Globalisierung

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Tödlicher Welthandel, vergiftete Kinder und der Milleniumsgipfel

Man ist ja wieder entsetzt. Man? Ja, die Welt. Also – die wichtige Welt. Nicht die unwichtigen Nichtsnutze in den Ländern der Steuerzahler oder Hungerkinder, sondern die wirklich wichtigen Menschen dieser Welt. Die haben sich ja jetzt in New York getroffen und sich wieder einmal gewundert, warum alle gegen den Hunger sind aber trotzdem nichts passiert. Ist ja auch komisch, oder? Zudem 50% der Hungernden selbst Nahrungsmittel anbauen, sie aber nicht essen dürfen – aber nicht das führte zum Entsetzen, sondern die Rede eines ungeliebten Politikers.

Er warf dem Westen „unglaubliche Verbrechen“ vor. Über Jahrhunderte seien andere Länder besetzt, ihre Völker unterdrückt und ermordet und Millionen Menschen versklavt worden.

„Weite Teile der Welt haben unter der westlichen Dominanz gelitten“, so Ahmadinedschad. Zugleich pries er seine Toleranz. Er hielt einen Koran und eine Bibel hoch und sagte: „Ich habe vor beiden dieser heiligen Bücher Respekt.“

Quelle: Spiegel-online

Ich schätze mal … das sehen viele so wie er. Auch die Zweifel an den Verschwörungstheorien zum 11.9.2001, wonach ein Ausweis aus der Feuerhölle der Türme direkt vor die Füsse der Bundesagenten flatterte und ihnen so den Täter präsentierte, der vom pakistanischen Geheimdienst Geld für Prostituierte und Alkohol bekommen hatte, während der Chef des Geheimdienstes in New  York weilte, um die Show auch ja nicht zu verpassen, teilen ja viele andere. Und wenn er die Toten des 11.9.2001 mit denen des Irakkrieges vergleicht, so kann man ihm kaum Vorwürfe machen: beides waren verbrecherische Akte – und zumindest beim letzten hat die Bush-Regierung drastische Lügen in der Weltöffentlichkeit verbreitet – was sollte uns also Glauben machen, das ihre Verschwörungstheorie zu „nine-eleven“ richtig sein sollte.

Weniger Entsetzen hat folgende Meldung aus der Zeit verursacht:

Hunderte Kinder sterben an Bleivergiftung

In Nigeria sind zahlreiche Kinder in Kontakt mit Bleierz-Staub gekommen und an Vergiftungen gestorben. Sie hatten als Kinderarbeiter in Goldminen gearbeitet.

In Nigeria wird vielfach Gold in geringen Mengen aus Bleierz gewonnen. Dafür wird das Bleierz zerstoßen und getrocknet. Der auf diese Weise entstehende Staub enthält große Mengen an Blei.

Hören wir dazu nochmal die kleine Zeitung aus Österreich:

In Nigeria wird vielfach Gold in geringen Mengen aus Bleierz gewonnen. Dafür wird das Bleierz zerstoßen und getrocknet. Der entstehende Staub enthält große Mengen an Blei.

Vielleicht fallen jemand die verdächtigen Ähnlichkeiten in den Formulierungen auf – mir würde es hinreichend erklären, warum man den Medien zunehmend mißtraut. Es erklärt auch, warum sich niemand über die Kinderarbeit entsetzt hat: die gab es gar nicht:

Die Region Zamfara im Norden von Nigeria trauert um 160 Kinder. Zunächst wurden sie krank, konnten nicht mehr alleine stehen, nicht mehr hören, nicht mehr sehen. Dann starben sie. Die Ärzte vermuteten Malaria. Aber erst nach 160 Todesopfern und Hunderten Erkrankten enthüllten Bluttests den wahren Auslöser: Blei, das die Dorfbewohner auf der Suche nach Gold mit in ihre Häuser gebracht hatten.

Die meisten Opfer sind Kinder. Sie haben in kontaminierten Hütten oder auf verseuchten Dorfplätzen gespielt. Die Konzentration in ihrem Blut war teilweise so hoch, dass die Messgeräte ihre Werte nicht mehr anzeigen konnten. Ihr Schicksal war der stark gestiegene Goldpreis, der die Suche nach Gold in der Region nahe der Grenze zum Niger erst attraktiv machte.

Quelle: TT.Com

Wie wir sehen, waren nur die Eltern mit Blei verseucht – und in den Mienen tätig. Und da soll man den Nachrichten der „seriösen Presse“ noch trauen?

Was es aber gibt, ist die Wirtschaftskrise – obwohl wir hier in der Eifel gerade zwölf nagelneue Niederlassungen von Konzernen haben. Aber die haben ja Geld, die verdienen gut an der Wertschöpfung, die das Gold von seinem Weg aus Nigeria bis zur Deutschen Börse erfährt.

Aber nicht nur Gold geht diesen Weg der wunderbaren Wertvermehrung. Das geht auch mir Nahrungsmitteln:

Es ist absolut klar, dass dieses industrialisierte, globalisierte System die Wurzel für den Welthunger ist. Eine Milliarde Menschen ist hungrig auf unserem Planten, wovon die Hälfte selbst Lebensmittel herstellt. Wie kommt es nun, dass sie nicht ihre eigenen Lebensmittel essen? Sie produzieren sie mit kostspieligen Methoden und externen Mitteln, sodass sie alles verkaufen müssen, um die dafür erforderlichen Kredite zurückzahlen zu können. Sie bauen Reis an, den sie selbst nicht essen. Der zweite Punkt sind die Monokulturen und das genetisch veränderte Saatgut.

Die großen Monokulturen führen in Wirklichkeit zu einer Verarmung der Ernährung. Statt der 8500 Kulturpflanzen, die wir als Menschen gewohnt waren zu essen, leben wir jetzt mit acht Standardsorten. Je stärker man aber die Biodiversität in der Region verringert, um so geringer ist der Nährwert der Nahrung. Ohne die einst üblichen Grünpflanzen auf den Äckern der Bauern leiden Frauen am Land an Anämie und Kinder an Vitamin-C-Mangel. Ohne Hülsenfrüchte mangelt es an Proteinen. Und ohne Ölfrüchte in der Ernährung ist man nicht fähig, die Nahrung richtig aufzunehmen. Wenn der globale Nahrungsmittelhandel von nur fünf großen Agrokonzernen kontrolliert wird, welche die Regeln der World Trade Organization bestimmen und noch dazu 400 Milliarden Dollar Fördermittel von den reichen Staaten kassieren, können sie auch alles, was teuer produziert wurde, billig am Weltmarkt verkaufen. Mit diesen Dumpingpreisen rauben sie in Entwicklungsländern den lokalen Kommunen ihre Lebensgrundlage. Dieses komplexe System produziert Hunger und verstärkt gleichzeitig den Klimawandel.

So Vandana Shiva bei Profil.at

400 Milliarden Dollar Fördermittel – wie geht das denn?

Ganz einfach. Man kauft sich Politiker als Lobbyisten. Die verdienen sehr gut daran:

Wenn viele ehemalige EU-Kommissare noch Jahre nach ihrem Ausscheiden in den wärmsten Tönen von ihrer Zeit in Brüssel schwärmen, dann dürfte das weniger mit den dortigen Wetterverhältnissen zu tun haben als vielmehr mit dem Blick auf ihr Konto. Denn die EU-Kommission lässt ihre Altkommissare nicht darben. 17 im Frühjahr ausgeschiedene Mitglieder des Brüsseler Kollegiums streichen bis zu 11.000 Euro monatlich ein, und das, obwohl sie längst neue höchst profitable Jobs als Lobbyisten haben oder als Abgeordnete ins Europäische Parlament gewechselt sind.

Quelle: kleineZeitung.at

Wer so priviligiert ausgestattet wird, der bekommt einen ganz sanften Blick für die Probleme dieser Welt – es sind ja nicht mehr seine. Nochmal Vandana Shiva dazu:

Wir benötigen einen Paradigmenwechsel im Denken, einen Wandel im Wirtschaftssystem, besonders in der Art, wie wir produzieren und konsumieren, sowie einen politischen Wandel bei der Entscheidungsfindung. Die vom System Privilegierten haben aber kein Interesse an Änderungen. Deshalb müssen sich jene, die die Kosten und Risiken tragen, erheben, um neue Paradigmen zu schaffen.

Bleibt also mal wieder alles an den Arbeitslosen hängen? Tragen die nicht schon genug an den Kosten der Globalisierung? An der Stigmatisierung als Untermenschen? Riskieren die nicht schon täglich ihr Leben alleine dadurch, das ein Fehler im Antrag ihnen die Lebensgrundlage entziehen könnte – jederzeit, jeden Tag?

Nun – es scheint so. Wir haben unsere eigene Armenkaste in Deutschland. Aber … sie sind eigentlich noch sehr reich. Zwar täglich von Vernichtung bedroht – aber gleich morgen könnte der Konzern kommen und das Himmelreich der materiellen Überversorgung öffnet sich. Darum bleibt man lieber ruhig. Aus dem gleichen Grund bleiben andere in der Kirche.

Und mit Konzernen möchte man sich sowieso nicht anlegen:

Getroffen haben sollen sich der Chef von Blackwater und der Sicherheitschef von Monsanto vor zwei Jahren in Zürich. Seit diesem Treffen übernimmt das Profikiller-Unternehmen die Drecksarbeit für das Gift-Unternehmen. Dafür traten Blackwater Leute Aktivistengruppen bei und berichteten Monsanto über Blogs und Webseiten.

Quelle: Seite3.ch.

Die Jungs von Blackwater sind geübt im Erschiessen von Zivilisten. Das durften sie im Irak ausprobieren – unter Aufsicht der US-Armee.

Weite Teile der Welt haben unter der westlichen Dominanz gelitten? Weite Teile leiden unter der westlichen Dominanz – und die wird täglich schlimmer. Und es wundert mich nicht, das man „denen“ alles zutraut – sogar die Ermordung der eigenen Bevölkerung. Da gäbe es nichts, was einen noch ernsthaft entsetzen könnte, denke ich.

Doch – eins gäbe es da noch. Eine kleine Meldung am Rande.

Während vor allem soziale Leistungen im Rahmen des Sparpaketes gekürzt oder gestrichen werden, will die Regierung mehr für Eigenwerbung ausgeben. Allein das Bundesarbeitsministerium plant zusätzliche Marketing- Ausgaben von rund 13,2 Millionen Euro Millionen Euro. Das sind 3,8 Millionen Euro mehr, als noch im Vorjahr.

Quelle: Gegen-Hartz

Entsetzen weil … ein durch und durch rational aufgebautes Gesellschaftssystem es schafft, völligen Wahnsinn zu produzieren. Immer mal wieder.

Aber vielleicht ist es auch kein Wahnsinn und der wahnsinnige Iraner hat einfach recht: unter konspirativen Gesichtspunkten bleibt in der Tat vieles im rationalen Bereich.


„Ohne eine Revolution sind die Amerikaner nur noch Geschichte.“ Und unser Urlaub auch.

Obiges Zitat stammt nicht von Che Guevarra, nicht von Osama bin Laden oder Fidel Castro, es stammt von:

Paul Craig Roberts, ehemaliger Redakteur des Wall Street Journal und unter Ronald Reagan Staatsekretär im US-Finanzministerium, kommentierte diese Entwicklung am Dienstag so: »Das Wohlergehen der USA und das seiner 300 Millionen Einwohner kann solange nicht wiederhergestellt werden, solange die Neokonservativen, die Wall Street, die Konzerne und ihre servilen Lakaien im Kongreß und im Weißen Haus, nicht besiegt sind. Ohne eine Revolution sind die Amerikaner nur noch Geschichte.«

Ein deutliches Wort … das auch mit Zahlen belegbar ist:

Laut Financial Times vom 30. Juli ist seit 1973 das reale (inflationsbereinigte) Einkommen von 90 Prozent aller US-amerikanischen Familien nur um zehn Prozent gestiegen. Für viele ist der »amerikanische Traum« zum Alptraum geworden. Mehr als der Hälfte geht es heute sogar schlechter als vor 37 Jahren. Die Arbeiterklasse wurde an den Produktivitätszuwächsen nicht mehr beteiligt. Dagegen profitierten die Spitzen der Einkommenshierarchie gewaltig: In derselben Periode verdreifachte sich das reale Einkommen von einem Prozent der Bevölkerung, und das des reichsten Zehntelprozents verzehnfachte sich. Während 1973 ein Konzernchef etwa das 26fache des Durchschnittseinkommens mit nach Hause nahm, kassiert er heute mehr als das 300fache.

Quelle: jungewelt

Die offene Forderung einer Revolution zur Rettung der amerikanischen Nation, der amerikanischen Kultur von einem Wall-Street-Mann sollte einem zu denken geben und in Deutschland auf jeder Zeitung auf Seite 1 stehen,  direkt neben den Aufschwunglegenden.

Denen geht es sehr schlecht, den Amerikanern, und wenn es nach dem Willen der Atlantikbrücke  geht, dann werden diese Verhältnisse auch uns erreichen. Jedenfalls arbeiten wir schon kräftig daran:

So haben etwa die Realeinkommen des obersten Zehntels in den letzten zehn Jahren um 17 Prozent zugenommen – beim ärmsten Zehntel dagegen um zehn Prozent abgenommen. Aber ob Reichtum beim siebten oder erst beim zehnten Zehntel beginnt, das ist nicht eindeutig.

Die zentrale Frage dahinter ist: Wie viel Ungleichheit wollen wir? Mein Eindruck ist, das die amtierende Regierung beschlossen hat, das aktuelle Maß an Ungleichheit reicht nicht aus, sondern sie möchte offenbar durch noch mehr Ungleichheit Leistungs anreize setzen.

Bestes Beispiel ist die letzte Kindergelderhöhung: Hartz-IV-Empfänger bekommen nichts, die Mittelschicht bekommt 20 Euro mehr, und die Bestverdiener erzielen über den Steuerfreibetrag ein sogar noch höheres Plus. Irrwitz.

Quelle: derFreitag

Schaut man sich die Verfilzungen zwischen bundesrepublikanischer Führungselite und US-Kapital-elite an, so kann es nicht verwundern, das auch hier Trends gefördert werden, die revolutionsfördernd sind. Jetzt will man uns sogar den Urlaub streichen:

Deutsche Arbeitnehmer sollen nach dem Willen des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft künftig zwei Wochen Urlaub weniger pro Jahr machen. Sechs Wochen seien zuviel, vier Wochen reichten völlig aus, sagte Vorstandsvorsitzende Ursula Frerichs der „Bild“-Zeitung. Frerichs begründete die Forderung damit, dass Deutschland bei den Urlaubstagen weltweit an der Spitze läge und die Beschäftigten im Verhältnis zu anderen Ländern immer noch doppelt so viele freie Tage hätten. Zudem könnte eine Urlaubskürzung die aktuelle positive konjunkturelle Entwicklung unterstützen.

Quelle: Yahoo

Die Frau war erst kürzlich durch ihre Forderung nach Deopflicht für Deutschland aufgefallen:

Deutschland schwitzt – sie ist dagegen: Ursula Frerichs, Präsidentin des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft, will eine Deopflicht für alle Arbeitnehmer.

Quelle: Focus

Der UMW ist ein Lobbyverband, gegründet 1990:  Endlich war es dann soweit: am 30.Mai 1990 wurde mit der Unterschrift von 33 Unternehmerinnen und Unternehmern abends nach langer, konstruktiver Arbeit um 23.15 Uhr der Unternehmerverband mittelständische Wirtschaft aus der Taufe gehoben. Nicht zu vergessen wo: bei der trigon-Beratungsgesellschaft im Herzen der Koblenzer Altstadt.

Die Trigon-Beratungsgesellschaft gibt es heute noch, sie ihr Aufgabenfeld nun auf Arbeitslosentraining erweitert.  Eigentlich ist die UMW nicht angetreten, um Deoabsatz zu fördern oder Arbeitnehmer noch weiter auszupressen, ihre Ziele sind andere:

Wir unterstützen Sie

•      beim Knüpfen und Pflegen von Geschäftskontakten im In – und Ausland

•      bei Verhandlungen mit Kreditinstituten und Banken

•      im Informationsmanagement

•      bei Kontakten zu lokalen und überregionalen Behörden

Unser Ziel ist es, die Interessen der Selbstständigen und mittelständischen Unternehmen aus Handel, Handwerk, Gewerbe und den freien Berufen in allen Bereichen zu vertreten.


Durch praxisbezogene Informationen und Hilfeleistungen fördern wir die wirtschaftlichen Belange und die Zusammenarbeit der Mitglieder untereinander.

Quelle: UMW

Wie es kommt, das ihre Vorstandsvorsitzende regelmäßig mit kecken Vorschlägen an die Öffentlichkeit kommt, entzieht sich etwas dem Verständnis … aber so kann man auch auf sich aufmerksam machen. Und es ist ein gutes Beispiel für einen Kampf, der schon verloren scheint, trotz der augenscheinlichen Notwendigkeit einer Revolution auch schon verloren ist:

Das Internet-Zentralorgan „Wired“ erklärt das offene Netz für tot – und definiert Kapitalismus als eine Art Naturgesetz, das jede Infrastruktur unweigerlich in eine Matrix zwängt. Doch frisst die Wirtschaft wirklich das Web?

Die Verfechter des Kapitalismus kämpfen um etwas. Um die Kontrolle über das World Wide Web. Um die Hierarchisierung der Angebote und Informationen, darum, dass ihre eigenen Produkte denen der Konkurrenz preislich oder qualitativ überlegen sind. Um Macht über die Aufmerksamkeit des Individuums. Sie kämpfen darum, dass wir uns zurücklehnen, Antworten erhalten, Neues empfohlen bekommen. Darum, dass wir konsumieren. Das Symbol des Kapitalismus sind die Apps, Millionen Mini-Programme, mit denen wir uns – bequem, aber teils gegen Geld – in geschlossene, genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnittene Mini-Räume teleportieren.

Der Fernseher wird in Adornos Überlegungen zum Machtzentrum eines alles durchdringenden Mediendispositivs. Aus seinem Monitor heraus reicht uns die Kulturindustrie ihre Produkte mit dem Löffel, eingeteilt in kleine, wohlgeformte Portionen, die so leicht verdaulich sind, dass wir sie kritiklos herunterschlucken und uns der Kontrolle der Kulturindustrie gern unterwerfen.

Diese Entwicklung soll nun auch das Internet erreichen.

„All das war unvermeidlich“, schreibt Anderson. Denn die Kräfte des Kapitalismus wirkten von zwei Seiten auf das Internet ein: Unternehmen wünschten sich Unfreiheit und Hierarchisierung. Und der Konsument selbst sei nur allzu gern bereit, seine persönliche Freiheit der Bequemlichkeit zu opfern.

Quelle: Spiegel-Online

Geben wir Anderson Recht, dann war es das nicht nur mit den USA sondern auch mit der BRD … auf jeden Fall aber war es das für unseren Urlaub, den gegen das Argument „Aufschwung“ ist kein Kraut gewachsen.  Alles muß sich diesem großen, einzigartigen, alternativlosen Ziel unterordnen, der Leistungskampf der deutschen Unternehmen im Zeitalter der Globalisierung ist vom deutschen Arbeitnehmer in großer Opferbereitschaft vorbehaltlos zu unterstützen:

Seit 1937 wurde im Rahmen des am 29. August 1936 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) ins Leben gerufenen Leistungskampfs der deutschen Betriebe die Auszeichnung „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ verliehen. Den Beschäftigten wurde mit dem Leistungskampf soziale Gerechtigkeit propagiert und damit gleichzeitig für die DAF geworben. Durchgeführt wurde der Wettkampf vom „Amt für soziale Selbstverantwortung“ der DAF. Die Ehrungen durch Adolf Hitler fanden jährlich am 1. Mai, dem „Tag der nationalen Arbeit“, statt. Ein Jahr lang führten die prämierten Betriebe daraufhin die Goldene Fahne der DAF. Die Beschäftigten nahmen die damit verbundenen sozialen Verbesserungen zwar gern an, die Teilnahme an den Leistungskämpfen bedeutete aber oft nur verstärkte Arbeitshetze und nunmehr erhöhten Druck von der Unternehmensleitung und der DAF.

Quelle: DHM

»Brot und Arbeit« hatte Hitler versprochen. Das Geld dafür gab der Staat – ganz wie es die Theorie des englischen Ökonomen John Maynard Keynes vorsah. Zwischen 1933 und 1938 verdreifachten sich die Staatsausgaben auf fast ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts.

Quelle: Zeit

Wir scheinen 2010 wieder die gleichen Antworten auf Weltkrisen zu haben wie schon 1933. Wir arbeiten einfach immer mehr und hoffen, das dann alles gut gehen wird. Wir sind brav und fleissig, oder?

Ansonsten … haben die „hierarchischen Kräfte“, die Kräfte der „Unfreiheit“ gewonnen.  Mal wieder. Weil … wir uns zurücklehnen und uns füttern lassen. Wir könnten alles Wissen, doch dafür müßten wir selbst suchen gehen, das gehört nicht zu den Häppchen, die uns der Fernseher zugesteht. Es geht nicht nur um unseren Urlaub, es geht auch … um unser Essen:

Das Streben vieler Länder nach Nahrungsmittelsicherheit ist der wichtigste Grund für das Interesse an australischem Boden. Beobachter sprechen von einem globalen Trend zum „Land Grabbing“ – dem Horten von Agrarland. Denn qualitativ hochwertige Landflächen werden nicht zuletzt als Folge des Klimawandels weltweit immer rarer. Bisher konzentrierten Firmen und Regierungen – allen voran China – ihre Suche nach produktivem Boden vor allem auf afrikanische Länder. Doch zunehmend finden sie auch im traditionellen Agrarland Australien Alternativen.

Quelle Handelsblatt

Nun, wir haben noch keinen Hitler und wie haben auch noch keine NSDAP. Brauchen wir auch nicht. Wir haben Bilderberger, Atlantik-Brücke, Parteien und Gewerkschaften als hierarchische unterwanderte Massenorganisationen, die jeden Widerstand kanalisieren und in bequeme Bahnen lenken, die ihrererseits Unfreiheit als Dogma auf ihre Fahnen geschrieben haben – auch innerparteilich.  Der Nationalstaat wird in der globalisierten Welt auch keine Rolle mehr spielen. Er ist für den Kapitalismus nicht mehr nützlich, da sind sich alle Kapitalisten und Kommunisten einig, Menschen, die merken, das China doch eigentlich alles richtig macht – politisch gesehen. Und wirtschaftlich holen die ja jetzt auch auf.

Wir … lehnen uns zurück. 9 von 10 Deutschen wollen diesen Wahnsinn nicht mehr … aber sie werden es hinnehmen, das ihr Urlaub gestrichen wird, weil das „Heute-Journal“ uns erklärt, warum Dieter Bohlen immer noch da ist, wo er ist, welcher Promi wie Geburtstag feiert und welcher Politiker sich wo prima profiliert hat, während „Land-Grabbing“ für die meisten ein vollkommen unbekannter Begriff ist.

Im Alter werden wir es merken, was das Land-Grabbing bedeutet: dann kostet das Brot fünfzig Euro.

Kriege … brauchen wir in Europa nicht zu befürchten, denke ich.  Noch sind die Ländereien hier als Wohnzone interessant, auf unseren Autobahnen kann man seinen Maserati so richtig schön ausfahren. Aber langfristig … werden wir Geschichte sein wie die USA.  Die neuen Feudalherren etablieren sich nicht mit Burg und Rüstung, sie etablieren sich mit elektronisch gesicherter Villa und gepanzerter Limousine … und Zugriff auf das Essen.

Eins jedoch ist ihnen gleich, wie immer: die Behauptung, ihnen „gehöre das Land“.  Und sie lassen sich immer neue juristische Kniffe einfallen, um diesen Diebstahl zu legitimieren.

Ach ja, und wie immer … geht der Aufschwung an denen, die arbeiten, spurlos vorbei. Ist ja auch seit Jahrtausenden so:

Arbeitsvertragsfragen und Tarifverhandlungen wurden vielmehr von den im April 1933 ernannten „Treuhändern der Arbeit“ festgesetzt, die direkt dem Reichsarbeitsministerium unterstanden. Da Lohnerhöhungen aus Kostengründen vermieden werden sollten, stieg das durchschnittliche Realeinkommen eines Industriearbeiters kaum und lag bis 1939 deutlich unter dem Niveau von 1928.

Quelle: dhm

Mit Konzentrationslagern ist  wieder zu rechnen. Unwertes Leben muß von der Straße.  Und noch ein wenig mehr … dann werden wir verstehen, das wir im Rahmen der großen Globalisierungsschlachten uns nicht nur keinen Urlaub mehr leisten können, sondern das auch die Rente unbezahlbar ist. Dann werden wir ganz viel unwertes Leben haben, dessen Beseitigung aber große Verdienstchancen eröffnet.

Jedenfalls … wenn alles so weitergeht wie bisher.

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