Glück

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Glücksfall Armut

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Montag, 8.8.2016. Eifel.

Viele Menschen klagen derweil über die Armut, die seit einigen Jahren – oder Jahrzehnten –  mit großen Schritten auch nach Deutschland gekommen ist. Gut – es wird darüber gestritten, was Armut nun wirklich ist. Ich denke, man kann es einfach beschreiben: wenn Kinder an den überall vorhandenen Eis-Geschäften – die speziell ihnen eine große Freude bereiten sollten – gesenkten Hauptes vorbegehen müssen, weil der Preis für drei Kugeln Eis höher liegt als ihr staatlich beschlossenes Ernährungsbudget für den ganzen Tag, dann kann man von Armut sprechen. Oder – wie ich erst letzte Woche wieder erleben musste: wenn gut gekleidete ältere Menschen in den Müllkörben vor dem Kino – erfolgreich –  nach Essensresten suchen und eine halbe Tüte Popcorn als großen Gewinn begreifen.

Diese Form von Armut war lange unbekannt in Deutschland (wie ich munkeln höre, sogar im Krieg – jedenfalls entnehme ich das Götz Alys Werk „Hitlers Volksstaat“), dann kam – ungefragt und unbeschlossen – die „Globalisierung“ wir eine Naturkatastrophe über die entwickelten Länder.

Heute verstehen auch die, für die Globalisierung immer ein seltsames Fremdwort war, was damit beschrieben werden sollte: die Verbreitung der Armut auch in jenen (Staats-)Gemeinschaften, die sie durch große Anstrengungen vergangener Generationen aus ihrem Leben weitgehend verbannt hatten. Und das geschah gezielt, absichtlich, mit festem Willen – immerhin ging es darum, wieder Ausbeutung möglich zu machen, wenn nicht hier, dann eben in China, wo der Kommunismus den Arbeiter mit harter Hand regiert – oder überall dort, wo Gewehre Arbeitsleistung erzwingen –  seien sie nun sichtbar oder unsichtbar.

Es steckte ein Plan dahinter – wie immer und überall, wo „Wirtschaft“ agiert. Ganze Planungsstäbe haben sich damit befasst – immerhin geht es um Geld, viel Geld, um „Investitionen“, die man sich vom Staat gerne absichern läßt. Dort sind es nur kleine Gruppen von Spinnern und Idioten, die beständig vor großen Gefahren warnen, während „die Wirtschaft“ das ganz große Rad dreht – und Armut zum Importgut macht.

Wie konnte es eigentlich so weit kommen, dass wir uns unser gemütliches Leben – für das wir immerhin Revolution gemacht und Könige geköpft haben – so haben madig machen lassen? Und das noch in einer Demokratie, in der wir – eigentlich – der Boss sein sollten? Jedenfalls – sagt man uns das alle vier Jahre so.

Indirekt haben wir vieles vielleicht dem alten Epikur zu verdanken. Dem Glücklichen verkauft man nichts, so seine Erkenntnis, und das hatte zur Folge, dass eine gigantische Industrie ins Leben gerufen wurde, um an diesem Zustand mit allen nur erdenklichen Mitteln etwas zu ändern. Wir wissen das. Dauerhaftes Glück hat mit materiellem Reichtum nichts zu tun (siehe Spiegel), Glück steht dem Kapitalismus sogar extrem im Weg: der Kapitalismus braucht Mangelbewusstsein, das er mit Waren zu füllen gedenkt – jener Mensch, der – bärtig und langhaarig – mit billigem Rotwein auf seinem alten Stuhl sitzt, der schon Opa Halt gab und träumend auf das sonnige Meer hinausschaut, womöglich noch billigsten Tabak rauchend, ist sein größter Feind. Er braucht Armut – vor allem geistiger Art – um die Menschen durchs Leben peitschen zu können, immer mit der Hoffnung versehen, dass sich das wahre Glück mit dem nächsten Kauf einstellen wird.

Mit den finanziellen Mitteln, die aufgewandt und aufgewendet wurden, um dem aufgeklärten Mitteleuropäer überzeugend Bedürfnisse einzureden, hätte man Krankheit, Hunger und Not für immer aus allen Ländern der Erde verbannen können, „Smartphone tötet“ – wäre eine wahre Parole, all´ das, was auf Zigarettenschachteln steht, könnte man auch auf alle anderen Waren kleben. Statt einer besseren Welt wurde eine Gesellschaftsform geschaffen, in der Reichtum, Konsum und Glück in einem Atemzug genannt und als gleich anerkannt werden. Eine historisch unvergleichliche Flut an Gütern ergoß sich über den Erdball, erstickte Natur, Kreativität und Menschlichkeit im Gewande des Glücks- und Heilsbringers. Doch dann zeigte sich …. es war nicht genug für alle da. Die Massen wurden „auf Pump“ produziert … und irgendwann war die Kohle alle – genau wie die Ressourcen des Planeten – und zwar genau jetzt.

Unvorbereitet und mit voller Wucht trifft die Armut (inklusive eines schon fast religiös anmutenden Beigeschmacks von Schuld und Sünde, die der Arme gefälligst in Bezug auf die Gesellschaft zu empfinden hat) nun auf eine Kultur, die Reichtum und Glück gleichsetzt. Die natürliche Folge: es herrscht großes Elend im Land. Flachbildschirme, elektrische Zahnbürsten, Fernreisen nach Dubai und Orangen im Winter sind nicht mehr für jeden erschwinglich.

Angst macht sich breit. Angst vor lebenslangem Unglück, verbunden mit einer tiefen Hoffnungslosigkeit – außer bei religiösen Menschen, denen der ganze Zinnober am Allerwertesten vorbei geht, weil sie einen zusätzlichen – transzendenten – Lebensschwerpunkt haben, der nicht von dieser Welt ist: auch Sie sind Staatsfeind Nummer 1 der Wirtschaft … jedenfalls, wenn sie ihren Lebensansatz ernst meinen (und dazu gehören schon Kornkreisforscher, Ufologen und Menschen, die indianische Heilkünste praktizieren) und so die Aufmerksamkeit ihrer Mitbürger vom Konsum (unserem religös zu deutenden „Goldenen Kalb“) ablenken. Wir sind da inzwischen – bei der Verehrung dieses Kalbes – so weit fortgeschritten, dass wir Geld verschenken und Sparsamkeit bestrafen um den Kult fortsetzen zu können (einfach mal Herrn Draghi von der EZB fragen). Das Geld – eigentlich ja knapp, wegen „Armut“  – wird halt neu gedruckt – in Massen.

Glück gibt es nur durch Konsum. Wer arm ist und keinen Konsumdienst leisten kann – wird unglücklich, landet in den finstersten Höllen des Gemüts. Jedenfalls sagen das alle, zum Beweis werden täglich Arme im Privatfernsehen vorgeführt – als abschreckendes Beispiel.

Aber muß das so sein?

In religiösen Kontexten war Armut oft eine unverzichtbare Vorraussetzung für Glück – in Ost und West.

Das überrascht jetzt, oder?

Den Schleier der Maya (in modernen Mythen die „Matrix“ … die Trilosgie sollte ursprünglich auch kein SF-Märchen werden, aber das war den Produzenten wohl zu heikel – man hätte die Grundfesten des Konsumkultes angegriffen) zu durchdringen, ist für Buddha die zentrale Aufgabe des Menschen. Buddha war kein armer Mann – er war schrecklich reich, doch erkannte schon vor Jahrtausenden die Bedeutungslosigkeit des goldenen Kalbes (vor dem schon die alten Juden warnten – vielleicht mit ein Grund, sie alle vergasen zu wollen).

Als Jesus in der Wüste war, bot ihm der Teufel die ganze Welt an (gut das Ackermann und Konsorten nicht in der Nähe waren…sie wären wohl dankbarere Kunden geworden)… er lehnte dankend ab, schmiß die Händler mit festen Schlägen aus dem Tempel und sprach die weisen Worte, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen würde, als dass ein Reicher ins Himmelreich käme. Für seinen Gefolgsmann Franz von Assisi war Armut eine der zentralen Tugenden – Geld und Kot hatten für ihn den gleichen Stellenwert.

Doch es ist nicht nur die Religion, die ein Lob der Armut ausspricht – und sie ist auch nicht unbedingt der glaubwürdigste Zeuge in dieser Hinsicht,  greifen ihre Priester doch auch nur all zu oft in Goldsäckel, sehr zum Ärger der Gründer jener Weltanschauungen.

Auch die Philosophie hält nicht viel vom materiellen Reichtum – erst recht nicht, wenn es um das Glück geht. Epikur, dem man nachsagte, dass er sich üblicherweise von altem Brot ernährte, um ab und zu an einem Stück Käse himmlischen Genuss empfinden zu können. Diogenes, dem seine Tonne in der Sonne so wertvoll war, das er den großmächtigen Alexander nicht um Säcke von Gold anhielt, sondern ihn nur bat, aus der Sonne zu gehen. Sokrates, dem es ein Genuß war, durch die Märkte zu spazieren und darüber glücklich zu werden, dass es so vieles gab, was er überhaupt nicht brauchte.

Ja – Glücksgefühle entstehen ganz einfach aus Verzicht. Trinken Sie einfach mal drei Tage lang nichts – und normales Leistungswasser wird zur Krönung ihres Lebens. Essen Sie mal eine Woche nichts – ein Stück Schokolade wird zur Offenbarung. Kommen Sie einfach mal einen Monat ohne Sonne aus – nein, das war ein falsches Beispiel. Dies ist ja dieses Jahr Alltag – und ein verständlicher Grund für Urlaub.

Jedenfalls scheint es so, als gäbe es auch noch eine andere Seite der Armut. Und eine dunkle Seite des Reichtums. Die dunkle Seite des Reichtums kennen wir schon: die Welt verödet, die Verwüstung schreitet voran – im Süden durch Absterben des Lebens (war ich eine konkretere Formulierung finde als „das Vordringen der Wüste“), im Norden durch Beton und Müll (den wir aber lieber in den Süden verschicken). Die seelisch dunkle Seite ist: maßlose Gier. Sowas kennen alte Märchen nur als Fluch, der Unglück bringt – weil man immer mehr und mehr und mehr vom Selben braucht, ein Nimmersatt wird – und so immer von Mangel gepeinigt ist, selbst auf der größten Yacht im Hafen. Und die andere Seite der Armut?

Provokant gesagt: Armut ist Vorraussetzung zu seelischem Reichtum und Glück – schon seit Jahrtausenden. Armut – ist die gelebte Herrschaft und Souveränität über die eigenen Bedürfnisse. Hat man die im Griff, bekommt man eine Ahnung, was Freiheit wirklich ist – jedenfalls nicht die Freiheit, sich frei zwischen einer Million nutzlosen, die Erde sinnlos zumüllenden Waren entscheiden zu können.

Vielleicht ist nun der Zeitpunkt gekommen, dass wir uns von den Irrfahrten des modernen Kapitalismus und seines unbändigen Konsumterrors verabschieden und uns auf eine Reise begeben, unser eigenes persönliches Glück für uns zurückzuerobern – auch ohne eine Chance auf die modernste Kaffeemaschine, den raffiniertesten Likör oder das neueste Handymodell.

Es wird Zeit, dass wir die Priester des Kosumgötzen bitten, sie mögen uns aus dem Wege gehen, weil sie uns den Blick auf die Sonne verstellen.

Denn Glück entsteht im Kopf. Und nur da. Wenn wir den erstmal wieder frei haben … ist der Weg möglicherweise nicht mehr weit.

Es wäre wohl für viele Arme eine gute Botschaft, dass sie den ersten Schritt zum Glück gemacht haben – doch sie werden überschüttet mit Bildern, die belegen, dass der Kauf einer elektrischen Zahnbürste zu orgiastischem Grinsen führt. Alles Lüge, weiß jeder – die Grinser sind bezahlte Schauspieler, in deren Köpfen andere Dinge zum Grinsen führen als gerade Zahnpasta (und deren Techniken allein erlauben ihnen schon, mit Not gelassener umzugehen – wenn sie wollen). Was wäre das auch für eine Welt, wo wir stolze, selbstbewusste Arme haben, deren größte Lust das philosophische Zwiegespräch ist? Nun – eine Welt ohne Umweltprobleme, ohne Kriege, ohne Hunger, ohne Burnout, ohne Angst, ohne Leistungsdruck … und eine Welt, die erkennt, dass „shopping“ enorme Verschwendung kostbarer Lebenszeit ist.

Zeit also, mal daran zu erinnern, dass Armut … ein Glücksfall sein kann, der zu wahrem Leben führt. Wer jedoch weiterhin dem Goldenen Kalb anhängt – nun, der wird leiden. Ganz sicher.

Sie wirken irritiert?

Ich werde es Ihnen einfach machen. Wo möchten Sie lieber ihr Leben verbringen: auf einer einsamen, stetig sonnigen Insel im Pazifik, begleitet von einem wunderschönen Seelengefährten im Schatten der Palmen, dem Rauschen des Meeres lauschend oder leicht bist gar nicht bekleidet Wasser und Wärme genießend … oder im Lager bei Amazon, wo es all die guten Güter gibt? Sie brauchen gar nicht zu antworten, ich kenne die Reisestatistiken – und weiß, dass die meisten von Ihnen ihren Urlaub unter Umständen verbringen, die man „arm“ nennen würde, am liebsten an Orten, wo es so gut wie gar nichts zu kaufen gibt.

Das gute Leben – das gelungene Leben

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Freitag, 17.6.2016. Eifel. Gönnen wir uns heute mal eine Pause von der Politik – obwohl die Brisanz der tobenden Degeneration der demokratischen Zivilgesellschaft solche Pausen eigentlich nicht erlaubt. Da werden sozial gesinnte Politiker auf offener Straße erschossen, da werden Massenmorde an Anderslebenden verübt, Kriege von Demokratien vom Zaun gebrochen, in deren Folge Millionen Kinder sterben – alles Taten von Menschen, die sich selbst für bedingunglos „gut“ halten würden, wenn man sie fragen würde. Meine eigene Fragestellung für heute ist jedoch nicht die nach der Moral, nach dem moralischen Leben, sondern eher die Fragen nach dem gelungenen Leben, nach dem vollkommenen Leben, nach dem Leben, wo am am Sterbebett überzeugt sagt: „Na, das hat sich mal richtig gelohnt“.

Eine blöde Frage, ich weiß: aber Philosophen werden speziell an Universitäten zum Stellen blöder Fragen ausgebildet – bis hin zu saublöden Fragen. Wir in Deutschland haben es einfach, hier hat die Regierung angeordnet „Deutschland geht es gut“ – und somit muss sich jeder erstmal rechtfertigen, dem es nicht gut geht (siehe zum Beispiel FAZ). Ja – diesen Terror erleben wir doch alle im Alltag, wagen Sie es doch mal, auf die Frage „Wie geht´s“ nicht – wie vorgeschrieben – mit „gut“ zu antworten, sondern mit „schlecht“: Sie sind gleich ein Abtrünniger, ein Ketzer, ein Ausgestossener … und bald auch ein Arbeitsloser, weil Ihnen der „Teamgeist“ fehlt, womit heute die beständig fortschreitende Maximierung des vorauseilenden Gehorsams gemeint ist. Ach – wir sind jetzt wieder politisch geworden. Wollte ich gar nicht.

Fangen wir ganz von vorne an – mit Diogenes. Dem Diogenes von Sinope natürlich, von dem Peter Sloterdijk meinte, er hätte „die ursprüngliche Verbindung zwischen Glück, Bedürfnislosigkeit und Intelligenz“ in die Philosophie eingebracht (siehe Süddeutsche). Von diesem Diogenes kann man einiges lernen, ist er ja bekannt dadurch, dass er sehr reich war – nicht, weil er viel hatte (im Gegenteil, er suchte die Armut, wo er sie nur fand), sondern weil er Alexander (den Großen, wohlgemerkt), bat, dass er bitte aus der Sonne treten möge – obwohl der ihm gerade Millionen schenken wollte.

Nun – wir wollen uns nicht lange mit Diogenes aufhalten, der masturbierte auch in der Öffentlichkeit und lehnte die Maslow´sche Bedürfsnispyramide schon vor 2500 Jahren ab – jene Pyramdie, die wir heute so inbrünstig anbeten.

Kommen wir zu Epikur, dem wir die „Lustphilosophie“ verdanken. Bevor nun alle aufstöhnen und sagen: „Yeah, der ist cool“ lassen wir ihn lieber selbst zu Wort kommen (siehe Wikipedia)

„Daher ist die Einsicht sogar wertvoller als die Philosophie: ihr entstammen alle übrigen Tugenden, weil sie lehrt, dass es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ebenso wenig, einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ohne lustvoll zu leben.“

„Einsicht“ … hat wieder etwas mit Intelligenz zu tun. Da wird allen gleich unheimlich. Geht „gutes Leben“ nur mit „Intelligenz“? Lustphilosophie hörte sich doch so gut an – „Bumsen und besoffen sein: des kleinen Mannes Sonnenschein“ – so versuchten mir einst Burschenschaftler ihre Überlegenheit über den „kleinen Mann“ zu demonstrieren, während ich ihnen die „Lust“ des Epikur nahelegte: die ganze Woche trockenes, verschimmeltes Brot essen, und dann am Wochenende ein Stück alten Käse gönnen: das ist der wahre Himmel. „Lust“ – eine lang vergessene Erkenntnis – ist steuerbar wie andere Bedürfnisse. Wirklich frei, wirklich mächtig, wirklich reich werden wir nur dann, wenn wir so stark geworden sind, dass wir die Gier bezwingen können wie Herkules den Löwen bezwang.

Hört sich sehr anstrengend an – „Spaß“ geht da doch leichter, oder? Das führt uns zu den Stoikern, die Spaß absichtlich mieden und Gelassenheit als höchstes Gut priesen. Nun – über die Kosmologie der Stoiker könnte man Romane schreiben, ich mache es lieber kurz: ihnen ging es um die Herrschaft über die „Affekte“ – weil das intensive Erleben von „Spaß“ immer auch das Erleben von „Leid“ mit sich bringt … mit gleicher Intensität. Das Erleben von „Spaß“ wird täglich rund um die Uhr auf allen Kanälen der Gegenwart gepriesen, doch verschweigt man den Preis, den man zahlen muss: Leid in jeder Form wird ebenso intensiv erlebt (das die „Spaßgesellschaft“ auch eine „Burn out“ Gesellschaft mit Schwerpunkt auf „Depressionen“ ist, belegt diese Erkenntnis hinreichend) Stoiker wie Seneca und Mark Aurel fanden das doof und erlebten, dass das Leid verschwand, wenn man sich vom Spaß abwandte, sie zogen die Stille am See dem Jubel beim Metallicakonzert vor und meinten: unterm Strich hätten sie da einen enormen Gewinn eingefahren. Marc Aurel war – nebenbei bemerkt – fast zwanzig Jahre Kaiser des römischen Imperiums (also: Ultra High Neth Worth Individual der Super-Plus-Ultra-Klasse, kurz: reichster und mächtigster Mensch des bekannten Universums) … er hätte ganz andere Möglichkeiten gehabt. Und unserer Kanzlerin – der hätte er ordentlich was erzählt über das „gut gehen“.

Doch da … kommen wir auch langsam in den Bereich der Moral. Den … wollte ich ja meiden, weil er sehr beliebig ist und für jeden Menschen verschieden, abhängig von der Lehre, die über ihn (also: den Menschen) herrscht. Der überzeugte Nationalsozialist führt ein moralisch gutes Leben, wenn er der arischen Rasse die Herrschaft über die Welt besorgt und das unwerte Leben (und vor allem seinen großen, ewigen Widersacher: den Juden) vom Angesicht des Planeten tilgt (neben den Slawen und … später … den roten, schwarzen und gelben Menschen), der überzeugte Islamist sieht das ähnlich (auch das mit den Juden), ihm reicht es aber, die Ungläubigen zu köpfen und ihre Frauen zu verkaufen, er muss nicht gleich den ganzen Planeten entvölkern: sind alle gläubig, reicht es ihm schon. Der amerikanische Geldsack gibt erst dann Ruhe, wenn jeder Dollar, Euro, Rubel, Yen und Renmimbi auf seinem Konto liegt und hält alles für gut, was diesem Ziele dient, der gute Soldat bekommt dann einen Orden und fühlt sich göttlich, wenn er möglichst viele, ihm persönlich völlig unbekannte „Feinde“ getötet hat, was wir – bei leicht geänderten Zusammenhängen – als Mord bezeichnen dürfen.

Wird kompliziert, oder? Aber warten Sie, gehen Sie noch nicht, bleiben Sie noch eine Weile: wir sind fertig mit der Philosophie.

Das Urteil, dass „gutes Leben“ völlig beliebig sei und allein vom Auge des Betrachters abhängig ist, passt zwar in eine Konsumgesellschaft, die Philosophie zum Konsumgut machen will, ist aber nicht haltbar.

Nun – da springen jetzt ganze Scharen von Staatsphilosophen auf und zücken die Degen zum Duell: will da jemand wirklich absolute Werte in unsere wertlose Welt tragen? Will da jemand unsere lange Arbeit zunichte machen, für die wir so fürstlich bezahlt werden?

Ja. Das will er – und ruft dazu nur einfache Menschen an, keine großen Philosophen. Mir geht es ja auch um das gelungene Leben einfacher Menschen, ein gelungenes Leben muss für JEDERMANN lebbar sein: nicht nur für den Zögling der Reichen, der sich in Askese übt, weil er Angst vor dem Leid hat (eine andere Definition stoischer Weltanschauung, die wir auch im Buddhismus finden). Es geht nicht um die Befolgung möglichst vieler moralischer Ansprüche der Umwelt, sondern darum, am Sterbebett sagen zu können: ja, das hat sich voll gelohnt.

Wir wissen genau, was dieses gute Leben ist: ein Eigenheim, einen überdurchschnittlich bezahlten Job, einen SUV „anerkannter“ Marke, zwei Kinder (Gymnasium – minimal als Klassensprecher, Fernziel Kieferchirurg oder Fachanwalt für internationales Vertragsrecht), Markenkleidung, drei Fernreisen im Jahr, ein „curved UHD“ TV (oder einen „Zeus“ von der Firma „Titan“ für eine Millione Pfund). Das jedenfalls … ist die Botschaft der Konzerne für uns, dafür predigen sie Maslows Bedürfnispyramide, die … scheitert, weil sie nicht auf alle Menschen zutrifft: der Wikinger stellte Abenteuerlust über Sicherheit, der Künstler pfeift auf Essen, Schlafen, Trinken, wenn nur das Werk gedeiht, der Mönch meidet Wertschätzung und Anerkennung, weil sie nur die Eitelkeit fördern und einen von Gott entfremden – wie wollen wir eine „Psychologie“ ernst nehmen, die nur auf einen kleinen Teil von künstlich gezüchteten Konsumzombies zutrifft – nicht aber auf den Menschen an sich. Wären wir alle Maslowzombies … wir würden heute noch auf den Bäumen sitzen, weil unser Sicherheitsbedürfnis uns den Boden fürchten läßt, wo der Löwe haust.

Was aber viel schlimmer ist: dieses Leben, das uns die „Werbung“ (und – seit einiger Zeit – sehr raffiniert die unsichtbaren Kohorten der „Unternehmensberater“, die zunehmen am Umbau der Gesellschaft arbeiten) predigt … das ist DEREN Leben – nicht Ihres. Leben Sie dieses Leben – dann haben Sie gar keins. Sicher, Sie können sich im Gefühl (klitzekleiner) Macht baden: jeder Quadratzentimeter ihres Gartens ist IHREM WILLEN unterworfen, alles wächst nur dort, wo Sie es erlauben, ebenso definieren Sie jeden Quadratzentimeter ihres eigenen Heims selber – ihr eigener Tempel soll dies sein, dort, wo Sie sich selbst anbeten und verehren, begeistert sind von dem, was Sie alles an Ansprüchen anderer erfüllt haben … denn, ehrlich gesagt, machen Sie nichts anderes, auch wenn Sie noch so toll konsumieren, ein Haus – innen wie außen rosa gestrichen, voller rosa Blüten im Garten – werden Sie nicht durchsetzen können … um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Ja, das ist das „gute Leben“ der Frau Merkel und ihrer reichen Freunde: die Freiheit, allen Ansprüchen zu genügen, die die Wirtschaft durch die Politik an Sie stellt. Leben Sie dieses Leben und ich verspreche Ihnen: die Angst vor dem Tod wird von Jahr zu Jahr panischere, wahnhaftere Züge annehmen … einfach, weil das nicht IHR LEBEN IST!

Jetzt denken Sie sicher: „Pass auf, jetzt kommt der auch noch mit Gott“.

Nein. Damit komme ich nicht. Ein gelungenes Leben sollte auch für Atheisten lebbar sein. Ich komme Ihnen mit etwas ganz anderem: der materialistischen Naturwissenschaft, die wir als Gottersatz anbeten und klaglos als Religionsersatzstoff akzeptiert haben, weil es so vorgeschrieben wurde.

Der Mensch ist demnach … Körper samt Funktion. Richtig? Gut, denn mehr … brauchen wir nicht.

Dieser Körper ist von der Natur speziell geschaffen worden (nein: hier ist „Natur“ noch nicht „Gott“, sondern nur eine Umschreibung für Prozesse, die nicht der menschlichen Steuerung unterliegen), um sich nahtlos in die vorgefertigte Umwelt einfügen zu können. Ebenso sind seine Sinne von der Natur geschaffen worden, um in ihr optimal leben zu können: Klang, Gerüche, Licht, Druck – alles sinnvolle Elemente menschlichen Seins. Kinder benutzen sie optimal, erst später wird unser Geist in der „Matrix“ der Erwachsenen eingefangen – während hingegen Naturvölker noch voller kindlicher Freude sind (Freude – nicht „Spaß“ … der auch sehr dunkel werden kann, wenn er sich an Schmerz und Qual ergötzt).

„Schön“ finden wir das, was natürlich ist: das hatte die Wissenschaft schon vor Jahrzehnten erkannt – deshalb fing man an, die Krankenhäuser bunt anzumalen. Die weißen Flächen waren unnatürlich (es war nie das Weiß der Blüten oder des frisch gefallenen Schnees, durch den das Erlebnis von „Licht“ noch intensiver werden kann) und machten den Geist trübe und krank, die Natur hat unser Auge so geschaffen, dass es den wogenden Blätterwald schön findet, den hellen, gelben Sonnenschein, das tiefe Blau des ruhigen Sees, den frischen Duft des blühenden Mai – weshalb wir diese Orte im „Urlaub“ aufsuchen und nicht etwa in Gelsenkirchen, Bottrop oder Bielefeld zu finden sind.

Was merken wir – ganz ohne Moral, ohne hohe Intelligenz, ohne Verstand – das „Tier“ Mensch ist für den Wald geschaffen – bzw. für das Leben in der Natur. Das ist artgerecht. Also ist der der „Gewinner“, der die größte Zeit seines Lebens in freier Natur verbringen kann, denn für dieses Leben ist der Mensch geschaffen worden. Den Mangel an Fell, Klauen, Muskeln können wir durch „Hirn“ gut ausgleichen, schnell ist eine Hütte gebaut, das Feuer geschürt, der Speer geschärft – das reicht an Sicherheit. Wir brauchen … Wärme, Wasser, Nahrung – in dieser Reihenfolge. Und Gemeinschaft, falls wir uns mal bei der Jagd ein Bein brechen und drei Wochen lang nicht zur Wasserstelle kommen oder Brennholz besorgen können: wir können drei Tage ohne Wasser auskommen … aber nur einen Tag ohne Wärme. Ja, hat mich auch überrascht, habe ich beim Survialtraining gelernt.

Das gelungene Leben der biologischen Entität „Mensch“ ist jenes, welches der Mensch aus freien Stücken seit Jahrtausenden wählt: das Leben mit seinem „Stamm“ unter freiem Himmel, dort finden seine Sinne den meisten Genuss, weil sie dort jene Umwelt finden, an die sie sich optimal angepasst haben. Das Leben mit Anzug und Krawatte im kalten, nüchternen Büro unter dem Neonhimmel der Industrieleuchten … kann nie gelungen sein, egal wie viel Sondermüll wir als Ausgleich dafür erhalten. Sondermüll? Ja – unser Elektroschrott, mit dem wir unseren Selbstherrlichkeitstempel garnieren, ist so hochgiftig wie unser Auto, das an sich nur Sondermüll auf vier Rädern ist (wir berichteten), mal abgesehen davon, dass jede Form von „Eigenheim“ ein Höchstmaß an Energieverbrauch und Landfraß darstellt. Jenes Leben, das unsere Industriepolitiker als „gut“ beschreiben, ist umso besser, je größer der Schaden ist, den es an unsere Umwelt (dem einzigen Aspekt des Universums, den wir gerechterweise als „Gott“ akzeptieren können … und müssen, wenn wir als Art überleben wollen) anrichtet – so lautet die einfache, nüchterne Formel, mit der sich unsere Gegenwart beschreiben läßt. Wir beschreiben das natürlich anders, so wie auch kein Soldat sich selbst als Mörder bezeichnen würde – und kein Faschist sich als Verbrecher.

Kurz gefasst: nackig am sonnigen Strand (damit die Sonne möglichst viel Haut erwärmt und der sanfte Wind möglichst viel Haut streicheln kann), funkelndes Licht auf tanzenden Wellen, eine frische Brise Meeresluft in der Nase, warme Sand oder feuchtes Gras unter den Füßen, das seichte Rauschen der Blätter im Ohr, frische Früchte zur Speise – das ist gelungenes Leben, gutes Leben, echtes Leben. Nicht aus Gründen der Moral, sondern aus Gründen unserer … biologischen Ausstattung. Nennen wir dies „gut“ (weil es uns einfach „gut tut“), so haben wir auch eine Vorstellung von … „böse“.

Wieviel Ressourcen brauchen wir für „gutes Leben“? Ganz ganz wenig. Ist noch genug für fünf weitere Milliarden Menschen da. Und wieviel für das, was die Industriepolitiker für „gut“ erklären? Unendlich viele, aktuell mehr, als der ganze Planet zur Verfügung stellen kann – was, ehrlich gesagt, ziemlich dumm ist, obwohl wir doch angeblich so vernünftige Wesen sind.

Der Gipfel echten menschlichen Reichtums findet sich also … bei den Naturvölkern, die mir ihren von der Natur geschaffenen Körpern in der opitmalen Umgebung und der Fülle des Lebens selbst leben. Wem da gleich schaudert, weil die kein Fernsehen haben: wir sind denen nicht so fremd, wenn wir uns anschauen, welche Ort wir aufsuchen, wenn wir „frei“ haben … was selten genug ist und worüber sich in einer sich als „frei“ verstehenden Gesellschaft viel zu wenige wundern. Und die Natur selbst bietet eine Bild- und Tonqualität, die weit über Ultra-Super-Extra HD liegt und sogar Dolby-Sorround-Sound mit Bassreflexboxen weit übertrifft.

Leben Sie ein solches Leben, so können Sie ein Gefühl erfahren, dass unsere Gesellschaft Ihnen nicht mehr bieten kann (aber zum Beispiel dem alttestamentarischen Menschen noch sehr bewusst war, wie viele Textstellen belegen): Sie können satt am Leben werden – lebenssatt, ein Begriff, der schon unglaublich fremd für uns geworden sind, weil wir nur Ersatzstoffe konsumieren, nicht aber das echte, wahre Leben.  Und wer satt des Lebens ist … kann ruhig sterben.

Wer aber ruhig sterben kann … hat wohl ein gelungenes Leben gelebt.

Oder irre ich da?

Und wieder – sind wir in der Politik … also der Frage danach, welche Entscheidungen wir für unsere Zukunft treffen sollen.

Die Antwort darauf ist einfach: so leben, wie es unseren Körpern gemäß ist. Alles andere … führt zu Ungemach. Bis hin zu Weltkrieg und Völkermord. Schauen wir aber auf das, wo wir leben, wie wir leben, so müssen wir leider eingestehen: die Rahmenbedingungen für ein gutes Leben sind gerade äußerst schlecht. Ob wir hier Adorno folgen wollen, wonach ein „gutes Leben im schlechten“ (oder ein richtiges Leben im falschen) nicht möglich ist?

Wollen wir dem Adorno lieber sagen: „Widerstand ist machbar, Herr Nachbar!“.

Und er kann mit der einfachen Forderung nach einem Leben beginnen, welches unsere sinnlichen Ausstattung angemessen ist – weit ab von Lärm, Gestank, Hässlichkeit und Unmenschlichkeit der modernen Zivilisation – wobei ich vermute, dass der Lärm, der Gestank, die Hässlichkeit und die Hektik viel zur Unmenschlichkeit beitragen … und auch zu dem für die Umwelt tödlichen Wunsch, sich eine eigene kleine, heile Selbstversorgereigenheimwelt mit staatlich subventionierten Sonnenkollektoren und Biogarten zu erschaffen.

Wem dies zu düster ist, dem sei als Trost gesagt: die größte Stärke des Menschen ist, sich allen widrigen Lebensumständen anpassen und selbst in kältesten Eiszeiten Oasen des Lebens schaffen zu können.

Mehr – ist aktuell nicht drin. Aber schon das ist ziemlich viel – und besser als alles, was die Staatsphilosophen der Industrieregierung zu bieten haben.

 

 

 

 

 

5000 Politiker-Penisse online – über Ashley Madison, das größte Tabu und die Anleitung zu Glück und Unglück

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Bild: Briseis Painter (Public domain), Wikimedia Commons

Vor wenigen Tagen haben Hacker die intimen Daten samt Namen und Adressen von über 32 Millionen Nutzern des Seitensprung-Portals „Ashley Madison“ ins Internet gestellt. Mit den Profilen wurden auch Chat-Protokolle und intime Fotos veröffentlicht, hierbei zeigten ein Drittel der Nutzer-Fotos erigierte Penisse. Lt. Experten für Internetsicherheit sind auch rund 15.000 Personen aus Regierung und Militär betroffen. Im Klartext heißt das, dass derzeit ca. 5000 Regierungs- und Politikerpenisse online gestellt sind.

Wieviele Politiker-Penisse nicht online gestellt sondern stattdessen gewinnbringend nutzbar gemacht wurden, indem man für deren Nicht-Veröffentlichung satte Beträge oder politische Gegenleistungen in Rechnung gestellt hat, weiß man nicht. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, welches Erpressungspotenzial durch über „staatliche“ Bürgerüberwachungssysteme routinemäßig abgeschöpfte Privatfotos besteht, aber das ist ein anderes Thema, das uns heute nicht beschäftigen soll. Kehren wir zurück zu Ashley Madison und zu Sex and the City.

Die Hackergruppe namens The Impact Team hat mit weiteren Cyberattacken gedroht. Nicht nur Websites, sondern „alle Unternehmen, die hunderte Millionen damit machen, dass sie von den Schmerzen, Geheimnissen und Lügen anderer profitieren“ könnten gehackt werden, so lautete die per E-Mail gemachte Mitteilung gegenüber der Medienwebseite „Motherboard“.

Grund genug, um uns hier einmal zur Abwechslung nicht nur mit politischen Desastern, Nuklearbedrohungen und dergleichen zu beschäftigen, sondern vielleicht auch einmal den nuklearen Overkill zu beleuchten, der sich momentan im zwischenmenschlichen Bereich abspielt.

Da wir hier ja bekanntlich keine Berührungsängste mit unausgesprochenen Tabus haben, wollen wir uns also kurz mal auch in dieses heikle Thema hineinwagen. Wenn ich mich dabei manchmal meiner philosophischen Zurückhaltung entledige und einiger ungewohnt vulgärer Ausdrücke bediene, dann möge man es mir diesmal bitte nachsehen. Aber das Thema ist leider so brandaktuell bzw. sorgt derzeit für einen solchen Flächenbrand, dass Zurückhaltung schwierig ist.

Also, dann legen wir mal los (unter 18jährige lesen im Sinne des Jugendschutzgesetzes und selbstlimitierender Zensur ab hier bitte nicht weiter, sondern nehmen sich brav ein MickeyMouse Heft zur Hand)…

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In einem Radiobeitrag referierte unlängst ein sehr gescheiter Soziologe, seinen Namen habe ich leider nicht behalten, zum Thema „Überleben in der Großstadt“. Er hatte es sich in einer Studie zur Aufgabe gemacht, zu erforschen wie heute typische Großstadtmenschen in einem Arbeits- und Umweltmilieu durchzukommen versuchen, das auf sie – beim einen mehr, beim anderen weniger bewusst – frustrierend und kräftezehrend wirkt und das den Menschen in immer rasanteren Leistungsanforderungen immer mehr Richtung Burnout drängt.

Sein überraschendes Fazit: Indem sie ihre Partner „bescheißen“!

In einer faszinierenden Ausführung erläuterte er dann einen für jeden gesund empfindenden Menschen zunächst pervers anmutenden Mechanismus, wonach jemand, der betrogen bzw. beziehungsmäßig traumatisiert wird, Kräfte einbüßt, während der Betrüger äußerlich in einem narzisstischen Egoitätsgefühl erkraftet. Der „weggeschmissene“ Partner muss indes mit einem Selbstwertdefizit seinen Weg fortsetzen, fühlt sich seiner Substanz beraubt und wird vielfach sogar krank. Obwohl der psychologische Wirkungsmechanismus, der beim betrogenen Partner – auch ohne dass er vom Betrug weiß – Kräfteraub und Krankheit verursacht, noch nicht abschließend geklärt ist, so scheint es jedenfalls, dass wir mit dem Partner, dem wir uns einstmals versprochen haben, auf seelischer Ebene doch viel intensiver verknüpft sind als wir äußerlich ahnen.

Der moderne, spaßoptimierende Hedonist hört solche Dinge natürlich nicht gerne, denn das würde ja bedeuten, dass man für das Schicksal seines Partners doch tatsächlich eine Verantwortung hat – und „Verantwortung“ ist ja heute eines der unangenehmsten und daher meistgehassten Wörter, weshalb es umgangssprachlich schon fast ausgemerzt wurde und wohl demnächst auch aus dem Duden gestrichen wird.

Verantwortung läuft der Kategorie Spaß diametral entgegen und diese ist schließlich unser nimmersatter Götze. Da die Arbeitswelt inzwischen absolut unlustig geworden ist, so muss im Gegenzug alles im Leben, was nicht Arbeit ist, Sch(p)aß machen. Macht es/er/sie keinen Spaß mehr, dann wird es/er/sie umgehend entsorgt und landet auf der Müllhalde.

Umgekehrt kann durch das Kriterium Sch(p)aß heute alles gerechtfertigt werden, was zuvor noch reiner Wahnsinn war. In Dänemark etwa hat lt. Reportage der Welt ein schwunghafter Tourismus mit Gästen eingesetzt, die Tierbordelle besuchen. Insbesondere die Deutschen würden dieses Angebot gerne nutzen, seit 2013 in Deutschland Sodomie gesetzlich verboten wurde.

Als der Geschlechtsverkehr mit Schweinen, Pferden und Hunden in Dänemark die öffentliche Diskussion angefacht hatte, ob man solche Dinge nicht doch besser verbieten solle, wurde eine wissenschaftliche Studie zum Thema in Auftrag gegeben. Und jetzt raten Sie mal, was rausgekommen ist. Sie ahnen es wohl schon … – stimmt. Nachdem der akademisch akkreditierte Sachverständige in seiner Studie feststellte, dass es in Einzelfällen auch vorkommt, dass der Geschlechtsverkehr mit dem Menschen auch dem Tier SPASS mache, war die Verbotsforderung augenblicklich vom Tisch, alle Kritik von Politik und Tierschutz war verstummt. Und die deutschen Busse, vollgefüllt mit „Zoophilen“, wie sie sich nennen, fahren weiter fröhlich nach Dänemark.

Lassen wir das unappetitliche Thema aber wieder und kehren wir zurück zum Menschen und seiner partnerschaftlichen Beziehung.

Wir haben von der unangenehmen Wahrheit gehört, dass es nicht einerlei ist, ob man seinem Partner treu ist oder ihn betrügt und dies den Betrogenen sogar krank machen kann (für den Umstand, dass es die Kinder krank macht, die in dem Beziehungsscherbenhaufen übrigbleiben, braucht es indes gar keine psychologische Beweisführung, hier spricht die empirische Statistik eine eindeutige Sprache: nachdem das Kind bei einem alleinerziehenden Elternteil lebt, sind laut Statistik Armut und damit auch Krankheit und eine verkürzte Lebensspanne fast schon vorprogrammiert. Aber wen schert das schon. Darauf hinzuweisen sorgt in unserem Zeitalter des porno lifestyle und des grenzenlosen Sch(p)aß nur für noch mehr Ärger. Ein Politiker, der sich mit solch altbackenen Vorstellungen über Verantwortung und ähnliches Zeugs positionieren würde, bekommt höchstens eine Keule auf den Kopf aber ganz sicher keine Stimmenmehrheit.)

Die angesprochene Schicksalsverantwortung steht also in krassem Gegensatz zur derzeit gelehrten und flächendeckend über den Flachbildschirm ausgestrahlten Meinung, wonach ein Geschlechtsakt mit einem Außenstehenden nichts viel anderes ist als wenn man mit jemandem einen Kaffee trinken geht – einer Meinung, der inzwischen übrigens auch die Judikatur folgt: Ehebruch ist in vielen Ländern kein gesetzlicher Scheidungsgrund mehr.

Dass der im genannten „Bescheißspiel“ äußerlich strahlende „Gewinner“ sich bei seinem Betrug menschlich selbst unter den Hund befördert, ist zwar ein anderes Thema, aber würde hier zum Abschweifen führen. Indes suggerieren einem die Boulevardmedien, dass es das Normalste der Welt wäre, mal den Partner zu wechseln oder einen Seitensprung zu machen, wenn die alte Beziehung nicht mehr genügend körperlichen Reiz hergibt. Wenn man die Anmelderzahlen der jüngst geleakten und daher bei den Betroffenen derzeit für Panik sorgenden Dating-Plattform für Verheiratete wie Ashley Madison zur Kenntnis nimmt, dann weiß man, wie sehr die Sache inzwischen zum Breitensport geworden ist.

Warum steigen aber hierzulande die Depressions- und Burnoutraten samt Psychopharmakonsum trotzdem so exponentiell an, obwohl ja dem fernsehenden Dosenbierbürger heute mit einem Mausklick der grenzenlose Sch(p)aß als Lifestyle offensteht? Lt. WHO Prognose werden im Jahr 2030 Depressionen die Volkskrankheit Nr. 1 sein.

Zum Schluss noch eine Wasserbombe:

Eine der international bekanntesten Künstlerinnen, Tracey Emin, hat jüngst in einem Interview verkündet, dass sie nun das größte Tabu unserer Zeit brechen wolle.

Wer würde wohl ahnen, was dieses „größte Tabu unserer Zeit“ ist? – In einer Zeit, in der die orgiastischen Inszenierungen von Aktionskünstlern wie Nietsch, Brus, Mühl & Co. längst Schnee von gestern bzw. grauer Matsch sind. Einer Zeit, in der Sado-Maso Phantasien wie „Shades of grey“ in Wirklichkeit nur noch angeödetes Gähnen hervorrufen. Einer Zeit, in der desperate Hausfrauen durch die Gegend torkeln und Ausschau halten nach dem nächsten Pavian, der von der Laterne herunteronaniert. Einer Zeit, in der der fernsehende Bürger bereits überfüttert ist mit allen nur erdenklichen und tausendfach neu aufgewärmten Varianten des Wahnsinns und Exzesses – in einer Gesellschaft, in der Regisseur David Schalko vor kurzem „die Perversion als letzten Ausdruck der inneren Verzweiflung“ verortete.

Was soll uns da bitte noch jucken?

Nun, Frau Emin lässt die Bombe platzen, die ihr womöglich demnächst die Karriere kosten könnte: Sie erklärt doch tatsächlich hochoffiziell, dass sie keinen Sex habe und auch gar nicht mehr an Sex interessiert sei. Manchmal komme auch ihr zwar noch der Gedanke an Sex in den Sinn, aber sie verwerfe ihn sogleich, da sie das Ganze einfach nicht mehr interessiere.

Dabei ist die Dame in ihrem künstlerischen Schaffen hochaktiv, sprüht vor Ideen und Elan und jettet von einem internationalen Projekt zum nächsten.

Dass ein Mensch, der noch nicht im Grab ist, sich erdreistet, entgegen dem Zeitgeist kein oder nur ein geringes Interesse an Sex zu haben – das ist wirklich reine Häresie. Wer so etwas äußert, der hat Konsequenzen zu befürchten. Es würde daher nicht wundern, wenn die Karriere der bisher sehr erfolgreichen Künstlerin, die dem kategorischen Imperativ unserer Zeit „Du musst Sex haben, und zwar exzessiv!“ widersagt, demnächst beendet ist und ihr die Medien und Galerien ihre Gunst entziehen. Denn wer heute nicht sexy ist, wird entsorgt und verschrottet.

Falls einer der Youngsters unter den Lesern entgegen der Warnung am Artikelanfang trotzdem bis hierher weitergelesen hat, – als Ausgleich zum Müll aus der Erwachsenenwelt, den ihr euch hier habt reinziehen müssen – zum Schluss noch ein kleiner Hinweis unter vier Augen, den ihr in der „Lügenpresse“ sicher nicht zu hören bekommt, der euch aber euer Lebensglück (und Kopf und Kragen) retten könnte:

Also: Pssst….! Nicht weitersagen, sonst hält man euch für dumm. Aber behaltet’s trotzdem als Geheimnis in eurem Herz:

In Wirklichkeit hat jede Beziehung Phasen, in denen die Sexualität zurückweicht und sogar verschwindet – was an sich eine große Chance wäre, sich endlich über wirkliche gemeinsame Interessen näherzukommen, die über den egoistischen Trieb hinausgehen. Wer das schafft, erlebt seine Partnerschaft als unendlich bereichernd und erfüllend. Durch den rat porno lifestyle wird aber das Gegenteil suggeriert: Nur der körperliche Lustreiz zählt, wer den nicht mehr hat, hat ausgedient und wird weggeschmissen wie eine leere Bierdose. Dabei ist das eine der unglaublichsten Lügen, die derzeit eurer Generation eingeimpft wird. Denn in Wirklichkeit ist die körperliche Anziehung dasjenige in einer Beziehung, was am allerschnellsten langweilig wird. Und eine Beziehung, die keine seelischen oder geistigen Gemeinsamkeiten hat bzw. die sich im Laufe der Beziehung nicht zu solchen aufschwingen kann, sondern nur auf körperlicher Anziehung beruht (am Anfang ist, wenn man ehrlich ist, nun mal der körperliche Reiz am stärksten), ist aber meist schnell zu Ende.

Also der Tip eines alten Parkwächters, der in seinem Leben schon viel gehört und gesehen hat: Wenn ihr euch nach einem Partner/ einer Partnerin umschaut, dann schaut nicht nur, ob ihr euch körperlich anzieht. Prüft auch,

  • ob ihr seelisch etwas gemeinsam habt
  • und ob ihr geistig Themen/Motive/Lebensideale habt, die ÜBER die bloße Zweierbeziehung hinausgehen und etwas für die Welt beitragen wollt

Denn so etwas verbindet wirklich. Hat man auf diesen Ebenen gemeinsame Ziele, dann vertieft sich eine Partnerschaft immer mehr.

Hat man das nicht, sondern lässt sein Radar nur auf der körperlichen Ebene bzw. nach dem Kriterium „Geilheit“ laufen, dann ist der Ofen einer Beziehung spätestens nach 3 Jahren, oft schon nach wenigen Monaten aus und man ödet sich an. Dann zerbricht die Sache, man sucht sich einen neuen Partner und das Ringelspiel beginnt von vorne, bis man im Alter schließlich selbst so abgewrackt ist, dass oft nicht einmal die eigenen Kinder mehr etwas von einem wissen wollen.

Mit einer Beziehung ist es im Prinzip wie mit einem kleinen Bäumchen. Wenn man es ständig aus dem Boden, in dem es gerade Wurzeln geschlagen hat, wieder ausreißt, dann kann es nie ein kräftiger Baum werden, sondern es wird dahinwelken und mickrig bleiben.

Im Grunde ist es heute übrigens ganz einfach, ein wirklich sinnerfülltes und glückliches Leben zu führen, obwohl es angesichts des Gegenwindes anfangs nicht leicht ist. Man braucht einfach immer nur das Gegenteil von dem zu machen, was die Medien als lifestyle suggerieren.

Und umgekehrt: Wer todsicher unglücklich werden will, braucht nur ebendiesen von den Medien suggerierten lifestyle assimilieren. Die Lektüre von Paul Watzlawicks satirischem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ hat sich heute vollkommen erübrigt. Man bekommt diese Anleitung täglich frei Haus geliefert.

In diesem Sinne: Gute Nacht. Und nochmal Entschuldigung für meine ordinäre Wortwahl.

Der glitzernde Deckmantel des Wahn-Sinns: Die Werbung

Der glitzernde Deckmantel des Wahn-Sinns: Die Werbung

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Foto: Shawnrenefitness CC BY SA 3.0 Quellenlink

Eigentlich müsste man die Werbeindustrie klagen. Schließlich müssen laut Produkthaftungsgesetz unerwünschte Nebenwirkungen auf einem Beipackzettel deklariert werden. Kommt ein Konsument zu Schaden, stehen ihm einklagbare Schadenersatz- und Regressansprüche zu. Denn der uns schon von Kindheit an täglich medial eingehämmerte Lifestyle führt zu einer mittlerweile unübersehbaren Zerstörung: ökologisch, ökonomisch, sozial und allgemeinmenschlich stehen wir heute am Abgrund.

Die Werbung suggeriert uns aber etwas anderes: Wir müssen bloß noch mehr diesen Lifestyle zelebrieren bzw. entsprechende Produkte konsumieren, dann werden wir strahlend glücklich.

Dass das Gegenteil der Fall ist – dass wir durch diesen Lifestyle krank, depressiv und ausgebrannt werden (lt. WHO werden im Jahr 2030 Depressionen die häufigste Krankheit sein) -, das verschweigt die Werbebranche wissentlich und daher vorsätzlich. Im Strafrecht werden vorsätzliche Schadenshandlungen mit ungleich schärferer Strafe belegt als fahrlässige oder unwissentliche Handlungen, wobei de jure sogar Unwissenheit nicht vor Strafe schützt.

Gäbe es die Werbung bzw. den von ihr produzierten Zuckerguss nicht, dann würde der unter dem Zuckerguss liegende, toxische Mistkrapfen niemandem mehr schmecken. Und das darf nicht sein. Denn unzählige Menschen sind mit der Produktion und dem Vertrieb solcher Mistkrapfen beschäftigt. Wenn Mistkrapfen nicht mehr nachgefragt und konsumiert werden, brechen wertvolle Arbeitsplätze weg. Und dass Arbeitsplätze entwickelt werden, an denen etwas anderes produziert wird als Mistkrapfen, das übersteigt anscheinend unseren momentanen Vorstellungshorizont.

In einem späteren Zeitalter wird man daher für den heute in Gang gesetzten ökologischen, ökonomischen und allgemeinmenschlichen Niedergang nicht die Diktatoren, Oligarchen und Politiker des 21. Jahrhunderts verantwortlich machen – obwohl auch ihnen in der Hall of Shame ein Ehrenplatz gewiss ist -, sondern als eigentliche Schergen des Wahn-Sinns wird man die Zunft der Werbefritzen ausmachen. Wären sie nicht gewesen bzw. hätten sie nicht ihr gewissenloses Handwerk verrichtet, dann wäre es unmöglich gewesen, den glitzernden Illusionsmantel aufrecht zu erhalten, hinter dem sich die dunklen Machenschaften des Mammon und der absolute Niedergang hemmungslos entfalten konnten.

Denn denkt man sich die von der Werbung erzeugten Illusionsbilder mit strahlend glücklichen, dank Photoshop von jedem Muttermal und sonstigen Makel befreiten Models, die sich lasziv in einer gleichzeitig nach Vanille, Himbeer und Pistazie duftenden Schokoladecreme räkeln und denen die Vibrationsfunktion ihres am Schoß liegenden neuen Smartphones die Erleuchtung beschert, einmal weg, dann wären die Menschen schlagartig aus ihrer Narkose aufgewacht. Sie wären vom Operationstisch aufgestanden und hätten sich nicht länger ein Glied nach dem anderen abnehmen lassen, ohne zu zucken. Dass der Mensch stattdessen ruhig am OP-Tisch liegengeblieben ist, bis man ihm schließlich auch seinen Kopf abgenommen hat, ist allein dem von der Werbeindustrie und dem Entertainment produzierten Narkosemittel geschuldet.

Schon als kleine Kinder werden wir an die virtuelle Infusionsflasche gehängt, über die uns dieses raffinierte Narkosemittel in die Blutbahnen gepumpt wird. Sind wir dann endlich herangewachsen und in einem Alter, in dem es die dem gesunden Menschenverstand entsprechenden Aufgaben anzupacken gälte, haben wir bereits fast alles vergessen. Nachdem uns das Förderband von Schule und Uni ausgespuckt hat, ist das, was wir für dieses Leben eigentlich sinnvollerweise als individuellen Lebenssinn vorhatten, zugeschottert und zugeteert. Stattdessen folgen wir wie die Lemminge einem fremdbestimmten Lebensstil, der uns zunehmend aushöhlt und kaputtmacht, von dem wir aber wie von einer Droge nur unter Mühe loskommen.

„DUCHLESS“ – „SEELENKALT“, mit einem Wortspiel, zusammengesetzt aus dem russischen „duch“ (=Seele, Geist) und dem englischen „-less“ (=fehlend, ermangelnd), so betitelte der russische Autor Sergej Minaev seinen Bestsellerroman, in dem er unserer Generation einen Spiegel vorhält und eine unbarmherzige Abrechnung mit dem zur Normalität erklärten, in Wirklichkeit selbstzerstörerischen Lebensstil vornimmt.

In ihm erfährt man, dass die mit Botox auf Hochglanz polierten und dank Amphetaminen verzückt lächelnden Models, die sich im Werbespot in der Schokoladesauce räkeln, in Wirklichkeit depressive Borderline-Patienten, also psychische Wracks sind. Wie Menschen durch immer groteskeren Exzess und Steigerung der Beschallungslautstärke versuchen, das seelische Vakuum zu kompensieren, dadurch aber erst recht ausgehöhlt werden.

Im vorgenannten Buchtitel liegt aber auch gleichzeitig der Kern bzw. die Lösung unseres Problems: Wir haben unsere DUCH verloren bzw. verpfändet. Und einen Mensch, der seine Seele bzw. seinen individuellen Lebenssinn nicht mehr spürt, kann man beliebig gängeln (um Missverständnissen vorzubeugen: erfüllender, individueller Lebenssinn hat rein gar nichts mit dem in der Werbung propagierten Narzissmus zu tun, sondern ist immer auf den Anderen bzw. auf die Mitwelt bezogen. Verfehlt man diesen Sinn, indem man nur narzisstisch selbstbezogen lebt, ist man unglücklich. Verwirklicht man hingegen diesen Sinn, indem man notwendigen Konsum so weit wie möglich mäßigt, dafür aber soviel Erbauliches als möglich an Mitmensch und zukünftige Welt aktiv GIBT, dann ist man glücklich – das ist das wahrscheinlich bestgehütete Geheimnis der Welt. Denn würde es in unseren Schulen gelehrt, dann wäre der Wallstreet und den mit ihr zusammenhängenden Wirtschaftskratzleien in kürzester Zeit der Boden entzogen, das derzeit etablierte Macht- und Wirtschaftssystem hätte keinen Bestand mehr.)

Denn die Wahrheit ist: Man will in Wirklichkeit nicht konsumieren und kahlfressen, sondern im Gegenteil: Man will der Welt etwas geben, sie um eine spezifische individuelle Färbung und Qualität bereichern – und das ist bei jedem Menschen etwas anderes bzw. muss jeder individuell herausfinden, was er der Welt zu geben hat, wenn er glücklich sein will.

Freilich ist das eine auf die Seele bezogene Wahrheit. Indem man uns – wie derzeit in Schule und Uni gelehrt – nur auf die körperliche Existenz reduziert, gilt ein anderes Gesetz: Wer mehr frisst, hat mehr im Bauch.

Dann wird sich eine von Thomas Hobbes postulierte Realität verwirklichen, in der „jeder Mensch des anderen Menschen Wolf“ („homo homini lupus“) ist.

Ob wir DUCH-LESS bleiben und in eine vollendete Wolfsrealität einmünden wollen, oder ob wir die Ärmel hochkrempeln und wieder DUCH-RICH werden wollen, darf niemand anderer entscheiden als wir selbst. Und die Volksabstimmung zur Wahl, auf welchen dieser beiden Wege unsere Reise weitergehen soll, findet genau heute statt. Jeder darf sein Kreuzerl machen und seinen Stimmzettel in die Urne einwerfen.

Über den Ausgang der Wahl werden sich die Nichtwähler, die lieber daheim vorm Flachbildschirm sitzen bleiben, also nicht beschweren dürfen. Denn es wurde demokratisch abgestimmt und wir hatten die freie Wahl…

 

Leben … und Glück.

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Mittwoch, 6.5.2015. Eifel. Gestern wären fast einige Kinder im See am Dorf ertrunken. Ist ein großer See, fahren Ausflugsdampfer drauf. Es war Orkan, der Wind blies stark – so stark, dass die Betreuer der Kinder lieber in einem Café Zuflucht suchten als ihren Job zu machen. Die Kinder durften natürlich mit den Kanus auf den See – klarer Fall. Kinder zählen in Deutschland nicht viel, sind Minderleister, kosten nur viel Geld und stören die Erwachsenen beim Lebensgenuss. Gut – sie sind gerettet worden: Hubschrauber, Schnellboote, Rettungswagen, Notärzte … alles war schnell vor Ort, sonst wären jetzt wieder ein paar Leben ausgelöscht. Zeit, sich mal wieder ein paar Gedanken über „Leben“ zu machen.

Leben lässt Ihre Haut altern.

In der Tat hat Leben einen Pferdefuß: man wird jeden Tag ein wenig häßlicher und kann immer weniger mit den auf Hochglanz polierten Werbefotos mithalten. Man sollte diese Aufnahmen eigentlich verbieten, denn: für einen superschönen Menschen fühlen sich neunhundertneunundneunzig minderwertig, wenn er tagtäglich groß in allen Formaten als lebenswerter „Standard“ gepriesen wird.

Leben enthält Benzol, Nitrosamine, Formaldehyd und Blausäure

Leben enthält sogar noch viel mehr solcher schwer verständlichen Stoffe. Erinnert mich an eine aufschlussreiche Diskussion, die ich mit einem Mitarbeiter hatte – Diplombiologe mit Hang zu Greenpeace und deren Studien. Ich bat ihn, nicht im Auto zu rauchen, weil das eine ziemliche Schadstoffkonzentration hervorrief. Was folgte, war ein Vortrag über Studien von Greenpeace zur Qualität der Luft in Innenstädten, die aufgrund der Autoabgase derart verseucht war, dass zusätzliche Belastung durch Zigarettenrauch kaum noch ins Gewicht fiel. Schade, dass Autos nicht die gleichen Aufkleber wie Zigarettenpackungen haben.

Leben kann die Spermatozoen schädigen und schränkt die Fruchtbarkeit ein

Ja, das kann es. Und noch viel mehr.

Leben kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz

Nun – Leben verursacht auf jeden Fall Durchblutungsstörungen. Schon in der frühen Kindheit wachsen die kleinen Äderchen zu – und irgendwann im Alter sind die kleinen Äderchen dann dicht. Kann auch impotent machen, so ein Mist.

Leben verursacht Lungenkrebs

Ja, das tut es. Verstärkt seit den Atombombenversuchen der „Großmächte“. Die winzig kleinen strahlenden Teilchen fliegen seitdem durch die Welt, suchen sich Lungengewebe, in das sie sich ennisten können und bringen die Programme in den Zellen durcheinander. Gut, dass geschieht jeden Tag, Krebs hat jeder – doch Plutonium sorgt dafür, dass die Immunabwehr nicht mehr dagegen ankommt.

Leben führt zur Verstopfung der Arterien u. verursacht Herzinfarkte und Schlaganfälle

Wie erwähnt – das geschieht von Anfang an. Das ärgert viele. Da glaubt man den Prophezeiungen der Konsumindustrie, dass man ewig jung und gesund bleiben wird, wenn man nur alles richtig macht: 80 Stundenwoche, Eigenheim mit großem Garten, dreimal im Jahr ab in den Urlaub, 4 Stunden täglich vor dem Fernsehr, um „auf dem Laufenden zu bleiben“ – und gerade, wenn man das Programm abgearbeitet hat, fällt man einfach tot um. Geschieht übrigens auch bei Sportlern – bei denen (das haben mir Kardiologen der Uniklinik Hamburg versprochen) geschieht das sogar noch früher, weil die Ladung der biologischen Baterie des Herzens begrenzt ist. Groß – aber begrenzt. Wer früh viel davon abruft … fällt mit Ende vierzig einfach um.

Leben in der Schwangerschaft schadet Ihrem Kind

Ist klar: wenn etwas so viel Schaden verursacht, dann kann das auch in der Schwangerschaft nicht gut sein. Streß schädigt das Kind übrigens auch: Straßenlärm (scheußliche Geräusche für so empfindliche Ohren), Umweltgifte (über die Schadstoffbelastung in Städten haben wir ja schon gesprochen) und Ängste der Mutter um ihren Arbeitsplatz sowie die kaum bezahlbaren Rechnungen: dass alles kriegt das Kind ab. Stört keinen.

 Lebende sterben früher

… oder später. Wir haben nur einen sehr geringen Einfluss drauf. Mein Vater – schwer geschädigt durch „Arbeit“ (eine unangenehme und im Prinip sehr schädigende Form von „Leben“, weshalb man dafür früher extra Entschädigungen in Form von „Lohn“ bekam – war fanatischer Nichtraucher. Starb mit 69. Sein Widersacher – Kettenraucher, mutmaßlich Alkoholiker – wurde 80.

Leben macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie gar nicht erst an!

Wem muss man das noch sagen? Leben ist etwas, was man ausgesprochen gerne tun kann. Nun – eingepfercht in den verseuchten Städten (beliebter Wohnraum übrigens für „unwertes Leben“: Arme, Alte, Kranke, Arbeitslose – einfach mal die Mietstufenkategorien der Wohngeldstelle durchforsten, man findet dort Hinweise auf akzeptable Unterbringung von Arbeitslosen – die kriegen Mietstufe 1 …oft verbunden mit starker Belastung durch Industrieabgase) merkt man das nicht so – aber in freier Natur kann schon Begeisterung für „Leben“ aufkommen. Es ist schön bunt, riecht gut, klingt schön – insgesamt ein Gewinn.

Ihr Arzt oder Apotheker kann Ihnen dabei helfen, das Leben aufzugeben

Ja – das machen die in der Tat häufiger als einem lieb ist. In Deutschland erheben wir die Zahl der iatrogenen (von griech. Iatros: der Heiler, der Arzt) Todefällt nicht, dafür ist die Ärztelobby zu stark: aber jedes Jahr löschen die mindestens eine Stadt wie Aachen aus. Warnhinweise auf Arztkittel werden sie jedoch nicht finden.

Hier finden Sie Hilfe, wenn Sie das Leben aufgeben möchten:
(Telefonnummer/Postanschrift/Internetadresse/Befragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker)

Ja, in der Tat. Wie ich erst heute las, haben Ärzte die Aktion T4 (Vernichtung unwerten Lebens, hier: geistig eingeschränkte Menschen) noch weit über 1945 hinaus praktiziert, ich warte gerade noch auf konkrete Quellenangaben dazu. Dabei brauche ich gar keine Ärzte, um das Leben aufzugeben … es endet ganz von allein, immer und für jeden.

Leben kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen

Ja – das kann es. Das kann es nicht nur: das macht es sogar immer. Kein Tod ist lustig. Der Tod steht an dem Ende jedes Lebens – und je mehr man sein Leben geliebt hat, umso schwerer fällt der Abschied. Auch wenn die Seele sonstwo hinreisen mag: die Zellen folgen ihrem Programm und kämpfen ums Überleben – mit aller Macht. Da wird der Körper mit Botenstoffen überschüttet, die äußerst unangenehme Gefühle hervorrufen: darauf sollte man sich einstellen. Oder man macht es wie mein Vater: er stand mitten in der Nacht auf, irrte durch die Wohnung und murmelte „ich muss jetzt gehen“. Meine Mutter brachte ihn zurück ins Bett … am nächsten Morgen bekam ist erst eine Nierenkolik – und bei der eilligen Rückkehr nach Hause einen äußerst unangenehmen Anruf, während ich auf den Notarzt wartete – einen Tag vor dem Geburtstag meiner Tochter.

Schützen Sie Kinder – lassen Sie sie nicht den Hauch des Lebens einatmen

Ja – das macht Leben aus – seit 3000 Jahren. Gott haucht Lehm und Matsch an – und schon wandert der Haufen Unrat begeistert durch die Welt. Das macht Angst – weshalb sich immer mehr Menschen vor dem Leben verstecken: Tagsüber in Bürotürmen, zwischen durch in möglichst dicke Blechkisten, Nachts in eingezäunten Ego-Tempeln und vor dem sprechenden Bild, das ihnen die ganze Zeit ihr Leben stiehlt. Man sollte Kinder wirklich davor schützen.

Wer das Leben aufgibt, verringert das Risiko tödlicher Herz- und Lungenerkrankungen

Das ist in der Tat die Konsequenz davon: wer gar nicht mehr lebt … oder die Lebendigkeit seines Geiste wo weit wie nur irgend möglich reduziert … geht auch kein Risiko mehr ein. Kinder – sind da noch ziemlich lebendig.

Nun, lieber Leser, sie haben es vielleicht erkannt: das habe ich mir ein paar Sprüche von Zigarettenpackungen geklaut (Quelle: rauchfrei.de) In der Tat war ich ein wenig angefressen: letztes Wochenende hatte ich Familienbesuch, wir haben Fotos aus fast einem Jahrhundert Familiengeschichte durchgeschaut und ich war verblüfft, wie alt man trotz Rauchen und Übergewicht werden kann, wenn man nur genug Freude im Leben hat. Und natürlich war ich verärgert, dass mein Vater so früh gehen musste: seine Enkel hätten mehr von ihm verdient. Er hatte wenig Freude, war Handwerker – im Alter sind deren Knochen kaputt. Sagt man einem nicht während der Ausbildung.

Sicherlich:  niemand wird mir verkaufen können, dass das dauerhafte Einatmen von Qualm gesund – oder auch nur unschädlich ist. Normalerweise würden wir davon kotzen, wenn der Tabak nicht mit großen Mengen Lakritz vermengt wäre, die den Würgereflex bzw. den Hustenreiz unterdrücken. Es wäre einfach, dass Rauchen unattraktiv zu machen, in dem man einfach mal die Lakritze ´rausläßt – aber Verantwortung hat halt in diesem Land nur der Konsument. Das mit den Lakritzen … weiß ich von meinem schon lange und recht früh gestorbenen Freund Hugo (starb an Liebeskummer), der für die Zigarettenindustrie an der Automatisierung gearbeitet hat … er war als Raucher sehr überrascht, was wirklich alles in dem Tabak ist. Seiner Meinung nach bestand der Inhalt von Zigaretten nur noch zu 10 % als Tabak, der Rest war Müll. Eigentlich schade, dass ich ihn da nicht noch mal fragen kann.

Deshalb sind die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen sinnvoll – aber sie gehören auch auf Apotheken, Arztkittel bzw. Arztpraxen, auf Autos, auf Flugzeuge, auf Jobcenter (ja: Hartz IV macht zusätzlich sogar noch psychisch krank, während Rauchen für einen gewissen entspannten Zustand sorgen soll, in der Psychiatrie – da habe ich mehrere Praktika gemacht, aus beruflichen Gründen – rauchen die Patienten deshalb stark, um die Nebenwirkungen der Medikamente zu kompensieren), auf Bürogebäude, auf industriell gefertigte Nahrungsmittel, auf Stadtschilder, Schiffe, Fernseher, Handys, Panzer (und Waffen jeder Art) und … Arbeitsplätze.

Aber um die ganzen Dinge … kümmern wir uns nicht. Wir konzentrieren uns auf den Kampf gegen das Rauchen … und sind damit so abgelenkt, dass wir nicht merken, wie uns der Rest des Lebens durch die Finger rinnt.

Die Kinder auf dem See … waren in Lebensgefahr. Das Wasser ist noch eisig kalt – was ich bestätigen kann … habe mal einen Fuß ´reingehalten. Nee … das dauert noch, bis man dem See einen Eifelphilosophen anvertrauen kann. Das dauert noch sehr lange.

Aber … sie waren sehr lebendig. Ich hatte sie während meiner Arbeit vom Fenster aus gesehen. Kleine bunte Kanus tanzten mutig auf den Wellen, kämpften tapfer gemeinsam gegen den Sturm.

Wären wir doch auch so solidarisch, so tapfer, mutig und kämpferisch … man würde uns nicht so sehr unser ganzes Leben an der Nase herumführen können – oder unsere Arbeitslosen in Mietstufen der Kategorie 1 langsam vergasen lassen.

Stattdessen … lassen wir uns von Warnschildern durchs Leben jagen, bis es urplötzlich ein Ende hat … ein Ende, über das wir nur ungern sprechen.

Ach – jetzt habe ich Ihnen den Tag versaut, nicht wahr?

Als Entschädigung: eine kleine Erkenntnis über Glück:

Glück ist reines Sein.

Wer sich vergisst,

wer ganz in dem ist, was er tut,

der ist glücklich.

(Quelle: Anselm Grün, 365 Tagesimpulse, Herder 2012, Seite 63).

Soll  ich mal ganz fies sein? Gespeist durch die Enttäuschung über die ganzen uralten Raucher in meiner Familie und im Zorn über die durch „Arbeit“ vernichteten Menschen, die mit Ende dreissig schon wie uralte Menschen aussahen, ohne dass ein Warnhinweis während der Ausbildung sie über die Folgen der Arbeit aufgeklärt hätte, möchte ich gerne einen Satz bilden:

Rauchen … ist reines Sein.

Stimmt auch. Eine Kurzzeitmeditation (so nannte es – glaube ich – der Herr Fromm) … die tödlich sein kann. Tödlich – wie das Leben selbst. Doch Rauchen … kann manchmal zum Tode führen.

Das Leben schafft dies IMMER! Zu jeder Zeit. Auch vor dem Fernseher, selbst dann, wenn man noch so nach der Fortsetzung seiner Lieblingsserie giert.

Das wird nur super verdrängt.

 

 

 

Der Tod als Lehrmeister

Letzthin fand ich einen Artikel in unserem Lokalblättchen, dessen Thema schon zig Mal diskutiert, beschrieben, bewertet und verurteilt wurde. Je nach dem zu welcher Fraktion man sich zählt. Gemeint ist das Thema „Sterbehilfe“ und der eigene Tod. Hier gehen die Meinungen Lichtjahre auseinander, wobei das Tragische nicht die die verschiedenen Ansichten sind, sondern mit welchen Argumenten die Verteidiger der einzelnen Meinungen ihre Ansichten vertreten. Den Wenigstens ist dabei bewusst, dass sie irgendeine Ideologie nachplappern, deren Sinn sie für ihr Weltbild zurechtgebogen haben und es bequem ist, die Verantwortung über den eigenen Tod irgendjemanden zu übertragen.

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Man erkennt die unmündige Haltung gegenüber dem Tod aufgrund der Tatsache, wie in der Gesellschaft damit umgegangen wird. Darüber reden ist unangenehm, darüber zu schreiben noch mehr. Wenn man in der Öffentlichkeit über den Tod spricht, passen sich die physiognomischen Gesichtszüge automatisch dem Inhalt an. Die Mundwinkel ergeben sich der Erdanziehung, die Stimme wird leiser, der Augenkontakt selten. Warum eigentlich? Das haben wir diversen Ideologien, Besserwissern und kollektiven Angsthasen zu verdanken.

 

Ideologie

Darunter verstehe ich die verschiedensten Formen von Religion. Bei uns ist das Christentum vorherrschend. Die Masse huldigt einen gekreuzigten, gefolterten und leblosen Körper an, der überall in der Landschaft steht oder irgendwelche Räume optisch in Folterkeller verwandelt. Das Christentum und seine Anhänger haben während hunderten von Jahren ihr mörderisches Handwerk perfektionieren können. Eigentlich die besten Voraussetzungen für einen konstruktiven Umgang mit dem Tod. Den haben sie auch, aber nur den Tod von anderen, nicht den eigenen. Diese Religion ist derart mit Scheinheiligkeit durchzogen , dass die eigentliche Philosophie des Christentums unter einem Berg von Lügen, Machtgeilheit, Hormonen und Raffgier begraben liegt. Da ist ein aufklärender Dialog unmöglich, egal welches Thema man anschneidet. Beim Tod sülzen die Pfaffen irgendwas von Auferstehung, Himmel und Hölle. Aber kein einziges Wort, wie man sich auf seinen Tod vorbereitet, damit man ihn mit einem Lächeln begrüssen kann. Aber eben, schon Lächeln ist bei den Christen verpönt. Und das noch im Zusammenhang mit dem eigenen Tod, da kommt jeder Christ an seine Grenzen.

 

Besserwisser

Das sind die in Weiss. Sie nennen sich Ärzte und kommen oft mit dem Tod in Begleitung. Manchmal ist es nicht ganz klar, wer denn nun der Sensenmann ist. Man könnte meinen, die zwei sind in einen Wettkampf verwickelt. Wer ist schneller, wer ist effizienter. In machen Spitälern kommt der Tod nicht mal auf einen Podestplatz. Die Ärzte machen ihm schlicht den Rang streitig, die meisten Menschen um die Ecke gebracht zu haben. Unterstützt werden sie noch von den Pharma-Giftmischern, die eine Unzahl an Mittelchen bereitstellen, um die Kundschaft gewinnbringend abserbeln zu lassen. Kein Wunder hat Gevatter Tod in den Human-Metzgereien keine Chance. Er ist Einzelkämpfer und muss sich gegen eine Überzahl Weisskittel behaupten, das ist unfair.

 

Angsthasen

Da ist der Rest der menschlichen Unmündigeiten gemeint. Respektive diejenigen, welche bei diesem Thema ins Stottern kommen oder krampfhaft einen rhetorischen Richtungswechsel erreichen möchten. Sie haben immer noch das Gefühl, wenn man etwas nicht anspricht, erledigt sich das von selber. Das stimmt. Der Tod braucht keine Worte, er macht einfach seine Arbeit. Für die meisten Menschen kommt er aber unverhofft und sie erschrecken bis ins Mark. Es können sich diejenigen glücklich schätzen, bei denen der Tod blitzartig zuschlägt und man nicht mal Zeit hat, den eigenen Tod zu realisieren. Oder die, welche am Abend einschlafen und einfach am anderen Morgen nicht mehr aufwachen. Die Meisten wünschen sich die Einschlaf-Methode. Ist bequem, verantwortungslos und zum Glück eher selten. Da sind die tödlichen Blitzaktionen noch häufiger anzutreffen. Auch die sind sehr luxuriös für den Sterbenden und entbinden ihn vor jeglicher Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Zack und fertig.

Das sind die Sterbe-Jack-Pots. Wer unvorbereitet und gedankenlos ins Nirwana wandern darf, hat einfach nur Glück gehabt. Für den Rest wird es weit unangenehmer. Sie wollen mehr über den Tod wissen und trauen sich nicht darüber zu sprechen. Und wenn sie den Mut aufgebracht haben, dann geraten sie entweder an einen, der gleich angezogen ist wie Gevatter Tod und die ganze Zeit das Blaue vom Himmel lügt oder die andere Fraktion, die Heilung verspricht aber den Tod bringt. Aber es gibt auch noch eine Alternative.

 

Sterbehilfe

Es gibt mittlerweile einzelne Organisationen, die sterbebereiten Menschen keinen heuchlerischen Schmus erzählen, sondern sie in ihrem Wunsch selbstbestimmt und in Würde zu sterben unterstützen. Es ist ein Armutszeugnis der menschlichen Gesellschaft. Da braucht es eine Institution um den Menschen ein respektvolles Sterben zu ermöglichen. Seit Jahrhunderten verhindern Ärzte, Religionsfanatiker und Politiker ein menschengerechtes Dahinscheiden. Nur mit dem Ziel Macht auszuüben, Geld zu verdienen und einfach gesagt die Sterbenden für dumm zu verkaufen. Noch nie war es den Besagten wichtig, den Menschen über seinen Tod aufzuklären, ihn in der Vorbereitung zu begleiten und ihn in seinem Wunsch zu unterstützen. Eine verachtenswerte Bande .
Die Mitarbeiter von Sterbe-Organisationen machen eine der wichtigsten Aufgaben auf der Welt. Ein würdevolles Ableben ermöglichen. Dabei stehen sie oft mit einem Bein schon im Gefängnis. Sie müssen enorm aufpassen, nicht eine Handlung zu begehen, welche gegen sie verwendet werden kann. Die drei Vasallengruppen von Ärzten, Pfaffen und Ignoranten warten nur darauf, bis sie was finden. Deshalb sind die Sterbehelfer in ihren Aktionen derart eingeschränkt. Sie können nur bedingt auf die Wünsche des Todeskandidaten eingehen. Das Gesetz schmeisst ihnen hier baumdicke Knüppel zwischen die Beine. Ich kann nur jedem raten, solche Organisationen zu unterstützen. Denn ausnahmslos jeder wird eines Tages davon profitieren können, wenn er nach seinen Wünschen sterben darf.

 

Ein würdevolles Sterben

Ich durfte selber miterleben, wie ein totkranker Mensch von den Vasallengruppen behandelt wird. Es war das nackte Grauen. Mir wurde die Ehre zu Teil, diesen Menschen in seinen letzten Monaten seines Lebens begleiten zu dürfen. Es war sein Wunsch. Wir verbrachten viele gemeinsame Stunden mit Gesprächen über den Tod und über das Leben. Ich erzählte mein Wissen darüber, reflektierten zusammen die Sterbekulturen verschiedener Völker, bis die totkranke Person ihr Sterberitual gefunden hatte. Wir spielten zusammen dieses Ritual durch, passten es an, bis auf den Lippen des Sterbenden ein Lächeln lag, wenn er über den eigenen Tod sinnierte. Wir hatten gemeinsam einen Weg gefunden, Gevatter Tod willkommen zu heissen. Die Einzigen welche sich dem Weg widersetzten waren die Ärzte und Pfaffen.
Ein Wunsch war es, zu Hause in der vertrauten Umgebung zu sterben. Das war das erste Problem. Die Ärzte versuchten mit allen Mitteln ihre Verdienstquelle zu behalten. Und der Spitalpfaff wollte mir unbedingt ein schlechtes Gewissen einreden. Nach seiner Ansicht war ich das Böse, was den Sterbenden von Gott wegführte. Ich erinnerte ihn an seine pädophilen Verpflichtungen und von da an hatten wir vor ihm Ruhe. In einer „Nacht und Nebel Aktion“ holten die Angehörigen und ich den Patienten aus dem Spital, ignorierten die vielen Zettelchen, welche wir unterschreiben sollten. Uns wurde sogar mit der Polizei gedroht und ich drohte mit meinem schon öfters beschriebenen Diktiergerät. Einzelne Aussagen von behandelnden Ärzten hatte ich auf Band und waren derart unter der Gürtellinie, dass sie ihre Drohungen in frustrierte Beschimpfungen umwandelten.

Die nächsten Tage verbrachte ich am Sterbebett des Totkranken bei ihm zuhause und begleitete ihn zusammen mit den Angehörigen auf seinem letzten Weg. Am dritten Tag schloss er friedlich die Augen. Gevatter Tod hatte seinen Schrecken verloren und wurde herzlich begrüsst. Alle Angehörigen waren zutiefst berührt über den glücklichen Gesichtsausdruck des Verstorbenen. Kein Zeichen mehr von Angst, Ungewissheit und Festklammern. Entgegen der abendländischen Gewohnheit , die Toten noch warm unter die Erde zu bringen, vereinbarten wir mit dem Bestattungsinstitut, dass der Leichnam elf Tage aufgebahrt wird, bevor man ihn in den Ofen schiebt. Die Körperenergien brauchen eine gewisse Zeit, bis sie den Körper verlassen haben, was spätestens nach elf Tagen passiert ist. Erst dann ist der Tote eine leere Hülle und darf kremiert werden.

 

Eigene Vorbereitung auf den Tod

Da gibt es einige Möglichkeiten. Es kommt ganz darauf an, wie man zu diesem Thema steht. Grundsätzlich sollten jegliche himmlische Gedanken hinterfragt werden. Ohne Gott stirbt sich’s einfacher. Man muss sich nicht an sinnlose Regeln halten oder Frömmigkeit heucheln, die man noch nie besessen hat. Der Tod verliert seinen Schrecken, wenn man ihn gedanklich in diversesten Varianten durchgespielt hat. Stellen Sie sich mal vor zu ertrinken, zu verbrennen, erschossen zu werden, zu verbluten und sonstige Möglichkeiten, wie man dem Leben Adieu sagen kann. Je detailreicher umso besser. Machen Sie das auch mit ihren Liebsten. Stellen Sie sich den Verlust vor, wenn jemand geht, den sie lieben. Lernen Sie die aufkommenden Gefühle kennen und schauen Sie, wie Sie sich in so einer Situation verhalten. Sie können schon zu Lebzeiten lernen mit dem Tod umzugehen. Nicht erst wenn er da ist. Dafür ist dann die verbliebene Zeit zu kurz.

 

Der Tod als Lehrer

Mein Lebensweg hat sich dafür entschieden, dass ich mehr mit Toten, respektive ihren Angehörigen zu tun habe, wie mit Neugeborenen. Meine Erlebnisse und Erfahrungen während und nach dem Tsunami in Asien haben mir eine andere Sicht über den Tod gegeben. Der Anblick von tausenden Opfern und deren Angehörige, welche in den Leichenbergen nach ihren Liebsten suchten, waren traumatisch. Ich kämpfe heute noch mit den Bildern, den Gerüchen und Klängen dieser Tragödie. Aber es zeigte mir auch, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit dem Tod ist.

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Ein Jahr später kamen sehr viele Touristen wieder, welche jemanden verloren hatten und beendeten bewusst ihre Trauerarbeit. Ich arbeitete auf einem Tauchboot und am 25. Dezember durfte ich eine Familie begleiten, die ihre Mutter/Ehefrau verloren hatte. Der Vater sagte zu mir:

„Wir haben ein Jahr getrauert und nun gehen wir zusammen tauchen, weil es das schönste Hobby seiner Frau war und sie sicher nicht wollte, dass die Familie dieses Hobby aufgrund der Tragödie aufgibt.“

Es war einer der bewegensten Tauchgänge für mich und ich flutete die Maske mehrmals mit meinem eigenen Salzwasser. Es erweckte sogar den Eindruck als begleite uns Tierwelt unter Wasser in diesem Ritual. Wir hatten wunderbare Begegnungen, als wolle sich die Fischwelt ebenfalls verabschieden. Nach dem Tauchgang lagen wir uns weinend in den Armen.

Am Abend wurde der Abschiedsprozess von tausenden von Himmelsfackeln begleitet. Ein paar hundert Meter vom Strand entfernt bildeten alle Tauchboote eine Lichterkette und für jedes Opfer wurde eine Himmelsfackel entzünde. Allein in Khao Lak stiegen 5500 Lichter in den Himmel. Der Anblick war atemberaubend und sehr bewegend. Die Erinnerung daran ergreifen mich noch heute und ich muss auch jetzt wieder zum Taschentuch greifen.

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Der Tod als Geschäft

Wenn ich dann die propagierte Sterbekultur hier in Europa anschaue, sehe ich nur Lug und Trug. Dieses Denken brachten nach dem Tsunami die lieben Christen in Scharen nach Khao Lak. Vor der Welle hatte es in dem kleinen Dorf zwei Freikirchen. Nach der Katastrophe über 150. Es waren schneller irgendwelche Pfaffen vor Ort als schweres Aufräumgerät. Die dazugehörenden, übergewichtigen Volontäre halfen nicht den Opfern, sondern sammelten bei den übrig gebliebenen Touristen Geld. Ich hätte jedem Einzelnen ins Gesicht schlagen können. Sie nutzten diese Katastrophe für ihren finanziellen Vorteil. Perversion in Reinkultur. Zum Glück sind die Thais nicht auf den Kopf gefallen. Die Freikirchen verteilten einen Teil des gesammelten Geldes, aber nur an die, welche den Kirchen beitraten. Herr und Frau Thai sagten schnell ja, holten sich das Geld ab und beim Rausgehen war der kollektive Gruss ein Zeichen mit dem Mittelfinger. Sie haben sehr schnell geschnallt, was die „fürsorglichen“ Kirchen wollten.

Die wahren Helfer

Die einzigen selbstlosen Helfer waren die Mönche aus den buddhistischen Klöstern, die einheimische Bevölkerung, welche selber gebeutelt war und die übrig gebliebenen Tauchbasen mit ihren Angestellten. Diese leisteten wirkliche Arbeit und halfen den Angehörigen ihre Vermissten zu finden. Es war eine grausame Arbeit. Aber immens wichtig. Jeder Vermisste, egal ob tot oder nicht, den man seinen Angehörigen zuführen konnte, schloss einen Kreis. Ich hörte unzählige Male den Satz:

„Es tut weh, wenn die Hoffnung auf ein Überleben zerstört wird, aber es ist immer noch besser als über das Schicksal im Ungewissen zu sein.“

Der Tod als Recht

Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt. Keiner kann ohne den anderen existieren. Deshalb finde ich es wichtig, dass wir uns von verhindernden Dogmen befreien und selbstbestimmend unseren Abgang planen. Im Leben wollen wir auch über uns selber bestimmen, wieso nicht auch bei unserem Ableben? Nur weil es unangenehm ist, man an seine Vergänglichkeit erinnert wird und sich zig falscher Doktrinen erwehren muss? Es wird Zeit, dass wir auch bei diesem Thema erwachsen werden und uns nicht wie unerfahrene Kleinkinder verhalten, die jeden gepredigten Blödsinn vorbehaltslos glauben. Wir haben diverse Kulturen auf unserem Planeten, die eine würdige Sichtweise über den Tod haben. Orientieren wir uns an denen, dann verliert der Sensenmann seinen Schrecken. Zudem ermöglicht es das Bewusstsein, über seinen eigenen Tod entscheiden zu können.
Es ist ein Grundrecht des Menschen, sein eigenes Ableben bestimmen zu können. Da darf kein Arzt, Politiker oder Kuttenträger dreinreden. Mein Leben gehört mir alleine und ich sehe nicht ein, wieso irgendein dahergelaufener Weissichwas mir vorschreiben will, wie und wann ich zu sterben habe. Die können mir alle den Buckel runterrutschen. Wenn ich meine Zeit kommen sehe, dann verschwinde ich in die tiefsten Wälder, habe mich vorher von meinen Liebsten verabschiedet und gebe meinen Körper der Natur zurück. Sollte ich mich nicht mehr selber frei bewegen können, lasse ich die Wälder weg. Aber eines ist für mich klar: bevor jemand anders über mein Leben entscheidet, mache ich das. Ich hoffe, dass ich dann dazu physisch und psychisch noch in der Lage bin. Wenn nicht, habe ich eine Patientenverfügung wo genau drin steht, was mit mir passiert, wenn ich selber nicht mehr fähig bin darüber zu entscheiden.

Die Zeit nutzen

Machen Sie eine Checkliste, was Ihnen alles wichtig ist und was Sie noch erledigen müssen, damit Sie friedlich sterben können. Arbeiten Sie diese Liste ab. Suchen Sie sich eine Vertrauensperson, mit der Sie ungeniert und frei über ihren Tod sprechen können. Machen Sie ein Testament. Erkundigen Sie sich vorher, wie eines juristisch einwandfrei verfasst wird. Sollte es Ihnen egal sein, was mit ihren Habseligkeiten passiert, dann lassen Sie es. Andernfalls ermöglicht ein Testament einen reibungslosen Ablauf der Vollstreckung und gibt etwas Sicherheit, dass nach ihrem Tod nicht eine verwandtschaftliche Schlammschlacht beginnt. Man hat ein Leben lang Zeit, sich mit dem eigenen Tod auseinander zu setzen. Es ist schade, wenn diese Zeit entweder ungenutzt verstrichen ist, oder man sich irgendwelchen Phrasen hingibt, die noch nie zu Gunsten des Sterbenden waren, sondern einzig die Taschen von Heuchlern füllt. Unterstützen Sie bitte Sterbehilfe-Organisationen. Sie sind die Einzigen hier in Europa, welche sich für ein humanes Sterben einsetzen. Verfügen Sie, dass ihr Leichnam 11 Tage aufgebahrt wird. Danach kann er kremiert werden. Wenn Sie sich einlesen wollen, dann empfehle ich „Das tibetische Buch vom Leben und Sterben“ von Sogyal Rinpoche. Ich hoffe mit diesen Zeilen etwas Licht in dieses „düstere“ Thema gebracht zu haben. Im optimalen Fall verschwindet die Angst davor. Das wäre das eigentliche Ziel und ist eine der wichtigsten Lebensaufgaben, für mich jedenfalls. Zur Prüfung muss jeder antreten, ob er will oder nicht. Daher ist es nur logisch, so gut vorbereitet wie möglich bei Gevatter Tod zum Prüfungstermin zu erscheinen. Zeigen Sie ihm ihr ehrliches, wohlwollendes Lächeln und Sie haben das Examen bestanden.

Der Nachrichtenspiegel, Kennedy, König Arthus und die Unabhängigkeitserklärung

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Freitag, 4.7.2014. Eifel. Heute ist ein besonderer Tag – nicht für die Welt, aber für den Nachrichtenspiegel. Heute feiern wir unser vierjähriges Jubiliäum. Jedenfalls … sollte der 4.7.2010 der Starttermin sein. Aus technischen Gründen erschienen aber schon vorher einige ältere Artikel von Blog.de. Den vierten Juli hatte ich bewusst gewählt: war es doch der Tag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

Manch einen wundert das. Immerhin kritisiere ich die USA oft. Ich finde: als stärkste Nation der Erde können sie auch gar nicht genug Kritik bekommen, die sie an ihre Verantwortung gemahnt – bevor sie wie ein Mensch im Größenwahn die Welt in den Abgrund reißen. Macht ist immer ein Problem, die meisten Menschen scheitern daran – und nehmen an ihrer Seele Schaden. Viele kümmert das nicht – doch der Philosoph als „Arzt der Seele“ hat daran keine Freude – selbst wenn es ein „Feind“ sein sollte.

Ich war mehrfach in den USA und muss sagen: erstklassige Leute da. Nicht nur die Indianer, auch die Nachfahren der Siedler. Locker, offen, unkompliziert – so wie im Fernsehen, nur halt: echt. Sehr hilfsbereit, sehr sozial eingestellt. Gut – „Sozialstaat“ gibt es dort kaum – dafür aber eine dynamische Wirtschaft, die jedem eine Chance gibt … selbst wenn er zuvor mehrfach gescheitert ist. Wo die Wirtschaft so dynamisch ist, ist ein Sozialstaat nicht unbedingt in dem Ausmaß nötig, wie ihn Europa sich in Achtung der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte gönnt – vor allem der sozialen Menschenrechte. Wo die Menschen hilfsbereit sind und jederzeit Arbeit gegen Geld anbieten, findet der Einzelne auch schnell wieder einen sicheren Grund unter den Füßen. Das waren ja auch in Deutschland die Hintergründe für die „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“ … nur ist unsere Kultur der Sparsamkeit und Ängstlichkeit dafür nicht geeignet. Bekommt hier ein Unternehmen Probleme … schmeißt es erstmal die Leute heraus. Die mangelnde Dynamik der Wirtschaft ersetzt der Staat durch Druck und Gewaltandrohungen gegen Arbeitslose und ruiniert so systematisch die seelische Gesundheit von Millionen … aber das kennt man ja von der deutschen Kultur.

Viele haben heute vergessen, was die USA einmal waren.  Gerade die Jüngeren erinnern sich nicht.

Werfen wir mal einen Blick auf die Verfassung, siehe Wikipedia:

„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit. Daß zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten; daß sobald einige Regierungsform diesen Endzwecken verderblich wird, es das Recht des Volks ist, sie zu verändern oder abzuschaffen, und eine neue Regierung einzusetzen, die auf solche Grundsätze gegründet, und deren Macht und Gewalt solchergestalt gebildet wird, als ihnen zur Erhaltung ihrer Sicherheit und Glückseligkeit am schicklichsten zu seyn dünket. Zwar gebietet Klugheit, daß von langer Zeit her eingeführte Regierungen nicht um leichter und vergänglicher Ursachen willen verändert werden sollen; und demnach hat die Erfahrung von jeher gezeigt, daß Menschen, so lang das Uebel noch zu ertragen ist, lieber leiden und dulden wollen, als sich durch Umstossung solcher Regierungsformen, zu denen sie gewöhnt sind, selbst Recht und Hülfe verschaffen. Wenn aber eine lange Reihe von Mißhandlungen und gewaltsamen Eingriffen, auf einen und eben den Gegenstand unabläßig gerichtet, einen Anschlag an den Tag legt sie unter unumschränkte Herrschaft zu bringen, so ist es ihr Recht, ja ihre Pflicht, solche Regierung abzuwerfen, und sich für ihre künftige Sicherheit neue Gewähren zu verschaffen.“

Darum dürfen die Waffen tragen. Wie die Schweizer. Ja … um eine Regierung, die das Volk missbraucht, stürzen zu können, braucht man Waffen, keine Petitionen. War jedenfalls damals so.

Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit … als absolute, nicht mehr hinterfragbare Werte. Und das im 18. Jahrhundert – phänomenal. Millionen von Mensch flohen aus Europa in die „Neue Welt“, um der Enge, der Ungerechtigkeit, der Armut Europas entkommen zu können … und seinen dauernden Kriegen. Es war schlecht für die Indianer, sicher. Ihre 500 Nationen wurden vollständig ausradiert – ohne das der Holocaust am roten Mann je einen Gedenktag bekommen würde. Die Ursache für diesen Holocaust ist allerdings nicht der „böse Amerikaner“ … sondern die elenden Strukturen im alten Europa. Wäre hier ein glückliches Leben möglich gewesen – niemand wäre in die Wildnis gezogen, in der viele auf erbärmlichste Art und Weise umkamen.

Die USA wurden das neue Camelot  und die Europäer reagierten darauf. Sagen und Mythen haben halt einen großen Einfluss auf die Gefühle der Menschen, weil sie Wahrheiten in sich tragen, die Zeiten überdauern können. Ich möchte dazu mal etwas zitieren – aus einem Buch, das selbst nicht so zu empfehlen ist, weil es voller unbeweisbarer Mutmaßungen steckt und Hypothesentürme baut, die immer luftiger werden, je höher sie in den Himmel ragen. Hier also mal etwas zu John F. Kennedy:

Das Weiße Haus, in das er mit seiner sympathischen Familie und mit dem Brain Trust der intellektuellen Berater frischen Wind brachte, umgab bald die romantische Aura des Camelot aus der Artussage. Die Hauptstadt Washington wurde nun auch äußerlich zum Zentrum einer Supermacht, die Verantwortung für die freie Welt, für ein globales, informelles Empire trug.

(aus: A.v.Rétyi, Skull & Bondes, Kopp 2001, Seite 196).

König Artus war wieder da. Wie einst sollte er die Ritter des Landes um sich sammeln, um die streitenden Fürsten in die Schranken zu weisen, Armut, Hunger, Elend, Ungerechtigkeit aus der Welt zu verbannen … die ideale Verlängerung der Unabhängigkeitserklärung … und ihrer weltweiten Verwirklichung.

Mit Kennedy kam wieder mal ein Präsident ins Haus, der die Macht und den Willen hatte, sich mit den Industrie- und Bankbaronen anzulegen, der das Potential hatte, die Ritter des Landes (was eher die Unternehmer denn die Soldaten sind) um sich zu versammeln um den Kurs der USA zu ändern.  Die Hoffnungen, die die jungen Menschen in Europa mit Kennedy verbanden, habe ich noch selber Jahre nach seiner Ermordung in den Reden älterer Verwandter mitbekommen – er wurde fast wie ein Heiliger verehrt. Er scheiterte – die Folgen tragen wir heute noch. Leben, Freiheit und Glück … sind deshalb weit entfernt – ebenso die Hoffnung darauf, dass sich die Zustände nochmal ändern. Sicher … das Leben selbst läßt man uns noch (obwohl das Kriegsgetöse aus Verteidigungsministerium und Bundespräsidialamt gerade  andere Zeiten anbahnen), aber Glück und Freiheit? Depressionen und Druck bestimmen unser Leben – doch gibt es keine „Neue Welt“mehr, in die wir flüchten könnten … und die USA selber verwandeln sich seit Jahrzehnten eher in die alte Welt zurück, in der eine Hand voll Superreicher ihren Vorhof mit harter Hand gestalten.

Wir sehen: seit der Zeit der Artuserzählungen hat sich nicht viel geändert in der Welt – wieder ächzt die Welt unter der Last der imperialen Räuberbarone, die in der Gestalt von Konzernen, aufgeblasenen Staatsverwaltungen oder Parteien daherkommen, die dem einfachen Volk ungeniert in die Tasche greifen – ein Spiel, an dem sich unsere Ritter duch clevere Steuertricks ebenfalls gerne beteiligen … und dadurch ihren Rang und Stand verraten.

Natürlich wollen Sie jetzt ein Beispiel dafür. Das ist Ihr gutes Recht – Sie sollen es bekommen. Jakob Augstein kommentiert im Spiegel einen aktuellen Fall: einer der modernen Räuberbarone hat –  mit der Macht der US-Armee im Rücken – ein 40-Millionen-Volk an den Rand der Vernichtung gebracht. Er – und ein New Yorker Amtsrichter. Argentinien droht jetzt die Insolvenz – und ganz offen kann darüber gesprochen werden, was jedoch keine Folgen haben wird:

Der Schweizer Wirtschaftsjournalist Werner Vontobel hat zornig kommentiert: „Warum eigentlich immer die USA? Woher nehmen die das Recht? Man stelle sich vor, Gerichte in der Schweiz oder Nigeria würden ähnliche Urteile fällen. Die Reaktion der Finanzmärkte wäre klar: Mit Ländern, in denen derartige richterliche Willkür grassiert, kann man nicht wirtschaften. Investoren würden um solche Standorte einen weiten Bogen machen. Die USA hingegen können sich dagegen fast alles erlauben.“

Das sind sie, die modernen Barone – und missbrauchen die Macht des amerikanischen Volkes. Jetzt nicht die Nase rümpfen: wir haben selbst genug davon, die meisten ruhen sich heute noch auf den Besitztümern ihrer Urgroßväter aus.

Was übrigens diese Gerichte mit deutschen Unternehmen machen werden, wenn das Freihandelsabkommen durchkommt, sollte jedem klar sein: da wird der Mittelstand zur Schlachtbank geführt – doch das ist ein anderes Thema.

Kommen wir zurück zu uns – zum „Nachrichtenspiegel“. Wir starteten vor vier Jahren am Tag der Unabhängigkeit der USA … weil auch wir wieder LEBEN, FREIHEIT und GLÜCKSELIGKEIT haben wollten – und an eine Tradition erinnern, die auf uralte Mythen zurück reicht: den Kampf um die Freiheit.

Sicher – man kann warten, bis die Herrin vom See wieder Excalibur freigibt, man dann darauf warten, dass Nimue endlich Merlin wieder aus dem Zauberschlaf entläßt, der ihn nun so lange gebannt hat – aber mir als Pragmat und in jeder Hinsicht ungläubigen Menschen fehlt dazu die Geduld – und das Vertrauen in die staatliche Verwaltung und Regierung, die sich selbst zu einer semifeudalen Strutkur entwickelt hat. Den Preis für diese Entwicklung zahlen wir jeden Tag – mit sehr viel Geld (was im Prinzip gespeicherte Arbeitskraft ist, die nun in Billionenhöhe nutzlos durch die Welt fließt anstatt aktiv handfeste Zukunft zu schaffen), mit einem Leben, dass dem einer Ameise gleicht, mit Knechtschaft und großem seelischen Leid.

Oder – man entschließt sich, gegen den Strom zu schwimmen … und die Meinungshoheit im Lande für sich zu beanspruchen. Ja – nicht mehr und nicht weniger leisten die handvoll Blogger in diesem Land: sie beanspruchen die Meinungsführerschaft, machen sie den Oberschichtsmedien streitig.

Die Wirkung?

Manche meinen, sie wäre gleich Null, die Mächtigen würden sich nicht dafür interessieren, uns zur Not von geheimdienstlichen Schreibern niederbügeln lassen. Aber was machen wir wirklich? Wir demonstrieren täglich unsere eigene Unabhängigkeit – wir praktizieren unsere eigene Unabhängigkeitserklärung. Vor allem und zuerst – bedarf es der Formulierung der ABSICHT und des WILLENS. Natürlich sind wir nicht mehr als Hofnarren – doch der Hofnarr ist der freieste Mensch am Tisch der Allmächtigen, freier sogar als der König selbst. Nicht unangreifbar, nicht unsterblich, oftmals sogar vogelfrei … aber FREI. Frei, seine Meinung in kritischer Distanz aus den dargebotenen Informationen SELBST zu bilden. Gut – Platz für viel EGO und Selbstherrlichkeit ist dort nicht – innere Demut und Bescheidenheit sind unabdingbare Vorraussetzungen für das Gelingen der gesellschaftlichen Funktion, die selbstzufriedene Arroganz des Oberschichtsjournalismus wäre völlig unangebracht.

Und es ist das Vorleben dieser Freiheit, die AUSÜBUNG DER FREIHEIT … die vielen Menschen Hoffnung gibt, Stärke und Kraft. Der Philosoph macht diese Arbeit gerne und mit ungetrübter Leidenschaft, gilt es doch, sich als Arzt der Seele zu beweisen – der Seele, nicht des Geistes.

Darum schaue ich mit stolz auf unser kleines Werk. 5901940 Leser haben diesen Ort der Freiheit seit dem 9.12.2011 besucht – wenn ich der Zahl unten rechts auf der Startseite trauen darf. Die USA stellen Platz 2 der Leserschaft, die meisten Leser haben wir dort in Seattle. Wie ich gesehen habe, können sich unsere Leserzahlen mit denen des Wall-Street-Journals messen. Gestern hatte ich einen kurzen Blick auf diese Zahlen (heute finde ich sie seltsamerweise nicht wieder), ihr meistgelesener Artikel hatte 150 000 Leser, unserer 60 000, ihre Artikel haben einige hundert Leser am Starttag – da liegen wir gleich auf (obwohl Fussball und Sommer auch uns die Zahlen nach unten drücken). Allerdings … haben die viel mehr Autoren. Und sind viel bekannter. Aber: darum geht es ja gar nicht. Es geht darum, zu sehen, was man für die Menschen getan hat – und hier blicken wir auf 12444 Kommentare zurück … von denen viele sehr konstruktiv und positiv waren. Knapp 1000 Artikel stehen allein von mir im Nachrichtenspiegel … das sind 3500 Buchseiten oder … 10 dicke Schinken.

Und nach wie vor gilt, was ich mir am 19.2.2009 selbst versprochen habe, jenem Tag, an dem der „Eifelphilosoph“ als virtuelle Person zum ersten Mal öffentlich im Netz erschien: wenn am Ende des Monats nur zehn Leser Gefallen am Geschriebenen gefunden habe, schreibe ich weiter – nicht, weil es mein Broterwerb ist, sondern weil es mein „Beruf“ ist, als das, wozu ich berufen wurde.

Darum aber auch heute – mal wieder – ein Dank. An die Leser, die zeigen, dass es gelingt, der Seele Balsam zu spenden. An die vielen Autoren, die zu dem Werk mit Bild und Wort beigetragen und ihm ein einzigartiges Format gegeben haben. An den Blogger „Marigny de Grilleau“. ohne den es keinen Eifelphilosophen gegeben hätte – und der mir heute ein treuer und hochgeschätzter Freund ist. Und an den Regenbogenbieger, der zu dem Ort hier angestiftet hat, ihn zum Leben erweckte, mit Leben füllte und tagtäglich für seinen Bestand garantiert …. und somit des zweite Bein des Nachrichtenspiegel ist, ohne das wir gar nicht laufen könnten – oder laufen wollten.

Was nun die Zukunft bringt?

Hier mag ich nur kleinen Trost spenden, aber verkünden, dass ich aktuell einen winzig kleinen Lichtschimmer am Horizont entdecke. Sehr hell, aber klein. Mag sein, dass jemand es schafft, die Ritter des Landes zu vereinen und einen Bund zu schmieden, der Großes erreichen kann, mag sein, dass es gelingt, ein großes, internationales Camelot zu gründen, dass Freiheit, Leben und Glückseligkeit für die Menschen bringt. Aus diesem Grunde habe ich den heutigen Tage gewählt, um die notwendigen Verträge zu unterzeichnen und mich jener Gemeinschaft anzuschließen, die sich anschickt, dem Rad der Geschichte neuen Schwung zu verleihen – zum Wohle aller. Nötig ist es – und im wahrsten Sinne des Wortes „notwendig“.

Doch hierzu …. später mehr.

Sie wissen ja, wo.

 

 

 

 

FUSSBALL!!!! … und Herrschaft. Die Mentawai und ihr Kreisel.

FUSSBALL!!!! ... und Herrschaft. Die Mentawai und ihr Kreisel.

Sonntag, 15.6.2014. Eifel. Ich weiß nicht, ob sie es mitbekommen haben: wir haben gerade Fussball. Wenn man genau hinsieht, bemerkt man es auch im Alltag: da hängen Fähnchen aus den Autos, Radkappen in Nationalfarben sind der letzte Hit, die Bundesregierung greift die Lebensversicherung an und der Bundespräsident erklärt der Welt den Krieg. Ach – die letzten beiden Informationen gehören nicht zusammen? Und die haben sie auch gar nicht mitbekommen?

Nun – sehen Sie: das ist der Sinn des Fussballhypes, darum stecken interessierte Kreise aus Wirtschaft und Politik Milliarden in diesen Zirkus. War schon im alten Rom so: die verweichlichten, dekadenten Bürger schauten sich im Zirkus an, wie Löwen Christen auffraßen, während am Horizont 80000 Hunnen durchs Land zogen – mit durchaus unfreundlichen Absichten. Als die Tore dann nachgaben und die Stadt verwüstet wurde, waren dann alle entsetzt. Zu spät entsetzt.

Schauen wir uns mal die Lebensversicherungen an – da melden die deutschen Mittelstandsnachrichten:

Die Lage bei den großen Versicherern ist offenbar kritisch: Die Bundesregierung hat am frühen Mittwochmorgen im Schnellverfahren Maßnahmen beschlossen, die einen Crash bei den Lebensversicherungen verhindern sollen. Die Kunden müssen sich auf gravierende Verluste einstellen.

Es ist mir übrigens egal, ob jemand diesen Webauftritt für „neurechts“ hält oder nicht: wenn mein Nachbar angerannt kommt und mich auf mein brennendes Haus aufmerksam macht, lasse ich mir auch nicht zuerst sein Parteibuch zeigen.

In den Momenten, wo der Deutsche Grillzange und Bierflasche in der Hand hat und gebannt auf den Bildschirm schaut, kann man ihm ganz gemütlich das Geld aus der Hosentasche ziehen. Merken die aber erst, wenn die Rechnung der Lebensversicherung kommt … bzw. wenn eine dicke NULL am Auszahlungsbescheid steht. Oder vielleicht doch ein Minus.

Natürlich kann man in diesen Momenten noch viel mehr machen: zum Beispiel die deutsche Bundeswehr zu einem Instrument jener machen, die die Menschenrechte verbreiten wollen – vor allem aber das Menschenrecht auf hemmungslosem Konsum.

Hören wir dazu unseren Bundespräsidenten, der – auf für sein Amt ganz unübliche Weise – auf einmal politische Richtlinienkompetenz demonstriert, wie sie im Prinzip nur der Bundeskanzlerin zusteht. Hören wir mal, wie der Spiegel seine Worte wiedergibt:

Der Bundespräsident äußerte Verständnis dafür, dass es früher eine „gut begründete Zurückhaltung der Deutschen“ gegeben habe. Doch das heutige Deutschland stehe im Unterschied zum „Dominanzgebaren“ früherer Jahrhunderte als verlässliche Demokratie für die Menschenrechte. „Und in diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen.“

Würde er das mit den Menschenrechten ernst meinen: er könnte im eigenen Land anfangen. Hausarrest und Reiseverbot für Hartz-IV-Abhängige, tödliche Sanktionen bei Befehlsverweigerung inklusive: da geht es den Menschenrechten schon ganz schön an den Kragen – von den Kündigungen von Sachbearbeitern bei der Ausübung ihres Grundrechtes auf Meinungsfreiheit ganz zu schweigen.

Warum nun der als „Grußonkel“ bekannte Ostdeutsche zum Angriffskrieg gegen alle bläst, die „Massenvernichtungswaffen“ besitzen (jedenfalls ist das immer die Losung vor dem Zuschlagen: „Der Feind hat Massenvernichtungswaffen!!!“ – ob die auch real vorhanden sind, ist da zweitrangig. Hier gilt jede „Verschwörungstheorie“ als Wahrheit, die einen Militärschlag legitimiert), bleibt unverständlich.

Ich war übrigens nochmal extra beim Bundespräsidialamt und habe nachgeschaut: sehe nicht, dass er die Kompetenz oder den Auftrag hat, die Richtlinien für Militäreinsätze der Zukunft öffentlich im Ausland vorzugeben. Also: was macht der eigentlich da? Und wer zum Teufel setzt unserer ostdeutschen Regierungsspitze solche Flausen ins Ohr? Merkel und Gauck bringen in der Tat einen merkwürdigen Wind in die einst so gemütliche Bonner Republik, deren enorme Friedenskompetenz einst viele sehr geschätzt haben.

Doch das sind nur die Nebenwirkungen von Fussball. Er hat auch noch eine ganz wichtige, Bewusstsein programmierende Hauptwirkung. Ja: er manipuliert politisches, gesellschaftliches und wirtschaftliches Bewusstsein auf einer viel tieferen Ebene – und Millionen lassen das täglich bzw. wöchentlich mit sich machen.

Ist noch nie aufgefallen?

Gut, gehen wir ins Detail.

ZWEINUNDZWANZIG Spieler … und EIN Ball. Wir wären reich genug, jedem einen Ball zu geben – aber dann findet kein KAMPF statt. Wissen Sie, was da zelebriert wird? Kapitalismus pur. Zweiundzwanzig Menschen wird ein Ball gegeben, damit sie sich wie eine hungrige Meute drum streiten: künstliche Verknappung zwecks Schaffung von Wut, Frustration, Hass, Erniedrigung, Demütigung und verzweifeltem Kampf ums Überleben. Gleiches erzielt man, wenn man einen Brotlaib in eine Kerkergrube schmeißt, deren Bewohner schon zwanzig Tage hungerten. Oder wenn man den Löwen nur einen einzigen Christen vorwerfen würde.

Das ist aber nur menschlich, sagen Sie?

Völliger Quatsch. Diese Art von Sport ist sogar extrem unmenschlich, sollte im Prinzip wegen fortlaufender Anstiftung zur Asozialität verboten werden – ich denke aber: sollten die Menschen erstmal merken, was sie da wirklich auf dem Sportplatz tun, würden sie sich fruchtbareren Tätigkeiten hingeben. Schauen wir uns mal an, wie Urvölker mit „Sport“ umgehen, hier die indonesischen Mentawai bei ihrem Lieblingsspiel, dem „Kreisel werfen“:

Aber im tatsächlichen Spielvollzug beobachteten wir nie ein solches Zählen. … Offenbar kommt es auch nicht auf den Sieger oder Verlierer an, weder beim Einzelwurf noch gar bei einer etwaigen Endwertung. Eine Verbissenheit des Leistens ist nie zu spüren, auch wenn Halbwüchsige oder Männer kreiseln. Statt dessen wird nach jedem Wurf laut gelacht, bevor man den weggesprungenen „toten“ Kreisel nachläuft und ihm im Gelände sucht. Wetten werden nicht abgeschlossen und niemand wird als Endsieger herausgestellt.

Dieses Sportverständnis – beruhend auf Begriffen wie Heiterkeit, Leichtigkeit, Gemeinschaftlichkeit und Frieden spiegelt sich auch im Alltag wieder, in der Gesellschaft und ihren Gesetzen.

Sie sind Teil einer Kultur, in der es nicht auf Leistungen, Endergebnisse und Titel ankommt, nach denen Männer und Frauen streben könnten. Häuptlinge und Sportherrschaft fehlen. … Die Geschichten kennen nicht nur keine Könige, Häuptlinge oder Helden, sondern auch keine Götter, die die Menschen lenken oder Macht ausüben. Eher berichten sie von der Niederhaltung der Herausragenden. (Aus: Der gläserne Zaun, Syndikat 1983, Aufsatz von Henning Eichberg, Seite 158).

Kein Sport – keine Herrschaft. Irre, oder?

Auch im Alltag wirkt sich das Kreiselspiel aus. Treffen zwei Kreisel aufeinander (wie zwei Menschen mit unterschiedlichen Ansichten), wird einer hinausgeschleudert. Theoretisch gibt es Sieger und Verlierer. Während aber hier in Deutschland der Verlierer Hartz IV bekommt oder unter Gelächter in der Kreisliga verschwindet, geht man dort anders mit Problemen um.

Die Reaktion des erzürnten Mannes ist das Weggehen, genauer: die Kultivierung der Beleidigung, die ihn zum Weggehen treibt. Es kommt nicht zum Zusammenprall – und schon gar nicht zum Konflikt um die streitbare Sache. (Der gläserne Zaun, a.a.O., Seite 160).

Die ganze Kultur dreht sich um die Prinzipien dieses Kreiselspiels, denn was macht die Gemeinschaft mit dem Beleidigten, mit jenem Menschen, der seinen Zorn, seine Wut, seinen Hass nicht an anderen ausläßt sondern ihn heldenhaft selbst bewältigt? Es kommt immer jemand hinterher, der ihn zurückholt – so wie der geschlagene Kreisel zurückgeholt wird.

Kein Zusammenprall – kein Krieg. So wie wir in hundertausend Fussballspielen auf allen Ebenen die Lektion von Mangel durch künstliche Verknappung der Ressourcen und bis zum Äußersten gehenden Kampf verinnerlichen und durchleben, die uns dazu anhalten, Könige, Helden und Götter zu produzieren, um den Kampf zu effektivieren, haben die Mentawaier andere Werte – und ein anderes Sozialverhalten:

Der Mentawaier muss darauf achten, die Seele nicht zu verstören, etwas durch Hetzen oder Anschreien. Durch gute Speise und Trank kann man sie bei Laune halten. Besonders aber schätzt die Seele die körperliche Schönheit: das lange Haar der Männer, die spitz gefeilten Zähne und die prachtvolle Tätowierung des ganzen Körpers mit Ornamenten und Tiergestalten. (Der gläserne Zaun: a.a.O. Seite 163)

Können wir uns vorstellen, dass wir selbst mal so gelebt haben … bevor Rom uns den Zirkus brachte? Können wir uns überhaupt noch vorstellen, wie das ist, in einer Kultur ohne „Hetzen und Anschreien“ zu leben …. wo doch „Druck“ gerade unsere beliebtestes Mittel ist, Arbeitslose auf nicht vorhandene Arbeitsplätze zu jagen?

Können wir uns jetzt vorstellen, wie tiefgreifend „Fussball“ unsere Vorstellung von „Kultur“ beeinflusst? Zweiundzwanzig Köter balgen sich um eine tote Ratte. Wer sie in seine Ecke bringt, überlebt. „Hunger-Games“ – ganz real: und Millionen ergötzen sich daran, lassen währenddessen nebenbei ihre Seele deformieren und ihre Gesellschaft in einen römischen Zirkus verwandeln, der jetzt mal wieder laut nach Weltkriegen ruft – Russland und China müssen ausgelöscht werden, unsere Menschenrechte (genauer gesagt: Konsumzwänge) müssen überall gelten.

Ja – so wurden auch die Mentawai zerstört:

Verstärkt wird der Angriff gegen die Identität der Mentawai in jüngster Zeit durch das Eindringen der multinationalen Holzkonzerne, durch den Tourismus und durch die Konsumgüterwerbung über Fernsehapparate und malaiische Händler. (Der gläserne Zaun, a.a.O. Seite 155)

Erinnert das irgendwie an den Mann mit Grillzange und Bierflasche, der gerade die Botschaft aufsaugt: NUR EINER KOMMT DURCH?

Native Planet beschreibt die Kultur der Mentawai in einer Art, dass man neidisch werden kann:

Mentawai society was once near perfect: no war, no crime, no thieves and no adultery. Everyone shared in the generous bounty of the tropical rainforest and all clan members were treated equally—including women and children.

Also auf deutsch in etwa:

Mentawai-Gesellschaft war einst fast perfekt: kein Krieg, keine Kriminalität, keine Diebe und kein Ehebruch. Jeder erhielt seinen Anteil an der Fülle der Güter des tropischen Regenwalds und alle Clan-Mitglieder wurden gleich behandelt, darunter Frauen und Kinder.

Und was haben wir dagegen zu setzen?

Einen Sport, eine Gesellschaft, eine Kultur, die man nur besoffen ertragen kann … und die einen Krieg nach dem anderen produziert: TROTZ Demokratie und Menschenrechten.

Sollen wir jetzt alle Mentawai werden? Nein. Aber ganz wichtig ist, zu erkennen, dass der Mensch nicht „an sich“ so ist, wie er uns aufgrund von „Fussball“ erscheinen möchte. Der Mensch muss dort schlecht sein, wo Soziopathen nach „Herrschaft“ schreien … die nur gerechtfertigt ist, wenn der Mensch an sich böse ist und im Zaum gehalten werden muss … so wie auch ein Krieg nur gerechtfertigt ist, wenn er gegen böse Menschen geführt wird, die die „Menschenrechte“ missachten und „Massenvernichtungswaffen“ haben.

„Der Mensch“ kann aber auch ganz anders. Und wenn er anders lebt … dann hat er plötzlich Frieden – jenen Frieden, der alle an den Reichtümern der Industriegesellschaft teilhaben läßt … und „Regierungen“ mit Rekorddiäten und Luxusleben völlig überflüssig macht.

Gibt´s jedoch für 22 Menschen nur ein Brötchen – dann kann die Show beginnen.

Krieg folgt dann später, wenn die Verlierer zu den Waffen greifen.

Das Böse

Das Böse


Sonntag, 5.4.2014. Eifel. Sonntag sind immer gern gesehene Zeiten, um sich jenseits des Alltagshorrors besinnlichen Themen zu widmen, die eher aufbauen denn informieren sollen. Wem selbst nichts einfällt, geht halt in die Kirche und setzt sich mit dem dortigen Angebot auseinander – oder bleibt im Bett und verzichtet ganz auf die Besinnlichkeit. Wir brauchen sie ja auch nicht mehr – wir haben das Rundumsorglospaket des Kapitalismus frei Haus geliefert bekommen. Wer braucht schon Besinnung, wenn er konsumieren kann?

Na ja – Sonntags fällt der Konsum schwerer. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, was oft dazu führt, dass die ihrem Lebenssinn beraubten Konsumdrohnen sich selbst, ihrer Freizeit und der Sinnlosigkeit ihrer Existenz hilflos ausgeliefert sind und sehnsüchtig auf die Zeit warten, wo der Chef, die Regierung, die Wissenschaft, die Werbung und das Kaufhaus dem Leben wieder Sinn und Richtung geben. Vielleicht sollten wir den heutigen Sonntag – allein aus Gründen der Langeweile – mal wieder Themen widmen, die der Kapitalismus gerne verdrängt, übersieht, ignoriert und außen vor läßt. Ja? Sollen wir? Ich bin mal mutig und schlage … DAS BÖSE als Thema vor.

Ja – die Hälfte der Leser wendet sich jetzt ab. „Den Teufel gibt es nicht“ – so murmeln sie im Abgang.

Aber moment? Vom Teufel sprach ich gar nicht! „Teufel“ …. der geht zurück auf den vorchristlichen Pan, dessen Lüsternheit ihn der Kirche so verdächtig gemacht hat, dass sie ihn „verteufelt“ hatten. Pan selbst jedoch … ist Gestalt gewordene Natur – und nicht das personifizierte Böse. Ich merke, es wird kompliziert. Zeit, Hilfe zu suchen.

Kennen Sie Johannes Baptista Scaramelli? Jesuit, gestorben 1752. Er entwarf dereinst „Regeln zur Unterscheidung der Geister“. Wird heute noch von Mönchen gerne gelesen, die sich ihr privates Glück nicht durch wirre Gedanken stören lassen wollen. Sein Werk stellt inzwischen ein Standardwerk für geistiges Personal da, für Menschen, die sich bewusst vom Bösen abwenden wollen … an das wir nicht glauben wollen: was ja auch ein Weg ist, damit umzugehen.

Ich lese gerne mal extreme Texte aus ferner Vergangenheit, um einen alternativen Blick auf unsere Kultur zu erhalten – für diesen Zweck ist Scaramelli gut geeignet, allein, wenn ich mir schon die erste Regel anschaue:

Das erste Kennzeichen der Einwirkung des bösen Geistes auf unseren Willen sind Unruhe, Verwirrung und Trübsinn. All dies steht im direkten Gegensatz zum Frieden, den Gott verleiht. Und in der Tat: wenn der Teufel uns offen versucht, so erregt er in uns Gefühle des Hasses, des Unwillens, des Zorns und des Neides; alles trübe und unruhige Leidenschaften; oder er ruft auch in der Seele Begierden nach sinnlichen Ergötzungen, Reichtümern und Ehren hervor, welche mit ihrem blendenden Schein anlocken, aber, wenn man sie nicht hat, uns quälen und wenn man sie erlangt, uns auf tausenderlei Art beunruhigen.

(aus: Scaramelli, Regeln zur Unterscheidung der Geister, FE-Medienverlag 2011, Seite 21 – 22).

Bleiben wir bei diesen „ersten Kennzeichen“. Wir wollen ja keine Jesuiten werden, noch Scaramelli in die bundesdeutsche Verfassung schreiben. Ich möchte nur zu einem Gedankenexperiment einladen – weil Sonntag ist.

Stellen Sie sich mal vor, unsere Kultur würde ihre ganze Kraft in den Kampf gegen böse Geister stellen – nur für einen Moment.

Unruhe – wegen drohender Arbeitslosigkeit zwecks Kosteneinsparungen (aktuell: Airbus Group, 800 Stellen trotz Wachstums der Aktie im 157 % in drei Jahren, siehe ManagerMagazin)? Verwirrung – wegen polizeilichen Zwangsräumungen ohne richterlichen Beschluss (ganz aktuell: siehe TAZ)? Trübsinn – wegen „Sonntag“ (siehe Sybille Berg im Spiegel)?

Gehört abgeschafft. Sind Auswirkungen der Einflüsterungen böser Geister.

Merken Sie, wie elegant und zivilisiert diese Lösung ist? Nicht der Manager ist böse, nicht der übergriffliche Polizist, der den demokratischen Grundsatz der Gewaltenteilung ignoriert, nicht die Konsumdrohne, die an der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz verzweifelt, sondern … „böse Geister“.

Das ist uraltes Denken. Vorchristlich. Vorreligiös, könnte man sagen. „Das Böse“ besteht aus Einflüsterungen böser Geister … nicht etwa aus einem Schaden an der Seele des Menschen – oder aus grundsätzlichen Fehlprogrammierungen der Psyche.

Stellen Sie sich vor, wir würden aktiv – mit der ganzen manipulierenden Gewalt der Werbewirtschaft – die Wirkungen böser Geister anprangern und so den Menschen die Möglichkeit geben, sie zu erkennen, sich ihrem Einfluss zu entziehen! Wie sähe unsere Welt aus … ohne Hass, ohne Neid, ohne Unwillen, ohne Zorn?

Keine Unruhe.

Keine Verwirrung.

Kein Trübsinn.

Was also hält uns eigentlich davon ab, mit aller Kraft gegen „das Böse“ vorzugehen und für eine Gesellschaft zu werben, in der es Ruhe gibt, Klarheit und Glück? Geprägt von Werten der Liebe, der Toleranz, der Sympathie und der Gelassenheit?

Grund genug hätten wir dafür – denn hier, mitten im aufgeklärten Europa des 21. Jahrhundert – wütet das Böse ungehindert in großem Stil, siehe Spiegel:

Es sind erschreckende Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Frauen in Europa. Jede dritte Befragte einer EU-weiten Umfrage wurde schon einmal Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt, jede 20. Frau berichtete von Vergewaltigung.

Nun – wir haben den Glauben an „böse Geister“, „das Böse“ und vor allem „den Teufel“ abgeschafft. Einen Feind, den man nicht sehen will, kann man nicht bekämpfen. Kämpfen wollen wir aber trotzdem – und hier sind wir dann … anders als die alten Kulturen, deren Weisheit Scaramelli nur für den katholischen Raum aufbereitet hat … völlig abgedreht, völlig unmenschlich geworden.

Schlimmer noch als die katholische Kirche, die aus einer fruchtbaren Naturgottheit ein personifiziertes Böse gemacht haben, haben wir das Böse auf die Erde geholt und aus MENSCHEN das personifizierte Böse gemacht … das wir dann mit aller Gewalt bekämpfen. Juden. Armenier. Indianer. Kurden. Hexen. Arbeitslose. Zigeuner. Frauen. Männer. Aktuell sind die Russen dran – und der Islam. Oder der Unternehmer und die Jobcentermitarbeiterin.

Die Ergebnisse lassen sich sehen: die aufgeklärten, rationalen, vernünftigen und den Idealen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verpflichteten Demokratien führen genauso brutale Massenvernichtungskriege wie die Horden der Tyrannen: ein Fest für böse Geister.

Deren Botschaft wird ja auch von den Medien in breiter Front ausgestrahlt und immer wiederholt, die ganze Werbewirtschaft erweist sich als fünfte Kolonne böser Geister und ruft gezielt Begierden hervor nach Kaffee und Urlaubsfahrten, Lottogewinnen oder Jauchs Millionen, „Wetten Das“ – Ehrungen oder „DSDS“-Sangesprämien.

Wenn es gilt, die Botschaft böser Geister zu verbreiten, stehen auf einmal alle Medien stramm. So erziehen sie das Volk zum Hass auf die, die böse sind, zum Neid auf die, die reich sind (entweder reich an Geld oder reich an Zeit), zum Zorn auf die, die sich nicht dem Reich der bösen Geister anschließen und zum Unwillen, etwas gegen diesen „Mainstrem“ zu unternehmen.

Das Ergebnis? Ein depressives, unglückliches, gewalttätiges Volk.

Was wäre wohl … wenn die Medien die Botschaft guter Geister verbreiten würden? Nur mal so aus Spaß angedacht?

Wenn wir – fern von jeder Art von Religion oder Katholizismus – die Botschaften eines Epikur über ein glückliches Leben zur Grundlage unserer Werbebotschaften machen würden, wo nicht der Genuss des Kaffees höchstes Ziel des Lebens ist … sondern die Befreiung von der Gier nach Kaffee?

Nach Scaramelli wäre das Ergebnis des Einflusses guter Geister „Liebe, Freude und Friede“ (a.a.O., Seite 14) – Epikur verspricht das Gleiche, wenn man Herr über seine Begierden wird – anstatt täglich neue zu entfachen und diesen ständig nachzulaufen.

Wie wäre es … wenn wir nicht nur das Reden über das Böse, den Teufel und die Dämonen ausrotten würden, sondern die Auswirkungen des Bösen in der menschlichen Gesellschaft angehen würden?

Nun – die „Liebe“ erklären wir zur „Sozialromantik“ und somit zu einem Ausdruck krankhaften Schwachsinns.

Die „Freude“ wird als „Schadensfreude“ gefeiert – alle gieren danach, die Demütigungen des „Dschungelcamp“ zu konsumieren.

Und der „Friede“ – gehört ebenfalls in den Bereich der Sozialromantik, Massenmord an Zivilisten wird alternativlos zu „Kollateralschaden“ erklärt, den man im Kampf gegen „DEN Bösen“ hinnehmen muss.

So etwas geschieht, wenn man den Kampf gegen „das Böse“ zum Kampf gegen „den Bösen“ macht.

Letzerer ist aber bequemer, denn der Kampf gegen „das Böse“, gegen die Einflüsterungen böser Geister, findet in einem selber statt. Hier kann man keine gedungenen Mörder ausschicken, die mit Drohnen, Bomben oder Gift dem „Teufel“ den Garaus machen und so das Gewissen beruhigen. Funktioniert ja auch nicht: das Böse bleibt – trotz aller Kollateralschäden. Es verschwindet nicht, wenn man alle „Bösen“ dieser Welt ausrottet – zumal die „edlen Retter“ den „bösen Tyrannen“, die sie so heldenhaft bekämpfen, immer ähnlicher werden … was sehr zu unserer Verwirrung in politischen und moralischen Fragen beiträgt.

Wo sind wir da nur gelandet?

Nur ein paar besinnliche Gedanken über ein nahezu ausgestorbenen Begriff, ein wenig Hilfe dazu von einem asketischen Wanderprediger – und schon haben wir eine Antwort auf die Frage, wieso eigentlich die „westliche Wertegemeinschaft“ „Lebensraum im Osten“ sucht, wieso die deutsche Verteidigungsministerin von einer neuen Ostfront und einer Neuauflage des Afrikakorps träumt.

Würden wir Scaramelli fragen – ihm wäre das völlig klar. Die bösen Geister sind außer Rand und Band, sie haben die Herrschaft über die Erde übernommen, dirigieren uns in unserem Leben inzwischen in jedem kleinsten Detail und verwandeln die Erde in ein Jammertal. Das natürliche Immunsystem der menschlichen Gesellschaft versagt im Kampf gegen diese „Viren“ vollkommen – trotz Aufklärung, Demokratie und Erklärung der allgemeinen Menschenrechte.

Der Grund ist einfach: die Bedrohung wird nicht mehr als solche erkannt: Grundlage für das Versagen eines jeden Immunsystems. „Das Böse“ gibt es nicht – das ist jedem klar. Über so etwas redet man auch nicht.

Das wir aber „den Bösen“ aufhalten müssen – auch mit aller Gewalt ohne Rücksicht auf die Folgen: das erleben wir gerade am Beispiel Putin, der gerade in den Medien den Arbeitslosen als Urbild des Bösen ersetzt. Ist wie eine Autoimmunerkrankung, die sich gegen die eigenen Zellen richtet, anstatt gegen die Viren, die diese Zellen besetzen wollen.

Das geht auch politisch immer weiter, Sie akzeptieren das, ohne zu merken, was geschieht: schon längst sind Sie als Bürger selbst zum „Bösen“ geworden, Sie zahlen sogar Steuern dafür, dass Sie sich selbst bekämpfen lassen dürfen. Völlig ohne jeden Protest akzeptieren wir, dass „Riot-Control“ (also: Aufstandsbekämpfung) zu unserem Alltag gehört und bei jeder Demonstration zum Einsatz kommt – wie aktuell bei der Demonstration gegen die Sparpolitik (Scaramelli würde hier vielleicht von der gewollten Herrschaft des Hungers reden, eines ziemlich großen bösen Dämons, ja, sogar einer der apokalyptischen Reiter) in Brüssel, die von vielen Medien ignoriert wurde (siehe Russia Today).

Wie wäre es, wenn wir – nur mal zum Spaß angedacht – uns mit Scaramelli in jene Situation begeben würden und mit Polizisten und Demonstranten über böse Geister reden, die ihneneinflüstern, das Böse im jeweils anderen Menschen zu sehen …. anstatt in dem ihn bedrängenden Geistern? Wenn wir gegen den Hass, den Zorn, den Neid und den Unwillen selbst vorgehen würden anstatt jene Menschen zu schlagen (oder töten), die wir für unsere Gefühle ursächlich verantwortlich machen?

Die Welt wäre sofort friedlicher.

Ist aber schlecht fürs Geschäft.

Na ja – es ist halt Sonntag. Da darf man so etwas denken. Geschäfte haben zu.

Morgen ist wieder Montag, da haben die Geschäfte wieder auf und helfen uns, jene Begierden zu stillen, die wir ohne Werbung gar nicht hätten. Morgen können wir wieder in der sicheren Gewissheit leben, dass Boshaftigkeit alternativlos zum menschlichen Verhalten dazugehört … obwohl schon ein Blick in die Geschichte reichen würde, um zu erkennen, dass es gar nicht so alternativlos ist.

Man findet sogar Menschen, die gezielt gegen das Böse vorgehen wollen – etwas, das unserer Kultur einfach nur als krank bewertet, während wie Aufstandbekämpfung, Kollateralschäden oder politisch gewollten Hunger als völlig normal und gut akzeptieren und völlig vergessen haben, dass auch uns Meinungsfreiheit, der Schutz der Zivilbevölkerung und die sozialen Menschenrechte viel Wert sein sollten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Glück

Glück

Sonntag, 23.2.2014. Eifel. Wieder einmal Sonntag. Wieder einmal Zeit, sich von den Wirren des Alltages wenigstens gedanklich zu verabschieden und sich anderen Themen zuzuwenden, Themen, die die Machtmenschen der Gegenwart locker unter „Gedöns“ abheften. Heute dachte ich mal … reden wir mal über „Glück“. Das hat auch einen wichtigen Hintergrund – vor einigen Wochen hatte mir ein Sozialarbeiter in leitender Funktion, ein Mensch, der täglich mit vielen anderen Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Verhältnissen zu tun hat, eine erstaunliche Frage gestellt … die mich erschrocken hatte:

„Kennen Sie auch nur einen Menschen, der glücklich ist?“

Ich hätte fast gesagt: ich … fand es jedoch unklug, ein neues Fass aufzumachen. Die Frage nach dem eigenen Glück kann ich einfach beantworten: ich habe meinen Schopenhauer gelernt.

Er hat – ich zitiere hier mal frei – den Zustand der Menschheit als beständiges Zittern zwischen zwei Polen beschrieben. Auf der einen Seite droht die Not: die Pest, der Krebs, die Armut, der Hunger, die Kälte, das Raubtier.

Auf der anderen Seite, dort, wo die Milliarden sicher verschlossen in luxuriösen Landhäusern auf gigantischen Ländereien ruhen, droht … die Langeweile.

Wer nun Not hat, träumt von den Milliarden als Glücksbringer, es ist ihm kaum verständlich, das reiche Menschen unglücklich sind.

Wer aber nun Langeweile hat, sehnt sich zurück nach jenen Zeiten, wo das Leben noch ein Abenteuer war, wo es aufregend war, prickelnd, voller Herausforderungen, die existentiell bedrohlicher waren als der primitive Kokskonsum während einer der zahlreichen, wöchtentlichen „Events“, die man in teurer Seide aufsucht, um der quälenden Langeweile der eigenen vier Wände zu entkommen … in der Hoffnung, irgendwo dort draußen Menschen zu begegnen, die die unerträglich quälende eigenen Leere füllen können.

Und so pilgern die Menschen seit Jahrtausenden von der Not zur ersten Million … und wieder zurück.

Ein Beispiel dazu habe ich aus meinem entfernteren Bekanntenkreis – ein Bergmann, der mit 48 Jahren und Luxusrente in den Ruhestand gehen konnte (das ist in der Branche normal – auch für Büroangestellte), dann auch noch viel Bargeld und ein Mietshaus mit sechs Parteien erbte: ein sorgenloses Leben für die nächsten fünfzig Jahren war in Aussicht. Dann kam die Langeweile, das riskante Manöver mit dem Motorboot, der Unfall und … tja, reden wir nicht weiter drüber. Würde unappetitlich werden. Aber: mit Stöcken kann er jetzt wieder kleine Schritte machen – die Langeweile wich der Not.

Das Glück – so hoffen wir nun – wird ja dann wohl irgendwo dazwischen liegen: ja, und: HURRA – wir gehören dazu. Glück kann man ja dann – logischerweise – nur im Mittelstand finden, und zum Mittelstand gehören wir alle.

Aber: warum umgeben uns dann so viele unglückliche Menschen?

Die Antwort ist ganz einfach: Maslow hatte gelogen. Wir leiden Not, wenn wir obdachlos, hungrig, durstig und frierend unter einer nassen, kalten, lärmumtosten Autobrücke wohnen. DAS ist Not – nicht die Tatsache, dass wir uns kein mit Brillianten besetztes Handy, keinen italienischen Sportwagen oder Maßanzüge aus der Kleiderschmiede der Waffen-SS leisten können … obwohl manchen dies als größtes Unglück erscheinen mag. Jeder Sozialhilfeempfänger in Deutschland ist reich, sogar schwer reich: immerhin hat er Zugriff auf unbegrenzt fließende Gelder, mit denen er kalkulieren und wirtschaften kann – man spricht ja hier auch deshalb von relativer Armut.

Die ist im Übrigen – nebenbei bemerkt – noch schmerzhafter als die echte Armut, weil sie ABSICHTLICH durch MITMENSCHEN verursacht ist – und nicht als Zorn oder Ignoranz oder Fehler Gottes oder der Natur definiert werden kann. Armut, die in einem superreichen Land bewusst zugeteilt wird, ist eine absichtlich hinzugefügte Kränkung, Schmähung, Entwürdigung und Demütigung die vor allem darin ihren tödlichten Stachel hat, dass man sich leicht vorstellen kann, wo es enden wird, wenn die gelebte Absicht logisch weiterverfolgt wird: das Vernichtungslager ist die letzte – strikt notwendige – Konsequenz, die lauert, wenn man durch Druck zur Arbeit motivieren will. Das ist das hohe Lied einer Kultur der Gewalt, die selbst schon Not genug erzeugt.

Wenden wir uns aber wieder dem Mittelstand zu, der uns fast zwingend logisch schon als wahrer Hort des Glücks erschien.

Das Gegenteil ist aber richtig: der Mittelstand ist am weitesten von jeder Form des Glücks entfernt. Ihm fehlt die Gestaltungskraft des Geldes, mit welcher man sich jedes kleinste Problemchen vom Hals schaffen kann (und so die Langeweile beständig füttert) noch kann er sich darin üben, erfolgreich mit der Not zu ringen – wie es hunderttausend Generationen vor ihm im Kampf gegen die Unbillen der Natur getan haben.

Schauen wir den Mittelstand der zivilisierten Industrienationen an, wird es noch schlimmer: sie werden durch die Anforderungen der Industrie in vorgefertigte Lebensschablonen gesteckt (die in unserer Zeit von Sendern wir RTL exzessiv vorgelebt werden), für sie ist schon lange vor ihrer Geburt entschieden worden, wie sie sich zu kleiden haben, welchen Handgriffe sie in ihrem Job wie zu erledigen und welche Gedanken sie in welcher Reihenfolge zur Bewältigung ihres Jobs denken dürfen, es ist entschieden worden, wie sie sich durch die Welt bewegen müssen (rollender Kasten), in welcher Höhlenform sie sich aufhalten müssen  (Kasten) und welche Einrichtungsgegenstände dort unverzichtbar sind (Kästen) … jede Form von selbstbestimmter Lebendigkeit wird ihnen vom Kindergarten an gezielt abtrainiert, um sie zu Arbeitsdrohnen zu machen, die mit fünfzig Lebensjahren systematisch entsorgt werden – das ist die Existenzform von toten Robotern („Maschinenmenschen“ … kann man auch anders betonen, um eine erschreckende Wahrheit zu beschreiben), die weder die belebenden Impulse von Not erleben dürfen (obwohl sie sie in Form von „Urlaub“ gezielt suchen), noch die endlose Gestaltungsmacht von Geld erfahren dürfen (die sie sich mehr als alles andere herbeisehnen, weil  es ihnen von klein auf durch die Industriekultur vorgebetet wurde – ohne darauf hinzuweisen, dass bedingt durch die abenteuerliche Natur des Menschen „Geld“ und „Glück“ nie zusammenpassen).

Das  hat schreckliche Folgen für ihr Glücksempfinden – die Illusion von Reichtum (der in etwa dem Reichtum einer Legehenne oder eines Mastschweins entspricht) ist eingebettet in eine unwirkliche Lebenssituation, die jederzeit vom Arbeitgeber zerstört werden kann – jenem Arbeitgeber, der seine Schafherde gerne auf die lange Reise von hin zur ersten Million schickt, hinein ins Paradies der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem alle Last der Mittelmäßigkeit von einem genommen wird – jene Sphäre, in der das echte, wirkliche Leben wartet … mit endlos quälender Langeweile.

Wo aber sollen wir das Glück suchen?

Bevor wir uns gedanklich selber quälen, bedenken wir, dass wir in einer Konsumgesellschaft leben – die selber schon Glück in großem Ausmaß vernichtet, weil sie einem die Freude des selber Denkens – und selber Findens – durch übergroßes Angebot zu Allem und Jedem fortnimmt. Für unsere Zwecke jedoch wollen wir uns diese Gesellschaftsform kurz dienlich machen, in dem wir auf frei  zugängliche Zitate des Arthur Schopenhauer zugreifen … immerhin hat er uns auch das Dilemma eingebrockt, zu finden beim Arthur-Schopenhauer-Studienkreis:

Der normale Mensch ist, hinsichtlich des Genusses des Lebens, auf Dinge außer ihm angewiesen, auf Besitz, Rang, Familie; sein Schwerpunkt fällt außer ihm. Beim Geistreichen fällt derselbe schon zum Teil, beim Genialen ganz in ihn.

Genial zu werden … scheint ein sicherer Weg zum Glück zu sein.

Geistige Fähigkeiten sind die Hauptquelle des Glücks. Die geistigen Genüsse sind die anhaltend- sten, mannigfaltigsten und größten. Der Geistreiche bedarf zum Glück nichts weiter als freie Muße.

Die freie Muße … die sich nach Beendigung der Not fasst sicher einstellen würde, gäbe es nicht Menschen, die einen beständig „beschäftigt“ halten wollten … und sei es nur deshalb, um einem etwas zu verkaufen.

Das Glück gehört denen, die sich selber genügen. Alle äußeren Quellen desselben sind unsicher und vergänglich. 

Der innere Reichtum ist die Hauptsache. Von andern hat man nicht viel zu erwarten; am Ende bleibt doch jeder auf sich selbst angewiesen.

Gedanken – gedacht, bevor die Industriekultur aus der menschlichen Gemeinschaft eine Legehennenbaterie machte, in der Muße der Feind des Konsums wurde.

Regen wir uns auf über jenen Schopenhauer, der es sich – als kluger und reicher Erbe seiner Verwandschaft – sehr einfach macht und unsere Probleme überhaupt nicht verstehen kann?

Halten wir kurz inne … und sinnieren über Quantenphysik.

Wie Sie wissen, bestehen Sie aus Atomen. Hat der Atomkern die Größe eines Fußballs, finden sie das nächste Elektron in zehn Kilometer Entfernung. Was ist dazwischen? Genau – Nichts. Auch wenn die Anzahl der Atome astronomisch hoch ist (ich hörte mal von Quadrillionen – was immer das auch sein mag) sind Sie als Mensch – konkret betrachtet – nichts weiter als wandelnde Leere, auch wenn die Biologie unsere Anschauung als höchstes Maß aller Dinge wertet und uns Legenden von „Materie“ erzählt, die in etwas so real sind wie die Tatsache, dass die Erde eine Scheibe ist.

Was hält dieses Nichts zusammen?

Na – Sie! Ihr Wille! Die ganze Religion des „positiven Denkens“, die die größte atomare Weltmacht dieses Planeten antreibt (USA), beruht auf dieser Erkenntnis – und Schopenhauer formuliert dies in seinen Werken „Die Welt als Wille und Vorstellung“ sehr detalliert durch … mit einem kleinen Verweis auf das Paradies.

Nun sehe ich allerdings schon den geplagten Mittelstandsvater vor mir, der noch 16 Jahre und acht Monate sein Haus abbezahlen muss, unter den Schulproblemen seiner Kinder ebenso leidet wie unter den Nörgelattacken seiner Ehefrau und fragt: was heißt das jetzt für mich praktisch – diesen ganzen Worte und das ganze Gerede helfen ja nicht weiter?

Nun – für erste hülfe die Erkenntnis, dass man selber in erster Linie Wort ist. „Ich“ besteht aus Gedanken, die wiederum aus Worten bestehen – mehr nicht. Angesichts der Tatsache, dass unsere Materie zum überwiegenden Teil aus NICHTS besteht, sind Worte für uns die einzigste erfahrbare Realität – und eine sichere Art, die Realität unserer Nebenmenschen erfahren zu können. Dies Erkenntnis muss man SELBER HABEN, die kann nicht vermittelt, gekauft oder in der Lotterie gewonnen werden.

Und wenn man sie hat – ist man durch den Prozess des Denkens schon reicher geworden. Je reicher man im Inneren ist, um so weniger braucht es äußerer Güter, je mehr man sich der Genialität nähert, umso lästiger werden die Glasperlen der Konsumgesellschaft – auch wenn sie mit Brillianten besetzt sind.

Jenem Vater würde ich dringend raten, sich auf die Suche nach sich selbst zu machen (oder auf die Suche nach jener Kraft, die seinen persönlichen atomaren Kosmos zusammenhält), anstatt nur ein Fähnchen zu sein, dass von allen Winden der Welt hin – und hergerissen wird. Auf dieser Reise wird man phantastische Welten besuchen können: 90 % unseres Seins liegen im Unterbewusstsein – wir tragen dort einen ganzen Kosmos mit uns herum, den es zu erforschen gibt … voller Wunder, die wir – gelenkt durch falsche Absichten – im Cluburlaub auf Cuba vergeblich suchen. Nicht die Kinder nerven, die Bank oder die Frau – die Tatsache, hilfloses Fähnchen zu sein, macht zornig, mutlos, wütend und schwach … und sehr sehr unglücklich.

Findet man aber seinen inneren Reichtum, so gleicht man einem König mit großem Palast auf einer eigenen, großen parkähnlich gestalteten Insel, der souverän über sein Land herrscht … und für den die Stürme der Außenwelt nur noch leise Winde sind, die auf den Weiten der Meere um sein Reich herum unbemerkt verwehen. Aus dieser Position der Stärke heraus vermag man sich auch mit den größten Gewalten der Welt zu messen, ohne an ihrer augenscheinlichen Macht zu verzweifeln.

Nun – beenden wir das Gespräch über Glück an dieser Stelle mit einem besonders delikaten Ausblick, den ich aus eigener Erfahrung beisteuern möchte: folgt man diesem Weg, den die Philosophie (und nicht nur Schopenhauer) vorgegeben hat, so wartet am Ende der Reise eine ganz besondere Erkenntnis auf den Abenteurer: das völlige Erlöschen jeglicher Todesangst aufgrund des Erlebnisses der eigenen ursprünglichen „Wirklichkeit“, die weit über die primitiven Anschauungsformen rein biologischer Kategorien hinausreicht, die Erfahrungen von Zuständen, Bedeutungen und Ausprägungen der fünften und sechsten Dimension und die Erfahrung der „Qualität“ Leben, die nicht das Ergebnis der Summe von Feuer, Erde, Wasser und Luft ist – sondern ihre prägende Gestaltungskraft darstellt.

Das alles mag nur Illusion sein … aber diese Art von Illusionen sind wesentlich beglückender als jene Illusionen, die wir vier Stunden täglich via TV über uns ergehen lassen … oder jene, die uns Geld beschehrt.

Noch ein Beispiel?

Der Rapper Bushido erzählt gerade in der Süddeutschen von seinem Leben:

SZ: Trotz all Ihres Gelds und Erfolgs haben Sie Depressionen.

Bushido: Das ist bei vielen Promis so. Robbie Williams ist immer wieder auf Entzug, Britney Spears schneidet sich ’ne Glatze, Lindsay Lohan ist ’ne Junkie-Tante geworden, und Amy Winehouse spritzt sich mit Pete Doherty Heroin. Leute, die alles haben, sind sehr verletzlich. Das gilt auch für mich.

Da nehmen wir doch lieber unsere eigenen Illusionen … denn Kreativität enthält schon selbst ein enormes Glückspotential.

Materielle Rahmenbedingungen für ein glückliches Leben?

Finden wir bei einem glücklichen Menschen – Anselm Grün, Mönch und Multimillionär. Das Geld gibt er der Gemeinschaft, für sein Glück braucht er weniger als 50 Euro im Monat (Miete, Kleidung, Heizung und Essen gehen extra) und 20 Qudratmeter Wohnraum (siehe ebenfalls: Süddeutsche).

Glück scheint also finanziell nicht ganz unerschwinglich zu sein.

Es ist geradzu billig – wenn nicht sogar umsonst.

 

 

 

 

 

 

 

 

Prostitution verbieten? Ist alternativlos.

Prostitution verbieten? Ist alternativlos.

Dienstag, 19.11.2013. Eifel. Kürzlich erfuhr ich, dass die Wohungen aller Männer gleich aussehen.  Meine nicht – ich war verwundert. War ich etwa kein Mann? Nun – mit sieben Kindern scheine ich einen gewissen männlichen Aspekt zu besitzen. 30 Jahre durchgehend in Beziehungen zu sein, spricht wohl auch dafür. Nun – ich sei halt Philosoph wurde mir entgegnet, das würde man eben merken. Gut – mit solchen Komplimenten kann man meine ausgeprägte Staubtoleranz geschickt überspielen, ebenso meinen langsam gewachsenen Hang, eine Gruppe Weberspinnen den Aufenthalt in der Wohnung zu gestatten – sie halten die Insektenpopulation klein … auf dem Land ein wichtiges Argument. Ich schicke diese Worte meinen Überlegungen voraus, weil ich versprochen hatte, mich einem Thema zu widmen, dass mir äußerst fremd ist: der Prostitution. Dabei hatte ich schon mal Kontakt zu einer Prostituierten. Während des Zivildienstes (damals noch nur nach bestandener Gewissensprüfung möglich) war ich Wachpersonal in einem Männerwohnheim, wo ich gelegentlich käufliche Frauen aus Schränken holen musste – ich hatte ein robustes Mandat, wie man so schön sagt. Mit einer habe ich mich mal länger unterhalten – und sie dann ohne Anzeige gehen lassen, trotz Beischlafdiebstahl. Da war so viel Notlage, so wenig Sexarbeiterinnenprofessionalität – da musste man ein Auge zudrücken: das junge Mädchen wollte eigentlich nur das Geld und konnte auf den Sex mit den beiden übel riechenden Herren gut verzichten.

Ansonsten reichten mir vertrauenswürdige Schilderungen über die Qualität der „Erotik“, die einen dort erwartet, um den Bereich weiträumig zu meiden – sogar als Ärzte mir anboten, 100 teuerste Packungen eines beworbenen Medikamentes zu verordnen, wenn man mich auf einer Reeperbahnbühne sehen würde. Ich glaube – das war dann meine zweite Begegnung mit Prostitution – die eher alltägliche Form käuflichen Verhaltens. Nein – ich habe das Angebot eher unfreundlich abgelehnt … konnte es mir auch leisten, hatte sowieso schon den meisten Umsatz in Deutschland. Was dieser Arzt sonst noch so treibt – mit Menschen, die weniger gut im Sattel sitzen – will ich gar nicht genau wissen.

Nun habe ich über das Bordell Deutschland geschrieben. Prostitution wird Industrie. Wie immer, wenn Industrie im Spiel ist – Nahrungsmittelindustrie, Pflegeindustrie, Bildungsindustrie, Behandlungsindustrie – wird es dort schnell unmenschlich, gefühllos und entartet … da macht die Sexindustrie keine Ausnahme.

Natürlich bin auch ich in den neunziger Jahren auf den Legalisierungstripp hereingefallen: das Fernsehen war auf einmal voller glücklicher Prostituierter, die mit unglaublichen Zahlen um sich schmissen (2000 – 3000 Euro die Nacht) und man fragte sich: wenn diese Frauen das gerne machen: warum eigentlich nicht? Ist es nicht so, dass „Ehe“ im Prinzip ein ähnlicher Tausch – Sex gegen lebenslängliche Rundumversorgung – ist? Nun – heute vielleicht. Als bekennender Sozialromantiker hatte ich andere Vorstellungen von Beziehung und Ehe – aber was soll´s: bin ja auch geschieden … und das Geld spielte trotz Spitzeneinkommen dabei eine wichtige Rolle – es war halt immer zu wenig.

Im Prinzip ginge mich das Thema also nichts an – wenn nicht die Legalisierung dieses Berufes Nebenwirkungen hätte wie alle anderen Industrien auch: wo die Nachfrage nicht künstlich gebremst wird, wird ein Druck (oder Sog) erzeugt, der kriminelle Machenschaften blühen lässt. Diese Prosititution findet halt nicht nüchtern im luftleeren Raum statt: „Sex sells“ gilt überall – und von jungen Männern, die aus anderen Kulturen zum Studium zu uns kommen, habe ich schon den Kommentar vernommen, dass sie deutsche Frauen alle für Prostituierte halten. Man gehe mal offenen Auges durch eine Großstadt. Was einen dort alles paarungsbereit auf großen Plakatwänden, Auslagen, Fernsehmagazinen und Hochglanzbroschüren anstrahlt, ist schon überwältigend: Kopulation als Lebenssinn, als Erfüllung allen Seins.

Die Nachfrage – so halten wir fest – wird in großem Umfang mit viel Aufwand produziert. Das Männer da überhaupt noch zum arbeiten kommen, scheint unmöglich. Oder die Theorie ihres übergroßen Triebes ist einfach … falsch.

Im Rahmen der Industrialisierung von Sexarbeit kehrt sich ein ehedem vielleicht freiwilliges Arbeitsverhältnis um. Zahle ich 175 Euro die Nacht für ein Zimmer (5250 Euro im Monat), dann muss ich das erwirtschaften. Da muss man als Frau schon eine halbe Hundertschaft über sich ergehen lassen – und hat noch keinen Euro Gewinn. Andererseits …. ist die Verlockung natürlich groß, diese Zimmer – wenn erst mal vorhanden – mit hilflosen Menschen aus aller Welt zu füllen. Ist erstmal ein Kostendruck da, fallen schnell alle Hemmungen.

Prostitution verbieten – schon jetzt kann man sagen: na klar. Doch da kam in einer Facebook-Diskussion gleich eine Frage auf:

Und was machen hässliche, alte Männer, die niemand zum Sex will? Sollen die ohne die Möglichkeit des käuflich Sexs vergewaltigen?? Frage n La M.

Tja – wenn Männer wirklich so drauf sind (ich bin es eher nicht, kann das also nicht beurteilen) dann muss man diese unberechenbaren Gestalten als zivile Gesellschaft zum Schutz der Schwächeren (Kinder zum Beispiel) einfach einsperren: man weiß ja nie, wie die gerade drauf sind. Eventuell brauchen die auch zwecks Ausgang eine Begattungsbescheinigung, die belegt, dass von ihnen die  nächsten 8 Stunden keine Gefahr ausgeht?

Gerne hätte ich auch eine Gegenfrage. Was ist den mit den ganzen hässlichen alten Schwulen, die keinen Mann abkriegen? Sollten da nicht alle Männer mal mithelfen, dass die nicht so unbegattet in der Landschaft herumstehen? Ich kenne alternde Schwule – die haben echte Not, weil sie aus dem Attraktivitätsrahmen ihrer Spielkameraden herausgefallen sind. Gedenke ich der ausgeprägten Homophobie des deutschen Mannes, kommen mir gleich unzählige ulkige Situationen in den Sinn – doch lassen wir das, wir sind nicht zum Spaß hier.

Ein weiteres Zitat?

Ohne spießige, langweilige, unerotische Ehen kein Prostitutionsbedarf..frag die Nutten..die wissen´s!

Ja – das ist der Anspruch, der sich inzwischen in Deutschland erhebt: gebärden sich die Frauen nicht wie Nutten, sind sie selbst Schuld, wenn ihre Männer ins Bordell gehen. Nutten als Normstandard.

Was diese Aussagen gemein haben: das absolute Recht des Mannes auf Sex – und die nicht hinterfragbare Pflicht der Frau, diesen zu liefern, gern auch ganz unkompliziert und gegen Geld. Da blickt man auch über die Zwangsprostituion gerne hinweg.

Man darf sich gerne mal das Buch von Mandy Koop anschauen, wie glücklich Kinder durch Zwangsprostitution werden. Die können ihr Leben lang kaum eine normale Beziehung mehr führen. Wieviel Geld ist so eine zerstörte Seele wert? Auch stolze, selbstbewußte, freie Prostituierte berichten über solche Probleme (siehe: Mein Job ist Sex, ZDF-Produktion aus dem Jahre 2012).

Und was ist mit dem Heroenbild der freien, selbstbestimmten Sexarbeiterin? Nun – eine Erfindung der Medien. Hören wir dazu die Stimme der Wissenschaft, zitiert bei Cicero im Jahre 2013, die sich dieses Themas umfangreich angenommen haben:

Ähnlich dünn sieht es bei der Medienforschung aus. „Unzureichend“, befand Tina Knaut, die für ihre Diplomarbeit zur Berichterstattung über Sexualität 87 wissenschaftliche Werke zwischen 1985 und 2010 durchforstete. Ihre Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Verharmlosung der Prostitution schon in den 90er Jahren einsetzte.

Knaut kommt am Ende ihrer Arbeit zu der ernüchternden Erkenntnis: „Es überwiegt eine patriarchale Sichtweise, die Sex lediglich als risikofreien Spaß versteht. Eine ernsthafte Berichterstattung mit einer politischen Komponente findet kaum statt.“

2007 berichtete der Spiegel über die Erfahrungen, die man in Schweden mit dem Thema gemacht hat:

Jetzt ist auch die Krankenschwester im Prinzip für das Sex-Kaufverbot. Für sie gehört Prostitution abgeschafft. „Es stimmt: Glückliche Huren gibt es nicht. Die meisten, die ich im Laufe der Jahre hier kennengelernt habe, wurden schon in ihrer Jugend durch Verwandte sexuell missbraucht und haben große psychische Probleme“, sagt sie. „Da ist wenig Freiwilligkeit.“ Wer länger dabei ist, nehme Drogen oder Beruhigungsmittel. „Das ist kein normaler Beruf. Ich wünsche allen, dass sie da wieder rauskommen.“

Nun – nach dem letzten Artikel haben sich hier auch Eskortdamen gemeldet, die uns (oder mich) davon überzeugen wollten, dass das doch alles gar nicht so schlimm sein. Liebe Damen: ich zweifle nicht an der Tatsache, dass es Frauen gibt, die sich gerne verkaufen. Es gibt auch Frauen, die sich gerne schlagen lassen, sich gerne mit Urin übergießen lassen (man nennt dies vornehm „Natursekt“, gehört in einem Nachtclub zu den handelsüblichen Dienstleistungen, die man als Frau gelegentlich – neben anderen, ebenso unappetitlichen Verrichtungen – gegen Geld über sich ergehen lassen muss). Es gibt auch Männer, die lassen sich gerne aufessen. Andere bringen gerne Leute um, wälzen sich in Kot oder foltern kleine Kinder – all´ solche Gestalten tauchen vor meinem inneren Auge auf, wenn ich an „Einzelfälle“ denke. Die Aufgabe der Philosophie ist aber nicht die Frage, ob Menschen seltsame Hobbys haben dürfen, sondern ob man das als gesellschaftlichen Normzustand akzeptieren sollte … oder eben nicht.

Was für mich hier eher zählt als der Einzelfall sind die Studien – vor allem die über die seelischen Folgen, siehe Wikipedia:

Prostituierte und Stricher sind nach einer kanadischen Studie eine Hochrisikogruppe für psychische Störungen. Häufig findet man bei ihnen erhebliche Störungen. Viele Prostituierte leiden an psychischen Traumata, die in ihrer Vergangenheit und durch ihre Tätigkeit bedingt sind. In der Studie kam sexueller Missbrauch von Kindern bei 26–73 % vor. An körperlicher Kindesmisshandlung litt etwa die Hälfte der untersuchten Prostituierten. Auch sonstige potentiell Trauma auslösende Situationen sind häufiger bei Prostituierten zu finden als bei anderen Menschen.

In Hamburg wurde bei 98 % der untersuchten Prostituierten mindestens ein traumatisches Ereignis in der Vergangenheit festgestellt. Bei 83 % fand sich bereits ein Trauma in der Kindheit (familiäre Gewalt 70 %, körperliche Misshandlung 65 %, sexueller Missbrauch 48 %). Während der Prostitution erfahrene Traumata fanden sich ebenfalls bei 83 % (körperlicher Angriff 61 %, Vergewaltigung 61 %, Bedrohung mit einer Waffe 52 %). 53 % erreichten einen Krankheitswert im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung. Missbrauch und Abhängigkeit von illegalen Drogen fanden sich bei 74 %. Internationale Vergleichsstudien ergaben ähnliche Befunde.

Prostitution macht krank – oder: nur Kranke lassen sich für Natursektduschen bezahlen.

Das geht übrigens noch weiter. Aus der Pornofilmindustrie weiß ich, dass die Verwertbarkeit der Damen im Alter nachlässt. Wo landen sie dann? Bei Sex mit Tieren. Ja – es gibt einen nie ausgesprochenen aber unter Männern ewig gültigen Satz, dass Frauen eben so sind: kriegen die keinen Kerl mehr ab, nehmen die auch einen Esel. Hat man ja oft genug im Film gesehen.

Nun werden wahrscheinlich 40 Millionen Freier und 400 000 Dienerinnen des Eros vor meiner Tür demonstrieren, um mich davon zu überzeugen, dass mein Urteil zu diesem Thema falsch ist. Es gibt vielleicht auch die eine, glückliche Prostituierte. Viele davon traten ja im Fernsehen auf – aber welchen Wert haben Aussagen, die gewünscht sind und gegen Bezahlung gemacht werden? Wie ernst darf ich die Aussagen von Frauen nehmen, die sich sogar für Sex bezahlen lassen?

Nun – eher interessiert mich, welche Absicht die Medien mit ihrer Dauerkampagne haben – das ist die viel brisantere Frage, der wir heute aber nicht nachgehen wollen. Ein Ergebnis ist klar: Deutschland ist Billig-Bordell geworden, aus den Traumhonoraren von 3000 Euro sind – für den edlen Escortservice – 300 Euro geworden … für die Firma, die diese Dientsleistung organisiert. Für die Dame vor Ort bleibt weniger übrig (Angaben eines Escortservices in Aachen).

Heute geht es nur im Prostitution – und die gehört leider wegen Risiken und Nebenwirkungen strikt verboten. Ich weiß – das ist schade, weil käuflicher Sex für viele das Höchste der Genüsse ist. Es geht aber nicht anders.

Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die das gerne machen. Andere ritzen sich gerne mit spitzen Dingen – und wir halten sie auch davon ab.

Die offensten und bekennensten Sexarbeiterinnen haben mich davon überzeugt. Warum? Quer durch alle Interviews wollen sie gewisse Intimitäten für sich behalten: der Kuss auf den Mund wird oft genannt. Wieso eigentlich? Wenn das alles so harmlos ist … warum ist das so wichtig?

Ganz einfach: weil es eben nicht harmlos ist. Es wird nur mit großem Aufwand als harmlos dargestellt.

Das man Menschen findet, die für Geld vor laufender Kamera von ihrem großen Glück als Hure reden, bezweifle ich nicht. Das manche das auch ernst meinem, ebenfalls nicht – immerhin weiß ich, dass ich in einem Land lebe, in dem Angela Merkel als Superstar gilt – das erklärt vieles. Das Urteil über Prostution ändert das nicht: sie gehört streng verboten – und die Freier zu bestrafen, scheint mir die eleganteste Lösung zu sein. Sie zu verbieten, dürfte auch im Interesse der Prostituierten liegen: ihre Freigabe hat nur die Preise versaut.

Und man komme mir jetzt nicht mit dem Satz, dass es Prostitution schon immer und ewig gab. Erstmal gilt das auch für Sklaverei – obwohl es Menschen gibt, die sich gerne versklaven lassen, verbieten wir sie … jedenfalls offiziell.

Und Indiander kannten sie so gut wir gar nicht – bis Kolumbus kam.

 

 

 

„Hartz IV als Chance“ – die teuflische Botschaft des Robert Betz und die unglaubliche göttliche Kraft des NEIN.

"Hartz IV als Chance" - die teuflische Botschaft des Robert Betz und die unglaubliche göttliche Kraft des NEIN.

Donnerstag, 26.9.2013. Eifel. Heute morgen hat es mich gegruselt. Wo und warum  – dass soll mal egal sein. Mir liegt nichts daran, Menschen zu verletzen – allerdings gehöre ich zu den Menschen, die laut „Vorsicht!“ rufen, wenn jemand unaufmerksam auf die Hauptstraße läuft. Gerade bei Kindern hat sich das schon mal als lebensrettend erwiesen, obwohl ich natürlich etwas ganz Schlimmes getan habe: ich haben laut „NEIN“ gesagt, habe in das Schicksal eingegriffen und dem jungen Menschen eine einzigartige Erfahrung vermasselt. Ja – so kann man denken. Es gibt Menschen, die denken so. Es gibt sogar ganze Schulen, die lehren dieses Denken. Es ist eine der erfolgreichsten Philosophien des letzten Jahrhunderts – sogar „DIE“ klassische US-Philosophie. Sie hat viele Namen – ich nenne sie hier mal die Kunst des positiven Denkens, die solche wundersamen Sätze gebiert wie „Hartz IV als Chance“.

Ich bin auch persönlich dazu berufen, über diese Philosophie zu sprechen: sie hat mich ein Haus gekostet, zwei Eigentumswohnungen und vier Baugrundstücke; außerdem wurde meine Familie dadurch zerstört … und in Folge dessen auch meine Gesundheit. Natürlich ist das eine interessante Erfahrung – sie hat sechs Kindern Heimat und Familie genommen, sie völlig aus der Bahn geworfen und ihnen ein Leben mit deutlich geringeren Chancen auf eine selbstbestimmte Existenz beschert – was nur als gut anzusehen ist, denn: was wäre wohl geschehen, wenn dies nicht so geworden wäre? Also danken wir der Person, die das Desaster angerichtet hat – jene Person, die die Finanzen der Familie dem Positiven Denken überantwortet hat. Ja, natürlich, es gab ein paar Nebenwirkungen. Sie sind allgemein bekannt, siehe Wikipedia:

Aufgrund unreifer Ziele und mangelnder Fähigkeiten kann das willentlich aufgesetzte, zwanghafte Positive Denken nicht nur nutzlos sein, sondern auch erheblichen Schaden für die Psyche des (fanatischen) „Positiv-Denkers“ anrichten. Zugleich zeigt sich nach Scheich auch, dass viele Menschen, die bewusst positiv denken wollen, noch nie so stark negativ gedacht haben. Es ist ein Paradoxon der „entgegengesetzten Wirkung“ von Abschottung, Realitätsverlust und Bewusstseinsspaltung in das „positiv denkende Ich“ und den „übermächtigen Rest der Seele“

Auch so etwas habe ich beobachten können – bis hin zu einem „Lottokult“, der alle real angerichteten Schäden (und die ganze Lebensplanung der Kinder) dem „heiligen Lotto“ übergibt, dessen Millionen irgendwann „ganz sicher fließen werden“.

Ich habe mir dazu mal Rat geholt bei einem der Prediger dieser Philosophie – obwohl ich mir nicht sicher bin, ob er sich selbst genügend reflektiert, dass er sich bewusst ist, was er da tut. Er heißt Robert Betz und veröffentlicht regelmäßig Sprüche bei Facebook, heute vor zwei Stunden kam dieser hier:

Der zweite Schritt der Veränderung ist es zu sagen: „Alles in mir/in meinem Leben darf jetzt da sein! Ich bin bereit, es mir anzuschauen bzw. zu fühlen, was es in mir auslöst.“ 1. Wahrnehmen, 2. Annehmen. Dein JA! zu dem, was jetzt da ist und deine mit innerem Abstand beobachtende und bejahend fühlende Haltung öffnet den Weg zur Veränderung. Dein „Nein!“ blockiert den Weg zur Veränderung und hält dich im Bewusstsein eines armen Opfers anderer Menschen oder des vermeintlichen Schicksals.

Schreibe einmal alles auf, wozu du jetzt in deinem Leben, in deinem Körper, deiner Partnerschaft, an deinem Arbeitsplatz „Nein“ sagst. Unsere „Neins“ verstärken unsere Mangel- und Leidenszustände und machen unser Leben so anstrengend. In der Natur gibt es kein „Nein“, der Fluss fließt nicht rückwärts und die Eiche ist nicht neidisch auf den weißen Stamm der Birke.

Ja … dieses unglaubliche, übermächtige, positive JA. Wenn demnächst meine Tochter mit dem Dreirad auf die Bundesstraße fährt, werde ich dieses überwältigende JA aussprechen – und ruhig zuschauen, was passiert. Mein Nein würde den Weg zur Veränderung versperren – das sehe ich jetzt ein.

Nun – wozu ich alles NEIN sage, findet man zuhauf in diesem Nachdenkmagazin. Es ist ziemlich viel: Ausbeutung, Dummheit, Egoismus, Arroganz, Unmenschlichkeit, Folter, Mord, Sadismus, Lüge, Diebstahl, Betrug, Verrat, Hass, Neid – schon einfach soziale Gleichgültigkeit ist mir zuwider. Und ich weiß auch, dass es in der Natur ein starkes, kräftiges NEIN gibt: das deutliche, energische, kraftvolle NEIN des Ebers, der den Wolf daran hindert, die Frischlinge zu fressen, das NEIN der Fuchsmutter, die ihren Kinder eine Höhle besorgt, um sie vor dem Kältetod zu schützen, das NEIN des Sklaven, der sich eine Stadt baut, um den Feudalherren zu entkommen.

Überraschend oft funktioniert dieses NEIN ganz wunderbar – es ist die Quelle jedes realen Erfolges. Ich sollte Seminare geben über die zauberhafte Kraft des NEIN – nur leider habe ich auch NEIN zur Ausbeutung gesagt, was mich daran hindert, jetzt so richtig materiell erfolgreich zu sein. Die Eiche ist natürlich nicht neidisch auf den Stamm der Birke – aber schmettert dem Sturm, der sie fällen will, ein energisches NEIN entgegen. Nur deshalb ist sie so kräftig gewachsen: aus Erfahrung wird man halt klug.

Mir persönlich geht es mit meinem NEIN übrigens sehr gut. Ich bin oft sehr glücklich – weil ich NEIN sagen kann. Ich bin chronisch krank – multimorbide, unheilbar und zur ewigen Armut verdammt – aber mir geht es oft phantastisch. Ich fühle mich sehr wohl als Fels in einer Brandung des Unheils und denke mir gern: „na, irgendjemand muss das halt machen“. Man erfährt so viel über seine Kraft, seine Lebendigkeit, seine Fähigkeit zur aktiven Gestaltung des Lebens und merkt, dass es eigentlich nichts gibt, was einem das Glück vermiesen kann – außer natürlich solche Prediger des Bösen wie Robert Betz.

Prediger des Bösen?

Ja – ich habe da einen ganz klaren Begriff des Bösen. Der ist nicht sonderlich moralisch, ethisch oder religiös hergeleitet, sondern ergibt sich mehr aus der Anschauung heraus – vor allem aus der Anschauung der Folgen von Lebensphilosophien … und ich sehe da einen Robert Betz mit leuchtenden Augen vor den Toren des Vernichtungslagers Ausschwitz, wie er den Insassen zuruft: „Genießt Eure Erfahrung“.

Man merkt: diese Philosophie hat nur eine begrenzte Tüchtigkeit – sie wirkt nicht außerhalb des Wohlstandes der westlichen Welt. Innerhalb wirkt sie eine Zeit lang betäubend wie Opium, vermittelt sie doch dem Individuum die Illusion, es könnte mit ein wenig Veränderung des Denkens selbst zum Gott werden: für Egoisten eine unglaubliche Verlockung: kraft der eigenen Gedanken seine eigene Welt erschaffen – ohne Rücksicht auf Folgen für den Rest der Welt … wie wunderbar.

Die Verheerungen, die der Egoismus in die Welt gerufen hat, lassen sich in den täglichen Nachrichten detaliert studieren, Frank Schirrmacher hat ein ganzes Buch darüber geschrieben. Ich nenne den Egoismus böse, weil er entgegengesetzte Werte zu den traditionell „guten“ Werten unserer Kultur predigt: Nächstenliebe, Mitleid, Fürsorge – Werte, die viel anstrengender sind als die passive Beobachterkultur des positiven „Wunsch“denkens.

Diese Werte gehen auf einen Prediger zurück, der die Menschheit nachhaltig beeindruckt hat – wir nennen ihn Jesus Christus. Er hat vor 2000 Jahren ein gewaltiges NEIN gesprochen: sein Reich ist nicht von dieser Welt. Diese Welt ist für ihn eine gefallene Welt, eine üble Welt, die beständig von Dämonen belauert wird, die den Menschen quälen und in ihre Gewalt bringen wollen – einer der Dämonen ist der Mammon, heute gerne „Erfolg“, „Leistung“ und „Reichtum“ genannt. Wie sehr er den Charakter deformiert, kann man täglich in den Medien studieren. In dieser Welt ist Leiden kein selbstverursachter Zustand, für den das eigene mangelnde Denken die Schuld trägt, sondern einfach das alltägliche Standardprogramm, dem man sich nur entziehen kann, wenn man deutlich und energisch NEIN sagt. Oft genug ist das Leiden sogar ganz unnötig von Menschen verursacht worden, die sich selbst für unglaublich toll (ja … fast göttlich …) halten und meinen, deshalb stünden ihnen von den Gütern der Welt viel mehr zu als den anderen Menschen. Ohne diese Leute … wären wir fast schon im Paradies.

Huch – Robert Betz als Antichrist?

Wir wollen ihn mal nicht so sehr aufwerten. Er ist einer von 100 000 Predigern, die ihre eigene Luxusexistenz auf Lesbos durch das Leid vieler unschuldiger Menschen finanzieren (und ihnen eine gewaltige Schuld aufbürden) – es sind die armen, kranken und schwachen Menschen, die zu ihm finden. Die anderen wähnen sich im Sinne des (ebenso teuflischen) „Wohlstandsevangeliums“ als gottgewollte Sieger in einem Universum, dass nur den Starken möchte, den Menschen, der Gott werden möchte.

Es gab schon mal einen ganz großen Engel, der daran gescheitert ist: der höchste, strahlendste, edelste von ihnen – Luzifer, auch Satan genannt, heute das Urbild des Bösen.

Manchmal kann man aus alten Mythen viel lernen – vor allem: sich vor neuen Legenden zu schützen.

Ich kenne aber auch die Rede der Prediger des Bösen und ihre Versuchungen. „Was ist mit Gott“ fragen sie. „Ist es etwas nicht sein WILLE, der sich in der Welt manifestiert?“

Nun – begebe ich mich in dieses System, dann sollte ich das konsequent tun. Wenn Gott das NEIN nicht gewollt hätte, dann hätte er kein Immunsystem geschaffen, dass uns täglich vor tödlichen Angriffen unserer Umwelt (Viren und Bakterien) bewahrt. Dieses Immunsystem – und jetzt kommen wir in die Welt der Zauberei – reagiert in der Tat auf optimistisches Denken. Spontanheilungen von Krebs sind hier denkbar, denn Krebs ist nichts anderes als ein Zustand, in dem das Immunsystem sein NEIN vergessen hat: jeder von uns hat Krebs, doch das Immunsystem erledigt ihn … tagtäglich. Sagt es aber JA zur Krankheit … ist die Heilung vergeblich.  Die Psychoneuroimmunologie hat hier erstaunliche Erkenntnisse zu Tage gefördert.

Wo aber das Immunsystem keinen Einfluss hat, versagt auch der Optimismus: das amputierte Bein wächst nicht nach, das erschossene Kind steht nicht mehr auf, das Trauma nach Vergewaltigung verschwindet nicht von selbst.

Viel wichtiger im religiösen Kontext (in den sich die Prediger des Bösen immer schnell flüchten, wenn es ihnen zu heiß wird) ist das Gebot, das wir uns über Gott kein Bild, keine Gedanken und keine Vorstellungen machen sollen. „Keine Macht den Priestern“ – steht gleich ganz vorne in der Bibel. Es sein denn, sie wirken Wunder und legitimieren sich so: über Wasser laufen, wundersame Brotvermehrung, Heilung von Kranken und Toten – so etwas sollte ein korrekter Prediger Gottes schon bringen. Bringt es das nicht (wie Herr Betz und die 100 000 anderen, die durch böse Worte der Täuschung unsägliches Leid verbreiten), sollte man ihn als das bezichtigen, was er ist: ein Scharlatan. Ein Betrüger. Ein Feind Gottes.

Leid in jeder Form ist Preis des Lebens – nicht Schuld von „schlechtem Denken“. Es ist ein Preis, den wir für Freiheit zahlen müssen – Freiheit, die zum Bösen führen kann. Wenn man nicht aufmerksam ist, nicht aufrichtig, nicht wach und gedanklich klar gehört man schnell selbst zu den Menschen, die Gutes wollen und Böses tun.

Spricht hier nun ein tumber Materialist? Jemand, der – ganz unwissenschaftlich – die geistige Welt ablehnt und ihre Botschaften verschmäht?

Nein – hier spricht ein Pragmat.

Wenn jemand mit der geistigen Welt spricht, dann will ich Ergebnisse sehen – und nicht nur bloßes  Wortgeklingel.

Die Gemeinschaft von Findhorn zum Beispiel (heute nicht unbedingt empfehlenswert) hatte durch ihre Praktiken Kohlköpfe im nährstoffarmen Sand großgezogen, die wegen ihrer erstaunlichen Größe Biologen aus der ganzen Welt begeisterten – und Theologen ebenso. Die Botschaften ihrer „Stimmen“ waren von einem hohen ethischen Niveau und erstaunlicher gedanklicher Klarheit … über Jahrzehnte hinweg.

Von diesen Menschen weiß ich auch, dass sie – wie Christus – neben der Stimme Gottes viele andere Stimmen vernahmen, die von Geistern kamen, die übler Natur waren.

Einer spricht hier – für 149 Euro pro Person – und verspricht ein gesundes Leben – lebenslang:

Schmerzen und Krankheiten sind absolut nichts Natürliches. Sie sind hausgemacht und vom Träger des Körpers in aller Regel unbewusst erschaffen. Aber der Normalmensch will davon nichts hören, dass er selbst seine Krankheiten erschafft. Diesen Gedanken zuzulassen, wäre ihm peinlich.

Schmerzen – sind nur eine übersteigerte Form von Gefühlen – von Nervenenden produziert, wenn was falsch läuft. Die gleichen Nerven, die die positive Wirkung von Wärme melden, melden die vernichtende Kraft des Feuers. Sie sind keine Krankheit. Die folgt, wenn man die Schmerzen ignoriert und die Hand weiter ins Feuer hält.

Aber wie schön, welch´ schöne Botschaft wird hier versprochen: ewiges Leben. Und wie bequem sie ist: kümmere Dich nicht um Deinen Nebenmann – er trägt selber die Schuld für sein Leid. Wenn er jammert: sage ihm, dass er selbst Schuld ist an seiner Arbeitslosigkeit – das enthebt jeden jederzeit aller Verantwortung, jeder kann dann auch tun, was er will und möchte. Steche ich ein Messer in Dein Herz, vergifte ich Dein Wasser, übergieße Dich mit Säure – DEINE SCHULD, WENN ES WIRKT.

Und MICH – MICH LIEBT GOTT, WEIL ICH REICH BIN. Ich habe PORSCHE, OMEGA und BOSS – was kann ich anderes sein als Gottes Sohn?

Und weil das so ist – ist jeder materielle Reichtum göttlich, ja, jeder Reiche ein wahrer Sohn Gottes.

Anders als der arme Zimmermannssohn mit seiner Sozialromantik können die „wirklichen“ Söhne Gottes, die jederzeit mit der „Geistigen Welt“ kommunizieren können, ihren Anspruch durch GELD legitimieren. Ihm – dem LOOSER – hatte Satan die ganze Welt angeboten … und der Trottel hat sie abgelehnt. Kein Wunder, das man ihn gefoltert, entwürdigt und gekreuzigt hat!

Im religiösen Bereich bewegen wir uns hier in der Sphäre des absolut Bösen – und so sind letztlich auch die Wirkungen (oder „Nebenwirkungen“) zu erklären, wenn der Rausch der Selbstvergötterung verflogen ist und man immer noch in seinem armen, kranken, einsamen und fremdbestimmten Leben aufwacht, in dem einem die gebratenen Tauben nicht wie im Schlaraffenland in den Mund fliegen – obwohl man ständig „richtig“ gedacht und es allen 100 000 Predigern des Bösen recht machen wollte.

Im nichtreligiösen Bereich haben wir es hier mit einer unglaublichen Scharlatanerei zu tun, dem Denksystem einer äußerst schädlichen soziopathischen Psychosekte, die jede Perversion menschlichen Seins heilig spricht – und so erfolgreich auf Dummenfang geht.

Und ich nun – als von der Welt gebeutelter Mensch, dessen Bandscheiben nur noch Trümmer sind … eine natürliche Folge von einer Million Kilometern in Kraftfahrzeugen?

Ich gebe jetzt Seminare über die unglaubliche Kraft des NEIN. Sicher – weltliche Werte habe ich nur wenig, Gesundheit ebenso … aber ich habe gelernt, dass dort kein Glück zu finden ist. Glück gibt es im NEIN. Das NEIN ist der Sinn des Lebens, es macht stark, gibt Kraft – und letztlich überwindet es auch den Tod.

Wieso?

Nun – das lehren alle Kulturen, die Lehren des Todes entwickelt haben. Jene Momente, wo die Seele gewogen wird, wo geprüft wird, ob sie stark genug geworden ist – oder zu jenen Früchten gehört, die ins Nichts gehören. Dort wird der Moment sein, wo man in die Hölle blickt – oder in den Abgrund des NICHTS. Wer dazu JA sagt: gute Reise und angenehmen Aufenthalt.

Wer jedoch seinen Charakter durch das NEIN gestärkt hat – über Jahre hinweg durch alles Elend – wird einfach weiter gehen und den Tod ignorieren.

Das lehrt das tibetanische Totenbuch, das Totenbuch der Maya und das Totenbuch der Ägypter, das lehrt der Glauben der Germanen und Griechen – und das predigt auch die Bibel.

Das NEIN gibt ewiges Leben, wenn es kräftig genug ist, auch dem Tode NEIN zu sagen. Wer das nicht schafft, stirbt eben den Zweiten Tod – wie es der Apostel Johannes oder der Zauberer Don Juan Matus (bei Carlos Castaneda nachzulesen) dargestellt haben.

Natürlich wird der Tod nicht angenehm: der Körper wird seine Arbeit tun und Warnsignale über den Tod der Zellen ausschicken – das ist sein Job. Aber auch zu diesen Schmerzen kann man NEIN sagen. Niemand kann einen zwingen, sie zu begrüßen.

Bevor ich aber jetzt Anmeldungen für die Seminare bekomme: ich werde sie nicht halten. Ich könnte Bücher über die revolutionäre und evolutionäre Kraft des NEIN schreiben, die sehr erfolgreich sein könnten. Man würde mich mit Geld überschütten – und mein Lebensglück zerstören.

Ich bin froh, dass ich das gefunden habe und möchte es mir nicht durch bloßen Materialismus vermiesen lassen – obwohl die Kraft des NEIN etwas Wesentliches im Menschen bewirkt: die Erfahrung der Selbstwirksamkeit. Die schützt vor Krebs – das ist bewiesen. Das JA zu allem und jedem … macht unglaublich schwach.

Und obwohl ich diese Zeilen mit ironischem Lächeln schrieb, könnten sie doch einen realen, metaphysischen Hintergrund haben.

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ein Reicher in das Reich Gottes gelangt„.

Man sollte Herrn Betz mal fragen, warum er wohl möchte, dass so wenig Menschen in das Reich Gottes gelangen – und aus welchen abgründigen Gefilden wohl seine Geister zu ihm sprechen.  Die Botschaft seiner Geister ist klar:

Und das ist das nächste Thema das ihr kennt auf der Achse der Transformationszeit.

Wer zieht mir Energie ab? Wer geht mit mir und wer nimmt mir Energie? Und mit wem gehe ich und es ist Erhöhung und es ist Kraft und es ist Schönheit, Leben, Tanz und Gesang? 

Schönheit, Tanz und Gesang findet man nicht bei den Armen und Kranken dieser Welt – Not und Elend ist ihr täglich Brot – fernab von jeder „Erhöhung“, die die Jünger des Bösen so sehr ersehnen. Und was ist das – „Energie“?

Na: Geld. Und dazu gibt es klare Aussagen:

Liebe das Geld!

Wie denkst du über Geld? Geld ist weder gut noch schlecht. Geld ist. Und es hilft uns, unser Leben zu organisieren. Wenn du das Geld nicht liebst, gibt es keinen Grund, warum es dir zufließen und bei dir bleiben sollte. Wenn du Schulden hast, kümmere dich um deine Schuldgefühle, deine Selbstabwertung und dein Mangeldenken.

Tja – ich habe weder Schulden noch Geld. Dafür die unglaubliche Kraft des NEIN.

Und die führt mich direkt in das Reich Gottes – was will ich mehr?

Und die kurze irdische Durststrecke überstehe ich locker – und habe soviel Kraft, noch anderen dabei zu helfen. Ganz ohne Geld – will mir ja nicht das Reich Gottes versauen.


 

 

 

 

 

Phase 1 – Abnabelung vom System

Die Welt wird immer absurder, was hier auf nachrichtenspiegel.de wunderbar dokumentiert wird. Aufgrund der überwältigenden Informationsflut von Unstimmigkeiten, auf dieser eigentlich sehr schönen, einzigartigen Kugel im schwarzen Vakuum des Raumes, macht sich gerne ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit bei den Betroffenen breit. Bei mir ist es jedenfalls so. In Gesprächen mit Freunden/Bekannten erfahre ich, dass es ihnen ähnlich geht. Darum sind kreative Lösungen gefragt. In vielen Bloggs und sonstigen Webseiten veröffentlichen Leute ihre guten Ideen. Diese dann im Web zu finden, gestaltet sich  dann als eher schwierig. Eigentlich sollte es eine zentrale „Lösungsbibliothek“ geben. Jeder kann dort seine Lösungsmöglichkeit zu einem gesellschaftlichen Phänomen, oder auch persönliche, hinterlegen. Viele kluge Köpfe haben gute Ideen und andere, welche Optionen suchen, können so von den kreativen Gedanken profitieren. Je grösser die Auswahl ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, etwas Passendes für sich zu finden. Dies so als grundlegender Gedanke.

 

Phasen

In der ersten Phase stehen Veränderungen an, die den momentanen Status Quo einer Person nicht oder wenig tangieren. Sinn und Zweck von den verschiedenen Phasen ist die Tatsache, dass Veränderungen am besten gelingen, wenn sie mit Leichtigkeit in das bestehende Leben integriert werden können. Daher ist Phase 1 recht einfach umzusetzen. Nachdem der erste Schritt/Phase getan wurde, hat man sich schon an kleine Veränderungen im Alltag gewöhnt und die grösseren Schritte von Phase 2 können angegangen werden. Der letzte Abschnitt, Phase 3, bewirkt grosse Umstellungen. Aber aufgrund der Erfahrungen beim Durchleben der ersten zwei Abschnitte und damit erworbenen „Durchhaltevermögens“, stellt der letzte Schritt der Abnabelung nur eine logische Fortsetzung der vorangegangenen Phasen dar. Am Ende erreicht man eine Lebensqualität und finanzielle Unabhängigkeit, die gesellschaftlich, wirtschaftlich, sozial und kulturell verträglich ist.

 

Geld

Unser Finanzsystem hat einzig den Grund, jeden unter- und mittelständischen Menschen finanziell abhängig zu machen. Das heisst, sobald man einen Kredit von einer Bank bezieht, begibt man sich in die Abhängigkeit der Bank – finanziell, vertraglich, körperlich und geistig. Es spielt dabei keine Rolle ob es eine Hypothek, Kredit, Kreditkartenbelastungen oder Leasing ist. Aufgrund des Kreditvertrages müssen Sie arbeiten gehen (körperlich) um die Raten und Zinsen zahlen zu können (Vertrag). Wie oft denkt ein Kreditnehmer an seine Verpflichtung, vor allem wenn es mal finanziell eng wird(geistig)? Oder wenn er Ferien nötig hätte aufgrund seiner körperlichen und geistigen Verausgabung, sich aber wegen der Bankverpflichtung keine leisten kann (körperlich und geistig). Um diese Abhängigkeit noch näher zu erklären, habe ich hier ein Link zu einem kleinen Film:

Möglichkeiten

–          Beenden von Krediten/keine Neuen eröffnen

–          So oft als möglich Bargeld benutzen

–          Tauschgeschäfte suchen/kreieren

Personen, die eine oder mehrere Hypotheken laufen haben, ist das Beenden dergleichen nicht so einfach möglich. In der Schweiz wurde das Steuergesetz so gestaltet, dass jeder „Hüslibauer“ bis ans Lebensende verschuldet ist. Ansonsten könnte er sich ein Haus gar nicht leisten. Die Meisten jedenfalls nicht. Jeder muss  den Eigenmietwert seines Hauses versteuern. Also lässt man die Hypothek so hoch, dass die Zinsschuld den Eigenmietwert übertrifft. Zinsschulden kann man vom Vermögen abziehen. So manövriert der Staat mit seinen Steuergesetzen die Immobilienbesitzer in die Abhängigkeit der Banken. Genau betrachtet, gehört praktisch jedes Haus in der Schweiz einer Bank. Lebenslang!

 

Banken

Mittlerweile ist das Ansehen der Banken in die Jahre gekommen und die einst als schön wahrgenommene Fassade bröckelt zusehends ab. Ihr Geld ist nicht so sicher, wie es Ihnen die Banken versprechen. Tausende von Sparern haben das schon schmerzlich erfahren müssen. Man sollte sich bewusst sein: Ausnahmslos alle Banken sind privater Natur. Sogar die Staatsbanken, die heissen nur so. Die Verknüpfung der Banken untereinander ist derart gross, dass man eigentlich nur von einer „Weltbank“ spricht und alle anderen „Filialen“ in den einzelnen Ländern sind. Wer dies nicht glaubt, kann sich den Film „Goldschmied Fabian – Geld, Banken- und Zinssystem erklärt“ ansehen:

Wenn nun eine Bank Konkurs macht und politisch uninteressant ist, verlieren auch sämtliche Sparer ihr Geld. Das Gleiche ist es, wenn Sie ein neues Auto bestellen, Lieferzeit vier Wochen, bezahlen und nach zwei Wochen meldet die beauftragte Firma Konkurs an. Ihr Geld sehen Sie in der Regel nie wieder. Hier schützt der Staat die Konkursmacher mit einer Forderungspriorität der Gläubiger. Sie als Kunde stehen ziemlich weit hinten. Dasselbe ist es bei den Banken. Keine Bank bürgt für Ihr eingezahltes Geld zu 100 Prozent, obwohl sie damit wirbt. Sie kann es nicht einmal, wie die Erfahrung gezeigt hat. Würden nur zehn Prozent der Kontoinhaber ihr Geld abheben, käme(n) die Bank(en) in ordentliche Schwierigkeiten. Vom Gesetzt her muss sie nur zehn Prozent des eingezahlten Betrages zurückstellen. Mit dem Rest kann sie machen, was sie will.

Da die meisten Banken seltsamerweise mit Geld nicht umgehen können, bleibt eigentlich nur ein Weg. Heben Sie ihr Geld ab und bringen Sie es in Sicherheit. Der Tresor eines Notars ist immer noch billiger als der Verlust des Ersparten. Oder verstecken es zu Hause. Verzichten Sie auf die Zinsen. Ihr Wohlstand wird dadurch nicht verringert. Hier offenbart sich noch ein weiteres Problem. Bei manchen Menschen könnte man das abgehobene Geld in Kubikmeter zählen, selbst wenn man die grössten Banknoten nimmt. Es gäbe hier eine einfache Faustregel als Lösung. Jeder Mensch sollte nur soviel Geld besitzen, wie er körperlich tragen kann. Dies hätte mehrere positive Wirkungen. Einerseits würden die Leute viel mehr auf ihre Fitness und Gesundheit achten, damit sie möglichst viel Geldscheine tragen können und andrerseits hätte jeder Erdenbürger plötzlich genug ,um für sich ein Leben lang ausgesorgt zu haben. Aber dies nur so am Rande.

Wenn Sie Wertpapiere haben, sind Sie auf Gedeih und Verderb den Banken ausgeliefert. Die Wenigsten tätigen die Börsengeschäfte selber. Also vertrauen die Meisten auf ihren Anlageberater und vergessen dabei, dass er nur das Beste für sich will und nicht für den Kunden. Man kann dieses Verhalten den Bankmenschen nicht einmal vorwerfen. Es ist ein natürliches Verhalten: Aus meiner Tätigkeit möchte ich den grösstmöglichen Ertrag bekommen. Das war bei den Neandertalern so und ist bei jedem heute auch so. Also stufen Sie ihre Risikobereitschaft ein, einem wildfremden Menschen ihr Vermögen anzuvertrauen und bekommen dafür ein Blatt Papier in die Hände gedrückt, dass einen materiellen Gegenwert gegen Null besitzt. Zudem unterschreibt für die Bank ein Anlageberater, der Angestellter ist und nicht einmal finanziell fähig wäre und sein muss, eventuellen Schaden mit seinem eigenen Vermögen oder dem der Bank abzudecken. In der Regel verstehen und bekommen Sie als Kunde keine zehn Prozent von den Informationen, die Sie eigentlich verstehen und bekommen müssten. Es wird Ihnen niemand sagen können, wo ihr Geld genau liegt, wie es genau verwendet wird und ob es überhaupt noch da ist. Sie haben nur einen Zettel der belegt, dass Sie Geld eingezahlt haben. Der Rest ist Fiktion. Das kann jeder Börsencrash bestätigen. Wenn Sie zu den glücklichen gehören, die einen Gewinn mit Wertpapieren erzielt haben, dann haben Sie aus meiner Sicht nur Glück gehabt. Es fragt sich, wie lange dieses Glück anhält. Auch hier bezeugen diverse Börsenabstürze diese Fiktion des schnellen Geldes mit „Nichtstun“. Machen Sie ihre Papiere zu Bargeld oder Gold. Das sind die sichersten Anlagen, auch in Krisenzeiten.

 

 

Versicherungen

Diese Institutionen arbeiten mit dem Angst und Glauben-Prinzip. Angst daher, weil der Versicherer viele Szenarien beschreiben kann, welche die finanzielle und gesundheitliche Situation des Versicherten übersteigen respektive überfordern würde. Der Glaube basiert auf dem suggerierten Glaubenssatz „ich bin ja versichert, mir kann nichts passieren“. Zum Teil stimmt er auch. Bei einer richtig gewählten Versicherungspolice ist der finanzielle Schaden abgewendet. Hier stimmt der Satz „mir kann nichts passieren“, jedoch nur aus finanzieller Sicht. Vor einem Schadensereignis kann einen keine Versicherung beschützen. Ich vermute im Unterbewusstsein und Verständnis des Versicherten bezieht sich der Satz/die Versicherungspolice auch auf das unerwartete, negative Ereignis mit seinen körperlichen Konsequenzen. Einige Aussagen von Auto-Vollkasko-Versicherten lauten „ich kann fahren wie ich will; bin ja Vollkasko versichert“. Wenn dann ein Unfall durch Eigenverschuldung passiert, sind die Betroffenen überrascht, dass sie trotz Vollkasko einen Unfall bauten.

Wenn man(n)/frau rücksichtsvoll und umsichtig fährt, reduziert sich die Eigenverschuldung praktisch gegen null. Wenn dennoch ein Unfall passiert, ist in der Regel der Andere Schuld und die Versicherung des Verursachers kommt für den Schaden auf. Also macht dann eine Vollkaskoversicherung keinen Sinn mehr. Die Restrisiken wie Diebstahl, Einbruch, Steinschlag usw. zu versichern, sind nur bei einem Neuwagen im ersten Jahr sinnvoll. Wie viele Leute kennen Sie, die Opfer eines solchen Ereignisses wurden? Wie oft waren Sie selber Opfer? Und hätten Sie, angenommen Sie würden keine Voll- oder Teilkasko besitzen, den entstandenen Schaden mit dem Geld das sonst die Versicherung bekommen würde, die Wiederherstellungskosten des Fahrzeugs selber berappen können? Die meisten können dies mit „ja“ beantworten. Also, wie viel Kasko brauchen Sie?
Wenn Sie ihren Fahrstil auf Eigenverantwortung einstellen, sparen Sie Geld für die Police, schonen das Fahrzeug und die Umwelt, die Reifen halten länger, der Spritverbrauch geht zurück und Sie sind entspannter bei der Ankunft. Das heisst nicht, dass Sie jetzt nur noch im Schritttempo umhertuckern sollen, fahren Sie weiterhin zügig aber dies umsichtig und verantwortungsvoll. Sie sparen mindestens 1000 Franken pro Jahr bei durchschnittlich 10‘000 km/Jahr. Ich praktiziere diese Fahrweise ohne Kasko seit über zehn Jahren und bin bis jetzt sehr gut damit „gefahren“.

Leasing und Vollkaskoversicherung sind wahre Goldesel. Die Leasingkosten berechnen sich aufgrund des maximalen Einkaufwertes – keine Rabatte oder Prozente beim Kauf. Und etwas wird dabei gerne verdrängt. Das Fahrzeug gehört nie dem Käufer/Leasingnehmer. Er hat nur die Erlaubnis es zu benutzen. Die Leasingraten nicht bezahlen und der fahrbare Untersatz ist schnell weg und auch das bisher bezahlte Geld. Selbst wenn das Fahrzeug schon zum grössten Teil abbezahlt ist. Oder anders gesagt, wenn Sie ein neues Auto für 20‘000 Franken mit einem Kredit kaufen oder leasen, gehört es immer noch zu 100% der Bank auch wenn Sie bereits 19‘999 Franken abbezahlt haben. Die Bank holt sich nicht die abgetretene Fussmatte und beziffert sie mit dem fehlenden Franken, nein, sie holt den ganzen Wagen und ihre 19‘999 Franken sind futsch. Als Draufgabe durften Sie noch während der ganzen Abzahlungszeit noch den Geschäftspartner der Bank, nämlich die Versicherung mächtig finanziell unterstützen. Die meisten hätten die Versicherung nie gebraucht, weil sie mit einem Neuwagen tendenziell vorsichtiger fahren. Ich rede hier von den vernünftig fahrenden 90% des Strassenverkehrs.

Wenn Sie dieses Banken- und Versicherungssponsoring beenden möchten, bleibt eigentlich nur ein Weg. Sie geben den Leasingwagen zurück und/oder beenden den Leasingvertrag. Wenn der Wagen zwischen 500 und 1000 Franken Leasing pro Monat gekostet hat, ist in einem halben Jahr soviel Geld gespart für eine gebrauchte Schüssel. Oder verkaufen den mit Kredit erworbenen Wagen. Mit dem erhaltenen Geld können Sie die Restschuld begleichen und ein günstigeres Modell oder eine Occasion erwerben. Nur wäre da ein Problem denkt sich sicher der pflichtbewusste Kreditnehmer, ich darf kein Auto verkaufen, das nicht zu 100% mir gehört. Diese Klausel hat nur den Zweck, den Kreditnehmer solange wie möglich an die Bank zu binden. Wen kümmert es, wenn Sie das Auto vorher verkaufen, die Restschuld der Bank zahlen und somit wieder ein Stück Freiheit gewinnen? Niemanden! Die Bank hat ihr Geld wieder, basta! Verpflichtung erfüllt! Die Geldverleiher werden Sie zwar als Leibeigenen vermissen und immer wieder versuchen Sie erneut in die Abhängigkeit zu manövrieren, aber schlussendlich kann Sie nichts machen, was Sie nicht wollen.

Weitere Möglichkeiten beim Sparen von Versicherungen sind Sachwertpolicen. Vielen Menschen glauben, bei einem Verlust eines Sachwertes werde dieser von der Versicherung ersetzt. Wird er auch. Aber meistens nur der aktuelle Zeitwert. Beim Abschluss einer Police wird der Wert des/der Objekte(s) mit dem aktuellen Kaufpreis, in der Regel der Neupreis, festgelegt. Das heisst im Klartext, man zahlt die Versicherungsprämie in der entsprechenden Höhe des Kaufpreises mehrere Jahre lang. Der Wert des Objektes sinkt hingegen in dieser Zeit. Nach zehn Jahren ist eine teure Stereoanlage fast nichts mehr wert aber die Prämie ist immer noch so hoch als wäre die Anlage neuwertig. Die wenigsten Versicherungen passen die Prämien dem aktuellen Wert an. Sollte dann noch nach zehn Jahren die ehemals teuer erworbene Stereoanlage gestohlen werden, bekommt man nur den aktuellen Zeitwert vergütet. Obwohl Sie immer den versicherten Neuwert der Sache als Prämie bezahlt haben, bekommen Sie nur einen Bruchteil erstattet. Ausgenommen sind Dinge, die an Wert gewinnen wie Kunstobjekte, Raritäten und dergleichen. In diesem Fall passt sich die Versicherung nicht automatisch dem Zeitwert an. Bei Verlust des Objektes erhalten Sie den abgemachten Wert der Sache bei Vertragsabschluss, auch wenn er mittlerweile das Doppelte kostet. In diesem Fall wird der Zeitwert von der Versicherung nicht berücksichtigt.
Prüfen und/oder ändern Sie ihre Sachwertversicherungen und Sie werden auch hier Einiges einsparen können ohne den Lebensstandard zu ändern.

 

Krankenkassen

Die Prämien steigen Jahr für Jahr und die Politik schützt diese Entwicklung. Da man diesbezüglich von „Oben“ keine Hilfe erwarten kann, bleibt nur der Weg eine Eigeninitiative zu ergreifen. Ein gutes Mittel ist hier die Tatsache, dass Versicherungen sehr versicherungsfreudig sind. Nützen wir das doch einmal zu unseren Gunsten.

Ein elementarer Wert bei der Berechnung der Kassenprämie in der Schweiz ist die Höhe der Franchise, respektive des Selbstbehaltes. Setzt man diesen von 500 Franken auf 2500 Franken pro Jahr, reduziert sich die Prämie um fast die Hälfte. Wenn Sie dann die monatlich eingesparte Prämie mal zwölf rechnen, können Sie bei Bedarf den hohen Selbstbehalt meistens selbst decken. Aber eingespartes Geld möchte man ja zur Verfügung haben und nicht zur Seite legen müssen. Also nützen Sie die Versicherungsfreudigkeit diverser Anbieter. Versichern Sie den Selbsthalt. Ich selber bin mit meiner Franchise auf 2500 Franken und habe diese versichern lassen mit einer Prämie von 9 Franken im Monat. Egal mit welcher Zahl Sie hochrechnen, die Einsparungen sind enorm und der Lebensstandard wird wieder nicht beeinträchtigt.

 

Sie selbst

Die oben beschriebenen Möglichkeiten betreffen ihr Umfeld. Als letzten Punkt für die erste Phase gilt es noch die eigene Gedankenwelt mit ihren Normen und Werten zu überprüfen. Wie gestalten Sie ihr Leben und was ist wichtig für Sie. Wenn Sie ihr bisheriges Leben betrachten, können Sie dann lächeln? Möchten Sie lächeln können? Diese Fragen können eine Veränderung bewirken, welche das eigene Agieren und Reagieren im täglichen Leben positiv beeinflussen. Auch hier kann man seine Lebensgewohnheiten und Vermögen beibehalten. Es gilt einzig ein paar neue Lebensgewohnheiten in die Bisherigen zu integrieren. Hier ein paar Beispiele:

Schalten Sie im Haushalt alle elektronischen Geräte ganz aus, die Sie nicht gerade benutzen. Den Kühlschrank und Ähnliches benutzen Sie weiterhin – im Sommer. Im Winter können sie ihn ganz ausschalten. 3 – 4 Monate lang kommen die Lebensmittel auf den Balkon oder so ähnlich. In Wärmephasen kann man ihn ruhig benutzen.

Waschen Sie ihre Kleidung nur im Sparprogramm bei tiefen Temperaturen. Bei normal verschmutzter Wäsche reicht dies völlig. Ausserdem kann man gewisse Kleidungsstücke auch mehrmals tragen, bevor sie in der Waschmaschine landen.

Achten Sie beim Einkauf auf die Verpackung. Auf Aluminium und Plastik als Verpackungsmaterial wenn möglich verzichten. Alles in Glas Abgepackte ist in Ordnung, auch energietechnisch gesehen.

Herkunftsland der Ware berücksichtigen. Alles was weiter als 1000 Kilometer hergebracht werden muss, ist ökologischer Blödsinn.

Ferien in fernen Ländern kann man machen, muss man aber nicht. Auch hier kann der 1000 Kilometerradius angewandt werden. Er ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll und bringt dem Feriengast sowie dem Anbieter der Region enorme Vorteile.

Bauen Sie die menschliche Eigenschaft „Bescheidenheit“ so oft wie möglich in den täglichen Ablauf ein.

Es gibt noch viele solcher Möglichkeiten, die nur entdeckt werden können. Betrachten Sie ihr alltägliches Leben. Machen Sie es sich bewusst. Sie werden sicherlich Einiges entdecken, das sinnvoll ist beibehalten zu werden und Anderes welches einfach verändert werden kann. Schlussendlich soll eine Veränderung eine positive Bereicherung in ihrer Gedanken- und Erlebenswelt sein, sowie einen wirtschaftlichen Nutzen bringen.

 

Schlusswort zu Phase 1

Wenn Sie alle oben beschriebenen Möglichkeiten voll ausschöpfen, haben Sie zusätzlich tausende von Franken oder Euro im Jahr zum Ausgeben. Oder Sie gewinnen Freizeit im entsprechenden Gegenwert. Ihr Status in der Gesellschaft oder ihr Vermögen bleiben unverändert. Es wird vielleicht nicht mehr so stark wachsen oder sogar stagnieren, aus zeitlichen Gründen. Stagnation wird heute aber weitgehend als negativ betrachtet. Ich finde den Erhalt eines Wertes über einen längeren Zeitraum ebenso lobenswert, wie das Erzielen eines ehrlichen Gewinns. Denn der Erhalt eines Vermögens bedingt ja mindestens ein Plus in der Höhe der betrieblichen Kosten. Also ist Stagnation ein Erfolg. Beim Integrieren von neuen Gedankenmustern die ökologisch wie ökonomisch wertvoll sind, stellt sich schnell eine tiefe, anhaltende Zufriedenheit und Ruhe ein. Geniessen Sie diese Momente, wenn sie Ihnen bewusst werden. Sie sind eine der Quellen für ein glückliches Leben.

Es liegt mir fern, die in der ersten Phase genannten Möglichkeiten als die ultimativen Lösungen darzustellen. Wie gesagt, es sind Möglichkeiten. Jeder kann das für sich nehmen/umsetzen, was für ihn realisierbar ist. Vor allem bin ich überzeugt, dass es noch unzählige Ergänzungen gibt. Jeder hat da so seine Erfahrung, wie er sich mit seinen verschiedensten Künsten durch den Alltag bewegt. Teilen sie dieses wertvolle Gedankengut mit ihren Mitmenschen, im Web und persönlich. So können wir uns entwickeln.

Phase 2 folgt

Vom natürlichen Lebensglück und seiner gezielten Vernichtung durch Wirtschaft und Politik

Mittwoch, 25.10.2012. Eifel. Kürzlich bekam ich einen Film empfohlen: Conspiritus remake hieß er. Ich habe ihn gestern angesehen bzw. im  Hintergrund laufen lassen. Er beschreibt die dunkelste Verschwörungstheorie, die seit Jahrzehnten (in verschiedenen Versionen) in der Welt kursiert: satanische Geheimbünde planen eine dämonische Welt - und arbeiten deshalb auch mit Dämonen zusammen. Reflexhaft zucken wir natürlich gleich zurück, wenn wir diese Worte lesen: pflichtschuldigst verneigen wir uns innerlich vor den bundesdeutschen Wahrheitsgebern (Medien, Regierungs- und Firmensprechern) und weisen solche Überlegungen weit von uns. Dabei - mal ehrlich - entwickelt sich doch die Welt zunehmend in ein kaum mehr rational verständliches Irrenhaus. In Deutschland zum Beispiel wird der Mangel an Arbeit durch Druck auf Arbeitslose bekämpft - als ob gerade die das notwendige Kapital bereitstehen haben, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze aus dem Nichts zu erschaffen. Oder international - fast jeden Monat wächst ein neuer Konfliktherd, der die Welt in einen fürchterlichen Abgrund stürzen kann - aktuell sind da Syrien/Türkei zu nennen, China/Japan, Nordkorea/USA oder Iran/USA. Bedenkt man, das Politik das Ergebnis von Strategie, Taktik und nüchternem Kalkül ist und nicht durch die Ziehung der Lottozahlen beeinflußt wird, dann braucht der vernünftige Geist eine plausible Erklärung für die Ereignisse.  Oder nehmen wir nur mal die Wirtschaft: wir brauchen schon eine Erklärung, warum sich der Staat - einst soziale Schutzgemeinschaft gegen solche Räuberbanden - hemmungslos ausplündern läßt, wie zum Beispiel von den Vodafone-Gangstern, die ihre krummen Geschäfte mit 50 Milliarden Euro vom deutschen Steuerzahler bezahlen lassen. Haben wir was gelernt aus dem Mannesmann-Deal? Ja - das die Banken noch viel teuere Deals einfädeln können, die auch der Steuerzahler bezahlt.  Ackermann gegen Bundesrepublik Deutschland ging halt 7:0 aus - und deshalb dürfen wir jetzt zahlen.

Mittwoch, 25.10.2012. Eifel. Kürzlich bekam ich einen Film empfohlen: Conspiritus remake hieß er. Ich habe ihn gestern angesehen bzw. im  Hintergrund laufen lassen. Er beschreibt die dunkelste Verschwörungstheorie, die seit Jahrzehnten (in verschiedenen Versionen) in der Welt kursiert: satanische Geheimbünde planen eine dämonische Welt – und arbeiten deshalb auch mit Dämonen zusammen. Reflexhaft zucken wir natürlich gleich zurück, wenn wir diese Worte lesen: pflichtschuldigst verneigen wir uns innerlich vor den bundesdeutschen Wahrheitsgebern (Medien, Regierungs- und Firmensprechern) und weisen solche Überlegungen weit von uns. Dabei – mal ehrlich – entwickelt sich doch die Welt zunehmend in ein kaum mehr rational verständliches Irrenhaus. In Deutschland zum Beispiel wird der Mangel an Arbeit durch Druck auf Arbeitslose bekämpft – als ob gerade die das notwendige Kapital bereitstehen haben, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze aus dem Nichts zu erschaffen. Oder international – fast jeden Monat wächst ein neuer Konfliktherd, der die Welt in einen fürchterlichen Abgrund stürzen kann – aktuell sind da Syrien/Türkei zu nennen, China/Japan, Nordkorea/USA oder Iran/USA. Bedenkt man, das Politik das Ergebnis von Strategie, Taktik und nüchternem Kalkül ist und nicht durch die Ziehung der Lottozahlen beeinflußt wird, dann braucht der vernünftige Geist eine plausible Erklärung für die Ereignisse.  Oder nehmen wir nur mal die Wirtschaft: wir brauchen schon eine Erklärung, warum sich der Staat – einst soziale Schutzgemeinschaft gegen solche Räuberbanden – hemmungslos ausplündern läßt, wie zum Beispiel von den Vodafone-Gangstern, die sich ihre krummen Geschäfte mit 50 Milliarden Euro vom deutschen Steuerzahler bezahlen lassen. Haben wir was gelernt aus dem Mannesmann-Deal? Ja – das die Banken noch viel teuere Deals einfädeln können, die auch der Steuerzahler bezahlt.  Ackermann gegen Bundesrepublik Deutschland ging halt 7:0 aus – und deshalb dürfen wir jetzt für den ESM zahlen.

Das ganze läuft inzwischen auf allen Ebenen: die Energiewende lassen wir uns bald komplett von Arbeitslosen bezahlen, weil sich immer mehr reiche Unternehmen aus der Gemeinschaft der Zahler verabschieden, Kostenexplosionen bei öffentlichen Bauvorhaben sind inzwischen Standard, an den wir uns gewöhnt haben, korrespondieren aber – wie zufällig – mit Rekordgewinnen der beteiligten Unternehmen. 16 Millionen Menschen sind in dem superreichen Deutschland inzwischen schon sozial ausgegrenzt, die Tendenz ist steigend. Alte, Kranke und Kinder verlieren zunehmend den Anschluss im Dauerleistungskarussell, während es zwischen Wirtschaft und Politik zu einem unüberschaubarem Ausmaß von Verflechtungen gekommen ist, an deren Fortentwicklung sage und schreibe 5000 Lobbyisten in Berlin arbeiten. Währenddessen werden dem Volk mit großem Geldaufwand „hohle Idole“ präsentiert, die jedem Jugendlichen zeigen, das man in dieser Gesellschaft auch ganz ohne Schulabschluss und Ausbildung, ohne Intelligenz und Talent zum Multimillionär werden kann – eigentlich eine tödliche Botschaft für die Jugend einer Leistungsgesellschaft, die aber trotzdem Tag für Tag und Woche für Woche auf allen Kanälen verbreitet wird.

International kommen wir erst recht aus dem Staunen nicht mehr heraus – wie kann es eigentlich sein, das die vom „bösen“ Bush eingeleitete Politik vom „guten“ Obama uneingeschränkt fortgesetzt wird? Im Jahre 2020 werden 30000 Flugroboter die USA aus der Luft beobachten, Pläne für ihre Bewaffnung werden gerade in die Tat umgesetzt, ohne das auch nur ein normaler Bürger befragt wurde, ob er gerne möchte, das ihn fliegende Miniroboter bei allen Lebensäußerungen begleiten.

Beobachtet der Philosoph die Entwicklung und die Thesen, die diese Entwicklung beschreiben, so muss er sagen: diese extreme Satanistenthese ist auf jeden Fall hinreichend plausibel: ohne eine treibende dunkle Kraft hinter den Erscheinungen der politischen Welt ließe sich kaum erklären, wie die positiven Impulse, die dereinst bei der Gründung der UNO in den Köpfen der Kriegsopfer herumschwirrten sich ins totale Gegenteil verwandeln. Das heißt nun nicht, das diese These wahr ist – es heißt nur, das sie – in meinen Augen – plausibler ist als die offiziell verbreitete These, das alles politische Geschehen eher auf Zufall basiert und in keinem Fall irgendeinem Plan oder irgendeiner Absicht entspricht. Sie erklärt hinreichend die Degenerationserscheinungen im öffentlichen Leben – sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik – inklusive des weitgehenden Verfalls jeglicher Ethik oder Moral. Alles wird dem Gelde untergeordnet, dem Mammon – wobei wir aus religiöser Sicht schon wieder (ganz ohne Verschwörungen) bei einem menschenfeindlichen Dämon angekommen sind.

Was wir gerne übersehen: all das wird ohne den Bürger geplant. Angeblich geht ja alle Macht von ihm aus – die ganze Industrie dient ja nur dem Verbraucher, der mit seinen Konsumentscheidungen jene Maschine betreibt, die die Ökosphäre des ganzen Planeten aus dem Gleichgewicht bringt. Was gerne verschwiegen wird: allein in Deutschland werden Jahr für Jahr knapp 30 Milliarden Euro (knapp 4 % des Bruttosozialproduktes) für Werbung ausgegeben – also für die Erzeugung von Bedürfnissen, die ohne die Werbung keiner hätte. Das entspricht in etwa dem, was ALLE HARTZ-ABHÄNGIGEN IM JAHR VERBRAUCHEN. Wer also eine Verdoppelung des Regelsatzes möchte, der hat hier einen Fundus, aus dem er sich reichhaltig bedienen kann. Im Anschluss an die Einstellung jeglicher industriellen Propagandatätigkeit kann man dann auch erstmal wirklich ermessen, was der Verbraucher wirklich will, wenn er mal nicht rund um die Uhr dem Werbegetöse ausgesetzt ist.

Wir würden erstaunliche Ergebnisse erwarten können. Kleine Wunder – wie etwa im Straßenverkehr. Dort zeigt sich, das die Mehrheit der Menschen ohne Weiteres kooperativ zum Wohle des Ganzen arbeiten kann – nur wenige rempeln sich mit Rammstößen durch den Alltagsverkehr. Es ist ein kleines Wunder, das man täglich im Stadtverkehr bestaunen kann: soviel Blech ist da unterwegs – und so wenig Schaden gibt es, weil jedes der Blechspielzeuge einen intelligenten Fahrer hat. Wären wir im Lande des Fressens und Gefressen-werdens: wir hätten hundert mal mehr Tote auf den Straßen. Wir Normalbürger führen dieses Wunder jeden Tag auf – und zeigen damit, wie eine herrschaftsfreie Gesellschaft funktionieren könnte, sofern man peinlich genau darauf achtet, keine Verbrecher mit wirtschaftlicher oder politischer Macht auszustatten. Eher erstaunlich ist es, das die Gesamtgesellschaft einen so desaströsen Kurs nimmt, wo doch ihre einzelnen Zellen beweisen, das sie jederzeit zum Wohle aller kooperativ zusammenarbeiten können. Man denkt dann eher an Krebs, an „entartete“ sprich asoziale Zellen, wenn man den Vergleich auf den menschlichen Körper überträgt.

Die können in der Tat mit erstaunlich wenig Einsatz an Zellmasse den gesamten Körper vernichten – nichts anderes erleben wir gerade.

Natürlich könnten wir uns wehren: nichts leichter als das. Analog zur OP 100  wäre die Aufstellung einer Bürgerwehr denkbar, einer Bürgerfront, die sich gegen die Zunahme der aoszialen Beutezüge einer aus dem Ruder gelaufenen Privatwirtschaft und ihrer politischen Agenten wehrt. Das
Ganze braucht auch nicht viel kosten: mit nur 15 Euro pro Bürger pro Jahr hätte man einen Werbeetat von 1,2 Milliarden. 375 Euro pro Jahr bezahlt man immerhin für normale Werbung, GEZ-Gebühren nicht eingerechnet. Für das Geld könnte man JEDEM Lobbyisten der Industrie einen Bürgerlobbyisten an die Seite stellen – das wären 5000 NEUE JOBS mit einem Grundgehalt von 100 000 Euro. Die Bürgerfront könnte somit sogar Fördergelder für die Schaffung neuer sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze beantragen. Weitere 700 Millionen könnte man dann in Werbung stecken – das entspricht dem Werbeetat des VW-Konzerns. Obwohl es nur 1,25 Euro im Monat sind, hätte man ein Werkzeug, mit dem die Masse der sozialen Wesen erfolgreich Einfluss auf die Politik und die Meinungsbildung im Volke nehmen könnte: so billig war Revolution selten.

Die Masse wird das aber nicht tun – obwohl es so einfach und so billig ist, äußerst preiswert sogar, vergleicht man den Einsatz mit den Milliardenverlusten (oder sind es schon Billionen?), die die Volkswirtschaft durch die folgenlose Raubwirtschaft der „Managerkaste“ hat.

Der Grund, warum die Masse dies nicht tun wird, ist einfach, ein Artikel von Karl Kollmann in „le Bohémian“ klärt darüber auf: „Die erfolgreiche Nötigung zur totalen Marktteilnahme“ durch „Arbeitszwang und Konsum“ wird seit über zweihundert Jahren durch eine konzertierte Aktion von Wirtschaft und Politik praktiziert, ein Adolf Hitler reiht sich hier nahtlos in die Front der antibürgerlichen Koalition ein – was über die moralische Qualität der Befürworter jener Gesellschaftsform, die im Nachkriegsdeutschland durch die Agenda 2010 erstaunliche Triumphe feiert, genügend aussagt. Spannend hier der Hinweis auf „Urlaub“ als vom Faschismus gezielt geförderte Freizeitgestaltung: hier wird er imperialistische Geist auf den kleinen Mann übertragen, der sich auf einmal selbst fremde Länder untertan machen kann und so die Illusion großer Macht erleben darf. Wenn eine solche Bewegung international solche Triumphe feiert, dann darf man – nebenbei bemerkt – zurecht fragen, ob es da nicht jemanden gibt, der sie gezielt zum eigenen Vorteil steuert – und angesichts der Folgen für die soziale Gemeinschaft und die natürliche Umwelt ist der Verdacht, das dies irgendwie eine „satanische“ dämonische Bewegung ist, nicht von der Hand zu weisen: sonderlich vernünftig oder menschlich wirkt sie nicht gerade:

Erfolgversprechender waren die in das gesellschaftliche Freizeitregime schließlich hereingeholten Gewerkschaften und sozialdemokratischen Parteien mit Freizeitsport, Naturerleben (Wandern und Bergsteigen), sowie mit Kleingärten als Freizeitbeschäftigung. Der Nationalsozialismus führte später zusätzlich »Reisen« als Freizeit-Konsumform ein, die rasch sehr beliebt wurde und die sich bis heute ja ganz dominant erhalten hat. Übrigens: Reisen ist eine hoch konsumtive Form von Freizeitgestaltung, Wandern dagegen nicht; der Kleingarten war überhaupt ein Stück Haushaltsproduktion von Obst und Gemüse.

Was mit den Werbemilliarden völlig fortgespült wird, ist die jahrtausendealte Erkenntnis von den Bedingungen für ein glückliches Leben, wie wir sie unter anderem bei Epikur finden, jenem Philosophen, der gerne als „Philosoph der Lust“ verschrien wird, obwohl er praktisch etwas ganz anderes predigt. Glück, so finden wir dort, korrespondiert hervorragend mit Armut. Jemand, der sich die ganze Woche von trockenem Brot ernährt, erfährt durch den Genuss eines Stückes alten Käses am Wochenende einen enormen Lustgewinn – einen Gewinn, der höher ist als jener, den man durch Völlerei erzielt:

Wenn wir also sagen, daß die Lust das Lebensziel sei, so meinen wir nicht die Lüste der Wüstlinge und das bloße Genießen, … sondern wir verstehen darunter, weder Schmerz im Körper noch Beunruhigung in der Seele zu empfinden. Denn nicht Trinkgelage und ununterbrochenes Schwärmen und nicht Genuß von Knaben und Frauen und von Fischen und allem anderen, was ein reichbesetzter Tisch bietet, erzeugt das lustvolle Leben, sondern die nüchterne Überlegung, die die Ursachen für alles Wählen und Meiden erforscht …

Das steht für nichts anderes als für die völlige Souveränität über die eigenen Bedürfnisse – und diese wirklichen Bedürfnisse des Menschen sind ungleich geringer als jene, die die Wirtschaft uns mit dem Einsatz von 30 Milliarden Euro jährlich Tag für Tag einredet. Diese künstlichen Bedürfnisse aber sind es, die uns als politische Personen lähmen: immerhin gilt es schon geradezu als Sünde, irgendwelche Bedürfnisse nicht zu befriedigen, die die Wirtschaft kunstvoll in uns erzeugt hat, es gilt als unwertes, misslungenes Leben, wenn man sich dem zu entziehen versucht. Das wir uns dadurch in eine künstliche Sklaverei begeben und die Notwendigkeit des Arbeitszwangs selbst herbeiführen, spricht für eine große Idiotie der Marktteilnehmer, einer Idiotie, die durch „hohle Idole“ perfektioniert wird.

Was wäre das für eine bürgerliche Gesellschaft, die den 375 Euro, die pro Person und Jahr für Werbung ausgegeben werden, 750 Euro pro Jahr entgegensetzt, die man in die Gestaltung einer sozialen bürgerlichen und äußerst glücksbetonten Gesellschaft investiert. Zum Vergleich: 80 Millionen Bürger geben pro Jahr 280 Milliarden Euro für die Dienstleistung „Tourismus“ aus, jener gesellschaftlichen Einrichtung, mit deren Hilfe Adolf Hitler aus jedem Deutschen einen kleinen welterobernden  Führer gemacht hat – das sind 3500 Euro pro Bürger für … Umweltvernichtung im ganz ganz großen Stil ohne jeden Gewinn für ein glückbringendes Leben, Geld, das hauptsächlich investiert wird, weil man einem unerträglichem Alltag wenigstens eine Zeit lang entkommen möchte.

Würden wir dieses Geld in die Gestaltung einer glückverheißenden Gesellschaft investieren (und nebenbei die Umwelt in ganz großem Stil entlasten), hätten wir im Nu das Paradies auf Erden – fernab jeglichen Arbeitszwangs, denn: glücklich sein ist erstaunlich billig – und wer glücklich ist, braucht erstaunlich wenig Konsumgüter.

Der Mensch selbst – jenes soziale, intelligente Wesen, das tagtäglich beweist, welche großen Leistungen durch Kooperation und Arbeitsteilung entstehen können – kann durch diese Bewegung nur gewinnen, während viele asoziale Wesen, die dem Mammon dienen, mangels Möglichkeiten zur arbeitsfreien Abschöpfung von Volksvermögen nur verlieren können.

Wie sollen wir uns also sonst erklären, das es nicht schon längst eine Bewegung im Volke gibt, die sich vom Mammon ab- und dem Glücke zuwendet, als das wir Kräfte vermuten, die gezielt genau diese Bewegung verhindern wollen?

Andererseits zeigt sich hier schon die Lösung des Problems: mit nur 15 Euro im Jahr könnte eine Bürgerfront dem herrschenden Wahn gezielt entgegentreten – mit den gleichen Mitteln, mit denen die Industrie das große Unglück am Leben erhält. Das dürfte auch auf der „anderen Seite“ bekannt sein, weshalb man uns gezielt „hohle Idole“ präsentiert, deren einzige Qualität darin besteht, das sie von den Medien gezielt als Vorbilder gesetzt und von interessierten Stellen ebenfalls gezielt mit vielen Millionen belohnt werden. Praktisch gesehen, haben wir Epikur (oder Jesus und Buddha – um nur zwei weitere Vertreter jenes glückseligen Typus Mensch zu nennen) durch Dieter Bohlen ersetzt.

Das sagt eigentlich alles über die Qualität unserer Kultur aus – spricht aber dafür, das jene Bewegung der Vernichtung des natürlichen Lebensglückes durch Wirtschaft und Politik nicht zufällig vom Himmel gefallen ist.

Aber selbst wenn es diese dämonische Weltverschwörung gäbe – mit nur 1,25 Euro pro Monat pro Bürger könnten wir sie effektiv aus den Angeln heben – mit fünf Euro würden wir sogar die Meinungsherrschaft im Lande übernehmen können und hätten zudem wieder die Aussicht und begründete Hoffnung auf ein selbstbestimmtes, freies und glückliches Leben.

Nur – sofern wir im Denken nicht frei werden und uns sklavisch den Werten des Dämons Mammon unterwerfen – fernab der Bedürfnisse für menschliche Glückseligkeit – wird jener Dämon die Welt völlig unterjochen … auch dann, wenn es ihn und seine Anbeter überhaupt nicht gibt.

Im Endergebnis wird kein Unterschied zu erkennen sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sozial ist, was Arbeit schafft – und gelb ist, was dick macht. Die Erde als Scheibe.

Dienstag, 24.7.2012. Eifel. Das Leben ist schön, oder? Wie toll ist es doch, in einer Welt zu leben, die einfach perfekt ist. Jedenfalls … wenn man die Gelegenheit hat, einfach leicht bekleidet in freier Natur in der Sonne liegen zu können, fern vom Lärm und Getobe der Zivilisation. Nun ist der Eindruck der Perfektion natürlich relativ: als biologische Einheiten müssen wir perfekt angepasst sein, um überleben zu können – das gilt für uns Menschen wie für alle Lebewesen … und diese Fähigkeit zur Anpassung zeichnet uns aus … im ganz groben gesehen. Wir als Menschen können aber noch mehr – viel mehr. Als soziale Wesen konnten wir unsere Kräfte vereinen und den Spieß einfach mal umdrehen: wir passten uns unsere Umwelt an. Im Prinzip ein guter Schritt, ein mutiger Schritt – und vielleicht sogar der Schritt, den die Natur (also: das perfekte harmonische System, in dem die Menschheit eingebettet ist) mit dem Experiment Mensch einmal ausprobieren wollte. Schnell wäre man geneigt, religiös zu werden und den Menschen als schöpferischen Sohn Gottes zu betrachten, würde dieser Sohnemann nicht Sätze voller vollendeter Idiotie von sie geben wie den Satz: SOZIAL IST, WAS ARBEIT SCHAFFT.

Sicher haben Sie den Satz schon mal gehört? Seit Jahrzehnten gärt er im Deutschen Volk und gilt als Entschuldigung dafür, das man jetzt mal richtig die Sau ´rauslassen kann, so richtig asozial werden kann, Kinder, Arme, Alte und Kranke hungern lassen kann weil sie selbst dann am Sozialen nicht teilhaben können, wenn irgendwer Arbeit geschaffen hat. Insofern wäre Kinderarbeit in diesem System sogar begrüßenswert … und es arbeiten ja auch immer mehr Kinder, gerade aus „verhartzten“ Familien. Auch die Arbeit von Alten wird wieder geschätzt, die Phantasien der Machthaber bei der Verlegung des Renteneintrittsalters finden keine Grenzen mehr. Sieht man den Krankenstand der Deutschen, so weiß man, das die auch krank arbeiten gehen: Grundprinzipien des sozialen Miteinanders, die bei den „Wilden“ in Amerika, Afrika und Australien noch selbstverständlich waren, werden hier handstreichartig ausser Kraft gesetzt.

So verstehen wir schon, das wir uns als „zivilisierte Menschen“ unverhofft in einer historischen Phase unglaublicher Degeneration befinden, die alle Träume von „Fortschritt“ im Handstreich zunichte macht. Deutschland hatte 1933 – 1945 die unglaubliche Ehre, die Vorpremiere der Aufführung eines ganz neuen Stückes vollendeter menschlicher Degeneration zu erleben und man ging mit diesem Zeitabschnitt lange so um, als wäre sie nur ein Ausrutscher gewesen, eine historische Peinlichkeit, über die man gerne den Mantel des betroffenen Schweigens deckt, damit niemand mehr erkennen konnte, wie aus dem Volk der Dichter und Denker das Volk der Richter und Henker gemacht wurde – und woher das Geld dafür kam.

Nachher würde man sehen, das man des Experiment gerade global wiederholen möchte. Gut – mit diesem „man“ bin ich nun bekennender Verschwörungstheoretiker und werde auch nichts anderes sein können, weil ich davon ausgehe, das politische Entscheidungen nicht mit Orakelkugeln, I-Ging und Tarotkarten gefällt werden sondern Ergebnis von gründlicher Überlegung, Berechnung und Kalkül sind. Ebenso gehe ich davon aus, das Kampagnen wie die „Sozial-ist-was-Arbeit-schafft“-Kampagne nicht vom gelangweilten Praktikanten auf dem Klo entdeckt wurden sondern das Ergebnis ausgeklügelter Strategie und Überlegung sind, hinter der Menschen mit Intelligenz und Bildung stecken … und den fiesen Absichten der hemmungslosen Selbstbereicherung, an denen die Demokratie und die Wirtschaft letztlich zugrunde geht, weil wir noch wesentlich mehr nutzlose Luxusesser mit durchziehen müssen als noch zu Zeiten des Feudalismus – und wenn wir nicht endlich anfangen, auch über ein demokratieverträgliches Höchsteinkommen zu reden, dann kriegen wir den Feudalismus komplett wieder – nur mit noch mehr Prinzen.

Doch bleiben wir erstmal bei unserem Satz „Sozial ist, was Arbeit schafft“, bevor ich wieder zu weit aushole. Betrachten wir einfach diesen Satz mal nüchtern und unvoreingenommen – und holen uns bei seiner Betrachtung Hilfe von den Medien, dem Spiegel zum Beispiel.

Um Präsident Baschar al-Assad in Syrien zu stürzen, bekommen die Aufständischen offenbar massive Hilfe aus dem Ausland. Frühere Mitglieder der britischen Spezialeinheit SAS bildeten die Rebellen aus, berichten die „Daily Mail“ und der „Daily Express“. Die beiden Zeitungen berufen sich dabei auf ein ungenanntes britisches Armeemitglied.

Ich weiß, diese Nachricht ist nebenbei die Bestätigung für die Theorie, das die Unruhen in Nordafrika extern gesteuert werden, ich weiß aber auch, das solche Wahrheiten mit dem Bannspruch „Verschwörungstheorie“ als tabu gebrandmarkt worden sind wie ehedem das Wissen darum, das die Erde keine Scheibe ist. Mir geht es auch nur darum, diese Nachricht in Verbindung mit unserem neoliberalen Leitsatz zu bringen und festzustellen: Ja, Krieg ist enorm sozial – einfach mal darüber nachdenken, wieviel da kaputt geht und nachher von deutschen Firmen wieder aufgebaut werden kann. Da wird eine Menge Arbeit geschaffen – also ist es sozial.

Was müssen sich Lybier, Tunesier, Ägypter und Syrier gerade freuen, von den Afghanen, Irakern und (bald) Iranern ganz zu schweigen. Der von Nostradamus prophezeite Krieg gegen den Islam (bei diesem Gedanken lachten politische Gebildete in den siebziger Jahren noch laut los: Krieg von demokratischen Staaten gegen soziale Religionen ist ja auch ein ziemlicher irrer Gedanke) ist in vollem Gang und produzierte Arbeitsplätze ohne Grenzen – auch bei der heimischen Waffenindustrie.

Doch fort vom sozialen Krieg, hin zu einem ganz anderen Thema, gefunden bei der Welt:

Im europäischen Vergleich hat die Qualität des deutschen Gesundheitssystems stark nachgelassen. Krankenhäuser stehen im Verdacht, mit Behandlungen verdienen zu wollen, die auch zu Hause möglich wären.

Deutschland war vor wenigen Wochen beim Euro Health Consumer Index (EHCI) von Rang 6 auf Rang 14 abgerutscht. Die Bundesrepublik liege im Ranking von 34 Gesundheitssystemen nun auf dem gleichen Niveau wie Irland und Tschechien

Für unsere Gesundheit zahlen wir den Preis eines noblen Sportwagens. bekommen dafür einen Trabant und sollen auch noch super dankbar dafür sein.

Wenn alljährlich die Nutzviehmedien aufschreien, das „jeder dritte Euro für Soziales“ draufgeht (was nebenbei fälschlicherweise ganz schnell den Arbeitslosen angehängt wird), so trägt dies der Tatsache Rechnung, das wir uns dieses System ohne Nutzen extrem viel Kosten lassen, siehe Wikipedia:

Im Vergleich der Gesundheitsausgaben in den OECD-Ländern lag Deutschland 2006 mit einem Anteil von 10,6 % des BIP an vierter Stelle. Das deutsche Gesundheitssystem ist damit eines der teuersten der Welt. Die öffentliche Hand trug 77 % dieser Kosten (OECD-Durchschnitt: 73 %). Auch die Personaldichte ist in Deutschland überdurchschnittlich hoch. 2006 kamen auf 1000 Einwohner 3,5 niedergelassene Ärzte und 9,8 Krankenpfleger, verglichen mit 3,1 Ärzten und 9,7 Krankenpflegern im OECD-Durchschnitt.

Im Jahr 2007 arbeiteten 4,4 Millionen Menschen in der Gesundheitswirtschaft. Das waren etwa 10 % aller Beschäftigten in Deutschland. Im Jahr 2008 waren es 76.000 Beschäftigte mehr als im Vorjahr.

Krankheit ist – wie man sieht – sehr sozial, weil sie enorm viel Arbeit schafft. Gesundheit nicht so, weshalb ja auch 10% der deutschen Beschäftigten auf Staatskosten „behandeln“ anstatt heilen. „Heilen“ … ist auch ein aussterbender Begriff. Er gefährdet direkt die Interessen der Krankheitsindustrie, die man bei uns ironischerweise „Gesundheitswesen“ nennt – und zu dem die Süddeutsche letztes Jahr einen passenden Artikel verfasst hat:

Was darf’s sein: Alzheimer, weibliche Unlust, Depression, Prä-Diabetes oder doch nur Cellulite? Diagnosen sind für alle da. Die Medizinwirtschaft ist darauf angewiesen, ständig neue Krankheiten zu erfinden oder bestehende Leiden auszuweiten. Gesund ist das ganz sicher nicht.

Aber erfundene Krankheiten, künstlich verlängerte Krankheiten oder auch beruflich gezüchtete Krankheiten sind bei uns als sehr sozial definiert: sie schaffen Arbeit, weshalb Kritik am deutschen Krankheitsförderwesen ebenso tabu ist wie die Unterstellung, die gesellschaftlichen Machthaber würden mit Intelligenz und Überlegung Entscheidungen treffen.

Sicher würfeln die nur – nun, manchmal wirkt das in der Tat so.

Kommen wir zum letzten Punkt der Betrachtung unseres neoliberalen Leitsatzes, fort von Krieg und Krankheit, hin zur Wirtschaft. Vielleicht macht der Satz wenigstens dort Sinn, das wäre zu hoffen, denn laut Handelsblatt kommen schlimme Zeiten auf Deutschland zu: ein neuer Paukenschlag der ökonomischen Sterndeuter der aktuellen Machthaber weckt Deutschland aus seinem Dornröschenschlaf auf:

Die US-Ratingagentur hat den Ausblick auf die Kreditwürdigkeit Deutschlands am Montagabend nach US-Börsenschluss von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Grund: die wachsenden Belastungen des Landes in der Euro-Krise und die Unsicherheit über den weiteren Verlauf.

Für Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble sind düstere Prognosen der drei großen Ratingagenturen nichts Ungewöhnliches. Doch das Moody’s-Urteil stellt eine neue Dimension dar. Es ist eine Warnung, dass auf mittlere Sicht eine Herabstufung der Bonität Deutschlands droht, sollte sich die Lage weiter verschlechtern. Dies könnte dann höhere Zinsen bei der Refinanzierung und einen erheblichen Imageschaden bedeuten.

Das heißt für uns: griechische Verhältnisse. Massenarbeitslosigkeit, Hunger, steigende Kindersterblichkeit – all das, was sich hinter der freundlichen Formulierung „drastische Sparmaßnahmen“ verbirgt.  Ist das nun sozial, fragen wir uns?

Na klar.

Dank der Krise gibt es viele neue zusätzliche Prinzenjobs im finanziellen Halbgottbereich: ESM macht es möglich. Keine Frage, das kollabierende Kinder in Griechenland, Massenarbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit im Sinne unseres Leitsatzes als sehr sozial angesehen werden, wenn nur … neue Prinzenjobs damit geschaffen werden. So gibt es immer mehr Armut, immer mehr Krieg, Hunger und Krankheit dank eines einzigen Leitsatzes, der ungefähr so sinnig ist wie der Leitsatz „Gelb ist, was dick macht“ … ein Satz, der wie der neoliberale Leitsatz nur dann wirklich Sinn macht, wenn man ihn in einen ganz eng begrenzten Zusammenhang stellt und mit einer gelben McDonalds-Reklametafel verbindet.

Außerhalb dieses engen Zusammenhanges ist der Satz ein ebensolcher Blödsinn wie die Behauptung das die Erde eine Scheibe ist.

Was aber beiden Sätzen auf jeden Fall innewohnt, ist ein Ausblick auf den geistigen Horizont der Verfasser solcher absurden „Wahrheiten“: sie sind entweder grenzenlos dämlich – oder grenzenlos verschlagen.

Zurück nun zu meinem beschaulichen Liegestuhl in meinem kleinen Eifelparadies, das – noch – meine Heimat ist. Hier erlebe ich Harmonie, Perfektion, Frieden und Ruhe, wo sich –  fern von allem politischem Alltagschrecken und kleingeistigem Tabuterror ein weiterer Gedanke bildet:

wo Krieg sozial ist, Krankheit sozial ist, Hunger sozial ist, da erhebt eine greuliche Kultur ihr grässlich degeneriertes Haupt, die wirklich gar nichts Soziales mehr an sich hat, die aber durch Verherrlichung von Krieg, Hunger und Krankheit als Arbeitsplatzbeschaffer eine neue Religion zelebriert, die ganz alte Wurzeln hat: die Zelebrierung des Kultes der Apokalyptischen Reiter der „Offenbarung des Johannes“.

Und auf einmal ist man wirklich wieder bei den Zeiten angelangt, bei denen die Erde wieder nichts weiter als eine Scheibe sein durfte: im finstersten Mittelalter. Man denke nur, das heute jemand kurz entschlossen die Kugelhaftigkeit der Erde auf den Index setzen würde (das geht leicht, wenn man diese Tatsache mit der Brandmarke „Verschwörungstheorie“ versieht, die jedes nüchterne Nachdenken über Alternativen zur Regierungsmeinung verbietet): schon morgen würde man sich unwohl fühlen, weil im Kinderzimmer noch ein Globus steht.

Und so – aus dem Paradies zwischen grüner Umwelt, blauem Himmel und strahlender Sonne (einem Paradies, das nahezu weltweit kostenfrei zur Verfügung steht, aber zunehmend von der Bauindustrie zubetoniert und von der Urlaubsindustrie zugelärmt wird) betrachtet, wird die „zivilisierte“  Menschheit zu einem kopflosen Haufen Ameisen, die fleissig dran arbeiten, altertümliche Prophezeiungen von apokalyptischen Reitern der Endzeit Wirklichkeit werden zu lassen.

Nicht mehr lange, und die Erde wird wieder zur Scheibe.

Der gebetsartig rituell vorgebrachte idiotische Satz „Sozial ist, was Arbeit schafft“ deutet auf jeden Fall schon darauf hin, das wir hinreichend geistigen Verfall vorzuweisen haben (oder gemeinste Bosheit, wenn man sich den Gedanken an Verschwörungen zum Zwecke der Bonusmehrung nicht verbieten lassen möchte), das solche mittelalterliche Wahrheiten bald wieder per Dekret erlassen werden können.

Wem das noch zu wenig ist, der wende doch einfach den Satz mal auf andere Themengebiete an: Prostitution, Drogenhandel, Menschenhandel, Raub, Mord, Vergewaltigung – er passt immer.

Nur die Welt, die er mit aufbaut, ist das konkrete Gegenteil jenes Paradieses, das der Mensch sich hätte schaffen können – und mein Garten zeigt, das solche Paradiese möglich sind.

Sie wachsen sogar ganz umsonst.

Noch.

 

 

1. Mai 2012, Tag der Arbeit: ein Hohn – wir feiern eine Leiche … oder den Triumph Adolf Hitlers

1. Mai 2012, Tag der Arbeit: ein Hohn - wir feiern eine Leiche ... oder den Triumph Adolf Hitlers

1.Mai.2012. Tag der Arbeit. Eifel. Für bäuerliche  Gegenden ein Tag wie jeder andere – nur, das mehr Touristenautos hinter den Treckern hängen und wie die Blöden hupen. Bauern müssen jeden Tag arbeiten – das Vieh macht keine Pause. Maschinen machen heutzutage auch keine Pause mehr: im Namen der Rendite müssen sie rund um die Uhr laufen. Das ist eigentlich gut, nehmen sie uns doch die Arbeit ab – aber Maschinen werden an diesem Tag nicht gefeiert, noch gibt es einen Tag der Maschinen. Dabei hätten sie es verdient – vielleicht sogar an diesem Tag. Als die Maschinen noch die Hilfe vieler Menschen brauchten, um den unendlichen Güterstrom zu produzieren, den wir aktuell „Leben“ nennen, riefen diese Menschen am 1.Mai 1886 zum Generalstreik auf, weil sie nicht so lange durchhielten wie die Maschinen und nur noch acht Stunden am Tag arbeiten wollten – und auch für deutlich mehr Geld.  Die Polizei griff ein, es gab zwei dutzend Tote und mehrere hundert Verletzte – siehe Haymarket Affair. In Gedenken an diesen Tag erklärten die Nazis 1933 den 1. Mai zum nationalen Feiertag –  zum Tag der nationalen Arbeit. In der Tat kommt den Nazis bei der Bewertung der Arbeit ein besonderer Faktor zu, ein Faktor, um den wir uns heute mal kümmern sollten: Arbeit wurde zum politischen Instrument. Darum wurden direkt nach der Einführung des Feiertages die Gewerkschaften abgeschafft.

Von den Nazis kommt der Begriff: „Arbeit adelt“. Was sich erstmal nach großem Respekt vor der körperlichen Arbeit anhört, ist aber in erster Linie die Einführung der Arbeit als Selbstzweck und das bindende Versprechen, das die Arbeitserleichterungen, die die Maschinen ins Leben hätten bringen können, erstmal nicht das normale Volk erreichen: das soll weiterhin schuften bis zum Umfallen. Warum auch nicht, wenn man dadurch adelig wird.

Diesem Adelsmythos hängen wir bis heute hinterher, er verfolgt uns bis in den Alltag. Einfach mal in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg oder München auf den Marktplatz stellen mit einem großen Transparent um den Hals: „ICH BIN ARBEITSLOS“. An den Reaktionen der Mitmenschen kann man sehen, das die nationalsozialistische Umerziehung noch bis heute in den Gliedern steckt. So viel Unfug kann man erreichen, wenn man nur gründlich genug ist und die Todesstrafe in eine materialistische Gesellschaft implementiert. Niemand denkt mehr daran, das Arbeit eigentlich ein biblischer Fluch in einer gefallenen Welt ist, alle denken daran, wie supertoll adelig sie doch durch die Schufterei werden – dabei ist Arbeit ein sich etwas geworden, das in Wirklichkeit nur noch für Idioten vorgesehen ist.

Für Idioten?

Schauen wir doch mal hin – wer verdient denn mit Arbeit heute noch richtig Geld … bzw. wo muss man heute eigentlich für sein (weniges!) Geld noch richtig schwer arbeiten?

Maurer, Straßenbauer, Altenpfleger, Bauern, Krankenschwestern, Handwerker generell – das sind Berufe, in denen im physikalischen Sinne noch Arbeit geleistet wird – jene Arbeit, nach der einem die Knochen weh tun, die den Körper langfristig ruinieren die aber dafür physikalisch messbar ist. Auch hier sind  viele Maschinen im Einsatz – aber der Mensch ist noch nicht völlig ersetzbar. Vergleicht man dazu Unternehmensberater, Investmentberater oder Rechtsanwalt, so verdient man unglaublich viel mehr … messbare Arbeit wird jedoch kaum geleistet. Sich vor Gericht vertreten, sein Unternehmen effektiv strukturieren und die Gewinne vor Entwertung zu sichern, das hat der Industrielle früher selbst getan, heute leben davon tausende sehr sehr gut – obwohl sie keine messbare Arbeit leisten.

Wer wird noch reich?

Fussballer, Models, Schauspieler. Superreich sogar. Der Spiel- Spaß- und Sportbereich ist zum Reichtumsgaranten geworden. Nicht dank Arbeit, sondern dank der Maschinen. Die produzieren inzwischen sein hundert Jahren, Tag und Nacht, ohne Unterlass – und die Maschinengesellschaft hätte die Arbeit komplett entwerten und ihr ihren Stachle nehmen können, wenn nicht … die SPD (in dieser Hinsicht die reale Nachfolgepartei der NSDAP) weiterhin Arbeit heilig sprechen würde und Arbeitslosigkeit unter  Strafe – ja sogar unter Todesstrafe gestellt hätte.

Das ist doch das, was man an Hartz IV nicht mag: die Aussicht, von einem sadistisch veranlagten Fallmanager mittels fortschreitender Sanktionen zu Tode gequält zu werden, einem tödlichen System ausgeliefert zu werden, während man gerade wo man alt, krank und schwächlich geworden ist arbeitslos wurde weil der neue Unternehmensberater gerade mit Hilfe der Rechtsanwälte noch mehr Arbeitsplätze abgebaut hat, damit der Investmentmanager mit dem so eingesparten Lohn an der Börse einen schnellen Gewinn einfahren kann.

Nun, das System arbeitet noch nicht mit der möglichen letalen Konsequenz, die seine Erbauer im Sinn hatten: „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“ (Leitspruch von SPD und NSDAP-Führungskräften) heißt letztlich: tötet die Freien.

Die Freien?

Ja – jetzt wird es aber sehr heikel.

Schauen wir uns doch mal unseren „Arbeitsalltag“ an. Immerhin haben wir noch so etwas, auch wenn man es modern richtigerweise eher „Beschäftigung“ nennt. Was sind wir dort? Kleine Rädchen im Getriebe der Maschine. Morgens um sechs klingelt der Wecker, sechs Uhr fünfzig fährt der Bus, um acht beginnt die Arbeit, genauer gesagt, die „Beschäftigung“, die meistens darin besteht, Blätter umher zu schicken, Mails zu beantworten und Telefonate zu führen. Dort wartet dann … DER CHEF. Das der ein Ekel sein muss, erfährt man in vielen „Spiegel“-Artikeln zu diesem Thema. Abends dann noch schnell einkaufen, flugs ein paar Fertigmahlzeiten einwerfen und schon ist man bereit für die weitergehende Beschäftigung der Informationsaufnahme – der man sich nicht entziehen kann, will man am nächsten Tag auf der „Arbeit“ noch mithalten.

Wer nun arbeitslos ist, ist frei von diesen Zwängen. Kein Wunder, das man die verhungern lassen will – möglicherweise gefällt denen das frei sein noch, nachher wird es noch ansteckend: das muss unter allen Umständen vermieden werden.

Schon sind wir wieder bei den Nazis, deren dunkle Gedanken immer noch über dem deutschen Volk hängen. Auch die wollten das deutsche Volk den ganzen Tag beschäftigen (wobei die Frauen dem Führer beständig Kinder für den Endsieg zu schenken hatten, das war deren Programm). Sie führten den Fernseher ein, das Radio, den Volkswagen, die Autobahn … na, wird´s schon mulmig?

Die haben gewusst, was sie taten. Und ihre Erben haben das erfolgreiche System einfach mal übernommen, aber mit anderen Farben angestrichen.

Arbeit als Fluch, weil uns  der Teufel aus dem Paradies gelockt hat? Das merken viele, jeden Tag – aber sagen dürfen sie es nicht mehr, denn jenseits der „Beschäftigung“ lauert 2012 Entwürdigung und Hungertod … mit freundlichen Grüßen der Sozialdemokratie in Deutschland.

Millionen von deutschen Arbeitnehmen reden sich ein, sie würden als freie Bürger in einer Demokratie leben, während sie die meiste Zeit ihres Lebens nur machen, was der Chef oder der Fernseher ihnen sagt – wobei der Chef viel mehr Lebenszeit frisst als der Fernseher.

Wir fühlen uns aber immer noch adelig, wenn wir arbeiten – Hitlers Arm reicht halt weiter als unsere Schulbildung uns erzählen möchte.

Unternehmensberater werden reich, weil sie Arbeitsmöglichkeiten in Massen vernichten, aber uns erzählt man, das Arbeit gut ist.

Investmentbanker werben mit der Freiheit von Arbeit für Kapitaleigner, die „ihr Geld für sich arbeiten lassen sollen“, aber uns erzählt man, das Arbeit gut ist.

Rechtsanwälte sorgen dafür, das Unternehmensberater und Investmentbanker mit jedem fiesen Trick durchkommen, aber uns erzählt man, das Arbeit gut ist.

Wie viele SPD-Politiker sind eigentlich nach ihrer Zeit im Parlament zurück auf den Bau, an die Werkbank oder auf die Pflegestation gegangen? Gibt es da einen?

„Arbeit“ ist 2012 weitgehend eine Leiche. Sie wurde von Maschinen überrollt und hat den Zusammenstoß nicht überlebt. Der Begriff aber wird weiterhin als Waffe und Disziplinierungsinstrument im Sinne Hitlers gegen das Volk eingesetzt, sogar weit über seinen ursprünglichen Sinn hinaus, denn heutzutage können auch (bzw. gerade!) mehrfache Mütter vom sozialdemokratischen Hungertod ereilt werden, obwohl sie dem Land viele Kinder schenken: die SPD ist da härter als Hitler.

Im Lande der Maschinen ist Kinder kriegen asozial. Diese Botschaft haben wir vom Fernseher eingetrichtert bekommen und folgen ihr.

Und die Parteien?

Während sie die Menschen mit einem toten Arbeitsbegriff zum Dauerlauf treiben (einem Dauerlauf, der zeitintensiver ist als das, was die Aufständischen vom Haymarket zur Revolte animierte), sammeln sie sich um die Maschinen und ihren Reichtum. Keiner, der mal aufsteht und anstatt „Arbeit“ mit den Begriffen „Freiheit“, „Gleichheit“, „Brüderlichkeit“ oder gar „Glück“ hausieren geht.

Wir sollten diesen Tag „Tag der Maschinen“ nennen – sie machen unsere Arbeit.

Oder wir nennen ihn „Hitlers Triumphtag“ und feiern so den Triumph seines Gesellschaftsentwurfes, eines Gesellschaftsentwurfes, in dem jeder Deutsche ein Radio hat, damit man ihm sagen kann, was er tun soll, jeder Deutsche eine Fernseher hat, damit er sieht, was ihm blüht, wenn er nicht tut, was man ihm sagt und ein Auto auf der Autobahn, damit er die Illusion von Freiheit hat, eines Gesellschaftsentwurfes, in dem jeder Deutsche einen Chef hat und jeder Chef von einem Unternehmensberater gesagt bekommt, was er zu tun und wann er wie viele aktuell zu entlassen hat, um von seinen Chefs oder „Anlegern“ weiterhin Geld zu bekommen.

Oder … wir nutzen den Tag mal in seinem ursprünglichen Sinne und denken darüber nach, wie wir uns von dem Fluch „Arbeit“ entgültig befreien können. Da die Arbeit von Maschinen gemacht wird, ist das doch sicher machbar. Zum Beispiel könnten wir heute alle mal im „Spiegel“ die Geschichte vom „roten Utopia“ lesen, das in Spanien Wirklichkeit geworden ist:

„Alle wichtigen Entscheidungen treffen wir in Vollversammlungen“, sagt der Bürgermeister. „Die Menschen legen selbst fest, wie viel Steuern sie zahlen wollen oder wofür unsere Überschüsse ausgegeben werden.“ Die Landarbeiter von Marinaleda erhalten für sechs Stunden Arbeit pro Tag 47 Euro. Was darüber hinaus erwirtschaftet wird, kommt dem Gemeinwohl zugute. So ist es möglich, dass das knapp 3000 Einwohner zählende Dorf über mehrere Sportanlagen, einen großen Park und zahlreiche kleinere, gepflegte Grünflächen verfügt.

„Die Menschen hier brauchen nicht viel Geld,“ sagt Bürgermeister Sánchez Gordillo. „Anderswo wird unter der Last von Hypotheken und Krediten gestöhnt, hier zahlen wir für das Baumaterial unserer Häuser der Gemeinde 70 Jahre lang 15 Euro im Monat ab, dann gehören sie uns.“

Mal ehrlich: hätten wir unser eigenes Haus, einen Garten dabei, der uns ernährt, nette Nachbarn, mit denen man lustig feiern kann: was würde uns eigentlich die Bankenkrise, der Euroterror oder Afghanistan noch kümmern?

Tagtäglich könnten wir erleben, das man gut ohne „Arbeit“ (im Sinne von „Beschäftigung“) leben kann: Essen wächst nämlich ursprünglich ganz von allein. Das sich jemand das Essen nehmen und sagen kann: „das kriegst Du jetzt aber nur, wenn Du mir Dein Leben verkaufst“ ist ein Prinzip, gegen das wir 1789 Revolution gemacht haben …. und im Laufe der Geschichte noch viel öfter.

Früher durfte sich der Adel alles Essen nehmen, heute tritt die SPD (oder generell: „die Partei“) an seine Stelle – mit Hitlers adeligem Arbeitsbegriff im Hintergrund.

Und schon versteht man, warum Menschen, die Freiheit lieben, was gegen Linke haben können – die nehmen einem ganz schnell das Essen weg, um einen zur Arbeit zu zwingen – jene Arbeit, die eigentlich durch Maschinen eleminiert wurde. Eine besonders grausame Form der Folter.

Aber gerade das wollten wir ja eigentlich nicht mehr, oder?

 

 

 

 

Eifelphilosophs Eifelwelten – ein klein wenig Glück in düsteren Zeiten

Dienstag, 7.2.2012. Eifel. Selten habe ich mal die Gelegenheit, etwas Schönes mit meinen Mitmenschen zu teilen – dabei war das eigentlich der Grund, weshalb ich ursprünglich anfing, im Internet kleine Gedanken zu veröffentlichen.

Nun hat eine befreundete Künstlerin ein kleines Werk veröffentlicht, das meine kleine heile Welt zeigt. Bei den meisten Fotografien stand ich daneben, kann also verbürgen, das die Aufnahmen echt und authentisch sind.

Ebenso echt und authentisch ist die Musik. Die Musiker kenne ich ebenfalls persönlich – ganz feine Menschen. Das Gesamtkunstwerk gefällt mir nun ausserordentlich gut – und wenn einem etwas Gutes widerfährt, sollte man es teilen … so hieß es jedenfalls früher.

Oft teile ich nur düstere Dinge, weil diese es sind, die mich zuerst anspringen, wenn ich durch die Artikel der Medien streifen, Dinge, die noch dunkler werden, wenn man sie in anderen Zusammenhängen darstellt. Vielleicht fragt sich der eine oder andere, wie man nur geistig stabil und gut gelaunt sein kann, wenn man tagtäglich zwischen Krieg, Kannibalismus und Konzernhorror wandert.

Ein kleiner Blick auf meine Heimat mag dies erklären: es gibt halt noch etwas Gutes auf dieser Welt, etwas, für das es sich zu streiten und zu kämpfen lohnt.

Etwas … wie das hier:

 

Käfertreffen

Kfertreffen_thumb.jpg

Käfertreffen

© Jotha

EMPÖRT EUCH … aber dann geht´s ab nach Hause. (Achtung, enthält Fäkalsprache)

EMPÖRT EUCH ... aber dann geht´s ab nach Hause. (Achtung, enthält Fäkalsprache)

Es ist ja inzwischen modern geworden, „Empört Euch“ zu rufen. Das ist ganz schick. Es machen ja auch viele. Man stellt sich auf die Straße und ruft ganz laut: „Ich will das alles nicht!„. Dann kehrt man zurück zu seinem VW Golf mit Biodiesel, fährt in seine Eigentumswohnung in Innenstadtlage (inklusive Tiefgaragenplatz), macht sich erstmal ein Getränk von der Firma Tchibo, welches man im weichen Polster eines Sessels aus einem schwedischen Möbelhaus einnimmt und sich dabei von einem Bildschirm der Firma Sony bunte Illusionen vom wirklichen Leben vorgaukeln lässt untermauert von Doby Suround Sound aus dem Haus Bang und Olufson. Die Füsse ruhen ruhig und sicher auf einem handgeknüpften Orientteppich, der Körper wird umschmeichelt von einem Bademantel aus edelster Seide, Zimmerpflanzen aus tropischen Wäldern verschönern den Panoramablick der dreifach verglasten Fenster, Zimmerbrunnen und Salzkristalllampen sorgen für ein behagliches Ambiente auf hohem Niveau, bringen die gerahmten Fotos vom letzten Korsikatripp voll zur Geltung – und das ist auch richtig so.

Wir brauchen als Demokratie den Protest. Gäbe es nicht den Protest, dann wären wir ja keine Demokratie mehr. Dann wären wir ja wie Gaddafi, Saddam Hussein, Kim il Yong oder Adolf Hitler (um mal daheim zu bleiben).  Wären wir aber keine Demokratie, dann könnten wir nicht ruhigen Gewissens Bomben schmeissen … und so nebenbei unsere Finger auf Rohstoffe legen, die wir ansonsten teuer bezahlen müssten. Unsere Bomben sind gute Bomben, Kinder, die von unseren Bomben zerfetzt werden (ja, also … so viele sind das doch wirklich nicht, oder?) können glücklich sein, das es demokratische Bomben sind, die ihrem Leben ein Ende setzen.

Nicht auszudenken, was wäre, wenn es Bomben aus undemokratischen Ländern wären.

Proteste im Inland sind das, was den Bomben erstmal so richtige legitimierte Wucht verleiht – genau genommen macht Bomben werfen erst aus der Demokratie heraus so richtig Spaß … das erinnert etwas an die Behaglichkeit, die man empfindet, während man selber vor dem warmen Ofen sitzt und draußen vor dem Fenster Katzen und Hunde vom Himmel regnen. Ist ja auch ähnlich – man selber sitzt vor dem Rundfunkfenster und anstelle von Katzen und Hunden regnet es Sprengstoff und Napalm.

Was tut man nicht alles zur Förderung der Behaglichkeit des Bürgers.

Doch dann wird es aber auch Zeit, mal die Kirche im Dorf zu lassen. Dann wird es mal Zeit, zu verstehen, wer man wirklich ist – und wo man in der Welt seinen Platz findet.  Immerhin wollen wir doch den geordneten Ablauf der Geschäfte nicht stören. Das Gerede von Demokratie und Freiheit ist ja gut und schön – als Ideal im Rundfunkfenster – aber hinter diesem Fenster gibt es noch eine Realität, die kein Ponyhof ist.  Manchmal scheint die durch, so wie heute – ich zitiere Berlusconi aus der Welt:

 „In ein paar Monaten haue ich ab, um mich nur noch um meinen Kram zu kümmern. Ich haue ab aus diesem Scheißland (paese di merda), in dem mich bald das Kotzen packt“.

Da spricht doch endlich mal ein Politiker aus, was alle denken. Die glauben doch alle, das Bürger nur noch lästige Wurmfortsätze der nationalen Wirtschaft sind, der Blinddarm der Volkswirtschaft, sozusagen.  Gut, man wickelt die noch in die Demokratiedecke ein (100 % Cashmere, versteht sich) … aber was heißt das schon.

Dieser Satz könnte doch auch von einem KT von und zu Guttenberg kommen – der ja jetzt auch das Land verließ, das so rücksichtslos seine Ehre zerstörte, in dem es aufdeckte, das er keine hatte. Oder von Gerhard Schröder. Von Wolfgang Clement. Joschka Fischer. Von all jenen, die noch nicht „ganz oben“ angekommen sind, um uns zu zeigen, wie nichtswürdig, dämlich und erbärmlich wir eigentlich sind.

Man zeigt uns das ja auch gerne – bereitet uns sanft darauf vor, das unser Leben nicht mehr lange so bequem sein wird, das für uns die Komfortzone Demokratie langsam ein luxuriöser Urlaubsort ist, den wir nur noch selten aufsuchen dürfen. Drei Meldungen von unseren Berlusconis? Bitte schön, alle aus der Welt des heutigen Tages. Erstmal – die Rente:

Die staatliche Rente, die einst den Lebensstandard im Alter sicherte, schrumpft in den nächsten beiden Jahrzehnten auf eine bessere Grundsicherung. Das ist politisch gewollt und eine Folge der tief greifenden Rentenreformen der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder.

Babyboomer sind fit für die Altersarbeit“ … einfach mal positiv denken. Wer bis zum Hals in der  Scheiße steckt, der hat doch noch genug Luft zum Atmen – durch Mund UND Nase. Anderen geht es da wesentlich schlechter, manche sind sogar schon tot.

Oder das Essen:

Steigende Energiekosten und die Verknappung der Rohstoffe belasten das Bäckereigewerbe. Die höheren Produktionskosten ließen sich nur schwer intern auffangen und würden vermutlich an die Verbraucher weitergegeben

Wie gut das die Jugend heutzutage dank Berlusconifunk immer weniger von dem Zusammenhang zwischen Bäckerei und Essen weiß, dafür aber zehn SMS in der Minute schreiben kann – so verhindert man, das sie sehr zornig werden.

Nochmal Thema Essen (man munkelt, „essen“ soll für Menschen früher mal sehr wichtig gewesen sein, bevor es MP4-Player, Handy oder Playstation gab), diesmal aus der Sicht von Spekulanten:

Experten rechnen weltweit mit weiter stark schwankenden Lebensmittelpreisen. Auch die Politik könne Spekulanten nicht aufhalten.

Die sind nicht aufzuhalten, diese Spekulanten. Das sind die, die alles richtig machen, die wirklich guten Menschen. Die haben nämlich viel Geld, das sie Parteien spenden können, sie können Pöstchen für Politiker einrichten (viele viele unnütze Pöstchen – Unmengen an unnützer Pöstchen … man könnte es fast schon eine „Pöstchensintflut“ nennen, die für die Wirtschaft den gleichen Weltuntergangseffekt haben wird wie es biblische Sintfluten hatten) und ihnen so helfen, ihr Scheißland endlich hinter sich zu lassen.

Spekulanten sind unaufhaltsam – aktuell nehmen sie sogar die Banken ins Visier, ohne die sie gar nicht leben könnten. So generieren sie unglaubliche Gewinne, das sie sich Strategien der Machtausübung erlauben können, wie sie Mario Adorf als Generaldirektor Heinrich Haffenloher in Kir Royal einfach mal ausspricht: sie „scheissen uns zu“ mit ihrem Geld. Parteien, Verbände, Medien, Vereine, Eliten und Experten – alles finanziell zugeschissen. Geld holt man sich zur Not – wie aktuell – bei den Lybiern oder anderen „befreiten“ Völkern. Immerhin sind wir so reich geworden. Glasperlen gegen Jagdgründe – das ist unser Geschäftsprinzip. Einfach mal die Indianer fragen. So wird man Leistungsträger, Elite, Vorbild, so schafft man es ganz nach oben.

Von dort aus kann man dann noch mehr Geld generieren, mit dem man dann noch mehr Menschen zuscheißen kann.

„In freiheitlichen Demokratien müssen die Entscheidungen in den Parlamenten getroffen werden. Denn dort liegt die Legitimation.“ 

Das meint jedenfalls unser Bundespräsident laut Welt, die gerade die Demokratie durch Berliner Diktate  in Gefahr sieht.  So nennt man unser System: „freiheitliche Demokratie“. Zur Erinnerung: der Nationalsozialismus war als germanische Globalisierungsbewegung nicht national, noch würde man ihn zurecht „sozial“ nennen können. Erlebt wurde etwas anderes – und offensichtlich merken immer mehr Menschen, das auch wir etwas anderes erleben, als zu Werbezwecken aufgedruckt wurde.

Darum muss die Botschaft „Empört Euch“ ergänzt werden.

Empört Euch … und dann ab nach Hause.

Und ehrlich: die meisten halten sich dran. Die Legitimation liegt in den Parlamenten, dort sorgen 5000 gut bezahlte Lobbyisten dafür, das der reibungslose Ablauf der Spekulationen nicht gestört wird.

Wir bekommen auch was Schönes dafür.

„Bespoke“ hat Genevieve Bennett ihre Kollektion genannt, die vier verschiedene Wandpaneele mit aufwändigen Floralmustern umfasst. Jedes Stück ist handgefertigt und wird von der Designerin aus feinstem Leder hergestellt. Dabei ist es den Wandpaneelen völlig egal, wo sie eingesetzt werden. Sie machen sich als Wanddekoration gut, sehen aber auch als Verkleidung von Schränken, Türen oder anderen Möbeln schön aus.

Das ist ein Zitat aus „Schöner Wohnen„. Damit beschäftigt sich der Protestbürger, nachdem er seinen Protest abgeleistet hat, um im Sinne der Regierung die Lebendigkeit deutscher Demokratie zu beweisen.  Der Quadratmeter kostet 3700 Euro, macht bei einer 100 Quadratmeter großen Eigentumswohnung mit 3 Meter Deckenhöhe … na, einfach mal selber rechnen. Schränke, Türen und Möbel sind auch auch zu berücksichtigen.

Sowas … sind unsere Glasperlen.

Wie toll und wichtig muss das sein, was wir dafür hergegeben haben.

Was das nur war?

PS: für die Fäkalsprache in diesem Artikel möchte ich mich entschuldigen. Es ist auch privat nicht meine Art, dermaßen derbe Reden zu führen, doch aktuell merke ich, das wohl der Umgang mit europäischen Spitzenpolitikern oder geschauspielerter wirtschaftlicher Elite auf das sprachliche Niveau abfärbt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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