Glück

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Vernichtung durch Arbeit: über Söldner, Huren, Leichen und dem Griff nach unserem Wasser

Letztlich haben die Reichen für die Normbevölkerung des Planeten nur drei Verwendungen, nur drei Jobs, die sie dauernd nachfragen. Gebraucht werden wir als Huren, als Söldner oder als Leichen, wobei die Huren vor allem die Söldner bei der Produktion von Leichen bei Laune halten sollen. Einfach mal in die Geschichtsbücher schauen: wo Reichtum herrscht, produziert er automatisch diese drei Berufsgruppen durch Forcierung der Armut, was wiederum geistig weniger stabile Menschen dazu bringt, sich für einen der ersten beiden Jobs zu bewerben - man muss ja essen.

Letztlich haben die Reichen für die Normbevölkerung des Planeten nur drei Verwendungen, nur drei Jobs, die sie dauernd nachfragen. Gebraucht werden wir als Huren, als Söldner oder als Leichen, wobei die Huren vor allem die Söldner bei der Produktion von Leichen bei Laune halten sollen. Einfach mal in die Geschichtsbücher schauen: wo Reichtum herrscht, produziert er automatisch diese drei Berufsgruppen durch Forcierung der Armut, was wiederum geistig weniger stabile Menschen dazu bringt, sich für einen der ersten beiden Jobs zu bewerben – man muss ja essen.

Wer jetzt meint: nein, ich diene dem System nur als Techniker, dem sei gesagt: Technik ist auch nur eine Form von Massenvernichtung. Das wird gerade  in Fukushima demonstriert, wo jetzt noch mehr Brennstäbe vor sich hinschmelzen während die Medien die Hoffnung verbreiten, das man alles im Griff hat, oder in Libyen, wo jetzt Kampfhubschrauber den Einsatz von Bodentruppen vorbereiten.

Wer jetzt meint: ich diene dem System nur als Anlageberater, Verkäufer und Vertreter, dem sei gesagt, das ihn im Prinzip von einer Hure nichts unterscheidet: auch er macht mit seinem Aussehen Geld. Einfach mal in den Spiegel schauen und dabei überlegen, wie das Geschäft in Papas alter Cordhose laufen würde – oder einfach mal drüber nachdenken, was uns zum Burn-Out treibt. Ist ja kein Geheimnis:

Kaum ein Commerzbanker, der das nicht gespürt hätte. 72 Prozent, das ergab eine Umfrage, waren trotz einer Erkrankung zur Arbeit erschienen. Ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland ging krank arbeiten, weil „sonst zu viel liegenbleibt“. Das ergab der jüngste AOK-Fehlzeitenreport. Mediziner nennen dieses Verhalten Präsentismus: Wer immer kommt und lange bleibt, fliegt vielleicht nicht raus. Das ist der Gedanke.

Man verkauft seinen Körper, sein Aussehen, seine Gesundheit – eigentlich sein ganzes Leben … und weil das so ist, muss man schon mal ungewöhnliche Wege gehen, um sich davon zu überzeugen, das noch alles im Lot ist, obwohl man sich beschissen fühlt:

Nichts anderes empfiehlt er ausbrennenden Managern, wenn sie nicht mehr weiterwissen: Sie werben bei sich für sich selbst.

Das dies der letzte Schritt vor dem „Jobcenter“ ist, ist vielen positiv denkenden Unternehmensberatern nicht bekannt. Sie teilen ja auch nicht das persönliche Risiko, noch helfen sie dabei, die eigentlichen Probleme zu beseitigen, obwohl sie bekannt sind:

„Meine Klienten sind Menschen unter starker Anspannung, mit hoher Verantwortung und mit hohen Gehältern. Auch sie müssen seit einigen Jahren mit immer weniger Zeit, weniger Mitteln und weniger Mitarbeitern klarkommen“

Das ist das Prinzip, das seit dreissig Jahren in diesem Land herrscht und seit den neunziger Jahren als Folge der neoliberalen Offensive von Unternehmensberatern auch in den letzten Winkel der Wirtschaftswelt vorgedrungen ist: Vernichtung am Arbeitsplatz. Die gleiche Kaste der Arbeitsprozessschleifer bietet nun Hilfe an, um das von ihnen selbst mit geschaffene Problem ein wenig abzumildern, aber verändern können sie es nicht mehr.

Am Ende des Vernichtungskrieges der Unternehmen gegen ihre Mitarbeiter im Namen der Sachzwänge der Globalisierung steht für den Mitarbeiter das „Jobcenter“ – oder die Frührente, einmal ganz davon abgesehen, das sein Privatleben dann völlig im Eimer ist. „Glück statt Karriere“ können sich nur Menschen erlauben, die einen Platz in einer kleinen Nische gefunden haben:

Scharfsinnig und polemisch analysieren Kitz und Tusch, woran die moderne Arbeitsgesellschaft krankt und untermauern ihre Thesen mit den neuesten Studienergebnissen. Normale Arbeitnehmer, die einfach nur ihre Arbeit verrichten, so die Autoren, sind auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt. Stattdessen verlangen Unternehmen überambitionierte High-Potentials, die ständig über sich hinauswachsen und so die Spirale der Leistungszwänge immer noch weiter drehen. „Wer nur kontinuierlich 100 Prozent Leistung bringt, gilt als Low Performer“, schreiben die Autoren.

„Überambitionierte High-Potentials“ – Menschen, die nur für die Firma denken, für die Firma leben, ja, die letztendlich „Firma sind“ und am liebsten ihren Arbeitsplatz heiraten würden … bis sie letztlich, nach vielen „Coachings“ ausgebrannt in der Gosse landen, weil sie keinen Weg gefunden haben, der Schwäche durch „Altern“ aus dem Wege zu gehen.

Wir kennen diese Entwicklung seit dreissig Jahren. Wir wissen, wo es endet. Und doch – unternehmen wir nichts dagegen. Wie üblich lauschen wir den Jubelgesängen der hochbezahlten Experten:

IW-Direktor Michael Hüther sprach von einem breit angelegten Aufschwung. 61 Prozent der vom IW Köln befragten 2340 Unternehmen wollen ihre Produktion in diesem Jahr hochfahren, 41 Prozent erwarten steigende Exporte und 46 Prozent wollen mehr investieren. „Von alledem profitiert der Arbeitsmarkt. Knapp die Hälfte der Firmen sucht neues Personal, allenfalls 8 Prozent erwägen Kündigungen.“

Dabei wissen wir genau, was das für uns bedeutet: immer mehr Firmen bauen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze ab, um sie durch Minijobs oder Leiharbeiter zu ersetzen – für viel weniger Geld. So erfüllt der Söldner in der Firma seinen Job, der darin besteht, die Personalkosten zu senken und die Arbeitseffektivität zu erhöhen. So verbrennt er sein Personal. „Burn Out“ kommt nicht von innen, das erzählt man nur nicht gern. Verbrannt wird man von aussen.

Wir wissen ganz genau, das dieser Aufschwung an uns vorübergehen wird – vor allem an unserem Konto, siehe Wiwo:

Zwar steigen die Tariflöhne in diesem Jahr zwischen zwei und zweieinhalb Prozent, doch liegen die Zuwächse damit unter der erwarteten Inflationsrate von 2,4 bis 3,0 Prozent. Das berichtet die WirtschaftsWoche. Das Magazin zitiert den Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner: „Die realen Nettostundenlöhne werden, wenn überhaupt, 2011 nur sehr wenig steigen.“ Nach den Worten von Frank Hechtner, Steuerexperte an der Freien Universität Berlin, „dürften die Nettostundenlöhne bei vielen im XXL-Jahr real sogar sinken“.

Letztlich gibt es bemerkbares Gehalt nur für Söldner und Huren, die den Prozess der Vernichtung durch Arbeit begleiten … und Leichen produzieren. Man schau sich mal die Entwicklung der Politikergehälter in den letzten Jahren an – und ihre Zuwendungen durch Lobbyisten. Wir landen wieder … in der Kategorie Huren, was gerade bei diesem Berufsstand besonders weh tut, weil er vom Idealismus getragen werden sollte und nicht vom Honorar.

Und was erwartet uns am Ende des Prozesses?

Da werden wir erleben, das für Länder im Prinzip das Gleiche gilt wie für Menschen: wer ausgebrannt ist, kommt auf den Müll. Aktuell trifft es Griechenland, das jetzt seine Häfen und Versorgungsunternehmen verkauft … möglicherweise sogar seine Wasserversorgung, jedenfalls wenn es sich bei „Athens Water“ um die „Athens Water Supply and Sewerage Company“ handelt, die Athens Versorgung mit Trinkwasser garantiert:

Die Athens Water Supply and Sewerage Company – EYDAP SA ist ein griechisches Wasserversorgungsunternehmen. Die Geschäftsfelder umfassen die flächendeckende Versorgung mit Leitungs- und Grundwasser, die Abwasserentsorgung sowie die Installation, Konstruktion, Instandsetzung, Wartung und Erneuerung von Wasserversorgungs- und Abwassersystemen. Eydap versorgt die rund vier Millionen Einwohner Athens über ein Kanalnetz mit einer Gesamtlänge von 7. 940 Kilometern mit Trinkwasser. Die Abwasserentsorgung erreicht rund 3.300.000 Einwohner und umfasst ein Abwassernetz mit einer Gesamtlänge von 5.800 Kilometern.

Damit wäre der Konzernwirtschaft ein großer Coup geglückt, der in Bolivien zu Volksaufständen und dem „Wasserkrieg“ führte: die Privatisierung der Wasserversorgung. Damit hat man die renitente Bevölkerung Athens völlig in der Hand. Wasser braucht jeder.  Huren und Söldner produzieren Leichen – sagte ich ja.  Darum steht Griechenland kurz davor, seine Angestellten, Beamten, Rentner und Arbeitslosen nicht mehr bezahlen zu können.

Solche Entwicklungen fallen nicht vom Himmel. Sie sind seit langem bekannt – oder glaubt jemand wirklich, das in den Chefetagen der Unternehmerverbände nur Idioten sitzen? Jeder weiß, das bei der grassierenden Umverteilung von Vermögen von unten nach oben unten nichts mehr übrig bleibt und dort dann auch irgendwann kräftig gestorben wird. Griechenland macht das schon mal vor, wenn die Rentner kein Geld mehr bekommen.

Während sich aber der Deutsche unglücklich und unzufrieden an seinem Arbeitsplatz selbst vernichtet und sich wenigstens noch der Hoffnung hingibt, das sein Trinkwasser ihm gehört und Griechenland weit weg ist, fliegt der Pleitegeier schon über die ersten deutschen Bundesländer.

Wie früher schon merken wir, das Söldner effektiver arbeiten, wenn sie keine Kugeln benutzen. Früher wichen wir deshalb letztlich aufs Gas aus, das wird wohl auch für unsere Rentner in Zukunft die humane Endlösung sein – man kann die ja nicht auf der Straße verhungern lassen, sie zu füttern geht aber nicht aufgrund von Sachzwängen wie dem „Lohnabstandsgebot“.

„Vernichtung durch Arbeit“ war aber früher schon das Leitprinzip. Man hat jedoch dazu gelernt und gemerkt, das seine offene Durchführung in Lagern und Uniform nur schnellen und entschlossenen Widerstand hervorruft. Es geht auch leiser … und viel billiger.

Und wir Normbürger?

Können uns entscheiden: entweder als Söldner an der Exekution unsere Staatsstrukturen mitwirken oder als Huren die Söldner bei Laune halten … oder eben als Leichen eine gute Figur machen.

Immerhin: dies ist ein freies Land, wir haben noch die Wahl – solange wir „High Performer“ sind und 300 Prozent bringen.

 


Sybille Berg und die Revolution im Land der Umerziehung

Wenn man "Gesellschaftskritik" sucht, landet man in der Regel bei knallharten "Linken": bei den Marxisten. Nirgendwo sonst ist die Misere des Kapitalismus so sehr ins Detail analysiert worden, wie in den Kreisen des MSB und seiner Verwandten und Bekannten. In jahrelanger Kleinarbeit wurden Texte entwickelt, die so fein ausformuliert sind, das eine Generation von Akademikern notwendig wäre, ihre Botschaft wieder zu entschlüsseln.  Mit solchen Texten stand man 1968 vor den Fabriktoren und wollte Arbeiter begeistern, die einen dann selbst an die Spitze des Staates tragen sollten.

Wenn man „Gesellschaftskritik“ sucht, landet man in der Regel bei knallharten „Linken“: bei den Marxisten. Nirgendwo sonst ist die Misere des Kapitalismus so sehr ins Detail analysiert worden, wie in den Kreisen des MSB und seiner Verwandten und Bekannten. In jahrelanger Kleinarbeit wurden Texte entwickelt, die so fein ausformuliert sind, das eine Generation von Akademikern notwendig wäre, ihre Botschaft wieder zu entschlüsseln.  Mit solchen Texten stand man 1968 vor den Fabriktoren und wollte Arbeiter begeistern, die einen dann selbst an die Spitze des Staates tragen sollten.

So war der Grundgedanke der proletarischen Revolution. Die Arbeiter jedoch … arbeiteten weiter. Der Prolet-Arier war halt auch nur ein Arier – und wie die drauf sind, wissen wir ja.

Nun sind wir einige Jahrzehnte weiter. Die Frage der Revolution stellt sich für uns nicht mehr. Wir haben Aufschwung, Vollbeschäftigung, sind so reich wie nie zuvor … warum sollten wir etwas ändern wollen? Gut, das mit der West-LB ist schon schäbig. Wie die Rheinische Post berichtet, sollen die neue fünf Milliarden Euro bekommen. Die werden wir wieder bezahlen müssen. Aber: wir haben´s ja. Sind laut Welt so reich wie nie, allein im letzten Jahr hat unser Reichtum um fünf Prozent oder 234 Milliarden Euro zugenommen. Man könnte jedem Hartz IV-Abhängigen 33000 Euro zahlen, wenn die Reichen auf ihren Zuwachs verzichten würden. Auf einmal wären die auch gar nicht mehr arm, könnten sich was aufbauen und den Binnenkonsum ankurbeln, was sie endgültig aus der Arbeitslosigkeit holen könnte.

Aber die Arbeitslosigkeit hat sich ja irgendwie von selbst erledigt. Nur noch die wirklich Bösen sind arbeitslos und flüchten vor den Stellenangeboten der Jobcenter. Die Bösen aber … die haben doch eigentlich auch gar keinen richtigen sozialversicherungspflichtigen Vollwertarbeitsplatz verdient, oder? Wollen wir den Bösen wirklich noch Geld in den Rachen schmeissen?

Wofür wir auf jeden Fall Geld haben, das sind die Konzerne. Die haben jetzt einen weiteren Selbstbedienungsladen bekommen, siehe Telepolis:

Der WWF hat den gestern vorgestellten Bericht der Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) als Farce bezeichnet. Im wesentlichen habe die in dem Gremium dominierende Industrie ihn benutzt um sich ihren Subventionsbedarf selbst zu errechnen.

Solche Läden gibt es auch für die Banken, die Landwirtschaft von Adeligen, die Bauwirtschaft und allen anderen Wirtschaftszweigen, die aus eigener Kraft nie einen müden Euro erwirtschaften würden, aber im Schulterschluss mit der Politik gerne aus den Privatisierungsgewinnen des Volksvermögens schöpfen. Was Griechenland und Portugal bevorsteht, haben wir schon längst hinter uns: wir verkaufen mit Verlust an private Gesellschaften, die daraus dann Gewinne ziehen – durch Abbau von Arbeitsplätzen.

Eigentlich sollte sich jetzt schon der Zorn regen, die Wut sollte lodern, stolzer deutscher Geist im Sinne von Luther und Marx sollte sich erheben wider die Mächte der Welt, die Unheil und Ungemach über den Alltag des Bürgers bringen.  In Spanien geht das gerade, dort setzt sich die arabische Revolte fort, siehe TAZ:

Die Facebook-Revolte ist in Spanien angekommen. Unter dem Motto „Echte Demokratie – Jetzt!“ versammeln sich seit dem Wochenende in allen größeren Städten des Landes Zehntausende von Jugendlichen.

In Madrid demonstrierten am Sonntag rund 40.000 Menschen, in Barcelona etwa halb so viele. In weiteren 58 Städten wurden Kundgebungen abgehalten.

Scheinbar hat man dort verstanden, das es um alles oder nichts geht … bzw. um Hartz IV, das so langsam zu einem weiteren deutschen „Exportschlager“ wird, der alternativlos ist, weil die Kanzlerin sonst den Geldhahn zudreht. Die Ausplünderung der deutschen Volkswirtschaft zugunsten der Privatvermögen geht indessen fast unbemerkt in eine neue Runde, siehe Zeitpunkt.ch:

«Die wahren Ursachen der Eurokrise werden vollständig ignoriert. Diese sind eine ungleiche Vermögensverteilung, deregulierte Finanzmärkte sowie Steuerwettbewerb und Steuerflucht – und nicht etwa zu hohe Löhne oder Sozialleistungen. Die Pläne für die ‚Europäische Wirtschaftsregierung‘ werden Europa wirtschaftlich weiter spalten und die politische Krise der EU verschärfen», warnt Steffen Stierle von Attac Deutschland.  «Es ist nicht hinnehmbar, dass weder der Finanzsektor noch Vermögende zu den Kosten der Finanzkrise beitragen sollen, obwohl sie am meisten von den öffentlichen Rettungspakten profitiert haben.»

Noch ein Grund mehr zum Aufstand: hier werden neue Dimensionen der Plünderung der Staatskassen geplant, die uns letztlich alle betreffen werden. Doch weder dies treibt uns auf die Barrikaden noch die Tatsache, das unsere Handys das Bienensterben verursachen, an dem die Welt letztlich elendig verrecken wird – und das hat seinen Grund, wie Zeitpunkt.ch ausführt:

Klamauk-Unterhaltung mit sadistischen Untertönen ist nicht wirklich lustig. Wohin die Kombination aus Verdummungskultur und autoritärer Politik führen kann, zeigt das Beispiel Italien. In der Lebensbeschreibung des italienischen Liedermachers Pippo Pollina fällt dessen Biograf ein vernichtendes Urteil über Berlusconi-Land: «Im Grunde war Italien zu dem geworden, was er [Pippo] am meisten gefürchtet hatte. In nur zwei Jahrzehnten hatte die Macht das intellektuelle Niveau der Bevölkerung in strategischer Manier gesenkt. Damit war das Land manipulierbarer geworden. Der Protest wurde lahm gelegt, Falschinformationen verbreitet und das Hirn der Italiener mit Blödsinn gefüllt, damit sie leichter zu beeinflussen waren.»

Das gilt wohl nicht nur für Italien. Aber in all diesem Chaos, dem Crescendo von Ungerechtigkeit und Weltuntergang, höre ich gelegentlich eine Stimme, die auf eine Art und Weise zur Revolution aufruft, die gefährlich werden könnte, weil sie dort trifft, wo es wirklich weh tut: bei denen, „die es geschafft haben“, jenen Menschen, die automatisch reicher werden, wenn der Aktienmarkt steigt oder sinkt oder sich auflöst, jenen, die soviel haben, das sie jährlich neue Häuser kaufen müssen, um ihren neuen Besitz verstauen zu können, jenen, die den ganzen Tag den Tod fürchten müssen, weil sie täglich mehr zu verlieren haben, wenn er denn dann kommt.

Einblicke in ihr Leben gibt Frau Sybille Berg, die zum Beispiel die Grundbedürfnisse des modernen Menschen treffend skizziert:

Und darum ist es möglicherweise egal, ob es sie gibt oder nicht, die Philosophen, nur so langweilig ist es ohne sie. So grau und reduziert auf unsere Grundbedürfnisse: Fernsehen schauen, essen und meckern.

Noch schlimmer wird es, wenn sie ins Herz der Leblosigkeit der Leistungselite vorstößt:

Früher nannte man es Klassenkampf, heute nennt man es Angestelltenverhältnis: Den ganzen Tag ducken, nach Dienstschluss in eine Bar. Den Stress wegsaufen – und auf den Sommer hoffen: Nicht der Urlaub ist der Ausnahmezustand, der Rest des Jahres ist es.

Oder, wie aktuell, diesem Herz einen tödlichen Stoß versetzt:

Sie haben bemerkt, dass man unauffällig besser durchs Leben kommt. Nicht zu gut sein, nicht zu schlecht, in gemessenem Rahmen kindlich, aber bitte nicht zu laut, Vater hat Rücken. Studieren dann später, BWL, natürlich, ein interessantes Fach, die Säulen der Erde, die Haare haben Sie sich abgeschnitten, ein Mann mit langen Haaren, wie soll das denn aussehen, die Blicke wollten Sie nicht ertragen. Sie sahen ja, wie es denen erging, die auffielen, aus der Masse ragten, obgleich Sie immer wussten, dass da mehr in Ihnen steckt als in der Bevölkerung, Sie waren doch nicht da, um irgendetwas zu bevölkern. Aus Ihrer Angst aufzufallen, gesehen zu werden, abgelehnt vielleicht, entwickelten Sie Ihre Abneigung gegen Menschen, die über eine große persönliche Freiheit verfügten. Denen es egal war, sich unpassend zu kleiden, zu laut zu sein, am Straßenrand zu sitzen und keinen Esstisch zu haben.

Sie haben einen Esstisch?

Sicher, Sie haben auch eine Frau und Sie tragen eine Krawatte.

Warum tun Sie das?

Gefällt Ihnen so ein griffbereites Suizidwerkzeug in der Nähe Ihres Kopfes?

Selten habe ich Worte gelesen, die geeigneter waren, eine Revolution in Deutschland auszulösen – jenseits der marxistischen Debatten. Selten beschrieb jemand die Sinn- und Leblosigkeit der Raubbauelite so treffend mit so wenig Worten – und es trifft dort, wo es Wirkung erzielen könnte. Nicht bei jenen, die standhaft geblieben sind, die alten Idealen treu bleiben, die Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit predigen, sondern bei jenen, die aus diesem Land ein Land der Umerziehung zur Dummheit gemacht haben …. und nun sehen können, was ihr Lohn dafür ist: eine freudlose Fassade ohne Inhalt.

Im Land der Krawattenmenschen gibt es kein Leben, keine Freude, keine Liebe – sondern höchstens ein gewisses Maß an sadistischem Spaß. Für kleine Menschenseelchen ist das nicht geeignet – fragen sie Frau Sybille:

Warum hat Thilo Sarrazin eigentlich so einen Erfolg? Warum jagen uns die Araber so eine Heidenangst ein? Ganz einfach: Weil wir alle längst aus lauter Angst auf Ameisengröße geschrumpft sind. Und wer ganz klein ist, der will nun einmal zurück zu Mutti.

Wenn das alles ist, was uns an der Spitze der modernen Gesellschaftspyramide erwartet … warum dann nicht wieder mal an die Alternative denken, an jene Bewegung, die das „Establishment“ so sehr beunruhigt hat, das sie Boygroups und Models erfanden, um es zu bekämpfen. Sie ist immer noch lebendig, siehe Connection:

Hippieveteranen mit langen Bärten und abgewetzten Hosen, barfuß laufende Kinder mit Rastalocken, Frauen in Batikröcken mit langen, verfilzten Haaren – das sind die Menschen, die in Byron Bay das Ortsbild beherrschen.

Diese Menschen sind schrecklich.

»Die Leute hier denken grün, sie wählen so und handeln auch entsprechend.«

Grün denken und wählen ist ja auch für uns ok, aber grün handeln? Das Handy wegwerfen zur Rettung der Bienen, der Bäume und letztlich der Menschheit? Niemals – nur über unsere Leiche.

Vielleicht … sollten wir aber doch noch mal Frau Sybille lauschen, ob sich das wirklich auch für uns lohnt.



 

Das verlorene Glück der Deutschen

Jetzt geht ja ein Ruck der Hoffnung durch das Land: Der Bundestag hat den Bürger entdeckt. Das war besonders für Regierungsmitglieder schwer, die durch die getönten Scheiben der Nobellimousinen generell kaum noch Kontakt zur Wirklichkeit bekommen und ohne Zuarbeitung diverser Fachreferenten schon allein die Nachrichten kaum noch verstehen würden.

Das man wach geworden ist, hat einen Grund. Trotz der staatlich verordneten Aufschwungeuphorie bleibt der Bürger grimmig. Um das zu erkennen, braucht man eigentlich keine Studien, dazu reicht ein Spaziergang durch die nächstgelegene Einkaufspassage oder ein Blick in vorbeisausende Automobile.  Solche Erfahrungen macht man nicht durch getönte Scheiben … und um sich solche Erfahrungen zu ersparen, tönt man die Scheiben ja gerade und läßt sich die Welt lieber durch den Fachreferenten erklären. Was dieser jedoch von der Welt zu berichten hat, findet sich unter anderem in der Welt:

Es ist schon ein Kreuz mit den Deutschen. Ihre Wirtschaft boomt, die Regierung erhöht ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1,8 auf 2,1 Prozent, und doch sind nur noch 48 Prozent der Bürger von den Vorzügen der sozialen Marktwirtschaft überzeugt, ergibt eine Studie des Bankenverbandes.

Mitte der 90er-Jahre waren es fast doppelt so viele. Heute wollen 90 Prozent sogar eine neue Wirtschaftsordnung, in der Umweltschutz einen höheren hat als bisher und die den sozialen Ausgleich in der Gesellschaft anstrebt, ist das Ergebnis einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung.

90 % wollen eine neue Wirtschaftsordnung? Das heißt … 10 % sind schon Millionäre? Nun, das könnte man ja noch hinnehmen, das hat man ja gewollt: eine superreiche Kaste von Leistungsträgern schaffen, die dann den gesetzgebenden Politikern so richtig dankbar sind, weshalb es mitlerweile zwischen Politik und Wirtschaft einen fliegenden Personalwechsel ohne Rücksicht auf Fachkompetenz gibt. Nun – die hatte man vorher auch nicht, dafür gab es ja Fachreferenten.

Das Grummeln des Deutschen geht deshalb auch weiter:

Das Volk hadert sogar mit der Demokratie. Eine Mehrheit von 65 Prozent traut der Politik die Lösung dringender Probleme nicht mehr zu. Und 60 Prozent sind der Ansicht, Politik werde zu häufig gegen die Wünsche der Menschen gemacht, ergab eine Emnid-Umfrage im Dezember 2010.

Na, das muß man mal positiv sehen: immerhin trauen 35 % der Bevölkerung die Lösung dringender Probleme zu – der Rest hat Hör- und Sehhilfen im Einsatz. Immerhin 40 % meinen, Politik werde ab und zu auch zum Nutzen der Bürger gemacht – hier wirkt wohl noch das katholische Prinzip von „Glauben und Vertrauen“ stark nach.

Natürlich sieht man die Gefahr: die liebgewonnenen Seilbahnen zu den Aufsichtsratssesseln sind bedroht. Da drohte Ungemach – obwohl man es geschafft hat, das die Deutschen 2010 noch länger vor dem Fernseher saßen als die Jahre zuvor. Das Volksverblödungsprogramm „Brot und Spiele“ läuft rund um die Uhr auf allen Kanälen und trotzdem haben die Deutschen noch eine eigene Meinung und nach dieser geht es ihnen schlecht.

Liegt ja vielleicht daran, das der Lohn von dreissig Jahren harter Arbeit darin bestehen kann, das man im Krankheitsfalle seine Ersparnisse aufbrauchen darf, um die Sozialkassen zu schonen. Oder das es immer mehr Kranke gibt, obwohl die Ärzte immer mehr verdienen. Oder das die auch sonst beispielhaften Chinesen mit 60 in Rente gehen, während wir momentan schon bis 67 schuften dürfen und somit noch mehr Chancen haben, vor Erreichen des Rentenalters bei der ARGE zu landen.

Es liegt vielleicht daran, das Familienglück heutzutage bestraft wird – man nennt Familie modern „Bedarfsgemeinschaft“ und erfährt nebenbei, das die ARGE auch eine Trennungsprämie in Form von Alleinerziehendenzuschlägen zahlt.  Vielleicht liegt es daran, das Vater und Mutter sich in 50-Stundenwochen zu Tode schuften und sich von Lehrern als Dank dafür anhören dürfen, das sie keine Zeit mehr für ihre Kinder haben und die zu schlecht auf den Unterricht vorbereitet sind. Möglicherweise liegt es auch daran, das die Medien voll von strahlenden Märchen vom schnellen Geld als Superstar sind, während man selbst seine Kinder für eine Ausbildung als Automechaniker oder Krankenschwester motivieren soll oder viel Geld erwirtschaften muß, um sie nach dem Studium durchs Praktikum zu bringen.

Es mag auch daran liegen, das auch die Berufstätigen langsam merken, das die Jagd nach Wachstum ihnen keine Zeit zum Leben mehr läßt, wie ein berufstätiger Leser in einem Kommentar zu dem Artikel anschaulich beschreibt:

Natürlich bin ich sehr glücklich, weil ich gesund bin und in einer harmonischen Ehe lebe. Das ist auch das Allerwichtigste.
Ich bin aber voll berufstätig und fühle mich ständig überlastet. Die Anforderungen werden immer höher, ich kann nachts oft schlecht schlafen, habe Angst zu versagen und habe keine Freizeit. Ich würde gern etwas kürzertreten, das geht aber nicht bei dem Arbeitgeber. Entweder ganz oder gar nicht, deshalb bestimmt die Arbeit mein ganzes Dasein. Deshalb wäre ich glücklicher, wenn ich alles ein wenig „entschleunigen“ und mal eine Auszeit nehmen könnte. Viele suchen Arbeit, ich habe eine und schaffe es nicht mehr. Man kann es sich nicht aussuchen, aber weniger wäre manchmal wirklich mehr. Man kann nicht immer nur im Turbo funktionieren.

Das sind Erfahrungen, vor denen auch „Führungskräfte“ nicht gefeit sind, wo es sich doch eingebürgert hat, für 50 % mehr Gehalt 100 % mehr Leistung zu fordern, weil es genug Menschen gibt, die diesen Kuhhandel gerne mitmachen, bis sie merken, das sie doch keine Maschine sind und vor allem: altern.

Eigentlich hatten wir das mal so geplant, dass man in der Jugend richtig ´reinhaut, um im Alter dann kürzer treten zu können. Stattdessen gibt es für die Jugend Praktikum und für das Alter Hartz IV.

Kann es sein, das es da Zusammenhänge zum Glücksempfinden gibt?

Kann es sein, das man … nicht zu schnell über die Armen lachen sollte?

Übrigens gelten die Bürger von Bhutan, einem der ärmsten Länder als die zufriedensten der Welt. Bhutan war das erste Land, das das „Bruttoglücksprodukt“ eingeführt hat. Gemessen wird es, indem die Regierung die Zufriedenheit der Bürger mit der Entwicklung von Bildung, Umwelt, Kultur und Sozialem feststellt.

„Man benötigt nicht viel Intelligenz, um einzusehen, dass das endlose Streben nach materiellem Wohlstand in einer Welt mit begrenzten Ressourcen nicht nachhaltig ist“, sagte der bhutanische Ministerpräsident Jigme Thinley einst auf dem UN-Millenniumsgipfel in New York.

Ich fürchte, ich weiß jetzt schon, was uns in Deutschland  in zwei Jahren präsentiert wird: Hartz IV wird umbenannt in Glück 7 – und auf einmal sind alle Deutschen glücklich … oder eben reich.


Frohes Neues Jahr 2011 !

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Wintergrüße

© Jotha

Kanzlerkandidat Steinbrück, die SPD, ihre Wähler, die Ärzte und das Sozialbudget

Spiegel-online verbreitet heute wieder mal das „Ach was bin ich froh das ich ein Deutscher bin“-Gefühl:

Die Wirtschaftskrise trifft auch privilegierte Amerikaner, selbst Absolventen teurer Top-Unis finden keine Jobs. Viele Studenten fürchten, auf ihren Schulden sitzen zu bleiben. Auch Julia aus Deutschland hat sich für einen Edel-Master 50.000 Euro geliehen – zahlt sich das aus?

Da sollte Julia doch noch froh sein: andere zahlten 200000 Dollar und gehören auch nicht zu den 0,5 % die noch einen Job bekommen. Ähnlich wie den US-amerikanischen Studenten geht es auch hierzulande den Langzeitarbeitslosen, allerdings machen die um inzwischen alle einen Bogen – es könnte „Bedarfsgemeinschaft“ drohen und somit hätte man den Arbeitslosen selbst am Hals. Wer kann sich das schon leisten? Auch die SPD soll ja jetzt von Rentern und Arbeitslosen Abstand nehmen … also: noch mehr Abstand nehmen als bisher. Sind ja auch nur knapp dreissig Millionen Wähler, so eine superfest im Sattel sitzende Partei wie die SPD kann auch die locker verzichten, wie man im Handelsblatt lesen kann:

Steinbrück rät SPD zu Teil-Abkehr von Rentnern und Arbeitslosen

Der frühere Bundesfinanzminister und stellvertretende SPD-Vorsitzende Peer Steinbrück rät seiner Partei, sich nicht einseitig auf bestimmte Wählerschichten zu konzentrieren. Die heftige Debatte um Thilo Sarrazin versteht er als Weckruf für alle etablierten Parteien.

Der „Weckruf“ mit seinem künstlich herbeigeführten Medienecho, der das Bild des bösen, häßlichen Deutschen wieder hervorrufen sollte (für den die SPD jetzt viel Verständnis zeigen möchte) , hat Gott sei Dank die Eifel noch nicht erreicht – bei uns, so sagt man, passiert alles hundert Jahre später. Also soll die SPD jetzt nach Steinbrück eine Partei werden, die zum einen am nationalsozialistischen Rand der Gesellschaft herumwühlt und sich zum anderen mit der FDP/GRÜNE/CdU/CSU – Abteilungen der Staatspartei um die fünf Prozent Reiche schart – in der Hoffnung auf Pöstchen und Parteispenden.

Aus der Sicht eines Parteiführers ist das sicherlich ein nachvollziehbarer Standpunkt – wer will schon als Politiker nach seiner Karriere bei Rentnern putzen gehen? Das hält das Ego doch nicht aus. Und nationalsozialistisch ist ja auch irgendwie sozialistisch gewesen – und für Hartz IV hätten die viel Verständnis gehabt. Das wäre denen noch alles viel zu weich gewesen.

Möglicherweise wird der Artikel im Spiegel-online Steinbrück auch zur Abkehr von deutschen  Studenten in den USA bewegen, Deutsche im Ausland leben ja nach Yahoo generell auch gefährlich:

Bei einem US-Drohnenangriff auf Aufständische im Nordwesten Pakistans sind nach pakistanischen Behördenangaben fünf mutmaßliche deutsche Islamisten getötet worden. Insgesamt seien acht Aufständische getötet worden, darunter fünf Deutsche türkischer Herkunft, bestätigten mehrere Vertreter örtlicher Sicherheitsbehörden sowie des pakistanischen Geheimdiensts der Nachrichtenagentur AFP.

„Mutmaßlich“ … das Wort gefällt mir besonders. Mutmaßlich könnte ich auch mal eine Handgranate in eine Nobeldisco werfen, mutmaßlich werden sich dort Kriminelle aufhalten. Aber hier ist sowas ja noch verboten.

Als Wähler für die SPD kommen ja unter anderem noch Ärzte in Frage, denn denen geht es ja laut Yahoo richtig gut. Das Honorarvolumen von 150 000 Ärzten ist höher als das Versorgungsvolumen von sieben Millionen Hartz IV-Abhängigen. Auf einen Arzt kommen fünfzig Langzeitarbeitslose – aber der bekommt deutlich mehr Geld als diese. Und jetzt bekommen die pro Jahr pro Arzt nochmal über 6000 Euro dazu. Macht fünfhundert im Monat – also hundertmal soviel wie ein Erwachsener Hartz IV-Abhängiger.

Kommt aber alles aus dem gleichen Topf – dem Sozialbudget. Und wer wird dafür wieder an die Wand gestellt?

Ungeachtet des Sparzwangs im Gesundheitswesen erhalten die 150.000 niedergelassenen Ärzte 2011 deutlich mehr Honorar: Einschließlich weiterer Einnahmen etwa aus Vorsorgeuntersuchungen können die Ärzte insgesamt mit über einer Milliarde Euro zusätzlichem Honorar rechnen, erklärte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Damit steige das Honorar von rund 32 Milliarden Euro in diesem Jahr auf gut 33 Milliarden Euro im nächsten Jahr.

Womit wir auch wissen, wieviel pro Arzt pro Jahr übrigbleibt: knapp 200000 Euro. Der hätte die 6000 wirklich nicht gebraucht, die Kinder von Langzeitarbeitslosen aber schon.

Ich denke, der Steinbrück weiß was, was ich nicht weiß. Ich schätze mal, da sind grundlegende Änderungen in den politischen Rahmenbedingungen im Gespräch, so ein altgriechisches Modell: Wahlrecht nur noch für Vermögende. Es gab ja schon die Stimmen, die Rentnern das Wahlrecht aberkennen lassen wollten, auch bei Arbeitslosen wäre das denkbar, so nach dem Motto: „Wählen darf nur, wer einzahlt!“.

Auch andere verhalten sich schon so als wäre die Meinung des Wählers langsam schnuppe: die Polizei. Nicht nur in Stuttgart sondern auch in der EU-Polizeiakademie, die laut Welt mit vollen Händen aus den Töpfen schöpft:

Eigentlich sollten sich die Mitarbeiter der EU-Polizeiakademie (CEPOL) in Bramshill bei London ganz besonders dem Gesetz verpflichtet fühlen. Sie bilden hohe Polizeioffiziere aus Europa für Führungsaufgaben aus.

„In der Vergangenheit ist es bei CEPOL zu Unregelmäßigkeiten gekommen. So wurden Autos, Handys oder Möbel der Angestellten für den privaten Gebrauch durch die Agentur bezahlt.“ Chatzimarkakis ist wütend. „Das“, so sagt er, „ist ein klarer Missbrauch von Steuergeldern. Die EU ist kein Selbstbedienungsladen.“

Irgendwie süß, dieser Chatzimarkakis. Natürlich ist die EU ein Selbstbedienungsladen, so wie das ganze Land. 1,7 Billionen Euro Schulden kommen nicht von ungefähr. Die Parteien verstehen es, ihren Funktionären den goldenen Lebensabend zu verschaffen. Wie sollte man es sich sonst erklären, das eine Behörde wie CEPOL  einen Verwaltungsrat mit 27 Mitgliedern hat, die alle von nichts wußten?

Offenbar lässt aber auch die Aufsicht über die Polizeiakademie zu wünschen übrig. Dabei hat der Verwaltungsrat 27 Mitglieder – bei nur 30 Mitarbeitern. Geier: „Es ist der 27-köpfige Verwaltungsrat aus nationalen Beamten, der sich nach seiner Aufsichtspflicht fragen lassen muss.“

Ich bin mir fast sicher, das die was wissen, was wir nicht wissen – sonst könnten die doch nicht alle ihre Rechnungen so ungeniert der Allgemeinheit aufdrücken.

Ich frage mich nur, was das ist?

Auf jeden Fall nicht das Geheimnis des Glücklichseins, denn das liegt laut einer Studie bei Spiegel-online anderswo.

Menschen können ihr Glück selbst in die Hand nehmen – sie sind nicht die Sklaven ihrer Gene. Das hat eine Auswertung von Fragebögen Zehntausender Menschen aus 25 Jahren ergeben. Egoismus schadet demnach der eigenen Zufriedenheit. Andere Faktoren verbessern das Befinden.

Uneigennützige Menschen, die sich sozial oder politisch engagieren, leben glücklicher als Personen, die die eigene Karriere verfolgen und nach materiellen Zielen streben.

Na, dann ist ja alles klar. Jetzt weiß ich auch, warum Polizisten auf Demonstranten einprügeln bis das Blut aus den Augen spritzt und Politiker das gut finden: die sind aufgrund ihre hemmungslosen Egoismus einfach nur unglücklich.

Na, da habe ich ja heute wieder was dazugelernt. Zum Beispiel warum ich so oft so glücklich bin.

Rita Knobel-Ulrich, die NSDAP als Partei der Konzerne, Kerala und die entfremdete Arbeit

Kennt jemand Rita Knobel-Ulrich? Ich schaue ja kein Fernsehen, deshalb kann ich sie nicht kennen, halte sie auch ansonsten für eine recht uninteressante Person.  Ich habe mich mal über sie informiert … wie es aussieht, gehört sie zu der „Kategorie Oberstudienrat“: Von nichts ´ne Ahnung,  zu allem eine Meinung! Und die darf sie regelmäßig veröffentlichen – so bei Anne Will im Jahre 2006.  Da ist sie schon mal wegen Ahnungslosigkeit prämiert worden … und es gab eine Welle von Beschwerdebriefen zu allen möglichen Sendern.  Die NRHZ kümmerte sich darum:

Anlaß war folgende Äußerung:

„Hartz IV alimentiert die Menschen ganz gut. Vater, Mutter und zwei Kinder bekommen 345 Euro pro Erwachsenen, 247 Euro pro Kind, plus Wohngeld, plus Heizung, plus Strom, plus Krankenversicherung. Das sind circa 2.000 Euro im Monat. Das muss man erst mal verdienen! Ein Mann, der vielleicht der einzige Verdiener ist, der im Kindergarten den höchsten Satz zahlt, weil man sagt ‚Du hast ja Arbeit‘, der jeden Tag sieht, dass seine Tankfüllung teurer wird, dem nicht angeboten wird, dass er ein Sozialticket für die U-Bahn bekommt, der muss mit diesen 2.000 Euro ganz schön haushalten.“

Diese Meinung hatten ja damals alle.  Ich wundere mich, das man den Hartz-IV-Abhängigen nicht noch die Kosten für die Infrastruktur aufs Budget gedrückt hat … immerhin gehen ihre Kinder in die Schule, ihre Schuhe beschmutzen Straßen und Gehwege, die auch erstmal geschaffen werden müssen, ihre Hintern sitzen Sitze in Schulbussen platt – das kostet alles.  Damals war Volksverhetzung gegen Behinderte, Frauen und Kinder (daraus setzt sich ja das Klientel hauptsächlich zusammen) ja modern.  Heute jedoch hat die Mehrheit der Bürger – trotz Volksverhetzung durch solche Granaten wie Rita Knobel-Ulrich und Konsorten, die Wahrheit gelernt:

Hartz-IV-Anspruchsberechtigte sollen von 347 Euro oder weniger Gas und Strom zahlen, Telefon und Versicherungen, darüber hinaus auch noch Rücklagen für Neuanschaffungen bilden, Bus- oder Bahntickets kaufen, Praxisgebühren und Medikamentenzuzahlungen leisten. Eltern behinderter Kinder sollen vom Regelsatzanteil der Kinder zusätzlich sogar noch Teile notwendiger Therapiekosten tragen. Nach diesen ganzen Abzügen reicht die Differenz nicht einmal mehr für die Lebensmittel nach Art der „Sarrazin-Diät“.

Das Bundesverfassungsgericht hat gesprochen und gegen die Knobel-Ulrich gabe es Beschwerden, u.a. beim deutschen Journalistenverband, denn: Journalisten haben auch Pflichten:

„Presse und Rundfunk haben im demokratischen Staat die Aufgabe, die Staatsbürgerinnen und Staatsbürger so zu informieren, dass sie am Prozess der demokratischen Meinungs- und Willensbildung teilnehmen können …
Den aus dem Grundgesetz Presse und Rundfunk verbrieften Rechten muss die Pflicht der Journalistin und des Journalisten zu einer sachlichen und fairen Berichterstattung entsprechen…
Aufgabe und Verantwortung von Journalistinnen und Journalisten ist es insbesondere, die Rechte einer jeden Bürgerin und eines jeden Bürgers auf Achtung und Schutz der Menschenwürde, auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und auf freie Unterrichtung aus allgemein zugänglichen Quellen zu wahren…
Ethische Grundprinzipien für die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten sind die Absage an Intoleranz, Rassismus, Totalitarismus und Fremdenfeindlichkeit.“

Die Verbreitung menschenfeindlicher Propaganda gehört nicht zu den Aufgaben demokratischer Journalisten.  Nun, man muß Frau Knobel-Ulrich zu gute halten, das sie damals das gemacht hat, was alle gemacht haben: aus Angst vor der neuen Hartzrepublik erstmal im Chor mit Kanzler und Konzern gegen die Arbeitslosen wettern. Heute sind alle schlauer geworden und man merkt: es ist im sozialen Rechtsstaat nicht so einfach, den neuen diesmal nichtjüdischen Volksschädling zu implementieren.  Das Volk lernt.

Rita Knobel-Ulrich lernt nicht – wie man bei  

Tube sehen kann (übrigens ein klasse Video – mit lehrhaften Kommentaren), schwadronierte sie immer noch von ihrer Familie mit zwei Kindern,  jetzt bekommen die aber nur noch 1200 Euro.  Ich habe mir das mal angesehen. Lohnt sich. Also, nicht die Rita. Für diese billige Propagana und Agitation habe ich kein Verständnis, die empfinde ich als äußerst peinlich und entwürdigend für den gesamten Journalistenverband.  Aber ich sagte ja schon: man sollte sich was schämen in diesem Land.  „Ich kenne da einen Friseur“, „ich kenne da einen Taxifahrer“ …. was sind denn das für Methoden? Ich kenne da einen Bürger, der hält Frau Rita Knobel-Ulrich für ein Arschloch (Entschuldigt das drastische Wort, aber … es kommt ja nicht von mir, sondern von einem Bürger. Und ich glaube, ich finde leicht hunderttausend,  die der gleichen Meinung sind).  Und ich persönlich finde, diese FDP-Trompete sollte nicht mehr mit öffentlichen Aufträgen versorgt werden. Aber so läuft das Geschäft ja: man setzt den Heini in die Talkshow und wenn er seine Arbeit gut macht, dann … gibts auch ein Zuckerchen.

Und für die verläßlichen der asozialen Kampfdackel gibt es sogar nach zwanzig Jahren Volksverhetzung eine Festanstellung. NSDAP war genauso … nur offener, wie in dem Werk „Von Anilin bis Zwangsarbeit“ des Arbeitskreises IG-Farben der Bundesfachtagung der Chemiefachschaften heißt:

Genau einen Monat nach dem Treffen der Industriellen wurde am 20. März 1933 in Dachau das erste Konzentrationslager errichtet. Carl Bosch begrüßte solche Einrichtungen, da in den diversen Arbeitslagern die „verkommene Arbeitslosenjugend“ zu „fröhlichen Menschen, die auf ihre Arbeit stolz sind“ erzogen würde.[93]

Eine interessante Studie des Arbeitskreises, die letztlich dazu führte, das man Geschichte auch anders sehen kann: die NSDAP war nicht der Nutznießer, sondern das gezielte Produkt von Konzernen, die zum Zwecke der  Gewinnmaximierung (Share Holder Value) alle Hemmungen verloren hatten:

Vortrag über die Machenschaften des Zweiten Weltkriegs Beweisstücke des Nürnberger Prozesses gegen den Chemie/ Pharma /Öl-Konzern IG Farben (BAYER, BASF, Hoechst). Die „Meister der Geschichtsverdrehung wollen uns glauben lassen, dass die gesamte Tragödie des Zweiten Weltkrieges auf einen politischen Führer mit einer geistesgestörten Persönlichkeit zurückzuführen ist. Sie erzählen uns, dass dieser vermeintliche Wahnsinnige in der Lage gewesen sei, Millionen Deutsche dazu zu verführen, ihm wie einem Rattenfänger blind in den Abgrund zu folgen.

Die Aufzeichnungen des Nürnberger Pharma-Tribunals von 1947/48 dokumentieren, dass der Zweite Weltkrieg in dem Hauptquartier der IG Farben, geplant und vorbereitet wurde. Das berüchtigte Kartell, das von Bayer, BASF und Hoechst gebildet wurde, war zu dieser Zeit der weltgrößte Chemie-/Pharma-Multi. Um in diesem Bereich das weltweite Monopol zu festigen, finanzierte das Kartell den Aufstieg der NSDAP und ihre Vorbereitung auf die militärische Eroberung Europas und der Welt. Die Direktoren der IG Farben, darunter der Vorstandsvorsitzende Schmitz, hielten engen Kontakt zu ihren politischen Marionetten.

Quelle: Viedogold

Nun werden alle sagen: das kann doch nicht sein? Die werden doch nicht wieder nach der Macht in Deutschland greifen.

Die Frage beantwortet sich leicht selbst: wer ist dafür verantwortlich und wie kann es geschehen, das Frau Knobel-Ulrich vier Jahre lang Lügen erzählen darf und trotzdem auf Kosten der Beitragszahler weiter Filmchen dreht?  Sie arbeitet ja viel für´s  „Öffentlich-rechtliche“.

Konzerne haben die NSDAP mit großem Druck zu „ihrer“ Partei gemacht….und in ihren Aktivitäten während der Weimarer Republik zeigen sich erstaunliche Paralellen zur heutigen Situation:

So waren auch die Ziele der I.G. Lohnkürzungen, Streikverbot und Ausdehnung der Arbeitszeit. Jedoch wollte sie diese nicht wie breite Wirtschaftskreise per Gesetz verwirklichen lassen, sondern sie strebte, um die Arbeiterschaft nicht noch mehr zu radikalisieren, eine stufenweise Entwicklung an. Die Vorgehensweise wird charakterisiert durch das Schlagwort vom Werksgemeinschaftsgedanken. So hieß es in einem Artikel des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie (s.u.), dass man keine Maßnahmen der Brachialgewalt (z. B. Polizeieinsätze gegen Streikende) vornehmen, sondern auf eine geistige Umstellung bei den Gewerkschaften hinarbeiten solle.

Quelle: Arbeitskreis

Diese geistige Umstellung erleben wir gerade auch. Rita macht da fleißig mit, aus den Opfern der Sozialpolitik und der Profitgier der „Heuschrecken“ wurden Täter gemacht: der böse Arbeitslose.  Die Wünsche der Konzerne wurden voll erfüllt….immerhin waren es ihre Leute, die Hartz IV entwickelt haben:

Die Agenda 2010 (auch Agenda zwanzig-zehn genannt) ist ein Konzept zur Reform des deutschen Sozialsystems und Arbeitsmarkts, das von 2003 bis 2005 von der aus SPD und Bündnis 90/Die Grünengebildeten Bundesregierung weitgehend umgesetzt wurde. Als Grundlage der Reform diente der „Wirtschaftspolitische Forderungskatalog für die ersten hundert Tage der Regierung“ der Bertelsmann Stiftung, seinerzeit u.a. im Wirtschaftsmagazin Capital publiziert, dessen Inhalte zu weiten Teilen übernommen wurden.[1][2]

Quelle: Wikipedia

Mal was anderes? Andere Kultur, andere Sitten?

Kerala ist traumhaft schön. Kanäle im Schatten von Kokospalmen, Märkte neben dem Wasser, Kinder, die am Ufer spielen. Geht man die Straßen von Trichur entlang, trifft man auf lachende Augen, wo die Leute zusammenstehen und ein Schwätzchen halten, während die Frauen ihre farbenprächtigen Saris zur Schau stellen. Es gibt zahlreiche Feste. Kehrt man dann nach Europa zurück, ist man schockiert darüber, wie freudlos und niedergeschlagen die Leute alle aussehen.

Es kommt aber noch besser:

Kerala ist einer der ärmsten Staaten Indiens. Trotzdem ist die Kindersterblichkeit dort geringer als in manchen europäischen Ländern, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 72 Jahren (höher als die der Afroamerikaner in den USA), 95 % der Einwohner Keralas, die älter als sieben Jahre sind, können lesen und schreiben. Der Anteil von Menschen, die einen akademischen Grad vorzuweisen haben, liegt höher als in den USA. 82 % der Familien besitzen ein eigenes Haus und können sich drei Mahlzeiten am Tag leisten.

Quelle: James Bruges, Das kleine Buch der Erde, Riemanverlag 2006, Seite 36/37

So einfach, preiswert und ökologisch nachhaltig kann glückliches Leben sein. Wir jedoch leben anders, wie heute „Spiegel online“ berichtet:

Millionen Deutsche haben innerlich gekündigt, laut einer Umfrage fühlen sich 67 Prozent der Arbeitnehmer kaum noch an ihr Unternehmen gebunden.

Spiegel-Online meint, es wäre die Motivation durch den Chef, die das wieder in Ordnung bringt….und vergißt dabei gerne den Themenkomplex „entfremdete Arbeit“, der uns das Leben erst recht sinn- und zwecklos erscheinen läßt und Arbeit an sich nicht zur Möglichkeit kreativen Gestaltens sondern zur Strafe gemacht hat.

Kein Wunder, das wir unglücklich werden und Gestalten wie Rita Knobel-Ulrich brauchen, die uns Taxifahrern und Friseuren einredet, wie gut es uns doch eigentlich geht.  Ein Blick nach Kerala reicht um zu zeigen: uns geht es nicht gut. Inzwischen geht es armen Indern besser als uns und Menschen wie Rita Knobel-Ulrich wollen, das es so bleibt, wie einem offenen Brief aus dem Jahre 2005 zu entnehmen ist:

es ist interessant, dass gerade in Zeiten anstehender Wahlen „Dokus“ über die Bildschirme der bundesdeutschen Haushalte flimmern, die in ihrer Berichterstattung propagandistisch, einseitig und undifferenziert ausgerichtet sind.

Während der gesamten Zeit war Ihre Reportage durchzogen vom per Television transportierten Feindbild des faulen und asozialen Arbeits-losen. Gezeigt wurde in Pauschalmanier der Langzeitarbeitslose, der auf Kosten der (arbeitenden) Allgemeinheit lebt und lediglich keine Lust zum Arbeiten hat. Gezeigt wurde der Langzeitarbeitslose, der vom Staat „ge-füttert“ wird, selbigen betrügt und in der
„sozialen Hängematte“ ein be-quemes Leben führt, weil er zu den Regelleistungen noch viele Extra- Zuwendungen ein-streicht. Zudem wurde der Zuschauer darüber aufgeklärt, dass man mit Hartz IV fast reich werden, zumindest richtig gut leben kann, wenn man es nur geschickt anstellt. Spätestens jetzt glaubt jeder zu wissen, dass es den Betroffenen noch viel zu gut geht und Schritte wie die mit in der Doku einhergehenden Botschaft zur Einführung von Minimalstversorgung- wie z.B. mit Lebensmittelgutscheinen und die Verabschiedung vom Sozialstaat durch die längst fällige Beerdigung jeglicher Sozialromantik unbedingt zu bejahen sind.

Autorin jener Doku? Rita Knobel-Ulrich.  Die kann man auch öffentlich mieten. Wäre ja vielleicht mal was für eine engagierte Erwerbsloseninitiative:

Wollen Sie Ihre Firma, Ihr Unternehmen, Ihre Dienstleistung, den Ablauf in Ihrem Betrieb einem Kunden, einem neuen Mitarbeiter, einer Gruppe vorstellen, die Ihr Unternehmen besichtigt? Oder vielleicht ein besonderes Geschenk machen?

Wir bieten Ihnen :

  • Firmenporträts
  • Dokumentation eines Projektes von der Entwicklung bis zur Fertigstellung
  • Beiträge für Mitarbeitermagazine
  • persönliche Filme

Tja, noch Fragen, wie in dieser Republik mitlerweile  Politik gemacht wird? Ist alles schon mal dagewesen. 1925-1933 … einfach mal nachschauen, wie die IG-Farben Politik gemacht hat, bevor man an die NSDAP überhaupt gedacht hat.  Wäre nicht unwichtig,  sich das mal zu vergegenwärtigen, denn noch … haben wir die Wahl zwischen Auschwitz und Kerala.


Epikur, die Lust, das lustvolle Leben und das Glück

Selten komme ich in letzter Zeit dazu, mal etwas „Schönes“ zu schreiben, etwas inspirierendes, sinnvolles.

Aber: gemäß einer Leserumfrage waren ja auch „bad news“ gewünscht. Davon gibt es mehr als man gemeinhin denken würde, und schon die, die offensichtlich sind, reichen einem aus, den Tag zu vermiesen.

Wirtschaft, Politik, das soziale Leben, alles verwandelt sich in ein Tollhaus, das dazu entworfen worden zu sein scheint, den Menschen in Angst, Schrecken und Hoffnungslosigkeit verfallen zu lassen.

Über die kleinen Pflänzchen der Hoffnung, die sich aus der Netzkultur ergeben, möchte ich später mal ausführlicher Schreiben. Die Meldung, das meine Internetsoftware auf meinem Computer nicht mehr vorhanden ist, hat mir heute schon mal die ernüchternde Erfahrung beschehrt, wie hilflos man als dümmster anzunehmender User (das genau bin ich: der Prototyp des DAU) solchen Meldungen gegenüber steht – was natürlich die Hoffnung auf eine Netzgesellschaft trübt. Jedenfalls werde ich wohl kaum dazugehören können.

Dem Himmel sei Dank war die Meldung wohl nicht ganz ernst gemeint, sonst könnte ich ja hier auch nicht mehr schreiben. Dafür komme ich jetzt endlich mal dazu, einen kurzen Artikel über den Rat eines alten Griechen zu schreiben, wie man zu einem glücklichen Leben gelangen kann.

Dieser Rat scheint mir willkommen zu sein in Zeiten, in denen Unsicherheit an allen Fronten des Lebens herrscht und man gleichzeitig überschüttet wird durch konzerngesteuerte Glücksphilosophien, die seit Jahrzehnten mit großer medialer Gewalt durch das Land gepumpt werden.

Doch lassen wir den alten Epikur selbst zu Wort kommen, zitiert aus einem Brief, den man in den Schriften des Diogenes Laertius fand (Felix Meiner Verlag, Hamburg 1967, Seite 284).

„Denn nicht Trinkgelage mit daran sich anschließenden tollen Umzügen machen das lustvolle Leben aus, auch nicht der Umgang mit schönen Knaben und Weibern, auch nicht der Genuß von Fischen und sonstigen Herrlichkeiten, die eine prunkvolle Tafel bietet, sondern eine nüchterne Verständigkeit, die sorgfältig den Gründen für Wählen und Meiden in jedem Falle nachgeht und mit allen Wahnvorstellungen bricht, die den Hauptgrund zur Störung der Lebensruhe“.

Die vernünftige Einsicht „lehrt, daß ein lustvolles Leben nicht möglich ist ohne ein einsichtsvolles und sittliches und gerechtes Leben, und ein einsichtsvolles, sittliches und gerechtes Leben nicht ohne ein lustvolles“.

Macht das Leben keinen Spaß mehr … wird auch der Rest egal. Ist der Rest aber egal … gibt es auch keinen Spaß mehr.

Aus der Lust, aus dem Glück kommt die Kraft, einsichtsvoll, gerecht und sittlich zu sein … was wiederum die Voraussetzung dafür ist, glücklich zu sein.

Die Methode dazu ist … Herrschaft über die Bedürfnisstruktur.

Die Antwort auf die Frage: was brauche ich wirklich?

„Das Freisein von körperlichem Schmerz und von Störung der Seelenruhe“ meint Epikur.

Mehr braucht man nicht.

Die Störung der Seelenruhe tritt natürlich schon beim Konsum von Nachrichten und Werbung auf. Nachrichten
beunruhigen uns mit der Botschaft, das bald vorbei ist mit der Schmerzfreiheit … und Werbung suggeriert uns, das wir die Seelenruhe erst bekommen, wenn der neue BMW vor der Tür steht. Denn nur dieser Wagen ist der richtige, der alle unsere Bedürfnisse befriedigen wird.

Je weiter wir unsere Bedürfnisse herunterregulieren … umso leichter werden wir die Seelenruhe erlangen.

Wasser und Brot reichen zum Überleben. Einfach mal eine Woche lang versuchen, noch einen Apfel hinterher -und nach sieben Tagen wird das Stück Erdbeerkuchen mit Sahne dann zu einem unvergesslichen Erlebnis, das man sonst nie gehabt hätte. Oder das Rindersteak mit Schmorzwiebeln. Oder die Tasse Tee.

Je mehr Ansprüche wir stellen (oder je mehr Bedürfnisse wir uns einreden lassen), die wir nicht schnellsten erfüllen können, umso unglücklicher werden wir.

Turbulente Zeiten kann man aber besser glücklich als unglücklich überstehen. Anderen Menschen kann man eher helfen, wenn man selber glücklich ist.

„Bedürfniskunde“ wäre ein begrüßenswertes Schulfach, wo man mit seinen Bedürfnissen spielen kann, Techniken zur Bedürfnismanipulation aufdeckt … und dem Binnenkonsum zugunsten menschlichen Glückserlebens und Lusterlebens einen elementaren Schaden zufügen würde.

Aber die Menschen würden die Seelenruhe zurückbekommen, die man hat, wenn man im Sommer entspannt und sorgenfrei das Glitzern auf der Wasseroberfläche eines Baches beobachten kann, dem Rauschen des Windes in den Blätter lauschen und die wärmenden Strahlen der Sonne auf der Haut fühlen kann.

Dann … kann man gut hinausgehen, und mehr „Sittlichkeit, Gerechtigkeit und Einsicht“ unter die Menschen bringen … und in einer Gesellschaft, wo mehr „Sittlichkeit, Gerechtigkeit und Einsicht“ herrscht, kann man lustvoller den Tag genießen.

Allerdings wird man heutzutage über Epikurs Begriff der Sittlichkeit mehr nachdenken müssen … und andere
Kategorien berücksichtigen als er. Knabenliebe ist heutzutage unsittlich. Aber das konnte er ja noch nicht wissen.

Schmerzfreiheit plus Seelenruhe gleich Glück.

Mehr braucht man erstmal nicht. Mit dem Rest kann man spielen … muß man aber nicht, denn die Seelenruhe ist schnell verloren, wenn man erstmal mit dem Aston-Martin im Geschwindigkeitsrausch ist. Da verliert man schnell die Lust an der Ruhe, die wertvoller ist als der Rausch der Geschwindigkeit…und die Lust am Rausch der Geschwindigkeit richtet mehr Schaden an, als das sie Nutzen bringt, wenn man mal in die Ökobilanz schaut.

Bevor der nächste Krieg kommt und die nächste Form von Gestapo durchs Land streicht, sollte man sich eine gehörige Portion Glück gönnen und die Methoden lernen, es zu erhalten….auch wenn es anstrengend ist, dem Zeitgeist nicht entspricht und man Angst hat, „zu kurz zu kommen“.

Und das heißt: sehr gut abwägen … was möchte ich wirklich meinen zu brauchen, und was brauche ich eigentlich wirklich nicht. Je weniger man von aussen braucht, an Gütern, menschlicher Zuwendung, sozialer Stellung, Weltbildern, etc. … umso besser ist man dran.

Je mehr man braucht … umso mehr dreht man am Rad. Und braucht mehr … und mehr … und mehr …

Reichtum

Reichtum ist in unserer Zeit ein Wert, nach dem alle Streben, so scheint es. Reichtum ist auch eine außerordentlich schöne Angelegenheit, die sehr beglückend wirken kann. Trotzdem wirken Reiche Menschen selten so richtig glücklich. Weniger Reiche im übrigen auch nicht. Arme erst recht nicht.

Für mich bedeutet wahrer Reichtum … obdachlos und völlig Pleite, von Freunden und Familie verlassen, todkrank unter einer Brücke zu sitzen, um der Kälte des Regens entkommen zu können, als einziger Besitz eine billige Flasche Wein, die darüber hinwegtröstet, das man nur noch wenige Monate zu leben hat – Krebs – und dann … sich freuen kann wie Bolle über die Sternschnuppe, die man in dem knappen Ausschnitt zwischen Brücke und Horizont sehen kann.

Riesengroß sinkt sie langsam zur Erde, der Schweif lang und hell, innen orange, außen grün. So wie die, die ich gestern sah. Die größte meines Lebens. Wunderschön.

Ich fühlte mich wie der reichste Mensch der Welt … und hätte mit Bill Gates auf keinen Fall getauscht.

Diese Form von Reichtum läßt sich auch durch Geld nicht zerstören.

Diese Form von Reichtum tragen Kinder noch ganz natürlich in sich. Irgendwann werden sie dann Erwachsen … und in der Regel arm, auch wenn sie noch soviel sinnloses Zeug anhäufen.

Wirklicher Reichtum ist die Kunst, alles genießen zu können, was sinnlich erfahrbar ist, egal, wieviel man davon besitzt. Wem diese Kunst abhanden gekommen ist, der verbringt sein Leben ohne jegliche Lebensqualität in klimatisierten Büros, umdem verlorenen Reichtum nachzujagen.

Ein reicher Mensch kommt dem Himmelreich sehr nahe, wenn er bei dem schmeichelnden warmen Schein eines Teelichts einen Pfirsich kunstvoll in kleine Stücke schneidet und jeden kleinen Bissen auskostet, während arme Säcke bei einem sieben-Gänge-Menü (Kosten: 3000 Euro) das kostbarste verschwenden, was Menschen haben: Lebenszeit.

„Schaut her, was ich habe: müßte ich nicht glücklich sein!“ so tönt aus aus den Egotempeln der Vorstädte, jedoch – schaut man näher hin, findet man arme, unglückliche Tröpfe, die eigentlich durch allen Protz nur eins vermeiden wollen: das man erkennt, das ihre Lebensqualität sich dem Nullpunkt nähert. Und täglich sickert ihre Lebenszeit nutz- und sinnlos in den Sand.

Und wenn es dann zuende geht, das Leben, wenn man nach dem Mal die Rechnung präsentiert bekommt, dann zählt nur eins: das man ein reiches Leben gehabt hat. Schon die Menschen des alten Testamentes konnten sich in Ruhe zum Sterben hinlegen, wenn das Leben reich war. Erlebnisreich.

Für ein reiches Leben braucht man nicht viel Geld. Man braucht auch keine Fernreisen, Statussymbole und erst Recht nicht die Achtung und Anerkennung anderer Menschen, denn der Pfirsich schmeckt nicht besser, wenn man ihn in Kalkutta ist, noch hilft das goldene Tellerchen oder der Applaus der Menge, die meint:
„Oh, schaut, da ist ein reicher Mensch, er hat einen Pfirsich“.

Der Wunsch nach Anerkennung durch andere ist wie ein Pflaster, das die Wunde der Armut überdecken soll,
ebenso wie das goldene Tellerchen den Reichtum zeigen soll, den man innerlich so sehr vermißt.

Die Kunst, reich zu sein … ist die Kunst, glücklich zu werden. Überall, zu jeder Zeit, unter allen Umständen.

Das ist ein Reichtum, der an Schulen und Universitäten gelehrt werden sollte, bevor die Armut in diesem Lande so überhand nimmt, das es in Gewalt ausartet.


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