein beschlagnahmtes Segelschulschiff findet? Oder besinnt sich Argentinien auf seine staatliche Souveränität und schickt weitere Kriegsschiffe nach Ghana – diesmal bewaffnete – um sein Schiff zurück zu erobern? Ich denke: die USA selbst hätten keine Bedenken, so zu handeln.

Was aber bedeutet das nun für Europa?

Nun – dazu muss man sich ein wenig zurück erinnern.

Am 16.6.2012 veröffentlichte die Zeit einen Kommentar von Cornelia Mayrbäurl, der die Situation Argentiniens mit der Situation Griechenlands verglich:

Griechenland steht heute da, wo Argentinien 2001 stand. Buenos Aires war in der Bindung des Peso an den Dollar gefangen, Athens Geldpolitik ist an den Euro gebunden. Beide Regierungen waren beziehungsweise sind hoch verschuldet, und sie konnten beziehungsweise können nicht einfach abwerten oder die Zinsen senken, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Ach ja – die Bindung an den US-Dollar … die soll sehr zur Wirtschaftskrise beigetragen haben – zum Nutzen der US-Wirtschaft. Frau Mayrbäurl weiß aber noch mehr:

Anders als die Hellenen hat Argentinien keine EU, die aus ihrem Eigeninteresse heraus mit Rettungspaketen beisteht. Dafür kann das Land der Gauchos auf enorme natürliche Ressourcen zurückgreifen. So geschah es nach dem Januar 2002, als der Peso dann doch um ganze zwei Drittel abgewertet wurde und das Land seine Gläubiger mit einem Schuldenschnitt in derselben Höhe konfrontierte. Boomende Sojaexporte sorgten von 2004 bis 2009 für ein jährliches Wirtschaftswachstum zwischen sechs und neun Prozent. Davon können die Griechen nur träumen.

Die Argentinier hatten auch davon geträumt, dass sie – als eine der stärksten Wirtschaften der Welt – locker gegen die Spekulanten bestehen können.

Sie haben sich geirrt.

Daten zur argentinischen Wirtschaft? Können Sie bei Wikipedia nachschlagen, direkt übernommen vom IWF.

Bruttoinlandsprodukt (PPP) : Platz 22 im Ranking von 188 Ländern. Wachstum in diesem Jahr? 5,5 %. Traumdaten. Im Vergleich dazu Griechenland: Platz 50, Wachstum MINUS 2,46 Prozent. Da schrumpfts nochmal gewaltig.

Wovon reden wir also im Jahr 2024? Von gigantischen Forderungen jetzt noch ungenannter Hedgefonds gegenüber Griechenland? Von Menschen, die griechische Papiere zu billigsten Preisen gekauft haben, um mit Hilfe eines kleinen Bezirksgerichtes die ganze EU auszuhebeln?

Mal im Ernst: wie viel Geld ist der Euro noch Wert, wenn „die Märkte“ anfangen, sich die gleichen Gedanken zu machen wie ich? Haben wir wirklich soviel Geld, dass wir alle Forderungen von räuberischen Hedgefonds an Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien begleichen können – Forderungen, von denen wir heute noch gar nichts wissen?

Müssen wir damit rechnen, dass Hedgefonds 2024 alle deutschen Autobahnen und Landstraßen in Besitz nehmen und eine Horrormaut kassieren, die UNSERE Polizei durchsetzen muss?

Was wir hier verstehen müssen: hinter den Kulissen läuft ein brutaler Vernichtungskrieg. Noch nicht einmal die Autorin aus der Zeit hatte 2012 einen hinreichenden Ausblick darauf – aber zwei Jahre später spürt ganz Argentinien die Folgen. Skrupellose Finanzjongleure vernichten ganze Volkswirtschaften – und lösen einen ökonomischen Holocaust nach dem anderen aus. Noch sind die Opferzahlen vergleichsweise gering – aber die werden steigen.

Wie viele Opfer haben die Sparpakete in Griechenland eigentlich gefordert? Das kann kaum einer zählen. Manche verhungern still, andere nehmen sich das Leben, viele verrecken mangels medizinischer Versorgung. Solange die Statistik keine Kategorie für „Sparpaketopfer“ entwickelt, versickern die Leichenzahlen in Randstatistiken. Wer aber hat schon Lust, Geld in solche Statistiken zu investieren?

Nun – wir werden nicht lange warten müssen, um diese Fragen selbst beantworten zu können. Argentinien hielt sich 2004 für gerettet. Zehn Jahre später ist es bankrott – als wachstumsstarkes hoch entwickeltes Land. Griechenland halten wir 2014 für gerettet – 2024 können wir also mit der Quittung rechnen.

Grober Daumen, der da peilt, ich weiß.

Aber: wenn ein wachstumsstarkes Land, das dieses Jahr auf Platz 22 im Wirtschaftsranking der Nationen steht, durch ein US-Bezirksgericht zur Pleite verurteilt werden kann … wie sicher sind dann die Länder, die wirtschaftlich schwächer sind? Ich nenne da mal ein paar Namen: Belgien, Niederlande, Südafrika, Schweden, Schweiz, Österreich, Dänemark.

Ich finde – man sollte da mal drüber nachdenken – bevor ein US-Bezirksgericht die Grundsteuern in Deutschland um 1680 Prozent anhebt, damit die alten Schulden Griechenlands beglichen werden können.

 

 

 

 

Boko Haram, Sybille Berg und das fortschreitende Elend der Welt

Boko Haram, Sybille Berg und das fortschreitende Elend der Welt

Dienstag, 13.5.2014, Eifel. Kürzlich wurde ich mit einer erschreckenden These konfrontiert: ich würde das entsetzliche Leid entführter Frauen in Nigeria ignorieren. Es war die von mir sehr geschätzte Sybille Berg, die diesen Ausspruch tat (siehe Spiegel):

Während die westliche Welt den Konflikt in der Ukraine im Netz diskutiert, sind die von Idioten entführten Mädchen in Nigeria immer noch entführt. Neue Opfer sind dazugekommen, aber wie alle Aktionen abartiger Dumpfköpfe, die sich gegen Frauen wenden – Zwangsverheiratung von Kindern, Vergewaltigung, Verstümmelung -, ist das kein brennendes Thema. Für keinen.

Ein schwerwiegender Vorwurf: kann einem das wirklich egal sein? 200 Frauen entführt – von „Boko Haram“?

Nun – ich könnte sagen: ich war gerade mit etwas anderem beschäftigt. Auch mit Afrika – aber mehr  mit den Kindern als mit den Frauen. Manche der Kinder sind übrigens weiblich und werden mal Frauen. Ich war beim World Food Programme, habe Zahlen zum Hunger erfahren müssen.

Hunger ist das größte Gesundheitsrisiko weltweit. Mehr Menschen sterben jährlich an Hunger, als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen.

Überraschend, oder? Wo wir doch dachten, Afrika wird von AIDS ausgerottet.

Unterernährung trägt jährlich zum Tod von 2,6 Millionen Kindern unter fünf Jahren bei – ein Drittel aller Sterbefälle von Kindern weltweit.

Die ermorden wir. Ja – ich spreche hier von Mord. Und es ist ein außerordentlich schmerz- und leidvoller Tod, zu vergleichen mit Zwangsverheiratung, Verstümmelung und Vergewaltigung. Vielleicht sogar: ein ganz klein wenig schlimmer. Es sind zudem … ganz kleine Menschen, die besonders niedlichen und hilflosen – die unter fünf Jahren.

Jedes vierte Kind weltweit ist von “stunting” beeinträchtigt, einer zu geringen Körpergröße im Vergleich zu gesunden Gleichaltrigen.

Die, die den Hunger überleben, sind lebenslänglich von ihm gezeichnet. Afrika ist – neben Asien – eins der Hauptstützpunkte des Hungers.

In Entwicklungsländern gehen 66 Millionen Vorschulkinder hungrig in die Schule, allein in Afrika sind es 23 Millionen.

Warum ich von Mord sprach – sogar von Massenmord? Nun – die Antwort ist einfach:

Es kostet WFP nur 20 Cent am Tag, ein Kind mit allen wichtigen Vitaminen und Nährstoffen zu versorgen, die es braucht um gesund aufzuwachsen.

20 Cent am Tag. 6 Euro im Monat. 72 Euro im Jahr – und wir hätten 2,6 Millionen tote Kinder weniger. Zwei Milliarden Euro für die Ernährung der Kinder Afrikas ausgegeben – schon wären die Leichenberge der Kinder weg.

Ich folge in der Anklage Jean Ziegler, der eindeutig beschrieb, wer die Täter sind, siehe Tagesspiegel:

Wir alle, wenn wir schweigen. Zu den Tätern zählen auf jeden Fall die Banditen in den Banken und Hedgefonds, die an den Rohstoffbörsen mit Agrarrohstoffen spekulieren und die Preise hochtreiben. Deshalb können sich 1,25 Milliarden Menschen in den Slums, die mit weniger als 1,50 Dollar am Tag auskommen müssen, nicht mehr genug Nahrung kaufen. Diese Spekulanten sind Massenmörder.

Es sind aber nicht nur die Spekulanten, die das Geld für die Rettung der Kinder verbrennen. Wir alle tun es. Täglich.

Aber dieses Raubgesindel hat auch das Finanzsystem ins Chaos gestürzt, und die westlichen Regierungen mussten dafür mehr als 1000 Milliarden Dollar bereitstellen. Gleichzeitig wurden die Beiträge zum UN-Welternährungsprogramm heruntergesetzt, das den Menschen bei akuten Krisen hilft. Die Folge ist, dass, nur zum Beispiel, in Nordkenia die Helfer jeden Tag Hunderte von Familien zurückweisen müssen, weil sie von den reichen Regierungen des Nordens nicht genug Geld bekommen, um das teure Getreide zu kaufen. Und …… dazu kommt der Wahnsinn mit den Agrartreibstoffen. Die Amerikaner verbrennen 40 Prozent ihrer jährlichen Maisernte in Automotoren. Und auch in Europa werden zig Millionen Tonnen Getreide zu Biodiesel, Bioethanol und Biogas verarbeitet. Das bringt für den Klimaschutz gar nichts, ist jedoch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, solange so viele Menschen hungern. Nur die Agrar- und Energiekonzerne verdienen daran.

Ja, wir verbrennen deren Nahrung einfach zu zum Spaß. Und Konzerne, die sich selbst mit irrsinnigen Spekulationen in den Bankrott getrieben haben (während ihre  Mitarbeiter rücksichtslos in die Boni-Kasse griffen), helfen wir mit der irrsinnigen Summe von 1000 Milliarden Dollar. Um das mal klar zu machen:

das wären 15000 Euro für jedes hungrige Vorschulkind in der Welt. Davon könnte es 208 Jahre gesund ernährt werden.

5 Milliarden Dollar im Jahr – und schon hätte man die hungernden Vorschulkinder weltweit ernährt. Das könnte Bill Gates aus seinem Privatvermögen zahlen. Die Besitzer von Aldi, BMW oder der Metro auch.  Oder die USA würden ein Prozent ihres Rüstungshaushaltes opfern, um das zu lösen.

Die Zahl der hungernden Menschen weltweit ist in den letzten Jahren zurückgegangen, das stimmt. Das ist aber auch nur eine Momentaufnahme, denn auf der anderen Seite marschieren Hunger und Armut voran. Erscheinungen, die früher undenkbar waren, werden heute Alltag. Damit rede ich nicht von Griechenland, Spanien oder Portugal, sondern von den USA selbst.

Ein Drittel der New Yorker hatten 2010 nicht genug Geld für Lebensmittel (siehe Süddeutsche) – ein Hohn in der reichsten Stadt der Welt, an deren „Wall Street“ absolute Spitzengehälter gezahlt werden. Aktuell machen US-Studenten Schlagzeilen (siehe Spiegel) – der Hunger erreicht die Spitzen der westlichen Gesellschaft:

Wie verbreitet existenzielle Sorgen unter US-Studenten sind, zeigen Umfragen: So gaben an der City University New York im Jahr 2011 knapp 23 Prozent der Studenten an, aus finanziellen Gründen manchmal hungrig zu sein. An der ländlich gelegenen Western Oregon University an der US-Westküste teilten laut einer aktuellen Umfrage sogar fast 60 Prozent der Studenten die Sorge, nicht genügend Geld für Lebensmittel zu haben.

Der Hunger ist im Vormarsch … und darum, liebe Frau Sybille, diskutieren wir im Netz über die Ukraine. Wir sehen, wie die „Economic hit man“ ein Land nach dem anderen unter ihre Kontrolle bekommen – entweder mit Bestechungsgeldern, mit Mord und Umstürzen oder mit direktem Einsatz der US-Armee. Wir haben – wie der deutsche Bundestag auch – John Perkins „Bekenntnisse eines Economic hit man“ gelesen. Anders als der deutsche Bundestag – der den Inhalt dereinst auch für die Abgeordenten online gestellt hatte – haben wir die Erfahrungen in unser Weltbild eingeflochten und berücksichtigen sie bei der Beurteilung des Weltgeschehens.

Deshalb wissen wir, dass die Wall Street ohne weiteres bereit ist, weitere 200 Millionen Menschen in den Tot zu schicken, nur um ihre Boni zu sichern. Wir kennen auch die Methoden: erst gibt es Kredite für korrupte Regierungen (die können dann damit unsere tollen Produkte kaufen – was oft genug direkt verlangt wird), deren Rückzahlung diese dann mit „Sparprogrammen“ aus ihrem Land herauspressen müssen. Geschah früher in der Dritten Welt – gibt es aktuell aber auch in Europa.

Über die Folgen der so geschaffenen Armut in Griechenland konnte man sich Anfang des Jahres in der Süddeutschen informieren: drastische Anstieg der Selbstmordrate, eine aktuell drohende Flut von Obdachlosen und eine unerträgliche Erpressung der Bürger durch die Regierung: wer nicht gehorcht, fliegt. Demokratie wird brutal mit ökonomischer Macht hinweg gefegt, mitten in Europa wird Hunger als Waffe gegen das eigene Volk missbraucht.

Auch in Deutschland hungern Kinder per Gesetz. Absurd – wir haben nur noch so wenig Kinder, dass Schulen und Kindergärten massenhaft schließen … aber selbst die wollen wir nicht mehr ernähren, weil wir das Geld lieber für andere Dinge ausgeben. Ja, wer Kinder hat – bemerkt schnell, wie dicht der Hunger schon vor der Tür steht.

In diese Bedrohungslage kommt nun die Nachricht von 200 entführten Frauen aus Nigeria, die uns besonders entsetzen soll. Natürlich ist das schlimm – aber nicht nur in Afrika. Das gibt es auch in Deutschland – in deutlich höherem Ausmaß. Interessiert nur keinen. Wir sind hipp, cool, aufgeklärt, tolerant und brauchen unsere Bordelle allein schon für die Tourismusindustrie. 640 Opfer wurden 2011 für Deutschland ermittelt (siehe Mission Freedom), in der EU sind es – zwischen 2008 und 2012 – 23000 Opfer von Menschenhandel, die offiziell registriert wurden (siehe wiwo).

Die werden nicht tagtäglich medienwirksam ins Bild gesetzt, weil der Herr Redakteur sie im Anschluss an seinen Artikel eben nochmal gerne missbrauchen möchte – und wehe, ihre Show ist dann nicht überzeugend genug, sie bieten dem Kunden nicht die vollendete Vergewaltigung ihrer Seele … dann findet man sie halt in den Wäldern um Hamburg tot an einen Baum gefesselt. Ist kein brennendes Thema – für keinen.

Ebenso wenig stört man sich groß daran, dass Jean Ziegler einfach mal wieder als Redner von den Salzburger Festspielen ausgeladen wird, weil seine Anklagen den Nachtisch vermiesen könnten (siehe Zeit).

Für 200 entführte Nigerianerinnen bleibt da kaum noch Raum – obwohl es kein harmloses Verbrechen ist. Wir wissen auch noch nicht mal, wer Boko Haram überhaupt ist – ein mit über 200 Quellen gut belegter Artikel in Wikipedia läßt Zweifel darüber aufkommen, ob es überhaupt eine islamische Sekte ist, die Duldung dieser Sekte durch die Regierung ist verwirrend … und die Tatsache, dass eben jene Regierung aktuell durch aktive Folter auf sich aufmerksam macht (siehe den Bericht von Amnesty International, z.B. Spiegel), scheint zudem darauf hinzudeuten, dass der Konflikt dort viel mehr Facetten hat, als wir hier begreifen können.

Demgegenüber stehen 7000 Kinder unter fünf Jahren, die JEDEN TAG verhungern.

Wie wirkt da der enthusiastische Einsatz für die von irgendwem verschleppten Mädchen? Wie ein Feigenblatt. Ein erbärmliches Feigenblatt. „Seht – wenn die Not groß ist, dann helfen wir!“.  Dafür entwickeln wir sogar einen „Hashtag“ – „bringbackourgirls“.

„Bringbackourchildren“ gibt´s nicht. Klar – Tote kommen nicht zurück.

Aber wir haben das Gefühl, mal wieder so etwas richtig Gutes getan zu haben – diesmal sogar MIT den sonst bösen USA gegen die ultrabösen Islamisten. Das die Mädchen Opfer des Kreuzzuges einer Wirtschaftsmacht gegen eine Weltreligion sind – soweit kann kaum noch einer mitdenken. Schön aber, dass von dem eigentlichen Problem abgelenkt wird: der Armut (siehe Wikipedia):

Offiziell wird die Bedeutung von Boko Haram kontrovers diskutiert. So bestreitet die amerikanische Historikerin Jean Herskovits, dass Boko Haram eine islamistische Terrorgruppe sei, denn einige Verbrechersyndikate, auch aus dem vorwiegend christlichen Süden Nigerias, nutzen gerne den Namen ‚Boko Haram‘. Sie macht für die Gewalt hauptsächlich die Armut in Nigerias islamischem Norden verantwortlich.

Und diese Armut breitet sich direkt vor unserer Haustür aus. Dafür aber – gibt es keinen „Hashtag“.

Jetzt klar, warum die westliche Welt im Netz über die Ukraine diskutiert?

Wir wollen die Plünderung der Staatskassen, die in Nigeria für Erscheinungen wie „Boko Haram“ gesorgt hat, in Europa aufhalten – bevor auch noch die letzten Reste einer Kultur verschwinden, die sich um vergewaltigte Frauen sorgt und sie nicht nur als gewinnbringende Ware begreift.

 

Reiches Deutschland …. arme Deutsche.

Reiches Deutschland .... arme Deutsche.

Donnerstag, 27.2.2014. Eifel. Sie sind Deutscher? Mein Beileid. Nein – wirklich. Die Lage in Deutschland ist schlimmer als in anderen Ländern – sie dürfen das nur nicht wahrnehmen, das würde das Wohlfühlklima der Lumpenelite empfindlich stören – jener selbsternannten Elite, die sich selbst dadurch definiert, dass sie sich in elitärem Ausmaße Volksvermögen aneignet, also: privatisiert – was übersetzt soviel wie „rauben“ heißt. Darum ja: Lumpenelite.

Beklaut zu werden ist nicht schön. Neben dem Verlust der schnöden Dinge ist es vor allem das Gefühl der Ohnmacht, des mangelnden Respektes und der fortdauernden Bedrohung, die das Lebensgefühl vermiest – das ist nicht schön. Beklaut zu werden, aber trotzdem lustig ohne groß zu klagen Karneval feiern zu müssen, ist schon ein besonderer Akt der Grausamkeit, der anderen Völkern erspart bleibt. Die können wenigstens noch solidarisch Mautstellen anstecken wie in Griechenland (siehe Freiheitsliebe) und erfahren so die heilsame Wirkung von Solidarität und Gemeinschaft, während man in Deutschland dank einer Presse, die vollständig unter der Knute einer Lumpenelite steht und beständig von Arbeitslosigkeit bedroht wird auch  noch zum Opfer von Spott und Häme aus den „besseren Kreisen“ wird – oder zum Opfer jener, die meinen, sie würden zu den „besseren Kreisen“ gehören, wenn sie auch Spott und Häme austeilten.

Ja – der Deutsche ist nicht nur arm – er wird auch noch grausam gefoltert … jedenfalls psychisch. Nehmen wir zum Beispiel jene Nachricht bei Yahoo, nach der „das Interesse der jungen Leute an Neuwagen abgenommen hat“. Wäre Deutschland Griechenland, so würden wir andere Formulierungen hören, siehe Süddeutsche:

Keine Perspektive, kein Geld, keine Liebe? Die Finanzkrise trifft junge Griechen in allen Lebenslagen, auch im Privatleben. Die Zahl der Hochzeiten sinkt und viele Paare wissen gar nicht, wie sie zwischen Zweitjob und Existenzangst noch eine Familie gründen sollen.

Keine Perspektive, kein Geld … also auch kein Auto. Jedenfalls kein Neuwagen. Das ist jedem plausibel, der nicht extra noch nach dem Studium bei einer Privatschule „richtigen“ Journalismus gelernt hat. Dort lernt man dann, „kein Geld“ mit „keine Lust“ zu umschreiben.

Dabei ist die Armut keinesfalls versteckt – sie wird sogar noch größer werden. Während die Politik und die Wirtschaft alle Türen weit geöffnet haben, um die Niedriglöhner aus ganz Osteuropa freudig zu empfangen, verliert der Wirtschaftsraum Deutschland enorm an Substanz, siehe Spiegel:

„Deutschland verliert viele der besten Wissenschaftler durch Abwanderung. Zwar gibt es Rückkehrer, jedoch können nicht Wissenschaftler gleicher Qualität zurückgewonnen werden“, schreiben die sechs von der Bundesregierung als Berater bestellten Wirtschaftsprofessoren. „Insbesondere für die Besten scheint das deutsche Forschungssystem derzeit nicht attraktiv genug zu sein“, kritisieren die EFI-Experten.

Befristete Verträge, schmale Gehälter und ein Mangel an Alternativen – damit haben viele Jungforscher zu kämpfen.

Die Politik scheint entschieden zu haben, dass Deutschlands Wirtschaft 2030 einen Schwerpunkt in Billigstarbeit zu haben hat: wir nähen für Thailand die Hemden, während sich unsere Lumpenelite Irlands Schlösser und Herrenhäuser kauft (siehe Manager Magazin), um sich nach getaner Tat fernab des Ortes des Verbrechens gepflegt zur Ruhe setzen zu können. Das wird auch nötig sein – denn eine Zukunft als erstklassige Industrienation haben wir dank Akademikerflucht nicht mehr zu erwarten.

Eine Studie zeigt nun, das wir in punkto Armut inzwischen einen ganz besonderen Rang in Europa erreicht haben, siehe Spiegel:

Manche haben Millionen, andere nur Schulden: Laut einer DIW-Studie sind die Vermögen in keinem Euro-Land so ungleich verteilt wie in Deutschland. Der durchschnittliche Besitz von Arbeitslosen hat sich seit 2002 fast halbiert.

Besonders wichtig für Journalisten – die Positionierung der Arbeitslosen:

Schlechter geht es dagegen den Arbeitslosen: Ihr Nettovermögen ist seit 2002 von 30.000 auf 18.000 Euro gesunken. „Das ist die einzige soziale Gruppe, die in den letzten zehn Jahren signifikant Vermögen eingebüßt hat“, sagt DIW-Forscher Markus Grabka, einer der Autoren der Studie.

12000 Euro Vermögensverlust durch Arbeitslosigkeit – was macht das eigentlich aus bei … ja, wie viele Arbeitslose haben wir eigentlich? Wer ist alles in den letzten zwölf Jahren arbeitslos geworden? Nehmen wir einfach mal die Zahl der offiziell anerkannten Arbeitslosen: das wären allein schon 36 Milliarden Euro, die man dort zum Kauf irischer Herrenhäuser abgreifen konnte. In zwölf Jahren sind die Zahlen aber kumulativ zu sehen: die meisten Arbeitslosen bleiben ja nicht ewig arbeitlos. Da kommt locker ein dreistelliger Milliardenbetrag für jene heraus, die sowieso schon durch Leih – und Billigarbeit profiziert haben. Vielleicht muss man die Zahl ja auch gleich mit 12 multiplizieren, um die konkrete Summe der Beute beziffern zu können?

Das Geld wird dann investiert in Diäten und sich endlos verteuernde Bauprojekte der öffentlichen Hand (an denen wer noch mal gut verdient?) und so von unten nach oben umverteilt, während man sich unten neben der Armut auch noch schuldig fühlen soll und öffentlich als Täter dargestellt wird: was muss das für ein Gelächter geben in den Führungsetagen der Wirtschaft.

Das unterscheidet die armen Deutschen von den armen Griechen: während der Grieche sich zurecht als Opfer fühlen darf, wurde der Deutsche von der Politik zum Täter erklärt, seine Armut ist selbstverschuldet und mit völliger Absicht durch ihn selbst angestrebt worden, weshalb er zum Volksfeind im eigenen Land wird – auch wenn sogar Frau Lagarde vom IWF öffentlich zugibt, dass es seit fünf Jahren eine gewaltige Schieflage bei der Ausgabe der Tauschmittel gibt, siehe Spiegel:

Lagarde beklagte auch, dass zu wenige neue Arbeitsplätze geschaffen würden und dass Einkommensanstiege seit 2009 meist nur auf das Konto der Wohlhabenden gegangen seien.

So werden im beklauten Segment der Bevölkerung selbstverständlichste Lebensnotwendigkeiten langsam unerschwinglich, siehe Spiegel:

Strom, Heizung und Warmwasser sind für immer mehr Bundesbürger kaum noch bezahlbar. 6,9 Millionen Haushalte müssen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE mehr als jeden zehnten Euro für Energie ausgeben – 2008 waren es erst 5,5 Millionen Haushalte.

Es ist klar, wo die Reise endet, oder? Die Slums von Thailand – in Bielefeld, Wuppertal und Augsburg, aber eine kleine Elite ist so übersättigt, dass sie Immobilien in Irland sammelt: nur Schlösser, versteht sich. Oder man fördert den Bau von immer dekandenter werdenden Luxusyachten, siehe ManagerMagazin:

Bei den aktuellen Entwürfe der großen Yachtbauer fällt vor allem eines auf: Die Aufwertung des Außenraums. Ohne mindestens einen Beachclub, also eine meist mit großzügiger Terrasse ausgestattete Badeanlage am Heck, geht gar nichts; oft lassen sich an den Kabinen noch Balkone ausklappen, fließende Übergänge zwischen Decks und Innenräumen sind Standard – man sitzt im Freien, kann aber bei Bedarf von der Crew vor Wind und Wetter schützende Glaswände ausklappen lassen.

Mindestens ein Helikopterlandeplatz, Unterwasserfenster, üppige Spa-Bereiche und jede Menge Spielzeug wie Jetskis und Tauchboote gehören ebenfalls fast schon zum Standard. Weit verbreitet ist es, der eigentlichen Yacht ein sogenanntes Shadowboat an die Seite zu stellen – ein nicht ganz so opulent gestaltetes Zweitboot, auf dem ein Teil der Crew wohnen kann, damit es an Bord der Eigneryacht nicht so eng wird.

Die Welt der Armen sieht hingegen anders aus: die Sparprogramme der Regierungen treffen keine Yachtbesitzer, siehe Spiegel:

Wegen rigider Sparpolitik haben viele Bürger in EU-Krisenländern keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr. Einer Studie der Fachzeitschrift „Lancet“ zufolge breiten sich Infektionskrankheiten in bislang unbekanntem Ausmaß aus, die Zahl der Selbsttötungen steigt rapide.

Im Zeitalter der Globalisierung weiß man auch, wo das Geld bleibt (siehe Spiegel)

Aktuelle Zahlen der US-Banken zeigen, wie gut ihre Geschäfte laufen. Amerikas Geldhäuser haben im vergangenen Jahr rund 154,7 Milliarden Dollar verdient, teilte die US-Einlagensicherung FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) mit.

Viel davon kommt direkt aus den Taschen der deutschen Arbeitslosen – und den Taschen der deutschen Steuerzahler, denn die Regierung braucht zur Finanzierung ihrer Luxusdiäten beständig neue Kredite – 2013 schreibt Deutschland trotz öffentlicher Jubelmeldungen über sprudelnde Steuereinahmen und eine brummende Wirtschaft wieder rote Zahlen (ebenfalls: Spiegel):

Ein Grund für das Minus in den Staatskassen ist auch das schwächste Wirtschaftswachstum seit dem Rezessionsjahr 2009. Den amtlichen Statistikern zufolge legte das BIP in Deutschland im vergangenen Jahr nur um 0,4 Prozent zu. 2012 hatte es noch zu einem Plus von 0,7 Prozent gereicht, 2011 waren es sogar 3,3 Prozent.

Begleitet wird diese Schrumpfung der Wirtschaftskraft von einem Chor von Journalisten, die voller enthusiastischer Begeisterung täglich über die Erfolge des Systems Deutschland schreiben – ständig auf der Flucht vor der eigenen Arbeitslosigkeit.

Sie teilen da die Erfahrungen mit deutschen Autohändlern. Obwohl die Automobilwirtschaft eine zentrale Säule unserer Wirtschaft darstellt, kann man mit Autos in Deutschland nur noch selten Geld verdienen, siehe Manager-Magazin:

In Deutschland hat laut McKinsey 2013 mehr als jeder vierte Händler (27 Prozent) einen Verlust eingefahren. 2012 waren es noch 9 Prozent. Eine Konsolidierung der Branche ist nach Einschätzung von Experten daher unausweichlich.

Dafür kann man mit Leibesübungen schnell Multimillionär werden (siehe Wofam): Rennfahrer, Fußballspieler und Models liegen bei 9 – 25 Millionen Euro jährlich – bezahlt von Konzernen, die ihre Zuwendungen von der Steuer absetzen können, ebenso können sich Günther Jauch, Harald Schmidt oder Johannes  B. Kerner zu den Gewinnern zählen: öffentliche Gebühren und Zahlungen der Konzerne machen es möglich.

Investitionen in Sport und Unterhaltung sind natürlich auch viel wichtiger als Investitionen in Wissenschaft, Gesundheit und allgemeiner Lebensfreude: wir wollen mit Spaß und guter Unterhaltung in die Hölle fahren. Oder werden diese Gestalten extra dafür bezahlt, uns abzulenken, bevor das Aufblühen von Pest und Cholera in Duisburg, Oldenburg und Berlin unübersehbar wird … neben der zu erwartenden Suizidwelle des deutschen Mittelstandes?

Was dort exerziert wird, ist grausam. Mache Gangsterrap, spiele Fußball, fahre Auto, gehe über den Laufsteg oder gewinne eine Million bei Jauch und du bist der Held. Ist doch ganz einfach.

Werde Akademiker, Journalist oder Autohändler … und du gehst vor die Hunde. Arbeit muss sich wieder lohnen … tut sie aber nicht, weil das Geld woanders verfeuert wird: zum Wohle der US-Banken, die in Europa groß abräumen.

Darum: mein Beileid, Deutsche. Nicht nur arm – sondern auch verarscht nach Strich und Faden … mit voller Absicht. Darf ich zu dieser Theorie noch einmal die jetzige Arbeitsministerin Frau Nahles zitieren (siehe Welt vom 23.6.2013):

„Wer SPD wählt, entscheidet sich gegen Frau Merkel und nicht für sie. Alles andere ist eine bösartige Unterstellung. Die SPD will Merkels Kanzlerschaft in drei Monaten beenden. Wir wollen den ganzen Regierungswechsel.“

Seit dem 15. Dezember ist Frau Nahles Mitglied im Kabinett Merkel, zehn Jahre lang war ihr Lebensgefährte der VW-Arbeitsdirektor und Audi-Vorstand Horst Neumann (siehe Wikipedia).

Will man da wirklich noch an Zufall glauben, wenn man auf ihrer Seite ein CDU-Spendenformular findet (siehe Focus):

Wer sich bis Mittwoch Abend auf der Seite www.andrea-nahles.de unter dem Punkt „Wahlkreis“ – „Spenden für den Wechsel“ über die steuerliche Absetzbarkeit von Parteispenden informieren wollte, bekam ein CDU-Formular zum Download angeboten.

Wie ich schon sagte: mein Beileid. Es macht wirklich keinen großen Spaß, in diesen Zeiten Deutscher zu sein – Deutsche ohner Million, versteht sich.

 

Dirk Müller vs. Markus Lanz: peinlicher Showdown finsterer Mächte: korrupte Medien in Deutschland?

Samstag, 13.7.2013. Eifel. Heute morgen liegt etwas schwer Verdauliches auf dem Tisch. Offenbar hatte es vor zwei Tagen eine Fernsehsendung mit einem gewissen Herrn Lanz gegeben, den ich bislang nur als Nachrichtenlückenfüller kannte, der mit seiner Sendung "Wetten Das" Peinlichkeiten produzierte, die selbst für das öffentlich-rechtliche Fernsehen Seltenheitswert hatten. Der Spiegel hatte damals Ratschläge geben, wie dieser Herr Lanz sich zukünftig verhalten soll:

Samstag, 13.7.2013. Eifel. Heute morgen liegt etwas schwer Verdauliches auf dem Tisch. Offenbar hatte es vor zwei Tagen eine Fernsehsendung mit einem gewissen Herrn Lanz gegeben, den ich bislang nur als Nachrichtenlückenfüller kannte, der mit seiner Sendung „Wetten Das“ Peinlichkeiten produzierte, die selbst für das öffentlich-rechtliche Fernsehen Seltenheitswert hatten. Der Spiegel hatte damals Ratschläge geben, wie dieser Herr Lanz sich zukünftig verhalten soll:

Machen Sie früher Schluss, wenn es möglich ist. Sicher haben Sie noch ein paar Überstunden abzufeiern oder Sie haben vielleicht Gleitzeit? Tun Sie etwas ganz anderes. Erlauben Sie sich eine Auszeit. Denken Sie mal an sich, und zwar ohne jedes schlechte Gewissen. Setzen Sie die Schmeichler vor die Tür. Lassen Sie sich von einer Person Ihres Vertrauens vorsichtig den Stock aus dem Hintern ziehen. Sie werden sehen: Danach geht es Ihnen besser. Wir wollen alle, dass es Ihnen bald wieder besser geht.

Er hat einen Stock im Hintern, der Herr Lanz. Was immer das heißen mag.

Der Ratschlag ist etwas älter – offensichtlich ist der Stock immer noch da – was ihn aber nicht hindert, sich weiterhin auf Kosten des Beitragszahlers ein schönes Leben zu machen. Das geht nur im deutschen Fernsehen: mit Stock im Hintern Karriere machen.

Nun gab es eine Sendung, eine der üblichen hanebüchenen Talkshows, in denen sinnfrei und ohne Hand und Fuß einfach mal so in den Raum geplappert werden darf: ein Eldorado für Leute, die von nichts eine Ahnung aber zu allem eine Meinung haben. Am 11.7. kam Dirk Müller, Autor des Buches „Showdown“ zusammen mit anderen Menschen ins Studio um einfach mal ihre ahnungslose Meinung auszutauschen.

Was nun als harmloses „Talk-Event“ geplant war, uferte schnell aus, denn Markus Lanz hatte Angst – und zwar vor Dirk Müller. Sagte er jedenfalls. Der hatte ja so ein Buch geschrieben, in dem er Informationen präsentierte, die der Zweite Deutsche Beruhigungsfunk so nie bringen würde. Der Spiegel hatte seine Leser schon einmal angewiesen, was davon zu halten sei:

Müller überhöht die Euro-Krise in seinem neuen Buch zum Schlachtfeld geopolitischer Interessen. Dabei legt er dem Leser eine, nun ja, originelle Interpretation nahe: Die Krise in Griechenland sei womöglich bewusst durch die USA ausgelöst worden. Die Amerikaner wollten das Land vom Rest der EU abspalten und sich die angeblich riesigen Öl- und Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer sichern. Ach ja, und außerdem wollten sie die Euro-Zone destabilisieren, um den Aufstieg des Euro zur weltweiten Leitwährung zu verhindern.

Klingt verrückt? Steht aber so in Müllers Buch.

Nö, klingt nicht verrückt. Klingt sogar deutlich weniger verrückt als Meldungen über den Militärgeheimdienst NSA, der europäische Botschaften verwanzt, Deutschland neben China, Saudi-Arabien und dem Irak zum Hauptangriffsziel auf der Welt deklariert oder die Geschichten über einen US-Präsidenten, der persönlich mit dem russischen „Zar Putin“ über die Auslieferung des Informanten verhandelt, der die freie Welt erstmal darüber aufklärte, dass es mehrere Klassen von US-Verbündeten gibt – und wir allenfalls dritte Wahl sind … wenn nicht sogar Feindesland.

Bekannt ist das schon lange, ein Blick in die Süddeutsche Zeitung vom Jahre 2010 reicht aus, um das zu erkennen:

Der vom Europaparlament in Auftrag gegebenen STOA-Studie zufolge (STOA steht für die Abteilung für Technikfolgenabschätzung des EU-Parlaments) unterhält die NSA aufgrund eines Abkommens aus dem Jahre 1948 (Ukusa-Vertrag) gemeinsam mit Partnerdiensten aus Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland das weltumspannende Abhörsystem Echelon.

Während es zu Zeiten des Kalten Kriegs ausschließlich der Kontrolle militärischer Aktivitäten des Ostblocks gedient habe, werde es heute gezielt auch zur Überwachung der multimedialen Kommunikation westeuropäischer Unternehmen eingesetzt, heißt es darin.

Alter Tobak, oder? Eigentlich nicht, weil aktuell wieder ein amerikafreundlicher Innenminister in den USA weilt, um über die NSA-Verbrechen zu sprechen – und wieder geht es … wie in den Jahren zuvor – um Abwiegelung, siehe Süddeutsche:

Bemüht, bemüht zu wirken: Die Washington-Reise von Innenminister Friedrich illustriert die gefährliche Haltung der Bundesregierung im NSA-Skandal. Weil sie die Tragweite der Snowden-Enthüllungen nicht begreift, lässt die Kanzlerin ihren Minister politische Aktivität simulieren. Das ist fatal – denn es geht nicht um eine kleine Krise, sondern um den Lehman-Moment der Bürgerrechte.

Ja, Menschen mit Bildung kriegen jetzt Angst. Nicht nur vor dem Abhören als solchem (und vor den Konsequenzen hinsichtlich erpressbarer Wirtschaftsführer, Regierungsmitglieder und Parlamentarier) sondern auch wegen der Positionierung Deutschlands als „Schurkenstaat“ – oder wegen den Milliardenaufträgen, die unserer Wirtschaft so durch die Lappen gehen.

Auch Markus Lanz hat Angst – aber nicht vor der NSA, sondern vor Dirk Müller. Lanz (nach eigener in der Sendung geäußerter Meinung ein „schlichtes Gemüt“) hat Angst vor Dirk Müller, bzw. vor den „finsteren Mächten“, den „Schlapphüten“, den angeblichen Weltuntergangsszenarien, die er in Dirk Müllers Buch „fühlt“. Da hilft es auch nicht, dass Herr Müller beständig versucht, den Unterstellungen zu entkommen.

Doch Herr Lanz, seines Zeichens Tiroler Funker der italienischen Alpini und Kommunikationswirt, läßt nicht locker. Ein spannender Moment im Fernsehen – denn Herr Müller wird ganz offen auf seine Verantwortung angesprochen. Es hätte Folgen, wenn er behaupten würde, dass da Typen herumlaufen, die Griechenland destabilisieren wollen – die Menschen könnten ihm das glauben.

Ja – aus dem gleichen Grund möchte Obama jetzt Edward Snowden hinrichten lassen (wenn ich der Argumentation russischer Politiker folge): die Leute glauben ihm.

Dirk Müller wehrt sich fleißig:

„Es muß doch erlaubt sein, über solche Dinge zu berichten, wenn man belegbare Quellen hat.“

Nein, ist es nicht. Noch während Daniel Bahr, der Gesundheitsminister, die Existenz der Rohstoffe im Mittelmeer zugegeben hat (lediglich die Besitzrechte seien noch umstritten) schlägt die Geheimwaffe des Beruhigungsfunkes wieder zu.

„Was heißt hier nachweisbare Fakten – waren Sie unten und haben gebohrt und geguckt, ob da Gas ist?“

Das ist echte journalistische Hochleistung eines Kommunikationswirts und Alpini. Wahrscheinlich zweifelt er auch die Existenz der Sonne an, weil noch niemand auf ihr gelandet ist und geguckt hat, ob sie wirklich heiß ist. Auch die Existenz Neuseelands ließe sich so anzweifeln – falls man nicht wirklich schon mal selbst da war: wir sind mitten im Kasperletheater gelandet … und der Kasper schlägt noch weitere Kapriolen:

„Müßte man jetzt sehr tief eindringen ich nenne ihnen nur ein anderes Beispiel und damit wollen wir das Thema auch beenden“

So tief wie der Stock im Hintern? Liefert Herr Müller Beweise, wird das Herrn Lanz zu anstrengend. Aber offensichtlich will er noch selber eine finstere Geschichte bringen – anhand von angeblichen Rohstofffunden auf Grönland.

„Es gibt ein großes politisches Interesse, diese Legende aufrecht zu erhalten“ – sagt der Herr Lanz einfach so und setzt damit eine „gute Verschwörungstheorie“ in die Welt. Das ist erlaubt. Währenddessen greift auch die Redaktion ein und diskreditiert Herrn Müller, neben dessen Name eine Erläuterung erscheint:

„steht aktuell wegen seines neuen Buches heftig in der Kritik“

Da weiß der Zuschauer gleich, was Sache ist. Hilft aber nicht, es kommt zu weiteren Peinlichkeiten. Dirk Müller versucht sich, gegen die Kritik zur Wehr zu setzen – immerhin hat er echte belastbare Quellen für seine Aussagen und nicht nur Legenden; er wehrt sich gegen Journalisten, die die Quellen nie gesehen haben und trotzdem sagen „Alles Quatsch„.

Sofort kontert Herr Lanz:

„Das ist mein Job als Journalist“.

Tja – da bleibt man im ersten Moment fassungslos. Gut – Journalist kann sich jeder nennen – aber so offen bekennen sich selbst die übelsten Gurken nicht zu ihrer antidemokratischen Stabilisierungsfunktion für Regierungsmythen.

„Hinstellen und sagen: alles Quatsch – das ist mein Job als Journalist“.

Hängt das mit dem Stock im Hintern zusammen?

„Die Erde ist eine Kugel“

„Alles Quatsch“ – Hauptsache, die Quote stimmt.

„NSA spioniert in Deutschland“

„Alles Quatsch“ – das sind unsere Freunde.

„Der Mond hat keine Atmosphäre“

„Alles Quatsch – waren Sie da?“

Da fehlen einem die Worte, oder? Wahrheitsfindung a´ la Lanz ignoriert elementare Bestandteile und Funktionsweisen der westlichen Wissensgesellschaft zugunsten einer Selfmademan-Comedyshow: Volksverblödung put.

Über die Bohrarbeit des US-Konzerns Noble Energy, die Ende 2011 stattfanden und die Erdgasvorkommen im Mittelmeer berichtete das Handelsblatt im März 2013 – wahrscheinlich auch „alles Quatsch“ wie die vielfältigen von Dirk Müller auf Cashkurs gesammelten Quellen, die in der Tat ein beängstigendes Bild unserer politischen Wirklichkeit  zeigen:

In 2008/2009 gab es gezielte Versuche eines westlichen Geheimdienstes Griechenland zu destabilisieren und den Sturz des amtierenden Präsidenten Karamanlis zu betreiben. Die Hintergründe und Zusammenhänge sind im Buch ausführlich geschildert und beziehen sich unter anderem auf einen Bericht des russischen Geheimdienstes FSB über diese Aktivitäten. Die dort dargestellten Abläufe klingen so unglaublich, dass ich lange gezögert habe darüber zu berichten, da mir der russische Geheimdienstbericht als Quelle nicht genügte. Ich behaupte bis heute NICHT, dass es so gewesen ist, aber nachdem ich darauf gestoßen bin, dass die griechische Staatsanwaltschaft 2012 nach umfangreichen Voruntersuchungen genügend Anhaltspunkte gesehen hatte, um in diesem Zusammenhang Anklage wegen Hochverrat, versuchtem Staatsstreich und Mordversuch an Karamanlis zu erheben, war mir das Beweis genug um ZUMINDEST im Buch über diese Dinge zu berichten.

Klingt so unglaublich wie die Abhöraktionen der NSA. Manchmal sind allerdings auch unglaubliche Dinge wahr, weil die Wahrheit sich nicht nach unserem Glauben richtet sondern lieber ihre eigenen Wege geht.

Nichtsdestotrotz haben wir hier einen Showdown finsterer Mächte erlebt – einen Showdown zwischen der Arroganz der politisch indoktrinierten Medienmacht und aufklärerisch arbeitenden Börsenspezialisten.

Folge ich Transparency International, so haben „Talkshows“ dieser Art inzwischen einen deutlichen Eindruck auf die deutsche Bevölkerung hinterlassen:

Berlin, 09.07.2013 – Die Antikorruptionsorganisation Transparency International hat heute die Ergebnisse des Globalen Korruptionsbarometer 2013 vorgestellt. Die Bevölkerungsumfrage in 107 Ländern untersucht, wie korrupt einzelne Sektoren wahrgenommen werden. In Deutschland schneiden auf einer Skala von eins (überhaupt nicht korrupt) bis fünf (höchst korrupt) Justiz (2,6), Polizei (2,7), aber auch das Bildungswesen (2,7) besonders gut ab.

 Spitzenreiter – im negativen Sinne – sind die politischen Parteien (3,8) und die Privatwirtschaft (3,7). Auch weltweit werden die politischen Parteien am häufigsten als die korruptesten Institutionen wahrgenommen. Auffällig ist das vergleichsweise schlechte Abschneiden der Medien (3,6) in Deutschland

Deutsche Medien gelten als korrupt.

Warum überrascht mich das nach dem Genuss dieser Sendung nicht.

Was ich aber verstehe ist, wieso man für diese unseriösen Machwerke staatlicherseits Zwangsabgaben einführt: freiwillig würde für dieses Kasperletheater wohl niemand Geld ausgeben.

 

 

 

 

 

Lügen – Schlüsselqualifikation der Elite

Rechtssprechung und Wahrheit scheinen Begriffe zu sein, der immer mehr zur Farce verkommen. In den Machtzentren der Welt wird geflunkert, was das Zeug hält. Das Recht beugt sich den wirtschaftlichen und politischen Interessen.

Gerichte, Richter und Anwälte sind nur  noch Wasserträger des Kapitalismus. Die Obrigkeit suhlt sich im eigenen, undurchsichtigen Schlamm und fühlt sich dabei, wie die Schweine beim Bauern –  sauwohl. Zudem realisiert die „Elite“ nicht einmal, dass sie in ihrer eigenen Sch… sitzt. Naja, wer die Augen voller Dreck hat, kann bekanntlich nicht weit sehen und erkennt nicht, wie tief er eigentlich im Schlammassel steckt. Uns wollen sie den Morast als ayurvedische Moorbad verkaufen, obwohl ihre Mogelpackung bis zum Himmel stinkt.

Es stellt sich die Frage, wer hier für die Rechtssprechung verantwortlich ist. Normalerweise ist es der Staat, respektive seine „Vertreter“ von der Staatsanwaltschaft. Von denen hört man aber sehr wenig. Vermutlich gehören sie zu einer bedrohten Spezies und sind kurz vor dem Aussterben. Dann gibt es noch die unzähligen Rechtsanwälte, die zwar Klagen, Sammelklagen, Verfügungen usw. einreichen, aber meist nur in Aktion treten, wenn die Bezahlung stimmt. Fälle, in denen ein Kläger aus der Unterschicht mit Hilfe eines selbstlosen Rechtsanwalts einen milliardenschweren Konzern in die Knie zwingt, findet man eher in Hollywood, als im realen Leben. Normalerweise ist es praktisch unmöglich. In sehr seltenen Ausnahmefällen gewinnt der kleine Michel, ist aber im Anschluss meist finanziell ruiniert und/oder psychisch am Ende. Die selbsternannte Elite hat es dafür nicht mal nötig, persönlich an einem Gerichtstermin zu erscheinen. Und wenn es ganz unpässlich ist, kauft man sich in der  Rechtsstaat-Abteilung mit ein paar Millionen eine neue, weisse Weste. Herr Maschmeier weiss wie’s geht.

Recht ist demzufolge keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein teures Konsumgut. Die gleiche „Marktentwicklung“ durchliefen die Finanzämter.  Wieso kann sich ein reicher Bürger von seiner Schuld freikaufen, wenn er den Staat mit seinen Steuerangaben belogen/betrogen hat? Da besitzen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft  Konten im Ausland, verfrachten ihre Gelder dorthin und leiden plötzlich unter  einer seltenen Kontenamnesie, wenn man sie danach fragt. Da betrügen Volksvertreter den Staat und wenn sie nicht erwischt werden, dekorieren sie sich mit Titeln wie Kanzler, Bundespräsident oder Ministerpräsident. Hier stimmt das alte Sprichwort: es ist nicht schlimm, wenn man lügt – es ist nur schlimm, wenn man dabei erwischt wird. Moral, ethische Grundsätze, Ehrlichkeit und Transparenz sucht man bei den Damen und Herren vergebens. Sie reden nur davon. Genau wie die Kirche.

Seit Jahrhunderten kann man beim Klerus einen Ablass seiner Sünden erwirken. Wie hoch der Erlass ist, hängt von der gezahlten Geldmenge ab, nicht von der Reue. Es gibt einen Sündenkatalog, in dem die einzelnen Vergehen mit der entsprechenden Summe deklariert sind. Wer noch einen oben drauf legt, kann sich die reinigende Schlammpackung von Minderjährigen  auftragen lassen. Der Vatikan hat eine grosse Kundenliste. Bedingung ist einzig eine Mitgliedschaft im ältesten Skandal-Verein der Welt. Wenn die Kirche seit hunderten von Jahren dies ungestraft praktizieren kann,  darf das der gemeine Politiker sicher auch. Und das macht er… bis er vor lauter Schlamm die Artgenossen aus dem gleichen Stall nicht mehr erkennen kann, siehe deutsche SPD. Die Geschichte zeigt, Schlammschlachten können sehr vorteilhaft sein. Alt Bundeskanzler Kohl bewies dies bei der Spendenvertuschung, Schäuble bei der Wiedervereinigung, Merkel beim Volk, Guttenberg beim Abschreiben usw. usw.

 

Als Staat lügt sich’s einfacher

Am einfachsten ist es, wenn man anonym bleiben kann oder sich hinter einem Gebilde versteckt. Griechenlands Politiker erreichten den Eurobeitritt  mit Lügen, Betrügereien, Urkunden fälschen und Bilanzen erfinden. Sie haben soviel Schlamm produziert, dass sie ihn ganz Europa ins Gesicht schmieren konnten bis es blind war. Einzig der Geruchssinn hätte das Desaster bemerken, respektive realisieren müssen, dass es hier sehr übel riecht. Aber die findigen Griechen verkauften ihre Schlammsuhle als gewinnträchtige Gesichtsmaske und die europäischen Politiker fielen reihenweise darauf herein. Als der Schlamm langsam eingetrocknet war und  vom Antlitz der Politgrössen bröckelte, wunderten sich viel über die Realität, die sich ihnen offenbahrte. Aber anstatt die Chance der klaren Sicht zu nutzen, rieben sich die Volksvertreter wieder gegenseitig die Schlammpackungen ins Gesicht. Mittlerweile wurden über 200 Mia. Euro  an Griechenland gezahlt, wovon das griechische Volk keine einzige Milliarde sah und sich weiterhin mit Existenzängsten und Selbstmordgedanken herumschlagen muss.

Griechenland steht mit seinem Lügengebilde nicht alleine da. Alle grossen europäischen Nationen beschönigen ihre Bilanzen und reden sich ein, alles im Griff zu haben. Brüssel hat dies jetzt sogar offiziell legalisiert. Dabei ist es offensichtlich, dass Länder mit Billionen Euro an Schulden nichts mehr im Griff haben. Kein einziges Land ist in der Lage, seine Schulden abzubauen. Also wird weiter gelogen was das Zeug hält und mit Begriffen kaschiert wie Umschuldung, Schuldenschnitt und Schuldenerlass. Die besten Flunkereien kommen, wer hätte das gedacht, aus den USA. Diese Nation, könnte man meinen, hat das Lügen schlichtweg erfunden. Alle Kriege der Amerikaner basierten auf Unwahrheiten bis hin zu 9/11. Da wundert es nicht, dass inzwischen sogar die Mondlandung angezweifelt wird. Bei denen weiss man wirklich nicht mehr, was man glauben kann und was nicht. Sobald man in der amerikanischen Geschichte gräbt, offenbaren sich Lügengeschichten wohin das Auge reicht. Da sieht sogar der Baron von Münchhausen wie ein Anfänger aus.  Und das Beste daran, es hat keine Konsequenzen. Wer kann die USA einklagen und Recht sprechen? Wer kann Brüssel vor den Kadi bringen? Niemand. Also machen alle Lügenbarone weiter wie bisher und erfreuen sich an der Unantastbarkeit ihrer Person oder Institution. Der ESM ist ein Paradebeispiel, wie man geplante Unwahrheiten in Paragraphen verpackt und sie dem Volk als seriöse Rechtsprechung verkauft. Zur Erinnerung hier nochmals ein Beispiel:

Art. 35, Abs 1 ESMV

„Im Interesse des ESM genießen der Vorsitzende des Gouverneursrats, die Mitglieder des Gouverneursrats, die stellvertretenden Mitglieder des Gouverneursrats, die Mitglieder des Direktoriums, die stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums sowie der Geschäftsführende Direktor und die anderen Bediensteten des ESM Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich ihrer in amtlicher Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit hinsichtlich ihrer amtlichen Schriftstücke und Unterlagen.“

Das heisst im Klartext, in Brüssel kann gelogen werden wie man’s gerade braucht und es hat keine Konsequenzen. Fazit: Es wird nur noch gelogen. Sei es bei der Vergabe von Subventionen, bei der Vergabe von Ämtern, bei der Anwesenheitsliste und natürlich bei der Beschönigung der Bankenmisere. In einem Punkt bewiesen die Funktionäre in Brüssel sogar Weitsicht. Falls einmal der brüsseler Mülleimer überquellen sollte und dabei eine Unwahrheit auf dem Boden der Realität aufschlägt, ist sogar er von jeglicher Haftung befreit.

Art. 32, Abs. 4 ESMV

„Das Eigentum, die Mittelausstattung und die Vermögenswerte des ESM genießen unabhängig davon, wo und in wessen Besitz sie sich befinden, Immunität von Durchsuchung, Beschlagnahme, Einziehung, Enteignung und jeder sonstigen Form des Zugriffs durch vollziehende, gerichtliche, administrative oder gesetzgeberische Maßnahmen.“

Da freuen sich alle Mülleimer, Aktenschredder und Papierpressen, wenn sie belastende Dokumente vernichten und so für Sauberkeit  im Brüsseler Verwaltungsapparat sorgen. Die Putzkolonnen werden zu Statisten degradiert, die nur noch den Boden von Schlammspuren reinigen dürfen. Die eigentlichen Saubermänner tragen heute Krawatte, putzen mit dem Aktenvernichter und abstauben tun sie keine Fusel, sondern Steuermilliarden.

 

Die Zukunft der Lügen

Lügen haben bekanntlich kurze Beine und somit keine grossen Chancen, in der Zukunft voran zu kommen. Es braucht kein wahrsagerisches Talent um folgende zukünftigen Geschehnisse zu orakeln:

– keines der Wahlversprechen wird im Sinne des Volkes umgesetzt

– der Steuerzahler finanziert vollumfänglich die  „Wahl-Geschenke“ der Politiker

– keine einzigen Prognosen, Offerten, Bilanzen, Budgetpläne stimmen oder werden    eingehalten

– …

Die Liste hat eine Ähnlichkeit mit der Zahl Pi – ein Ende ist nicht in Sicht. Aber es stört uns nicht, wenn wir tagtäglich von den Medien, der Politik und der Wirtschaft faustdick belogen werden. Die Omnipräsenz von Unwahrheiten in der Gesellschaft hat den Wahrnehmungslevel jedes einzelnen derart ausgehölt, dass praktisch alle Lügen gleichgültig durchgewunken werden. Dazu stellt sich die Erkenntnis, dass es unmöglich ist einen Elite-Lügner seiner Taten zu bezichtigen und vor ein ehrbares Gericht zu stellen. Der Hund beisst bekanntlich nicht die Hand, die einen füttert – von wem bekommen die Richter ihren Lohn und wer stellt sie ein?

Dem gemeinen Volk bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, dem zu glauben, der seine Lügen am besten verpackt.  Die deutsche SPD zum Beispiel übermalt ihren Hahnenkampf an der Spitze mit rosigen Aussichten auf ein Perpetuum Mobile der sozialen Gerechtigkeit und Gleichheit. Ihr Programm ist so immens, das kann nur gelogen sein. Ausser ein Politiker erfährt eine wundersame Heilung seiner Kontenamnesie und erinnert sich an die gebunkerten Milliarden, die ein solches Programm kosten würde. Aber so eine Meldung ist sicher auch wieder gelogen.

Feindesland Deutschland – Aussichten und Konsequenzen

Feindesland Deutschland - Aussichten und Konsequenzen

Mittwoch, 3.7.2013. Eifel. Zunächst Grüße ich einmal unsere Freunde von den mitspeichernden Geheimdiensten, von deren Existenz ich immer wusste, über die ich mich aber nie zu sprechen gewagt  habe. „Antiamerikanismus“, „Verschwörungstheorie“ und was weiß ich nicht noch alles an modernen Pseudodiagnosen wären einem um die Ohren geschlagen worden hätte man sich nur in die Nähe dieses Themas gewagt. Das ist nicht ungefährlich: immerhin leben wir in Deutschland, einem Land, in dem man schon in die Psychiatrie kommen kann, nur weil man – wie im Fall Gustl Mollath – über heute überall bekannte krumme Geschäfte einer Bank berichtet. Wir sind da immer noch gründlich.

Um Verschwörungstheoretiker zu werden, braucht man sich heutzutage nicht viel Mühe zu machen: es reicht schon, wenn man ein Gedächtnis hat. So etwas ist zwar selten geworden in der „Fit-for-Job“-Spaßgesellschaft, die wir nach US-Vorbild seit „Dallas“-Zeiten gezielt auch in Deutschland implementiert haben, aber manche leisten sich noch eins: Sascha Lobo gehört dazu. In einer aktuellen Kolumne für den Spiegel zitiert er einen 15 Jahre alten Artikel:

Amerikas geheimster Geheimdienst, die National Security Agency (NSA), lauscht weltweit und rund um die Uhr, ganz besonders in der Bundesrepublik. Von alliierten Sonderrechten ermächtigt und durch Gesetze geschützt, von […] elektronischen Schutzschilden umhüllt, hat sich die NSA zu einer Monsterorganisation entwickelt, die in einem politischen Vakuum weitgehend nach eigenem Gutdünken operiert.

Die Agentur ist auch nicht zufällig zu jenem Monster geworden, dass sie nun darstellt. Das war ein gezielter, undemokratischer Akt:

Einen solchen Freibrief für die NSA hatte der damalige US-Präsident Harry S. Truman wohl im Sinn, als er am 24. Oktober 1952 seine Unterschrift unter ein siebenseitiges Schriftstück setzte, dessen Wortlaut bis heute geheim ist. Das Memorandum des Präsidenten bedurfte nach amerikanischem Recht keiner Zustimmung des Kongresses. Mit der Geheimorder wurde die NSA gegründet. […] Der Auftrag an die NSA lautete verkürzt: Spionage zugunsten der USA in allen Fällen von nationalem Interesse – politisch, militärisch und wirtschaftlich.

Man sieht also: die alten Geschichten der UFO-Gläubigen, die Mythen um Majestic 12 haben einen ganz realen Ursprung. Ebenso gibt es für all die Anhänger von Verschwörungstheorien jeder Art einen handfesten Grund, so überkritisch und besonders aufmerksam zu sein: in ihrem eigenen Land existiert eine Superbehörde, eine „Monsterorganisation“ die jenseits aller politischen Kontrolle die Welt gestaltet, wie es ihr gefällt: Hauptsache, die US-Wirtschaft hat einen Nutzen davon.

Nun gibt es ein großes mediales Getöse um die Vorfälle, das sicher auch seine Berechtigung hat.

Hört man aber genauer hin, so hat dieses Getöse hauptsächlich einen Sinn: von dem wahren Skandal abzulenken.

Die Tagesschau – Leitmedium Nr. 1 – sagt uns Deutschen unverblümt, was wir zu tun haben:

Alle, die jetzt laut „Skandal“ schreien, müssten beim nächsten Terroranschlag auf deutschen Boden, der eben nicht verhindert wurde, weil man ja keine Informationen aus dubiosen Geheimdienstquellen wollte, den Rücken gerade machen und sagen: Das ist der Preis.

Das Abhören von EU-Botschaften und EU-Vertretungen, die Speicherung unserer E-Mails und Telefonate dient nur unserem eigenen Schutz. Wollen wir das nicht akzeptieren, dann sprengt man eben so lange Menschen an Bahnhöfen in die Luft, bis wir das endlich kapieren.

Eine ähnliche Strategie findet man im Handelsblatt, der Nr. 1 der Wirtschaftsmedien. Mit einem kecken „Na und ?!“ will man dort das Thema beenden.

Dabei ist der eigentliche Skandal nicht die Tatsache, wie skrupellos und kriminell ein außer Rand und Band geratener Inlandsgeheimdienst die Grundfesten der Demokratie auch im Ausland zersägt.

Der eigentlich Skandal, von dem alle ablenken wollen, ist: Deutschland muss sich bewusst werden, dass es immer noch (oder: wieder) FEINDLAND geworden ist.  Jakob Augstein erwähnt es in seiner Spiegel-Kolumne:

Ähnlich eifrig wie in China, dem Irak und Saudi-Arabien überwachen die Amerikaner in Deutschland. Genau 50 Jahre nach Kennedys Ich-bin-ein-Berliner-Rede müssen wir einsehen: Wir sind ein Ziel, keine Verbündeten. Hier zerbricht ein deutsches Weltbild.

Das in China überwacht wird, ist klar: das ist das neu auserkorene Reich des Bösen. Die Cowboys brauchen halt ihre Indianer, sonst können sie nicht helfenhaft um sich schießen.

Das der Irak überwacht wird, ist klar: auf keinen Fall dürfen sich dort Strömungen etablieren, die den US-Interessen entgegenstehen. Hier hat man nach dem Einmarsch auch eine besondere Verantwortung.

Das Saudi-Arabien überwacht wird, ist klar: die Familie von Osama bin Laden ist dort zu Hause, die meisten der offiziellen Attentäter vom 11.9.2001 kamen von dort. Außerdem befindet sich das Land im Krieg mit Israel, ein Zustand, den deutsche Medien gerne ausblenden, weil er nicht ins offizielle Bild passt.

Aber Deutschland, dass demokratische Musterland Europas? Klar, wir hatten auch einen Diktator, wurden auch befreit – aber das ist bald siebzig Jahre her! Wir tragen alle Jeans, essen bei McDonalds, kaufen bei E-Bay und Amazon, schauen brav jeden Propagandafilm aus Hollywood, bomben mit in aller Welt und stehen unserem großen Bruder als Hilfstruppen mit Flugzeugen, Schiffen und Bodentruppen überall und jederzeit zur Verfügung! Wir haben US-Unternehmensberater in unsere Firmen gelassen und ihre Sicht der Dinge auswendig gelernt, wir haben unseren Sozialstaat nach US-Vorbild abgebaut und sogar angefangen, unsere Gefängnisse nach US-Vorbild zu privatisieren (wie den Rest der Staatswirtschaft auch). Wieso sind wir dann noch Feindesland?

Ja, wir sind nicht nur „Ziel“. Wir sind FEIND. Das ist eine äußerst unbequeme Wahrheit, vor allem, weil Generationen von Deutschen versucht haben, alles richtig zu machen um genau das zu vermeiden.

Warum wir Feind sind, erklärt Dirk Müller in einem Interview für das Handelsblatt:

Ich glaube, dass hier geostrategische Interessen im Spiel sind. Gehen wir ein paar Jahre zurück: Der Euro war auf dem besten Wege, den Dollar als Leitwährung anzugreifen. Davor hat unter anderem Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman gewarnt. Aus Sicht der Amerikaner wäre es fahrlässig gewesen, nichts dagegen zu tun. Amerika ist existenziell darauf angewiesen, dass der Dollar die Leitwährung der Welt bleibt. Weltweit gibt es Öl fast ausschließlich gegen US-Dollar. Wenn es hierdurch nicht eine beständige Nachfrage nach US-Dollar geben würde, würde das amerikanische Modell überhaupt nicht mehr funktionieren. Die Frage ist nicht: Kann es sein, dass die Amerikaner etwas gegen den Euro haben? Sondern: Ist es realistisch, dass sie tatenlos zuschauen, wie der Euro den US-Dollar als Weltleitwährung gefährdet.

Noch Fragen?

In seinem Film „Kapitalismus – eine Liebesgeschichte“ erwähnt Michael Moore nebenbei, wie überaus nützlich es war, dass im Krieg die deutschen und japanischen Autoindustrien zerstört wurden: so konnte die US-Industrie nach dem Krieg enorm wachsen.

Viele Jahre später droht der US-Wirtschaft wieder Gefahr aus dem Osten: Europa wird zu einem gewaltigen Konkurrenten, der Euro gefährdet den Dollar – deshalb muss er vernichtet werden.  Ist auch nicht persönlich gemeint – es geht nur ums Geschäft. Die stärkste Wirtschaftsnation Europas? Deutschland – und damit der Hauptfeind. Von hier aus kann man – entsprechenden Einsatz vorausgesetzt – die ganze EU vernichten. Entsprechendes hatte man zuvor in Argentinien erprobt.

Zu weit gedacht?

Nicht weit genug.

Kann sich noch jemand an die Mittelmeerunion erinnern? Von Sarkozy 2007 initiiert, hätte sie Nordarabien und Südeuropa miteinander verzahnt – auf eine recht elegante Art und Weise sogar völlig neue Perspektiven für Palästina eröffnet … und die USA aus dem Norden Afrikas herausgedrängt. Sechs Jahre später sind Tunesien, Lybien, Ägypten und bald auch Syrien vernichtet, Spanien, Italien, Griechenland, Zypern und Portugal wirtschaftlich ruiniert, der Einfluss der USA in Nordarabien durch islamistisch gefärbte Rebellenbanden enorm gewachsen.

Zufall?

Vielleicht. Aber wenn wir eine monströse Macht im Hintergrund wissen, die gerne nichts dem Zufall überlässt, wird der Zufall unwahrscheinlicher.  Ist die Macht aber wirklich „monströs“? Ist diese Wertung nach dem „gut“ und „böse“-Schema nicht hoffnungslos veraltet?

Vielleicht – aber eine Gruppe von Menschen, die „millionenfachen Rechtsbruch“ (auch gegen Nachbarn, Freunde und Verbündete) begeht (siehe Spiegel), kann man zurecht als böse – und ziemlich psychopathisch – definieren, ohne großartig moralisch zu werden.

Man stelle sich nur vor, wie groß das Geschrei gewesen wäre, wenn Nordkorea, Russland oder der Iran in diesem Umfang in Deutschland „aktiv“ gewesen wären – und man sollte sich jetzt mal vor Augen halten, wie das Weltbild jener NSA-Verantwortlichen aussieht, die in Deutschland ein wichtigeres Angriffsziel sehen als in diesen klassischen „Feindstaaten“.

Es sind jene Menschen, mit denen die Amerikaner selber unangenehme Erfahrungen machen – und es gibt sie nicht nur beim NSA, sondern auch bei der CIA, dem FBI oder der neu gegründeten „Homeland Security“ (neben den vielen anderen „Diensten“, die dort noch aktiv sind).

„Journalisten, die sich mit der Regierung und der militärischen Macht anlegen, sterben oft unter mysteriösen Umständen.“

So zitiert die Frankfurter Rundschau die US-Plattform „Infowars“ in bezug auf den tödlichen Unfall, bei dem der Enthüllungsjournalist Hastings bis zur Unkenntlichkeit verbrannte … obwohl wir ja wissen, dass diese „Auto-brennt-nach-Unfall-Geschichte“ nur höchst selten auftritt.

Natürlich überwachen sie auch das eigenen Land mit ihren Drohnen (siehe Spiegel) und morden mit dieser wachsenden Flotte von Terrorinstrumenten ungeniert in aller Welt herum – auch von Deutschland aus (siehe Tagesschau). Das schon allein ist Grund genug, Deutschland gezielt besser zu überwachen als Nordkorea. Noch besser ist es aber, wenn man sich dann dank gezielter NSA-Informationen die Sahnestücke der deutschen Industrie gezielt unter den Nagel reißen kann (siehe FAZ).

Der Feldzug gegen Deutschland jedenfalls war ein voller Erfolg – der Euro hat laut einer neuen EZB-Studie deutlich an Einfluss verloren (siehe Handelsblatt). Die Mittelmeerunion wurde zerschlagen, bevor sie überhaupt richtig loslegen konnte, wirtschaftlich ist Europa ein Wrack, das im Namen der Rendite von Goldman-Sachs nun völlig ausblutet: führend dabei auch die fünften Kolonnen des hemmungslos blinden Amerikanismus: Rotarier, Atlantik-Brücke, American Council of Germany, Deutsch-amerikanische Handelskammer und wie sie alle noch heißen.

Darf ich an Obamas Rede in Deutschland erinnern? Hier, zitiert aus dem Handelsblatt:

Wollen wir frei leben oder in Ketten? Unter Regierungen, die unsere Menschenrechte wahren oder unter Regimes, die diese unterdrücken. Wollen wir in einer offenen Gesellschaft leben, die die Unverletzbarkeit des Einzelnen achtet oder in abgeschotteten Gesellschaften, die die Seele ersticken?

Die Frage war rein rhetorischer Natur, wie in einer Nation von Verkäufern üblich.

Die NSA (samt den anderen Geheimdienstmonstren voller ungebremster krimineller Energie) hat diese Frage für uns schon entschieden. Wir leben schon in abgeschotteten Gesellschaften, die die Seele ersticken – in Form von Hartz IV, Jugendarbeitslosigkeit, Renditeterror, Arbeitsplatzunsicherheit, Zeitarbeit, massiver Staatsverschuldung, Bildungsarmut, Medienverblödung, Pressezensur, Netzwerkverschwörungen, minderwertiger Nahrung, beständiger Arbeitsbeschleunigung und fortschreitender Zerrüttung aller sozialer Strukturen – um nur ein paar der Erscheinungsformen des modernen Lebens zu nennen, die uns als ernst zu nehmende Konkurrenten auf den Weltmärkten mangels eigener Identität zunehmend ausschalten.

Berücksichtigt man dann noch die Folgen des Einsatzes der Massenvernichtungswaffe Derivate (siehe Neopresse), so wird schnell klar, dass wir Feindesland mit allen Konsequenzen geworden sind.

Und das ist der eigentliche Skandal: das man uns unsere Feinde tagtäglich als Freunde verkauft – und Freunde wie Edward Snowden als Feinde. Ja, ein „Verräter“ ist er in den Augen unseres Bundespräsidenten Joachim Gauck (siehe Zeit).

Gauck ist Mitglied der Atlantik-Brücke.

„Die USA werden von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben.“ – so 2002 der damalig Vorstand Arndt Oetker in der Berliner Zeitung. 

Und so erklärt sich, warum die Medien in breiter Front von dem eigentlichen Thema ablenken: Deutschland ist wieder Feind der USA. Viele Deutsche arbeiten daran mit, dass es so bleibt.

Meine Lehre aus dem Husarenstreich der Geheimdienste?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein unkontrollierbares Geheimmonstrum innerhalb der USA ein paar New-Yorker Bürotürme aus taktischen Gründen in die Luft jagd, um sich jahrzehntelang weltweit enorme strategische Vorteile (auch wirtschaftlicher Art) zu sichern, erscheint mir deutlich größer als herkömmliche Verschwörungstheorien über nierenkranke, ehemals in CIA-Diensten stehende  saudi-arabische Millionäre, in von afghanischen Höhlen aus ohne Blutwäschegeräte mit saudi-arabischem Personal Anschläge auf der anderen Seite der Welt durchführen – im am besten gesichertsten Land der Welt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Monstrum auch in Deutschland mordet (siehe RAF-Phantom), scheint mir ebenfalls sehr hoch.

Immerhin sind wir Angriffsziel – ein Feindland Nr. 1. Noch vor Nordkorea.

Deutschland – der Schurkenstaat.

Schade, dass wir keine Konsequenzen aus dieser Erkenntnis ziehen werden, weil die Vasallen des Molochs über ihre „Freundesorganisationen“ schon längst alle zentralen Position in Deutschland besetzt halten. Sicher haben wir das auch bald wieder vergessen, die Medien arbeiten mit Hochdruck daran, überschütten uns mit Nebensächlichkeiten, spülen alles fort mit der üblichen deutschen Sauberkeit und Gründlichkeit.

Bald ist Kritik am Geheimdienstmoloch wieder Antiamerikanismus, der mit Psychiatrie nicht unter zwanzig Jahren bestraft wird.

Dabei fällt mir ein: ich hatte dieses Jahr schon drei Autopannen mit tödlichem Potential.

Da denke ich mir jetzt aber noch nichts bei.

 

 

 

 

IWF meldet: Blockupy hatte doch recht! Verschwiegen wird: Deutschland ist im Eimer.

Donnerstag, 6.6.2013. Eifel. Kennen Sie das? So Tage, an denen Sie auf den Bildschirm schauen und glauben, dass es besser wäre, Sie würden sich freiwillig in die Psychiatrie einweisen lassen? Hätte ich nicht diverse Praktika in geschlossenen Abteilungen psychiatrischer Anstalten (mit Kittel und Schlüssel - man hatte mir ärtzlicherseits dringend nahe gelegt, dies immer mit zu erwähnen ... Kittel allein reicht wohl nicht) hinter mir, würde ich auch auf so eine Idee kommen. So jedoch bleibt mir auch dieser letzte Fluchtpunkt verwehrt. Vor fünf Tagen wurde eine Demonstration in Frankfurt durch Dummheit, Ignoranz oder pure Boshaftigkeit aufgehalten, die gegen die europäische Finanzpolitik und den Bankenrettungswahn gerichtet war.

Donnerstag, 6.6.2013. Eifel. Kennen Sie das? So Tage, an denen Sie auf den Bildschirm schauen und glauben, dass es besser wäre, Sie würden sich freiwillig in die Psychiatrie einweisen lassen? Hätte ich nicht diverse Praktika in geschlossenen Abteilungen psychiatrischer Anstalten (mit Kittel und Schlüssel – man hatte mir ärtzlicherseits dringend nahe gelegt, dies immer mit zu erwähnen … Kittel allein reicht wohl nicht) hinter mir, würde ich auch auf so eine Idee kommen. So jedoch bleibt mir auch dieser letzte Fluchtpunkt verwehrt. Vor fünf Tagen wurde eine Demonstration in Frankfurt durch Dummheit, Ignoranz oder pure Boshaftigkeit aufgehalten, die gegen die europäische Finanzpolitik und den Bankenrettungswahn gerichtet war.

Und heute?

Lese ich dies im Wall Street Journal:

Der Internationale Währungsfonds gesteht bei der finanziellen Rettung Griechenlands Fehler ein. Der IWF kreidet sich in einem streng vertraulichen Bericht, in den das Wall Street Journal Einblick hatte, zwei große Schnitzer an. Die Washingtoner Experten bereuen mittlerweile die rigiden Sparvorgaben und ihre enormen wirtschaftlichen Folgen für die Wirtschaft des südeuropäischen Eurolands.

Tja, da bereuen sie, diese „Experten“. Ich sehe sie förmlich vor mir, wie sie auf Knien vor dem Altar herumrutschen und aufgelöst voller Tränen um Verzeihung bitten …. nein, eigentlich sehe ich sie mit einem Glas Champagner in der Hand und einem Stellenangebot von Goldman Sachs in der Tasche.

Schauen wir noch einmal kurz ins Handelsblatt:

Griechenland war das erste Mitglied der Eurozone, das in der Schuldenkrise Hilfen der internationalen Gemeinschaft erhielt. Im ersten Programm hatte Athen Notkredite in Höhe von 110 Milliarden Euro enthalten. Doch schnell zeigte sich, dass das nicht reichte: Im November 2012 wurde ein zweites Hilfspaket geschnürt, mit zusätzlichen Kredite von 165 Milliarden Euro.

Wo sind eigentlich diese 275 Milliarden Dollar? Das sind 275 000 Millionen … für ein Volk von 11 Millionen. 25 000 Euro für jeden Griechen.  In drei Jahren knapp 700 Euro im Monat – für JEDEN Griechen, ob arm oder reich.  Damit müssen deutsche Arbeitslose auch auskommen – wenn sie nicht gerade sanktioniert werden.  Die Griechen sollten sich freuen vor Glück – stattdessen bringen sie sich um, siehe Zeit vom 22.11.2012

In Griechenland ist die Zahl der Selbstmorde und versuchten Suizide binnen zwei Jahren um mehr als ein Drittel gestiegen. Die entsprechenden Zahlen der griechischen Polizei legte der Minister für öffentliche Ordnung, Nikos Dendias, dem Parlament vor.

Der Hintergrund? Das Geld ist nie in Griechenland angekommen. Die haben eine Jugendarbeislosigkeit von 50% (siehe Süddeutsche), in vielen anderen europäischen Ländern sieht es kaum besser aus, weil das Diktat des IWF einfach jeden früher oder später erreicht. Das mussten auch die deutschen Gewerkschaften erfahren, die dem IWF in den siebziger Jahren ein Dorn im Auge waren. Dann kam Peter Hartz, finanzierte Prostituierte für Betriebsräte, stand Pate für Hartz IV und Schluss war es mit deutschen Gewerkschaften, die nun fast schon als Handlanger neoliberaler Gesellschaftspolitik bezeichnet werden können. Immerhin geht es ja – das haben wir oft gehört – um die „Regierungsfähigkeit“ in diesem Lande.

Für wen und wozu dieses Land regiert werden soll, wurde allerdings nie weiter ausgeführt: „regieren“ war zum Selbstzweck geworden.

Was nun haben die Griechen für diese Hilfe aus dem Auslang bekommen?  Schauen wir mal in die FTD:

Lohnkürzungen von bis zu 30%

Reduktion der Arbeitslosenunterstützung auf 332 Euro/Monat

Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 21 % (2012)

Rentenkürzung bis zu 20 %

150 000 Entlassungen aus dem Staatsdienst (bis 2015)

Anstieg der Unternehmenspleiten um 27 % (2011 auf 2012)

Anstieg der Mehrwertsteuer auf 23%

Kräftige Steuererhöhungen bei KFZ-Steuer, Kraftstoff, Spiritousen, Tabak (die Verteufelung von Tabak hat auch wird auch hier direkt zu Geld gemacht)

90% der Bürger haben ihre Ausgaben eingeschränkt – dank des enormen Geldregens aus Brüssel und Deutschland. 

Doch das ist noch nicht alles. Ein Brief aus Griechenland  zeigt uns weitere gruselige Erscheinungen der rigorosen Sparpolitik, für die vor allem wir Deutsche den Kopf hinhalten – einmal als Zahler, und dann als Buhmänner … dank geschickter deutscher Außenpolitik. Vielleicht tritt Außenminister Westerwelle (ja, der ist immer noch Außenminister – das überrascht, oder?) deshalb weniger in Erscheinung.

Werfen wir nochmal einen Blick in die Süddeutsche Zeitung:

In einem ersten Rettungspaket hatte die griechische Regierung im Mai 2010 Hilfen im Umfang von 110 Milliarden Euro bekommen und sich im Gegenzug zu harten Sparmaßnahmen und Strukturreformen verpflichtet. Die griechische Wirtschaft hat sich seither viel schlechter entwickelt, als erwartet. Der IWF hatte ursprünglich prognostiziert, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2012 um 5,5 Prozent schrumpfen würde, tatsächlich waren es 17 Prozent.

Überraschend, oder? Wie kann es sein, das Lohnkürzungen, Rentenkürzungen, Firmenpleiten und Rekordarbeitslosigkeit mit einhergehendem chronischem Geldmangel nicht zu einem explosivem Wachstum der Wirtschaft führen?

Wie kann es sein, dass ich bei Aldi nichts im Einkaufswagen habe, wenn doch mein Geldbeutel leer ist?

Wieso kaufe ich eigentlich nicht immer mehr, wo ich doch immer weniger Geld habe? Würde doch der Wirtschaft gut tun?

 „Die Prognostiker haben auf entscheidende Weise den Anstieg der Arbeitslosigkeit und den Rückgang der Nachfrage unterschätzt, der mit der Haushaltskonsolidierung einhergeht“,

Ach so. Man fordert Massenentlassungen … aber wundert sich, dass die zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Und „Rückgang der Nachfrage“ ist die Sparpolitik des kleinen Mannes – das war doch gewollt, oder?

Aber man hat ja schon die Lösung des Dilemmas parat:

„Liberalisierung der Arbeitsmärkte“. 

Der Niedriglohnsektor soll wieder alles richten – zumindest wird er für einige skrupellose Gesellen kurzfristig eine Riesengewinnchance darstellen, die sie gerne annehmen.

Der Traum eines jeden Unternehmers: bald wir er war.  Um arbeiten zu dürfen, bringt jeder Arbeitnehmer Geld mit an den Arbeitsplatz. Immerhin: Arbeitsplätze sind ein knappes Gut, das sollte man sich was kosten lassen. Je knapper das Gut ist, umso teurer wird es.

Was schreibt der Spiegel?

Man habe die Wirkung der Sparmaßnahmen auf die Wirtschaft unterschätzt, schreibt der IWF. Die Wirtschaft habe „eine viel tiefere Rezession als erwartet“ erlebt mit „außergewöhnlich hoher Arbeitslosigkeit“. Anders als erwartet, sei das Vertrauen der Märkte in Griechenland nicht zurückgekehrt. Aus dem Bankensystem seien 30 Prozent der Spareinlagen abgezogen worden.

Da führen doch Massenentlassungen und Unternehmenspleiten überraschend zu höherer Arbeitslosigkeit?

Na, da konnte ja keiner mit rechnen.

Wer zahlt jetzt den so im Experiment versackten Griechen Schmerzensgeld?

Wer löst den IWF wegen bewiesener Unfähigkeit auf?

Wer entschädigt den deutschen Steuerzahler für den Verlust vieler Milliarden (wieviel ist ja noch immer unklar)?

Niemand. Der IWF wurschtelt weiter wie bisher, weil er vor allem ein politisches Instrument ist, siehe Bundeszentrale für politische Bildung

Die geforderten Sparprogramme und Einschnitte in Sozialprogramme seien für die Menschen in Entwicklungsländern unzumutbar und für das Wachstum schädlich. Allzu oft seien in der Vergangenheit – ohne nähere Kenntnis der spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Landes – Programme auferlegt worden, die vielleicht für entwickelte Staaten geeignet seien, in einem Land mit unterentwickeltem Finanz- und Geldwesen und anderen sozialen Strukturen hingegen nicht. Solche Programme seien auch der Dominanz der Industrieländer, insbesondere der USA, in den Entscheidungsgremien des IWF geschuldet.

Jetzt geht es nicht mehr um die Entwicklungsländer, jetzt geht es um die Konkurrenz aus Europa.

Darf ich nochmal Dirk Müller aus dem Handelsblatt zitieren?

Ich glaube, dass hier geostrategische Interessen im Spiel sind. Gehen wir ein paar Jahre zurück: Der Euro war auf dem besten Wege, den Dollar als Leitwährung anzugreifen. Davor hat unter anderem Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman gewarnt. Aus Sicht der Amerikaner wäre es fahrlässig gewesen, nichts dagegen zu tun. Amerika ist existenziell darauf angewiesen, dass der Dollar die Leitwährung der Welt bleibt. Weltweit gibt es Öl fast ausschließlich gegen US-Dollar. Wenn es hierdurch nicht eine beständige Nachfrage nach US-Dollar geben würde, würde das amerikanische Modell überhaupt nicht mehr funktionieren. Die Frage ist nicht: Kann es sein, dass die Amerikaner etwas gegen den Euro haben? Sondern: Ist es realistisch, dass sie tatenlos zuschauen, wie der Euro den US-Dollar als Weltleitwährung gefährdet.

Nochmal nachgefragt: wo sind denn diese ganzen Milliarden geblieben, die den Griechen geliehen wurden? Wer steuert den IWF – und teilt sich die Regierungsgewalt mit Banken wie Goldman-Sachs? Übrigens: 2012 hat Goldman-Sachs seinen Gewinn um fast 200 % steigern können (siehe Spiegel).

Vor zwei Monaten hatte Wiwo etwas über die Kosten der Eurorettung geschrieben, eine Rettung, die wir nun mal wieder als gescheitert ansehen können. Es lohnt sich, mal einen Blick darauf zu werfen, es geht hier um die aktuelle Immobilienblase in Deutschland, die die Mieten in unerträgliche Höhen steigen läßt, weil die unsichtbare Hand des Marktes mal wieder völlig bei der Aufgabe versagt, den Bürger zu versorgen:

Doch was geschieht, wenn die Blase platzt? Wenn Deutschland geschwächt ist durch das Gift des billigen Geldes, durch seine Milliardenhilfen, durch seine gesunkene Produktivität, durch seine hohen Löhne, durch seine schrumpfenden Renten, durch überteuerte Wohnungen und unablösbare Immobilienkredite? „Für die Währungsunion wäre es das Aus“, sagt Krämer. Und mit dem Aus der Währungsunion würde zugleich der Großteil der Haftungssummen fällig, mit denen sich Deutschland im Zuge der Euro-Rettung für die Währungsunion verbürgt hat. Es wäre das Ende halbwegs gesunder Staatsfinanzen. Das Ende einer gesunden Wirtschaft. Und ganz gewiss auch das Ende Deutschlands, so wie wir es kennen. Kein Land der Euro-Zone wird in der Lage sein, Deutschland zu retten. Nicht in der Lage – und ganz sicher auch nicht mehr willens.

Darum ging es bei Blockupy – das haben viele schon wieder vergessen, weil Fußball war.

Um es einmal mit deutlichen Worten für den nichtinformierten Leser zu sagen:

Wenn wir dem IWF weiter folgen (und das macht unsere Politik gerne) dann:

gibt es keinen Fußball mehr

gibt es kein Fernsehen mehr

gibt es kein Bier mehr

gibt es keinen Kaffee mehr … und weder Schulen, noch Krankenhäuser, noch Rente, noch Polizei.

Aber ich schätze mal: in der superbunten rosa Welt, die sich die deutsche Konsumdrohne so tagtäglich herbeiphantasiert, wird diese Botschaft auf absoluten Unglauben stoßen. Ist mal wieder zu hoch für Konsumdrohnen.

Nur ist Wirtschaft keine Angelegenheit des Glaubens.  Wer glauben will, sollte in die Kirche gehen.

Was wir aber jetzt langsam verstehen können: deshalb fördern weitblickende Kreise in der Politik das Verprügeln von Blockupy, deshalb lachen Polizisten, wenn sie Abgeordnete abführen. Die sehen die Zukunft schon klar vor Augen.

Und während man in Berlin noch von Mietpreisbremsen schwärmt, ist in der Eifelgemeinde Nideggen der erste deutsche Sparkommissar weiter aktiv: siehe Aachener Zeitung. 500 000 Euro hat er in der ersten Sitzung den 10 000 Bürgern als Steuern neu aufgebürdet, weiter Millionen sollen folgen. Das Mittel war die Erhöhung der Grundsteuer, die zu einer Erhöhung der Wohnkosten führen wird, was wiederum die Immobilienblase indirekt füttert.

Das Modell hat sich wahrscheinlich auch der IWF ausgedacht, um neue Gelder für „Griechenland“ zu generieren, oder?

 

 

Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein, Schule in Hamburg und ein Brief aus Griechenland: Momentaufnahmen einer zerfallenden Kultur.

Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein, Schule in Hamburg und ein Brief aus Griechenland: Momentaufnahmen einer zerfallenden Kultur.

Montag, 27.5.2013. Eifel. Gestern war Wahl in Schleswig-Holstein. Alle Jubeln, alle haben gewonnen. Ja – nicht alle. Die Linken hatten die größten Einbußen, die Grünen die größten Gewinne. Verspreche den Leuten, Hartz IV abzuschaffen und du kriegst ihre Stimme. Die Piratenpartei … nun: 1,6 % sind eine passable Quittung für die Arbeit der letzten Monate. Die satirische Partei „Die Partei“ zog sogar in die Bürgerschaft von Lübeck ein: Klamauk macht Politik – was haben wir gelacht. Nun, als „Spaßgesellschaft“ ist uns das Lachen wichtiger als das Leben: Hauptsache grölen und der Tag ist Dein Freund. Darum sind den öffentlichen Medien die Ergebnisse der Disziplin „Leibesertüchtigung mit Ball“ auch wichtiger als die vielen Protestmärsche gegen Monsanto, von denen man in der Tagesschau überhaupt nichts hörte.

Doch auch wenn die FDP herbe Verluste hatten: zum Jubeln war diese Wahl überhaupt nicht. Einfach mal ´reinschauen in die Wahlbeteiligung, siehe NDR:

2003: erbärmliche 52,7 %.

2008: peinliche 49,9 %

2013: erschreckende 46,7 %

Nun, erschreckend wohl nicht für die Parteien. Die wissen schon jetzt, wer Schuld hat: der Bürger (wieder NDR):

Die Landeschefs von CDU und SPD, Böge und Stegner, sind sich einig: Nicht nur die Politik trägt Verantwortung für die niedrige Wahlbeteiligung, auch die Bürger 

Klar – da macht man so tolle Politik – und der Bürger interessiert sich nicht mehr dafür. Außerdem kann es einem ja auch egal sein, was der Wähler macht: selbst wenn nur 1% wählen gehen, bekommen die Berufspolitiker ihre Pöstchen.

Den Bürgern aber ist das Demokratietheater erst recht egal: er hat verstanden, dass wir eine Einheitspartei haben: DIE MÄRKTE. Die bestimmen, was die Politiker machen sollen und wir dürfen noch auswählen, welcher Politiker das machen soll. Machen wir nicht, was vorgegeben wird (wie die kleine Eifelgemeinde Nideggen), dann schickt die Landesregierung einen Kommissar (oder auch „Bevollmächtigten“), der dann durchsetzt, was die gewählten Volksvertreter abgelehnt haben.

Wahrscheinlich würde auch die EU einen Kommissar schicken, wenn die Bundestag mal anfängt, nicht linientreu abzustimmen.  Ich denke, das werden wir noch sehen.

Für die Demokratie ist das natürlich eine Katastrophe – aber in einer Zeit voller Spinnereien nicht zu ändern. Nicht nur die Politiker wenden sich von der Demokratie ab – die Bürger tun das auch. Leicht wäre was zu ändern gewesen – alle einfach mal den südschleswigschen Wählerverband wählen: schon kommt Bewegung in die großen Parteien. Oder irgendeine Kleinpartei, die man nach dem Losverfahren auswählt – egal was: es würde enorm viel ändern. Aber der Deutsche in seiner ganzen Faulheit mag nicht mehr wählen. Oder er ist einfach nur strunzdumm geworden – irgendwann zeigt der Dauerkonsum von Privatfernsehen halt Wirkung.

Es gibt jetzt sogar schon Parteien, die gewählt werden wollen, um das Parteisystem abzuschaffen. Oder einzelne Kämpfer gegen Hartz IV, die nicht in den Bundestag wollen, aber eine Wahlkampagne veranstalten, um in den Bundestag zu kommen. Verrückte Welt, oder?

Dafür aber schreitet der Abbau unsere Gemeinwesens immer weiter voran. So berichtet das Facebookmitglied „Volle Kannepunk“ von Entwicklungen in der Stadt Hamburg:

ALLEN, die es noch nicht mitbekommen haben: auch das reiche Hamburg ist so drauf. Ab dem nächsten Schuljahr werden ALLE Horte geschlossen. Stattdessen kommen UNSERE Hamburger Kinder in Karnickelstallverwahrung. 4 Verwahrer für 400 Kinder nachmittags reichen doch dicke, oder???????? Nix mehr mit 1 Erzieher für 7 Kinder, wie mein Sohn es noch kennengelernt hat….. zum Glück hat er einen tollen Tagesvater und muss nicht an der Massenkinderhaltung in der Schule teilnehmen…. Ah, ich mach ne neue Gruppe auf, wer macht mit???????: Anti-Massenkinderhaltung in Hamburg, PRO Individuum. „DIE“ verarschen uns Hamburger Eltern sowas von….. INKLUSION vormittags mit weniger Personal als es vorher für die I(ntegrativen) Klassen gab und nachmittags kollektives Eierlegen… Prozentual haben unsere Kinder dann bestimmt weniger Platz als jede Legehenne. Was ich nicht verstehe: wo ist die Revolte der Horterzieherinnen geblieben, die, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann, unglaublich tolle Leistungen selbst bei den schwierigsten Kindern geleistet haben…. alle ab August 2013 arbeitslos, oder was? Oder macht ihr für weniger Geld die „gleiche“ Arbeit für den werten Stadtstaat Hamburg? Oder was? Bzw. statt 7 Kinder 70 Kinder? Und am Abend könnt ihr nicht mehr papp sagen?????

LOS, lasst uns auf die Strasse gehen!!!!!!!!!!!!!

Massenkinderhaltung in Hamburg. Mitten in einer der reichsten Städte des ohnehin sehr reichen und erfolgreichen Deutschlands – das ist schon nur noch böswillig zu nennen. Gegen Massentierhaltung bringt man hier schnell viele Stimmen zusammen, aber gegen Massenkinderhaltung?

Da herrscht die grüne Logik. „Der Mensch schadet dem Klima, das bedroht das Leben vieler Tierarten, also muss der Mensch weg“. Beim deutschen Kind fangen wir schon mal an, dann geht das wenigstens nicht mehr nach McDonalds.  Kinder sind halt nicht so edle Geschöpfe wie Hühner.

Hach – wieder mal zu finster gedacht? Hören wir doch mal selbst ein Kind an. Nicht eins aus Deutschland – das würde sicherlich sofort von gewissen Medien verfolgt und – sofern es Hartz IV bezieht – auch noch übel verspottet werden, das wollen wir nicht riskieren. Hören wir ein Kind aus … Griechenland. Die haben dort auch Kommissare (die nennt man da noch anders), die müssen auch sparen wie Nideggen – und das hat halt Folgen, hier bei contrainfo:

An meine LehrerInnen… und die Anderen:

Mein Name ist K. M., ich bin ein Schüler der ersten Klasse eines Gymnasiums am 10. Lyzeum in Drapetsona, Piräus.

Ich habe mich entschlossen diesen Text zu schreiben, weil ich meine Wut, meine Empörung ausdrücken will über den Nerv und die Heuchelei derer, die uns regieren und all jener JournalistInnen und den Mainstreammedien, die ihnen helfen, ihre gesetzlosen und unmoralischen Pläne auf Kosten der SchülerInnen, StudentInnen und der jüngeren Generation einzuführen,

 

Mein Grund zu schreiben ist die Absicht meiner LehrerInnen in der Zeit der Universitätseingangsprüfungen in den Streik zu treten und sind die PolitikerInnen und JournalistInnen, die Krokodilstränen über meine Zukunft vergießen, die wegen des Streiks „auf dem Spiel“ steht.*

Worüber redet ihr? Welche Art von Zukunft habe ich wegen euch? Und wer ist es, der meine Zukunft wirklich aufs Spiel setzte?

Lasst uns einen Blick darauf werfen, wer die Zukunft konstruiert und all unsere Leben, nun schon seit langer Zeit:

– Wer machte die Zukunft für meinen Großvater? Wer kleidete seine Zukunft in die ausgemusterte Kleidung der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen (UNRRA) und zwang ihn nach Deutschland auszuwandern?

– Wer hat dieses gesamte Land schlecht regiert und ausgenommen?

– Wer zwang meine Mutter von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zu arbeiten, das alles für 530 Euro im Monat? Geld, das nachdem Essen und Rechnungen bezahlt sind nicht einmal genug ist, um ein neues Paar Schuhe, geschweige denn ein Buch, das ich von einem Flohmarkttisch wollte, zu kaufen.

– Wer halbierte das Gehalt meines Vaters?

– Wer verleumdete ihn, drohte ihm damit, ihn unter der zivilen Einberufung zurück an die Arbeit zu zwingen, drohte ihm mit Kündigung zusammen mit all seinen KollegInnen der öffentlichen Verkehrsmittel, als sie, die einfach nur in Würde leben wollen, in den Streik traten?

– Wer möchte die Universität, die mein Bruder sich aussuchte um einige seiner Träume zu erreichen, schließen?

– Wer gab mir Fotokopien anstatt von Schulbüchern?

– Wer lässt mich in meinem Klassenraum ohne Heizung frieren?

– Wer trägt die Schuld daran, dass SchülerInnen vor Hunger umkippen?

– Wer machte so viele Leute arbeitslos?

– Wer trieb 4.000 Menschen in den Selbstmord?

– Wer lässt unsere Großeltern ohne medizinische Versorgung und Medikamente zurück?

Haben das alles meine LehrerInnen getan? Oder wart IHR es, die das alles taten?

Ihr sagt, dass meine LehrerInnen meine Träume durch Streiken zerstören werden.

Wer hat euch jemals erzählt, dass es mein Traum ist, eine weitere arbeitslose Person unter den 67 % der Jugendlichen zu sein, die arbeitslos sind?

Wer erzählte euch, dass es mein Traum ist, ohne Sozialversicherung zu arbeiten und ohne reguläre Arbeitszeit für 350 Euro im Monat, so wie ihr in der letzten Gesetzesänderung eurer Arbeitsgesetze dafür gestimmt habt?

Wer erzählte euch, dass es mein Traum ist, ein Wirtschaftsmigrant zu werden?

Wer erzählte euch, dass es mein Traum ist, ein Botenjunge zu werden?

Ich möchte ein paar Worte an meine LehrerInnen richten, an LehrerInnen überall in Griechenland:

Meine LehrerInnen, ihr habt eine Verpflichtung gegenüber allen SchülerInnen NICHT einen einzigen Schritt zurück zu weichen. Wenn ihr euch jetzt aus eurem gerechtfertigten Kampf zurückzieht, dann setzt ihr meine Zukunft wirklich aufs Spiel. Ihr werdet sie verpfänden.

Welchen Rückzug ihr auch immer antreten mögt, welchen Sieg auch immer die Regierung gewinnen mag, wird mich meines Lächelns, meiner Träume, meiner Hoffnung für ein besseres Leben, für eine humane Gesellschaft zu kämpfen, berauben.

Meinen Eltern, meinen MitschülerInnen und der gesamten Gesellschaft habe ich folgendes zu sagen:

Wollt ihr wirklich, dass die, die uns unterrichten in Elend leben?

Wollt ihr, dass wir uns wie Massenware in den Klassenräumen stapeln?

Wollt ihr, dass sie Schulen schließen und mehr Gefängnisse bauen?

Werdet ihr unsere LehrerInnen in diesem Kampf alleine lassen? Ist das die Art wie ihr uns beibringt, unsere Solidarität herauszuschreien?

Wollt ihr, dass es den LehrerInnen möglich ist ein Zeichen des Selbstrespekts, der Würde und der Militanz für uns zu setzen? Oder zieht ihr es vor, dass sie ein gutes Beispiel für Versklavung geben?

Schlussendlich, wollt ihr, dass wir wie Sklaven leben?

Vom morgigen Tag an sollten alle Schulen von SchülerInnen und Eltern besetzt werden, um die LehrerInnen zu unterstützen und mit einem Sprechchor, einer Parole: „Vorwärts, zerschlagt die faschistische Tyrannei!“

Kämpft zusammen für öffentliche, freie, Qualitätsbildung. Kämpft gemeinsam, um die zu stürzen, die unser Lachen und das Lachen eurer Kinder stehlen.

PS: Ich werde meine Noten vom Schuljahr 2011/12 zitieren, nicht aus Eitelkeit sondern um jenen das Wort abzuschneiden, die das lächerliche Argument anbringen könnten, dass „ich mich nur um den Unterricht drücken möchte“: Verhalten des Schülers: „Sehr gut“. Durchschnittsnote: 20 „Hervorragend“ [die höchstmögliche Note in griechischen Gymnasien]

Kämpft gegen jene Leute, die das Lachen eurer Kinder stehlen … gegen Lehrer?

Und natürlich wollen sie, dass wir wie Sklaven leben. Sklaven sind die billigsten Arbeitskräfte, die es gibt, sie sind Grundlage eines JEDEN Imperiums  – und wir müssen sparen. Also: Sklaven sind inzwischen alternativlos.

Die Fragen jedoch … können in ähnlicher Form deutsche Schüler schon jetzt ebenfalls stellen.

Es gibt breite Klagen über die Qualität von Unterricht in Deutschland – nicht nur aus Hamburg. Und das seit Jahrzehnten. Politische Bildung findet de facto nur noch in Ausnahmefällen statt, DIE MÄRKTE können das nicht gebrauchen.  Das es dann irgendwann zu äußerst degenerativen Erscheinungen in der Gesellschaft kommt und keiner mehr seine Quäler wählen geht, scheint verständlich.

Wozu auch?

Am Ende entscheidet sowieso der Kommissar.

53,3 % der Bürger Schleswig-Holsteins haben gestern die Demokratie abgewählt.

Von den übrigen – übrig gebliebenen – Freunden der Demokratie (46,7%) von haben 87,4 % für die amtierenden Blockparteien gestimmt, die hauptverantwortlich sind für griechische Verhältnisse in Deutschland. Deshalb sollten wir ganz aufmerksam nach Griechenland schauen – dort kann man unsere Zukunft schon heute besichtigen.

Schon jetzt zeigen sich in Deutschland erstaunliche Paralellen zu den Jahren 1933-1945 (siehe Eifelphilosoph bei Neopresse) – ein Grund, weshalb Hitler-Vergleich in diesem Land so verpönt sind wie Verschwörungstheorien.

Und so wahr.

Wir kriegen ihn wieder, den Führer. Weil wir ihn wollen – und weil wir ihn verdient haben. Wir werden auch wieder alle jubeln, wenn er da ist – der eine Kommissar für wirklich ALLE.

Demokratie scheint mit den Deutschen nicht mehr machbar zu sein, dafür haben die Medien, die Schulen und die Universitäten gesorgt. Das wird den MÄRKTEN sehr gefallen.

Mir nicht.

 

 

 

 

Neujahransprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel: Hintergründe und Aussichten für 2013 … und die Alternativen.

Neujahransprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel: Hintergründe und Aussichten für 2013 ... und die Alternativen.

Dienstag, 1.1.2013. Eifel. Ein neues Jahr steht vor der Tür. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat uns schon darauf aufmerksam gemacht, das es ein schweres Jahr werden wird.  Mut werden wir brauchen, Probleme müssen von Nachbarn und Freunden beseitigt werden und wo das nicht hilft, muss die Familie einspringen. Das viele Familien nur noch staatlich reglementierte Bedarfsgemeinschaften sind und man in einer total mobilen Welt keinen großartigen Kontakt mehr zu Nachbarn und Freunden hat, ist Frau Merkel nicht entgangen – immerhin weiß sie, was auf uns zukommt … und das wollte sie uns klar und deutlich sagen: der Staat zieht sich aus Deutschland zurück. Ich hoffe, das hat jeder mitbekommen? Ja, wir haben ein Lob bekommen von „Mutti“: wir waren erfolgreich. Wann haben sie das schon einmal gehört? Haben Sie ihre Freundschaften schon mal als „erfolgreich“ bezeichnet? Haben sie ihre Bedarfsgemeinschaft schon mal als „erfolgreich“ bezeichnet – Ihr Dorf, Ihre Straße, Ihre Stadt? Firmen oder Sportmannschaften sind erfolgreich, weil sie ein konkretes Gewinnziel haben, Vereine auch, aber „Deutschland“? Welches Gewinnziel haben wir?

Nun – Frau Merkel weiß darüber Bescheid. Anders als Sie, geschätzter Leser, hat Frau Merkel einen Berater, der weiß, wie der Hase läuft. Man kann sich über ihn bei Lobbypedia informieren:

Der Deutschland-Chef von Goldman Sachs Alexander Dibelius nahm „schon früh Kontakt zu CDU-Parteichefin Angela Merkel auf, lange vor ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin. Für sie arrangierte er mehrere Dinner mit Unternehmens­chefs … Immer wieder steht er der Kanzlerin bei Fragen zur Verfügung“, berichtet das Wirtschaftsmagazin capital.

Ob er auch das Geburtstagsdinner für den Chef der Deutschen Bank im Kanzleramt organisiert hat? Auf jeden Fall hat er Frau Merkel – lange bevor das gemeine Volk noch wusste, wer die überhaupt ist – schon mal auf Kurs gebracht und ihr gezeigt, wo es langgeht.  So verwundert es nicht, das zur Bekämpfung der von Goldman-Sachs angeheizten Krise ein Goldman-Sachs Mitarbeiter die Expertengruppe zur Krisenbekämpfung leiten sollte,  nochmal Lobbypedia:

Das Gremium wurde im Oktober 2008 im Zuge der Welt-Finanzkrise von Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Leben gerufen. Die Expertengruppe soll Vorschläge zur Bekämpfung der Finanzkrise und zur Vorbeugung weiterer Krisen machen, insbesondere mit Blick auf die internationalen Beratungen zu dem Thema.

Die Expertengruppe hat ihren Auftrag offiziell erfüllt. „Aber informell arbeitet sie weiter“, heißt es in diplomatischen Kreisen in Brüssel.[1]

Mit Otmar Issing wurde ausgerechnet ein Berater von Goldman Sachs zum Vorsitzenden berufen. Das ist mehr als Zufall oder eine Nebensächlichkeit, sondern als Ausdruck eines strukturellen Problems: Die schleichende Unterwanderung von Regulierungsbehörden und Regierungsinstanzen durch die Finanz-Branche, sowie die Verschmelzung des leitenden Personals.

Über diese Kanäle moderiert Goldman-Sachs bundesdeutsche Politik. Eigentlich ganz offen, wenn man so will. In einem älteren Artikel des Handelsblattes skizziert der Herr Dibelius (der eigentlich mal Arzt werden wollte)  auch das Ende der Deutschland AG, die – per Gesetz gezwungen – in Zukunft mehr Renditen für ausländische Kapitaleigner erwirtschaften muss: so deutlich kann man in deutschen Zeitungen die Einführung von Tributzahlungen veröffentlichen, die an die neuen Herren zu leisten sind, ohne auch nur einen Hauch von Widerstand zu spüren.

Der Kanzlerberater Dibelius hat eine ganz klare Position zum Verhältnis Firma und Staat, siehe Handelsblatt:

„Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern“, sagte Alexander Dibelius am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung der Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar bei Koblenz. „Es ist unrealistisch und unberechtigt zu erwarten, dass Banken eine selbstlose Beziehung zu ihren Kunden haben, besonders auch bezogen auf die Kreditvergabe“, betonte der Banker.

Was der Herr Dibelius damit öffentlich postuliert, ist nicht mehr und nicht weniger als der Abschied der Konzernwelt aus dem Staatswesen. Das wäre zu begrüßen, wenn sie nicht weiterhin luxuriös bedient werden möchten: die Straßen für ihre schnellen Autos sollen bestens gepflegt werden, die Flughäfen sollen Tip-Top in Ordnung sein, der Schneeräumdienst perfekt funktionieren, Feuerwehr, Krankenhäuser, Polizei und Streitmacht auf dem neuesten Stand sein und die Risiken für ihre Geschäfte soll der Rettungsschirm tragen – aber selbst dazu beitragen möchte man natürlich nicht.

Wie war noch mal die Definition für „Parasiten“?

Versteht man jetzt, warum Frau Merkel so auf die Hilfe von Nachbarn, Freunden und Familie abzielt?

Der Staat zieht sich aus der Gemeinschaft zurück, ganz nach dem Motto:

„Staaten, besonders privat finanzierte und ratingabhängige Gemeinschaften, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern“, übersetzt Angela Merkel den Rat des Goldman-Sachs-Regenten Dibelius und zeichnet so unsere Zukunft vor: der Staat Deutschland wird erfolgreiches Unternehmen … das sich natürlich in absehbarer Zeit von seinen weniger erfolgreichen Teilbereichen trennen muss.

Insofern wundert es nicht, das nun leise und heimlich – zur großen Freude des Herrn Dibelius – die Bundesschatzbriefe ein Ende finden. Bundesschatzbriefe galten jahrzehntelang als sichere Geldanlage, jetzt werden sie eingestellt, siehe Handelsblatt:

Der Bundesschatzbrief ist den Deutschen in mehr als vier Jahrzehnten ans Herz gewachsen – 2013 soll er beerdigt werden. Dem Bund ist das Geschäft mit Privatanlegern zu teuer. Den Markt dominieren nun Banken und Fonds.

Deutsches Geld für deutsche Firmen war jahrzehntelang die Grundlage der Deutschland AG, die Grundlage einer beispiellosen Erfolgsgeschichte, die mit dem Beschluss einiger weniger Gesetze beendet wurde – was den ausländischen Investoren Tür und Tor öffnete: Deutschland war den Heuschrecken preisgegeben, Innenpolitik wurde von Ratingagenturen bestimmt. Ein verstärktes Investement in Bundesschatzbriefe hätte natürlich die Abhängigkeit von solchen Ratings verringern können … doch daran hatte niemand Interesse. Im Gegenteil: jetzt bekommt gerade jener Sektor (notgedrungen) mehr Geld, der sowieso schon zuviel hat und sich um das Gemeinwohl oder das Wohl seiner Kunden nicht schert.

Auch das hat einen Grund, siehe Handelsblatt:

Mutige Investoren, die im Januar 2012 griechische Ramsch-Anleihen gekauft haben, sind dafür kräftig belohnt worden. Sie verdienten im Verlaufe des Jahres 20 Mal so viel wie jene Investoren, die auf deutsche Staatsanleihen samt Top-Bonitätsnote setzten. Griechische Staatsanleihen haben im zu Ende gehenden Jahr eine Rendite von rund 80 Prozent gebracht – verglichen mit 3,7 Prozent bei Bundesanleihen, wie Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch zeigen.

Mutige Investoren?

Eine von Goldman-Sachs beratene griechische Regierung, von Goldman-Sachs beratene Bundeskanzlerin, von Goldman-Sachs-Mitarbeitern geführte EU schaffen ein Umfeld, in dem fast risikolos eine Rendite von 80 Prozent gemacht werden kann? Wo ist denn da das Risiko, wenn alle Entscheidungen zentral gesteuert werden … und alle Risiken via ESM vom Steuerzahler abgedeckt sind?

Natürlich: gegen diese perversen Traumrenditen hat der klassische Bundesschatzbrief keine Chance mehr. Gegen diese perversen Traumrenditen hat aber niemand mehr eine Chance: kein normal geführtes verantwortungsbewußtes Unternehmen kann in den übersättigten Märkten Gewinne von 80 % erwirtschaften, kein Anleger wird in die Produktion von Nahrungsmitteln, Infrastruktur, Bildung, Kraftfahrzeugen, Medizingütern oder Immobilien investieren, wenn die Cleverlis aus der Bankenbranche solche künstlich hochgezüchteten Margen vorgeben. Das das nur durch kunstvolle, für Laien undurchschaubare Hochrechnereien zustande kommt, denen keinerlei reale Wirtschaftskraft entgegensteht, kümmert erstmal keinen.

Bevor die große Abrechnung kommt, die die Lehmannpleite als kleines Vorbeben schon mal angekündigt hat, kann man aber noch groß verteilen, siehe Handelsblatt:

Die Regierungsmitglieder, Bundespräsident Gauck sowie die Bundestagsabgeordneten erhalten ab Januar deutlich mehr Geld. Das bedeutet Mehrkosten in Millionenhöhe. Am meisten profitiert ein Parlamentarier der Union.

„Teile und herrsche“ – das hat Goldman-Sachs vom römischen Imperium gelernt.

Die Lasten …. tragen andere: laut Spiegel haben hunderttausende von Griechen ihre Autos abgemeldet, weil sie die Steuern nicht mehr bezahlen können – und das ist für die Deutschen ein kleiner Vorgeschmack auf das, was auf sie zukommt: der Staat hat gemerkt, das man mit Goldman-Sachs viel mehr Rendite machen kann als mit Bürgern.

Nun – während Frau Merkel auf Ihre Erfahrung mit einzelnen Bürgern hinweist, möchte ich auf Erfahrungen mit deutschen Unternehmern hinweisen. Zum Jahresende erhielt ich eine Mail von Unternehmern, Unternehmer, die sich – anders als der Herr Dibelius – als lebendiger Bestandteil einer lebendigen, wehrhaften und sozialen Gesellschaft verstehen und eine Plattform gegründet haben, unter der sich sich zusammenfinden wollen, siehe Given Word:

Im Geschäftsleben trifft man Unternehmer, die ihr Handeln rein am materiellen Gewinn orientieren und Unternehmer, für die der Gewinn der Unternehmung im nachhaltigen Aufbau, in der Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter und in der Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft besteht. Letztere gehören für uns zu den Menschen, die zu ihrem Wort stehen.

Wenn man einem Menschen trauen kann, erübrigt sich ein Vertrag.
Wenn man ihm nicht trauen kann, ist ein Vertrag nutzlos.
Jean Paul Getty (1892-1976)

2006 entstand die Idee Menschen / Unternehmer, die mehr Verantwortung tragen, für einen guten Zweck zusammenzubringen und wir registrierten die Domain GivenWord.

Ich zitiere nun aus der persönlichen Mail, die ich aus diesen Kreisen erhalten habe (anonym, weil ich aus Zeitgründen nicht um die Erlaubnis zum Abdruck bitten konnte):

Dieses Jahr war ein sehr spannendes Jahr und bei allen guten Ansätzen, die es neben den nicht erfreulichen Entwicklungen gibt, sehen wir hier immer deutlicher, dass sich nur etwas verändert, wenn man aktiv etwas tut. Wenn die Politik nicht im Sinne der Menschen aktiv wird, dann müssen die Menschen selbst aktiv werden.

Interessante Beispiele: http://www.schloss-tempelhof.de/

 Seit kurzem stecken wir mitten in dem Versuch mit Hilfe eines Spenders in Krefeld und Mettmann im kommenden Jahr ein funktionierendes Freifunk-Netz aufzubauen. Das ist technisch wie rechtlich spannend. Aber es gibt in verschiedenen Regionen schon recht gute Ansätze und in Berlin Kreuzberg ist gerade ein entscheidender Schritt gelungen. http://www.golem.de/news/wlan-ueber-berlin-kreuzberg-spannt-sich-ein-freifunk-netz-1212-96528.html

Freifunknetze bieten Internetzugang auch für Menschen, die sich einen eigenen Anschluss schon nicht mehr leisten (können). Deshalb finden wir diese Art von „Netz-Sharing“ interessant.

 Wenn auch häufig belächelt, sind die Regio-Geld-Initiativen genauso unterstützenswert. http://www.regiogeld.de  

Wir haben aktuell keine Alternativen zu unserem Geld-/Währungssystem. Bricht es zusammen, sind wir vorübergehend handlungsunfähig.

 Dass sich an unserem Geldsystem mit Zins und Zinseszins etwas ändern muss, zeigen alle derzeitigen Entwicklungen. Im letzten Jahr haben wir deshalb auch an der Umsetzung von http://moneyfest.net aktiv mitgearbeitet. Leider ist die Seite, die als Plattform für Interessierte entwickelt wurde, längst noch nicht so aktiv genutzt, wie für diese Ansätze notwendig wäre.

 Kürzlich wurde in einem Fernsehbericht ein Rechenbeispiel zur Rente genannt: Es bedarf eines Stundenlohns von ca. 16 Euro, damit im Alter eine Rente von 850 Euro! erreicht wird. Interessante Zahlen, bei denen man sich unwillkürlich fragt, warum es unsere Regierung nicht einmal gelingt einen Mindestlohn von 10 Euro durchzusetzen. Mit diesen Zahlen, wenn sie so stimmen, müsste man sagen, dass sogar jeder Stundenlohn unter 16 Euro unmoralisch ist, weil er unweigerlich in die Altersarmut führt.

 Darüber wie man aktuell mit Strom Obdachlose produziert, brauchen wir gar nicht erst zu reden. Die Alternativen dazu könnten so aussehen: http://www.neue-energien-forum-feldheim.de/index.php?option=com_content&view=article&id=49..

 Ich will damit eigentlich nur sagen: Es gibt Wege sich aus der Erpressbarkeit durch Finanzmärkte, Wirtschaft (vor allem Konzerne) und derzeit herrschender Politik zu befreien und Wege zu finden, die allen Menschen ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen.

Das Hauptproblem: Man braucht viele Menschen, die sich beteiligen und dafür wenige, die die notwendigen Menschen dafür begeistern können.

Das hätte auch Frau Merkel sagen können – wenn sie sich mehr für Deutschland als für die Renditen von Goldman-Sachs interessieren würde … oder einfach andere Berater hätte. Ebenso hätte sie auf andere erfolgreiche Unternehmer aufmerksam machen können, die bahnbrechendes für die Entwicklung von Demokratie und Rendite geleistet haben, siehe Sein.de

Weltweit starren Manager fassungslos auf die brasilianische Firma Semco, eine sehr breit aufgestellte Dienstleistungsfirma, die von Industrieequipment bis zu Postlösungen in diversen Feldern tätig ist: Was dort passiert, widerspricht allem, an was sie glauben. Die 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat und wie viel Geld die Mitarbeiter für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben, ist ihnen selbst überlassen. 

Was für heutige Personalchefs klingen mag, wie ein anarchischer Alptraum, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Seit das Unternehmen von Inhaber Ricardo Semler umgestellt wurde, stiegen die Gewinne von 35 Millionen auf 220 Millionen Dollar. 

Das ist eine Renditesteigerung von … ÜBER SECHSHUNDERT PROZENT.

Durch Menschlichkeit. Ohne großen Rückgriff auf staatliche Unterstützer. Mut, Innovation, Vernunft und freier Unternehmergeist können mehr erwirtschaften als noch so perfide Finanztricks – und das alles ohne zusätzliche Produktion von Armut, was ja – wie ich mal gelernt habe – für den Binnenkonsum und die Reduktion von der Abhängigkeit von internationalen Drogengeldgebern nicht unbedeutend sein soll.

2013 kann ein sehr spannendes Jahr werden, wenn … ja wenn es gelingt, möglichst viele Menschen dafür zu begeistern.

Frau Merkel hat das Ihrige dazu getan, diese Begeisterung gleich im Keim zu ersticken – denn Renditen von sechsundert Prozent in der Realwirtschaft wären der Todesstoß für die parasitären Geschäftsmodelle von Goldman-Sachs.

Man stelle sich vor,  man könnte die Märkte (also die Ballung von illegalen Geldern aus Drogenhandel, Menschenhandel, Schutzgelderpressung und anderen schmutzigen Auswüchsen des Kapitalismus) dafür begeistern, Geld in die Realwirtschaft fließen zu lassen: das Problem der Arbeitslosigkeit wäre gelöst, das Problem der Staatsverschuldung wäre gelöst, die Rentenprobleme wären gelöst … und alle Deutschen könnten auch in Zukunft damit rechnen, am Individualverkehr und am Individualleben teilhaben zu dürfen.

Was könnte da für ein Ruck durch Deutschland gehen.

Stattdessen aber … sorgen wir lieber in breiter Front dafür, das die Goldmänner ihre parasitären Geschäftsmodelle in Europa ohne großen Widerstand durchziehen können.

Nun – tun Sie doch mal das Ihrige dazu, das das nicht mehr so leicht geht.

Mit Given Word ist in Deutschland ein Anfang gemacht worden – ein Anfang, der noch von viel zu wenig Menschen erkannt wurde, weil die deutsche Presse in breiter Front Frondienste für das Goldman-Prinzip leistet.

Damit wir das Ruder aber noch herumdrehen können und nicht im Alter auf die Hilfe der staatlich reglementierten Bedarfsgemeinschaft (sprich: Familie), der Freunde und  Nachbarn (die alle dieselben Probleme haben und eher auf unsere Hilfe angewiesen sind) zurückgreifen müssen, brauchen wir heute jeden.

Wirklich: JEDEN!

Auch und gerade … SIE.

Oder wir haben hier aufgrund unserer übersättigten Arbeitsmärkte 2020 Verhältnisse wie Südafrika heute, siehe Spiegel:

Zehntausende Bewerber wollten unbedingt einen von nur 90 Jobs bei den Verkehrsbehörden in Südafrika. Dafür quälten sie sich durch eine harte Fitnessprüfung – bei 30 Grad im Schatten. Hunderte landeten im Krankenhaus, sieben Anwärter überlebten die Tortur nicht.

 

 

 

Die Wahrheit und die Medienwelt: über die heimliche Desintegration des deutschen Mittelstandes

Montag, 10. Dezember 2012. Eifel. Wie haben wir eigentlich davon erfahren, das es in Deutschland eine geheime Allianz zwischen Regierung und sämtlichen Medien gibt? Durch Zufall. Jakob Augstein schrieb einen Artikel über die Zukunft des Journalismus in Deutschland und erwähnte - quasi nebenbei - das seit Oktober 2008 eine geheime Allianz zwischen Regierung und den führenden Medien besteht, die im Grunde besagt: das Deutsche Volk sei von der Wirklichkeit fern zu halten.  Das geschieht seitdem Tag für Tag - auch in der Eifel. Lokalblätter legen ihre politischen Artikel regelmäßig dem Bürgermeister zur Genehmigung vor, ohne sich etwas dabei zu denken - habe ich jetzt aktuell erfahren. Da geht sie hin, unsere gute alte Demokratie. Wie haben wir eigentlich von dem wirklichen Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Deutschland erfahren? Durch Zufall. Alan Posener schrieb in der Welt einen Artikel über Beamte, einer der Beamten - überzeugter Christ - erwähnte nebenbei eine Nebenwirkung des "perversen Systems": schon 42 Millionen Deutsche sind erfasst. Bei 40 Millionen arbeitender Menschen eine überzeugende Zahl - für die sich niemand weiter interessiert, weil das von Augstein beschriebene Bündnis wirkt: die gesamte Medienwelt ist zum Regierungsfunk verkommen. Beunruhigt das niemanden, das Wahrheit und Medienwelt immer weiter auseinanderdriften? Schnell stellt sich die Frage: wozu noch Medien?

Montag, 10. Dezember 2012. Eifel. Wie haben wir eigentlich davon erfahren, das es in Deutschland eine geheime Allianz zwischen Regierung und sämtlichen Medien gibt? Durch Zufall. Jakob Augstein schrieb einen Artikel über die Zukunft des Journalismus in Deutschland und erwähnte – quasi nebenbei – das seit Oktober 2008 eine geheime Allianz zwischen Regierung und den führenden Medien besteht, die im Grunde besagt: das Deutsche Volk sei von der Wirklichkeit fern zu halten.  Das geschieht seitdem Tag für Tag – auch in der Eifel. Lokalblätter legen ihre politischen Artikel regelmäßig dem Bürgermeister zur Genehmigung vor, ohne sich etwas dabei zu denken – habe ich jetzt aktuell erfahren. Da geht sie hin, unsere gute alte Demokratie. Wie haben wir eigentlich von dem wirklichen Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Deutschland erfahren? Durch Zufall. Alan Posener schrieb in der Welt einen Artikel über Beamte, einer der Beamten – überzeugter Christ – erwähnte nebenbei eine Nebenwirkung des „perversen Systems“: schon 42 Millionen Deutsche sind erfasst. Bei 40 Millionen arbeitender Menschen eine überzeugende Zahl – für die sich niemand weiter interessiert, weil das von Augstein beschriebene Bündnis wirkt: die gesamte Medienwelt ist zum Regierungsfunk verkommen. Beunruhigt das niemanden, das Wahrheit und Medienwelt immer weiter auseinanderdriften? Schnell stellt sich die Frage: wozu noch Medien?

Die Antwort kommt zum Beispiel von Steffen Grimberg von der TAZ:

Denn vor allem die Regionalpresse teilt schon jetzt das Schicksal der deutschen Brauereien: Immer mehr Journalismus kommt aus ein und demselben Redaktionskessel. Wie im Biermarkt wird am Ende die angebliche Angebotsvielfalt durch individuelle Etikettierung sichergestellt. Die Zahl der deutschen Zeitungstitel bleibt dabei mehr oder minder stabil. Die publizistische Vielfalt ist dagegen in den vergangenen dramatisch geschwunden.

Als Lösung des Problems empfiehlt Grimberg den Bezahljournalismus, der von der TAZ jetzt systematisch praktiziert wird: wer auf die Seite will, muss erstmal an einer PayWall vorbei: Wahrheit will bezahlt werden. Wer will aber schon für eine Wahrheit bezahlen, die von der Regierung willkürlich festgelegt wird? Wer will schon überhaupt für eine Wahrheit bezahlen? Wir kennen sie doch: Geld regiert die Welt – zum Beispiel in Griechenland, siehe Welt:

In keinem Land Europas ist die Korruption nach Einschätzung von Transparency International so verbreitet wie in Griechenland. Mit nur 36 von 100 möglichen Punkten bildet das hochverschuldete Land laut Korruptionsindex für das Jahr 2012 das Schlusslicht in Europa.

Die Folgen der Korruption sind klar erkennbar: die Mittelschicht in Griechenland löst sich auf – siehe Handelsblatt:

Tausende Griechen wie Karagaitanaki erfahren zurzeit, wie sich die Mittelklasse in ihrem Land auflöst. Lehrer, deren Gehalt um ein Drittel gesenkt wurde, stehlen Strom. In früher stabilen Stadtteilen steigt die Kriminalität und Familien haben Angst, mit ihren Kindern in den Park zu gehen.

Während wir in Deutschland noch von einem bedingungslosen Grundeinkommen träumen, hat in Griechenland die Desintegration des europäischen Mittelstandes begonnen.  Anhand des Beispiels von Frau Karagaitanaki erfahren wir auch, wie schnell das geht:

Als die frühere Café-Besitzerin Karagaitanaki ihren Laden eröffnete, betrug die Miete 400 Drachmen im Monat. Bis 2010 schnellte sie auf 3000 Euro hoch, zudem vervierfachten sich die Steuern und Nebenkosten allein seit 2000. Als Konsequenz musste sie die Preise anheben, woraufhin die Kunden wegblieben. Das Fass wurde zum Überlaufen gebracht, als ihr Vermieter erneut die Miete anhob und für einen 12-Jahres-Vertrag zusätzliche 40.000 Euro verlangte. Sie schloss das Café im Jahr 2010.

Man muss schon etwas länger suchen, um Informationen darüber zu finden, wie ein Nato-Staat vernichtet wird, ohne das die Bündnisgemeinschaft eingreift. Warum auch nicht: die Allianz zwischen Regierung und Medien trägt auch hier ihre Früchte. „Scharf-links“ gehört dieser Allianz wohl noch nicht an:

Der Kollege berichtete, daß sie mit einer entlassenen Oberschwester zur Apotheke„einkaufen“ gingen und diese ihnen berichtete, dass sie noch vor 2 Jahren niemals geglaubt hätte, dass sie mitten in Europa mit gesammelten Spendengeldern Medikamente für todkranke Menschen besorgen müsste.

Er berichtete auch von einem ehemaligen Berliner Busfahrer, der noch vor zwei Jahren in Berlin ca.2000 Euro verdient hätte und nun die gleiche Arbeit unter schlechteren Bedingungen in Athen für 480 Euro verrichtet, wovon er auch noch Steuern abzuführen hätte. 

Nachdenklich meinte der Referent, dass sie auf ihrer Reise viele griechische Gewerkschaftskollegen vor Ort kennengelernt hätten, die noch unter Schockwirkung standen. Die griechischen Kollegen schilderten ihre Lage und wunderten sich selbst darüber, wie in nur drei Jahren mitten in Europa derartige Zustände möglich wurden.

Schon längst müssten alle Journalisten den Aufstand proben, hier geschieht nichts weiter als die Etablierung der Agenda 2010 auf europäischer Ebene: mit Griechenland wird ein neuer europäischer Niedriglohnsektor geschaffen, der neue Maßstäbe für den europäischen Wirtschaftsraum setzen wird. Die Schlacht um Griechenland wird zum Angelpunkt einer Bewegung, die den gesamten europäischen Mittelstand binnen weniger Jahre aushebeln soll.

Wie bitte? Das gibt es nicht in Deutschland? Nur, weil wir es nicht erfahren, dafür sorgt Merkels Pakt mit den Chefredakteuren. Schaut man genauer hin, so haben wir schon lange eine Bewegung hin zu griechischen Verhältnissen. Schauen wir, was uns Kontraste vor zwei Jahren über Aushilfslehrer in Berlin berichtet hat:

Mit Nach -und Vorbereitung des Unterrichts arbeitet sie weit mehr als 20 Stunden in der Woche. Für sie ist es faktisch ein Halbtagsjob. Lohn erhält sie aber nur für die neun Stunden Unterricht. Dafür zahlt ihr der Staat gerade mal 600 Euro brutto im Monat.

Da haben wir eine jener 42 Millionen Jobcenterkunden, die in keiner Statistik auftauchen – und sie soll unsere Kinder zu Leistungsträgern erziehen? Quatsch – in politischen Kreisen weiß man schon längst, dass niemand mehr unsere Kinder braucht. Man braucht unser Geld – aktuell wieder einmal eine halbe Billion für die Bankenwelt (siehe Welt). Man gewöhnt sich schnell an solche Zahlen, oder? Man gewöhnt sich auch schnell an solche Horrormeldungen, wie sie Monitor vor einem Monat brachte:

Doch von einem Tag auf den anderen wurde alles anders. Da ging es um ihr Geld, Geld von Versicherten – und vor allem um ihr Zuhause. Die Bewohner bekamen Post vom Betreiber, der BonneVie Dottendorf GmbH. Die Miete des Heims sei teuer. Allen Bewohnern wurde der Umzug nahegelegt. Es herrschte Zeitdruck. Alte Menschen verschieben wie Lagerware?

Der Betreiber BonneVie Dottendorf habe über Monate keine Miete für das Haus bezahlt, erzählt man uns. Jetzt gab es eine Räumungsklage. BonneVie begann, das Haus zu räumen.

Schlecht bezahlte Lehrer, obdachlose Alte: Szenen einer sterbenden Gesellschaft – mitten in Deutschland. Es erwischt auch gehobene Schichten wie den Wirtschaftsanwalt Hans Scharpf, der einen klaren Blick für die Machtverhältnisse in Deutschland hat, siehe Geolitico:

„In meinen Augen sind die Banken Räuber“, sagt er. Sie würden den Staat erpressen. Er spricht von „Politik in den Fängen wirtschaftskrimineller Netze“ und fragt: „Was leisten die Banken eigentlich, dass sie soviel Geld von uns wollen?“ Gemeint sind Zins und Zinseszins. Mit letzterem steigen Vermögen oder Schulden nämlich gar exponentiell.

Das diese Entwicklung noch viel weniger finanzierbar ist als ein bedingungslose Grundeinkommen, dürfte auch jedem Menschen ohne Taschenrechner klar sein – aber wir reden nicht darüber.

„Ich verrate Ihnen jetzt mal etwas“, sagt Scharpf. Seine Augen funkeln, und es ist unzweifelhaft klar, dass er nun so etwas wie das unappetitliche Ergebnis einer schwierigen Obduktion auftischt. „Das ganze Bankwesen ist ein großer Betrug. Banken schaffen Geld aus dem Nichts. Sie geben es an ihre Kunden weiter und lassen sich das Nichts mit Zins und Zinseszins bezahlen“, sagt er. Das könne er nicht länger akzeptieren, weder für sich selbst, noch als Verteidiger des Rechtsstaates.

Das Schiff Europa gleicht Titanic – die deutschen 1.Klasse-Passagieren glauben aber noch, sie könnten dem Untergang entgehen, wenn sie nur ihre eigene Tür fest geschlossen halten oder möglichst hoch klettern, dabei ist jedem klar: Griechenland war nur das erste Finanzleck, dem schnell weitere folgten: langsam aber sicher versinkt der ganze Kontinent in einem unbeherrschbaren Schuldensumpf. Die deutsche Politik reagiert darauf bemerkenswert und stemmt sich mit aller Kraft gegen … neue Antikorruptionsgesetze für deutsche Abgeordnete, siehe Welt:

Für Bestechlichkeit werden Beamte hart bestraft, aber bislang sind alle Anläufe gescheitert, den Straftatbestand auf Abgeordnete auszuweiten. Die Volksvertreter wehren sich gegen eine solche Änderung des Strafgesetzbuchs mit dem Argument, in der Ausübung ihres Mandats beeinträchtigt zu werden.

Augenscheinlich stören Antikorruptionsgesetze schon heute die Ausübung des Bundestagsmandates – ein interessanter Aspekt, auf den ich von alleine gar nicht gekommen wäre.

„Wirtschaftskriminelle Netze“ schützen sich erfolgreich gegen eine Beeinträchtigung ihrer erfolgreichen Geschäftsstrategien – und forcieren so den Untergang des Kontinentes.

Natürlich trifft es inzwischen auch die reichen Deutschen und nicht nur die 42 Millionen Jobcenterkunden, über die nicht mehr gesprochen wird, weil sie mit viel Geld und ganz ausgefeilten statistischen Tricks unsichtbar gemacht worden sind. Man hört zwar schon das Plätschern der See im griechischen Quartier, glaubt aber noch dem Pressesprecher des Kapitäns, das dort Badetag ist. Währenddessen ist schon klar, das in Zukunft auch deutschen Millionären das Wasser bis zum Hals stehen wird, siehe Spiegel:

Die Deutschen sparen sich zu Tode – und bekommen immer weniger dafür. Wenn jemand selbständig ist und eine Million Euro fürs Alter zurückgelegt hat, dann hat er bisher gedacht, er bekommt vier Prozent Zinsen darauf, also 40.000 Euro im Jahr. Jetzt stellt er fest: In zehn Jahren sind es vielleicht nur noch 15.000 Euro. Und was macht er? Er spart noch mehr. Das ist ein Teufelskreis.

Und damit steht dieser eine Millionär nicht alleine da. Denken wir weiter: nehmen wir an, er schafft es, drei Millionen Euro an die Seite zu legen: damit hätte er dann 45 ooo Euro. Immer noch viel zu wenig, um den Altenheimplatz zu finanzieren, vor allem, weil an diesem Platz auch ganz viele Leute Geld saugen wollen, um sich selbst vor dem Schicksal jener Insassen zu schützen, die sie aktuell mangels Finanzmasse aus dem Heim verjagen.

Nicht vergessen: wir reden hier über das Schicksal von Menschen, die einen Gewinn von 3 Millionen Euro angesammelt haben. Über das Schicksal, das den 42 Millionen Jobcenterkunden droht, wollen wir gar nicht spekulieren. Wir brauchen auch gar nicht darüber zu spekulieren, wie wissen schon, das wir in Zukunft in Deutschland für sie wo wenig Platz haben werden wie die Griechen für heute für ihre Bevölkerung.

Schon heute ist klar, das der gesamte deutsche Mittelstand überhaupt keine Zukunft mehr hat. Sie ist schlichtweg nicht zu bezahlen. Selbst Multimillionäre kommen schon ins Schleudern, wenn sie versuchen, ihre eigene Altersversorgung zu sichern und machen die gleiche Erfahrung wie die Nobelpassagiere der Titanic vor hundert Jahren: es erwischt zwar die griechische Klasse zuerst – aber das schützt meine Nobelsuite nicht vor dem Untergang.

Zu drastisch, diese Vision?

Natürlich: deshalb gibt es doch diese Allianz zwischen Politik und Medienwelt. Wir empfinden solche Wirklichkeiten als drastisch, weil man uns mit „Infotainment“ rund um die Uhr einlullt, damit wir Nachrichten wie diese hier gar nicht mehr verstehen können, siehe Spiegel:

Der Metallkonzern Alcoa und der französische Einzelhändler PPR ziehen sich aus Südeuropa zurück – ohne Pläne zu haben, noch einmal zurückzukehren. Sie alle stehen für den Exodus der Unternehmen, der genau das Kapital, die Innovation und die Führungspersönlichkeiten abzieht, die Südeuropa dringend braucht, um Schuldenkrise und Rezession zu überwinden.

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff – und zwar endgültig.  Wenn die gehen, kann man davon ausgehen, das der Wirtschaftsstandort wirklich tot ist – und wir sehen, wozu wir noch Medien brauchen: um den Untergang so lange wir möglich zu verschleiern.

Die Bürger Deutschlands und Europas müssen so lange beschäftigt werden, bis die findigen und kundigen Wirtschaftskriminellen ihre Beute in ihren Rettungsboote auf den Bahamas verstaut haben.

Wer da noch glaubt, ein bedingungsloses Grundeinkommen – die Rettungsweste des kleinen Mannes – sei die Lösung aller Probleme, hat schon den Untergang akzeptiert, ohne allerdings  zu realisieren, das man auch mit Weste in den eiskalten Gewässern der Globalisierung nicht lange überleben kann. Das Grundeinkommen von 1000 Euro wird mit Sicherheit kommen – und wenn es da ist, wird man von uns wie von Frau Karagaitanaki 40 000 Euro Miete verlangen – zusätzlich zu dem, was wir sonst schon bezahlen. Ebenso werden die Preise für Strom und Lebensmittel steigen, dafür sorgt aktuell die Lobby der Finanzindustrie in Brüssel, siehe Foodwatch:

Heute berichte ich Ihnen aus Brüssel, wo ich gemeinsam mit zahlreichen anderen Organisationen versuche, die Verhandlungen zur Regulierung der Rohstoffbörsen zu beeinflussen. Leider muss ich erkennen:Noch immer stellt sich die übermächtige Finanzlobby der Regulierung des unmoralischen Zockens und Spekulierens uneinsichtig entgegen – als ob es die große Finanzkrise 2008, die uns alle an den Rand einer wirtschaftlichen Katastrophe brachte, als ob es die hochheiligen Versprechen der Banker, sich zu ändern und als ob es die Schwüre der Politiker, ein solches Desaster in Zukunft zu verhindern, nicht gegeben hätte.

Und die Finanzlobby wird – dank der Zineszinsautomatik – von Jahr zu Jahr stärker, während wir Bürger im gleichen Maße schwächer werden: mit jedem Euro für die Griechenlandrettung stärken wir jene Kräfte, die das Problem Griechenland überhaupt erst ins Leben gerufen haben.

Ist es nun verständlich, weshalb die Allianz zwischen Regierung und Medien alternativlos ist?

Es geht um die Plätze  in den Rettungsbooten. Je später wir erfahren, das das Schiff sinkt, umso mehr können sich besser informierte Mitwisser bequem aus dem Staub machen. Wir werden dann auch erleben, wohin uns der Bezahljournalismus führt: die Wahrheit wird dann sehr sehr teuer werden – die Wahrheit über den Untergang wird schlichtweg Summen kosten, die sich so schnell kein Normalbürger mehr leisten kann.

Aber das ist eigentlich schon heute so.

Ist der Untergang aber wirklich so unvermeidlich wie der der Titanic?

Ich denke – überhaupt nicht, wenn wir als Gesellschaft schnell genug handeln.

Dann stopfen wir das Leck, pumpen das Wasser heraus, lassen die Lumpen mit ihren Rettungsbooten im Eismeer treiben und sorgen dafür, das wir einen NEW DEAL bekommen:

Mit der massiven Interventionspolitik des Staates in fast allen Gesellschaftsbereichen gab der New Deal einer entmutigten, verunsicherten und richtungslosen Nation neue Hoffnung. Anders als im Deutschen Reich und in vielen anderen Ländern konnte die Demokratie in den Vereinigten Staaten durch die Phase der Weltwirtschaftskrise hindurch bewahrt werden. Die Marktwirtschaft wurde gerettet, indem vor allem durch Regulierung des Bankensystems und des Wertpapierhandels eine stabilere Wirtschaftsordnung geschaffen wurde.

Damit haben wir schon das Motto, das die partei-, klassen- und politikübergreifende Bewegung einen kann: New Deal.

Und damit sind wir noch nicht mal antiamerikanisch.

Jetzt brauchen wir nur noch die Medien dazu – und die Reise Europas kann doch noch weitergehen.

 

 

Wo leben wir eigentlich? Über Fußfesseln für Arbeitslose, Zwangsentwöhungen von Rauchern und die Macht archaischer Mythen im Alltag

Mittwoch, 5.12.2012. Eifel. Draussen ist es noch dunkel, ich kann momentan keine Wetterprognose wagen. "Dunkel" heißt hier in der Eifel: man sieht schwarz. Pechschwarz. Bei uns ist Nacht noch Nacht. Vielleicht ein Grund, warum es mir so leicht fällt, hinter harmlosen Nachrichten so fürchterliche Entwicklungen zu vermuten. Manchmal tauchen ja Menschen hier auf die sagen: "hier wird zuviel über die Hitlerei geschrieben. Jeden Tag ein Hitler: das ist zuviel". Umgekehrt wird ein Schuh daraus: man kann aktuell soviel über Hitler, die braunen Horden und schwarzen Orden reden, weil in den Wohlfahrtsjahren der Republik fern von allen wirklichen Herausforderungen des Lebens schon längst wieder genug Gesochse nachgewachsen ist, das völlig immun gegen Warnungen ist, diesen Weg nochmal einzuschlagen und deshalb den alten Pfad wieder eingeschlagen hat. Das ist auch nicht verwunderlich: Adolf Hitler ist etwas ganz Geniales gelungen, etwas, über das wir heute kaum noch reden dürfen. Mit Hilfe esoterischer Bilderwelten ist er an die Macht gekommen, Bilderwelten, die  seit dem Mittelalter tradiert wurden (u.a. von der Thule-Gesellschaft) und seitdem auch beständig wieder ihre Gültigkeit bewiesen haben.

Mittwoch, 5.12.2012. Eifel. Draussen ist es noch dunkel, ich kann momentan keine Wetterprognose wagen. „Dunkel“ heißt hier in der Eifel: man sieht schwarz. Pechschwarz. Bei uns ist Nacht noch Nacht. Vielleicht ein Grund, warum es mir so leicht fällt, hinter harmlosen Nachrichten so fürchterliche Entwicklungen zu vermuten. Manchmal tauchen ja Menschen hier auf die sagen: „hier wird zuviel über die Hitlerei geschrieben. Jeden Tag ein Hitler: das ist zuviel“. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: man kann aktuell soviel über Hitler, die braunen Horden und schwarzen Orden reden, weil in den Wohlfahrtsjahren der Republik fern von allen wirklichen Herausforderungen des Lebens schon längst wieder genug Gesochse nachgewachsen ist, das völlig immun gegen Warnungen ist, diesen Weg nochmal einzuschlagen und deshalb den alten Pfad wieder eingeschlagen hat. Das ist auch nicht verwunderlich: Adolf Hitler ist etwas ganz Geniales gelungen, etwas, über das wir heute kaum noch reden dürfen. Mit Hilfe esoterischer Bilderwelten ist er an die Macht gekommen, Bilderwelten, die  seit dem Mittelalter tradiert wurden (u.a. von der Thule-Gesellschaft) und seitdem auch beständig wieder ihre Gültigkeit bewiesen haben.

In Zeiten größter Not hat er den Deutschen etwas präsentiert, was alle europäischen, alle westlich orientierten Völker sich erhoffen: die Rückkehr König Arthurs und der Ritter der Tafelrunde. Es ist einer der mächtigsten europäischen Mythen (in Deutschland u.a. als Kyffhäusersage bekannt) und jemand hat Hitler geraten, sie 1:1 in den politischen Alltag zu übersetzen: das funktioniert immer, vor allem, wenn die Not groß ist. Man braucht einen Führer, der auserwählt ist (z.B. von „der Vorsehung“), man braucht eine tapfere Ritterschaft (SA und SS) und einen runden Tisch (Himmler und die SS-Ritter auf der Wewelsburg): schon funktioniert das (ebenso mit Stalin, dem heiligen Marx, der „Geschichte“ und den Polit-Kommissaren). Natürlich muss die Not groß sein – und der Bildungsgrad der Bevölkerung gering. Wenn alle sehen, das hier nur alte archaische Muster von politischer Macht missbraucht werden, funktioniert der Trick nicht – er wirkt albern. Wenn keine Not ist, funktioniert der Trick auch nicht. Genau eine solche Zeit haben wir aber gerade: die Not ist groß, die Zustände unerträglich (und sie werden Tag für Tag unerträglicher) und die Funktionsweisen esoterischer Machtausübung sind weitgehend unbekannt – obwohl Hitler sie vorgelebt hat und man bis heute in rationalen Kreisen rätselt, was in jenen dunklen Jahren (über die man generell lieber schweigt) denn geschehen sein konnte. Doch – wenden wir uns zuerst mal den dunklen Zeiten zu, die auch heute wieder laut nach dem gerechten König Arthur und seinen tapferen Rittern rufen – dazu müssen wir einfach mal in die Zeitschrift Capital sehen – bevor sie auch ausgelöscht wird.

Dort erkärt uns der Ökonom Jeffrey Sachs in drei Artikeln die Ursachen und Probleme dieser Zeit: ausgehend von der Globalisierung, die eine Goldgrube für Superreiche ist, kommt es zunehmend zu einem moralischen Verfall, der sich in den Methoden der Großkonzerne niederschlägt. Sie lügen, bestechen und vertuschen um sich dort Vorteile zu verschaffen, wo der Markt als solcher schon lange nicht mehr gewünscht ist. Das führt international zu einem Klima, das aus großen Ländern Egoisten im Endstadium werden lässt, die nicht mehr in der Lage sind, sich den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angemessen zu stellen:

Die Weltwirtschaft steckt in einer Nachhaltigkeitskrise, wo Ressourcenknappheit und Umweltkrisen zu großen Preisschocks und ökologischer Instabilität führen. Wirtschaftliche Entwicklung muss durch Techniken und Lebensstile, die den gefährlichen Druck auf die Ökosysteme der Erde verringern, schnell zu nachhaltiger Entwicklung werden. Auch dies erfordert ein Ausmaß globaler Zusammenarbeit, das bis jetzt nirgendwo sichtbar ist.

Wir stehen vor einer nie dagewesenen Weltwirtschaftskrise – für die vor allem die nordatlantischen Staaten schlecht aufgestellt sind. Aber was tun wir – als Nordatlantiker? Planen den Einmarsch in Syrien, weil dort – wie immer, wenn es gerade notwendig ist – Massenvernichtungsmittel vermutet werden (siehe Spiegel). Die USA verbessern ihre strategische Position gegenüber Russland und China. Noch wäre ein großer Krieg im Nahen Osten inklusive ein paar Seeschlachten im Eismeer und im Pazifik das Jugendelexier, das unsere darbende Wirtschaft wieder beleben könnte – weshalb die Aufrüstung Saudi-Arabiens auch alternativlos ist.

Wir können von dieser großen Perspektive auch jederzeit zurückschalten – zum Beispiel mit Fokus auf Griechenland, jenem Ort, wo die Superreichen augenblicklich ihren Zapfhahn angebracht haben, um europäische Steuerbillionen abzusaugen. Ja – die Superreichen in den USA sehen die Welt so wie Jeffrey Sachs, wollen aber am Ende nicht ganz mittellos dastehen. Deshalb frisst man sich zuerst an ein paar Freunden satt, bevor man sich den eigentlichen Feinden zuwendet, siehe Manager Magazin:

Nicht nur die Griechen freuen sich über das neue Rettungspaket von Euro-Zone und IWF. Auch Spekulanten reiben sich die Hände. Der geplante Rückkauf von Hellas-Bonds lässt ihre Kassen klingeln – sie nennen den Deal „idiotensicher“ oder „Geschenk vom Steuerzahler“.

So offen kann man in deutschen Zeitschriften über die Hintergründe der „Griechenlandkrise“ schreiben, ohne das es politische Konsequenzen nach sich zieht. Die Zeitschrift Wiwo findet drastischere Worte für das, was dort gerade geschieht:

Das Geschacher der Euro-Finanzminister von Nordwesten (Irland) über Südwesten (Portugal, Spanien) bis nach Südosten (Griechenland) offenbart, wie die Mitgliedsstaaten der Währungsunion ticken, wie sie die Gemeinschaft sehen: Nicht als Projekt, das gehegt und gepflegt wird, um perspektivisch den Nutzen in Europa zu mehren. Sondern als System, aus dem individuell Geld gezogen werden kann. Die Geberländer hoffen auf Zinsgewinne, die Nehmerländer auf Rabatte und Kredite zum Nulltarif. Während die Euro-Befürworter von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble über den Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker über eine Vertiefung Europas nachdenken, zersetzt der „Moral Hazard“ Europa.

Die „sittliche Gefährdung“ ist ein Fachbegriff aus der Versicherungsbranche (siehe Wikipedia), jeder Arbeitslose kennt ihn: die Hinzuverdienstgrenze führt dazu, das er  – irrational und unwirtschaftlich – mit seinem Zuverdienst seine eigenen Sozialleistungen finanzieren muss, durch erhöhte Fahrt-, Kleidungs- und Pflegekosten gerät er sogar ins Minus. Leistung soll sich zwar wieder lohnen – tut sie aber nicht, und zwar gerade dort, wo es am Sinnvollsten wäre, sie zu fördern.

Doch bevor wir zu den Arbeitslosen kommen, nochmal ein Blick auf Europa, wieder Wiwo, diesmal von Bettina Röhl:

Und das Furchtbarste ist, dass die politische Klasse, die derzeit Euro-Politik macht, ein amorpher Haufen ohne Herz und ohne Kopf ist. Es gibt praktisch keine Verantwortlichen. Niemand kann in juristischem Sinne für sein Tun in Haftung genommen werden. Gremien, Parlamente, Institutionen, Parteien, Gerichte und sonstige Gruppierungen beschließen die unterschiedlichsten Details, die unterschiedlichste Sachzwänge nach sich ziehen und die die Entscheidungsspielräume und die demokratischen Prozesse praktisch auf Null reduzieren.

Das ist im Prinzip die Beschreibung einer Diktatur – ohne klar erkennbaren Diktator. Eine Diktatur eines Systems, das gelenkt wird von den Entscheidungsprozessen einiger weniger Superreicher, die die Grenzen des Sandkastens festlegen, in dem wir Demokratie spielen dürfen. Die Folgen einer solchen Entwicklung beschreibt Frau Röhl recht deutlich:

Es gibt leider genügend historische Beispiele für das Versagen politischer Klassen und speziell auch politischer Klassen in Europa. Natürlich sind Merkel, Schäuble oder die Oppositionsgrößen und die Vertreter der nachgeordneten Apparate individuell für sich betrachtet, rational handelnde Menschen mit allen menschlichen Schwächen behaftet, die es so gibt. Aber das Gruppenverhalten ist in Sachen Euro außer Rand und Band geraten.

So wie ein physischer Zerstörungsgeist die europäische Nomen Klatura (deren individuelle Mitglieder damals für sich betrachtet nicht besser oder schlechter, böser oder lieber waren, als die heutigen Akteure) vor 100 Jahren dazu veranlasste den ersten Weltkrieg zu veranstalten, hat jetzt der Furor der heutigen Nomen Klatura unterschiedliche Volkswirtschaften in eine Einheitswährung gepresst und damit in die Euro-Krise getrieben, die sich galoppierend ausweitet.

Eine Situationsbeschreibung, die man eigentlich von der linken Presse erwarten würde, nicht aber von einem konservativen Wirtschaftsblatt. Das sie dort auftaucht, sollte die Alarmglocken noch deutlicher klingeln lassen, erst Recht dann, wenn sich international eine Verdichtung vielfältiger nationaler Konflikte anzeigt – wie im Nahen Osten, wo die Weltmächte so direkt aufeinandertreffen wie früher in Europa … oder Deutschland.

Doch nicht nur die endlose Griechenlandrettung (die praktisch nur aus großen Geldgeschenken für Superreiche besteht) illustriert den Sieg der moralischen Verwahrlosung über die bürgerliche Vernunft. Wir können auch noch einen Gang zurückschalten und uns nur die Stromwirtschaft in Deutschland anschauen, einer Wirtschaft, die uns aktuell Strompreise beschert, die „bald 45 % über dem EU-Durchschnitt liegen, siehe Welt. Wir werden sogar mit noch höheren Kosten rechnen müssen, weil das System so perfekt an die Gesetze angepasst worden ist, das wie völlig hilflos dagegen sind, siehe Kontraste. Konzerne wie Vattenfall spalten sich in einzelne Teilbereiche auf, die Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren – so arbeiten alle Konzerne. Und – wie bei Jeffrey Sachs erwähnt – kommt auch eine besondere nationalegoistische Komponente dazu:

In Schweden freut man sich. Der Staatsbetrieb Vattenfall bietet jetzt auf Druck der dortigen Regierung noch günstigere Tarife für Privatkunden an – schließlich sollen die schwedischen Bürger an den tollen Konzernergebnissen teilhaben.

Wir zahlen den Schweden den Billigstrom.

Ja – wo leben wir denn eigentlich?

Wir leben in einem Land, das sich immer noch klammheimlich nach seinem König sehnt – und die Sehnsucht nimmt tagtäglich weiter zu. König Arthur, unterstützt von dem weisen Zauberer Merlin (dem man sogar zutraut, mit einigen kurzen Gesten die unsichtbare Hand des Marktes – den größten Dämon der Neuzeit –  in die Hölle zurückzuschicken) und seinen tapferen Rittern Lancelot, Gawain und Parceval, die jeden Tag durch die Welt ziehen, um räuberische Gesellen daran zu hindern, das einfache Volk weiter auszuplündern.

Darum fällt es uns auch so schwer, von dem Geist des alten Übels loszulassen. Zum Beispiel bei der Bundeswehr, siehe Kontraste:

Nach Kontraste-Recherchen wurde auf einer offiziellen Veranstaltung der Bundeswehr zum Volkstrauertag ungehindert Liedgut der Waffen-SS vorgetragen. Einer der renommiertesten deutschen Forschungspreise für Militärhistoriker ist nach einem ehemaligen SS-Mitglied benannt. Noch immer sind zahlreiche Bundeswehrkasernen nach Wehrmachtsoffizieren benannt, die tief in die nationalsozialistische Rassen- und Eroberungspolitik verstrickt waren. Obwohl dies dem Bundesverteidigungsministerium bekannt ist, wurden die Kasernen nicht umbenannt.

Dort steht man treu zum Geist des alten Rittertums, jenes Rittertums, das Hitler so geschickt ins Leben gerufen hat, das wir uns heute noch Rettung von ihm erhoffen.

Oder der Verfassungsschutz: tapfer stellt er sich vor jene, die noch des alten Glaubens sind, siehe Spiegel:

Premiere vor dem Thüringer Neonazi-Auschuss: Ein Kriminalbeamter spricht Klartext bei der Befragung. Er behauptet, die Behörden seien bestens über die rechte Szene in den neunziger Jahren informiert gewesen. Das Landeskriminalamt und der Verfassungsschutz hätten jedoch interveniert.

Ganz mächtig wirkt da noch die Liebe zum alten Führer nach – eine Liebe, die eigentlich anderen Erlösergestalten gelten sollte, die man aber künstlich auch auf jedes menschliche Ungeheuer lenken kann – wenn man weiß, wie es geht.  Klar, das jene, die sich gegen diese Liebe wenden, bestraft werden müssen wie der Jugendpfarrer Lothar König:

Der Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König wird wegen seines Engagements gegen Europas größten Neonazi-Aufmarsch am 19.02.2011 von der Dresdner Staatsanwaltschaft mit diversen Repressionen überzogen.

Eine Diffamierungskampagne, die mit der Razzia der Jenaer Dienstwohnung am 10.08.2011 durch bewaffnete Dresdner Polizisten einen Höhepunkt hatte, findet im demnächst anstehenden Prozess gegen Lothar König wegen angeblichem “schweren Landfriedensbruch” ihre Fortführung.

Ahnt man nun, wie stark dieser Mythos vom gerechten König der Deutschen noch nachwirkt? Man könnte die Beweiskette leicht noch länger machen, aber es geht ja darum, zu beschreiben, wo wir gerade leben, denn die Prinzipien des guten Deutschen werden heute wieder nachgefragt. Ja – das war ja der doppelte Trick Hitlers – er hat und nicht nur himmlische Rettung vor irdischen Gewalten versprochen … er wollte uns alle zu seinen Rittern machen: in Zeiten um sich greifender Minderwertigkeitskomplexe ein unausschlagbares Angebot, das er ganz konkret in Worte gefasst hat, siehe Wikipedia:

In seinen Reden hat Adolf Hitler oft das Bild rassischer Überlegenheit beschworen: „[…] der deutsche Junge der Zukunft muß schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Wir müssen einen neuen Menschen erziehen, auf daß unser Volk nicht an den Degenerationserscheinungen der Zeit zugrunde geht.”

Sagte ich nicht, das man Hitler heute wieder auf Schritt und Tritt begegnet? Das Motto heißt heute anders: „Fit for Job“ sollen wir sein – und dabei hilft das Jobcenter, siehe Freitag:

Der Chef des Jobcenters Brandenburg an der Havel, Christian Gärtner, ist für seine „harte Gangart“ bekannt. So sagte dieser noch vor einigen Wochen gegenüber der Presse medienwirksam: „Notfalls werden wir bei qualifizierungsunwilligen Leuten aber sanktionieren, bis sie raus sind aus dem Leistungsbezug“. Die Presse titelte entsprechend: „Jobcenter fährt harte Linie gegen Verweigerer“. Eben jener hat sich nun etwa neues ausgedacht. 18 Erwerbslose haben einen Schrittzähler angeheftet bekommen, um zu messen, ob diese sich „zu wenig bewegen“.

Und da sind sie endlich: die elektronischen Fußfesseln für Langzeitarbeitslose. Noch zählen sie nur Schritte, damit das Volk nicht an Degenerationserscheinungen der Zeit zugrunde geht. Andere machen bei dieser Bewegung ebenfalls mit:

Schließlich ist die Aktion ein Teilprojekt der Aktion „Perspektive 50plus“. Unter gleichem Motto zwingt das Jobcenter Nienburg derzeit ältere Hartz IV Betroffene an einem Kurs zur Rauchentwöhnung teilzunehmen. In einem Anschreiben wird explizit daraufhin gewiesen, dass ein Fernbleiben zu einer Regelsatz-Sanktion führt.

Eine lange Reise haben wir jetzt hinter uns, bis wir vom Mittelalter zu den Fußfesseln für Arbeitslose gekommen sind – eine Reise aber, die notwendig ist, wenn wir verstehen wollen, wo wir leben … und verstehen wollen, warum Menschen so reagieren, wie sie reagieren.

Natürlich denken wir spontan: dieser Christian Gärtner sollte mindestens vom Verfassungsschutz beobachtet werden, auf jeden Fall sollte man ihn umgehend einer psychiatrischen Untersuchung zuführen, um sicherzustellen, das er auch geistig voll zurechnungsfähig ist. In Wirklichkeit ist er aber nur der Auswuchs einer Bewegung, die viel größer und weitreichender ist.

Wir wiederholen die Schrecken des 20. Jahrhunderts, weil der Glaube an einen Erlöser sehr tief steckt – und für Deutschland wurde mit Hitler ein eigener Erlöser aus Österreich gebastelt, der bis heute in den Seelen nachwirkt.  Unter dem Deckmäntelchen scheinbarer Rationalität leben wir Muster eines Wahnsinns, der uns einreden will, das wir die Folgen der Globalisierung (den chronischen Export von Arbeitsplätzen zu preiswerteren Orten, den chronischen Export von Kapital an steuerfreundliche Orte) dadurch ausgleichen könnten, das wie die Schritte der Arbeitslosen zählen und ihre Lust auf Tabak mit Gewalt unterdrücken, während produktive und konstruktive Ansätze mit Gewalt unterdrückt werden, siehe Spiegel:

 Langzeitarbeitslose wieder in Jobs zu vermitteln, ist schwierig; die Methode des Jobcenters Dortmund aber dürfte für Diskussionen sorgen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, versucht das Amt, die örtlichen Hartz-IV-Empfänger mit Bargeldprämien zum Arbeiten zu bewegen. Auf Handzetteln, die im Jobcenter ausliegen, heißt es demnach: „Jede Aufnahme einer Beschäftigung wird mit 200 Euro belohnt!“

Weiterhin stehe auf den Blättern: Wer eine ungelernte Tätigkeit annimmt, dem wird ein Einstiegsgeld in Höhe von 280,50 Euro versprochen. Helfen will das Jobcenter demnach auch, wenn das eigene Auto kaputt ist, für die Arbeit aber gebraucht wird. Eine Reparatur soll mit bis zu 2000 Euro unterstützt werden.

 Eine Sprecherin derBundesagentur für Arbeit (BA) sagte, der Flyer sei „unglücklich formuliert“. Die BA habe bereits angewiesen, den Infozettel aus dem Verkehr zu ziehen.

Und natürlich wird auch nochmal darauf hingewiesen, welcher Geist in unserem Land zu herrschen hat: per Gewalt und Gesetz durchgedrückt:

Grundsätzlich gelte, dass Hartz-IV-Empfänger, die vom Jobcenter betreut werden, jede Arbeit annehmen müssten. Anderenfalls drohen ihnen Leistungskürzungen.

Hinter allem steckt noch Hitlers Gedanke, das wir nur „rein“ genug sein müssen („Fit for Job“), dann wird schon alles wieder gut. Dürften wir uns mehr mit Esoterik beschäftigen, würden wir wissen können, wie leicht es ist, Menschenmassen zu steuern und in Zustände zu versetzen, wo sie die größten Grausamkeiten begehen, die dümmlichsten Irrationalitäten ausführen und widerlichste Gemeinheiten als Alltag akzeptieren, während die „Elite“ anders denkt – anders, aber ungebrochen seit dem die Pharaonen regierten, siehe Hubert Burda in der Welt:

„Nein. Aber es ist das wichtigste Projekt von allen. Die einzige Weisheit, die es im Leben gibt, ist, dass du lernst zu sterben. Es gibt ein Alter, da musst du dich auf diesen Moment vorbereiten. Wann der dann kommt, ist wurscht. Die Überfahrt ist das größte Abenteuer des Lebens. Da darf man nicht am Ende seines Berufslebens plötzlich unvorbereitet auf der Intensivstation liegen.“

So denkt die Elite. Während wir „Fit for Job“ sein sollen, bereiten die sich auf den nächsten Teil vor … einen Teil, der für uns Tabu ist wie alles, was an Esoterik wirksam ist. Bei uns zählt man die Schritte, bei uns achtet man auf ein möglichst langes Leben, während man selbst von einer viel größeren Selektion träumt, die seit Jahrtausenden zur festen Überzeugung der Menschheit gehört: das es vor allem gilt, dem zweiten Tod zu entgehen, jenem Tod, der der Seele droht, wenn sie unvorbereitet den Körper verlassen muss.

Nun – für uns gelten andere Wahrheiten: nach dem Tod kommt nichts, die Griechenlandrettung ist alternativlos, unsere Arbeitslosigkeit liegt nur an uns und wenn der Arbeitgeber es so will, dann ist die Welt wieder eine Scheibe: bei Widerspruch wird das Leben auf Null gekürzt. Raucher, so habe ich in Erinnerung, sollen alle an einem „metaphysischem Weltschmerz“ leiden, an dem schrecklichen Wissen, das die Welt um so vieles besser angedacht war, als sie real erscheint. Gut, das wir auch dieses esoterische Wissen im Rahmen der Alternativlosigkeit ausmerzen, um die Gewinne der Superreichen nicht zu gefährden. Immerhin: die brauchen ihre Lebenszeit, um sich auf den Tod vorzubereiten, während unser Leben schon … lange vor dem Tod endet.

 

 

 

 

Die Wahrheit, der politische Wahnsinn und die Psychiatrie: die McKinseyrepublik Deutschland

Donnerstag, 22.11.2012. Eifel. Ich merke, es ist soweit. Ich muss aufhören zu schreiben. Wird zu gefährlich, ganz ehrlich. Manchmal gibt es Zeiten, da muss man seine alten Schwüre brechen, seinen Colt aus dem Schrank holen, die Winchester entmotten, den finstersten aller schwarzen Hüte aufsetzen und - geschmückt mit goldenem Sheriff-Stern - auf die Straße gehen und sich dem Übel stellen, um eine endgültige Lösung herbeizuführen. Und dann wiederum gibt es Zeiten, wo man sich zitternd und bibbernd in einem Erdloch verstecken muss, weil Gräuel über die Erde wanken, die zu gräßlich sind, als das man sie in Worte fassen könnte. So eine Zeit scheint wieder da zu sein, eine Zeit, wo der Gebrauch einer normalen, von edlen Werten in ihrer Vernichtungskraft eingeschränkten Vernunft zu gefährlich ist und das Erdloch die einzige Alternative zu Wahnsinn darstellt. Das ist zum Beispiel ganz deutlich dann der Fall, wenn Zeugen krimineller Taten ganz schnell in der Psychiatrie verschwinden, wo ich - wie ich merke - jetzt auch ganz schnell landen könnte. Der Spiegel berichtet heute über einen dieser Monströsitäten, einen Mann, der ziemlich gewöhnlich klingende Behauptungen aufgestellt hat.

Donnerstag, 22.11.2012. Eifel. Ich merke, es ist soweit. Ich muss aufhören zu schreiben. Wird zu gefährlich, ganz ehrlich. Manchmal gibt es Zeiten, da muss man seine alten Schwüre brechen, seinen Colt aus dem Schrank holen, die Winchester entmotten, den finstersten aller schwarzen Hüte aufsetzen und – geschmückt mit goldenem Sheriff-Stern – auf die Straße gehen und sich dem Übel stellen, um eine endgültige Lösung herbeizuführen. Und dann wiederum gibt es Zeiten, wo man sich zitternd und bibbernd in einem Erdloch verstecken muss, weil Gräuel über die Erde wanken, die zu gräßlich sind, als das man sie in Worte fassen könnte. So eine Zeit scheint wieder da zu sein, eine Zeit, wo der Gebrauch einer normalen, von edlen Werten in ihrer Vernichtungskraft eingeschränkten Vernunft zu gefährlich ist und das Erdloch die einzige Alternative zu Wahnsinn darstellt. Das ist zum Beispiel ganz deutlich dann der Fall, wenn Zeugen krimineller Taten ganz schnell in der Psychiatrie verschwinden, wo ich – wie ich merke – jetzt auch ganz schnell landen könnte. Der Spiegel berichtet heute über einen dieser Monströsitäten, einen Mann, der ziemlich gewöhnlich klingende Behauptungen aufgestellt hat.

Seine Ex-Frau und weitere Mitarbeiter der HypoVereinsbank (HVB) hätten große Mengen Schwarzgeld in die Schweiz verschoben und illegal Provisionen kassiert. Die Vorwürfe wurden von der Justiz ignoriert. Dafür attestierte man Mollath einen krankhaften Wahn. im Jahr 2006 wurde er zwangseingewiesen.

Sein Fall ist eine Art Blaupause für das Schicksal von Menschen, die ein Richter ins Irrenhaus schickt und die danach kaum noch beweisen können, dass sie nicht geisteskrank sind. Es liegt diesen Fällen keine große politische Verschwörung zugrunde, sondern Nachlässigkeit und Überheblichkeit des Justizapparats.

So etwas geschieht schon in diesem Land. Ohne das wir es groß merken, denn dieser Artikel ist morgen wieder vergessen, der Spiegel verspricht uns ja zudem, das es nur die reine Blödheit des Systems ist, die solche Fälle produziert. Die Wahrheit sieht aber anders aus:

In Bayreuth diagnostiziert ein Gutachter bei Mollath eine fortschreitende Wahnsymptomatik. Er sei unter anderem unkorrigierbar der Überzeugung, Personen aus dem Geschäftsfeld seiner Ex-Frau wären in ein komplexes System der Schwarzgeldverschiebung verwickelt. Mollath stelle ohne Behandlung eine Gefahr dar.

So einfach ist das inzwischen. Die Psychiatrie ist wohl inzwischen in weiten Teilen so sehr degeneriert (und in ihrem eigenen Dunstkreis gefangen), das sie jederzeit politisch instrumentalisiert werden kann. Wenn die Politik eine Wahrheit herausgibt (wie zum Beispiel die, das hier niemals jemand Schwarzgeld ins Ausland schafft), dann folgt automatisch die Diagnose WAHN, wenn man energisch gegen diesen Tatbestand ankämpft. Je energischer man kämpft, umso eher lassen sich Anzeichen für einen Wahn finden. Zustände, die früher einen Wilhelm Tell, einen Fidel Kastro oder eine russische Revolution hervorgerufen hätten, sorgen heute nur dafür, das Kritiker, Zeugen und Journalisten in der Psychiatrie verschwinden: ganz öffentlich vor aller Augen, mit desaströsen Folgen für die eigene Existenz:

Am 27. Februar 2006 wird Gustl Mollath in seinem Haus festgenomen. Bis heute besitzt er nur das, was er damals auf dem Leib trug. Sein gesamtes Leben ist verschwunden. Sein Haus wurde versteigert, Möbel und Autos weggebracht. Mollath hat keinen Pass, keine Zeugnisse, keinen Zugang zu Konten. „Ich habe nicht einmal ein Bild von meiner Mutter“, sagt er, „ich bin den Ärzten ausgeliefert“.

Das kann jedem von uns geschehen. Jederzeit. Gustl Mollath hatte nämlich Recht. War kein Wahn, sondern nur die Wahrheit – und ein großer folgenloser Betrug am Steuerzahler.

Ich persönlich bin mir sicher, das man bei mir jederzeit eine Wahnsymptomatik feststellen kann, die Philosophie an sich ist ja schon Wahn genug. Wir wagen es, die Realität unserer ganzen sinnlichen Wahrnehmung in Frage zu stellen, beschäftigen uns mit Gedanken über das Leben nach dem Tod – und vor allem auch mit Gedanken darüber, ob man vor dem Tod nicht mehr davon haben kann, wenn das Geld etwas fairer verteilt wird.

Ich möchte so einen Wahn gleich mal demonstrieren. Aus eigener, 15-jähriger Berufstätigkeit in der Pharmaindustrie weiß ich, das es sich hier um einen riesigen, kriminellen Machtblock handelt, der Hand in Hand mit Politik und Justiz in schöner Regelmässigkeit nutzlose Präparate zu überteuerten Preisen verkauft, eine Bereicherungsmaschinerie, die vor allem deshalb funktioniert, weil die Politik der Ärzteschaft den kritischen Mund mit Massen an Geld vollstopft. Bleibt einer doch nicht ruhig, wie Leo Hansen. der ehemalige Chef der KV-Nordrhein, dann gibt es auch handfestere Drohungen (siehe „Das Pharmakartell“, Frontal 21).

So ist es kein Wunder, das das meistverkaufte Grippemittel der Welt zwar enorm viel kostet, das aber durch völliges Ausbleiben jeglicher Wirkung wieder gut macht, ein Tatbestand, der jetzt dazu führt, das Forscher einen Boykottaufruf gestartet haben (siehe Spiegel):

Genauso lange, wie die Länder Tamiflu einlagern, währt auch der Streit, ob das antivirale Mittel denn überhaupt nutzt. Bereits 2009 berichtete eine Forschergruppe der Cochrane Collaboration, es gebe Zweifel an der Wirksamkeit des Medikaments. Es fehlte etwa der klare wissenschaftliche Beleg dafür, dass Tamiflu Komplikationen wie eine Lungenentzündung verhindern könne. 

Die gleiche kriminelle Energie findet man auch auf anderen Ebenen – so sagt mir mein Wahn. Dort führt sie zu überraschenden Ergebnissen: nach der Kritik an Peer Steinbrück, der seine dienstliche Bahncard hemmungslos privat genutzt hat, reagiert der Bundestag wie folgt (siehe Welt):

Noch am 14. November hieß es dem Bericht zufolge dort: „Hier stellt der Bundestag eine Netzkarte zur Verfügung, die für das Mandat, nicht aber privat genutzt werden darf.“ Einen Tag später, am 15. November, fehlte ein Halbsatz, das Verbot privater Nutzung wurde demnach ersatzlos gestrichen.

Jetzt dürfen alle umsonst privat mit dem Zug fahren. Cool, oder? Ähnlich ist es mit Steinbrücks Deal mit den Stadtwerken – war er anfangs noch der böse Buhmann, so stellt sich jetzt langsam heraus, das alle dort richtig abgeräumt haben und der caritative Zweck erst nachträglich eingebaut wurde, um den wahren Charakter der Veranstaltung zu verschleiern (siehe Welt).

Würde ich jetzt aber sagen: „Leute, wir haben in dieser Gesellschaft ein ganz ernstes ethisches Problem: unsere Hardware ist zwar TipTop, aber unsere Software hat einen ganz schweren Schaden genommen“ dann würde man mir ganz schnell einen Verfolgungswahn unterstellen. Wenn ich dann kontern würde, das es bald Atomkraftwerke vom Himmel regnet, wäre ich schneller weg, als ich diesen Artikel absenden könnte. Dabei ist das in Planung, siehe Freitag:

Forschungsinstitute und die Rüstungsindustrie wie etwa das US-Institut Sandia National Laboratories und Northrop Grumman arbeiten an nuklear getriebenen Drohnen, um die Verweildauer der Kampfdrohnen in der Luft weiter zu optimieren – ein erschreckendes Szenario angesichts der Tatsache, dass bis heute mehr als 30 Prozent der US-amerikanischen Predator-Drohnen abgestürzt sind.

Allen Ernstes arbeiten führende Rüstungskonzerne am fliegenden, unbemanntem Atomkraftwerk, während wir noch stolz darauf sind, das wir – vielleicht bald eventuell (wenn sich nichts ändert) – unsere viel sichereren alten Meiler endgültig abgeschaltet haben. Warum sperrt eigentlich niemand die Forscher von Northrop Grumman ein?

Oder die gesamte US-Wirtschaft?

Leider „nur“ bei WSWS findet sich die Nachricht, das Obama jetzt – nach seinem großen Wahlsieg – zu drastischen Sozialkürzungen neigen wird. Genau das wollten die Wähler zwar nicht – weshalb sie ja auch ihn gewählt haben und nicht den Milliardär Mitt Romney – aber wer interessiert sich nach der Wahl schon noch für Wähler?

Mit Blick auf die „Haushaltsklippe“ am 31. Dezember wird Krisenstimmung geschürt, um die öffentliche Meinung darauf vorzubereiten, extrem unpopuläre Maßnahmen zu akzeptieren, darunter Haushaltskürzungen in Höhe von Billionen Dollar und einen historisch beispiellosen Angriff auf Medicare, Medicaid und die Renten.

Ein interessantes Lehrstück, wie man Politik in Demokratien macht – oder wie man eine Demokratie durch Terror vernichtet:

Die Medien waren voll mit düsteren Vorhersagen über einen weiteren Zusammenbruchs des Marktes, verheerende Steuererhöhungen für die arbeitende Bevölkerung und stark ansteigende Arbeitslosigkeit, wenn die beiden Parteien nicht zu einer Einigung kämen.

Und damit die Medien auch etwas zu berichten hatten, wurden Fakten geschaffen, Fakten, die nur dann funktionieren, wenn man tagtäglich auf breiter Front über Börsenkurse berichtet:

Nur Stunden nach Obamas Sieg warnte die Ratingagentur Fitch, es werde „beim Haushalt keine Flitterwochen für Präsident Obama geben.“ Am Mittwoch folgten große Verkäufe an der Wall Street, die die Regierung und den Kongress unter Druck setzen sollten.

So einfach ist Politik für Reiche. Erst mal die eigenen Aktienpakete verkaufen, dann die eigenen Presse darüber berichten lassen und so die Regierung terrorisieren. Nachher kann die Presse ja wieder Entwarnung geben, man kann die eigenen Aktienpakete zurückkaufen und sich zusätzlich am Gewinn freuen, wenn die Kurse infolge der eigenen Rückkäufe wieder steigen.

Natürlich wird die Gesellschaft auch von innen ausgehöhlt. Es gilt, jede Art von Widerstand gleich im Ansatz zu zerschlagen, damit der demokratische Grundgedanke gründlich ausgemerzt wird. Das geht ziemlich einfach – und auch ziemlich offen, denn neben der demokratischen Gesellschaft existiert die wirtschaftliche Gesellschaft – und in der hat jeder einen BOSS. Dirigiert man diese Bosse – oder züchtet sie gleich selbst – dann dirigiert man die ganze Gesellschaft. Die Karriereabteilung des Spiegel zeigt das System ganz offen:

„In der Unternehmensberatung bleibt man nicht ewig. Man verdient gutes Geld, schnuppert überall mal rein, und am Ende bekommt man einen Job in der Industrie.“

Deutsche Unternehmensberatungen wie Kienbaum zeigen sich da anders – aber sie wollen ja auch nicht die Gesellschaft systematisch mit ihren egozentrischen Charakteren unterwandern. Ein Artikel aus der Zeit zeigt, das McKinsey sehr bewusst eine sektenähnliche Struktur schafft:

Networking ist ein ganz großer Begriff in der Branche, man ist ständig darauf konzentriert, mit allen und jedem Kontakt zu halten. Das Unternehmen gibt sich große Mühe, die Mitarbeiter auf Linie zu bringen. Durch regelmäßige Events, Get-togethers, Meetings ohne fachlichen Inhalt. In diesen Konferenzen geht es darum: Wo will das Unternehmen hin? Was müssen wir dafür tun? Dann werden irgendwelche Statistiken präsentiert, die die Qualität der eigenen Arbeit beweisen sollen. Manchmal sind die ganz schön abseitig. Aber dadurch wird die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen gestärkt.

Ähnliche Strukturen der Menschenführung kann man auch in der Pharmaindustrie erleben – so schützt man sich vor Aussteigern. So erstellt man ein geschlossenes Agentennetzwerk innerhalb der Wirtschaft eines Landes, das den „Geist“, die „Botschaft“, das eigentliche Anliegen der Finanziers in ihrem gesamten Umfeld weiterverbreitet. Wie groß dieser Einfluss ist, zeigt sich, wenn man aus heutiger Sicht einen Artikel der Zeit aus dem Jahre 2002 liest:

Als sich Gerster, frisch entlassen, in der Talkshow von Sabine Christiansen verteidigte, nutzte der niedersächsische Ministerpräsident und Gabriel-Nachfolger Christian Wulff die sonst so artige TV-Plauderrunde für einen heftigen Angriff auf den Doyen des Beratercorps. Er attackierte Roland Berger, der mit im Studio saß. Zwischen Politik und Beratern, zürnte Wulff, seien „Kartelle“ und „Seilschaften“ entstanden und „Freundschaften, die sich gegenseitig einen Dienst erweisen“.

Hätte er mal besser die Klappe gehalten – dann wäre er heute wohl noch Bundespräsident. Gegen die geheime Führungsmacht im Staate wird nicht aufgemuckt, denn die spielt heutzutage ganz oben mit:

Die Wertschätzung von Angela Merkel für McKinsey hatte weitreichendere Folgen. Merkel ließ sich von Deutschland-Chef Jürgen Kluge bereits beraten, als sie in der vergangenen Legislaturperiode ihr Konzept für eine „Neue Soziale Marktwirtschaft“ vorlegte. Ihrer beider Interessen trafen sich. Kluge wollte McKinsey als Think Tank auch für den Staatsdienst etablieren, den seine Consultingfirma erst viel später als der Konkurrent Berger als zentrales Wachstumsfeld ausgeguckt hatte. Merkel brauchte als Parteichefin vor allem Wirtschaftskompetenz.

Konkurrenz ist Berger aber wohl nur bei der  Bezahlung – nicht aber bei der Etablierung eines Systems, das hinter jeden Politiker einen Unternehmensberater stellt. Das führt zu ganz merkwürdigen Erscheinungen:

Vor allem Angela Merkel und Friedrich Merz wird ein enges Verhältnis zum Branchenriesen McKinsey nachgesagt. Merz, der vor seiner politischen Karriere beim Verband der chemischen Industrie arbeitete, zog sich bei seinem Antritt als Fraktionschef viel Spott zu, als er vorschrieb, künftig müssten sich Mitarbeiter der Unionsfraktion einem Eignungstest der Unternehmensberater von McKinsey unterziehen. Ein motivierter und qualifizierter Mitarbeiter des Finanzministeriums scheiterte damals daran, dass er nicht erklären konnte, wie er sich als Filialleiter einer Hamburger-Kette verhalten würde. Viele Abgeordnete schüttelten nur den Kopf.

Beide haben wohl auf das richtige Pferd gesetzt – und die Tatsache, das Friedrich Merz heute Vorsitzender der einflussreichen Atlantik-Brücke ist, verstärkt meinen Verfolgungswahn nur umso mehr. Der Einfluss von McKinsey, Berger und Co. hat aber auch auf ganz andere Art und Weise in unseren Alltag eingegriffen. Sie haben nicht nur in großem Stil kurzfristige und kurzsichtige Gewinne durch Massenentlassungen möglich gemacht, sondern gezielt an dem Umbau der ganzen solidarischen sozialen Marktwirtschaft mitgewirkt:

Neu ist vor allem, wie selbstverständlich Unternehmensberatern auch Kompetenz bei originär politischen Fragen zugetraut wird. Tackes Ressort, das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, hat beispielsweise gemeinsam mit der Bundesanstalt für Arbeit bei Roland Berger ein Gutachten zur geplanten Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe erstellen lassen, was die Opposition für eine klassische Aufgabe der Ministerialbürokratie hält.

Aus diesem Gutachten ist direkt Hartz IV entstanden – und eine Behörde, die ihren Job als Amt für Ungeziefervernichtung (ja, es geht hier um „Parasiten“) mit großem Engagement nachkommt, siehe Spiegel:

Jobcenter greifen bei säumigen Hartz-IV-Empfängern so oft durch wie nie zuvor

Danach ist die Zahl der Strafen verglichen mit 2009 um 38 Prozent auf 1,017 Millionen gestiegen.

Aus internen Quellen weiß ich, das auch dort „Führen mit Zielen“ praktiziert wird – auch jener „Geist“ stammt von McKinsey. Auch hier wird „up or out“ praktiziert, nochmal Spiegel:

Leistung ist alles. Up or out, rauf oder raus – das ist das Motto der großen Unternehmensberatungen. Nur zwei von zehn Consultants schaffen es an die Spitze. Die Loser fühlen sich trotzdem als Gewinner.

Anders als die Looser von McKinsey, die regelmäßig von anderen McKinseyleuten in Konzernen untergebracht werden, haben die Looser vom Arbeitsamt bei Nichterfüllung ihrer „selbst gesetzten Ziele“ nur eine Perspektive: jenen Stuhl, auf dem täglich „Kunden“ vor ihnen sitzen, selbst zu beziehen. So wird ein äußerst perverses System geschaffen, in dem Mitarbeiter der Jobcenter dadurch um ihr Überleben kämpfen müssen, dass sie bei jenen zwanghaft nach Kürzungsmöglichkeiten suchen, die zuvor schon dank der „Arbeit“ von McKinsey um ihren Job gebracht worden sind.

Und schon bin ich mitten drin in meinem Wahn und merke: ich muss jetzt sehr sehr vorsichtig werden. Nur noch ein paar Worte mehr, ein wenig Gedankengeflecht mehr und ich entwerfe gezielt das Bild einer komplett von „economic hit man“ unterwanderten Republik, die dank mangelnder Mitbestimmung am Arbeitsplatz aus ihren demokratischen Angeln gehoben wird.

Das Perfide an diesem System: je näher man der Wahrheit kommt, umso wahrscheinlicher wird es, für wahnhaft gehalten zu werden. Das sagt viel über unsere gesellschaftliche Wirklichkeit aus, die bewusst und in großem Stil in aller Öffentlichkeit umgestaltet worden ist. Wir kennen die Täter, ihre Methoden, ihre Auftraggeber, ihre Werkzeuge und die Folgen ihrer Arbeit, die man inzwischen sogar bei Kindern feststellen kann (siehe Welt):

Eine neue Studie zeigt, dass schon Grundschüler enormen Druck ausgesetzt sind: Ein Viertel der Zweit- und Drittklässler gibt an, häufig unter Stress zu stehen. Meist ist die Schule der Auslöser.

Aber wenn ich jetzt gezielt die Schützenvereine aufrufe, als Akt der Notwehr die McKinseyleute in der Industrie ausfindig zu machen und in die USA zurückzuschicken, wo ihr Ungeist gerade die größte Volkswirtschaft der Erde an den Abgrund gebracht hat, dann bewege ich mich in den Augen der politisch und wirtschaftlich ungebildeten Psychiater in einem geschlossenen Wahnsystem, so das sie nur eine Möglichkeit haben: mich wegzusperren, meine Sachen zu versteigern und mich mit Medikamenten ruhig zu stellen.

Währenddessen marschiert der Ungeist weiter: Gehaltskürzungen, Rentenkürzungen, Zwangspensionierungen, Aushebelung der Tarifautonomie, Entmachtung der Gewerkschaften, Sozialstaatsabbau, Verlängerung der Lebensarbeitszeit – das Sparprogramm für Griechenland (siehe Handelsblatt), gewaltsam herbeigeführt durch hemmungloses Rating, wird Norm für den ganzen europäischen Kontinent und nicht nur für die USA. Wählt ein Land falsch – wie unlängst Frankreich – dann kommt die Ratingkeule – wie jetzt in Frankreich (siehe Welt).

Politisch gebildete Menschen wundert es nicht, das in diesem Klima die Südstaaten der USA wieder von der Abspaltung träumen (siehe Welt), um der Versklavung durch den „Bund“ zu entgehen, einzelne Sheriffs wollen sogar mit Gewalt gegen „Obama´s Blauhelme“ vorgehen – dabei zeigt sich doch gerade jetzt, wie gering die Macht des Präsidenten gegen die Macht der unter anderem von McKinsey gestalteten Netzwerke ist.

Und dieses Gefühl der Ohnmacht kennen wir inzwischen auch in Deutschland nur zu gut, dürfen uns aber nicht zu ihm bekennen, weil wir ja der allmächtige Souverän sind.  Das ist aber auch nur gut so, denn Ohnmacht kann uns alle zu „unzurechnungsfähigen Kannibalen im sexuellen Wahn“ machen, siehe Heise:

Und diese ursprüngliche Ohnmacht, die wird im ganzen Leben immer wieder empfindlich als lebensbedrohlich gespürt und erlebt, und bewirkt Abwehrmechanismen; bewirkt, dass das Individuum versucht, sich durch irgendwelche Lebenstechniken, durch irgendwelche Abenteuer, durch irgendwelche spannenden, erregenden, lebensspendenden Erlebnisse zu erhalten.

Wenn jetzt diese Gefühl der Ohnmacht systematisch erzeugt wird … will man uns dann alle zu Kannibalen machen?

Wenn diese Zusammenhänge zwischen Ohnmacht und Gewalt bekannt sind … warum schafft man dann bewusst ein Gesetz, das das Gefühl von Ohnmacht und völligem ausgeliefert sein systematisch bei Millionen von Arbeitslosen erzeugt, eine Ohnmacht, die sogar einen US-Sheriff zu seltsam gewalttätigen Phantasien animiert?

Gut, das dieser Sheriff nicht in Deutschland lebt – hier wäre er schon längst in der Psychiatrie gelandet.

Gut, sehen wir es positiv: in der Psychiatrie wird man immerhin noch besser mit Nahrung und Unterkunft versorgt als in der Arbeitslosigkeit.

Das ist doch immerhin schon etwas – oder? Immerhin, das haben wir gelernt, nochmal Spiegel:

Niemand kommt aus dem Büro des Chefs und sagt: „Ich bin out.“ Immer positiv formulieren, das lernen Unternehmensberater schon im Assessment-Center. „Ich widme mich einer neuen Aufgabe“ oder „Ich mache jetzt mein eigenes Ding“, das hört sich gleich viel besser an. Und die Vorgesetzten spielen das Spiel mit.

Nicht nur die Vorgesetzten … inzwischen spielen wir alle mit – oder werden eingewiesen und machen dort unser eigenes Ding.

Was für ein Wahnsinn.

 

 

 

 

 

 

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