grausam

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Deutschland, Hort der Grausamkeit

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Mittwoch, 25.5.2016. Eifel. „Schreibe doch mal was über Grausamkeit“ – hieß es neulich. Gut gesagt – doch ich denke, ich bin der völlig falsche Mensch dafür. Ich verstehe das Konzept von Grausamkeit nicht, ich bin als Kind schon an „Schadenfreude“ gescheitert. Während mein Vater sich bei „Dick und Doof“ richtig kringelig lachen konnte, bin ich – das seltsame Kind – ruhig und traurig: zwei eher arme Menschen erlitten viel Unheil und taten sich gegenseitig weh … was soll daran lustig sein? Wahrscheinlich mein erster Schritt in die Philosophie mit elf Jahren. Auch heute noch halte ich Schadenfreude für einen Defekt. Ich vermute, dass er bei Menschen auftritt, die selbst viel Übel als Kind erlebt haben, viel Überheblichkeit und Grausamkeit im Leben erdulden mussten und dann erleichtert darüber sind, dass nicht nur ihnen so etwas widerfährt, sondern auch Stan und Olli.

Soviel zur Schadenfreude, die spontan auftritt.

Aber Grausamkeit?

Begegnete mir erst letztens wieder – allerdings immer öfter, seit dem ich die Welten der „Tierschützer“ tangiert habe. Neulich erst: irgendwo auf der Welt verbrennen Menschen einen an einen Baum gehängten Hund bei lebendigem Leibe: eine äußerst grausame Tat. Ich stehe Hunden nicht gerade positiv gegenüber, frage mich manchmal, ob dieses „Bussi-Bussi-Hasi-Mausi“ nicht eine Vorstufe von emotionaler Sodomie ist – aber da hat der Hund ja nichts mit zu tun. Womit er zu tun hat: er ist Waffe gegen Tier und Mensch. Nicht selten hatte der Adel früher den Sport, mit Hunden Menschen zu Tode zu hetzen (Tiere sowieso), auch heute noch wird er als Werkzeug der beständigen und gezielten Provokation seiner Umwelt eingesetzt: durch Verkotung der Umwelt oder ständiges Ankläffen der Bewohner menschlicher Siedlungen, von denen immer wieder welche zu Tode kommen, vor allem Kinder. Seltsam, dass wir diese Haustiere immer noch in menschlichen Siedlungen dulden, wo sie doch den Tod bringen können. Seltsam, dass Menschen sich solche Haustiere anschaffen – und sich dann noch für „gut“ halten. Und da begegnet uns schon Grausamkeit: wenn Herrchen (und ich denke, in diesem Wort steckt viel Wahrheit drin: jemand, der gerne HERR geworden wäre, aber mangels irgendwelcher persönlicher Qualifikationen reichte es nur zum „Herrchen“ – mangels Anhängern wurde eben ein Hund gekauft, der nicht widersprechen kann und dem Führerchen brav folgen muss) sein Hundchen Kinder ankläffen läßt und sich über ihre Ängste freut (und sich in einem wohligen Gefühl von Macht badet, die er dank „Bussi-Bussi-Hasi-Mausi“ hat).

Selbst schlimmere Vorfälle lassen den deutschen Hundewahn nicht abschwellen: es kommen in Deutschland mehr Kinder durch Hunde zu Schaden als durch islamischen Terrorismus, für dessen Bekämpfung wir Milliarden ausgeben. Ja: ohne Herrchen frisst Hundchen gern Gesichtchen (siehe zum Beispiel eine ältere Sammlung bei t-online). Ich hoffe hier sehr auf Aktionen von Veganern, die dafür sorgen, dass diese unnützen und gefährlichen Fleischfresser aus der Öffentlichkeit (und vom Erdboden) verschwinden: ich mag nämlich Menschen und vor allem hilflose kleine Kinder, die ihr Leben noch vor sich haben.

Ich weiß nun nicht, was jener Hund getan hat, der mit dem Flammenwerfer geröstet wird. Vielleicht vorher auch einem Baby den Kopf abgebissen? Sowas kann schon Zorn erzeugen – aber Zorn allein erklärt doch noch keine Grausamkeit. Ein schneller Schuss in den Kopf, ein Schlag mit der Machete und die Bedrohung der menschlichen Zivilgesellschaft ist aus dem Weg – aber gezielt und bewusst Schmerzen in größtmöglichem Ausmaß zufügen? Vielleicht ist dort aber auch lebendig gerösteter Hund eine Delikatesse – wie bei uns der lebendig gekochte Hummer?

Ich denke, wir sind uns klar darüber: das gezielte, absichtliche und oft genussvolle Zufügen einer größmöglichen Menge Schmerzen können wir doch als „grausam“ bezeichnen? Nicht besser waren übrigens die Kommentare der hundeliebenden Tierschützer: sie verlangten allen Ernstes, dass die Täter ebenso bei lebendigem Leibe gegrillt werden sollten – halten sich aber „ethisch“ für enorm überlegen, dabei sind sie wegen Verrat an der eigenen Art und erwiesener absichtlicher Grausamkeit unterste Schublade im Rahmen der gesammten Natur. Ethisch betrachtet. Die übliche Argumentation „ich habe mal einen Hund gerettet, deshalb in ich gottähnlich“ lassen wir mal außer Acht.

Braucht man Zorn für Grausamkeit? Und: sollten wir die Antwort auf diese Frage nicht lieber der Psychologie überlassen? Auf keinen Fall: Psychologie ohne Philosophie führt nicht weit: ohne Beschreibung von Welt und Menschenbild werden die Deutungen beliebig – aber man kann endlos lange diskutieren und Steuer- und Beitragsgelder verprassen … und erst recht ewig „behandeln“. Was war der Aufschrei groß, als die erste philosophische Praxis von Gerd Achenbach drohte, die ganze Pychoindustrie auszuhebeln: drei Besuche bei ihm und eine zehn-Jahres-Patienten konnte ihre teuren Therapien gesund und lebensfroh abbrechen: es war nur der Rahmen (das Weltbild) falsch, nicht der Inhalt (der Mensch). Es ist schon ein Unterschied, ob Sie mit ihrer Geistersichtung zu Sigmund Freud gehen (für den Sie dann ordentlich einen an der Waffel haben) oder zu Carl Gustav Jung (dessen eigene gruselige Erfahrung in Fanny Mosers Werk „Spuk“ Anfang der fünfziger Jahre beschrieben wurde – eine exzellente wissenschaftliche Arbeit des hoch angesehenen Wissenschaftlers).

Wir haben ja gerade wieder einen Fall von Grausamkeit in Deutschland  – sogar einen Fall weltweit äußerst seltener Grausamkeit (siehe Spiegel):

„Seel habe nach außen ein ganz normales Leben gelebt, angepasst, berufstätig, musisch begabt. „Ein völlig unbescholtener Bürger““.

Und Sie haben Angst vor Asylanten? Also – ich mache mir eher Sorgen um die „normalen“, „angepassten“, „berufstätigen“, „völlig unbescholtenen“ „musisch begabten“, denn die schlachten gerne mal ihre Mitbürger, sogar so, dass es ins Guinessbuch der Rekorde passt (siehe Spiegel):

„Der Täter hatte Tristan im Bachbett die Kehle durchgeschnitten, ihn ausbluten lassen, ihn regelrecht geschächtet, ihn im Anschluss in den Tunnel gezogen und ihn dort verstümmelt. Das dokumentierte Verletzungsbild ist weltweit einmalig.“

Wer sich übrigens auch Gedanken über die normalen, angepassten, berufstätigen, völlig unbescholtenen und musisch begabten Mitbürger macht, ist Georg Diez (siehe Spiegel), der beunruhigt auf eine kippende Gesellschaft schaut, die mit „feinem Schweigen“ auf die zunehmende Grausamkeit reagiert. Ach – Grausamkeit erwähnt er ja gar nicht, das habe ich dazu gedichtet – weil es gemeint war. Er beklagt ja den Rechtsruck in Deutschland – wieder einmal – und fürchtet die Folgen. Wissen Sie noch, welche Folgen das waren? Nun: es war staatlich perfektionierte und systematisierte Grausamkeit. Lesen Sie sich ruhig mal den Artikel über Ärzte im Nationalsozialismus durch (siehe Spiegel), zum Beispiel die Meerwasserexperimente von Wilhelm Beigelböck oder die Vivisektionsexperimente von Aribert Heim:

„Für seine sadistischen Anwandlungen ersann er auch eine Forschungsreihe: Wie lange überlebt ein Mensch ohne Leber, ohne Nieren, ohne Herz? Der „Schlächter von Mauthausen“ holte sich schwache und kranke Häftlinge und entfernte ohne Betäubung lebenswichtige Organe.“

Der Facharzt für Meerwasserexperimente leitete nach dem Krieg eine Klinikabteilung in der Bundesrepublik und bildete weitere Monster aus. Sorry – Ärzte. Nicht  Monster.

Ich denke: Sadismus gehört zum Themenfeld Grausamkeit dazu, was meinen Sie? Da sind wir auch gleich wieder bei der Schadenfreude, die … weit verbreitet ist. Ich denke, um Grausamkeit auszuführen, braucht man eine gewissen Lust – sonst kostet sie nur unnötig Zeit.

Es gibt Synonyme für Grausamkeit: diabolisch, entmenscht, gewalttätig, hart, gefühlskalt, erbarmungslos – um nur einige zu nennen (siehe wiktionary). Gilt für Tierquäler wie für Tierschützer, die gerne Menschen quälen möchten. Machen Sie sich mal die Freude, bei Facebook die „Tierschützerseiten“ aufzusuchen: ich verspreche unangenehmen, gefühlskalten, erbarmungslosen, gewalttägien entmenschten Grusel. Da sind die angepassten und normalen, die Menschen zum Foltern suchen. Noch haben sie nicht den richtigen politischen Rahmen dazu – aber wenn ich Georg Diez trauen darf, sind wir ja gerade wieder auf dem Weg dahin. Habe ich vor 14 Jahren schon gesagt, als ich die ersten öffentlichen Artikel gegen Hartz IV schrieb (das man damals „Workfare“ nannte), damals wurde ich noch als Düsterseher ausgelacht – 14 Jahre später ist das Thema beim Spiegel.

Lacht noch jemand?

Klar: die Grausamen. Gibt Millionen davon – schauen Sie sich nur die Reaktionen auf „Arbeitslose“ an, sogar der Spiegel respektiert, dass die nicht beim Namen genannt werden wollen, weil sonst Verfolgung droht (siehe Spiegel). Sicher, man formuliert es fein (so fein wie das von Georg Diez beschriebene Schweigen), spricht von „Stigma“: aber es ist allen klar, es geht wieder darum, Ziel von Grausamkeit zu werden, wie bei jenen 40 Roma, denen der feine Arzt Meerwasser zu trinken gab, damit sie wirklich auf elendigste Weise verrecken. Ja: sowas durfte in Deutschland dann weiter praktizieren und sich dumm und dämlich verdienen.

Das ist Ihnen zu übertrieben? Ich empfehle Ihnen: schauen Sie bitte ganz genau hin; lesen Sie die folgenden Zeilen bitte mit Bedacht (siehe 3sat):

„Ein disqualifizierter Konsument hat einen ganz anderen sozialen Status als die industrielle Reservearmee. Ein disqualifizierter Konsument ist völlig nutzlos“, so Baumann weiter. „Ein hoffnungsloser Fall für die Gesellschaft. Wenn man absolut zynisch ist, würde man sagen, unserer Gesellschaft ginge es viel besser, wenn diese armen Menschen, die keine richtigen Konsumenten sein können, einfach verschwinden würden.“

Oder wenigstens noch als Versuchskaninchen für die Ärzteschaft dienen, wie aktuell  die Demenzkranken.

Es geht dort um „Abfallmenschen“ … um Menschenabfall. Was das mit Grausamkeit zu tun hat? Nun – eine Voraussetzung für Grausamkeit ist mangelnde Empathie – sagt Wikipedia. Der Artikel ist auch deshalb interessant, weil wir wieder auf den Hund zurückkommen – in der Erläuterung des Begriffes „bestialisch“, der als „Steigerungsform von Grausamkeit“ gilt:

„bestialisch aus dem Lateinischen: Bestia – das wilde Tier, fusst historisch auf der Beobachtung von carnivoren Prädatorn, fleischfressenden Beutejägern, die ihre Beute nach dem Schlagen mit Zähnen und Krallen aufbrechen und stückweise ausweiden“

Ja, das sieht nicht schön aus, sowas. Ich durfte das mal erleben – im alten Löwenpark von Westerholt in Westfalen, als Löwen Wölfe gerissen hatten. War ein Riesenskandal damals. Davon finde ich allerdings nichts im Internet. Sah grausam aus. Ich könnte dazu jetzt auch wieder ein paar Geschichten von Ärzten im Dritten Reich erzählen, die das mit Abfallmenschen gemacht haben, die zu nichts mehr Nutze waren – aber lassen wir das. Bleiben wir in der Gegenwart, wo „Lebensmittelretter“ hohe Strafen drohen, weil sie weggeworfene Lebensmittel aus Containern retteten (siehe Netzfrauen). Auch grausam, oder? Im Sinne von kalt, empathielos, vernunftlos, erbarmungslos. Da hungern Menschen in Deutschland, werden selbst zu „Abfall“ – aber wer wertvolle Lebensmittel aus dem Abfall retten will, wird bestraft. Gilt vielleicht auch bald für jene, die wertvolle Menschen aus dem Menschenabfallkorb herausholen wollen.

Eine Gesellschaft im Vernichtungswahn: 82 Kilo Lebensmittel werden pro Bürger pro Jahr weggeworfen (siehe Spiegel), dass sind 18,4 Millionen Tonnen im Jahr (siehe Spiegel), während jeden Tag 18000 Kinder unter fünf Jahren verhungern (siehe Zeit):

„Diese Zahlen sind alarmierend, aber man liest und hört wenig darüber. Oder man hört darüber hinweg.“

Grausam, oder? Wie wir das ignorieren, gleichzeitig aber die Lösung des Problems sabotieren, in dem wir Lebensmittel an uns saugen, um sie zu vernichten. Ganz kalt, emotionlos. Aber 20 Millionen fleischfressende Haustiere halten: das geht. Darf ich das jetzt eine systematisch menschenfeindliche Kultur nennen? Mit langer Tradition? Man könnte glatt antideutsch werden, wenn man das liest.

Ach ja – die fehlende Empathie. Klassisches Merkmal eines Psychopathen, eines „sozialen Raubtieres“. Jene „Wölfe im Schafspelz“ (oder Hunde mit Krawatte) wandeln unter uns:

„Sie sind skrupellos und ohne jedes Mitgefühl. Ihre Persönlichkeit zeichnet sich durch egozentrisches, selbstherrliches Verhalten aus. Sie betrügen, demütigen, verletzen und töten. Ohne Emotionen, aber mit vollem Bewusstsein. Psychopathen. Soziale Raubtiere, von denen nicht wenige in unserer Gesellschaft leben.“ (siehe Deutschlandradio. )

Und fahren SUV. Oder Porsche.

Diesen Verhalten kennen Sie, in der Wirtschaft gebraucht man dafür das Wort „professionell“. Achten Sie mal drauf: immer, wenn jemand einen Mangel ein Psychopathie hat, kritisiert der Chef, er handle nicht „professionell“.

Ach ja: Wirtschaft – sie werden wahrscheinlich nicht überrascht sein, dass sich da ein Kreis schließt: Psychopathen schaffen es auffällig oft ins höchste Management (siehe Zeit). Jetzt verstehen Sie vielleicht, wie man fette Boni kassieren kann, obwohl der Betrieb fast pleite ist: wir haben es mit Hunden in Menschengestalt zu tun. Also: Raubtieren. Sie schaffen es wohl auch in höchste Regierungsämter, wo sie gar nicht verstehen, warum ihr Handeln – als „alternativlose Sozialreform“ getarnt – von so vielen Menschen als grausam empfunden wird. Ich vermute mal: suchen Sie einen Menschen, der andere wegen ihrer „Sozialromantik“ lächerlich macht, und Sie haben einen Psychopathen gefunden.

Das wir hier in der Menschheitsgeschichte äußerst schräg laufen, haben schon andere gemerkt. Aus Zeitgründen zitiere ich mal nicht das mir vorliegende Original, sondern Wikipedia:

„Forbes stellt demnach die weltweit bestehenden gesellschaftlichen Probleme wie Armut und Obdachlosigkeit, Hunger und Leid sowie die Zerstörung der Umwelt in den Kontext der westlichen Gesellschaftsform, die sich selbst „zivilisiert“ und „kultiviert“, „frei“ und „sozial“ nennt. Tatsächlich würde der Kapitalist jedoch – wenngleich in der Regel nicht direkt, sondern über eine Wirkungskette im System – rücksichtslos das Eigentum, die Gesundheit und das Leben Anderer konsumieren, um gut zu leben, ohne selber viel dafür tun zu müssen. Dies sei alles andere als zivilisiert und eher vergleichbar mit einer entarteten Form des Kannibalismus. Die negativen Aspekte der modernen Welt haben nach Forbes‘ Ansicht global gesehen ein enormes Ausmaß angenommen und zeigten eine Tendenz zu weiterer Verschärfung. Daraus schließt er auf die Krankhaftigkeit des Systems beziehungsweise der Menschen als verantwortlich handelnder Subjekte.“

Forbes ist Indianer. Mit Doktortitel. Er greift in die Kiste indiansischer Mythen und Legenden, wo er den Wétiko oder Wi´tiko findet (anderen als „Wendigo“ bekannt), einen bösen Geist, der – wenn er in Menschen fährt – zu Kannibalismus verleitet (das erwähnt Wikipedia leider nicht, weshalb ich das hier mal ergänze) … womit wir wieder bei dem grausamen Massenmörder von Tristan sind, auf dessen Rechner man unter 30000 verstörenden Bildern auch welche von Kannibalismus gefunden hat (… ich denke jetzt mal nicht darüber nach, wie die produziert worden sind).

Forbes’ Weltanschauung geht hart mit der westlichen Zivilisation ins Gericht. Seiner schonungslosen Analyse zufolge ist die Geschichte der Europäer untrennbar mit der Faszination für das Böse verbunden, die er als „Mátchi-Syndrom“ (Cree-Dialekt für teuflische Verdorbenheit) bezeichnete. Dies führe zu einem Mangel an Empathie und in logischer Konsequenz zu Egoismus, Habgier und Gewalt.

Gut – wir verachten Forbes´ Philosophie als „Anarchoprimitivismus“ – wohl wissend, dass wir für unsere Kapitalismus 1,5 Planeten bräuchten, aber nur einen haben – was noch sehr grausam für viele Menschen werden wird, uns aber egal ist. Er schrieb sein Werk 1981 – rot-grün setze es 2005 in die Tat um, wir taten uns am Eigentum der Arbeitslosen gütlich wie zuvor an dem der Juden. Er würde das für grausam halten – ebenso grausam wie die Tatsache, den Armen täglich die Warenflut vor Augen zu führen, die niemals niemals niemals mehr für sie gedacht ist.

Oder das wir die so selektierten Menschen entwürdigend und demütigend unsere Abfälle an den „Tafeln“ präsentieren, wo sie lange anstehen müssen, um Abfall essen zu dürfen, den sie auch noch bezahlen müssen – weshalb ja „Containern“ verboten ist, denn daran kann man nicht verdienen. Die „primitiven“ Indianer würden so nie mit ihren Mitmenschen umgehen. Aber die jagen und essen auch Tiere, können also nur böse sein und nicht so gut wie „wir“.

Wo sind wir nur gelandet? Nur ein paar Gedanken über „Grausamkeit“ – und schon stecken wir in tiefster Gesellschaftskritik, ja, sind Anhänger und Protagonisten eine Kultur, die als die böseste der Menschheitsgeschichte angesehen werden kann (auch jene, die sich nur „vegan“ ernähren): obwohl wir so lieb zu unseren Hunden sind. Und zu den Katzen, nicht zu vergessen, die laut Captain Paul Watson von Sea Sheppard inzwischen mit die gefräßigsten Meeresräuber sind – weil ihre Herrchen und Frauchen sie mit Massen an Fisch füttern, mehr, als alle großen Seeraubtiere zusammen vertilgen(siehe Facebook).

Auch grausam, oder? Die Vernichtung der Meere im Dienste der Hauskatze. Früher – diente das Haustier uns, lebte von unseren Abfällen. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher – manche Menschen leben schon von Hundefutter, Millionen wären froh, wenn sie wenigstens das kriegen würden. Auch: grausam.

Kein Wunder, dass wir so oft auf die Philosophie treffen, dass der Mensch schlecht und grausam ist – als gäbe es schon nur noch den weißen Mann auf der Welt, wie viele es gerne hätten. Die Indianer hatten es da leichter: der grausame Mensch – als eine ganz seltene Spezies – war nur in der Gewalt des Wendigo, eines bösen Geistes, den der Schamane vertreiben konnte. Vielleicht hätten wir die nicht auch ausrotten sollen … aber sie hätten den herrschenden Wendigos ja auch fürchterlich im Wege gestanden, diese friedlichen, sozialen, ökologisch nachhaltigen „Anarchoprimitiven“ mit ihrem „Aberglauben“.

Unser grausamer Mensch ist nicht mehr selten – er ist Norm geworden, Handlanger eines kannibalistischen Systems, dass Milliarden Menschen und den ganzen Planeten zu vertilgen droht.

Und viele Menschen merken das: nicht umsonst sind Zombie-Filme so beliebt – sie entsprechen unsere emotionalen Wahrnehmung in einer gefühllosen und damit leblosen Menschenfresserkultur. Und in jener Zombiekultur ist Grausamkeit (also: „Professionalität“) erste Bürgerpflicht, will man nicht selbst zu den abfallfressenden Abfallmenschen gehören.

Merke schon: ich hätte mir keine Gedanken über dieses Thema machen sollen.

Schaue jetzt eigenartig beunruhigt auf die Häuser unter mir.

Ob da auch schon Leichenteile in den Garagen liegen?

Hunde haben die. Höre ich bis hier oben bellen, jeden Tag. Meistens – kläffen die Menschen an, die friedlich ihres Weges ziehen … aber trotzdem immer etwas mehr Adrenalin als sonst ausschütten (oder einfach Angst haben), wenn sie den Lärmattacken ausgesetzt werden.

Interessiert aber auch keinen.

 

Hartz IV, die deutsche Grausamkeit und Alternativen

Grausamkeiten sind ein relatives Thema. Während in Deutschland schon das Streichen von Steuererleichterungen als Grausamkeit gilt, hat man da sogar schon im europäischen Ausland ganz andere Vorstellungen.  Die Franzosen zum Beispiel: die finden es grausam, bald bis zum Alter von 62 arbeiten zu müssen. Sie hätten sich in dieser Frage ja an Deutschland orientieren können uns sich freuen, das sie schon die Beine hochlegen können während wir noch fünf lange harte Jahre vor uns haben, damit Brüssel die Kosten für die EU-Erweiterung wieder ´reinkriegt und noch ein paar Prestige-Bauobjekte anleiern kann – aber das wollten die Franzosen ja nicht.

Lieber drehen sie dem ganzen Land den Sprithahn zu, damit auch alle was davon haben.  Die französischen Politiker … würden laut Welt gerne das Volk tauschen:

In dieser misslichen Lage blickt mancher reformfreudige französische Politiker mit einer Mischung aus Neid und Ehrfurcht nach Deutschland: Das Nachbarland hat die Rente mit 67 eher geräuschlos eingeführt, während in Frankreich vorrevolutionäre Zustände ausbrechen, wenn das Rentenalter von absurden 60 auf immer noch gemütliche 62 Jahre angehoben werden soll.

Was an einer Rente mit 60 „absurd“ sein soll und was an einer Rente mit 62 „gemütlich“ ist, bleibt ein Geheimnis des Autors dieser Zeilen. „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ schrieb dereinst Emanuel August Geibel und es scheint, als würden die Medien seine Träume jetzt wahr machen wollen, während andere fürchten das an der neuen deutschen Barbarei die Welt zugrunde geht.

Deutsche Barbarei, deutsche Grausamkeit hat uns laut Welt einen festen Platz in der Medienwelt beschehrt:

Der böse Deutsche – ob als SS-Angehöriger oder als Wehrmachtssoldat – hat einen festen Platz in Hollywood oder in anderen Studiolandschaften. Seit an Seit steht er mit dem Desperado, dem verschlagenen Indianer, dem Mafiakiller oder Kokaindealer. Er gehört zu einer dieser Figuren, bei denen man nicht mehr viel erklären muss: Klar, hier wirkt ein Dämon.

Im Kino, dem Märchen der Moderne, hat der virtuelle Nazi auf der ganzen Welt die Rolle der bösen Stiefmutter übernommen. Blut, Tod und Grausamkeit heißen die Chiffren, die sein Spiel bestimmen.

Nazi-Grausamkeiten sind von anderem Kaliber als reduzierte Steuererleichterungen oder längere Arbeitszeiten … allerdings sind beide Erscheinungen auch Formen reduzierter Möglichkeiten zur freien Lebensentfaltung. Wer Arbeitsplätze schafft, in denen der Mitarbeiter jeden Tag acht Stunden in fensterlosen Betonlöchern arbeiten muß (zum Beispiel im Universitätsklinikum Aachen) zeigt schon eine gewisse Ignoranz gegenüber seinen Mitmenschen, die dicht neben der Grausamkeit liegt … früher lebten nur Gefangene so.  Für mich persönlich wäre das eine (seichte) Form von Folter und wäre kaum noch unter die Kategorie „Arbeitsplatz“ einzusortieren.

Dort jedoch gehen die Menschen freiwillig hin weshalb man an Kritik sparen muß. Es sind jene Momente, wo man verstehen kann, wieso Arbeitslose sich glücklich schätzen können und wieso ihnen manchmal so ein unglaublicher Hass entgegenspringt: sie haben jederzeit, wann sie es wollen, freien Zugang zu Tageslicht.  Solche seit Äonen gültigen Selbstverständlichkeiten werden in vielen Arbeitsverhältnissen nicht erlaubt, dabei ist Tageslicht wichtig für die Laune und das Immunsystem.

Man weiß, das diese Form von Arbeit zu Krebs führen kann, wie alles was das Immunsystem schwächt. Man weiß, das Abwesenheit von Tageslicht zu Depressionen führt, die tödlich enden können.  Vielleicht ist es so gerade die steigende Arbeitslosigkeit, die die Suizidrate verringert hat: Sonnenschein macht gute Laune, zeigt, es es noch Gutes im Leben gibt, das nichts kostet.

Aus solchen Erwägungen heraus könnte man nun den Verdacht äußern, das Arbeitslosigkeit (sprich Hartz IV) nichts Schlimmes ist, sondern in der Tat jener (schon von Helmut Schmidt kritisierte) verwöhnte Luxuszustand, als der sie immer dargestellt wird. In der Tat: vergleiche ich das Leben eines Arbeitslosen und seine finanzielle Ausstattung mit dem der „Neger“ im Kongo, dann sehe ich da Unterschiede. Vergleiche ich es mit dem vom Islam aussortierten christlichen Müllmenschen in Kairo, so wirken sie geradezu reich – und undankbar, wenn sie wieder mal über ihr Leid klagen. So kann ich – indem ich andere Vergleichsmaßstäbe anlege – jederzeit jede Aussage machen, die mir gerade in den Sinn kommt – oder aber ich wende die Kunst der Hermeneutik an … hier verstanden als die Kunst des „Verstehens“.

Um etwas Verstehen zu können, muß man sich in die jeweiligen Umstände hineinversetzen können – eine Kunst, die oft Frieden hervorbringt, wo zuvor Hass war und die deshalb nicht so oft angewendet wird. Hass ist halt nützlich – für gewisse Kreise bzw. gewisse Menschen. So ist es, denke ich, nicht schwer nachzuvollziehen, das ein gewisses Geschichts- und Menschenbild direkt zum Judenhass und zum Wunsch nach der völligen Auslöschung jener Gefährten des Teufels führt. Gleiches gilt für den Wunsch nach Auslöschung der Arbeitslosen, die an sich leicht mit allen Attributen eines Juden belegt werden können. Nur sind die Kategorien falsch, das Geschichts- und Menschenbild erstunken und erlogen. Wie leicht hätte man da was ändern können … also, jene „man“, die über die Macht des Wortes verfügen und Aufklärung hätten bringen können und wenn nicht dies so doch zumindest Verwässerung der „reinen Lehre vom Untermenschen“.

Doch dies blieb aus in Deutschland … und hier wird es wieder grausam, und das heißt konkret laut synonyme woxikon:

barbarisch, bestialisch, brutal, böse, entsetzlich, gefühllos, gewalttätig, gnadenlos, hart, inhuman, kaltblütig, roh, rücksichtslos, schonungslos, streng

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ – so Franz Müntefering von der SPD … in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit der Ausdruck des Wunsches und des Willens der Vernichtung durch Hunger. Und das ist:

barbarisch, bestialisch, brutal, böse, entsetzlich, gefühllos, gewalttätig, gnadenlos, hart, inhuman, kaltblütig, roh, rücksichtslos, schonungslos, streng … aber führt nicht zum Parteiausschlußverfahren, weil es wohl SPD-Standard-Lehrmeinung ist, während Sarrazin (der vergleichsweise harmlosere Aussagen gemacht hat) als Sau durchs Dorf getrieben wird.

Angesichts von Grausamkeit ist es egal, wie reich man selber sich wähnt oder wie reich die anderen einen deuten … oder auch wie arm man sich fühlt. Grausamkeit verletzt als solche … und nun stelle man sich mal vor, das sich Hartz-IV-Abhängige zurecht als Opfer von Grausamkeit deuten – dann weiß man auch, warum sie nicht wählen gehen.  Die haben andere Probleme, als einer Scheindemokratie auch noch ihre Legitimation zu geben. Sie sind von ihren Mitbürgern verraten worden – ihre Mitbürger, die da historisch gesehen schon mal auffällig wurden und deshalb in der Märchenwelt der  Medien einen festen Finsterlingplatz haben.

Wäre nun wirklich kein Geld da, so könnte man zurecht sagen: gut, da habt ihr Pech gehabt.

Gleichzeitig aber Ärzten (monatliches Durschnittseinkommen: 10000 Euro) 1000 Millionen Euro mehr zu geben (dann eben 10500 Euro) während man für die Kinder von Arbeitlosen noch Dankbarkeit erwartet, weil man ihre Regelsätze nicht kürzt hat mit Gerechtigkeit nichts mehr zu tun.  So laufen die einen ohne Zukunft in Lumpen durch die Gegend während die anderen vor lauter Geld nicht wissen wohin damit. Ärzte und Arbeitslose sind Nutznießer des Umverteilungssystems (darum nehme ich gerne Ärzte als Beispiel, die vor zweihundert Jahren noch als arme Friseure durch Deutschland reisten) und es gibt prinzipiell keine Begründung dafür, weshalb ein Arzt soviel Geld zum Leben zugeteilt bekommt wie 25 – 30 Arbeitslose.  Wenn Hartz IV so üppig ist, dann sollte das zehnfache doch ausreichen um einen Arzt glücklich zu machen – immerhin hat der Medizin studiert um Menschen zu helfen, nicht um Millionär zu werden.

Wenn Hartz IV so üppig ist, wie manche glauben, dann könnte man auch die Bezüge von Politikern, Professoren und anderen abhängig Beschäftigten daran orientieren, gleichfalls können zukünftige Lohnforderungen ja auch geringer ausfallen.

Wenn als ein Professor in Zukunft dann 1000 Euro im Monat bekommt (plus Kosten für billigste Unterkunft und 17 Grad in der Wohnung), dann sollte er sich reich schätzen, ebenso ein Abgeordneter oder ein Richter.  Kein einziger Euro in diesen Beschäftigungsverhältnissen wird selbst erwirtschaftet, womit die Ansprüche auf überbordenden Reichtum schon recht fremd anmuten können – aber trotzdem seltsamerweise gerne erfüllt werden. Ich finde auch, das eine Bundeskanzlerin mit 2000 Euro Netto gut bedient ist.  Das ist viel Geld.

Das würde natürlich insgesamt die Kosten für Arbeit in diesem Lande enorm senken, weshalb ich glaube, das die Unternehmerverbände sich der Bewegung anschließen werden … oder, halt, nein. Für einen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank wären dann 5000 Euro im Monat schon sehr sehr üppig, die gewohnte Million aber noch sehr weit weg.

Und wenn die ihre Millionen wollen … dann müssen sie ihren Erfüllungsgehilfen auch was besorgen. Und darum – ist nicht Hartz IV Maßstab für das Überleben, sondern … Ackermann 3000.

Und deshalb ist Hartz IV Ausdruck gesellschaftlich gewollter Grausamkeit. Wir alle greifen in die Vollen, nur für euch ist nichts da!

Ein rein willkürlicher Akt gewollter Grausamkeit, für den man als Nazigrausamdeutscher doch auch mal die volle Verantwortung übernehmen kann … oder aber man macht Hartz IV zum Maßstab für den Lohnsektor in Deutschland – nicht nur für den Niedriglohnsektor.  Da könnten wir Unsummen sparen.  Wenn wir dann noch die Mehrwertsteuer abschaffen (das ginge dann) ginge es allen gut.

Und wie nennt man Leute auch, die absichtlich nicht wollen das es einem gut geht?

Barbarisch, bestialisch, brutal, böse, entsetzlich, gefühllos, gewalttätig, gnadenlos, hart, inhuman, kaltblütig, roh, rücksichtslos, schonungslos, streng… kurz: GRAUSAM

Das Gegenteil jedoch wäre … zivilisiert, menschlich, sanft, gut, glücklich, gefühlvoll, friedlich, gnädig, weich, human, warmherzig, kunstvoll, schonend, gütig … kurz: liebevoll.

Ein unerreichbarer Traum, oder? Denn aktuell … streichen wir lieber das Blindengeld als die Diäten zu kürzen.

Aber vorsicht: so langsam scheint die alte Uniform wieder durch. Und letztlich finden das die zivilisierten Nationen um uns herum nicht so toll, auch wenn wir noch so lustvoll „Aufschwung“ stöhnen.


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